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Full text: Soziale Nachhaltigkeit aus soziologischer Sicht / Opielka, Michael

IZT-Text 3-2015

Soziale Nachhaltigkeit aus
soziologischer Sicht

IZT-Text 3-2015

Soziale Nachhaltigkeit aus
soziologischer Sicht
Prof. Dr. Michael Opielka

Berlin, im Dezember 2015

Der Text erscheint leicht gekürzt in: Soziologie, 45. Jg., Heft 1, 2016

© 2015 IZT - Bibliografische Information der Deutschen Bibliothek
Die deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie.
Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.ddb.de abrufbar.
ISBN 978-3-941374-23-2
Herausgeber:
IZT - Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung gemeinnützige GmbH,
Schopenhauerstr. 26, 14129 Berlin
Tel.: 030-803088-0, Fax: 030-803088-88, E-Mail: info@izt.de
Coverabbildung: © Michael Opielka

Soziale Nachhaltigkeit aus soziologischer Sicht

IZT-Text 3-2015

Soziale Na hhaltigkeit aus
soziologis her Si ht
Inhalt
Kurzfassung ...................................................................................................................................2
Abstract ........................................................................................................................................3
1

Einführung ..............................................................................................................................4

2

Klimawandel und Kapitalismus als antagonistische Megatrends ...............................................5

3

Drei Konzeptionen Sozialer Nachhaltigkeit ...............................................................................8

4

Vier Themendimensionen Sozialer Nachhaltigkeit .................................................................. 10

5

Literatur ................................................................................................................................ 13

1

Soziale Nachhaltigkeit aus soziologischer Sicht

Kurzfassung
Der Begriff „Soziale Nachhaltigkeit“ findet sich bislang nicht auf der Agenda und in Textbüchern der
Soziologie, wie generell ein Mangel an soziologischer Befassung mit der Problemstellung Ökologie und
Nachhaltigkeit auffällt. Zwar hat sich unterdessen eine produktive Umweltsoziologie als Bereichssoziologie herausgebildet, eine sozialtheoretische, auch zeitdiagnostische Soziologie der Nachhaltigkeit
steht noch aus. Der Beitrag hilft diesem Mangel nicht ab, doch deutet zumindest an, warum sich die
Soziologie in einer komplexen und verwirrenden Konstellation bislang schwer tat, einen originären
Zugang zu Nachhaltigkeit zu gewinnen. Mit der Unterscheidung von drei Konzeptionen Sozialer Nachhaltigkeit (eng, internal und weit) und vier Themendimensionen (faktisch, politisch, organisatorisch
und epistemisch) wird das Begriffsfeld erschlossen und soziologischer Optimismus verbreitet.

2

Soziale Nachhaltigkeit aus soziologischer Sicht

Abstract
The term "social sustainability" is not found so far on the agenda and in textbooks of sociology as a
general lack of sociological referral notice to the problem of ecology and sustainability. Although
meanwhile productive environmental sociology has emerged as an area sociology, a social theory, and
time diagnostic sociology of sustainability is still pending. This contribution will not really clear off this
deficiency, but suggests at least, why sociology used to be cautious indeed in a complex and confusing
constellation to win a primary access to sustainability. With the distinction of three concepts of social
sustainability (narrow, internal and wide) and four thematic dimensions (factually, political, organizational and epistemic) is opened up the field of concepts and enhanced sociological optimism.

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Soziale Nachhaltigkeit aus soziologischer Sicht

1

Einführung

Der Begriff »Soziale Nachhaltigkeit« findet sich bislang nicht auf der Agenda und in Textbüchern der
Soziologie, wie generell ein Mangel an soziologischer Befassung mit der Problemstellung Ökologie
und Nachhaltigkeit auffällt. Zwar hat sich unterdessen eine produktive Umweltsoziologie als Bereichssoziologie herausgebildet, eine sozialtheoretische, auch zeitdiagnostische Soziologie der Nachhaltigkeit steht noch aus. Im Folgenden wird diesem Mangel nicht abgeholfen, doch zumindest angedeutet, warum sich die Soziologie in einer komplexen und verwirrenden Konstellation bislang schwer
tat, einen originären Zugang zu Nachhaltigkeit zu gewinnen. Mit der Unterscheidung von drei Konzeptionen Sozialer Nachhaltigkeit (eng, internal und weit) und vier Themendimensionen (faktisch,
politisch, organisatorisch und epistemisch) wird das Begriffsfeld erschlossen und soziologischer Optimismus verbreitet. Der Aktualitätsbezug der Überlegungen speist sich aus einem für die Sozialwissenschaften und insbesondere die Soziologie herausfordernden Befund des Nachhaltigkeitsdiskurses:
die sogenannte Dekarbonifizierung, die Abkehr von einer auf fossilen Stoffen basierenden Ressourcen- und insbesondere Energiewirtschaft ist technologisch auch projektiv keineswegs gelöst, doch die
größte Herausforderung scheint zunehmend ihre soziale, gesellschaftliche Dimension (WBGU 2011).

4

Soziale Nachhaltigkeit aus soziologischer Sicht

2

Klimawandel und Kapitalismus als antagonistische
Megatrends

Klimawandel und Kapitalismus sind ubiquitäre, globale Phänomene, Zukunftsforscher rechnen sie
seit langem zu den dominanten »Megatrends«1. Doch sie unterscheiden sich in zweierlei Hinsicht
markant: vordergründig historisch, der Klimawandel tritt seit den 1970er Jahren auf die politische
Agenda2, der Kapitalismus seit den 1840er Jahren3. Die ökologische Frage als Gattungsfrage beschäftigt die Menschheit nun bald 50 Jahre, die soziale Frage als Klassenfrage seit gut 170 Jahren. Was
sehr lange währt, wird zwar nicht zwangsläufig gut, aber deutet auf Stabilität, Akteursrelevanz, Institutionalisierung. Vielen erscheint die ökologische Frage noch immer herbeigeredet, der Klimawandel
eine Konstruktion, das Wetter doch gut. Gleichermaßen hielten und halten auch viele die soziale
Frage für längst gelöst, den Kapitalismus für siegreich. Die meisten sehen in beiden Fragen hohe Relevanz, ahnen auch einen Zusammenhang, doch klar ist er nicht. Das hat mit dem zweiten Unterschied zu tun: Sie unterscheiden sich auch analytisch. Dieser Unterschied ist gravierend und misslich.
Das seit den 1990er Jahren zirkulierende, sogenannte Dreieck der Nachhaltigkeit, die Unterscheidung
von ökologischer, ökonomischer und sozialer Nachhaltigkeit, die je nach Stakeholderinteresse als
einander verstärkende oder einander gegenseitig bremsende »drei Säulen« konzipiert wird, wirkt auf
den ersten Blick überzeugend. So beschreibt 1998 die Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages »Schutz des Menschen und der Umwelt« erstmals Nachhaltigkeit als die Konzeption einer dauerhaft zukunftsfähigen Entwicklung der ökonomischen, ökologischen und sozialen Dimension
menschlicher Existenz (Deutscher Bundestag 1998). Diese »drei Säulen« der Nachhaltigkeit stehen,
so heißt es seitdem häufig und zugleich kontrovers (Grunwald, Kopfmüller 2012),4 miteinander in
Wechselwirkung und bedürften langfristig einer ausgewogenen Koordination.
Das Dreisäulen- oder Dreiecksmodell der Nachhaltigkeit ähnelt dem in der Nachhaltigkeitsdebatte
ebenfalls präsenten Modell der drei Prozesse »Effizienz-Konsistenz-Suffizienz«, das teils auf unternehmerische Nachhaltigkeitsstrategien bezogen wird (Schaltegger, Burritt, Petersen 2003: 25), sinn–––
1

Der Begriff »Megatrend« wird gern auf seinen Erstverwender John Naisbitt (1984) zurückgeführt, eher ein Trendbeobachter als ein Zukunftsforscher, der sich mehr als Objekt für Diskursanalysen eignet, wie schon damals klar gesehen
wurde (z.B. Linstone 1983). Richard Slaughter erkannte in der Zeitschrift »Futures« insbesondere in Naisbitts 1990 erschienenem Buch »Megatrends 2000« ein theoriefreies »pamphlet for free-market ideology« (Slaughter 1993: 829). Dass
sich eine auf Naisbitt berufende Begriffsverwendung von »Megatrends« in sozialwissenschaftlich und epistemisch weiches Gelände begibt, zeigt eines seiner (neben neuerer China-Literatur) letzten Bücher: »Megatrends: Frauen« (Aburdene, Naisbitt 1993). Nur selten ist in der Zukunftsforschungsliteratur explizit von »Kapitalismus« die Rede, bisweilen und
vage von »Negatrends« (Slaughter 1993: 847). In der exzellenten zeithistorischen Rekonstruktion der Entwicklung der Zukunftsforschung seit 1945 durch Elke Seefried (2015) kommt Naisbitt nicht vor. Wenn die heute übliche Definition von
Megatrends zugrunde gelegt wird: ein grundlegender und alle Lebensbereiche umfassender Wandel mit einer temporalen Persistenz von mindestens 20 bis 25 Jahren (Kreibich 2008: 13f.), dann lässt sich die kapitalistische Formation spätestens seit dem Zusammenbruch des »realen Sozialismus« und in dessen ehemaligen Einflussgebiet durchaus als Megatrend ausmachen. Eine soziologisch informierte Verwendungs-analyse des Begriffs »Megatrend« steht noch aus, wie
generell Zeitdiagnostik in der Soziologie als ambivalentes, journalismusaffines Geschäft gilt (Volkmann 2015).

2

»United Nations Conference on the Human Environment«, Stockholm 1972; Joachim Radkau spricht von der »ökologischen Revolution« um 1970 (Radkau 2011: 124ff.).

3

Karl Marx und Friedrich Engels, Kommunistisches Manifest, 1848.

4

Felix Ekardt hält die Unterscheidung für unmaßgeblich und definiert Nachhaltigkeit ausschließlich gerechtigkeitstheoretisch: »Nachhaltigkeit handelt von der integrierten Bewältigung intertemporal-globaler Problemlagen.« (Ekardt 2011: 44)

5

Soziale Nachhaltigkeit aus soziologischer Sicht

vollerweise aber für alle stoffbezogenen Nachhaltigkeitsstrategien Relevanz beanspruchen kann.5
Joseph Huber hatte schon in den 1990er Jahren »Konsistenz vor Effizienz vor Suffizienz« und eine
»Gesamtstrategie der abgestuften Präferenzen« gefordert. Sie müsse
»zuerst und vor allem versuchen, die ökologische Angepasstheit der Stoffströme durch
veränderte Stoffstromqualitäten zu verbessern (Konsistenz), um dann, auch aus ökonomischen Gründen, die Ressourcenproduktivität dieser Stoffströme optimal zu steigern (Effizienz), und wo beide Arten von Änderungen in ihrem Zusammenwirken an
Grenzen geraten, da müssen wir uns eben zufrieden geben (Suffizienz).« (Huber 1995:
157)
Die Korrespondenz zwischen Dreisäulen- und Dreiprozessemodell der Nachhaltigkeit könnte die Folgende sein: ökologische Nachhaltigkeit und Konsistenz, ökonomische Nachhaltigkeit und Effizienz,
soziale Nachhaltigkeit und Suffizienz. Doch der Stolperstein ist unübersehbar, hat doch ein Verständnis von sozialer Nachhaltigkeit, das sich vor allem auf Ungleichheit und Gerechtigkeit bezieht, bisher
wenig mit Suffizienz im Sinn von Genügsamkeit zu tun.
Die drei Dimensionen der Nachhaltigkeit finden sich als ein einigendes Deutungsmuster im Anschluss
an die UN-Konferenz von Rio de Janeiro 1992 (United Nations Conference on Environment and Development, UNCED), deren Abschlusserklärung6 ein solches Dreieck jedoch nicht formuliert.7 Deutungsmuster sind in der Regel implizit und vorbewusst. Hier ist das eingangs erwähnte analytische
Problem im Nachhaltigkeitsdreieck eingebaut: Wirtschaftliche Nachhaltigkeit meint in einer kapitalistisch verfassten Weltwirtschaft, dass die Funktionsimperative des Wirtschaftssystems nicht gefährdet
werden dürfen; ihre Protagonisten im Nachhaltigkeitsdiskurs sind Arbeitgeber, Unternehmerverbände, Wirtschaftsflügel. Soziale Nachhaltigkeit meint zunächst die andere Seite im Klassenantagonismus, hier positionieren sich weltweit Gewerkschaften und NGOs, die sich der Repräsentanz der
Nicht-Kapital-Besitzenden und Exkludierten verpflichten. Wenn also, wie in praktisch allen relevanten
Nachhaltigkeitsdiskursen, eine Homöostase dieses Dreiecks beschworen wird, dann wird der Klassenantagonismus in die Figur der Nachhaltigkeit eingebaut und gleichzeitig in einen zweiten Antagonismus gespannt, nämlich zur »reinen« ökologischen Frage. Antagonismen oder, mehr noch, Ambivalenzen neigen dazu, die Akteure zu lähmen. Eine doppelte Ambivalenz im Drei-Säulen-Konzept der
Nachhaltigkeit birgt damit verschärftes Stillstellungsrisiko. Am Beispiel der Klimapolitik lässt sich das
gut demonstrieren: Gewerkschaften und Regionalpolitiker kämpfen Seite an Seite mit Energiekonzernen für ein Weiterbestehen der fossilen Energieerzeugung durch Braunkohle und gegen eine Dekarbonifizierung. Stephan Lessenich hat das Verwirrungspotential der Spätmoderne auf den nachhaltigkeitsrelevanten Begriff der »Externalisierungsgesellschaft« gebracht. In ihr leben die Leute »nach
a solute Maßstä e […] ü er de Verhält isse a derer« Lesse i h
:
. Kli awa del u d
–––
5

So wird es mit dem Bericht der Enquete-Kommission des nordrhein-westfälischen Landtages zur Zukunft der Chemieindustrie in Nordrhein-Westfalen stark gemacht (Landtag NRW 2015), folgt man jedenfalls den Ausführungen des grünen
Kommissionsvorsitzenden
Hans-Christian
Markert
(http://gruene-fraktionnrw.de/parlament/parlamentarisches/reden/redendetail/nachricht/hans-christian-markert-eine-chemie-aus-sonnewasser-abfall-und-luft-ist-kein-luftschloss-mehr.html). Ein Blick in den Kommissionbericht zeigt, dass die Begriffstrias dort
nicht auftaucht, die die dortige Koalition dominierende sozialdemokratische Partei hat die grünen Wünsche wohl zurückgeholt.

6

Abschlusserklärung 1992 http://www.un.org/Depts/german/conf/agenda21/rio.pdf. Letzter Aufruf 16. November 2015.

7

Die Erklärung der Stockholm-Konferenz 1972 enthält dies ebenso wenig: http://www.un-documents.net/aconf4814r1.pdf. Letzter Aufruf: 16. November 2015.

6

Soziale Nachhaltigkeit aus soziologischer Sicht

Kapitalismus verschmelzen im sozialen Wegschauen. Eine babylonische Verwirrung aus Volkskapitalismus und Volksklimawandel scheint Akteure irrelevant zu machen, der Klimawandel im Kapitalismus wird zu einem wunderlichen Narrativ, zu einer Kulturfigur, die nur als »Ressource der Imagination«, so Mike Hulme, noch politisch umgestaltet werden kann (Hulme 2014: 333).
Hier kann ein Dokument der »Commission for Social Development« des »Economic and Social Council« ECOSOC der United Nations8 helfen, sowohl das Konzept Sozialer Nachhaltigkeit zu schärfen wie
die Möglichkeiten und Grenzen politischer Unterstützung des Klimaschutzes näher zu bestimmen. Es
handelt sich um ein Diskussionspapier mit dem Titel »Emerging issues: the social drivers of sustainable development« (UN 2014), dessen Argumentationsduktus zunächst auf dem organisierten Klassenkompromiss und der dominanten Wertschätzung von Erwerbsarbeit liegt. Dies entspricht dem
Grundimpuls von ECOSOC, der sich in der tripartiten Konstruktion (Regierungen-GewerkschaftenArbeitgeber) der UN-Unterorganisation ILO noch zuspitzt. Nach Auffassung der Autoren des Dokuments haben nun drei politische Diskurse die alte Lohnarbeitszentrierung aufgeweicht:
1. Seit den 1980er Jahren der Diskurs um Frauenarbeit, der zeigte, dass gleiche Zahlung für gleiche Arbeit ebenso wenig durchgesetzt ist, wie eine sichtbare Bewertung der Familien- bzw.
Hausarbeit.
2. Die Wahrnehmung und zunehmende Anerkennung der informellen Ökonomie seit den
1990er Jahren durch die Selbstartikulation des Globalen Südens und der Relevanzbeobachtung der Subsistenzökonomie; die Diskussion um eine Erweiterung des BIP um nichtmonetäre Wohlfahrtsleistungen gehört in diesen Diskurspfad.
3. Schließlich und erst seit den 2000er Jahren, im Anschluss an die Finanzkrise 2008ff., aufgrund
der Beobachtung von »jobless growth« eine Infragestellung von Wirtschaftswachstum an
sich, dessen ökologische Folgen in diesem Diskursbereich zunächst eine geringere Rolle spielten.
Das Dreieck der Nachhaltigkeit wird zu Beginn des Dokuments in einer spezifischen Textform aufgerufen: »sustainable development, enabled by the integration of economic growth, social justice and
environmental stewardship«. Ökonomische Nachhaltigkeit wird umstandslos als ökonomisches
Wachstum eingebaut und mit der Forderung verbunden, dass die drei Dimensionen gleichrangiger
(»more equal«) behandelt werden als bisher. Warum soll das der Fall sein? Die Antwort erscheint
schlicht: »Indeed, the interpretation of sustainable development has tended to focus on environmental sustainability while neglecting the social dimension.« Was aber ist diese »social dimension«,
könnte sie mehr oder etwas anderes sein als »social justice«, als der Fokus auf Ungleichheit und ihre
Behebung? Das ECOSOC-Dokument deutet das an. Als »social drivers for sustainable development«
wird eine bemerkenswerte Reihe von Handlungsfeldern kombiniert, von der Förderung der informellen Öko-nomie über eine universalistische Sozialpolitik einschließlich eines Grund-einkommens
(»transformative social policy«), eine »grüne Ökonomie«, Partizipation und Empowerment, bis hin zu
einer generell sozialen und solidarischen Ökonomie, eine Treiberliste, die noch vor wenigen Jahren
im gewerkschaftsbezogenen Kontext undenkbar gewesen wäre.

–––
8

ECOSOC versteht sich als zentrale Plattform für Nachhaltigkeitsdiskurse: »the U ited Natio s’ ce tral platfor for reflection, debate, and innovative thinking on sustainable development.« (http://www.un.org/en/ecosoc/about/index.shtml,
letzter Aufruf 16. November 2015).

7

Soziale Nachhaltigkeit aus soziologischer Sicht

3

Drei Konzeptionen Sozialer Nachhaltigkeit

Es erscheint folglich überfällig, dass der bislang diffuse Begriff »Soziale Nachhaltigkeit« klarer konturiert und vor allem nicht mehr auf den ökonomischen Diskurs reduziert wird (Jahrbuch Ökologische
Ökonomik 2007). Ratsam wäre eine genuin sozialwissenschaftliche, zunächst soziologische, im Weiteren transdisziplinäre Perspektive. Eine diskursanalytische Betrachtung9 der Verwendung des Begriffs(feldes) »Soziale Nachhaltigkeit« zeigt drei Konzeptionen:
1. Ein enges Verständnis von Sozialer Nachhaltigkeit: Hier wird das Soziale als eine von »drei
Säulen« von Nachhaltigkeit konzipiert, als Konfliktreduktion und Umverteilung, als Begleitung
der ökologischen Nachhaltigkeit, die im Zentrum dieser Konzeption steht.10
2. Ein internales Verständnis von Sozialer Nachhaltigkeit als Nachhaltigkeit des Sozialen: diese
Konzeption hat mit Ökologie, mit dem heute üblichen Konzept von Sustainability/Nachhaltigkeit zunächst wenig zu tun. Sie bezieht sich nur auf das Soziale selbst. Hier geht
es um Generationengerechtigkeit, beispielsweise in der Verteilung der Finanzierungslasten
der Rentenversicherung zwischen Jung und Alt. Es geht um eine nachhaltige Vermögenskultur, beispielsweise durch vermehrte Stiftungsgründungen, oder um »good governance«, um
die langfristige Stabilität (demokratischer) Institutionen. Die Brücke der internalen Konzeption zur Verantwortung gegenüber Natur und Umwelt schlägt die Diskussion über Gemeingüter, die Commons: Luft, Artenvielfalt, Wasser, Naturschönheiten sind durch Egoismen und
Kurzzeitdenken bedroht, der Blick auf das Gemeinschaftliche in einer konkreten kleineren bis
zur Welt-gesellschaft schließt die ganze Ökologie des Sozialen ein, von der Natur bis hin zum
geistigen Welterbe.11
3. Schließlich findet sich auch ein weites Verständnis Sozialer Nachhaltigkeit, in dem das »Soziale«, dem englischen Sprachgebrauch folgend, als das »Gesellschaftliche« verstanden wird:
Soziale Nachhaltigkeit wird hier als gesellschaftliches Projekt, als Transformationsprojekt
konzipiert. In dieser Arena werden derzeit Diskussionen über die Postwachstumsgesellschaft,
um »Green Growth« versus »Degrowth« geführt.
Alle drei Konzeptionen Sozialer Nachhaltigkeit beinhalten wesentliche und zukunftsfähige Gesichtspunkte. So markiert das enge Verständnis jene sozioökonomische Konfliktlage, die zuletzt Thomas
Piketty als weltweiten Dominierungsprozess von Kapitalrenditen über Arbeitnehmereinkommen
analysierte (Piketty 2014). Sie inszeniert sich in der Diskussion um Energiepreise oder Braunkohleabbau, wonach Klimaschutzmaßnahmen sozial ungleich wirken und vorhandene Benachteiligungen zu
verschärfen drohen. Das internale Verständnis wiederum legt den Fokus auf positive Gestaltungsoptionen, auf ein »Transformationsdesign« (Sommer, Welzer 2014), die Konfliktlinien sind hier nicht so
offensichtlich. Das weite Verständnis Sozialer Nachhaltigkeit schließlich könnte zu einem Leitbild des
Nachhaltigkeitsdiskurses insgesamt werden. Indem es das Soziale, das Gesellschaftliche einer Trans–––
9

Ein solcher Versuch wurde von Hans-Joachim Plewig und Mascha Kurenbach an der Fakultät Nachhaltigkeit der Leuphana
Universität unternommen (Plewig, Kurenbach 2014). Er beschränkt sich jedoch auf den Bibliothekskatalog ihrer Universität als Materialgrundlage und bezieht die enorme Fülle internationaler Veröffentlichungen zu Sustainability Sciences in
Fachzeitschriften nicht ein (Kates et al. 2001; Bettencourt, Kaur 2011). Der vorliegende Text ist Bestandteil eines Forschungsprogramms, das eine solche Diskursanalyse beinhaltet.

10

Exemplarisch: Senghaas-Knobloch 2009, ähnlich auch Jahrbuch Ökologische Ökonomik 2007.

11

In diese Richtung argumentiert eine Forschergruppe am Umweltforschungszentrum Leipzig (Klauer et al. 2013) mit einem
»Beständekonzept«, das die Dimension »Zeit« in die Ökonomie einholt und dadurch Nachhaltigkeit operationalisiert.

8

Soziale Nachhaltigkeit aus soziologischer Sicht

formation zu einer nachhaltigeren Gesellschaft betont ohne sich damit zu begnügen, wird markiert,
dass eine primär technologische oder ökonomische Strategie den systemischen Charakter der sozialökologischen Problemstellung verfehlt.
Ein solch weites Verständnis Sozialer Nachhaltigkeit zielt auf eine umfassende Reorganisation von
Politik, wie sie im 20. Jahrhundert mit der Idee des Wohlfahrtsstaates und der Etablierung verschiedener Formen eines »Wohlfahrtsregime« weltweit erfolgreich gelang.12 Es wäre zu hoffen, dass es
der Nachhaltigkeitsbewegung, wie zuvor der Arbeiterbewegung, gelingt, neue Institutionen zu fordern und zu fördern, die den sozialen Ausgleichsimpuls des Sozialstaats systematisch zu einer Art
»Öko-Wohlfahrtsregime« weiterentwickeln.
Eine Nachhaltigkeitsbewegung benötigt Transformationsnarrative. Psychische Veränderungen erfordern symbolische Repräsentanzen des Ungedachten, des Noch-Nicht (Bohleber 2014). Das gilt auch
für soziale Veränderungen. Michael Braungart, der Erfinder des »Cradle-to-Cradle«-Prinzips, kritisiert
den Nachhaltigkeitsdiskurs mit einem einprägsamen Bild: Nachhaltigkeit sei nicht genug, viel wichtiger sei Qualität (Braungart, McDonough 2014). Den Menschen als Naturschädling zu betrachten,
nähre zugleich Resignation und Zynismus. Die Tätigkeit des Menschen, seine Sozialität, soll und kann
der Welt nützen, so die hoffnungsvolle Annahme: Erst durch den Menschen wird die Welt für den
Menschen zu einem guten Ort. Die Natur allein, der romantische Traum von einem naturidentischen
Leben ist ein Alptraum.

–––
12

Opielka 2008 im Anschluss an die Arbeiten von Gøsta Esping-Andersen; zu einer frühen Positionierung der Sozialpolitik in
den ökologischen Diskurs vgl. Opielka 1985.

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Soziale Nachhaltigkeit aus soziologischer Sicht

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Vier Themendimensionen Sozialer Nachhaltigkeit

Worum geht es thematisch bei einem weiten Verständnis Sozialer Nachhaltigkeit? Ändert sich
dadurch die Wahrnehmung von Problemen und, mehr noch, lassen sich daraus analytische Überlegungen insbesondere für die soziologische Forschung entwickeln? Im Folgenden sollen kurz vier Stufen, vier Emergenzniveaus13 Sozialer Nachhaltigkeit skizziert werden:
Auf der ersten Ebene geht es um das Faktische, um die ökosoziale Frage, die Problemanzeige: Es ist
die Ebene der Differentialdiagnostik, hier finden wir die Vielzahl von Themen aus der sozialökologischen Forschung (SÖF),14 aus der breiten internationalen Diskussion um Transition und Transformation zu einer nachhaltigen Gesellschaft (Grin, Rotmans, Schot 2010; Scoones, Leach, Newell 2015),
erweitert um die Wohlfahrtsstaats- und -regimeforschung. In temporaler Hinsicht ist diese Ebene
auch das Terrain der empirischen Zukunftsforschung, die mit Megatrend-Analysen, Szenarien, Roadmaps und Stakeholderpartizipation die materiale Grundlage für alle Transformationsreflexionen legt
(Popp, Zweck 2013).
Die zweite Ebene markiert das Politische: Themen sind hier die Anwendungs- und Transferorientierung, Reallabore, Translationalität. In demokratischen Kulturen gehört dazu Partizipation und Diskursivität, bis hin zu Citizen Science. Es geht hier, ähnlich wie in den kulturwissenschaftlich geprägten
»Postcolonial Studies«, um eine Wahrnehmung der Stimmen aus dem »Off« und ihre repräsentative
Einbeziehung in dominante Diskurse, im Grunde um ihre diskursive Inklusion (Lessenich 2015). Generell fordert ein Forschungsprogramm Sozialer Nachhaltigkeit auf dem Level des Politischen Wertreflexivität: Kein strategisches Interesse rechtfertigt sich ohne Argument, das seine normative Dimension offen legt.
Auf der dritten Ebene finden wir das Organisatorische der scientific community: die Themen Sozialer
Nachhaltigkeit sind hier Interdisziplinarität und vor allem, zugleich am schwierigsten, Transdisziplinarität und Neodisziplinarität. Auf der Suche nach einer transdisziplinären Forschung für Nachhaltigkeit
entstehen unterdessen neue Disziplinen: Sustainability Sciences.
Die vierte Ebene einer wissenschaftlichen Befassung mit Sozialer Nachhaltigkeit zielt auf das Epistemische, auf die Möglichkeitsbedingungen komplexen, holistischen und systemischen Denkens: Themen sind hier die Spannung von Evolution und Emergenz, von Entwicklung und Sprung, die große
Frage nach den Bedingungen wissenschaftlicher Paradigmenwechsel.
Die hier skizzierten Themen finden sich überwiegend, wenngleich in anderer oder ohne analytische
Systematisierung, auch in neueren Texten zur transformativen Wissenschaft bei Uwe Schneidewind
oder Thomas Jahn (Schneidewind, Singer-Brodowski 2013; Jahn 2013). Die Repräsentanz der Wirklichkeit in der Wissenschaft ist mehrdimensional und kann auf jeder Ebene zu Konflikten führen. Geboten sind Heuristiken zur Unterscheidung, vor allem dann, wenn Wissenschaft zur Zukunftsgestal–––
13

Die vier Emergenzniveaus entsprechen den vier Reflexionsstufen einer auf Georg Willhelm Friedrich Hegel und Talcott
Parsons aufbauenden Handlungs- und System-theorie (Opielka 2006). In der wissenssoziologischen Perspektive von Parsons können zwei gegenläufige Hierarchien unterschieden werden: die energetische Hierachie von Materie zu Information (Level 1 bis 4) und die informationelle Hierarchie von Information (oder Geist) zu Materie (Level 4 bis 1).

14

Das BMBF begann 1999 mit einer Sondierungsphase zur gleichnamigen Forschungslinie, die unterdessen zumindest in
der deutschen Diskussion eine außerordentliche empirische und theoretische Präsenz erreicht hat:
http://www.fona.de/de/19711; relevant erscheinen die zaghaften, doch zunehmenden Überschneidungen zu gleichfalls
BMBF-finanzierten Prozessen der Zukunftsforschung unter der Signatur »Foresight« (Zweck et al. 2015).

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Soziale Nachhaltigkeit aus soziologischer Sicht

tung beitragen will und dadurch in sozialen Konflikten unvermeidlich Partei wird. Der Präsident der
DFG, Peter Strohschneider, kritisierte 2014 heftig das Konzept der »Transformativen Wissenschaft«
als Entdifferenzierung komplexer Wirklichkeit. Eine »Große Transformation«, im Sinne des hier vertretenen weiten Konzepts Sozialer Nachhaltigkeit, sei moralisch überladen und trage zugleich zur
Depolitisierung bei, weil nun alles dem von Experten getriebenen Nachhaltigkeitsziel unterworfen
werde (Strohschneider 2014). Armin Grunwald beruhigte, verglich die Entstehung der transformativen Nachhaltigkeitsforschung mit der Genese der Technikwissenschaften, sah Parallelen und auch
keinen Umsturzwunsch, sondern eine organisatorische Chance zur Erweiterung des wissenschaftlichen Blicks (Grunwald 2015). Ähnlich erkennt auch der Wissenschaftsrat in einem Positionspapier die
Notwendigkeit »Große gesellschaftliche Herausforderungen« zu adressieren, worunter bei wissenschaftspolitischen Akteuren vor allem Klimawandel, globale Erwärmung und saubere Energie verstanden würden (Wissenschaftsrat 2015: 15).
Strohschneiders Kritik am Konzept der »Transformativen Wissenschaft« ist aus soziologischer Sicht
allerdings nicht nur aufgrund seiner Rekonstruktion von vier Motiven ihrer Vertreter reflexionsbedürftig, sondern weil er soziologische Befunde in erstaunlicher Weise trivialisiert. Die vier kritisierten
Motive sind auf den ersten Blick durchaus beunruhigend. So wirft er den Protagonisten einer transformativen Wissenschaft zum einen »Solutionismus« vor, ein Schema von Problem und Lösung: »Das
Schema vereinseitigt ja die Zweiseitenform von Wissenschaft als Weltverstehen und Weltgestaltung
zugunsten letzterer« (Strohschneider 2014: 180), eine herbe Kritik, die aus DFG-Binnenperspektive
nachvollziehbar, bei Insichtnahme des weiten Feldes angewandter Forschung aber doch sehr überzogen erscheint. Seine zweite Kritik gilt dem Ziel der »Transdisziplinarität«, die »an die Stelle der innerwissenschaftlichen Prozessordnung der Disziplinarität einen außerwissenschaftlichen Referenzrahmen« (ebd.: 181) rücke. Strohschneider übersieht freilich, dass zahlreiche wissenschaftliche Disziplinen selbst die Folge bislang disziplinär unbefriedigend bearbeiteter Problemstellungen waren
und auch künftig sein werden, von der Sozialen Arbeit über die Kommunikationswissenschaften bis
hin zu Sustainability Sciences. Das dritte von ihm kritisierte Motiv »Faktengewalt« befürchtet die
Unterwerfung wissenschaftlicher Wahrheitsansprüche, ähnlich dem ersten Motiv, einem »Nützlichkeitsbereich außerwissenschaftlicher Verwertungszusammenhänge«, der sich zudem noch »an den
Letztwert der Nachhaltigkeit normativ rückgebunden weiß« (ebd.). Empirische Beispiele dafür hält er
jedoch nicht bereit. Das vierte Motiv der »Entdifferenzierung« schließlich beklagt, dass »die Grenze
zwischen Wissenschaft und Gesellschaft bereits niedergerissen und die Vergesellschaftung der Wissenschaft vollzogen« (ebd.: 182) sei. Der Mediävist Strohschneider, der angibt, auch Soziologie studiert zu haben, demonstriert mit dieser Motivkritik ein eigentümliches außergesellschaftliches Verortungskonzept von Wissenschaft, gegen das die Soziologie nicht nur mit Referenz auf Niklas Luhmanns
»Wissenschaft der Gesellschaft« (Luhmann 1990) protestieren darf. Es mag sein, dass der Nachhaltigkeitsdiskurs sowohl als Expertendiskurs wie als Hereinholen verschiedenster Stakeholder für die
Wissenschaft kompliziert und überforderungsnah scheint. Doch ein Politikkonzept, in dem »politische Legitimität gerade nicht an Wahrheiten geknüpft ist, sondern an Mehrheiten« (ebd.: 188) reduziert Demokratie auf die Stimmabgabe und übersieht den Beitrag wie die Verantwortung von Wissenschaft für die Erzeugung von Legitimität, wie im Übrigen auch innerhalb des Politiksystems, der
Judikative, am Beispiel der Bundesverfassungsgerichtsbarkeit unschwer beobachtet werden kann.
Dennoch erscheint der von Strohschneider ausgelöste Diskurs für die Nachhaltigkeitsdiskussion hilfreich. Wolfgang Rohe, Geschäftsführer der Stiftung Mercator, schlug vor, das Autonomiekonzept auf

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Soziale Nachhaltigkeit aus soziologischer Sicht

eine soziologisch hoch relevante Problemstellung des Wissenschaftsbetriebs anzuwenden und hier
das Potential der Transformativen Wissenschaft (TW) geltend zu machen:
»Die kritische Verve der TW wäre indes eher gegen den heute dominanten Qualitätsdiskurs zu richten. Ihn könnte man – anders als die Autonomie – tatsächlich als Falle
analysieren, in die die Wissenschaft geraten ist. Angesichts der deformierenden Wirkung des vorgeblich wissenschaftsnahen Qualitätsdiskurses auf die wissenschaftliche
Produktivität könnte es sich lohnen, verstärkt in eine tiefere Analyse des Nutzendiskurses einzusteigen.« (Rohe 2015: 159)
Für die Soziologie ist Nützlichkeit keine Schande. Der Fokus Soziale Nachhaltigkeit erlaubt eine beruhigende und ermunternde Parallele: Vielleicht erfüllt die transformative Nachhaltigkeitswissenschaft
am Beginn des 21. Jahrhunderts eine ähnliche Funktion wie die Sozialwissenschaften am Beginn des
20. Jahrhunderts. Nicht nur die Soziologie begriff sich damals als Medium der Sozialreform, der Antwort auf die soziale Frage als Klassenfrage. Das Ergebnis war der Wohlfahrtsstaat. Ein Jahrhundert
später wird die ökosoziale Frage, wenn es gut geht, durch ein globales »Öko-Wohlfahrtsregime« beantwortet. Warum also das neue Label »Soziale Nachhaltigkeit«? Das stärkste Argument dafür:
Nachhaltigkeit beginnt in Gesellschaft und endet in ihr. Ein weites Konzept Sozialer Nachhaltigkeit
bringt die Soziologie in das Zentrum eines Zukunftsdiskurses, in dem sie ihre Stärken bescheiden
geltend machen kann.

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Soziale Nachhaltigkeit aus soziologischer Sicht

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Literatur

Aburdene, P., Naisbitt, J. 1993: Megatrends: Frauen, Düsseldorf u.a.: ECON.
Bettencourt, L., Kaur, J. 2011: Evolution and structure of sustainability science. Proceedings of the
National Academy of Sciences, December 6, Vol. 108, No. 49, 19540–19545.
Bohleber, W. 2014: Auf der Suche nach Repräsentanz – Analytisches Arbeiten an der Schnittstelle
von Ungedachtem und symbolisch Repräsentiertem. Psyche, 48. Jg., Heft 9–10, 777–786.
Braungart, M., McDonough, W. 2014: Intelligente Verschwendung. The Upcycle: Auf dem Weg in
eine neue Überflussgesellschaft, München: ökom.
Deutscher Bundestag 1998: Abschlussbericht der Enquete-Kommission »Schutz des Menschen und
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Autorenhinweis:
Prof. Dr. habil. Michael Opielka (Jg. 1956) leitet seit 2012 als wissenschaftlicher Direktor und Geschäftsführer das IZT - Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung. Er lehrt seit 2000 am
Fachbereich Sozialwesen der Ernst-Abbe-Hochschule Jena (EAH Jena) und vertritt das Fachgebiet
Sozialpolitik. Als Privatdozent für Soziologie lehrt er an der Fakultät Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der Universität Hamburg. Er studierte an den Universitäten Tübingen und Zürich Rechtswissenschaften, Erziehungswissenschaften und Psychologie (Dipl. Päd. 1983), promovierte bei Prof.
Claus Offe und Prof. Richard Münch im Fach Soziologie an der Humboldt-Universität zu Berlin (Dr.
rer. soc. 1996) und habilitierte mit der Venia Soziologie an der Universität Hamburg (2008). Forschungsaufenthalte u.a. an der University of California at Berkeley (Dept. of Sociology 1990-1, School
of Social Welfare 2004-5). Gastprofessur für Soziale Nachhaltigkeit an der Universität Leipzig (2015).
Vor seinem Ruf an die EAH Jena arbeitete er unter anderem als Rektor und Geschäftsführer der Alanus Hochschule (für Kunst und Gesellschaft) in Alfter bei Bonn (1997-2000), als Abteilungsleiter am
Staatsinstitut für Familienforschung an der Universität Bamberg (1995-6), als Vorstand und Bereichsleiter der Karl-Kübel-Stiftung für Kind und Familie (1994-5) und als wissenschaftlicher Mitarbeiter an
den Universitäten Tübingen und Düsseldorf. Zwischen 1983 und 1987 arbeitete er als wissenschaftlicher Referent für Sozialpolitik der Bundestagsfraktion der Grünen. 1987 gründete er u.a. mit André
Gorz, Georg Vobruba, Gunnar Adler-Karlsson und Christian Leipert das „Institut für Sozialökologie“.

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