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Periodical volume

Full text: Nahdran Issue 2015,[1] Februar

nahdran.

Termine
12. – 17. April 2015, Daegu-Gyeongbuk, Südkorea
7. Weltwasserforum

10. – 12. Februar 2015, Essen
E-world energy & water

Aus Branche und Unternehmen.
Februar 2015

Forum zum Thema Wasser für Politiker und Entscheider

www.e-world-essen.com

www.worldwatercouncil.org

5. – 6. März 2015, Berlin
European Sustainable Phosphorus Conference 2015
www.phosphorusplatform.eu

15. – 16. April 2015, Saarbrücken
Internationaler Automobilkongress des AKJ Automotive
www.akjnet.de

16. – 17. März 2015, Berlin
Berliner Recycling- und Rohstoffkonferenz
www.vivis.de

18. – 19. April 2015, Osnabrück
Die Energiemesse
www.die-energiemesse.de

17. – 18. März 2015, Dresden
17. Dresdner Abwassertagung

28. – 29. April 2015, Offenburg
Abwasser Praxis

Branchentagung und Fachausstellung

Fachmesse zum Thema Abwasser

www.dresdner-abwassertagung.de

www.abwasserpraxis.de

24. – 27. März 2015, Berlin
Wasser Berlin International
Fachmesse und Kongress für die Wasserwirtschaft

www.wasser-berlin.de

28. – 30. April 2015, Mülheim an der Ruhr
Cities of the Future – Transitions to the Urban Water Services
of Tomorrow »TRUST«
www.conference.trust-i.net

25. – 27. März 2015, Dresden
Dresden Nexus Conference

15. – 17. Mai 2015, Essen
48. Essener Tagung für Wasser- und Abfallwirtschaft

Water, Soil and Waste

www.essenertagung.de

www.dresden-nexus-conference.org

25. – 27. März 2015, Berlin
15. Internationaler Automobil Recycling Kongress

20. – 22. Mai 2015, Berlin
Metropolitan Solutions
www.metropolitansolutions.de

www.icm.ch

Veolia in Deutschland

Wasser

Energie

Entsorgung

12.000 Beschäftigte
1,9 Mrd. Euro Umsatz

200 Standorte

Impressum: nahdran. Aus Branche und Unternehmen | Herausgeber: Veolia Deutschland GmbH, Unter den Linden 21, 10117 Berlin,
www.veolia.de/nahdran | Redaktion: Matthias Kolbeck (verantwortlich für den Inhalt), Sabine Kraus, Dr. Martina Bruckschen, Telefon:
030-2062956-72, nahdran@veolia.de | Druck: AlsterWerk MedienService | Konzept, Realisierung, Illustrationen: Johanssen + Kretschmer
Strategische Kommunikation | Illustrationen: Anke Seeliger | Bildnachweise: Shutterstock/ Huguette Roe, Budimir Jevtic, Barbol (S.
2), Laurence Chaperon (S. 8), IÖW (S. 9), Fraunhofer IPA/ Michael Steinert (S. 12), Shutterstock/ S. Borisov (S.13), Frank Fendler,
1. FC Kaiserslautern (S. 14), DUH/Julia Barthel (S.15), Shutterstock/ antoniomas (S. 16-17), Veolia Deutschland GmbH (S. 17), Shutterstock/ Paul
Michael Hughes (S. 18-19), Anselm Gaupp (S.18), Alnatura/ Marc Doradzillo, Original Unverpackt/ Jendrik Schroeder (S. 20), Original Unverpackt/
Katharina Massmann (S. 21), Performance Electrics gGmbH (S. 22-23) | Alle Beiträge sind urheberrechtlich geschützt. Nachdruck nur mit Genehmigung der Redaktion. Gedruckt auf 100% Recyclingpapier.

Nicht nur ein Mehrwert für das Klima:
Wirtschaftsfaktor Energieeffizienz

www.veolia.de/nahdran

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Aus der Branche

Auf ein Wort
Klimaschutz in der Abfallwirtschaft
von Entwicklungsländern

Energiewende: Mehr als Ökostrom

Deutschland beteiligt sich über das Umweltministerium an einem WeltbankFonds, der Klimaschutzprojekte in der Abfallwirtschaft von Entwicklungsländern
fördert. Der neue Fonds »Pilot Auctioning Facility« soll nicht nur die inzwischen
eingebrochene Finanzierung der Klimaprojekte durch CO2-Zertifikate fortschreiben, sondern auch den Entwicklungsländern helfen, die Emissionsminderung durch eigene Politiken und gesetzliche Regelungen sicherzustellen. Der
Fonds widmet sich besonders Projekten zur Methanminderung in den Bereichen
Deponieentgasung, organische Abfälle und Abwasserentsorgung.

D

ie Energiewende in Deutschland hat die Branche kräftig durcheinandergewirbelt: Das Geschäftsmodell der klassischen Energieversorger steht in
Frage, allen voran die »großen Vier« befinden sich in spektakulären Anpassungsprozessen. Der Fokus darauf und die oft kleinteilige Diskussion über Reformen
bei der Förderung der Erneuerbaren und dem Energiemarktdesign verstellen zuweilen
den Blick darauf: Die Idee der Energiewende ist ein großer Erfolg, nicht nur in Deutschland, sondern weit darüber hinaus. Natürlich wird der spezifisch deutsche Weg dabei
im Ausland nicht einfach übernommen, aber der Grundansatz des geplanten, schrittweisen Ausstiegs aus der fossilen Energie entfaltet zusehends globale Wirkungsmacht.

www.bmub.bund.de

Düngemittelverordnung als Kompromiss
zwischen Umwelt und Landwirtschaft
Noch zum Jahresende hat die Bundesregierung den langerwarteten Entwurf der
neuen Düngeverordnung auf den Weg gebracht. Er sieht für alle Düngemittel einschließlich pflanzlicher Gärrückstände eine Stickstoff-Obergrenze von 170 Kilogramm je Hektar und Jahr vor. Gegenüber der bisherigen Verordnung werden die
Sperrfristen ausgeweitet und alle Düngemittel mit einem wesentlichen Gehalt an
Stickstoff einbezogen. Auch die Abstandsregeln zu Gewässern wurden leicht erhöht, darüber hinausgehende wasserrechtliche Abstands- und Bewirtschaftungsregelungen bleiben bestehen. Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt
nannte den Entwurf »einen guten Ausgleich zwischen Umweltinteressen einerseits
und praktikablen Lösungen für die Landwirtschaft andererseits.« Der Sachverständigenrat für Umweltfragen hingegen kritisiert, dass die Stickstoffproblematik
entschiedener angegangen werden müsse.
www.bmel.de

Forschung und Richtlinien zur Wasserwiederverwendung
Die Gemeinsame Forschungsstelle der Europäischen Kommission, das Joint
Research Centre (JRC), hat eine Studie zu Leitlinien für die Wiederverwendung
von Wasser in Europa veröffentlicht. Da bislang offizielle Richtlinien fehlen, vergleicht die Studie nationale und internationale Maßnahmen. Als Ergebnis sollten
künftige rechtliche Regeln Gesundheits- und Umweltaspekte berücksichtigen und
Aufbereitungsziele sowie Instrumente zum Monitoring der Wasserqualität beinhalten. Der Wirtschaftlichkeit von Projekten soll mit angemessenen Wassermanagement-Strategien und einem ganzheitlichen Ansatz Rechnung getragen werden.
Auch das Bundeministerium für Bildung und Forschung (BMBF) will künftig im
Rahmen seines neuen Projekts WavE verstärkt Forschungsvorhaben zur Wasserwiederverwendung und Entsalzung im In- und Ausland fördern.
www.ec.europa.eu/jrc/en/publications

Etienne Petit,
Generaldirektor
Veolia Deutschland

Nährboden dafür ist die zunehmende Einigkeit, dass die Wirtschaft der Zukunft angesichts endlicher Ressourcen und wachsender Weltbevölkerung eine weitgehende
Kreislaufwirtschaft sein muss. Die Transformation zu diesem Modell eines nachhaltigen
Ressourcenmanagements hat längst begonnen. Für den Energiebedarf der Städte und
Industrien bedeutet sie zwangsläufig, dass er früher oder später ganz aus alternativen
und erneuerbaren Quellen gedeckt werden muss. Dabei geht es nicht nur um Sonne
und Wind, dabei geht es auch um in der öffentlichen Diskussion oft unterschätzte Energiequellen wie Abwasser, Bioabfälle und abfallbasierte Ersatzbrennstoffe. Und vor allem
um die nachhaltigste Quelle überhaupt – die Energieeffizienz.

»Die Wirtschaft der Zukunft
muss angesichts endlicher Ressourcen
und wachsender Weltbevölkerung
eine weitgehende
Kreislaufwirtschaft sein.«

Ob sich ein Land, eine Stadt oder ein Industrieunternehmen der
Aufgabe der Energiewende stellt: Praktisch immer reift dabei
früher oder später die Erkenntnis, dass nicht nur die Erzeugung
von Energie verändert werden muss, sondern auch ihre Nutzung
optimiert. Und dass darin oft einer der mächtigsten und am
besten bedienbaren Hebel für konkrete Fortschritte liegt; ein
Hebel, ohne den nationale und internationale Emissionsziele
nicht erreicht werden können. Deshalb steht die Energieeffizienz
zu Recht auch auf der Agenda der Klimakonferenz COP21 in
diesem Jahr in Paris, die Veolia unterstützt.

Auch in Deutschland kommt bei diesem Schlüsselthema in letzter Zeit Einiges in Bewegung: Mit dem Nationalen Aktionsplan Energieeffizienz setzt die Bundesregierung
die europäische Richtlinie zum Thema um und will damit einen großen Schritt nach
vorn gehen.
Der dramatische Verfall des Ölpreises sollte dabei nicht zu voreiligen Schlüssen verleiten, auch wenn er die Wirtschaftlichkeitsberechnung geplanter Investitionen in die
Effizient zunächst negativ beeinflusst. Der aktuell niedrige Preis ändert nichts daran,
dass der optimierte Umgang mit Energie gerade für Industriebetriebe ein absolut
entscheidender Faktor dafür ist, wer sich in Zukunft am Markt behaupten kann.
Niemand sollte sich durch das billige Öl vom Handeln abbringen lassen – im Gegenteil:
Die dadurch freiwerdenden Mittel und wachsenden Spielräume sollten gezielt genutzt
werden, um jetzt die Weichen für mehr Effizienz zu stellen.

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Energieeffizienz schafft langfristig Mehrwert
für Klimaschutz und Wirtschaftlichkeit

Energieeffizienz-Index Winter 2014: Investitionen in Energieeffizienz
Anteil der Unternehmen

Der Treibstoff der Zukunft

45%

Kleinstunternehmen
Kleine Unternehmen
Mittlere Unternehmen

40%
35%

Großunternehmen
Gesamt

30%
25%
20%
15%

A

uch der aktuell gesunkene Ölpreis ändert nichts daran: Der effiziente Umgang mit Energie steht
an erster Stelle, wenn es darum geht, unsere Wirtschaft fit für die Zukunft zu machen. Die günstigste
und klimafreundlichste Energie ist diejenige, die gar nicht erst verbraucht wird. In Politik und
Wirtschaft rückt deshalb die Frage in den Fokus, wie die Energieeffizienz in Deutschland weiter erhöht
werden kann. Auf Bundesebene soll der Nationale Aktionsplan Energieeffizienz den Weg weisen.
Nach dem blauen Brief aus Brüssel im Juni 2014, der Deutschland eine unzureichende Umsetzung der EU-Effizienzrichtlinie
attestierte (siehe Standpunkt S. 8-9), hat die Bundesregierung
ihre Hausaufgaben gemacht und im Dezember 2014 den Nationalen Aktionsplan Energieeffizienz (NAPE) vorgelegt. Er
soll den viel beschworenen »schlafenden Riesen Energieeffizienz« wecken und die Vorgabe der EU-Richtlinie umsetzen:
Eine Steigerung der Energieeffizienz um 20 Prozent bis 2020.
Unter dem Leitmotiv »Informieren, fördern, fordern« enthält
der NAPE ein Bündel an Maßnahmen – auch für die Industrie.
Ihr Anteil am Endenergieverbrauch in Deutschland lag 2012
bei 30 Prozent, damit liegt sie noch vor Verkehr, Haushalten und
dem Sektor Gewerbe, Handel und Dienstleistungen (GHD).

Wettbewerbsfaktor Energiekosten
Nicht nur vor dem Hintergrund der nationalen und EU-weiten
Effizienzziele besteht in der Industrie Handlungsbedarf in
Sachen Energieverbrauch. Ein sparsamer Umgang mit Energieträgern und die damit verbundene Senkung der Energiekosten ist auch ein entscheidender Wettbewerbs- und Wirtschaftlichkeitsfaktor. Im Hinblick auf politische Krisen wie in
der Ukraine geht es auch darum, unabhängiger von Rohstoffimporten zu werden. Eine Studie von Agora Energiewende
kommt anhand von vier Stromverbrauchsszenarien zu dem
Schluss, dass Deutschland durch Energieeffizienz im Jahr 2050
Kohle- und Gas-Importe von bis zu 1,8 Milliarden Euro sparen
kann.
Das Potenzial zur Verbesserung ist durchaus vorhanden: Laut
der Deutschen Energieagentur (dena) kann die Industrie bis
2020 rund 11 Prozent der verbrauchten Endenergie einsparen.
Und die Metastudie »Energieeffizienz in Deutschland« kommt
zu dem Ergebnis, dass sich die Potenziale auch fast vollständig
wirtschaftlich realisieren lassen.

10%
5%
0%

> 0% und < 5%

5% bis 10%

10% bis 20%

> 20%

Anteil Investition in Energieeffizienz in %

Über 80% der mittleren und großen Unternehmen verwenden von ihrem Investitionsbudget 5% oder mehr für Energieeffizienz, etwa ein Drittel
der kleinen und Kleinstunternehmen investieren zwischen 0% und 5% in Energieeffizienz.

Konkrete Anreize dafür will die Bundesregierung im Rahmen
des NAPE schaffen. Finanzierungsangebote der Kreditanstalt
für Wiederaufbau (KfW) etwa werden künftig an die Größe der
Energieeinsparung gekoppelt. Das heißt: Je mehr Energie ein
Unternehmen durch energieeffiziente Produktionsanlagen oder
-prozesse einspart, umso günstigere Kredite kann es bei der
KfW beantragen. Außerdem hat die Regierung ein wettbewerbliches Ausschreibungsmodell angestoßen.

Das Institut für Energieeffizienz in der Produktion (EEP) der
Universität Stuttgart erhebt zusammen mit dem Fraunhofer IPA,
dem Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), der
Deutschen Energie-Agentur (dena) und dem TÜV Rheinland
halbjährlich den Energieeffizienz-Index der deutschen Industrie.

Grundprinzip: Gefördert wird nicht wie in herkömmlichen
Förderprogrammen nach einer festen Quote, entscheidend ist
vielmehr, welche Maßnahme die meisten Einsparungen erreicht.
In der Schweiz zieht ein vergleichbares Ausschreibungsmodell
bereits seit 2010 unter dem Namen „Pro Kilowatt“ jedes Jahr
mehr Bewerber an. Rund 290 Projekte und Programme wurden dort bisher unterstützt, die über ihre Nutzungsdauer ein
Energieeinsparpotential von 3 Terrawattstunden erreichen.

jedoch nicht gekoppelt. »Energieaudits sind ein erster Schritt,
auf dem weitere aufbauen müssen. Im Fokus des Energiemanagements sollte eine ganzheitliche Betrachtung sämtlicher
Abläufe stehen, technisch und betriebswirtschaftlich, angefangen bei der flächendeckenden Verbrauchsmessung und Analyse
über die Entwicklung von individuellen Optimierungskonzepten bis hin zu deren Umsetzung«, sagt Julien Mounier, Direktor
des Geschäftsbereichs Energie bei Veolia Deutschland.

Energieeffizienz-Index

Alles kommt auf den Prüfstand
Damit Unternehmen an diesen Ausschreibungen teilnehmen
können, brauchen sie zunächst einen genauen Einblick in ihren
Energieverbrauch. Bereits im November 2014 hatte das Kabinett beschlossen, dass Großunternehmen künftig alle vier Jahre
sogenannte Energieaudits durchführen müssen. Eine zeitnahe
Umsetzung von Effizienzmaßnahmen ist an diese Prüfungen

Alle Weblinks und die wichtigsten Materialien
zu unserem Titelthema finden Sie unter:
www.veolia.de/nahdran

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Vom Abfallprodukt zur Versorgungsenergie
Nimmt man den Energieverbrauch der Industrie genauer
unter die Lupe, so zeigt sich: Mehr als zwei Drittel gehen auf
das Konto der Prozesswärme, sei es zum Schmelzen,
Schmieden oder Härten. Vor allem in der Nutzung der
dabei entstehenden Abwärme schlummert noch viel Effizienzpotenzial. Denn was des einen Abfallprodukt, ist des
anderen Ressource: Industrie- und Müllverbrennungsanlagen, Kraftwerke, Datenzentren oder auch Wasseraufbereitungsanlagen »produzieren« Abwärme. Sie kann zurückgewonnen und zum Heizen sowie zur Warmwasseraufbereitung
eingesetzt werden. Das geschieht im Großen durch die Einspeisung in Fernwärmenetze, im Kleinen durch die betriebsinterne Nutzung. Veolia in Rostock verwendet beispielsweise
die Abwärme der Kompressoren zur Versorgung der Sozialräume mit Wärme und Warmwasser, wodurch rund 65 Prozent des ursprünglichen Erdgasverbrauches eingespart werden. Und im Wasserwerk Grimma sorgt eine TrinkwasserWärmepumpe für die Beheizung der Betriebsräume.
Auch wo die Abwärmetemperatur relativ niedrig ist, lässt sich
mit geeigneter Technik die Energie zurückgewinnen. Mittels
des Verdampfungsprozesses Organic Rankine Cycle-Technik
(ORC) lässt sich Abwärme in Strom umwandeln. Denn bei
ORC-Anlagen kommen statt Wasser andere organischen Flüssigkeiten zum Einsatz. Nach Expertenansicht zahlt sich die Investition in diese ORC-Technik aus: Je nach Größe liegt der
Preis für eine Anlage zwischen einer halben und zwei Millionen Euro, die sich in sechs bis sieben Jahren amortisieren,
während die Anlage weitere 15 bis 20 Jahre betrieben werden
kann.
Engmaschige Verbindungen knüpfen
Prozesse zu verknüpfen und Kreisläufe in der Produktion zu
schließen – dieses Ziel verfolgt auch das öffentlich geförderte
Projekt »Energieeffiziente Fabrik für interdisziplinäre Technologie- und Anwendungsforschung« der Technischen Universität Darmstadt. Gemeinsam mit Partnern aus der Industrie
entwickeln Wissenschaftler auf dem TU-Gelände eine Modell- und Forschungsfabrik, in der alle Systeme – Gebäude,
technische Infrastruktur, Maschinen und Anlagen – energetisch verbessert und vernetzt werden sollen. Die Beteiligten
am Projekt »eta-Fabrik« schätzen, dass sich auf diese Weise
rund 40 Prozent Energie einsparen lassen.
Noch einen Schritt weiter gehen drei Fraunhofer Institute in
ihrem Forschungsprojekt »Ultraeffizienzfabrik«. Die Wissenschaftler arbeiten an Technologieinnovationen, um ihre Vision
Wirklichkeit werden zu lassen: eine urbane, weitgehend abfallfreie, emissionsneutrale Fabrik, die den Ressourcenverbrauch vollständig von der Wertschöpfung entkoppelt. Im
Idealfall sollen demnach 100 Prozent des eingesetzten Materials und der aufgewendeten Energie im Produkt landen, das
dann wiederum komplett wiederverwertbar ist.

Eine solche Fabrik ist noch
Zukunftsmusik, aber in vielen Bereichen der Industrie gibt es bereits Möglichkeiten,
Energiefresser zu identifizieren und ihren Energiehunger
zu reduzieren: angefangen bei effizienteren Maschinen über
die Abwärmenutzung bis zum intelligenten Lastmanagement.

Bundesministerium für Wirtschaft und Energie

www.bmwi.de

Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit
www.bmub.bund.de > Themen > Klima|Energie > Energieeffizienz
Informationsplattform der Deutschen Energie-Agentur (dena)
www.energieeffizienz-online.info
stromeffizienz.de
eta-Fabrik

www.eta-fabrik.de

Fraunhofer IPA

www.ipa.fraunhofer.de/Forschungsprojekte.14.0.html

Institut für Energieeffizienz in der Produktion (EEP)
www.eep.uni-stuttgart.de
Studie »Positive Effekte von Energieeffizienz auf den deutschen Stromsektor«
www.agora-energiewende.de/fileadmin/downloads/

STEP up! – das wettbewerbliche Ausschreibungsmodell im Bereich Stromeffizienz
Ob Umstellung auf stromsparendere Produktionsanlagen oder komplett neue Entwicklungen: im Rahmen des wettbewerblichen Ausschreibungsmodells STEP up! fördert die Bundesregierung Effizienzmaßnahmen von Unternehmen, Energiedienstleistern, Stadtwerken, Energiegenossenschaften und anderen Akteuren. Den Zuschlag erhält die Maßnahme mit der höchsten Stromeinsparung pro »Förder-Euro«.
Gefördert werden sowohl Einzel- als auch Sammelprojekte. Für die Pilotphase 2015 stehen 15 Millionen Euro bereit. Bewährt sich das
Fördermodell, wird es nach 2018 fortgeführt und eventuell um Wärmeprojekte erweitert.
www.bmwi.de

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Die Chancen der Energieeffizienz:
Genutzt oder verspielt?
Die EU-Energieeffizienz-Richtlinie aus dem Dezember 2012 sieht zahlreiche Aktivitäten
zur Steigerung der Energieeffizienz vor, die von den Mitgliedstaaten umgesetzt
werden sollen. Was aber hat sich seit ihrem Inkrafttreten tatsächlich getan?
Zwei Standpunkte zur aktuellen Entwicklung

E

nergie sparen: unsere wichtigste Energiequelle. So
lautete ein Slogan nach der ersten Ölkrise 1973. Angesichts des seitdem weiter gestiegenen Energieverbrauchs scheint dieser Ruf verhallt zu sein. Tatsächlich aber,
das zeigt eine neue Studie der Internationalen Energieagentur,
läge der Verbrauch ohne die erreichten Energieeffizienzfortschritte um zwei Drittel höher. Nicht auszumalen, was
dies ökologisch, sozial und wirtschaftlich bedeutet hätte.
Dennoch liegen weiterhin enorme wirtschaftliche Effizienzpotenziale brach. Sie sind die Grundbedingung dafür, dass
die Energiewende und die globalen Anstrengungen zum Klimaschutz erfolgreich sein können. Dabei gibt es keinen
Widerspruch zwischen wirtschaftlichen und umweltpolitischen Interessen. Im Gegenteil: Bereits heute sind in der Energieeffizienzbranche allein in Deutschland über 800.000
Beschäftigte tätig und erwirtschaften einen Umsatz von über
160 Mrd. Euro im Jahr. Umso enttäuschender sind die Ergebnisse des Energie- und Klimagipfels des EU-Rats Ende Oktober in Brüssel. Die 28 Staats- und Regierungschefs hatten
sich nach zähen Verhandlungen geeinigt, bis 2030 die Treibhausgase um 40 Prozent zu senken, die Erneuerbaren Energien auf 27 Prozent auszubauen und die Energieeffizienz um
27 Prozent zu steigern, wobei dieses Ziel unverbindlich

bleiben soll. Die Energieeffizienz lässt sich jedoch von der
EU-Politik nicht aufhalten. Jedem neu errichteten Gebäude,
jeder neuen Anlage wohnt ein geringerer Verbrauch inne.
Nur die möglichen wirtschaftlichen Potenziale bleiben weiter
unausgeschöpft und eben das verspielt massive Chancen für
Unternehmen und Verbraucher. Es bedeutet auch: Europa
wird weiter im Würgegriff der Abhängigkeit von Energieimporten gefangen bleiben und bisherige Erfolge werden gefährdet. Tony Robson, CEO des Dämmstoffkonzerns Knauf
Insulation schrieb in einem offenen Brief an den britischen
Premierminister Cameron: »Ein Effizienzziel unter 30 Prozent ist für uns ein klares politisches Signal, eher Investitionen
aus Europa abzuziehen anstatt neue zu tätigen«. Eine solche
»low carbon leakage« wäre fatal.
Natürlich steht es den Mitgliedsstaaten frei, mehr zu tun. In
Deutschland wird es jetzt darauf ankommen, den Nationalen
Aktionsplan Energieeffizienz zügig umzusetzen. Deutschland
ist zwar Effizienzweltmeister, doch global ist das unzureichend. Noch besser wäre deshalb, dass aus den alten Erkenntnissen über die Möglichkeiten der Energieeffizienz endlich eine
gemeinsame Maxime für eine zukunftsfähige Industriepolitik
in allen EU-Staaten und darüber hinaus erwächst.

» Es liegen weiterhin enorme wirtschaftliche
Effizienzpotenziale brach. Sie sind Grundbedingung
dafür, dass die Energiewende und globale Anstrengungen zum Klimaschutz erfolgreich sein können.«
Carsten Müller,
Mitglied des Bundestags und Vorstandsvorsitzender der
Deutschen Unternehmensinitiative Energieeffizienz e.V.
(DENEFF)

» Damit Energiesparen endlich zum akzeptierten
Volkssport wird, müssen Maßnahmen und
Förderungen sozial ausgewogen und mit klarem
ökologischem Mehrwert erfolgen.«
Prof. Dr. Bernd Hirschl,
Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) Berlin und
Brandenburgische Technische Universität (BTU) Cottbus-Senftenberg

W

as haben Schweden und Dänemark, Italien,
Malta und Zypern den Deutschen in Sachen
Energiewende voraus? Bei den beiden ersten
Staaten würde man unmittelbar auf höhere Anteile Erneuerbarer Energien tippen, bei Dänemark zudem auf mehr Energie aus Kraft-Wärme-Kopplung. Aber die letztgenannten
drei Länder? Nun, sie haben bis zum 5. Juni 2014 die von der
EU geforderte vollständige Umsetzung der EnergieeffizienzRichtlinie in nationales Recht mitgeteilt. Deutschland dagegen hängt in Sachen Energieeffizienz seit Jahren den eigenen
Ansprüchen hinterher und hat bis dato nur eine teilweise
Umsetzung zu vermelden.
Dabei ist die Energieeffizienz nicht nur »die zweite Säule«
der Energiewende. Sie ist für die Transformation eines auf
Windkraft, Solarenergie & Co basierenden Energiesystems
unabdingbar. Denn diese Technologien müssten – nach
heutigem Stand der Technik und beim heutigen Niveau des
Energieverbrauchs – in so großer Zahl errichtet werden, dass
dies schlichtweg an die Grenzen der Akzeptanz stoßen
würde. Das erleben wir ja bereits heute. Energieeffizienz und
-einsparung erfolgen aber oftmals leider nicht von allein.
Denn erstens sind die Energiepreise hierfür noch zu niedrig,
so dass der Energieverbrauch für viele Unternehmen und
private Akteure noch keinen signifikanten Kostenfaktor
darstellt. Zweitens widmen sie sich diesem Thema nicht hinreichend, was an mangelnder Information bzw. teils wenig
passförmigen Beratungsangeboten und zu wenigen Energiedienstleistern liegt. Und drittens fehlen die geeigneten Rahmenbedingungen, um den vielen wirtschaftlichen Potenzialen mit durchaus hohen Renditen zum ökonomischen
Durchbruch zu verhelfen.

Der Wandel von Energieversorgern zu Energiedienstleistern
vollzieht sich nicht von allein. Hier braucht es beispielsweise
wirksame finanzielle Anreizhebel, wie die steuerliche Abschreibung oder einen Effizienzfonds, aber auch gezielte und
qualitativ hochwertige Beratung sowie Erfolgskontrollen von
geförderten Effizienzmaßnahmen. Den öffentlichen Haushältern, die mit finanziellen Anreizen bisher noch zögerlich
sind, sei von Seiten der Wissenschaft zugerufen: Anschubinvestitionen lösen volkswirtschaftlich und lokal ökonomisch positive Effekte aus. Damit Energiesparen endlich
zum akzeptierten Volkssport bei den Bürgern und Unternehmen wird, müssen die Maßnahmen und Förderungen
sozial ausgewogen und mit einem klaren ökologischen
Mehrwert erfolgen. Dann könnte Deutschland demnächst
wieder zu den Vorreitern bei der Energiewende gehören.

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Energie sparen leicht gemacht
Kraft-Wärme-Kopplung, Einsatz von Erneuerbaren Energien, Energie sparen
bei Arbeitsprozessen – es gibt viele Ansätze, Kosten zu sparen und zugleich die
Umweltbilanz zu verbessern. Drei Projekte zeigen auf, wie Veolia seinen Kunden hilft,
mit Strom, Gas und Wärme effizient umzugehen.

Smart Metering bei Douglas
Gemeinsam mit seinem langjährigen Partner BS|ENERGY hat
die Douglas AG bereits im Jahr 2012 Messungen gestartet, um
Stromsparpotenziale zu erkennen. In den rund 450 Filialen
des Unternehmens in Deutschland wurden so genannte Smart
Meter installiert, die jede Viertelstunde den Stromverbrauch
ermitteln. Die Werte ermöglichen eine genaue Analyse des
Verbrauches. Dafür richtete die Telekom im Auftrag des Energieversorgers Mess- und Kommunikationseinrichtung ein und
übernahm die Datenübermittlung. BS|ENERGY sorgte für das
Vertragsmanagement, die An- und Abmeldung der Messstellen bei den Netzbetreibern sowie die Bereitstellung der
Messdaten für die Netzbetreiber und für den Kunden »Für
unsere Kunden übernehmen wir den Messstellenbetrieb und
die Messdienstleistung auch unabhängig von
einem Stromliefervertrag«, betont Projektleitering Christine Rudek aus der Abteilung
Metering von BS|ENERGY. Die Energieverbrauchsdaten kann Douglas in einem eigens
eingerichteten Internetportal abrufen, selbstständig analysieren und auswerten. Mit klaren

Ergebnissen und Konsequenzen: So schalten die Mitarbeiter
nun beispielsweise die Klimaanlagen über Nacht ab oder
löschen Schaufenster-Beleuchtungen in geschlossenen Einkaufscenter-Filialen. Durch solche Maßnahmen konnte
die Douglas-Gruppe bereits erhebliche
Energieeinsparungen erreichen.Veolia
will Smart Metering ab 2015 auch
selbst in der Unternehmensgruppe nutzen: Zunächst werden 85 Messstellen in Gebäuden des Geschäftsbereichs Entsorgung eingerichtet und der Verbrauch genau analysiert.

Submetering für TOTAL

Contracting bei Bombardier
Um die Wärme- und Dampfversorgung in seinem Görlitzer
Werk effizienter und umweltfreundlicher zu gestalten, hat der
Schienenfahrzeughersteller Bombardier Transportation einen
Wärmedienstleistungsvertrag mit den Stadtwerken Görlitz
(SWG) geschlossen. In einem so genannten Contracting-Modell übernehmen die SWG Planung, Bau und Finanzierung
sowie den Betrieb der neuen Dampfkesselanlage. Bombardier
erhält ohne Investitionsrisiko eine neue Dampf- und Wärmeerzeugungsanlage mit hochmoderner Kraft-Wärme-Kopplung (KWK). Im Frühjahr soll der Umbau der bestehenden
alten Dampfkesselanlage bei Bombardier während des laufenden Betriebs starten. Dazu werden zwei der drei vorhandenen

Dampfkessel demontiert und durch zwei moderne Dampfkessel ersetzt. Sie gewährleisten mit einer genauen Wärmeregelung durchgängig die Temperaturen und Dampfdrücke,
die bei den Fertigungsprozessen nötig sind. Bombardier profitiert außerdem durch die Drei-Kessel-Konstruktion – zwei
gasgefeuerte und ein ölbefeuerter Dampfkessel – von einem
Höchstmaß an Flexibilität beim Brennstoffeinsatz. Durch die
ebenfalls von SWG installierten zwei Mikrogasturbinen kann
Bombardier künftig die Wärmeversorgung individuell an
seine Produktionsprozesse anpassen und dabei gleichzeitig
von dem vor Ort umweltfreundlich erzeugten Strom profitieren.

Veolia und BS|ENERGY haben für die TOTAL Deutschland
GmbH 2013 ein Submetering-Projekt gestartet mit dem Ziel,
den Energieverbrauch von Tankstellentypen unterschiedlicher Größe und Bauart zu vergleichen. Im Unterschied zu
Smart Metering wird beim Submetering der Stromverbrauch
nicht insgesamt, sondern abnehmergenau erfasst. Bei TOTAL
wurden deshalb fünf unterschiedliche Tankstellentypen ausgewählt und im Viertelstundentakt Verbrauchsdaten für
Beleuchtung, Tank- und Kühltechnik, Heizung, Klima, Lüftung und, sofern vorhanden, für Gastronomie und Waschanlagen erfasst. Die Ergebnisse erlauben Aussagen zu Energieeinsparungen, aber auch zu Verbrauchsmustern und Tendenzen. Um die Analyse zu verfeinern und weitere Einsparpotenziale zu identifizieren, hat das Mineralölunternehmen nun
20 Tankstellen ausgewählt, die von Experten der VeoliaGruppe anhand von Audits genauer analysiert werden.

»Wichtig sind dabei die Verknüpfungen aller relevanten
Daten und Prozesse, denn Strommessungen alleine sagen
nicht genug aus«, erläutert der Projektleiter Guillaume Perdu
von den Technischen Diensten bei Veolia.
Neben einer Detailanalyse der Tankvorgänge und von Verbräuchen bei Heizung, Kühlgeräten und Klima werden deshalb
auch die Bereiche Wasser und Entsorgung einbezogen. In
einem weiteren Schritt untersuchen die Experten, unterstützt
durch Beschäftigte vor Ort, die personellen Abläufe, Handlungsanweisungen und Besonderheiten der Stationen. Perdu
weiß: »Oft muss man gar keine größeren Investitionen tätigen,
sondern nur Details ändern, um Einsparungen zu erzielen. Das
haben wir etwa auch bei Kläranlagen bewiesen.« Mit den
Ergebnissen wollen Veolia und BS|ENERGY schließlich einen
Optimierungsplan mit Einzelmaßnahmen erstellen.

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Ungehobene Effizienzschätze
Das Institut für Energieeffizienz (EEP) der Universität Stuttgart hat 250 Veröffentlichungen
von Forschungseinrichtungen, Ministerien sowie Fach- und Industrieverbänden in der
Metastudie »Energieeffizienz in Deutschland« analysiert. Nahdran sprach mit dem
Herausgeber Dr. Thomas Bauernhansl über Erkenntnisse, Einschätzungen und Perspektiven.

Aus dem Unternehmen

Renovierung des Wahrzeichens von Paris

Wie steht es in der deutschen Industrie um die Energieeffizienz?
Dr. Thomas Bauernhansl: Will Deutschland die nationalen
Energieeffizienzziele erreichen, müssen die Bestrebungen massiv erhöht werden – und zwar in allen Bereichen. In der Industrie sind sowohl im Strom- als auch im Brennstoffbereich große
Potenziale vorhanden, die hochrentabel sind. Sie werden aber
häufig nicht umgesetzt, weil viele Unternehmen eine Amortisationszeit der Investitionsmaßnahme von unter drei Jahren
erwarten. Die meisten amortisieren sich aber erst nach vier bis
fünf Jahren, haben allerdings eine Rentabilität von 10 bis 20
Prozent. Technologien müssen deshalb weiterentwickelt und
über diese Amortisationszeit-Hürde gehievt werden. Zudem
geht es um die Frage unterstützender Finanzierung.

Dr.-Ing. Thomas
Bauernhansl ist Leiter
des Instituts für
Industrielle Fertigung
und Fabrikbetrieb (IFF)
der Universität Stuttgart
und des FraunhoferInstituts für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA)
in Stuttgart.

Meinen Sie damit staatliche Fördermittel?
Dr. Thomas Bauernhansl: Fördermittel sind ein Aspekt. Ich
denke zusätzlich auch an privates Kapital, das man für Energieeffizienzmaßnahmen in der Industrie verfügbar macht. Die
Politik sehe ich dabei in der Rolle, Anreize für Kapitalanleger
zu schaffen – etwa durch die steuerliche Begünstigung der Renditen. In der Schweiz gibt es bereits ein solches Modell, den
Susi-Energieeffizienzfonds. Daraus erhalten Industrieunternehmen Kapital für Investitionen in Energieeffizienz. Die aus
den Einsparungen resultierenden Kostenersparnisse fließen in
den Fonds zurück. Darüber realisiert er seine Rendite für die
Anleger.
Sind Sie auf noch ungehobene Effizienzschätze gestoßen?
Dr. Thomas Bauernhansl: Zusätzlich zur Abwärmenutzung
schlummert aufgrund des volatilen Strompreises in der Speichertechnologie noch großes Potenzial. Nicht zuletzt weisen
Micro Smart Grids, also intelligente Mikro-Stromnetze, den
Weg in die Zukunft. Wenn Verbraucher, Erzeuger und Energiespeicher vernetzt sind, kann der Energieverbrauch in Echtzeit gesteuert und dadurch reduziert werden.
In welchem Zusammenhang stehen Energieeffizienz und die
Schonung anderer Ressourcen?
Dr. Thomas Bauernhansl: Viele Effizienzmaßnahmen bringen
Synergieeffekte mit sich. Setze ich beispielsweise eine Förderpumpe mit Servoantrieb ein, passe ich nicht nur den Energieverbrauch dem Bedarf an, sondern auch das Fördermedium,

etwa Wasser. Auch die Verwendung von Recyclingmaterial aus
Produktionsabfällen kann einen signifikanten Beitrag leisten.
20 bis 30 Prozent der Endenergie lassen sich unserer Einschätzung nach zusätzlich durch eine optimierte Ressourceneffizienz sparen.

Institut für Energieeffizienz der Universität Stuttgart
www.eep.uni-stuttgart.de
Institut für Industrielle Fertigung und Fabrikbetrieb
der Universität Stuttgart
www.iff.uni-stuttgart.de
Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung
www.ipa.fraunhofer.de
Privater Energieeffizienzfonds Susi
www.susi-partners.ch

Anlässlich seines 125. Geburtstages wurde der Pariser Eiffelturms renoviert. Rund 250 Tonnen Abfall fielen beim Umbau
der ersten Etage an. Veolia hat diesen zweieinhalb Jahre bei laufendem Betrieb – mehr als sieben Millionen Menschen
besuchen jährlich das Wahrzeichen – mit aufwändiger Logistik gesammelt, abtransportiert und recycelt. In den
Anlagen von Veolia wurde der Abfall dann sortiert und behandelt. Rund 83 Prozent der Materialien, vor allem
Holz und Kunststoffe, werden wiederverwendet.

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Aus dem Unternehmen

Regionale EnergieAgentur
vernetzt Akteure
Der Braunschweiger Versorger BS|ENERGY gehört zu
den 17 Gründungsmitgliedern der Regionalen EnergieAgentur, kurz REA, die von der Allianz für die Region
und dem Zweckverband Großraum Braunschweig ins
Leben gerufen wurde. Seit Dezember koordiniert und
fördert der Verein Aktivitäten in den Bereichen Energieund Ressourceneffizienz, Energieeinsparung, erneuerbare
Energien sowie Nachhaltigkeit und Klimaschutz. Die
REA will zentrales Bindeglied zwischen regionalen Akteuren wie Kommunen, Unternehmen, Wissenschaft und
Forschung, öffentlichen Trägern sowie Verbänden sein
und sieht ihre Kernaufgabe in der Beratung. Dadurch
sollen Fördermittel von Land, Bund und EU künftig
besser für Unternehmen in der Region genutzt werden.
Endkunden werden jedoch weiterhin dezentral beraten,
um Doppelstrukturen zu vermeiden.

Preisverleihung: Forschungsministerin Prof. Johanna
Wanka und KWB-Vertreter Dr. Christian Remy

KWB Finalist beim Nachhaltigkeitpreis
in der Kategorie Forschung

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel –
auch bei der Stadionreinigung

Hohe Auszeichnung: Unter den Top-3-Platzierten des Deutschen Nachhaltigkeitspreises in der Kategorie Forschung ist
das Projekt CARISMO des Kompetenzzentrums Wasser
Berlin (KWB) gelandet. Ende November wurde es auf einer
Preisverleihungsgala in Düsseldorf einem breiten Publikum
vorgestellt. Mit CARISMO, kurz für »Carbon is money«,
hat das von Veolia unterstützte KWB ein neues Filterverfahren entwickelt. Bei diesem Verfahren werden die energiereichen organischen Stoffe schon im Zulauf der Kläranlage aus dem Abwasser geholt und direkt in die Schlammfaulung überführt. Dort wird über den Weg der Biogasgewinnung Strom erzeugt. CARISMO produziert mehr als
das Dreifache der Strommenge, die das übliche Belebtschlammverfahren verbraucht.

Wenn die Profis vom 1. FC Kaiserslautern kicken, wird hinter den Kulissen sauber gemacht: Bis Saisonende 2016
übernimmt Veolia die Stadion- und Unterhaltsreinigung –
vor, während und nach den Fußballspielen – damit sich
Gäste und Fans bei der Veranstaltung wohlfühlen. Veolia
ist in Kaiserslautern seit 2012 für die Stadionreinigung
zuständig und konnte im letzten Jahr den Vertrag um zwei
Jahre verlängern.

www.kompetenz-wasser.de

www.forschungspreis.de

Auch der SG Dynamo Dresden, für den Veolia seit 2009 das
Stadion reinigt, beschäftigt den Dienstleistungsspezialisten
nach einer Neuausschreibung weiter bis Mitte 2017.

Tasche statt Tüten

15 000 Tonnen mehr Reststoffe
zur Energiegewinnung
Mit der Übernahme der Hamburger Entsorgungsdienste
GmbH hat Biocycling, ein Unternehmen der VeoliaGruppe, seine Aktivitäten im Bereich Bioabfallsammlung
und -verwertung in Hamburg weiter ausgebaut. Im
Großraum Hamburg und Schleswig-Holstein setzt Biocycling jetzt 20 neue LKW’s mit Spezialaufbau zur Sammlung
von organischen Abfällen aus Großküchen, Supermärkten, Krankenhäusern und der Gastronomie ein. Die rund
15.000 Tonnen an organischen Reststoffen werden zur
Energiegewinnung in die Biogasanlage Biowerk im Stellinger Moor gebracht.

Eine umweltfreundliche Tasche für zehn gebrauchte Plastiktüten – dieses Tauschangebot haben ausgewählte VeoliaStandorte den Bürgern während der ‚Europäischen Woche
der Abfallvermeidung‘ Ende November gemacht. Die Aktion
»Tasche statt Tüten« hat ein Zeichen zur Vermeidung von
überflüssigem Plastikmüll gesetzt und kam bei Bürgern,
Schulklassen und Kita-Gruppen sehr gut an. Insgesamt
nutzen die Deutschen rund 6,1 Milliarden Plastiktüten im
Jahr. Das sind pro Kopf 76 Stück oder 1,5 Kilogramm Plastikmüll. In jeder Minute gehen 10 000 Plastiktüten über deutsche Ladentische, für deren Herstellung mehr als 200 000
Tonnen Rohöl verbraucht werden. »Das Beispiel der Plastiktüten veranschaulicht besonders gut, wie jeder Einzelne
durch verantwortungsvolles Handeln den Verbrauch von
Erdöl und Energie und die Verschmutzung der Umwelt verringern kann«, erläutert Sylke Freudenthal, Beauftragte für
Nachhaltige Entwicklung bei Veolia Deutschland.

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»Wertstoffe gehören in den Kreislauf zurück«
Ein neues Wertstoffgesetz ist in Planung. Doch was bisher an Eckpunkten bekannt ist,
stößt aus unterschiedlichen Interessenlagen heraus auf Kritik. Noch vor der offiziellen Vorstellung
eines Gesetzentwurfes diskutieren Gebietskörperschaften und private Entsorgungsunternehmen
mit der Politik über Änderungen.
von Matthias Harms, Geschäftsführer des Geschäftsbereichs Entsorgung bei Veolia Deutschland

»Wir bei Veolia sind überzeugt, dass zum Zweck
der Wertstofftonnen-Einführung das Gesetz
in den bisher skizzierten Eckpunkten
nicht nötig ist: Wertstofftonnen gibt es bereits.«
Matthias Harms,
Geschäftsführer des Geschäftsbereichs Entsorgung
bei Veolia Deutschland

Ziel der im Umweltbundesministerium erarbeiteten Gesetzesinitiative ist es, die bisher im Hausmüll enthaltenen Wertstoffe
zurück zu gewinnen. Das ungenutzte Rohstoffpotenzial, allen
voran die als »stoffgleiche Nichtverpackungen« bezeichneten
Kunststoffe und Metalle, sollen dazu künftig gemeinsam mit
dem Verpackungsabfall in Wertstofftonnen gesammelt und
damit dem Rohstoffkreislauf wieder zugeführt werden: von der
zerbrochenen Buddelschippe bis zur verbeulten Bratpfanne.
Ein Anliegen, dem sich Veolia Deutschland verpflichtet fühlt:
Wir unterstützen unsere Kunden dabei, verantwortungsvoll
mit den natürlichen Ressourcen umzugehen.
Zuständigkeit der »Zentralen Stelle«
Das Ministerium geht pro Einwohner und Jahr von rund
sieben Kilogramm recycelbaren Kunststoffen und Metallen
aus, die in den 169 Kilogramm Restmüll enthalten sind.
Bundesweit könnten daher 570.000 Tonnen zusätzlich in den
Kreislauf zurückgeführt werden. Für die Registrierung der sogenannten Erstinverkehrbringer von Verpackungen und stoffgleichen Produkten aus Industrie und Handel sieht das geplante Gesetzt eine »Zentrale Stelle« vor. Daran üben vor allem

die Gebietskörperschaften eine gut begründete Kritik. Da die
haushaltsnahe Sammlung und Verwertung der zu meldenden
Wertstoffe natürlich auch finanziert werden muss, sind dafür
Lizenzentgelte zu entrichten. Im Bereich der Verkaufsverpackungen hat sich eine privatrechtliche Organisationsform bereits
bewährt: So werden Glas und Altpapier getrennt vom Restmüll
gesammelt, aber auch Kunststoffe, Metalle oder Getränkekartons über die gelben Tonnen oder Wertstoffhöfe dem Kreislauf
wieder zugeführt. Betrieben wird dieses Duale System von der
privaten Entsorgungswirtschaft in Zusammenarbeit mit einer
koordinierenden Planstelle. Dorthin melden die Produzenten
ihre in Umlauf gebrachten Verpackungsmengen und bezahlen
die dafür erhobenen Lizenzentgelte.
Wer trägt die Organisationsverantwortung?
Kritiker entgegnen, diese rein privatwirtschaftlich organisierte
Planstelle des Dualen Systems habe sich nicht bewährt. Wenn
die im Wertstoffgesetz angedachte »Zentrale Stelle« nur unzulänglich mit Durchsetzungskompetenzen ausgestattet, also
nicht mit hoheitlichen Aufgaben beliehen wird, könnte das
Gesetz ein zahnloser Papiertiger werden. Wir wünschen uns

daher eine privatwirtschaftlich organisierte und dennoch öffentlich beliehene »Zentrale Stelle«. Die Industrie- und Handelskammern, aber auch die Dualen Systeme haben bewiesen,
dass solche Modelle funktionieren. Die vollständige Rekommunalisierung der Wertstofferfassung lehnen wir ab.
Produktverantwortung muss erhalten bleiben
Technologische Innovationen und damit auch ökologische wie
ökonomische Verbesserungen werden nur durch einen fairen
Wettbewerb in unserer Marktwirtschaft vorangetrieben. Die
seit Erlass der Verpackungsverordnung gesetzten und inzwischen mit sieben Novellen angepassten Anreize für Industrie
und Handel erzielen Wirkung. Wir möchten, dass auch weiterhin die umweltpolitische Verantwortung der Produzenten für
den gesamten Lebensweg eines Produktes greift und sehen uns
daher auf einer Linie mit den hierzu veröffentlichten Positionen des Bundesverbandes der Deutschen Industrie. Die dabei
entstehenden Kosten dürfen nicht den Bürgern über kommunale Gebühren auferlegt werden. Sonst fehlt künftig der Anreiz
für die Produzenten, ihre Verpackungsmengen zu reduzieren
und Produkte so herzustellen, dass möglichst viele Rohstoffe
wiederverwertet werden können.
Sieben Kilogramm. Und der Rest?
Sowohl die Kommunen als auch die private Entsorgungswirtschaft fragen sich, ob ein eigenes Gesetz zur Regulierung der
Stoffströme von Kunstoffen und Metallen im Hausmüll wirklich notwendig ist. Zur Erinnerung: Wir reden von sieben Kilogramm je Einwohner und Jahr bei einem Aufkommen von
insgesamt 453 Kilogramm unterschiedlicher Abfallsorten insgesamt. Warum werden nicht auch alle weiteren Stoffströme,
wie beispielsweise Glas, Getränkekartons und Holz, in die Regulierung einbezogen und deren ressourceneffiziente Nutzung
gleich mit geregelt? Braucht Deutschland wirklich die parallel
existierenden Vorgaben eines Kreislaufgesetzes nebst Verpackungs- und Gewerbeabfallverordnung und dazu bald noch ein
Wertstoffgesetz, das nur 0,57 von insgesamt 36,6 Millionen
Tonnen Abfall pro Jahr zum Gegenstand hat?

Bewährte Praxis gesetzlich regeln?
Das entscheidende Argument liefern Städte wie Berlin, Hamburg oder Dortmund sowie viele andere Kommunen und Gemeinden: Schon seit 2011 gibt es beispielsweise in Dortmund
anstelle der Gelben Tonne eine kombinierte Wertstofftonne zur
gemeinsamen Sammlung von Verpackungen und stoffgleichen
Abfällen. Wir bei Veolia sind daher überzeugt, dass auch zum
Zweck der Wertstofftonnen-Einführung das Gesetz in den
bisher skizzierten Eckpunkten nicht nötig ist: Wertstofftonnen
gibt es bereits.

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Kleiner als fünf Millimeter: Mikroplastikpartikel

Vorsicht verschluckbare Kleinstteile
Für das bloße Auge unsichtbar: Mikroplastik ist eine Gefahr für die Umwelt

M

ikroplastikpartikel sind kleiner als fünf Millimeter und gelangen meist unbemerkt in die Umwelt.
Forscher haben sie im Meer und in Binnengewässern, in Wattwürmern, Muscheln und Fischen
entdeckt. Die Gefahr besteht vor allem darin, dass die langlebigen Partikel Schadstoffe anreichern, wie etwa Pestizide. Nehmen Fische und andere Meerestiere die Teilchen auf, blockieren sie den
Magen-Darm-Trakt. Zudem werden die giftigen Stoffe im Körper frei gesetzt. Welche Auswirkungen
Mikroplastik auf die Gesundheit des Menschen hat, ist noch weitgehend unerforscht. Doch klar ist, dass
Mikroplastik über die Nahrungskette auch in den menschlichen Organismus gelangen kann.
Vom Duschgel bis zur Peelingmaske: Viele Kosmetikartikel
enthalten kleine Kunststoffteilchen. Nach Schätzungen des
Hürther Nova-Instituts werden in Deutschland jährlich rund
500 Tonnen Mikroplastik in Kosmetikprodukten verarbeitet.
Sie reiben Schuppen von der Haut und sorgen für einen rosigen
Teint. Anschließend fließen sie durch den Abfluss und landen
im Abwasser. Auch aus Fleece-Pullovern lösen sich beispielsweise bei jedem Waschgang bis zu 2000 Polyester- und Polyacrylfasern. Die Frage, wie viele Mikroplastikpartikel Klärwerke aus dem Abwasser herausfiltern können, lässt sich nicht
allgemeingültig beantworten. Eine Studie des Alfred-WegenerInstituts (AWI) von 2014, in deren Rahmen zwölf Klärwerke
in Niedersachsen untersucht wurden, kommt zu dem Schluss,
dass Mikroplastik nicht vollständig durch Kläranlagen zurückgehalten werden kann. Für den Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) steht deshalb fest: Mikroplastik
gehört nicht in Kosmetika. Die Umweltschützer haben eine

Liste mit Kosmetikprodukten herausgegeben, die Mikroplastik
enthalten, und dadurch öffentlichen Druck aufgebaut. Ihr Ziel
ist ein deutschland- und EU-weites Verbot der Kunststoffpartikel in Kosmetikprodukten. Doch die Bundesregierung will
einen anderen Weg gehen. »Dem Vorsorgeprinzip folgend
wirkt sie (...) in einem Dialog mit der Kosmetikindustrie auf
einen freiwilligen Ausstieg aus der Nutzung von Mikrokunststoffpartikeln in Kosmetikprodukten hin« – so die Antwort auf
eine Kleine Anfrage der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen von
Oktober 2014. Dass Mikroplastik in Kosmetika vermeidbar ist,
steht für Meeresschutz-Expertin Nadja Ziebarth vom BUND
außer Frage. »Es gibt alternative Schleifmittel mineralischen
Ursprungs, wie zum Beispiel Salze.« Versuche am Fraunhofer
Institut in Oberhausen haben gezeigt, dass das Wachs des Carnaubaums, einer Palme aus Brasilien, ebenso gut in der Kosmetik eingesetzt werden könnte und relativ schnell biologisch
abbaubar ist. Jedoch schätzen die Wissenschaftler, dass die

Wachskörner für die Industrie teurer als Mikroplastik wären.
Als synthetische Alternative hat Evonik naturidentische Spezialkieselsäuren entwickelt. Verschiedene Hersteller von Kosmetikartikeln, wie Beiersdorf oder Unilever, haben inzwischen
angekündigt, bis Ende 2015 auf Mikroplastik verzichten zu
wollen. Und Zahnpasta ist bereits jetzt frei von den Kunststoffpartikeln. Das bestätigen auch Stichproben des BUND.
Kunststoffe in der Umwelt
»Doch Kosmetikprodukte, die Mikroplastik enthalten, sind
nicht die einzige Quelle für die Verbreitung der Plastikteilchen«, sagt Dr. Claus-Gerhard Bannick vom Umweltbundesamt. Neben primärem Mikroplastik sollte vor allem auch
das sekundäre Mikroplastik verstärkt in den Blick genommen

werden. Eben jene Teilchen, die beim Zerfallen von Kunststoffprodukten in der Umwelt entstehen, etwa durch Sonneneinstrahlung. Jede achtlos in die Natur geworfene Schokoladenverpackung oder Plastiktüte kann so zu Mikroplastik werden.
Hinzu kommen Einträge aus Produkten, die durch ihre
Nutzung mit der Umgebung in Kontakt stehen. Auf Deutschlands Straßen verlieren Autos jedes Jahr mehrere 10.000 Tonnen Reifenabrieb, der durch den Regen in die die Kanalisation
gespült wird und teilweise unbehandelt in die Oberflächengewässer gelangt. Es gibt also viele Eintragspfade für Mikroplastik in die Umwelt. Doch die Forschung steht auch hier noch
am Anfang. »Wir müssen verschiedenste Stoffströme unter die
Lupe nehmen, um herauszufinden: Welche Mengen von kleinen Kunststoffpartikeln stammen aus welchen Quellen und
haben welche Auswirkungen?«, erklärt Dr. Claus-Gerhard
Bannick. Auf Basis dieser Forschungsergebnisse können dann
Bewertungen vorgenommen und gezielt Maßnahmen eingeleitet werden.

Bund für Umwelt und Naturschutz
Umweltbundesamt

www.bund.net > Mikroplastik

www.uba.de

Abschlussbericht des Alfred-Wegener-Instituts »Mikroplastik in
ausgewählten Kläranlagen des Oldenburgisch-Ostfriesischen
Wasserverbundes (OOWV) in Niedersachsen«
www.awi.de > Aktuelles und Presse
Plasticontrol e.V.

www.mikroplastik.de

Mikroplastik auf der Spur
Die kostenlose Mikroplastik-App wurde von zwei niederländischen Umweltschutzorganisationen entwickelt. Sie
zeigt sie mit einem Ampel-System auf, ob ein Produkt Plastik enthält oder nicht und welche Firmen bereits zugesagt haben, Mikroplastik in Zukunft nicht mehr einzusetzen. Zudem können Verbraucher Produkte melden, in
denen sie Mikroplastik entdeckt haben. Die Initiative »Beat the Microbead« stellt die App zum Download bereit:
www.beatthemicrobead.org

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Der Einkauf lässt die Hüllen fallen
Aufgerissen und weggeworfen:
Wie viel Verpackung ist nötig – wie wenig ist möglich?

D

ie morgendliche Kaffeekapsel, der »Coffee to go« oder die handliche Plastiktüte für Tomaten im
Supermarkt: Täglich produzieren wir riesige Abfallberge, die längst nicht immer recycelt werden.
Im Jahr kommen die Deutschen auf etwa 32 Kilogramm Verpackungsmüll pro Kopf, insgesamt
rund 16 Millionen Tonnen. Am stärksten steigt der Anteil der Kunststoff- und Aluminiumverpackungen:
geschätzte sechs Milliarden Coffee-to-go-Becher, rund 4 000 Tonnen Kaffeekapseln und sechs Milliarden
Plastiktüten pro Jahr. Dabei werden allein für die Herstellung von 10 000 Plastiktüten mehr als 200 000
Tonnen fossiles Rohöl verbraucht.

Der Trend geht zum »Precycling«:
Verpackungsfrei einkaufen in Berlin

Angesichts dieser Zahlen liegt es nahe, dass der Trend zum
»Precycling« geht – Müll vermeiden, damit gar nicht erst recycelt
werden muss. Europa will den Verbrauch von Plastiktüten bis 2019
um 80 Prozent senken. In Irland beispielsweise hat eine Abgabe für
Plastiktüten bereits zu einem deutlichen Rückgang geführt. Komplett ohne Müll hätte es gern die Zero-Waste-Bewegung, die sich
weltweit als Gegenmaßnahme zur Verpackungsflut formiert. Ein
Beispiel sind findige Einzelhändler, die wie einst im Tante-EmmaLaden lose Waren verkaufen. Nudeln, Kaffee oder Tee werden in
Großgefäßen – den »Bulk Bins« – angeboten. Der Kunde portioniert
selbst in seine mitgebrachten Gläser oder Dosen. Im italienischen
Campannori bietet der wohl älteste Zero-Waste-Laden Europas
über 250 verschiedene unverpackte Produkte an, vom Keks bis zum
Essig. In den USA, England, Frankreich oder den Niederlanden ist
das Selbstabfüllen von Ware schon länger verbreitet, zum Teil auch
in normalen Supermärkten mit ansonsten verpacktem Sortiment.
Einkaufen ohne Verpackung ist mittlerweile auch in Deutschland
möglich: Nach Kiel eröffnete nun auch in Berlin ein Supermarkt,
der ausschließlich unverpackte Waren anbietet.
Komplett verpackungsfrei – Utopie oder bald Realität?
Trotz großen Zuspruchs stehen die verpackungsfreien Supermärkte
vor Herausforderungen. Die begrenzte Anzahl der angebotenen
Artikel, die zeitintensive Suche nach geeigneten Lieferanten für
Großpackungen und nicht zuletzt Hygienefragen erschweren die
Umsetzung. Zwar gibt es für Läden ohne Verpackung keine speziellen Regeln zusätzlich zu den gesetzlichen Hygienebestimmungen.
Die Betreiber müssen nur sicherstellen, dass die Behälter der Kunden die Ware nicht hygienisch beeinträchtigen. Doch Ware wie
Fisch und Fleisch oder Tiefkühlprodukte sind aufgrund spezifischer hygienischer Anforderungen noch nicht in verpackungsfreien
Supermärkten zu finden. Der Handelsverband Deutschland bezweifelt daher, dass verpackungsfreies Einkaufen massenmarkttauglich und für alle Sortimente geeignet ist. Alle Hygienevorschriften einzuhalten sei ohne Verpackungen kaum umsetzbar.

Kein hüllenloses Vollsortiment
Bei Alnatura, einem Kunden des Geschäftsbereichs Entsorgung von Veolia,
gilt deshalb die Devise: so viel Verpackung wie nötig, so wenig wie
möglich. Das Unternehmen betreibt in Deutschland 90 »Super Natur
Märkte«. Unter der Marke Alnatura werden außerdem Bio-Lebensmittel produziert und in den eigenen Märkten sowie bei Handelspartnern vertrieben. »Verpackungsvermeidung geht bei uns immer vor
Recycling«, erklärt Isabell Kuhl aus dem Qualitätsmanagement. »Bei
unseren Frühstückscerealien und Burger-Mischungen verzichten
wir etwa auf zusätzliche Faltschachteln. In unseren Filialen
bieten wir Mehrweg-Eierboxen und Bio-Leinenbrotbeutel an,
damit der Kunde frische Produkte verpackungsfrei einkaufen kann. Und wo organische Verpackungen möglich
sind, setzen wir Papier ein.«
Doch klar ist auch bei Alnatura: Diese bieten im
Vergleich zu Kunststoffverpackungen für viele Produkte keinen ausreichenden Schutz. Wären biologisch abbaubare Kunststoffe eine Alternative?
»Das Thema sehen wir eher kritisch. Laut Experten zersetzen sie sich in den Kompostwerken viel
zu langsam, so dass sie in der Regel aussortiert
und verbrannt werden. Zudem sind die Materialien nicht restlos abbaubar. Bei Bio-Kunststoffen auf Maisbasis kommt hinzu, dass gentechnisch veränderter Mais nicht ausgeschlossen werden kann und Gentechnik ist für die
Bio-Branche tabu«, sagt Isabell Kuhl.
Weniger ist manchmal mehr
Auch andere Einzelhändler arbeiten
an Wegen, Produkte wirkungsvoll zu
schüt- zen und dabei trotzdem das Verpackungs- material auf ein Minimum zu
reduzieren – wie etwa durch die Nutzung
von Nachfüll- und Mehrwegsystemen
und den Einsatz von Mehrweg-Transportbehältern oder Europaletten. Auch beim Materialaufwand industriell hergestellter Verpackungen hat sich einiges getan: Wogen 500 ml PETFlaschen vor 25 Jahren noch 19 Gramm, ist das
Gewicht heute um die Hälfte reduziert. Lebensmitteldosen aus Weißblech wiegen heute etwa halb so
viel wie im Jahr 1974. Und alle diese Verpackungen
lassen sich unbegrenzt wiederverwerten – ohne Minderung der Qualität.

Unverpackt, Kiel
www.unverpackt-kiel.de
Freikost Deinet, Bonn
www.freikost.de
Original Unverpackt, Berlin
www.original-unverpackt.de
Kiezwagen Blank, Berlin
www.kiezwagen-blank.de
Unverpackt einkaufen,
Verpackungsfreie Lösungen für den Einzelhand
el
www.unverpackt-einkaufen.de
Alnatura Produktions- und Handels GmbH
www.alnatura.de
Verbrauchertipps zur Müllvermeidung
www.utopia.de/galerie/15-wege-zu-weniger
-muell,
www.oekoside.de/oeko/oekotipps/muell_verm
eiden.php

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Seite 23

Im Strom der Kunst

U

hren als Kraftwerke, Solarpanels als Kunstobjekte: Die Energiewende ist auch in der Kunst
angekommen und setzt jenseits der politischen Agenda kreative Ideen frei. Künstler geben
Denkanstöße für unseren Umgang mit Energie und entwickeln ganz nebenbei innovative
Ansätze zur Bewältigung von Ressourcenknappheit und Energieverschwendung. So wird Kreativität zur regenerativen Energiequelle und Kunstwerke verwandeln sich in Stromerzeuger.

In Stuttgart erzeugt
ein Kunstprojekt
Strom aus einer
Kirchturmuhr.

Aus Kunst wird Kilowatt: Wenn die Kunden von Performance
Electrics das Licht einschalten, verbrauchen sie nicht einfach
nur Energie. Sie fördern Kunst. Denn der erste »Kunststromhersteller« der Welt erzeugt elektrische Energie aus kreativen
Quellen. Vor allem öffentliche Einrichtungen wie Museen werden mit dem Kunststrom des gemeinnützigen Unternehmens
versorgt. »Begriffe wie der Wirkungsgrad waren immer rein
technische Parameter. Wir untersuchen aber die künstlerische
Wirkung, also die Ästhetik, die wir mit unserer Stromproduktion erreichen«, erklärt Performance Electrics-Gründer und
Geschäftsführer Pablo Wendel. So wurde im Projekt »TwentyFour/Seven« eine Kirchturmuhr in Stuttgart zum Energieproduzenten. Ein Dynamo wandelte die Bewegungsenergie der
Zeiger in Kunststrom um. Dieser wurde dann ins öffentliche
Netz eingespeist. Auch die »Power Station«, über die der produzierte Strom aller Kunstwerke gemeinsam ins öffentliche
Netz gelangt, ist im Sinne der Energieeffizienz gestaltet: Sie ist
aus recycelten Materialen gebaut.
Energie bedeutet für Dr. Sigrun Brunsiek vor allem Kreativität.
In Schöppingen hat die Koordinatorin des Projekts »Kraftwerk
Künstlerdorf« einen kreativen Ort für die Auseinandersetzung
mit der Energiewende geschaffen. Dabei arbeitet sie mit einem
Netzwerk aus über 8 000 Künstlern und Wissenschaftlern zusammen. »Die Ausgestaltung unserer energetischen Zukunft
wollen wir nicht allein Politik und Technik überlassen«, erklärt
Brunsiek. Auf dem Gelände rund um zwei historische Bauernhöfe ist eine Ausstellung entstanden, die nicht nur das Interesse
von Kunstfreunden auf sich zieht. Einige Kunstobjekte produzieren auch Energie, sie sollen das Dorf schon 2016 energieautark machen und auch das Neue Rathaus Schöppingen
zum Teil mit Strom versorgen.

Performance Electrics

www.performance-electrics.com

Kraftwerk Künstlerdorf, Stiftung Künstlerdorf Schöppingen
www.kraftwerk-kuenstlerdorf.de
        
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