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Full text: Nachhaltige Stadtentwicklung

NACHHALTIGE STADTENTWICKLUNG
Lebenswert, grün und vernetzt – Städte der Zukunft gemeinsam gestalten

IMPRESSUM
Als Bundesunternehmen unterstützt die GIZ die deutsche
Bundesregierung bei der Erreichung ihrer Ziele in der
Internationalen Zusammenarbeit für nachhaltige Entwicklung
Herausgeber
Deutsche Gesellschaft für
Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH
Sitz der Gesellschaft
Bonn und Eschborn
Friedrich-Ebert-Allee 36 + 40
53113 Bonn
T +49 228 44 60 - 0
F +49 228 44 60 - 17 66
Dag-Hammarskjöld-Weg 1-5
65760 Eschborn
T	 +49 228 44 60 - 0
F	 +49 228 44 60 - 17 66
E 	info@giz.de
I 	www.giz.de
Verantwortliche, Redaktion und Koordination
im Rahmen des Clusters Stadt und Region
Dr. Daphne Frank, Carmen Vogt
Diese Broschüre entstand im Rahmen des Clusters Stadt und
Region im Zeitraum zwischen 03/ 2015 und 03/ 2016 mit
Kolleginnen und Kollegen im In- und Ausland. Die bereichsübergreifende Arbeitsgruppe diskutiert und informiert über
aktuelle Themen der Stadt- und Regionalentwicklung.
Text
Michael Engel, Jochen Gauly,
Sabine Meyer-Zenk, Felix Volgmann
Mit Unterstützung von:
Kompetenzcenter
Dr. Ute Böttcher, Kompetenzcenterleiterin
4C30 Demokratie, Politikdialog, Stadt
Abteilung
Joachim Fritz, Abteilungsleiter
4C00 Governance und Konflikt
Mit Anregungen von
Dr. Omnia Aboukorah-Voigt, Steve Ameyibor, Jasmin Atwaa,
Franziska Baack, Timo Biank, Daniel Brumund, Martina Craemer,
Dr. Anka Derichs, Martin Dirr, Julia Diringer, Shailendra Dwivedi,
Philip Eichler, Katrin Eisenbeiß, Katrin Faltenmeier, Eileen
Frerking, Iris Gleichmann, Sarah Habersack, Volkmar Hasse,
Silke Hattendorff, Hans-Joachim Hermann, Claudia Hermes,
Karin Hörhan, Nils Huhn, Dr. Andreas Kalk, Benjamin Klinger,
Sascha Kuhn, Philipp Kühl, Katharina Lampe, Verena Maier,
Friedegund Mascher, Günter Meinert, Jonnathan Alexis
Menéndez Somoza, Harald Müller, Sandra Müller, Yvonne Müller,
Ulrich Nitschke, Ulf Neupert, Karen Pacheco, Michael Petersik,

Patrick Poehlmann, Dr. Petra Stremplat-Platte, Anna Rindtorff,
Dr. Manfred Poppe, Eva Ringhof, Michael Samec, Frank Samol,
Katharina Schaaff, Amina Schild, Lisa Schmidt, Sarah Schneider,
Barbara Scholz, Carl Philipp Schuck, Dr. Ingrid Schwörer, Bernd
Sikor, Dr. Bettina Silbernagl, Meinolf Spiekermann, Dr. Günther
Wehenpohl, Lena Weiler, Stefan Werner, Sebastian Wigele,
Holger Zahn, Svetlana Zdravkovska
Design
creative republic
Thomas Maxeiner Kommunikationsdesign,
Frankfurt am Main, Germany
www.creativerepublic.de
Fotonachweis
© soweit nicht anders vermerkt: © GIZ
© GIZ/Dirk Ostermeier: S. 14/15; GIZ/Hamish John Appleby: S. 16;
GIZ/Ollivier Girard: S. 70; Amina Schild: Umschlag, S. 32, S. 52,
S. 57, S. 68, S. 70 unten, S. 77; Thomas Trutschel /photothek.net:
S. 11
© shutterstock: Umschlag, S. 1, S. 4/5, S. 6, S. 7, S. 8/9, S. 10,
S. 12, S. 17, S. 18 rechts, S. 19 links, S. 20/21, S. 29, S. 65,
S. 66/67, S. 68/69, S. 70/71, S. 72 - 75, S. 77, S. 78/79, S. 85
Kartenmaterial
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Zweck und beinhalten keine völkerrechtlichen Anerkennungen
von Grenzen und Gebieten. Die GIZ übernimmt keinerlei Gewähr
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verantwortlich.
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Aksoy Print & Projektmanagement, Eppelheim
Gedruckt auf 100 % Recyclingpapier,
nach FSC-Standards zertifiziert
Erscheinungsort und -jahr
Eschborn und Bonn, Juli 2016

NACHHALTIGE STADTENTWICKLUNG
Lebenswert, grün und vernetzt – Städte der Zukunft gemeinsam gestalten

4

VORWORT

VORWORT
Liebe Leserinnen und Leser,
mit seinem vielzitierten Satz „Our struggle for global
sustainability will be won or lost in cities" brachte der
UN-Generalsekretär Ban Ki-moon die hohe Relevanz
der Stadtentwicklung auf den Punkt. In einer schnelllebigen und vernetzten Zeit, in der mehr als die Hälfte
der Weltbevölkerung in Städten lebt, in denen überproportional viele natürliche Ressourcen verbraucht und
drei Viertel aller Treibhausgase emittiert werden, brauchen wir dringend Antworten auf gewaltige Herausforderungen. Wir benötigen das Potenzial unserer Städte,
um einen nachhaltigen und sozial gerechten Weg der
Entwicklung zu beschreiten.
Städte ziehen kreative Köpfe und unternehmerisch Mutige
genauso an, wie Vertriebene und Notleidende, aber allen
gemeinsam ist, dass es Menschen sind, die in den jeweiligen
Städten eine bessere und v.a. auch friedliche Lebensgrundlage suchen. Sie bieten ein Kaleidoskop von Chancen –
und damit vielen eine Zukunftsperspektive.
Städte waren seit jeher Orte neuer Ideen und ihrer gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Umsetzung. Damit sie
auch zukünftig die Kraftwerke ihrer Nationen bleiben,
müssen robuste, anpassungs- und leistungsfähige sowie
ressourceneffiziente Strukturen geschaffen, das nachhaltige Leben und Wirtschaften gefördert und die politische
Teilhabe ermöglicht werden. Der Anspruch muss sein,
dass Stadtbewohner sich als verantwortliche Bürgerinnen
und Bürger ihrer Stadt und der Welt verstehen.
Seit über 40 Jahren engagiert sich die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH
mit ihren Partnern und Auftraggebern wie z.B. dem
Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit
und Entwicklung (BMZ), dem Bundesministerium für
Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB),
der Europäische Union, Stiftungen u.v.m. in der Stadt- und
Kommunalentwicklung. In derzeit rund 50 Projekten in
40 Ländern streben wir danach, nachhaltige, inklusive,

sichere und lebenswerte Städte zu fördern, in denen
die Menschen sich wohl fühlen und am politischen und
gesellschaftlichen Leben teilnehmen.
Handlungsleitend sind dabei die internationalen Agenden,
wie z.B. die Agenda 2030, das Abkommen der Klimakonferenz COP 21 und der Habitat III Prozess zur Formulierung der New Urban Agenda, in denen die vielfältigen
Aufgaben, die Städte bewältigen müssen, vereinbart sind.
Wir berufen uns auf nationale und regionale Leitvorstellungen, wie etwa die „Leipzig Charta zur nachhaltigen
europäischen Stadt“, die seit ihrer Verabschiedung in
2007 auch das Fundament der deutschen nationalen
Stadtentwicklungspolitik bildet.
Die Erfahrungen unseres Wirkens aufzubereiten und
einen Beitrag zur Weiterentwicklung des Transformationsprozesses von Städten zu leisten, haben wir – Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Themenfeld Stadt – zum
Anlass genommen, die Ansätze und Projekte der GIZ zu
Urbanisierung und Stadtentwicklung entlang von sechs
Handlungsfeldern einer nachhaltigen städtischen Entwicklung, nämlich „bürgernah und gut regiert“, „resilient,
emissionsarm und ressourceneffizient“, „produktiv und
kreativ“, „sicher und inklusiv“, „kooperativ und interkommunal“, sowie “gut vernetzt“ vorzustellen.
Unser Dank gilt allen Kolleginnen und Kollegen, die
weltweit unterwegs sind und mit ihrem Wissen und ihren
Erfahrungen die vorliegenden Inhalte bereichert haben.
Wir sind zuversichtlich, dass diese Broschüre Ihnen einen
erkenntnisreichen Überblick über die vielseitige und
zukunftsrelevante Arbeit der GIZ gibt, und wünschen
eine anregende Lektüre!

Joachim Fritz
Abteilungsleitung Governance und Konflikt
Fach- und Methodenbereich
Eschborn/Bonn, im Juni 2016

5

6

INHALT

1.0
MEGATREND URBANISIERUNG –
WIE MEISTERN?

9

1.1 INTERNATIONALE UND DEUTSCHE LEITBILDER

11

1.2 UNSERE PARTNER – FÜR WEN WIR ARBEITEN

13

1.3 UNSERE METHODE –
GEMEINSAM VERÄNDERUNG GESTALTEN
1.4 UNSERE KOMPETENZ –
NACHHALTIGE STADTENTWICKLUNG

15

17

INKLUSIV, SOZIAL UND SICHER
Handlungsfeld 4

45

Der Mensch im Mittelpunkt der Stadt
In Sicherheit leben und arbeiten

45
53

KOOPERATIV UND INTERKOMMUNAL
Handlungsfeld 5

56

Stadt-Umland-Verflechtungen
in Metropolregionen und Raumordnungssystemen

56

GUT VERNETZT
Handlungsfeld 6

62

Städte als Entwicklungspartner

62

2.0
STADT DER ZUKUNFT – WIE GESTALTEN? 21

3.0

BÜRGERNAH UND GUT REGIERT
Handlungsfeld 1

21

Konzepte für gut gemanagte Städte
Moderne Städte setzen auf Mitsprache

21
26

RESILIENT, EMISSIONSARM
UND RESSOURCENEFFIZIENT
Handlungsfeld 2

30

Widerstandsfähige Städte
mindern Katastrophenrisiken
Lebenswerte, zukunftssichere
städtische Umwelt

INTERVIEW – WIE WERDEN AUS
STADTNUTZERN VERANTWORTLICHE
STADTBÜRGER?

67

4.0
UNSERE PROJEKTE – IN ALLER WELT

73

30
34

5.0
QUELLENVERZEICHNIS

PRODUKTIV UND KREATIV
Handlungsfeld 3

38

Fortschrittliches Wirtschaften
stärkt die Städte
Integrierte Entwicklung von Altstädten

38
41

79

7

8

MEGATREND URBANISIERUNG – WIE MEISTERN?

1.0

MEGATREND URBANISIERUNG –
WIE MEISTERN?

Städte wachsen in einem nie dagewesenen Ausmaß.
Im 21. Jahrhundert lebt der größere Teil der Menschheit
nicht mehr auf dem Land, sondern in Städten. Weltweit
gibt es derzeit bereits 28 Megacities wie São Paolo und
Shanghai, Delhi, Jakarta, Lagos oder Kairo, die zehn Millionen oder weit mehr Einwohner zählen. Bis 2050 wird
die städtische Bevölkerung auf rund fünf Milliarden oder
drei Viertel der Weltbevölkerung anwachsen, sagen die
UN-Prognosen.1 Bereits in 15 Jahren wird es 41 Megacities geben, die mit benachbarten Millionenstädten zu
gigantischen, urbanen Ballungsräumen zusammenwachsen, die man als Megalopolen bezeichnet. Fast 90 Prozent
des zukünftigen städtischen Wachstums wird allerdings
in den kleinen und mittelgroßen Städten der afrikanischen
und asiatischen Entwicklungs- und Schwellenländer
stattfinden. Indien, China und Nigeria werden voraussichtlich die höchsten Zuwachsraten verzeichnen.
Städte wirken wie Magneten. Sie ziehen seit Jahrhunderten Migrantinnen und Migranten vom Land an, die auf ein
besseres Leben, auf Arbeit und Wohlstand, oft auch auf
Freiheit von patriarchalisch und rückständig geprägten,
Verhältnissen hoffen. Städte werden aber auch immer mehr
zu Zufluchtsorten: Weltweit sind derzeit knapp 60 Millionen Menschen auf der Flucht vor Krieg, Gewalt und
Verfolgung. Dies ist die höchste Zahl, die jemals erfasst
wurde.2 Dabei leben 60 Prozent der Flüchtlinge in Städten.
Das Szenario einer dynamisch fortschreitenden Urbanisierung wirft natürlich Fragen auf.
Ist eine Urbanisierung der Armut zu befürchten?
Städte wie Mumbai oder Nairobi, wo mehr als die Hälfte
aller Einwohner in Elendsvierteln lebt, in erbärmlichen
Unterkünften ohne Wasser und Licht, zwischen Müll und
stinkenden Abwassergräben – wie können diese Städte
weiteren Bevölkerungszuwachs verkraften? Die Weltbank
legte 2014 eine Schätzung vor, nach der weltweit eine Milliarde Menschen in Slums leben; die Zahl soll bis 2050 auf
drei Milliarden ansteigen.

UN DESA (2014)
UNHCR (2015)
3 Häußermann, H. et al. (2004): 7
4 UNEP (2013)
1

2

Wie kann der soziale Friede gewahrt werden?
Schon heute haben Städte wie Mogadischu, Caracas oder
Detroit Schwierigkeiten, Ordnung und Sicherheit aufrecht
zu erhalten. Und Stadtsoziologen wie Hartmut Häußermann und Walter Siebel warnen, dass selbst in Westeuropa
und Nordamerika Stichworte wie neuer Reichtum, neue
Armut, neue Unterklasse und Ausgrenzung eine
neue Qualität der sozialen Ungleichheit bezeichnen.3
Wie können Umwelt und Klima gerettet werden?
Nicht nachhaltige Lebens- und Wirtschaftsweisen in
urbanen Räumen führen zur Zerstörung der Natur. Sie
produzieren Müllhalden, Grundwasserprobleme und
Luftverschmutzung. Städte und Metropolregionen beanspruchen derzeit 75 Prozent der natürlichen Ressourcen
dieses Planeten. Sie sind für über 75 Prozent der weltweiten CO2-Emmissionen verantwortlich – und heizen
damit den Klimawandel an.4 Dessen Folgen werden die
Ärmsten in den Städten am härtesten treffen. Denn sie
siedeln in Überflutungsgebieten von Küsten und Flüssen
oder an steilen Hängen, die von Bergrutschen bedroht
sind, und riskieren ihr Leben und all ihr Hab und Gut.
Wie kann Wirtschaftswachstum allen zugutekommen? Städte sind Zentren des Handels und der
Kultur, Geburtsstätten des Fortschritts, Hochburgen des
Wohlstands. Die volkswirtschaftliche Wertschöpfung
erfolgt derzeit vorrangig in Ballungsräumen. Es gibt einen
positiven Zusammenhang zwischen Urbanisierung und
Pro-Kopf-Einkommen: Das ist es ja, was die Menschen in
die Städte zieht. Wenn das Wirtschaftswachstum aber
nicht bei allen ankommt, wächst die soziale Ungleichheit.
Staatsoberhäupter aller geschichtlichen Epochen
nutzten Stadtplanung nicht nur als Mittel, um ihrer
Macht und Autorität Ausdruck zu verleihen, sondern auch
als Steuerungsmittel der sozialen Ordnung und Sicherheit
sowie der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit. Ob kleine,
mittelgroße oder große Zentren der Macht und ihrer
Verwaltung: In den Städten zeigt sich, wie gut ein Staat
regiert wird.

9

10

MEGATREND URBANISIERUNG – WIE MEISTERN?

Ein positives Bild von städtischem Leben, das mit den
ökologischen Notwendigkeiten im Einklang steht, ist
nicht denkbar, bevor nicht die sozialen Ungleichheiten
beseitigt sind. Aus dem Megatrend Urbanisierung spricht
daher die Notwendigkeit nach zukunftstauglichen Stadtplanungskonzepten, die zur Schaff ung von guten Lebensbedingungen für alle Menschen beitragen. Es gibt diese
nachhaltigen Konzepte. Ihre entschlossene Umsetzung
scheitert jedoch vielerorts an der finanziellen Not der
Kommunen, an der Frage der Leistungsfähigkeit – und
am politischen Willen.
Die GIZ zeigt in dieser Publikation auf, wie man die
Ressourcen der Städte effizient nutzen kann, um die
Potenziale für nachhaltige Entwicklung auszuschöpfen.
Nach welchen Leitlinien gestaltet die GIZ ihre internationale Zusammenarbeit für nachhaltige Stadtentwicklung?

Wie erarbeitet die GIZ tragfähige Grundlagen für ihre
Projekte? Welches direkt anwendbare Handlungswissen,
welche spezifischen urban-governance-Konzepte hat die
GIZ zu bieten? Und wie kann sie zum Aufbau lokaler
Kapazitäten in Städten und Metropolregionen beitragen?
Diese Fragen werden im Folgenden beantwortet.
Unser Ziel sind gut regierte und gemanagte Städte, die
notwendigen Strukturen schaffen und erhalten und ihren
Bürgerinnen und Bürgern soziale Sicherheit, ökologische
Nachhaltigkeit und politische Teilhabe garantieren. Diese
Städte können dann die Rolle von nationalen Vorbildern
einnehmen: In ihnen blüht nicht nur die Wirtschaft auf,
sondern auch das geistige und kulturelle Leben. Diese
Städte werden dann zu Orten, die dem Menschen eine
Heimat sein können.

MEGATREND URBANISIERUNG – WIE MEISTERN?

1.1
INTERNATIONALE UND
DEUTSCHE LEITBILDER

„Städte und Siedlungen inklusiv, sicher, widerstandsfähig und
nachhaltig machen“ – dieses Leitmotiv der Urbanisierung
wurde in Ziel 11 der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung festgelegt und ist auch in den Unterzielen und Indikatoren des neuen Zukunftsvertrages der Vereinten Nationen
verankert. Anders als bei den Millenniumsentwicklungszielen handelt es sich um eine Agenda mit universeller
Gültigkeit – sie gilt also auch für die entwickelten Länder.
Sie hebt außerdem die Bedeutung der lokalen Ebene hervor:
Städte und Gemeinden gelten als wichtige Protagonisten in
der Umsetzung einer Vielzahl von nachhaltigen Entwicklungszielen (Sustainable Development Goals, SDGs).
Eine der ersten globalen Konferenzen, auf der man sich
konkret mit der Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele in
urbanen Räumen auseinandersetzt, ist der Weltgipfel des
Programms der Vereinten Nationen für das menschliche
Siedlungswesen UN-Habitat III im Oktober 2016 in
Quito, Ecuador. Nach Vancouver 1976 und Istanbul 1996
ist es der dritte Weltsiedlungsgipfel. Die Vereinten Nationen
werden dann mit der New Urban Agenda eine richtungsweisende, universell gültige Charta für die nächsten zwei
Jahrzehnte verabschieden.
Die Regierung der Bundesrepublik Deutschland sieht in der
aktuellen Urbanisierungsdynamik eine einmalige
Gelegenheit zur Schaffung nachhaltiger Strukturen. Ob
man eine nachhaltige Entwicklung erreichen könne, entscheide sich in den Städten, heißt es in den Leitlinien der
internationalen Zusammenarbeit für nachhaltige Urbanisierung von 2015.5 Die Bundesregierung propagiert daher
eine Green Economy, d.h. eine wachsende und dennoch
das Klima und den Ressourcenverbrauch schonende Wirtschaft. Im Mittelpunkt der Urbanisierung stehe der
Mensch, der in seinen grundlegenden Rechten geschützt
werden müsse und „gleichwertigen und diskriminierungsfreien Zugang zu Wasser und Nahrung sowie Grunddienst-

5
6

Die Bundesregierung der Bundesrepublik Deutschland (2015)
Die Bundesregierung der Bundesrepublik Deutschland (2015)

leistungen wie Bildung, Kultur und Medien und Gesundheit
sowie Sicherheit genießen“ 6 solle.
Deutschland engagiert sich stark bei der inhaltlichen Vorbereitung der Konferenz sowie bei der Formulierung
der New Urban Agenda. Regierungen und zivilgesellschaftliche Organisationen stützten sich dabei auf breitgefächerte
wissenschaftliche Expertise: Denn die Erforschung der
komplexen Zusammenhänge der Stadtentwicklung hat in
Deutschland eine lange Tradition.

11

12

MEGATREND URBANISIERUNG – WIE MEISTERN?

Hier arbeiten die Sozial-, Wirtschafts-, Verwaltungs-,
Natur-, Ingenieur- und Raumwissenschaften seit langem
zusammen.
Darüber hinaus haben deutsche Errungenschaften international Modellcharakter, zum Beispiel im Klimaschutz:
Deutschland hat hier durch den Ausbau der erneuerbaren
Energien eine Vorreiterrolle inne. Im Themenfeld Urbanisierung zählen vor allem die dezentrale Aufgabenzuweisung
innerhalb des föderalen Staatsaufbaus der Bundesrepublik,
die Raumordnung und die nationale Stadtentwicklungspolitik. Ebenfalls wichtige Referenzen für die internationale
Beratung sind die starke kommunale Selbstverwaltung mit
der Zuständigkeit der Städte und Kommunen für die
Planung und Steuerung ihrer eigenen räumlichen und
sozialen Entwicklung; ferner die etablierten Formen

der Bürgerbeteiligung. Einen guten Ruf hat Deutschland auch in der Frage der Einbindung marginalisierter
Gruppen. Schließlich können Erfahrungen aus dem
Transformationsprozess nach der deutschen Wiedervereinigung weitergegeben werden.
Die Entwicklungszusammenarbeit vereint zudem wertvolle
internationale Erfahrungen. Die GIZ generiert mit ihren
Partnern in vielen Ländern neues Wissen, um den komplexen Herausforderungen der Urbanisierung zu begegnen.
Dieses Wissen arbeitet die GIZ auf und berät die Bundesregierung in Fragen der Entwicklungspolitik.
In internationalen Zusammenschlüssen wie der Cities
Alliance werden Konzepte für die New Urban Agenda und
deren Umsetzung diskutiert.

MEGATREND URBANISIERUNG – WIE MEISTERN?

1.2
UNSERE PARTNER –
FÜR WEN WIR ARBEITEN

Die GIZ engagiert sich als eine der weltweit größten Entwicklungsorganisationen seit über 40 Jahren in der
Stadtentwicklung – in Afrika, Asien, Lateinamerika und
Südosteuropa. Unsere wichtigsten Ziele sind, die Lebenssituation armer und benachteiligter Menschen zu verbessern und die Umwelt und das Klima zu schützen.
Als Bundesunternehmen arbeiten wir vornehmlich im
Auftrag der Bundesregierung und ihrer Ministerien.
Unser wichtigster Auftraggeber ist das Bundesministerium
für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
(BMZ). Wir sind auch für das Bundesministerium für
Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB)
sowie für andere Bundesressorts wie das Auswärtige Amt
(AA) tätig. Daneben übernehmen wir Aufträge für die
Europäische Union (EU) und sind für Regierungen anderer
Länder und für internationale Auftraggeber tätig (u. a. Weltbank, regionale Entwicklungsbanken, Stiftungen wie die
Rockefeller oder die Bill and Melinda Gates Foundation).
In unseren Partnerländern arbeiten wir mit Stadträten
und Stadtverwaltungen, Kommunalverbänden, regionale
Regierungen und Verwaltungen, Nationalregierungen,
Versorgungsunternehmen und Akteuren aus Wirtschaft,
Wissenschaft und Zivilgesellschaft zusammen. Ferner
kooperieren wir mit internationalen Organisationen wie
UN-Habitat und Netzwerken wie der Cities Alliance oder
Kommunalverbänden wie ICLEI (Local Governments for
Sustainability) sowie der KfW Entwicklungsbank und der
Wissenschaft.

Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verfügen über
jahrzehntelange Erfahrung und umfangreiches Wissen –
auf technischem, juristischem, ökonomischem und kulturellem Gebiet. Weil sie den entwicklungs- und umweltpolitischen Hintergrund und die Verhältnisse in den
Partnerländern genau kennen, können sie Technologien
und Konzepte an den jeweiligen Kontext anpassen.
Dieses Erfahrungswissen schätzen viele Auftraggeber
rund um den Globus.

13

14

MEGATREND URBANISIERUNG – WIE MEISTERN?

1.3
UNSERE METHODE –
GEMEINSAM VERÄNDERUNG
GESTALTEN

Internationale Zusammenarbeit durch die GIZ hat vor
allem das Ziel, über Beratung und Vermittlung von Wissen,
praktischen Erfahrungen und Fähigkeiten das eigenverantwortliche Handeln von Menschen und Organisationen in
den Kooperationsländern zu fördern, von der kleinen
Nutzergruppe bis zur Regierungsbehörde. Damit stellen
wir die Wirkung der Projekte über die Dauer unseres
Engagements hinaus sicher. Die von der GIZ geleistete
technische sowie die finanzielle Entwicklungszusammenarbeit durch die deutsche KfW Entwicklungsbank ergänzen
sich dabei.
Neben der Kompetenz der eigenen Experten greift die
GIZ auf deutsches und internationales Know-how zurück.
Deutschland verfügt über wissenschaftliche, technologische und wirtschaftliche Exzellenz sowie über kommunale
Verwaltungen, die wissen, wo Veränderungen Konflikte
verursachen und wie diese zu lösen sind. Wir geben dieses
Wissen an Entwicklungs- und Schwellenländer weiter
und entwickeln gemeinsam neue, angepasste Lösungen.
Unsere GIZ-Teams vor Ort setzen sich aus deutschen,
internationalen und nationalen Mitarbeiterinnen und
Mitarbeitern zusammen. Damit stellen wir sicher, dass
unsere Fachleute über notwendige lokale Kenntnisse und
neueste Methoden verfügen.
Die GIZ engagiert sich in ihren Projekten auf kommunaler,
regionaler und nationaler Ebene – entsprechend den institutionellen Verknüpfungen und Verantwortlichkeiten im
Partnerland. Vor Ort arbeiten GIZ-Teams häufig direkt
in den Ministerien und kommunalen Planungsbehörden
nach dem Mehr-Ebenen-Ansatz.
Schließlich engagieren wir uns auch auf der internationalen Ebene. Das heißt, wir stärken die Stimme der
Städte in nationalen und internationalen Entwicklungsagenden wie der Agenda 2030 oder im Habitat III-Prozess.
Bei Politikberatung und im Capacity Development agiert
die GIZ auf der Grundlage einer engen und vertrauensvollen Zusammenarbeit mit dem Partner.

15

16

MEGATREND URBANISIERUNG – WIE MEISTERN?

Wir beraten unsere Partner bei politischen Aufgaben und
der fachlichen Aufstellung von Leitlinien, Konzepten und
Vorgehensweisen sowie bei der konkreten Durchführung
von Projekten vor Ort. Dabei schulen wir Entscheidungsträger und Fachleute: Denn Entscheidungen fällen und
Veränderungen herbeiführen setzt Wissen voraus, welches
in Städten, Behörden, Unternehmen und der Zivilgesellschaft oft erst geschaffen werden muss. Wir analysieren
gemeinsam mit den Partnern die Probleme vor Ort und
entwickeln auf der Basis dieser Erkenntnisgrundlage
örtlich angepasste Strategien zu ihrer Bewältigung, die
wir in Pilotprojekten testen. So können wir im Schulterschluss mit unseren Partnerorganisationen Stadtentwicklungskonzepte erfolgreich umsetzen.

Die GIZ bindet alle gesellschaftlich relevanten Kräfte in den
Transformationsprozess ein; wichtige Akteure aus der Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft der Partnerländer
haben in unseren Projekten genauso Sitz und Stimme wie
Vertreterinnen und Vertreter marginalisierter Gruppen.
Städte nachhaltig zu gestalten ist dennoch ein schwieriger
und langwieriger Prozess. In jedem Land, in jeder
Kommune prallen dabei unterschiedliche Interessen aufeinander. Es geht aber darum, die Grundlagen für den
Wandel zu legen – und gemeinsam an der Verwirklichung
der Vision von lebenswerten und leistungsfähigen Städten
zu arbeiten.

MEGATREND URBANISIERUNG – WIE MEISTERN?

1.4
UNSERE KOMPETENZ –
NACHHALTIGE
STADTENTWICKLUNG

Die GIZ versteht den rasanten Urbanisierungsprozess als
Chance, menschenwürdiges und umweltverträgliches
Leben mitzugestalten. Wir unterstützen Städte und Stadtregionen bei der Organisation ihrer Verwaltung und der
Mobilisierung ihrer Fähigkeiten, ihre eigene Entwicklung
nachhaltig zu gestalten. Wir setzen auf Good Urban
Governance.
Derzeit führen wir im Auftrag der deutschen Bundesregierung und anderer Partner rund 50 Vorhaben der Stadtund Regionalentwicklung in mehr als 40 Ländern durch;
eine Auswahl finden Sie am Ende dieser Broschüre
(Kapitel 4.0 / Seite 72).
Als deutsches Bundesunternehmen genießen wir viel
Vertrauen aufgrund unserer exzellenten Expertise und
jahrzehntelangen Erfahrung.Stadtentwicklung hat
viele Themen und vereint unterschiedliche Fachgebiete.
Unser Angebot greift diese Vielfalt auf.

Entwicklungsziele in den wichtigsten
Handlungsfeldern:
BÜRGERNAH UND GUT REGIERT
Handlungsfeld 1
Wir stärken die Leistungs- und Steuerungsfähigkeit von
Stadtverwaltungen und Stadträten mit dem Ziel, nachfrageorientierten und gleichberechtigten Zugang zu
qualitativ hochwertigen öffentlichen Versorgungs- und
Dienstleistungen für alle Bürgerinnen und Bürger zu
gewährleisten. Sofern die Aufgabe es erfordert, unterstützen wir auch den Prozess einer Dezentralisierung und
stärken damit die Rolle von Kommunen und Städten.
Teil dieser Aufgabe ist die Entwicklung von nationalen
Stadtentwicklungspolitiken.
Ein leistungsfähiges Stadtmanagement ist ein wichtiger
Faktor, um die notwendigen Rahmenbedingungen für
eine wirtschaftliche, umweltfreundliche, klimagerechte

sowie finanziell tragfähige Entwicklung einer Stadt und
ihrer Region zu schaffen. Unsere Zusammenarbeit
mit Stadtverwaltungen wird vom Prinzip der guten Regierungsführung und einem menschenrechtsbasierten
Ansatz geleitet. So fördern wir lokale Selbstverwaltung,
um vorhandene Ressourcen bedarfsorientiert und
wirtschaftlich zum Wohl der Bevölkerung einzusetzen.
Marginalisierte Gruppen stehen dabei besonders im
Fokus unserer Aufmerksamkeit.

RESILIENT, EMISSIONSARM
UND RESSOURCENEFFIZIENT
Handlungsfeld 2
Gemeinsam mit öffentlichen und zivilgesellschaftlichen
Akteuren entwickeln wir auf kommunaler sowie regionaler
Ebene Strategien und Maßnahmen, um die negativen
Folgen des Klimawandels zu minimieren. Wir stärken die
Widerstandsfähigkeit von Städten und Stadtregionen
bzw. ihre Anpassung an veränderte Klimabedingungen.

17

18

MEGATREND URBANISIERUNG – WIE MEISTERN?

Wir fördern integriertes Umweltmanagement, sodass
Städte und Regionen befähigt werden, ihre Entwicklung
umweltgerecht, emissionsarm und ressourceneffizient zu
planen und ihren ökologischen Fußabdruck zu verkleinern.
Wir unterstützen Städte und Regionen dabei, den notwendigen rechtlichen Rahmen dafür zu schaffen und Lösungen
für die ökologischen Schlüsselprobleme zu entwickeln.
Dabei greifen wir auf neueste Verfahren der Informationsund Kommunikationstechnologie zurück.

PRODUKTIV UND KREATIV
Handlungsfeld 3
Wir unterstützen Gebietskörperschaften, Wirtschaftsverbände und die Zivilgesellschaft darin, zukunftsfähige,
sozial verträgliche und ökologisch nachhaltige Entwicklungspfade einzuschlagen, um die Einkommens- und
Beschäftigungschancen der Bürgerinnen und Bürger zu
sichern und zu verbessern. Dabei sind uns inklusives
Wirtschaftswachstum, die Beschäftigungsförderung von
jungen Menschen und die Nutzung lokaler Potenziale

wie handwerkliche Traditionen wichtig. Einen besonderen
Fokus richten wir auf das Bewahren und die Wiederbelebung historischer Stadtkerne. Hier verknüpfen wir
nachhaltige Stadtentwicklung mit dem Schutz des
kulturellen Erbes.

INKLUSIV, SOZIAL UND SICHER
Handlungsfeld 4
Wir setzen bei Strategien zur Stadtentwicklung und Gewaltprävention auf sektorübergreifende Lösungsansätze.
Mit nationalen und subnationalen Partnerregierungen
werden Wege gesucht, um marginalisierten Gruppen
einen gerechten Zugang zu öffentlichen Leistungen,
sozialen Grunddiensten, politischer Teilhabe und einem
gesicherten Einkommen zu ermöglichen. Sie bilden den
Ausgangspunkt für eine effektive Prävention und Verminderung von Gewalt. Die Maßnahmen werden auf lokaler
Ebene entworfen und umgesetzt. Dabei binden wir
Randgruppen, insbesondere aus dem informellen Sektor,
in die kommunale Wirtschaftsförderung ein.

MEGATREND URBANISIERUNG – WIE MEISTERN?

KOOPERATIV UND INTERKOMMUNAL
Handlungsfeld 5
Urbanisierung bedeutet, dass Städte über ihre Gebietsgrenzen hinauswachsen. Verwaltungsstrukturen und
Netzwerke weiten sich meist nicht in der gleichen
Ge schwindigkeit aus. Um den wachsenden interkommunalen sowie den expandierenden Stadt-UmlandBeziehungen gerecht zu werden, bieten wir nationalen
und subnationalen Verwaltungen vielfältige Formen
der Unterstützung an. Der in Metropolregionen
herrschende Wettbewerbsdruck macht sie zu kreativen
Knotenpunkten im Netz der Innovationen: Hier entstehen Ideen für nachhaltiges Wirtschaften, die es zu
nutzen gilt.
Als Arbeits- und Wohnstandorte erleichtern Metropolregionen insbesondere Randgruppen der Bevölkerung den
Zugang zu Versorgung und eröffnen ihnen bessere Verdienstmöglichkeiten. Um den wachsenden multisektoralen
Herausforderungen durch die Verflechtung von Städten
mit ihrem Umland gerecht zu werden, müssen effektive

Management- und Governance-Strukturen und Raumordnungssysteme etabliert werden. Mit unseren
Partnern schaffen wir nachhaltige Raumstrukturen
durch Flächennutzungsplanung.

GUT VERNETZT
Handlungsfeld 6
In regionalen und internationalen Netzwerken können
Städte vom Austausch ihrer Erfahrungen profitieren.
Wir unterstützen den Aufbau von Plattformen für
Akteure aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft. Wir bieten ihnen und den
Städten in den Netzwerken die Möglichkeit, sich untereinander auszutauschen, auf Augenhöhe voneinander zu
lernen, gemeinsam Lösungen zu entwickeln, sich gegenseitig zu inspirieren und Kapazitäten aufzubauen oder zu
bündeln. Im lebendigen Dialog können so erfolgreiche
Ansätze der Stadtentwicklung verbreitet werden und
neue, praxisrelevante Ideen entstehen.

19

20

STADT DER ZUKUNFT – WIE GESTALTEN?

2.0

STADT DER ZUKUNFT –
WIE GESTALTEN?

Handlungsfeld 1:

BÜRGERNAH UND GUT REGIERT
KONZEPTE FÜR GUT GEMANAGTE STÄDTE
Herausforderungen. Daseinsvorsorge, also die Sicherung der elementaren Lebensbedingungen, ist die vorderste Aufgabe der Kommunen. In vielen Teilen der Welt
ist aber die Schaff ung von Wohnraum, die Bereitstellung
von Infrastruktur und öffentlichen Dienstleistungen
– wie Wasser- und Energieversorgung, Bildungs- und
Gesundheitswesen – eine Herausforderung für die Stadtregierungen: Zum einen, weil in vielen Ländern die Übertragung von Zuständigkeiten und Ressourcen von der
Zentralregierung auf die Städte angesichts des Handlungsdrucks noch nicht angemessen ist. Zum anderen,
weil viele Stadtregierungen noch unerfahren sind.
Neue Stadtverwaltungen müssen erst leistungsfähige
Strukturen aufbauen und Einnahmen erschließen.
Sie sind doppelt gefordert: Zum einen durch Unerfahrenheit und schwache Strukturen, zum anderen durch
die Vielfalt und Größe ihrer Aufgaben.
Stadtregierungen überall auf der Welt müssen sich legitimieren, nicht nur durch Wahlen, sondern durch die
ständige Verbesserung der Lebensverhältnisse. Stadtentwicklung muss mit den Bürgerinnen und Bürgern und
den Unternehmen verhandelt werden: Doch die Prinzipien von Good Governance wie die Beteiligung der
Bevölkerung oder der gerechte Ausgleich aller Interessen
sind keineswegs überall selbstverständlich. Eine vorausschauende, integrierte Stadtplanung fehlt meist völlig;
ebenso darin eingebettete Flächennutzungsplanungen.
Somit werden Konflikte um Nutzungsansprüche an
den knappen Raum in der Stadt nicht fair ausgetragen.
Allgemein fehlen den Städten in Entwicklungs- und
Schwellenländern häufig die fachlichen und finanziellen
Kapazitäten, eine gute Regierungsführung zu gestalten
und verwaltungsmäßig umzusetzen.

So werden zum Beispiel notwendige Investitionen in die
kommunale Daseinsvorsorge nur unzureichend getätigt.
Soziale und wirtschaftliche Missstände, die die Armen in
den marginalisierten Stadtteilen besonders hart treffen,
können nicht beseitigt werden. Damit gelingt es auch
nicht, das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger zu
gewinnen und sie zum Mitmachen zu bewegen und ein
Gemeinwesen zu formen, das funktioniert, weil es als ihr
eigenes begriffen wird.7
Lösungen. Eine gute Regierungsführung ist eine wesentliche Voraussetzung für nachhaltige Stadtentwicklung.
Gut regierte Städte können gerade in fragilen Staaten das
Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in die Demokratie
stärken. Gut funktionierende kommunale Selbstverwaltungen bringen ferner die Dezentralisierung im Staat
voran. Durch die Förderung von lokalen Verwaltungskapazitäten und integrierten, nationalen Stadtentwicklungspolitiken trägt die GIZ dazu bei, dass Städte und
Regionen kompetent gestaltet und verwaltet werden und
den Ansprüchen einer ausgeglichenen Daseinsvorsorge
gerecht werden können. Wir stellen bei unserer Arbeit
den integrierten Ansatz der Stadtentwicklung und der
kommunalen Stadtplanung in den Vordergrund.
Prinzipien der integrierten Stadtentwicklung:
ÿ Räumliche und territoriale Ansätze: Integrierte
Stadtentwicklung berücksichtigt immer räumliche
Aspekte. Die gute Erreichbarkeit von Dienstleistungen
wird maßgeblich durch die Ausdehnung einer Stadt
bestimmt. Die erforderliche Nutzungsmischung sowie
die erwünschten kompakten Strukturen werden durch
eine räumlich-funktionale Gliederung der gesamten
Stadt erreicht, die ästhetische Gestaltungsprinzipien
der Architektur und des Städtebaus mit einbezieht.
7

GIZ (2012a); Häußermann, H. (2006)

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STADT DER ZUKUNFT – WIE GESTALTEN?

Städte stehen zudem in funktionalen Wechselwirkungen mit ihrem Umland. Ausgewogen und
ressourceneffizient versorgte Siedlungen und Städte
bedürfen daher einer angemessenen Stadtplanung
und Raumordnung.

ÿ Sektorübergreifende Ansätze: Integrierte Stadtentwicklung bringt Fachverwaltungen an einen Tisch,
um gemeinsam Synergiepotenziale für eine ressourcenschonende Versorgung der Bevölkerung mit Grunddienstleistungen zu gewährleisten.

ÿ Interkommunale und Regierungsebenen übergreifende Zusammenarbeit: Metropolregionen brauchen
diese Kooperation. Sie hat sich weltweit bewährt, um
Effizienz und Qualität insbesondere im Rahmen der
städtischen Dienstleistungsversorgung zu optimieren
und gemeinsam zu finanzieren, zum Beispiel durch
Zweckverbände.

ÿ Akteursübergreifende Ansätze: In der integrierten
Stadtentwicklung sind sowohl staatliche Akteure als
auch Zivilgesellschaft, Religion, Kultur, Wissenschaft,
Finanz- und Privatwirtschaft vernetzt. Diese Netzwerke und Partnerschaften sind wichtige Grundpfeiler
für Nachhaltigkeit, Breitenwirksamkeit und gesellschaftliche Lernprozesse. Gemeinsam lassen sich
komplexe Aufgaben besser bearbeiten.

BEISPIELE

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STADT DER ZUKUNFT – WIE GESTALTEN?

BEISPIELE AUS DER PRAXIS:
SEKTORVORHABEN POLITIKBERATUNG IN DER KOMMUNALUND STADTENTWICKLUNG
Das Sektorvorhaben Politikberatung in der Kommunalund Stadtentwicklung setzt sich dafür ein, dass die
Belange von Stadtregierungen bei ihrem Tun, lebenswertere Städte zu gestalten, in internationalen Politikprozessen berücksichtigt werden. Es berät die deutsche
Entwicklungspolitik, wie Städte als Akteure für nachhaltige Entwicklung gestärkt und in die Lage versetzt
werden können, ihre entwicklungspolitische Verantwortung zu übernehmen und Urbanisierung nachhaltig
zu gestalten.
Globale Partnerschaften gestalten
Das Vorhaben unterstützt das BMZ, die deutsche Position
zu nachhaltiger Stadtentwicklung zu entwickeln und diese
in Abstimmung mit anderen Bundesressorts in internationalen Prozessen, vor allem Habitat III, zu verankern.
Über fachlichen Austausch mit internationalen Partnern
trägt das Vorhaben dazu bei, die deutsche Position zu
verbreiten und in die Diskussionen zu globalen Agenden
wie der Agenda 2030, der New Urban Agenda, den
Weltklimaabkommen und den Vereinbarungen zur
Entwicklungsfinanzierung einzubringen.

Stadt- und Regionalentwicklung:
www.giz.de/fachexpertise/html/3170.html

Hierfür berät das Sektorvorhaben die politische Vertretung Deutschlands in internationalen Gremien zum
Thema nachhaltige Stadtentwicklung und festigt die
Kooperation mit Partnern wie der Cities Development
Initiative for Asia (CDIA), der Cities Alliance, ICLEI-Local
Governments for Sustainability, UN-Habitat und United
Cities and Local Governments (UCLG).
Auch auf europäischer Ebene nimmt die Bedeutung von
Abstimmungsprozessen zu nachhaltiger und inklusiver
Stadtentwicklung rasch zu. Das Sektorvorhaben unterstützt die Bundesregierung auch hier, die deutsche
Position erfolgreich in die EU-Politik einzubringen.
Ziel ist es, Teil einer starken globalen Partnerschaft für die
Umsetzung der New Urban Agenda zu sein – damit die
Städte der Zukunft weltweit für alle lebenswerter werden,
wirksamer zu den Zielen der globalen Agenden und des
Klimaschutzes beitragen und durch kooperative Regierungsführung Demokratie und Stabilität fördern.

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STADT DER ZUKUNFT – WIE GESTALTEN?

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BEISPIELE

BEISPIELE AUS DER PRAXIS:
SÜDKAUKASUS – KOMMUNALENTWICKLUNG

Charta der Kommunalen Selbstverwaltung dazu verpflichtet, lokale Selbstverwaltung und Demokratie zu
stärken und die erforderlichen rechtlichen und institutionellen Rahmenbedingungen zu schaffen.8

Reibungsloser Bürgerservice

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion erwarteten
die Menschen, dass sich tatsächlich etwas ändert und
Willkür und Korruption keinen Platz mehr haben – zu
allererst in der Bürokratie: Denn die städtischen Beamten
sind die ersten Vertreter des Staates, mit denen die Bürgerinnen und Bürger zu tun haben. Armenien, Georgien und
Aserbaidschan wollen diese Hoffnungen nicht enttäuschen und das Vertrauen in den Staat wiederherstellen.
Sie haben sich mit der Ratifizierung der Europäischen

Statt wie früher von Amt zu Amt zu laufen und nicht zu
wissen, an welcher Zimmertür man anklopfen muss,
um sein Anliegen vorzutragen, weiß ein Bürger heute, wo
er schnell und kompetent bedient wird, wenn eine
Geburtsurkunde ausgestellt oder eine Baugenehmigung
beantragt werden muss. Mit Unterstützung der GIZ
gelang es, in vielen Städten Georgiens und Armeniens
Bürgerbüros einzurichten, in denen die Einwohner ihre
Angelegenheiten besprechen und ihre Formalitäten
reibungslos und transparent erledigen können. Diese
neuen, bürgerfreundlichen Servicedienstleistungen
finden großen Anklang in der Bevölkerung, und das
Ansehen des Magistrats steigt. Die Einrichtung von
Bürgerbüros setzte eine umfassende Verwaltungsreform
voraus.

BEISPIELE

“Die Serviceorientierung hat sich deutlich verbessert. Wir
arbeiten weiterhin an der Verbesserung unserer Dienstleistungen, Tag für Tag. Während früher die Eingabe von
Daten in unser Dokumentenmanagementsystem teilweise
einen ganzen Tag in Anspruch genommen hat, dauert es
jetzt nur noch 60 Sekunden." 9
Nino Nishnianidze, Citizen Service Office,
Tbilisi/ Georgien

Transparente Haushaltsführung
Um die lokale Handlungsfähigkeit der Kommunen zu
sichern, braucht es ein tragfähiges Management städtischer Finanzen und leistungsfähige innerstaatliche
Finanzbeziehungen. In Georgien und Armenien berät die
GIZ die Finanzministerien bei der Gestaltung der Rahmenbedingungen für ergebnisorientierte Programmhaushalte
und unterstützt die Kommunen bei der Umstellung. Die
Beratung bewirkt den zielgerichteten und sparsamen
Einsatz öffentlicher Gelder. Die kommunalen Haushalte
werden für Gemeinderäte und Bürger transparenter,
und die Korruption wird erschwert.

EU (2013)
GIZ (2013b)
10 GIZ (2013b)
9

STADT DER ZUKUNFT – WIE GESTALTEN?

Städtenetz Südkaukasus
Deutsche und südkaukasische Städte gründeten das
Städtenetz Südkaukasus, um die hohe fachliche Kompetenz deutscher Kommunen zu teilen und Erfahrungen
zu verbreiten. Themen wie Verbesserung kommunaler
Dienstleistungen, lokale Wirtschaftsförderung oder
Abfall- und Altlastenmanagement werden gemeinsam
bearbeitet. In der aserbaidschanischen Stadt Sumgait
wurde mit Unterstützung des Städtenetzes ein digitales
Altlastenkataster eingerichtet. Damit lassen sich nun
stark belastete Grundstücke und gefährliche Altlasten
lokalisieren, die im Zuge einer nachhaltigen Stadtentwicklung fachmännisch entsorgt werden müssen.
"Interkommunale Entwicklungszusammenarbeit ist
keine Einbahnstraße. Es gibt viele Dinge, die wir von
unserer Partnerstadt Sumgait lernen können.” 10
Peter Lubenau, Wirtschaftsbetrieb Ludwigshafen,
Ludwigshafen/ Deutschland.

Schwerpunktprogramm Demokratie, Kommunalentwicklung und Rechtsstaat;
Komponente Kommunalentwicklung; Südkaukasus
www.giz.de/de/weltweit/20315.html
Städtenetz Kaukasus als Plattform im Projekt
www.antje-dombrowsky.com/de/St%C3%A4dtenetz-S%C3%BCdkaukasus

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STADT DER ZUKUNFT – WIE GESTALTEN?

MODERNE STÄDTE SETZEN AUF MITSPRACHE
Herausforderungen. Es gibt kaum eine Region auf der
Welt, in der der Ruf nach mehr Freiheit und politischer
Mitsprache nicht zu hören ist. Die modernen Medien
erlauben den globalen Vergleich; sie wecken den Wunsch
auf eine bessere Zukunft und machen immer mehr
Menschen bewusst, dass sie schlecht regiert werden und
ihre Bedürfnisse und Rechte im Alltag vielfältig ignoriert
oder verletzt werden.
Die Partizipation der Bürgerinnen und Bürger ist unverzichtbares Element von Good Governance, aber in Ländern
mit einer starken Zentralgewalt und in jungen Demokratien
noch nicht eingeübt. Vielerorts müssen die Rahmenbedingungen noch gesetzt werden, damit Stadtregierungen
ihre mündigen Bürgerinnen und Bürger an Entscheidungsund Entwicklungsprozessen viel stärker beteiligen, einen
gerechten Ausgleich widerstreitender Interessen herbeiführen und sich der politischen Kontrolle ihres Handels
stellen. Nur so kann das Vertrauen in Demokratie
wachsen. Ohne ein freies Meinungsklima kann auch
keine nachhaltige Entwicklung entstehen, die auf
Gerechtigkeit und die Entfaltung kreativer Potenziale
der Zivilgesellschaft angewiesen ist.

Lösungen. Die GIZ legt in ihren Projekten großen Wert
auf die Sicherstellung partizipativer Verfahren, weil das
ein Kernprinzip guter Regierungsführung ist. Integrierte
Stadtentwicklung ist ohne die Einbeziehung der Bürgerinnen und Bürger sowie der privatwirtschaftlichen
Akteure in strategische und konkrete projektbezogene
Entscheidungen nicht denkbar.
Wir beraten hinsichtlich gesetzlicher Rahmenbedingungen für die Bürgerbeteiligung. Darüber hinaus entwickeln
wir zielgruppenspezifische Angebote zur Förderung des
Dialogs und der Kooperation zwischen den verschiedenen
städtischen Akteuren. Mit der GIZ als neutralem Mittler
gelingen auch schwierige Dialoge – wie Planungsprozesse
oder die Aufstellung von Bürgerhaushalten – in der Regel
gut. Dabei achten wir stets darauf, marginalisierte Gruppen
einzubeziehen, die häufig keinen Zugang zu Informationen
haben oder denen bisher eine demokratische Teilhabe verwehrt wurde.

BEISPIELE

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STADT DER ZUKUNFT – WIE GESTALTEN?

BEISPIELE AUS DER PRAXIS:
MAGHREB – STÄRKUNG KOMMUNALER
ENTWICKLUNG UND DEMOKRATIE

Partnerschaften mit deutschen Städten
Im Rahmen dieser Lernnetzwerke werden die maghrebinischen Städte über praxiserprobte Instrumente und Strategien der Kommunal- und Stadtentwicklung informiert
und bei der Gestaltung der lokalen Demokratie beraten.
Auch innovative Stadtentwicklungsprojekte wie beispielsweise eine kommunale Kompostierungsanlage und
Projektpartnerschaften mit Kommunen in Deutschland –
etwa zwischen Köln und Tunis – werden unterstützt.

Die rasch wachsenden maghrebinischen Städte stehen vor
Herausforderungen wie Armut und Arbeitslosigkeit,
Umweltproblemen und Wohnungsnot. Gleichzeitig stehen
die Kommunen unter dem Druck, den Forderungen der
Bevölkerung nach mehr Transparenz, Rechenschaftslegung
und Bürgerorientierung des kommunalen Handelns
nachzukommen. In Tunesien, Marokko und Algerien ist
fast die Hälfte der Bevölkerung jünger als 24 Jahre und
verlangt nach Perspektiven. Um diese Herausforderungen
zu bewältigen und das Potenzial der gut ausgebildeten
Jugend für eine nachhaltige Entwicklung nutzen zu können,
werden qualifi ziertes Personal und effi ziente Strukturen
benötigt.
Das GIZ-Programm fördert den Aufbau von Netzwerken
aus Städten und Gemeinden in Tunesien, Marokko und
Algerien, die Gelegenheit zu einem regelmäßigen Erfahrungsaustausch bieten. Sie beschäftigen sich mit Themen,
die den Kommunen am Herzen liegen, wie effi ziente
Abfallwirtschaft, urbane Mobilität und Energieversorgung,
Verwaltungsmodernisierung und bürgernahe Verwaltungen oder die Erhaltung und Sanierung der historischen
Altstädte.

Lernnetzwerk CoMun
www.co-mun.net
11
12

CoMun (2015)
CoMun (2015)

„Die Entwicklung der Städte im Süden braucht viele
Anstrengungen und Planung. Aus erfolgreichen Modellen
anderer Städte kann man Nutzen ziehen, um diese dann
selbst umzusetzen. Es gibt nur diese Möglichkeit, den Weg
abzukürzen und die Entwicklung zu beschleunigen.“ 11
Mohammed El Halaissi, Bürgermeister von
Agadir/ Marokko

Bürgerbeteiligung und Dialog
mit jungen Bürgern
Der bisher eher technisch ausgerichtete Austausch zwischen
den Kommunen in Marokko richtet sich inzwischen auch
auf die Themen Bürgerbeteiligung und Kooperation mit
zivilgesellschaftlichen Organisationen. Auch in Tunesien
ist Bürgerbeteiligung ein dringendes Anliegen: So ermutigen sich im kommunalen Netzwerk Jugendbeteiligung
Städte und Vereine, mit und für Jugendliche Ideenwettbewerbe umzusetzen. Erste Erfahrungen mit Bürgerhaushalten und Themen wie etwa die Teilhabe von Frauen in
der Kommune werden inzwischen in Netzwerken
gemeinsam vorangebracht.
„In einer Demokratie ist Regieren schwieriger als in einer
Diktatur, aber sie verspricht sozialen Frieden.“ 12
Meinolf Spiekermann, Programmleiter
Kommunalentwicklung und lokale Demokratie im
Maghreb (CoMun)

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STADT DER ZUKUNFT – WIE GESTALTEN?

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BEISPIELE

BEISPIELE AUS DER PRAXIS:
SERBIEN – LANDMANAGEMENT

Mehr Transparenz im Immobilienmarkt

Vor dem Hintergrund des geplanten EU-Beitritts Serbiens
hat das GIZ-Vorhaben zwei Schwerpunkte: Erstens die
Modernisierung des Bau- und Planungswesen und die
Anpassung an EU-Standards. Nach dem Vorbild der
Leipzig Charta wurden in drei Städten integrierte Stadtentwicklungskonzepte erstellt, und in sechs Gemeinden
die Instrumente und Verfahren der Stadtplanung verbessert.13 Im Vordergrund standen dabei neben den Aspekten des Umweltschutzes und der Marktorientierung die
Bürgerbeteiligung: Richtlinien wurden ausgearbeitet und
partizipative Verfahren der Stadtplanung durchgeführt.

Strengthening of local land management in Serbia
www.urbanlandmanagement.rs

13
14

BMUB (2007)
AMBERO (2015)

In sozialistischen Zeiten gehörten Grund und Boden dem
Staat, und dem Transformationsland fehlen noch Erfahrungen mit der Privatisierung. Daher ging es zweitens
darum, die Baulandentwicklung besser zu steuern und
die Bodenwertermittlung transparent zu machen. Dazu
wurde das Instrument der Baulandumlegung in drei
Gemeinden getestet und anschließend in das nationale
Bau- und Planungsgesetz übernommen. Damit gibt es in
Serbien nun ein gesetzlich geregeltes förmliches Bodenordnungsverfahren, bei dem durch Umlegung Grundstücke geschaffen werden, die nach Lage, Form und
Größe für eine bauliche oder sonstige Nutzung geeignet
sind. Die GIZ hat Geoinformationssysteme eingesetzt,
um mit ihrem Partner eine zentrale Kaufpreissammlung
aufzubauen und für Bürger zugänglich zu machen.
„Für uns ist diese Herangehensweise vollkommen neu und
innovativ. Wir, als Fachleute, lernen auf welche Art und
Weise auch andere Beteiligte in den Prozess eingebunden
werden können. Zudem war es eine hervorragende
Gelegenheit, um interessierten Bürgern in Užice aufzuzeigen, wie Elemente aus der europäischen Projektplanung angewendet werden.“ 14
Svetlana Jevđović Matić, Institut für Urbanismus,
Užice/ Serbien

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STADT DER ZUKUNFT – WIE GESTALTEN?

Handlungsfeld 2:

RESILIENT, EMISSIONSARM UND RESSOURCENEFFIZIENT

WIDERSTANDSFÄHIGE STÄDTE MINDERN
KATASTROPHENRISIKEN
Herausforderungen. Durch Naturphänomene ausgelöste
Katastrophen bestimmen in den letzten Jahren immer
mehr die internationalen Schlagzeilen. Die gewaltigen
Schäden führen uns unsere Anfälligkeit vor Augen, aber
auch unsere Nachlässigkeit. Das Risiko von extremen
Wetterereignissen wird zunehmen, prognostizieren Klimaforscher: Nicht nur die Häufigkeit und die steigende
Intensität der Extremwetterereignisse bereiten Sorgen,
sondern auch die langsam voranschreitenden Folgeerscheinungen des Klimawandels, wie etwa der Anstieg
des Meeresspiegels.
Stürme, Starkniederschläge und Überflutungen können
eine Katastrophe verursachen, wenn sie auf Städte treffen
– dort wo sich auf engstem Gebiet Menschen, Infrastruktur und Wirtschaft ballen. Unkontrolliert gewachsene
Siedlungen mit instabilen Gebäuden und schlechten
Straßen sind besonders gefährdet. Vor allem die Bewohner
von Slums in Hochrisikogebieten, wozu erosionsgefährdete Hänge und niedrig gelegene Küstenzonen zählen,
sind den Naturgewalten ausgeliefert und riskieren neben
Hab und Gut oft Leib und Leben.
Obwohl dringend erforderlich, wird das Katastrophenrisikomanagement vielerorts vernachlässigt. Um hohe
Opferzahlen zu vermeiden und den wirtschaftlichen
Schaden so gering wie möglich zu halten, ist ein Umdenken auf mehreren Ebenen notwendig: Schon bevor eine
Katastrophe absehbar ist, kann eine resiliente Entwicklung die Vulnerabilität minimieren.15 Resilienz bedeutet
in diesem Zusammenhang die Fähigkeit des Systems
Stadt, auch in extremen Situationen seine wichtigsten
Funktionen, wie Krankenhäuser und die Trinkwasserversorgung, aufrechterhalten zu können. Darüber hinaus
beschreibt Resilienz die Fähigkeit, möglichst schnell

Birkmann et al. (2013): 48ff
Birkmann et. al. (2013): 212
17 Pearson et al. (2012): 4
18 GIZ (2013a)
15

16

Funktionen, die während der Katastrophe ausgefallen
sind, wiederherzustellen.16 Gerade in Bezug auf den Klimawandel setzt das allerdings nicht nur die spezifische Vorbereitung auf bekannte Risiken voraus, wie das bei der
Katastrophenvorsorge in Erdbebengebieten der Fall ist,
sondern die Widerstandsfähigkeit gegenüber einer Vielzahl an Risiken, die möglicherweise noch nicht absehbar
sind. Ein weiterer Aspekt ist die emissionsarme Stadtentwicklung, die sicherstellt, dass die Stadt auch in Zukunft
ein lebenswerter Ort ist und die Folgen des Klimawandels
so gering wie möglich ausfallen.17 Gleichzeitig ist aber
auch die Vorbereitung auf den Ernstfall notwendig, damit
Einsatzkräfte ihre Arbeit machen können.
Lösungen. Das ganzheitliches Angebot der resilienten
Stadtentwicklung und des Katastrophenrisikomanagements der GIZ zielt erstens darauf ab, der Entstehung von
Katastrophen in Städten vorzubeugen; zweitens, bei unvermeidbaren Katastrophen die Opferzahlen und Schäden
möglichst gering zu halten; 18 und drittens, aus den Fehlern
der Vergangenheit zu lernen und langfristig funktionierende Städte zu erschaffen. Hierbei bietet die GIZ sowohl
bei der langfristigen Aufgabe der resilienten Stadtentwicklung als auch bei der konkreten Umsetzung von Maßnahmen des Katastrophenrisikomanagements verschiedene
Leistungen an.
Im Bereich der resilienten Stadtentwicklung werden Kommunen mit der Zivilgesellschaft und der Privatwirtschaft
beraten, um die Umsetzung von Projekten widerstandsfähig zu gestalten. So kann schon heute beim Straßenbau
berücksichtigt werden, dass Starkregenereignisse in
Zukunft stärker ausfallen werden und Überschwemmungen
sich vermeiden lassen. Gleichzeitig können schon heute
positive Auswirkungen auf Lebensqualität und Stadtklima
erzielt werden, die eine Stadt attraktiver für Bewohner und
Unternehmen machen.

STADT DER ZUKUNFT – WIE GESTALTEN?

Außerdem werden Städte gezielt bei der Umsetzung einzelner Projekte unterstützt, die beispielsweise die Lebensbedingungen in Slums verbessern und dabei direkt
zukünftige Herausforderungen mitbedenken. So wird
die Vulnerabilität bestimmter Bevölkerungsgruppen und
ganzer Stadtviertel drastisch reduziert.

Phasen des urbanen Katastrophenrisikomanagements:
❶ Die Katastrophenvorbeugung umfasst Aktivitäten,
die mittel- bis langfristig die negativen Auswirkungen
extremer Naturereignisse abmildern oder bestenfalls
verhindern. Dazu gehört zunächst eine Risikoeinschätzung, um die Gefährdung zu identifizieren und
die Anfälligkeit einer städtischen Gesellschaft zu
bewerten.
❷ Die Vorbereitung auf den Katastrophenfall enthält
die Planung und das Einüben von Maßnahmen,
ie im Fall einer Katastrophe ergriffen werden, um Ver-

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luste und Schäden zu minimieren. Wir unterstützen
unsere Partner unter anderem bei der Etablierung
lokaler Frühwarnsysteme und bei der Ausbildung
von Rettungskräften.
❸ Unmittelbar nach einem etwaigen Ereignis finden die
vorbereitenden Maßnahmen ihre Anwendung in der
Bewältigung einer Katastrophe. Sofort- und
Nothilfe zielen darauf ab, akute Not zu lindern, das
Überleben der betroffenen Menschen zu ermöglichen
und die Funktionsfähigkeit der städtischen Gesellschaft wiederherzustellen.
❹ In den katastrophenpräventiven Wiederaufbau
fließen die Lehren ein, die aus dem Schadensereignis
gezogenen wurden, sowie Vorsorgemaßnahmen aus
den Bereichen Vorbeugung und Vorbereitung. Ziel ist
es, die Widerstandsfähigkeit gegenüber zukünftigen
Ereignissen zu erhöhen.

Disaster

CLIMATE

Vulnerability

Anthropogenic
Climate Change

Disaster Risk
Management
Wheather
and Climate
Events

DISASTER
RISK
Climate Change
Adaption
Exposure

Greenhouse Gas Emissions

Quelle: IPCC 2012: 31

Natural
Variability

DEVELOPMENT

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STADT DER ZUKUNFT – WIE GESTALTEN?

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BEISPIELE

BEISPIELE AUS DER PRAXIS:
CHILE, INDIEN UND SÜDAFRIKA – CITIES FIT FOR CLIMATE CHANGE

in der klimagerechten Weiterentwicklung ihrer Strategien
und im Erkunden ihrer eigenen Finanzierungsmöglichkeiten unterstützt. Erfahrungen werden auf internationalen
Veranstaltungen bekannt gemacht und diskutiert. Die
Ergebnisse fließen in die konzeptionelle Beratung des
Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und
Reaktorsicherheit ein.

Das Globalvorhaben hat das Ziel, durch vergleichende
Arbeit auf drei Kontinenten einen neuen Städtebau, eine
neue klimasichere Stadtentwicklung zu befördern. Es geht
erstmalig darum, Maßnahmen zur Minderung von Treibhausgasen (Mitigation) mit Maßnahmen zur Anpassung
an den Klimawandel (Adaptation) zu kombinieren – und
bisher gültige städtebauliche Leitbilder in Frage zu stellen.

Das Vorhaben unterstützt u. a. das Rahmenübereinkommen der Vereinten Nationen über Klimaänderungen
(United Nations Framework Convention on Climate
Change, UNFCCC) und den Habitat III Prozess.
Es orientiert sich an der Leipzig Charta zur Nachhaltigen
Europäischen Stadt sowie am Memorandum Städtische
Energien.

Beispielsweise ist das Ideal der kompakten „Stadt der kurzen
Wege“ unter dem Gesichtspunkt der Minderung von Emissionen sinnvoll. In Bezug auf die Anpassung ist es nicht das
richtige Ideal für Städte, die von Überschwemmungen
bedroht sind: Hier sind große Freiflächen erforderlich, die
die Wassermassen aufnehmen können. Wie dieser Zielkonflikt zu lösen ist, das soll untersucht werden.

Förderprogramm Internationale
Klimaschutzinitiative (IKI)
Das konzeptionell ausgerichtete Vorhaben will innovative
Lösungsansätze entwickeln, indem zunächst bestehende
Konzepte resilienter und emissionsarmer Stadtentwicklung
analysiert werden. In einem zweiten Schritt werden ausgewählte, vulnerable Städte in Indien, Chile und Südafrika
Internationale Klimaschutzinitiative (IKI)
www.international-climate-initiative.com/de/projekte/weltkarte-und-projektliste/
details/cities-fit-for-climate-change-442

BEISPIELE

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STADT DER ZUKUNFT – WIE GESTALTEN?

BEISPIELE AUS DER PRAXIS:
MAURETANIEN – SCHUTZ DER STADT NOUAKCHOTT
VOR DEN FOLGEN DES KLIMAWANDELS

So wurden im Rahmen des Küstenschutzes Breschen im
Dünengürtel geschlossen; die Dünen wurden stabilisiert
und durch den Einsatz von Sperrelementen in ihrer natürlichen Schutzfunktion wiederhergestellt. Damit reduziert
das Vorhaben das Risiko einer Überflutung. Um Überschwemmungen im Stadtgebiet zu verhindern, wurde ein
einfaches aber effizientes Regenauffangsystem entwickelt.
Es dient nun anderen Kommunen als Beispiel.

Für den Klimawandel planen
Nouakchott, die Hauptstadt Mauretaniens am Rande der
Sahara, zählt fast eine Million Einwohner und ist durch
ihre Lage in einer ausgedehnten Senke am Atlantischen
Ozean zweifach gefährdet: Erstens kann ein Bruch des
Dünenkordons zur Überflutung weiter Teile der Stadt
durch Meerwasser führen. Zweitens kommt es immer
wieder zu Überschwemmungen durch Starkregen. Die
Gefährdungssituation beruht auf der geographischen
Lage, ist aber auch auf mangelhafte Raumplanung, städtebauliche Fehler und städtisches Missmanagement zurückzuführen. Sie wird durch die Folgen von regionalen Klimaschwankungen und dem globalem Klimawandel verstärkt.
In den besonders gefährdeten, armen Vierteln lebt etwa
30 Prozent der Stadtbevölkerung.

Datenbank und Pilotmaßnahmen
helfen beim Katastrophenrisikomanagement
Ausgangspunkt aller Aktivitäten war die Konsolidierung
vorhandenen Wissens: Es wurde ein Informationssystem
entwickelt, das allen beteiligten ministerialen und städtischen Behörden Zugriff auf entscheidungsrelevante Daten
gestattet. Lokale Vulnerabilitätsanalysen und Risikoabschätzungen für verschiedene Stadtteile dienen nun als
Grundlage für einen integrierten Aktionsplan.
Anpassung mauretanischer Küstenstädte an den Klimawandel
www.giz.de/de/weltweit/22195.html

Gleichzeitig werden die zuständigen Institutionen für
Anpassung an den Klimawandel wie das Umweltministerium und die Stadtverwaltung dafür sensibilisiert, ihre
Projektplanung systematisch an den Klimawandel
anzupassen: Damit kommunale Entscheidungen über
Investitionen, die oft über Jahrzehnte die Stadtentwicklung beeinflussen, sich nicht irgendwann als Fehlentscheidungen herausstellen.

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STADT DER ZUKUNFT – WIE GESTALTEN?

LEBENSWERTE, ZUKUNFTSSICHERE
STÄDTISCHE UMWELT
Herausforderungen. Im Jahr 2030 werden voraussichtlich fünf Milliarden Menschen in urbanen Räumen leben.
Die Stadt als klar abgrenzbare Siedlungseinheit wird es
nicht mehr geben, städtische Räume verflechten sich mit
ihrem Umland.
Von planungspolitischer Seite, also aus Sicht von Stadtplanung und Regionalplanung, brauchen wir Antworten
auf die praktischen Probleme des Flächenverbrauchs, der
Energieeffizienz und der Emissionsreduktion: Denn bis
2030 wird sich mit der Verbreitung des urbanen Lebensstils auch der Flächenverbrauch verdreifachen. Ackerland
wird Bauland, und die Gefahr besteht, dass die Bevölkerung nicht mehr ausreichend mit Nahrung versorgt werden
kann. Weil die urbanen Agglomerationen zudem die
größten Verursacher der Erderwärmung sind – sie stoßen
über 75 Prozent der rund um den Globus emittierten
Treibhausgase aus19 – stehen die Kommunen vor der
großen Herausforderung, Energie einzusparen und den
Verkehr zu reduzieren.
In vielen Ländern dieser Erde reicht das rechtliche oder
politische Mandat der Städte und Kommunen in der
Regel nicht aus, um eigenständig ein wirksames Ressourcen-, Energie- und Klimaschutzmanagement aufbauen zu
können. Steuerungsstrukturen, die über Stadtgrenzen
hinaus reichen und die wechselseitigen Beziehungen
zwischen Städten und ihrem Umland gezielt steuern
können, sind nicht in ausreichendem Maße vorhanden.
Darüber hinaus fehlen meist die notwendigen fachlichen
und personellen Voraussetzungen und die finanziellen
Möglichkeiten, Maßnahmen planmäßig und zielgerichtet
umzusetzen. Dies ist jedoch notwendig, um die städtische
Umwelt ressourcenschonend, energieeffizient, ökologisch
zukunftsfähig und damit lebenswert zu gestalten.

Lösungen. Durch vorausschauende und integrierte Stadtentwicklung können Ressourcen geschont, Emissionen
reduziert und der Klimawandel bewältigt werden. Eine
Stadt ist jedoch ein komplexer Organismus: Verschiedene,
fachspezifische Maßnahmen können sich gegenseitig
behindern oder Zielkonflikte und unerwünschte Nebeneffekte erzeugen, wenn sie nicht abgesprochen sind.

19
20

UNEP (2013)
GIZ/ ICLEI (2014a)

Deshalb unterstützt die GIZ ihre Partnerländer dabei,
Ressourceneffizienz, Klimaschutz und Anpassung an den
Klimawandel mit den wirtschaftlichen, sozialen und baulichen Entwicklungszielen der Städte zu verknüpfen und
als Querschnittsaufgabe in der Stadtplanung zu verankern.
Durch sogenannte Nexus-Lösungen können Synergien
aufgezeigt und das rein sektorale Denken überwunden
werden. 20
Die GIZ
ÿ fördert lokale Pilotinitiativen zu integriertem Ressourcenmanagement. Dabei leisten wir einen Beitrag zum Aufbau institutioneller und personeller Kapazitäten bei
städtischen Schlüsselakteuren, bei Stadtverwaltungen
und Versorgern;
ÿ initiiert den regionalen Wissensaustausch zwischen
Pilotstädten und Städtenetzwerken zur Optimierung
von Wasser-, Energie- und Ernährungssicherheit im
Spannungsfeld von Urbanisierung, Wirtschaftswachstum und steigendem Ressourcenverbrauch;
ÿ berät Städte und Stadtregionen bei der Planung und
Umsetzung wichtiger Grundprinzipien der Stadtentwicklung wie Stadt der kurzen Wege, nutzungsgemischte Stadt, Innenentwicklung vor Außenentwicklung oder nachhaltige Quartiersentwicklung;
ÿ unterstützt Städte und Kommunen dabei, die Anforderungen des Konvents der Bürgermeister (Covenant of
Mayors, CoM) zu erfüllen, zum Beispiel durch fachliche
Begleitung bei der Erarbeitung, Umsetzung und Dokumentation von städtischen Aktionsplänen für nachhaltige Energie (Sustainable Energy Action Plan, SEAP).
Der CoM wurde von der Europäischen Union ins Leben
gerufen, um Kommunen bei der Gestaltung einer
nachhaltigen Energiepolitik zu unterstützen;
ÿ unterstützt rechtliche Rahmenbedingungen für
den Flächenschutz in Bezug auf natürliche Ressourcen
einerseits, und angepasste Lösungen andererseits
(z. B. Kraft-Wärme-Kopplung).
Wir unterstützen Städte und Stadtregionen dabei, durch
eigenständiges Handeln starke Akzente im Ressourcenund Klimaschutz zu setzen, damit sie in ihrem Land eine
Vorreiterrolle einnehmen können.

BEISPIELE

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BEISPIELE AUS DER PRAXIS:
ASIEN – CITIES DEVELOPMENT INITIATIVE FOR ASIA (CDIA)

Die steigende Bevölkerungsdichte in Asien zwingt die
Städte dazu, in den nächsten 20 Jahren Infrastrukturen
und Dienstleistungen für bis zu einer Milliarde mehr
Menschen bereitzustellen. Die bisher betriebene Politik
hat zu Engpässen in der Daseinsfürsorge geführt, deren
Beseitigung vor allem in zwei Punkten an ihre Grenzen
stößt: in der Finanzierung der neuen Infrastruktur sowie
in der Fähigkeit der Institutionen, die Infrastruktur in
eine vorausschauende, nachhaltige Stadtentwicklung
einzubetten. Die Stadtentwicklungsinitiative unterstützt
mittelgroße, asiatische Städte mit innovativen Strategien
und Instrumenten dabei, in ihren bestehenden Stadtentwicklungsplänen sinnvolle Investitionsmöglichkeiten zu
identifizieren. Um diese Investitionsprojekte dann zu realisieren, werden die Städte mit geeigneten Finanzierungsinstitutionen in Verbindung gebracht.

Milliarden für nachhaltige Infrastruktur
CDIA hat als potente Multi-Geber-Initiative bisher Anfragen zur Durchführung von projektvorbereitenden
Studien aus mehr als 70 Städten in 17 Ländern genehmigt.
Auf Grundlage dieser Studien haben FinanzierungspartCities Development Initiative For Asia CDIA
www.cdia.asia

ner die weitere Projektentwicklung für 45 Investitionsvorhaben in 30 Städten übernommen. Für weitere 24 Investitionsprojekte wird eine Förderung durch verschiedene
Finanzinstitutionen erwartet. Rund 5,3 Milliarden
US-Dollar wurden zur Finanzierung der strategischen
Infrastruktur dieser 30 Projektstädte zugesagt. Die durch
die CDIA geförderten Kommunalverwaltungen haben
ihre Kompetenz in guter Regierungsführung erweitert
und sind nun besser als früher in der Lage, sich nationale
und internationale Finanzierungsquellen für ihre städtischen Infrastrukturprojekte zu erschließen.
„Der Beitrag, den die CDIA zu Projekten in asiatischen
Städten leistet, ist herausragend, vor allem im Hinblick
auf die begrenzten Ressourcen und kurzen Kooperationszeiträumen mit den Städten. CDIA ist zur richtigen
Zeit am richtigen Ort.“
Pablo Vaggione (Berater in der Stadt- und
Regionalentwicklung) und Stefan Bauer-Wolf
(ÖAR Regionalberatung GmbH),
CDIA Midterm Review im November 2014)

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STADT DER ZUKUNFT – WIE GESTALTEN?

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BEISPIELE

BEISPIELE AUS DER PRAXIS:
CHINA – PROJEKTE FÜR KLIMAGERECHTE STADTENTWICKLUNG

krise als Folge der gestiegenen wirtschaftlichen Produktion und der gigantischen Urbanisierung zu meistern.
Die Kosten der Umwelt- und Klimaschäden, die den
Menschen in Peking buchstäblich die Luft zum Atmen
nehmen, belaufen sich nach einer Studie chinesischer
Wissenschaftler auf 230 Milliarden US-Dollar oder
3,5 Prozent des chinesischen Bruttoinlandprodukts. Die
chinesische Regierung hat Energieeffizienz als die wirtschaftlichste Low- Carbon-Strategie erkannt: Energie
wird gespart und der Kohlenstoffdioxid-Ausstoß verringert,
damit werden die Klimaschäden vermindert. Seit 2011
wird daher das Ziel verfolgt, die chinesische Wirtschaft in
eine „Green and Low Carbon Economy“ zu transformieren.
In den letzten drei Dekaden sind schätzungsweise
300 Millionen Menschen in China vom Land in
die Städte gewandert, um als Arbeitskräfte den
wirtschaft lichen Aufschwung mitzutragen. Bis 2020,
sagen die Prognosen, müssen die chinesischen Städte
einen weiteren Bevölkerungsanstieg von 100 Millionen
Menschen verkraften. Gleichzeitig gilt es, die Umwelt-

Auch die Stadtentwicklung steht ganz im Zeichen des
Klimaschutzes. Vor diesem Hintergrund wurde im
November 2015 die Deutsch-Chinesische Urbanisierungspartnerschaft vereinbart, die integrierte und nachhaltige Stadtentwicklungspolitik in beiden Ländern
voranbringen soll.

BEISPIELE

Energieverschwendung in Gebäuden stoppen
In China sind Gebäude für etwa 30 Prozent des nationalen
Primärenergieverbrauchs verantwortlich, der nach wie vor
überwiegend durch fossile Brennstoffe gedeckt wird.
Durch die voranschreitende Urbanisierung bei steigendem
Lebensstandard wird dieser Anteil weiter zunehmen. Im
GIZ-Projekt Qualifizierung von Schlüsselakteuren zu
Klimaschutz im Gebäudesektor geht es darum, die großen
Wissensdefizite in diesem Bereich zu beheben.
Deutsche Erfahrungen zu energieeffizienter Stadtentwicklung, insbesondere beim Neubau oder der Sanierung von
ganzen Stadtteilen, werden an Schlüsselakteure in chinesischen Städten vermittelt. Inzwischen wurden Trainingsmodule entwickelt und Seminare zur Ausbildung von
chinesischen Trainern durchgeführt, die das deutsche
Know-how als Multiplikatoren weitervermitteln sollen.

Low-Carbon-Städte in der Provinz Jiangsu
Die Provinz Jiangsu mit rund 80 Millionen Einwohnern
will den Wandel zu emissionsarmen Städten vollziehen.
Unter den letzten beiden Fünfjahresplänen gab es bereits
erhebliche Energieeinsparungen. Integrierte Energiekonzepte für Gebäude, Stadtquartiere, Unternehmen und
Industrieparks sollen nun weitere, drastische Einsparungen unter dem 13. Fünfjahresplan ermöglichen.

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STADT DER ZUKUNFT – WIE GESTALTEN?

Im GIZ-Projekt „Klimaschutz durch Low-Carbon-Verbundprojekte in Städtenetzwerken der Provinz Jiangsu“
geht es um die ganzheitliche Planung und Umsetzung von
Energieverbundsystemen. In Pilotprojekten wird Fachwissen an Akteure vermittelt, die in Stadtquartieren und
in der Industrie für die Energieplanung zuständig sind,
und dann entsprechende Einsparmaßnahmen durchführen.
Die Ergebnisse des Projektes werden über die Städtenetzwerke in der Provinz Jiangsu verbreitet und sollen auch
darüber hinaus anwendbar sein. Dies gilt besonders für
Provinzen mit einem ähnlichen Klima mit heißen
Sommern und kalten Wintern. Weil in China der Erfolgsdruck hoch ist, die Planvorgaben und die Energiesparverordnung zu erfüllen, ist auch das Interesse an neuen
Energiekonzepten sehr groß.

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STADT DER ZUKUNFT – WIE GESTALTEN?

Handlungsfeld 3:

PRODUKTIV UND KREATIV

FORTSCHRITTLICHES
WIRTSCHAFTEN STÄRKT STÄDTE
Herausforderungen. In den Städten pulsieren Handel
und Kommunikation, Dienstleistungen und Produktion
– sie sind Kraftwerke in der wirtschaftlichen Entwicklung
eines Landes. 80 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsproduktes wird in Städten und Stadtregionen erwirtschaftet.21 Ohne Städte kein Wohlstand. In der Konsequenz
braucht es eine verantwortliche Politik und eine effiziente
Verwaltung, um die Voraussetzung für die wirtschaftliche
Prosperität einer Stadt zu schaffen. Ohne funktionierende
Infrastruktur, ohne stimulierende Standortbedingungen
kranken die Städte: Die ökonomisch aktive Bevölkerung
beginnt abzuwandern, Investoren bleiben aus, und mit
steigenden Arbeitslosenzahlen beginnt der soziale, wirtschaftliche und gesellschaftspolitische Verfall.
Viele Städte stehen aber nicht vor dem Problem des wirtschaftlichen Niedergangs, sondern eher vor der Frage,
wie sie den wirtschaftlichen Aufschwung verantwortlich
initiieren und lenken können – nachhaltig und vor allem
auch gerecht, um die Vorteile einer Stadt für alle zugänglich zu machen. Und mit Blick auf die Globalisierung,
die den Wettbewerbsdruck erhöht, fehlt es vielen
Kommunen einfach an kohärenten und umsetzbaren
Entwicklungsstrategien und Know-how für eine konkurrenzfähige Wirtschafts- und Beschäftigungspolit

Lösungen. Die GIZ setzt auf inklusive Wirtschaftsentwicklung, um vor allem armen Menschen Beschäftigung
und Einkommen zu verschaffen und sie an der Steigerung
der Wertschöpfung teilhaben zu lassen. Unsere Beratungsleistungen zielen darauf ab, die Wettbewerbsfähigkeit der
lokalen Wirtschaft zu fördern: Unser Hauptaugenmerk
liegt dabei auf den kleinsten, kleinen und mittleren Unternehmen, weil sie in Entwicklungs- und Schwellenländern
unter schwierigen Bedingungen das Einkommen der überwiegenden Masse der Bevölkerung erwirtschaften.
Dabei haben wir auch den informellen Sektor mit seinem
21

Weltbank (2015)

kreativen Potenzial im Blick, der das Einkommen armer
Familien sichert. Hier herrschen oftmals prekäre Arbeitsbedingungen, die es zu verbessern gilt.
Zu unseren typischen Angeboten gehören die Konzeption
von Förderprogrammen, die Erschließung von Fördermitteln und die Unterstützung beim Aufbau einer städtischen
Wirtschaftsförderung mit Fokus auf Existenzgründungen.
Wir stärken Handwerk und städtisches Kleingewerbe mittels
Konzeption und Durchführung von Aus- und Fortbildungsmaßnahmen und schaffen gleichzeitig neue Arbeitsplätze
in der Stadtteilsanierung und im geförderten Einfachwohnungsbau. Wir sorgen aber auch für einen ausgewogenen, innerstädtischen Handel und helfen bei der Erschließung von Potenzialen eines nachhaltigen Tourismus.
Die GIZ setzt sich darüber hinaus für eine gezielte Einbindung von Informations- und Kommunikationstechnologie
(IKT) in städtische Beratung ein. Dadurch können neben
effizienten und bedarfsorientierten Regierungs- und
Management-Lösungen für smarte Städte und Regionen
auch Ressourcen geschont und der Zugang zu Dienstleistungen verbessert werden; ferner wird die Bürgerbeteiligung erleichtert. Des Weiteren wird durch den wachsenden
IKT-Sektor in Entwicklungs- und Schwellenländer ein
großes Marktpotenzial für innovative Produkte und
Dienstleistungen aus der Region gefördert.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Förderung von
regionalen Wertschöpfungsketten, die insbesondere im
Bereich Ressourcenschutz sowie städtischer Ernährungssicherung (u.a. durch city-region food systems) eine
wichtige Rolle spielen.
Schließlich unterstützen wir unsere Partnerstädte beim
Standortmarketing für ihre nachhaltig wirtschaftende
Stadt, nachdem wir unternehmensnahe Dienstleistungen,

STADT DER ZUKUNFT – WIE GESTALTEN?

leistungsfähige Wirtschaftsinstitutionen und marktwirtschaftliche Rahmenbedingungen mit unseren Projekten
befördert haben.
Die GIZ berät auch zu den Rahmenbedingungen für die
Übernahme sozialer Verantwortung, damit auch Unternehmen im Sinne ihrer Corporate Social Responsibility zur

Verbesserung der Lebensbedingungen der Bevölkerung
beitragen können. Dies fördert den Wirtschaftsstandort
und sichert ihren eigenen unternehmerischen Erfolg.

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STADT DER ZUKUNFT – WIE GESTALTEN?

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BEISPIELE

BEISPIELE AUS DER PRAXIS:
BOSNIEN-HERZEGOWINA – PROGRAMM FÜR
LOKALE SELBSTVERWALTUNG UND WIRTSCHAFTSFÖRDERUNG

modernen Verwaltungsmanagements umgesetzt. Es ging
vor allem darum, in den Gemeinden einen fruchtbaren
Dialog mit der Privatwirtschaft zu initiieren, und darüber
hinaus die Zusammenarbeit zwischen den Gemeinden zu
festigen. Indem auch die Kooperation mit höheren Regierungsebenen, zum Beispiel mit Regionalentwicklungsagenturen und Ministerien gefördert wurde, konnten die
in den Pilotregionen erarbeiteten Konzepte landesweit
verbreitet werden.

Vermarktungspotenziale erschließen
Bosnien-Herzegowina ist 1995 als Staatengebilde aus dem
Bürgerkrieg im ehemaligen Jugoslawien hervorgegangen.
Der Friedensforscher Thorsten Gromes behauptet, dass es
das komplizierteste Regierungssystem der Welt habe: 22
Es sei nicht geeignet, um die tiefe ethnische Spaltung des
Landes in bosnische, serbische und kroatische Volksgruppen zu überwinden. Die ohnehin schwache Wirtschaft, die die postsozialistische Transformation verkraften muss, ist vielerorts vom Niedergang gezeichnet.
Das Land ist potentieller Beitrittskandidat der Europäischen Union und benötigt einen politisch-strategischen
Rahmen für die regionale Entwicklung. Dieser ist für
die Übernahme einer Reihe von EU-Politiken zur
wirtschaftlichen Entwicklung, aber auch für den sozialen
Zusammenhalt unabdingbar.

Dialogbereitschaft und
Zusammenarbeit etablieren
Die GIZ ist angetreten, in drei Pilotregionen die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und Wettbewerbsfähigkeit zu
verbessern. Hierzu wurden schrittweise Methoden und
Konzepte der lokalen Wirtschaftsförderung und des
Business Area Excellence
www.bear.ba

22
23

Führer, M. (2011)
BEAR (2013)

Im Norden Bosnien-Herzegowinas haben sich vier
Gemeinden und ihr KMU-Sektor (kleine und mittlere
Unternehmen) zusammengeschlossen, um gemeinsam
für landwirtschaftliche Produkte der Region neue
Vermarktungsmöglichkeiten zu erschließen.

Gemeinsames Standortmarketing zahlt sich aus
In Zentralbosnien haben sich drei Gemeinden unter Anleitung der GIZ zu einem gemeinsamen Standortmarketing
zusammengeschlossen. Ihre Business Excellence Area (BEAR)
zählt nach Meinung des Foreign Direct Investment Magazine
der Financial Times Group inzwischen zu den attraktivsten
Investitionsstandorten Europas, was sich in Investitionen
in den Kommunen niederschlägt.
„Wichtiger als die bloßen Zahlen, ist der Kontakt mit den
Bürgermeistern von Teslić, Tešanj und Žepče: Dort wird
man willkommen geheißen und kriegt das Gefühl vermittelt,
dass Unternehmen an diesem Ort erfolgreich wirtschaften
können.“ 23
Alexander Märdian, Delegation der Deutschen Wirtschaft in Bosnien und Herzegowina über die Business
Excellence Area (BEAR) Teslić, Tešanj and Žepče/
Bosnien-Herzigowina

STADT DER ZUKUNFT – WIE GESTALTEN?

INTEGRIERTE ENTWICKLUNG VON ALTSTÄDTEN
Herausforderungen. Altstädte sind wertvolle Zeugnisse
der Kultur und Identität eines Landes. Die historischen
Zentren vieler Städte sind jedoch jahrzehntelang dem
Verfall preisgegeben worden: Ihr Potenzial wurde nicht
erkannt, notwendige Instandsetzungen und Modernisierungen blieben aus. Mit dem baulichen Gefüge geriet
auch das soziale und ökonomische Gefüge ins Wanken.
Heute sind die Lebens- und Wohnbedingungen in vielen
Altstädten unserer Partnerländer prekär. Es drohen der
Kollaps und der unwiderrufliche Verlust des kulturellen
Erbes. Mit der Rettung der Altstädte eröffnen sich aber
auch wirtschaftliche Perspektiven, und mit der Schaff ung
von dringend benötigtem Wohnraum kann wieder Leben
ins alte Herz der Städte einziehen.
Viele Kommunen benötigen Unterstützung bei der Entwicklung und Umsetzung integrierter Strategien, die den
Erhalt des kulturellen Erbes mit einer nachhaltigen wirtschaftlichen Entwicklung verbinden. Damit lassen sich
soziale, ökologische und räumliche Missstände überwinden.
Die Teilhabe der betroffenen Bevölkerung an Planung
und behutsamer Durchführung der Stadterneuerung ist
dabei entscheidend für ihr gutes Gelingen.

Lösungen. Seit Jahren berät die GIZ Stadtverwaltungen
und Entscheidungsträger auf nationaler Ebene bei der
Frage, wie die kulturelle Vielfalt und das bauliche Erbe
der Altstädte bewahrt und zur positiven Entwicklung der
Kommunen beitragen können. Unsere Erfahrungen zeigen,
dass sanierte und wiederbelebte Altstädte nicht nur ihren
Platz im wirtschaftlichen Gefüge einer Region behaupten,
sondern zum zündenden Impuls für wirtschaftlichen
Aufschwung werden können.
Gemeinsam mit weiteren Kooperationspartnern, darunter
die UNESCO, der Arab Fund und die KfW-Entwicklungsbank, fördern wir integrierte Entwicklungsprozesse, die
auf wirtschaftliche Nachhaltigkeit setzen. Unser Instrumentarium hierfür ist vielfältig:

ÿ Die Bewusstseinsbildung für Stadterneuerung bei den
Menschen, die in der Altstadt wohnen und arbeiten,
ist uns wichtig. Nur wenn sie frühzeitig informiert,
sensibilisiert und an Entscheidungen beteiligt werden,
engagieren sich die Bürgerinnen und Bürger.
ÿ Wir helfen bei der Erarbeitung lokal angepasster Entwicklungsstrategien sowie beim Aufbau geeigneter
kommunaler Organisationsstrukturen. Dazu gehören
die Weiterbildung des Personals von Stadtverwaltungen
und die Anbahnung von Verwaltungskooperation,
um Altstadtentwicklung und Denkmalschutz auch auf
nationaler und internationaler Ebene zu diskutieren.
ÿ Wir beraten unsere Partner bei der Entwicklung von
Förderinstrumenten und Beratungsangeboten für
Altbausanierung, um private Investitionsbereitschaft
zu steigern. Als Mittel hierzu haben sich kostenlose
Sanierungsberatung und zweckgebundene Kleinkreditund Zuschussprogramme bewährt.
ÿ Wir unterstützen kleine und mittlere Unternehmen bei
der Wiederbelebung alter Handwerks- und Kunsthandwerkstraditionen. Dazu gehören Aus- und Fortbildungsmaßnahmen ebenso wie die Konzeption tragfähiger
Vermarktungsstrategien.
ÿ Mit dem Zusammenspiel aus finanzieller Förderung
und Beratung für Bauherren und Handwerksfirmen
tragen wir zur Entwicklung neuer Wertschöpfungsketten bei, von denen insbesondere einkommensschwache städtische Bevölkerungsteile profitieren.
ÿ Schließlich beraten wir Städte, wie sie das Kulturerbe
ihrer historischen Viertel touristisch aufwerten können.
Sozial und ökologisch verträglicher Kulturtourismus
ist ein bedeutender Werbeträger und eine wichtige Einkommensquelle für private und öffentliche Haushalte.

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STADT DER ZUKUNFT – WIE GESTALTEN?

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BEISPIELE

BEISPIELE AUS DER PRAXIS:
UKRAINE – KOMMUNALENTWICKLUNG
UND ALTSTADTSANIERUNG IN LVIV

und behutsam umgesetzt. Das Instrument wird von
anderen ukrainischen Städten nachgefragt und findet
auch Wertschätzung auf nationaler Ebene.
Durch ständige Präsenz in den Medien und mit einer
gezielten Öffentlichkeitsarbeit wird das Bewusstsein für
den Erhalt der Gebäude und für eine fachgerechte
Sanierung geschärft. In der Stadtwerkstatt werden jeden
Sommer mit über 50 lokalen Organisationen Ideen zur
Stadtentwicklung gesammelt und diskutiert. Mit dieser
und anderen Aktionen hat man Bürgerbeteiligung in
Lviv etabliert – und die Bewohnerinnen und Bewohner
zum aktiven Mitmachen motiviert.
Die im Kern mittelalterliche Stadt Lviv (Lemberg) wird
von Bauwerken der Renaissance, des Barock, des Klassizismus und des Jugendstils beherrscht und gehört zum
UNESCO-Weltkulturerbe. Die Altstadt hat den zweiten
Weltkrieg unbeschadet überstanden. Dennoch zeigt sich
die Mangelwirtschaft der letzten Jahrzehnte, verbunden
mit heute fehlendem Know-how und finanziellen Ressourcen, in weiten Teilen des historischen Zentrums. Die Stadt
Lviv profitiert aber von bereits durchgeführten Sanierungsmaßnahmen und ist zum Magnet für Touristen aus dem Inund Ausland geworden. Delegationen aus anderen ukrainischen Städten sind in Lviv zu Gast, um von der Stadt und
ihrem gemeinsamem Projekt mit der GIZ zu lernen. Der
Schlüssel zum Erfolg ist auch hier ein integrierter Ansatz:
Neben den baulichen werden auch die wirtschaftlichen
und sozialen Probleme in die Stadterneuerung einbezogen,
im Zusammenhang mit allen städtischen Akteuren diskutiert und in behutsamer Vorgehensweise gelöst.

Perspektiven erweitern
und Kooperationen stärken
Mit den Fachämtern der Stadtverwaltung wurde ein integriertes Entwicklungskonzept für die Altstadt erarbeitet
Urban Project Lviv
www.urban-project.lviv.ua

24

GIZ (2015b)

Altstadtsanierung fördert
Handwerk und Tourismus
Mit einem Förderprogramm zur Erhaltung historischer
Wohngebäude wurde erstmals in der Ukraine ein Modell
zur Förderung von privaten Eigentümern entwickelt, bei
dem private und öffentliche Mittel kombiniert werden.
Um fachgerecht zu sanieren und den Fachkräftemangel
zu überwinden, werden gemeinsam mit lokalen Ausbildungsträgern Schulungen und Fortbildungen für Baufachleute und Handwerker on the job, am Altbau organisiert. Auf diese Weise konnte nicht nur wertvolles
historisches Kulturerbe gerettet und die Lebensbedingungen in den Altstadtquartieren verbessert, sondern
auch die wirtschaftliche und touristische Entwicklung
der Stadt angekurbelt werden.
„Die historische Altstadt ist ohne Frage das Potenzial unserer Stadtentwicklung. Ihre Sanierung und wirtschaftliche Entwicklung kann nur mit einem integrierten Ansatz
gelingen.“ 24
Oleh Synyutka, Vizebürgermeister von Lviv/ Ukraine

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STADT DER ZUKUNFT – WIE GESTALTEN?

Handlungsfeld 4:

INKLUSIV, SOZIAL UND SICHER

DER MENSCH IM MITTELPUNKT DER STADT
Herausforderungen. „Diff erence is a hallmark of cities”,
so beschreibt die britische Geographin Gil Valentine die
moderne Stadt des 21. Jahrhunderts, die von einer wachsenden Vielfalt ethnischer, kultureller und religiöser
Bevölkerungsgruppen geprägt ist.25 Städte sind seit jeher
Orte der Integration, und in dieser Rolle werden sie
zukünftig stark gefordert sein: Migrationsströme nehmen
rasant zu, und noch nie gab es so viele Flüchtlinge aus
Konfliktgebieten wie heute, auch die Zahl der Klimaflüchtlinge wird voraussichtlich enorm steigen. Hinzu
kommt, dass sich Flüchtlingslager vielerorts verstetigen
und zu stadtähnlichen Gebieten werden.
In den Städten gilt es die Voraussetzungen zu schaffen,
um die Daseinsvorsorge für eine wachsende Bevölkerung
zu sichern und Disparitäten zwischen reichen Kernzonen
und armer Peripherie zu vermeiden. Städte sind auf funktionierende Stadträume angewiesen, die einen Beitrag zur
Integration der Neuankömmlinge in die Arbeits- und
Wohnungsmärkte leisten. Nur wenn alle Menschen –
unabhängig von Ethnie, Geschlecht, Religion oder Besitz
– am sozialen und politischen Leben und dem wirtschaftlichen Geschehen einer Stadt gleichberechtigt
teilhaben, kann die Armut überwunden und der soziale
Friede gewahrt werden. Dann ist es auch möglich, die
vielfältigen Chancen, die in der Verschiedenheit der
Kulturen und Menschen liegen, für eine nachhaltige
Entwicklung von lebenswerten Städten zu nutzen.

Lösungen. Die GIZ trägt seit Jahrzehnten zur erfolgreichen Armutsreduzierung auf städtischer Ebene bei. Bei
allen entwicklungspolitischen Anstrengungen steht dabei
immer die betroffene Bevölkerung im Mittelpunkt der

25

Valentine, G. (2014)

Projekte. Unser Ansatz der inklusiven Stadt berücksichtigt
komplexe Zusammenhänge im Stadtgeschehen und gibt
die Richtung vor, um die Ursachen für soziale, wirtschaftliche und politische Ausgrenzungen zu beheben. Akzeptanz
und Erfolg unserer Maßnahmen gründen sich maßgeblich
auf aktive Bürgerbeteiligung und Motivation zur
Selbsthilfe.
Bei der Aufwertung von informellen Siedlungen und
Slums verfügen wir über weitreichende Expertise.
Das Aufgabenfeld umfasst:
ÿ die rechtliche Absicherung von Zugang zu Land
und Wohnraum
ÿ die Förderung von Beteiligungsprozessen
ÿ die Förderung der Bereitstellung von Infrastrukturen
der Daseinsvorsorge und Wohnraum
ÿ die Unterstützung von Handwerk, Handel und
Gewerbe
ÿ die Aufwertung von öffentlichen Räumen und
Gebäuden und deren sichere Gestaltung
ÿ die Einbindung an den Rand gedrängter Bevölkerungsgruppen in das städtische Leben.
Durch die gewaltsamen Konflikte und Kriege der letzten
Jahre sowie die spürbar werdenden Klimaverschlechterungen, die Menschen in die Flucht treiben, engagieren wir
uns zunehmend in Städten, die eine hohe Zahl von
Geflüchteten aufnehmen und trotzdem ihre Aufgaben der
Daseinsvorsorge erfüllen müssen.

45

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STADT DER ZUKUNFT – WIE GESTALTEN?

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BEISPIELE

BEISPIELE AUS DER PRAXIS:
ÄGYPTEN – BETEILIGUNGSORIENTIERTES
ENTWICKLUNGSPROGRAMM IN STÄDTISCHEN
ARMUTSGEBIETEN IM GROSSRAUM KAIRO

Ägyptens Städte wachsen rapide und meist ohne staatliche
Planung. Gegenwärtig leben rund 20 Millionen Menschen
im Großraum Kairo, davon um die 60 Prozent in informellen, unterversorgten und sehr dicht bebauten Stadtgebieten.
Die Bewohner hier sind meist arm und haben einen niedrigen formalen Bildungsstand. Häufig meiden sie den
Kontakt zur lokalen Verwaltung, da sie kein Vertrauen in
eine öffentliche Daseinsvorsorge haben.
Ihren Wohnraum erschließen sie oft selbst, ohne Baugenehmigung und Anschluss an die öffentliche Infrastruktur. Dienstleistungen, die adäquate Lebens- und
Umweltbedingungen gewährleisten, erbringt der Staat in
diesen Gebieten gar nicht oder nur ungenügend.

Novum: Bürger reden mit
Es ist nicht einfach, Bürgerbeteiligung in Ägypten zu
realisieren, das sich nach der Revolution 2011 noch
immer in einer politischen Übergangsphase befindet.
Durch Beratung zivilgesellschaftlicher Organisationen
und der öffentlichen Verwaltung auf allen politischen
Ebenen gelang es, in Kairo und zwei weiteren Gouvernements Verfahren für partizipative Stadtteilentwicklung
einzuführen.
Kleine Projekte und der Aufbau einer von der KfWEntwicklungsbank finanzierten Infrastruktur liefen so
erfolgreich, dass die Bill and Melinda Gates Foundation
und die EU in die Kofinanzierung einstiegen. In den
derzeit neun Projektgebieten leben insgesamt rund zwei
Millionen Menschen, deren Lebensverhältnisse besser
geworden sind.

Weniger Müll, mehr Recycling
Die Anzahl stinkender Müllberge hat in zwei Armutsgebieten mit rund 600.000 Einwohnern deutlich abgenommen: Die Abfallwirtschaft wurde dank einer organisierten
Müllentsorgung, in die auch die informellen Müllsammler
eingebunden wurden, verbessert. Die Wiederverwertung
von Wertstoffen dank neuer Recyclinganlagen und der
Förderung der informellen Müllsammler wurde gesteigert.

BEISPIELE

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STADT DER ZUKUNFT – WIE GESTALTEN?

Mehr Grün fürs (Mikro-)klima
Von der Sonne erhitzter Beton, heißer Asphalt: Erstmals
in Ägypten wird ein Modellvorhaben zur Klimaanpassung in informellen Siedlungen umgesetzt, indem man
Hausdächer begrünt und öffentliche Plätze beschattet.
Das Grün verbessert nicht nur das Mikroklima und
bindet klimaschädliches Kohlendioxid: Man verfolgt die
Idee einer städtischen Landwirtschaft in Dachgärten,
die der Lebensmittelsicherheit dient und Einkommensmöglichkeiten eröffnet. Auch hilft es den Menschen, die
vom Land in die Stadt strömen, ihren Platz in der urbanen Gesellschaft zu finden.
Participatory Development Programme (PDP) in Urban Areas
www.egypt-urban.net

26

PDP (2013)

„Wir waren schon vorher in der Abfallbeseitigung tätig,
jedoch war das Verfahren weitaus umweltgefährlicher.
Es war nicht organisiert, wir haben einfach den Müll
mit Fahrzeugen der Stadtverwaltung eingesammelt.
Im Rahmen der neu organisierten Müllentsorgung
verfolgen wir jetzt einen integrierten Ansatz.“ 26
Mohamed Kamhawy, Abteilung Abfallwirtschaft,
Kairo/ Ägypten

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STADT DER ZUKUNFT – WIE GESTALTEN?

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BEISPIELE

BEISPIELE AUS DER PRAXIS:
BANGLADESCH – STÄDTISCHES MANAGEMENT
KLIMAWANDELBEDINGTER BINNENMIGRATION

Wie sich ihre Lebenssituation verbessern lässt, wird in ausgewählten Siedlungen pilothaft untersucht, indem die GIZ

Der Klimawandel zwingt in Bangladesch immer mehr
Menschen zur Umsiedlung in andere Regionen: 40 von 64
Distrikten des Landes im Delta der drei großen Ströme
Brahmaputra, Ganges und Meghna sind betroffen.
Schätzungen zufolge sind bereits sechs Millionen Menschen
wetter- und klimabedingt innerhalb des Landes migriert,
bei einer Gesamtbevölkerung von rund 160 Millionen.
Besonders in den Partnerstädten Khulna und Rajshahi ist
der Anteil an Migranten in den Slums mit rund 70 Prozent
sehr hoch.

Umgang mit Klimamigration in Städten
www.giz.de/de/weltweit/31936.html

ÿ Wissensaustausch zu klimabedingter Migration und
den Bedürfnissen der Klimamigranten fördert sowie
kapazitätsbildende Maßnahmen in der Stadtverwaltung
durchführt
ÿ arbeitsintensive Maßnahmen zum Ausbau städtischer
Basisdienstleistungen, wie Wasser- und Energieversorgung, durchführt und damit zumindest vorübergehende
Beschäftigungsmöglichkeiten für Klimamigranten und
andere arme Haushalte schafft
ÿ Programme zur beruflichen (Weiter-)Bildung zusammen mit lokalen klein- und mittelständischen Unternehmen entwickelt.
Wichtig ist, das Klimamigranten und alle anderen Slumbewohner gleichermaßen von der besseren Versorgung, den
Bildungsangeboten und der Schaffung von Jobs profitieren.
Die Ergebnisse des erst kürzlich gestarteten Projekts werden
mit Spannung erwartet, weil es sich um das erste von
Deutschland unterstützte Vorhaben handelt, das sich mit
dem Thema klimabedingter Migration beschäftigt.

BEISPIELE

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STADT DER ZUKUNFT – WIE GESTALTEN?

BEISPIELE AUS DER PRAXIS:
JORDANIEN – UNTERSTÜTZUNG FLÜCHTLINGSAUFNEHMENDER
GEMEINDEN IM ABFALLMANAGEMENT

die Löhne. Die Beziehung zwischen Jordaniern und
Flüchtlingen wird zusätzlich durch eine gefühlte oder
tatsächliche Unsicherheit belastet.

Abfallmanagement stellt
öffentliche Sauberkeit wieder her

Syrische Flüchtlinge machen rund ein Zehntel der Bevölkerung Jordaniens aus. Etwa 80 Prozent der ca. 650.000 in
Jordanien registrierten syrischen Flüchtlinge leben außerhalb der Flüchtlingslager. Besonders die Kommunen im
Norden Jordaniens sind von der Flüchtlingswelle betroffen.
In Mafraq etwa hat sich die Einwohnerzahl seit 2011 mehr
als verdoppelt. Dies führt zu Engpässen in der Abfallentsorgung, der Wasser-, Elektrizitäts- und Gesundheitsversorgung. Schulen sind überfüllt und es mangelt an Wohnraum; die Mieten steigen und im informellen Sektor sinken

Für die flüchtlingsaufnehmenden Gemeinden wird es
zunehmend schwieriger, den wachsenden Müllbergen Herr
zu werden. Die Aufrechterhaltung öffentlicher Sauberkeit
ist ein Problem, an dem sich Konflikte mit den Alteingesessenen entzünden, stellte eine Studie der Vereinten Nationen
fest. Um diese Situation zu verbessern, war die Beschaffung
von Müllfahrzeugen bereits Teil von Geberinitiativen.
Allerdings sind die meisten Kommunen kaum in der Lage,
Wartungsintervalle, Reparaturen sowie den effektiven und
effizienten Einsatz der Fuhrparks zu organisieren. Das Vorhaben unterstützt das Management der kommunalen
Betriebshöfe in Irbid, Mafraq und Karak bei der Betriebsführung und im Dialog mit der Stadtverwaltung. Durch
Training on the job werden technische Fachkräfte qualifiziert. Ferner ermöglicht nun eine EU-Kombifinanzierung,
die Deponierung zu optimieren.

Unterstützung flüchtlingsaufnehmender Gemeinden beim Abfallmanagement
www.giz.de/de/weltweit/28778.html

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STADT DER ZUKUNFT – WIE GESTALTEN?

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BEISPIELE

BEISPIELE AUS DER PRAXIS:
INDIEN – INCLUSIVE CITIES PARTNERSHIP PROGRAMME

Infrastruktur und alarmierenden hygienischen Bedingungen geprägt. Diese Umstände beschränken die Bewohnerinnen und Bewohner sowohl in ihren Bildungschancen
als auch in der Teilhabe am wirtschaftlichen und
politischen Leben.

Bezahlbarer Wohnraum für alle

Die Urbanisierung in Indien schreitet immer weiter voran
– und geht mit einer ungleichen Verteilung von Ressourcen
einher. Diese lässt sich vielerorts auf unzureichende
Planung, fehlende Umsetzung und eine schwache städtische Regierungsführung zurückführen. Die rasante
Urbanisierung stellt indische Städte vor die enorme
Herausforderung ihren gegenwärtigen und zukünftigen
Bewohnerinnen und Bewohnern angemessenen Wohnraum und grundlegende Infrastruktur zur Verfügung
zu stellen.
Bereits jetzt fehlen in ganz Indien bis zu 18 Millionen
adäquate Wohneinheiten. 95% dieses Mangels betreffen
die ärmsten Bevölkerungsschichten. Nicht nur angemessene Wohnungen und Häuser fehlen, arme Wohnviertel
in indischen Städten sind besonders von mangelhafter

Ziel des Projektes ist es in Zusammenarbeit mit der
nationalen Regierung, Bundesländern und Städten
angemessenen Wohnraum zu schaffen und dadurch die
Lebenssituation der Menschen in allen Arten von Armutsvierteln zu verbessern. Das Projekt verfolgt einen erweiterten Ansatz, da es Wohnungspolitikberatung auf nationaler
und Landesebene mit der Umsetzung von gesamtstädtischen Planungsansätzen und konkreten Projekten in
einzelnen Stadtquartieren verbindet. Das Projekt unterstützt daher:
ÿ die Formulierung von Wohnungspolitiken auf
nationaler und bundesstaatlicher Ebene, die besonders
arme Bevölkerungsgruppen in den Blick nehmen
ÿ die Entwicklung von Strategien zur Umsetzung
integrierter Pläne und Projekte auf bundesstaatlicher
und städtischer Ebene
ÿ technische Unterstützung von Städten in
der konkreten Projektumsetzung
ÿ das effektive Wissensmanagement durch
ein Städtenetzwerk
ÿ den Kapazitätsausbau und die Weiterbildung
in den Partnerorganisationen.
Die Ergebnisse des erst 2015 gestarteten Projekts werden
mit Spannung erwartet, weil das Vorhaben durch seinen
Ansatz, auf mehreren Regierungsebenen gleichzeitig zu
handeln und alle informellen Siedlungen gleichermaßen
zu berücksichtigen, neue Wege einschlägt.

Inclusive Cities Partnership Programme
www.giz.de/de/weltweit/368.html

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STADT DER ZUKUNFT – WIE GESTALTEN?

IN SICHERHEIT LEBEN UND ARBEITEN
Herausforderungen. Die Bedrohung des Friedens durch
Krieg und Bürgerkrieg steht in der Wahrnehmung der
Medien hoch oben. Dabei wird leicht übersehen, dass die
städtische Gewalt deutlich mehr Opfer hervorbringt als
alle Formen kollektiver Gewalt: Fast eine halbe Million
Menschen sind laut einer UN-Studie 2012 durch zwischenmenschliche Gewalt zu Tode gekommen, elfmal so viele
wie in Kriegen oder bewaffneten Konflikten.27
Brennpunkte der Gewaltkriminalität liegen in den großstädtischen Slums von Lateinamerika und Afrika. Äußere
Umstände wie Armut, räumliche Enge und schlechte
Unterbringung in überbevölkerten Stadtteilen schaffen
stets ein hohes Konfliktpotenzial. Wenn es dann auch
noch keine Aussicht auf Bildung und Jobs und damit keine
sozio-ökonomischen Aufstiegschancen gibt, entzündet
sich die Gewalt. Und wenn Ungerechtigkeit sich in Vernachlässigung seitens der Stadtregierung manifestiert und
Ausgrenzung schmerzlich erfahren wird, wächst die Gewalt.
Besonders arbeitslose Jugendliche macht sie zu Tätern und
Opfern zugleich. Perspektivlosigkeit treibt sie in die Arme
krimineller Banden, in Alkohol- und Drogenkonsum, oder
in den politischen und religiösen Extremismus.
Die No-go-Areas einer Stadt, in denen die Polizei nur sehr
punktuell die Kontrolle hat, weisen oft auf eine generelle
Schwäche des Staates hin. Wenn Recht und Gesetz nichts
gelten, sondern das Faustrecht des Stärkeren, wird ein Klima
der Angst und Unsicherheit geschürt. Ein Vertrauen in den
Staat und in demokratische Werte kann nicht aufgebaut
werden, damit schwindet auch die Akzeptanz für Maßnahmen der Stadtregierung. Zugleich bleiben Investitionen aus, was primär den jungen und produktiven Teil der
Bevölkerung betriff t. Damit nimmt Gewaltkriminalität –
jenseits der menschlichen Tragödie und des gesellschaftlichen Versagens – eine volkswirtschaftlich bedrohliche
Dimension ein. Ihre Bewältigung durch Good Urban
Governance zählt zu den wohl größten Herausforderungen
weltweit. Sie ist dringend notwendig, weil die Verpflich27

UNODC (2014)

tung auf eine Kultur der Gewaltlosigkeit eine Grundvoraussetzung menschlichen Zusammenlebens ist.

Lösungen. Für die GIZ ist kommunale Gewaltprävention
nicht nur eine Frage der inneren Sicherheit. Wir fangen bei
den Ursachen der Gewaltkriminalität an: Wir beziehen die
sozio-ökonomischen Verhältnisse sowie die städtebaulichen
Missstände, die Gewaltprobleme immer wieder neu produzieren, in unsere Überlegungen mit ein und entwickeln
sektorübergreifende Lösungsansätze.
Effektive Strategien der Gewaltprävention müssen im kommunalen Bereich notwendigerweise Doppelstrategien sein,
die am Verhalten und an den Verhältnissen ansetzen.
Gewaltprävention setzt einerseits an den konkreten Gewaltorten an – also bei der individuellen Person, in den Familien,
in Schulen und den Treffpunkten der Jugend. Andererseits
setzt sie auf die Bekämpfung von Armut, auf die Etablierung
rechtlicher Regelungen und auf eine städtebauliche Gestaltung, die Gefahrenpunkte beseitigt. Gewaltprävention
kommt darüber hinaus ohne die politische Dimension nicht
aus: Partizipation darf sich nicht nur auf die Bürgerbeteiligung an der Umsetzung von kleinräumigen Maßnahmen
beschränken. Daher beinhaltet Gewaltprävention auch
politische Bildung und die Erziehung zur Demokratie.
Im Fokus unserer Projekte stehen dabei oft Jugendliche,
deren Anfälligkeit für Kriminalität und Agitation durch
gewaltbereite Gruppierungen gemindert werden soll. Wenn
man ihre Bedürfnisse und Sorgen ernst nimmt und ihnen
eine Perspektive durch Bildung verschaff t, kann man sie zu
sozialem Engagement motivieren. Gerade in Postkonfliktländern können sie eine zentrale Rolle in Wiederaufbau
und Versöhnung einnehmen und für den friedlichen,
gesellschaftlichen Wandel eintreten – diese Kraft der
Jugend gilt es zu nutzen!

53

54

STADT DER ZUKUNFT – WIE GESTALTEN?

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BEISPIELE

BEISPIELE AUS DER PRAXIS:
SÜDAFRIKA – GEWALTPRÄVENTIONSPROGRAMM

Die hohe Gewaltrate in Südafrika ist eines der großen
Hemmnisse für die Entwicklung des Landes. Gut 20 Jahre
nach dem Ende der Apartheid fühlen sich weite Teile der
Gesellschaft vom Fortschritt ausgeschlossen. In den Großstädten sind die Folgen der ehemals segregierenden Stadtpolitik noch immer spürbar: Extreme Ungleichheit und
dicht bebaute, unterversorgte Siedlungen gehen einher mit
hoher Arbeitslosigkeit und fehlenden Zukunftsperspektiven, vor allem für Jugendliche. Dies fördert Kriminalität
und Gewalt, die den Alltag vieler Menschen in Südafrika
dominieren.

Die Schaffung sicherer Gemeinden unterstützen
Obwohl die Regierung ganzheitliche Strategien zur sozialen
Gewaltprävention auf nationaler Ebene verabschiedet hat,
läuft die Umsetzung schleppend. Gute Ansätze und erfolgreiche Leuchtturmprojekte werden selten verknüpft
oder weiterverbreitet. Den Kommunen fehlen nötige
Ressourcen und die Expertise, um die Sicherheit in ihren
Gemeinden adäquat zu fördern.
Zentrale Aufgabe des GIZ-Programmes ist es, die notwendigen Bedingungen für die Schaffung sicherer Gemeinden
durch gewaltpräventive Maßnahmen zu verbessern. Dies
geschieht zum Beispiel durch die Klärung von Rollen und
Ressourcenzuteilung innerhalb des Regierungssystems.
So können Kommunen die ihnen von nationaler oder pro-

vinzieller Ebene übertragende Verantwortung im Bereich
Sicherheit besser wahrnehmen. Zudem unterstützt das
Programm die Aufnahme des Themas Gewaltprävention in
relevante Regierungsprogramme, wie beispielsweise in
das breitenwirksame Arbeitsbeschaff ungsprogramm
Community Work Programme oder in die integrierte
Entwicklungsplanung von Kommunen.28

Sicherheit als Gemeinschaftsaufgabe verankern
Gewaltprävention kann nicht allein durch die Kommunen
oder die Polizei geleistet werden. Sie benötigt die Zusammenarbeit und den Wissensaustausch zwischen den Regierungsebenen und zwischen staatlichen und zivilgesellschaftlichen
Akteuren. Um Sicherheit als Gemeinschaftsaufgabe zu
verankern, fördert das GIZ-Programm verschiedene Plattformen und Netzwerke. Dazu gehören das Online-Wissensportal SaferSpaces 29 und die Urban Safety Reference Group,
eine Koordinationsplattform der Metropolregionen zum
Thema städtische Sicherheit. Letztere wird in der Aufbereitung eines umfangreichen Indikatorenkatalogs
unterstützt, der neben Kriminalraten auch soziale und
strukturelle Faktoren misst. So wird eine wichtige
Grundlage für die Metropolen geschaffen, um informiert
und gezielt Präventionsstrategien zu entwickeln und
umzusetzen. In Pilotprojekten, wie beispielsweise zur
Regenerierung sicherer öffentlicher Räume und Parks in
Johannesburg, fördert das Programm den Austausch

BEISPIELE

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STADT DER ZUKUNFT – WIE GESTALTEN?

zwischen Stadtverwaltung und Zivilgesellschaft. Wertvolles
lokales Wissen zu Sicherheitsrisiken und Bedürfnissen der
Bevölkerung findet so Eingang in die Stadtentwicklung.

Jugendliche als Changemaker fördern
Täter und Opfer von Gewalt in Südafrika sind mehrheitlich
Jugendliche. Viele junge Menschen haben das Bedürfnis,
sich für mehr Sicherheit und eine positive Entwicklung
ihrer Nachbarschaften zu engagieren. In Nelson Mandela
Bay wurden Jugendliche angeleitet, Workshops zum
Thema Gewaltprävention für Mitschüler zu entwickeln.
Die an über 40 Schulen veranstalteten Workshops erreichten bisher mehr als 4000 Jugendliche. Dadurch wurden
sie befähigt, ihre Freunde, Familienmitglieder oder Nachbarn zu sensibilisieren und für Präventionsprojekte zu
aktivieren.
Vor allem brachten sie ihre Ideen für die Gestaltung einer
sicheren Stadt ein. Dazu gehören zum Beispiel auch Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche wie Fußballclubs
und Theatergruppen, die die Gemeinschaft stärken. Über
soziale Medien erreichten die Jugendlichen eine breite

Saferspaces- Working together for a safer South Africa
www.saferspaces.org.za
Gewaltpräventionsvorhaben
https://www.giz.de/de/weltweit/17705.html

SaferSpaces (2015)
Erreichbar unter www.saferspaces.org.za
30 SaferSpaces (2015)
28
29

Öffentlichkeit und auch der Austausch mit Lokalpolitikern
wurde gefördert. So können sich Jugendliche aktiv als
Wegbereiter für sichere Gemeinden einbringen.
„Wir sehen Jugendliche nicht als Täter oder Opfer von
Straftaten. Stattdessen versuchen wir die Jugendlichen
zu motivieren, sich als aktive Changemaker verstehen,
die in der Gestaltung von sicheren Gemeinschaften eine
wichtige Rolle spielen.“ 30
Linda Zali, Psychologin und Trainerin bei der Masifunde Bildungsförderung e.V., Port Elizabeth/ Südafrika

55

56

STADT DER ZUKUNFT – WIE GESTALTEN?

Handlungsfeld 5:

KOOPERATIV UND INTERKOMMUNAL

STADT-UMLAND-VERFLECHTUNGEN
IN METROPOLREGIONEN
UND RAUMORDNUNGSSYSTEME
Herausforderungen. Unter Metropolregionen sind
urbane Ballungsräume zu verstehen, in denen die Städte
untereinander und mit ihrem Umland räumlich und
funktional verflochten sind. Die vielschichtigen Beziehungen zwischen städtischem und ländlichem Raum
lassen sich an einem Beispiel verdeutlichen: So ernährt
das Land die Städte und liefert ihnen Rohstoffe und
Energie, die Städte nähren im Gegenzug das Land,
indem sie Arbeitgeber und Marktplatz sind.
Die Steuerung dieser Stadt-Land-Verflechtungen auf
metropolitaner Ebene bietet ein enormes Potenzial für
eine ausgeglichene und nachhaltige Entwicklung. Metropolregionen haben zudem eine besondere Bedeutung als
Wirtschafts- und Innovationsstandorte mit hohem
Beschäftigungspotenzial, Knotenpunkte für Wissenschaft und Forschung und Drehscheiben für Handel,
Verkehr und Informationen.

kerung dann nicht genügend Wasser zur Verfügung
haben wird. Schon heute übersteigt die Nachfrage der
Städte vielerorts die Versorgungskapazität des
Umlandes, was Nahrung, Wasser und Energie betrifft. 31
Benachbarte Kommunen werden also mehr und mehr
um Ressourcen konkurrieren, wenn sie nicht lernen zu
kooperieren.
ÿ Obwohl Metropolregionen sich wirtschaftlich rasant
entwickeln, wird der erworbene Reichtum nicht
zwangsläufig gerecht verteilt. So können stark segregierte Stadtlandschaften mit ausgedehnten Siedlungen
für Arme entstehen, in denen die abgeschlossenen
Stadtviertel der Reichen wie kleine Inseln des Wohlstandes liegen.

Die schnell wachsenden Mittelstädte benötigen Abstimmungs- und Steuerungsstrukturen, um dem rasanten
Bevölkerungszuwachs und den damit einhergehenden
Bedarfen gewachsen zu sein. Dies betriff t derzeit insbesondere Mittelstädte in Sub-Sahara Afrika und Asien mit
Einwohnerzahlen zwischen einer und fünf Millionen
und jährlichen Wachstumsraten von über fünf Prozent.
Das schnelle Wachstum kann folgende Herausforderungen mit sich bringen:

ÿ Die Ausdehnung städtischen Lebensraums macht vor
administrativen Grenzen nicht Halt. Die Aufgaben
werden immer größer und unüberschaubarer – und
stellen häufig die betroffenen Kommunen vor große
Herausforderungen: Mit der Folge, dass immer mehr
Prozesse ungeregelt, informell oder illegal ablaufen,
wie Frauke Kraas und Harald Sterly beobachten.32
Gerade in Entwicklungs- und Schwellenländern geht
beispielsweise die Flächennutzungs- und Infrastrukturplanung vielfach am Bedarf vorbei – soweit die
Entwicklungen überhaupt noch einer Planung und
Steuerung unterliegen.

ÿ Die rasante Urbanisierung vergrößert, bei ungebremstem Verbrauch und Schädigung von Land, Wasser
und Luft, den ökologischen Fußabdruck der Städte.
Eine Prognose der Weltbank geht davon aus, dass sich
der städtische Flächenverbrauch bis 2030 verdreifacht
und Konflikte um Nahrung verschärft. Ferner rechnen
Wissenschaftler damit, dass 40 Prozent der Weltbevöl-

Angesichts der hohen Komplexität und Dynamik aller
Entwicklungsprozesse in den Metropolregionen ist es
erforderlich, die Verantwortlichen aus Politik und
Verwaltung, Privatwirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft zu einem übergreifenden Dialog über die
zukünftigen Entwicklungen zu bewegen, der in ein miteinander abgestimmtes, zielgerichtetes Handeln mündet.

STADT DER ZUKUNFT – WIE GESTALTEN?

Lösungen. Die GIZ leistet Strategie- und Konzeptberatung für Kommunen in Metropolregionen mit dem Ziel,
durch geeignete Management- und Steuerungsstrukturen
nachhaltige und ressourceneffiziente Wirtschaftsregionen
mit innovativen Arbeitsmärkten zu schaffen, die ihren
Bewohnern gleiche Chancen eröffnen und ihnen lebenswerte Wohnstandorte bieten. Die Kunst, dabei alle Akteure
einzubinden und zu aktivieren, setzt ein vertieftes Verständnis der vielschichtigen Einflussfaktoren und ihrer Verknüpfungen in Metropolregionen voraus.
Die GIZ arbeitet dabei zum Beispiel mit dem urbanen
Nexus-Ansatz, der zu koordiniertem städtischen Planen
und Handeln über sektorale Grenzen hinweg führt. Damit
leistet er einen wichtigen Beitrag zur Erreichung der Ziele
der globalen Entwicklungsagenda 2030 und der New Urban
Agenda.
Ein zweiter Schwerpunkt liegt in der Beratung zu metropolitan governance und der Förderung partizipativer und
transparenter Entscheidungsprozesse, um ein hohes Maß
an Legitimität sicherzustellen. Im Kern geht es um strategische Kooperation und Koordination über Sektoren und
administrative Grenzen hinweg: Gemeinsame Investitionen der Kommunen senken Kosten für die Erbringung von
Basisdienstleistungen und beenden das Handeln in
getrennten Sektoren; ein gerechter Finanzausgleich hilft,
fiskale Unterschiede zu beseitigen. Ferner können regionale Entwicklungsstrategien so besser auf die unterschiedlichen Bedarfe abgestimmt und Legitimität sichergestellt
werden.

31
32

Simonis, U. (2011)
Kraas, F.; Sterly, H. (2009)

Zukünftig wird der Aufbau von Institutionen wie Planungs- und Zweckverbänden in unserer Arbeit wichtiger
werden.
Ein dritter Schwerpunkt liegt, auch vor dem Hintergrund
des globalen Wettbewerbs, auf der Bewahrung und nachhaltigen Steigerung der Wirtschaftskraft der Städte und
Metropolregionen. Wir wollen helfen, den Boden für
Innovationen zu bereiten und die Vorteile der Informations- und Kommunikationstechnik smart umzusetzen.
Wichtig ist uns dabei, das Engagement der Privatwirtschaft zu wecken und im Sinne ihrer unternehmerischen
Gesellschaftsverantwortung zur Verbesserung der Lebensund Arbeitsbedingungen an ihrem Standort beizutragen.
Bei der Umsetzung unserer Maßnahmen kooperieren wir
mit Organisationen wie UN-Habitat, Local Governments
for Sustainability (ICLEI), Cities Development Initiative for
Asia (CDIA), United Cities and Local Governments
(UCLG), Metropolis, Resource Centres for Urban Agriculture
and Food Security (RUAF Foundation), Fonds Mondial pour
le Développement des Villes (FMDV), United Nations Sustainable Development Solutions Network (SDSN) sowie
weiteren Partnern aus Wissenschaft und Privatwirtschaft.
Schließlich organisieren und führen wir zum Thema internationale Fachkonferenzen, Trainings und fachlichen
Austausch („Peer-to-Peer“) durch; wir bereiten Erfahrungen
aus deutscher und internationaler Praxis auf und arbeiten
konkrete Anknüpfungspunkte für die deutsche Entwicklungszusammenarbeit aus.

57

58

STADT DER ZUKUNFT – WIE GESTALTEN?

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BEISPIELE

BEISPIELE AUS DER PRAXIS:
SEKTORVORHABEN – NACHHALTIGE ENTWICKLUNG
VON METROPOLREGIONEN

gelernt, über den eigenen Fach- und Zuständigkeitsbereich
hinaus zu denken und auf gemeinsames statt alleiniges
Handeln zu setzen. Erklärtes Ziel war, das große Problem
der steigenden Abhängigkeit von schwindenden natürlichen Ressourcen anzugehen.

„Breaking the Silos“

Im Zentrum der Arbeit steht die Beratung des BMZ zu
Aktivitäten und zur Positionierung der deutschen Entwicklungspolitik im Themenfeld Urbanisierung.
Das Sektorvorhaben entwickelt neue Konzepte, Instrumente und Beratungsleistungen für eine nachhaltige Entwicklung von Metropolregionen. Erfahrungen aus der
deutschen und internationalen Praxis werden dabei unter
dem Blickpunkt Innovationsentwicklung ausgewertet und
genutzt. Um die neuen Lösungsansätze vor Ort zu testen,
liegt ein Schwerpunkt auf Pilotmaßnahmen in Partnerländern wie Indien, Mexiko oder Brasilien. Die wertvollen
Lernerfahrungen, die vor Ort gesammelt werden, fließen
dann als best practice in unsere Politikberatung ein.
Wir entwickeln so Lösungen, die über Stadtgrenzen hinaus
blicken und Perspektiven verändern – und daher den
Anforderungen der heutigen, urbanisierten Welt besser
gerecht werden. Das Sektorvorhaben positioniert die
Erkenntnisse zu stadtregionalen Themen auf internationalen Agenden, wie der Agenda 2030 oder im Habitat III
Prozess, und in Fachnetzwerken. Es richtet die Arbeit der
GIZ entlang zukünftiger Anforderungen aus.

Der urbane Nexus im Praxistest
In zwei Pilotprojekten in Nashik/ Indien und Dar es
Salaam/ Tansania wurde die Wirkungsweise des urbanen
Nexus-Ansatzes demonstriert. In beiden Projekten haben
die Verantwortlichen frei nach dem untenstehenden Motto

Wichtig bei beiden Pilotprojekten war, dass ein Umdenken
in den städtischen Institutionen stattgefunden hat. Die
Beteiligten haben vor, den urbanen Nexus-Ansatz weiter
auszubauen und in die Sektorberatung und Sektorpolitiken
einfließen zu lassen. Damit sollen auch andere öffentliche
Einrichtungen und benachbarte Kommunen von den Projektideen profitieren.
Die Pilotvorhaben in Afrika und Indien dienen nun als
gute Beispiele für integrierte Stadtentwicklung in Trainingsmaßnahmen, die das Sektorvorhaben für Mitarbeiterinnen
und Mitarbeiter der GIZ, aber auch für Fachkräfte in
Stadtverwaltungen und Organisationen der Partnerländer
anbietet.
„Fangt an und hört nicht auf, jedes Projekt zu
verbessern. Scheut euch nicht davor, neue Dinge
auszuprobieren. Lasst es uns anpacken, lasst uns
den Fortschritt entwickeln!” 33
Mussa Natty, Stadtdirektor Dar es Salaam/ Tansania
„Das Nexus Projekt war für die Gemeindebehörde Nashik
entscheidend, um den Herausforderungen unserer Stadt
mit einem integrierten Ansatz zu begegnen. Indem wir
die Sektoren Wasser, Nahrung und Energieversorgung
gleichzeitig betrachtet haben, haben wir es geschaff t,
unsere Ressourcenproduktivität und die Systemeffizienz
zu steigern. Das Projekt hat uns auch geholfen, institutionelle Verbindungen, die uns früher gefehlt haben,
aufzubauen und Synergien zwischen verschiedenen
Abteilungen zu erzeugen. Wir haben den zentralistischen
Arbeitsstil hinter uns gelassen und blicken in eine
integriertere und belastbarere Zukunft.“ 34
Yatin Wagh, Bürgermeister der Gemeindebehörde
Nashik/ Indien

BEISPIELE

Sektorvorhaben: Nachhaltige Entwicklung von Metropolregionen
https://www.giz.de/fachexpertise/html/3170.html
Integriertes Ressourcenmanagement in asiatischen Städten: der urbane Nexus
www.giz.de/de/weltweit/32332.html

33
34

GIZ; ICLEI (2014b)
GIZ; ICLEI (2014b)

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STADT DER ZUKUNFT – WIE GESTALTEN?

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BEISPIELE

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STADT DER ZUKUNFT – WIE GESTALTEN?

BEISPIELE AUS DER PRAXIS:
ZENTRALAMERIKA – RAUMORDNUNG
UND NACHHALTIGE ENTWICKLUNG (SICA)

zungsplan für die nationale Raumordnungspolitik zu
entwerfen und auf allen Instanzen mit anderen Fachressorts abzustimmen. Eine Gruppe von Vertretern verschiedener Institutionen erarbeitete Vorschläge, wie die
unterschiedlichen Bedürfnisse von Frauen und Männern
bei Themen wie Gesundheit, Beschäftigung und Transport stärker in raumordnerischen Prozessen berücksichtigt
werden können. Dieses und andere gute Beispiele aus
Zentralamerika wurden als Lernerfahrungen systematisiert
und auf verschiedenen Kanälen verbreitet: Sie dienen der
Information von Entscheidungsträgern, zur Weiterbildung
der Fachleute in den Raumordnungsbehörden und zur
Sensibilisierung der breiten Öffentlichkeit.
Die Länder Zentralamerikas mit ihren rund 54 Millionen
Einwohnern haben sich 1991 zur zwischenstaatlichen
Organisation SICA (Sistema de Integración Centroamericana)
zusammengeschlossen. Ihr Ziel ist die regionale Integration
und nachhaltige wirtschaftliche, soziale und ökologische
Entwicklung der SICA Mitgliedsländer. Um in der Region langfristig ausgeglichene Lebensbedingungen herzustellen, bedarf es einer gemeinsamen Entwicklungsstrategie, ähnlich dem Vorbild der europäischen Raumordnungs- und Regionalpolitik. Die GIZ berät die
nationalen Institutionen, ihre Raumordnungsplanung
strategisch auszurichten und untereinander abzustimmen,
ihre Verfahren zu vereinheitlichen und ihre Instrumente
methodisch zu schärfen. Vereinbart wurde dabei, die notwendige Anpassung an den Klimawandel einschließlich
der Katastrophenvorsorge, die erforderliche nachhaltige
Wirtschaftsentwicklung ebenso wie das vernachlässigte
Thema Geschlechtergerechtigkeit in Raumordnungspolitiken und -plänen zu verankern.

Gute Beispiele machen Schule –
in ganz Zentralamerika
So wurde etwa in Costa Rica das Ministerium für Siedlungs- und Wohnungswesen dabei beraten, den UmsetRaumordnung und nachhaltige Entwicklung – SICA
www.sisca.int/ccvah

„Ich denke, dass uns das Vorhaben ein Beratungsforum für
Berater geboten hat; ein Forum zur Stärkung des technischen Wissens, ein Forum zum Lernen und zur Weiterentwicklung, sowohl auf individueller Ebene als auch für
unsere Beratung von Entscheidungsträgern und den
Umgang mit der Bevölkerung. Auf politischer Ebene hat
das Projekt einen wesentlichen Beitrag dazu geleistet,
das Thema Raumordnung auf die Agenda zu setzen,
sowohl im nationalen als auch im zentralamerikanischen
Kontext.“
Betzaida Revolorio, Direktion für Raumordnung
des Präsidialen Planungssekretariates in Guatemala.

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62

STADT DER ZUKUNFT – WIE GESTALTEN?

Handlungsfeld 6:

GUT VERNETZT

STÄDTE ALS ENTWICKLUNGSPARTNER
Herausforderungen. Die rasche Dynamik der weltweiten
Urbanisierung ist vielerorts zu spüren, und die Probleme
sind eigentlich überall die gleichen: Armut und soziale
Segregation, massive Mobilitäts- und Umweltprobleme,
der Klimawandel; schließlich die Überforderung der
Städte mit dem geordneten Ausbau der Basisinfrastruktur
und der Schaff ung neuen Wohnraums, der mit der
Bevölkerungsentwicklung einigermaßen Schritt halten
kann.
Erfolgreiche Konzepte zur nachhaltigen Stadtentwicklung
und guter städtischer Regierungsführung existieren vielfach schon. Sie haben sich lokal bewährt, sind aber trotz
ihres innovativen Charakters nicht genügend bekannt.
Andere Städte könnten von den Erfahrungen lernen.
Allein, es fehlt ein systematischer Zugang zu diesen
praxisorientierten Lösungen, und die Möglichkeiten
für einen Erfahrungsaustausch bleiben dem Zufall
überlassen.
In regionalen und internationalen Netzwerken können
Städte vom Erfahrungsaustausch profitieren. Die systematische Verbreitung erfolgreicher Ansätze, das Lernen
von und miteinander und die gemeinsame Entwicklung
innovativer und praxisrelevanter Ideen sind ein Schlüssel
zur nachhaltigen Entwicklung unserer Städte.

Lösungen. Die GIZ unterstützt den Aufbau von Plattformen für Akteure aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft,
Wissenschaft und Zivilgesellschaft:
ÿ Wir greifen Themen zu Stadtentwicklungspolitik und
Wirtschaftsförderung, Stadtökologie, Umwelt- und
Klimaschutz und sozialen Fragen auf und diskutieren
technologische und planerische Problemlösungen.
ÿ Wir nutzen Dialog- und Lernformate, um innerhalb
der Netzwerke erfolgreiche Ansätze zu sammeln und
strukturiert zu verbreiten. Dabei legen wir besonderen
Wert auf die Praxisrelevanz der Erfahrungen.
ÿ Wir organisieren internationale Fachkonferenzen und
führen Trainingsangebote und Studienreisen durch.
ÿ Wir unterstützen die Netzwerkteilnehmer bei der
Formulierung innovativer Projekte sowie bei
der Suche nach einer Finanzierung zur Umsetzung
der Projektideen.
ÿ Wir fördern den Netzwerkaufbau mit der gezielten
Einbindung von deutschen und internationalen
Verbände und Netzwerke wie: Deutscher Städtetag,
Deutscher Städte- und Gemeindebund, Rat der
Gemeinden und Regionen Europas, Weltverband der
Städte und Gemeinden (UCLG), Verband der Städte
für nachhaltige Entwicklung (ICLEI) und die
Cities Alliance.

BEISPIELE

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STADT DER ZUKUNFT – WIE GESTALTEN?

BEISPIELE AUS DER PRAXIS:
AFRIKA, LATEINAMERIKA, EUROPA UND ASIEN –
CONNECTIVE CITIES – COMMUNITY OF PRACTICE
FOR SUSTAINABLE URBAN DEVELOPMENT

Das globale Vorhaben will den Erfahrungsaustausch
zwischen Städten in Afrika, Lateinamerika, Europa und
Asien initiieren. Es wird als Kooperation der GIZ mit
Engagement Global und dem Deutschen Städtetag durchgeführt. Ziel ist es, dass kommunale Praktiker gemeinsam
mit Wirtschafts- und Wissenschaftsakteuren sowie Vertretern der Zivilgesellschaft neue Lösungsoptionen in den
Kernbereichen nachhaltiger Stadtentwicklung erarbeiten.
Dazu zählen Good Urban Governance, integrierte Stadtentwicklung und lokale Wirtschaftsentwicklung. In zahlreichen Dia logveranstaltungen und Projektworkshops auf
den vier Kontinenten ging es um die Themen kommunale
Dienstleistungen, integrierte Abfallwirtschaft, Stadterneuerungs- und Wohnungspolitik, Gründungsförderung
von Start-ups, grüne Stadtentwicklung, Hochwassermanagement und nachhaltige Mobilität.

Erfahrungen deutscher Städte
dienen als Anregung
In Deutschland wurden Fachinformationsreisen zu energieeffizienter Stadtentwicklung und kommunaler Selbstverwaltung durchgeführt, weil sie vielfältige Anregungen für
Partnerländer wie Indonesien oder Zimbabwe bieten.

Über ein Webportal stellt das Vorhaben Informationen
über Fachthemen und Praxisbeispiele als „gute Praktiken“
zur Verfügung. Eine Experten-Datenbank bietet Zugang
zu kommunaler Expertise für den Einsatz in Beratung,
Projektentwicklung und Umsetzung.
„Insbesondere die Beiträge zu kommunalen Einnahmequellen waren sehr hilfreich und machten deutlich, dass
wir vorhandene Stärken aktiv nutzen müssen und
folglich der Erhaltung dieser Stärken eine besondere
Bedeutung zukommt. Das ist etwas, womit wir alle zu
kämpfen haben… Auch die Debatte über die Frage, wie
kann, ist etwas, das ich innerhalb der Stadtverwaltung
teilen werde.“ 35
Annemarie Fish, Stadtverwaltung von
Buffalo City, East London/ Südafrika

Connective Cities: Internationale Städte-Plattform für Nachhaltige Entwicklung
www.connective-cities.net

35

Connective Cities (2014)

63

64

STADT DER ZUKUNFT – WIE GESTALTEN?

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BEISPIELE

BEISPIELE AUS DER PRAXIS:
SÜDOSTEUROPA: TRÄGERFÖRDERUNG
NETZWERK DER GEMEINDEVERBÄNDE NALAS

NALAS hat internationales Renommee erworben
Der heute gut organisierte Zusammenschluss aus 24 Mitgliedern hat seinen Sitz in Straßburg, sein Sekretariat im
mazedonischen Skopje. Seit mehr als einem Jahr koordiniert
NALAS (Network of Associations of Local Authorities of
Southeast Europe) die Aktivitäten zur guten Regierungsführung im Rahmen der Regionalstrategie „Wirtschaftliches
Wachstum und Schaff ung von Arbeitsplätzen – SEE 2020“
der südosteuropäischen Länder und misst deren
Fortschritte.

In den Ländern Südosteuropas ist eine gut funktionierende
dezentrale Verwaltung noch im Aufbau. Zwar haben die
Gemeinden und ihre Verbände in den zurückliegenden
Jahren beachtliche Fortschritte gemacht, nicht zuletzt,
um die Annäherung an die EU voranzubringen. Doch es
bleiben noch viele Aufgaben zu lösen, unter anderem in
den Bereichen Fiskaldezentralisierung, Stadtplanung,
Abfall- und Wassermanagement und Organisationsentwicklung. Da sich in allen Kommunen die Probleme
gleichen, gründeten die Gemeindeverbände der Region
bereits 2001 ein Netzwerk.

Die GIZ unterstützt die Aktivitäten vor allem durch
Experten in Arbeitsgruppen, die beispielhafte Lösungen
aus der Region aufarbeiten und sie allen Verbänden zur
Verfügung stellen. NALAS arbeitet als Wissenszentrum
und dient als Koordinationsplattform in allen Belangen,
die lokale Gebietskörperschaften betreffen. Eine wichtige
Rolle spielt hier u.a. die E-Akademie, die zur Entwicklung
lokaler Managementfähigkeiten in den Kernbereichen
beiträgt. Aber das Projekt fördert auch den persönlichen
Austausch, etwa durch gegenseitige Besuche von Verbandsvertretern oder durch die von NALAS organisierte
Kommunalmesse NEXPO. Hinter dem Engagement der
Gemeindeverbände für Entwicklung, Mitbestimmung
und Angleichung an die EU stehen die konkreten Interessen
und Hoffnungen der rund 9.000 Kommunen der Region
und ihrer über 80 Millionen Bürgerinnen und Bürger.
„Die dezentrale Zusammenarbeit von lokalen Regierungen
ist sehr wichtig, um Verbindung zwischen Länder aufzubauen. Die Brücken, die von den lokalen Regierungen
gebaut werden, können gut von der Wirtschaft und der
Zivilgesellschaft genutzt werden. Das ist es, was NALAS
als Dachorganisation der Gemeindeverbände, in den
letzten 10 Jahren vollbracht hat.“ 36
Kelmend Zajazi, Geschäftsführender
Direktor NALAS

Network of Associations of Local Authorities of South-East Europe
www.nalas.eu
NEXPO 2013 Promotional Video
www.youtube.com/watch?v=gcv7RKbVl-4

36

NALAS (2013)

STADT DER ZUKUNFT – WIE GESTALTEN?

INTERNATIONALE ALLIANZ
FÜR ARMUTSORIENTIERTE STADTENTWICKLUNG
Die GIZ ist aktiv in internationalen Arbeitsprogrammen
der Cities Alliance zu den Themen Resilienz in Städten,
Gender Gerechtigkeit in der Stadt und Habitat III tätig.
Die Cities Alliance – Cities Without Slums, gegründet
1999 von Weltbank und UN-Habitat, ist eine globale
Partnerschaft zur Minderung der städtischen Armut
und Förderung der Rolle von Städten für eine nachhaltige Entwicklung mit Sitz in Brüssel.
Neben UN-Habitat ist die Cities Alliance die bekannteste
globale Entwicklungsorganisation für armutsorientierte
Stadtentwicklung. Mitglieder der Allianz sind multi- und

bilaterale Entwicklungsorganisationen, Regierungen von
Industrie- und Partnerländern, NGOs, Wissenschaftseinrichtungen, Stiftungen sowie Verbände von Städten
und von Slumbewohnern. Die Allianz fördert Fach- und
Politikdialoge und operative Kooperationen auf lokaler,
nationaler und globaler Ebene. Handlungsfelder sind die
Erarbeitung von Stadtentwicklungsstrategien, spezifische
Strategien zum Umgang mit Slums, nationale Politiken
zur Urbanisierung und Stadtentwicklung, sowie die Mitwirkung an internationalen Agenda- und Politikprozessen.

65

66

INTERVIEW

3.0

INTERVIEW
"WIE WERDEN AUS STADTNUTZERN
VERANTWORTLICHE STADTBÜRGER?“

Dr. Ingrid Schwörer leitet das Büro des Regionalvorhabens
„Stärkung lokaler Entwicklung und Demokratie im Maghreb“
in Tunis. Die Expertin für Stadt- und Kommunalentwicklung
arbeitet seit 25 Jahren für die GIZ. Sie blickt auf Projekterfahrungen in Lateinamerika, Asien und Afrika zurück.

Die Urbanisierung gilt als „Megatrend“:
Welche Anforderungen kommen auf die Städte zu?
Die Urbanisierung in Brasilien, in Indien oder in Subsahara-Afrika geht mit sehr unterschiedlichem Rhythmus
voran und folglich mit sehr unterschiedlichen Herausforderungen einher.
Wenn ich an Lateinamerika denke: Die große Urbanisierungswelle ist dort eigentlich vorbei. Und trotzdem ist
es in vielen Ländern noch nicht gelungen, die Einwohner
zu verantwortlichen Bewohnern der Stadt und Bürgern
mit gleichen Rechten zu machen. In Lateinamerika geht
es eher darum, wie kriegt man eine inklusive Stadt hin –
während in Subsahara-Afrika gerade die große Einwanderungswelle in die Stadt läuft. Da zieht das Land mit seinen
Sozialstrukturen in die Stadt. Und es gibt die klassischen
Herausforderungen einer stark wachsenden Bevölkerung
– Wasser, Gesundheitssysteme, Bildung an die richtigen
Stellen zu bringen. Besonders kritisch wird es in den
Ländern, wo die Erwartungen der jungen Bevölkerung
auf bessere Chancen, auf soziale Mobilität und auf Einkommen nicht erfüllt werden, wie derzeit in Tunesien.
In allen Ländern aber stellt sich die Frage, wie aus Stadtnutzern Stadtbürger werden, die sich verantwortlich
fühlen für ihre Stadt.

Wie ist der Begriff „Stadtnutzer“ zu verstehen?
Das sind Leute, die die vorhandenen Infrastrukturen
nutzen, sich aber ihrer Stadt sozial oder politisch nicht
verbunden fühlen. Das ist natürlich ein Phänomen in
großer Mobilität: Indien beispielsweise
1unseren
UN
U N DESA
DE
ESAZeiten
(2014)
14
14)
UNHCR
UNH
CR (2015
((2015)
2015))
2015
Häußermann,
Häußerm
Häu
ße ann, H.
H et al. (2004): 7
4 UN
UNEP
EP (2013
((2013)
2013))
2013
2
3

wird eine heftige Urbanisierungswelle erleben, die vor
allem die mittelgroßen Zentren betriff t.
Die Menschen sind aber noch stark ihrer ländlichen
Herkunftsregion verbunden. Weil sie mit der Eisenbahn
günstig reisen können, pendeln sie zwischen Stadt und
Land und saisonalen Arbeitsmöglichkeiten in anderen
Regionen hin und her – das ist ihre Lebenswelt. Und es
stellt sich die Frage: Diese großen Stadtlandschaften, die
da entstehen, was haben die noch mit dem klassischen
europäischen Stadtmodell zu tun? Wissen wir schon, wie
wir diese Leute verantwortlicher machen können für eine
nachhaltige Stadtentwicklung?
Aber sie können sich natürlich auch eine deutsche Stadt
mit hohen Mobilitätsraten und geringer Wahlbeteiligung
bei Kommunalwahlen angucken – da stellt sich auch die
Frage: Sind das die Stadtnutzer, die sich dem Ort, an dem
sie leben und arbeiten, nicht verbunden fühlen? Es handelt
sich also um ein globales Phänomen.

Was kann die neue Leitagenda für Stadtentwicklung
der UN-Konferenz Habitat III in Quito ihrer Meinung
nach leisten?
Die New Urban Agenda stellt eine Art global mindset dar:
Es findet ein Austausch darüber statt, was derzeit die
Hauptprobleme sind, was wünschenswert ist – darüber
lässt sich leicht Einigkeit erzielen – , aber auch darüber,
was in den kommenden 20 Jahren auf keinen Fall passieren
darf. Die Agenda, die dann verabschiedet wird, bewirkt
sicher nicht so viel, wie viele sich erhoffen: Aber man darf
nicht unterschätzen, dass sie Legitimität für Forderungen
schaff t! Für viele Gruppen in Partnerländern, die in ihrer
Gesellschaft Veränderungen anstreben, stellt sie einen
Rahmen dar, auf den sie sich beziehen können. Damit
wird sich in vielen Ländern etwas bewegen – zwar langsam und mühsam, aber dennoch.

67

68

INTERVIEW

Ein Erfolg der deutschen EZ ist die integrierte Stadtentwicklung. Worauf kommt es dabei an?
In unserer Arbeit heißt integrierte Stadtentwicklung, die
Partner immer wieder anzuregen, sich ein ganzheitliches
Bild zu machen, wie in ihrer Stadt in Zukunft gelebt werden kann. Obwohl unsere Partner technisch wesentlich
besser ausgebildet sind als früher, ist die Fähigkeit des
Perspektivwechsels, also aus einer anderen als der eigenen
fachlichen Sicht auf ein Problem drauf zuschauen, oft
wenig ausgebildet. Wir befördern immer die intersektorale
Sicht und die Zusammenarbeit der Sektoren, wir
bringen verschiedene Akteure und Interessensgruppen
mit ihren Sichtweisen und Erwartungen zusammen. Integrierte Ansätze zu fahren, das ist stets eine große Herausforderung.

Welche Chancen bringt das Städtewachstum für die
Arbeit der deutschen Entwicklungszusammenarbeit?
Es wird der Weltgemeinschaft nur gelingen, ihre ehrgeizigen Nachhaltigkeitsziele umzusetzen, wenn lokal bessere
Urbanisierungspfade eingeschlagen werden. Das Handlungsfeld ist groß. Deutschland hat erstens durch die
große Anzahl an Bundesländern, ihre Varianten in den
Kommunalverfassungen und das besondere Engagement
der Städte im Klimaschutz vergleichsweise viel zu bieten,
was für sehr unterschiedliche Situationen in Partnerstädten
interessant sein kann: Mobilitätskonzepte, Abfallentsorgung, Beteiligungsverfahren, institutionelle Strukturen –
da gibt es gelebte Erfahrung, mit all ihren Schwierigkeiten,
über die man offen mit dem Partner sprechen kann.
Zweitens haben wir in vielen Ländern schon lange Jahre
der Erfahrung in der Umweltberatung oder der Wirtschaftsförderung, und es gibt in der GIZ ein großes
Wissen über die Partnerstrukturen. Daher wäre meine
Empfehlung: Was wir in der Welt zum Thema nachhaltige Entwicklung leisten, bewusst zu konzentrieren
auf das Thema Stadtentwicklung, um daraus strategische
Ansätze mit den Partnerländern zu formen.

Mit welchen Problemstellungen und Wünschen
treten Ihre Partner an Sie heran?
Für Partner, die ihre kommunalen Aufgaben besser
bewältigen wollen, bietet Deutschland sehr konkrete
Problemlösungen. Wenn unsere Partner in Tunesien
danach fragen, wie sie in ihrem Dezentralisierungsprozess
die Rollenverteilung zwischen Kommunen und neu
geschaffenen Ministerien regeln sollen, dann können sie
sich Inspiration auf Besuchsreisen in Deutschland holen.
Dort können sie eine Reihe von Optionen erkennen.
Insbesondere in Schwellenländern habe ich den Eindruck,
dass gerade das Zurverfügungstellen von Wahlmöglichkeiten unsere Beratung attraktiv macht: Dass es nicht nur
eine Problemlösung gibt, die wir verkaufen wollen. Das
betriff t ganz konkret die große Nachfrage, die wir in
Tunesien erleben zum Thema: Wie können die Städte
sauber und umweltfreundlicher werden im Dezentralisierungsprozess, wo Aufgaben neu verteilt werden?
Was beeindruckt ihre Partner auf Delegationsreisen?
Sie kommen zurück mit Aussagen wie: „Ich habe gesehen,
in Hannover läuft die Müllentsorgung so, aber in Kehl
macht man das so – ich finde beides interessant“. Aufgrund der langen Verbindung des Maghreb mit Frankreich vergleichen sie es dann auch mit französischen Problemlösungen. Ich finde es beeindruckend, wie intensiv
sich unsere Partner aus ihrer Problemstellung heraus mit

INTERVIEW

bestimmten Vorgehensweisen auseinandersetzen – und
uns sagen: Dieses Modell würden wir jetzt noch mal gerne
auf einer Veranstaltung hier diskutieren, das könnte für
uns interessant sein.

Wie wichtig ist das Know-how deutscher Unternehmen,
von Wissenschaft und Fachverbänden für die GIZ und
ihre Partner?
Deutsches Know-how ist für die GIZ extrem wichtig,
weil wir sonst nicht in der Lage wären, unseren Partnern
glaubhaftes Fachwissen und Erfahrungen zu liefern.
Zu bestimmten Themen hat die deutsche Wirtschaft viel
zu bieten – wie beispielsweise zu den Themen Mobilität
oder regenerative Energien. Sicher spielt es auch eine
Rolle, in die Vermittlung zu investieren – also zu
schauen: Welche Innovationspunkte könnten für unsere
Partner spannend und wichtig für das Vorankommen
sein? – Wie interessant deutsches Know-how für die
Partner ist, das hängt stark davon ab, in welchem Land
sie sind. In den Ländern in europäischer Nachbarschaftslage ist das Interesse groß – größer als in weit
entfernten Ländern.

Stichwort E-Governance: Inwieweit spielt der Einsatz
digitaler Informations- und Kommunikationstechnologie
in Städten eine Rolle in der Beratung?
Die Bereitschaft zum Sprung ist da: Entwicklungen sollen
nicht historisch nachgeholt werden, sondern auf ganz
neue Art bearbeitet werden. In einzelnen Bereichen beobachten wir wirkliche Fortschritte. Es gibt da eine große
Nachfrage – und die große Gefahr von Fehlinvestitionen:
Weil die Technik zum Teil ziemlich günstig implementierbar ist, aber die Inhalte, die über diese Plattformen
geliefert werden müssen, nicht so leicht herzustellen sind.
Zum Beispiel Protokolle von Stadtratssitzungen allen
Bürgern zugänglich zu machen – das beginnt schon mit
der Frage, haben kleine Stadtverwaltungen überhaupt
Leute, die verständlich schreiben können? Wie kriegt
man die Kommunikation besser hin, diese Frage beschäftigt alle unsere Partnerländer. E-Governance bietet da
viele Chancen, vor allem auch die Beteiligungsmöglichkeiten der Bürger zu erhöhen und Dienstleistungen
schneller und transparenter zu erledigen. Ich sehe das
Potential, aber auch die Gefahr, dass man meint, damit
schnelle Lösungen zaubern zu können. Deshalb denke
ich, das ist ein Beratungsthema, was uns noch sehr
beschäftigen wird.

69

70

INTERVIEW

punkte? Dazu muss man in Partnerländer und Partnerstädte genau hinein hören, wo es Energien für Veränderungen gibt.

Sie haben unzählige Projekte evaluiert und in mehreren
Auslandsprojekten der GIZ gearbeitet: Was sind gute
Voraussetzungen für ein gelingendes Projekt?
Gelungen sind Vorhaben immer dann, wenn man mit den
richtigen Partnern zur richtigen Zeit ein gemeinsames
Thema gefunden hat und Energie für Veränderungen und
Durchhaltefähigkeit da waren. Es gibt viele Kernpunkte
der Stadtentwicklung, die man ansprechen kann, aber
man muss genau hinschauen, wo man Zugang findet und
in welche Themen man sich vertiefen kann. Die Kunst
dieses Berufes ist es, herauszufinden: Wo gibt es Andock-

Entscheidend für den Erfolg ist, das Projekt mit dem
„richtigen“ Partner zu starten?
Ja, denn Problemlösungen können nicht funktionieren,
wenn die entscheidenden Veränderungen gar nicht in der
Macht oder im Einflussbereich des Partners liegen. Das
bleibt eine Herausforderung in der Entwicklungszusammenarbeit: Unsere Regierung verhandelt natürlich immer
mit den Nationalregierungen. Es gibt aber oft Konfliktlagen mit dezentralen Akteuren. Und in vielen Ländern gibt
es keinen Artikulationsmechanismus, wie Städte ihre Beratungsbedarfe in die nationale Prioritätenliste für internationale Kooperation mit Geberländern einspeisen können.
Wenn der Stimme der Kommunen auf nationaler Ebene
mehr Gehör geschenkt wird, dann können wir zukünftig
den Veränderungswillen von Städten besser unterstützen.
– Wichtig ist dann die Offenheit, gemeinsam mit dem
richtigen Partner zu einer Problemanalyse zu kommen,
was wir gemeinsam verändern können: Um zu einem
realistischen, aber in aller Bescheidenheit dennoch ehr■
geizigen Veränderungsprozess zu kommen.

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72

UNSERE PROJEKTE – IN ALLER WELT

4.0

UNSERE PROJEKTE –
IN ALLER WELT

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UNSERE PROJEKTE – IN ALLER WELT

Auswahl an Vorhaben im Bereich Stadt- und Regionalentwicklung
Auftraggeber der folgenden Vorhaben ist, soweit nicht anders angegeben,
das deutsche Bundesministerium für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (BMZ).
Ausführliche Informationen zu den Projekten finden Sie unter Angabe des Landes auf www.giz.de/de/html/weltweit
Global
Vorhaben

Link

Sektorvorhaben Politikberatung in der
Kommunal- und Stadtentwicklung

www.giz.de/fachexpertise/html/3170.html

Sektorvorhaben Nachhaltige Entwicklung
von Metropolregionen

www.giz.de/fachexpertise/html/3170.html

Globalvorhaben Connective Cities –
Community of Practice for Sustainable
Urban Development

www.connective-cities.net

Globalvorhaben Internationale Umsetzung
des Memorandums: Städtische Energien –
Zukunftsaufgaben der Städte
Auftraggeber BMUB

www.bbsr.bund.de/BBSR/DE/Home/Topthemen/vernetzte_staedte.html?nn=431364

Globalvorhaben Cities Fit for Climate
Change – Chile, Indien, Südafrika
Auftraggeber BMUB

www.international-climate-initiative.com/de/projekte/weltkarte-und-projektliste/details/
cities-fit-for-climate-change-442

Regional
Region/Vorhaben
ASIEN
• CDIA - Ökologische
Stadtentwicklungsinitiative Asien
• Integriertes Ressourcenmanagement in
asiatischen Städten: der urbane Nexus
KAUKASUS
• Schwerpunktprogramm Demokratie,
Kommunalentwicklung und Rechtsstaat;
Komponente Kommunalentwicklung;
Südkaukasus
• Städtenetz Kaukasus
als Plattform im Projekt

Link
www.cdia.asia
www.giz.de/de/weltweit/32332.html

www.giz.de/de/weltweit/20315.html

www.antje-dombrowsky.com/de/St%C3%A4dtenetz-S%C3%BCdkaukasus

MAGHREB
• Stärkung kommunaler Entwicklung und
Demokratie im Maghreb (CoMun)

www.co-mun.net

SÜDOSTEUROPA
• Trägerförderung „Netzwerk der
Gemeindeverbände in Südosteuropa“
(NALAS)

www.nalas.eu
www.youtube.com/watch?v=gcv7RKbVl-4

ZENTRALAMERIKA
• Raumordnung und nachhaltige
Entwicklung in Zentralamerika (SICA)

www.sisca.int/ccvah

UNSERE PROJEKTE – IN ALLER WELT

Bilateral
Land/Vorhaben

Link

ÄGYPTEN
• Beteiligungsorientiertes Entwicklungsprogramm in städtischen
Armutsgebieten; Großraum Kairo

www.egypt-urban.net

BANGLADESCH
• Städtisches Management klimawandelbedingter
Binnenmigration

www.giz.de/de/weltweit/31936.html

BOSNIEN-HERZEGOWINA
• Programm für lokale Selbstverwaltung
und Wirtschaftsförderung

www.bear.ba

CHINA
• Energieeffizienz in der Stadt im Rahmen
der Deutsch-Chinesischen Energiepartnerschaft
Auftraggeber BMWi
• Deutsch-Chinesische Zusammenarbeit
für klimafreundlichen Verkehr
Auftraggeber BMUB
• Klimaschutz durch Low-Carbon-Verbundprojekte
in Städtenetzwerken der Provinz Jiangsu
Auftraggeber BMUB
• Qualifizierung von Schlüsselakteuren zu Klimaschutz
im Gebäudebereich
Auftraggeber BMUB
• Nachhaltiger Strukturwandel von Kohlestädten im Rahmen der
Führungskräftefortbildung im Bereich Umwelt und Klima
Auftraggeber BMUB
• Städtische Energiekonzepte im Rahmen der DeutschChinesischen Klimapartnerschaft
Auftraggeber BMUB

www.giz.de/en/worldwide/377.html

www.low-carbon-urban-development-germany-china.org

GHANA
• Unterstützung von Dezentralisierungsreformen

www.giz.de/de/weltweit/19434.html

INDIEN
• Inclusive Cities Partnership Programme (ICPP)

www.giz.de/de/weltweit/368.html

INDONESIEN
• Emissionsminderungen im städtischen Verkehr (SUTIP)

www.sutip.org

JORDANIEN
• Unterstützung flüchtlingsaufnehmender Gemeinden
beim Abfallmanagement
KOSOVO
• Aufbau nachhaltiger lokaler Dienstleistungen (Abfallwirtschaft)
MAROKKO
• Stärkung ausgewählter Kommunen im Umgang
mit Migration und Flucht

www.giz.de/de/weltweit/28778.html

www.giz.de/de/weltweit/21121.html
www.giz.de/de/weltweit/34158.html

MAURETANIEN
• Schutz der Stadt Nouakchott vor den Folgen des Klimawandels

www.giz.de/de/weltweit/22195.html

PALÄSTINENSISCHE GEBIETE
• Förderung der Zivilgesellschaft auf kommunaler Ebene

www.giz.de/de/weltweit/379.html

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UNSERE PROJEKTE – IN ALLER WELT

Bilateral
Land/Vorhaben

Link

SERBIEN
• Kommunale Wirtschaftsförderung in Ostserbien
• Landmanagement

www.giz.de/de/weltweit/22002.html
www.urbanlandmanagement.rs

SÜDAFRIKA
• Gewaltpräventionsprogramm

www.giz.de/de/weltweit/17705.html

UKRAINE
• Kommunalentwicklung und Altstadtsanierung in Lviv
• Reform der Verwaltung in der Ostukraine

www.urban-project.lviv.ua
www.giz.de/de/weltweit/30635.html

77

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QUELLENVERZEICHNIS

5.0

QUELLENVERZEICHNIS

AMBERO (2015): Strengthening of local land management in Serbia. www.urbanlandmanagement.rs/
(abgerufen am 30.11.2015)
Birkmann, J.; Vollmer, M.; Schanze, J. (Hrsg.) (2013): Raumentwicklung im Klimawandel –
Herausforderungen für die räumliche Planung.
nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0156-07302 (abgerufen am 27.01.2016)
BEAR (2013): Business Excellence Area Teslić – Tešanj – Žepče. www.bear.ba/a-word-of-welcome/
(abgerufen am 30.11.2015)
BMUB (2007): Leipzig Charta zur nachhaltigen europäischen Stadt. www.bmub.bund.de/fileadmin/Daten_
BMU/Download_PDF/Nationale_Stadtentwicklung/leipzig_charta_de_bf.pdf (abgerufen am 30.11.2015)
BMZ (2014): Perspektiven der Urbanisierung – Städte nachhaltig gestalten. www.bmz.de/de/mediathek/publikationen/
reihen/infobroschueren_flyer/infobroschueren/Materialie237_Informationsbroschuere_03_2014.pdf
(abgerufen am 30.11.2015)
CDIA (2015): CDIA Gains Prominence at ADB Annual Meeting 2015.
cdia.asia/2015/05/14/cdia-gains-prominence-at-adb-annual-meeting-2015/ (abgerufen am 30.11.2015)
CoMun (2015): Conférence : La mise en réseau entre villes - un facteur de succès.
www.co-mun.net/nos-themes/dialogue-regional (abgerufen am 30.11.2015)
Connective Cities (2014): Interview mit Annemarie Fish.
www.connective-cities.net/infothek/dokumentationen/interview-mit-annemarie-fish/ (abgerufen am 30.11.2015)
Die Bundesregierung der Bundesrepublik Deutschland (2015): Leitlinien der Bundesregierung
zur internationalen Zusammenarbeit für nachhaltige Urbanisierung – Partner in einer Welt der Städte.
www.auswaertiges-amt.de/cae/servlet/contentblob/705476/publicationFile/205355/Urbanisierungsleitlinien.pdf
(abgerufen am 30.11.2015)
EU (2013): Europäische Charta der kommunalen Selbstverwaltung.
www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/20032500/201304100000/0.102.pdf (abgerufen am 30.11.2015)
Frank, D. (2014): Inclusive urban governance. In Jahrbuch Stadterneuerung, Berlin, 355-369
Führer, M. (2011): Stichwort: Das politische System Bosnien-Herzegowinas. In: Deutsche Welle Online.
www.dw.com/de/stichwort-das-politische-system-bosnien-herzegowinas/a-6642062 (abgerufen am 30.11.2015)
UN DESA (2014)
UNHCR (2015)
3 Häußermann, H. et al. (2004): 7
4 UNEP (2013)
1

2

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80

QUELLENVERZEICHNIS

GIZ (2011): akzente 3.11. Das Magazin der GIZ. Stadt und Land. Ländliche und städtische Räume gemeinsam entwickeln.
www.giz.de/dokumente/akz-2011/giz2011de-akzente-3-stadt-land-gesamt.pdf (abgerufen am 30.11.2015)
GIZ (2012a): akzente 2.12 Das Magazine der GIZ. Transformation. Komplexe Wandlungsprozesse mitgestalten.
www.giz.de/de/downloads/giz2012-de-akzente02-gesamt.pdf (abgerufen am 30.11.2015)
GIZ (2012b): Urbanisierung und Kommunalentwicklung in der Region Naher Osten und Nordafrika (MENA).
Profile für 9 Länder der internationalen Zusammenarbeit.
www.co-mun.net/de/news/5/2012-06-05.html (abgerufen am 18.01.2016)
GIZ (2013a): Resiliente Städte. Katastrophenmanagement und Klimawandel: Städte stärken, Risiken mindern.
www.giz.de/cgi-bin/starfetch.exe?Zk@Cj5.0riXSRCsCtWiLmiIlvOjL.IpVcct0RwaFLqqwdcLzHXPq140AnFN8dFPd9721aDJTy0UWy.QBdBOQ6s.7i1Kjz@pclxaB2ErQPDK0fQLjyRItHj0.IcG0mpriX7A32qlnYEkJIbp3Q0yZHi1yGazOigwM/giz2013-0302de-resiliente-staedte.pdf (abgerufen am 30.11.2015)
GIZ (2013b): Städtenetz Südkaukasus. Dokumentation.
www.antje-dombrowsky.com/de/St%C3%A4dtenetz-S%C3%BCdkaukasus (abgerufen am 30.11.2015)
GIZ (2015a): Unpacking Metropolitan Governance for Sustainable Development.
www2.giz.de/wbf/4tDx9kw63gma/GIZ-UNHabitat_2015-UnpackingMetropolitanGovernance.pdf
(abgerufen am 30.11.2015)
GIZ (2015b): Kommunalentwicklung und Altstadtsanierung in Lviv. www.urban-project.lviv.ua/
(abgerufen am 30.11.2015)
GIZ (2015c): Südafrika: Jugendkriminalität vorbeugen.
www.giz.de/fachexpertise/downloads/giz_2015_suedafrika_de.pdf (abgerufen am 30.11.2015)
GIZ/ ICLEI (2014a): Operationalizing the Urban NEXUS. Towards resource-efficient and integrated cities
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www2.giz.de/wbf/4tDx9kw63gma/UrbanNEXUS_Publication_ICLEI-GIZ_2014_kl.pdf (abgerufen am 30.11.2015)
GIZ/ ICLEI (2014b): Operationalizing the Urban NEXUS. Towards resource-efficient and integrated cities
and metropolitan regions. Case Studies.
www2.giz.de/wbf/4tDx9kw63gma/GIZ_2014_UrbanNexus_CaseStudies.pdf (abgerufen am 30.11.2015)
Häußermann, H.; Kronauer, M.; Siebel, W. (2004): An den Rändern der Städte
Häußermann, H. (2006): Desintegration durch Stadtpolitik. Bundeszentrale für politische Bildung.
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A magazine of the Indo-German Environment Partnership Programme.
www.igep.in/live/hrdpmp/hrdpmaster/igep/content/e54413/e54441/e58355/e62967/IGEPMagazine_June2015.pdf
(abgerufen am 30.11.2015)

QUELLENVERZEICHNIS

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Kraas, F.; Sterly, H. (2009): Megastädte von morgen: Laboratorien der Zukunft? In: Politische Ökologie, 114: 50-52.
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Meinert, G. (2006): Städtische Regierungskunst. Aspekte einer Good Urban Governance.
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NALAS (2013): NEXPO 2013 Promotional video. www.youtube.com/watch?v=gcv7RKbVl-4 (abgerufen am 30.11.2015)
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www.saferspaces.org.za/blog/entry/be-the-change-in-your-community (abgerufen am 30.11.2015)
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(abgerufen am 30.11.2015)
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The Worldbank (2015): Urban Development. Overview. Context.
www.worldbank.org/en/topic/urbandevelopment/overview (abgerufen am 30.11.2015)

81

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NOTIZEN

NOTIZEN

Deutsche Gesellschaft für
Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH
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Bonn und Eschborn
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