Path:

Full text: Leitfaden zur Schulnetz- und Standortplanung

Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft

Leitfaden
zur Schulnetz- und Standortplanung
allgemeinbildender, öffentlicher Schulen

April 2016

Verfasser:

Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft
I D – Sachgebiet: Schulentwicklungsplanung

R:\1D\Planungen Entwicklungen\SIKos\2016_03_Leitfaden_Schulnetz.docx

Inhalt
0.

Anlass und Ziel

0.1

Schulentwicklungsplan Berlin (SEP)

0.2

Monitoring-Verfahren

0.3

Entwicklungsplanung der sozialen und grünen Infrastruktur in der wachsenden
Stadt Berlin - Soziale Infrastrukturkonzepte (SIKos)

0.4

Organisation versus Planung (Thema Flüchtlinge)

1.

Grundschule

1.1

Prognosemethode „Grundschule“

1.2

Basisinformationen

1.3

Festlegungen

1.4
Nachfrageentwicklung
1.4.1 Nachfrageentwicklung aus der Bestandsbevölkerung
1.4.2 Nachfrageentwicklung aus dem Wohnungsbau
1.5

Angebotsentwicklung / Kapazität der Grundschulen

1.6

Überschuss-Defizit-Berechnung

1.7

Handlungsbedarf

1.8

Mögliche Maßnahmen

2

Allgemeinbildende, weiterführende Schulen

2.1

Planungsmethodik

2.2

Basisinformationen

2.3

Festlegungen

2.4

Nachfrageentwicklung

2.5

Angebotsentwicklung / Kapazität der weiterführenden Schulen

2.6

Handlungsbedarf

2.7

mögliche Maßnahmen

3.

Monitoring - Verfahren

4.

Ausblick/ weiteres Verfahren

Leitfaden Schulnetz- und –standortplanung

0

Anlass und Ziel

0.1

Schulentwicklungsplan Berlin (SEP)

Mit der Aufstellung eines Schulentwicklungsplans beabsichtigt der Senat von Berlin seine
Ziele für die Weiterentwicklung des Schulwesens in den folgenden Jahren darzustellen. Der
SEP besteht grundsätzlich aus zwei Teilen.
Im Teil I („innere“ Schulangelegenheiten) wird auf mit Reformen verknüpften Zielvorstellungen in Bezug auf die einzelnen Schularten eingegangen und die pädagogisch / inhaltlichen
Entwicklungsvorhaben der Berliner Schule dargestellt.
Teil II („äußere“ Schulangelegenheiten) umfasst den Schulnetz- und Analyseplan für öffentliche allgemeinbildende Schulen, in dem der gegenwärtige und zukünftige Schulbedarf dargestellt wird. Es handelt sich um eine gesamtstädtische Bestandsanalyse und es werden generelle Handlungsbedarfe der äußeren Schulentwicklung in den Bezirken definiert.
Die Ergebnisse des SEP sind die Grundlage für gesamtstädtische Entscheidungen zur Optimierung des Ressourceneinsatzes, zur Definition überbezirklicher Dringlichkeiten bei Investitionsmaßnahmen, für Stellungnahmen gegenüber dem Portfolioausschuss, für die Bauleitplanung und für die Haushalts- und Finanzplanung.
Gemäß § 109 Schulgesetz soll der SEP in einem 5-Jahres-Rhythmus aktualisiert werden.
Für die Umsetzung der im Teil I dargestellten Zielvorstellungen ist der Zeitraum von fünf Jahren ausreichend. Einer Aktualisierung in einem kürzeren Rhythmus bedarf es nicht.
Für den Teil II beruhen die Aussagen des SEPs im Wesentlichen auf den mit den Schulträgern abgestimmten Schulraumkapazitäten sowie auf der jeweils aktuellen Modellrechnung
zur Entwicklung der Schülerzahlen. Gemäß Ausführungsvorschriften zur Schulentwicklungsplanung (AV SEP) bildet dies die Grundlage der bezirklichen Schulentwicklungsplanungen.
Insofern sind für alle Bezirke die Ausgangslage und der Handlungsbedarf in den wesentlichen Zügen definiert.
Das umfangreiche Mitzeichnungs- und Beteiligungsverfahren für den Schulentwicklungsplan 2014 - 2018 wurde im November 2015 abgeschlossen.
Die quantitativen Aussagen zu Schülerzahlen und Schulraumkapazitäten basieren auf der
„Modellrechnung zur Entwicklung der Schülerzahlen“ und den Schulkapazitätserhebungen
aus dem Jahr 2014. Beide Datengrundlagen haben sich seit 2015 fundamental verändert, so
dass der SEP zwar immer noch Entwicklungstendenzen korrekt beschreibt, die äußerst dynamische Entwicklung Berlins aber dazu führt, dass das formalisierte, langwierige Verfahren
bei der Erstellung eines SEPs in Anbetracht der Zuwanderungssituation zumindest temporär
ergänzt werden muss.

SenBJW – I D

-1-

Leitfaden Schulnetz- und –standortplanung

0.2

Monitoring-Verfahren

Vor diesem Hintergrund wurde es erforderlich, die quantitativen Aussagen zur Schulentwicklung (Schülerzahlenentwicklung, Kapazitäten und räumliche Verteilung) durch ein Verfahren
„unterhalb der formalen Schwelle des SEPs“ zu etablieren. Beginnend ab dem Herbst 2014
und erneut im Sommer 2015 fanden daher mit allen bezirklichen Schulämtern, Stadtplanungsämtern sowie der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt (SenStadtUm)
Abstimmungen zur Schulnetzplanung mit dem Ziel statt, im jährlichem Turnus von der Vorhersage abweichende Entwicklungen zu identifizieren um ggf. erforderliche Maßnahmen in
die Wege leiten zu können. Diese Vorgehensweise wird als „Monitoring-Verfahren“ bezeichnet.
Die Grundlage für das Monitoring – Verfahren bildet dieser, den aktuellen Herausforderungen angepasste Leitfaden, der folgenden Anforderungen gerecht werden muss:
-

transparent für alle Planungsbetroffenen und –beteiligten
mit verfügbaren Daten jährlich aktualisierbar
kleinräumige Ergebnisse liefern (Addition von Einschulungsbereichen)
für die bezirklichen Schul- und Stadtplaner handhabbar.

Das hier beschriebene Verfahren wurde - letztmalig im Sommer 2015 – unter Beteiligung
aller Schul- und Stadtplanungsämter, der regionalen Schulaufsicht und der SenStadtUm
flächendeckend für Berlin angewandt und dokumentiert.
In Abstimmung mit den Schulämtern wurde für die gut einhundert sog. Grundschulplanungsregionen die Grundschulbedarfsentwicklung festgestellt und sowohl für den jeweiligen Bezirk insgesamt als auch für die gebildeten Grundschulplanungsregionen Handlungsempfehlungen formuliert. Die abgestimmten Protokolle aus dem Jahr 2015 stehen allen Planungsbeteiligten zur Verfügung.
Die Anmeldungen von Schulbaumaßnahmen zur Haushalts- und Investitionsplanung sowie
SIWA erfolgte auf Grundlage dieser Abstimmungsergebnisse.
Das nächste Monitoring-Verfahren ist für den Frühsommer 2016 vorgesehen.
0.3

Entwicklungsplanungen der sozialen und grünen Infrastruktur in der wachsenden Stadt Berlin - Soziale Infrastrukturkonzepte (SIKo)

Die bezirklichen Ergebnisse des von SenBildJugWiss für allgemeinbildende Schulen erarbeiteten und bereits angewandten „Monitoring-Verfahren“ sollen Bestandteil des von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt initiierten Vorhabens einer vertikal und horizontal abgestimmten Entwicklungsplanung der sozialen und grünen Infrastruktur in der
wachsenden Stadt Berlin sein. In 2016 sollen von allen Berliner Bezirken Soziale Infrastrukturkonzepte (SIKo) erstellt werden. Die in den SIKo enthaltenen Aussagen zu Schulen sollen
auf der einheitlichen Methode des „Monitoring-Verfahrens“ basieren, die im Folgenden beschrieben wird.

SenBJW – I D

-2-

Leitfaden Schulnetz- und –standortplanung

0.4

Organisation versus Planung (Thema Flüchtlinge)

Die Versorgung schulpflichtiger Flüchtlinge ist zurzeit eine große organisatorische Herausforderung. Aus planerischer Sicht sind diese Menschen aber „nur“ ein Teil der erwarteten
positiven Nachfrageentwicklung durch die natürliche und räumliche demographische Entwicklung im Land Berlin.
Das strategische Ziel der gesamtstädtischen, äußeren Schulentwicklungsplanung ist die
Herstellung eines langfristig tragfähigen, demographiefesten Standortnetzes, das sich am
(dauerhaften) Wohnort (in Bezug auf die Grundschulplanung) und der Erreichbarkeit (in Bezug auf die Planung für die weiterführenden Schulen) orientiert und nicht auf temporäre Bedarfe mit dauerhaft angelegten Lösungen reagiert. Die Herausforderung liegt im Moment in
der zeitgerechten Bereitstellung ausreichender Schulplätze, die die in Berlin lebenden
Flüchtlingskinder (als Teil der „Wachsenden Stadt) berücksichtigt.

1

Grundschule

1.1

Prognosemethode „Grundschule“

Zur Einschätzung der Bedarfsentwicklung „Grundschule“ kommt ein Modell zum Einsatz, das
aus zwei Teilen besteht und die natürliche und räumliche demographische Entwicklung
getrennt voneinander bewertet und dann addiert.
1.2

Basisinformationen

Die Berliner Bevölkerungsprognose ist als alleinige Datengrundlage für die Bedarfsplanung Schule begrenzt geeignet. Sie hat einen für die Schulnetzplanung unzureichenden
räumlichen Bezug (kleinste Einheit sind die Prognoseräume; LOR-Systematik ist nicht kompatibel mit den Einschulungsbereichen) liefert aber notwendige Aussagen auf bezirklicher
und gesamtstädtischer Ebene.
Die Modellrechnung zur Schülerzahlenentwicklung der SenBildJugWiss greift für die Prognose zur Entwicklung der Schülerzahlen in der ersten Klassenstufe auf Daten der Bevölkerungsprognose zurück. Alle weiteren Aussagen beziehen sich ausschließlich auf Schüler und
Schülerinnen der allgemeinbildenden öffentlichen Schulen und nicht mehr auf die Schulbevölkerung.
Sie liefert zwar jährliche Aktualisierungen, jedoch stellt sie nur Ergebnisse auf der Ebene der
Bezirke als kleinste regionale Einheit dar und ist somit für die Schulnetzplanung der Grundschulen gleichfalls nur begrenzt geeignet. Sie dient allerdings als „quantitative Plausibilitätsprüfung“ auf der Bezirksebene. Für die Schulnetzplanung der weiterführenden Schulen findet
sie vollumfänglich Verwendung (siehe unten).
Dagegen stellt die Zahl der melderechtlich registrierten Einwohner am Ort der Hauptwohnung eine empirisch solide Datengrundlage dar. Diese Daten werden der SenBildJugWiss
und den Schulämtern für die Jahrgänge der 00 bis unter 12-jährigen mit Stichtag 31.12. auf
der Ebene der Einschulungsbereiche (ESB) jährlich zur Verfügung gestellt.

SenBJW – I D

-3-

Leitfaden Schulnetz- und –standortplanung

Ebenfalls im jährlichen Rhythmus stehen differenzierte Schülerzahlenerhebungen zur Verfügung. Dabei ist der zeitliche Bezug das Schuljahr. Die IST-Statistik (sogenannte Oktoberstatistik) liefert Schülerdaten zum Schuljahresbeginn (auf Schul- bzw. Klassenebene).
Die Datenbank des Wohnbauflächen-Informationssystems (WoFIS) liefert standortgenau
Anzahl und Art bezogene Informationen zu geplanten oder möglichen Fertigstellungsterminen (in Realisierung bzw. kurz-, mittel- und langfristige Potenziale) von Neubauwohnungen.
Mit Hilfe der Planungsannahmen für soziale Infrastruktur als Folgeeinrichtungen bei Wohnungsneubau (durchschnittliche Belegungsdichte in baustruktureller Differenzierung, durchschnittliche Jahrgangsstärken) können zur Ermittlung quantitativer Bedarfe für öffentliche
Schulen altersgruppenbezogene Einwohnerdaten abgeleitet werden.
1.3
-

Festlegungen
Die regionale Bezugsebene für Grundschulen ist die Grundschulplanungsregion
Die Maßeinheit ist „Zug“
Der Prognosezeitraum beträgt 6 Jahre

Zur Vergleichbarkeit der Ergebnisse muss dies von allen Planungsakteuren angewandt werden und die fachliche Grundlage der Konzepte zur sozialen Infrastruktur (Schule) bilden.
1.4
Nachfrageentwicklung
1.4.1 Nachfrageentwicklung aus der Bestandsbevölkerung
Zur Ermittlung der Nachfrageentwicklung aus der Bestandsbevölkerung im definierten Flächenbezug (hier: Grundschulplanungsregion) wird ein Strukturquotenmodell benutzt. Dazu
werden zum Stichtag (i.d.R. der 31.12. des vorhergehenden Jahres) die melderechtlich registrierten Einwohner am Ort der Hauptwohnung im Alter von 06 bis unter 12 Jahren (die
sogenannte „Grundschulbevölkerung“) mit den entsprechenden Schülerinnen und Schülern
an öffentlichen Schulen1 verglichen und daraus die sogenannte Strukturquote gebildet
(Grundschüler geteilt durch Grundschulbevölkerung in Prozent).
In einem zweiten Schritt werden zu demselben Stichtag die melderechtlich registrierten Einwohner am Ort der Hauptwohnung im Alter von 00 bis unter 06 Jahren dargestellt. Multipliziert man diese mit der Strukturquote, erhält man die erwarteten Schülerinnen und Schüler
aus dem Bestand in sechs Jahren nach dem Stichtag. Dies kann auch jahresweise erfolgen.
Das Modell unterstellt damit ein quantitativ und altersstrukturell ausgeglichenes Wanderungssaldo der Bestandsbevölkerung und eine stabile Strukturquote.

1

Schülerinnen und Schüler, die andere Schulen besuchen (Privatschulen, Sonderschulen etc.) sind im Rahmen der Strukturquotenbildung berücksichtigt.

SenBJW – I D

-4-

Leitfaden Schulnetz- und –standortplanung

Beispieltabelle 01:
natürliche demographische Entwicklung
Alter
Geburtsjahr

0
20xx

1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
20xx-1 20xx-2 20xx-3 20xx-4 20xx-5 20xx-6 20xx-7 20xx-8 20xx-9 20xx-10 20xx-11

ESB 01
ESB 02
H..
ESB nn

420
475

410
470

400
465

390
460

380
455

370
450

360
445

350
440

340
435

330
430

320
425

310
430

180

175

170

165

160

155

150

145

140

135

130

125

Summe

1.075

1.055

1.035

1.015

995

975

955

935

915

895

875

865

Grundschulbevölkerung
20xx
20xx+1
20xx+2
20xx+3
20xx+4
20xx+5
20xx+6

1.075

Einwohner

1.055
1.055

1.035
1.035
1.035

1.015
1.015
1.015
1.015

995
995
995
995
995

975
975
975
975
975
975

955
955
955
955
955
955

935
935
935
935
935

915
915
915
915

895
895
895

875
875

865

5.440
5.550
5.670
5.790
5.910
6.030
6.150

Schüler

Quote

4.900 90,07%
4.999,1
5.107,2
5.215,3
5.323,3
5.431,4
5.539,5

Melderechtlich registrierte Einw ohner am Ort der Hauptw ohnung zum 31.12.20xx
IST-Schülerzahlen

ESB = Einschulungsbereich

1.4.2 Nachfrageentwicklung aus dem Wohnungsbau
Neben den Nachfrageschwankungen durch altersstrukturelle Veränderungen (natürliche demographische Entwicklung) führen Wohnungsbauvorhaben zu Einwohnerzuwächsen und
entsprechenden regionalen Nachfragesteigerungen.2
Zur Ermittlung dieser Wohnungsbaupotenziale werden die Daten der WoFIS-Datenbank
(SenStadtUm) als Informationsgrundlage verwendet. In dem nachfolgend dargestellten Beispiel werden in den nächsten 11 Jahren 1.166 Wohnungen in Mehrfamilienhäusern gebaut
werden. Multipliziert mit einer durchschnittlichen Belegungsdichte von 2,0 EW/WE, einer
Jahrgangsstärke von 1% und einer Strukturquote von 90% errechnet sich ein Mehrbedarf
von 126 Grundschulplätzen (entspricht knapp einem Zug).

2

Die Informationen aus dem WoFIS werden in dem hier vorgestellten Modell anders benutzt, als in der Bevölkerungsprognose
der SenStadtUm. In der Bevölkerungsprognose Berlin 2015-2030 wird der absehbare Wohnungsneubau auf größeren Wohnbauflächenpotenzialen gemäß dem WoFIS (Neubauprojekte ab 200 WE, die in einem Prognosejahr realisiert werden) quantitativ berücksichtigt. Wohnungsneubauvorhaben unter 200 WE und in kleineren Projekten (z.B. Baulückenschließungen, Dachgeschossausbau, Nachverdichtungen) werden hingegen in der Bevölkerungsprognose nur über Umzugsquoten zwischen den
Prognoseräumen abgebildet. Auch Wohnungsneubau größeren Umfangs hat wanderungsauslösende Konsequenzen. Der
Wohnungsneubau ist also keine auf die Gesamtstadt bezogene Entwicklungsgröße, sondern stellt einen Verteilungsparameter
der prognostizierten Bevölkerung innerhalb eines Bezirks bzw. eines Prognoseraums dar.

SenBJW – I D

-5-

Leitfaden Schulnetz- und –standortplanung

Beispieltabelle 02:
räumliche demographische Entwicklung
WE-Erstbezug

20xx+1 20xx+2 20xx+3 20xx+4 20xx+5 20xx+6 20xx+7 20xx+8 20xx+9 20xx+10 20xx+11

erwartete Wohnungen (WoFIS-Daten)
50
ESB 01
10
ESB 02
H..
40
ESB nn
Summe
10
90

20

33

50

12

50

35
47

20
40

20

150
33

150

12
12

250
12

90
123

100
283

150

67
91

262

20

Summe kum.

10

100

150

197

237

257

380

663

813

904

1.166

Ew. kumuliert

20

200

300

394

474

514

760

1.326

1.626

1.808

2.332

Jg.stärke kum.

0,2

2,0

3,0

3,9

4,7

5,1

7,6

13,3

16,3

18,1

23,3

Schül/Jg. kum.

0,18

1,80

2,70

3,55

4,27

4,63

6,84

11,93

14,63

16,27

20,99

1,1

10,8

16,2

21,3

25,6

27,8

41,0

71,6

87,8

97,6

125,9

Schüler kum.

Per Saldo ist in diesem Beispiel für die betrachtete Grundschulplanungsregion davon auszugehen, dass in 6 Jahren (20xx+6) mit einem Nachfragezuwachs von insgesamt ca. 668
Grundschülern (28 Grundschüler aus Wohnungsneubau (Tab 02) + 640 Grundschüler aus
der natürlichen demografischen Entwicklung (Tab 01)) und einem Gesamtbedarf von 5.568
Grundschülern (4.900 + 640 + 28) bzw. knapp 39 Zügen zu rechnen ist.
Beispieltabelle 03:

Schüler
kumuliert
20xx+1
20xx+2
20xx+3
20xx+4
20xx+5
20xx+6

1.5

5000,2
5118,0
5231,5
5344,6
5457,0
5567,3

erwartete
Klassen Züge
insgesamt
208,3
213,2
218,0
222,7
227,4
232,0

34,7
35,5
36,3
37,1
37,9
38,7

Angebotsentwicklung / Kapazität der Grundschulen

Zur Ermittlung der Grundschulkapazitäten werden alle öffentlichen Grundschulen kapazitär
erfasst, die in der definierten Region liegen und für die regionale Versorgung in Betracht
kommen (Schulen, die Plätze im Primarbereich anbieten und keine Einschulungsbereiche
haben wie Europaschulen, grundständige Gymnasien und Gemeinschaftsschulen, sind entsprechend zu bewerten).

SenBJW – I D

-6-

Leitfaden Schulnetz- und –standortplanung

Beispieltabelle 04:

Schulnr.

Kapazität in
Schülern Zügen

99G01
99G02
99G03
99G04
99G05
R.
R.
99G99

490
580
490
450
630
900
1.000
500

3,4
4,0
3,4
3,1
4,4
6,3
6,9
3,5

Summe

5.040

35,0

1.6

Überschuss-Defizit-Berechnung

Die Zusammenfassung der Nachfrageentwicklung und der ermittelten vorhandenen Schulplätze (Angebot) ergibt folgendes Bild:
Zum Schuljahr 20xx besteht in der Region eine Nachfrage von 34,0 Zügen. Dem steht ein
Angebot von 35,0 Zügen gegenüber. Es besteht ein Überangebot von etwa 140 Grundschulplätzen oder einem Zug. Dieser Überschuss wird sich durch die altersstrukturelle Entwicklung der bereits dort lebenden und der zuziehenden Einwohner in der Region innerhalb von
sechs Jahren in ein Defizit in Höhe von 3,7 Grundschulzügen wandeln.
1.7

Handlungsbedarf

Der Schulträger hat dafür Sorge zu tragen, dass das erwartete Defizit durch geeignete Maßnahmen abgebaut wird. Diese Arbeit soll – zumindest für das Jahr 2016 – mit Unterstützung
des zu beauftragenden SIKo-Gutachtens - geleistet werden, in dem neben der beschriebenen Analyse und Bedarfsprognose bestehende Schulgrundstücke in Hinblick auf ihre Erweiterbarkeit geprüft und ggf. Neubaustandorte identifiziert werden.
1.8

Mögliche Maßnahmen

Folgende Handlungsmöglichkeiten stehen zur Verfügung:
-

-

durch organisatorische Maßnahmen (z.B.: Neuschneidung von Einschulungsbereichen) können ggf. Defizite in einer Region durch Überschüsse in einer anderen aufgehoben werden
in einigen Schulen werden Räume fremdgenutzt. Bei einem drohenden Defizit sollen
diese Räume wieder für die Schulversorgung nutzbar gemacht werden
sind die o.g. Möglichkeiten ausgeschöpft, ist zu untersuchen, ob an bestehenden Standorten eine Kapazitätserhöhung möglich ist. Dies kann beispielweise durch die Errichtung von modularen Ergänzungsbauten geschehen, die in relativ kurzer Zeit errichtet
werden können. Zu beachten ist dabei, dass mit der Kapazitätserhöhung durch die
Schaffung weiterer Klassenräume das notwendige Angebot an Sportflächen, Freiflächen
und Funktionsräumen (Mensa, Lehrerzimmer etc.) angepasst werden muss

SenBJW – I D

-7-

Leitfaden Schulnetz- und –standortplanung

-

falls auch diese Möglichkeiten ausgeschöpft sind, ist die Flächensicherung und der
Neubau von Grundschulen notwendig

2

Allgemeinbildende, weiterführende Schulen

2.1

Planungsmethodik

Anders als bei den Grundschulen sind die weiterführenden Schulen keinen Einschulungsbereichen zugeordnet. Die Schulwahl orientiert sich am jeweiligen Profil. Theoretisch kann jeder Schüler jede Bildungseinrichtung in Berlin besuchen. Auf der bezirklichen Ebene lässt
sich jedoch eine deutliche Korrelation zwischen Wohnbezirk und Schulbezirk belegen. Die
räumliche Wirksamkeit von weiterführenden Schulen bezieht sich daher neben der Erreichbarkeit (mit dem SPNV) auch auf die Wohnortnähe.3
Durch diese Wanderungsbewegungen, deren auslösende Motivationen (Schulprofil, Erreichbarkeit oder kapazitäre Gründe) nicht empirisch erfasst sind, werden in den meisten Bezirken mehr bzw. weniger Schüler vorsorgt, als dort auf Grund der Schulbevölkerung zu erwarten wäre. Die daraus ermittelte „Versorgungsquote“ ist Bestandteil der Eingangsparameter
für die Modellrechnung zur Schülerzahlenentwicklung. Sie beschreibt damit einen bezirklichen Bedarf, der einträte, wenn in Zukunft der Anteil der Schüler, die ihren Wohnsitz in anderen Bezirken haben oder in anderen Bezirken beschult werden, gleich bleibt. Bei steigenden Schülerzahlen nähme die Anzahl der Wanderungen entsprechend zu. Ob die Versorgungsquoten gleich bleiben, entzieht sich zurzeit soliden prognostischen Annahmen insbesondere auch deswegen, da die Kapazitäten aufnehmender Bezirke durch die eigene Bevölkerungsentwicklung geringer werden.
Die Bevölkerungsprognose des Landes Berlin sagt dagegen die zukünftige Schulbevölkerung am Wohnort voraus. Eine auf dieser Basis entwickelte Bedarfsprognose beschreibt somit eine Nachfrage, die entstünde, wenn alle Schüler in ihrem Wohnbezirk beschult würden.
Die „Eintrittswahrscheinlichkeit“ dieses Szenarios ist allerdings ebenfalls gering.
Vor diesem Hintergrund wurde es notwendig ein der aktuellen Datenlage angepasstes Prognosemodell zu entwickeln, das einen Korridor möglicher Entwicklungen beschreibt.
2.2
-

Basisinformationen
Bevölkerungsprognose des Landes Berlin
Schüler nach Hauptwohnsitz
Modellrechnung zur Schülerzahlenentwicklung
Kapazitäten der Schulen

Erläuterungen dazu siehe jeweils unter Kap. 1.2

3

Die Darstellung interbezirklicher Verflechtungen lässt sich an einer von SenBJW veröffentlichten interaktiven Graphik veranschaulichen und liefert zugleich erste Hinweise zur Schulnetzplanung/Standortsuche über die Darstellung
„tradierter, überbezirklicher Schülerwanderungen“.
http://www.bildungsstatistik.berlin.de/visualisierung/circle/index.html

SenBJW – I D

-8-

Leitfaden Schulnetz- und –standortplanung

2.3
-

Festlegungen
Die regionale Bezugsebene für weiterführende Schulen ist der Bezirk
Die Maßeinheit ist „Zug“
Der Prognosezeitraum beträgt 10 Jahre

2.4

Nachfrageentwicklung

Die Modellrechnung zur Schülerzahlenentwicklung bildet die erste Variante der Prognose
zur Ermittlung der notwendigen Kapazität.
Die zweite Variante ist eine zu erstellende Bedarfsprognose auf Basis der Bevölkerungsprognose. Dazu werden die Ergebnisse der Bevölkerungsprognose der relevanten
Altersgruppe der 12 bis unter 16-jährigen Einwohner mit der richtwertbezogenen Strukturquote von 90% multipliziert. Das Ergebnis ist mit der Anteilsquote (ISS / Gymnasium) auf die
beiden Schularten aufzuteilen. Es wird von der Annahme ausgegangen, dass die Anteile der
beiden Schularten für die Netz- und Standortplanung mit einem Verhältnis Integrierte Sekundarschule = 60% und Gymnasium = 40% beträgt.
Hier ist jedoch zu beachten, dass bezirksspezifische Situationen bei der Festlegung der (bezirklichen) Strukturquoten mit zu beachten sind. Dabei ist sicherzustellen, dass per gesamtstädtischen Saldo die Schülerzahlen innerhalb des vorgegebenen Korridors (Var 1 und 2)
bleiben.
2.5

Angebotsentwicklung / Kapazität der weiterführenden Schulen

Zur Ermittlung der Schulkapazitäten werden alle öffentlichen Integrierten Sekundarschulen
und Gymnasien kapazitär erfasst, die im jeweiligen Bezirk vorhanden sind.
Alle planerisch und finanziell gesicherten kapazitätsrelevanten Schulbaumaßnahmen (ggf.
auch Abriss) innerhalb des Prognosezeitraums werden ergänzt.
Beispieltabelle 05
Bezirk

Bezirk
Bezirk
Bezirk
H..
Bezirk

Kapazität
in Zügen

Defizit/Überschuss gem.
Modellrechnung SenBild

Defizit/Überschuss gem.
Bedarfsprognose

A
B
C

25,0
30,0
42,0

-3,4
5,0
7,2

-17,0
2,2
-2,4

Z

32,0

-13,0

13,0

-4,2

-4,2

Berlin

Aus obiger Tabelle wird deutlich, dass Bezirk A in erheblichem Umfang Schülerinnen und
Schüler, die dort wohnen, in andere Bezirke zur Beschulung abgibt, da die Modellrechnung
zur Schülerzahlenentwicklung, die aktuelle Wanderungsströme auch für die Zukunft unterstellt, von einem Fehl von -3,4 Zügen ausgeht, während die Bedarfsprognose auf der Grundlage der Bevölkerungsprognose, die die Bedarfe im Wohnbezirk prognostiziert, von -17,0
Zügen ausgeht.

SenBJW – I D

-9-

Leitfaden Schulnetz- und –standortplanung

Bezirk B gibt ebenfalls Schüler ab. Dies führt allerdings zu einem Platzüberschuss. Selbst
wenn er alle „eigenen“ Schüler versorgen würde.
Auch Bezirk C verliert Schüler. Dies führt jedoch zu Überkapazitäten, die sich in ein Defizit
umkehren, wenn alle Schüler, die im Bezirk wohnen, auch dort beschult würden.
Bezirk Z ist dagegen ein stark aufnehmender Bezirk. Würde er nur die im Bezirk wohnenden
Schüler beschulen, hätte er einen Überschuss von 13 Zügen.
Der Gesamt-Saldo für Berlin beträgt -4,2 Züge. Er muss in beiden Berechnungsmethoden
gleich sein.
2.6

Handlungsbedarf

In diesem Bespiel könnte der Handlungsbedarf die notwendige Bereitstellung von insgesamt
4,2 Zügen umfassen. Diese zusätzliche Kapazität sollte in Bezirk A bereitgestellt werden,
sofern Flächen zur Verfügung stehen; ansonsten ist die fachlich zweitbeste Lösung zu realisieren. Der Defizitabbau in den Bezirken B, C und Z ist organisatorisch zu bewältigen. Das
Beispiel macht auch deutlich, dass die nachhaltige Weiterentwicklung des Schulstandortsystems der weiterführenden Schulen eine interbezirkliche / gesamtstädtische Aufgabe ist, die
einer entsprechenden gesamtstädtischen Abstimmung durch die SenBJW bedarf.
Die Schulträger haben somit dafür Sorge zu tragen, dass das erwartete Defizit durch geeignete Maßnahmen abgebaut wird. (siehe Punkt 1.7)
2.7

mögliche Maßnahmen

Die Palette möglicher Maßnahmen zur Defizitreduzierung sind die gleichen, die in Punkt 1.8
beschreiben werden.

3.

Ausblick/ weiteres Verfahren

Die weiterhin dynamische Entwicklung der Einwohner in Berlin, die sich teilweise soliden
Prognoseannahmen entzieht, macht es notwendig, das beschriebene Monitoring – Verfahren
bis auf Weiteres in einem jährlichen Rhythmus fortzusetzen und zu erweitern. Während 2014
und 2015 das Verfahren auf die Grundschulen beschränkt war, werden in 2016 die weiterführenden Schulen in das Monitoring mit einbezogen. Dabei sollen die Eingangsdaten (Einwohner, Schüler, Wohnungsneubau) zu einem jährlichen Stichtag aktualisiert werden.
Bei Vorliegen neuer Erkenntnisse oder besserer Methoden kann/soll auch das Modell selbst
weiterentwickelt werden.

SenBJW – I D

- 10 -
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.