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Full text: Umweltorganisationen ziehen an einem Strang

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Umweltorganisationen ziehen an
einem Strang
(Grüne Oasen als Schutzwälle gegen das
Artensterben)

Schriftenreihe des Bundesverbandes
Deutscher Gartenfreunde e.V., Berlin
( BDG )

Heft / 2010
32. Jahrgang

Tagung:

Umwelt
vom 24. bis 26. September 2010 in Dresden

Herausgeber:

Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e.V.
Platanenallee 37, 14050 Berlin
Telefon 030/ 30 207 140/141
Telefax 030/ 30 207 139

Präsident:

Dr. sc. agr. Achim Friedrich

Seminarleiter:

Dr. Norbert Franke
Präsidiumsmitglied des Bundesverbandes
Deutscher Gartenfreunde e.V.

Redaktion:

Dr. Norbert Franke
Präsidiumsmitglied des Bundesverbandes
Deutscher Gartenfreunde e.V.

Zusammenstellung:

Ute Gabler

Nachdruck und Vervielfältigungen (fotomechanischer und anderer Art) - auch
auszugsweise - dürfen nur mit Genehmigung des Bundesverbandes Deutscher
Gartenfreunde erfolgen.

ISSN 0936-6083

Die Grüne Schriftenreihe ist ein verbandsinternes Arbeitsmaterial und darf nicht zu
Zwecken der Veröffentlichung – auch Teile aus ihr – vervielfältigt werden.

INHALTSVERZEICHNIS

SEITE

Vorwort
Dr. Norbert F r a n k e
Präsidiumsmitglied des Bundesverbandes
Deutscher Gartenfreunde e.V.

5

Schutz der begrenzt vorhandenen Naturressourcen ist oberstes
Gebot für alle – so auch für die Kleingärtner

7

Dr. Michael G ö d d e
Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Referatsleitung
Landschaftsplanung und Naturschutz, Berlin

Schutz von Flora und Fauna – ein Auftrag an alle

17

Dr. Heidrun H e i d e c k e
BUND, Berlin

Beitrag der Gärten zur biologischen Vielfalt durch den
Erhalt von Arten

25

Dr. habil. Rolf S t e f f e n s
Leiter des Landesfachausschusses Ornithologie
und Vogelschutz des NABU

Biologische Vielfalt bei Kulturpflanzen ist im Kleingarten
Realität

59

Jürgen S h e l d o n
Präsidiumsmitglied Fachberatung des BDG

Ökoprojekte sind auf jeder Parzelle möglich – kleine Projekte
mit großer Wirkung

65

Werner B o l d e r
Oer-Erkenschwick

Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e.V. – Grüne Schriftenreihe 211

Hör mal wer dort singt – fliegende Edelsteine im Kleingarten

91

Peter S c h ä d l i c h
Leiter der vogelkundlichen Lehrstätte des SV Leipzig

Biologische Vielfalt – Schönheit kann auch gefährlich sein

103

Hartmut C l e m e n
Landesfachberater des Landesverbandes der Gartenfreunde Bremen e.V.

Arbeitsgruppe 1

Kleingärten und der Schutz der Naturressourcen
Boden, Wasser und Luft

116

Leiter der Arbeitsgruppe: Helmut V e t t e r
Landesverband Braunschweig der Gartenfreunde e.V.
Arbeitsgruppe 2

Aufgaben des Kleingartenwesens im Rahmen
der Agenda 21

118

Leiter der Arbeitsgruppe: Sven W a c h t m a n n
Landesverband Berlin der Gartenfreunde e.V.

Arbeitsgruppe 3

Vertreter der Fauna wieder vielfältig in den
Kleingärten heimisch machen

120

Leiterin der Arbeitsgruppe: Claudia H e g e r
Landesverband Braunschweig der Gartenfreunde e.V.

Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e.V. – Grüne Schriftenreihe 211

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Vorwort
Das BDG-Seminar „Umwelt“ fand vom 24.09. bis 26.09.2010 in Dresden unter der Überschrift
„Umweltorganisationen ziehen an einem Strang (Grüne Oasen als Schutzwälle gegen das Artensterben)“ statt.
Nach der Begrüßung der Teilnehmer durch den Seminarleiter Dr. Norbert Franke machte dieser
am Anfang der Veranstaltung noch einmal ausdrücklich darauf aufmerksam, dass es oberstes Gebot aller Menschen – und somit auch der Kleingärtner – ist, die begrenzt vorhandenen Naturressourcen zu schützen. Dabei führte er aus, dass es bald „fünf Minuten nach Zwölf“ sein könnte,
wenn nicht mit allen Mitteln die Bodenschätze, aber auch die Luft, der Boden, das Wasser sowie
die Flora und die Fauna pfleglich behandelt werden würden.
Durch das Vorstandsmitglied des Landesverbandes Sachsen, Konrad Haß, wurde der Verband in
seiner Struktur und seinen Leistungen umfassend den Seminarteilnehmern nahe gebracht. Dabei
informierte er insbesondere über das umfangreiche Schulungsprogramm des Landesverbandes
sowie über die vielfältigen Publikationen für alle Ebenen des sächsischen Kleingartenwesens.
Die Seminarproblematik wurde am Freitag mit drei Auftaktsreferaten auf den Punkt gebracht. Das
geschah einmal aus der Sicht der Landesregierung Berlin durch Dr. Michael Gödde und zum anderem aus der Sicht von Umwelt-Organisationen durch Dr. Heidrun Heidecke vom Bund für Umwelt
und Naturschutz Deutschland (BUND) sowie durch Dr. Rolf Steffens vom Naturschutzbund
Deutschland e. V. (NABU).
Alle drei Referenten stellten ihre Inhalte differenziert dar, so dass den Teilnehmern die Gesamtproblematik der Notwendigkeit des Schutzes der Naturressourcen überzeugend vor Augen geführt
wurde. Von allen wurde insbesondere hervorgehoben, dass die von Dr. Norbert Franke vorgetragene Ausgangsthese auch Ziel ihrer Verantwortungsbereiche ist, und dass sie deshalb eine Zusammenarbeit mit den Kleingärtner für gut und notwendig halten.
Über die Notwendigkeit des Erhaltes einer vielfältigen Flora und Fauna wurden Beiträge von vier
Referenten gehalten. Dabei wurden die Ergebnisse der Arbeit des Bundesverbandes Deutscher
Gartenfreunde e. V. (BDG) in Sachen Artenvielfalt durch den Bundesfachberater Jürgen Sheldon als
Ergebnis einer in ganz Deutschland durchgeführten Erfassung der in den Kleingärten existierenden
Pflanzen dargestellt.
Fragen des Schutzes von gefährdeten Arten der Fauna wurden durch Peter Schädlich am Beispiel
der Vogelwelt exemplarisch – mit einer Demonstration mit Vogelstimmen für die Seminarteilnehmer – den Zuhörern nahe gebracht.
Den richtigen Umgang mit ausgewählten Vertretern der Flora demonstrierte Hartmut Clemen am
Beispiel der oft schon vorhandenen Giftpflanzen im Kleingarten.
Ausgehend von einem Beitrag von Werner Bolder, der die These aufstellte, dass Ökoprojekte auf
jeder Parzelle möglich sind (wie er in seiner Präsentation überzeugend nachwies), wurden in drei
Workshops interessante Diskussionen geführt und vielfältige Beispiele zum Schutz der Naturressourcen in den einzelnen Verbänden oder Vereinen durch die Teilnehmer des Seminars dargestellt.
Die Workshops wurden unter Leitung von
•

Helmut Vetter zum Thema „Kleingärten und der Schutz der Naturressourcen Boden, Wasser,
Luft“

•

Sven Wachtmann zum Thema „Aufgaben des Kleingartenwesens im Rahmen der Agenda 21“
Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e.V. – Grüne Schriftenreihe 211

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•

Claudia Heger zum Thema „Vertreter der Fauna wieder vielfältig in den Kleingärten heimisch
machen“.

durchgeführt.

Dr. Norbert Franke
Präsidiumsmitglied für Seminare des Bundesverbandes Deutscher Gartenfreunde e.V.

Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e.V. – Grüne Schriftenreihe 211

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Schutz der begrenzt vorhandenen Naturressourcen ist
oberstes Gebot für alle – so auch für die Kleingärtner

Dr. Michael Gödde
Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Referatsleitung
Landschaftsplanung und Naturschutz, Berlin

Schutz der Naturressourcen als Gebot der Stunde
für uns alle – so auch für die Kleingärtner

Dr. Michael Gödde

Schutz der Naturressourcen als Gebot der Stunde

• Vorwort und Hintergrund
• Warum brauchen wir Natur?
• ökologisch, ökonomisch, moralisch
• Bedeutung der Biologischen Vielfalt
• Arten, Lebensräume, Genpool
• Naturressourcen unter dem Aspekt Klimawandel
• Historie und Bilanz der bisherigen Bemühungen
• Beispiele aus Berlin
• Der Kontext Stadtlandschaft und Kleingärten
• Ausblick

Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e.V. – Grüne Schriftenreihe 211

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Schutz der Naturressourcen als Gebot der Stunde
Wir leben über unsere Verhältnisse (Living beyond our Means: Millennium Ecosystem Assessment)

Schutz der Naturressourcen als Gebot der Stunde
… der Trend ist ungebremst, die Effekte werden stärker!

Waldbrände in Mexiko (Quelle: NASA)

Schutz der Naturressourcen als Gebot der Stunde
Warum brauchen wir Natur?
ƒ Natur- und Kulturlandschaften
ƒ Naturerfahrung, Prozesse erleben
ƒ Ausstattung an Biotopen, Arten und Rassen
- Erhalt der Biologischen Vielfalt
ƒ Landschaftsbild
ƒ Erholungsfunktion
ƒ Multifunktionalität: Nahrung, Energie, Werkstoffe
ƒ Ökologischer Ausgleichsraum: Klima, Boden, Wasser, Luft
ƒ Ökosystemdienstleistungen (bestäuben, Staub filtern,
jede 5. Pflanze ist als Heilpflanze nutzbar, Bionik...)
ƒ Experimentierfeld (Neophyten, Neozoen, Klimawandel...)
ƒ die Natur ist unser Maßstab

Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e.V. – Grüne Schriftenreihe 211

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In der Neuzeit weltweit ausgestorbene Tierarten sowie
Angaben zu Pflanzenarten und
Gefährdung der Biotope in Deutschland

Säugetiere und Vogelarten
16./17. Jahrhundert
Rothuhn - Waldrapp - Dronte/Dodo - Gänsegeier - Ur/Auerochse

18. Jahrhundert
Stellersche Seekuh - Mornellregenpfeifer - Waldmoa

19. Jahrhundert
Schlangenadler - Steinrötel - Riesenalk

20. Jahrhundert
Beutelwolf Doppelschnepfe Zwergschnepfe Rosenseeschwalbe
Riesenseeschwalbe Tordalk Habichtskauz Steinsperling Europäischer Nerz

Pflanzenarten

gesamt

gefährdet

Australien
Europa (ohne GUS )
Neuseeland
Südafrika
GUS-Staaten
USA (ohne Hawai)

25.000
11.300
2.000
23.000
21.100
20.000

1.716
1.927
186
2.122
653
2.050

ausgestorben
117
20
4
39
20
90

Schutz der Naturressourcen als Gebot der Stunde
Geschichte des Flächen-Naturschutzes
Nationalparks weltweit
1872 erster Nationalpark der Welt in den USA: Yellowstone National Park
1903 erster Nationalpark in Argentinien
1909 erster Nationalpark in Europa in Schweden
1912 erster schweizer Nationalpark im Unt erengadin
1914 erster Nationalpark in den französischen Alpen
1934 Nationalpark in Japan und
in mehreren afrikanischen Staat en

Schutzgebiete in Deutschland (jeweils die ersten Gebiete)
1836 Drachenfels im Siebengebirge bei Bonn
1907/1938 erstes Naturschutzgebiet in Brandenburg: Plagef enn bei Chorin

1964 erster Nationalpark in Malaysia
1921 Ausweisung der Lüneburger Heide als Naturschutzgebiet
1970 in Deutschland
1970 Gründung des Nationalpark Bayerischer Wald
1979 Biosphärenres ervat Vessertal-Thüringerwald und Mittlere Elbe
1990 Nationalparkprogramm der DDR (zB.Müritz, Schorfheide-Chorin)

Schutz der Naturressourcen als Gebot der Stunde
Die Biologische Vielfalt - Stopp the Loss of Biodiversity: Bilanz

- Trotz bisheriger Schutzbemühungen hält der Rückgang
biologischer Vielfalt unvermindert an – auf allen
Maßstabsebenen sowie terrestrisch als auch marin !
Ö 2010-Ziel ist nicht erreicht worden!

+ hoffnungsvolle Ansätze in jüngerer Vergangenheit,
insbesondere in Form eines wachsenden Bewusstseins
bei Kommunen und Städten (Initiativen, Strategien etc.)
2010 IPBES (UNEP) „Weltrat für Biologische Vielfalt“

- das 2020 Ziel

Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e.V. – Grüne Schriftenreihe 211

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Schutz der Naturressourcen als Gebot der Stunde
Die Biologische Vielfalt: Lebensräume

In Deutschland wurden über 750 Pflanzengesellschaften
beschrieben, deren Charakterarten hier ihren Schwerpunkt haben.
Die EU hat 281 FFH-Lebensraumtypen unter Schutz gestellt (HabitatDirective), in Deutschland sind es 91 LRT.
Zu den pauschal geschützte Lebensräumen in Deutschland zählen
knapp 60 Biotope von natürlichen oder naturnahen Bereichen
fließender und stehender Binnengewässer bis zu Meeres- und
Küstenbereiche (landesgesetzliche Biotope kommen noch hinzu).
Die marinen Lebensräume umfassen Korallenriffe, MangrovenWälder, Riff-Küsten, Wattenmeere, arktische Ozeane, offenes
Meer, Tiefsee (Census of marine life: 90 % der Welt-Biomasse auf
70 % der Fläche)

Schutz der Naturressourcen als Gebot der Stunde
Die Biologische Vielfalt: Arten
Insekten
Pilze
Spinnen
Algen
Fadenwürmer
Farn- und
Blütenpflanzen
Weichtiere
Krustentiere
Wirbeltiere

95 T bis 8 Mio.
85 T bis 1,5 Mio.
68 T bis 800.000
70 T bis 628.000
22 T bis 428.000
256 T bis 371.000
85 T bis 256.000
28 T bis 171.000
57 T bis 58.000

Millennium Ecosystem Assessment Report (2005)
global 12,2 Mio. Arten
andere Quellen bis 20 oder über 100 Mio. Species

Quelle: Museum für Naturkunde Berlin

Schutz der Naturressourcen als Gebot der Stunde
Die Biologische Vielfalt: Genpool

Rebsorten weltweit 8.000 bis 10.000
Kartoffeln umfassen rund 5.000 davon 500 wilde Sorten
bei Tomaten sind 2.500 und etwa 2.500 nie registrierte Sorten bekannt
im Raum Frankfurt/M sind 150 Apfelsorten (von rund 180 deutschlandweit) belegt
Herbst- und Winter-Birnen kommen in 170 bis 200 Sorten in Deutschland vor
Nutztierrassen weltweit etwa 6.500 (plus 740 ausgestorbene Rassen)
bei wild vorkommenden Tier- und Pflanzenarten ist die Grenze von
Sorten, Rassen und Unterarten hin zu echten Arten fließend, z.B.
sind allein bei Brombeeren rund 150 Subspecies bekannt, die auch als
„gute“ Arten durchgehen, bei der Weide und anderen Arten ist das ähnlich...

Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e.V. – Grüne Schriftenreihe 211

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Schutz der Naturressourcen als Gebot der Stunde
Landwirtschaft - urbanes Gärtnern - Kleingärten
Landwirtschaft
Kleingärten – Dauerkleingärten
Eisenbahner-Landwirtschaft
Gemeinschaftsgärten
interkulturelle Gärten
Familiengärten
Ökogärten
Schulgärten
Bienenweide
therapeutische Gärten
produktives Nachbarschaftsgrün
viele andere Formen von produktivem Grün

Schutz der Naturressourcen als Gebot der Stunde
Die Biologische Vielfalt im Klimawandel

ƒ Verschiebung der terrestrischen Lebensräume durch den
Anstieg der Jahresmitteltemperatur
ƒ Verbreitungsgebiete von Tier- und Pflanzenarten wandern
polwärts, sofern dies nicht durch Gebirgszüge etc. verhindern
wird und sofern ausreichende Wanderkorridore vorhanden
sind
ƒ Zusammenspiel der Arten in den Ökosystemen wird
verändert und aus dem Gleichgewicht gebracht
ƒ Lebensräume, die weniger robust sind, werden geschädigt
ƒ durch den Meeresspiegelanstieg werden Atolle, Mangroven
und Wattenküsten verändert resp. vernichtet
...in Deutschland sind 5 - 30% der Arten
hiervon betroffen (Bundesregierung 2008)

Schutz der Naturressourcen als Gebot der Stunde

Aufgaben von Naturschutz und Landschaftsplanung
• Naturschutz für den Menschen
• Arten- und Biotopschutz gem. Bundes- und Landesgesetz (BNatSchG, NatSchGBln)
• Handelsartenschutz gemäß internationaler Konventionen (CITES)
• Erhalt der Biologischen Vielfalt (CBD Rio de Janeiro, Johannesburg, Bonn)
• Umsetzung von FFH- und Vogelschutzrichtlinie der EU KOM: Natura 2000
• Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP, SUP)
• Ersatz- und Ausgleichsmaßnahmen (Planfeststellungsverfahren)
• Konzeptionen zu Arten, Lebensraumtypen, WRRL, mit Klimawandel
• Erholung in Natur und Landschaft und Naturerfahrung

Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e.V. – Grüne Schriftenreihe 211

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Schutz der Naturressourcen als Gebot der Stunde

Leitbilder des Naturschutzes
Erhalt und Pflege
• des Landschaftsbildes
• der Kulturlandschaft: Offenland im Wechsel mit Wald
- der Biologische Vielfalt (Biotope, Arten, Genpool)
Förderung der Dynamik
- Wildnis/Sukzession
- Naturverjüngung im Wald, Landschaftswasserhaushalt, Vernässung
- Moorrenaturierung, CO2-Senken-schaffen

Schutz der Naturressourcen als Gebot der Stunde

Biologische Vielfalt - Biodiversität
- Biodiversität gem. Convention on Biodiversity (CBD) umfasst Arten,
Biotope und Genpool
- mit dem Verlust von Lebensräumen geht biologische Vielfalt verloren
- Lebensräume gehen qualitativ und quantitativ verloren
durch Zerschneidung, Landschafts- und Nutzungsartenänderung sowie
Intensivierung und Klimawandel (Wasserdargebot)
- Gefährdungs-Empfindlichkeiten sind spezifisch nach Lebensraum, Art,
Rasse (Ubiquisten, monophage Arten etc.)
- der positiven Entwicklung einzelner Arten steht global die ungebremste
Vernichtung der biologischen Vielfalt entgegen
- Natura 2000 ist d a s EU-Instrument zum Erhalt der Biologische Vielfalt
- count down 2010 bzw. 2020 ist ein klarer politischer Auftrag

Schutz der Naturressourcen als Gebot der Stunde
Bedürfnisse, zu denen Natur in der Stadt beiträgt
Gesundheit (in allen Alters- und Bevölkerungsgruppen)
gut Leben - Naturzugang als Teil des erfüllten Lebens
inspirierendes Umfeld – Stadt- Freiraumgestaltung
Austausch mit Anderen auch als interkultureller Begegnungsraum
Bewahren von Traditionen
Erholungslandschaft (Radfahren, Flanieren, Joggen u.a. Freilandsportarten)
Umweltgerechtigkeit und Verantwortung übernehmen auch global
ethische Nachhaltigkeit
Biologische Vielfalt erhalten
Erlebbarkeit von Natur und Landschaft
Umweltpädagogik

Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e.V. – Grüne Schriftenreihe 211

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Schutz der Naturressourcen als Gebot der Stunde
Chancen der Kleingärten und der urbanen Landwirtschaft

Naturerfahrung allgemein und speziell
Frischluftentstehungsgebiete
urbane Landwirtschaftsflächen als klimatischer Ausgleichsraum
und Orte der Grundwasserbildung
Erleben von Tieren in der Stadt (Schafe, Kühe, Kleintiere, Insekten)
Allianzen schaffen zwischen Etablierten und Pionieren
interkulturell, produktiv, Freude am Schaffen, Erfolge sehen, Gesundheit, Biologische
Vielfalt, Senioren einbinden als know how-Träger, Quartiere aufwerten,
Ökosystemdienstleistungen
Erhalt von typischen Freiraum-Biotopen, Ästhetik und Landschaftsbild
Regionalprodukte, Direktvermarktung: Nahrungsproduktion ohne lange Wege,
Wertschöpfung und „Bodenhaftung“ (selber machen)
Betätigung von jungen Erwachsenen und Kindern (auch zur Integration)
Entschleunigung: Wässern und Warten bis es wächst
Landschaftselemente zur Strukturbereicherung (Korridore, Biotopverbund)

Schutz der Naturressourcen als Gebot der Stunde
echte Landwirtschaft in Berlin
Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Berlin 2010

Acker- Grünland
72 Betriebe
13 Biobetriebe
4.326 ha Fläche
620 Pferde
453 Rinder
323 Schafe

Schutz der Naturressourcen als Gebot der Stunde
Hauptstadt der Kleingärten: Berlin
Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Berlin 2010

934 Kleingärten
74.526 Parzellen
3.064 ha
3,5 % der Stadtfläche

Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e.V. – Grüne Schriftenreihe 211

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Schutz der Naturressourcen als Gebot der Stunde

Öffentlichkeitsarbeit/Netzwerk in Berlin
Der Lange Tag der StadtNatur 2010 (Stiftung Naturschutz Berlin)

– Mit 500 Veranstaltungen in Berlin, die von 156 Akteuren organisiert wurden, kommt jeder 5. Veranstalter
(36) aus dem Bereich urbane Landwirtschaft: AG Kleinstlandwirtschaft (gegr. 1997), Agrarbörse D Ost
(Tierhof Alt-Marzahn), AG Interkulturelle Gärten, ARGE Beweidung im Naturschutz (Hobrechtsfelde),
Bürgergarten Laskerwiesen, Förderverein „Weingarten Berlin“ (Volkspark Prenzlauer Berg), Förderverein
Kleingartenwesen, Förderverein historisches Gatow, Förderverein Landschaftspark Johannisthal/Adlershof,
Förderverein Landschaftspark Nordost (Falkenberg), Freilandlabor Britz (ökol. Gärtnern), Fukuoka
Demofelder Nichts-tun-Landwirtschaft, Imkerei Bienenlehrgarten, Imkerverein Lichtenrade, Imkerverein
Lichterfelde, Imkerverein Steglitz, Imkerverein „Wuhletal 1864“, Imkerverein im Süd-Westen Berlins,
Kinderfreizeiteinrichtung „Die Nische“ Rudolfstrasse, Kleingartenanlage Zähringer Torso,
Landschaftspflegehof Rixdorf, Nachbarschaftsgarten „Ton, Scherben, Gärten“, Naturschutz Berlin Malchow,
Nomadisch Grün (Prinzessinnengarten), Ökogarten „Am Buschgraben“, Ökogarten der Bornholmer
Grundschule, Offener Garten im KuBiZ Roul Wallenberg, Pyramidengarten (Neukölln), Reitgemeinschaft
Holderhof (Lichterfelde-Süd), Rosa Rose/Gartenpiraten, Rudolf Steiner Schule, Schul-Umwelt-Zentrum
(Scharnweberstarsse), Trägerverein Lichtenrader Volkspark, ufa Fabrik (6.000 qm Dachgarten),
Interkultureller Garten Lichtenberg, Wriezener Freiraum Labor (...).

Schutz der Naturressourcen als Gebot der Stunde
Berlin ist „grün“ und verfügt über eine hohe Vielfalt an Natur
Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Berlin 2010

44% Freiflächen,
Grün und Wasser davon 18 % Wald

Schutz der Naturressourcen als Gebot der Stunde
Die Flächenverteilung in Berlin

Nutzung in Prozent der Stadtfläche von Berlin
18,1 %
Wald
6,7 %
Wasser
11,6 %
Sport- und Grünanlagen
(davon 3,5 %
Kleingartenanlagen)
4,9 %
Landwirtschaft
58,2 %
Siedlungsfläche
(einschließlich ca. 3,4 % Brachflächen)

Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e.V. – Grüne Schriftenreihe 211

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Schutz der Naturressourcen als Gebot der Stunde
Die biologische Vielfalt Berlin umfasst derzeit rund 20.600 Tier- und Pflanzenarten,
bei 4.000 Insektenarten der Roten Liste und 13.000 Insektenarten,
die bekannt aber nicht hinreichend untersucht sind (Kurzflügelkäfer, Rüssler etc.)
288 Laufkäfer
54 Heuschrecken/Grillen
53 Libellen
561 Spinnen
153 Schnecken und Muscheln
59 wild lebende Säugetiere
180 Brutvogelarten
13 Amphibien
5 Reptilien
36 Fische/Rundmäuler
2.179 wild vorkommende Farn- und Blütenpflanzen
405 Moose (sowie rund 2.000 Pilzarten und 1.000 Flechten)

Schutz der Naturressourcen als Gebot der Stunde
Die Biologische Vielfalt in Berlin
aus Sicht von Stadtlandschaft und Naturschutz
• Naturerfahrung, Prozesse erleben
• Ausstattung an Biotopen, Arten und Rassen
• Anreicherung des Landschaftsbilds
• in Verbindung mit Erholungsfunktionen
• Multifunktionalität: Nahrung, Energie, Werkstoffe
• Ökologischer Ausgleichsraum: Klima, Boden, Wasser, Luft
• CO2-Senke
•Ökosystemdienstleistungen (bestäuben, Staub filtern,
jede 5. Pflanze ist als Heilpflanze nutzbar, Bionik...)
• Experimentierfeld (Neophyten, Neozoen, Klimawandel...)

Schutz der Naturressourcen als Gebot der Stunde
Biologische Vielfalt und das Leben in der Stadt
Als Beitrag zu
• Gesundheit (in allen Alters- und Bevölkerungsgruppen)
• gut Leben - Naturzugang als Teil des erfüllten Lebens
• inspirierendes Umfeld – Stadt- Freiraumgestaltung
• Begegnungsraum und Austausch mit Anderen
• Erholungslandschaft (Radfahren, Flanieren, Joggen u.a. Freilandsportarten)
• Verantwortung übernehmen auch global und ethische Nachhaltigkeit
• Erlebbarkeit von Natur und Landschaft
• durch urbanes Gärtnern auch individuelle Produktion von Lebensmitteln
• durch Kompost zur Kreislaufwirtschaft

Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e.V. – Grüne Schriftenreihe 211

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Schutz der Naturressourcen als Gebot der Stunde
Der Kontext Stadtlandschaft und Kleingärten

- mehr als jeder 10. in Städten gärtnert oder nutzt einen Kleingarten
- in Kleingärten wird im Vergleich zum kommerziellen Gartenbau das Vielfache
an Obst- und Gemüsesorten gezogen und alte Sorten erhalten
- Kleingärten haben einen großen Flächenanteil an deutschen Städten und
tragen zur Grundwasserneubildung, zum Klimaausgleich und Bodenschutz bei
- der positive Gesundheitseffekt der Kleingartenarbeit ist volkswirtschaftlich nicht bezifferbar
- Stickstoff-bezogen sind Kleingärten via Kompost ein Ort der Kreislaufwirtschaft
- Kleingärten tragen zum Erhalt der Biologischen Vielfalt bei
- durch die Neuorientierung der Kleingärten werden junge Familien an die Natur herangeführt
- interkulturelle Gärten und urbane Landwirtschaft sind
Facetten des Kleingartenwesen unter neuen Vorzeichen
- Kleingärten tragen in D mit durchschnittlich 100 kg Gemüse und 70 kg Obst p.a.
zur natürlichen Ernährung bei (6 % Obst und 3 % Frischgemüse am proKopf-Verbrauch)
- und spannen die Brücke für die Stadtbevölkerung zu den
Möglichkeiten der Naturerfahrung

Schutz der Naturressourcen als Gebot der Stunde
Ausblick

Kleingarten - Natur und Umwelt?
- den Weg der Öffnung für junge Familien und Migranten fortsetzen
- sich öffnen für Märkte, Tag der Offenen Tür, Durchlässigkeit
- Beitrag zur Naturerfahrung im Kontext mit Kindergärten und Schulen
- alte Obstbaumsorten erhalten, fördern und auch dokumentieren
- Vielfalt der Gemüsesorten erhalten und weiterentwickeln
- Vernetzung mit Genpool-Banken und Experten (z.B. Diversitas)
- Öffentlichkeitsarbeit über gesundes Gärtnern, slow food, selber machen
- Zusammenarbeit mit Bildungseinrichtungen ...
- gezielte Beträge für Bodenschutz und Verzicht auf Herbizide
- gezielte Beträge für den Klimaausgleich und den Wasserhaushalt
- Beitrag für reine Luft und Grundwasser
- nachhaltigen Einkauf von z.B. zertifizierten Hölzern (FSC; Neuland)
- Austausch mit der urbanen Landwirtschaft (interkulturelle Gärten etc)
- Korridore für Biotopverbund und Allmendefläche
- aktiver Beitrag zum Erhalt der Biologischen Vielfalt
- Wiederbelebung der Kleintierhaltung mit alten Nutztierrassen

Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e.V. – Grüne Schriftenreihe 211

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Schutz von Flora und Fauna – ein
Auftrag an alle

Dr. Heidrun Heidecke
BUND, Berlin

1
1.1

Flora und Fauna als Teil regenerativer Naturressourcen
Biodiversität – Was ist das eigentlich?

Der Begriff Biodiversität umschreibt alle Aspekte der Variabilität der lebenden Organismen. Er umfasst dabei nicht nur die Vielfalt innerhalb der Arten (Artenvielfalt), sondern auch die Vielfalt der
Ökosysteme und die genetische Vielfalt.
Als wichtigste Grundlage der internationalen Naturschutzpolitik ist die 1992 in Rio de Janeiro unterzeichnete Biodiversitäts-Konvention zu nennen, mit der sich die teilnehmenden Länder verpflichteten die natürliche Vielfalt der Arten zu erhalten, eine nachhaltige Nutzung der Natur zu
pflegen und die Erträge aus den genetischen Ressourcen der Erde in fairer Weise zu teilen.
1.2

Wofür braucht man Biodiversität eigentlich?

Welchen Nutzen die verschiedenen Arten für die Menschen haben können, kann anhand von sogenannten „Ökosystemdienstleistungen“ erläutert werden. Gemeint sind Dienstleistungen, die die
Natur den Menschen erbringt. Am deutlichsten wird es, wenn Pflanzen oder Tiere einen direkten
Nutzen für den Menschen haben. Sie können beispielsweise als Nahrungsmittel genutzt werden
oder stehen als Treibstoff, Baumaterial oder als Grundstoff für verschiedene Industrien zur Verfügung.
Inwieweit die Menschen Biodiversität „brauchen“, lässt sich besonders deutlich mithilfe der Medikamente der modernen Medizin erklären. Jedes Heilmittel, das auf pflanzlicher oder tierischer Basis beruht, wurde zu einem bestimmten Zeitpunkt entdeckt. Bis zum Zeitpunkt der Entdeckung
war der Nutzen unbekannt und wäre für die Menschheit verloren gegangen, wenn das Tier oder die
Pflanze vorher ausgestorben wäre.
Neben diesen direkten Nutzen gibt es aber auch andere Nutzungen, die man nicht sofort erkennt.
Durch Dienstleistungen sichert die Natur den Menschen die Lebensgrundlage. Dies geschieht beispielsweise durch die Reinigung der Luft und des Wassers. Auch die Erholungswirkung einer vielfältigen Natur spielt für das Wohlergehen vieler Menschen eine große Rolle, was wohl jeder Kleingärtner bestätigen wird. Alle diese Dienstleistungen nimmt man als selbstverständlich hin, dabei
sollte aber nicht vergessen werden, dass ohne diese Dienstleistungen das Leben der Menschheit
so wie sie es gewohnt ist, nicht weiter möglich wäre.

Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e.V. – Grüne Schriftenreihe 211

- 18 -

Als gutes Beispiel dafür gelten die Bienen. Sie bestäuben viele Kulturund Gartenpflanzen wie beispielsweise Äpfel oder Birnen. Ohne diese
Dienstleistung würden viele Nahrungsmittel unbezahlbar oder gar
nicht mehr angeboten werden, da eine künstliche Bestäubung so
großer Anbauflächen enorme Kosten verursachen würden.
Französische und deutsche Wissenschaftler berechneten, dass der
ökonomische Nutzen, den Insekten (wie Bienen), durch die
Bestäubungsleistung erbringen, im Jahr 2005 einem Wert von 150
Milliarden Euro entsprach. Diese Summe entspricht etwa zehn
Prozent des Gesamtwertes der Weltnahrungsmittelproduktion.
Neben dem ökologischen und dem ökonomischen Nutzen dürfen aber auch ethische Gesichtspunkte nicht vernachlässigt werden. Jeder lebende Organismus ist um seiner selbst Willen schützenswert, unabhängig davon, ob es sich um ein Tier, eine Pflanze oder einen Menschen handelt.
1.3
•

Was gefährdet die Biodiversität in Deutschland?
Lebensraumverlust

Die Biodiversität in Deutschland
wird in erster Linie durch den Verlust von Lebensräumen beeinträchtigt.
Die intensive Landnutzung der
modernen Landwirtschaft führt
zunehmend zu großen Ackerschlägen und Monokulturen. Die Landschaften werden auf diese Weise
immer monotoner und es gehen
immer mehr Lebensräume verloren. Viele Arten der Fauna in der
Agrarlandschaft sind heute selten
geworden, wie der – laut Roter
Liste – vom Aussterben bedrohte
Feldhamster (Cricetus cricetus) oder der gefährdete Feldhase (Lepus europaeus).
Ebenso stehen viele der früher weit verbreiteten Ackerwildkräuter auf der Roten Liste. Problematisch ist der Zustand auch für einen Großteil der Wildinsekten. Sie ernähren sich von Blütennektar
und sind deswegen unmittelbar auf eine blütenreiche Vegetation angewiesen. Auf den großen,
monotonen Ackerflächen finden sie nur wenig Nahrung. Oftmals steht ihnen nur ein schmaler
Randstreifen zur Verfügung. Auch überdüngte, artenarme Wiesen oder Weiden stellen keine ausreichende Nahrungsgrundlage dar. Aus diesem Grund sind etwa 60,5% der deutschen Tagfalter
(inklusive Dickkopffalter) laut Roter Liste gefährdet und fast jede zweite Bienenart gilt als gefährdet
oder vom Aussterben bedroht.
Ebenso gravierend ist der Verlust von Lebensräumen durch Flächenversiegelung. Die durchschnittliche Umwidmung von Freiflächen in Siedlungs- und Verkehrsfläche lag 2008 bei 95 Hektar pro
Tag.
•

Zerschneidung von Lebensräumen

Auch die Zerschneidung von Lebensräumen und die damit einhergehende Isolierung von Habitaten sind vermehrt Ursachen für den Verlust von Arten. Unpassierbare Hindernisse führen dazu,
dass die verschiedenen Individuen einer Art nicht mehr in der Lage sind, sich erfolgreich zu verpaaren, was zu einem lokalen Aussterben dieser Individien führt.

Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e.V. – Grüne Schriftenreihe 211

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Ein weiteres Problem ist die genetische Verarmung, die dadurch hervorgerufen wird, dass in einer
abgeschiedenen Population die Vermehrung auf immer weniger Individuen zurückgeht. Dieser
Effekt wird als „genetischer Flaschenhals“ bezeichnet und ist heute zum Beispiel beim
Alpensteinbock (Capra ibex) oder dem Gepard (Acinonyx jubatus) zu beobachten.
•

Verbauung und Eutrophierung von Gewässern

Ein weiteres großes Problemfeld ist die
Verbauung von Gewässern. Die natürliche
Fließgewässerdynamik geht zunehmend verloren, weil der Verlauf von Flüssen durch Uferbefestigungen festgelegt wird und die Gewässer
teils durch Staustufen reguliert werden. Der
natürlicherweise mäandrierende Verlauf eines
Fließgewässers wird auf diese Weise zu einem
– im schlimmsten Fall – geraden Kanal ohne
Variation. Viele Arten, die an bestimmte Strömungsverhältnisse in einem Fluss angepasst
sind, verlieren auf diese Weise wichtige Ruheund Laichzonen. Die Bachforelle (Salmo trutta
fario) benötigt beispielsweise sandig-kiesige
Gebiete als Laichplatz. Oftmals findet sie diese in begradigten Bächen und gestauten Flüssen nicht
mehr vor, sodass sie heute als gefährdet gilt.
Weiterhin problematisch für Gewässer ist die starke Eutrophierung (Anreicherung von Nährstoffen) durch den Dünger-, Pestizid- und Herbizideinsatz auf landwirtschaftlichen Flächen. Der Einsatz dieser Mittel hat nicht nur Einfluss auf die Arten, die auf den Agrarflächen direkt vorkommen,
sondern beeinflusst zusätzlich die Ackerränder und die angrenzenden Gewässer. Vor allem durch
Regengüsse werden Stoffe ausgespült und gelangen auf diese Weise in Gewässer, von wo aus sie
über viele Kilometer transportiert werden können und so die natürliche Artenzusammensetzung im
Gewässer und von am Gewässer liegenden Flächen beeinträchtigen.
•

Neozoen und Neophyten

Sogenannte Neozoen (ursprünglich nicht heimische Tierarten) oder Neophyten (ursprüng-lich
nicht heimische Pflanzenarten) tragen eben-falls
ihren Teil zur Beeinträchtigung der Arten-vielfalt
bei. Einige dieser eingewanderten oder eingeführten Arten sind sehr konkurrenzstark und verdrängen die einheimischen Vertreter der Flora und
Fauna. Kleingärtner können in diesem Prozess
eine wichtige Rolle spielen, denn viele eingewanderte Pflanzenarten waren zunächst in botanischen
oder privaten Gärten heimisch und haben sich
schließlich von dort aus verbreitet. Ein Beispiel für eine solche „Einbürgerung“ ist das Drüsige
Springkraut (Impatiens glandulifera), das sich von einem botanischen Garten aus großflächig verbreitet hat und heute viele heimische Arten stark zurückdrängt.
•

Landwirtschaft und Klimawandel

Die Landwirtschaft gehört neben der Industrie und dem Verkehr zu den Hauptverursachern des
Klimawandels, da etwa 18 Prozent der Treibhausgase durch sie verursacht werden. Vor allem durch
den hohen Viehbestand der konventionellen Landwirtschaft und den Einsatz von synthetischen
Stickstoffdüngern werden die klimaschädlichen Gase Kohlendioxid (CO2) und Methan (CH4) an die
Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e.V. – Grüne Schriftenreihe 211

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Umwelt abgegeben. Ein Teil des Stickstoffdüngers wird in Lachgas (N2O) umgewandelt, das rund
300-mal klimaschädlicher ist als CO2. Eine Alternative bieten ökologisch erzeugte Produkte, da bei
deren Erzeugung auf die Verwendung synthetisch erzeugter Düngemittel verzichtet wird.
2

Praktische Ansätze für den Schutz von Flora und Fauna

2.1 Schutzgebiete
Die in Deutschland existierenden Schutzgebiete beruhen auf dem Bundesnaturschutzgesetz
(BNatSchG). Die entsprechenden Areale werden je nach Größe und Schutzziel in verschiedene
Kategorien eingeteilt, wobei ein Gebiet ganz oder zu Teilen in mehrere Kategorien fallen kann. Innerhalb der einzelnen Kategorien können die Schutzziele stark variieren.
Nationalparke sind beispielsweise großflächige Wildnisgebiete, in denen keine Nutzung oder Lenkung durch den Menschen stattfindet. Auf diese Weise wird eine freie Entwicklung der Natur ermöglicht und es werden Rückzugsräume für wildlebende Pflanzen und Tiere geschaffen.
Biosphärenreservate dienen hingegen als Modellregionen, die zeigen sollen, wie ein Leben im Einklang mit der Natur möglich ist. Hier steht nicht nur die Natur-, sondern vor allem auch die Kulturlandschaft im Vordergrund.
Neben diesen beiden Kategorien sind in Deutschland Naturschutzgebiete, Landschaftsschutzgebiete und Naturparke sowie die Schutzgebiete gemäß Natura 2000 die wichtigsten Schutzgebietskategorien.
Natura 2000 ist ein Europäisches Schutzgebietsnetz, dessen Ziel es ist, die bedeutendsten Lebensräume wildlebender Tier- und Pflanzenarten zu sichern. In diesen Gebieten werden europaweit 231
Lebensraumtypen und mehr als 1.000 Tier- und Pflanzenarten nach Vorgabe der FFH-Richtlinie
(Flora-Fauna-Habitat Richtlinie der Europäischen Union) und der Vogelschutzrichtlinie geschützt.
Ziel ist es hierbei, nicht nur vereinzelt wertvolle Inseln zu schützen, sondern diese miteinander zu
vernetzen, um großflächige Lebensräume zu schaffen und den genetischen Austausch zwischen
den Populationen zu ermöglichen.
2.2

Naturschutz in genutzter Landschaft

Da gut die Hälfte der Gesamtfläche Deutschlands
landwirtschaftlich genutzt wird, ist es besonders
wichtig auf diesen Flächen Naturschutz und Landschaftsnutzung miteinander zu verbinden. In den
genutzten Landschaften können beispielsweise Hecken gepflanzt oder am Ackerrand kann ein
Randstreifen freigelassen werden, auf dem sich
Wildblumen mit den zugehörigen Tierarten
ansiedeln können. Weiterhin sollte beim Düngen
oder beim Verteilen von Herbiziden, Pestizidenoder Fungiziden ein Schutzstreifen zu Gewässern
eingehalten werden.
Viele dieser Maßnahmen, die die Biodiversität in Agrarlandschaften unterstützen, haben jedoch zur
Folge, dass dem Landwirt ein Teil seiner Anbaufläche verloren geht. Der finanzielle Verlust, der
dadurch entsteht, muss entsprechend ausgeglichen werden, um einen Anreiz zu schaffen, solche
Maßnahmen auf der eigenen Fläche durchzuführen. Die Agrarpolitik der Europäischen Gemeinschaft hat zu diesem Zweck die Vorschriften der „Cross Compliance“ ins Leben gerufen. Damit soll
Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e.V. – Grüne Schriftenreihe 211

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ein finanzieller Anreiz geschaffen werden, indem die Einhaltung bestimmter Umweltstandards
belohnt wird. Oft ist dieser Anreiz jedoch nicht hoch genug und die Biodiversität bleibt „auf der
Strecke“. Dies muss im Rahmen der Verhandlungen um die neue Agrarpolitik der Europäischen
Union ab 2013 dringend geändert werden. Öffentliches Geld sollte es nur noch für die Erbringung
öffentlicher Leistungen, wie den Arten-, Gewässer- und Bodenschutz geben.
Eine weitere Möglichkeit ist der Vertragsnaturschutz. Dabei werden zwischen der Naturschutzbehörde und den Grundstücksbesitzern (i.d.R. Landwirte) bestimmte Vereinbarungen für Pflegearbeiten oder Schutzmaßnahmen getroffen, die bei erfolgreicher Umsetzung finanziell entlohnt werden.
Der besondere Vorteil gegenüber den „Cross Compliance“ ist, dass hierbei auch Vereinbarungen
getroffen werden können, die über die gesetzliche Regelung hinausgehen und konkret auf die jeweilige Fläche angepasst sind. Dieses gute Instrument ist zurzeit leider durch die schlechte finanzielle Ausstattung in den Bundesländern nur auf wenige Flächen beschränkt.
Eine weitere Alternative bietet der Ökolandbau. Im Gegensatz zur konventionellen Landwirtschaft
wird beim Ökolandbau eine Extensivierung der Landwirtschaft angestrebt. Dabei werden bestimmte ökologische Standards eingehalten, die es ermöglichen, Erzeugnisse naturschonend zu produzieren. Dazu gehört unter anderem ein deutlich niedrigerer Tierbesatz pro Fläche, was die Schäden
durch Tritt, Wälzen und vor allem Gülle reduzieren würde, so dass artenreiche Weiden entstehen,
anstatt überdüngte und artenarme Flächen. Weiterhin wird auf bestimmte Pflanzenschutzmittel,
Wachstumsförderer sowie auf Gentechnik und synthetische Dünger verzichtet. Nachweislich ist die
Tier- und Pflanzenwelt auf Bio-Äckern und – Wiesen deutlich höher als auf konventionell bewirtschafteten Flächen. Damit bieten diese den einst typischen Arten der Agrarlandschaft – vom Rebhuhn über die Feldlerche bis zum Hasen – noch ausreichend Nahrung. Durch den Verzicht auf
synthetische Düngemittel hat der Ökolandbau, zusätzlich zu den ökologischen Gesichtspunkten,
den Vorteil, dass die CO2-Emissionen pro Hektar etwa um die Hälfte reduziert werden. Er spart
aber nicht nur Klimagase ein, sondern legt auch mehr klimaschädliches CO2 im Boden fest.
Besonders wichtig ist, dass die ökologisch wertvollen Flächen nicht verinselt in einer „Agrarsteppe“
liegen. Es muss ein Biotopverbund geschaffen werden, der den (genetischen) Austausch innerhalb
einer Art ermöglicht und die Erhaltung der Art sichert.
2.3
•

Naturschutz im Kleingarten
Torffrei gärtnern

Ein gesundes Moor wächst im Jahr nur einen Millimeter, was in 1000 Jahren lediglich einen Meter
Torf ausmacht. Entgegen dieser langsamen Wachstumsrate werden im Jahr etwa 2,5 Millionen
Tonnen Torf an deutsche Freizeitgärtner verkauft. Diese Menge ergäbe, in 50l-Gartenerde-Säcke
verpackt und hintereinander gelegt, eine Gesamtlänge von 40.000 km, was einer kompletten Umrundung der Erde entlang des Äquators entspricht. Wenn dieses rasante Tempo des Torfabbaus
beibehalten wird, werden die Torfvorkommen, die zum Torfabbau in Deutschland genehmigt wurden, in zehn Jahren erschöpft sein. Als Lösung für dieses Problem greifen deutsche Firmen auf
Gebiete in anderen Ländern, (z. B. in Estland, Lettland und Litauen) zurück. In diesen Ländern
werden auf diese Weise riesige Flächen mit einzigartigen Lebensräumen und den darin lebenden
Arten unwiederbringlich zerstört. Nahezu zwei Drittel der Blütenpflanzen, die in Mooren beheimatet sind, sind bereits vom Aussterben bedroht oder gefährdet. Seltene Arten wie das Birkhuhn, die
Sumpfohreule oder der Sonnentau leiden unter dem Abbau der Moorflächen.
Aber nicht nur als Lebensraum sind Moore besonders wertvoll. Sie regulieren ebenso den Wasserhaushalt einer Region können bei Hochwasserereignissen als Rückhalteraum dienen und fungieren
als Kohlenstoffspeicher, wodurch sie eine wichtige Rolle für den Klimaschutz spielen. Pflanzen
speichern Kohlenstoff (in Form von CO2), der bei ihrer Zersetzung wieder frei wird. In Mooren
werden abgestorbene Pflanzenteile nicht oder nur teilweise zersetzt und der darin enthaltene Kohlenstoff wird im Moor gespeichert. Auf diese Weise funktionieren Moorböden als KohlenstoffspeiBundesverband Deutscher Gartenfreunde e.V. – Grüne Schriftenreihe 211

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cher und haben somit eine wichtige Funktion für den Klimaschutz. Wie groß die Bedeutung von
Mooren ist, lässt sich besonders eindrucksvoll daran sehen, dass Moore nur 3% der Erde bedecken, aber doppelt soviel Kohlenstoff wie alle Wälder der Erde speichern.
Beim Kauf von Blumenerde sollte demzufolge darauf geachtet werden, dass sie keinen Torf enthält.
Oft werden Verbraucher durch irreführende Beschriftungen verunsichert. Beim Kauf von „Bio“Erden ist es ratsam, auf die genaue Zusammensetzung zu achten, da der Begriff „Bio“ bei Substraten nicht geregelt ist und einige Anbieter diese Lücke ausnutzen, um ihre torfhaltigen Produkte als
Natur-, also “Bio“- Produkt anzubieten. Besondere Vorsicht ist ebenfalls geboten bei Bezeichnungen wie „torfreduziert“ oder „torfarm“. Diese können immer noch bis zu 80 % Torf enthalten. Nur
bei der Bezeichnung „torffrei“ kann davon ausgegangen werden, dass eine tatsächlich torffreie
Erde vorliegt.
(Eine ausführliche Liste von Anbietern, die torffreie Blumenerde anbieten kann unter
www.bund.net/torffrei heruntergeladen werden.)
Im Kleingarten bietet der Einsatz von Kompost eine sehr gute Alternative zum Einsatz von Substraterden und von synthetischem Dünger.
•

Lebensräume schaffen

Strenge Kleingartensatzungen können dazu führen,
dass Gärten strukturarm gestaltet werden. Wenn diese
Regelungen gelockert oder geändert werden, können
auch Kleingärtner einen wichtigen Beitrag zum
Artenschutz leisten, denn vielfältige Strukturen im
Garten sind eine gute Unterstützung für verschiedene
Tier- und Pflanzenarten. Ein Reisighaufen kann einem
Igel als Unterschlupf für den Winterschlaf, eine
Benjeshecke als Sonnenplatz für eine Ringelnatter oder
ein alter Baum als Nistplatz für verschiedene Singvögel
dienen. Je strukturreicher ein Garten ist, umso mehr
Möglichkeiten bietet er Tieren und Pflanzen sich darin
niederzulassen. Vor allem durch die Anlage einer
Blumenwiese oder, (bei Platzmangel) kleinere Blühstreifen, kann ein Garten ökologisch aufgewertet
werden und vielen Wildinsekten einen Lebensraum
bieten. Dabei ist es wichtig, diese Flächen nur zwei- bis
dreimal im Jahr zu mähen, und dabei nicht zu dicht
über dem Boden zu schneiden, da sonst die Stängel, in
denen Insekten Eier ablegen, mit entfernt werden.
Zusätzlich können verschiedene Insekten – wie beispielsweise Wildbienen – auch durch künstliche
Nistplätze (sogenannte „Insektenhotels“) unterstützt werden. Diese können im Fachhandel bestellt oder auch selber gebastelt werden, indem man abgeschnittene Stängel z.B. an einem Zaun
festbindet. Bei diesen Maßnahmen ist aber stets zu beachten, dass Insekten (wie Schmetterlinge),
nur dann an einem Ort bleiben, wenn sie dort auch einen Lebensraum für ihre Raupen vorfinden.
Wer die schönen Tiere in seinem Garten bewundern will, der muss ein paar angeknabberte Blätter
dafür in Kauf nehmen.
Saatgut und Pflanzen sind zum Beispiel bei www.naturgarten-fachbetriebe.de erhältlich. Dabei
sollten aber stets heimische Arten bevorzugt werden, da viele Insekten auf bestimmte Blütenformen angepasst sind, so dass der Nektar exotischer Pflanzen oftmals nicht genutzt werden kann.
Generell sollte im Kleingarten auf Gifte verzichtet werden. Ein Garten ohne Pestizide ist nicht nur
gut für die Natur, sondern auch für seine Besitzer.

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- 23 -

3
3.1

Wo liegen rechtliche Lücken beim Schutz von Flora und Fauna?
Die Novelle des Bundesnaturschutzgesetzes

Das Bundesnaturschutzgesetz gilt als das wichtigste Gesetz für den Naturschutz und die Landschaftspflege in Deutschland. Die erst im März 2010 in Kraft getretene Neuregelung des Gesetzes
bleibt aber deutlich hinter den Erfordernissen zurück, die für einen zukunftsfähigen und klimawandeltauglichen Schutz von Ökosystemen und Arten nötig sind. Anstatt zu einer Verbesserung ist es
zu einer Verschlechterung der gesetzlichen Grundlagen für den Naturschutz gekommen. Als zentraler Kritikpunkt an der neuen Regelung ist zu nennen, dass es keine Vorrangigkeit von Ausgleichsvor Ersatzmaßnahmen mehr gibt. Das hat zur Folge, dass ein zugeschüttetes Kleingewässer durch
eine neu angelegte Allee ersetzt werden kann. Weiterhin räumt das Gesetz der Land-, Forst- und
Fischereiwirtschaft eine Vielzahl ungerechtfertigter Begünstigungen ein, die konträr zum Naturschutz stehen.
3.2

„Gute fachliche Praxis“ im Bundesnaturschutzgesetz

Lange Zeit kämpften Naturschützer dafür, dass die Belange des Naturschutzes nicht nur in
Schutzgebieten, sondern auch auf Agrarflächen (außerhalb geschützter Gebiete), Beachtung finden. Die „gute fachliche Praxis“ wurde schließlich in das Bundesnaturschutzgesetz aufgenommen.
Zwar stellte dies einen bedeutenden Fortschritt dar, jedoch fehlt eine Erläuterung, was darunter
genau zu verstehen ist. Es werden keine genauen Handlungsanweisungen gegeben, so dass viel
Platz für Interpretationen bleibt und in der Praxis keine ausreichende Wirkung erzielt wird.
3.3

Nachteile des Erneuerbare-Energien-Gesetzes

Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) verlangt einen richtigerweise immer größeren Anteil von
erneuerbaren Energien am Energiemarkt. Die Erzeugung von Erneuerbaren Energien ist aber nicht
immer ökologisch. Beispielsweise werden bei der Herstellung von Biomasse große Mengen von
Stickstoffdünger eingesetzt. Ein Teil dieses Stickstoffdüngers wird in Lachgas umgewandelt, welches rund 300 Mal klimaschädlicher als CO2 ist. Es ist demzufolge dringend erforderlich, dass das
EEG verstärkt auf ökologische Punkte eingeht, um zu verhindern, dass bei der Erzeugung von Biomasse mehr klimaschädliche Gase freigesetzt werden, als ihre energetische Nutzung im Vergleich
zu Kohlekraftwerken einspart. Zusätzlich kommt es im Zusammenhang mit der Produktion von
Biomasse zum Verlust von Lebensräumen. Aufgrund der intensiven Nutzung und des Einsatzes
von synthetischen Dünge- und Spritzmitteln entsteht eine artenarme und abweisende „Ackerwüste“. Vögel wie das Rebhuhn (Perdix perdix) oder die Wachtel (Coturnix coturnix) waren einst weit
verbreitet. In der heutigen Zeit fehlt ihnen großflächig geeignetes Futter für die Jungenaufzucht,
denn sie benötigen eiweißreiche Nahrung; also Regenwürmer und Insekten, um ihren Nachwuchs
groß zu ziehen. Auf intensiv genutzten Böden gibt es nur noch wenige Regenwürmer und Insekten
werden durch fehlende Nahrungsgrundlage oder Insektizide immer seltener. Auch junge Feldhasen
(Lepus europaeus) leiden unter der ausgeräumten Landschaft. Sie haben ein sehr anspruchsvolles
Verdauungssystem und benötigen eine vielfältige pflanzliche Nahrung, die sie in den riesigen Monokulturen nicht mehr genügend finden.
Ein zusätzliches Problem stellt die dichte Bestockung der Agrarflächen dar. Aufgrund der kühlen
und feuchten Verhältnisse sterben viele Jungtiere an Durchfallerkrankungen oder an Lungenentzündung.
Diese genannten Arten stehen stellvertretend für viele andere, die unter der modernen Landwirtschaft leiden, die durch „grüne“ Gesetze (wie das EEG), gefördert werden. Um dies zu ändern und
das eigentlich positive Ziel dieses Gesetzes zu erreichen, müssen dringend Regelungen getroffen
werden, die eine ökologische Erzeugung von erneuerbaren Energien festlegen.

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3.4

Widersprüche im Naturschutzrecht

Die Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV) schützt alle Wildbienenarten. Laut der Verordnung
ist es verboten, Wildbienen zu fangen, zu töten oder ihre Nist- oder Zufluchtsstätten zu zerstören.
Der Staat hingegen erteilt, wenn es dem „Allgemeinwohl“ dient, Baugenehmigungen, die die Zerstörung von Lebensräumen zur Folge haben. Auch der „ordnungsgemäßen“ Land- und Bodennutzung ist es nicht verboten, im Zuge ihrer Tätigkeit Bruthabitate der bedrohten Tiere zu zerstören.
Auf diese Weise kommt es zu einer gesetzlichen Schieflage. Auf der einen Seite wird bestraft, wer
eine Biene fängt und sofort wieder frei lässt, wer ihren Lebensraum zerstört hingegen nicht.
Dieses Beispiel verdeutlicht sehr gut, dass die Belange des Naturschutzes immer dann hinten anstehen, wenn Nutzungsrechte, also das sogenannte „Allgemeinwohl“ in den Vordergrund gestellt
werden.
4.

Wo liegen Ansätze für eine abgestimmte Zusammenarbeit zwischen BUND und BDG?

Es gibt eine Reihe von Möglichkeiten für eine abgestimmte Zusammenarbeit. Als erstes sei die
gemeinsame Durchführung der seit einigen Jahren vom BUND initiierten Faltertage genannt. Der
BUND ruft jedes Jahr dazu auf, die zehn häufigsten Tagfalterarten deutschlandweit zu zählen. Dazu gibt es spezielle, bebilderte Zählbögen. Die Ergebnisse sagen über die Jahre hinweg etwas über
die Entwicklung der Schmetterlingsbestände aus, was für weitere Schutzbemühungen sehr wichtig
ist. Andererseits werden dadurch immer mehr Menschen für die wunderschönen Indikatoren einer
artenreichen Natur sensibilisiert. Hier hofft der BUND, dass sich ab dem Jahre 2011möglichst viele
Kleingärtner an der Aktion beteiligen. In Kleingartenanlagen können Schmetterlingsspaziergänge
mit Unterstützung des BUND angeboten werden. Dabei könnten auch Schulklassen für den Naturschutz und für Gärten interessiert werden.
Da es immer weniger bunte und artenreiche Wiesen in der landwirtschaftlich genutzten Natur gibt,
könnten Kleingärtner einen Beitrag zur Schaffung von Wildinsekten – „Tankstellen“ leisten. Die
bewusste Anlage von Blumenwiesen in aufgegebenen Kleingärten oder auf Gemeinschaftsflächen
der Anlagen könnte einen Beitrag zum Erhalt der Vielfalt Wildinsekten leisten. Dabei kann der
BUND in den Ländern fachlich unterstützend wirken.
Sowohl bei der Beratung zur Anlage artenreicher Wiesen, als auch bei der Begleitung von Aktionen
mit Öffentlichkeits- und Umweltbildungsarbeit.
Wünschenswert wäre außerdem eine Unterstützung der BUND-Aktion zum torffreien Gärtnern
durch die Kleingärtner. Nur durch die Nachfrage nach torffreien Produkten und den Druck der
Konsumenten wird es zur Veränderung des Erden-Angebots kommen.
Im Jahr 2011 wird sich der BUND zusätzlich zu den Wiesen und dem torffreien Gärtnern auch dem
Thema Libellen widmen. Auch hier können Kleingärtner mit der naturnahen Gestaltung ihrer Gartenteiche einen Beitrag zum Artenschutz leisten. Gern informiert der BUND über fachliche Hintergründe und gibt praktische Tipps.
Ziel einer abgestimmten Zusammenarbeit zwischen BDG und BUND sollte es sein, das alle Kleingärtner und Kleingärtnerinnen Botschafter für den Schutz der biologischen Vielfalt werden – mit
Worten und vor allem mit Taten!

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Beitrag der Gärten zur biologischen
Vielfalt durch den Erhalt von Arten

Dr. Rolf Steffens
NABU, LV Sachsen

Beitrag der Gärten zur biologische Vielfalt
(unter besonderer Beachtung der Fauna)
Rolf Steffens

Gliederung
¾Einführung
¾Bedeutung der biologischen Vielfalt
¾Gefährdung der biologischen Vielfalt
¾Biologische Vielfalt und Landnutzung
¾Bedeutung der Gärten für die biologische Vielfalt
¾Weniger nützlich – schädlich – Denken, mehr
Erkennen funktionaler Beziehungen
¾Hinweise zur Förderung der Artenvielfalt im Garten

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Einige Rahmenbedingungen
¾Der weltweite alarmierende Rückgang der biologischen Vielfalt hat zu
einer ganzen Reihe länderübergreifender Vereinbarungen geführt, unter
denen die „Convention on Biological Diversity“ (CBD) der UNOKonferenz von Rio 1992 den höchsten internationalen Rang hat.
¾Auf der 6. Vertragsstaatenkonferenz der CBD wurden alle Länder
verpflichtet, bis zum Jahre 2010 eine signifikante Reduzierung der
Verlustrate biologischer Vielfalt zu erreichen.
¾Die EU hat bei ihrem Gipfel zur europäischen Nachhaltigkeitsstrategie in Göteborg darüber hinaus beschlossen, den Verlust an
biologischer Vielfalt bis 2010 zu stoppen. Wegen Zielverfehlung
Festlegung eines post 2010 – Zieles der EU – Umweltminister.
¾Von der Bundesregierung wurde am 7. November 2007 eine
Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt (178 S.) beschlossen.
¾In der Mehrzahl der deutschen Bundesländer gibt es inzwischen
Landesstrategien/Landesprogramme.
¾2010 Internationales Jahr der Biodiversität.

Definition der biologischen Vielfalt laut CBD
… „die Vielfalt innerhalb der Arten und zwischen den Arten und die
Vielfalt der Ökosysteme“…

Kenntnisstand der Artenvielfalt
¾weltweit: 3 bis 30 Millionen Arten, wahrscheinlich ca. 14 Millionen, beschrieben
zur Zeit etwa 1,7 Millionen
¾Deutschland: >70 000 sind ca. 6% aller beschriebenen Arten
¾Sachsen: > 35 000 sind ca. 3% aller beschriebenen Arten
¾Mehr als 50% aller Arten sind Insekten

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Vorstellungen zur Größe von Organismengemeinschaften
¾In einer Hand voll normalem Boden (1 dm³) leben fast genau so viele
Organismen (ca. 5 Milliarden, von winzigen Geißeltierchen bis zum Regenwurm)
wie Menschen auf der Erde.
¾Es gibt etwa 10 000 Billionen Ameisen, die zu 9500 Ameisenarten gehören und
insgesamt etwa gleichviel wiegen wie alle Menschen der Welt (ca. 6 Milliarden)
zusammen.

Bedeutung der biologischen Vielfalt
¾Stetige Erneuerung elementarer Lebensbedingungen (Energieflüsse,
Stoffkreisläufe, Bodenfruchtbarkeit, Luft zum Atmen, ausgeglichenes
Weltklima, Aufbau/Abbau organischer Substanzen)
¾Grundlage der Ernährung und Versorgung mit (nachwachsenden)
Rohstoffen
¾Grundlage für ca. 50% der heute (in Deutschland) gebräuchlichen
Arzneimittel
¾Genetische Reserve für zukünftige Nutzungen
¾Lebensqualität, Quelle sinnlicher Wahrnehmung und ästhetischen
Empfindens
¾Grundlage für die Anpassung an und die Pufferung von
Umweltveränderungen und die weitere Evolution der Organismen überhaupt

Die biologische Vielfalt als Voraussetzung für ein
stabiles Klima.
¾Die Organismen leben in verschiedenen trophischen Ebenen, über die sich
der Energiefluss und Stoffkreislauf vollzieht

Primärproduzenten

Konsumenten 1

Konsumenten 2

Konsumenten 3

(autotrophe
Pflanzen)

(phytophager Tiere)

(Fresser
phytophager Tiere)

(Fresser zoophager
Tiere)

Reduzenten

Destruenten

(heterotrophe u.
chemoautotrophe
Pilze, Bakterien u.a.)

(saprophage Tiere)

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Die biologische Vielfalt als Voraussetzung für ein
stabiles Klima.
Es entstehen dabei hochkomplizierte Nahrungsnetze.

Die biologische Vielfalt als Voraussetzung für ein
stabiles Klima.
Ergebnis all dieser Wechselbeziehungen ist ein Gleichgewicht

zwischen Photosynthese (Assimilation)
6 H2O + 6 CO2 + Sonnenenergie Æ C6H12O6 + 6 O2 (unter Anwesenheit
von Chlorophyll)
und Atmung (Dissimilation)
6 O2 + C6H12O6 Æ 6 CO2 + 6 H2O + 2880 kJ/mol Glukose

Die Gesamtheit der heute lebenden Organismen mit ihren
Nahrungsnetzen und ihnen innewohnenden
Rückkopplungsmechanismen bzw. Puffersystemen reguliert
letztendlich auch dasKlima

Schutz der biologischen Vielfalt ist deshalb zugleich
auch Klimaschutz.
Diesem Sachverhalt tragen Klimadiskussion und Maßnahmen des
Klimaschutzes bisher noch ungenügend Rechnung

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Biologische Vielfalt und Klimafolgen
¾Natürliche Standortsvielfalt, naturnahe Wälder sowie Nutzungs- und
Kulturartenvielfalt sind wesentliche Grundlagen der Biodiversität. Gleichzeitig
mindern sie die Folgen von Klimaveränderungen.
Natürliche Standortsabfolge
zunehm. Trockenheit

trocken
frisch

s.trocken
trocken

feucht

frisch

nass

feucht

Veränderung 25 %

Nivellierter Standort
zunehm. Trockenheit

frisch

trocken
Veränderung 100 %

Biologische Vielfalt und Klimafolgen

¾ Arten mit intakten Populationen und hoher innerartlicher Vielfalt, dürften in
der Regel anpassungsfähiger an Klimaänderungen sein als Arten mit bereits
eingeschränkter genetischer Vielfalt.
¾ R-Strategen dürften (in der Übergangsphase) i. d. R. gegenüber den
K-Strategen im Vorteil sein.

Biologische Vielfalt kann die Folgen von
Klimaänderungen mildern

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Gefährdung der biologischen Vielfalt
weltweit:
¾

Die derzeitige Aussterberate der Arten übertrifft vermutlich
die natürliche Rate um das 100 bis 1000–fache.
Gleichzeitig nimmt die genetische Vielfalt innerhalb der
Arten stark ab.

¾

Seit 1800 sind über 150 Vogelarten ausgestorben bzw.
ausgerottet worden

¾

Die Aussterbe- bzw. Ausrottungsrate wird auf täglich 50
bis 160 Arten geschätzt

Gefährdung der biologischen Vielfalt
weltweit:
¾ Ca. 60% aller Ökosysteme haben in den vergangenen
Jahrzehnten große Schäden genommen

Gefährdung der biologische Vielfalt durch
Klimawandel
¾Weltweit sind durch den prognostizierten Klimawandel möglicherweise
20 bis 30% aller Arten vom Aussterben bedroht.
¾Generell werden sich dabei die Vegetationszonen der Erde nach Norden
bzw. nach Süden (in Richtung der Pole) verschieben.
¾Regional sind Zunahmen und Abnahmen der Artenvielfalt möglich.
¾Besonders gefährdet sind montane und arktische Arten sowie endemische
Arten von Inseln, Oasen etc.

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Gefährdung der biologischen Vielfalt
Deutschland:
¾ Farn- und Samenpflanzen 26,8% gefährdet
1,6% ausgestorben/verschollen
¾ (Einheimische Tierarten 36% gefährdet
3% ausgestorben/verschollen)
¾ 75,2% der Lebensräume gefährdet
Hauptursachen
¾
¾
¾
¾
¾
¾
¾
¾
¾
¾

Zerstörung und Zerschneidung von Lebensräumen
Intensive Flächennutzung in der Landwirtschaft
Aufgabe der Nutzung wertvoller Grenzertragsstandorte
Defizite bei der Waldbewirtschaftung
Wasserbau
Eintrag von Schad- und Nährstoffen
Keine nachhaltige Fischerei
Naturbelastende Freizeitnutzung
Klimawandel
Invasive Arten

Gefährdung ausgewählter Organismengruppen in Sachsen, differenziert
nach jeweils zwei Bezugszeiträumen
(Datengrundlage: Arnold et al. 1994, Günther et al. 2006, Rau et al. 1991 u. 1999, Schniebs et al. 1996 u.
2006, Schulz 1991 u. 1999)

¾ Grundsätzlich geht daraus hervor, dass sich die Situation bei gefährdeten
Organismen in Sachsen seit der politischen Wende nicht verbessert hat.

Biologische Vielfalt und Landnutzung
¾ Ursache für den Rückgang der Biodiversität ist der Mensch, insbesondere
die Flächenausdehnung, die Art und Weise und die Intensität seiner
Landnutzung.
¾ Eine Trendwende bei der Biodiversität setzt deshalb vor allem eine
entsprechend veränderte Landnutzung im Sinne der Nachhaltigkeit, im
Sinne einer Nutzungsdifferenzierung voraus.
¾ Defizite bei der Umsetzung des EU-Ziels (Stopp der Verluste an
biologischer Vielfalt) gibt es in Sachsen/Deutschland noch in allen
Landnutzungsbereichen.
¾ Besonders gravierend sind die Defizite in der Landwirtschaft.

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- 32 -

Foto: A. Winkler

Situation in Deutschland im Vergleich zu Europa
Anteil Vogelarten in Roten Listen (%)
(nach Hötker 2004, zit. In DVL&NABU 2005)

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Anzahl seit 1991 signifikant zu- oder abnehmender Vogelarten offener und halboffener Landschaften
(Flade & Schwarz 2006)
Anzahl Arten…

Ganz
Region
Deutschland
Ost

Region
Nordwest

Region
Südwest

mit signifikanter Zunahme

9

10

12

7

ohne signifikante
Veränderung

21

25

18

20

mit signifikanter Abnahme

22

17

21

24

Bestandsentwicklung des Kiebitz in Deutschland

(nach Flade und Schwarz 2006)

Feldhasen-Jahresstrecke (Deutscher Jagdschutz - Verein 2007)

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Gefährdung faunistischer Artengruppen in Sachsen unter besonderer Beachtung
des Agrarraumes
(Datengrundlage: Börner et al. 1994, Rau et al. 1999- Reinhardt 1998, Schulz 1999)

¾ Innerhalb der in der Tabelle aufgeführten faunistischen Artengruppen
sind Offenlandarten um reichlich 1/3 häufiger gefährdet als die
übrigen Arten.

Foto: A. Winkler

Bestandsrückgang des Rebhuhns in Sachsen seit Ende der 1970er Jahre

Bestände:

30005000
BP

15003000
BP

200400
BP

Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e.V. – Grüne Schriftenreihe 211

- 35 -

Foto: A. Winkler

¾ Ohne sofortiges verantwortliches Handeln vor Ort werden Feldhamster und
Rebhuhn in absehbarer Zeit in Sachsen aussterben.

Der Artenrückgang im Agrarraum kann nur durch
eine veränderte Landnutzung im Sinne der
Nachhaltigkeit (Restrukturierung, Nutzungsdifferenzierung etc.) aufgehalten werden.
Brachflächen, Gärten und Grünanlagen der
Siedlungen bzw. Siedlungsrandbereiche haben
in dem Zusammenhang wichtige Rückzugs- und
Pufferfunktionen.

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Bedeutung der Gärten für die biologische Vielfalt
¾Grün- und Freiflächen sind in Sachsen mit 2,1% der Landesfläche, in
Siedlungsballungen sogar mit bis zu 20%, wesentliche Landschaftselemente
bzw. Biotopkomplexe. Kleingartenanlagen haben daran einen Anteil von
etwa 1/3 (Quelle: CIR Biotoptypen- und Landnutzungskartierung)
¾Siedlungen mit ihren Grünanlagen und Gärten sind für eine ganze Reihe
Arten optimale Lebensräume. Sie sind außerdem Rückzugsgebiete für
vormals im Offenland weit verbreitete Arten
¾Gartenanlagen sind sehr vielgestaltige und strukturreiche Lebensräume
¾Gartenanlagen gehören zu den Lebensräumen mit der höchsten
Brutvogel-Siedlungsdichte
¾Gartenanlagen sind relativ arm an gefährdeten Arten. Sie tragen aber
wesentlich dazu bei, dass die Listen dieser Arten nicht noch länger werden.
¾dort wo sich Gartenanlagen, Parks und andere Freiflächen konzentrieren,
können sie maßgeblich zum Biotopverbund beitragen.

Bedeutung der Gärten für die biologische Vielfalt
¾Grün- und Freiflächen sind in Sachsen mit 2,1% der Landesfläche, in
Siedlungsballungen sogar mit bis zu 20%, wesentliche Landschaftselemente
bzw. Biotopkomplexe. Kleingartenanlagen haben daran einen Anteil von
etwa 1/3 (Quelle: CIR Biotoptypen- und Landnutzungskartierung)
¾Siedlungen mit ihren Grünanlagen und Gärten sind für eine ganze Reihe
Arten optimale Lebensräume. Sie sind außerdem Rückzugsgebiete für
vormals im Offenland weit verbreitete Arten
¾Gartenanlagen sind sehr vielgestaltige und strukturreiche Lebensräume
¾Gartenanlagen gehören zu den Lebensräumen mit der höchsten
Brutvogel-Siedlungsdichte
¾Gartenanlagen sind relativ arm an gefährdeten Arten. Sie tragen aber
wesentlich dazu bei, dass die Listen dieser Arten nicht noch länger werden.
¾dort wo sich Gartenanlagen, Parks und andere Freiflächen konzentrieren,
können sie maßgeblich zum Biotopverbund beitragen.

Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e.V. – Grüne Schriftenreihe 211

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Bedeutung der Gärten für die biologische Vielfalt
¾Grün- und Freiflächen sind in Sachsen mit 2,1% der Landesfläche, in
Siedlungsballungen sogar mit bis zu 20% wesentliche Landschaftselemente
bzw. Biotopkomplexe. Kleingartenanlagen haben daran einen Anteil von
etwa 1/3 (Quelle: CIR Biotoptypen- und Landnutzungskartierung)
¾Siedlungen mit ihren Grünanlagen und Gärten sind für eine ganze Reihe
Arten optimale Lebensräume. Sie sind außerdem Rückzugsgebiete für
vormals im Offenland weit verbreitete Arten
¾Gartenanlagen sind sehr vielgestaltige und strukturreiche Lebensräume
¾Gartenanlagen gehören zu den Lebensräumen mit der höchsten
Brutvogel-Siedlungsdichte
¾Gartenanlagen sind relativ arm an gefährdeten Arten. Sie tragen aber
wesentlich dazu bei, dass die Listen dieser Arten nicht noch länger werden.
¾Dort wo sich Gartenanlagen, Parks und andere Freiflächen konzentrieren,
können sie maßgeblich zum Biotopverbund beitragen.

Wirbeltiere (Auswahl) mit Optimallebensräumen (O) bzw. Rückzugsräumen
(R) in Siedlungen bzw. Siedlungsrandbereichen mit Grünanlagen und Gärten
Tierart
(Rebhuhn)
Turmfalke
Ringeltaube
Türkentaube
Kuckuck
Gelbspötter
Klappergrasmücke
Gartenrotschwanz
Amsel
Kohlmeise
Blaumeise
Girlitz
Feldsperling

O
X
X
X
X
X
X
X
X
X
X
X

R
(X)
X

X
X
X

Tierart
Aaskrähe
Elster
Igel
Hausspitzmaus
Gartenspitzmaus
Kleine Bartfledermaus
Zwergfledermaus
Breitflügelfledermaus
Feldhase
Steinmarder
Teichmolch
Erdkröte

O
X
X
X
X
X
X
X
X

R
X
X
X
X
X

X
X
X
X

X

Foto: Archiv LfULG, R. M. Schreyer

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Foto: flickr/Er. We

Bedeutung der Gärten für die biologische Vielfalt
¾Grün- und Freiflächen sind in Sachsen mit 2,1% der Landesfläche, in
Siedlungsballungen sogar mit bis zu 20% wesentliche Landschaftselemente
bzw. Biotopkomplexe. Kleingartenanlagen haben daran einen Anteil von
etwa 1/3 (Quelle: CIR Biotoptypen- und Landnutzungskartierung)
¾Siedlungen mit ihren Grünanlagen und Gärten sind für eine ganze Reihe
Arten optimale Lebensräume. Sie sind außerdem Rückzugsgebiete für
vormals im Offenland weit verbreitete Arten
¾Gartenanlagen sind sehr vielgestaltige und strukturreiche Lebensräume
¾Gartenanlagen gehören zu den Lebensräumen mit der höchsten
Brutvogel-Siedlungsdichte
¾Gartenanlagen sind relativ arm an gefährdeten Arten. Sie tragen aber
wesentlich dazu bei, dass die Listen dieser Arten nicht noch länger werden.
¾Dort wo sich Gartenanlagen, Parks und andere Freiflächen konzentrieren,
können sie maßgeblich zum Biotopverbund beitragen.

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Bedeutung der Gärten für die biologische Vielfalt
¾Grün- und Freiflächen sind in Sachsen mit 2,1% der Landesfläche, in
Siedlungsballungen sogar mit bis zu 20% wesentliche Landschaftselemente
bzw. Biotopkomplexe. Kleingartenanlagen haben daran einen Anteil von
etwa 1/3 (Quelle: CIR Biotoptypen- und Landnutzungskartierung)
¾Siedlungen mit ihren Grünanlagen und Gärten sind für eine ganze Reihe
Arten optimale Lebensräume. Sie sind außerdem Rückzugsgebiete für
vormals im Offenland weit verbreitete Arten
¾Gartenanlagen sind sehr vielgestaltige und strukturreiche Lebensräume
¾Gartenanlagen gehören zu den Lebensräumen mit der höchsten
Brutvogel-Siedlungsdichte
¾Gartenanlagen sind relativ arm an gefährdeten Arten. Sie tragen aber
wesentlich dazu bei, dass die Listen dieser Arten nicht noch länger werden.
¾Dort wo sich Gartenanlagen, Parks und andere Freiflächen konzentrieren,
können sie maßgeblich zum Biotopverbund beitragen.

Brutvogelbestände 2006/07 von Gartenanlagen in DD-Kleinzschachwitz
(Kleingärten, Privatgärten, Hausgärten und Randbereiche - ca. 50 ha)
Vogelart

BP/
10h

Vogelart

BP/
10ha

Vogelart

BP/
10ha

1 Amsel

21,6

17 Kleiber

(1,2)

33 Bachstelze

0,4

2 Kohlmeise

14,8

18 Singdrossel

1.2

34 Türkentaube

(0,4)

3 Blaumeise

10,8

19 Buchfink

(1.1)

35 Grauschnäpper

0,3

4 Grünfink

9,1

20 Klappergrasmücke

0,7

36 Bluthänfling

0,3

5 Haussperling

7,6

21 Buntspecht

(0,7)

37 Fitis

0.3

6 Feldsperling

4,5

22 Stieglitz

0,7

38 Fasan

0,3

7 Mönchsgrasmücke

4,0

23 Dorngrasmücke

0,7

39 Grünspecht

(0.2)

8 Star

(3,5)

24 Heckenbraunelle

0,7

40 Kleinspecht

(0.2)

9 Ringeltaube

(3,5)

25 Rotkehlchen

0,7

41 Kuckuck

0,2

10 Zilpzalp

(3,5)

26 Gartenrotschwanz

0.6

42 Trauerschnäpper

(0,1)

11 Elster

(2,7)

27 Gartenbaumläufer

(0.5)

43 Rauchschwalbe

0.1

12 Aaskrähe

(1,7)

28 Wacholderdrossel

(0.4)

44 Goldammer

0,1

13 Eichelhäher

(1,7)

29 Schwanzmeise

0,4

45 Pirol

(0,1)

14 Hausrotschwanz

1,6

30 Gelbspötter

(0,4)

46 Wendehals

(0,1)

Summe 46 Arten
(13 Arten)

107,2
(23,0)

15 Girlitz

1,5

31 Gartengrasmücke

0,4

16 Kernbeißer

(1,2)

32 Nachtigall

0,4

Nahrungsgäste: Stockente, Turmfalke, Waldohreule, Waldkauz, Mauersegler, Mehlschwalbe u. a.

An den Untersuchungsergebnissen ist vor allem
bemerkenswert
¾Die Siedlungsdichte der Brutvögel ist auf Flächen vergleichbarer
Größe ähnlich hoch wie in Parks (60 bis 110 BP/10ha), EichenHainbuchen- und Auwäldern (80 bis 100BP/10ha), höher als in
Hangmischwäldern des Hügellandes (50 bis 80BP/10ha) und deutlich
höher als in Buchenwäldern des Berglandes (40 bis 50BP/10ha) sowie
Fichten- und Kiefernforsten (20 bis 40 bzw. 15 bis 30 BP/10ha).
¾Eine ganze Reihe von Brutvogelarten (Werte in Klammern) ist jedoch
+/- an höhere (ältere) Bäume und Baumgruppen gebunden, die in
Kleingartenanlagen meist fehlen. Ohne diese reduzieren sich Artenzahl
und Siedlungsdichte um ca. ¼.

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Bedeutung der Gärten für die biologische Vielfalt
¾Grün- und Freiflächen sind in Sachsen mit 2,1% der Landesfläche, in
Siedlungsballungen sogar mit bis zu 20% wesentliche Landschaftselemente
bzw. Biotopkomplexe. Kleingartenanlagen haben daran einen Anteil von
etwa 1/3 (Quelle: CIR Biotoptypen- und Landnutzungskartierung)
¾Siedlungen mit ihren Grünanlagen und Gärten sind für eine ganze Reihe
Arten optimale Lebensräume. Sie sind außerdem Rückzugsgebiete für
vormals im Offenland weit verbreitete Arten
¾Gartenanlagen sind sehr vielgestaltige und strukturreiche Lebensräume
¾Gartenanlagen gehören zu den Lebensräumen mit der höchsten
Brutvogel-Siedlungsdichte
¾Gartenanlagen sind relativ arm an gefährdeten Arten. Sie tragen aber
dazu bei, dass die Listen dieser Arten nicht noch länger werden.
¾Dort wo sich Gartenanlagen, Parks und andere Freiflächen konzentrieren,
können sie bedeutsam für den Biotopverbund sein.

Wirbeltierarten (Auswahl), die ohne entsprechende Lebensräume
in Gärten und Grünanlagen bzw. in der Siedlungsrandzone
gegebenenfalls gefährdet wären bzw. eine höheren
Gefährdungsgrad hätten:

Feldhase, Igel, Hausspitzmaus, Gartenspitzmaus, Kleine
Bartfledermaus, Türkentaube, Kuckuck, Waldohreule, Gelbspötter,
Klappergrasmücke, Gartenrotschwanz, Girlitz, Feldsperling,
Bluthänfling, Elster .

Foto: flickr/Margrit

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Foto: flickr/ulle.b

Foto: flickr/Charlott-L

Der Gartenrotschwanz ist Vogel des Jahres 2011
¾Insbesondere durch ungünstige Bedingungen in seinen Winterquartieren
(Waldrodungen und Dürren in der Sahelzone) ist er stark zurückgegangen
¾Immer dichtere Wälder, Strukturverarmung der Landschaft, Rückgang von
Streuobstwiesen, sterile Parks und Gärten haben seine Lebensbedingungen
auch in Deutschland eingeschränkt
¾In Sachsen kommt der Gartenrotschwanz fast nur noch in Siedlungsrandbereichen mit Grünanlagen und Gärten vor
¾Kleingartenanlagen spielen dabei eine besondere Rolle, soweit sie eine
große Strukturvielfalt mit einigen hohen (Obst) Bäumen, natürlichen
Bruthöhlen oder geeigneten Nistkästen, offenen Beetflächen sowie hoher
Spinnen- und Insektendichte (extensiv genutzte Bereiche, kein
Biozideinsatz) aufweisen.

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Bedeutung der Gärten für die biologische Vielfalt
¾Grün- und Freiflächen sind in Sachsen mit 2,1% der Landesfläche, in
Siedlungsballungen sogar mit bis zu 20% wesentliche Landschaftselemente
bzw. Biotopkomplexe. Kleingartenanlagen haben daran einen Anteil von
etwa 1/3 (Quelle: CIR Biotoptypen- und Landnutzungskartierung)
¾Siedlungen mit ihren Grünanlagen und Gärten sind für eine ganze Reihe
Arten optimale Lebensräume. Sie sind außerdem Rückzugsgebiete für
vormals im Offenland weit verbreitete Arten
¾Gartenanlagen sind sehr vielgestaltige und strukturreiche Lebensräume
¾Gartenanlagen gehören zu den Lebensräumen mit der höchsten
Brutvogel-Siedlungsdichte
¾Gartenanlagen sind relativ arm an gefährdeten Arten. Sie tragen aber
wesentlich dazu bei, dass die Listen dieser Arten nicht noch länger werden.
¾Dort wo sich Gartenanlagen, Parks und andere Freiflächen konzentrieren,
können sie maßgeblich zum Biotopverbund beitragen.

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Anhand der vorangehenden beiden Folien wird am
Beispiel von Dresden sichtbar, dass Gartenanlagen
¾wesentlicher Ausgangspunkt für einen innerstädtischen Biotopverbund
sowie einen Biotopverbund mit dem Stadtumland sind,
¾sogar entsprechende Funktionen in landesweiten Biotopverbundachsen
haben können (Elbealtarm im Südosten der letzten Folie).

Nicht vordergründig nützlich – schädlich – Denken, sondern Erkennen
funktonaler Beziehungen

Foto: Archiv LfULG, R. Stets

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Die vorangegangenen drei Folien demonstrieren
folgendes
¾Blattläuse sind nicht nur ein unangenehmer Parasit der Gartenpflanzen
sondern Ausgangspunkt vielfältiger Nahrungsbeziehungen,
¾Beispielweise leben viele Hautflügler (z. B. Ameisen) von den
Ausscheidungen der Blattläuse
¾ Ameisen sind ihrerseits unentbehrliche Nahrungsgrundlage für
Grünspecht und Wendehals, bestimmte Knotenameisen im
Entwicklungszyklus der Ameisen – Bläulinge unverzichtbar. Ameisen tragen
außerdem zur Samenverbreitung von Pflanzen bei
¾Die Larven der meisten Marienkäferarten leben von Blattläusen. Ohne
Blattläuse also auch keine Marienkäfer

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Für manchen Vogelfreund sind Krähen und Elstern
die schlimmsten Feinde, weil Sie Eier und Jungvögel
fressen. Es ist aber zu bedenken:
¾Krähennester sind unverzichtbare Nistplätze von Baum- und Turmfalke
sowie der Waldohreule. Das Zurückweichen der Aaskrähe aus der offenen
Landschaft ist u. a. eine der Rückgangsursachen des Baumfalken. Das hat
dazu geführt, dass es kaum noch baumbrütende Turmfalken gibt und die
Waldohreule heute vor allem im Siedlungsrandbereich vorkommt.
¾Trotz der Zunahme von Aaskrähe und Elster im Siedlungsbereich sind
z. B. Amsel und Ringeltaube, deren Eier und Nestjunge vor allem
gefressen werden, nicht seltener, sondern eher häufiger geworden. Das ist
ein Beispiel dafür, dass in vielen Fällen nicht der Räuber die Beute reguliert,
sondern die Beute den Räuber bzw. die Beutetiere entziehen sich
erfolgreich dem Räuber durch gute Tarnung ihrer Nester und eine längere
Brutzeit mit einer größeren Anzahl Bruten.

Zur Erinnerung nochmals drei Folien aus der
Einleitung
Die Organismen leben in verschiedenen trophischen Ebenen, über die
sich der Energiefluss und der Stoffkreislauf vollziehen

Primärproduzenten

Konsumenten 1

Konsumenten 2

Konsumenten 3

(autotrophe
Pflanzen)

(phytophager Tiere)

(Fresser
phytophager Tiere)

(Fresser zoophager
Tiere)

Reduzenten

Destruenten

(heterotrophe u.
chemoautotrophe
Pilze, Bakterien u.a.)

(saprophage Tiere)

Es entstehen dabei hochkomplizierte Nahrungsnetze.

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Das Ergebnis all dieser Wechselbeziehungen ist ein Gleichgewicht

zwischen Photosynthese (Assimilation)
6 H2O + 6 CO2 + Sonnenenergie Æ C6H12O6 + 6 O2 (bei Anwesenheit von
Chlorophyll)

und Atmung (Dissimilation)
6 O2 + C6H12O6 Æ 6 CO2 + 6 H2O + 2880 kJ/mol Glukose

Die Gesamtheit der heute lebenden Organismen mit ihren Nahrungsnetzen und ihnen innewohnenden Rückkopplungsmechanismen bzw.
Puffersystemen sichern letztendlich elementare Lebensgrundlagen.
Davon können einzelne Arten nicht ausgeschlossen werden, auch wenn
man mit ihnen im täglichen Leben gewisse Probleme hat.

Hinweise zur Förderung der Artenvielfalt im Garten
¾Förderung eines halboffenen, vielfältigen Charakters durch entsprechende
Baum- und Strauchanteile, Gartenblumen-, Wiesen- und Beetflächen
¾Einbeziehung (hoher) Bäume und Baumgruppen in oder am Rande von
Gartenanlagen
¾Förderung von Holunder, Weißdorn, Wildrose, Feuerdorn u. a. stark
blühenden und beerenreichen Sträuchern
¾Sicherung eines von Frühjahr bis Herbst durchgehenden Blütenangebotes
durch Förderung entsprechender Blütenpflanzen
¾Beschränkung einer intensiven Rasenpflege auf Sitz- und Liegeflächen,
Belassen von nur im mehrjährigen Abstand gepflegten Randbereichen
¾Belassen von Laub- und Pflanzenresten im Garten; Anlage von Laub-,
Reisig- und Komposthaufen; Schonung von Engerlingen beim Umsetzen
von Kompost

Hinweise zur Förderung der Artenvielfalt im Garten
(Fortsetzung)

¾Anlage von Gartenteichen, Trockenmauern sowie Stein- und Sandhaufen
¾Aufhängen von Vogelnistkästen; belassen von Nischen bzw. Anbringen
von Halbhöhlen oder Nistbrettchen an Gartenlauben; aufstellen und
regelmäßige Versorgung von Vogeltränken und Winterfütterungen
¾Anlage von Insektenhotels aus Schilfhalmbündeln, Holzklötzen und
Hohlziegeln mit möglichst tiefen, zwei bis acht mm dicken Bohrlöchern als
Bruthilfen bzw. Unterschlupfmöglichkeiten für Insekten
¾Sicherung einer hinreichenden Vernetzung zwischen den einzelnen
Lebensräumen bzw. Teillebensräumen

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Hinweise zur Förderung der Artenvielfalt im Garten
¾Förderung eines halboffenen, vielfältigen Charakters durch entsprechende
Baum- und Strauchanteile, Gartenblumen-, Wiesen- und Beetflächen
¾Einbeziehung (hoher) Bäume und Baumgruppen in oder am Rande von
Gartenanlagen
¾Förderung von Holunder, Weißdorn, Wildrose, Feuerdorn u. a. stark
blühenden und beerenreichen Sträuchern
¾Sicherung eines von Frühjahr bis Herbst durchgehenden Blütenangebotes
durch Förderung entsprechender Blütenpflanzen
¾Beschränkung einer intensiven Rasenpflege auf Sitz- und Liegeflächen,
Belassen von nur im mehrjährigen Abstand gepflegten Randbereichen
¾Belassen von Laub- und Pflanzenresten im Garten; Anlage von Laub-,
Reisig- und Komposthaufen; Schonung von Engerlingen beim Umsetzen
von Kompost

Hinweise zur Förderung der Artenvielfalt im Garten
¾Förderung eines halboffenen, vielfältigen Charakters durch entsprechende
Baum- und Strauchanteile, Gartenblumen-, Wiesen- und Beetflächen
¾Einbeziehung (hoher) Bäume und Baumgruppen in oder am Rande von
Gartenanlagen
¾Förderung von Holunder, Weißdorn, Wildrose, Feuerdorn u. a. stark
blühenden und beerenreichen Sträuchern
¾Sicherung eines von Frühjahr bis Herbst durchgehenden Blütenangebotes
durch Förderung entsprechender Blütenpflanzen
¾Beschränkung einer intensiven Rasenpflege auf Sitz- und Liegeflächen,
Belassen von nur im mehrjährigen Abstand gepflegten Randbereichen
¾Belassen von Laub- und Pflanzenresten im Garten; Anlage von Laub-,
Reisig- und Komposthaufen; Schonung von Engerlingen beim Umsetzen
von Kompost

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Foto: Archiv LfULG, G. Fünfstück
Nadelgehölze gewähren bereits vor Laubausbruch brütenden Vögel Deckung vor Prädatoren

Hinweise zur Förderung der Artenvielfalt im Garten
¾Förderung eines halboffenen, vielfältigen Charakters durch entsprechende
Baum- und Strauchanteile, Gartenblumen-, Wiesen- und Beetflächen
¾Einbeziehung (hoher) Bäume und Baumgruppen in oder am Rande von
Gartenanlagen
¾Förderung von Holunder, Weißdorn, Wildrose, Feuerdorn u. a. stark
blühender und beerenreicher Sträuchern
¾Sicherung eines von Frühjahr bis Herbst durchgehenden Blütenangebotes
durch Förderung entsprechender Blütenpflanzen
¾Beschränkung einer intensiven Rasenpflege auf Sitz- und Liegeflächen,
Belassen von nur im mehrjährigen Abstand gepflegten Randbereichen
¾Belassen von Laub- und Pflanzenresten im Garten, Anlage von Laub-,
Reisig- und Komposthaufen, Schonung von Engerlingen beim Umsetzen
von Kompost

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Hinweise zur Förderung der Artenvielfalt im Garten
¾Förderung eines halboffenen, vielfältigen Charakters durch entsprechende
Baum- und Strauchanteile, Gartenblumen-, Wiesen- und Beetflächen
¾Einbeziehung (hoher) Bäume und Baumgruppen in oder am Rande von
Gartenanlagen
¾Förderung von Holunder, Weißdorn, Wildrose, Feuerdorn u. a. stark
blühenden und beerenreichen Sträuchern
¾Sicherung eines von Frühjahr bis Herbst durchgehenden Blütenangebotes
durch Förderung entsprechender Blütenpflanzen
¾Beschränkung einer intensiven Rasenpflege auf Sitz- und Liegeflächen,
Belassen von nur im mehrjährigen Abstand gepflegten Randbereichen
¾Belassen von Laub- und Pflanzenresten im Garten; Anlage von Laub-,
Reisig- und Komposthaufen; Schonung von Engerlingen beim Umsetzen
von Kompost

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- 50 -

Auf die besondere Bedeutung von Weiden als Nahrungspflanzen von
Insekten, insbesondere der Blüten (Weidenkätzchen) der Saalweide als
einer der ersten Pollen- und Nektarspender im Frühjahr (z. B. für Honigbienen), verdient immer wieder hingewiesen zu werden!

Hinweise zur Förderung der Artenvielfalt im Garten
¾Förderung eines halboffenen, vielfältigen Charakters durch entsprechende
Baum- und Strauchanteile, Gartenblumen-, Wiesen- und Beetflächen
¾Einbeziehung (hoher) Bäume und Baumgruppen in oder am Rande von
Gartenanlagen
¾Förderung von Holunder, Weißdorn, Wildrose, Feuerdorn u. a. stark
blühenden und beerenreichen Sträuchern
¾Sicherung eines von Frühjahr bis Herbst durchgehenden Blütenangebotes
durch Förderung entsprechender Blütenpflanzen
¾Beschränkung einer intensiven Rasenpflege auf Sitz- und Liegeflächen,
Belassen von nur im mehrjährigen Abstand gepflegten Randbereichen
¾Belassen von Laub- und Pflanzenresten im Garten; Anlage von Laub-,
Reisig- und Komposthaufen; Schonung von Engerlingen beim Umsetzen
von Kompost

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Foto: H. Rank

Hinweise zur Förderung der Artenvielfalt im Garten
¾Förderung eines halboffenen, vielfältigen Charakters durch entsprechende
Baum- und Strauchanteile, Gartenblumen-, Wiesen- und Beetflächen
¾Einbeziehung (hoher) Bäume und Baumgruppen in oder am Rande von
Gartenanlagen
¾Förderung von Holunder, Weißdorn, Wildrose, Feuerdorn u. a. stark
blühenden und beerenreichen Sträuchern
¾Sicherung eines von Frühjahr bis Herbst durchgehenden Blütenangebotes
durch Förderung entsprechender Blütenpflanzen
¾Beschränkung einer intensiven Rasenpflege auf Sitz- und Liegeflächen,
Belassen von nur im mehrjährigen Abstand gepflegten Randbereichen
¾Belassen von Laub- und Pflanzenresten im Garten; Anlage von Laub-,
Reisig- und Komposthaufen; Schonung von Engerlingen beim Umsetzen
von Kompost

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Hinweise zur Förderung der Artenvielfalt im Garten
¾Anlage von Gartenteichen sowie Trockenmauern, Stein- und Sandhaufen
¾Aufhängen von Vogelnistkästen; belassen von Nischen bzw. Anbringen
von Halbhöhlen oder Nistbrettchen an Gartenlauben; aufstellen und
regelmäßige Versorgung von Vogeltränken und Winterfütterungen
¾Anlage von Insektenhotels aus Schilfhalmbündeln. Holzklötzen und
Hohlziegeln mit möglichst tiefen, zwei bis acht mm dicken Bohrlöchern als
Bruthilfen bzw. Unterschlupfmöglichkeiten für Insekten
¾Sicherung einer hinreichenden Vernetzung zwischen den einzelnen
Lebensräumen bzw. Teillebensräumen

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Foto: Ch. Otto

Fotos: Ch. Otto, oben links: A. Winkler

Hinweise zur Förderung der Artenvielfalt im Garten
¾Anlage von Gartenteichen sowie Trockenmauern, Stein- und Sandhaufen
¾Aufhängen von Vogelnistkästen; belassen von Nischen bzw. Anbringen
von Halbhöhlen oder Nistbrettchen an Gartenlauben; aufstellen und
regelmäßige Versorgung von Vogeltränken und Winterfütterungen
¾Anlage von Insektenhotels aus Schilfhalmbündeln. Holzklötzen und
Hohlziegeln mit möglichst tiefen, zwei bis acht mm dicken Bohrlöchern als
Bruthilfen bzw. Unterschlupfmöglichkeiten für Insekten
¾Sicherung einer hinreichenden Vernetzung zwischen den einzelnen
Lebensräumen bzw. Teillebensräumen

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(aus SMUL 2007)

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(aus Schwegler Nr. 67)

Hinweise zur Förderung der Artenvielfalt im Garten
¾Anlage von Gartenteichen sowie Trockenmauern, Stein- und Sandhaufen
¾Aufhängen von Vogelnistkästen; belassen von Nischen bzw. Anbringen
von Halbhöhlen oder Nistbrettchen an Gartenlauben; aufstellen und
regelmäßige Versorgung von Vogeltränken und Winterfütterungen
¾Anlage von Insektenhotels aus Schilfhalmbündeln. Holzklötzen und
Hohlziegeln mit möglichst tiefen, zwei bis acht mm dicken Bohrlöchern als
Bruthilfen bzw. Unterschlupfmöglichkeiten für Insekten
¾Sicherung einer hinreichenden Vernetzung zwischen den einzelnen
Lebensräumen bzw. Teillebensräumen

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Hinweise zur Förderung der Artenvielfalt im Garten
¾Anlage von Gartenteichen sowie Trockenmauern, Stein- und Sandhaufen
¾Aufhängen von Vogelnistkästen; belassen von Nischen bzw. Anbringen
von Halbhöhlen oder Nistbrettchen an Gartenlauben; aufstellen und
regelmäßige Versorgung von Vogeltränken und Winterfütterungen
¾Anlage von Insektenhotels aus Schilfhalmbündeln. Holzklötzen und
Hohlziegeln mit möglichst tiefen, zwei bis acht mm dicken Bohrlöchern als
Bruthilfen bzw. Unterschlupfmöglichkeiten für Insekten
¾Sicherung einer hinreichenden Vernetzung zwischen den einzelnen
Lebensräumen bzw. Teillebensräumen

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Zusammenfassung
Natürliche
Standortsvielfalt

Landnutzungsvielfalt
(differenzierte
Landnutzung)

Biologische Vielfalt

Biologische Vielfalt

Lebensgrundlage

Biologische Vielfalt

Minderung der Klimafolgen

Biologische Vielfalt

Lebensqualität

Dazu können Grünanlagen und Gärten einen wesentlichen
Beitrag leisten

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Biologische Vielfalt ist auch Lebensqualität, Quelle
sinnlicher Wahrnehmung und ästhetischen Empfindens

Foto: Archiv LfULG, W. Böhnert

Foto: Archiv LfULG

Literatur
ARNOLD, A., T. BROCKHAUS & W. KRETZSCHMAR (1994): Rote Liste Libellen. In: Sächsisches
Landesamt für Umwelt und Geologie (Hrsg.) – Arbeitsmaterialien Naturschutz. Radebeul
BERTHOLD, P. U. G. MOHR (2006): Vögel füttern – aber richtig. Kosmos Verlag Stuttgart
BERNHARDT, H.: Anthropogene geoökologische Veränderungen der kleinen Offenland-Hohlformen
am Erzgebirgsrand im 20. Jahrhundert. In: BILLWITZ, K., JÄGER, K.-D. u. JANKE, W.: Jungquartäre
Landschaftsräume. Berlin – Heidelberg 1992: 272 – 291
BMU (Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit) (2007): Nationale Strategie
zur biologischen Vielfalt. Reihe Umweltpolitik. Paderborn
BÖRNER, J., K. RICHTER, M. M. SCHNEIDER & S. STRAUBE (1994): Rote Liste Heuschrecken. In:
Sächsisches Landesamt für Umwelt und Geologie (Hrsg.) – Arbeitsmaterialien Naturschutz. Radebeul
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ZIMMERMANN, R. (1934): Die Säugetiere Sachsens. – Festschr. Naturwiss. Ges. ISIS Dresden: 50 - 99

Bildautoren (sofern nicht auf den Folien angegeben bzw. vom Verfasser)
Folie 55
oben rechts: Archiv LfULG, J. Hennersdorf
unten links: aus Hutter et al.(1988) unten Mitte: Archiv LfULG unten rechts: Archiv LfULG, M.. Deussen
Folie 59
oben links: Archiv LfULG, J. Hennersdorf oben rechts:
unten links: flickr/steve´s wildlive
Folie 72
oben links: flickr/Maja Dumat oben rechts: flickr/Jürgen Mangelsdorf
Folie 75
links: flickr/cimddwc rechts: flickr/Falko
Folie 79
unten links: Archiv LfULG, H. Rank unten Mitte: flickr/Petra&Wilfried unten rechts: flickr/Gartenfreuden
Folie 81
oben Mitte: flickr/Andreas Heyden oben rechts: flickr/Margrit
Mitte: flickrIMargrit Mitte rechts: flickr/Peter Wenz
Folie 83
oben rechts: flickr/gynti
unten links: flickr/Naturalismus unten halblinks: flickr/Aureusbay
unten halbrechts: flickr/J. S. Müller unten rechts: flickr/Collin Key
Folie 84
rechts: Ch. Otto
Folie 85
oben links: Archiv LfULG, A. Winkler oben rechts: Ch. Otto rechts Mitte: Ch. Otto
unten links: Ch. Otto unten Mitte: Ch. Otto unten rechts: Ch. Otto
Folie 87
oben links/Mitte/rechts, unten links/Mitte: aus Schwegler Nr. 67
Folie 90
oben links: flickr/Sebastin Suk rechts: flickr/Aureusbay
unten links: aus Berthold & Mohr(2006)
Folie 93
flickr/Kornelia Haslbeck oben rechts: aus Schwegler Nr. 67
Folie 95
unten links: Archiv LfULG, J. Hennersdorf

Zeichnungen (sofern nicht auf den Folien angegeben)
Folie 84, 95 aus Klausnitzer(1994)

Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e.V. – Grüne Schriftenreihe 211

- 59 -

Biologische Vielfalt bei Kulturpflanzen
ist im Kleingarten Realität

Jürgen Sheldon
Präsidiumsmitglied Fachberatung des BDG

1

EINLEITUNG

Untersuchung zur Vielfalt
von Kulturpflanzen in Kleingärten
(Kartierung)

Ä Zeitraum: Herbst 2003 bis Frühjahr 2006
Ä Beteiligte: 18 von 19 Landesverbänden

Ä Verteilung: 62 Regionen Deutschlands,
83 Kleingartenstandorte
Ä kartierte Fläche: rund 50 Hektar

2

RAHMENBEDINGUNGEN
Nationales Fachprogramm
„Pflanzengenetische Ressourcen“
Bundesministerium für Ernährung und
Landwirtschaft und Verbraucherschutz

Æ
Forschungs- und Entwicklungsprojekt
„Erfassung, Dokumentation und
Bewertung genetischer Ressourcen
von Zierpflanzen“
Universität Kassel,
Fachgebiet Agrarbiodiversität

Æ
Studie Biodiversität der Kulturpflanzen in
Kleingärten
Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e. V.

Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e.V. – Grüne Schriftenreihe 211

- 60 -

3

ZIELSTELLUNGEN
Ä Es sollte ein möglichst großes Spektrum
der in Kleingärten kultivierten
Pflanzenarten und -sorten erfasst
werden.
Ä Es sollten seltene Kulturpflanzenarten
und -sorten erfasst werden.
Ä Es sollte möglich sein,
die Kulturpflanzenvielfalt in den
Bundesländern (den Landesverbänden)
miteinander zu vergleichen.
Ä Es sollte möglich sein,
die Kulturpflanzenvielfalt von Regionen
miteinander zu vergleichen.
Ä Es sollte möglich sein, Vergleiche mit
anderen gärtnerischen Nutzungsformen
zu ziehen.

4

METHODIK
Ä jeder Landesverband benannte
mindestens zwei geografische Regionen
Ä je Region wurden mindestens
zwei Kleingartenanlagen untersucht
Ä je Anlage wurden mindestens 1000 m²
Pachtfläche und 250m² Gemeinschaftsfläche kartiert
Ä es wurden alle Kulturpflanzen außer
Rasengesellschaften erfasst
Ä Wildpflanzen wurden nur erfasst,
wenn sie angebaut wurden
Ä es wurde jede Untersuchungsfläche
dreimal kartiert (Frühjahr, Sommer,
Herbst)

5

BEGEHUNGSTEAMS
Ä 18 Landesverbände stellten
Begehungsteams zusammen
Ä Mehr als 130 Personen waren
an den Kartierungen beteiligt
Ä Kleingärtner mit langjähriger gärtnerischer
Erfahrung
Ä Fachkräfte mit Grün-Qualifikationen aus
Natur-, Agrar- und Gartenbauwissenschaften

Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e.V. – Grüne Schriftenreihe 211

- 61 -

6
Ä

KARTIERUNGSEINHEITEN

Übersicht der gemeldeten
Kommunen,
denen 83 Kartierungsstandorte
zuzuordnen sind
(62 geografische Regionen)

Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e.V.

7

ARTENZAHLEN

Ergebnisse

8

Ä
Ä
Ä
Ä

Pflanzen (Akzessionen):
Familien:
Arten:
Sorten:

28.841
170
2.094
1.540

Ä

artenreichste Pflanzenfamilie:
Asteraceae

Ä

Sortenreichste Ränge:
Malus x domestica, Rosa

Ä

je 17 m² eine Pflanzenart

Ä

Prozentuale Verteilung der
Nutzungsformen bei in Kleingärten
gefundenen Kulturpflanzenarten

NUTZUNGSFORMEN,
ANBAUGRUPPEN

2%

Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e.V. – Grüne Schriftenreihe 211

- 62 -

9

NUTZUNGSFORMEN,
ANBAUGRUPPEN

10

NUTZUNGSFORMEN,
ANBAUGRUPPEN

Ä

Ä

Prozentuale Verteilung der
Anbaugruppen bei in Kleingärten
gefundenen Nahrungspflanzenarten

Prozentuale Verteilung der
Anbaugruppen bei in Kleingärten
gefundenen Zierpflanzenarten

Sträucher
Stauden

Zwiebel- und
Knollenpflanzen

Beetpflanzen
(Einjährige)
Topf- und
Kübelpflanzen
Wildpflanzen
(kultiviert)
Wasser- und
Sumpfpflanzen
Laubbäume

11

weitere
Anbaugruppen

HÄUFIGKEITEN
UND VERTEILUNG
Ä

höchste Stetigkeit: 100%,
das entspricht einem Vorkommen
in allen Kartierungseinheiten

Ä

die 5 stetigsten Kulturpflanzenarten:
1
2
3
4
5

Ä

Ringelblume (Calendula officinalis)
Petersilie (Petroselinum crispum)
Tomate (Solanum lycopersicon)
Rote Johannisbeere (Ribes rubrum)
Echter Lavendel (Lavandula officinalis)

31% aller Arten wurden nur einmal
gefunden

Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e.V. – Grüne Schriftenreihe 211

- 63 -

12

ARTENZAHLEN –
EIN VERGLEICH

Kleingärten

Produktionsgartenbau

Landwirtschaft

Obstbau

59

30

25

Gemüsebau

114

35

Arznei- und
Gewürzpflanzenbau

80

80

Zierpflanzenbau

1.813

2000-3000 [1]
(400)

(Ackerbaupflanzen,
wie Getreide- und
Hackfruchtarten)

[1]

Im Produktionsgartenbau spielen auch Zierpflanzenkulturen des geschützten Anbaus wie Schnittblumen, Topf-,
Grün- und Buntblattpflanzen eine relevante Rolle , wobei von den 2000-3000 insgesamt geschätzten
Zierpflanzenarten nur rund 400 wirtschaftlich von Bedeutung sind (BMELV, 2007)

13

ARTENZAHLEN –
EIN VERGLEICH

Weißenfels (Sachsen-Anhalt)

Kleingartenanlage

Stadtpark

1000 m²

19.000 m²

Artenzahlen

224

103

Mittelwert (je 100 m²)

22,4

0,5

Untersuchte Fläche

14

NEOPHYTEN –
INVASIVE ARTEN
19 Pflanzenarten in Kleingartenanlagen,
die als invasiv gelten (BfN, 2006)

Ä
Ä
Ä
Ä
Ä
Ä
Ä
Ä
Ä
Ä
Ä
Ä
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Ä
Ä
Ä
Ä
Ä

Amerikanische Kultur-Heidelbeere
Bastard-Pappel
Drüsiges Springkraut
Eschenahorn
Gelbe Schein-Calla
Gewöhnliche Douglasie
Schmetterlingsstrauch
Gewöhnlicher Japan-Knöterich
Gewöhnliche Schneebeere
Kanadische Goldrute
Kartoffel-Rose
Sachalin-Knöterich
Schwarzkiefer
Späte Goldrute
Späte Traubenkirsche
Topinambur
Vielblättrige Lupine
Weymouth-Kiefer
Robinie

Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e.V. – Grüne Schriftenreihe 211

- 64 -

15

SELTENE KULTURPFLANZENARTEN
Auswahl wenig genutzter Kulturpflanzenarten, die in Kleingärten vorkommen
Ä
Ä
Ä
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Ä
Ä
Ä
Ä
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Ä
Ä
Ä
Ä
Ä
Ä

16

Brauner Senf
Echte Pastinake
Echter Buchweizen
Färberwaid (Deutsche Indigo)
Färber-Wau
Feder-Nelke
Garten-Schwarzkümmel
Gemeiner Kümmel
Gewöhnliches Seifenkraut
Guter Heinrich
Linse
Mairübchen
Rote Nachtviole
Saat-Platterbse
Schnittsellerie
Stauden-Lein
Weiße Maulbeere

ZUSAMMENFASSUNG
Erfassung der Diversität der Kulturpflanzen in Kleingärten
Ä
Ä

Untersuchungszeitraum: 2003-2008
kartierte Fläche: 50 ha, 83 Kleingartenanlagen, 62 Regionen bundesweit

Ä
Ä
Ä
Ä
Ä

2094 Kulturpflanzenarten
86% Zierpflanzen
12% Nahrungspflanzen (253 Arten)
2% Gründüngung und Bienenweide
am häufigsten (stetigsten): Ringelblume, Schnittpetersilie, Tomate, Rote
Johannisbeere, Echter Lavendel

Ä
Ä

31% aller Arten nur einmal gefunden
viele alte und seltene Kulturpflanzen

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- 65 -

Ökoprojekte sind auf jeder Parzelle
möglich – kleine Projekte mit großer
Wirkung
Werner Bolder
Oer-Erkenschwick

Der Kleingärtnerverein „Arbeit und Freude“ in Oer-Erkenschwick hat seit Ende der 70iger Jahre des
letzten Jahrhunderts eine große Anzahl von Natur- und Umweltschutzprojekten geschaffen. Dabei
hat er sehr früh den Begriff „Ökoprojekte“ gewählt. Den Machern vor Ort war sehr wohl bewusst,
damit auf den Zug der sogenannten „Ökobewegung“ aufzuspringen.
Im Internet nachzulesen:
http://www.arbeitundfreude.de.vu/ Menüpunkt: Geschichte
oder http://www.uni-due.de/~can0a0/Geschichte3.htm
Im Nachfolgenden sollen eigene Erfahrungen im Verein zu dem Thema „Ökoprojekte“ dargestellt
und aufgezeigt werden, wie selbstverständlich heute Ökoprojekte in Kleingärten vorhanden sind
und wie dort praktischer Naturschutz betrieben wird.
In einem zweiten Teil wird versucht darzustellen, wie auf der Ebene des Landesverbandes bei den
Schulungen eine entsprechende Entwicklung stattfand.
1.

Ausgangslage:

In der Kleingartenanlage des Vereins "Arbeit und Freude" wurden über die Jahrzehnte bis zum
Jahre 2000 immer wieder neue Umwelt- und Naturschutz-Projekte geschaffen.
Die Kleingartenanlage liegt am nördlichen Rand des Ruhrgebietes und grenzt an das Naherholungsgebiet "Die Haard" im südlichen Münsterland.
Sie hat eine Fläche von 4 ha (40.000 qm) und 64 Gartenparzellen, die von den Vereinsmitgliedern
gepachtet sind.
Auf den nicht parzellierten Flächen sind zunächst viele Natur- und Umweltschutzprojekte geschaffen worden. Dies sind
1.
2.
3.
4.
5.
6.
7.
8.

die Obstwiese,
das Moderbiotop ,
der Heckenrandstreifen ,
die Steinmauern,
der Totholzhaufen,
der Feuchtgraben mit Kolks (Verbundbiotop),
das Windrad mit Brunnen,
die Wallhecke,

Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e.V. – Grüne Schriftenreihe 211

- 66 -

9. die Blumenwiesen,
10. die Parkfläche mit umweltfreundlichem Naturschotterbelag für 32 PKW-Einstellplätze („Ökoparkplatz“),
11. die Flechtzäune.
Im Detail heißt das: Die Obstwiese ist mit vielen alten Obstbaumsorten bepflanzt und soll nach
Jahren zur Streuobstwiese werden. Unter den Bäumen werden Wildblumen wachsen und der zunächst noch freie Platz ist mit Beeten für Johannis- und Stachelbeersträucher ausgefüllt.
Das Moderbiotop ist eine große Wasserstelle in dem alte Baumstubben und Baumstämme in den
nächsten Jahren vermodern. Die dabei auftretenden Pilze und Moose sind besonders selten und
schützenswert. Gleichzeitig dient es als Regenrückhaltebecken mit einer klärenden Wirkung für das
Sickerwasser des Parkplatzes.
Der Heckenrandstreifen besteht aus über 200 heimischen Sträuchern und enthält Ansiedlungshilfen für Mauswiesel und andere seltene Tierarten. Seine Gestaltung und Pflege hat die DBV-Jugend
übernommen.
Die Steinmauern sind ein wesentliches Gestaltungselement der Parkboxen. Ihre Bepflanzung und
Gestaltung erfolgte auf der Grundlage von Trockenmauern.
Die Flechtzäune sind ebenfalls zur Abgrenzung der Parkboxen gedacht. Ihre Funktion ist die Verwendung von Baumschnitt zur Erstellung von Vogelschutzgehölzen.
Der Feuchtgraben ist der Versuch ein Feucht-Trockenbiotop zu gestalten. Ein leicht mäandrierter
Graben mit wenig Gefälle ist an einigen Stellen mit Folie ausgekleidet. Das fließende Wasser verdunstet in Perioden von Trockenheit. In den Folienbereichen entstehen Wasserstellen (Kolks).
Das Windrad fördert aus einer Tiefe von 5m Wasser in ein Überlaufbecken (Gießwasser). Durch
eine Leitung gelangt das Wasser in den Graben.
Die Wallhecken und die Blumenwiesen sind gestalterische Elemente. Wallhecken, typisch für die
Landschaft des Münsterlandes, sind mit ihrer artgerechten Bepflanzung mit heimischen Sträuchern, Bäumen und Pflanzen ein Refugium für viele vom Aussterben bedrohten Tierarten.
Blumenwiesen sind eine echte Alternative zum kurzgeschorenen Rasen. Sie sehen schöner aus und
bieten vielen Pflanzen und Tieren einen Lebensraum. Ein Hummelkasten ist ebenfalls aufgestellt.
Der Naturschotterbelag ist wasserdurchlässig und eine echte Alternative zur versiegelten Fläche.
Auf ihr werden sich widerstandsfähige Pflanzen ansiedeln können.
2.

Entwicklung des Natur- und Umweltschutzes auf den Parzellen:

Bei der Schaffung der Projekte wurde auf den Nachmachaspekt gesetzt.
Dazu sollen ökologische Zusammenhänge aufgezeigt werden. In der Planungsphase wurde ausführlich über den Naturschutzaspekt des jeweiligen Projektes mit den Mitgliedern gesprochen.
Immer wieder wurden Beispiele aus anderen Naturflächen aufgezeigt.
Die Mitglieder machten begeistert mit.
In den Mitgliederversammlungen war es kein Problem, die Zahl der Gemeinschaftsstunden von
Jahr zu Jahr zu erhöhen.
Im Jahre 1987 leistete jeder Parzellenpächter 48 Stunden.
Da die Vereinsmitglieder auf den Nachmacheffekt setzten, wurde gespannt auf die Schaffung von
Ökoprojekten auf den einzelnen Parzellen geachtet. Das Ergebnis vor Ort war zunächst nicht so
toll. Aber natürlich ist auf vielen Parzellen dann doch einiges geschaffen worden.
So waren auf vielen Parzellen Ansiedlungshilfen für Insekten und Wildbienen zu sehen. Der Vogelschutz wurde besonders intensiv betrieben. Kleine Wildblumenwiesen, Steinmauern, Steinhaufen
und sogar Totholzhaufen waren dann zu sehen. Natürlich fehlte auf keiner Parzelle der „Ohrwurmtopf“.
Im Laufe von drei Jahren war der Umweltschutzgedanke dann doch so stark, dass freiwillig auf den
Gebrauch von Pestiziden und Fungiziden verzichtet wurde. Regenwasser wurde gesammelt und
auf den Vereinsfesten wurden keine Plastikgefäße und kein Plastikbesteck mehr verwendet.
Belohnt wurden diese Aktivitäten 2005 mit einer Goldmedaille im Landeswettbewerb NordrheinWestfalen „Gärten im Städtebau“ und 2006 mit einer Silbermedaille beim Bundeswettbewerb „Gär-

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- 67 -

ten im Städtebau“. Das hat die Mitglieder natürlich mit Stolz erfüllt und sie wussten nun, warum
sie Jahr für Jahr mehr als 20 Gemeinschaftsstunden geleistet hatten.
3.

Entwicklung auf Landesebene:

Selbstverständlich blieben diese vielen Aktivitäten dem Landesverband Westfalen und Lippe nicht
verborgen.
Werner Bolder, damaliger Vorsitzender des Vereins wurde vom Landesverband eingeladen, zum
Thema: „Ökologische Maßnahmen im Kleingarten“ zu referieren.
Aus diesen Vorträgen entwickelte der Landesverband ein umfassendes Schulungskonzept des Landesverbandes zum Thema „Ökologie“
4.

Schulungskonzept des Landesverbandes Westfalen und Lippe – Bereich „Ökologie“

Die Themen Umwelt-, Natur- und Klimaschutz sind seit mehr als 20 Jahren fester Bestandteil von
Schulungen der Landes- und Bezirksverbände zum gärtnerischen Grundwissen für Kleingärtnerinnen und Kleingärtner.
So lädt der Landesverband Westfalen und Lippe mit nachfolgendem Text seine angehenden Fachberater zu den Seminaren nach Lünen ein:
„Sie interessieren sich für ökologische Zusammenhänge, den naturnahen Anbau von Obst und
Gemüse, für umweltverträgliche Düngung, natürlichen Pflanzenschutz und Gartengestaltung. Sie
möchten mehr wissen und tun als andere, selbst Fachberater in Ihrem Verein werden oder aktiv im
Fachberaterteam mitarbeiten; dann sind diese Lehrgänge genau richtig für Sie.“
Die Ausbildung zum Fachberater wird in Westfalen und Lippe in gestufter Form angeboten. Auf
einen Grundlehrgang folgt der Aufbaulehrgang. Diese finden in der Regel an einem Wochenende
von Freitagabend bis Sonntagmittag statt.
Der dann angebotene Wochenlehrgang findet von Montag bis Freitag statt und endet mit einer
Wissensprüfung.
Im Aufbaulehrgang wird das Thema:
- Ökologische Maßnahmen im Kleingarten behandelt
Im Wochenlehrgang für angehende Fachberater die Themen
- Bienen und Insekten sowie Nisthilfen,
- umweltgerechter Einsatz von Düngemitteln,
- Grundlagen des Umweltschutzes,
- umweltverträglicher Pflanzenschutz.
Bei den Gesprächen mit den Lehrgangsteilnehmern war festzustellen, dass diese in den letzten
Jahren mit erstaunlich offener Einstellung zum Naturschutz in die Lehrgänge kommen. Hier hat
eine positive Entwicklung stattgefunden. Diese Entwicklung hat auch ihren Grund darin, dass in
den weiteren Lehrgängen für Vorstandsmitglieder oder Gartenanfänger die Themen zum Natur
und Umweltschutz wichtiger Bestandteil der Ausbildung sind. Die gesamte Vereinsführung (Vorstand und Fachberater), werden in den Grundlagen der Umwelt und des Naturschutzes ausgebildet. Der Begriff Ökologie wird von ihnen mit Leben erfüllt. Wurden gegen Ende der 80er Jahre des
vergangenen Jahrhunderts Totholzhaufen, Steinschüttungen, Natursteinmauern noch als exotisch
und nicht in das Bild einer gepflegten Parzelle passend angesehen, so sind solche Ökoprojekte
heute weit verbreitet und werden sowohl auf den Parzellen als auch in der Gartenanlage nachgemacht.

Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e.V. – Grüne Schriftenreihe 211

- 68 -

5.

Zusammenfassung

Ökoprojekte sind auf – fast – jeder Parzelle möglich.
Wichtig sind dabei die Menschen, die für Ökoprojekte werben. Die aus Überzeugung und überzeugend den Gedanken des Natur- und Umweltschutzes vertreten und verbreiten. Auch hier kommt
es, wie überall im Kleingartenwesen und in der Gesellschaft, auf Multiplikatoren mit Überzeugung
an.
In jedem steckt der Wunsch, nachhaltig zu wirken.
Das können Kleingärtner besonders gut mit der Schaffung von Ökoprojekten. Hier haben sie einen
besonderen Vorteil gegenüber anderen befreundeten Naturschutzorganisationen.
Die Kleingärtnerorganisationen müssen nicht lange nach geeigneten Flächen suchen; die Parzellen
bieten vielfältige Möglichkeiten für kleine und manchmal auch große Ökoprojekte.
Dieses Potential muss weiterhin genutzt und ausgebaut werden.

Ökoprojekte sind auf jeder Parzelle möglich‐ kleine Projekte mit großer Wirkung
Was sind Ökoprojekte?
Versuch einer Definition durch Beispiele aus der Kleingartenanlage
„Arbeit und Freude“ in Oer‐Erkenschwick
Sind Ökoprojekte auf jeder Parzelle möglich?
Wie schafft man ein Bewusstsein für Umwelt‐ und
Naturschutz?
Umweltschulung 
•im Verein
•im Landesverband Westfalen und Lippe
Einzelne Beispiele von Ökoprojekten
Ergebnis: In Kleingartenanlagen und auf den Parzellen findet man
eine Vielfalt von Ökoprojekten

Ökoprojekte und die Entwicklung des 
Umwelt‐ und Naturschutzes am Beispiel 
der
Kleingartenanlage
„Arbeit und Freude“ in Oer‐Erkenschwick
Die Anlage hat 65 Parzellen
400 qm / Parzelle
40.000 qm Anlagenfläche
Nicht parzelliert sind ca 10.000 qm
Die Stadt Oer‐Erkenschwick hat 
30.000 Einwohner, ist eine selbständige 
Kommune mit Verwaltung und 
Selbstverwaltung.
Sie hat nur eine Kleingartenanlage.

Die Anlage ist 
1953 erbaut 
und zwei mal 
erweitert 
worden
2005 
Goldmedaille im 
Landeswettbewerb 
NRW „Gärten im 
Städtebau“
2006 
Silbermedaille beim 
Bundeswettbewerb 
„Gärten im 
Städtebau“

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- 69 -

Verwendete Begriffe
Ernst Haeckel
Zoologe,
Philosoph
Begründer des
Begriffes

Ökologie:
• Lehre vom Haushalt der Natur
• Lehre vom Haushalten in der
Natur
• Lehre von den Beziehungen
der Lebewesen zueinander
und zu ihrer Umwelt

Verwendete Begriffe

Biotop 
Lebensraum

Biotop und Biozönose
bilden das

Ökosystem
Biozönose 
Lebensgemeinschaft

Verwendete Begriffe

Ökosysteme
streben ein
Gleichgewicht an,
das
Ökologische Gleichgewicht

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- 70 -

Verwendete Begriffe

Dabei helfen „Ökoprojekte“

Entwicklung des Umweltbewusstseins:

Anfang der 70iger Jahre

Die Weltöffentlichkeit kennt den „Club of Rome“ seit 1972 durch den viel 
diskutierten Bericht Limits to Growth (Die Grenzen des Wachstums), dem ersten 
der regelmäßig erscheinenden „Berichte an den Club of Rome“ zur Weltlage.

Entwicklung des Umweltbewusstseins:

Kleingärtnerverein „Arbeit und Freude“

Bis Mitte der 70iger Jahre
z. B., Spritzkalender

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- 71 -

Entwicklung des Umweltbewusstseins:

Anfang der 80er Jahre,
Kompostierungsaktion

Entwicklung des Umweltschutzgedankens im Verein

Mitte der 80er Jahre erste Projekte:

„Großer Teich“ in der Gartenanlage

Entstehungsgeschichte des Projektes „Großer Teich“:
Begeisterte Einzelpersonen im Vorstand
Motivation der Mitglieder durch
•Diavorträge: Erläuterung der 
Bedeutung eines Teiches
•Planungsdaten
•Kostenaufstellung
•Beteiligung Außenstehender

Beteiligung der Öffentlichkeit

Beschluss in der Mitgliederversammlung
Durchführung in Eigenarbeit
•Förderung des „Wir‐Gefühls“
•Stolz auf das Geleistete
•Identifikation mit dem Verein
„Vermarktung“:  Tue Gutes und rede darüber

Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e.V. – Grüne Schriftenreihe 211

- 72 -

Projekt: „Große Natursteinmauer“

Entstehungsgeschichte des Projektes „Große Natursteinmauer“
Durchführung in Eigenarbeit
•Förderung des Wir‐Gefühls
•Stolz auf das geleistete
•Identifikation mit dem Verein

Besonderheit:
Steine wurden „gerettet“

Weitere Steinmauern

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- 73 -

Natursteinmauer in der Anlage

Natursteinmauer 
in der Anlage

Natursteinmauer in der Anlage

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- 74 -

Nachahmungseffekt:
Nicht mit Mörtel verbundene 
Ziegelsteine sondern:
Aufgeschichtete Ziegel auf der Parzelle

Auf der Jahresversammlung 1987 wird zum 1. Mal 
die Idee des Ökoparkplatzes bekannt gegeben. 
Bolder und Szonn entwickeln im Urlaub den 
Gestaltungsplan für den Parkplatz. 
Der Kommunalverband Ruhrgebiet wird um einen 
Zuschuss angeschrieben.
Der Ökoparkplatz wird 1989 unter großer 
Teilnahme der Öffentlichkeit eingeweiht

Ökoparkplatz mit Naturschotter und Steinmauern
“Arbeit unf Freude” Oer-Erkenschwick

DER "ÖKO‐PARKPLATZ"
ein Natur‐ und Umweltschutz‐Projekt des Kleingärtnervereins "Arbeit und Freude"
Der Kleingärtnerverein "Arbeit und Freude" hat mit finanzieller Unterstützung des 
Kommunalverbandes Ruhrgebiet und der Stadt Oer‐Erkenschwick einen Parkplatz 
an seiner Kleingartenanlage mit vielen Besonderheiten geschaffen. Es wurde 
versucht, bei der Verwirklichung möglichst viele umweltfreundliche und 
naturschützerische Gesichtspunkte zu berücksichtigen. Um dieses von Beginn an 
deutlich zu machen, wurde das Projekt "Öko‐Parkplatz" genannt. In ausschließlicher 
Planung und Eigenarbeit von Mitgliedern des Vereins wurde ab Herbst 1987 dieses 
Projekt erstellt.

Quelle: http://www.uni‐due.de/~can0a0/Oekopark.html

Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e.V. – Grüne Schriftenreihe 211

- 75 -

Auf einer Fläche von 4.000 qm entstanden die 
nachfolgend aufgeführten Biotope und 
Naturschutzprojekte:
(1) ‐ Obstwiese

(2) ‐ Moderbiotop
(3) ‐ Heckenrandstreifen
(4) ‐ Steinmauern
(5) ‐ Flechtzäune
(6) ‐ Feuchtgraben mit Kolks (Verbundbiotop)
(7) ‐ Windrad mit Brunnen
(8) ‐ Wallhecke und Blumenwiesen
(9) ‐ umweltfreundlicher Naturschotterbelag für 32 PKW‐
Einstellplätze

Totholzhaufen
Flechtzäune

Windrad mit Brunnen

Feuchtgraben mit Kolks (Verbundbiotop)

Blumenwiesen

Flechtzäune

Totholz

Schulprojekt

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- 76 -

Steinmauern

Von Großprojekten zu Projekten auf der Parzelle:
Ansiedlungshilfen für Nützlinge

Ohrwurmtopf

Quelle: LSK

Der Ohrwurm vertilgt Blattläuse, Blutläuse, 
Schildläuse, Blattflöhe, junge Raupen 
(Fruchtschalenwickler),
Blattroller, Insekteneier und Schneckeneier 
(Nacktschnecken)

Ansiedlungshilfen für Nützlinge

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- 77 -

Insektenhotel ‐ Wildbienenstand ‐

auf der Parzelle

in der Anlage

Ansiedlungshilfen für Nützlinge:

Ansiedlungshilfen für Nützlinge
Kleingartenanlage „Arbeit und Freude“

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- 78 -

Bedeutung von Totholz
Mauerbienen bauen ihre Nester auch in Ritzen von Totholz und verlassenen 
Fraßgängen anderer Insekten. Die Holzbiene legt Brutzellen in trockenem, 
sonnenexponiertem und leicht morschem Totholz an und überwintert im 
Totholz. Die Echten Wespen (Vespidae) benötigen Holz zum Nestbau und 
hängen ihre Bauwerke auch in trockene Hohlräume alter Bäume. Viele 
weitere Wildbienen, Hummeln, und Hornissen leben in abgestorbenen 
Holzstämmen
Die Bedeutung des Totholzes für den Artenschutz ist besonders gut 
bei den Käfern zu belegen. So leben rund 25 Prozent aller in der 
Bundesrepublik Deutschland vorkommenden Käferarten am Holz  in 
verschiedenen Zerfallsstadien.
Verschiedene Amphibien und Reptilien suchen liegendes Totholz als 
Tagesversteck (Sonnenbad) oder zum Überwintern auf. Darunter fallen auch 
die Erdkröte und die Waldeidechse,

Totholz

Kleingartenanlage „Arbeit und Freude“

Efeubaum 
in der Anlage

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- 79 -

Infotafel

Kräuterspirale

Kräuterspirale

Teich auf der Parzelle

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- 80 -

Teich auf der Parzelle

Schulungen im Verein:
Der Verein verfügt über an der Landesschule ausgebildete Fachberater.
Da alle Ökoprojekte in Eigenarbeit der Vereinsmitglieder geschaffen wurden, 
war durch die gemeinsame Arbeit eine umfassende Naturschutzbildung  
möglich. (Learning by doing)

Wenn möglich
regelmäßige Termine: 
An jedem letzten Freitag im Monat
Zusätzlicher Anreiz:
Gemeinschaftlich Essen und Trinken

Schulungen im Verein:
Beispiel:
Ausgehend von der Schaffung von 
Sichtschutz aus Weidenruten wurde 
auch die Verwendung des Weidenholzes 
geübt. 
(Learning by doing)
Weidenruten im Herbst ernten

Weidenruten an beiden Enden in den Boden stecken
Weidenruten danach zu Körben flechten

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- 81 -

Schulung in Landesverband
Der Landesverband Westfalen und Lippe 
lädt mit nachfolgendem Text seine 
angehenden Fachberater zu den Seminaren 
nach Lünen:
„Sie interessieren sich für ökologische 
Zusammenhänge, den naturnahen Anbau 
von Obst und Gemüse, für 
umweltverträgliche Düngung, natürlichen 
Pflanzenschutz und Gartengestaltung. Sie 
möchten mehr wissen und tun als andere, 
selbst Fachberater in Ihrem Verein werden 
oder aktiv im Fachberaterteam 
mitarbeiten; 
dann sind diese 
Lehrgänge genau richtig für Sie.“
http://www.nua.nrw.de/nua/content/de/oeffentl/publikat/info_02.htm

Schulung in Landesverband
Der Landesverband verfügt über ein eigenes Schulungsgebäude mit 
einem Lehr‐ und Lerngarten und einem Schaugarten

Schulung in Landesverband

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- 82 -

Die Ausbildung zum Fachberater wird in Westfalen und Lippe in gestufter 
Form angeboten. 
Auf einen Grundlehrgang folgt der Aufbaulehrgang. Diese werden in der 
Regel an einem Wochenende von Freitagabend bis Sonntagmittag 
stattfinden.
Der dann angebotene Wochenlehrgang findet von montags bis freitags 
statt und endet mit einer Wissensprüfung.
Im Aufbaulehrgang wird das Thema
−Ökologische Maßnahmen im Kleingarten
behandelt.
Im Wochenlehrgang für angehende Fachberater die Themen
−Bienen und Insekten sowie Nisthilfen,
−umweltgerechter Einsatz von Düngemitteln,
−Grundlagen des Umweltschutzes,
−umweltverträglicher Pflanzenschutz.

In den weiteren Lehrgängen für Vorstandsmitglieder oder Gartenanfänger
sind Themen zum Natur‐ und Umweltschutz wichtiger Bestandteil der 
Ausbildung
Vorstandslehrgang II
Themen:
−Anwendung des Steuerrechts im Kleingärtnerverein
−Informationen rund ums Versicherungswesen
−Öffentlichkeitsarbeit im Verein
−Mehr Ökologie in Kleingartenanlagen
−Jugendarbeit im Kleingärtnerverein
Schnupperkurs, um gartenfit zu werden
Themen:
−Tipps zu ökologischen Maßnahmen in Kleingärten und in den 
Kleingartenanlagen
−Praktische Beispiele aus dem Lehr‐ und Lerngarten der Landesschule
ƒ Gemüse, Kräuter, Stauden,
ƒ Gehölze, Wildwuchs,
ƒ Biotope, Insekten im Garten
http://www.kleingarten.de/artikel_2281.html

Kostenloses Schulungsmaterial
Infoblätter
Infoblätter "DER NATURTIPP"
http://www.nua.nrw.de/nua/content/de/oeffentl/
publikat/info_01.htm

Infoblätter "NATURGARTEN"
http://www.nua.nrw.de/nua/content/de/oeffentl/
publikat/info_02.htm

Viele Informationen können als PDF‐Datei
kostenlos down geladen werden

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- 83 -

Infoblätter "DER NATURTIPP"

http://www.nua.nrw.de/nua/content/de/oeffentl/publikat/info_01.htm

Ein Rundgang durch die Kleingartenanlage „Arbeit und Freude“
in Oer‐Erkenschwick
http://www.uni‐due.de/~can0a0/Freundschaftswiese.html

Ökopilz:
Grünes 
Klassenzimmer und 
Regenunterstand.
(Ein Projekt aus 
dem Jahre 1987)

Projekte auf Parzellen

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- 84 -

1987

Begrüntes Vereinsheim

Kleingartenanlage „Arbeit und Freude“

Wildbienennistwand
„Insektenhotel“
Hummelkasten

Kleingartenanlage „Arbeit und Freude“

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- 85 -

Projekte auf einer Parzelle

Kräuterwiese in der Anlage

Efeuzaun zwischen
Parzelle und Weg

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- 86 -

Bienen im Kleingarten

Kleingartenanlage „Arbeit und Freude“

Bienenhaus mit Dachbegrünung
Kleingartenanlage „Arbeit und Freude“

Bienenhaus mit Dachbegrünung

Kleingartenanlage „Arbeit und Freude“

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- 87 -

Dachbegrünung
Die Begrünung flacher und geneigter Dächer stellt besonders in dicht besiedelten 
Gebieten einen wichtigen Beitrag zum Klima des Gebäudes und der Umgebung 
dar. 
Als Ersatz für verbaute Freiflächen bietet die Dachbegrünung Lebensraum für 
Pflanzen, Insekten und Tiere. 
Mit ihrer klimaregulierenden Wirkung schützt die Dachbegrünung vor 
sommerlicher Sonneneinstrahlung und bietet je nach Aufbau 
Wärmedämmeffekte. Gleichzeitig wird eine Verbesserung der Luft durch das 
Binden von Verunreinigungen (z. B. Staub und Schadkeime) sowie die Produktion 
von Sauerstoff bewirkt.
Man unterscheidet zwischen:
• Extensiver Begrünung, d.h. niedrige Stauden, Gehölze, Wildkräuter, Gräser 
bei dünnschichtigem vereinfachtem Bodenaufbau
• Intensiver Begrünung, d.h. Rasen, Stauden, Gehölze, punktuell Sträucher 
und Bäume, anspruchsvolle Pflanzen bei dickschichtigem differenziertem
Bodenaufbau.

Vogelschutz 
durch Ansiedlungshilfe

Kleingartenanlage
„Arbeit und Freude“

auf der Parzelle
Folie 58

Nest geschützt
vor Katzen

Kleingartenanlage
„Arbeit und Freude“

Folie 59

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- 88 -

Ansiedlungshilfe
(nicht gewollt)

Kleingartenanlage „Arbeit und Freude“

Totholz als Dekoration
Kleingartenanlage „Arbeit und Freude“

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- 89 -

Totholz
Kleingartenanlage „Arbeit und Freude“

Totholz
Kleingartenanlage „Arbeit und Freude“
Kleingartenanlage „Arbeit und Freude“

Das sind wir

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- 91 -

Hör mal wer dort singt – fliegende
Edelsteine im Kleingarten

Peter Schädlich
Leiter der vogelkundlichen Lehrstätte des SV Leipzig

Schutz und Förderung der einzelnen Singvogelarten
1.

Einleitung

Es gibt wohl kaum eine andere Tiergruppe, die über Jahrhunderte hinweg den Menschen so beschäftigt hat wie die Vögel. Es sind die Tausende von Arten, die dem Erdball besiedeln und im Naturhaushalt wichtige Funktionen erfüllen. In den Ökosystemen sind sie wertvolle Bestandteile, die
bei den immer wiederkehrenden Kreisläufen mitwirken, um die Balance im biologischen Gleichgewicht zu halten.
Die vielfältigen Körperformen, die grenzenlose Mobilität, die unterschiedlichen Verhaltensweisen,
das farbenprächtige Gefieder und die klangvollen Lautäußerungen zahlreicher Arten haben die
Menschheit über alle Zeitepochen hinweg interessiert und fasziniert. Viele dieser Vorzüge und
Eigenschaften erkannte der Mensch und nutzte sie für seine Interessen. Einige dieser Vogelarten
wurden domestiziert und spielten von nun an bei Ernährung der Weltbevölkerung eine wesentliche
Rolle. Vögel dienten dem Menschen in der Gefangenschaft aber auch als Jagdgehilfen, als Nachrichtenübermittler oder als „Freudenspender“ durch die Käfighaltung. Aufgrund ihres farbenfrohen Gefieders oder ihrer
angenehmen Lautäußerungen züchtete der Mensch die
verschiedensten Rassen, und es entwickelte sich daraus
eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung für viele Zeitgenossen in einer zivilisierten Gesellschaft.
Ihres Gesanges wegen wurden noch bis in die sechziger
Jahre des vorigen Jahrhunderts hinein in Deutschland
Waldvogelarten gefangen und in Käfigen gehalten.
Strenge Artenschutzmaßnahmen machten diesem nicht
mehr zeitgemäßen Treiben jedoch ein berechtigtes Ende. Der Bestand der im Garten lebenden Vogelarten,
konnte dadurch konstant gehalten werden. Dies sicherlich auch zur Freude aller naturliebenden Gartenfreunde,
denn in den Kleingärten können die Pächter auf Vögel,
schon ihrer wichtigen ökologischen Funktionen wegen,
nicht verzichten.
Da sich das Artenspektrum im Kleingarten hauptsächlich aus der Ordnung der „Sperlingsartigen“ (umgangsFeldsperling (Passer montanus) am Futterknödel,
© Thomas Wagner, BDG

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- 92 -

sprachlich Singvögel) zusammensetzt, gilt das Interesse der Menschen vorwiegend dieser Gruppe
samt ihren Verhaltensweisen, aber insbesondere wegen ihres Gesangs.
2.

Artenvielfalt im Kleingarten

Kleingärten sind wichtige Elemente im ökologischen Strukturgefüge und haben – vor allem in Städten – wichtige Habitatsfunktionen für Pflanzen und Tiere.
Der Besatz von Brutvogelarten und Futtergästen sowie ihre Bestandsdichte hängen im Wesentlichen von einer umweltfreundlichen und naturnahen Gestaltung des Kleingartens ab. Sie ist die
Voraussetzung für eine ausgewogene biologische Vielfalt auf engstem Raum. Dessen sollte sich
der Kleingärtner bewusst sein, wenn er seine Parzelle zum „Lebensraum Garten“ entwickeln will.
2.1 Biotopstrukturen und ihre entsprechende Artenausstattung
Der Kleingarten ist durch seine Anpflanzungen sowie durch die verschiedenartigen Bewirtschaftungsmethoden ein klassisches Beispiel für eine Kulturlandschaft menschlicher Prägung. Auf relativ kleinen Flächen in den Parzellen und den öffentlichen Bereichen der Kleingartenanlagen haben
sich die unterschiedlichsten Biotopstrukturen herausgebildet. Hierbei spielen aber auch die jeweils
vorherrschenden Umlandbeziehungen, z. B. geographische Gegebenheiten, Landschaftstrukturen,
klimatische Bedingungen, Bodenverhältnisse, Wasserhaushalt, Bebauungen und Verkehrsnetze
eine wesentliche Rolle für die faunistische Vielfalt. Im Zusammenhang mit der floristischen Ausstattung in Kleingärten und in den öffentlichen Bereichen der Anlagen bilden diese unterschiedlichen Strukturen die Grundlage für
eine arttypische und mehr oder
weniger artenreiche Fauna in ihrer
Gesamtheit. Eine gut gegliederte,
artenreiche botanische Ausrüstung
der Gärten bzw. der Flächen nach
umweltfreundlichen Gesichtspunkten bietet einer Vielzahl von wild
lebenden Tierarten aus den verschiedensten Tiergruppen ein lebenswertes
„Zuhause“. Diese Lebewesen
benötigen für ihr Dasein nicht viel
mehr, als ausreichende Futterquellen und sichere Plätze zur Reproduktion, um ihre Arterhaltung zu
sichern. Dies gilt vor allen Dingen
für Vogelarten, die den Lebensraum Star (Sturnus vulgaris) vor Bruthöhle, © Thomas Wagner, BDG
„Garten“ aus oben genannten
Gründen für sich beanspruchen. Da
es sich hierbei fast ausschließlich um Singvogelarten handelt, beschränkt sich die Artenvielfalt auf
zirka 35 Arten, die den unterschiedlichsten Familien angehören.
Auf Grund der verschiedenartigen Standort- und Umlandbedingungen wird man aber kaum mehr
als 20 Brutvogelarten in einer deutschen Kleingartenanlage nachweisen können.
Neben den Brutvogelarten werden die Gärten aber auch noch von Futtergästen besucht, die während der Vegetationszeit und zum Teil im Winter die gebotenen Nahrungsquellen im Garten nutzen.

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- 93 -

2.2 Systematik der im Kleingarten vorkommenden Brutvogelarten und Futtergäste
Vogelfamilien und -ordnungen

Art des Vorkommens in Kleingärten

Familie Drosseln
Amsel
Singdrossel
Hausrotschwanz
Gartenrotschwanz
Rotkehlchen
Nachtigall

BV/h
BV
BV/h
BV/h
BV/s
BV/ss

FB
JV
FB
ZV
HhB
ZV
HB
ZV
FB/HhB JV/TZ FG
FB
ZV

Familie Stare
Star

BV/h

HB

JV/TZ

BV/h
BV/h

HhB
HB

JV
J

BV/h
BV/h
BV/ss
BV/ss

HB
HB
FB
HB

BV/s
BV/h
BV B
BV/h
BV FB
BV/ss

FB
FB
JV
FB
JV
FB

BV/s
BV/s
BV/ss
BV/s

HB
Hhb
FB
HB

Familie Sperlinge
Hausperling
Feldsperling

Familie Meisen
Kohlmeise
Blaumeise
Schwanzmeise
Tannenmeise

JV
JV
JV
JV

FG
FG

Familie Finken
Buchfink
Grünfink
Stieglitz
Girlitz
Bluthänfling
Kernbeißer

JV
JV
FG
ZV
FG
JV

FG

FG

Familien Fliegenschnäpper, Baumläufer, Kleiber
Trauerfliegenschnäpper
Grauschnäpper
Gartenbaumläufer
Kleiber

ZV
ZV
JV
JV

FG
FG

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- 94 -

Familie Grasmücken, Laubsänger, Zaunkönige, Goldhähnchen, Braunellen, Stelzen
Mönchsgrasmücke
Gartengrasmücke
Zaungrasmücke
Zaunkönig
Weiden- und Fitislaubsänger
Gelbspötter
Goldhähnchen
(Sommer- und Wintergoldhähnchen)
Heckenbraunelle
Bachstelze

BV/s
BV/s
BV
BV/s
BV/ss
BV/ss
BV/ss

FB ZV
FG
FB ZV
FB ZV
FB JV
FG
FB ZV
FB ZV
FB JV/TZ FG

BV/s
BV/ss

FB
FB

JV/TZ FG
ZV
FG

BV/ss
JV
JV
BV/s
JV

FB
FG
FG
FB
FG

JV

BV/s
BV/ss

FB JV/TZ FG
FB JV
FG

JV
JV
BV/ss

FG
FG
HB

Familie Krähenvögel
Raben- und Nebelkrähe
Saatkrähe
Dohle
Elster
Eichelhäher

JV

FG

FG

Ordnung Tauben
Ringeltaube
Türkentaube

Ordnung Spechte
Buntspecht
Grünspecht
Kleinspecht

JV FG

Familien Schwalben und Segler
Rauchschwalben
ZV
Mehlschwalben
ZV
Mauersegler
ZV
(Diese Arten nutzen den Luftraum über den
Kleingartenanlagen als Jagdgebiete)

FG
FG
FG

Zeichenerklärung
BV

=

Brutvogel im Kleingarten

HhB

=

Halbhöhlen- oder Nischenbrüter

BV/h

=

Brutvogel (häufig)

ZV

=

Zugvogel

BV/s

=

Brutvogel (sporadisch)

TZ

=

Teilzieher

BV/ss

=

Brutvogel (sehr selten)

JV/TZ =

Jahresvogel oder Teilzieher

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FB
HB

=
=

Freibrüter
Höhlenbrüter

FG

=

Futtergast

Tabelle1:
Die aufgeführten Daten beziehen sich auf Langzeituntersuchungen, die in fünf Leipziger Kleingartenanlagen mit unterschiedlichen Umlandstrukturen durchgeführt wurden.
Die Hobbyornithologen und Vogelwarte P. Schädlich, F. Schmidt. H. Schleese, H. Gittel, J. Pfauder
und M. Wittmar führten auf Anregung der Vogelschutzlehrstätte am Kärrnerweg, (Einrichtung des
Stadtverbands Leipzig der Kleingärtner e.V.) im Zeitraum von 1996 bis 2006 jährlich Brutvogelbestandserfassungen in den oben genannten Kleingartenanlagen durch. Die Ergebnisse bildeten die
Grundlage für die Diplomarbeit von Frau Nicole Müller, zum Thema „Bestandsentwicklung von
Brutvögeln ausgewählter Kleingartenanlagen Leipzig“.
2.3 Lautäußerungen und Balzgesang
Vögel verständigen sich untereinander mit den verschiedensten Lauten. Dabei muss unterschieden
werden, ob es sich um Kontakt-, Warn-, Angst- oder andere Stimmfühlungslaute, Lockrufe oder um
den Balzgesang handelt.
Unter den heimischen Vogelarten sind es die Singvogelarten, die mit ihrem Balzgesang kommunizieren und damit bestimmte Ziele verfolgen. Der Gesang wird vorwiegend in der Balz- und Brutzeit
(März bis Juli) und von den Männchen vorgetragen. Dabei wird durch ständiges Singen an einem
bestimmten Platz das Brutrevier akustisch markiert und gegen Artgenossen abgeschirmt. Zum
anderen spielt der Balzgesang bei der Werbung um ein Weibchen eine gewichtige Rolle. Die Tageszeit und der Gesang sind außerdem noch stark vom Biorhythmus der einzelnen Arten abhängig.
Der Morgen und der Abend sind die Hauptsangeszeiten, während in den Mittagsstunden
nur von einzelnen Arten etwas zu hören ist.
Dabei fangen einige Arten (Gartenrotschwanz,
Singdrossel, Kohlmeise u. a.) schon weit vor
Sonnenaufgang und andere (Star, Grünfink u.
a.) erst nach Sonnenaufgang mit ihren Gesängen an. Abhängig davon sind der Grad der
Helligkeit zu diesen Zeitpunkten und die Wetterlage. Am Abend sind es wieder die „Frühaufsteher“ (Singdrossel, Rotkehlchen, Amsel u.
a.), die oft bis tief in die Dämmerung hinein ihr
Liedchen trällern.
Ausnahmen bilden hierbei die Nachtsänger
(Nachtigall, Sumpfrohrsänger, Heidelerche u.
a.), die außer am Tage noch nachts aktiv sind.
Das Gesangsrepertoire der einzelnen Arten ist
sehr unterschiedlich an Melodienreichtum und
Klangvolumen. Für den Laien ist es daher nicht
einfach, den Gesang einzelner Arten zu deuten.
Selbst der Fachmann hat oft Schwierigkeiten
die richtige Art aus einem „Vogelkonzert“ herauszuhören, da es einige Sänger gibt, die in
ihrem Gesang andere Vogellaute einbinden.
Bei Brutvogelbestandserfassungen ist der
Balzgesang für den Ornithologen das wichtigste Merkmal für eine richtige Artbestimmung,
Nachtigall (Luscinia megarhynchos) beim Gesang,
deshalb können diese auch nur in der Balz- © Photocase/Dioxine
,
und Brutzeit durchgeführt werden.

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- 96 -

3.

Schutz und Förderung der einzelnen Vogelarten

Alle freilebenden Vogelarten genießen in Deutschland, den jeweiligen Gefährdungsgrad entsprechend, einen besonderen Schutzstatus, der nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der Europäischen Union festgelegt ist.
Ziel dieser Richtlinie sind der Biotop- sowie Artenschutz und die Erhaltung der biologischen Vielfalt.
Zur Durchsetzung dieser Richtlinie gibt es im Kleingarten wenige Gelegenheit, da es sich hierbei
um Brutvogelarten handelt, die als Kulturfolger (Vögel, die in der Nähe des Menschen leben) keinen hohen Gefährdungsgrad aufweisen. Trotzdem kann auf den aktiven Vogelschutz in der gesamten Kleingartenanlage nicht verzichtet werden. Hierfür gibt es auf Grund der unterschiedlichen
Verhaltensweisen und Fressgewohnheiten der einzelnen Arten kein Patentrezept. Gute Artenkenntnisse und ein solides Grundwissen über das Brut- und Fressverhalten der im Garten vorkommenden Vögel bilden die Voraussetzungen für einen effektiven Vogelschutz in der Parzelle. Für
Höhlen- und Halbhöhlenbrüter (z.B. Kohl- und Blaumeise, Star, Feld- und Haussperling, Hausund Gartenrotschwanz) stehen die entsprechenden Nistkästen oder Bauanleitungen zur Verfügung.
Für Freibrüter (z.B. Finken-, Grasmücken-, Drosselarten) ist die Bepflanzung von großer Bedeutung. Deshalb sollte, wenn es die entsprechenden Voraussetzungen (Größe, Umlandstruktur, etc.)
im Garten zulassen, auf Hecken und dichtem Buschwerk nicht verzichtet werden. Die meisten dieser Freibrüterarten finden darin ihre Brutplätze, ihre Schutz- und Ruheräume sowie ihre Futterquellen. Um die zu gewährleisten, sollte der Garten seine Natürlichkeit bewahren und nicht zu aufgeräumt wirken.

Kohlmeise (Parus major) beim Anflug der Bruthöhle,
© Photocase/max.v.

Nest der Gartengrasmücke (Sylvia borin),
© Thomas Wagner, BDG

Auch wenn laut Bundeskleingartengesetz das Anpflanzen von Wald- und Parkbäumen im Kleingarten nicht gestattet ist und oftmals zu ungeliebten Konflikten zwischen Vorständen und Pächtern
führt, so sollten jedoch kleinwüchsige Nadelgehölze aus den Parzellen nicht ganz verbannt werden.
In den öffentlichen Bereichen der Kleingartenanlagen (Gemeinschaftsflächen) wäre eine Anpflanzung von Großbäumen (auch Koniferen) vertretbar sowie ökologisch sinnvoll. Buchfink, Hänfling,
Heckenbraunelle, Amsel, Singdrossel u. a. werden dort Schutz, Singwarten und sichere Schlaf- und
Brutplätze finden.
Wichtig für den Vogelschutz ist auch der Verzicht auf die Anwendung von Pestiziden in den Kleingartenanlagen.

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Einen gegen natürliche Feinde (Prädatoren) sicheren Garten wird es wohl nie geben. Viele dieser
Prädatoren, wie Steinmarder, Fuchs, Wiesel, Rabenkrähe, Sperber und Elster, sind Bestandteile
unserer heimischen Fauna und haben den Lebensraum „Garten“ auch für sich entdeckt. Eine natürliche Auslese bis zu einem angemessenen Grad ist ökologisch vertretbar und hat wenig Einfluss
auf den Artenschwund bzw. die Populationsdichte der Singvögel.
Um eine verträgliche Bestandsdichte dieser Arten in befriedeten Flächen zu erzielen, gibt es für den
Kleingärtner nur wenige Möglichkeiten, um regulierend einzugreifen. Wenn aber eine zu stark verwilderte Katzenpopulation auftritt, so sollten diese Tiere eingefangen und kastriert bzw. sterilisiert
werden. Gegen andere Fressfeinde der Vögel, wie Waschbär, Marderhund und Mink, die in den
letzten Jahren eingewandert sind und nicht zum heimischen Artenspektrum zählen, ist schwer
vorzugehen, da sie meist nachtaktiv sind.
Eine Bejagung mit Schusswaffen ist in befriedeten Grundstücken nicht erlaubt und ein Fangen mit
Fallen kann aus Tierschutzgründen nur fachgerecht durchgeführt werden.

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Singvögel in heimischen Gärten

Kohlmeise (Parus major), © Peter Schädlich

Feldsperling (Passer montanus), © Thomas Wagner, BDG

Trauerschnäpper (Ficedula hypoleuca), © Peter Schädlich

Singdrossel (Turdus philomelos), © Thomas Wagner, BDG

Schwanzmeise (Aegithalos caudatus), © Thomas Wagner, BDG

Blaumeise (Cyanistes caeruleus); © Thomas Wagner, BDG

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Kernbeißer (Coccothraustes coccothraustes), © Peter Schädlich

Grünfink (Carduelis chloris), © Peter Schädlich

Buchfink (Fringilla coelebs), © Photocase/Eurytos

Amsel (Turdus merula), © Peter Schädlich

Kleiber (Sitta europaea), © Photocase/Suze

Rotkehlchen (Erithacus rubecula), © Photocase/Suze

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Die Vogeluhr
Der Biorhythmus der einzelnen Singvogelarten wird vom jeweilig vorherrschenden Tageslicht
maßgeblich beeinflusst und ist ausschlaggebend für den Anfang bzw. für die Beendigung des sogenannten Balzgesangs. So singt jede Art zu einer ganz bestimmten Zeit. Das Vogelkonzert beginnt schon weit vor Sonnenaufgang, und die gefiederten Sänger treten immer in der gleichen Reihenfolge auf. Schon eineinhalb Stunden bevor die Sonne am Horizont erscheint, beginnt der Gartenrotschwanz zu singen, und kurz darauf steigt die Feldlerche in den Morgenhimmel auf und
stimmt mit ihrem jubilierenden Gesang in den Chor ein. Anschließend durchdringen die melodischen Flötentöne der Amsel und Singdrossel die Stille des anbrechenden Morgens. Das Rotkehlchen greift ca. eine Stunde vor Sonnenaufgang mit seinen perlenden Gesangsstrophen ins Konzertgeschehen ein, bevor die hellen Rufreihen der Kohlmeise zu vernehmen sind. Der Buchfink mit
seinem arttypischen, harten, in "Dur" vorgetragenen "Finkenschlag" gibt kurz vor Sonnenaufgang
den Weckruf für Star und Bachstelze, die bei Anbruch des Tageslichts aktiv werden.
Das sind nur einige Arten aus diesem großen VogeIchor, aber alle Sänger haben ihre eigene Startzeit. Ausnahmen bilden einige Arten, wie z. B. die Nachtigall, die Heidelerche oder Schwirle und
Rohrsängerarten, die nicht nur in der Dämmerung und am Tage, sondern auch in der tiefsten
Nacht singen. Bei trübem, windigem oder regnerischem Wetter verschiebt sich der Beginn etwas
nach hinten, aber die Reihenfolge bleibt stets die Gleiche. Die Vogelarten, die abends bis in die
Dunkelheit hinein singen, fangen übrigens als erste am Morgen wieder an. In den Mittagsstunden
kommt der Vogelgesang nahezu zum Erliegen, bis er im laufe des Nachmittags aktiviert und bis
zum Sonnenuntergang gesteigert wird.
Der Balzgesang der Singvögel wird nur von den Männchen vorgetragen. Mit ihrem arteigenen Gesang markieren sie so ihr Revier oder locken damit ein Weibchen an.

Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e.V. – Grüne Schriftenreihe 211

- 101 -

Die Vogeluhr
Sonnenaufgang Mitte Mai – 5:10 Uhr

Es ist noch Nacht:

Heidelerche, Nachtigall, Schwirl, Kuckuck, Sumpfrohrsänger, Drosselrohrsänger

1,5 Stunden vor Sonnenaufgang:

Gartenrotschwanz, Hausrotschwanz, Wachtel, Feldlerche,
Teichrohrsänger, Blaukehlchen, Braunkehlchen

1 Stunde vor Sonnenaufgang:

Amsel, Singdrossel, Pirol, Mönchsgrasmücke, Rotkehlchen,
Kohlmeise, Gartengrasmücke

0,5 Stunden vor Sonnenaufgang:

Buchfink, Goldammer, Zaunkönig, Zilpzalp, Fitis, Blaumeise, Baumpieper, Baumläufer

Sonnenaufgang:

Star, Bachstelze, Gelbspötter

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- 103 -

Biologische Vielfalt – Schönheit kann
auch gefährlich sein

Hartmut Clemen
Landesfachberater des Landesverbandes der Gartenfreunde
Bremen e.V.

Bei Giftpflanzen gilt: Nicht immer ist Gift gleich Gift, denn auf die Dosis kommt es an.
Auch Stoffe die grundsätzlich als „ungiftig“ gelten (z.B. Salz), führen in zu hoher Konzentration zu
einer Vergiftung.
Zur allgemeinen Orientierung dient der „LD50“-Wert (letale Dosis 50). Er gibt an, bei welcher
Stoffkonzentration in Relation zum entsprechenden Körpergewicht mehr als 50% einer Gruppe von
Versuchtieren sterben.
Zudem wird die Giftigkeit einer Pflanze mit ein bis drei „+“- Zeichen angegeben, wobei
•
•

„+“ für gering giftig,
„+++“ für sehr giftig
steht.

Zu den wahrscheinlich häufigsten giftigen Vertretern in Gärten zählen die Christrose (+), der
Buchsbaum (+), der Lebensbaum (++) und die Narzisse (+).
Die giftigste Pflanze in Europa ist der Blaue Eisenhut (+++), dessen Berührung bereits Hautausschläge verursachen kann.
Gerade in (Klein-)Gärten, vor allem wenn Kinder vor Ort sind, ist es wichtig, Giftpflanzen zu kennen und die Verwendung im eigenen Garten einzugrenzen.
Bei Kindern sind Unbekümmertheit und Neugier oft Gründe für Vergiftungen. Des weiteren spielt
die Verwechslung mit essbaren bzw. „ungiftigen“ Pflanzen eine Rolle.
Ein anderer Faktor ist der Missbrauch, gerade von Jugendlichen, die Pflanzenteile als Rauschmittel
oder zur Selbstmedikation konsumieren.
Faktoren, die bei der Vergiftung eine Rolle spielen:
- Art der Aufnahme (oral, dermal, inhalativ),
- Jahreszeit,
- Form der Pflanze,
- Pflanzenteile,
- Konstitution des betroffenen Menschen,
- Pflanze selbst.

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- 104 -

Eine große Gefahr, die im Gegensatz zu den Hybrid-Zierpflanzen schwer kontrollierbar ist, geht
von invasiven Wildpflanzen aus, deren Pflanzenteile und -saft ebenfalls giftig sind. Ihr Pollen kann
beim Menschen bereits in geringsten Dosen heftigste Allergien bis hin zu asthmaartigen Anfällen
auslösen. Zwei häufige Vertreter sind Herkuleskraut und Beifußblättriges Traubenkraut (Ambrosia). Sie stellen insbesondere für Allergiker eine große Gefahr dar.
Daher sollten Hobbygärtner in den Frühlingsmonaten ihre Gärten genau im Auge behalten und
gegebenenfalls die jungen Pflanzen mit absolut bedeckter Haut und geschützten Atemwegen,
Schleimhäuten und Augen entfernen. Anschließend auf keinen Fall kompostieren, da der Samen
sich auch nach dem Entfernen noch entwickeln kann. Stattdessen sind die Pflanzen fest verschlossen in einem Beutel im Müll entsorgen.
Sollte es doch einmal zu einer Vergiftung kommen, so sind folgende Maßnahmen zu treffen:
-

Sicherstellung von Pflanzenmaterial,
Pflanzenreste aus dem Mund entfernen,
kein Alkohol und keine fetthaltigen Getränke zu sich nehmen (Fett löst Gift),
keine Kochsalzlösung trinken,
große Flüssigkeitsmengen (Wasser) aufnehmen,
bei Aufnahme über die Haut betroffene Partien gründlich reinigen, gegebenenfalls Augen ausspülen,
kompetenten Arzt aufsuchen,
Giftinformationszentrum konsultieren (Giftnotrufnummern für Deutschland siehe unten).

Bei der Behandlung von Vergiftungen ist der Zeitfaktor absolut entscheidend. Selbst die giftigste
Pflanze kann weitestgehend „ungiftig“ wirken, wenn rechtzeitig ein Arzt aufgesucht wird. Nur ihm
sollte auch die Behandlung der Symptome vorbehalten sein.

Giftnotruf:
Norddeutschland:
Berlin:
München:
Mainz:
Freiburg:
Nürnberg:
Erfurt:
Bonn:

0551/19240
030/19240
089/19240
06131/19240
0761/19240
0911/3982451
0361/730730
0228/2873211

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- 105 -

Biologische Vielfalt –
Schönheit kann auch
gefährlich sein
Hartmut Clemen

Gliederung
• Definition von Gift
• Übersicht von Pflanzengesellschaften
• Umgang mit Notfallsituationen

Definition von Gift
„Gifte sind Stoffe, die nach Eindringen in
den menschlichen oder tierischen
Organismus zu einer spezifischen
Erkrankung (Vergiftung) mit
vorübergehender Funktionsstörung,
bleibendem Gesundheitsschaden oder
Todesfolge führen“
Brockhaus Enzyklopädie

Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e.V. – Grüne Schriftenreihe 211

- 106 -

Nicht der Stoff ist entscheidend, sondern
die Menge!
und
Gift ist nicht gleich Gift.
LD 50 – Wert (Letale Dosis 50 Prozent)
• Gruppe von Versuchstieren erhält gleiche Menge Gift in
Relation zum Körpergewicht (leichtere Tiere weniger;
schwerere mehr)
• Die Menge Gift, die mehr als die Hälfte der Tiere tötet, ist
der LD 50 - Wert

Arten der Aufnahme
⇒ Essen (oral)
⇒ Einatmen (inhalativ)
⇒ Berühren (dermal)

•
•
•
•

Faktoren für Vergiftung
Form der Pflanze (Wild- / Hybridform)
Zeitpunkt (Jahreszeit)
Kostitution des betroffenen Menschen
Pflanzenteile

Seminar des BDG vom 24.-26. September 2010 in Dresden: Biologische Vielfalt – Schönheit kann auch gefährlich sein, Hartmut Clemen, Bremen

Übersicht von
Pflanzengesellschaften
• Stauden
Eisenhut
Christrose

• Gehölze
Buchs
Goldregen

• Koniferen
Eibe
Lebensbaum

• Zwiebelgewächse
Narzisse
Herbstzeitlose

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Eisenhut (Aconitum napellus) +++
Echter Sturmhut, Mönchskappe
•

Familie:

•

Vorkommen:

Hahnenfußgewächse
Zierpflanze; An Bächen, auf feuchten Wiesen

•

Giftige Teile:

Alle Pflanzenteile, besonders Wurzel und
Samen

•

Giftigkeit:

Giftigste Pflanze Europas

•

Symptome:

15 Min nach Aufnahme:
Kribbeln & Brennen in Mund und Rachen
Taubheit in Zunge, Händen und Zehen
Bei schwerer Vergiftung:
Durchfall, Schweißausbrüche, Koliken, Kreislaufund Atemlähmungen
Tod

•

Wissenswertes:

In Hexensalben rief das Kribbeln auf der Haut die Illusion
wachsender Federn hervor
Er wurde auch als Jagdgift verwendet

•

ACHTUNG!

Spielende Kinder und Gärtner können sich schon durch
den Hautkontakt Vergiftungen zuziehen!

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Christrose (Helleborus niger) +
Schwarze Nieswurz
•

Familie:

Hahnenfußgewächse

•

Vorkommen:

Nur auf kalkhaltigen Böden, Kalkalpen,
beliebte Gartenzierpflanze

•

Giftige Teile:

Alle

•

Giftigkeit:

Stärkere Vergiftungen können schon
nach 3 verzehrten Samenkapseln
auftreten

•

Symptome:

Übelkeit, Durchfall
Entzündungen der Mundschleimhäute,
Herzrhythmusstörungen, erweiterte
Pupillen, Atemnot und starker Durst.
Kann auch zum Tod durch
Atemlähmung führen.

•

Wissenswertes:

Wild kommt sie sehr selten vor;
wurde angeblich auch gegen psychische Krankheiten
eingesetzt.

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Buchsbaum (Buxus sempervirens) +
• Familie:

Buchsbaumgewächse

• Vorkommen:

Zierstrauch; in der Natur sehr
selten; in Wärme liebenden
Laubwäldern Südeuropas

• Giftige Teile:

Besonders Blätter und Rinde

• Symptome:

Erbrechen und Durchfall, im
schwersten Fall Krämpfe.
Das Einatmen von Sägespänen
kann Asthmaanfälle auslösen

• Wissenswertes:

Besitzt ein sehr hartes Holz und wurde
früher zum Gravieren genutzt.

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Quelle: Wikipedia

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Goldregen (Laburnum anagyroides) ++
Bohnenbaum, Kleebaum
•

Familie:

Schmetterlingsblütengewächse

•

Vorkommen:

Mittel- und Südeuropa

•

Giftige Teile:

Besonders die Hülsen, die Samen, die Blüten

•

Giftigkeit:

Giftwirkung bei Kindern 3 Samen, tödlich ca. 20;
Eine Hülse beinhaltet 3-15 Samen

•

Symptome:

30% aller Vergiftungen verlaufen mit
Brennen in Mund- und Rachenschleimhäuten
Durst, Speichelfluss
Zittern, Erbrechen
In schweren Fällen: Krämpfe und Herz-KreislaufProbleme

•

Wissenswertes:

Das rasch eintretende Erbrechen verhindert oft eine
schwere Vergiftung.

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Eibe (Taxus baccata) +++
Eife, Ibe, Bogenbaum
•

Familie:

Eibengewächse

•

Vorkommen:

Im Gebirge, in Wäldern, als Zierstrauch; Friedhöfe

•

Giftige Teile:

Besonders die Nadeln und zerbissenen
Samen, das Fruchtfleisch ist ungiftig

•

Giftigkeit:

Vergiftungen treten ab 2 zerkauten Samen oder
einem Tee aus 70 Nadeln auf

•

Symptome:

Übelkeit, Durchfall, Mundtrockenheit
Herzrhythmusstörungen, Krämpfe
schwindendes Bewusstsein
Atemlähmung

•

Wissenswertes:

Holz der Eibe wurde früher von Bogenschützen
genutzt.
Sehr langsames Wachstum Æ ein zum Bau
geeigneter Baum wäre schon 1000 Jahre alt.

•

Tipp:

Nur männliche Pflanzen ohne Fruchtansatz
pflanzen, wenn Kinder Zugang haben.

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Quelle: Wikipedia

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Abendländischer Lebensbaum (Thuja occidentalis) ++
Hecken-Thuja, Friedhofsbaum
•

Familie:

Zypressengewächse

•

Vorkommen:

Heimat Nordamerika

•

Giftige Teile:

Alle, vorwiegend junge Zweigspitzen

•

Giftigkeit:

Ätherisches Öl

•

Symptome:

Husten, blutiges Erbrechen &Durchfall,
Magenschleimhautblutungen,
Schäden an Leber und Nieren

•

Hinweis:

Beim Schneiden immer Handschuhe tragen,
da Ätherisches Öl Hautreizungen
verursachen kann.

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- 111 -

Quelle: Wikipedia

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Gelbe Narzisse (Narcissus pseudonarcissus) +
Osterglocke
•

Familie:

Narzissengewächse

•

Vorkommen:

Auf sauren Böden am Alpenrand, Zierpflanze

•

Giftige Teile:

Alle

•

Symptome:

Übelkeit/ Erbrechen, Schweißausbrüche und
Durchfall
Hautentzündungen können durch Kontakt ausgelöst
werden (Narzissendermatitis)
Bei starker Vergiftung :
Lähmungen
Es kann zum Kollaps kommen, auch tödliche
Vergiftungen sind vorgekommen

•

Wissenswertes:

Die wilden Formen stehen unter Naturschutz

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Quelle: Wikipedia

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Herbstzeitlose (Colchicum autumnale) +++
Michelsblume, Giftkrokus
•

Familie:

Liliengewächse

•

Vorkommen:

Auf feuchten Wiesen in Süddeutschland; in
Gebirgsregionen; kultiviert als Zierpflanze

•

Giftige Teile:

Die gesamte Pflanze, besonders Samen und Knolle

•

Giftigkeit:

Bei Kindern können schon 3 Samen (1g) oder das
Aussaugen einer Blüte tödlich sein;
Bei Erwachsenen wirken 5g tödlich

•

Symptome:

Nach 2 bis12 Stunden:
Brennen und Kratzen im Mund und Rachen
Schweißausbrüche, Erbrechen, blutiger Durchfall
nach 24 bis 27 Stunden:
Blutdruckabfall, Atemnot, Herzversagen und Tod
Spätfolgen können Haarausfall und Veränderungen
im Blutbild sein

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Invasive Giftpflanzen
Eine besondere Gefahr, vor allem für
Allergiker:
• Herkuleskraut
• Ambrosia
Sie sollten nicht nur in Kleingärten, sondern
allgemein entfernt werden!
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Quelle: Wikipedia

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Herkuleskraut (Heracleum mantegazzianum) ++
Riesen-Bärenklau, Bauernrhabarber

• Familie:

Doldengewächse

• Vorkommen:

Kaukasus, Mitteleuropa

• Giftige Teile:

Alle, besonders Blätter im
Frühjahr

• Symptome:

Besonders nach intensiver
Sonnenbestrahlung;
Hautjucken, Hautrötungen,
Blasenbildung

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Quelle: Wikipedia

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Beifußblättriges Traubenkraut (Ambrosia artemisiifolia)
Ambrosia, Wilder Hanf
• Familie:

Beifußgewächse

• Vorkommen:

Nordamerika, seit den 90er
Jahren auch Deutschland

• Allergie- Auslöser:

Pollen; bereits ab sechsPollen
pro m³ Luft reagieren
empfindliche Personen; auch
Hautkontakt kann heftige
Allergien auslösen!

• Symptome:

Allergische Reaktionen der
Augen und Atemwegen, im
schlimmsten Fall Asthma

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Gegenüberstellung von Giftigkeit & Heilwirkung
am Beispiel: Fingerhut (Digitalis purpurea)
• Alle Pflanzenteile sind
hochgiftig; bereits der
Verzehr von zwei
Blättern kann zu
tödlicher Vergiftung
führen
• Giftgehalt ist stark
von Standort und
anderen
Umweltfaktoren
abhängig

• Zur Behandlung von
Fieber,
Kopfschmerzen,
Ödemen, Gicht,
Unterleibszysten,
Wunden, Furunkel
• Senkt die
Herzfrequenz
• Einsatz in der
Krebstherapie

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Umgang mit Notfallsituationen
Maßnahmen bei Vergiftung:
• Sicherstellung von Pflanzenmaterial,
Pflanzenreste aus dem Mund entfernen
• Kein Alkohol! Keine fetthaltigen Getränke! (Fett
löst Gift)
• Keine Kochsalzlösung
• Große Flüssigkeitsmengen (Wasser) aufnehmen
• Bei Aufnahme über die Haut betroffene Partien
gründlich reinigen, gegebenenfalls Augen
ausspülen
• Kompetenten Arzt aufsuchen
• Giftinformationszentrum konsultieren
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Merke:
Selbst die giftigste aufgenommene Pflanze
kann bei rechtzeitiger ärztlicher
Behandlung weitestgehend „ungiftig“
wirken!
Der Zeitfaktor ist bei der Behandlung absolut
entscheidend!

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- 115 -

Übrigens:
Der Botanische Sondergarten Hamburg
Wandsbek kürt seit sechs Jahren die
„Giftpflanze des Jahres“.
Die Herbstzeitlose wurde zur Pflanze 2010
ernannt.

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Quellen:
Text:
• aid Informationsheft „Giftige Pflanzen in Garten,
Haus und öffentlichem Grün“
• http://www.giftpflanzen.com
• Wikipedia
• ARD Ratgeber (http://www.swr.de)
Bilder:
• LV Bremen, Archiv
• Wikipedia

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Kleingärten und der Schutz der Naturressourcen Boden, Wasser und Luft

Arbeitsgruppe 1
Leiter der Arbeitsgruppe:
Helmut Vetter
Landesverband Braunschweig der Gartenfreunde e.V.

Schutz der Naturressource Boden
Der Boden ist Ursprung allen Lebens. Er bildet die Grundlage des Pflanzenwachstums und sorgt
für die Ernährung von Tier und Mensch. Er setzt sich aus 25% Luft, 25% Wasser und zu 50 % aus
organischen und mineralischen Substanzen zusammen.
Die Teilnehmer der Arbeitsgruppe waren sich einig, dass auch die Kleingärtner zur Erhaltung und
Verbesserung des Gartenbodens einiges beitragen können durch einen sorgsamen Umgang mittels verschiedener Kulturmaßnahmen.
-

Förderung des Bodenlebens durch umweltgerechte Bearbeitung, mit Sauzahn statt mit Spaten.

-

Bodenschattierung durch Mulchen oder Gründüngung.

-

Erhalt der organischen Masse auf den Gartenbeeten durch Kompostierung.

-

Kontrolle der Gartenböden durch regelmäßige Beprobung des Bodens.

-

Bei der Gartenvergabe sollte mehr Wert auf den Zustand des Gartenbodens gelegt werden.

-

Verwendung von torffreier Erde bei der Pflanzenanzucht, denn Torf gehört ins Moor und sollte hier der Artenvielfalt dienen.

Der Erhalt der Bodenfruchtbarkeit ist das anzustrebende Ziel, damit die Ernährung auch in der
Zukunft gesichert ist, denn der Boden ist nicht vermehrbar.
Keinen Missbrauch sollte man mit der Naturressource Boden betreiben.
-

Keine Bodenversiegelung und Bodenverdichtung vornehmen.

-

Unkrautbekämpfung ohne den Einsatz von Herbiziden vornehmen.

-

Durch unsachgemäße Überdüngung über den Boden die Pflanzen schädigen und das
Grundwasser belasten.

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Schutz der Naturressource Wasser
Durch Bodenschutz, Schattierung, Gründüngung usw. wird die Wasserhaltekraft verbessert, die
Verdunstung gemindert und damit Wasser gespart.
Sparsamer Umgang mit dem begrenzt vorhandenen Trinkwasser ist notwendig.
Regenwasser zum Bewässern auffangen.
Mit abgestandenem und eventuell vorgewärmtem Wasser gießen. Kaltes Wasser führt zur Stresssituation und schadet der Pflanze.
Den Boden bewässern und nicht die Pflanze. Nicht bei Sonnenschein und schon gar nicht mit dem
Rasensprenger den Gemüsegarten beregnen.
In den Morgenstunden gezielt gießen. Dann kann im Laufe des Tages die eventuell benetzte Pflanze wieder abtrocknen. Das ist gleichzeitig eine vorbeugende Pflanzenschutzmaßnahme gegen pilzliche Krankheiten.
Bei der Wasserspülung in der Gartenlaube scheiden sich die Geister, aber auch hier sollte man
sehr sparsam mit der Ressource Wasser umgehen.
Schutz der Naturressource Luft
Luftverschmutzung durch Verbrennen von Gartenabfällen ist heute vieler Orts verboten. In verschiedenen Regionen, vornehmlich im ländlichen Bereich, sind noch sogenannte Brenntage an der
Tagesordnung, wie in der Arbeitsgruppe zu hören war.
Windschutz durch gezielte Anpflanzung von Gehölzen darf nicht zu Kältezonen führen. Eine gewisse Luftzirkulation muss vorhanden sein, damit ein Luftaustausch gewährleistet ist.
Durch vermehrte Anpflanzung von Sträuchern und Bäumen im Einzelgarten, aber besonders auf
den Gemeinschaftsflächen der Kleingartenanlage lässt sich die Blattmasse erhöhen, was für Windschutz sorgt, der Luftreinigung dient, den Lärm mildert und ein Beitrag zum Klimaschutz leistet.
Auch die Tierwelt profitiert von einem erweiterten Angebot an Hecken, Sträuchern und Bäumen in
Kleingärten.
Nicht zu vergessen ist, dass die Sauerstoffproduktion durch eine Vermehrung der Blattmasse erhöht wird.
Das Potential an Grün in den stadtnahen Kleingartenanlagen sorgt in den Städten für Frischluftschneisen und dient damit direkt zur Klimaverbesserung.
Wie kann das Kleingartenwesen diesen Wünschen und Forderungen gerecht werden und ihrer
Durchsetzung Nachdruck verleihen?
Mit positiven Beispielen offensiv nach außen gehen und zum Beispiel:
-

Mustergärten einrichten, in denen an Hand praktischer Beispiele den Besuchern Bodenverbesserungsmaßnahmen und Regenwassernutzung gezeigt werden,

-

vermehrt Gehölze und Hecken anpflanzen die dem Wind-, Sicht-, Lärm- und Staubschutz
dienen, und wo sich Kleintiere und die Vogelwelt wohlfühlen,

-

Informationsveranstaltungen zu den Themen Boden, Wasser Luft durchführen (Der Boden
lebt!),

-

Die Fachberatung intensivieren, um an praktischen Beispielen den Gartenfreunden den Erfolg
oder Misserfolg bei richtiger und falscher Bodenbearbeitung zu erklären oder die Wasserhaltekraft unterschiedlicher Böden zu zeigen.

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Aufgaben des Kleingartenwesens im Rahmen der
Agenda 21

Arbeitsgruppe 2
Leiter der Arbeitsgruppe:
Sven Wachtmann
Landesverband Berlin der Gartenfreunde e.V.

Dieser Kreis von Kleingärtnern im Workshop stellte einem Querschnitt der Bundesdeutschen Gartenfreunde dar. Jeder der Teilnehmer stellte seine Projekte vor und man stellte sehr schnell fest,
dass es hier viele Übereinstimmungen gab.
Das Anlegen und Betreiben von Naturprojekten ist in vielen Kleingartenanlagen der Bundesrepublik zu verzeichnen. Auch das Zusammenwirken von Schulklassen, anderen Organisationen und
Kleingärtnern wurde differenziert erörtert. Das Heranführen der Kinder an die Natur durch Kleingärtner ist in der heutigen Zeit sehr wichtig geworden und sollte nach wie vor weiter ausgebaut
werden.
Für die Finanzierung von solchen Projekten wurden entweder Sponsoren aus der Wirtschaft, dem
Land, der Gemeinde oder aus den einzelnen Landesverbänden von den Teilnehmern genannt. Ohne das Wollen einzelner Menschen und die nötige Unterstützung sind solche Projekte aber nicht
zu realisieren.
Die Fachberatung nimmt bei diesem Thema eine zentrale Stelle ein. Sie unterstützt die Verantwortlichen bei der Realisierung und anschließenden Betreuung einzelner Projekte. Wenn keine engagierten Kleingärtner oder geeigneten Personen hierfür eingestellt werden, die sich um solche Projekte kümmern und dann betreuen, scheitern sie früher oder später. Auch die Weitergabe von Informationen und der Erfahrungsaustausch zu einzelnen Projekten sind sehr wichtig. Hier spielen
die Fort- und Weiterbildung, sowie Schulungen von Fachberatern durch Referenten eine wichtige
Rolle.
Auch sollten vermehrt viele Naturprojekte breiter in die Öffentlichkeit gelangen und zur Nachahmung in jeder Anlage und in möglichst vielen Kleingärten anregen. Dann ist schon ein großer
Schritt zur Unterstützung und Erhaltung der Natur in Kleingartenanlagen gegangen.
In der folgenden Übersicht von Projekten sind die Beispiele der Seminarteilnehmer aus den einzelnen Landesverbänden zusammen gestellt.
Landesverband

Projekte

Thüringen
MecklenburgVorpommern
Rheinland-Pfalz
Baden-Württemberg

Streuobstwiesen, Bau von Nistkästen, Insektenhotels
Informationsgärten/Fachberatergärten, Lehr- und Besuchergärten
Bundes- und Landesgartenschauen, Schulgärten
Schulgartennetzwerk seit 2007, Schulgartentag, PflanzenschutzProjekte

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Hamburg
Dresden
Hessen
Bremen
Bayern
Sachsen-Anhalt
Sachsen
Berlin

Naturgarten für Schulungen mit Ferienheim, zinsfreie Darlehen
Schulgärten, Obst- und Gemüseausstellungen, Erfassung alter Sorten
Mustergärten, Behindertengarten, Seniorengarten, Betreuung durch
zwei fest eingestellte Mitarbeiter
Beratungszentrum des Landesverbandes
Jugendarbeit und Integration, Schulgärten, interkulturelle Gärten,
Projektarbeit mit Kindern und Jugendlichen
Schaffung von Tafelgärten (viele Leere Parzellen!), Lehr- und Informationsgärten, Umwelttage, eine Gärtnerin fest eingestellt
Wettbewerbe, Wanderpokal, Schaffung von Tafelgärten,
„Grüne Klassenzimmer“, Landesschulheim
Naturlehrpfade in mehreren Kleingartenanlagen, „Ökolaube“,
„Grüne Woche“, Wettbewerbe

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- 120 -

Vertreter der Fauna wieder vielfältig in den Kleingärten
heimisch machen

Arbeitsgruppe 3
Leiterin der Arbeitsgruppe:
Claudia Heger
Landesverband Braunschweig der Gartenfreunde e.V.

Die artenreichste Gruppe der heimischen Fauna ist die der Insekten. Durch die vielfältige Lebensweise dieser Tiere ist es schon mit wenig einfachen Mitteln möglich, sie in den Kleingarten zu locken; z.B. indem man ihnen Nahrung anbietet. Heil- und Gewürzpflanzen sind sehr gut geeignet,
doch sollten auch ein paar Wildpflanzen vorhanden sein, denn an sie sind die Tiere angepasst.
Man kann den Insekten auch Unterschlupf in Form von Insekten-Nisthilfen anbieten. Diese sollten
in der Nähe der Futterpflanzen platziert werden.
Die Honigbiene hat eine sehr wichtige Rolle im Kleingarten, denn ohne sie würde man kaum Obst
und Gemüse ernten. Doch stößt das Halten von Bienen in Kleingartenkolonien immer wieder auf
Ablehnung. Die Angst ist groß, dass Kinder von Bienen gestochen werden können. Dies ist eigentlich unbegründet: doch muss in der Sache noch viel Aufklärungsarbeit geleistet werden.
Eine weitere Gruppe bilden die Vögel. Nisthilfen für sie gibt es so unterschiedlich wie es Lebensweisen ihrer Vertreter gibt. Doch leider reicht ein Nistkasten in einem Kleingarten nicht aus. Es
sollten für einen 400 m² großen Garten mindestens 12 verschiedene Nisthilfen geplant werden.
Auch das Nahrungsangebot muss vielfältig sein. Auf keinen Fall sollten die ersten auftretenden
Läuse vergiftet werden, denn viele Vögel ziehen damit ihre Brut auf. Außerdem kann man zusätzliche Nahrung das ganze Jahr über anbieten (Vogelfutterhaus, Futtersilo o.ä.), denn die Samen und
Insekten im Garten reichen oft nicht aus, um die vielen Vögel ausreichend zu ernähren. Natürlich
müssen die Nisthilfen vor Raubtieren geschützt werden. Ein dichter, stachelbewehrter Zierstrauch
zum Beispiel bietet schon Schutz. Reisighaufen können mit grobmaschigem Kaninchendraht abgesichert werden.
Die dritte Gruppe, die Amphibien und Reptilien, lässt sich mit Feuchtbiotopen in die Kleingärten
locken. Damit ist jedoch nicht der Goldfischteich gemeint, sondern ein Naturbiotop. Die vielfältige
Tierwelt stellt sich schnell von selbst ein. Frösche und Molche wandern aus der Umgebung zu,
sofern es in der Nähe natürliche Populationen gibt. Kröten können in Steinmauern oder Kräuterspiralen Unterschlupf finden, wenn die Steine nicht verfugt werden und genügend große Hohlräume vorhanden sind.
Die letzte und am schwierigsten zu lockende Gruppe bilden die Säugetiere. Die Anziehung der
bekanntesten Vertreter, der Igel, scheitert jedoch oft an der vollkommenen Einzäunung der Parzellen. In Gebieten, wo es keine Kaninchen gibt, sollte man an diese Igel denken und einige Schlupflöcher im Zaun oder an der Pforte lassen. Das Laub sollte man im Herbst nicht total abräumen.
Die Haufen können windgeschützt in der Nähe von Sträuchern gelagert werden. Alternativ kann
man es auch mit einem Igelheim versuchen. Ein etwas seltenerer Gast ist die Fledermaus, die man

Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e.V. – Grüne Schriftenreihe 211

- 121 -

ausschließlich mit dämmerungs- und nachtaktiven Insekten anlockt. Letztere brauchen nachtblühende Zier- und Wildpflanzen als Nahrung.
Abschließend lässt sich sagen, dass es die vielfältigsten Möglichkeiten gibt, die heimische Fauna in
den Kleingarten zu locken. Doch um das zu erreichen, muss mancher Kleingärtner von seinem
aufgeräumten Garten abrücken und eine geordnete Unordnung in seinem Garten zulassen.

Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e.V. – Grüne Schriftenreihe 211

- 123 -

Impressionen aus dem Seminar Umwelt

Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e.V. – Grüne Schriftenreihe 211

- 124 -

Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e.V. – Grüne Schriftenreihe 211

Leitthemen der Schriftenreihe ab 1996

115

1996 Würzburg

Aktuelle Fragen des Vereins- und Kleingartenrechts

115a

1996 Cottbus

116

1996 Lünen

Das Bundeskleingartengesetz in seiner
sozialpolitischen und städtebaulichen Bedeutung
Die Position des Kleingartens im Pflanzenschutz

117

1996 Osnabrück

Ehrenamtliche Tätigkeit - Freizeit – Kleingarten

118

1996 Nürnberg

119

1996 Grünberg

120

1996 Gera

Die Novellierung des § 3, 1 Bundeskleingartengesetz
und deren Auswirkungen auf die Nutzung und
Bewirtschaftung des Kleingartens
Die Rolle der Stauden und Küchenkräuter im
Kleingarten
Natur- und Umweltschutz in Kleingärten

121

1996 Erfurt

Probleme des Kleingartenrechts in Theorie und Praxis

122

1997 Schwerin

123

1997 St. Martin

124

1997 Berlin

Haftungsrecht und Versicherungen im
Kleingartenwesen
Pflanzenschutz und die naturnahe Bewirtschaftung im
Kleingarten
Lernort Kleingarten

125

1997 Gelsenkirchen

126

1997 Freising

127

1997 Lübeck-Travemünde

Möglichkeiten und Grenzen des Naturschutzes im
Kleingarten
Maßnahmen zur naturgerechten Bewirtschaftung und
umweltgerechte Gestaltung der Kleingärten als eine
Freizeiteinrichtung der Zukunft
Der Schutz unserer natürlichen Lebensgrundlagen

128

1997 Karlsruhe

Aktuelle Probleme des Kleingartenrechts

129

1998 Chemnitz

Aktuelle kleingartenrechtliche Fragen

130

1998 Potsdam

131

1998 Dresden

Die Agenda 21 und die Möglichkeiten der Umsetzung
der lokalen Agenden zur Erhaltung der biologischen
Vielfalt im Kleingartenbereich
Gesundes Obst im Kleingarten

132

1998 Regensburg

133

1998 Fulda

134

1998 Wiesbaden

Bodenschutz zum Erhalt der Bodenfruchtbarkeit im
Kleingarten
Gesetz und Maßnahmen
Der Kleingarten - ein Erfahrungsraum für Kinder und
Jugendliche
Aktuelle kleingartenrechtliche Fragen

135

1998 Stuttgart

Kleingärten in der / einer künftigen Freizeitgesellschaft

136

1998 Hameln

137

1999 Dresden

Umsetzung der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der EU
von 1992 im Bundesnaturschutzgesetz und die
Möglichkeiten ihrer Umsetzung im Kleingartenbereich
(Kleine) Rechtskunde für Kleingärtner

138

1999 Rostock

Gute fachliche Praxis im Kleingarten

139

1999 Würzburg

Kind und Natur (Klein)Gärten für Kinder

139

1999 Würzburg

Kind und Natur (Klein)Gärten für Kinder

140

1999 Braunschweig

141

1999 Hildesheim

142

1999 Freiburg

Zukunft Kleingarten mit naturnaher und ökologischer
Bewirtschaftung
Biotope im Kleingartenbereich
- ein nachhaltiger Beitrag zur Agenda 21
Zukunft Kleingarten

143

2000 Mönchengladbach

Recht und Steuern im Kleingärtnerverein

144

2000 Oldenburg

145

2000 Dresden

Pflanzenzüchtung und Kultur für den Kleingarten
von einjährigen Kulturen bis zum immergrünen Gehölz
Die Agenda 21 im Blickfeld des BDG

146

2000 Erfurt

147

2000 Halle

Pflanzenschutz im Kleingarten unter ökologischen
Bedingungen
Aktuelle kleingarten- und vereinsrechtliche Probleme

148

2000 Kaiserslautern

Familiengerechte Kleingärten und Kleingartenanlagen

149

2000 Erfurt

Natur- und Bodenschutz im Kleingartenbereich

150

2001 Rüsselsheim

Vereinsrecht

151

2001 Berlin

Kleingartenanlagen als umweltpolitisches Element

152

2001 Mönchengladbach

Natur- und Pflanzenschutz im Kleingarten

153

2001 St. Martin

Das Element Wasser im Kleingarten

154

2001 Gelsenkirchen

155

2001 Erfurt

Frauen im Ehrenamt - Spagat zwischen Familie, Beruf
und Freizeit
Verbandsmanagement

156

2001 Leipzig

157

2002 Bad Mergentheim

158

2002 Oldenburg

159

2002 Wismar

160

2002 Halle

Zwischenverpachtungen von Kleingartenanlagen Gesetzliche Privilegien und Verpflichtungen
Kleingartenpachtverhältnisse
Stadtökologie und Kleingärten – verbesserte Chancen
für die Umwelt
Miteinander reden in Familie und Öffentlichkeit – was
ich wie sagen kann
Boden – Bodenschutz und Bodenleben im Kleingarten

161

2002 Wismar

Naturnaher Garten als Bewirtschaftsform im
Kleingarten
Inhalt und Ausgestaltung des
Kleingartenpachtvertrages
Finanzen

162

2002 Berlin

163

2003 Dessau

164

2003 Rostock

165

2003 Hamburg

Artenvielfalt im Kleingarten – ein ökologischer Beitrag
des Kleingartenwesens
Rosen in Züchtung und Nutzung im Kleingarten

166

2003 Rostock

Wettbewerbe – Formen, Auftrag und Durchführung

167

2003 Limburgerhof

Die Wertermittlung

168

2003 Bad Mergentheim

169

2004 Braunschweig

Soziologische Veränderungen in der BRD und mögliche
Auswirkungen auf das Kleingartenwesen
Kleingärtnerische Nutzung (Rechtsseminar)

170

2004 Kassel

Öffentlichkeitsarbeit

171

2004 Fulda

Kleingärtnerische Nutzung durch Gemüsebau

172

2004 Braunschweig

Mein grünes Haus

173

2004 Dresden

Kleingärtnerische Nutzung durch Gemüsebau

174

2004 Magdeburg

Recht aktuell

175

2004 Würzburg

Der Kleingarten als Gesundbrunnen für Jung und Alt

176

2004 Münster

177

2005 Kassel

Vom Aussiedler zum Fachberater – Integration im
Schrebergarten (I)
Haftungsrecht

178

2005 München

Ehrenamt – Gender-Mainstreaming im Kleingarten

179

2005 Mannheim

Mit Erfolg Gemüseanbau im Kleingarten praktizieren

180

2005 München

Naturgerechter Anbau von Obst

181

2005 Erfurt

Naturschutzgesetzgebung und Kleingartenanlagen

182

2005 Dresden

Kommunalabgaben

183

2005 Bonn

184

2006 Dessau

185

2006 Jena

Vom Aussiedler zum Fachberater – Integration im
Schrebergarten (II)
Düngung, Pflanzenschutz und Ökologie im Kleingarten
– unvereinbar mit der Notwendigkeit der
Fruchtziehung?
Finanzmanagement im Verein

186

2006 Braunschweig

Stauden und Kräuter

187

2006 Stuttgart

Grundseminar Boden und Düngung

188

2006 Hamburg

Fragen aus der Vereinstätigkeit

189

2007 Potsdam

Deutschland altert – was nun?

190

2007 Jena

Grundseminar Pflanzenschutz

191

2007 Jena

Insekten

192

2007 Celle

Grundseminar Gestaltung und Laube

193

2007 Bielefeld

194

2008 Potsdam

Rechtsprobleme im Kleingarten mit Verbänden lösen
(Netzwerkarbeit)
Streit vermeiden – Probleme lösen
Pachtrecht I

195

2008 Neu-Ulm

196

2008 Magdeburg

197

2008 Grünberg

198

2008 Gotha

199

2008 Leipzig

200

2009 Potsdam

Kleingärtner sind Klimabewahrer – durch den Schutz
der Naturressourcen Wasser, Luft und Boden
Wie ticken die Medien?

201

2009 Erfurt

Vereinsrecht

202

2009 Bremen

Vielfalt durch gärtnerische Nutzung

203

2009 Schwerin

Gesundheitsquell – Kleingarten

204

2009 Heilbronn

Biotope im Kleingarten

205

2009 Potsdam

Wie manage ich einen Verein?

206

2010 Lüneburg

207

2010 Magdeburg

Kleingärten brauchen Öffentlichkeit und Unterstützung
auch von außen
Zwischenpachtvertrag – Privileg und Verpflichtung

208

2010 Bremen

Umwelt plus Bildung gleich Umweltbildung

209

2010 Kassel

Der Fachberater – Aufgabe und Position im Verband

210

2010 Mönchengladbach

Biologischer Pflanzenschutz

Pflanzenverwendung I – vom Solitärgehölz bis zur
Staude
Soziale Verantwortung des Kleingartenwesens – nach
innen und nach außen
Pflanzenverwendung II – vom Solitärgehölz bis zur
Staude
Finanzen
        
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