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Full text: Beispiele guter Praxis in der kommunalen Flüchtlings- und Integrationspolitik / Kriemann, Martin

Handreichung

Beispiele guter Praxis in der
kommunalen Flüchtlings- und Integrationspolitik
Martin Kriemann

Berlin, Juli 2016

1

Martin Kriemann, B.A. Soziale Arbeit und M.A. Praxisforschung in Sozialer Arbeit und Pädagogik,
Ausbildungsschwerpunkte und vielfältige Projekterfahrungen in den Themenbereichen Familien-,
Kindheits- und Biographieforschung sowie zur Förderung jugendlicher Arbeitssuchender und zum
Übergang von der Schule in die Berufswelt. Ausgezeichnete Kenntnisse der qualitativen Sozialforschung, insbesondere der rekonstruktiven Sozialforschung. Lehrtätigkeit an der Alice Salomon Hochschule Berlin. Promotionsvorhaben zum Thema „Lebenswelten nach dem Mauerfall - Zur Rekonstruktion der DDR-Erinnerungskultur(en) der Nachwendegeneration“.

Kontakt
Institut für Demokratische Entwicklung
und Soziale Integration (DESI)
Dr. Frank Gesemann
Nymphenburger Str. 2
10825 Berlin
Tel.: 030 / 814 86 502
E-Mail: info@desi-sozialforschung-berlin.de
Internet: www.desi-sozialforschung-berlin.de
2

INHALT
0.

Vorwort ......................................................................................................................................... 4

1.

Einleitung ...................................................................................................................................... 5

2.

Handlungsfeld Sprache ................................................................................................................ 6

3.

Handlungsfeld Begegnung .......................................................................................................... 8

4.

Handlungsfeld Bürgerbeteiligung .............................................................................................. 11

5.

Handlungsfeld Freiwilliges Engagement ................................................................................... 12

6.

Handlungsfeld Koordination des freiwilligen Engagements ..................................................... 15

7.

Handlungsfeld schulische und berufliche Integration ............................................................... 19

8.

Handlungsfeld Wohnen ............................................................................................................. 23

9.

Handlungsfeld Gesundheit ......................................................................................................... 25

10.

Fazit ............................................................................................................................................ 27

ANLAGEN
Weitere Handreichungen zu erfolgversprechenden Handlungsansätzen
und Beispielen guter Praxis vor Ort...................................................................................................... 28
Aktuelle Veröffentlichungen des DESI Instituts zu den Themen Migration, Flüchtlinge
und Integration ................................................................................................................................... . 29
Pressemitteilung des DESI – Institut für Demokratische Entwicklung und Soziale Integration
vom 2. Juni 2016 zur Veröffentlichung der Studie „Kommunale Flüchtlings- und
Integrationspolitik“ .......................................................................................................................... .. .. 30

3

VORWORT
Liebe Leserinnen und Leser,
diese Broschüre informiert über Möglichkeiten der Flüchtlings- und Integrationspolitik von Städten,
Landkreisen und Gemeinden aus Sicht von verantwortlichen Akteuren in der Kommunalverwaltung.
Die Informationen, auf denen diese Handreichung beruht, wurden in einer Online-Umfrage1 des DESI
- Instituts für Demokratische Entwicklung und Soziale Integration im Zeitraum vom 25. Januar bis 05.
März 2016 erhoben und anschließend ausgewertet. Insgesamt haben sich 273 Kommunen an der
Befragung beteiligt, wobei nicht alle Kommunen Angaben zu Beispielen guter Praxis gemacht haben.
Die vorliegende Handreichung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern möchte nur
transparent machen, welche Angebote und Projekte von Seiten der Städte, Landkreise und Gemeinden, die sich an der Befragung beteiligt haben, explizit als Beispiele guter Praxis angeführt wurden.
Weitere Informationen finden sich im Internet in einer Reihe verschiedener Sammlungen von Beispielen guter Praxis. Informationen hierzu finden sich im Anhang dieser Broschüre.
Diese Broschüre wendet sich vor allem an Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Verwaltungen, aber
auch an zivilgesellschaftliche Akteure. Sie möchte einen kleinen Beitrag dazu leisten, dass Kommunen
voneinander lernen können, in dem die Erfahrungen mit Maßnahmen und Projekten, die zum Gelingen von Integration vor Ort beitragen, ausgewertet und weiter verbreitet werden.
Ein großes Dankeschön geht an die Verantwortlichen in den Kommunalverwaltungen, die uns die
Informationen zu Beispielen guter Praxis bereitgestellt haben.
Weitere Anregungen nehmen wir gerne unter folgender E-Mail-Adresse entgegen:
info@desi-sozialforschung-berlin.de
Berlin, Juli 2016
Dr. Frank Gesemann
DESI Geschäftsführer

Die Erarbeitung dieser Broschüre wurde aus Eigenmitteln des DESI – Instituts für Demokratische
Entwicklung und Soziale Integration finanziert.
1

Frank Gesemann/Roland Roth 2016: Kommunale Flüchtlings- und Integrationspolitik – Ergebnisse einer
Umfrage in Städten, Landkreisen und Gemeinden. Berlin: DESI – Institut für Demokratische Entwicklung
und Soziale Integration.

4

1. EINLEITUNG
In der Befragung zur kommunalen Flüchtlings- und Integrationspolitik wurden die Verantwortlichen
für die kommunale Flüchtlings- und Integrationspolitik gebeten, uns Beispiele guter Praxis insbesondere in den Handlungsfeldern Sprache, Bildung und berufliche Bildung, freiwilliges Engagement, Begegnung, Wohnen und Arbeitsmarkt zu nennen, von denen andere Kommunen lernen können. Von
dieser Möglichkeit haben 53 der befragten Städte, Landkreise und Gemeinden Gebrauch gemacht.
Nach Auswertung der vorliegenden Daten wurden die Handlungsfelder wie folgt benannt:









Sprache
Begegnung
Bürgerbeteiligung
Freiwilliges Engagement
Koordination des freiwilligen Engagements
Schulische und berufliche Integration
Wohnen
Gesundheit

Die Handlungsfelder Bürgerbeteiligung, Koordination des freiwilligen Engagements und Gesundheit
wurden dabei nicht explizit in der offenen Fragestellung erwähnt, dennoch wurden von Seiten der
Befragten Angaben zu diesen Bereichen gemacht. Selbstverständlich wurden daher auch diese Beispiele guter Praxis in der vorliegenden Handreichung aufgeführt. Die Bereiche Bildung und berufliche
Bildung sowie Arbeitsmarkt wurden zum Handlungsfeld schulische und berufliche Integration zusammengefasst.
Die Abgrenzung dieser Kategorien ist mitunter schwierig, da in der Praxis keine trennscharfen Abgrenzungen zwischen Handlungsfeldern, wie z. B. Sprache und Begegnung, existieren. Dennoch werden in dieser Broschüre die einzelnen Themengebiete gesondert dargestellt, um eine gewisse Übersichtlichkeit und Nachvollziehbarkeit zu gewährleisten. Weitere Themen, die innerhalb einzelner
Handlungsfelder bearbeitet wurden, sind die Bereiche Information und Beratung.
Aus einigen Verwaltungen waren die gegebenen Antworten zur Frage nach Beispielen guter Praxis
sehr ausführlich und zudem mit Verweisen auf bereits existierende Artikel und Veröffentlichungen
versehen. Von anderen Befragten wurde eher knapp dargelegt, in welchen Bereichen ihrer Meinung
nach bereits ‚gelingend‘ gearbeitet wird. In einigen Fragebögen wurden zudem weiterführende Adressen und Kontakte zu Best-Practice-Beispielen aufgeführt, die Akteuren in der Flüchtlings- und Integrationspolitik zugänglich sind und das Einholen weitergehender Informationen ermöglichen. Diese
weiterführenden Hinweise wurden im Rahmen dieser Handreichung zum Teil mit aufgearbeitet. In
der vorliegenden Fassung2 wird allerdings fokussiert auf die konkret beschriebenen Beispiele guter
kommunaler Praxis durch die Verwaltungen eingegangen. Die verschiedenen Beispiele guter Praxis
wurden dabei ausschließlich nach dem Kriterium der zurück gemeldeten Informationen ausgewählt.

2

Geplant sind Folgeauflagen, in der zusätzliche Beispiele aus weiteren Kommunen dargestellt werden.

5

2. HANDLUNGSFELD SPRACHE
Die Bereitstellung ausreichender Sprachlernangebote wird von den Verantwortlichen für die kommunale Flüchtlings- und Integrationspolitik als die wichtigste Aufgabe und Herausforderung bei der
Aufnahme von Flüchtlingen bewertet (Mittelwert: 4,55).3 90,2 Prozent der Befragten sehen darin
eine sehr wichtige oder wichtige Aufgabe; fast zwei Drittel bewerten sie sogar als sehr wichtig.4
Die Beispiele guter kommunaler Praxis im Handlungsfeld Erwerb und Vermittlung der deutschen
Sprache als Zweitsprache sowie die zeitlich begrenzte Ausgestaltung von Angeboten zur praktischen
Anwendung der Sprache sind sehr vielfältig.
Flächendeckendes Angebot an Sprachkursen im Landkreis Bernkastel-Wittich
„Angesichts stetig steigender Flüchtlings- und Asylbewerberzahlen wurde in unserem Landkreis ein
flächendeckendes Angebot an Sprachkursen geschaffen. Damit bietet der Landkreis den Menschen,
die vor Krieg und Elend in ihrer Heimat geflohen sind, von Anfang an die Möglichkeit, über den Erwerb der Sprachkompetenz, selbständig am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Ein konkretes
Ziel stellt die Orientierung in ihrem unmittelbaren Lebensumfeld dar, etwa in typischen Alltagssituationen wie z. B. beim Einkaufen, beim Arztbesuch oder im Gespräch mit den Nachbarn. Die Sprachkurse werden über die örtlichen Volkshochschulen angeboten. Inhaltliches Ziel ist das Erreichen des
Sprachniveaus A 1 (Hören und Verstehen einfacher Sätze, sowie Fragen beantworten können mit
einem ersten Grundwortschatz – nach dem Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens für Sprachen, sechs Stufen von A1 (Anfänger) bis C2 (Experten).“
Flüchtlingshilfe im Landkreis Bernkastel-Wittich: http://www.bernkastel-wittlich.de/fluechtlingshilfe.
html.
Bewährt haben sich zum Erreichen dieses Ziels Kurse, die entweder für einen Zeitraum von drei bis
sechs Monaten oder aber in einem Umfang von ca. 200 Stunden durch die Kommune getragen werden. Einige Kommunen verweisen zudem auf die erfolgreiche Kooperation mit Akteuren der Wirtschaft bei der Akquirierung zusätzlicher finanzieller Mitteln für die Durchführung der Sprachkurse.
Zwei Kriterien werden in Bezug auf den Erwerb von Kompetenzen in der deutschen Sprache als besonders positiv bewertet: erstens Sprachlernangebote, die sofort nach der Aufnahme in einer Unterkunft begonnen werden, sowie zweitens Kurse, die z. B. von freiwilligen Fachkräften (ausgebildete
Lehrkräfte) an örtlichen Volkshochschulen angeboten und durchgeführt werden.
Ein weiteres positiv bewertetes Modell zur Vermittlung der deutschen Sprache ist das vertiefende
Sprachpatenangebot in Grund-, Mittel-, und Förderschulen in Ergänzung zum regulären Deutschunterricht.

3
4

Absteigende Mittelwerte: Sehr wichtig (5), wichtig (4), eher wichtig (3), eher unwichtig (2), unwichtig (1).
Vgl. Gesemann/Roth 2016 (sh. Fn.1), S. 14ff.; S. 39.

6

Sprachpaten für Flüchtlingskinder in der Region Coburg
Das Projekt „Sprachpaten für Flüchtlingskinder" ist ein Projekt der Bildungsregion Coburg des MENTOR Lesespaß Coburg e.V.
In diesem Projekt unterstützen ehrenamtliche Sprachpaten ein Jahr lang Kinder beim Deutschlernen.
Das Angebot richtet sich an Kinder aus Flüchtlingsfamilien, die kein oder kaum Deutsch können. Die
Sprachpaten treffen sich regelmäßig mit den Kindern in der Schule und üben mit ihnen Deutsch. Zugleich bauen sie dem Kind durch persönliche Zuwendung eine Brücke in die neue Heimat.
http://coburg.mentor-bundesverband.de/index.php/1076.html
Projekte wie diese finden während des Unterrichts oder am Nachmittag statt. Sie ergänzen die schulische Unterstützung, können diese aber nicht ersetzen und sind auch nicht mit Nachhilfe-Unterricht
zu verwechseln.
Hausaufgabenbetreuung von SchülerInnen für SchülerInnen in der Stadt Rosenheim
Der Erwerb der deutschen Sprache gelingt SchülerInnen mit Fluchterfahrungen auch über Nachhilfe
bzw. Hausaufgabenprojekte, die bspw. auf der Peer-to-Peer Ebene verlaufen. SchülerInnen des Ignaz-Günther-Gymnasiums in Rosenheim haben mit ihrer Lehrerin eine Hausaufgabenbetreuung für
Geflüchtete ins Leben gerufen, die berufsschulpflichtigen AsylbewerberInnen im Berufsintegrationsjahr (BIJ) beim Lernen helfen.
http://www.buergerstiftung-rosenheim.de/
Von solchen sprachorientierten Projekten profitieren SchülerInnen, Eltern und Lehrkräfte gemeinsam. Fortschritte bei der Integration werden dabei über das Handlungsfeld Sprache hinaus gemacht.
Die Förderung der Persönlichkeitsentwicklung, der Erwerb interkultureller Kompetenz und die Steigerung der Akzeptanz durch Kooperation auf allen beteiligten Seiten zeigen, wie Integration gelingen
kann.
Gute Erfahrungen bei Angeboten zur Förderung der Sprachkompetenz werden zudem mit Sprachkursen gemacht, die explizit für erwachsene Geflüchtete mit Kindern angeboten werden. Hier wird parallel zum Sprachkurs entweder eine Kinderbetreuung angeboten oder Mutter-Kind-Kurse werden
mit Sprachförderung verknüpft.
Weitere Formen zum Erwerb von Kompetenzen in der deutschen Sprache sind z. B. spezielle Angebote für Analphabeten, die Einrichtung eines Sprachlabors zur zusätzlichen Deutsch-Übung am Computer oder informelle Angebote wie die Bereitstellung von Räumlichkeiten und Nutzungszeiten (z. B. im
Rahmen eines Cafés für Geflüchtete).
Dass es über den Erwerb von Sprachkompetenzen möglich wird, sich mit den Menschen in der Nachbarschaft zu verständigen, wird von den Befragten als eine der wichtigsten Maßnahmen zur Integration in die örtliche Gemeinschaft verstanden.
Hierbei werden ausreichend qualifizierte, mehrsprachige SprachmittlerInnen, die an Schulen, in Kindergärten, Beratungsstellen und bei Behörden übersetzen und zwischen Kulturen vermitteln, eine
herausragende Rolle zugewiesen. SprachmittlerInnen werden von verschiedenen Verwaltungen als
„außerordentlich wertvoll“ eingeschätzt.
In der Stadt Kempten werden bspw. gezielt geschulte SprachmittlerInnen in allen Schulen eingesetzt,
um die Lehrkräfte bei der Sprachförderung zu unterstützen.
7

Ehrenamtlicher Dolmetscherdienst im Kreis Düren
Im Kreis Düren hat sich seit einigen Jahren der ehrenamtliche Dolmetscherdienst etabliert, in welchem die Ehrenamtlichen auch als IntegrationslotsInnen angesehen werden, da „sie viel mehr leisten
als die reine Übersetzungsarbeit“. Den DolmetscherInnen werden regelmäßig Fortbildungen und
Vernetzungstreffen zum Erfahrungsaustausch angeboten.
Der Einsatz der rund 100 DolmetscherInnen wird mit einer Aufwandsentschädigung von 20 Euro je
Einsatz honoriert und wurde allein im Jahr 2015 ca. 800 Mal in Anspruch genommen. Durch den Anstieg der Zuzugsrate der Geflüchteten und des damit verbundenen erhöhten Bedarfes hat der Kreis
Düren eine sozialpädagogische Fachkraft (10 h/Wo) für die Projektbegleitung eingesetzt.
Erfolge werden insbesondere bei einer positiven Änderung der Haltung gegenüber den Geflüchteten
und im Umgang mit diesen in Kreisverwaltung, Bildungseinrichtungen sowie teilweise auch in Krankenhäusern sichtbar.
Beitrag von Sybille Haußmann, Leiterin des Kommunalen Integrationszentrums, Kreis Düren u. a. zum
Dolmetscherdienst: „Ehrenamtliche sind unverzichtbar für erfolgreiche Arbeit im Kreis Düren“,
http://www.kommunale-integrationszentrennrw.de/sites/default/files/public/system/steckbriefe/beitrag_ki_kreis_dueren.pdf
Neben SprachmittlerInnen werden vor allem leicht zugängliche Informationen in den Sprachen der
Zugewanderten als hilfreiches Instrument zur Orientierung in der neuen Umgebung verstanden.
Handreichung „Willkommen - Vielfalt in Göttingen“
Das Büro für Integration in Göttingen hat eine mehrsprachige Informationsbroschüre zur ersten Orientierung der Menschen mit Flucht- und Migrationshintergrund in ihrer neuen Umgebung im Internet veröffentlicht. Sie beinhaltet Angebote, die für MigrantInnen und ihre Familien hilfreich sein
können. Diese Dokumentation soll auch den vielen Ehrenamtlichen als nützliche Informationsquelle
dienen.
https://www.goettingen.de/pics/medien/1_1429717142/Erste_Schritte_zur_Orientierung.pdf
Projektübergreifend wird insbesondere die über einige Jahre gewachsene Struktur der Angebote
hervorgehoben, die bereits vor der aktuellen Flüchtlingssituation (z. B. Sprachmittlerangebote in der
Stadt Heilbronn) Bestand hatten und sich nun auch vor dem Hintergrund der rasant gestiegenen Zuwanderung von Flüchtlingen als gelingende Projekte in den Kommunen erweisen.
Finanzelle Einsparungen in diesem Handlungsfeld werden als Verlust einer der wichtigsten Maßnahmen zur gelingenden Integration wahrgenommen, selbst wenn der rein quantitative Bedarf einer
Kommune stagniert oder sinkt. Begründet wird das damit, dass gerade Projekte zum Erwerb der
deutschen Sprache, die sich ohne akuten Handlungsdruck entwickelten und etablierten, Ressourcen
vorhalten, die in Situationen mit erhöhtem Handlungsbedarf als Entlastung der Kommune wahrgenommen werden.

3. HANDLUNGSFELD BEGEGNUNG
Mehr als sechs von zehn Kommunen bezeichnen die Förderung interkultureller Begegnungen als eine
sehr wichtige oder wichtige Aufgabe bei der Aufnahme und Integration von Flüchtlingen (61,3 %;

8

Mittelwert: 3,68).5 Zu den wichtigsten Ressourcen in der Kommune gehören zudem das starke ehrenamtliche Engagement, aktive Willkommens- / Flüchtlingsinitiativen, Engagement und Offenheit
von Vereinen sowie die positive Grundstimmung und Offenheit in der Bevölkerung gezählt, allesamt
Voraussetzungen und Gelingensbedingungen für Begegnungen zwischen alteingesessener Bevölkerung und neu Zugewanderten bzw. Geflohenen.
Für die gelingende Integration in die Nachbarschaft werden in vielen Kommunen gezielt Kontaktmöglichkeiten geschaffen, in denen sich die Neuankommenden mit der Wohnbevölkerung vor Ort sowie
anderen Menschen mit Migrationserfahrungen treffen und austauschen können. Diese Begegnungsmöglichkeiten können äußerst vielfältig gestaltet sein: Bereitstellung von Räumlichkeiten zum ungezwungenen Beieinander-Sein, Unterstützung durch Fachkräfte der Flüchtlingshilfe zur Orientierung
im neuen Umfeld, Bereitstellung von Integrationsmitteln für Begegnungsfeste in den Stadtteilen,
Unterstützung bei der Bildung von Bündnissen und lokalen Partnerschaften zur Stärkung demokratischer Strukturen sowie Einbeziehung des bürgerschaftlichen und freiwilligen Engagements.
Es hat sich bei der Auswertung der vorhandenen Daten gezeigt, dass Projekte zur Herstellung und
Aufrechterhaltung von Kontakt- und Begegnungsmöglichkeiten im Sozialraum zu einem großen Teil
durch freiwilliges bzw. bürgerschaftliches Engagement initiiert und durchgeführt werden. Dabei hat
sich vielerorts bewährt, dass dieses Engagement durch professionelle Akteure der Verwaltungen und
der Wirtschaft aufgegriffen und begleitet sowie durch öffentliche Mittel mitgetragen und gestärkt
wird und damit Anerkennung erfährt.
Eine grundlegende Erfahrung der Kommunen ist, dass die Bereitschaft zur Schaffung von Kontaktund Begegnungsmöglichkeiten deutlich höher ist, wenn die freiwilligen OrganisatorInnen nicht zusätzlich zum eigenen persönlichen Engagement noch finanzielle Eigenmittel investieren müssen (z. B.
Geld zur Raumanmietung etc.), sondern auf konkret dafür bereitgestellte Integrationsmittel zurückgreifen können.
Für die Umsetzung von Kleinprojekten zur Stärkung einer sichtbaren und gelebten Willkommenskultur und gegen Fremdenfeindlichkeit haben sich lokale Partnerschaften bewährt.
Ein Beispiel für Freiwilliges Engagement im Handlungsfeld Begegnung ist das Café Asyl in der Stadt
Daun im Landkreis Vulkaneifel (Rheinland-Pfalz).
Café Asyl in der Stadt Daun
Im Haus der Jugend findet regelmäßig, einmal wöchentlich, das Begegnungs-Café statt. Dort treffen
sich ganz zwanglos und mit großem Erfolg Alte und Junge, Zugewanderte, Anwohner aus der Nachbarschaft, Flüchtlinge und Menschen mit Migrationshintergrund zum Gespräch, Spiel und Austausch
von Informationen. Das Café entstand auf Initiative einer Sozialarbeiterin und einiger Senioren. Hervorzuheben ist an diesem Projekt, dass sich Geflüchtete auch untereinander helfen und bestärken
und mit den Erfahrungen, die sie im Prozess des Ankommens gemacht haben, ein Wissen für die
Neuankommenden bereitstellen, das nur wenige andere vermitteln können. Überdies sind an dieses
Café Sprachkurse (wie z. B. „Deutsch im Handwerk“) und eine Mitmachwerkstatt angeschlossen, in
der Erlerntes sofort praktisch umgesetzt werden kann. Ein Synergieeffekt aus der Verbindung von
Arbeit mit alten und geflüchteten Menschen ist, dass die Erfahrungen in der Gemeinschaft von alten
und jungen Menschen, Geflüchteten und Ehrenamtlichen generationsübergreifend über Gefühle der

5

Vgl. Gesemann/Roth 2016 (sh. Fn. 1), S. 14ff.

9

Stagnation und Isolation hinweghelfen und neue Potentiale, im Sinne sozialen Kapitals, erschließen
können.
http://www.hdj-daun.de/index.php/cafe-asyl/cafe
Arbeitskreis Flüchtlinge in der Gemeinde Wäschenbeuren
Ein Unterstützungsnetzwerk und persönliche AnsprechpartnerInnen sind für die Geflüchteten von
Anfang an wichtig. In Wäschenbeuren gibt es seit zwei Jahren einen Arbeitskreis Flüchtlinge mit einem gewissen finanziellen Budget. Bei Zuweisung bzw. Anmeldung der Flüchtlinge werden VertreterInnen des Arbeitskreises informiert und heißen die Familien persönlich willkommen. Sie übergeben
dabei einen Flyer mit Informationen und stellen die jeweilig zugeordneten HelferInnen für die entsprechenden Familien vor.
http://www.waeschenbeuren.de/index.php?id=34&tx_hwnews_hwnews[newsartikelId]=227&tx_hwn
ews_hwnews[action]=show&tx_hwnews_hwnews[controller]=Newsartikel&cHash=a54fe3fd8e68392f
7e9d4a431f8212b1
Projekt „The Sound of Peace“ in der Stadt Bremerhaven
Ein Beispiel für ein Projekt, das durch die Kooperation von Akteuren aus der Verwaltung, aus der
Wirtschaft und Bildungseinrichtungen sowie des Freiwilligen Engagements heraus entstand, ist das
Musikprojekt „The Sound of Peace“ in Bremerhaven. 40 Kinder mit und ohne Fluchthintergrund haben über einen Zeitraum von fünf Monaten gemeinsam in einem Chor ein Konzert eingeübt (moderne Musik, Dichtung und Tanz) und das Projekt mit einer öffentlichen Aufführung abgeschlossen. Das
Projekt wurde initiiert und durchgeführt von der Privatperson Anne Schmeckies in Kooperation mit
den Kaufmännischen Lehranstalten Bremerhaven (KLA) und dem Sozialamt des Magistrats der Seestadt Bremerhaven, zusammen mit dem Jugendgospelchor Soulkeepers, neu eingewanderten Kindern und Jugendlichen sowie der VHS Bremerhaven, unterstützt durch die swb-Bildungsinitiative,
gefördert durch die Liz Mohn Musik- und Kulturstiftung. Anne Schmeckies sagt hierzu, dass das Projekt ein gelungenes Beispiel dafür sei, „dass - wenn alle an einem Projekt beteiligten Menschen/ Institutionen ihre Ressourcen teilen - ein menschliches Miteinander auf einer Augenhöhe gelebt werden kann“.
http://ups-schulen.de/newsletter/02-2015/the-sound-of-peace/
Einige weitere gelungene Beispiele für Projekte, die Begegnung mit anderen Menschen ermöglichen
und damit Integration für Geflüchtete erfahrbar machen, sind Projekte, die gezielt Frauen ansprechen und einen sicheren Rahmen bieten, um sich auszutauschen, wie etwa regelmäßige „Internationale Frauenfrühstücke“ und Kochprojekte. Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl an Projekten, die
geschlechtsunabhängig Geflüchtete ansprechen und sich durch Regelmäßigkeit und/oder zielorientiertes Hinarbeiten auf einen gemeinsamen Projektabschluss auszeichnen, wie etwa der Aufbau eines
Weihnachtsmarktes, die Renovierung eines Aussichtspavillons, Kochtreffs, Kleiderbasare, Gartenprojekte, Umwelttage und verschiedene Musikprojekte, die feste Bestandteile des Gemeinschaftslebens
einer Gemeinde werden können. Einer besonderen Rolle kommen hierbei Anliegerfeste und versammlungen in Gemeinschaftsunterkünften zu, bei denen die ortsansässige Bevölkerung die Gelegenheit erhält, sich mit eigenen Vorannahmen über das Leben Geflüchteter in Deutschland auseinanderzusetzen und Diversität als Bereicherung zu erleben.
10

Was die meisten der aufgeführten Beispiele gemeinsam haben ist, dass sie zum einen durch verschiedene KooperationspartnerInnen getragen werden und des Weiteren regelmäßig stattfinden und
damit zur festen Anlaufstelle für Geflüchtete werden. Damit ist das Potenzial verbunden, den eigenen Alltag zu strukturieren und ganz praktische Unterstützung im täglichen Leben zu erfahren.
Nicht nur für Menschen mit Fluchterfahrungen sind Projekte, die Begegnung ermöglichen von Bedeutung, sondern auch für die örtliche Bevölkerung. So wird beschrieben, dass trotz einer „sehr großen
Hilfsbereitschaft“ auch eine „große Verunsicherung der Bevölkerung“ feststellbar sei. Die vagen und
zu großen Teilen unbegründeten Ängste der Bevölkerung – hier in erster Linie ein Anstieg der Kriminalität – seien auf Unsicherheiten zurückzuführen, die durch die Anonymität der AsylbewerberInnen
entstehen. So seien Begegnungsmöglichkeiten auch für die örtliche Bevölkerung elementar wichtig,
um unter Begleitung örtlicher Initiativen in direkten Kontakt mit den Asylsuchenden zu treten und in
gemeinsamen Projekten gegenseitige Ängste und Vorurteile abzubauen und zu bewältigen.
Projekt „Interkultureller Dialog zur Aktivierung und Partizipation von Jugendlichen in der Einwanderungsgesellschaft“ in der Stadt Essen
Das Projekt verfolgt das Ziel, Jugendliche in schulischen und außerschulischen Dialoggruppen unter
der Anleitung von qualifizierten, mehrsprachigen ModeratorInnen in wöchentlich stattfindenden
Gesprächsrunden für politische Bildung zu aktivieren und mit ihnen gemeinsam einen differenzierten
Umgang mit Themen wie Demokratie, Toleranz und Religion zu erarbeiten. Das Projekt soll extremen
politischen und religiösen Haltungen bei jungen Menschen präventiv entgegenwirken. Positive Effekte des Projekts sind neben der Stärkung der Demokratieerziehung bei jungen Menschen, die Professionalisierung der Jugendarbeit in den Moscheen (Anerkennung als freier Träger der Jugendhilfe nach
§78 KJHG), die Weiterführung der Dialog-Gruppen durch die Jugendlichen auch über das Auslaufen
der schulischen Gruppen sowie die Gründung des Vereins Gedankenwerk, indem die ModeratorInnen die Praxis des dialogischen Ansatzes sichern und in andere Handlungsfelder übertragen.
Evaluationsbericht:
https://media.essen.de/media/wwwessende/aemter/0513/Evaluationdes
ProjektsInterkulturellerDialogzurAktivierungundPartizipationvonJugendlicheninderEinwanderungsges
ellschaft.pdf

4. HANDLUNGSFELD BÜRGERBETEILIGUNG
Die Information und Einbindung der Bevölkerung z. B. durch Bürgerversammlungen gehört aus Sicht
der Verantwortlichen für die kommunale Flüchtlings- und Integrationspolitik zu den wichtigsten Aufgaben bei der Aufnahme und Integration von Flüchtlingen. 84,3 Prozent der Befragten sehen darin
eine sehr wichtige oder wichtige Aufgabe (Mittelwert: 4,22).6
Eine frühzeitige Einbindung der ortsansässigen Bevölkerung in Planungen und Umsetzungen der Aufnahme und Integration von Flüchtlingen ist wichtig, um die Akzeptanz der kommunalen Flüchtlingsund Integrationspolitik zu erhöhen, das Engagement der Bevölkerung für Flüchtlinge zu fördern und
fremdenfeindlichen Initiativen und Protesten entgegenzuwirken.

6

Vgl. Gesemann/Roth 2016 (sh. Fn. 1); S. 14ff.; S. 39.

11

Konzept „Lübecker Weg“
In Lübeck erfolgt im Rahmen des Konzepts „Lübecker Weg“, eine frühzeitige Informations- und Öffentlichkeitsarbeit, um die Bevölkerung in die Entscheidungs- und Planungsprozesse einzubeziehen.
Durch den transparenten und offenen Umgang mit politischen Entscheidungen wird für die Bevölkerung Planungssicherheit hergestellt und Partizipation ermöglicht.
http://www.luebeck.de/lvw_docs/forms/2/2_500/Der_L_becker_Weg.pdf
Nur wenige Kommunen geben allerdings an, konsequent für jede neu geschaffene Wohneinheit ein
Belegungskonzept unter Einbeziehung der Öffentlichkeit zu erstellen.
Runder Tisch „AsylWorms“
In Worms wurde ein runder Tisch gegründet, an dem BürgerInnen, BefürworterInnen und GegnerInnen und der kommunalen Flüchtlings- und Integrationspolitik, gemeinsam ins Gespräch kommen.
http://www.asylworms.de/tag/runder-tisch/
In Worms werden zudem Bürgerversammlungen abgehalten, die inhaltlich und methodisch auf Beteiligung und Austausch der teilnehmenden BürgerInnen angelegt sind (World-Café-Methode). Anliegerfeste und -versammlungen in Gemeinschaftsunterkünften sowie ein gemeinsames Auftreten von
Kirchen, Wohlfahrtsverbänden, Initiativen und der Verwaltung helfen, die Akzeptanz der Unterkünfte
in der Region sowie der Flüchtlings- und Integrationspolitik im Allgemeinen zu erhöhen.
Im Bereich der Akzeptanz der Flüchtlings- und Integrationspolitik hat sich bewährt, lokale Partnerschaften für Demokratie einzugehen, in der Mitarbeitende der Verwaltungen und Ehrenamtliche
gemeinsam Kleinprojekte für eine bessere Willkommenskultur und gegen Fremdenfeindlichkeit umsetzen. Die Etablierung einer sichtbaren Willkommenskultur wird in einigen Verwaltungen dadurch
gefördert, dass Menschen mit Migrationshintergrund und eigenen Fluchterfahrungen sowie entsprechenden Sprachkenntnissen aus den Herkunftsländern, als MitarbeiterInnen gewonnen werden.

5. HANDLUNGSFELD FREIWILLIGES ENGAGEMENT
Das starke ehrenamtliche Engagement in der Bevölkerung ist für die befragten Kommunen die zentrale Ressource für die Bewältigung der aktuellen Aufgaben und Herausforderungen: 88,4 Prozent der
befragten Städte, Landkreise und Gemeinden bewerten das als sehr zutreffend oder zutreffend. Drei
von vier Kommunen verweisen besonders auf aktive Willkommens- bzw. Flüchtlingsinitiativen (77 %)
und heben das Engagement und die Offenheit ihrer Vereine hervor (74,6 %). Etwas mehr als zwei
Drittel der Befragten sehen zudem in der positiven Grundstimmung der Bevölkerung (67,9 %) eine
Ressource.7
Die Anerkennung und Wertschätzung des freiwilligen Engagements ist auf Seiten der Akteure in der
Kommunalverwaltung sehr hoch. Dabei werden sowohl das Engagement von Trägern (z. B. Kirchen,
Initiativen, Vereine etc.) als auch von Einzelpersonen als wichtige und notwendige Ressourcen in der
Flüchtlings- und Integrationspolitik gewürdigt.
Von SchülerInnen über Studierende, Arbeitsuchende und Beschäftigte, Menschen mit und ohne Migrationshintergrund, bis hin zu RentnerInnen reicht das bürgerschaftliche Engagement in vielen Teilen
Deutschlands:
7

Vgl. Gesemann/Roth 2016 (Fn. 1), S. 16f.

12

Ehemalige LehrerInnen unterrichten die Flüchtlinge in der deutschen Sprache, ehrenamtliche StudentInnen beraten sie in ihren Rechten und Pflichten. RentnerInnen betreiben gemeinsam mit Geflüchteten Fahrradwerkstätten oder beteiligen sich an regelmäßigen Treffs. Ehrenamtliche Jugendliche sind, neben vielen weiteren spezifischen Aufgabenfeldern, regelmäßig in der Hausaufgabenbetreuung der Kinder tätig.
Durch den Einsatz der Ehrenamtlichen ist es für die Geflüchteten u. a. möglich, gute Schulabschlüsse
zu erlangen und damit ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu steigern. Durch die Bereitstellungen
von Sachmitteln kann zudem die Lebensqualität der Geflüchteten erhöht werden. Menschen mit
Fluchterfahrungen haben durch die direkte Unterstützung der Bevölkerung das Gefühl, in der Kommune willkommen zu sein („Den Flüchtlingen wird mit dieser Unterstützung quasi die Hand gereicht“, Stadt Münster).
Maßnahmen in Kirchen, freien Verbänden oder auch private Unterstützung ohne Anbindung an bereits bestehende Unterstützungsstrukturen fördern erheblich die Schritte der Integration und entlasten die Kommunen. Sie tragen überdies dazu bei, die Akzeptanz der Geflüchteten in der Bevölkerung
zu erhöhen.
Die Stadt Münster legt in ihrer konzeptionellen Arbeit einen besonderen Schwerpunkt auf die Akquise und Begleitung der ehrenamtlichen Arbeit in den Flüchtlingseinrichtungen und den Stadtteilen.
Die neuen Flüchtlingseinrichtungen wurden dabei nach einem Konzept errichtet, das aus Ergebnissen
eines Mediationsprozesses zwischen unterschiedlichen Gruppen der Gesellschaft und der Verwaltung
hervorgegangen ist. Die Stadt fördert durch geringe Projektmittel und den Austausch der Beteiligten
die Vernetzung und/oder den Erhalt der Angebote.
Das freiwillige Engagement ist so vielfältig, dass eine dezidierte Darstellung der vielen Angebote und
Projekte den Rahmen dieser Broschüre bei weitem überschreiten würde. Dennoch sollen einige wenige hier aufgeführt werden, um einen Einblick zu ermöglichen.
Arbeitskreis Flüchtlingshilfe in der Gemeinde Freudental
Aus dem Arbeitskreis Flüchtlingshilfe in Freudental, der durch ehrenamtliche HelferInnen gegründet
wurde, entstanden Patenschaften für die Flüchtlinge sowie ein Deutschkurs (2 x in der Woche), der
von einer pensionierten Lehrerin geleitet wird. Zudem wird in der Zeit des Deutschkurses eine Kinderbetreuung ermöglicht. Keine Internetpräsenz, nur Zeitungsartikel aus Lokalpresse
Virtueller DolmetscherInnenpool im Landkreis Mayen-Koblenz
Die Kreisverwaltung Mayen-Koblenz beteiligt sich an einem Modellprojekt und unterhält einen eigenen ehrenamtlichen Dolmetscherpool mit derzeit rund 30 DolmetscherInnen, die im Haus und mit
MitarbeiterInnen bei Außenterminen dolmetschen.
https://www.kvmyk.de/kv_myk/Unsere%20Themen/Ausl%C3%A4nder%20&%20Integration/Hilfen%2
0f%C3%BCr%20Fl%C3%BCchtlinge/Virtueller%20Dolmetscherpool/

13

Projekt „PatenT“ im Kreis Gütersloh
Seit Januar 2016 wurde das Projekt „PatenT“(= Paten-Teams) initiiert. Es ist eine auf eine Dauer von 6
Monaten festgelegte Patenschaft zwischen einer ehrenamtlich engagierten Person und einem Flüchtling oder einer Flüchtlingsfamilie. Grundlage ist ein „Vertrag“ über Betreuungsinhalt und Intensität.
Informationen zur Flüchtlingsarbeit in den Kommunen des Kreises Gütersloh: https://www.kreisguetersloh.de/thema/130/sr_seiten/artikel/112180100000063284.php
Flüchtlingsnetzwerk der Kreuzkirche Bremerhaven
In Bremerhaven wird die ehrenamtliche Integrationsarbeit u. a. durch Patenschaften ermöglicht. Die
PatInnen sind über ein offenes Netzwerk verbunden, in dem auch Geflüchtete Mitglieder sind.
http://www.kreuzkirche-bremerhaven.de/seite/219679/flüchtlingsnetzwerk.html
Sprachkurse für Kinder in Bibliotheken in der Gemeinde Wäschenbeuren
Im Rahmen der Flüchtlingsarbeit in Wäschenbeuren werden neben alltäglichen Hilfestellungen auch
Sprachkurse, ein 14-tägiges Flüchtlingscafé sowie Sonderveranstaltungen zu Weihnachten etc. geboten. Geplant sind in nächster Zeit Kooperationen mit der örtlichen Jugendarbeit und der Bibliothek,
um die Geflüchteten stärker in die Gesellschaft einzubinden.
http://arbeitskreis-fluechtlinge-waeschenbeuren.de/?ecwd_venue=bibliothek-waeschenbeuren
Vernetzung der Integrationspolitik mit der Jugendsozialarbeit im Jugendbüro der Verbandsgemeinde Ramstein-Miesenbach
Das Jugendbüro ist ein Ort der Begegnung, an dem sich junge Leute gegenseitig über ihre persönlichen Erfahrungen, gerade in Konfliktsituationen austauschen und voneinander lernen können.
Die Hauptaufgabe des Jugendbüros besteht in der Bereitstellung eines umfassenden Beratungsangebots für junge Menschen. Überdies werden Integrationsangebote, wie interkulturelle Frühstücke,
Sprachkurse, Informationen und Hilfen bei der Antragsstellung und die Vermittlung ehrenamtlichen
Engagements angeboten.
http://www.jugendbuero-ramstein.de/
In sehr vielen Kommunen haben sich verschiedene Arbeitskreise aus ehrenamtlich Engagierten gegründet. Die Koordination der Arbeitskreise übernehmen Verwaltungen oder Kirchengemeinden
gemeinsam mit bürgerlichen Initiativen. Die Arbeitskreise widmen sich den Themen: Willkommenskultur, Sprache bis hin zu Patenschaften, Spielkreise für Kinder, Integration in das Vereinsleben, Integration über gemeinnützige Tätigkeit in den Arbeitsmarkt, sowie die Organisation von Spendenaktionen (Sach- und Geldspenden). Die Hilfsbereitschaft der Bevölkerung wird von vielen Verwaltungen
als „sehr groß“ beschrieben.

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Netzwerk Flüchtlingshilfe in der Stadt Werdohl
Die bürgerschaftlich organisierte Flüchtlingshilfe Werdohl ist „beispielhaft organisiert und aufgestellt“ beschreibt die Verwaltung der Kommune. Sie wirkt in fast alle Bereiche der sozialen Betreuungsaufgaben für Flüchtlinge und initiiert und begleitet längerfristig angelegte Integrationsprozesse.
http://www.werdohl.de/Ehrenamtliche-Fluechtlingshilfe-Werdohl.563.0.html
VOR.ORT – Qualifizierung von Freiwilligen im ländlichen Raum zur Arbeit mit Flüchtlingen in
Bayern
Im Rahmen des Projektes werden seit 2014 engagierte Einzelpersonen und lokale Initiativen aus dem
ländlichen Raum in der Asylarbeit beraten, qualifiziert und vernetzt. Gleichzeitig wird einer breiten
Öffentlichkeit ein Basiswissen vermittelt, um Ressentiments gegen Flüchtlinge abzubauen, neue Ehrenamtliche zu gewinnen und eine fortlaufende Unterstützung der Geflüchteten zu sichern.
http://www.bosch-stiftung.de/content/language1/html/62847.asp?version=mobile
Ausbildung und Koordination von IntegrationslotsInnen in der Stadt Westerstede
Die Arbeit von IntegrationslotsInnen wird in vielen Kommunen weiter gefördert und ausgebaut. Die
„Apothekervilla“ bietet in Zusammenarbeit mit dem Deutsch-Ausländischen Freundschaftsverein
Westerstede und der Kreisvolkshochschule Ammerland einen Integrationslotsenkurs an. Zudem wurde für die IntegrationslotsInnen vor Ort eine zentrale Anlaufstelle geschaffen.
www.apothekervilla.de

6. HANDLUNGSFELD KOORDINATION DES FREIWILLIGEN ENGAGEMENTS
Die Förderung und Koordination ehrenamtlichen Engagements ist für 88,4 Prozent der befragten
Städte, Landkreise und Gemeinden eine sehr wichtige oder wichtige Aufgabe in der kommunalen
Flüchtlingspolitik. Mehr als zwei Drittel der Befragten sehen in der Koordination des ehrenamtlichen
Engagements durch die Verwaltung sogar eine wichtige Ressource für die Bewältigung der aktuellen
Herausforderungen (68,9 % sehr zutreffend/zutreffend). Zugleich erkennen mehr als drei Viertel der
Befragten in der Stärkung von Koordination und Begleitung des Ehrenamts einen besonderen Unterstützungsbedarf ihrer Kommune (77,2 % sehr wichtig/wichtig). Fast sechs von zehn Befragten bewerten zudem die Ausweitung der kommunalen Engagementförderung als sehr wichtigen oder wichtigen
Schritt für die Flüchtlings- und Integrationspolitik ihrer Kommune (57,8 %).8
Neben einem flächendeckenden, wohnortnahen Sprachkursangebot, der Schaffung von Begegnungsund Kontaktmöglichkeiten sowie der frühzeitigen Einbeziehung der ortsansässigen Bevölkerung in
die Flüchtlings- und Integrationspolitik, ist die Unterstützung und Koordination der vielen ehrenamtlichen HelferInnen wichtig, die sich vor Ort in Vereinen, Initiativen und Gruppen im Bereich der
Flüchtlingshilfe engagieren.
Dazu gehört u. a. die Qualifizierung der Ehrenamtlichen durch die Schaffung eines Informations- und
Schulungsangebotes. Damit sollen die ehrenamtlichen HelferInnen in der Flüchtlingsarbeit befähigt
werden, ihre Tätigkeit sowohl fachlich fundiert als auch auf der persönlichen Ebene gut reflektiert
auszuüben.
8

Vgl. Gesemann/Roth 2016 (Fn. 1), S. 13ff.

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Kommunales Integrationszentrum im Kreis Unna
Das Kommunale Integrationszentrum (KI) bietet Fortbildungen und Informationsveranstaltungen für
ErzieherInnen, Lehrkräfte und SozialpädagogInnen, ehrenamtlich Tätige und andere Berufsgruppen
an. Dabei werden in Online-Veröffentlichungen Konzepte, bereits erreichte Schritte sowie zukünftige
Aufgaben und Ziele dem interessierten Publikum zugänglich gemacht. Transparenz der Flüchtlingsund Integrationspolitik ermöglicht Beteiligung und Akzeptanz der Geflüchteten sowie der Flüchtlingsund Integrationspolitik der Kommune in der Bevölkerung.
http://www.kreisunna.de/hauptnavigation/kreis_region/leben_im_kreis/auslaender_und_integration.html
Eine weitere wesentliche Handlungsherausforderung der Verwaltungen ist die Koordination des freiwilligen Engagements und die effektive Verbindung der bestehenden Angebotsstruktur.
Dabei ist es auf der einen Seite notwendig, das bereits bestehende ehrenamtliche Engagement zu
erfassen und Akteure miteinander ins Gespräch zu bringen und sich auf der anderen Seite an bereits
bestehenden Projekten zu beteiligen bzw. „Lücken“ in der Angebotsstruktur zu erfassen und ggf.
fehlende Angebote zu schaffen. Darüber hinaus sollten die Informationen über die Unterstützungsmöglichkeiten allen Ratsuchenden möglichst schnell und niedrigschwellig zur Verfügung stehen.
Beraterin für ehrenamtliche Arbeit im Bereich Flüchtlinge in der Landeshauptstadt Stuttgart
In Stuttgart wurde im Mai 2015 die Stelle einer Beraterin für Ehrenamtliche in der Flüchtlingsarbeit
beim Sozialamt eingerichtet. Die Idee für diese Stelle mit Beratungsfunktion entstand im städtischen
Lenkungskreis Flüchtlinge und am Runden Tisch der Bürgerstiftung. Die „Ehrenamtsberaterin“ soll
vorhandene Daten über Weiterbildungsangebote und relevante AnsprechpartnerInnen sammeln,
analysieren, gliedern und einer breiten Öffentlichkeit auf einer Website zugänglich machen. Zum
Aufbau eines bedarfsgerechten Beratungsangebotes werden aufsuchende Gespräche mit Ehrenamtlichen in den Unterkünften geführt.
Projekte, die von Ehrenamtlichen getragen werden, schaffen gegenseitiges Verständnis zwischen
BürgerInnen der Gemeinde und den Menschen mit Fluchterfahrungen. In diesem Sinne fungieren die
Ehrenamtlichen als MultiplikatorInnen, die ihre Erfahrungen im Umgang mit den Flüchtlingen in die
jeweiligen Lebenswelten und Sozialräume einbringen und damit die Akzeptanz in der Bevölkerung für
die neuen Mitglieder der Gemeinschaft erhöhen. Umso wichtiger ist es daher, ehrenamtliches Engagement professionell zu begleiten und durch aktive Beteiligung der Verwaltungen zu gewährleisten,
dass weiterhin positive Effekte aus dem Engagement von BürgerInnen entstehen.
Viele Kommunen beteiligen sich deshalb ganz konkret an der Arbeit der Ehrenamtlichen, z. B. durch
die Schaffung einer Koordinationsstelle der Flüchtlingshilfe bzw. eines Freiwilligenmanagements, in
der ausgebildete pädagogische Fachkräfte oder Mitarbeitende der Verwaltungen Aufgaben der Steuerung, Vernetzung und Unterstützung des ehrenamtlichen Engagements übernehmen. Diese Koordinations- und Vernetzungsstrukturen werden stetig weiterentwickelt.
Die Koordinationsstellen Flüchtlingshilfe bzw. Freiwilligenmanagement haben sich darüber hinaus als
erste Anlaufstelle für BürgerInnen, Ehrenamtliche und VertreterInnen der Kommunen etabliert. Daneben werden hier Informationen zu bereits vorhandenen Angeboten und deren Trägern in der
Kommune gesammelt und bestehende Hilfen koordiniert. Diese Daten werden öffentlich gemacht
und bspw. auf den Internetseiten der Kommunen präsentiert und stetig fortgeschrieben. Darüber
16

hinaus planen einzelne Kommunen (z. B. in Verbindung mit dem Geographischen Informationssystem
(GIS) eine Informationsplattform für ehrenamtliche Akteure in Form einer geografischen Übersicht
und einer Routingfunktion für Asylsuchende.
Netzwerk Flüchtlingshilfen im Raum Mayen
Ein bestehendes Beispiel für ein öffentlich zugängliches Informationsmedium ist die Social-MediaPlattform „Netzwerk Flüchtlingshilfen“ im Raum Mayen. Die Plattform wird von engagierten BürgerInnen und Gruppen in enger Zusammenarbeit mit der Stadt Mayen betrieben. Die Netzwerkplattform ermöglicht den fachlichen Austausch innerhalb der haupt- und ehrenamtlichen Flüchtlingshilfe.
Die Akteure der Flüchtlingshilfe und die Geflüchteten erhalten hierdurch die Möglichkeit, Informationen zusammenzustellen und eine gemeinsame Wissensdatenbank anzulegen.
http://www.ankommen-mayen.de/
Frei-Net Datenbank-online in der Stadt Osnabrück
Auch in Osnabrück gibt es eine Plattform, auf der Angebote zum freiwilligen Engagement für und mit
Flüchtlinge/n dargestellt werden.
http://www.freinet-online.de/hp/freinet/agentur/530/Freiwilligen_Agentur_Osnabrueck/9
Datenbank zu Angeboten für Flüchtlinge und Ehrenamtliche in der Flüchtlingsarbeit in der Stadt
Göttingen
Im Rahmen einer Online-Befragung wurden Angebote für Flüchtlinge als Best-Practice-Beispiele gesammelt. Diese Liste wird, neben einer Liste mit Angeboten für Ehrenamtliche seitdem in regelmäßigen Abständen aktualisiert und online zur Verfügung gestellt.
https://www.goettingen.de/staticsite/staticsite.php?menuid=1913&topmenu=308
Einbettung von Datenbanken in ein übergeordnetes Integrationskonzept: Projekt „Helfen aber
wie?“ in der Stadt Osnabrück
Das Konzept „Helfen aber wie?“, dessen Teil diese Datenbank ist, ist im Internet veröffentlicht. Die
Freiwilligen-Agentur der Stadt Osnabrück hat das Konzept gemeinsam mit dem Fachdienst Integration und Akteuren der Flüchtlingssozialarbeit entwickelt, um die Angebote der freiwilligen HelferInnen
in Osnabrück zu koordinieren. Schwerpunkte der ehrenamtlichen Flüchtlingsarbeit sind dort die
Sprachförderung, Begleitung, Projekte für junge Männer, Verbindungslotsen zwischen Professionellen und anderen Ehrenamtlichen sowie die Erfassung von Angeboten zum freiwilligen Engagement
für und mit Flüchtlinge/n.
http://www.osnabrueck.de/fileadmin/eigene_Dateien/2015-09-28-Helfen-Aber-wie-Kurzkonzept2015.pdf

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Koordinierungsstab Flüchtlingsarbeit in der Stadt Osnabrück
Die Verwaltung der Stadt Osnabrück hat einen Koordinierungsstab Flüchtlingsarbeit einberufen. Dieser ist die zentrale Stelle, in der Aufgaben gebündelt sowie Initiativen und Projekte abgestimmt werden.
Zudem wurde hier eine verwaltungsinterne Datenbank Migration (2016) eingerichtet, die einen
Überblick über die Anzahl der Flüchtlinge im Asylverfahren, deren Unterbringungsort und darüber
hinaus eine geschlechterspezifische und altersgruppierte Darstellung für Steuerungs- und Zwecke der
Öffentlichkeitsarbeit in Sachen „Flüchtlinge“ oder „Migration“ ermöglicht. Personenbezogene Daten
werden in dieser Datenbank geschützt.
http://www.osnabrueck.de/start/aktuelles/news/koordinierungsstab-fluechtlingsarbeit-eingerichtetinformation-und-planung.html
Koordinierungsstelle Flüchtlingshilfe im Landkreis Mayen-Koblenz
Im Landkreis Mayen-Koblenz wird aus Mitteln des Jobcenters und des Asyl- und Integrationsfonds
(AMIF) ein Projekt (Projekt „Migration und Koordination MYK“) gefördert, an dem sich die Kreisverwaltung insofern personell beteiligt, als die Projektleitung durch die Koordinationsstelle der Flüchtlingshilfen erfolgt. Das Projekt MiKo-MYK verfolgt vor allem zwei Handlungsziele: die Vernetzung der
Flüchtlingshilfe und die interkulturelle Öffnung.
Diese beiden Handlungsziele bilden sich dabei zum einen in Form der Förderung der Zusammenarbeit
und Vernetzung der verschiedenen Erstanlaufstellen auf institutioneller Ebene ab und zum zweiten
werden im Rahmen der interkulturellen Öffnung Maßnahmen zur Verbesserung des interkulturellen
Dialogs und der Erweiterung des Austausches zwischen religiösen und staatlichen Organisationen
unter- und miteinander sowie deren Anbindung an bestehendes bürgerschaftliches Engagement
ermöglicht.
http://www.kvmyk.de/kv_myk/Unsere%20Themen/Ausl%C3%A4nder%20%26%20Integration/Hilfen
%20f%C3%BCr%20Fl%C3%BCchtlinge/Ansprechpartner,%20Koordination%20Fl%C3%BCchtlingshilfe,
%20Projekt%20%22MiKo-Myk%22/
ANKOMMEN – Netzwerk für Flüchtlinge im Saarland
Im Saarland wurde bereits im Januar 2014 das Netzwerk „ANKOMMEN“ aufgebaut, in dem sich Ehrenamtliche unter dem Dach der Landesarbeitsgemeinschaft Pro Ehrenamt und in enger Kooperation
mit der Stadtverwaltung in der Flüchtlingshilfe engagieren.
http://www.ankommen-saarland.de/index.php?id=760
Direkte Kooperationen zwischen Kirche, Kommune und Unterstützernetzwerken werden von vielen
weiteren Verwaltungen als positive Beispiele der Flüchtlings- und Integrationspolitik benannt.
Weitere Steuerungsinstrumente, die sich zur Koordination bewährt haben, sind die Bildung eines
Ehrenamtszirkels, der eng verknüpft mit Mitarbeitenden der Verwaltung arbeitet und die ehrenamtliche Arbeit in der Region koordiniert sowie die Benennung von ehrenamtlichen Asylbeauftragten.
In einigen Gemeinden wird die Hilfe in Arbeitsgemeinschaften, in denen Wohlfahrtsverbände, Vereine und die Verwaltung beteiligt sind, generell durch VerwaltungsentscheiderInnen begleitet. So wer-

18

den bürokratische Hürden zur Umsetzung der Projekte gesenkt, da die Entscheidungswege verkürzt
werden.
Auch auf der Akteursebene hat sich die Verknüpfung von Ehrenamt und Fachkräften aus der Praxis
bewährt. So werden des Öfteren Projekte als gelingend beschrieben, die in Zusammenarbeit von
Ehren- und Hauptamtlichen initiiert und durchgeführt werden. Dadurch werden Qualität und Kontinuität in der Arbeit gesichert und es erfolgt eine stete Anerkennung des Ehrenamts durch die enge
Zusammenarbeit mit Mitarbeitenden aus Verwaltung und Fachpraxis. Zudem wird die Reichweite der
Hilfen durch die Nutzung der zur Verfügung stehenden Ressourcen aus der Zivilgesellschaft erhöht.
Anerkennung der oben beschriebenen Arbeitskreise und Ehrenamtszirkel wird in Wäschenbeuren
bereits über einen längeren Zeitraum auch materiell geleistet, indem die entsprechenden Stellen mit
einem „gewissen finanziellen Budget“ ausgestattet werden. Die Handlungsfähigkeit der Arbeitskreise
für Flüchtlinge wird so erhalten und die Arbeit der Ehrenamtlichen gewürdigt und anerkannt.
Koordinierungszentrum für bürgerschaftliches Engagement in der Stadt Rosenheim
Die „Soziale Stadt Rosenheim“ als bereits bestehendes Koordinierungszentrum für bürgerschaftliches
Engagement versteht sich auch in der Arbeit mit Flüchtlingen als Drehscheibe zur Vermittlung zwischen BürgerInnen und Hilfesuchenden.
http://sozialestadt-rosenheim.de/index.php?id=flchtlinge
Koordination der Flüchtlingshilfe in der Stadt Bremerhaven
Die Angebote der Flüchtlingshilfe in Bremerhaven werden in Deutsch, Englisch und Arabisch angeboten. Auf dieser Plattform werden Bedarfslisten geführt, Veranstaltungen beworben, Unterstützernetzwerke öffentlich gemacht sowie zu verschiedenen Themenbereichen ganz konkrete Hilfestellungen angeboten. Über Rubriken wie Kleidungsspenden, Möbelspenden werden auch potentiell kurzzeitig engagierte BürgerInnen angesprochen und Sachspenden effektiv verteilt.
http://www.human-support-bremerhaven.de/

7. HANDLUNGSFELD SCHULISCHE UND BERUFLICHE INTEGRATION
Die Bereitstellung von Betreuungs- und Bildungseinrichtungen sowie die Schaffung von Zugängen
zum Arbeits- und Ausbildungsmarkt gehören zu den zentralen Aufgaben der Kommunen bei der Aufnahme und Integration von Flüchtlingen. 83,1 Prozent bzw. 76,4 Prozent der Befragten bewerten sie
als sehr wichtig oder wichtig. Knapp die Hälfte bis ein Viertel der Kommunen zählen gut ausgestattete Bildungs- und Gemeinschaftseinrichtungen (48,5 % sehr zutreffen/zutreffend), zuwanderungsfreundliche Unternehmen (32,0 %) und einer günstigen Arbeitsmarktsituation (28,4 %) zu den wichtigsten Ressourcen für die Bewältigung der aktuellen Herausforderungen. Im Ausbau von Bildungs-,
Betreuungs- und Erziehungseinrichtungen sowie in der Stärkung der Arbeitsmarktintegration werden
aber auch besondere Unterstützungsbedarfe gesehen (85,8 % bzw. 83,5 % sehr wichtig/wichtig).9
In den Kommunen kann derzeit noch schwer abgeschätzt werden, wie gut die schulischen und beruflichen Perspektiven der Menschen sind, die in den letzten Monaten nach Deutschland gekommen
sind. Ein sehr großer Teil dieser Menschen ist unter 25 Jahren alt. Durch Krieg, Vertreibung und
Flucht hätten sie oft nicht die Möglichkeit gehabt, altersgemäße schulische oder berufsspezifische
Qualifikationen zu erwerben, konstatieren MitarbeiterInnen des Landkreises Mayen-Koblenz. Ver9

Vgl. Gesemann/Roth 2016 (Fn.1 ), S. 13ff.

19

fügbare Daten zu AsylbewerberInnen aus dem Jahr 2015 würden jedoch darauf hindeuten, dass bei
der schulischen Qualifikation das Gefälle zwischen Flüchtlingen und einheimischer Bevölkerung deutlich geringer sei als bei der beruflichen Qualifikation. Im Landkreis Mayen-Koblenz geht man davon
aus, ,,dass bei Asylbewerbern ein erhebliches Potenzial besteht und dass sie durch gezielte Investitionen in Bildung und Ausbildung qualifiziert werden können“.
Die Vermittlung in Arbeit wird von den befragten Kommunen als ein zentraler Baustein der Integration verstanden.
Als wichtige Voraussetzungen für eine spätere Vermittlung in Arbeit geben sie zum einen die Schaffung eines flächendeckenden Angebotes zur Sprachförderung und des Weiteren eine Kompetenzfeststellung zu einem möglichst frühen Zeitpunkt an. Die Kommunen stehen daher vor der neuen
Aufgabe, die AsylbewerberInnen nicht nur sprachlich zu qualifizieren, sondern ihnen darüber hinaus
einen strukturierten Zugang zum Bildungssystem und Qualifizierungsmöglichkeiten für die Integration in den Arbeitsmarkt anzubieten.
Zu diesem Zweck haben einige Kommunen Instrumente entwickelt, um die Qualifikationen und Potentiale der Geflüchteten zu ermitteln, indem z. B. Lebensläufe und berufsbezogene Tätigkeiten der
Menschen dokumentiert werden.
Profilingbogen für Flüchtlinge im Landkreis Mayen-Koblenz
Die Kreisverwaltung MYK hat einen eigenen Profilingbogen für Flüchtlinge entwickelt, um frühzeitig
berufliche und schulische Qualifikationen zu erfassen und weitere Beratungsstellen einschalten zu
können. Auch andere kommunale Verwaltungen/ Einrichtungen zeigen sich interessiert an den Bögen, so dass diese zwischenzeitlich weit über die Landkreisgrenzen hinaus genutzt werden.
Flüchtlingsbericht des Landkreises Mayen–Koblenz, Stand: 9. November 2015
https://www.kvmyk.de/kv_myk/Unsere%20Themen/Ausl%C3%A4nder%20&%20Integration/Hilfen%2
0f%C3%BCr%20Fl%C3%BCchtlinge/Fl%C3%BCchtlingsbericht%20des%20Landkreises%20MayenKoblenz%202015/Fl%C3%BCchtlingsbericht_2015_Internet.pdf
Die enge Zusammenarbeit zwischen Behörden (Agentur für Arbeit, städtischen Ämter innerhalb der
Verwaltung, Kammern und Bildungsträgern) wird übergreifend von den Kommunen als wichtiges und
wertvolles Element der Integration in den Arbeitsmarkt gesehen.
Die Stadt Hamburg beschreibt die Bündelung der Kompetenzen (u. a. Flüchtlingsberatung, Arbeitsverwaltung) an einem Ort zur Kompetenzermittlung, Beratung und Vermittlung als gutes Beispiel im
Handlungsfeld berufliche Integration.
Projekt „Potentiale von Flüchtlingen erkennen und nutzen“ im Kreis Düren
Um das beträchtliche Potential von bisher nicht genutzten Ressourcen für den Arbeitsmarkt zu erschließen, sollen im Kreis Düren durch gezielte Ermittlung der mitgebrachten Potentiale, durch Beratung, Qualifizierung und Vermittlung die Teilhabemöglichkeiten von AsylbewerberInnen und Flüchtlingen erhöht werden. Hierzu werden eine Beratungsstruktur aufgebaut und Bildungsmaßnahmen
eingerichtet. Darüber hinaus werden arbeitsmarkpolitische Maßnahmen finanziert und in Praktikumsstellen, Freiwilligenarbeit und Arbeit vermittelt.
Obwohl die Arbeitsvermittlung eine bundespolitische Aufgabe ist, wird das Projekt mit kommunalen
Mitteln und Sponsoren finanziert, um Folgekosten zu verringern, die bspw. durch Krankheit, Langzeitarbeitslosigkeit etc. für die Kommunen entstehen.
20

Qualifizierung von AsylbewerberInnen mit Hilfe von Kompetenzprofilen im Landkreis BreisgauHochschwarzwald
Das Projekt verfolgt das Ziel bereits im ersten Jahr nach Ankunft in Deutschland Möglichkeiten späterer Beschäftigung zu erarbeiten, um den Zugang zum Arbeitsmarkt zu erleichtern. Im Rahmen des
Projektes soll der Zeitraum des faktischen Arbeitsverbotes sinnvoll genutzt und Bedarfe für die berufliche Qualifizierung ermittelt werden. Dies erfolgt zunächst auf der Grundlage einer Profilanalyse, in
der Stärken und Qualifikationen erhoben werden. Das erstellte Kompetenzprofil wird genutzt, um die
bestmögliche Weiterqualifizierung anzubieten, wie z. B. Sprach-, berufliche Qualifikations- und Freizeitkurse. Nach Projektende werden die Ergebnisse in Form einer Fachpublikation veröffentlicht und
weiteren Einrichtungen und Kommunen zur Verfügung gestellt.
Lotsenhaus für Flüchtlinge in der Stadt Koblenz
Das Lotsenhaus für Flüchtlinge dient als zentrale Anlaufstelle für arbeitssuchende Flüchtlinge in Koblenz. Dort arbeiten insgesamt acht Einrichtungen (BA, IHK, HWK, Caritas, Kreisverwaltung MYK,
Stadtverwaltung KO, Jobcenter MYK, Jobcenter Koblenz) zusammen, um zugewanderte Menschen
bei der Integration in die Gesellschaft, Ausbildung und Arbeit zu begleiten, sie zu unterstützen und zu
beraten.
https://www.arbeitsagentur.de/web/wcm/.../l6019022dstbai792961.pdf
Auch die gezielte Abfrage potentieller Arbeitgeber seit 2013 direkt durch die Verwaltungen hat sich
als geeignetes Instrument erwiesen, um den Arbeitsmarkt für AsylbewerberInnen zu erschließen.
Zudem wurden vielerorts konkrete Informationsabende für ArbeitgeberInnen durchgeführt.
Darüber hinaus verfügen einige Kommunen über ein Lotsenkonzept mit unterschiedlichen Schwerpunkten (u. a. Arbeitsmarktlotsen).
Für die gelingende Arbeitsmarktintegration sollten vorhandene Defizite im Bereich Bildung möglichst
abgeschwächt werden. Die Geflüchteten sollten unterstützt werden, allgemeine Schulangebote oder
berufsspezifische Bildungsangebote wahrzunehmen. Hierzu ist eine Vernetzung mit allen Bildungsakteuren und sozialen und zivilgesellschaftlichen Akteuren erforderlich (z. B. Bildungsträger, Kammern,
Vereine, Initiativen, Kirchen, Wohlfahrtsverbände).
Einrichtung eines Kommunalen Bildungskoordinators im Landkreis Mayen-Koblenz
Die Kreisverwaltung Mayen – Koblenz plant für 2016 einen Antrag beim Bundesministerium für Bildung und Forschung zur Förderung eines „Kommunalen Bildungskoordinators für Flüchtlinge“ einzureichen. Ziel des Antrages soll sein, ein kommunales Bildungsmanagement für die Flüchtlinge einzuführen, damit diese frühzeitig in den Bereichen Sprache, Kultur, Schule, Beruf qualifiziert werden. Ziel
des kommunalen Bildungsmanagements für Flüchtlinge soll sein, migrationsbedingte Defizite im Bereich Schule, Ausbildung, etc. abzubauen und AsylbewerberInnen zu fördern, damit diese möglichst
gleichberechtigt am Unterricht und am Ausbildungs- oder Arbeitsmarkt teilhaben können.
Bereits seit einer frühen Phase der Flüchtlingszuwanderung wurde das Thema „Arbeitsmarktzugang
für Flüchtlinge“ in einigen Kommunen forciert. Neben den Aktivitäten der Jobcenter wurden zusätzliche Maßnahmen von Bildungsträgern eingekauft, die mit bereits vorhandenen speziellen Angeboten
für Flüchtlinge verbunden werden, die sukzessive zur Arbeitsaufnahme hinführen sollen.
21

Regionale Integrationsinitiative im Landkreis Mayen-Koblenz
Teilnahme an der „Dehoga Integrationsinitiative 300“. Durch die Zusammenarbeit im Rahmen der
Initiative konnten erste AsylbewerberInnen aus dem Landkreis Mayen-Koblenz in eine Ausbildung/
Einstiegsqualifizierung als „Fachkraft im Gastgewerbe“ vermittelt werden. Aufgrund der Erfolge in
2015 wurde die Integrationsinitiative mit 20 neuen TeilnehmerInnen zum Februar 2016 erneut begonnen.
www.dehoga-rlp.de/cms/iwebs/download.aspx?id=95016
Um Projekte wie diese gelingend umzusetzen, sind einige Hürden zu überwinden. Diese reichen von
einem adäquaten Auswahlverfahren für Interessierte, Instrumente der Steuerung und Koordination
bei der Akquise und Verteilung der Teilnehmenden auf Berufsschulen, der Vermittlung von Sprachkompetenz, der Erteilung von Aufenthalts- und Arbeitserlaubnissen für die gesamte Dauer der Ausbildung und der Sicherstellung einer besonderen Betreuung und Unterstützung (vgl. Gereon Haumann – Präsident Dehoga Rheinland-Pfalz, in: Eifel Zeitung, 12.05.2015).
Projekt „Migranten machen VHS“ in der Landeshauptstadt Stuttgart
Ziel des Programmbereichs „Migranten machen VHS/Interkultureller Dialog“ ist es,
„Brücken zu bauen“ und die Teilnehmenden in ihrer beruflichen Laufbahn weiter zu bringen.
Mit diesem Angebot möchte die VHS Stuttgart außerdem MigrantInnen als DozentInnen in ihr Programm einbeziehen, um von ihren Fähigkeiten, Kompetenzen und ihren Kenntnissen in einer anderen Kultur zu profitieren.
http://www.vhs-stuttgart.de/home-kurse/kurse-und-veranstaltungen/migranten-machenvhs/?size=30&kathaupt=1&katid=78&katname=Migranten%20machen%20vhs
„Datenbank Migration“ in der Stadt Osnabrück
Die Stadt Osnabrück möchte im Frühjahr 2016 eine erste Version der „Datenbank Migration“ in Betrieb nehmen. Vor allem soll neben der Verknüpfung von Daten der Ausländerbehörde, der Jugendhilfe und der Sozialverwaltung auch ein Zugriff auf Daten der Arbeitsagentur und des Jobcenters
möglich sein. Die Datenbank wird die Informationen unter Wahrung der Datenschutzrechte und je
nach NutzerInnenbefugnis in Echtzeit tabellarisch, grafisch und raumbezogen – bspw. für Grundschuleingangsbezirke, auswerten können. Nach eigenen Angaben ist diese Datenbank einzigartig in
der Bundesrepublik Deutschland und wird Informationen in bisher ungekannten Maße aktuell, im
Rahmen eines individuellen Abfrageprofils der NutzerInnen, schnell, präzise (amtliche Zahlen) und im
Vergleich mit dem vorherigen personellen Aufwand mit reduziertem Verbrauch von Arbeitszeit zur
Verfügung stellen.

22

Projekt „W.I.R.“ (Work and Integration for Refugees) in der Freien und Hansestadt Hamburg
Das Projekt W.I.R. ist ein Programm zur Integration von Flüchtlingen in Ausbildung und Arbeit nach
dem Modell. der Jugendberufsagentur. Bis zum Ende des Jahres 2016 sollen alle Flüchtlinge mit guter
Bleibeperspektive im erwerbsfähigen Alter (mit Ausnahme der zeitweise oder dauerhaft nicht Erwerbsfähigen) bei der Bundesagentur für Arbeit registriert und deren Kompetenzen entwickelt werden, um eine schnelle Integration in den Arbeitsmarkt zu ermöglichen.
http://www.hamburg.de/pressearchiv-fhh/4595800/2015-09-04-basfi-work-and-integration-forrefugees/
Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds (AMIF) des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge
Das Ziel der Projektförderung durch AMIF ist, „Menschen mit Migrationshintergrund gleiche Chancen
auf Bildung und Aufstieg, persönliche Entfaltung, auf berufliche und gesellschaftliche Teilhabe zu
bieten und damit den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken. So sollen bestehende strukturelle
Handlungsinstrumente in Deutschland ergänzt und weiterentwickelt werden. Die Maßnahmen sollen
auch der Etablierung einer Willkommens- und Anerkennungskultur dienen.“
http://www.bamf.de/DE/DasBAMF/EUFonds/AMIF/amif-node.html
Förderprojekt für geduldete Jugendliche und Heranwachsende in der Stadt Köln
Die Ausländerbehörde der Stadt Köln führt seit Anfang 2014 ein Projekt mit dem Ziel der Erteilung
der Aufenthaltserlaubnis gemäß Aufenthaltsgesetz für junge Menschen durch. Durch Kooperation
von Ausländerbehörde, Sprachkursträgern, Jobcenter, Beratungsdiensten und Betrieben soll in unterschiedlichen Phasen dieses Ziel erreicht werden. Angefangen mit der Prüfung nach Aktenlage und
persönliche Gespräche zur Akquise geeigneter TeilnehmerInnen sollen die Jugendlichen über die
Teilnahme an Jugendintegrationskursen und die Beratung durch Jugendmigrationsdienste eine Praktikumsstelle vermittelt bekommen, um einen ersten Einblick in die Arbeitswelt zu erhalten. Nach
bestandenem „Deutsch-Test für Zuwanderer“ sollen die Jugendlichen in Berufskollegs integriert werden, die sowohl die Möglichkeiten des Erwerbs des Hauptschulabschlusses als auch zum Übergang in
eine Berufsausbildung bieten.
https://ratsinformation.stadt-koeln.de/vo0050.asp?__kvonr=43793

8. HANDLUNGSFELD WOHNEN
Aufnahme und Unterbringung von Asylsuchenden in Gemeinschaftsunterkünften und Wohnungen
gehört für die befragten Städte, Landkreise und Gemeinden zu den zentralen Aufgaben bei der Aufnahme und Integration von Flüchtlingen, wobei die dezentrale Unterbringung in Wohneinheiten von
den Befragten als wesentlich wichtiger bewertet wird als die Unterbringung in Gemeinschaftsunterkünften (Mittelwerte 4,54 vs. 3,37).10 90,7 Prozent der Befragten sehen in einer dezentralen Unterbringung von Geflüchteten eine sehr wichtige oder wichtige Aufgabe. 11 Immerhin ein Viertel der
befragten Kommunen sieht in einem entspannten Wohnungsmarkt sogar eine wichtige Ressource für
die Bewältigung der aktuellen Herausforderungen.12
10
11
12

Absteigende Mittelwerte; Wertebereich von 1,0 (unwichtig) bis 5,0 (sehr wichtig).
Vgl. Gesemann/Roth 2016, S. 14ff.; S. 41.
Hierbei zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen städtischen Verdichtungsräumen und ländlichen
Regionen (vgl. Gesemann/Roth 2016 [Fn.1], S. 17f.)

23

Bei der Unterbringung von geflüchteten Menschen scheinen vor allem zwei Aspekte relevant zu sein:
zum einen die Verteilung der Geflüchteten auf alle Gebiete der Kommune und zum anderen die dezentrale Unterbringung in Wohngemeinschaften, Mietwohnungen oder Einrichtungen mit nicht mehr
als 50 Plätzen, die von der Gemeinde/Stadt angemietet werden.
Dabei setzen bereits jetzt einige Kommunen innovative Konzepte der Wohnraumversorgung um, die
Teil eines übergeordneten Gesamtkonzepts zur Integration der Menschen mit Fluchthintergrund
sind.
Bei den genannten Beispielen guter Praxis werden fast übergreifend Anstrengungen sichtbar, die
darauf ausgerichtet sind, die Neuankommenden dezentral, unter Beachtung einer hinreichend vorhandenen Infrastruktur unterzubringen. Dabei geht es nach Angaben der Befragten darum, einerseits
Wohnraum bereitzustellen, der adäquat für die Menschen und Familien mit Fluchthintergrund ist
und diese nicht isoliert. Andererseits muss die Zahl der angesiedelten Flüchtlinge in einem angemessenen Verhältnis zu der im Sozialraum ansässigen Wohnbevölkerung stehen. In den Darstellungen
der Kommunen wird dies als ein Balanceakt beschrieben, bei dem die Sorge vor „Überfremdung“
durch ein unausgewogenes Wohnraummodell nicht nur der Bevölkerung zugeschrieben wird, sondern sich diese Sorge auch auf Ebene einiger Verwaltungen rekonstruieren lässt.
Konzept zur Wohnraumversorgung in der Stadt Osnabrück
Der Rat der Stadt Osnabrück hat bereits im Dezember 2013 einstimmig das Flüchtlingskonzept verabschiedet, das sukzessive umgesetzt wird. Mit dem Konzept reagiert die Stadt Osnabrück auf die steigenden Zuzugszahlen von Flüchtlingen hinsichtlich der Unterbringung und Beratung sowie Begleitung. Die Koordinierungsstelle Flüchtlingssozialarbeit setzt das innovative Konzept um.
http://redaktion1.itebo.de/cms/ImageCache/0C93F72B3FB24F329EB432CEA7BC43B4/B5820F13DF6
D4C7D89679FCEFA23B805/20/2014-12-17_Fluechtlingskonzept_aktuell.pdf
Mediationsprozess zur Wohnraumversorgung in der Stadt Münster
Erfahrungen aus der Stadt Münster haben gezeigt, dass unausgewogene Wohnraumkonzepte zu
„erheblichen Unruhen und Konflikten“ zwischen Menschen mit Fluchthintergrund aber auch zwischen AnwohnerInnen und Flüchtlingen geführt haben. Aus diesem Grund wurde in einem bislang
einzigartigen Mediationsprozess 2000 bis 2001 zwischen den Ratsfraktionen, den Bezirksvertretungsfraktionen, den BezirksvorsteherInnen, dem Vorsitzenden des Ausländerbeirates, der Vorsitzenden
der Arbeitsgemeinschaft der Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege in Münster, der Polizei,
Unterstützerorganisationen Vertretungen der Religionen und der Verwaltungen (Allgemeine, Bauverwaltung und Sozialverwaltung) ein dezentrales Unterbringungskonzept erarbeitet, welches seinen
Abschluss in einer entsprechenden Ratsvorlage fand. Durch diesen Paradigmenwechsel, der von den
beteiligten Akteuren mitgetragen wurde, ist die Stadt davon abgewichen, Flüchtlinge in Großeinrichtungen unterzubringen. Wegen der seit 2012 ansteigenden Bedarfe wurde der Mediationsprozess
aus dem Jahr 2000 neu aufgesetzt und 2014 wurden die Prinzipien der Unterbringung und Betreuung
bestätigt.
Jochen Köhnke: Kreative politische Konzepte der Flüchtlingsaufnahme in Münster, in: Friedrich-Ebert-Stiftung
(Hrsg.): WISO direkt, September 2014. Internet: http://library.fes.de/pdf-files/wiso/10949.pdf
Stadt Münster 2014: Neue Standorte für Flüchtlingseinrichtungen - Ergebnis des Mediationsprozesses 2014

https://www.stadt-muenster.de/sessionnet/sessionnetbi/vo0050.php?__kvonr=2004038091
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„Lübecker Weg“
In der Hansestadt Lübeck hat sich das als „Lübecker Weg“ bezeichnete Konzept im Umgang mit der
Aufnahme von Menschen im Asylverfahren bewährt. In Lübeck wird dabei der Schwerpunkt auf eine
„gelebte Willkommenskultur“ gelegt, bei der die Neuankommenden von Anfang an persönlich (z. B.
durch ehrenamtliche Patenschaften) begleitet werden.
http://www.luebeck.de/lvw_docs/forms/2/2_500/Der_L_becker_Weg.pdf
Kasseler Modell: Erst Flüchtlings-Unterkunft, später Mietwohnungen
Einen anderen Weg beschreitet die Stadt Kassel. Hier werden gemeinsam mit der städtischen Wohnungsbaugesellschaft Bauprojekte umgesetzt, die auf nachhaltige Nutzung abzielen. Die Einrichtungen sollen die ersten sieben Jahre als größere Flüchtlingsunterkünfte dienen und danach als Mietraum „für einkommensschwache Haushalte“ zur Verfügung gestellt werden.
http://www.presse-service.de/data.cfm/static/926141F.html?CFID=21983791&CFTOKEN=20646941
Stadt Augsburg: Grandhotel Cosmopolis – Hotel mit und ohne Asyl
In der Stadt Augsburg wurde ein ehemaliges Pflegeheim zu einem Hotel, einer Flüchtlingsunterkunft
und zu einem Atelier für Künstler. Seit Juli leben ca. 60 Menschen aus verschiedenen Ländern in der
Gemeinschaftsunterkunft. Die Asylsuchenden werden eng in den Alltagsbetrieb einer Bürgergaststätte und der Kulturangebote des Projektes eingebunden, leben aber in einem geschützten Bereich des
Hotels. Der Erfolg des Projektes beruht auf der engen Einbindung Asylsuchender in soziale und kulturelle Aktivitäten, bei denen auch vorhandene Kompetenzen und Fähigkeiten genutzt werden. Die
Projektträger haben im Jahr 2015 mehrere Konferenzen und Workshops durchgeführt, um die gesammelten Erfahrungen an andere Projekte bundesweit weiterzugeben und ein Netzwerk mit Projekten mit ähnlichen Ansätzen aufzubauen.
http://www.bosch-stiftung.de/content/language1/html/62847.asp?version=mobile
Frauen-Flüchtlingseinrichtung und Asylsozialberatung in der Landeshauptstadt München
Um den besonderen Schutzbedürfnis für Flüchtlingsfrauen mit und ohne Kinder bei der Unterbringung nachzukommen, haben die paritätischen Träger Condrobs, Frauenhilfe und pro familia ein Kooperationsbündnis gegründet und die erste reine Frauen-Flüchtlingsunterkunft als Überbrückungsunterkunft zum Jahresbeginn 2016 eröffnet. Frauen, die auf eigenen Wunsch hin getrennt von Männern
untergebracht werden möchten, insbesondere dann, wenn sie allein geflüchtet sind, können hier vor
Gewalterfahrungen umfassend geschützt werden. Eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung für die Frauen
mit und ohne Kinder wird hier, neben einer frauenspezifischen Beratung gewährleistet.
Bereits im November 2015 ist auf Initiative des Kooperationsbündnisses eine Asylsozialberatung mit
dem Fokus auf Familien und allein geflüchtete Frauen mit oder ohne Kinder entstanden. In der Asylsozialberatung werden Menschen begleitet, betreut und beraten zu Fragen des Asylverfahrens und
ggf. in weiterführende Hilfen vermittelt. Überdies werden AsylbewerberInnen darin unterstützt, sich
in der für sie fremden Kultur und Gesellschaftsordnung zurechtzufinden.
http://frauenhilfe-muenchen.de/frauen-fluechtlingseinrichtung.php

25

9. HANDLUNGSFELD GESUNDHEIT
Die gesundheitliche Versorgung und psychosoziale Betreuung gehört für die befragten Städte, Landkreise und Gemeinden nicht zu den besonders vorrangigen Aufgaben bei der Aufnahme und Integration von Flüchtlingen. Von knapp zwei Dritteln der Befragten wird sie dennoch als sehr wichtig oder
wichtig bewertet (63,4 %). Fast drei Viertel der Befragten sehen einen besonderen Unterstützungsbedarf ihrer Kommune bei der Entlastung bei den Kosten der Gesundheitsversorgung (72,9 % sehr
wichtig/wichtig).13
Viele Menschen mit Fluchthintergrund finden sich im komplexen deutschen Gesundheitssystem nicht
oder nur schwer zurecht. Akteure der Verwaltungen benennen als Gründe hierfür vor allem sprachliche und kulturelle Barrieren, etwa ein kulturell bedingtes anderes Gesundheits- und Krankheitsverständnis, welches erschwerend zu den bestehenden Informationsdefiziten hinzukommt. Entsprechend würden diese Menschen z. B. Früherkennungsuntersuchungen für Kinder und allgemeine Vorsorgeuntersuchungen seltener in Anspruch nehmen oder kennen diverse Leistungen des deutschen
Gesundheits- und Pflegesystems nicht.
Dolmetscherdienst zur Erledigung von Beratungs- und Untersuchungsaufgaben in der Landeshauptstadt München
Der Dolmetscherdienst ist eine Maßnahme der kulturellen Öffnung mit dem Ziel, gute Rahmenbedingungen für Beratungen und Untersuchungen sowohl für Fachkräfte als auch für KlientInnen/PatientInnen zu ermöglichen. Der Dienst wird stark in Anspruch genommen und wird aus kommunalen Mitteln finanziert. Zudem finden regelmäßig Schulungen zur effektiven Nutzung von Dolmetscherdiensten für Fachkräfte der Verwaltung statt.
Gesundheitsvorsorge für Menschen in Unterkünften in der Landeshauptstadt München
Die Gesundheitsvorsorge für Menschen in Unterkünften ist eine aufsuchende Gesundheitsberatung
für AsylbewerberInnen und Wohnungslose in Gemeinschaftsunterkünften. Ein multiprofessionelles
Team aus Familienhebammen, Gesundheits- und KinderkrankenpflegerInnen bieten Beratung im
individuellen Setting und als Gruppenveranstaltungen. Es gibt eine enge Zusammenarbeit mit den
Sozialdiensten der Unterkünfte, den niedergelassenen Ärzten und Ärztinnen, den Krankenhäusern,
den regionalen und kommunalen Behörden, der Regierung von Oberbayern sowie den Trägern der
freien Wohlfahrtspflege und zivilgesellschaftlichen Initiativen.
Im individuellen Setting werden neben der Beratung auch praktische Anleitungen und Unterstützungen zu Themen wie z. B. dem Stillen, zum Umgang mit Säuglingen oder zu Pflegemaßnahmen bei
einer Erkältung gegeben. Darüber hinaus vermitteln und begleiten (bei Bedarf) die Fachkräfte die
Menschen in psychosoziale Hilfen, in die kurative Versorgung sowie in diverse weitere Hilfen und
Angebote.
In den Gruppenveranstaltungen werden Informationen zum deutschen Gesundheitssystem, zu Vorsorgeuntersuchungen bei Kindern, zu Themen der Gesundheitsförderung wie Hygiene oder Zahnpflege sowie Themen zur Prävention wie Unfallverhütung oder Impfung gegeben.

13

Vgl. Gesemann/Roth 2016, 14ff.

26

Gesundheitsprojekt MiMi („Gesundheit mit Migranten für Migranten“) in Niedersachsen
Um sprachliche und kulturelle Barrieren abzubauen, wurden z. B. in Göttingen im Jahr 2010 vom
Büro für Integration in Kooperation mit dem Ethno-Medizinischen Zentrum e. V. (EMZ) 14 MigrantInnen zu interkulturellen GesundheitsmediatorInnen ausgebildet, zertifiziert und seitdem kontinuierlich fortgebildet. Sie übernehmen die wichtige Aufgabe gesundheitlicher Aufklärung in der eigenen
Familie und der Community z. B. in Informationsveranstaltungen in Kindergärten, Stadtteileinrichtungen, islamischen Gemeinden oder aktuell in Wohnanlagen für Flüchtlinge. Die GesundheitsmediatorInnen informieren kultursensibel in 12 verschiedenen Sprachen über verschiedene gesundheitsbezogene Themen. Die Themen des Projektes sprechen alle Generationen an und fördern den Bekanntheitsgrad gesundheitsbezogener Angebote in Göttingen. Dieses Projekt verbessert die Zugänge
zum deutschen Gesundheitssystem und befördert zudem die interkulturelle Öffnung der Gesundheitsdienste.
http://www.ethno-medizinisches-zentrum.de/index.php?option=com_content&view=article&id=33

10. FAZIT
Viele Städte, Landkreise und Gemeinden verfügen nicht nur über langjährige Erfahrungen in der Aufnahme und Integration von Menschen mit Migrations- und Fluchthintergrund, sondern haben im
letzten Jahrzehnt in großer Zahl Konzepte, Strategien und Instrumente für eine erfolgreiche Integrationspolitik entwickelt. Die vorliegende Handreichung zeigt, wie Kommunen bei der Bewältigung der
aktuellen Aufgaben und Herausforderungen im Zusammenhang mit der Aufnahme und Integration
von Asylsuchenden und Flüchtlingen auf diese Erfahrungen zurückgreifen und sie um flüchtlingspolitische Antworten ergänzen. Sie entwickeln und erproben Instrumente in allen integrationsrelevanten
Handlungsfeldern, von Sprache und Begegnung über Engagement und Engagementförderung bis zu
Wohnen und Gesundheit.
Diese Sammlung von Beispielen guter Praxis zeigt, welche große Bedeutung den Themenfeldern Begegnung, Engagement und Engagementförderung sowie Beteiligung der Bevölkerung in Städten,
Landkreisen und Gemeinden zukommt. Integration und Teilhabe von Geflüchteten werden vermutlich dort am ehesten und nachhaltigsten gelingen, wo eine lebendige und starke Zivilgesellschaft
durch eine aktive und langfristig ausgerichtete Engagement- und Integrationspolitik der Kommune
anerkannt und unterstützt wird. Die Ergebnisse unserer Kommunalbefragung sowie die berichteten
eindrucksvollen Beispiele guter Praxis zeigen, wie sich mit der Flüchtlings- und Integrationspolitik ein
lokales Handlungsfeld zu entwickeln beginnt, das seine besondere Produktivität durch eine gleichberechtigte und gestaltende Kooperationsbeziehungen zwischen Politik, Verwaltung und engagierter
Bürgerschaft gewinnt.
Die kommunale Flüchtlings- und Integrationspolitik in Deutschland ist aktuell durch eine große Vielfalt gekennzeichnet. Städten, Landkreisen und Gemeinden mit einer aktiven und strategisch ausgerichteten Integrationspolitik stehen Kommunen gegenüber, die noch dabei sind, die Aufnahme und
Integration von Flüchtlingen und Migranten als wichtiges kommunales Handlungsfeld zu entwickeln
und auszugestalten. Zur Stärkung einer erfolgreichen kommunalen Integrations- und Vielfaltspolitik
benötigen Städte und Gemeinden nicht nur eine nachhaltige Unterstützung von Bund und Ländern,
sondern sie müssen auch lokale Ressourcen durch eine Stärkung von Netzwerk- und Kooperationsstrukturen erschließen. Und es wird es darauf ankommen, die in Kommunen gemachten Erfahrungen
mit guter Praxis weiterzutragen und zu verbreiten. Dazu möchte diese Handreichung beitragen.

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Weitere Handreichungen und Leitfäden zu erfolgversprechenden Handlungsansätzen
und Beispielen guter Praxis vor Ort
PRO ASYL/ Amadeo Antonio Stiftung (Hrsg.) 2014: Refugees Welcome. Gemeinsam Willkommenskultur gestalten. Köln/ Berlin: PRO ASYL Förderverein/ Amadeo Antonio Stiftung.
Internet:http://www.amadeu-antonio-stiftung.de/w/files/pdfs/broschuere_willkommen.pdf
gsub (Hrsg.) 2016: Willkommenskultur vs. Rechtsextremismus. Handlungsansätze aus der Arbeit vor
Ort: Berlin: gsub-Projektegesellschaft, Beratungsprojekt „Willkommenskultur vs. Rechtsextremismus“.
Internet: https://www.demokratie-leben.de/fileadmin/content/PDF-DOCXLS/Sonstiges/ba_Handreichung_Willkommenskultur_vs._Rechtsextremismus.pdf
Kommunale Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsmanagement (KGSt): Flüchtlingsmanagement –
gute Beispiele aus der kommunalen Praxis. Köln.
Internet: https://www.kgst.de/produkteUndLeistungen/fluechtlingsmanagement/FluechtlingeUebersicht-guter-Beispiele-aus-Kommunen.dot
Konrad-Adenauer-Stiftung (Hrsg.) 2016: Lokale Flüchtlingshilfe, nachhaltige Integrationsmaßnahmen
vor Ort und Identität stiftendes Quartiersmanagement. Ausgewählte „Best-Practice“-Beispiele zusammengestellt von der KommunalAkademie der Konrad-Adenauer-Stiftung. Stand: 2. März 2016.
Philip Lerch/ Dr. Thomas Arndt/ Oliver Thomas Rau. St. Augustin: Konrad-Adenauer-Stiftung, KommunalAkademie.
Internet: http://www.kas.de/wf/doc/kas_43128-544-1-30.pdf
PHINEO (Hrsg.) 2016: Begleiten, Stärken, Integrieren. Ausgezeichnete Projekte und Ansätze für
Flüchtlinge in Deutschland. Berlin: PHINEO.
Internet: www.phineo.org/downloads/PHINEO_TR15_Fluechtlinge.pdf
Pro Asyl 2015: Herzlich willkommen. Wie man sich für Flüchtlinge engagieren kann. Frankfurt am
Main: Pro Asyl.
Internet: https://www.proasyl.de/wpcontent/uploads/2015/12/PRO_ASYL_Leitfaden_Herzlich_Willkommen_Mai_2015.pdf
Städte- und Gemeindebund Nordrhein-Westfalen 2016: Handlungsleitfaden Flüchtlingsintegration.
Internet:
https://www.google.de/?hl=de&gl=de&gws_rd=ssl#hl=de&gl=de&q=Handlungsleitfaden+Fl%C3%BCc
htlingsintegration
Stiftung Bürgermut, Bundesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen (bagfa) (Hrsg.) 2016: Refugees. Richtige gute Projekte, Tipps & Tools. Gutes einfach verbreiten. Berlin: Stiftung Bürgermut
Internet: http://www.bagfa.de/fileadmin/Materialien/Gefluechtete/E-Book_Refugees_web.pdf

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Aktuelle Veröffentlichungen des DESI Instituts zu den Themen
Migration, Flucht und Integration
Jutta Aumüller: Arbeitsmarktintegration von Flüchtlingen: bestehende Praxisansätze und weiterführende Empfehlungen. Gütersloh 2016: Bertelsmann Stiftung
Jutta Aumüller: Flüchtlingszuwanderung und bürgerschaftliches Engagement. Betrifft: Bürgergesellschaft 42, Februar 2016. Berlin: Friedrich-Ebert-Stiftung
Jutta Aumüller, Priska Daphi, Celine Biesenkamp: Die Aufnahme von Flüchtlingen in den Bundesländern und Kommunen. Behördliche Praxis und zivilgesellschaftliches Engagement. Stuttgart 2015:
Robert Bosch Stiftung
Frank Gesemann: Bürgerschaftliches Engagement und niedrigschwellige Instrumente in der Flüchtlingshilfe. In: Newsletter für Engagement und Partizipation in Deutschland 24/2015. Bundesnetzwerk
Bürgerschaftliches Engagement
Frank Gesemann: Integrationslotsenprojekte in Deutschland im Überblick: Konzepte, Einsatzfelder
und Finanzierung. Berlin 2015: Beauftragter des Senats von Berlin für Integration und Migration.
Frank Gesemann: Kommunale Integrationspolitik. In: Heinz Ulrich Brinkmann/Martina Sauer (Hrsg.):
Einwanderungsgesellschaft Deutschland. Entwicklung und Stand der Integration. Wiesbaden 2016:
Springer VS
Frank Gesemann: Kommunale Flüchtlingspolitik. In: Karl-Heinz Meier-Braun/Reinhold Weber (Hrsg.):
Deutschland Einwanderungsland. Begriffe – Fakten – Kontroversen. 2. Auflage. Stuttgart 2016: Kohlhammer [in Vorbereitung]
Frank Gesemann, Roland Roth: Kommunale Flüchtlings- und Integrationspolitik. Ergebnisse einer
Online-Befragung von Kommunen. Berlin 2016: DESI – Institut für Demokratische Entwicklung und
Soziale Integration
Frank Gesemann, Roland Roth: Bürgerschaftliches Engagement in der kommunalen Flüchtlings- und
Integrationspolitik. Ergebnisse einer Umfrage bei Städten, Landkreisen und Gemeinden. In: Newsletter für Engagement und Partizipation in Deutschland 12/2016
Frank Gesemann, Roland Roth: Engagement im Quartier. BBSR-Online-Publikation 04/2015. Bonn
2015: Bundesamt für Bau-, Stadt- und Raumforschung
Frank Gesemann, Roland Roth: Engagement im Quartier. In: Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ),
14-15/2015, 30. März 2015, S. 35-42

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Pressemitteilung vom 02. Juni 2016
Kommunale Flüchtlings- und Integrationspolitik –
Ergebnisse einer Umfrage bei Städten, Landkreisen und Gemeinden
Die enorme Zuwanderung von Flüchtlingen ist seit dem Sommer 2015 in vielen Orten zur zentralen
kommunalpolitischen Herausforderung geworden. Das DESI – Institut für Demokratische Entwicklung
und Soziale Integration hat mit einer Umfrage erhoben, wo Städte, Landkreise und Gemeinden aktuell zentrale Aufgaben und Herausforderungen, wichtige Ressourcen und besondere Unterstützungsbedarfe bei der Aufnahme und Integration von Flüchtlingen sehen.
Die Umfrage richtete sich an die Verantwortlichen für die lokale Flüchtlings- und Integrationspolitik.
An ihr haben sich im Erhebungszeitraum vom 25. Januar 2016 bis zum 05. März 2016 insgesamt 270
Städte, Landkreise und Gemeinden beteiligt. Die Erhebung wurde mit den kommunalen Spitzenverbänden abgestimmt und von der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und
Integration unterstützt. Bericht Kommunale-Fluechtlings-und-Integrationspolitik
ZENTRALE ERGEBNISSE DER BEFRAGUNG VON KOMMUNEN
Bürgerschaftliches Engagement als zentrale Ressource
Im starken freiwilligen Engagement der Bevölkerung sehen die Kommunen die wichtigste Ressource
für die Bewältigung der aktuellen Aufgaben und Herausforderungen. Dies betonen nahezu 90 Prozent aller befragten Kommunen. Drei von vier Kommunen verweisen zudem auf aktive Willkommensbzw. Flüchtlingsinitiativen und heben die Offenheit und das Engagement ihrer Vereine hervor. Kirchen, Wohlfahrtsverbände und zivilgesellschaftliche Einrichtungen sind vielerorts zu Anlaufstellen
einer engagierten Bürgerschaft geworden.
Kommunen sind bereits im Integrationsmodus angelangt
Die große Mehrzahl der Kommunen stellt sich bereits der Aufgabe, die Geflüchteten und Zugewanderten zu integrieren. Die Integration vor Ort hat längst begonnen und wird von Städten, Landkreisen
und Gemeinden nicht als Aufgabe angesehen, der man sich erst in Zukunft widmen wird. Dezentrale
Unterbringung, Sprache und Bildung sowie Information, Engagement und Beteiligung der Bevölkerung werden von den Kommunen als die wichtigsten Aufgaben und Herausforderungen angesehen.
Kommunen sind dabei in einer Vielzahl von Handlungsfeldern gefordert, damit Integration gelingt.
Integration von Flüchtlingen als lokale Gemeinschaftsaufgabe
Gute Kooperationsbeziehungen in der Kommune sowie die Koordination und Unterstützung des ehrenamtlichen Engagements durch die Verwaltung rangieren an zweiter Stelle bei der Frage nach den
wichtigsten kommunalen Ressourcen. Dies bestätigen vier von fünf bzw. mehr als zwei Drittel der
Kommunen. Mehr als 80 Prozent der Kommunen sehen in der Information und Einbindung der Bevölkerung eine zentrale Aufgabe. Mit der Flüchtlings- und Integrationspolitik beginnt sich offensicht30

lich ein lokales Handlungsfeld zu entwickeln, das zentral auf produktive Kooperationsbeziehungen
zwischen Politik, Verwaltung und engagierter Bürgerschaft setzt.
Noch immer große Offenheit für Flüchtlinge
Mehr als zwei Drittel der Kommunen heben eine positive Grundstimmung und eine ausgeprägte Offenheit in der lokalen Bevölkerung hervor. Bei der Frage nach den zentralen kommunalen Aufgaben
und Herausforderungen bei der Aufnahme und Integration von Flüchtlingen landet das Thema fremdenfeindliche Proteste auf dem letzten Platz. Weniger als die Hälfte aller Kommunen sehen deren
Einhegung und Prävention als vordringlich an. Dieses Bild steht im Widerspruch zu öffentlichen Debatten, in der die Abwehr gegenüber Flüchtlingen in der lokalen Bevölkerung nicht selten überbetont
wird.
„Wir können Integration“
Kommunen verfügen nicht nur über eigene integrationspolitische Erfahrungen, sondern haben in der
Vergangenheit in großer Zahl Grundstrukturen für eine erfolgreiche Integrationspolitik entwickelt.
Drei von vier Kommunen messen der Integration der Zugewanderten einen hohen Stellenwert bei
und fast die Hälfte sieht in einer strategisch ausgerichteten Integrationspolitik eine wichtige Ressource. Dazu gehört für eine Mehrheit der befragten Kommunen die Verankerung von Integration als
Querschnittsaufgabe, die Vernetzung der zentralen Akteure in der kommunalen Integrationsarbeit
sowie Konzepte und Leitbilder zur Integration von Menschen mit einer Migrations- oder Fluchtgeschichte.
Kommunen benötigen dringend zusätzliche und verlässliche Ressourcen
Dezentrale Unterbringung in Wohnungen, Sprachlernangebote, Betreuungs- und Bildungseinrichtungen sowie Zugänge zum Arbeits- und Ausbildungsmarkt werden von den Kommunen als zentrale
Herausforderungen benannt. Für diese klassischen Handlungsfelder kommunaler Integrationspolitik
sind zusätzliches Personal und eine erweiterte finanzielle Unterstützung unabdingbar. Mehr als 90
Prozent der befragten Kommunen sehen in der verbesserten Kostenerstattung durch Bund und Länder eine zentrale Gelingensbedingung ihrer kommunalen Integrationsanstrengungen.
Integration von Flüchtlingen als föderale Gemeinschaftsaufgabe
Mehr als 90 Prozent aller befragten Kommunen sehen in der verbesserten Koordination der Flüchtlingspolitik im Bundesstaat eine große Herausforderung. Zudem erwarten mehr als drei Viertel aller
Kommunen Initiativen von Bund und Ländern zur Stärkung der kommunalen Flüchtlings- und Integrationspolitik. Dabei sind sie durchaus bereit, ihre besondere Rolle als lokale Integrationsmotoren
wahrzunehmen. Offensichtlich klafft zwischen dem wohlfeilen Bekenntnis „Integration findet vor Ort
statt“ und der Bereitschaft, die Kommunen im föderalen Gefüge mit den dafür notwendigen Kompetenzen und Ressourcen auszustatten, eine erhebliche Lücke. Sie ist durch die aktuellen Herausforderungen der Flüchtlingspolitik noch größer geworden.
Dr. Frank Gesemann, Prof. Dr. Roland Roth
Kontakt
DESI – Institut für Demokratische Entwicklung und Soziale Integration (DESI)
Nymphenburger Str. 2, 10825 Berlin, Tel.: 030 / 814 86 502
E-Mail: info@desi-sozialforschung-berlin.de; Internet: www.desi-sozialforschung-berlin.de
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