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Periodical volume

Full text: Stadt und Land Issue 47.2014

www.stadtundland.de
47 • Dezember
44 • März 2014
Jahrgang
Jahrgang
12 • Nummer
12 • Nummer

STADT UND LAND
wissen, wie berlin wohnt.

Altes Handwerk
Kupferklopfer Niels Dettmer im Portrait

STADT UND LAND Journal Nr. 47 • Dezember 2014

1

anzeige

Das Berlin-Rätsel
Eines

der markantesten und umstrittensten Bauwerke in Steglitz ist der Berliner
Bierpinsel. Heute oft als relativ unansehnlich empfunden, galt der 46 Meter hohe
Turm einst als Symbol der futuristischen
Architektur der 1970er-Jahre.
Den Volksnamen „Bierpinsel“ erhielt der
Turm, da bei seiner Eröffnung am 13. Oktober 1976 Freibier ausgeschenkt wurde.
Nach jahrelangem Leerstand rückte das
Gebäude im Zentrum der Schlossstraße
2010 wieder in den Fokus, als die Fassade
von internationalen Street-Art-Künstlern
neu gestaltet wurde. Ein Wasserschaden
im selben Jahr stand jedoch einem Neuanfang im Wege.

© Jcornelius

2

Wenn Sie unser Rätsel gelöst haben, winkt
Ihnen ein 300-Euro-Renovierungsscheck.

Preisfrage
Welches bekannte Berliner Bauwerk wurde
ebenfalls von den Bierpinsel-Architekten Ralf
Schüler und Ursulina Schüler-Witte geplant?
a) Das Brandenburger Tor
b) Das ICC-Messegelände
c) Das Bikini-Haus Berlin
Die Lösung bitte bis zum 16.01.2015 an
STADT UND LAND, Unternehmenskommunikation, Werbellinstr. 12, 12053 Berlin,
E-Mail: journal@stadtundland.de, schicken
(Rechtsweg ausgeschlossen).
Teilnahmebedingung: An diesem Gewinnspiel
dürfen nur Mieter der STADT UND LAND
teilnehmen.
STADT UND LAND Journal Nr. 47 • Dezember 2014

Inhalt

Inhalt
Editorial

Grenzerfahrungen
Ein Datum war in den letzten Wochen in
aller Munde: der 9. November 1989, der
Tag des Mauerfalls. Die Öffnung der Grenze veränderte auch die Geschichte der
STADT UND LAND. Die Rückübertragung
des enteigneten Besitzes im Osten Berlins
und die Verschmelzung mit den Wohnungsbaugesellschaften Treptow und Hellersdorf haben das Unternehmen zu dem
gemacht, was es heute ist.
Ein ganz besonders interessantes und persönliches Interview zum Mauerfall hat uns
Wolfgang Thierse gegeben. Er lässt uns an
seinen Erfahrungen teilhaben und verweist noch einmal auf die Euphorie, die
vor 25 Jahren herrschte. Aber er führt uns
auch vor Augen, dass die Öffnung von
Grenzen unweigerlich zu Flüchtlingen
führt. Was damals Freudentränen auslöste,
stellt heute eine große Herausforderung
für die Stadt dar.
Halten wir die Herzen offen für diejenigen,
die nun unsere Hilfe benötigen. In diesem
Sinne wünschen wir Ihnen – auch im Namen aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der STADT UND LAND – ein besinnliches Weihnachtsfest und einen guten
Start in das Jahr 2015.
Anne Keilholz und Ingo Malter
Geschäftsführung

STADT UND LAND Journal Nr. 47 • Dezember 2014

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Aus Liebe zu alten Dingen
Kupferklopfer Niels Dettmer fertigt in der John-Locke-Siedlung ungewöhnlichen Schmuck.
25 Jahre Mauerfall
Exklusiv-Interview mit Bundestagspräsident a. D. Wolfgang Thierse über
die Zeit vor und nach der Wende.
Zuwachs am Bruno-Bürgel-Weg
Mit einem feierlichen Spatenstich wurde der Bau von 124 neuen Wohnungen eingeleitet.
Matchpoint für Komoß Mit einem ungewöhnlichen Konzept punktet der Bürgermeister von Marzahn-Hellersdorf im Kampf gegen Jugendarbeitslosigkeit.
50 Jahre John-Locke-Siedlung
Viele Erstmieter halten der Siedlung seit 1964 die Treue. Zwei Ehepaare
erinnern an den Einzug.
Zeitversetzt in Hellersdorf
Fototermin der BILD-Zeitung mit Simone und Sophia Thomalla in der
Museumswohnung.
Viel Stimmung zur Mieterjubiläumsfeier
Ganze 27.400 Jahre Wohntreue waren im Estrel-Hotel versammelt und
feierten zu ABBA-Hits.
Vorsicht an der Wohnungstür
Insbesondere Senioren geraten immer wieder ins Visier von Betrügern
oder windigen Vertretern.
Die Schildbeißer kommen!
Eine beeindruckende Ausstellung über die Wikingerzeit ist derzeit im
Martin-Gropius-Bau zu sehen.
Weihnachtsschmuck aus dem Bergwerk
Jeder kennt sie, jeder liebt sie: Schwibbögen aus dem Erzgebirge.

Impressum
Herausgeber:
STADT UND LAND
Wohnbauten-Gesellschaft mbH
Geschäftsbesorgerin der WoGeHe
Werbellinstraße 12, 12053 Berlin
Telefon: 030-6892 6205
Fax: 030-6892 6469
E-Mail: journal@stadtundland.de
Gesamtredaktion und ViSdP:
Frank Hadamczik,
Leitung Unternehmenskommunikation

Redaktionelle Mitarbeit: J. Hansen, M. Liske, M. Präkels,
I. Schwibbe, A. Setzepfandt
Fotos: C. Kruppa, S. Hobbiesiefken, Flickr, Fotolia, A. Polai
Herstellung:
stöbe mehnert. Agentur für Kommunikation GmbH
Scharnhorststr. 25, 10115 Berlin
Druck: Mundschenk Druck+Medien, J. u. M. Radlbeck GbR
Art-Direktion/Grafikdesign: stöbe mehnert. GmbH
Auflage: 39.000 Exemplare
Redaktionsschluss: 17.11.2014

3

Titel

Aus Liebe zu alten Dingen
Hausbesuch bei Kupferklopfer Niels Dettmer

Altes Handwerk für die Nachwelt zu

bewahren ist eine ehrwürdige Aufgabe,
die neben geschickten Fingern auch viel
Idealismus erfordert. Menschen, die
sich damit beschäftigen, leben und arbeiten oft auf romantischen Bauernhöfen oder in Kreuzberger Fabriketagen. In
der John-Locke-Siedlung, wo derzeit
umfassende Modernisierungsarbeiten
ausgeführt werden, würde man einen
solchen Enthusiasten wohl eher nicht
erwarten, schon gar nicht hinter der
frisch sanierten Fassade des Hochhauses
in der John-Locke-Str. 21. Genau dort
wohnt und arbeitet er aber: der Kupferklopfer Niels Dettmer.
„Hat gerade noch rechtzeitig aufgehört
zu regnen“, sagt Dettmer und deutet
stolz auf das grandiose herbstliche
Stadtpanorama hinter der Balkonbrüstung. „An guten Tagen schaut man hier
weit über die Stadtgrenzen hinaus bis zu
den Rüdersdorfer Kalksteinbrüchen.“
Mit einem zufriedenen Lächeln begibt
er sich in die Küche, um eine Drückkanne mit frisch gebrühtem Kaffee herbeizuholen. Die Kanne gehört – wie der
Computer auf dem kleinen Schreibtisch
und die Musikanlage – zu den wenigen
Dingen im Raum, die einen daran erinnern, dass man sich weiterhin im 21.
Jahrhundert befindet. Die meisten anderen Gegenstände verweisen in lang

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vergangene oder auch mythische
Zeiten. An manchen Regalen hängen
Wikingermesser oder mittelalterlich
wirkende Ledertaschen, auf anderen
stehen Specksteinschnitzereien und
verschiedene historische Trinkgefäße.
Über der Couch hängt ein riesiges Trinkhorn mit dem Motiv von Odins Maske
darauf.
„Am meisten beschäftige ich mich mit
dem Mittelalter und den Wikingern,
aber eigentlich mag ich alle alten Sachen“, erzählt Dettmer und deutet zum
Beleg auf einen gusseisernen Nähtisch
und die Bohrmaschine mit Handkurbel,
die an seinem winzigen Werktisch
klemmt. Die Leidenschaft für alles Alte
hatte er bereits als Kind. Aufgewachsen
im schönen, aber verschlafenen Lüneburg mit seinem bestens erhaltenen

hanseatischen Altstadtkern, begann er
schon früh, Steine, Scherben und rostige Hufeisen zu sammeln. Die Fähigkeit zu feinmotorischem Handwerk
entwickelte er bei Modellbauarbeiten.
1968 kam der zehnjährige Dettmer
dann zu seinem Vater nach Berlin und
erlebte die Stadt als Kulturschock. „Zum
einen war alles hier viel schneller als zu
Hause, zum anderen hatte ich vorher
nie eine U-Bahn oder auch nur einen
doppelstöckigen Bus gesehen.“ Vielleicht begann für ihn damals schon die
Vergangenheit zum eigenen Sehnsuchtsland zu werden, spätestens jedoch als er 1982 seiner ersten Ehefrau
nach Süddeutschland folgte. Hier arbeitete der gelernte Koch als Eisenflechter
auf dem Bau und genoss ansonsten in
vollen Zügen das neue romantische
Ambiente. „Überall standen alte Burgen
und Schlösser herum und es gab komplett mittelalterliche Stadtbilder wie in
Rothenburg ob der Tauber – das beeindruckte mich schon sehr.“
Die Ehe scheiterte und 1990 zog Dettmer zurück nach Berlin. Ein Jahr später
musste er wegen einer verschleppten
Lungenentzündung den Bauarbeiterberuf aufgeben und arbeitet seither im Sicherheitsdienst. Wenn er davon erzählt,
ist zu spüren, dass ihm diese Phase der
persönlichen Schicksalsschläge noch

STADT UND LAND Journal Nr. 47 • Dezember 2014

Titel

immer zu schaffen macht. Dennoch fällt in
diese Zeit auch die Geburt von „Niels der
Kupferklopfer“. Dettmer begann nun damit,
Mittelaltermärkte zu besuchen, wo ihn vor
allem die Arbeit der Schmiede faszinierte,
und suchte Anschluss zu anderen Mittelalter-Fans. Unter anderem zog es ihn ins
Kreuzberger „Arcanoa“, eine Szenekneipe
mit allerlei schmiedeeisernem Kunsthandwerk an den Wänden, einem plätschernden
Bach in der Mitte des Tresens und Live-Musik
mit historischen Instrumenten. „Ich lernte
bald die richtigen Leute kennen, fasste Mut
und fing an, mit einem eigenen Stand auf die
Märkte zu gehen. Anfangs war das nur ein
Ikea-Tisch mit einem Tuch drüber und
einem Mini-Amboss oben drauf ...“ Dettmer
lacht.
Heute hat er einen richtigen Stand mit dazugehörigem Zelt und er wird als „Darstellender Handwerker“ auch für Weihnachtsund Kunsthandwerkermärkte überregional
gebucht. Sein Markenzeichen ist – ganz
unmittelalterlich – ein schwarzer Dreispitz,
wie ihn die spanischen Offiziere während
des Reunionskrieges im 17. Jahrhundert erfanden, um sich vor dem niederländischen
Regenwetter zu schützen. Dettmer: „So genau darf man das nicht nehmen. Auch
handwerklich wird auf den Märkten zwar
nach historischem Vorbild gearbeitet, aber
am Ende zählt doch die Fantasie.“ So wie bei
den meisten Dingen, die Dettmer zu Hause
in der John-Locke-Straße herstellt. „Laute
Arbeiten kann ich hier natürlich nicht ausführen, gehämmert wird nur auf den Märkten. Aber die Ledertaschen und der Schmuck
werden hier hergestellt.“ Die Taschen sind
also auch von ihm? „Ja, klar. Alles handgenäht und aus pflanzlich gegerbtem Leder.
Ich lege viel Wert auf gutes Material.“ Bei
Gürtelschnallen, Kerzenständern und Deko-Artikeln ist das natürlich meist Kupfer,
bei Schmuck kommt aber auch anderes
zum Einsatz: Silber, Steine, Leder, MammuSTADT UND LAND Journal Nr. 47 • Dezember 2014

telfenbein, Bernstein und vieles andere.
„Das Neueste sind echte Pferdehufnägel.
Eine ganze Kiste davon hab ich über Ebay
erstanden und verarbeite sie jetzt zu Ohrringen und Anhängern“, schwärmt Dettmer und führt als Nächstes selbstrestaurierte oder aus Baustahl nachgebildete
historische Messer vor. Die Begeisterung des
Kupferklopfers für sein Handwerk ist groß,
aber nicht alles, was er präsentiert, ist selbstgefertigt. Aus dem Nebenraum holt er eine

Armbrust. Auch der englische Langbogen
gegenüber wird zuweilen benutzt. Damals
in Süddeutschland war Dettmer sogar Mitglied im Sportschützenverein. Heute jedoch steht das Handwerk im Vordergrund,
das Löten und Dengeln und Tüfteln. Und
zumindest seine Freundin Karla hat sich
davon anstecken lassen. Seit einiger Zeit
begleitet sie ihn gern auf die Märkte – in
passender Kostümierung, versteht sich. Der
18-jährige Sohn Sven dagegen frönt nebenan einer moderneren Leidenschaft: Computerspiele. „Wie alle Jungs in seinem Alter“, sagt Dettmer und lacht. Dann tritt er
an den eigenen PC, um eine neue Audiodatei anzuklicken. Zum Abschied erklingt
Mittelaltermusik mit Dudelsack und Laute.
Im Heim des Kupferklopfers, 14 Stockwerke
hoch über der Stadt, liegen Vergangenheit
und Gegenwart eben sehr nah beieinander.

Für die Leser des STADT UND LAND Journals
verlost Niels der Kupferklopfer ein Paar
selbstgefertigte Ohrringe, frei auszuwählen
auf seiner Website:
www.kupferklopfer.de

Einkaufstasche von Kaufland herbei, prall
gefüllt mit Kupferkesseln, -kännchen und
-pfannen. „Diese Sachen stelle ich nicht
her, die sind nur Dekoration für den Stand.“
Auch in der Wohnung ist manchmal schwer
zwischen Selbstgemachtem und Erworbenem zu unterscheiden. Ein modern erscheinendes Trinkgefäß erweist sich als
echte Antiquität, die mittelalterlichen Pfeilspitzen aber wurden von Dettmer geschmiedet. Nicht selbstgefertigt, aber trotzdem keine Deko sind die Strohzielscheibe
an der Wand und die dazugehörige Mini-

Welcher Wikinger erreichte als erster Europäer bereits um das Jahr 1000 Amerika?
a) Leif Eriksson
b) Wickie von Flake
c) Hägar der Schreckliche
Die Antwort bitte bis zum16.01.2015 an die
STADT UND LAND, Unternehmenskommunikation,Werbellinstraße 12, 12053
Berlin, E-Mail:
journal@stadtundland.de schicken
(Rechtsweg ausgeschlossen).

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Vermischtes

25 Jahre Mauerfall
Ein Gespräch mit Bundestagspräsident a. D. Wolfgang Thierse

Eine „Lichtgrenze“ aus 8.000 leuchtenden Ballons erinnerte am Jubiläumstag
an den einstigen Mauerverlauf und hatte viele begeisterte Besucher.
Foto: Flickr / Rolf Krahl

H

err Thierse, Sie haben nicht nur den
Mauerfall, sondern auch den Mauerbau
erlebt. Wie war das damals?

Haben Sie sich mit dem Gedanken befasst: Was wäre, wenn ich auf der anderen Seite gelebt hätte?

Im August 1961 war ich ein 17-jähriger
Oberschüler, also, wie man im Westen gesagt hätte, Gymnasiast im letzten Schuljahr. Der Mauerbau war ein wirklicher
Einschnitt in das eigene Leben. Das Grundgefühl, das sich einstellte, war: Jetzt sind
wir endgültig eingesperrt. Jetzt kommt
man nicht mehr aus diesem Land heraus.
Sie können sich vorstellen, wie finster die
Stimmung eines jungen Mannes war,
wenn er sich das vor Augen führte. Damals
wohnte ich nicht in Berlin, sondern in einer Kleinstadt nahe der bayrischen Grenze. 28 Jahre später lebte ich in Ostberlin
und wieder war die Grenze nicht weit weg,
nur war es die Grenze zum eingesperrten
Westberlin. Der 9. November war bei mir
ganz undramatisch. Wir waren zu Hause,
haben die Nachrichten im Westfernsehen
gesehen und zunächst nicht geglaubt, was
der Schabowski da sagt, weil wir ja generell
nicht geglaubt haben, was die SED-Herrschaften sagten. Erst als wir dann zu später
Stunde noch mal den Fernsehapparat einschalteten und Bilder von der Bornholmer
Straße sahen, dachten wir: Donnerwetter,
es stimmt ja wirklich! Aber da sind wir
auch noch nicht losgerannt, weil wir das
Erlebnis mit unseren Kindern teilen
wollten.

Der größte Teil meiner Familie ist durch die
Vertreibung im Westen Deutschlands gelandet, der kleinste Teil im Osten. Natürlich hat man sich das immer vorgestellt,
sich auch Gedanken gemacht, wie man
abhauen könnte. Aber den Beweis kann
man ja nicht antreten, für diese Spekulation. Denkbar ist, dass ich im Westen einen
anderen Beruf erworben hätte. Mein Vater
war Rechtsanwalt. Ich fand das immer einen vorzüglichen Beruf. Vielleicht wäre
ich im Westen auch Rechtsanwalt geworden, und ich hoffe, ein ganz guter Anwalt!

6

Bedeutet die DDR-Lebenserfahrung
heute vielleicht sogar einen Vorsprung,
betrachtet aus dem sicheren Abstand
von 25 Jahren und mit dem Wissen um
das Gelingen des friedlichen Umsturzes?
Ich würde es anders sagen: Die Westdeutschen müssen unterscheiden zwischen
dem System, das falsch war und überwunden wurde, und den Menschen, die darin
gelebt haben, mit ihren Biografien. Die
sind doch nicht alle gescheitert. Trotzig
sage ich immer, es gab ein richtiges Leben
im falschen System. Die Erfahrungen, die
da gemacht worden sind, vor allem die von
alltäglichen Solidaritäten, an die erinnere

ich mich gerne zurück. Und an die sollten
sich alle Ostdeutschen erinnern dürfen,
ohne dass sie die DDR, das System, verklären. Das ist das eine und das zweite ist, dass
wir doch wenigstens ein bisschen stolz
sein dürfen, darauf, dass wir da eine friedliche Revolution zustande gebracht haben,
die erfolgreich war. Wann hat´s das schon
in der deutschen Geschichte gegeben, dass
Freiheit und Einheit ohne Blutvergießen
zusammenkommen? Das sollten wir uns
auch nicht wegnehmen lassen, auch wenn
Helmut Kohl meint, solche Gedanken
seien dem Volkshochschulhirn von Thierse
entsprungen.
STADT UND LAND Journal Nr. 47 • Dezember 2014

Berliner
Vermischtes
Bezirke

Gedenkstätte der Berliner Mauer
Foto: Flickr / François–Philipp

Wie würden Sie einem heute 17-jährigen, der weder Mauerbau noch -fall erlebt hat, erklären, was der 9. November
1989 für die Menschen bedeutet hat?
Wenn man faktisch eingesperrt war und die
Grundrechte, die für junge Leute in
Deutschland jetzt so selbstverständlich
sind, einfach nicht galten – es gab keine Reisefreiheit, keine Meinungsfreiheit, keine
freien Wahlen, man wurde beobachtet und
kontrolliert – und sich plötzlich die Chance
eröffnet, dass das alles vorbei ist und dass
man plötzlich wieder Teil des gemeinsamen
Deutschland werden könnte, das war der
Glücksmoment. Deswegen war der wichtigste Ausruf dieser Tage „Wahnsinn!“, um
das vollkommen Überraschende dieses geschichtlichen Moments auszudrücken,
auch das Wunder, das darin lag.
Der Zauber dieser ersten Zeit verflog
schnell. Glauben Sie, dass die Menschen
neugierig genug aufeinander waren?
Solche euphorischen Momente können
nicht auf Dauer bleiben, das hält ja keiner
durch. Der Alltag ist immer nüchterner
und nicht so poetisch. Natürlich waren
nicht alle Deutschen neugierig aufeinander. Die meisten hatten doch gar nicht
mehr gehofft, dass sie zu Lebzeiten die
deutsche Einheit noch mal erleben. Insofern war nur ein Teil der Westdeutschen
wirklich neugierig auf das, was im Osten
passiert war. Das bedaure ich sehr. Die Ostdeutschen haben immer viel mehr mit
dem Blick nach Westen gelebt. Und weil
auch die Westdeutschen mit dem Blick
nach Westen, nach Frankreich und Amerika, lebten, konnte man sich nicht sehen.
Aber zum Glück gab es nicht nur familiäre,
STADT UND LAND Journal Nr. 47 • Dezember 2014

sondern auch andere innerdeutsche Beziehungen, ganz wesentlich von den Kirchen
getragen.
Damals kamen auch viele Menschen aus
anderen Ländern des zusammengebrochenen „Ostblocks“ auf der Flucht vor
Elend und Gewalt zu uns ...
Wir haben uns ja in den letzten Wochen an
die Flüchtlinge aus der DDR erinnert, die
Bilder aus der Prager Botschaft, von der
ungarisch-österreichischen Grenze und so
weiter. Da könnten wir doch noch mal neu
lernen, dass die Öffnung der Mauer, der
Zusammenbruch des kommunistischen
Systems, Teil eines viel umfassenderen Prozesses geworden sind, den wir Globalisierung nennen, also einer Überwindung von
Grenzen. Und eine Erscheinungsform der
Grenzenlosigkeit der Welt sind die Flüchtlinge. Wir müssen lernen, dass wir mit diesen Flüchtlingen anders umgehen müssen.
Wir brauchen Regeln und wir brauchen
eine Bereitschaft, Flüchtlinge aufzunehmen, zu integrieren und sie zu einem
selbstverständlichen und produktiven Teil
dieser Gesellschaft zu machen. Das ist eine
wirkliche Herausforderung.
Eigene und familiär überlieferte Fluchterfahrungen sind auch bei Willkommensinitiativen in Berlin und Brandenburg oft ein Leitmotiv. Menschen helfen,
weil sie die Situation begreifen ...
Insofern können wir doch etwas Positives
feststellen: Im Vergleich zur ersten Hälfte
der Neunzigerjahre, als es durch den Bürgerkrieg in Ex-Jugoslawien schon mal eine
große Flüchtlingswelle gab, ist die Stimmung heute erheblich positiver. Es gibt

viele schöne Beispiele, wo die Leute nicht
auf den Staat warten, sondern selbst etwas
tun, um Flüchtlingen zu helfen. Natürlich
hat der Staat durch Regeln, durch vernünftige Finanzierung, durch faire Aufgabenverteilung dafür zu sorgen, dass wir diese
Herausforderung auch bestehen. Aber es
ist eben nicht nur eine Aufgabe des Staates
und der Politik, also immer derer da oben,
sondern der Zivilgesellschaft. Da hat sich
etwas getan, das sollten wir auch weiterhin
befördern.
Glauben Sie, dass genug getan wird für
die Erinnerung an die Existenz zweier
deutscher Staaten, sodass die Gründe für
den Mauerbau und deren Fall in weiteren 25 Jahren noch präsent sind?
Wir erinnern uns auch 70 Jahre nach dem
Ende des Zweiten Weltkriegs und der NaziVerbrechensherrschaft noch an diese Zeit,
weil die Deutschen richtigerweise große
Anstrengungen unternommen haben und
die Kultur des Erinnerns bei uns einen hohen Rang hat. Ich wünsche mir etwas Vergleichbares für die Erinnerung an die DDR,
an die friedliche Revolution und an die
Wiedervereinigung, denn eine Gemeinschaft kann doch auch Kraft beziehen
durch die Erinnerung an etwas Positives,
an geglückte Geschichte. Der November
1989 war ja nicht nur eine deutsche Angelegenheit, sondern eine europäische, eine
Sternstunde in der Demokratiegeschichte
dieses Landes und unseres Kontinents. Gerade junge Leute sollten ein Gefühl dafür
bekommen, dass Freiheit und Demokratie
nicht selbstverständlich sind. Und das
kann man lernen durch die Erinnerung
daran, dass sie mühsam erkämpft wurden.

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BERLINER BEZIRKE

Ein weiteres Neubauprojekt
		auf den Weg gebracht
Spatenstich am Bruno-Bürgel-Weg

Die idyllische Lage direkt an der Spree

zeichnet dieses Neubauprojekt der STADT
UND LAND aus. Am Bruno-Bürgel-Weg 39
entstehen in den kommenden Jahren 124
Wohnungen in neun fünfgeschossigen
Gebäuden, einige davon direkt am Wasser
gelegen. Geplant ist ein familienfreundliches Quartier mit vielen 3- bis 4-Zimmer-Wohnungen, das über eine interessante Infrastruktur verfügt. Es gibt im
Umkreis alle Schulformen und eine Kita.
Die Waldorfschule Berlin-Südost grenzt
direkt an das Grundstück. Auf der anderen
Seite befindet sich eine große Sportanlage
mit Tennisklub.

Die durchschnittliche Wohnungsgröße
liegt bei 75 Quadratmetern, es wird aber
auch kleine 1-Zimmer-Wohnungen und
5-Zimmer-Wohnungen mit 120 m2 geben.
Die Miete wird sich an der Lage und der Ausstattung der Wohnungen orientieren und
voraussichtlich 6,50 Euro bis 10,50 Euro/m2
betragen. Diese Staffelung soll für eine gute
Durchmischung der Bewohner im neuen
Quartier sorgen. Aufgrund der schönen
Lage in einem sehr nachgefragten Kiez
ist dieses Neubauprojekt auch für die
STADT UND LAND etwas Besonderes. Am
10. November wurde symbolisch der erste
Spaten gestochen.

© ARCHITEKTURBÜRO S & P SAHLMANN

Erster Spatenstich der STADT UND LAND am Bruno-Bürgel-Weg 39 (v. l. n. r.: Ingo Malter, Bezirksbürgermeister Oliver Igel, Anne Keilholz, Staatssekretär Prof Dr.-Ing. Engelbert Lütke Daldrup, Aufsichtsratsvorsitzender der STADT UND LAND Dr. Christoph Landerer sowie Kinder der Kita Spreeknirpse)

Wohnungsbestand erneut
				durch Ankauf erweitert
Attraktives Ensemble in Neukölln erworben

G

emeinsam mit zwei anderen landeseigenen Wohnungsunternehmen, der GESOBAU und der WBM, hat die STADT UND
LAND ein Paket mit 1.807 Wohnungen
erworben, die nun ebenfalls unter die Regelungen des Berliner Mietenbündnisses
fallen. Bisher waren sie Teil des paneuropäischen Immobilienfonds EPISO. Die
Wohnanlagen in Tegel, Wedding und Neukölln wurden untereinander aufgeteilt:

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467 Wohnungen in Neukölln werden
künftig der STADT UND LAND gehören.
Es handelt sich überwiegend um 1- und
2-Zimmer-Wohnungen in einer schönen
teilsanierten Wohnanlage, die direkt an
das Tempelhofer Feld grenzt. „Durch diesen Ankauf erhöhen wir unseren Bestand
im aufstrebenden Bezirk Neukölln auf insgesamt knapp 8.000 Wohnungen“, so An-

ne Keilholz, Geschäftsführerin der STADT
UND LAND. „Wir setzen unsere Wachstumsstrategie fort, um bis zum Jahr 2018
mit einer Bestandserweiterung um rund
4.500 zusätzliche Wohnungen einen Gesamtbestand von 43.800 Mietwohnungen
zu erreichen“, so Keilholz weiter. In der
nächsten Ausgabe werden wir das neu erworbene Quartier vorstellen.

STADT UND LAND Journal Nr. 47 • Dezember 2014

BERLINER BEZIRKE

Erstes Richtfest
			seit 1996 gefeiert
Neubau am Sterndamm 89–91/Winckelmannstr. 10 geweiht

Im Mai fand in Anwesenheit des damaligen Bausenators Michael Müller der Spatenstich für das erste Neubauprojekt der
STADT UND LAND statt, am 14. November
2014 wurde nun das Richtfest gefeiert. Es
ist der erste Neubau seit 18 Jahren, der feierlich von den Zimmerleuten geweiht wurde. Am Sterndamm/Ecke Winckelmannstraße wuchsen in den vergangenen
Monaten zwei Gebäude mit insgesamt
31 Wohnungen und einer Demenz-WG in
die Höhe. Obwohl die Zimmerleute den
letzten Nagel bereits einige Tage vorher
eingeschlagen hatten, um das Gebäude
winterfest zu machen, wurde zünftig mit

Richtkrone und Richtspruch gefeiert. Damit wurde allen am Bau Mitwirkenden für
die geleistete Arbeit gedankt und dem
Haus und seinen künftigen Bewohnern
Sicherheit und Schutz gewünscht. Nun
beginnt der Innenausbau: Leitungen werden gelegt, die Heizung eingebaut und alle
Trockenbauarbeiten durchgeführt. Wenn
die Bauarbeiten weiterhin nach Plan verlaufen, können die Wohnungen zum Frühjahr 2015 bezugsfertig sein. Vorher müssen
noch die Zuwege gebaut und die Außenanlagen angelegt werden. Insgesamt investiert die STADT UND LAND in diesen
Neubau rund 7 Millionen Euro.

Grundstück für Neubau erworben
Das alte Gut Biesdorf wird zu neuem Leben erweckt

Im Hellersdorfer Stadtteil Alt-Biesdorf hat

die STADT UND LAND ein rund 36.000 m2
großes Grundstück erworben, auf dem in
den nächsten Jahren ca. 280 Wohnungen
entstehen werden. Es handelt sich dabei
um den alten Biesdorfer Gutshof, der direkt an der B1/5 liegt. Die STADT UND
LAND plant hier ein generationenübergreifendes Wohnprojekt mit einem En-

STADT UND LAND Journal Nr. 47 • Dezember 2014

semble aus Einzelgebäuden rund um den
alten Biesdorfer Gutsplatz, an dem sich
auch ein noch gut erhaltener Kuhstall in
märkischer Backsteingotik befindet. Er soll
künftig eine Pflegestation und ein kleines
Gewerbezentrum beherbergen. Die unmittelbar angrenzenden Gebäude werden
altersgerecht geplant und sich in das historische Bild einfügen. Moderne Dreige-

schosser mit familienfreundlichen Wohnungen sind an der Weißenhöher Straße
geplant. Durch unterschiedliche Ausstattungsmerkmale und Grundrisse sollen
Wohnungen für alle Alters- und Einkommensschichten entstehen, sodass eine gute Mischung der Bewohner im Quartier erreicht wird. Voraussichtlich 2015 starten
die Bauarbeiten auf dem Gelände.

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Berliner Bezirke

„Was ist draußen?“
Die U-Bahnlinie 5 ist nun auch eine Kunststrecke
cours über Hindernisse im öffentlichen
Raum. Ausgewählt wurden die Projekte
mittels einer Ausschreibung der neuen Gesellschaft für bildende Kunst (nGbK). Produktions- und Begegnungsort ist die „station urbaner kulturen“ am Cecilienplatz 5,
Station Kaulsdorf-Nord.

B

ereits seit Oktober trägt das ambitionierte Kunstprojekt „Was ist draußen?
Kunst im Untergrund“ zur ästhetischen
Belebung an der U5-Strecke zwischen
Hönow und Tierpark bei. Thematisiert
werden bei dieser Aktion gesamtstädtische
Zusammenhänge und Fragen der sozialen
Stadtentwicklung.
Bevölkerungswachstum und die Entwicklung des Immobilien-

marktes, so die Organisatoren, hätten dazu
geführt, dass es immer mehr Menschen
nach Hellersdorf und somit nach „draußen“ zieht. Zehn künstlerische Arbeiten
ungewöhnlicher Künstler reflektieren diesen Trend nun ein Jahr lang entlang der
U5. Die Palette reicht dabei von Planierwalzendrucken über die Einrichtung eines
U-Bahn-Radios bis hin zum Workout-Par-

Hier werden noch bis zum 14. Februar 2015
Zwischenergebnisse aus vier Projekten zu
sehen sein: „New Hell City“ von Roland
Boden, „Travelling E“ von Andreas Maria
Fohr, „Teletreff U5“ von Ulrike Gärtner
und Carsten Ludwig sowie „Hellersdorfer
Tapete“, eine Wandzeitung, die von der AG
Hellersdorfer Illustrierte gemeinsam mit
Anwohnern erstellt wird.

www.kunst-im-untergrund.de

„Oh du fröhliche ...“
Ein neuer Kammerchor bereichert das Musikleben in Hellersdorf
arbeitet. Die ehemaligen Musiklehrer Barbara und Otto Parr betrieben früher eine
Musikschule und ein Musikhaus in Hellersdorf und widmen sich nun mit großer
Hingabe dem neuen Projekt.

Was in einem kleinen Kreis von 12 Leu-

ten begann, nimmt weiter Formen an. Zusammengeführt von ihrer Leidenschaft
zur Musik folgten immer mehr Gesangbegeisterte einem Aufruf von Barbara Parr in
der Hellersdorfer Zeitung. Inzwischen ist
der „Kammerchor Biesdorf“ zu einer Größe

10

von 22 Frauen und Männern herangewachsen. Enthusiastisch und ambitioniert
wird das Liederrepertoire stetig breiter gefächert und unter der Leitung von Martin
Kondziella werden Stücke aus mehreren
Jahrhunderten bis in die Moderne von
dreistimmig bis sogar sechsstimmig ausge-

Die meisten Sängerinnen und Sänger verbindet eine lange Chor-Erfahrung. Mit
Freuden kommen die Mitglieder nicht nur
aus der unmittelbaren Umgebung, sondern nehmen zum Teil auch viele Kilometer auf sich, um jeden Mittwoch um 19.30
Uhr im Saal des Pflegewohnzentrums
in der Lily-Braun-Straße 54 zusammenzufinden. Derzeit wird ein Weihnachtsprogramm einstudiert, mit dem der
Kammerchor Biesdorf bei einem Adventskonzert erstmalig in Erscheinung treten
wird. Dieses findet am Mittwoch, dem
17.12.2014 um 19 Uhr, in der Krankenhauskirche im Wuhlgarten, Brebacher Weg
15 in 12683 Berlin statt.
Interessierte Zuhörer oder ambitionierte
Sänger sind herzlich willkommen.
STADT UND LAND Journal Nr. 47 • Dezember 2014

Berliner Bezirke

Matchpoint für Stefan Komoß
Marzahn-Hellersdorf vorbildlich im Kampf gegen Jugendarbeitslosigkeit

Jeremy Heinrich-Emden, Auszubildender
bei der Wahl GmbH

Drei Jahre ist es her, dass der Bürger-

meister von Marzahn-Hellersdorf, Stefan
Komoß, zwar viel Aufmerksamkeit, aber
auch einige Skepsis auf sich zog, als er verkündete, er wolle die Jugendarbeitslosigkeit in seinem Bezirk bis zum Jahr 2016 nahezu auf null bringen. Heute gibt es keine
Skeptiker mehr, denn tatsächlich ist die
Jugendarbeitslosigkeit seither um rund 40
Prozent zurückgegangen. Waren im Dezember 2011 noch 2.656 Jugendliche in
Marzahn-Hellersdorf arbeitslos gemeldet,
sind es nun nur noch 1.598 Jugendliche.
Der Grund für diesen erstaunlichen Aufschwung auf dem bezirklichen Arbeitsmarkt ist das von Komoß ins Leben gerufene Aktionsprogramm, und dessen Kern
wiederum ist die enge Zusammenarbeit
von Bezirk, Jobcenter, Arbeitsagentur,
Schulen und Unternehmen. Gemeinsam
entwickelten sie Anfang 2012 den „Masterplan für Arbeit und Ausbildung“, dessen
entscheidende Neuerung sich „Matchpoint“ nennt.
Der „Matchpoint“ ist ein im Rathaus beheimatetes gemeinsames Büro für jeweils

STADT UND LAND Journal Nr. 47 • Dezember 2014

einen Mitarbeiter von Bezirksamt, JobCenter und Arbeitsagentur. Hier werden
Angebote von rund 130 Unternehmen für
Betriebspraktika gesammelt und Praktikumsplätze an Schüler der neunten und
zehnten Klasse vermittelt. So können
deutlich mehr berufsorientierte Praktika
und Qualifizierungsmaßnahmen vom
Jobcenter angeboten werden.
Eine weitere Neuerung ist das „Berufswahlcoaching“. Hierbei geht es vor allem
darum, die Jugendlichen bei der klaren
Formulierung eines Berufswunsches zu
unterstützen, und zwar bereits vor Beendigung ihrer Schulzeit.
Zu diesem Zweck wurden spezielle Ansprechpartner in die zehn Integrierten Sekundarschulen im Bezirk entsandt, um
Schüler der achten Jahrgangsstufen entsprechend ihrer Interessen, Fähigkeiten
und Perspektiven individuell zu beraten.
Lernschwache Jugendliche können zudem
– und auch das ist neu – im 10. Schuljahr für
zwei Tage pro Woche in einem Unternehmen hospitieren, um sich dort intensiv auf
eine Ausbildung vorzubereiten.

Als Bürgermeister Stefan Komoß kürzlich
bei einem Pressetermin an der Caspar-David-Friedrich Schule noch einmal auf seine
Ankündigung, er wolle die Jugendarbeitslosigkeit bis 2016 auf null bringen, angesprochen wurde, erklärte er: „Man muss
manchmal die Dinge auch etwas offensiver formulieren, um sie erreichen und umsetzen zu können.“ Und weiter: „Auf null
sind wir noch nicht, aber auf einem guten
Weg in diese Richtung allemal.“ Auch dem
Berliner Senat ist das nicht entgangen. Um
vom Marzahn-Hellersdorfer Vorbild in Zukunft auch andere Bezirke profitieren zu
lassen, wurde Komoß unlängst in die Steuerungsrunde für die Jugendberufsagentur
im Land Berlin berufen.

MatchPoint
Rathaus Marzahn-Hellersdorf, Raum 210
Alice-Salomon-Platz 3
Tel.: 90293 20 -92 / -93 / -94

11

Berliner Bezirke

Alles ist Liebe –
		Schauplatz Neukölln

Am 28. März 2014 herrschten in Berlin

schon frühlingshafte Temperaturen, aber
am Richardplatz 25 in Neukölln stapfte der
Weihnachtsmann durch den Schnee. Im
Hof und in der Remise des Gebäudes wurde
für die romantische Weihnachtskomödie
„Alles ist Liebe“ gedreht, die nun im Dezember in den Kinos angelaufen ist.
Für die Anwohner war das Gebäude
nicht wiederzuerkennen: Kunstschnee
überzuckerte den Hof, Lichterketten illuminierten die Bäume und Weihnachtsdeko sorgte für gemütliche Atmosphäre.
Dazu dick eingepackte Schauspieler, darunter Nora Tschirner, Heike Makatsch und Elmar Wepper, und ein großes Filmteam.
Hauptthema der Komödie sind natürlich
die Irrungen und Wirrungen der Liebe, die
besonders in der Vorweihnachtszeit die
Herzen berühren.

12

STADT UND LAND Journal Nr. 47 • Dezember 2014

BERLINER BEZIRKE

Aus guter Tradition
Die Schöneberger Kneipe „Der Leuchtturm“

Ü

ber Berlin sagte der Publizist Karl
Scheffler einmal, die Stadt sei dazu verdammt, „immerfort zu werden und niemals zu sein“. Beim Blick auf die Vielzahl
kurzlebiger Kulturorte, Szenebars und
Trendrestaurants kann man dem nur zustimmen. Aber es gibt auch Oasen im ewigen Wandel, Orte, die irgendwie schon
immer da waren, gut sind, gut bleiben und
bei denen der Zeitgeist vor der Tür bleiben
muss. Ein solcher Ort ist der „Leuchtturm“
in der Schöneberger Crellestraße, eine
echte Kiezkneipe mit großer Tradition.
1964 eröffnet, trat der Leuchtturm ein viel
älteres gastronomisches Erbe an, denn
nachweislich gab es schon seit 1896 eine

Kneipe an dieser Stelle. In den wilden Sechzigern eroberten die revoltierenden Studenten das Lokal und ab 1971 lockte der
neue Besitzer, Schauspieler Frieder Rometsch, allerlei Prominenz an den Tresen.
Heiner Müller verkehrte hier ebenso wie
Wim Wenders, Die 3 Tornados oder der
Satiriker Michael Bootz. 1994 wechselte
abermals der Besitzer. Seither ist es die Aufgabe von André Polai, die Tradition zu
wahren. Und das tut er.
Der alte Keramik-Leuchtturm in der Ecke
hat seine Patina ebenso behalten dürfen
wie die goldgerahmten Ölschinken an den
Wänden und der Rest des Interieurs. Die
Bouletten werden heute zwar aus Neuland-Fleisch gemacht, sind aber immer
noch eine Wucht. Es gibt eine Reihe erstklassiger Malt-Whiskys, die – wie es sich
gehört – ohne Messbecher ausgeschenkt
STADT UND LAND Journal Nr. 47 • Dezember 2014

werden, und einen Kickertisch, der auch
schon 40 Jahre auf dem Buckel hat. Auch
Live-Musik kann man hier zuweilen erleben, aber hauptsächlich wird im Leuchtturm geredet und getrunken. Die Gesichter
der Gäste spiegeln dabei alle Phasen der
langen Kneipengeschichte. In der Ecke
brütet ein in Ehren ergrauter Altachtundsechziger bei einer Weißweinschorle über
der Taz, am Tresen prosten sich vorwiegend schwarzgekleidete Szene-Veteranen
der Achtzigerjahre zu und draußen genießen junge Schöneberger von heute mit
farbenfrohen Cocktails die letzte Herbstsonne. So ist es im Leuchtturm. So war es
und wird es – hoffentlich – immer sein.

Leuchtturm
Crellestraße 41, 10827 Berlin
www.leuchtturm-kneipe.de

13

BERLINER BEZIRKE

50 Jahre John-Locke-Siedlung
Licht, Luft und Sonne in Lichtenrade

Am 30. Juli 1964 zog das frisch gebackene

Ehepaar Wehling direkt nach der Schlüsselübergabe mit Sack und Pack in eine kleine Wohnung in den Block A in der
Steinstraße. Da sich alle anderen Neumieter an den offiziellen Bezugstermin 1. August 1964 hielten, können die beiden mit
Fug und Recht behaupten, die ersten Bewohner der John-Locke-Siedlung gewesen
zu sein. Das Anmietprozedere gestaltete
sich damals für das junge Paar nicht so einfach. Viele Dokumente mussten vorgelegt
werden, von der Ungezieferfreiheitsbescheinigung bis zur Heiratsurkunde. Doch
ihrer ersten Wohnung blieb die Familie
lange treu. Erst im Jahr 2000, bereits nach
dem Auszug der Tochter, bezogen die Wehlings eine größere Drei-Zimmer-Wohnung
ebenfalls in der Steinstraße. Sie haben die
Entwicklung der Siedlung von Anfang an
miterlebt, viele Freundschaften geschlossen und nachbarschaftliches Leben organisiert. Viele junge Familien zogen damals
nach Lichtenrade, denn die neuen Gebäude boten einen guten Wohnkomfort. Heute sind die Kinder aus dem Haus, aber das
gute nachbarschaftliche Verhältnis ist über
die vielen Jahre geblieben. Das schätzen
die Wehlings besonders und fühlen sich in
ihrer Siedlung noch immer Zuhause.
Licht, Luft, Sonne
Die John-Locke-Siedlung umfasst heute
über 1.800 Wohnungen, davon entstanden
1.600 Mitte der 60er-Jahre. Damals waren
Wohnungen knapp und für den Bezug der
Neubauten war ein WBS erforderlich. Den
erhielten vor allem Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes. Sie sollten in der Stadt
gehalten werden, deren Zukunft nach dem
Mauerbau vielen nicht mehr rosig erschien. Nun steht die Sanierung und Modernisierung dieser Wohnungen an, um
die Ausstattung heutigen Erfordernissen
anzupassen. Unabhängig von der Wohnungsausstattung bietet die ganze Siedlung nach wie vor besondere Annehmlichkeiten.
Die städtebauliche Idee des „Wohnens im
Park“ mit vielfältigen Gebäudetypen, weiten Rasenflächen und Baumgruppen ermöglicht Weitläufigkeit und Blicke ins
Grüne. Die Häuser wurden so gebaut, dass

14

Dieses Dokument war die Voraussetzung für den Bezug der Wohnung.

alle Wohnungen Licht, Luft und Sonne
haben. Fast jede Wohnung hat einen Balkon. Für die Kinder gibt es viele Spiel- und
Bolzplätze, in der Mitte der Siedlung ein
kleines Gewerbezentrum für die Nahversorgung.
Das alles muss nun nach 50 Jahren ebenfalls überholt werden und verlangt den
Mietern einiges ab. Neben der Sanierung
der eigenen vier Wände, die mit einem

mehrwöchigen Auszug verbunden ist, befindet sich das Gewerbezentrum im Umbau und in den Grünanlagen kommt es zu
Schnitt- und Rodungsarbeiten, um ursprüngliche Sichtachsen wieder herzustellen, das Sicherheitsgefühl zu verbessern
und Baufreiheit zu schaffen. Die städtebauliche Qualität der 1960er-Jahre wird
dadurch wieder aufgewertet, aber auch den
heutigen Erfordernissen angepasst.

STADT UND LAND Journal Nr. 47 • Dezember 2014

BERLINER BEZIRKE

Ehepaar Schoebe (links) und Ehepaar Wehling feierten gemeinsam ihr 50. Mieterjubiläum. Sie sind seit über 50 Jahren befreundet.

Große Grünanlagen prägen das Bild der
John-Locke-Siedlung, die in den nächsten Jahren
saniert wird. Die beiden Hochhäuser in der
Bildmitte sind inzwischen fast fertiggestellt.

Gewinner aus dem
Journal Nr. 46
Herzlichen Glückwunsch!

Gewinnspiel „Berlinrätsel“
Lösung: c) 1999
E. Wicke,10965 Berlin
Fünf Fragen an Peter Schoebe, den Sprecher des Mieterbeirats
Herr Schoebe, Sie sind ebenfalls 1964 in
die Steinstraße gezogen. Kennen Sie Familie Wehling?
Ja, wir kannten uns sogar schon vor dem
Einzug, weil wir beide als Polizisten tätig
waren. Da kamen wir in den Genuss des
benötigten WBS und zogen beide in die
Steinstraße. Wir sind bis heute mit den
Wehlings befreundet und haben auch die
Mieterjubiläumsfeier im Estrel gemeinsam
besucht.
Wie hat sich Ihr Leben in der John-Locke-Siedlung gestaltet?
Im Großen und Ganzen sehr angenehm.
Anfangs gab es kaum Nahverkehr, aber das
hat sich schnell gebessert. Dann sind Kitas
und Schulen gebaut worden und viele
Spielplätze entstanden. Für Familien wurde es eine richtig schöne Siedlung, auch
weil sich die Mietergemeinschaft so gut
entwickelt hat. Später sind die Bewohner
viel internationaler geworden und haben
die Nachbarschaft positiv bereichert.
STADT UND LAND Journal Nr. 47 • Dezember 2014

Welche Ereignisse der letzten 50 Jahre
sind Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Gewinnspiel Hotel „Zur Alten Oder“
Lösung: Peter Joseph Lenne
Belinda Szepansky-Samter, 12101 Berlin

Da kann ich nur noch einmal die große
Solidarität unter den Mietern hervorheben. Wir haben gemeinsam gefeiert, uns
geholfen und es gab und gibt ein großes
Gemeinschaftsgefühl.

Gewinnspiel „Naturkundemuseum“
5x Familienkarte
Steffen Baumann, 12435 Berlin
Regina Berg, 12619 Berlin
Lydia Schwitin, 12619 Berlin
Uwe Haupt, 12439 Berlin
Michael Bahr, 12101 Berlin

Seit wann engagieren Sie sich im Mieterbeirat und warum?
Seit mindestens 30 Jahren bin ich dabei. Ich
war Polizist und mir lag es immer am Herzen, dass die Siedlung nicht abrutscht. Ein
früherer Geschäftsführer hat uns mal als
seine Außendienstmitarbeiter bezeichnet.
Was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Wir sind ja auch von der Sanierung betroffen und sehen ihr mit gemischten Gefühlen entgegen. Einerseits ist es notwendig,
dass was gemacht wird, andererseits hat
man in den letzten Jahrzehnten viel in die
eigenen vier Wände investiert. Ich hoffe,
dass wir das gut und halbwegs stressfrei
überstehen.

5x 2 Einzelkarten
Karsten Klintzsch, 12439 Berlin
Paul Prasser, 12627 Berlin
Isolde Walter, 12619 Berlin
Daniela Simon, 12524 Berlin
Udo Geissler, 12627 Berlin
Gewinnspiel Büchertipps
Das Rosie-Projekt
Barbara und Klaus Brassat, 12355 Berlin
Der Ruf des Kuckucks
Silke Medeke, 12249 Berlin
Die Schatzinsel
Susanne Vollack, 12053 Berlin

15

SERVICE

Wer hört, der hilft
Neujahrskonzert für einen guten Zweck

D

as UNIONHILFSWERK steht als Träger
der Freien Wohlfahrtspflege für vielschichtiges soziales Engagement und Hilfe zur Selbsthilfe. Seit 2004 ergänzt eine
Stiftung die Arbeit des Vereins und konzentriert sich dabei auf die Bereiche, in
denen das UNIONHILFSWERK in den
letzten Jahren besondere Kompetenzen
erworben hat.
Im Mittelpunkt der Stiftungsarbeit stehen
die Förderung der Hospizbewegung, die
Schulung von freiwilligen Lebens- und
Sterbebegleitern sowie die Mobilitätsförderung für Menschen mit Behinderung.
Es geht vor allem darum, die individuelle
Lebensqualität für Hilfebedürftige zu verbessern.

Mit Benefizkonzerten unter dem Motto
„Wer hört, der hilft“ wird besonders die
Alters-Hospizarbeit in Pflegeheimen unterstützt. Auch das Neujahrskonzert am
4. Januar 2015 im Konzerthaus Berlin
am Gendarmenmarkt dient diesem Ansinnen.
Das Programm umfasst die schönsten Arien, Duette, Chöre und Szenen aus bedeutenden Werken, darunter Die Macht des
Schicksals (Guiseppe Verdi), Faust (Charles
Gounod), Der Bettelstudent (Carl Millöcker) und Paganini (Franz Lehár).
Die Staatskapelle Halle wird durch Mitglieder der Berliner Opernchöre unterstützt und verspricht einen spannenden
musikalischen Auftakt ins neue Jahr.

VERLOSUNG
STADT UND LAND unterstützt die Arbeit
der Stiftung durch den Ankauf von 10 x 2
Eintrittskarten, die wir unter den Lesern
des Journals verlosen.
Neujahrskonzert
im Konzerthaus am Gendarmenmarkt
4. Januar 2015
15 Uhr
Bitte schreiben Sie bis zum 28.12.2014 an
die STADT UND LAND, Unternehmenskommunikation,Werbellinstraße 12,
12053 Berlin, E-Mail: journal@stadtundland.de (Rechtsweg ausgeschlossen).

BR Volleys vor einer
						„Saison der Reize“

D

er Deutsche Meister BERLIN RECYCLING Volleys hat für die Saison 2014/
2015 das Motto „Saison der Reize“ ausgegeben. Nach zuletzt drei Meistertiteln in
Serie will der Hauptstadtclub auch in der
neuen Spielzeit „die Erfolgsgeschichte der
letzten Jahre fortschreiben“, wie Manager
Kaweh Niroomand bekräftigte. Der Club
möchte vor allem in Europa einen Schritt
weiter kommen und erstmals am Finalturnier der Champions League teilnehmen:
Entweder durch die sportliche Qualifikation oder als Ausrichter, so der Manager über
das ehrgeizigste BR-Volleys-Projekt der
nächsten Monate.

16

Die oben erwähnten „Reize“ betreffen vor
allem den Spielerkader der Berliner, die
vier Neue verpflichtet haben: Mit dem
langjährigen Kapitän der niederländischen
Nationalmannschaft Rob Bontje (Mittelblock), dem Italiener Francesco De Marchi
(Außen-Annahme) und dem vom VfB
Friedrichshafen gekommenen Christian
Dünnes (Universal) wurde das BR-VolleysTeam durch reichlich Erfahrung verstärkt.
Außerdem wechselte mit US-Nationalspieler Erik Shoji (Libero) der jüngere Bruder
von Zuspieler Kawika an die Spree. Trainer 
Mark Lebedew sieht in Rekordmeister VfB
Friedrichshafen den härtesten Rivalen im
Kampf um die Deutsche Meisterschaft.

VERLOSUNG
Als Premiumpartner der BR Volleys verlosen wir je 5 x 2 Karten für die hier angegebenen Spiele der aktuellen Saison in der
Max-Schmeling-Halle.
Bitte schreiben Sie eine Mail/Karte mit
Ihren Kontaktdaten und Ihrem Wunschtermin an die STADT UND LAND, Unternehmenskommunikation,Werbellinstraße
12, 12053 Berlin, E-Mail: journal@stadtundland.de (Rechtsweg ausgeschlossen).
Einsendeschluss: 02.01.2015

Spieltag

Uhrzeit

Spiel

Sonntag, 18.01.2015

15.00 Uhr

BR Volleys - VFB Friedrichshafen

Mittwoch, 21.01.2015

19.30 Uhr

BR Volleys - Rivijera BUDVA

Mittwoch, 04.02.2015 

19.30 Uhr

BR Volleys - TV Rottenburg

Samstag, 14.02.2015

18.30 Uhr

BR Volleys - VSG Coburg/Grub

Samstag, 21.02.2015

19.30 Uhr

BR Volleys - SWD powervolleys Düren
STADT UND LAND Journal Nr. 47 • Dezember 2014

BERLINER BEZIRKE

Zeitreise in Hellersdorf

Unsere neuen Gewerbemieter:
Wir wünschen Ihnen einen guten Start
und viele treue Kunden!

Fototermin mit den Thomallas in der Museumswohnung
Yasar Ekinci
Alte Hellersdorfer Str. 130, Hellersdorf
Bistro mit deutscher Küche
Alexander J. Herrmann
Cecilienplatz 4, Hellersdorf
Bürgerbüro
Unverfehrt Transportservice GmbH
Cecilienstr. 232, Hellersdorf
Büro/Lager
Robert Kasch/Marko Höhne
Lorenzweg 2, Tempelhof
Büro für Finanzdienstleistungen
Pfandhaus J. B. GmbH
Kolonnenstr. 1 und 4, Schöneberg
Pfandhaus
© OLIVER RATH FÜR BILD

Im letzten Heft hatten wir sie schon vor-

gestellt: die Museumswohnung in Hellersdorf, die seit 10 Jahren ein Stück DDR-Alltag atmosphärisch bewahrt.
Kein Wunder, dass dieses Ostalgie-Kleinod
nun für ein Modeshooting zum 25. Jahrestag des Mauerfalls gebucht wurde.

Die Schauspielerinnen Simone und Sophia
Thomalla ließen sich hier in passenden
Outfits vom Fotografen Oliver Rath für die
BILD-Zeitung ablichten. Dabei hatte besonders Simone Thomalla das ein oder
andere Aha-Erlebnis am Plattenschrank.

J. Borck, U. Kreyssig, K. Kramer
Crellestr. 21 Gewerbehof, Schöneberg
Supervisionscentrum Berlin
FAB e. V.
Hauptstr. 9, Schöneberg
Betreuung von Familien u. Kindern
Abdallah Ünlü
Hauptstr. 9, Schöneberg
Spiele, Konsolen, Handys
Yuk Wan Lee, Yuk Ying Liu
Neuköllner Str. 302, Tempelhof
Restaurant „GOOD TIMES“
Zohreh Gazi Shoar
Kolonnenstr. 64, Schöneberg
Maß- u. Änderungsschneiderei
Thi Ngoc Dryja
Brückenstr 28, Treptow
Nagelstudio
Maher Ben Ammar
Bruno-Bürgel-Weg 50, Treptow
Italienisches Restaurant
Arno Tillack
Ortolfstr. 210, Altglienicke
Physiotherapie
Halbmeyer/Friedrici GbR
Wildenbruchstr. 52, Treptow
Büro

© OLIVER RATH FÜR BILD

STADT UND LAND Journal Nr. 47 • Dezember 2014

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VERMISCHTES

Viel Stimmung
			zur Mieterjubiläumsfeier
Besondere Auszeichnung für langjährige Mieter

Die Ehrung besonders treuer Mieter hat
bei STADT UND LAND Tradition. Sind sie
es doch, die sich besonders gut um ihre vier
Wände kümmern, Nachbarschaften pflegen und sich für Ordnung und Sauberkeit
einsetzen. Am 24. Oktober fand die diesjährige Mieterjubiläumsfeier im Estrel-Hotel statt und über 900 eingeladene Mieterinnen und Mieter kamen zu einem
fröhlich-festlichen Nachmittag. Mit der
Veranstaltung bedankte sich die STADT
UND LAND für die jahrzehntelange Mietertreue: „In diesem Saal sitzen rund 27.400
Jahre Wohntreue“, so Geschäftsführer Ingo Malter in seiner Begrüßungsrede. Besonders begrüßte er vier Paare aus Tempel-

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hof, die seit nunmehr 60 Jahren bei der
STADT UND LAND wohnen. „Sie haben
einen Großteil ihres Lebens in ihrer Wohnung verbracht und mit ihrem Vermieter
Höhen und Tiefen erlebt. Das ist schon etwas ganz Außergewöhnliches in der heutigen Zeit“, zeigte sich Malter beeindruckt.
Überwiegend aus Neukölln kamen die
Mieter, die bereits ein halbes Jahrhundert
bei STADT UND LAND wohnen. Die
40-Jahre-Jubilare kamen mehrheitlich aus
Treptow, die 30er aus Tempelhof und die
große Gruppe der 25-Jahre-Jubilare aus
Hellersdorf. Sie zogen noch kurz vor dem
Mauerfall in die neu erbauten Häuser, die

damals einen ganz neuen Wohnkomfort
boten. In den letzten 25 Jahren haben sie
einen Stadtteil im Wandel erlebt, der zwischenzeitlich viele Einwohner verloren
hatte und nun die niedrigste Leerstandsquote des Unternehmens aufweist.
Der Mythos ABBA zog die Gäste auch in
diesem Jahr wieder in seinen Bann und
von den Stühlen. Obwohl die Band 1982
ihren letzten Fernsehauftritt hatte, lebt das
Pop-Phänomen auch heute noch weiter.
Die größten Hits noch einmal „live in concert“ zu erleben ist ganz so, als stünde ABBA selbst auf der Bühne. Die gut besuchte
Autogrammstunde war dafür ein Beleg.

STADT UND LAND Journal Nr. 47 • Dezember 2014

Service

Frischluft für die Gesundheit
Gesund wohnen und Geld sparen durch richtiges Heizen und Lüften

Kochen in Bädern und Küchen. Deshalb
empfiehlt sich dort eine unmittelbare, intensive Lüftung, d. h. das Fenster kurzzeitig weit öffnen. Wenn es nur eingeschränkte Lüftungsmöglichkeiten gibt, ist es
ratsam, die Feuchtigkeit von den Wänden
zu entfernen. Dafür eignet sich z. B. ein Fensterabzieher, der die Fliesen sofort trocknet.

S

chimmel in der Wohnung ist nicht nur
ein optisches, sondern vor allem ein gesundheitliches Problem. Deshalb ist der
Schreck groß, wenn Nässeflecken oder
Schimmel in den eigenen vier Wänden
entdeckt werden. Für viele Mieterinnen
und Mieter scheint die Ursache auf der
Hand zu liegen: Eine undichte Außenwand, ein defektes Dach oder der Nachbar
ist schuld. Dabei kommt die Feuchtigkeit
meistens von innen – fast immer aus der
Raumluft. Das richtige Lüftungsverhalten
kann deshalb entscheidend für gesunde
Wohnräume sein, besonders in sanierten
und wärmegedämmten Häusern.
Das Umweltbundesamt rät, Räume abhängig von ihrer Funktion und Nutzung zu
lüften: Feuchtigkeit soll dort entfernt werden, wo sie entsteht. Besonders viel entsteht natürlich durch Duschen, Baden und
STADT UND LAND Journal Nr. 47 • Dezember 2014

Auch im Schlafzimmer wird die Luft
feucht, wenn bei geschlossenem Fenster
geschlafen wird. Jeder Mensch gibt im
Schlaf pro Nacht über Haut und Atemluft
rund einen halben Liter Feuchtigkeit ab.
Bei zwei Personen ist es mindestens ein
Liter. Deshalb gilt auch hier: Wer nicht
mit gekipptem Fenster schläft, sollte
morgens das Fenster weit öffnen, um einen intensiven Luftaustausch zu ermöglichen.
Im Wohnzimmer sorgen Pflanzen, Wäscheständer oder Zimmerspringbrunnen
für Feuchtigkeit. Spätestens dann, wenn
die Luftqualität als schlecht empfunden
wird oder Wassertropfen an den Fensterscheiben sind, ist eine Stoßlüftung wichtig. Insbesondere ständiges Wäschetrocknen führt schnell zu Schimmelbildung,
wenn nicht ausreichend gelüftet wird und
Möbel eng an den Außenwänden stehen.
Dann kann die Luft nicht ausreichend zirkulieren, Feuchtigkeit kondensiert und der
Schimmel hat ein leichtes Spiel.
Optimal ist es, wenn die Wohnung mehrmals am Tag richtig durchgelüftet wird,

d. h. Fenster und Türen auf, sodass die frische Luft durch die Wohnung strömen
kann. In dieser Zeitspanne von ca. 5–10
Minuten in der kalten Jahreszeit sollten die
Heizungen abgedreht werden, um unnötige Heizkosten zu vermeiden. Die frische
Luft heizt sich übrigens schnell wieder auf,
sodass in kurzer Zeit wieder ein behagliches und vor allem gesundes Raumklima
herrscht. Die Verbraucherzentrale empfiehlt eine Raumtemperatur von ca. 22° C
und eine relative Luftfeuchtigkeit von
35–60 %. Mit einem handelsüblichen
Thermo-Hygrometer (misst Temperatur
und Luftfeuchtigkeit) können die Werte
gut überprüft werden.

Spartipp 1:
Vermeiden Sie in der Heizperiode „Dauerlüften“ über offene oder gekippte Fensterflügel.
Spartipp 2:
Schließen Sie beim Lüften die Heizkörperthermostate.
Spartipp 3:
Eine kontinuierlich schwache Beheizung
trägt mehr zur Einsparung von Heizkosten
bei als ein ständiges Regulieren über die
Thermostate.
Spartipp 4:
Eine Absenkung der Raumtemperatur um
1° C senkt die Heizkosten um rund 6 %.

19

SERVICE

Vorsicht an der Wohnungstür!
Betrüger haben vor allem Senioren im Visier
Aber auch wenn sich Besucher zuvor telefonisch angemeldet haben, ist Vorsicht
geboten. Eine besonders hinterhältige Betrugsart, die mit einem Telefonat beginnt
und meist auf gutgläubige Senioren zielt,
ist der sogenannte „Enkeltrick“. Der funktioniert so, dass sich der Anrufer als ein
lang verschollener Enkel oder Neffe ausgibt, der in einer Notlage steckt und kurzfristig Geld braucht. Die Abholung der
Summe erfolgt dann in der Regel über einen Dritten, einen „Freund“ oder Boten.
Hierzu rät die Polizei:
•	Seien Sie stets misstrauisch, wenn sich
jemand am Telefon nicht selbst mit Namen vorstellt, und legen Sie auf, wenn
Ihr Gesprächspartner Geld von Ihnen
fordert.
•	Vergewissern Sie sich bei anderen Familienangehörigen, ob der Anrufer
wirklich ein Verwandter ist.
•	Geben Sie niemals Details zu Ihren familiären oder finanziellen Verhältnissen preis.

Das Telefon und die Wohnungstür sind

unsere Direktverbindungen zur Welt und
gleichzeitig oftmals das Einfallstor für allerlei zwielichtige Gestalten in unsere Privatsphäre. Wer uns am Telefon oder an der
Wohnungstür kontaktiert, erreicht uns
persönlich und unmittelbar. Er kann –
schriftlich oder mündlich – verbindliche
Verträge mit uns schließen, ohne uns Bedenkzeit zu lassen. Er kann private Details
über uns erfahren und er kann diese in betrügerischer Absicht gegen uns verwenden.

für eine scheinbar gute Sache. Solche Hausbesuche dienen häufig nur dazu, herauszufinden, ob sich ein späterer Einbruch in der
Wohnung lohnen könnte. In anderen Fällen werden dabei auch direkt Wertgegenstände gestohlen – beim Gang auf die Toilette oder wenn der Mieter gerade abgelenkt
ist. Die Polizei rät daher:
•	Lassen Sie keinen Fremden in Ihre Wohnung, auch keinen Handwerker, sofern
Sie ihn nicht selbst bestellt haben.

Bei den meisten Betrugsfällen an der Haustür handelt es sich um sogenannte Haustürgeschäfte.

•	Öffnen Sie die Tür nur bei vorgelegter
Kette oder Sperrriegel und schauen Sie
vorher durch den Spion.

Das können zum Beispiel Ratenkaufverträge oder Abonnements aller Art sein. Allerdings gilt hierbei ein 14-tägiges Widerrufsrecht, weshalb man zumindest im
Nachhinein noch Bedenkzeit hat. Problematischer sind solche Fälle, wo sich der
ungebetene Besucher Zutritt zur Wohnung
verschafft, verkleidet als Handwerker, als
Vertreter oder als Unterschriftensammler

•	 W
 ehren Sie sich gegen zudringliche
Besucher oder rufen Sie um Hilfe.

20

•	
Unterschreiben Sie nie etwas unter
Zeitdruck.
•	 W
 echseln Sie niemals Geld an der
Haustür. Sie könnten – beispielsweise
durch Falschgeld – betrogen werden.

•	Übergeben Sie auf keinen Fall Geld an
unbekannte Personen und informieren Sie sofort die Polizei, wenn Ihnen
ein Anruf verdächtig vorkommt.
Dies sind nur wenige Beispiele dafür, mit
welchen Tricks Kriminelle in unser Leben
vordringen können. Über weitere Betrugsvarianten und die richtigen Vorbeugungsmaßnahmen gegen Einbrüche informiert
die Zentralstelle für Prävention im Landeskriminalamt. Dort ist auch die empfehlenswerte Broschüre „Der goldene Herbst“
erhältlich, mit vielen Sicherheitstipps speziell für Senioren.

Landeskriminalamt
Zentralstelle für Prävention
Platz der Luftbrücke 6
12101 Berlin
Tel. (030) 4664-979113
www.polizei-beratung.de
STADT UND LAND Journal Nr. 47 • Dezember 2014

SERVICE

Bürger helfen Bürgern
Immer mehr Berliner engagieren sich ehrenamtlich

In einem bekannten Scherzgedicht heißt

es: „Willst Du froh und glücklich leben/
lass kein Ehrenamt dir geben!“ Fälschlich
zugeschrieben wird dieser Text wahlweise
Wilhelm Busch oder Joachim Ringelnatz,
der tatsächliche Autor aber ist bis heute
unbekannt geblieben. Insofern kann man
davon ausgehen, dass er für seine Zeilen
nie entlohnt wurde, und das macht ihn
(nach heutigem Verständnis) zu einem
„ehrenamtlichen“ Dichter. Denn im Vergleich zu früheren Zeiten, wo unter dem
Begriff Ehrenamt ausschließlich unentgeltliche Posten in Politik und Verwaltung
oder die freiwillige Armenfürsorge verstanden wurden, bezeichnet man damit heute
alle nützlichen Tätigkeiten, die ohne Gewinnerwartung ausgeführt werden. Und
davon gibt es immer mehr, auch weil sich
bei vielen Menschen inzwischen die Erkenntnis durchsetzt, dass hilfreiche Arbeit
Spaß machen kann. Schon heute engagieren sich 23 Millionen Menschen in
Deutschland ehrenamtlich, und gerade
Rentner entdecken zunehmend den ehrenamtlichen Beschäftigungssektor.
Möglichkeiten für freiwilliges Engagement
gibt es in vielen Bereichen. Ob Senioren-,
Kinder- oder Jugendarbeit, Tierschutz-,
Sport- oder Kulturprojekte – für nahezu
alle persönlichen Interessen und Fähigkeiten findet sich ein passendes Tätigkeitsfeld.
Auch Menschen mit Erfahrung in Verwal-

STADT UND LAND Journal Nr. 47 • Dezember 2014

tungsaufgaben wie Personalmanagement
oder Buchhaltung werden oft dringend
benötigt. Und wenngleich es keine wirkliche finanzielle Entlohnung gibt (bestenfalls eine Aufwandsentschädigung), an
Anerkennung mangelt es nicht. So vergibt
ein breites Bündnis von Sparkassen, Bundestagsabgeordneten, Städten, Landkreisen und Gemeinden alljährlich den Deutschen Bürgerpreis und in Berlin werden
zusätzlich diverse Ehrenamtspreise auf Bezirksebene verliehen.

zeichnete zuletzt 110 Aussteller mit mehr
als 400 kompetenten Beratern und rund
2.000 interessierte Besucher. Sie alle widerlegten mit ihrem Engagement eindrucksvoll das anfangs zitierte Scherzgedicht.
Denn: Wer anderen Menschen hilft und
Freude macht, der lebt allemal froher und
glücklicher als solche, die stets nur das eigene Wohl im Blick haben.

Wer sich für ein Ehrenamt interessiert oder
bereits einem Verein angehört, der seinerseits freiwillige Helfer sucht, der findet im
Internet eine ganze Reihe von Adressen, an
die er sich wenden kann, das Berliner Engagementportal bürgeraktiv.de zum Beispiel, die FreiwilligenAgentur Marzahn-Hellersdorf, die Berliner Stadtmission, Caritas,
Diakonie, Aktion Mensch und viele andere
mehr. Besonders empfehlenswert: Gute-Tat.de. Hier geht es vorrangig darum,
kleinere und mittlere Hilfsprojekte zu unterstützen, die durch private Initiative entstanden und mit geringem finanziellen Volumen ausgestattet sind.

Stiftung Gute-Tat.de
Zinnowitzer Straße 1
10115 Berlin
Telefon: (030) 390 88 222
www.gute-tat.de

Außerdem laden die Landesfreiwilligenagentur Berlin und das Landesnetzwerk
Bürgerengagement alljährlich zur Berliner
Freiwilligenbörse. Diese findet traditionsgemäß im Roten Rathaus statt und ver-

Freiwilligenagentur Marzahn-Hellersdorf
Helene-Weigel-Platz 6
12681 Berlin
Tel. 030-76236500
www.aller-ehren-wert.de
Landesfreiwilligenagentur Berlin e. V.
Schumannstraße 3
10117 Berlin
Telefon: 030 - 847 108 790
www.die-hilfsbereitschaft.de
Die nächste Berliner Freiwilligenbörse findet am 25. April 2015 im Roten Rathaus
statt.

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Vermischtes

Ein Jahr voller Engagement
								 geht zu Ende
Weit mehr als 90 gute Taten erbracht

Das 90. Jubiläumsjahr der STADT UND

LAND neigt sich dem Ende zu und es ist an
der Zeit, Bilanz zu ziehen. Seit März sind
die Mitarbeiter des Konzerns im Einsatz
gewesen, um in den Kiezen tatkräftig zu
helfen. Und das Ergebnis kann sich wirklich sehen lassen:

60 gute Taten wurden durch Teams um-

gesetzt und 67 durch Einzelpersonen,
d. h. mit 127 guten Taten wurde das gesteckte Ziel mehr als erreicht.

386 engagierte Mitarbeiter leisteten in
ihrer Freizeit 1.504 Stunden ehrenamtliche Arbeit, das entspricht ca. 200 Arbeitstagen.
15 Mitarbeiter haben sich besonders eingebracht und drei oder vier Arbeitseinsätze
geleistet.

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Die Hilfe kam bei allen gut an. In vielen
Einrichtungen konnten Arbeiten erledigt
werden, die neben dem täglichen Betrieb
sonst nicht zu schaffen sind. Ob Gartenpflege, Malerarbeiten, Unterstützung bei
Festen oder Beteiligung an Bildungsprojekten – ein großes Dankeschön war den
Helfern immer gewiss. Auf der anderen
Seite gewannen auch die Mitarbeiter der
STADT UND LAND neue Eindrücke und
ihnen wurde bewusst, dass ohne ehrenamtliches Engagement viele gesellschaftliche Bereiche nicht gut funktionieren
würden. Deshalb nehmen einige Mitarbeiter die neu geknüpften Kontakte zum Anlass, sich auch weiterhin für den jeweiligen
Verein oder die Einrichtung zu engagieren.
Im Rahmen einer Abschlussveranstaltung
hob auch der Aufsichtsratsvorsitzende Dr.
Christoph Landerer das große Engagement
der Konzernmitarbeiter hervor: „Nehmen

Sie diesen Elan mit, dann ist es gut um die
Zukunft des Unternehmens bestellt“, gab
er ihnen mit auf den Weg.
Eines hat das Ehrenamtsprojekt „90 Jahre
STADT UND LAND – 90 gute Taten“ ganz
deutlich gezeigt: Die Bereitschaft zu helfen
ist sehr groß. Oft fehlen einfach nur der
nötige Impuls und auch die Kontaktmöglichkeit, um Hilfswillige und Hilfebedürftige zusammenzubringen. Deshalb hat
sich die STADT UND LAND entschlossen,
das Jubiläumsprojekt mit einer Spende abzuschließen. Für jede geleistete Ehrenamtsstunde spendet das Unternehmen 3
Euro an die Stiftung gute-tat.de. Das sind
insgesamt 4.500 Euro für eine Initiative,
die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die
genannte Informationslücke zu schließen
und beide Seiten zu koordinieren. Damit
werden viele weitere gute Taten zum Wohle
der Menschen in unserer Stadt ermöglicht.
STADT UND LAND Journal Nr. 47 • Dezember 2014

Vermischtes

Die Kita „Hummelburg“ bekam ein neues Holzhaus.

Vorgarteneinsatz im „Haus des älteren Bürgers“

Gemeinsam mit dem Schülerladen
„Schmuddelkinder“ wurde
an der Crellestraße aufgeräumt.

STADT UND LAND Journal Nr. 47 • Dezember 2014

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VERMISCHTES

Die Schildbeißer kommen!
„Die Wikinger“ im Martin-Gropius-Bau

E

ine sehr rare, hochkarätige und spannende Ausstellung präsentieren das Dänische Nationalmuseum Kopenhagen, das
British Museum London und das Museum
für Vor- und Frühgeschichte der Staatlichen Museen zu Berlin derzeit als Gemeinschaftsproduktion im Martin-GropiusBau. Zuvor bereits in Kopenhagen und
London gezeigt, setzt sich der große Publikumserfolg von „Die Wikinger“ auch in
Berlin fort. Ob mit oder ohne Vorkenntnisse – die Ausstellung ist für jeden ein Gewinn. Auch Kinder kommen auf ihre
Kosten, können sich als echte „Nordmänner“ verkleiden oder lernen, ein Wikingerschiff aus Papier zu falten.
Auf 2.400 Quadratmeter Ausstellungsfläche sind über 800 Exponate zu sehen. Dazu
gibt es Videofilme, für die man auf dem
harten Kantholz nachempfundener Ruderbänke der Wikingerzeit Platz nehmen
muss. Man sieht reich verzierte Waffen
und eine Fülle an Schmuck und Münzen.
Auch der erst 2007 entdeckte Hort aus dem
englischen Vale of York, vergraben von
einem Wikinger auf der Flucht, ist Teil der
Ausstellung: 617 Silbermünzen und 64
Ringe, Hacksilber, Armreife und andere
Gegenstände aus den verschiedensten Gegenden der Erde, die in einem aus einem
fränkischen Kloster geraubten Silbergefäß
gefunden wurden.
Die Wikingerzeit begann 793 mit dem
Überfall auf das englische Kloster Lindisfarne und endete (zumindest in Westeuropa) im späten 11. Jahrhundert. Sie war gekennzeichnet durch Kriegszüge und
Handelsexpeditionen, die im Westen bis
nach Nordamerika führten, im Osten bis
tief nach Russland hinein und im Süden
über Konstantinopel hinaus bis in das Arabische Kalifat. Um 1050 dichtete Ingvarstein von Gripsholm: „Sie fuhren
mannhaft fern nach Gold, gaben im Osten
dem Adler Speise, sie starben im Süden im
Sarazenenland.“
Der alte Naturglaube der Wikinger erlebte
die Welt als bevölkert von Geistern und
Dämonen, denen man in Wäldern und
Hainen unter heiligen Bäumen Tieropfer
brachte, um sie wohlzustimmen. Abgelöst
wurde er ab dem Jahr 960 durch das Christentum, eingeführt vom dänischen König

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Harald I. Blauzahn (um 910–987). Der Sage
nach war dieser vom missionierenden Bischof Poppo mit einer sogenannten „Feuerprobe“ – dem Tragen von glühenden Eisen mit bloßen Händen – überzeugt
worden. Daran erinnern um 1200 entstandene Zierbeschläge aus vergoldetem Kupfer. Als Folge der Christianisierung entstanden dann weitreichende und enge
Verbindungen Skandinaviens mit den
christlichen Staaten Europas.

Axt mit Silbertauschierungen
im Mammen-Stil, 10. Jh. n. Chr.
© Dänisches Nationalmuseum, Kopenhagen

Am wichtigsten für den Erfolg der Wikinger
aber waren ihre Schiffe. Deren besonders
leichte Konstruktion, ihr geringer Tiefgang
und ihre Wendigkeit ermöglichten Überraschungsangriffe und schnelle Rückzüge.
Man konnte mit ihnen vom offenen Meer
bis in die Flussmündungen hinein und die
Flussläufe entlang segeln. So transportierten sie auch Handelsgüter in entlegenste
Regionen und ermöglichten den Austausch
von Waren und Kulturgütern.
Zentrales Objekt im Lichthof des Martin-Gropius-Baus ist daher das fast tausend
Jahre alte und mit 37 Metern Länge größte
erhaltene Wikingerschiff. 25 Prozent der
originalen Holzsubstanz sind erhalten. Der
Rest wurde rekonstruiert, um den Besuchern einen Eindruck von der imposanten
Größe des Schiffes zu verschaffen. Für den
Kriegseinsatz gebaut, bot es 78 Ruderern
und insgesamt bis zu hundert Menschen
Platz. Zwei dänische Bootsbauer aus dem
Wikingerschiffsmuseum in Roskilde zeigen, wie solche Schiffe einst gebaut wurden, indem sie mit authentischen Werkzeugen und der entsprechenden Technik
während der gesamten Laufzeit der Ausstellung ein kleineres Wikingerboot entstehen lassen.

Obwohl oft nur als Händler unterwegs, waren die „Nordmänner“ vor allem für ihre
Blitzüberfälle berüchtigt, die den Menschen
Mord, Raub und Brandschatzung brachten.
Hierbei spielte auch die Qualität ihrer Waffen eine wichtige Rolle. Diese wurden gern
von den Franken erworben, die hervorragende Waffenmeister besaßen. Schwerter,
Äxte, Speere und Schilde bildeten die
Grundausrüstung. Kettenhemden gab es
kaum und Helme trugen die Wikinger zwar,
aber Hörner hatten diese nicht. Erst Richard
Wagner ließ die nordischen Helden seiner
Opern „gehörnt“ auftreten, um ihr archaisches Wesen zu betonen, und prägte damit
diesen populären Irrtum.
Zum Leben der Wikingerfrauen gehörten
auch übersinnliche Aufgaben. Mit Zaubersprüchen, Trance und Tanz suchten sogenannte „Völvas“, Seherinnen oder Hexen,
Verbindung zu den Geistern, um den Menschen Schutz und Hilfe zu gewähren. Auf
dem Gräberfeld der dänischen Ringburg
Fryrkat wurde das Grab einer um 980 gestorbenen Frau gefunden. Dieser waren silberne Amulette, Taschen gefüllt mit Bilsenkrautsamen und ein eiserner Stab
beigegeben. Sowohl der Stab als auch die
Samen des „Hexenkrauts“ weisen auf eine
„Völva“ hin. Gleichzeitig zeugen das prächtige blau und rot gefärbte Kleid, mit dem die
Unbekannte bekleidet war, und ihr mit
Goldfäden durchwirkter Schleier von der
Wertschätzung, die ihr entgegengebracht
wurde.
„Macht und Herrschaft“ heißt der letzte
Teil der Ausstellung. Hoch an der Wand
erblickt man das eindrucksvolle, strenge
Triumphkreuz aus Aby auf Jütland, angefertigt um 1100, das älteste Vortragekreuz
Dänemarks. Es wurde, zusammen mit

Armring mit punzierter Golgathadarstellung,
9./frühes 10. Jh. n. Chr.
© Dänisches Nationalmuseum, Kopenhagen

STADT UND LAND Journal Nr. 47 • Dezember 2014

VERMISCHTES

Rekonstruktion der Roskilde 6 aus dem
Dänischen Nationalmuseum Kopenhagen, ca. 1025 n. Chr.
© Staatliche Museen zu Berlin / Achim Kleuker

transportablen Altären auf langen
Stangen, den Prozessionen vorangetragen, wenn man in freier Natur Messfeiern abhielt.
Die „Halle des Königs“ deutet mit einer entsprechenden Konstruktion darauf hin, deren Mittelpunkt den Nachbau eines Thrones darstellt. Auf ihm
kann sich der Besucher auch selbst
einmal als Herrscher fühlen. Den eindrucksvollen Schlusspunkt der Ausstellung aber setzen die „Schätze des
Königs“. Dazu gehört der aufgrund
seiner herausragenden Qualität berühmte, aus dem 9./10. Jahrhundert
stammende Goldschatz von Hiddensee. Allerdings fehlt der dazugehörige
massive Goldarmring, mit 677 Gramm
der schwerste Armring der Wikingerzeit. Dieser befindet sich immer noch
als Beutegut in einem Sonderdepot
des Moskauer Puschkinmuseums. Eine andere Besonderheit ist jedoch im
Martin-Gropius-Bau zu sehen: aus
Walrosszahn, dem Elfenbein der
Wikinger, gefertigte Schachfiguren.
Die Kenntnisse des Schachspiels
brachten die Wikinger einst aus Arabien mit und wandelten die Figuren in
ihrem Geiste um. „Schildbeißer“ werden einige der kleinen geschnitzten
Figuren genannt. Es sind kampf- und
siegbereite, mit großem Schild, aufgerichtetem Schwert und Helm versehene Wikinger, die mit drohenden
Augen in ihr Schild beißen.

„Die Wikinger“
Martin-Gropius-Bau
Laufzeit bis 04. Januar 2015
Öffnungszeiten: Mi–Mo 10–19 Uhr
An Feiertagen geöffnet

STADT
STADTUND
UNDLAND
LANDJournal
Journal Nr.
Nr.47
47••Dezember
Dezember2014
2014

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SERVICE

Weihnachtszeit
					ist Soßenzeit
O

b Weihnachtsgans, Rinderbraten,
Hühnerfrikassee oder Fleischfondue – die
meisten weihnachtlichen Traditionsgerichte leben von der richtigen Soße oder
Sauce. Welche der beiden Schreibweisen
man verwendet, ist egal, denn die eine ist
nur die Eindeutschung der anderen. Einzig die im Internet weit verbreitete „Sosse“ sollte man meiden. Die ist auch nach
neuer Rechtschreibung falsch. Ansonsten sind dem Soßenfreund kaum Grenzen gesetzt. Es gibt kalte und warme Soßen, gebundene und reduzierte, Tunken,
Dressings, Jus und „Demi Glace“ („halb
erstarrte“), und ihre Herstellung gilt als
Königsklasse der Kochkunst. Der Saucier
ist daher in den meisten Küchen auch
Sous-Chef des Chefkochs.
Die wahrscheinlich älteste europäische
Soßenform beruhte allerdings weniger
auf Kochkunst, als vielmehr auf einer erstaunlichen Idee der antiken Griechen
oder Phönizier. Hierfür wurden Fische
und Fischeingeweide zum Teil monatelang in der Sonne fermentiert. Die Produktion war entsprechend geruchsintensiv, weshalb die Fertigungsanlagen in der
Regel vor die Tore der Stadt verbannt
wurden. Der fertige „Garos“ (oder „Garum“, wie die Römer sagten) jedoch roch
angenehm würzig und war geschmacklich wohl der noch heute in der asiatischen Küche verbreiteten Fischsoße
Nam Pla vergleichbar.
Im Gebrauch von Soßen gibt es große
kulturelle Unterschiede. Während sie in

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der Türkei, in Griechenland oder auf
dem Balkan nur bei Schmorgerichten
oder als kalte Dips für gebratenes Fleisch
vorkommen, sind sie beispielsweise in
Indien überreichliche Grundsubstanz
jeder Mahlzeit. In West- und Mitteleuropa liegen die Unterschiede eher im Detail: Deutsche Köche binden gern mit
Sahne, Mehlschwitze oder Kartoffelstärke, französische bevorzugen ein mehrstündiges Reduzieren des Fonds. Entsprechend fällt die Soßenmenge westlich
des Elsass meist geringer aus als an Rhein
und Elbe.
Mit der „Nouvelle Cuisine“ („neue Küche“) verbreitete sich der französische
Hang zum nicht gebundenen Jus oder
Demi Glace zunehmend auch hierzulande. Sahnesoßen galten plötzlich als wenig kunstvoll, Mehlschwitzen gar als primitiv. Glücklicherweise wird inzwischen
wieder umgedacht, denn klassische deutsche Gerichte wie Hühnerfrikassee oder
Königsberger Klopse funktionieren eben
nur auf Grundlage einer Mehlschwitze,
und Zürcher Geschnetzeltes ist ohne
Rahm undenkbar. Im Falle der guten, alten Weihnachtsgans ist es zwar möglich,
nach französischer Art am Tag zuvor mit
Gänseklein eine Soße zu produzieren, die
man dann stundenlang einkochen kann,
aber schade wäre es doch um den Bratensaft, den die Gans selbst abgibt. Will man
diesen verwenden, muss man ihn
zwangsläufig binden, denn zum Reduzieren bleibt keine Zeit mehr, wenn der Vogel schon knusprig in der Röhre liegt.

Weniger Streit gibt es bei kalten Soßen,
wie sie zum Fondue gereicht werden. Die
kann man aus Joghurt, Honig oder pürierten Früchten anrühren oder auf
Grundlage einer Mayonnaise. Aber Finger weg von gekauften Mayonnaisen! Die
Konservierungsstoffe und Geschmacksverstärker in ihnen schmecken sonst am
Ende durch. Und es ist ein Irrglaube, dass
Mayonnaise schwer herzustellen sei. Einfach Eigelb, Zitronensaft, Salz und Pfeffer
vermischen und dann unter Rühren
langsam (anfangs nur tröpfchenweise) Öl
zugeben. Wer die Gefahr des „Umkippens“ reduzieren will, gibt am Anfang
etwas Senf zum Eigelb, und besonders
pfiffige Hobbyköche vermischen einfach
ein ganzes Ei mit allen restlichen Zutaten
in einem Messbecher und benutzen dann
den Rührstab. Auch das funktioniert. Die
fertige Mayonnaise kann nun zu Cocktail- oder Currysoße, Aioli oder Sauce
Tartar weiterverarbeitet werden. Der Fantasie sind praktisch keine Grenzen gesetzt.
Die entscheidenden Grundkenntnisse
der Soßenzubereitung vermittelt demnächst auch ein Kurs an der Volkshochschule Marzahn-Hellersdorf.
Grundtechnik der Soßenzubereitung
Ab 19.02.2015 immer donnerstags von
17.30 bis 21.15 Uhr
Anmeldung unter:
info@vhs-marzahn-hellersdorf.de
www.vhs-marzahn-hellersdorf.de

STADT UND LAND Journal Nr. 47 • Dezember 2014

SERVICE

Rezeptvorschlag

Schlesische Gänsebratensoße
mit Meerrettich
(Arbeitszeit ca. 20 Minuten)
Zutaten:
250 ml Gemüsebrühe oder -fond
2 Scheiben Toastbrot
1 Ei
Salz und Pfeffer
frischer Meerrettich nach Belieben
Bratensaft der Gans nach Belieben
Zuerst den Meerrettich reiben. Anschließend Toastbrot und Brühe in
einem kleinen Topf köcheln lassen,
bis das Toastbrot zerfallen ist. Dann
das ganze Ei hineingeben und unter
Rühren aufkochen, bis sich feine Flocken bilden.
Mit Pfeffer und (wenig) Salz würzen,
dann nach Geschmack mehrere Esslöffel Bratensaft dazugeben. Wenn eine sämige Konsistenz erreicht ist, die
Soße vom Herd nehmen und den geriebenen Meerrettich unterrühren.

STADT UND LAND Journal Nr. 47 • Dezember 2014

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SERVICE

Weihnachtsschmuck
					aus dem Bergwerk
Die Herkunft des „Schwibbogens“

Wie jedes Kind weiß, sind das Weihnachtsfest und die ihm vorangehende
Adventszeit eigentlich religiös motiviert. Es geht dabei um die Geburt Christi, um Maria und Josef und die drei
Weisen aus dem Morgenland. Geschenkgutscheine von Parfümerien,
Smartphones und die Buchtitel der
SPIEGEL-Bestsellerliste haben dagegen
nicht wirklich mit Weihnachten zu
tun, obgleich die Nachfrage nach ihnen in jedem Dezember sprunghaft
ansteigt. Andere ebenfalls vollkommen unreligiöse Gegenstände haben
sich jedoch im Laufe der Jahrhunderte
untrennbar mit dem Weihnachtsfest
verbunden.
Der geschmückte Tannenbaum zum
Beispiel wurzelt in älteren, heidnischen Festtraditionen und begann
erst ab dem 18. Jahrhundert, sich als
Weihnachtsbrauch zu etablieren. Das
bei Kindern so beliebte Lebkuchenhaus hat nur insofern mit Weihnachten zu tun, als Lebkuchen von jeher
Teil der Fastenküche ist. Und selbst der
Weihnachtsmann mit seinem Rentierschlitten hat mehr Bezug zu den nordischen Mythen der Edda als zur
christlichen Bibel.
Kein Wunder also, dass auch der stimmungsvoll leuchtende „Schwibbogen“, den sich viele Familien in der
Adventszeit ins Fenster stellen, keine
ausgesprochen weihnachtliche Herkunft hat, obgleich er durchaus danach aussieht.
Heutzutage werden Schwibbögen
nämlich gerne mit entsprechenden
Motiven wie Tannenbäumen oder
Josef und Maria über der Krippe verziert. Ursprünglich aber waren auf ihnen entweder die Gestirne oder ty-

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STADT UND LAND Journal Nr. 47 • Dezember 2014

SERVICE

Unsere Service-Zeiten
rund um die Feiertage
Am 24., 25., 26. und 31.12.2014 sowie
am 01.01.2015 sind unsere Servicebüros geschlossen.
In Notfällen wenden Sie sich
bitte an folgende Dienstleister:
Servicebüro Neukölln
Firma Gegenbauer
Tel. 030-6892-1020

pische Szenen aus dem Leben von
Bergleuten zu sehen, und gefertigt wurden
diese Bögen nicht aus Holz, sondern aus
Metall. Beides hatte gute Gründe.
Der Schwibbogen – so benannt nach der
architektonischen Form des Schwebebogens – stammt aus dem Erzgebirge, wo
jahrhundertelang der Bergbau größter
Wirtschaftsfaktor war. Der älteste bekannte Schwibbogen entstand hier bereits 1740
in Johanngeorgenstadt und diente, genau
wie alle anderen Lichterbögen bis weit ins
20. Jahrhundert hinein, keineswegs nur
dekorativen Zwecken. Tatsächlich wurden
sie von den Bergleuten unter Tage als
Lichtquelle genutzt, wofür sich schweres
Metall besser eignete als Holz. Ihre Bogenform sollte wahrscheinlich den in den Tiefen des Berges schmerzlich vermissten
Himmel symbolisieren, daher auch die
Verzierung mit Sonne, Mond und Sternen.
Vermutlich dauerte es dann nicht lange,
bis erste Schwibbögen Einzug in die Wohn-

stuben hielten. Dort wurden sie meist ins
Fenster gestellt, um die oft spät in der
Nacht heimkehrenden Bergmänner zu begrüßen. Und weil bei den Familien über
Tage weniger der Anblick der Gestirne vermisst wurde als die arbeitenden Männer,
wurden diese Bögen mit Motiven der Arbeit in den Stollen verziert. Weihnachtliche Bilder dagegen findet man auf
Schwibbögen erst im 20. Jahrhundert und
seit gerade mal sechzig Jahren werden sie
vorwiegend aus Holz gefertigt. Auch die
Verwendung elektrischer statt echter Kerzen begann etwa zu dieser Zeit.
Heute scheinen der Fantasie keine Grenzen mehr gesetzt zu sein: Es gibt Schwibbögen als Stufen- oder Spitzpyramide, als
Welle oder in der Form gotischer Fenster.
Die Motive reichen von Grimms Märchen
über das rotnasige Rentier Rudi bis hin zu
Mickey Mouse. Ihren heutigen Zweck als
romantische Weihnachtsbeleuchtung erfüllen sie alle, der Rest ist Geschmackssache.

Servicebüro Tempelhof
Firma GIG
Tel. 030-6892-1010
Servicebüro Treptow
Firma Favorit Wärme Wasser
Solartechnik GmbH
Tel. 030-63905990
Servicebüro Hellersdorf
Firma Rüdiger Rogge
Tel. 030-9821-818
Mobil: 0171-4270581
Fredersdorf/Neuenhagen
Firma Detlef Weimann
Sanitär, Gas, Heizung, Rohrreinigung
Tel. 03342-7459
Mobil: 0170-2362600
Am 29. und 30.12.2014 sind wir von
8–16 Uhr für Sie da.
Ab Freitag, 02.01.2015, erreichen Sie
uns wieder zu den gewohnten Servicezeiten.

Winterspaß im Nikolaiviertel
E

s gibt Filme, die nicht altern und ihre wunderbare Komik bis
heute bewahrt haben. „Die Feuerzangenbowle“ mit Heinz Rühmann ist so ein Film. Gezeigt wird er noch bis zum 04. Januar 2015
täglich im Nikolaiviertel, direkt vor der Nikolaikirche. Für alle „Pfeifer mit drei f“ gib es stündlich eine Gläschen Feuerzangenbowle
gratis. Aber auch die anderen Gäste müssen nicht durstig bleiben.
Einfach nebenstehenden Coupon ausschneiden und vor Ort einlösen. Aber Vorsicht: „Jeder nor einen wönzigen Schlock!“
Eintritt frei. Vorstellungen: 13 Uhr / 15 Uhr / 17 Uhr / 19 Uhr
STADT UND LAND Journal Nr. 47 • Dezember 2014

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FREIZEIT

Auf Luthers Spuren
Ein winterlicher Ausflug ins schöne Eisenach

D

„
ie Gegend ist so überherrlich!“,
schwärmte schon Johann Wolfgang v.
Goethe. Gemeint war Eisenach mit seiner
bezaubernden Altstadt, der mächtig über
der Stadt thronenden Wartburg und den
dichten Wäldern rundum. Der Komponist
Johann Sebastian Bach wurde hier geboren
und Richard Wagner reichte ein Blick auf
die Wartburg, um sie zum Schauplatz seiner Oper „Tannhäuser“ zu machen. Nur
eine berühmte Persönlichkeit war hier weniger glücklich: Martin Luther. Der Reformator musste sich eine Zeitlang als „Junker
Jörg“ auf der Wartburg vor seinen Gegnern
verstecken. Immerhin konnte er die Zeit
sinnvoll nutzen, indem er das Neue Testament vom Griechischen ins Deutsche
übersetzte.
Wer heute durch die romantischen Gassen
der Altstadt Eisenachs läuft, begegnet auf
Schritt und Tritt der reichen Kulturgeschichte dieser Stadt. Unbedingt besuchen
sollte man das Stadtschloss, das monumentale Burschenschaftsdenkmal und die
Predigerkirche, in deren düsteren Gewölben mittelalterliche Schnitzkunst bewundert werden kann. Weitere sehenswerte
Ausstellungen locken ins Bachhaus ebenso
wie ins Lutherhaus oder in die Reuter-Villa
mit der größten Wagner-Sammlung außerhalb Bayreuths. Und Autofreunde kommen in der „automobile welt eisenach“ auf
ihre Kosten. In einer alten Produktionshalle wird hier der Mobilbautradition der
Stadt gehuldigt, die 1899 mit dem ersten
„Wartburgmotorwagen“ begann.

30

Ganz gleich, wohin es einen zieht oder ob
man das Wochenende lieber mit Wellness
und ausgedehnten Waldspaziergängen
verbringen möchte – perfekter Ausgangspunkt ist Göbel’s Sophien Hotel.
Das moderne Hotel liegt direkt am Theaterplatz, keine zweihundert Meter vom
Stadtschloss entfernt und in Laufnähe
zum Bahnhof. Die Zimmer sind gleichermaßen elegant und gemütlich. Das Restaurant besticht mit regionaler Thüringer Küche in bester Qualität, geschickt
kombiniert mit internationalen kulinarischen Inspirationen. Aber das ist längst
nicht alles. Göbel’s Sophien Hotel verfügt
zudem über eine vielseitige Beauty- und
Wellness-Lounge.
Hier stehen sanfte Massagen, wirksame
Pflegeanwendungen und wohltuende
Spa-Bäder mit Whirlpool und Unterwasserlicht auf dem Programm. Schwebeliegen laden zur Entspannung nach Sauna
oder Dampfbad ein und für eine Auszeit
zu zweit gibt es Partnerkabinen und -bäder. Damit bietet dieses außergewöhnlich
schöne Hotel alles, was Wochenendgäste
für ihr Wohlempfinden brauchen – nach
einem ausgedehnten Kulturprogramm
ebenso wie nach einer romantischen
Wanderung durch die verschneiten Wälder rund um die Wartburg.

Göbel’s Sophien Hotel Eisenach
Sophienstraße 41, 99817 Eisenach
Tel.: 03691 2510
www.goebel-hotels.com
Einen Gutschein für 2 Übernachtungen
für 2 Personen inkl. Wellness-Paket im Göbel’s Sophien Hotel Eisenach können Sie
gewinnen, wenn Sie uns folgende Frage
beantworten:

Welches bedeutende Buch wurde auf der
Wartburg ins Deutsche übersetzt?
a) Encyclopedia Britannica
b) Das Neue Testament
c) Harry Potter
Die Antwort bitte bis zum 16.01.2015 an
die STADT UND LAND, Unternehmenskommunikation,Werbellinstraße 12,
12053 Berlin, E-Mail:
journal@stadtundland.de schicken
(Rechtsweg ausgeschlossen).
Teilnahmebedingung: An diesem Gewinnspiel
dürfen nur Mieter der STADT UND LAND teilnehmen.
STADT UND LAND Journal Nr. 47 • Dezember 2014

Service

Büchertipps
E

s gibt Bücherwürmer, die ganzjährig ihr Vergnügen daran haben, Seite um Seite Literatur zu verschlingen. Doch gerade die Wintermonate regen auch Nicht-Leseratten zum Bücherlesen an. Denn schließlich gibt es keinen schöneren Zeitvertreib für kalte oder regnerische Tage, als mit einem guten Buch auf seinem Lieblingssessel Platz zu nehmen und für ein paar Stunden den tristen Alltag zu
vergessen. Hier unsere Tipps für den Dezember:

Föhnlage: Alpenkrimi
Jörg Maurer

Die Liebe einer Frau:
Drei Erzählungen und
ein kurzer Roman
Alice Munro
Es ist ein weitverbreiteter Irrglaube, dass
Literaturnobelpreisträger ausschließlich
hochintellektuelle und schwer lesbare
Stilexperimente verfassen. Alice Munro
zum Beispiel, Nobelpreisträgerin des Jahres 2013, schreibt so realitätsnahe wie
abgründige Kurzgeschichten über reale
Menschen – über Liebe, Familie und Alltag. Die titelgebende Geschichte dieses
Buches etwa dreht sich um einen ertrunkenen Augenoptiker, die drei Jungen, die
seinen Wagen im Fluss finden, und die
Sehnsucht einer Krankenschwester, die
sich nach einem ehemaligen Mitschüler
verzehrt. Solche scheinbar unzusammenhängenden Geschichten von Menschen
unterschiedlicher Generationen geradezu
kriminalistisch miteinander zu verflechten, das ist die äußerst lesenswerte Kunst
der Alice Munro.

Alice Munro
Die Liebe einer Frau:
Drei Erzählungen und ein kurzer Roman
S. Fischer Taschenbuch
224 Seiten, Taschenbuch
9,00 Euro
ISBN: 978-3-596-51053-5
STADT UND LAND Journal Nr. 47 • Dezember 2014

Mauer-Passagen
Grenzgänge, Fluchten
und Reisen 1961–1989
Reihe Zeitgut, Band 19
Vor 25 Jahren fiel die Berliner Mauer – ein
welterschütterndes Ereignis, dem in den
letzten Monaten viel gedacht wurde. Aber
wie war das, als die Mauer noch stand? Herausgeber Jürgen Kleindienst versammelt
in diesem lesenswerten Band 40 Zeitzeugenberichte über die Jahre der deutschen
Teilung, beginnend mit jenem 13. August
1961, als die Mauer gebaut wurde. Vor
allem geht es dabei um Menschen, die vom
einen Deutschland ins andere reisen
wollten oder mussten. Bücherschmuggler
kommen ebenso zu Wort, wie Flüchtlinge
mit sehr unterschiedlichen Fluchtgeschichten und Abgeschobene wider Willen. Nebenbei lernt der Leser die unterschiedlichsten
Typen
sowohl
von
Fluchthelfern als auch von DDR-Grenzsoldaten kennen. Das lädt dann, trotz der
Dramatik vieler Geschichten, auch schon
mal zum Schmunzeln ein.

Mauer-Passagen
Grenzgänge, Fluchten und
Reisen 1961–1989
Reihe Zeitgut, Band 19
Zeitgut Verlag, Berlin
368 Seiten, Taschenbuch
9,90 Euro
ISBN: 978-3-86614-171-1

Kriminalistisch geht es auch in Jörg Maurers
„Föhnlage“ zu: Während eines Konzertes in
einem bayerischen Kurort stürzt ein Mann
von der Decke und fällt direkt auf einen der
Zuhörer, wodurch beide zu Tode kommen.
Kommissar Hubertus Jennerwein steht vor
der Frage: Selbstmord, Mord oder doch nur
ein Unfall? Das alpenländische Panoptikum von Trinkern und Trachtenträgern,
das der Autor Jörg Maurer, gelernter Musikkabarettist, dabei zum Leben erweckt, wirkt
schon in der Buchvorlage geradezu grotesk
und oft urkomisch. Wenn aber in der Hörbuchfassung Maurer selbst mit verschiedenen bayerischen Dialekten jongliert,
dann kann man sich vor Lachen kaum
noch halten.

Jörg Maurer
Föhnlage: Alpenkrimi
Argon Verlag
4 CDs, ca. 4 Stunden, 46 Minuten
12,95 Euro
ISBN: 978-3-8398-9051-6

VERLOSUNG
Zu jedem unserer Hör- und Lese-Tipps
verlosen wir ein Exemplar. Senden Sie uns
Ihren Wunschtitel unter der Angabe des
Stichwortes „Büchertipps“ zu.
Bitte bis zum 16.01.2015 an die
STADT UND LAND, Unternehmenskommunikation,Werbellinstraße 12, 12053
Berlin, E-Mail: journal@stadtundland.de
(Rechtsweg ausgeschlossen).

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Volle Power im Dreierpack:

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ggf. Versandkosten für Hardware maximal 9,90 € pro Versand. Ggf. zzgl. KabelTV zum monatlichen Vorzugspreis von 10 €, sofern bei Buchung kein Kabelanschlussvertrag mit einem Unternehmen der Tele Columbus AG zur Wohneinheit vorliegt. Der Empfang
der HD-Programme ist nur in Verbindung mit HDTV-fähiger Hardware (Receiver und / oder Fernsehgerät) möglich. SmartCard wird von Tele Columbus bereitgestellt. Zusammenstellung der Programme kann sich im Vertragszeitraum ändern. Telefon-Flatrate: Callby-Call und Pre-Selection nicht möglich; beinhaltet Gespräche ins deutsche Festnetz. Gespräche in Mobilfunknetze, zu Sonderrufnummern und ins Ausland werden gemäß aktueller Preisliste berechnet. Beim Wechsel und Mitnahme der Telefonnummern ist ein
Portierungsauftrag erforderlich. Vertragslaufzeiten beim derzeitigen Telefonanbieter sind zu beachten.Neukundenvorteil für 3er Kombi 50 HD: Aktionspreis: während der ersten 12 Monate beträgt der Monatspreis nur 19,99 € oder Tablet-PC inklusive und während
der ersten 12 Monate beträgt der Monatspreis nur 29,99 € (nur solange der Vorrat reicht, bei Einzelversand zzgl. 9,90 € Versandkosten). Ab dem 13. Monat beträgt der Monatspreis jeweils 34,99 €. Neukundenvorteil für 3er Kombi 50 Extra HD: Aktionspreis: während
der ersten 12 Monate beträgt der Monatspreis nur 29,99 € oder Tablet-PC inklusive und während der ersten 12 Monate beträgt der Monatspreis nur 39,99 € (nur solange der Vorrat reicht, bei Einzelversand zzgl. 9,90 € Versandkosten). Ab dem 13. Monat beträgt der
Monatspreis jeweils 49,99 €. Neukundenvorteil für 3er Kombi 50 Sky: Aktionspreis: während der ersten 12 Monate beträgt der Monatspreis nur 39,99 € oder Tablet-PC inklusive und während
erstenLAND
12 Monate
beträgt der
nur 49,99 € (nur
solange der
STADTderUND
Journal
Nr.Monatspreis
47 • Dezember
2014
Vorrat reicht, bei Einzelversand zzgl. 9,90 € Versandkosten). Ab dem 13. Monat beträgt der Monatspreis jeweils 59,99 €. Vertragspartner für den Bezug der Pakete von Sky wird die Sky Deutschland Fernsehen GmbH & Co. KG. Preise Stand 11 / 2014. Änderungen
vorbehalten. Die vollständige Preisliste und die aktuellen AGB finden Sie unter www.telecolumbus.de. Das Angebot ist gültig bis 31.1.2015. Tele Columbus AG, Goslarer Ufer 39, 10589 Berlin.
Stand: 11/14

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