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Periodical volume

Full text: Demokratieentwicklung am Ort der Vielfalt Marzahn-Hellersdorf Issue 2012

Bezirkliche Koordinierungsstelle für
Demokratieentwicklung am Ort der Vielfalt
Marzahn-Hellersdorf

Demokratieentwicklung
am Ort der Vielfalt
Marzahn-Hellersdorf
Jahresbericht 2012
Herausgeber
Stiftung SPI
Sozialpädagogisches Institut Berlin – »Walter May«
Rechtsfähige Stiftung des bürgerlichen Rechts,
Sitz Berlin.
Anerkannt durch die Senatsverwaltung für Justiz. Sie
unterliegt nach dem Berliner Stiftungsgesetz der
Stiftungsaufsicht Berlins.
Der Gerichtsstand der Stiftung ist Berlin.

Redaktion
Stiftung SPI
POLIS* – Bezirkliche Koordinierungsstelle für
Demokratieentwicklung am Ort der Vielfalt
Marzahn-Hellersdorf

Verantwortlich im Sinne des Pressegesetzes
Dr. Birgit Hoppe, Vorstandsvorsitzende/Direktorin
E-Mail: info@stiftung-spi.de

Rathaus Marzahn-Hellersdorf
Alice-Salomon-Platz 3 / Raum 3.29
12627 Berlin
Fon: 030 / 99 27 50 96
Fax: 030 / 99 27 50 97
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Internet: www.stiftung-spi.de/polis

Copyrights
Alle Urheberrechte liegen bei der Stiftung SPI, sofern nichts anderes angegeben ist.
Vervielfältigungen sind nur mit Angabe der Quelle
und vorheriger Information und Freigabe durch die
Redaktion gestattet.

erstellt von:
Dr. Thomas Bryant, Projektkoordinator

gefördert durch:
Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf von Berlin

INHALTSVERZEICHNIS
1. DAS VERZEICHNIS .............................................................................................................................. 5
2. KATEGORISIERUNG ............................................................................................................................ 6
2.1. ART DER VORFÄLLE ........................................................................................................................................... 6
2.2. INHALTLICHE ZUORDNUNG ................................................................................................................................. 7
2.3. ORTE .............................................................................................................................................................. 7
3. STATISTIK ........................................................................................................................................ 9
3.1. ERHEBUNG 2012.............................................................................................................................................. 9
3.1.1. ART DER VORFÄLLE .................................................................................................................................... 9
3.1.2. INHALTLICHE ZUORDNUNG DER VORFÄLLE...................................................................................................... 9
3.1.3. ORTE ....................................................................................................................................................... 9
3.2. VERGLEICH ZUM VORJAHR................................................................................................................................ 10
3.2.1. ART DER VORFÄLLE .................................................................................................................................. 10
3.2.2. INHALTLICHE ZUORDNUNG ........................................................................................................................ 10
3.2.3. ORTE ..................................................................................................................................................... 10
4. AUSWERTUNG ................................................................................................................................ 11
4.1. ART DER VORFÄLLE ......................................................................................................................................... 12
4.2. INHALTLICHE ZUORDNUNG ............................................................................................................................... 13
4.3. ORTE ............................................................................................................................................................ 15
5. ERFAHRUNGSBERICHTE ...................................................................................................................... 18
6. MAßNAHMEN ZUR DEMOKRATIEENTWICKLUNG ....................................................................................... 22
7. AUSBLICK ...................................................................................................................................... 23
8. CHRONIK DER GESAMMELTEN VORFÄLLE IM VERZEICHNIS 2012.................................................................... 26

2

Haftungsausschluss
Die Angaben im vorliegenden
Jahresbericht zur Demokratieentwicklung am
Ort der Vielfalt Marzahn-Hellersdorf 2012 (einschließlich „Verzeichnis Marzahn-Hellersdorf zur Erfassung
aller Vorkommnisse, die in Zusammenhang mit antisemitischen, rechtsextremen und rassistischen Wahrnehmungen stehen“
dienen der allgemeinen Information und basieren auf
Informationen von Personen, Einrichtungen, Initiativen
und Behörden des Bezirks Marzahn-Hellersdorf. Trotz
sorgfältiger Prüfung übernehmen wir für die Angaben
keinerlei Gewähr oder Verantwortung für unrichtige
oder fehlende Angaben in den wiedergegebenen Inhalten.

* * *

Dank
Unser Dank gilt allen Personen, Einrichtungen, Initiativen und Behörden, die mit ihren Informationen und mit
ihrer Zuarbeit diesen Jahresbericht ermöglicht haben
(aus Anonymitätsgründen nicht alle genannt):
Alice Salomon Hochschule Berlin, Babel e.V., Berliner
Polizeipräsidium, Bezirksbürgermeister MarzahnHellersdorf, Die Linke Marzahn-Hellersdorf, Gesundheitsamt Marzahn-Hellersdorf, Integrationsbeauftragte
Marzahn-Hellersdorf, Jugendamt Marzahn-Hellersdorf,
Koordinierungsstelle Lokaler Aktionsplan Lichtenberg,
Ordnungsamt Marzahn-Hellersdorf, Polizeipressedienst, ReachOut sowie allen engagierten Bürgerinnen und Bürgern

3

VORWORT
Ab dem Berichtsjahr 2012 wird das bisherige „Verzeichnis Marzahn-Hellersdorf zur Erfassung aller Vorkommnisse, die in Zusammenhang mit antisemitischen, rechtsextremen
und rassistischen Wahrnehmungen stehen“ nicht nur die genannten Vorfälle dokumentieren und auswerten, sondern erstmals auch Erfahrungs- und Hintergrundberichte einzelner Personen und Einrichtungen mit einfließen lassen, um beispielsweise alltagsrassistische Vorfälle noch anschaulicher bzw. nachvollziehbarer zu machen.
Außerdem bietet das Verzeichnis ab dem Jahr 2012 auch eine Beschreibung bzw. Einschätzung hinsichtlich der eingeleiteten Maßnahmen zur Stärkung der bezirklichen Demokratie in Form eines jährlich erscheinenden Berichtes zur „Demokratieentwicklung am
Ort der Vielfalt Marzahn-Hellersdorf“. Das bisherige Verzeichnis wird fortan in den neuen
Jahresbericht eingegliedert.
Diese Veränderung des Verzeichnisses und der Berichterstattung geschieht in Umsetzung der im Bezirklichen Integrationsprogramm vorgesehenen Neukonzeption entsprechend eines Beschlusses der Bezirksverordnetenversammlung. Diese Neuausrichtung
soll den lokalen Akteuren und Multiplikator/innen auf allen Ebenen noch mehr als bisher
als praxistaugliche Handreichung dienen. Somit nimmt diese Herangehensweise in Marzahn-Hellersdorf eine berlinweite Vorreiterrolle ein.
Der Jahresbericht – insbesondere das Verzeichnis als dessen Kernstück – kann keinen
Anspruch auf Vollständigkeit erheben und ist in seiner Ausführlichkeit ganz wesentlich
von den jeweiligen Informationen und Zuarbeiten seitens vieler verschiedener Personen,
Einrichtungen, Initiativen und Behörden angewiesen.
Um mit diesem weiterentwickelten Ansatz ein möglichst vielseitiges Bild von der Situation im Bezirk zu erhalten, bittet Polis*, die Bezirkliche Koordinierungsstelle für Demokratieentwicklung am Ort der Vielfalt Marzahn-Hellersdorf (ehem. Bezirkliche Koordinierungsstelle gegen demokratiegefährdende Phänomene und Rechtsextremismus Marzahn-Hellersdorf), daher auch in Zukunft um entsprechende Hinweise und Mithilfe.

4

1. DAS VERZEICHNIS
Das Verzeichnis Marzahn-Hellersdorf besteht seit vier Jahren und ist somit eines der jüngsten „Register“ in Berlin. Ab September 2007 baute Polis* das Verzeichnis auf. Mit dem Jahresbeginn 2008 nahm das Verzeichnis seine Arbeit im Bezirk auf. In Zusammenarbeit mit
verschiedenen zivilgesellschaftlichen Akteuren wie Behörden, Ämtern, freien Trägern, engagierten Einzelpersonen etc., die teilweise eigene Erfassungen betreiben und Meldungen an
das Verzeichnis weitergeben, werden Wahrnehmungen rechtsextremer und rassistischer
Aktivitäten im Bezirk dokumentiert. Das Verzeichnis sammelt alle Vorfälle, die in MarzahnHellersdorf gemeldet werden. Polis* wertet diese aus und veröffentlicht die Ergebnisse.
Seit 2005 gibt es diese Projektform zur Sammlung von rechtsextremen und diskriminierenden Vorfällen in Berlin. Im Bezirk Pankow entstand die erste Registerstelle. Verschiedene
Akteure im Bezirk nehmen Meldungen auf und leiten diese an das dortige „Register“ bei der
Netzwerkstelle „Moskito“ („Pfefferwerk e.V.“) weiter. In Lichtenberg gibt es das „Register“ seit
2006 bei der Netzwerkstelle „Licht-Blicke“ („pad e.V.“), das auf einem Informationsnetz von
verschiedenen zivilgesellschaftlichen Akteuren basiert. Im Jahr 2007 wurde das „Register“ in
Treptow-Köpenick gegründet (heute „Zentrum für Demokratie“). Im März 2009 nahm das
„Register“ Friedrichshain-Kreuzberg seine Arbeit auf (heute „UBI KliZ e.V.“).
Das Ziel des Marzahn-Hellersdorfer Verzeichnisses besteht darin, rechtsextreme und menschenfeindliche Erscheinungsformen und Aktivitäten im Bezirk zu dokumentieren und die
Ergebnisse für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Insbesondere soll das Verzeichnis –
auch und gerade im Hinblick auf eine bezirkliche Gesamtstrategie gegen Rechtsextremismus
sowie den verschiedenen Erscheinungsformen von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit (d.h. Rassismus, Antisemitismus etc.) im Rahmen des neuen Bezirklichen Integrationsprogramms – als Handreichung für die im demokratischen Gemeinwesen tätigen Akteure
dienen. Das Verzeichnis nimmt neben strafrechtlich relevanten Vorfällen vor allem Beleidigungen, Pöbeleien und Bedrohungen sowie Diskriminierungen, die nicht immer zur Anzeige
gebracht werden, auf. Betroffene können sich an „ReachOut“ („Opferberatung und Bildung
gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus“) oder an die Integrationsbeauftragte des Bezirks wenden.
Das Verzeichnis Marzahn-Hellersdorf dokumentiert u.a. rechtsextreme Propaganda (d.h.
Aufkleber, Plakate, Schmierereien u.ä.) und die Präsenz von Rechtsextremen auf öffentlichen Plätzen sowie bei Veranstaltungen. Dabei handelt es sich auch um Vorkommnisse, die
nicht zwangsläufig in der rechtsextremen Szene zu verorten sein müssen, die aber nichtsdestotrotz einen menschenfeindlichen Charakter aufweisen (z.B. Rassismus, Antisemitismus, Islamfeindlichkeit, ethnozentrierter Kulturalismus o.ä.). Durch die Veröffentlichung der
5

Vorfälle soll langfristig eine Sensibilität bei allen MitarbeiterInnen in Ämtern, Behörden, Verwaltungen, Einrichtungen etc. sowie bei allen BürgerInnen erreicht werden. Ziel ist es, möglichst viele BewohnerInnen zu einer aktiven Teilnahme an Gegenaktivitäten zu motivieren.
Das Verzeichnis gibt mit den im Laufe eines Jahres gesammelten Vorfällen lediglich einen
ungefähren Überblick: Es versteht sich als Ergänzung zu den von der Polizei und dem Verfassungsschutz herausgegebenen Statistiken und Berichten. Im Verzeichnis werden diejenigen rechtsextremen Erscheinungsformen und Aktivitäten dokumentiert, die von den jeweiligen bezirklichen und zivilgesellschaftlichen Akteuren sowie einzelnen Bürgerinnen und Bürgern gemeldet werden. Dabei ist allerdings zu beachten, dass die individuell (d.h. subjektiv)
wahrgenommene und gemeldete Zahl der Vorfälle nicht zwangsläufig auf die tatsächlich
(d.h. objektiv) vorhandene Aktivität rechtsextremer Personen bzw. Personen- und Personengruppen mit dezidiert menschenfeindlichen Verhaltensweisen zurückzuführen sein muss.
Wenn als aus einem Stadtteil mehr bzw. weniger Meldungen eingehen, kann dies auch auf
eine erhöhte bzw. verminderte Sensibilität der meldenden BürgerInnen gegenüber rechtsextremen Erscheinungsformen und Aktivitäten sowie Diskriminierung zurückzuführen sein.
Alltagsrassismus ist durchaus kein marginales gesellschaftliches Phänomen. Aus einer Umfrage der Arbeitsgruppe „Antirassistische und interkulturelle Arbeit“ des Beirats für Migrant/innenangelegenheiten des Bezirksamts Marzahn-Hellersdorf (seit 2012: Integrationsbeirat)
aus dem Jahr 2010 geht hervor, dass sich die gemeldeten alltagsrassistischen Vorfälle zumeist am helllichten Tag und unter Augenzeugen ereignen.
An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass es im Bezirk vielfältige zivilgesellschaftliche
Aktivitäten gibt, die im Zusammenwirken mit dem Bezirksamt und der Bezirksverordnetenversammlung stattfinden. Dies kann als Ermutigung zur Auseinandersetzung mit diesem
Thema angesehen werden.

2. KATEGORISIERUNG
2.1. ART DER VORFÄLLE
Die Vorkommnisse werden unterschieden in Übergriffe wie Bedrohungen und physische
Gewalt gegenüber Personen bzw. Sachbeschädigungen, die Personenschäden mit sich ziehen können. Schmierereien, Aufkleber- und Plakataktionen der extremen Rechten werden
als Propaganda zusammengefasst. Die Kategorie Veranstaltungen beinhaltet Kundgebungen, Demonstrationen, Parteiveranstaltungen und unterschiedlichste Ansammlungen im öffentlichen Raum. Das laute Abspielen von rechtsextremer Musik und das Skandieren von
Parolen werden unter Sonstiges erfasst.
6

2.2. INHALTLICHE ZUORDNUNG
Inhaltlich werden die Einträge unterschieden in:


rechtsextreme Selbstdarstellung: z.B. das Verteilen von NPD-Zeitungen, Infostände der extremen Rechten, Aufkleberaktionen u.ä.;



rechtsextreme Gewaltkriminalität: die rechtsextrem motivierte Androhung oder Anwendung physischer Gewalt gegenüber anderen Personen;



NS-Verharmlosung: das Sprühen von verbotenen bzw. verfassungsfeindlichen
Symbolen

(z.B.

Hakenkreuze,

SS-Runen)

und

die

Glorifizierung

von

NS-

Persönlichkeiten (z.B. Horst Wessel, Rudolf Heß);


Islamfeindlichkeit: Herabwürdigung von Menschen islamischen Glaubens bzw. Abwertung des Islam als Religion;



Aktionen gegen politische Gegner: z.B. das Beschmieren von Wahlplakaten anderer politischer Parteien und das Stören von Veranstaltungen;



rassistische, homophobe, antisemitische und ethnozentriert-kulturalistische Aktivitäten: Personen bzw. ganze Gruppen werden aufgrund ihrer ethnischen Herkunft,
sexuellen Orientierung bzw. religiösen Überzeugung herabgewürdigt;



Internet: das Anprangern anderer Personen oder Gruppen bzw. das Ankündigen
rechtsextremer Aktionen auf einer Internetplattform (z.B. virtuelle Hasspropaganda);



Sonstiges: alle anderen Dinge, die keiner der o.g. Kategorien eindeutig zuzuordnen
sind

2.3. ORTE
Um die rechtsextremen Aktivitäten genauer verorten zu können, wurde die gängige Einteilung des Bezirkes in Stadtteile übernommen. Weiterhin wurde die Kategorie stadtteilübergreifend hinzugefügt, um Vorkommnisse, die nicht nur einen einzigen Stadtteil, sondern
mehrere Stadtteile oder den gesamten Bezirk betreffen (z.B. BVV-Sitzungen, Internet), besser einordnen zu können:


Marzahn-Nord liegt nördlich der Wuhletalstraße und ist eingerahmt von der Ahrensfelder Chaussee und der Grenze zum brandenburgischen Landkreis Barnim;



Marzahn-Mitte wird begrenzt von der Wuhletalstraße, der Landsberger Allee und der
Bezirksgrenze zu Lichtenberg sowie der Grenze zum brandenburgischen Landkreis
Barnim;
7



Marzahn-Süd liegt westlich der Wuhle bzw. des südlichen Teils der Allee der Kosmonauten und der Märkischen Allee, östlich der Rhinstraße, südlich von MarzahnMitte und umfasst den Kienberg;



Biesdorf wird begrenzt von der Wuhle im Osten, der Bezirksgrenze zu TreptowKöpenick im Süden, zu Lichtenberg im Westen sowie der Elisabethstraße im Norden;



Hellersdorf-Nord wird in westlicher Richtung durch die Wuhle, im Süden durch die
U-Bahn-Linie 5 und im Norden durch die Landsberger Chaussee begrenzt;



Hellersdorf-Ost grenzt im Osten an den brandenburgischen Landkreis MärkischOderland und umfasst die Großsiedlungsgebiete südlich der U-Bahn-Linie 5;



Mahlsdorf meint das durch Einfamilienhäuser und Stadtvillen geprägte Siedlungsgebiet, das westlich von Kaulsdorf, östlich vom brandenburgischen Landkreis MärkischOderland sowie südlich von Treptow-Köpenick eingerahmt wird;



Hellersdorf-Süd liegt in der Mitte von Marzahn-Hellersdorf östlich der Wuhle und umfasst das Neubaugebiet Hellersdorf-Süd;



Kaulsdorf ist das Siedlungsgebiet im südlichen Hellersdorf, das östlich der Wuhle,
südlich der Gülzower bzw. Grottkauer Straße sowie nördlich von Treptow-Köpenick
liegt;



stadteilübergreifend

8

3. STATISTIK
3.1. ERHEBUNG 2012
3.1.1. ART DER VORFÄLLE
Propaganda
Veranstaltungen
Übergriffe
Sonstiges
Gesamt

1. Halbjahr
13
2
2
1
18

Prozent
72,2%
11,1%
11,1%
5,6%
100,0%

2. Halbjahr
10
3
2
1
16

Prozent
62,5%
18,8%
12,5%
6,3%
100,0%

2012
23
5
4
2
34

Prozent
67,6%
14,7%
11,8%
5,9%
100,0%

3.1.2. INHALTLICHE ZUORDNUNG DER VORFÄLLE
rechtsextreme Gewaltkriminalität
rechtsextr. Selbstdarstellung
Islamfeindlichkeit
NS-Verharmlosung
politischer Gegner
Homophobie
Rassismus
Antisemitismus
Internet
Sonstiges
Gesamt

1. Halbjahr

Prozent

2. Halbjahr

Prozent

2012

Prozent

2
9
1
0
1
0
1
3
0
1

11,1%
50,0%
5,6%
0,0%
5,6%
0,0%
5,6%
16,7
0,0%
5,6%

1
7
3
0
1
0
1
2
0
1

6,3%
43,8%
18,8%
0,0%
6,3%
0,0%
6,3%
12,5%
0,0%
6,3%

3
16
4
0
2
0
2
5
0
2

8,8%
47,1%
11,8%
0,0%
5,9%
0,0%
5,9%
14,7%
0,0%
5,9%

18

100,0%

16

100,0%

34

100,0%

2012
0
14
3
8
2
3
0
1
3
0
34

Prozent
0,0%
41,2%
8,8%
23,5%
5,9%
8,8%
0,0%
2,9%
8,8%
0,0%
100,0%

3.1.3. ORTE
Marzahn-Nord
Marzahn-Mitte
Marzahn-Süd
Hellersdorf-Nord
Hellersdorf-Ost
Hellersdorf-Süd
Kaulsdorf
Mahlsdorf
Biesdorf
stadtteilübergreifend
Gesamt

1. Halbjahr
0
4
0
6
2
3
0
0
3
0
18

Prozent
0,0%
22,2%
0,0%
33,3%
11,1%
16,7%
0,0%
0,0%
16,7%
0,0%
100,0%

2. Halbjahr
0
10
3
2
0
0
0
1
0
0
16

9

Prozent
0,0%
62,5%
18,8%
12,5%
0,0%
0,0%
0,0%
6,3%
0,0%
0,0%
100,0%

3.2. VERGLEICH ZUM VORJAHR
3.2.1. ART DER VORFÄLLE
2011
16
0
2
1
19

Prozent
84,2%
0,0%
10,5%
5,3%
100,0%

2012
23
5
4
2
34

Prozent
67,6%
14,7%
11,8%
5,9%
100,0%

Veränderung
+7
+5 
+2 
+1 
+15 

2011
1
7
2
3
0
1
0
2
2
1
19

Prozent
5,3%
36,8%
10,5%
15,8%
0,0%
5,3%
0,0%
10,5%
10,5%
5,3%
100,00%

2012
3
16
4
0
2
0
2
5
0
2
34

Prozent
8,8%
47,1%
11,8%
0,0%
5,9%
0,0%
5,9%
14,7%
0,0%
5,9%
100,00%

Veränderung

2011

Prozent

2012

Prozent

Veränderung

Marzahn-Nord
Marzahn-Mitte
Marzahn-Süd
Hellersdorf-Nord
Hellersdorf-Ost
Hellersdorf-Süd
Kaulsdorf
Mahlsdorf

2
2
1
3
2
4
1
0

10,5%
10,5%
5,3%
15,8%
10,5%
21,2%
5,3%
0,0%

0
14
3
8
2
3
0
1

0,0%
41,2%
8,8%
23,5%
5,9%
8,8%
0,0%
2,9%

-2 
+12 
+2 
+5 
0
-1 
-1 
+1 

Biesdorf
stadtteilübergreifend

0
4

0,0%
21,1%

3
0

8,8%
0,0%

+3 
-4 

19

100,0%

34

100,0%

+15 

Propaganda
Veranstaltungen
Übergriffe
Sonstiges
Gesamt

3.2.2. INHALTLICHE ZUORDNUNG
rechtsextr. Gewaltkriminalität
rechtsextreme Selbstdarstellung
Islamfeindlichkeit
NS-Verharmlosung
politischer Gegner
Homophobie
Rassismus
Antisemitismus
Internet
Sonstiges
Gesamt

+2 
+9 
+2 
-3 
+2 
-1 
+2 
+3 
-2 
+1 
+15 

3.2.3. ORTE

Gesamt

10

4. AUSWERTUNG
Im Jahr 2012 wurden insgesamt 34 Vorfälle in Marzahn-Hellersdorf gemeldet. Im Vergleich
zum Vorjahr ist eine Zunahme von 15 Erscheinungsformen und Aktivitäten zu verzeichnen,
die in Zusammenhang mit antisemitischen, rechtsextremen und rassistischen Wahrnehmungen stehen. Die Zahl der Vorfälle verteilte sich auf beide Halbjahre nahezu gleichmäßig;
in der ersten Jahreshälfte waren 18 und in der zweiten Jahreshälfte 16 Vorfälle zu verzeichnen.
Anders als im Vorjahr fanden 2012 keine Wahlen statt. Der parteipolitisch organisierte
Rechtsextremismus in Form der NPD war dennoch aktiv, was sich beispielweise in zwei
Demonstrationen zum 1. Mai sowie einer weiteren Kundgebung im Herbst äußerte. Gleichwohl erweckten die Veranstaltungen nicht den Anschein, als ob – anders als von den Ausrichtern beabsichtigt – eine Mobilisierung vieler Anhänger gelungen wäre. Dies war indes
eher auf Seiten der demokratischen Gegenkräfte der Fall: Parteiübergreifend versammelten
sich zahlreiche Demokratinnen und Demokraten, um rechtsextremen Bestrebungen im Bezirk eine klare Absage zu erteilen.
Innerhalb des Spektrums des Rechtspopulismus machte vor allem die „Bürgerbewegung
Pro Deutschland“ von sich reden, die den Hauptsitz ihres Bundesverbandes von der Allee
der Kosmonauten zur Alten Rhinstraße (Marzahn-Süd) verlegte und dort Mitte August eine
Ausstellung zu den Mohammed-Karikaturen, die bereits im Vorfeld für internationale Proteste
gesorgt hatten, eröffnete. Im Namen des Bezirksamtes reagierte Bezirksbürgermeister Stefan Komoß mit einer „Grußbotschaft zum bevorstehenden Ramadan-Fest an die Musliminnen und Muslime im Bezirk“:
„Marzahn-Hellersdorf ist ein Ort der Vielfalt in Berlin, an dem auch einige hundert Musliminnen und Muslime zuhause sind. Die Musliminnen und Muslime in aller Welt feiern
dieses Jahr vom 19. bis 21. August den Ausklang des Fastenmonats Ramadan. Zu diesem Anlass wünscht das Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf allen muslimischen Bürgerinnen und Bürgern friedliche und frohe Feiertage. Das Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf
versteht die Gewährleistung des Menschenrechts auf freie Ausübung einer Religion eigener Wahl sowie den Schutz vor Diskriminierung als eine wichtige Aufgabe und Verpflichtung der bezirklichen Politik und Verwaltung. Deshalb verurteilt das Bezirksamt antimuslimische Provokationen, wie sie von der sogenannten ,Bürgerbewegung Pro
Deutschland‘ – leider auch in Marzahn-Hellersdorf – ausgehen. Zugleich ist sich das Bezirksamt sicher, dass die antimuslimischen Provokationen rechtspopulistischer Splittergruppen in keiner Weise für den Bezirk Marzahn-Hellersdorf sowie seiner Bürgerinnen

11

und Bürger repräsentativ sind. Vielmehr geht das Bezirksamt aktiv die weitere Gestaltung von Marzahn-Hellersdorf als Ort der Vielfalt an.“
(Quelle: Pressemitteilung des Bezirksamtes Marzahn-Hellersdorf: vom 16.08.2012,
http://www.berlin.de/ba-marzahnhellersdorf/aktuelles/presse/archiv/20120816.1535.373793.html, 12.03.2013).
Was die Systematik des vorliegenden Verzeichnisses betrifft, so ist darauf hinzuweisen, dass
rechtspopulistische Aktivitäten nicht ohne weiteres Eingang in die Auswertung finden. Dies
ist nur dann der Fall, wenn es klar erkennbar um Bestrebungen geht, die mit den Normen
des Grundgesetzes bzw. des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes unvereinbar sind
bzw. sich gegen solche Normen richten. Folglich werden Äußerungen (z.B. Polemiken gegen
Zuwanderung) oder Aktionen, für die dies nicht zutrifft, nicht in das Verzeichnis mit aufgenommen, obwohl im Einzelfall klar sein mag, dass man sie kritisch hinterfragen sollte und sie
womöglich auch dem rechtspopulistischen Lager zuzuordnen sind.

4.1. ART DER VORFÄLLE
Über das gesamte Jahr hinweg waren zumeist Propaganda-Aktivitäten (knapp 70% aller
Vorfälle) zu verzeichnen. Dies sind prozentual gesehen etwa 44% mehr Vorkommnisse als
im Jahr zuvor. Das Verteilen von Werbematerialien, das Beschmieren von Wänden mit
rechtsextremen Parolen sowie die Verbreitung des entsprechenden Gedankengutes im Internet sind – wie in den Jahren zuvor – ein beliebtes Mittel, um rechtsextreme Meinungen in
die Öffentlichkeit zu tragen.
Während es im Vorjahr trotz des Wahlkampfes weder rechtsextreme noch rechtspopulistische Veranstaltungen gab, waren 2012 insgesamt 5 Veranstaltungen zu verzeichnen, obwohl in diesem Jahr kein Wahlkampf stattfand. Es bleibt abzuwarten, wie sich dies in Zukunft
– etwa im Bundestagswahljahr 2013 – weiterentwickeln wird, da sich momentan kein eindeutiger Trend ausmachen lässt.
Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Zahl der Übergriffe von 2 auf 4 verdoppelt. Angesichts
der Tatsache, dass es den Erfassungen der Opferberatungsstelle „ReachOut“ zufolge berlinweit 139 Übergriffe gab (wobei der Westteil der Stadt inzwischen den Osten übertroffen
hat und es beispielsweise allein in Neukölln 22 Vorfälle Übergriffe gab), sind die Zahlen für
Marzahn-Hellersdorf vergleichsweise niedrig. Allerdings kann dies nicht als Grund zur Entwarnung angesehen werden, da offenkundig nach wie vor ein gewisses Gewaltpotenzial
vorhanden ist.

12

Unter Sonstiges wurden 2 Vorfälle eingeordnet; 2011 war es 1 Vorfall. Dabei handelte es
sich zum einen um eine rassistische Beleidigung und zum anderen um das Absingen
deutschnationalen Liedguts. Letzteres muss sich zwar nicht zwangsläufig in einem rechtsextremen Kontext bewegen; es liefert aber ein beredtes, auf den ersten Blick harmlos scheinendes Beispiel für das vielerorts wahrnehmbare Klima, innerhalb dessen rechtsextreme
Tendenzen mehr oder weniger offensichtlich gedeihen können.

4.2. INHALTLICHE ZUORDNUNG
Der Kategorie rechtsextreme Gewaltkriminalität wurden in diesem Jahr 3 Vorfälle zugeordnet, während es im Vorjahr 1 Vorfall gab.
Fast die Hälfte (ca. 47%) aller Vorfälle betreffen den Bereich rechtsextreme Selbstdarstellung. Diese Kategorie dominiert – wie auch in den Jahren zuvor – alle anderen Erscheinungsformen rechtsextremer Aktivitäten.
Für die Kategorie Islamfeindlichkeit, die im Vorjahr neu eingeführt wurde, wurden 2012
insgesamt 4 Vorfälle gemeldet (2011: 2 Vorfälle).
Die Zahl der Fälle von NS-Verharmlosung ist derweil noch weiter zurückgegangen: 2011
gab es 3 entsprechende Fälle; für das Jahr 2012 wurde kein einziger Vorfall gemeldet.
13

In die Kategorie politischer Gegner fallen 2012 insgesamt 2 Vorfälle, während es im Vorjahr
keinen einzigen Vorfall dieser Art gab, der eindeutig zuzuordnen gewesen wäre.
Im Bereich der homophoben Vorkommnisse wurde kein einziger Fall verzeichnet (2011: 1
Vorfall).
Während 2011 bemerkenswerterweise keine rassistischen Vorkommnisse gemeldet wurden, sind für 2012 insgesamt 2 gemeldete Vorfälle zu verzeichnen. Diese vergleichsweise
niedrige Zahl lässt jedoch nicht den Schluss zu, dass es solche Vorkommnisse tatsächlich
nicht in größerem Umfang gab, zumal die Vergleichszahlen aus den vorherigen Jahren
durchaus auf ein nicht unbeträchtliches alltagsrassistisches Potenzial hinweisen. Vielmehr ist
davon auszugehen, dass entsprechende Vorkommnisse lediglich nicht bzw. nicht umfassend
genug gemeldet wurden.
2012 wurden 3 antisemitische Vorfälle mehr (insgesamt 5 Meldungen) als im Vorjahr verzeichnet (insgesamt 2 Meldungen).
In die Kategorie Internet fiel 2012 kein einziger Vorfall; 2011 sind derweil 2 Meldungen eingegangen.
Unter Sonstiges wurden 2 Meldungen verbucht. Im Vorjahr war es eine Meldung.

14

4.3. ORTE
Bei der Verteilung der Vorfälle über die einzelnen Stadtteile ist für 2012 ein eindeutiger
Schwerpunkt in Marzahn-Mitte zu verzeichnen (ca. 41% Vorfälle) – gefolgt von HellersdorfNord (über ein Viertel aller Vorfälle), das bereits seit vielen Jahren einen Spitzenplatz in der
Statistik einnimmt. Dies ist insofern bemerkenswert, als genau in diesen beiden Stadtteilen
das Engagement gegen rechtsextreme Tendenzen einerseits sowie zur Stärkung von Demokratie andererseits besonders stark ausgeprägt ist (z.B. Lokale Aktionspläne für MarzahnMitte und Hellersdorf-Nord/-Ost im Rahmen des Bundesprogramms „Toleranz fördern –
Kompetenz stärken“).
Ansonsten verteilen sich die Vorfälle relativ ausgewogen (d.h. zwischen etwa 3 und 9 Prozent) über die übrigen Stadtteile (Marzahn-Süd, Hellersdorf-Ost, Hellersdorf-Süd, Mahlsdorf und Biesdorf).
Sowohl aus Marzahn-Nord als auch aus Kaulsdorf wurden für 2012 keine Vorkommnisse
gemeldet.
Vorfälle, die keinem Stadtteil eindeutig zuzuordnen sind, sondern stadtteilübergreifend zu
Buche schlagen, wurden für 2012 nicht in Erfahrung gebracht.
Insgesamt lässt sich beobachten, dass die gemeldeten Zahlen im Vergleich zum Vorjahr –
außer in Marzahn-Nord, Hellersdorf-Süd, Kaulsdorf und stadtteilübergreifend (Abnahme
um insgesamt 8 Fälle) – angestiegen sind.

15

Es ist allerdings anzumerken, dass eine hohe Zahl von Vorfällen auch dem Umstand geschuldet sein kann, dass in dem entsprechenden Stadtteil eine erhöhte Sensibilität der meldenden BürgerInnen vorhanden ist. Dies trifft vor allem dann zu, wenn es viele verschiedene
Akteure gibt, die sich direkt vor Ort für das demokratische Gemeinwesen engagieren.

16

Betrachtet man die Verteilung der rechtsextremen Erscheinungsformen und Aktivitäten auf
die einzelnen Monate verteilt, so lässt sich erkennen, dass die gemeldeten Vorfälle vornehmlich im Frühjahr sowie in den Herbst-Monaten auftraten. Dies widerspricht dem üblicherweise
festzustellenden Muster, dass rechtsextreme Aktivitäten unterschiedlichster Art in aller Regel
in der warmen Jahreszeit stattfinden.

17

5. ERFAHRUNGSBERICHTE
Die nachfolgenden (auf Wunsch der Betroffenen z.T. anonymisierten) persönlichen Erfahrungsberichte sollen einen kleinen Eindruck vermitteln, wie sich Menschen, die im Alltag mit
rechtsextremem, rassistischem bzw. diskriminierendem Verhalten konfrontiert werden, fühlen
bzw. darüber nachdenken. Freilich handelt es sich dabei lediglich um einige Beispiele, die
zwar keineswegs einen Anspruch auf Vollständigkeit und Ausgewogenheit erheben können,
aber gleichwohl – zumindest in Bezug auf einzelne wahrgenommene Facetten – das Alltagsleben vieler Menschen im Bezirk negativ beeinflussen.

Beispiel 1: eine Bürgerin aus Hellersdorf:
Meine Söhne, beide derzeit 14 Jahre alt, haben am „Eastgate“ auf den Bus gewartet.
Während sie da saßen, wurden sie von drei klassisch gekleideten jungen Männern als
„Zecken“ beschimpft. Außerdem fielen Sprüche wie „dass man sowas wie sie doch verbrennen sollte“ usw. Den beiden war entsprechend mulmig zumute, zu einem tätlichen
Übergriff kam es aber nicht. Die Situation wurde von den Kindern aber durchaus als bedrohlich empfunden. Ereignet hat sich diese Situation im Juni am Tag der Zeugnisausgabe. Zu erwähnen ist vielleicht, dass meine Kinder zu diesem Zeitpunkt einen grünen
bzw. blauen Iro hatten. Das reicht für Beschimpfungen dieser Art offensichtlich schon
aus.

18

Beispiel 2: ein Bürger aus Kaulsdorf:
Dass die NPD am 1. Mai 2012 in der Mitte meines Stadtteils eine eigene MaiKundgebung veranstaltet und ohne Probleme auch durchführen kann, ist für jemanden,
der vor wenigen Jahren aus Tübingen nach Berlin zugezogen ist, gewöhnungsbedürftig.
In Tübingen wäre dies nicht möglich, denn es würde am Widerstand der Wohnbevölkerung scheitern. Insofern liegt hier eine besondere politische Situation vor.
Die Gegendemonstration war von den fünf Parteien Linke, SPD, Grüne, CDU, Piraten
getragen und die Bevölkerung war von ihnen aufgerufen worden, sich zu beteiligen. Zusammenkam aber nur ein kleines Häuflein der schon immer politisch Aktiven, von „Bevölkerung“ war keine Spur. Wir standen auf der einen Straßenseite der vierspurigen
Stendaler Straße, bekamen von dem, was auf der anderen Straßenseite gesagt wurde,
nicht nur nichts mit, sondern waren auch gänzlich außerstande, die Hetztiraden der NPD
in irgendeiner Weise zu stoppen. Das heißt, der Sinn der Gegendemonstration war allenfalls symbolisch. Die NPD musste sich von uns nicht gestört fühlen.
Dass es sich tatsächlich um Hetztiraden handelte, davon konnte ich mich überzeugen,
da ich in Unkenntnis der Planungen auf der anderen Straßenseite, also genau an der
Stelle der NPD-Kundgebung, mein Fahrrad abgestellt hatte, und an der NPDKundgebung vorbeigehen musste, um nach Beendigung unserer Gegendemo damit
wieder wegzufahren. Durch diesen Umstand hatte ich aber Gelegenheit, etwas von der
Rede mitzubekommen, die gerade gegen die EU und die Griechenland-Hilfe gehalten
wurde, die in übler Stammtischmanier von den „faulen Griechen“ handelte, deren Schulden jetzt die „fleißigen Deutschen“ zu bezahlen hätten; das aber könne nicht Sinn der EU
sein usw.
Den zweiten Teil der Gegendemo, der in der Cecilienstraße stattfand, habe ich dann
nicht abgewartet und bin nach Hause gefahren, aber mit dem unguten Gefühl, dass in
Hellersdorf die NPD ein politischer Faktor ist, der offenbar auch in der Bevölkerung verankert ist. Denn ansonsten wäre ein reibungsloser Ablauf der NPD-Veranstaltung am 1.
Mai, wie ich ihn erlebt habe, nicht möglich gewesen.

Beispiel 3: eine Vertreterin aus einer Hellersdorfer Einrichtung:
Vor einigen Monaten gab es in unserer Einrichtung Probleme mit den beiden Elternteilen
eines Kindes. Der Kollege begleitete die junge Frau auf dem Weg in die Wohnung. Dort
kam es zu einem Zusammentreffen mit dem (inzwischen) ehemaligen Partner. Die Situation eskalierte in der Form, dass dem Kollegen körperlich gedroht wurde und beim Verlassen der Wohnung mehrfach der Hitlergruß gezeigt wurde. Parallel fanden eindeutige
Beschimpfungen statt, die aber von der dann eintreffenden Polizei nicht geahndet wurden. Eine Anzeige wurde nicht erstattet.
19

Beispiel 4: ein Mitarbeiter eines Hellersdorfer Jugendprojektes:
Der Stadtteil Hellersdorf-Nord ist einer von fünf sozialen Brennpunkten in Berlin mit problematischen Strukturen, wo Kinder und Jugendliche geringe Chancen und Perspektiven
haben, wodurch ihre Freizeitmöglichkeiten sehr eingeschränkt sind.
Die Strukturen der Jugendgruppen werden stark von den jeweiligen Familienverhältnissen beeinflusst, aus denen die Kinder und Jugendlichen kommen. Die Kinder bzw. Jugendlichen suchen sich Gruppen, die am ehesten ihren Vorstellungen und ihrem Lebensgefühl von familiärer Zugehörigkeit entsprechen, wodurch sich Konfliktlagen und
Verhaltensunsicherheiten verschärfen können.
Auch fremdenfeindliche oder antisemitische Vorurteile, die in Familien vermittelt werden,
können so in Jugendgruppe weitertransportiert werden. Es ist daher nicht auszuschließen, dass solche Vorurteile bei vielen Menschen in diesem Stadtteil latent vorhanden
sind, ohne dass daraus eindeutig strukturierte ideologische Weltbilder abgeleitet werden
können. Vielmehr sind subtil vorhandene „Bewegungen“ gegen die Gesellschaft der
Bundesrepublik Deutschland in Form von Aufklebern bzw. im Internet zu verzeichnen,
wobei sich die Verfasser meist im Rahmen der Legalität zu bewegen scheinen (wie z.B.
die „Heimattreue Bewegung“).
Die Reaktion von Menschen mit rechten Denkmustern sind oft nicht kalkulierbar bzw. es
können keine eindeutigen Zuordnungen mehr vorgenommen werden. Gespräche zu
Themenbereichen wie Rechtsextremismus oder Antisemitismus können erfahrungsgemäß zu problematischen Situationen, unter Umständen mindestens zu verbalen Anfeindungen von Menschen mit rechten Orientierungen führen, wenn o.g. Themen im öffentlichen Raum (z.B. bei Festen, Veranstaltungen, in öffentlichen Verkehrsmitteln) angesprochen werden.
Die „Stolpersteine“ beim Fest „Schöner leben ohne Nazis“ führten bei einigen Jugendlichen zu spontanen Äußerungen, wie die eines Jungen (14 Jahre): „Das sind ja Judensterne!“ Mitarbeiter: „Du meinst Davidsterne?“ Junge: „Wieso? Ach ja, Davidsterne. Meine Mutter hat mir gesagt, dass die Juden böse sind und etwas Böses getan haben.“ Mitarbeiter: „Kannst du mir sagen, was die Juden denn Böses getan haben?“ Junge: „Nee,
weiß ich nicht, aber meine Mutter hat das gesagt. Ich möchte da nichts weiter zu sagen.“

Beispiel 5: eine Vertreterin einer Marzahn-Hellersdorfer Einrichtung:
Auf Initiative einer Marzahn-Hellersdorfer Einrichtung erfolgten Recherchearbeiten zu
den Schicksalen der jüdischen Frauen Elise Block und Eva Wolff, die im Gebiet des heutigen Bezirkes wohnten und deportiert wurden. Die Finanzierung der Stolpersteine wurde
durch die Besucherinnen der Einrichtung aufgebracht. Am 29. November 2012 sollte die
Verlegung der zwei Stolpersteine für diese Frauen erfolgen.
20

Im Vorfeld erhielten wir eine Mail eines Anwohners (nicht wohnhaft in dem Haus, wo die
Verlegung erfolgt) mit dem Vorwurf, wir hätten nicht richtig recherchiert und wenn wir die
Verlegung vornehmen würden, werde er eine Bürgerinitiative mit dem Ziel gründen, den
Stolperstein entfernen zu lassen und die Kosten in Rechnung zu stellen.
In einem klärenden Gespräch mit den Bewohnern bzw. Eigentümern des Hauses, wo der
Stein verlegt werden sollte, ergab sich, dass unsere Recherchearbeit – entsprechend
den uns möglichen zugänglichen Quellen – der Wahrheit entspricht. Ein anderer Punkt,
bei dem keine Übereinstimmung mit den Eigentümern erzielt werden konnte, war die Inschrift auf dem Stolperstein. Der Künstler des Projektes versieht in letzter Zeit generell
die Steine mit der Inschrift „ermordet“. Da aber nachweislich in den Dokumenten „Tod in
Theresienstadt“ herausgearbeitet wurde, war es nicht mehr in der Kürze der Zeit möglich, die Inschrift zu verändern. Nunmehr soll die Verlegung zu einem späteren Zeitpunkt
erfolgen, nach hoffentlich erfolgreicher Absprache mit dem Künstler.
Am 29. November 2012 erfolgte dann die Verlegung eines Stolpersteines. Als Reaktion
darauf wurde in der Nacht vom 6. auf den 7. Dezember an unserer Eingangstür ein Davidstern aufgesprüht und der Zeitungsartikel, der über die Verlegung berichtet hatte, angeheftet.
Am 18. Dezember wurde vormittags die Fensterscheibe mit einem Pflasterstein eingeschlagen. Der Pflasterstein wurde von dem/den Verursacher/n vor dem Fenster liegen
gelassen. Daraufhin erfolgte unsererseits diesmal eine polizeiliche Anzeige gegen unbekannt. Den Beamten habe ich erklärt, dass ich einen Zusammenhang mit der Verlegung
des Stolpersteines und den vorherigen Reaktionen sehe. Daraufhin wurde ich belehrt,
dass ich mit Vermutungen nicht argumentieren solle.
Wir werden trotzdem den zweiten Stolperstein 2013 verlegen, auch wenn natürlich immer die Angst über uns schwebt, was als Nächstes kommt.

Beispiel 6: eine Marzahn-Hellersdorfer Bürgerdeputierte:
Die Verlegung von Stolpersteinen zur Erinnerung an das Schicksal der deportierten Jüdinnen und Juden während der Zeit des deutschen Hitlerfaschismus ist in unserem Bezirk immer mit großer Anteilnahme verbunden. So auch diesmal. Die Frauen eines Frauentreffs des Bezirkes Marzahn-Hellersdorf hatten gründlich recherchiert und sich für zwei
jüdische Frauen entschieden, die damals in Kaulsdorf lebten, deportiert wurden und in
Theresienstadt verstorben bzw. in Majdanek verschollen sind. Soweit die Geschichte, die
Anlass genug war, um an diesem Ort vor den Grundstücken Stolpersteine zu verlegen.
Darüber wurden die Anwohner der jeweiligen Straße informiert und zur Feierstunde auch
die heutigen Bewohner der Häuser eingeladen.

21

Unterschiedlich betroffen reagieren Menschen. Unerwartet waren aber die Furcht und
Angst, die den Frauen in der heutigen Zeit dort begegnen und vor allem damit begründet
werden, evtl. auch selbst Opfer von Anschlägen zu werden. Der Unterstützung der Aktion zur Verlegung von Stolpersteinen mit Worten einerseits stand die Sorge um das persönliche Eigentum und um das Ansehen in der Nachbarschaft andererseits gegenüber,
da der Stein irgendeine diffuse Schuld implizieren würde.
Die Frauen wollen aber genau mit dieser Aktion bewusst sichtbare Zeichen setzen und
uns nicht einschüchtern lassen und den öffentlichen Raum nicht den Rechtsextremen
überlassen.

6. MAßNAHMEN ZUR DEMOKRATIEENTWICKLUNG
Schon seit Jahren unternimmt der Bezirk diverse Anstrengungen, um nicht nur rechtsextreme Phänomene und Tendenzen abzuwehren, sondern gleichzeitig auch die bezirkliche Demokratie zu befördern. Am bekanntesten sind wahrscheinlich die Bürgerfragestunde vor
jeder Sitzung der Bezirksverordnetenversammlung und die Einwohnerversammlungen in
den verschiedenen Stadtteilen des Bezirks, wo alle Bürgerinnen und Bürger mit den politisch
Verantwortlichen ins Gespräch kommen können, um ihre Sorgen, Wünsche und Anliegen
jedweder Art zur Sprache zu bringen. Der Bürgerhaushalt bietet – wie der Name schon sagt
– allen Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit, sich auch aktiv an der Gestaltung finanzpolitischer Belange zu beteiligen. Damit gehört der Bürgerhaushalt zu den „klassischen“ Instrumenten demokratischer Teilhabe, die es Bürgerinnen und Bürger ermöglicht, im kleinen
Rahmen Verantwortung für ihr Gemeinwesen zu übernehmen.
Zu den besonders öffentlichkeitswirksamen Veranstaltungsformaten gehört vor allem
„Schöner leben ohne Nazis am Ort der Vielfalt Marzahn-Hellersdorf“, das erstmals 2009
durchgeführt wurde und inzwischen zum festen Bestandteil des Bezirkskalenders geworden
ist. Bei der alljährlichen Veranstaltung präsentieren sich verschiedene im Bezirk ansässige
demokratische Akteure (z.B. Vereine, Initiativen, Parteien, Ämter, Gewerkschaften), die sich
aktiv dem Ziel verschrieben haben, gemeinsam ein sichtbares Zeichen gegen Ausgrenzung,
Rechtsextremismus und jedwede Form von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit zu
setzen und dabei gemeinsam für einen weltoffenen Bezirk – nämlich für einen lebenswerten
„Ort der Vielfalt“ – einsetzen. Gleichzeitig sollen durch diese Veranstaltung auch weitere
Bürgerinnen und Bürger für das Thema gewonnen und zu bürgerschaftlichem Engagement
ermutigt werden.

22

Im Rahmen des Bundesprogramms „Toleranz fördern – Kompetenz stärken“ gibt es im Bezirk außerdem zwei Lokale Aktionspläne (LAPs) für Marzahn-Mitte1 und Hellersdorf-Nord/Ost. Diese haben das Ziel, in einem Zusammenspiel aus Kommune und lokalen Akteuren
der Zivilgesellschaft eine gemeinsame Strategie gegen rechtsextreme, fremdenfeindliche
und antisemitische Tendenzen zu entwickeln und ein Netzwerk aus demokratischen Kräften
zu etablieren. Im Zuge dessen werden einzelne Projekte umgesetzt, die vor Ort Vielfalt, Toleranz und Demokratie – vor allem bei Jugendlichen – erlebbar machen. Ganz konkret wurden
bzw. werden in den beiden Marzahn-Hellersdorfer LAP-Gebieten beispielsweise Peer Helper
und Konfliktlotsen ausgebildet, ein „Kiez-Mobil“ ins Leben gerufen und diverse JugendkulturVeranstaltungen durchgeführt.
Um die in der Vergangenheit bereits in die Wege geleiteten Maßnahmen sowie die schon
bestehenden Angebote und Strukturen im Bereich der kommunalen Demokratie und Partizipation weiter zu qualifizieren und im Einklang mit dem Bezirklichen Integrationsprogramm
strategisch auszurichten, hat Polis* Ende 2012 den Entwurf für ein „Bezirkliches Aktionsprogramm für Demokratieentwicklung am Ort der Vielfalt Marzahn-Hellersdorf“ vorgelegt, das ab 2013 realisiert werden soll.

7. AUSBLICK
Für die Zukunft bleibt abzuwarten, inwiefern sich der – ungeachtet einiger unregelmäßiger
Schwankungen – grundsätzlich zu beobachtende Abwärtstrend hinsichtlich der gemeldeten
Vorkommnisse, die im Zusammenhang mit antisemitischen, rechtsextremen und rassistischen Wahrnehmungen stehen, weiter verstetigen wird. Wobei genauer zu unterscheiden ist
zwischen den tatsächlich auftretenden, aber nicht gemeldeten Vorfällen (d.h. der Dunkelziffer) einerseits und den gemeldeten Vorfällen andererseits.
Von besonderer Bedeutung ist daher die ab dem Berichtsjahr 2012 umgesetzte Neukonzeption des Verzeichnisses, deren Ziel es ist, zur Aufhellung ebenjenes Dunkelfeldes beizutragen, indem nicht nur dezidiert rechtsextreme Vorkommnisse, sondern auch sonstige Fälle
von Alltagsdiskriminierung und vorurteilsmotivierten Äußerungen und Handlungen in das
Verzeichnis mit aufgenommen werden. Dafür ist es beispielsweise notwendig, in Zukunft
noch weitere Vereine, die sich für Personengruppen engagieren, die vor allem im Rahmen
der im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes festgelegten Kriterien besonders häufig im
Alltag diskriminiert werden (z.B. gleichgeschlechtliche Lebensweisen, SeniorInnenvertretungen, …), dazu zu motivieren, entsprechende Meldungen vorzunehmen.
1

Weitere Informationen sind zu finden www.vielfalt-in-marzahn.de und www.aktionsplan-hellersdorf.de
zu finden.

23

Was die parteipolitisch organisierte rechtsextreme Szene in Land und Bund betrifft, so
befindet sich diese gegenwärtig in einer prekären Lage. Dies ist vor allem internen machtund personalpolitischen Auseinandersetzungen geschuldet, die seit der umstrittenen Vereinigung der NPD mit der DVU (2011/2012) noch immer nicht abschließend beigelegt sind.
Erschwerend hinzu kommen die zerrütteten Parteifinanzen der NPD sowie die drohende
Neuauflage eines Parteiverbotsverfahrens. All das schlägt sich selbstverständlich auch auf
den Bezirk Marzahn-Hellersdorf nieder.
Neuen Auftrieb bekam und bekommt die öffentliche Diskussion über Rechtsextremismus
nicht zuletzt durch die 2011/2012 aufgedeckten fremdenfeindlich motivierten Morde der sog.
„Zwickauer Terrorzelle“ des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU). Die Gefahr, die
von rechtsextremem Gedankengut ausgeht und durch Radikalisierungsprozesse in militanten
Rechtsterrorismus münden kann, wird mit der 2013 beginnenden justiziellen Aufarbeitung
der NSU-Morde einmal mehr besonders deutlich.
Im deutschen Parteienspektrum gibt es seit einiger Zeit eine Partei namens „Die Rechte“, die
sich selbst auf dem Boden der verfassungsmäßigen Ordnung wähnt, gleichwohl aber – ihrem Parteinamen entsprechend – stark rechtslastige Positionen vertritt. Weder in Berlin im
Allgemeinen noch in Marzahn-Hellersdorf im Besonderen ist die Partei bislang aktiv geworden. Ob sich dies im Zuge der 2013 bevorstehenden Bundestagswahl ändern wird, bleibt
einstweilen abzuwarten. Gleiches gilt für die beiden – gemeinhin dem Rechtspopulismus
zugeordneten – Parteien „Pro Deutschland“ und „Die Freiheit“. Beide sind in der Vergangenheit bereits in Erscheinung getreten, wobei die erstgenannte Partei auch ihren Bundessitz im
Bezirk hat.
Zum gegenwärtigen Zeitpunkt bleibt also abzuwarten, wie sich rechtsextreme und rechtspopulistische Tendenzen sowie demokratiegefährdende Phänomene ganz allgemein mittelund langfristig im Bezirk weiterentwickeln werden. So ist momentan noch nicht abzusehen,
inwiefern Kräfte des rechten Spektrums die sich abzeichnenden Veränderungen hinsichtlich
der Bevölkerungsstruktur für sich nutzbar machen können, indem sie auf den in der „Mitte
der Gesellschaft“ nach wie vor existierenden Bodensatz an Ressentiments zurückzugreifen
versuchen.2
Vor diesem Hintergrund ist es umso wichtiger, die BürgerInnen hinsichtlich rechtsextremer
Erscheinungsformen und Aktivitäten sowie rechtspopulistischen Gedankenguts zu sensibilisieren. Genau dieser Aufgabe wird sich auch in Zukunft der Jahresbericht zur Demokratie2

Vgl. hierzu die 2011/2012 von der Bezirklichen Koordinierungsstelle gegen demokratiegefährdende
Phänomene und Rechtsextremismus Marzahn-Hellersdorf (Polis*) in Zusammenarbeit mit dem „Mobilen Beratungsteam »Ostkreuz« für Demokratieentwicklung, Menschenrechte und Integration“ herausgegebene Broschüre „Das wird man ja wohl noch sagen dürfen…!“ – Zur Auseinandersetzung mit
rechtspopulistischen Argumentationsweisen.

24

entwicklung am Ort der Vielfalt Marzahn-Hellersdorf (einschließlich „Verzeichnis MarzahnHellersdorf zur Erfassung aller Vorkommnisse, die in Zusammenhang mit antisemitischen,
rechtsextremen und rassistischen Wahrnehmungen stehen“) widmen, indem dessen Präsenz in der Öffentlichkeit weiter verbessert wird. Die verschiedenen staatlichen sowie zivilgesellschaftlichen Akteure wie Ämter, Behörden freie Träger, engagierte Einzelpersonen etc.
müssen darüber hinaus verstärkt dazu motiviert werden, zum einen rechtsextreme Vorfälle
zu melden sowie in entsprechenden Situationen couragiert einzugreifen. Zum anderen geht
es aber auch darum, gelungene Praxisbeispiele im Zuge der Umsetzung des „Bezirklichen
Aktionsprogramms
Hellersdorf“

für

Demokratieentwicklung

hervorzuheben

und

auf

weiteres

25

am

Ort

der

Vielfalt

Optimierungspotenzial

Marzahn-

hinzuweisen.

8. CHRONIK DER GESAMMELTEN VORFÄLLE IM VERZEICHNIS 2012
lfd.
Nr.

Quelle

Art des Vorfalls

Inhaltliche
Zuordnung

Ort

1

An einem U-Bahnhof in Hellersdorf-Nord wurden Graf13.01.2012 fiti mit „NSBA“ (Nationale Sozialisten Bundesweite
Aktion) und „Fuck Antifa“ gesichtet.

Koordinierungsstelle
LAP Lichtenberg

rechtsextreme
Propaganda

politischer Gegner

HellersdorfNord

2

Vor einem Einkaufszentrum in Marzahn wurde eine
Frau, welche dem Aussehen zufolge einen Migrationshintergrund hatte, von einem Mann rechtsextremistisch
16.01.2012 beleidigt. Dieser hob, nachdem er eine Fahne mit einem Hakenkreuz ausbreitete, ihr gegenüber den rechten Arm und rief lautstark „Heil Hitler“. Daraufhin entfernte der Täter sich in unbekannte Richtung.

www.berlinonline.de

rechtsextreme
Propaganda

Rassismus

Marzahn-Mitte

3

In der Straße Alt-Friedrichsfelde wurde ein Transparent
mit der Aufschrift „Nationaler Widerstand Berlin" zum
03.02.2012
rechtsextremen „Trauermarsch“ in Dresden am
13.2.2012.

Koordinierungsstelle
LAP Lichtenberg

rechtsextreme
Propaganda

rechtsextreme
Selbstdarstellung

Biesdorf

4

11.02.2012

Bürger

rechtsextreme
Propaganda

Antisemitismus

HellersdorfNord

5

Ein mit einem Hakenkreuz beschmiertes Schild wurde
16.02.2012 auf einem Spielplatz gegenüber der Erich-KästnerStraße 37 gesichtet.

Bürger

rechtsextreme
Propaganda

rechtsextreme
Selbstdarstellung

HellersdorfSüd

6

03.03.2012

Aufkleber der Jungen Nationaldemokraten wurden im
und am U-Bahnhof Hellersdorf angebracht.

Bürger

rechtsextreme
Propaganda

rechtsextreme
Selbstdarstellung

HellersdorfNord

Datum

Aktivität

Im Kurt-Julius-Goldstein-Park sind antisemitische
Schmierereien aufgetaucht.

26

7

09.03.2012

Eine Hakenkreuzschmiererei wurde an einem Steinpoller am U-Bahnhof Neue Grottkauer Str. gesichtet.

Gesundheitsamt

rechtsextreme
Propaganda

rechtsextreme
Selbstdarstellung

HellersdorfSüd

8

25.03.2012

Auf dem Gehweg der Cecilienstraße wurde ein Hakenkreuz entdeckt.

Bürger

rechtsextreme
Propaganda

rechtsextreme
Selbstdarstellung

Biesdorf

9

Türken- bzw. islamfeindliche Schmierereien („Türken
raus aus Deutschland“ und „Islam raus aus Deutsch26.03.2012 land") wurden auf einem Spielplatz und auf Bänken am
Wuhle-Radweg (Abschnitt zwischen S- und U-Bahnhof
Wuhletal und der Straße Alt-Kaulsdorf) gesichtet:

Bürgerin

islamfeindliche
Propaganda

Islamfeindlichkeit

Biesdorf

10

Mitarbeiter der interkulturellen Einrichtung „Haus Babylon“ in der Klausdorfer Straße werden am Abend,
30.03.2012 nachdem alle Gäste gegangen sind, von zwei Männern
rassistisch beschimpft und verletzt. Die Polizei kann
die Täter noch am Tatort festnehmen.

Babel e.V.

rechtsextremer
Übergriff

rechtsextreme Gewaltkriminalität

HellersdorfNord

11

Ein 46-jähriger Mann wird in einer Kneipe an der Marzahner Promenade von einer 38-jährigen Frau und
31.03.2012
einem 44-jährigen Mann rassistisch beleidigt und geschlagen.

ReachOut

rechtsextremer
Übergriff

rechtsextreme Gewaltkriminalität

Marzahn-Mitte

12

12.04.2012

Bürger

rechtsextreme
Propaganda

rechtsextreme
Selbstdarstellung

HellersdorfOst

13

In der Nacht vom 19. auf den 20.04.2012 (Hitlers Geburtstag) wurden die Fenster des Hochschulcafés
19.04.2012 „frei_raum“ der Alice Salomon Hochschule beschädigt
und Aufkleber der selbsternannten nationalen Bewegung „Neue Ordnung“ hinterlassen.

Alice Salomon Hochschule

rechtsextreme
Propaganda

rechtsextreme
Selbstdarstellung

HellersdorfNord

Zwei Schriftzüge mit „NS AREA“ wurden an einem
Supermarkt am U-Bahnhof Cottbusser Platz entdeckt.

27

14
+
15

Die NPD hatte zu zwei Kundgebungen im Bezirk aufgerufen, an der sich ca. 30 Personen beteiligten. Sowohl der erste Aufmarsch in der Hellen Mitte (Stendaler Straße/Quedlinburger Straße) als auch der zweite
01.05.2012
(Ecke Cecilienstraße/Tollensestraße) wurde von ca.
150 Gegendemonstranten erwartet, die einem Aufruf
der Fraktionen aller demokratischen Parteien der BVV
gefolgt waren.

16

02.05.2012

Berliner Zeitung, Neues
Deutschland, …

rechtsextreme
Veranstaltung (2x)

rechtsextreme
Selbstdarstellung
(2x)

HellersdorfNord und Hellersdorf-Süd

Bürger

rechtsextreme
Propaganda

Antisemitismus

Marzahn-Mitte

17

Das Ordnungsamt wurde zum Parkfriedhof Marzahn
14.05.2012 gerufen, weil am Eingang zum Sowjetischen Mahnmal
antisemitische Schmierereien entdeckt worden waren.

Ordnungsamt

rechtsextreme
Propaganda

Antisemitismus

Marzahn-Mitte

18

Nach dem Sieg der deutschen Nationalmannschaft
gegen Dänemark während der Fußball17.06.2012 Europameisterschaft singen junge Männer auf dem
Balkon ihrer Wohnung in der Riesaer Straße die erste
Strophe des Deutschlandliedes.

Die Linke

Sonstiges

Sonstiges

HellersdorfOst

19

In der Nelly-Sachs-Straße zwischen U-Bahnhof Hellersdorf und dem Naumburger Ring (Höhe Fernmel03.07.2012 deamt) wurden vom Ordnungsamt verfassungsfeindliche Sprüche (Original: „Islam raus Schweine – aus
Deutschland“) auf einer Parkbank dokumentiert.

Ordnungsamt

islamfeindliche
Propaganda

Islamfeindlichkeit

HellersdorfNord

20

Fünf Männer liefen durch die Fercher Straße und riefen
dabei fremdenfeindliche Parolen. Sie trugen die
08.07.2012 Reichskriegsflagge und ein Transparent, auf das u.a.
Hakenkreuze gezeichnet waren. Anwohner riefen die
Polizei. Die Männer wurden festgenommen.

Polizeiticker

rechtsextreme
Propaganda

rechtsextreme
Selbstdarstellung

HellersdorfNord

Im Eingangsbereich des S-Bahnhofs Marzahn wurde
„Wir hassen Juden“ geschmiert.

28

21

Die als rechtspopulistisch eingestufte „Bürgerbewegung Pro Deutschland“ eröffnete in ihren neuen Räum18.08.2012
lichkeiten eine Ausstellung mit Mohammed-Karikaturen
und führt dazu eine Pressekonferenz durch.

Bürger

rechtspopulistische Veranstaltung

Islamfeindlichkeit

Marzahn-Süd

22

Auf Holzstelen in der Sitzgruppe Berliner Balkon in der
öffentlichen Grün- und Erholungsanlage Barnimer
27.08.2012 Hang wurden verfassungsfeindliche Symbole (Hakenkreuze und SS-Runen) entdeckt und dem Ordnungsamt angezeigt.

Bürger

rechtsextreme
Propaganda

rechtsextreme
Selbstdarstellung

Mahlsdorf

23

Gegen 19 Uhr wurden eine 28-jährige Ukrainerin und
ihre Kinder sowie ihre 18-jährige italienische Freundin
auf einem Spielplatz im Bürgerpark Marzahn von einem Mann mit volksverhetzenden Parolen beleidigt. Er
28.08.2012
zeigte außerdem mehrmals den Hitlergruß. Vorausgegangen war der Beschimpfung, dass eines der Kinder
Müll neben den Mülleimer geworfen hatte. Der Mann
war in Begleitung einer Frau und eines Kindes im Park.

Polizeiticker

rechtsextreme
Propaganda

rechtsextreme
Selbstdarstellung

Marzahn-Mitte

24

An der Eingangstür eines Wohnhauses in der Lands02.09.2012 berger Allee wurden Hakenkreuze und fremdenfeindliche Parolen von einem Mieter entdeckt.

Polizeiticker

rechtsextreme
Propaganda

rechtsextreme
Selbstdarstellung

Marzahn-Mitte

25

An den Spielgeräten auf dem Kinderspielplatz Belziger
Ring/Kemberger Straße wurden verfassungsfeindliche
24.10.2012
Symbole (Hakenkreuze und Schriftzüge „Hitler“ und
„Nazi") entdeckt.

Ordnungsamt

rechtsextreme
Propaganda

rechtsextreme
Selbstdarstellung

Marzahn-Mitte

26

Ein 19-jähriger junger Mann beleidigt in einem Park an
24.10.2012 der Franz-Stenzer-Straße ein 13-jähriges aus Haïti
stammendes Mädchen wegen seiner Hautfarbe.

Polizeiticker

Sonstiges

Rassismus

Marzahn-Mitte

29

27

Ein 38-jähriger Mann wird an einer Straßenbahnhaltestelle in der Max-Hermann-Straße von einem 2224.10.2012
jährigen Mann rassistisch beleidigt sowie von hinten
geschubst und dabei verletzt.

28

NPD-Demonstration (ca. 11 Mann) unter dem Motto
27.10.2012 "Sicherheit durch Recht und Ordnung" vor dem Einkaufszentrum "Eastgate" am S-Bahnhof Marzahn

29

Am 30.10.2012 gegen 12:00 Uhr entdeckte die Jugendgruppe „Der Rote reloaded“ auf ihrer Skater30.10.2012 Anlage „Der Rote“ an der Wuhletalstraße zwei aufgesprühte Hakenkreuze. Sie wurden mit Farbe unkenntlich gemacht.

30

Die „Bürgerrechtspartei Die Freiheit“ verteilte ein Flugblatt mit dem Titel „Volkstrauertag am 18. November
2012“. Darin heißt es: „Wir gedenken vor dem Reichstagsgebäude der 7500 Deutschen, die von 1990 bis
2012 der Ausländergewalt zum Opfer gefallen sind. [...]
08.11.2012 Deutsche Opfer haben keine Lobby, keine Gedenkfeier
im Bundestag, keine Abfindung, keine oder verfälschte
Berichterstattung!“ Damit wird der ursprüngliche Sinn
des Volkstrauertages – nämlich das Gedenken an die
Opfer von Kriegen und Gewaltherrschaft aller Nationen
– entstellt.

30

ReachOut

rechtsextremer
Übergriff

rechtsextreme Gewaltkriminalität

Marzahn-Mitte

Polis*

rechtsextreme
Veranstaltung

rechtsextreme
Selbstdarstellung

Marzahn-Mitte

Jugendamt

rechtsextreme
Propaganda

rechtsextreme
Selbstdarstellung

Marzahn-Mitte

Bürger

rechtspopulistische Propaganda

Sonstiges

Marzahn-Mitte

31

Nachdem eine Marzahn-Hellersdorfer Einrichtung am
29.11.2012 zwei Stolpersteine (zur Erinnerung an zwei
im Konzentrationslager Theresienstadt ermordete Jü06.12.2012
dinnen) in einer Marzahner Straße verlegt hatte, wurde
in der Nacht vom 6. auf den 7.12.2012 ein Davidstern
an die Eingangstür der Einrichtung aufgesprüht.

Marzahn-Hellersdorfer
Einrichtung

rechtsextreme
Propaganda

Antisemitismus

Marzahn-Mitte

32

Vortragsveranstaltung des „Eigentümerverbandes Ost“
in der Alten Rhinstraße (u.a. mit Vorträgen über das
08.12.2012 Verhältnis Deutschlands zu seinen östlichen Nachbarn
sowie über die „schleichende Islamisierung Deutschlands“)

Die Linke

rechtspopulistische Veranstaltung

Islamfeindlichkeit

Marzahn-Süd

33

Nachdem eine Marzahn-Hellersdorfer Einrichtung am
29.11.2012 zwei Stolpersteine (zur Erinnerung an zwei
im Konzentrationslager Theresienstadt ermordete Jü18.12.2012
dinnen) in einer Marzahner Straße verlegt hatte, wurde
am Vormittag des 18.12.2012 mit einem Pflasterstein
die Fensterscheibe der Einrichtung eingeschlagen.

Marzahn-Hellersdorfer
Einrichtung

rechtsextremer
Übergriff

Antisemitismus

Marzahn-Mitte

34

Um den Kienberg (Richtung Eisenacher Straße) tauchen diverse rechtsextreme Aufkleber auf (z.B. „Die
Indianer stoppten die Einwanderung nicht. Heute leben
20.12.2012
sie in Reservaten“ – NPD; „Arbeit zuerst für Deutsche
– NPD macht Ordnung!“; „Zerschlagt die Antifa!“ –
Junge Nationaldemokraten).

Bürger

rechtsextreme
Propaganda

politischer Gegner

Marzahn-Süd

31
        
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