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das bräunliche Panneei und die korallenfarbigen Fenstervorhänsre
wirkungsvoll sieh ab. Reiche Bronzirung an den plastisch ornamentirten
Theilen, zu der sich an der Decke — einer schwanevollen
Composition von bestrickendem Reiz — noch eine farbige
Behandlung des Stucks gesellt, steigert den Eindruck des Ganzen.
Dass im Ornament gewisse Thier- und Pflanzenformen — die
Sphinx, der Phönix und der Pelikan, die Biene, die Palme, die
Lilie — mit Vorliebe verwendet sind, deutet darauf hin, dass es
schon in diesem Raume au bestimmten symbolischen Hinweisen
nicht fehlt.
In noch höherem Maasse treten solche Beziehungen natürlich
in dem zweiten Hauptraume des Hauses, dem Tempel, auf, dessen
ganze nach der Ordensvorschrift lediglich auf künstliche Beleuchtung
berechnete Erscheinung zu der jenes anderen Saales in
stärkstem Gegensätze steht. Offenbar soll dieselbe das Gepräge
feierlichen Ernstes, einer von der Stimmung des Tages ablenkenden
Weihe tragen, und es lässt sich nicht leugnen, dass schon die
Grundfarbe des Saales, ein tiefes, grünliches Blau, wesentlich hierzu
beiträgt. Sie beherrscht gleichmässig Wände und Decken, nur die
in grauröthlichem Marmorstuck gehaltenen Pilaster, eine leichte
Bronzirung bezw. Vergoldung des plastischen Ornaments und einzelne
ornamentale Malereien in hellerem Blau beleben die Flächen.
Blau ist auch die Farbe des Vorhangs, durch welchen der Saal
getheilt werden kann, und des Vorhangs, welcher den um mehrere
Stufen erhöhten „Orient“ abschliesst. An der Rückwand dieses
Raumes, die zwischen zwei vorspringenden Sphinxen, im flachen
vergoldeten Gypsrelief eine Palmenlandschaft mit Pyramiden zur
Anschauung bringt, ist durch eine geschickte Beleuchtung dieses
Bildes, deren Quelle dem Auge verborgen bleibt — mit röthlichem
Lichte im unteren, mit bläulichem Lichte im oberen Theil — ein
überraschender Effect erzielt. Der verschiedene Reflex des Goldes
giebt dem Relief eine Tiefe, die dasselbe fast wie eine freie Modellirung
wirken lässt, während seine zarten Töne es in eine unbestimmte
Ferne gerückt erscheinen lassen. Vier vergoldete Nischen
an den Seitenwänden des Hauptraumes sollen in allegorischen Figuren
die vier hiesigen Logen, welche zur Grossloge Royal York gehören,