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Full text: Jahresbericht Issue 2010/2011

Jahresbericht 2010/2011

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Inhalt
Vorwort des Vorstandes ................................................................................................. 4
Die Kinderschutz(bund)-Themen des Jahres
• Hartz IV: Kinder brauchen mehr – Hartz IV Regelsätze in ihrer jetzigen Form
entsprechen nicht der Verfassung ................................................................................ 8
• „Ungesund und ausgegrenzt. Was macht Armut mit unseren Kindern?“....................... 9
• Politik für Berliner Kinder im Wahljahr 2011 .................................................................. 14
Neues vom Kinderschutzbund Landesverband
• Weltkindertag 2010: KINDERARMUT. Gemeinsam Barrieren überwinden. ................... 16
• Kinderschutzbund beim 15. Deutschen Präventionstag ............................................... 21
• Kinderschutzbund berät bei Verdacht auf Kindeswohlgefährdung ............................... 22
• Prävention von sexuellem Missbrauch – Kinderschutzbund schult
Jugendverbände ........................................................................................................... 23
• Eindrücke von einem Elternabend zu kindlicher Sexualität und Prävention
von sexuellem Missbrauch ........................................................................................... 25
• Immer mehr Weddinger Kinder beim Kinderschutzbund ............................................... 29
• Fortbilden bildet (Inhouse-Schulungen beim Kinderschutzbund) ................................ 30
• Elternkurse – Statistik 2010 ......................................................................................... 32
• Weltspieltag 2010 ........................................................................................................ 34
• Kooperation mit dem ATZE Musiktheater ...................................................................... 36
• Neu gewählter Vorstand ............................................................................................... 36
• Jörg Kachelmann und der Berliner Kinderschutzbund .................................................. 37
• Liebigstraße 14 ............................................................................................................. 38
Aktivitäten der Kinderschutzbund-Projekte
• Fünftes Kinderschutzbund-Projekt im Wedding ............................................................ 40
• Neues Konzept in unserer Kita „A13“ ............................................................................ 40
• Kita von „Berliner Freunden“ als herausragendes Kiezprojekt ausgezeichnet ............. 41
• Kinderkunst für Kinderrechte ....................................................................................... 42
• Die Schulstation verwandelt sich in eine „Unterwasserwelt“........................................ 44
• Die „A13“ rockt – erste Kinderschutzbund-Band .......................................................... 46
• Kinderreise nach Brandenburg ..................................................................................... 47
• Kinderschutzbund-Kinder singen für Senioren ............................................................. 47
Beispielhafte Hilfe
• Neue Küche für die Kita dank Spende .......................................................................... 48

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• Fiat spendet schicken Großraumkombi ........................................................................ 48
• Kinderschutzbund in der Gemäldegalerie .................................................................... 49
• C & A unterstützt den Kinderschutzbund ..................................................................... 50
• Bescherung im InterCityHotel Berlin ............................................................................. 50
• Spenden über neue Internetsuchmaschine – heelp.de ................................................ 51
• Mutter sammelt Spielzeug für Kinderschutzbund ........................................................ 51
• Familie kauft Winterkleidung für „unsere“ Kita-Kinder ................................................. 51
• Apothekerin ertüftelt Kreuzworträtsel zugunsten des Kinderschutzbundes ................ 52
• Zweite Lesung zugunsten des Berliner Kinderschutzbundes ........................................ 52
Dank an alle Spender/innen und Unterstützer/innen ................................................... 53
Presseanfragen im Jahr 2010 ......................................................................................... 57
Pressemitteilungen ........................................................................................................ 58
Organigramm .................................................................................................................. 66
Beitrittserklärung .......................................................................................................... 67

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Vorwort zum Jahresbericht 2010/2011 des Deutschen
Kinderschutzbundes Landesverband Berlin e.V.
Liebe Mitglieder, liebe Freundinnen und Freunde, Förderer und Sponsoren des Berliner
Kinderschutzbundes,
„Wer rastet, der rostet!“
Frei nach diesem Motto standen im Jahr 2010 die Zeichen in fast allen Bereichen des
Berliner Kinderschutzbundes wieder auf Veränderung.
Das wohl umfassendste und aufregendste Ereignis im vergangenen Jahr war sicherlich die
Eröffnung unseres neuen Standortes in der Müllerstraße 158. Seit dem 01. August 2010 ist
der Berliner Kinderschutzbund dort offizieller Kooperationspartner für die außerunterrichtliche Betreuung und Förderung der Kinder an der ehemaligen Hermann-Herzog-Trift-Grundschule im Berliner Wedding. Das bedeutete die Neueinstellung von Mitarbeiterinnen und
Mitarbeitern, etliche organisatorische „Seiltanzaktionen“ wie z. B. die kurzfristigen Renovierungsarbeiten in den Sommerferien. Mittlerweile sind wir stolz, dass immer mehr Eltern
einen Hortvertrag abschließen und inzwischen schon über 150 Kinder auch am Nachmittag
gefördert und betreut werden! Im Mittelpunkt steht natürlich auch hier – wie in allen
Projekten des Kinderschutzbundes – die individuelle Förderung von Kindern aus überwiegend sozial benachteiligten Familien. Was die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Kinderschutzbundes im Vorfeld der Eröffnung bewegt hat und was sie vor allem selbst alles
bewegt haben, lesen Sie in diesem Jahresbericht.
Auch unser zweiter „großer“ Standort, das Kinder-Kiez-Zentrum an der Erika-Mann-Grundschule, entwickelt sich prächtig. Derzeit betreuen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vom
Kinderschutzbund dort knapp 280 Kinder. Nach den Sommerferien 2011 werden es voraussichtlich 320 Kinder sein. Darüber freuen wir uns natürlich sehr. Denn was könnte ein besseres Zeichen für gute Arbeit sein, als begeisterte Kinder und zufriedene Eltern?
An unserer Kita „A13“ ging das Jahr 2010 ebenfalls nicht spurlos vorbei. Wir haben das
Betreuungs- und Förderkonzept für „unsere“ Kleinsten komplett überarbeitet – mit erstaunlichen Ergebnissen. Was dabei herausgekommen ist, haben wir für Sie in diesem
Jahresbericht zusammengefasst.
Das Nachbarprojekt in der Amsterdamer Straße 13, der Schülerladen „A13“, entdeckte im
vergangenen Jahr viele neue kleine und große Künstlerinnen und Künstler. So entstand
beispielsweise eine sehr beeindruckende Ausstellung zum Thema „Kinderrechte“. Bei einer
liebevoll vorbereiteten Vernissage stellten die Kinder ihre Kunstwerke persönlich vor.
Anschließend wanderte die Ausstellung erst ins Rathaus vom Bezirk Mitte und dann ins

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ATZE Musiktheater. Darüber haben wir uns sehr gefreut und bedanken uns ganz herzlich
beim Bezirksbürgermeister Dr. Christian Hanke sowie dem ATZE-Team für die tolle Unterstützung. Außerdem rockt seit vergangenem Jahr eine Band namens „Safari“ im Schülerladen. Ihren ersten offiziellen Auftritt hatte die Band bei unserem alljährlichen „Weltspieltagsfest“ in der Amsterdamer Straße. Und der Applaus war zu recht riesig! Auch hierzu finden Sie alles Wissenswerte auf den nächsten Seiten.
Neben der konkreten Arbeit mit Kindern ist der Kinderschutzbund aber auch weiterhin ein
zunehmend gefragter Partner, wenn es um die Themen „Kinderschutz“ oder „Kinderarmut“
geht. So waren wir auf dem Deutschen Präventionstag mit einem Vortrag zu „Armutskompetenz als Herausforderung in der Sozialen Arbeit“ vertreten.
Viele Anfragen erreichen uns darüber hinaus für Schulungen und Fortbildungen von
Fachkräften. Im vergangenen Jahr konnte der Berliner Kinderschutzbund unter anderem
erstmalig Jugendverbände zur Prävention von sexuellem Missbrauch weiterbilden. Die
Schulungen von Fachkräften zur „insofern erfahrenen Fachkraft“ waren ebenfalls immer
„ausgebucht“. Neu und spannend war für uns die Zusammenarbeit mit dem Grips-Theater
und dem ATZE Musiktheater. Beide hatten unabhängig voneinander angefragt, ob der
Kinderschutzbund sie bei Stücken rund um das Thema „Kinderarmut“ unterstützen könnte. Das haben wir natürlich gerne getan. Mit dem ATZE Musiktheater hat sich daraus eine
weitergehende Kooperation entwickelt, über die wir uns sehr freuen.
Auch in der Öffentlichkeit hat sich der Berliner Kinderschutzbund wieder für die Belange
von Kindern und Jugendlichen stark gemacht. Im Vorfeld des Weltkindertages haben wir
gemeinsamen mit unserem Bundesverband eine Pressekonferenz veranstaltet. Vor zahlreichen Journalistinnen und Journalisten konnten wir sehr konkret erneut die zunehmende
Kinderarmut und die verheerenden Konsequenzen für Kinder und Jugendliche deutlich
machen. Passend zur Kampagne 2010 des Kinderschutzbundes „Kinderarmut. Gemeinsam
Hürden überwinden.“, gab es im Anschluss auf dem Pariser Platz einen großen Hürdenlauf.
Eindrucksvolle Fotos hierzu finden Sie in diesem Jahresbericht.
Mit der Resonanz auf unsere Pressearbeit waren wir auch im Jahr 2010 sehr zufrieden.
Sowohl unsere Statements zu Themen wie „Kinderlärm“, „Kinderrechte“ und „Kinderarmut“ aber auch die Pressemitteilung „Wie kann man Kinder vor sexuellem Missbrauch
schützen“ wurden zahlreich verbreitet. Besonders gefreut hat uns jedoch, dass unsere
Pressearbeit zum „Tag der gewaltfreien Erziehung“ eine so große Resonanz fand.
Im vergangenen Jahr konnte sich der Berliner Kinderschutzbund glücklicherweise wieder
über die Hilfe zahlreicher Unterstützerinnen und Unterstützer freuen. Dabei ließen sich

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einige von Ihnen die unglaublichsten Ideen einfallen. Auch darüber berichten wir in diesem
Heft und bedanken uns ganz, ganz herzlich. Denn ohne sie wäre vieles nicht möglich gewesen! Dennoch ist der Berliner Kinderschutzbund weiterhin und zunehmend auf Spenden
angewiesen. Unsere Kinderprojekte würden sich freuen, wenn das eine oder andere Möbel,
Spiel- oder Sportgerät erneuert werden könnte. Daher freuen wir uns über jede noch so
kleine Spende!
Zu einem ganz besonderen Dank bin ich allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern verpflichtet! Ein weiteres Jahr mit so vielen Veränderungen war spannend, aber auch anstrengend.
Es brachte natürlich mit sich, dass uns einige Kolleginnen und Kollegen verließen und viele neue dazu kamen. Der Berliner Kinderschutzbund beschäftigt heute über 60 Menschen!
An dieser Stelle wünschen wir allen, die sich auf neue Wege begeben haben alles Gute und
begrüßen all unsere neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ganz herzlich.
Abschließend möchte ich es nicht versäumen, mich auch bei all den ehrenamtlichen
Helferinnen und Helfern, allen Ratgebern sowie unseren Mitgliedern und meinen Vorstandskolleginnen und -kollegen sehr herzlich zu bedanken. Ihre und eure Mithilfe ist ein
so wichtiger Bestandteil der Arbeit des Kinderschutzbundes!
Ich grüße Sie herzlich und bitte Sie, den Kinderschutzbund auch weiterhin zu unterstützen.

Ulrike Leyh

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Pressekonferenz zum Weltkindertag 2010

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Die Kinderschutz(bund)-Themen des Jahres
Hartz IV: Kinder brauchen mehr
Am 09. Februar 2010 verkündete das Bundesverfassungsgericht sein Urteil: Die Hartz IV
Regelsätze in ihrer bisherigen Form entsprechen nicht der Verfassung. Daher forderten die
obersten Verfassungsrichter den Gesetzgeber auf, ein neues Berechnungsverfahren zu entwickeln. Der Deutsche Kinderschutzbund kritisiert seit langem die Herleitung der Kinderregelsätze und begrüßte das Urteil ausdrücklich. Denn Kinder sind mehr als kleine Erwachsene und haben besondere Bedürfnisse, die endlich berücksichtigt werden müssen.
Studien zeigen, dass ein bedarfsgerechter Kinderregelsatz je nach Alter zwischen 276 und
360 Euro liegen muss. Bislang erhalten Kinder zwischen 215 und 287 Euro. Der Deutsche
Kinderschutzbund hält eine kurzfristige Anhebung der Regelsätze für notwendig, fordert
aber eine grundlegende Reform durch Einführung einer besteuerten Kindergrundsicherung. Diese würde endlich Familien und Kinder fördern, die es am dringendsten brauchen. Im bisherigen Leistungssystem werden vor allem besser verdienende Familien unterstützt. Bislang bekommen Kinder, deren Familien Hartz IV beziehen, kein Kindergeld, da es
auf den Regelsatz angerechnet wird. Familien mit sehr hohem Einkommen werden durch
die Kinderfreibeträge mit bis zu 260 Euro im Monat entlastet, während das Kindergeld für
das erste Kind nur 184 Euro beträgt. Eine Kindergrundsicherung würde die Entwicklungschancen der Kinder maßgeblich verbessern und die materielle Kinderarmut in Deutschland
wirksam bekämpfen. Der Berliner Kinderschutzbund hatte gehofft, dass die Bundesregierung schnell ein gerechtes und transparentes Berechnungsverfahren entwickelt und die
unsachliche Diskussion quer durch alle Parteien ein Ende findet.
Leider ist dem nicht so. An den Regelsätzen für Kinder hat sich nichts geändert. Nach wie
vor gibt es beispielsweise pro Monat für Windeln und Babypflegemittel 6,90 Euro. Alle, die
mit kleinen Kindern zu tun haben, wissen, dass man damit im günstigen Fall bis zur Monatsmitte auskommt.
Auch die Einführung des so genannten Bildungspaketes wird für die meisten Kinder nichts
ändern. So gibt es beispielsweise schon jetzt in Berlin die Möglichkeit, kostenlos in einem
Sportverein Mitglied zu werden. Leider bezahlt aber niemand die dazugehörige „Ausrüstung“ wie z. B. Fußballschuhe, Sportkleidung oder die BVG-Tickets für die Fahrten zu
Turnieren oder ähnlichem. Das Bildungspaket bietet dafür leider keine Lösung und wirft
stattdessen viele Fragen auf. Wer entscheidet darüber, ob ein Kind Nachhilfeunterricht
bekommt? Welches Kind darf welche Freizeitangebote wahrnehmen? Wer bezahlt die zusätzlichen Kosten – denn Klavierunterricht oder Balletstunden sind für 10,– Euro im Monat
nicht zu bekommen.

die kinderschutz(bund)-themen des jahres

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Wir als Berliner Kinderschutzbund sind der Meinung, dass das nunmehr vorliegende
Gesetz der Regierung die Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts nicht ausreichend
berücksichtigt und daher verfassungswidrig ist. Unsere Hoffnung ist es daher, dass die
Regierung ein weiteres Mal aufgefordert wird, ihre Vorschläge zu überarbeiten – und dies
möglichst zügig. Denn die Kinder können nicht länger warten. Jedes verlorene Jahr in einem
Kinderleben ist ein Jahr zu viel.

„Ungesund und ausgegrenzt. Was macht Armut mit unseren Kindern?“
Die Mitgliederversammlung des Berliner Kinderschutzbundes am 05. Mai 2010 haben wir
zum Anlass genommen, einmal mehr auf das Thema „Kinderarmut“ zu schauen. Netterweise hatte sich Andreas Kalbitz, Fachreferent beim Deutschen Kinderschutzbund Bundesverband, bereit erklärt, hierzu einen sehr informativen Vortrag zu halten. Die wichtigsten
Zahlen, Daten und Fakten möchten wir Ihnen vorstellen:
In Deutschland leben etwa 18,5 % der Kinder in relativer Einkommensarmut, in Berlin über
25 %. Unter „relative Einkommensarmut“ fallen alle Haushalte, die weniger als 60 % des
Durchschnittseinkommens zur Verfügung haben. Besonders betroffen sind Alleinerziehende, Familien mit Migrationshintergrund, Haushalte in denen die Erwachsenen keine Arbeit
haben oder nur eingeschränkt erwerbstätig sind.
Nach wie vor bedeutet Familienarmut, dass die Kinder sozial benachteiligt sind. Sie haben
weniger Bildungschancen, eine schlechtere Gesundheit und nehmen am sozialen und kulturellen Leben kaum teil. Darüber hinaus haben Kinder aus unterschiedlichen Schichten
unterschiedliche Startchancen, die sich auf den gesamten Alltag und Lebensverlauf der
Kinder und Jugendlichen auswirken. Auch die sozialen Randbedingungen (Bewusstsein,
vorhandene Ressourcen, Teilhabe außerhalb der Schule) sind häufig nicht so, dass Schulerfolg ohne besondere Förderung gewährleistet ist. Die meisten Kinder schätzen ihre Lage
daher als schwierig und chancenlos ein. Sie haben ein geringeres Vertrauen in ihre Umwelt,
suchen weniger Unterstützung und ihre Handlungsmöglichkeiten zur Problemlösung sind
eingeschränkt. Daher ziehen sie sich oft zurück und /oder betonen traditionelle Rollenmuster.
Leider herrscht vielerorts immer noch die falsche Annahme, dass die Hauptverantwortlichen für die Lage armer Kinder „unfähige“ Eltern sind. Die Schlussfolgerungen die aus
dieser falschen Annahme gezogen werden, sind meist: Staatlichen Einfluss erhöhen und
restriktive Maßnahmen gegenüber Eltern erweitern. Dabei werden die strukturellen Hintergründe von Armut ausgeklammert – z. B. der Wandel am Arbeitsmarkt (immer mehr Teilzeit-

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beschäftigung, steigender Niedriglohnsektor), Erwerbsverdienste, die immer seltener
armutspräventiv sind oder der soziodemographische Wandel. Das führt oft zu einer diskriminierenden, stigmatisierenden Sichtweise der Familien und ihrer Kinder. Zusätzlich sind
arme Familien in der Regel einer hohen Belastung ausgesetzt, werden oft mit ihren Problemen allein gelassen, sind entmutigt, haben keine Netzwerke und kein „Brückenkapital“ mit
dem sie schwierige Zeiten meistern könnten.
Die Folgen sind sogenannte „erschöpfte Familien“ in denen Apathie und Resignation vorherrscht. Die Entwicklung fürsorglicher Beziehungen fällt den Eltern unter diesen Bedingungen schwer. Sie sind oft distanziert und leiden unter Kontrollverlust. Das Risiko eines
negativen Kreislaufes ist hoch, ebenso wie die Übertragung der Erschöpfung auf die Kinder.
Daher fordern wir als Deutscher Kinderschutzbund die Erhöhung der Teilhabechancen
durch:
eine Verbesserung der finanziellen Situation der Familien, z. B. durch
• „armutsfeste“ Löhne
• eine bedarfsgerechte Kindergrundsicherung
• quantitativen Ausbau der Kinderbetreuung
die Förderung der Eltern, z. B. durch
• aufsuchende und Familien unterstützende Angebote
• Kinder- und Familienzentren
• „Präventionsketten“: Vernetzung der Dienste und Chancen im Nahraum
• Erhöhung der Alltags- /Erziehungskompetenz
die Förderung der Kinder, z. B. durch
• qualitativen Ausbau der Kinderbetreuung
• Verbesserung des Zugangs zu sozialen und kulturellen Angeboten auf lokaler Ebene
• ein lebensweltorientiertes Schulsystem
Kinderarmut bringt vielfältige negative Folgen mit sich und wirkt in verschiedene Lebensbereiche hinein. Investitionen in Bildungs- und Betreuungseinrichtungen und in soziale
Transferleistungen dürfen daher nicht gegeneinander ausgespielt werden. Denn Kinderarmut kann nur mit einem vielfältigen Ansatz begegnet werden, der die verschiedenen
Lebenskontexte von Kindern berücksichtigt.

Berliner Morgenpost, 15.09.1010

16.09.2010 / Berlin/Brandenburg / Seite 9

Berliner Kinder am ärmsten dran
Kinderschutzbund fordert mit neuer Kampagne Maßnahmen zur Bekämpfung der
drastischen Lage
Von Nissrine Messaoudi

Auch das Taschengeld fällt nur
dürftig aus.
Foto: dpa/Patrick Seeger

Berlin ist die Hauptstadt armer Kinder. Seit der Einführung der Hartz IV-Gesetze vor fünf Jahren hält die
Metropole den bundesweit ersten Platz in Sachen Kinderarmut – dicht gefolgt von Bremen und Sachsen-Anhalt.
Der Berliner Kinderschutzbund forderte gestern, angesichts der dramatischen Lage, mit der aktuellen Kampagne
»Kinderarmut. Gemeinsam Barrieren überwinden« die Politik auf, geeignete Maßnahmen zu ergreifen. »Die
armen Kinder von heute sind die Verlierer der Zukunft«, sagte Sabine Walther, Geschäftsführerin des Landesverbandes des Deutschen Kinderschutzbundes. Wenn nicht gezielt etwas gegen diese Entwicklung unternommen
werde, drohe der Großteil einer ganzen Generation verloren zu gehen, warnte Walther.
Nach einem leichten Rückgang im Jahr 2008 stieg die Zahl der hilfebedürftigen Kinder unter 15 Jahren im Jahr
2009 wieder an. »Heute leben in Berlin rund 490 000 Kinder unter 18. Davon sind 40 Prozent arm«, weiß
Walther. In ganz Deutschland seien es mehr als 2,5 Millionen, »wenn man ›nur‹ die zählt, die vom Regelsatz
leben müssen«, erklärte der Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes, Heinz Hilgers. Jedes Kind verdiene
eine Chance. Bildung und Gesundheit hießen die wichtigsten Säulen, um die Zukunftsperspektiven der jungen
Bedürftigen zu verbessern, so Hilgers. In Berlin betreut der Kinderschutzbund rund 1000 Kinder vorwiegend im
Bezirk Wedding.
Nur mit Hilfe zur Selbsthilfe könne man betroffene Familien unterstützen. Dabei spiele der Kontakt zu den Eltern
eine enorme Rolle. »Ärzte, Erzieher und Lehrer müssen die Eltern mit einbeziehen. Je früher, desto besser.« Der
Erstkontakt soll durch Mediziner bereits in der Schwangerschaft hergestellt werden. Nach der Geburt müsse der
Kontakt durch Besuche gefestigt werden, meint Hilgers. Berlin müsse sich ein Beispiel an Dormagen nehmen,
»wo erfolgreiche Modelle entwickelt und umgesetzt worden sind«, sagte Hilgers. Dort seien Kitas zu Familienzentren erweitert worden, wo nicht nur die Kleinen, sondern auch deren Eltern betreut und beraten werden.
Insbesondere »Risikogruppen« wie Alleinerziehende, Migranten oder kinderreiche Familien bräuchten Unterstützung. Wer langfristig in präventive Maßnahmen investiere, werde in der Zukunft doppelt profitieren, ist sich
Hilgers sicher.
Neben Eltern-Kind-Zentren in sogenannten Brennpunktbezirken, setzt sich der Kinderschutzbund für ein
kostenfreies, gesundes Essen in der Kita und Schule ein. Kostenfreie Kitaplätze und Ganztagsschulen seien ein
weiterer wichtiger Punkt. Verbesserungsbedarf sieht Sabine Walther vom Landesverband außerdem bei der
Qualifizierung der pädagogischen Fachkräfte. »Es passiert immer wieder, dass viele Kinder in der Schule fehlen,
wenn beispielsweise ein Ausflug ansteht, der Geld kostet.« Auch die Liste, die Eltern zur Einschulung ihrer Kinder

Neues Deutschland, 16.09.2010

16.09.2010
ERHEBUNG BELEGT SOZIALE SCHIEFLAGE

Kinder sind besonders arm dran
Vier von zehn Berliner Kindern leben in einer Familie, die
Sozialleistungen bezieht. Als Konsequenz fordert der Kinderschutzbund
einen besseren Zugang zu Bildung. VON ANNA HUNGER

Kinderarmut ist beileibe nicht nur ein ästhetisches Problem Foto: dpa

Berlin ist bundesweit zum fünften Mal in Folge trauriger Spitzenreiter in Sachen Kinderarmut.
Nach einem leichten Rückgang 2008 stieg die Zahl der hilfebedürftigen Kinder unter 15 Jahren 2009 wieder an, berichtete der Kinderschutzbund am Mittwoch. Laut einer Erhebung des
Berliner Landesverbands müssen fast 40 Prozent aller Berliner Kinder unter 18 Jahren als
arm gelten. Das heißt, 200.000 Kinder leben in Familien, die staatliche Transferleistungen
bekommen. "Wir müssen umsteuern, Berlin geht sonst zugrunde", sagte Sabine Walther, die
Vorsitzende des Landesverbands des Kinderschutzbundes.
Als Konsequenz forderte Walther, armen Kindern vor allem den Zugang zu Bildung zu erleichtern. Kostenfreie Krippen- und Kitaplätze sowie Ganztagesschulen für alle seien ebenso
wichtig zur Bekämpfung von Armut wie kostenfreie Lehr- und Lernmittel. "Es muss eine
Chancengleichheit für alle geben", sagte Walther. "Es kann nicht sein, dass man vor allem
denen Bildung verwehrt, die sie besonders brauchen."
Walther forderte, die diversen Hilfsangebote der Hauptstadt besser zu vernetzen. "Es gibt
viele gute Ziele, aber sie werden nicht konsequent genug durchgeführt", sagte sie. So sollte
die frühzeitige, aufsuchende Familienbetreuung ausgebaut werden. "Eltern müssen nicht nur
nach der Geburt des ersten Kindes, sondern auch nach weiteren Kindern besucht werden.
Wenigstens in kinderreichen Bezirken wie Mitte und Neukölln sollte das konsequent gemacht
werden."
Auch Rudi Tarneden, Sprecher der Unicef Deutschland, erklärte, kostenfreie Kindertagesstätten und Kindergartenplätze seien ein sinnvoller Schritt zur langfristigen Bekämpfung der
Kinderarmut. "Wer in ungünstigen Verhältnissen aufwächst, wird aus diesen ohne Förderung
nicht rauskommen", sagte er der taz. Zudem plädierte er dafür, die Höhe des Hartz-IVSatzes auf die Bedürfnisse von Kindern zuzuschneiden - und nicht nur auf die von Erwachsenen. "Eine Grundversorgung, die Lernen überhaupt erst möglich macht, muss da sein."
Und die müsse Dinge wie Nachhilfe, Musikunterricht oder Klassenfahrten mit einschließen.
Auch Gabi Mohr, die Gründerin des Vereins gegen Kinderarmut, forderte eine Erhöhung des
Hartz-IV-Satzes. Zwar koste ein Kindergartenplatz mit sechsstündiger Regelbetreuung im
Monat nur 26 Euro, aber selbst das sei für viele Eltern häufig nur schwer zu stemmen. Dabei
sei Kinderbetreuung wichtig, damit etwa auch alleinerziehende Mütter wieder arbeiten könnten. Den Zusammenhang zwischen Kinderarmut und Arbeitslosigkeit der Eltern sieht auch
die Sprecherin von Sozialsenatorin Carola Bluhm, Karin Rietz. Seit der Wende seien bekanntlich viele Arbeitsplätze vernichtet worden. "Das kann man nicht in ein paar Jahren beseitigen." Aber es sei ja nicht so, dass in Berlin nichts gemacht werde, so Rietz. "Mit dem
Superferienpass, dem Familienpass und einem kostenlosen letzten Kitajahr ist Berlin gut
aufgestellt.

taz, 16.09.2010

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Politik für Berliner Kinder im Wahljahr 2011
Im Herbst 2011 stehen in Berlin die Abgeordnetenhaus-Wahlen an. Aus diesem Grund haben wir mal etwas genauer in die Wahlprogramme der fünf „größeren“ Parteien geschaut.
Egal ob schwarz, grün oder rot – alle setzen sich auf ihre Art und Weise mit den Themen
Kinderrechte, Kinderarmut und Familienpolitik auseinander. Zu Recht wie wir finden.
Denn immer noch ist Berlin trauriger Spitzenreiter, wenn es um Kinderarmut in Deutschland
geht. Und auch in Sachen „Chancengleichheit in der Bildung“ gibt es aus Sicht des Kinderschutzbundes noch viel zu tun. Denn immer wieder erleben wir in unseren Kinderprojekten,
dass schon die ganz Kleinen mit großem Hunger in die Kita oder die Schule kommen. Viele
sind hungrig, weil es morgens kein anständiges Frühstück gab, andere sind vor allem hungrig nach Wissen, weil sie zu Hause kaum Förderung erfahren – auf manche Kinder trifft beides zu.
Aus diesen und vielen anderen Gründen freut es uns, wenn wir im Parteiprogramm der SPD
Sätze lesen wie: „Wir werden das Kita-Angebot quantitativ und qualitativ weiter ausbauen.
Alle Kinder sollen die Möglichkeit ganztägiger Förderung in der Kita bekommen, wir wollen
die Bedarfsprüfung abschaffen.“ Oder auch die Einführung von „subventioniertem Mittagessen in allen Berliner Schulen für alle Kinder, Abschaffung der Bedarfsprüfung auf Hortbetreuung für Schüler der 5. und 6. Klassen sowie die Einrichtung von Familienbüros für die
Beratung und Unterstützung bei der Beantragung aller kindbezogener Sozialleistungen in
jedem Bezirk.“
Die CDU möchte „sich (…) dafür einsetzen, dass Initiativen, die Kinder aktiv am Gemeinwesen partizipieren lassen, gefördert werden.“ Auch dies ist aus Sicht des Kinderschutzbundes ein guter Ansatz.
Bündnis 90/Die Grünen wollen Familien „mit niedrigschwelligen Angeboten möglichst früh
und präventiv erreichen, am besten schon in gut organisierten bezirklichen Netzwerken
rund um die Geburt. Dazu gehören ein wertschätzender Begrüßungsbesuch aller Neugeborenen durch den Kinder- und Jugendgesundheitsdienst und der Einsatz von Familienhebammen und Elternbriefen. Das verbindliche Einladungswesen zu den Vorsorgeuntersuchungen ist auf seine Wirksamkeit hin zu prüfen und ggf. zugunsten verbesserter
Förderangebote und Hilfen für Familien aufzugeben.“ Dies sind Maßnahmen, die der
Berliner Kinderschutzbund sehr unterstützenswert findet.
Die Linke möchte „bis zum 6. Jahrgang Zugang zu einem altersgemäßen schulischen
Angebot in der Zeit von 8.00 bis mindestens 16.00 Uhr, kostenfrei und ohne Bedarfs-

die kinderschutz(bund)-themen des jahres

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prüfung“ und darüber hinaus „Kinderarmut zurückdrängen und Chancengleichheit durch
Ausgleich von Nachteilen sichern“.
Und die FDP sagt: „Wir (müssen) uns um die Kinder aus den sogenannten bildungsfernen
Elternhäusern intensiv kümmern. Denn es kann nicht sein, dass die soziale Herkunft die
Bildungskarriere unserer Kinder bestimmt.“
Alles sehr begrüßenswerte Vorschläge! Dies ist allerdings nur eine kleine, ganz subjektive
Auswahl der Forderungen von den aktuell im Abgeordnetenhaus vertretenen Fraktionen.
Natürlich freuen wir uns als Berliner Kinderschutzbund, dass es in diesem Wahlkampf auch
um die Interessen der Kinder geht. Und wir werden sehr genau verfolgen, ob die Wahlversprechen im Sinne der Kinder und Jugendlichen sowie ihrer Familien umgesetzt werden.

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Neues vom Kinderschutzbund Landesverband
Weltkindertag 2010: KINDERARMUT. Gemeinsam Barrieren überwinden.
Leider ist Berlin nach wie vor trauriger Spitzenreiter in Sachen „Kinderarmut“. Und das im
fünften Jahr in Folge – also seit Einführung der Hartz IV Gesetze. Nach einem leichten Rückgang im Jahr 2008 stieg die Zahl der hilfebedürftigen Kinder unter 15 Jahren im Jahr 2009
leider wieder an.
Immer noch gibt es viel zu viele Kinder, die zu Hause nur wenig Hilfe und Unterstützung
erfahren (können), die in armen Verhältnissen aufwachsen, in deren Kinderzimmern es
weder Spielzeug noch Bücher gibt, die sich ungesund ernähren, denen es an regelmäßiger
Bewegung fehlt, die bei ihren Schularbeiten meist auf sich allein gestellt sind und deren
Zukunft alles andere als vielversprechend aussieht.
Aus diesem Grund nahm der Deutsche
Kinderschutzbund Landesverband Berlin
gemeinsam mit dem Bundesverband den
Weltkindertag 2010 zum Anlass, einmal
mehr zum gemeinsamen Kampf gegen
Kinderarmut aufzurufen. In einer gemeinsamen Pressekonferenz forderte der Kinderschutzbund von den verantwortlichen
Politikerinnen und Politikern, endlich
geeignete Maßnahmen gegen die wachsende Kinderarmut zu ergreifen.
Im Anschluss veranstaltete der Kinderschutzbund zusammen mit vielen Kindern einen symbolischen Hürdenlauf auf dem Pariser Platz. Das Motto: „KINDERARMUT. Gemeinsam
Barrieren überwinden.“ Diese Aktion verdeutlichte sehr anschaulich die Armutsbarrieren,
die arme Kinder von der gesellschaftlichen Teilhabe ausschließen.
Einen kleinen Eindruck dieser gelungenen Aktion können Sie sich auch auf unserer
Internetseite www.kinderschutzbund-berlin.de machen.

Unsere Kitakinder mit Tita von Hardenberg (Journalistin) und Heinz Hilgers (Präsident des DKSB) am Weltkindertag 2010

Weltkindertag 2010:

KINDERARMUT. Gemeinsam Barrieren überwinden.

Berlin
K I N D E R A R M U T

Die täglich erlebte Ausgrenzung
Grafik: Sabine Hecher

In Mitte leben die meisten Kinder und Jugendlichen in Hartz-IV-Familien, die wenigsten in
Steglitz-Zehlendorf.
von Anne Vorbringer
Es war eine fröhliche Szene, die Touristen am Mittwoch am Brandenburger Tor sahen: Kinder
einer Weddinger Kita hüpften über rot angemalte Hürden und lachten, auch wenn sie mal
stolperten. Der Hürdenlauf sollte ein Symbol sein für eine Zahl, die gar nicht zum Lachen ist: Im
fünften Jahr in Folge liegt die Hauptstadt mit knapp 40 Prozent Kinderarmut im bundesweiten
Vergleich auf dem letzten Platz, sagte die Geschäftsführerin des Berliner Kinderschutzbundes,
Sabine Walther. Mit seiner Aktion wollte der Bund Armutsbarrieren zeigen und zum Kampf
gegen Kinderarmut auffordern.
Nach Angaben des Kinderschutzbundes hat es Ende 2009 in Berlin 490.000 Kinder unter 18
Jahren gegeben, davon lebten 190.000 in Armut. Als arm gilt dabei jedes Kind, dessen Familie
Empfänger von staatlichen Sozialleistungen wie Hartz IV, Grundsicherung oder Asylbewerberleistungen ist. Der Armutsbegriff entspricht nicht anderen Studien, die sich am mittleren
Einkommen orientieren.
Die Senatssozialverwaltung nennt ähnlich alarmierende Zahlen: Im Dezember 2009 lebten
in Berlin 172.000 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren in Haushalten von Hartz-IVEmpfängern. Rund die Hälfte war unter acht Jahre alt. Von den 172.000 Kindern lebten 44
Prozent in alleinerziehenden Haushalten. Nach den Senatszahlen wachsen 35 Prozent aller
Berliner Kinder und Jugendlichen in Hartz-IV-Familien auf.
Mit vielen dieser Familien haben die Psychologen und Pädagogen in Berlins Familienberatungen
täglich zu tun. Robert Hagen, der die Erziehungs- und Familienberatungsstelle der Caritas in
Mitte leitet, beobachtet Armut nicht nur in klassischen Milieus, wie unter Migranten oder in
Problemkiezen. "Auch Akademiker sind betroffen. Und nicht nur Viertel in Moabit oder Wedding,
sondern auch das alte Mitte", sagt Hagen, der seit 20 Jahren Kinder und Familien in Krisensituationen betreut. "Gefühlt und statistisch breitet sich die Armutsgrenze aus, weil es die
klassische Erwerbsbiografie nicht mehr gibt." Der 45-Jährige berichtet von gut ausgebildeten
Eltern, die in befristeten Arbeitsverhältnissen oder zu Billiglöhnen arbeiten. Viele schämten sich
und versuchten, die Probleme zu verbergen.
Oft fängt es bei der Feriengestaltung an, so Hagen. Wenn Kinder nicht in den Urlaub fahren
konnten, haben sie nach den Ferien nichts zu erzählen. Sie können auch nicht über den neuesten
Film mitreden, weil die Kinokarte 7,50 Euro kostet. "Das ist ein Stück Ausgrenzung, die die
Kinder täglich erleben." Das setze sich bei Markenkleidung und Handys fort. Hinzu kämen
Bildungsnachteile. "Dass man einen internetfähigen PC zu Hause hat, wird in fast jeder Grundschule vorausgesetzt." Viele Schüler könnten das nicht mehr erfüllen. Für Hartz-IV-Familien sei
es prinzipiell schwer, mit dem vorhandenen Geld auszukommen.
Hagen rät, selbst aktiv zu werden. "Es gibt Eltern, die ihren Kindern vieles bieten, auch ohne viel
Geld." Reicht das Geld nicht für den Sportverein, könne man eine kostenlose Schul-AG anregen.
Ein Instrument könne man auch in Kirchengemeinde oder Nachbarschaftsverein erlernen. "Vor
allem aber sollte man sich nicht schämen", sagt Hagen. "Man darf in der Elternversammlung
ruhig sagen, dass man 400 Euro für die Klassenfahrt zu viel findet. Damit steht man sicher nicht
allein da."

Berliner Zeitung, 16.09.2010

Berliner Morgenpost, 15.09.2010

rbb Videotext, 15.09.2010

neues vom kinderschutzbund landesverband

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Berliner Zeitung, 16.09.2010

Kinderschutzbund beim 15. Deutschen Präventionstag
Auch beim 15. Deutschen Präventionstag spielte das Thema „Kinderarmut“ eine wichtige
Rolle. Mit einem Vortrag zum Thema: „Armutskompetenz als Herausforderung in der Sozialen Arbeit“ warb der Berliner Kinderschutzbund für mehr Sensibilität im Umgang mit Kinderarmut. Fachkräfte, die mit Kindern, Jugendlichen und Familien arbeiten, sehen sich mit
der zunehmenden Kinderarmut tagtäglich konfrontiert. Zu beobachten ist eine wachsende
Ohnmacht, Wut, Hilflosigkeit. Gleichzeitig beobachten wir eine neu entstehende Stigmatisierung und Ausgrenzung armer Kinder und ihrer Familien seitens der Helfersysteme. Hinzu
kommt, dass gerade bei dem Thema „Armut“ sehr viel Halbwissen und falsche Informationen kursieren. So hält sich beispielsweise hartnäckig die falsche Annahme, dass das
Kindergeld zusätzlich zum Hartz IV-Regelsatz gezahlt werde. Selbst seriöse Zeitungen vermelden diesen Unfug hin und wieder. Auch diffamierende Aussagen von Politikern wie Thilo
Sarrazin (SPD) oder Guido Westerwelle (FDP) tragen zur Ausgrenzung armer Familien bei.
Umso wichtiger ist es, dass Mitarbeiter/innen der Jugendhilfe über Armutskompetenz verfügen und sich entsprechend fortbilden. Der Vortrag beschäftigte sich daher unter anderem
mit der Frage, wie Einrichtungen konzeptionell und pädagogisch auf das Problem der wachsenden Kinderarmut reagieren können, um diese Kinder erfolgreich zu stärken und zu fördern. Darüber hinaus wurden Eckpunkte eines Fortbildungskonzeptes vom Berliner Kinderschutzbund zur Armutskompetenz vorgestellt. Sehr stolz waren wir auch, dass auf dem
Präventionstag die rbb-Dokumentation „Wut im Bauch“ gezeigt wurde – ein Film über das
Theaterprojekt in unserem Schülerladen „A13“.

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Kinderschutzbund berät bei Verdacht auf Kindeswohlgefährdung
Seit der Einführung des §8a SGB VIII sind auch die Träger der freien Jugendhilfe, also
Einrichtungen aller Leistungsbereiche der Kinder- und Jugendhilfe verpflichtet, den Schutzauftrag für Kinder und Jugendliche wahrzunehmen, sobald ihnen gewichtige Anhaltspunkte
für eine Gefährdung des Wohles von Kindern und Jugendlichen vorliegt. Das heißt, sie sollen Gefährdungslagen für Kinder und Jugendliche rechtzeitig wahrnehmen. Zur Abschätzung des Risikos und zur Planung weiterer Handlungsschritte sollen die Einrichtungen eine „insoweit erfahrenen Fachkraft“ zur Unterstützung hinzuziehen.
Die Beratungsstelle des Deutschen Kinderschutzbundes LV Berlin bietet Fachberatung
nach §8a SGB VIII für Fachkräfte aus pädagogischen und sozialen Arbeitsfeldern an.
In der Fachberatung geht es in erster Linie um:
• Eine Einschätzung des Gefährdungsrisikos für Kinder und Jugendliche
• Um eine Klärung von Verdacht auf Misshandlung, Vernachlässigung, sexuellem Missbrauch, häuslicher Gewalt und anderen schwerwiegenden Belastungen für Kinder und
Jugendliche
• Einschätzung der Ressourcenpotenziale in der Familie
• Planung der Handlungsschritte im gesamten Fallverlauf
• Unterstützung bei der Vorbereitung von Elterngesprächen
• Unterstützung bei der Vorbereitung von Gesprächen mit Kindern und Jugendlichen
• Prozessbegleitung
• Konkrete Interventionen
• Kooperation mit anderen Institutionen, wie z. B. Beratungsstellen und Jugendämtern
• Fragen zur Dokumentation und zum Datenschutz
Beispiele für Gefährdungssituationen können sein:
Ein Mädchen zeigt seit einiger Zeit altersunangemessenes, sexualisiertes Verhalten gegenüber anderen Kindern und männlichen Erziehern. Die Eltern des Kindes leben getrennt und
die Mutter hat wechselnde Freunde, die das Mädchen hauptsächlich von der Kita abholen.
Das Mädchen fehlt sehr oft in der Kita.
Ein Junge verhält sich gegenüber seinen Mitschülern sehr aggressiv und erpresst kleinere
Kinder. In Gesprächen mit der Lehrerin hat der Junge davon berichtet, dass er zu Hause körperlich bestraft wird, wenn er „etwas ausgefressen“ hat. Die Mutter wirkt auf die Lehrerin
hilflos und überfordert und kann dem Jungen keine Grenzen setzen. Der Vater zeigt sich nur
selten in der Schule.
Erzieherinnen einer Kita sorgen sich um zwei Geschwisterkinder. Beide sind in ihrer Entwicklung verzögert und das ältere Kind wurde kurz von der Einschulung um ein Jahr zurück-

neues vom kinderschutzbund landesverband

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gestellt. Die Kinder offenbaren sich in der Therapie bei der Logopädin und auch bei den
Erzieherinnen im Kita-Alltag, dass sie zu Hause manchmal eingesperrt werden. Die Kinder
sind oft ungepflegt, haben dreckige Kleidung und riechen nach Nikotin. Die Eltern kommen
zu den Elterngesprächen, haben bisherige Hilfeversuche seitens der Kita aber abgelehnt.
An uns wenden sich häufig Lehrer, Erzieher aus Kindertagesstätten, Kinderläden, der ergänzenden Ganztagsbetreuung an Schulen, Mitarbeiter aus ergotherapeutischen und logopädischen Praxen, die sich Sorgen um ein Kind oder einen Jugendlichen machen und Hilfe bei
der Einschätzung des Gefährdungsrisikos benötigen. Die Fachberatungen finden selbstverständlich anonymisiert statt. Gemeinsam nehmen wir Einschätzungen vor und berücksichtigen dabei das Risiko aber auch die Ressourcen, die in der Familie liegen. Wir planen
zusammen die nächsten Handlungsschritte, beraten über mögliche Hilfsangebote, bereiten
z. B. ein schwieriges Elterngespräch vor und/oder unterstützen bei der Kontaktaufnahme
zu anderen Einrichtungen wie Kinder- und Jugendgesundheitsdienst oder Jugendamt. Das
Ziel der Fachberatung ist, eine gemeinsame Problemsicht zu entwickeln und mögliche
Lösungswege für die Familie zu entwickeln, um so die Situation des Kindes oder des
Jugendlichen zu verbessern.

Prävention von sexuellem Missbrauch –
Kinderschutzbund schult Jugendverbände
Der Berliner Kinderschutzbund hat erstmalig Jugendverbände zum Thema Prävention von
sexuellem Missbrauch geschult. In der Fortbildung ging es darum, wie Verbände präventive Strukturen schaffen können, um sexuellem Missbrauch und andere Formen der Gewalt
gegen Kinder durch Mitarbeiter/innen vorzubeugen. Im September wurde diese Fortbildung in Kooperation mit dem Landesjugendring Berlin und der Landeszentrale für politische Bildungsarbeit durchgeführt.
In den vergangenen Monaten waren zahlreiche Fälle von sexueller Gewalt innerhalb von
Schulen und Einrichtungen der Jugendhilfe aufgedeckt worden. Nachdem diese zum Teil
jahrelang verschwiegen wurden, stellt sich die Frage nach den Bedingungen, unter denen
Organisationen Kindern und Jugendlichen ausreichend Schutz bieten können, mit besonderer Dringlichkeit. Daher wurde in der Fortbildung die Reflexion über bestehende Strukturen,
geeignete Maßnahmen zu deren Verbesserung sowie zu Veränderungsprozessen in den
Jugendverbänden angeregt.
Ziel des Seminars war zum einen die Vermittlung von Grundlagenwissen, wie beispielsweise Formen und Auswirkungen der Gewalt gegen Kinder, Täterstrategien und Handlungs-

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strategien bei Verdachts- oder erwiesenen Fällen. Zum anderen haben wir einen konkreten
Blick auf die Organisationen der Teilnehmenden geworfen: Welche Präventionsmaßnahmen sind bereits ergriffen worden? Anhand welcher Kriterien analysiere ich die eigenen
Strukturen und welche Maßnahmen ergreife ich zu ihrer Verbesserung? Wer trägt wofür
Verantwortung in diesem Bereich?
Da sich die Jugendverbände durch eine große Vielfalt in ihren Zielgruppen, Arbeitsweisen
und Strukturen auszeichnen, sollte und konnte das Seminar kein passgenaues Konzept für
alle liefern. Vielmehr ging es darum, für das Thema zu sensibilisieren, Reflexionsprozesse
anzuregen und eine Wissensbasis zu schaffen, von der ausgehend die Teilnehmenden
einen Organisationsentwicklungsprozess anstoßen können.
Im Ergebnis äußerten die Teilnehmer/innen, dass sie viele Anregungen und Denkanstöße
mit in die Praxis nehmen. Gleichzeitig wurde auch deutlich, wie umfassend das Thema ist
und auf welchen verschiedenen Ebenen Veränderungsprozesse angestoßen werden müssen. Die Zusammenarbeit zwischen dem Kinderschutzbund und dem Landesjugendring besteht nunmehr seit drei Jahren. In der Entwicklung von Handlungsleitfäden, Informationsbroschüren, aber auch im Bereich der Fortbildung zum Thema Kinderschutz ist in dieser
Zeit eine enge Zusammenarbeit entstanden, die wir nicht missen möchten.

Berliner Morgenpost, 29.04.2010

neues vom kinderschutzbund landesverband

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Eindrücke von einem Elternabend zu kindlicher Sexualität
und Prävention von sexuellem Missbrauch
Immer mehr Eltern machen sich Gedanken darüber, wie sie ihre Kinder vor möglichen sexuellen Übergriffen schützen können – zum einen vor Übergriffen durch Erwachsene, aber
auch durch andere Kinder. Dabei geht es immer wieder um die Frage: „Was ist denn eigentlich ‚normal' und was nicht?“
Auch das Team der Beratungsstelle des Berliner Kinderschutzbundes ist in diesem Zusammenhang zunehmend gefragt. So erreichen uns derzeit regelmäßig Anfragen aus Kitas nach
Fachberatungen für Erzieher/innen und Elternabenden zum Thema „frühkindliche Sexualität und Prävention“.
Wie wichtig nach wie vor die Aufklärung rund um „Sexualität, Selbstbestimmung, Kinder
stark machen“ ist, zeigen unsere Erfahrungen bei Elternabenden in Kitas. Beispielsweise
erklärte eine Mutter, als es darum ging, Kinder mit ihren Grenzen und ihrem „Nein“ ernst zu
nehmen: „ Also, bei meiner Tochter gibt es ein ‚Nein', bei dem ich ganz genau weiß, dass
sie eigentlich ‚ja' meint!“. Eine andere Mutter berichtete von ihrem 9-jährigen Sohn, der
nach dem Fußballtraining nicht gemeinsam mit den anderen Jungs duschen will. Der Trainer
besteht allerdings darauf. Seiner Meinung nach, gehört das gemeinsame Duschen zur Bildung des „Mannschaftsgefühls“ dazu. Nun wollte sie wissen, wie sie ihren Sohn dazu bringen kann, doch mit zu duschen.
Aus Sicht des Kinderschutzbundes ist es für Kinder enorm wichtig, dass sie von ihren Eltern
in ihren Entscheidungen ernst genommen und unterstützt werden. Kinderschutz beginnt, in
dem Eltern die Grenzen schon der Kleinsten respektieren und wissen, dass ein „Nein“ auch
„nein“ bedeutet. Nur wenn Kinder lernen, dass ihre Grenzen akzeptiert werden, können sie
diese auch selbstbewusst gegenüber anderen deutlich zeigen. Und Kinderschutz geht dort
weiter, wo Eltern die Bedürfnisse ihrer heranwachsenden Kinder nach „Privatheit“ ernst
nehmen und sie darin bestärken. Dann haben sie gute Chancen, selbstbewusste und
selbstbestimmte Erwachsene zu werden.

Berliner Morgenpost, 29.04.2010

KULTURRADIO AM MITTAG
10.03. 12:07 bis 14:30 Uhr
Am Mikrofon: Peter Claus

12:10 Hörerstreit
Wie können wir Kinder stark machen gegen Mißbrauch?

Studiogast: Sabine Bresche, Sozialarbeiterin, Deutscher Kinderschutzbund
Strafen, Wiedergutmachungen und Verjährungsfristen werden derzeit debattiert, wenn es um
die kürzlich bekannt gewordenen Missbrauchsfälle in verschiedenen katholischen
Einrichtungen geht. Wichtig wäre es aber auch, dazu beizutragen, dass Kinder sich in jeder
Situation schnell und entschieden wehren können. Dort wo Missbrauch stattfindet, wird meist
ein Vertrauensverhältnis ausgenutzt. Nur ein Kind mit starkem Selbstvertrauen kann sich dem
entgegenstellen. Wie können Eltern und Erzieher Kinder ermutigen? Wie viel Aufklärung und
Warnung muss sein? Was brauchen Kinder zum richtigen Neinsagen?

Kulturradio, 10.03.2010

Berliner Morgenpost, 13.07.2010

neues vom kinderschutzbund landesverband

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Immer mehr Weddinger Kinder beim Kinderschutzbund
Beim Berliner Kinderschutzbund wird es nie langweilig. Immer wenn die Zeichen auf Konsolidierung stehen, tut sich etwas Neues. Im vergangenen Jahr erreichte uns beispielsweise
die Anfrage, ob der Kinderschutzbund als freier Träger auch an der Hermann-Herzog-/TriftGrundschule in Berlin-Wedding die ergänzende Ganztagsbetreuung übernehmen möchte.
Das freute uns natürlich. Denn es zeigt, dass der Berliner Kinderschutzbund als kompetenter, zuverlässiger und engagierter Partner wahrgenommen wird. Wir haben uns die Entscheidung dennoch nicht leicht gemacht. Denn so eine Entscheidung hat natürlich Folgen:
Zahlreiche neue Mitarbeiter/innen müssen gefunden, eingestellt und eingearbeitet werden, die Renovierung der zukünftigen Räumlichkeiten muss geplant und umgesetzt werden, der Verwaltungsaufwand steigt … und, und, und.
Doch gerade in dem Einzugsgebiet dieser Grundschule leben viele Kinder in sehr armen
Familien. Die meisten Schülerinnen und Schüler kommen aus sozial schwachen Familien
und haben häufig einen Migrationshintergrund. Die Eltern sind überwiegend arbeitslos und
die Familie lebt an oder unterhalb der Armutsgrenze. Viele Kinder leben in sehr beengten
Wohnverhältnissen und bedürfen dringend einer guten Förderung. Ebenso wie an unserem
anderen Schulstandort gibt es auch an der Schule in der Müllerstraße 158 eine sehr engagierte Schulleitung sowie ein ebenso engagiertes Kollegium, die sich alle eine Zusammenarbeit mit uns als freiem Träger sehr gut vorstellen konnten. Daher mussten wir diese
Herausforderung einfach annehmen.
Seit dem 01. August 2010 sind wir also offizieller Kooperationspartner der HermannHerzog-/Trift-Grundschule am Schulstandort Müllerstraße 158 und wir freuen uns nach wie
vor sehr über die neuen Aufgaben. Das heißt, ein Team von Erzieherinnen und Erziehern
des Kinderschutzbundes betreut dort 639 Kinder in der so genannten „ergänzenden
Betreuung und Förderung“ – davon sind rund 150 Kinder im Ganztagsbereich. Und fast täglich werden es mehr. In den Herbstferien konnten wir mit den Kindern bereits erfolgreich
erste Projekte angehen. Rund um die Themen „Herbst“ und „Wasser“ gab es spannende
Ausflüge und Experimente. Eine weitere Gruppe besuchte einen großen Verlag und erstellte ihre erste eigene Schülerzeitung. Kurz: Alle sind mit viel Elan und Freude dabei, und die
Rückmeldungen sind bislang sehr positiv.
Bevor es jedoch soweit war, lag ein gutes Stück Arbeit vor den Kolleginnen und Kollegen.
Während der letzten Sommerferienwochen fanden zahlreiche Um- und Ausbaumaßnahmen
statt. Das bedeutete, der eine Teil des Kollegiums betreute die „Ferienkinder“, der andere
war mit Einräumen, Ausräumen, Sortieren und Umgestalten beschäftigt. Denn aus den ehemaligen Klassenräumen sollten einladende, freundliche Gruppenräume werden. Da wur-

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den Pinsel geschwungen, Mobiliar gerückt und Kisten geschleppt. Für die tatkräftige
Unterstützung der zahlreichen Helferinnen und Helfer möchten wir uns ganz herzlich
bedanken. Ebenso bei allen, die uns mit einer Spende geholfen haben! Doch natürlich sind
wir noch lange nicht fertig. Da die Nachfrage groß ist und die Zahl der Kinder weiter steigt,
benötigen wir weitere Räume und denken über die sinnvolle Gestaltung des Außengeländes nach. Dafür benötigen wir dringend Hilfe und freuen uns über jede noch so kleine
Spende! Auf diesem Weg sagen wir schon einmal: Vielen Dank an alle!!!

Fortbilden bildet (Inhouse-Schulungen beim Kinderschutzbund)
Im Rahmen der Qualitätssicherung bilden sich unsere Mitarbeiter/innen regelmäßig weiter.
Denn in der Arbeit mit Kindern und ihren Familien ist uns eine einheitliche Haltung in allen
unseren Einrichtungen sehr wichtig – vor allem bei neuen Kolleginnen und Kollegen. Dabei
setzt der Berliner Kinderschutzbund auf sogenannte „Inhouse-Schulungen“. Bislang standen beispielsweise Themen auf dem Programm wie: „Einführung in den Datenschutz“,
„Schwierige Elterngespräche“, die „Methoden der gewaltfreien Kommunikation“, unser
„Kinderschutzhandlungsleitfaden“ sowie die „Zusammenarbeit der einzelnen Kinderschutzbund-Projekte“.
Die Rückmeldungen im Anschluss waren sehr positiv. Alle Teilnehmer/innen haben den
gemeinsamen Austausch sehr genossen und zur Fehleranalyse genutzt. Dabei ging es auch
um kritische Punkte. Zum Beispiel bei der Frage: Wie läuft die Kommunikation zwischen
den einzelnen Kinderschutzbund-Projektstandorten und was müssen wir verändern?
Schnell wurde deutlich, dass es sich hierbei um einen fortlaufenden Prozess handelt, der
nur gemeinsam und mit entsprechenden Zeitressourcen umgesetzt werden kann.
Auch das Thema „Schwierige Elterngespräche“ führte zu intensiven Diskussionen. Zentral
war dabei die Frage: Wie gehen wir in Elterngesprächen mit Sprachbarrieren um? Denn
selbst, wenn ein Dolmetscher bei einem Elterngespräch dabei ist, bleiben Bedenken, ob
wirklich alles korrekt übersetzt wird/werden kann. Darüber hinaus erleben alle Kolleg/
innen immer wieder Unsicherheiten in der Arbeit mit Eltern aus anderen Kulturkreisen, mit
anderen Erziehungsvorstellungen, Werten und Normen. Darüber zu reden, war für alle sehr
hilfreich.
Datenschutz ist ebenfalls ein ständiges Thema, mit dem wir in unserer Arbeit konfrontiert
werden. Wer muss und/oder darf wem eigentlich was und in welchen Kontexten erzählen?
All dies waren und sind spannende Fragen, mit denen wir uns auch weiterhin auseinandersetzen werden. Darüber hinaus standen für 2010 folgende Schulungen auf dem Programm:

neues vom kinderschutzbund landesverband

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„Umgang beim Verdacht auf sexuellen Missbrauch“, „Gewalt gegen Kinder erkennen – wo
fängt Gewalt an?“ sowie „Transparent mit Familien und anderen Fachkräften im Kinderschutzfall zusammenarbeiten“.

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Elternkurse – Statistik 2010

Weltspieltag im Wedding

„Laute(r) Kinder auf der Straße“
Am Freitag, den 28.05.2010, dem Weltspieltag, stehen in der Amsterdamer Straße im
Quartiersmanagement-Gebiet Pankstraße die Kinder im Mittelpunkt. Unter dem Motto
„Laute(r) Kinder auf der Straße“ werden zusammen mit vielen Kinder- und Jugendeinrichtungen aus dem Kiez für ca. 500 kleine Gäste Spielangebote und Spielwelten geschaffen.
Die Kleinen können von 14 bis 18 Uhr an vielfältigen Bewegungsspielen teilnehmen und
spielerisch die Einrichtungen im Kiez kennen lernen. Weitere Angebote wie Kinderschminken werden für ein buntes Bild auf der Straße sorgen und in einer gemeinsamen
Putzaktion wird Verantwortung für Sauberkeit der Straße übernommen.
Der Spielnachmittag im Malplaquetkiez wird unter Leitung des Deutschen Kinderschutzbundes in Kooperation mit dem QM Pankstraße sowie dem Kinder- und Jugendbüro Mitte
organisiert. Anlass ist der Aufruf zum bundesweiten Aktionstag durch das Deutsche Kinderhilfswerk mit seinen über 100 Partnern im Bündnis für das „Recht auf Spiel“. „Auch in
unserem Kiez sollen die Kinder zu ihrem Recht kommen“ sagt Quartiersmanager Hendrik
Brauns. „Es sollte wieder selbstverständlich sein, dass Kinder auf Gehwegen und in Spielstraßen kicken, Roller fahren, Verstecken oder Fangen spielen“, ergänzt Frau Jakob vom
Deutschen Kinderschutzbund.
Damit genügend Platz für das bunte Treiben ist, wird die Amsterdamer Straße zwischen
Malplaquetstraße und Turiner Straße von 10 bis 20 Uhr für Autos gesperrt. Helfende Hände
für den Auf- und Abbau der Spielstraße sind am 28.05.2010 zwischen 10 und 12 Uhr sowie
18 und 20 Uhr herzlich willkommen.
Weitere Informationen zu den Angeboten am Weltspieltag gibt es beim Deutschen
Kinderschutzbund, Tel.: 030-45 80 29 31.
berlin.de, Mai 2010

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Weltspieltag 2010
Auch in diesem Jahr nutzte der Berliner Kinderschutzbund den Weltspieltag, um auf ein
wichtiges Recht aufmerksam zu machen – das Recht von Kindern auf ‚Spielen im öffentlichen Raum'.
Laut Artikel 31 der Kinderrechtskonvention haben Kinder das Recht auf Freizeit, Spiel und
Erholung. Aber tagtäglich bekommen Kinder Ärger, wenn sie draußen spielen und angeblich zu laut sind. Nach wie vor fehlen in Berlin ausreichend Spielstraßen und Freiflächen
zum Toben vor der Haustür. Autofahrer rasen durch eigentlich verkehrsberuhigte Straßen,
so dass an sicheres Spielen auch hier nicht zu denken ist. Daher fordert der Berliner Kinderschutzbund, endlich autofreie Straßen zu schaffen, in denen Kinder gefahrlos kicken,
Roller fahren, Verstecken oder Fangen spielen können. Wie lebendig und kinderfreundlich
so eine autofreie Straße aussehen könnte, zeigte der Berliner Kinderschutzbund zum zweiten Mal mit seinem Weltspieltagsfest für Kinder im Weddinger Kiez. Am 28. Mai 2010 wurde aus diesem Anlass die Amsterdamer Straße (zwischen Turiner Straße und Malplaquetstraße) einen Nachmittag komplett für den Autoverkehr gesperrt. Dann standen dort statt
Autos, Spielstände und für die Kinder hieß es: Dosenwerfen, Torwandschießen, Kinderschminken, Basteln und vieles mehr. Kurz: Es durfte auf der Straße getobt und gefeiert werden. Ganz begeistert von diesem ungewohnten Bild werden wir uns dafür einsetzen, dass
diese Straße dauerhaft zur autofreien Zone wird und dass in dieser Stadt endlich gilt:
Vorfahrt für die Kinder!

Fröhliches Treiben beim Weltspieltagsfest

Ein wunderschöner
Schmetterling auf dem
Weltspieltagsfest.

Fleißige Helferinnen und Helfer vom Kinderschutzbund – „Zusammen schaffen wir das!“

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Kooperation mit dem ATZE Musiktheater
Der gute Kontakt zwischen dem ATZE Musiktheater und dem Deutschen Kinderschutzbund
entstand bereits im Sommer 2010. Das ATZE Musiktheater plante, ein Stück zum Thema
„Kinderarmut“ auf die Bühne zu bringen. Daher fragte das Musiktheater-Team bei uns an,
ob wir Lust hätten, es dabei mit unserem Fachwissen zu unterstützen. Wir hatten große
Lust und freuen uns, dass wir das wunderbare Stück „Herr Flügel und sein Piano“ inhaltlich
begleiten durften. Aus der begonnenen Zusammenarbeit entwickelte sich schnell der
Wunsch, intensiver und langfristig zusammenzuarbeiten.
So kommt es, dass derzeit eine kleine Bilder-Ausstellung von „Kinderschutzbund-Kindern“
zu den Themen „Kinderarmut und Kinderrechte“ im ATZE Musiktheater zu bewundern ist.
Darüber hinaus entsteht gerade ein weiteres gemeinsames Projekt. Sobald wir eine
Finanzierung für das Projekt gefunden haben, halten wir Sie weiter auf dem Laufenden…

Neu gewählter Vorstand
Auf der Mitgliederversammlung am 05. Mai 2010 wurde ein neuer Vorstand für den LV
Berlin gewählt. Dieser setzt sich wie folgt zusammen:
1. Vorsitzende: Ulrike Leyh
Stellv. Vorsitzende: Elisabeth Schmidt
Schatzmeister: Dieter Allendorf
Schriftführerin: Dr. Harriet Roth
Als Beisitzer wurden gewählt:
Kirsten Arndt, Ester Giró, Gabor Mühlsteff
Wir freuen uns über die neuen Vorstandsmitglieder und auf eine gute Zusammenarbeit in
den kommenden drei Jahren und bedanken uns ganz herzlich bei den Beisitzerinnen,
Kathrin Albrecht und Anita Gödicker. Sie haben unseren Vorstand in den vergangenen
Jahren engagiert unterstützt und gute Arbeit für den Berliner Kinderschutzbund geleistet.

neues vom kinderschutzbund landesverband

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Jörg Kachelmann und der Berliner Kinderschutzbund
Im Winter 2009 startete der Berliner Kinderschutzbund eine Plakatkampagne gegen Gewalt
an Kindern. Die Schirmherrschaft hierfür übernahm Jörg Kachelmann.
Viele von Ihnen haben sicherlich inzwischen von der Verhaftung Jörg Kachelmanns gehört.
Seine ehemalige Lebensgefährtin wirft ihm vor, sie bedroht und vergewaltigt zu haben.
Mittlerweile steht er wegen „schwerer Vergewaltigung“ vor Gericht.
Leider haben viele Medien unser Kampagnenplakat mit dem Titel „Gewalt hinterlässt
Spuren“ im Zusammenhang mit der Verhaftung von Jörg Kachelmann abgebildet. Immer
wieder wurde in diesem Kontext auch unsere Kampagne gegen Gewalt an Kindern erwähnt
sowie die Tatsache, dass Jörg Kachelmann dafür die Schirmherrschaft übernommen hatte.
In den vergangenen Monaten wurde viel berichtet und geschrieben – leider auch viel
Blödsinn. Gegen eine Zeitschrift haben wir inzwischen erfolgreich Beschwerde beim
Deutschen Presserat eingelegt. An dieser Stelle noch einmal kurz die Fakten:
Der Start unserer Kampagne gegen Kindergewalt war am 15. Dezember 2009. An diesem
Tag reiste Jörg Kachelmann nach Berlin und enthüllte das erste von insgesamt 500
Plakaten.
Diese 500 Plakate hingen im Anschluss für eine Woche und das ausschließlich in Berlin.
Unsere Kampagne war also bereits lange beendet, als Jörg Kachelmann verhaftet wurde.
Natürlich waren wir alle hier beim Berliner Kinderschutzbund bestürzt über die Verhaftung
und den Vorwurf der Vergewaltigung. Aber da in Deutschland die Unschuldsvermutung gilt,
haben wir die Informationen über unsere Kampagne samt Bildern von Jörg Kachelmann erst
einmal auf unserer Internetseite belassen – mit dem Zusatz, dass wir die Berichterstattung
natürlich genau verfolgen. Als dann am 19. Mai gegen ihn Anklage erhoben wurde – die
Staatsanwaltschaft also schwerwiegende Beweise hatte – haben wir die Berichte von unserer Internetseite genommen.
Wir bedauern es wirklich sehr, dass diese gute und wichtige Kampagne durch die Verhaftung von Jörg Kachelmann einen so faden Nachgeschmack bekommen hat. Dennoch wollen
wir uns nicht anmaßen, ein Urteil über Herrn Kachelmann zu fällen, sondern überlassen
dies weiterhin der Justiz.

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Liebigstraße 14
In den vergangenen Wochen wurden wir immer wieder gefragt, was denn der Kinderschutzbund mit der Räumung des besetzten Hauses in der Liebigstraße 14 zu tun habe. Auf
diesem Weg möchten wir gerne das eine oder andere Gerücht richtig stellen. Vorab: Der
Berliner Kinderschutzbund hat NICHTS mit der Räumung des Hauses in der Liebigstraße 14
zu tun.
Edwin Thöne, einer der beiden Eigentümer des Hauses Liebigstraße 14, ist Geschäftsführer
des Kinderschutzbundes Unna und NICHT des Berliner Kinderschutzbundes. Wir – als
Berliner Kinderschutzbund – bedauern das Vorgehen von Edwin Thöne und distanzieren
uns ganz klar davon. Aus unserer Sicht ist das Verhalten von Edwin Thöne nicht nachvollziehbar. Da jedoch jede Gliederung des Deutschen Kinderschutzbundes eine „eigenständige juristische Einheit“ ist und Edwin Thöne als Privatmensch handelt, hat weder der
Berliner Kinderschutzbund noch unser Bundesverband eine rechtliche Möglichkeit, gegen
ihn vorzugehen. Denn ein Arbeitgeber kann seinen Angestellten nicht vorschreiben, was sie
in ihrem Privatleben zu tun oder zu lassen haben.
Wir bedauern das Vorgehen von Herrn Thöne und auch, dass unsere engagierte Arbeit, die
wir seit über 50 Jahren für und mit benachteiligten Kindern in Berlin machen, dadurch in ein
schlechtes Licht gerückt wird.

KINDER

Kinder, gebt alles!
Ab heute gilt das veränderte Immissionsschutz- gesetz. Danach muss Lärm von
Kindern grundsätzlich geduldet werden. Allerdings gibt es einige Ausnahmen
VON KRISTINA PEZZEI STEFAN ALBERTI

Kinder sind grundsätzlich zumutbar Foto: AP

Stundenlanges Klaviergeklimper, Indianergebrüll auf dem Bolzplatz, Dauertopfschlagen im Kita-Hof - all das darf in Berlin ab dem heutigen Mittwoch ungehemmt
Realität werden. Mit einem neuen Satz im Landesimmissionsschutzgesetz erklärt der
Senat selbst störende Geräusche von Kindern für zumutbar. Damit sei Berlin das
erste Bundesland, das "eine Privilegierung von Geräuschen, die von Kindern
ausgehen, in das Landesrecht aufnimmt", sagte Umweltsenatorin Katrin Lompscher
(Linke) am Dienstag.
Konkret heißt es in Paragraf 6 nun: "Störende Geräusche, die von Kindern ausgehen,
sind als Ausdruck selbstverständlicher kindlicher Entfaltung und zur Erhaltung kindgerechter Entwicklungsmöglichkeiten grundsätzlich sozial adäquat und damit zumutbar." Bisher gab es Ausnahmen im Gesetz nur für Kirchenglocken, Feuerwehrsirenen
und Erntetraktoren.
Von der Neuregelung profitieren vor allem Kindertagesstätten und Freizeiteinrichtungen; um sie hatte es in der Vergangenheit teils erbitterten Streit gegeben. So
musste etwa 2008 die Kita Milchzahn in der Friedenauer Odenwaldstraße schließen,
nachdem Nachbarn wegen des Lärms geklagt hatten. Die Einrichtung lag in einer
früheren Ladenwohnung mitten in einem Wohngebiet; geschlossen wurde sie, weil sie
gegen bauliche Verordnungen verstoßen hatte.
Auch Sport- und Bolzplätze kämpften gegen Anwohnerklagen - genauso wie bezirklich verwaltete, herkömmliche Sportplätze. Einige dieser Anlagen standen kurz vor der
Schließung, andere mussten ihre Nutzungszeiten einschränken. Häufig fühlten sich
Anwohner schon durch Türenschlagen gestört oder weil sie keinen Parkplatz fanden,
wenn Eltern ihre Kinder zum Training brachten.
Der Kinderschutzbund bewertete die Gesetzesänderung als Erfolg. "Wir leben nun
einmal in einer Stadt - irgendwo müssen Kinder spielen und laut sein dürfen", sagte
Sprecherin Alex Jacob der taz. Sie berichtete von einem eingezäunten Bolzplatz
ebenfalls in Friedenau: Er sei nach Anwohnerbeschwerden am Wochenende für
Kinder gesperrt worden, "und das an einer verkehrsreichen Straße, an der es sowieso
viel Lärm gibt." Nun umzäunt ein etwa fünf Meter hoher Draht das Gelände. Das
Verbot führte laut Jacob dazu, dass die Kinder zu Sperrzeiten über den Zaun klettern.
Diese Einschränkungen bleiben trotz des neuen Gesetzes bestehen.
Folgt man der Senatsverwaltung für Umwelt, werden sich solche Einschränkungen
künftig aber gerichtlich schwerer durchsetzen lassen. "Die Hürde ist nun einiges
höher", sagte Sprecherin Regina Kneiding. Sie geht indes davon aus, dass sich in der
Praxis der Bezirksämter wenig ändern wird. Die Verwaltung habe stets auch ohne
Gesetz Kinder privilegiert behandelt. "Jetzt setzen wir ein politisches Signal und
geben den Bezirken größere Rechtssicherheit."
© taz Entwicklungs GmbH & Co. Medien KG, Vervielfältigung nur mit Genehmigung des taz Verlags

taz, 17.02.2010

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Aktivitäten der Kinderschutzbund-Projekte
Fünftes Kinderschutzbund-Projekt im Wedding
Seit dem 01. August 2010 ist der Berliner Kinderschutzbund offizieller Kooperationspartner
am Schulstandort Müllerstraße 158 (ehemals Hermann-Herzog-/Trift-Grundschule). Mehr
Informationen hierzu finden Sie in diesem Jahresbericht unter der Rubrik „Neues vom
Kinderschutzbund Landesverband“ auf Seite 29.

Neues Konzept in unserer Kita „A13“
Unsere Kita „A13“ befindet sich bereits seit dem Frühjahr 2010 in einem spannenden
Umstrukturierungsprozess. Schon seit längerem wollten wir weg von den „festen Kindergruppen“ hin zur „offenen pädagogisches Arbeit“. Daher beinhaltet dieser Prozess nicht
nur ein neues pädagogisches Konzept, sondern auch eine neue Raumaufteilung sowie eine
neue Gestaltung der Räume.
Die ursprünglichen Stammgruppen wurden samt ihren Gruppenräumen aufgelöst. Alle
unsere Kita-Kinder sind jetzt jeweils einer Bezugserzieherin zugeordnet. Sie erleben ihren
Alltag in altersgemischten Gruppen. Dabei können sie sich ihr „Spielzimmer“ frei aussuchen und sich an ihren Interessen orientieren. Aus den Gruppenräumen wurden Funktionsräume. In unserer Kita gibt es nun ein Spielzimmer, einen Bewegungsraum, einen Rollenspielbereich, ein Atelier, ein Esszimmer sowie einen Heilpädagogischen Raum und ein
Krippenzimmer. Das Krippenzimmer ist im Februar 2011 neu entstanden und gestaltet worden. Es bietet unseren Kindern unter 3 Jahren einen geschützten Rückzugsort im Alltag.
Die „neue“ Kita kommt bei Groß und Klein sehr gut
an. Und immer wieder staunen wir darüber, wie selbständig und entscheidungsfreudig schon die 2-3jährigen sind.

aktivitäten der kinderschutzbund-projekte

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Kita von „Berliner Freunden“ als herausragendes
Kiezprojekt ausgezeichnet
Im vergangenen Jahr wählte die Initiative der „Berliner Freunde“ unser Projekt „Bildungs(t)räume für Kinder im Wedding“ aus 115 Bewerbungen als eines von zwölf herausragenden Kiezprojekten für Kinder aus. Zur offiziellen Übergabe der „Sieger-Urkunde“ hatte sich
für Mitte Mai hoher Besuch in unserer Kita angekündigt. Ebenfalls mit dabei: das Hertha
BSC-Maskottchen – der Bär „Hertinho“. Kaum stand er in der Eingangstür hing auch schon
eine Traube von Kindern an ihm. Nach dem offiziellen Teil gab es einen Fototermin und die
Kinder übergaben Hertinho ihre selbst gemalten Bilder. Mohamed (5 Jahre) schaute sich
alles ganz ruhig an und sagte dann in einem kurzen Moment der Stille: „Das war ja alles ganz

Hertinho zu Besuch in unserer Kita A13

schön, aber jetzt zieh mal endlich dein Kostüm
aus, Bär.“ Wir danken an dieser Stelle der
Initiative „Berliner Freunde“ von Hertha BSC,
der Wall AG, Randstadt und der Stadt Berlin
ganz herzlich für die tolle Unterstützung und die
unvergleichliche Urkunde.

Die Kita A13 des
Kinderschutzbundes
ist jetzt ganz offiziell
„ein herausragendes
Kiezprojekt“

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Kinderkunst für Kinderrechte
„Ich wünsche mir eine bunte Welt, in der die Sonne immer scheint, ich genug Platz zum
Spielen habe, ein Zuhause, genug zu Essen und zu Trinken, Freunde und schöne Natur.“ So
beschreibt die 7-jährige Liuba, was sie mit ihrem Bild zum Thema „Kinderrechte“ ausdrükken möchte.
Zwei Monate lang setzten sich mehrere Kindergruppen aus dem Schülerladen „A13“ und
dem Kinder-Kiez-Zentrum mit dem Thema „Kinderrechte“ auseinander. Was für Rechte
haben Kinder? Wer kümmert sich darum, dass die Rechte eingehalten werden? Wo werden
Kinderrechte verletzt? Und welche wichtigen Rechte fehlen aus Sicht der Kinder? Um all diese Fragen drehte sich das Projekt, das von einer Künstlerin, einem Grafiker und Comiczeichner sowie von einem Erzieherinnen-Team begleitet wurde. Nach dem „theoretischen
Teil“ ging es dann ganz praktisch mit Farben, Pinseln und Stiften ans Werk.
Auf Bildern und mit Kunstwerken zeigten die Kinder, welche Rechte Ihnen wichtig sind und
was sie sich für ihre Zukunft wünschen. Herausgekommen ist eine wirklich beeindruckende Ausstellung. Und wir freuen uns sehr, dass die Bilder „unserer“ Kinder zwei ganze
Monate im Bezirksamt von Berlin-Mitte vor dem Büro des Bürgermeisters Dr. Christian
Hanke zu sehen waren. An dieser Stelle ein großes Dankeschön an Herrn Dr. Hanke.

Kinderkunst für Kinderrechte

„Kinder haben ein Recht auf Fantasie“ – Der Fantasievogel

Eröffnung der Kinderrechte-Kunst-Ausstellung mit Bezirksbürgermeister Dr. Christian Hanke

„Kinder sollten das Recht haben,
draußen in schöner Natur zu spielen“

Kinderkunst für Kinderrechte –
„Ich wünsche mir eine Welt, in
der die Sonne immer scheint.“

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Die Schulstation verwandelt sich in eine „Unterwasserwelt“
Bereits im vergangenen Jahr gab es Pläne, die Schulstation mit einem weiteren Wandbild
noch schöner zu machen. In den Herbstferien war es dann endlich soweit. Fünf Kinder, die
Mitarbeiterinnen der Schulstation sowie die Künstlerin Anna Adam machten sich daran,
eine Wand der Schulstation in eine Unterwasserwelt zu verwandeln.
Um den Kindern einen sicheren Rahmen zu bieten, entwickelten alle zusammen eine
Tagesstruktur. Die Tagespläne wurden jeden Tag zusammen mit den Kindern erarbeitet,
unterschrieben und aufgehängt. Jeder Tag begann mit einem gemeinsamen Frühstück, das
zusammen mit den Kindern zubereitet wurde. Nach dem Frühstück gab es ein gemeinsames Spiel. So konnten die Kinder sich schneller als Gruppe finden. Nach einigen Stunden
„Arbeitsphase“ wurde gemeinsam Mittag gegessen und eine Runde auf dem Hof getobt.
Anschließend hieß es noch einmal „arbeiten“. Den Tag beendeten dann das gemeinsame
Aufräumen sowie ein Abschlusskreis.
Am ersten Tag gestaltete das kleine Team den Wandbild-Hintergrund. Hierfür hatten sich
die Pädagoginnen eine sehr lustige und schnelle Methode ausgedacht, bei der vor allem
Teamarbeit gefragt war. Auf große Mülltüten wurde blaue, grüne und weiße Farbe gegossen, die anschließend auf die gesamte Fläche der Tüte verteilt wurde. Danach musste diese Tüte gemeinschaftlich an die Wand gebracht werden, um dann die Farbe durch Streichen

Ein Wandbild entsteht in der Schulstation

aktivitäten der kinderschutzbund-projekte

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und Klopfen auf die Wand aufzutragen. Nachdem das vollbracht war, zeichneten die Kinder
ihre bereits ausgedachten Unterwasserlebewesen. Tags darauf begannen die Kinder, die
ersten Tiere freihand an die Wand zu zeichnen. Schwierigere Lebewesen – wie z. B. eine
Meerjungfrau – wurden zuerst auf eine Folie kopiert und dann mittels eines OH-Projektors
an die Wand projiziert, abgezeichnet und ausgemalt. Der dritte Tag war für die Feinheiten
reserviert. Anna Adam erklärte den Kindern wie anhand von hell und dunkel, Struktur in die
Figuren kommt. Am Ende des Tages unterschrieben alle auf dem Wandbild. Dann musste
natürlich die große Vernissage vorbereitet werden. Die Kinder bastelten Richtungspfeile
und informierten die Hortgruppen. Sie kümmerten sich um die Besorgungen (Getränke,
Servietten, Knabberzeug), räumten gemeinschaftlich den Raum auf und bereiteten alles
vor. Die Aufregung war groß und die Vernissage wurde ein voller Erfolg.
Während der Vernissage wurde deutlich, wie stolz die Kinder auf ihr gemeinsames Kunstwerk waren und wie wichtig es für sie war, es anderen vorstellen zu dürfen und die Entstehungsweise zu erklären. Ebenfalls deutlich wurde, dass dies eine sehr ungewohnte und
neue Situation für sie war. Im Mittelpunkt zu stehen und so viel Anerkennung entgegengebracht zu bekommen, waren sie nicht gewohnt. Durch das positive Feedback der anderen
Kinder und Erwachsenen konnten alle noch einmal spüren, wie wichtig jeder einzelne
Beitrag für das Entstehen des Wandbildes war. Alle Kinder sind sehr stolz, dass sie bei der
Gestaltung des Toberaumes mitgearbeitet haben und kommen immer mal wieder in die
Schulstation, um anderen Mitschülern ihr Wandbild zu zeigen.

Alle Hände voll zu tun – das Wandbild
in der Schulstation nimmt Farbe an

Probieren geht über studieren – erste Versuche
ein großes Wandbild zu verwirklichen

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Die „A13“ rockt – erste Kinderschutzbund-Band
Seit dem vergangenen Jahr schlägt der Schülerladen „A13“ neue Töne an. Denn seitdem
gibt es die erste offizielle „A13“-Band. Sie heißt „Safari“ und der Name ist Programm. Denn
der steht für viele bunte Lebewesen, die alle ihre Stärken haben, zusammen etwas ganz
Besonderes sind und gemeinsam viele Abenteuer erleben. Mitglieder der Band sind drei
Mädchen und zwei Jungen im Alter von 7 bis 10 Jahren, die Keyboard, Gitarre und Schlagzeug spielen. Gesungen wird natürlich auch. Die Texte sind von den Kindern selbst erdacht
und handeln von ganz alltäglichen Dingen im Leben der Kinder wie Schule, Freundschaft
oder dem Traurigsein.
Sinn und Zweck der Band ist aber nicht, Tonleitern hoch und runter zu üben, sondern den
Kindern einen Raum zum Sich-Ausprobieren zu geben, um sie darüber an Musik heranzuführen. Außerdem geht es darum, dass die Kinder sich in einer Gruppe erfahren und so ein
Gruppengefühl entwickeln können. Denn natürlich gibt es auch hin und wieder Streit, wer
wie viel Text singen darf oder wie ein Song gespielt werden soll. Aber da alle das gemeinsame Ziel haben, zusammen Musik zu machen, suchen und finden sie auch gemeinsam
Lösungen. Ihren ersten offiziellen Auftritt hatte die „A13“-Band „Safari“ beim Weltspieltagsfest. Der Applaus war riesig – zu Recht, wie wir finden!

Die A13 Band „Safari“ und ihre Fans

aktivitäten der kinderschutzbund-projekte

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Kinderreise nach Brandenburg
Am 11. Oktober 2010 waren zehn „Kinderschutzbund-Kinder“ sehr aufgeregt. Früh am Morgen kletterten die acht Mädchen und zwei Jungen mit ihrer Erzieherin am Berliner Hauptbahnhof in den Zug, der sie nach Mötzow in Brandenburg brachte. Dort erwartete die
Kindergruppe an sechs Tagen ein randvolles Ferienprogramm. Sie konnten jeden Tag auf's
Neue zwischen den vielen Angeboten der „Perspektivfabrik“ wählen. Auf dem Tagesplan
standen so tolle Sachen wie Klettern, IT-Fitness, Wassersport, bei einer Musikband mitmachen, Basketball oder Fußball spielen, Hallensport, Theater und vieles mehr. Die Kinder
waren begeistert und fielen abends müde und glücklich in ihre Betten. Am vorletzten Tag –
der ebenfalls voller Spiel, Spaß und Sport gewesen war – sollte eigentlich noch eine kleine
Geburtstagsparty stattfinden. Der sonst sehr feierbegeisterte Cemil fragte an dem Abend
allerdings: “Darf ich schon schlafen gehen oder muss ich noch feiern?“
Finanziert wurde dieser Kurzurlaub durch die ARD-Fernsehlotterie „Ein Platz an der Sonne“,
begleitet wurde er von radioBERLIN 88,8 vom Rundfunk Berlin Brandenburg. Ein ganz großes Dankeschön im Namen der Kinder an alle, die diese Reise ermöglicht haben. Diese
Herbstferienwoche werden die Kinder so schnell nicht vergessen.

Kinderschutzbund-Kinder singen für Senioren
Die Vorweihnachtszeit im Kinderschutzbund war auch in diesem Jahr wieder geprägt von
zahlreichen Aktivitäten. Eine davon war das Adventssingen von zwei unserer Kindergruppen in einem nahe gelegenen Seniorenheim. Bei Kakao und Benjamin-Blümchen-Kuchen
sangen Alt und Jung gemeinsam Weihnachtslieder und verbrachten einen schönen Nachmittag zusammen. Als Dankeschön gab es von den Senioren ein kleines
Weihnachtsüberraschungstütchen. Wir finden: Eine sehr schöne und ausbaufähige
Initiative!

Kinderschutzbund-Kinder singen Weihnachtslieder
für Senioren

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Beispielhafte Hilfe
Neue Küche für die Kita dank Spende
Seit Jahren kämpfte unser Kita-Team mit einer alten Küche, die seinerzeit günstig angeschafft wurde. Das Mobiliar war längst nicht mehr geeignet und diverse Geräte nur bedingt
funktionsfähig. Hinzu kamen Schäden am Bodenbelag und zugige Fenster. Kein Wunder
also, dass wir von der zuständigen Behörde die Auflage bekamen, die komplette Küche zu
erneuern. Eine Auflage, die wir sofort nachvollziehen, aber leider nicht sofort umsetzen
konnten. Denn die Sanierung der Küche sollte viel Geld kosten. Geld, das der Berliner
Kinderschutzbund nicht einfach so aus dem „Ärmel schütteln“ konnte.
Daher waren wir mehr als glücklich, dass die ALPHONS-VELISCH-STIFTUNG sich bereit
erklärte, die Kosten für den Aus- und Umbau zu übernehmen. Seit April vergangenen Jahres
kann nun wieder in einer neuen, wunderschönen Küche gewerkelt, geschnibbelt und geköchelt werden. Wir danken der Stiftung an dieser Stelle ganz, ganz herzlich.

Fiat spendet schicken Großraumkombi
Dank der großzügigen Spende der Fiat Automobil AG ist der Berliner Kinderschutzbund seit
dem 06. Juli 2010 stolzer Besitzer eines Fiat Doblo. Die offizielle Schlüsselübergabe samt
Fototermin fand in Frankfurt am Main statt. Unsere 1. Vorsitzende Ulrike Leyh durfte
gemeinsam mit dem Präsidenten des Deutschen Kinderschutzbundes, Heinz Hilgers, als
erste eine Runde drehen. Seitdem ist das Auto regelmäßig und gerne im Einsatz. Mal werden Hürden am Weltkindertag zum Brandenburger Tor transportiert, Kinderkunstwerke
zum richtigen Ausstellungsort gebracht, Großeinkäufe für das Kinder-Café gemacht oder
fröhlich singende Kinder zu einem Ausflugsort befördert. Ein ganz großes Dankeschön für
dieses tolle Fahrzeug geht auf diesem Weg in die Fiat-Zentrale!

Offizielle Schlüsselübergabe
bei Fiat in Frankfurt.
Ulrike Leyh und Heinz Hilgers
sagen „danke“ im Namen
des Kinderschutzbundes

beispielhafte hilfe

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Erster Standbesuch beim Kinderfest in der Gemäldegalerie

Kinderschutzbund in der Gemäldegalerie
Auch im vergangenen Jahr feierte der Kaiser-Friedrich-Museums-Verein wieder sein alljährliches Kinderfest. Am 03. Oktober fand es in der Gemäldegalerie unter dem Motto
„FARBEN-REICH“ statt – und der Berliner Kinderschutzbund durfte ebenfalls dabei sein.
Denn netterweise hatte uns der Förderverein einen wunderschönen Stand zur Verfügung
gestellt. Ganz ohne Standmiete. So nutzten wir den Tag, um mit vielen Familien und ihren
Kindern ins Gespräch zu kommen und über die Arbeit des Kinderschutzbundes zu informieren. Besonders gefreut hat uns, dass wieder über 100 Kinder unseren Kinderrechte-QuizFragebogen ausgefüllt haben. Die Antworten werten wir derzeit aus und sind gespannt auf
die Ergebnisse. An dieser Stelle möchten wir uns herzlich beim Kaiser Friedrich-MuseumsVerein bedanken und schon einmal auf diesen Termin verweisen: Am 25. September 2011
findet das wirklich liebevoll gestaltete Kinderfest im Bode-Museum statt. Der Titel diesmal:
„Neugierig auf Skulptur?“

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C & A unterstützt den Kinderschutzbund
Wie bereits in den vergangenen Jahren starteten die
Berliner C&A Filialen auch im Dezember 2010 wieder ihre große Spendenaktion. Dazu riefen sie ihre
Kunden auf, Vorschläge zu machen, welcher gemeinnützige Verein eine Weihnachtsspende verdient hätte. Das „Hallo und Hurrah“ war groß, als
uns Mitte Dezember ein Anruf aus der Filiale in der
Müllerstraße erreichte. Dort hatte man sich entschieden, in diesem Jahr u. a. den Berliner Kinderschutzbund zu unterstützen. Darüber haben wir uns
natürlich sehr gefreut. Wir danken C & A und ihrem
Leiter Manuel Pticek an dieser Stelle für die wunderbare Spende von 2.000,– Euro.

Scheckübergabe bei C & A in der Müllerstraße

Weihnachten beim Kinderschutzbund:
Bescherung im InterCityHotel Berlin
Eine ganz besondere Überraschung erwartete eine Kindergruppe vom Kinderschutzbund
im InterCityHotel Berlin. Auf Initiative des Hotels hatten dort spendable Gäste Weihnachtsgeschenke für „unsere“ Kinder abgegeben. Das Hotel-Team bereitete dann mit viel Engagement eine wunderschöne Bescherung vor. Den Weihnachtsmann gab sogar der Hotelchef
höchstpersönlich! An dieser Stelle ein ganz großes Dankeschön für einen unvergesslichen
Nachmittag an alle, die zum Gelingen beigetragen haben.

Bescherung im InterCityHotel Berlin

beispielhafte hilfe

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Spenden über neue Internetsuchmaschine – heelp.de
Seit dem Sommer gibt es eine neue Form von Internetsuchmaschine. Sie nennt sich
heelp.de. Damit können Sie im Internet bequem nach Begriffen suchen und unterstützen
gleichzeitig den Kinderschutzbund. Das Ganze funktioniert wie jede andere Internetsuchmaschine – kostet Sie also nichts. Für jede Begriffsuche über heelp.de erhält der Kinderschutzbund zwischen zwei und vier Cent. Das hört sich erst einmal wenig an. Aber wenn
viele Menschen mitmachen, kommt doch einiges zusammen. Schauen Sie doch einfach mal
unter http://www.heelp.de
Wenn Sie uns unterstützen wollen, wählen Sie auf der Startseite „Dt. Kinderschutzbund
Berlin e. V.“ aus. Und falls Sie finden, dass das eine gute Sache ist, sagen Sie es gerne weiter! Wir freuen uns über jeden Cent.

Mutter sammelt Spielzeug für Kinderschutzbund
Ob als Mitglied oder als engagierte Bürger – immer wieder kommen Menschen auf die tollsten Ideen, den Kinderschutzbund zu unterstützen. Bereits zum zweiten Mal sammelte eine
Mutter über das Internet Spielzeug für bedürftige Kinder. In diesem Jahr gingen die gespendeten Puppen, Spiele, Bücher und noch vieles mehr komplett an den Kinderschutzbund nicht ohne dass Frau Lüttger vorher alles gesichtet, sortiert, gesäubert oder gewaschen
hat. Die Kinder unserer Kita waren hellauf begeistert. Wir danken Frau Lüttger für ihren
besonderen Einsatz!

Familie kauft Winterkleidung für „unsere“ Kita-Kinder
Ebenfalls erwähnen möchten wir die Spende einer Familie, die hier nicht gerne mit Namen
genannt werden möchte. Im vergangenen Herbst erschien ein Artikel über die Arbeit des
Kinderschutzbundes und unseren Kampf gegen Kinderarmut. Nachdem sie diesen Artikel
gelesen hatten, beschlossen Mutter, Vater und Tochter etwas für „unsere“ Kinder zu tun.
Sie riefen beim Kinderschutzbund an und fragten, wie sie helfen könnten. Von mehreren
Vorschlägen entschied sich die Familie dafür, den Kita-Kindern einen Grundstock an Winterkleidung zu spendieren. Denn leider ist es nach wie vor keine Selbstverständlichkeit, dass
Kinder im Wedding Winterstiefel, Schneeanzüge, Schals, Mützen und Handschuhe besitzen. Dank dieser tollen Spende waren in diesem frostig kalten Winter alle Kinder bei
Ausflügen immer schön warm angezogen und konnten so das Schneemannbauen doppelt
und dreifach genießen. Vielen Dank sagen wir und vor allem die Kinder aus der Kita „A13“.

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Apothekerin ertüftelt Kreuzworträtsel zugunsten
des Kinderschutzbundes
Die außergewöhnlichste Idee stammte von einer Apothekerin aus Berlin-Prenzlauer Berg.
Frau Kluczynski von der Mühlenberg Apotheke hatte den wunderbaren Einfall, einen Kreuzworträtsel-Wettbewerb zugunsten des Berliner Kinderschutzbundes zu „veranstalten“.
Gegen ein kleines „Startgeld“ konnten ihre Kunden an dem Wettbewerb teilnehmen. Dabei
sind stolze 300 Euro zusammen gekommen! Wir haben uns riesig darüber gefreut. Denn
durch diese Spende ermöglicht Frau Kluczynski „unseren“ Kindern tolle Ausflüge, die
ansonsten nicht möglich wären – z. B. Besuche im Museum, eine Fahrt ins „Grüne“ oder
einen Nachmittag im Kindertheater. Herzlichen Dank für diese tolle Idee und ihre
Umsetzung!

Zweite Lesung zugunsten des Berliner Kinderschutzbundes
Lilian Klawitter ist seit über 50 Jahren Mitglied im Deutschen Kinderschutzbund. Im März
2010 hat sie erneut einen Benefiz-Nachmittag zugunsten des Berliner Kinderschutzbundes
auf die Beine gestellt. Bereits zum zweiten Mal lud die (unternehmungs-) lustige Künstlerin
in den Club-Steglitz. Auch dieses Mal stellte sie Geschichten aus ihrem amüsanten und
unterhaltsamen Buch vor und gab passende Lieder mit Gitarrenbegleitung zum Besten. Wir
danken Frau Klawitter für ihr Engagement und ihre Treue zum Berliner Kinderschutzbund!

beispielhafte hilfe

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Dank an alle Spender/innen und Unterstützer/innen
Auf diesem Weg möchten wir uns noch einmal bei allen ehrenamtlichen Helferinnen und
Helfern, den Spenderinnen und Spendern, bei allen Firmen und Institutionen und bei unseren Kooperationspartnern ganz herzlich bedanken. Ohne ihre wunderbare Unterstützung,
ihre Zeit, ihr Engagement, aber auch durch ihre Spenden wäre vieles in unseren KinderProjekten nicht möglich gewesen.
So konnten wir beispielsweise Dank der ARD-Fernsehlotterie „Ein Platz an der Sonne“ einer
Kindergruppe in den Herbstferien eine kleine Reise nach Brandenburg ermöglichen. Die
größte Spende erreichte uns über unseren Bundesverband von der Fiat Automobil AG. Sie
spendierte uns einen nigel-nagel-neuen Fiat Doblo, der beim Weltkindertag auf dem
Pariser Platz gleich wunderbar zu seinem ersten offiziellen Einsatz kam. Die Staples
Deutschland GmbH unterstützte unser Weltspieltagsfest mit zahlreichen tollen Preisen
sowie einer Spende. Die BSR stellte zu diesem Anlass – wie auch schon in den vergangenen Jahren – ein tolles „Kehr-Paket“ zur Verfügung und der Ehapa Verlag, der rbb-Ohrenbär
sowie die rbb-Media schickten uns Päckchen mit schönen Preisen für das Fest. Der
Förderverein der Gemäldegalerie und Skulpturensammlung SMB e. V. gab uns anlässlich
seines jährlichen Kinderfestes die Möglichkeit, an einem wunderschönen Stand über die
Arbeit des Kinderschutzbundes zu informieren. Das Social-Media-Team der Groupon GmbH
half bei einer tollen Renovierungsaktion unsere Kita „A13“ zu verschönern. Die C & A Filiale
in der Müllerstraße widmete ihren Beitrag zur bundesweiten Weihnachtsspendenkampagne den Einrichtungen der „A13“. Das InterCityHotel Berlin lud eine unserer Kindergruppen zu einer tollen Weihnachtsfeier ein und das Unternehmen „finolee“ gab und gibt
seinen Kunden die Möglichkeit, bei einer online-Bestellung einen selbst gewählten Betrag
an den Kinderschutzbund zu spenden. Sehr beeindruckt hat uns auch das private
Engagement von einigen Menschen. Eine Mutter hat privat über das Internet Spielzeug für
unsere Kinderprojekte gesammelt. Eine andere Familie hat einen Großeinkauf an Winterkleidung für „unsere“ Kinder gestartet und eine Apothekerin hat sich sogar ein Kreuzworträtsel mit „Startgeld“ von einem Euro zugunsten des Kinderschutzbundes ausgedacht.
All diesen und den vielen anderen hier nicht genannten unermüdlichen Unterstützerinnen
und Unterstützern des Kinderschutzbundes gilt unser aufrichtiger Dank.
Wichtig ist uns, Ihnen zu versichern, dass alle Spenden für den Berliner Kinderschutzbund
dort ankommen, wo sie am dringendsten benötigt werden – bei hilfebedürftigen Kindern
und Jugendlichen. In unseren zahlreichen Kinderprojekten, aber auch in unserer Beratungsstelle, in unseren Elternkursen und Fortbildungen kümmern wir uns in der tagtäglichen
Arbeit um die Bedürfnisse von Kindern, um ihren Schutz, ihre Rechte und darum, ihren
Alltag fröhlicher und lebenswerter zu machen. Denn ALLE Kinder und Jugendlichen haben

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das Recht, gewaltfrei und sozial abgesichert aufzuwachsen und dafür setzen wir uns ein.
Dass der Berliner Kinderschutzbund mit Mitgliedsbeiträgen und Spendengeldern verantwortungsvoll umgeht, haben wir sogar schriftlich. Ein unabhängiger Wirtschaftsprüfer
bescheinigte dem Berliner Kinderschutzbund, dass der Verein vorbildlich arbeitet, alles
ordnungsgemäß verläuft und es keinerlei Beanstandungen gibt. Oder – wie es im Amtsdeutsch heißt: „Wir bestätigen dem Deutschen Kinderschutzbund LV Berlin e. V. die ordnungsgemäße Behandlung der Zuwendungsströme“.
Der Berliner Kinderschutzbund ist nach wie vor auf die Unterstützung von Helferinnen und
Helfern, Spenderinnen und Spendern, Firmen, Institutionen und Kooperationspartnern
angewiesen. Und wir werden auch in der Zukunft Sorge dafür tragen, dass wir das in uns
und unsere Arbeit gesetzte Vertrauen nicht enttäuschen.
Wenn Sie unsere Arbeit unterstützen möchten, richten Sie Ihre Spende doch bitte an:
Deutscher Kinderschutzbund Berlin
Bank für Sozialwirtschaft
Kontonummer: 3 182 100
Bankleitzahl: 100 205 00
Selbstverständlich erhalten Sie für jede Spende über 200,– Euro eine Spendenquittung.
Auch Spenden unter 200,– Euro sind steuerlich absetzbar. Hierfür reicht der Kontoauszug

Danke …
für das wunderbare Kinderschutzbund-Auto
der Fiat Automobil AG
für die Ausstattung und Verschönerung unserer Kinderprojekte
der ALPHONS-VELISCH-Stiftung
den Berliner Freunden
Hertha BSC
der Pelikan Vertriebsgesellschaft mbH & Co. KG
dem Social-Media-Team der Groupon GmbH
für die Unterstützung unseres Weltspieltages
der BSR
dem Ehapa Verlag

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der rbb media GmbH
dem rbb-Ohrenbär
der Staples GmbH
für die Förderung „unserer“ Kinder durch tolle Sachmittel und Veranstaltungen
dem Förderverein der Gemäldegalerie und Skulpturensammlung SMB e. V.
dem Grips Theater
dem InterCityHotel Berlin
der Kaiser's Filiale in der Fürstenberger Straße
dem Kid's Guide Berlin
der Zitty Verlag GmbH
für eine unvergessliche Kinderreise
der ARD-Fernsehlotterie „Ein Platz an der Sonne“
für die tatkräftige Unterstützung unserer Kinderrechte-Ausstellung
Dr. Christian Hanke
dem ATZE Musiktheater
für ihr ganz privates Engagement und tolle Sachspenden
Tina Bert
Familie Hartung
Susanne Kluczynski von der Mühlenberg Apotheke
Judy Lüttger vom mamiweb.de
für ihren Einsatz als Botschafterin für den Berliner Kinderschutzbund
Tita von Hardenberg
an alle Sponsoren und Spender/innen
der C & A Filiale in der Müllerstraße
dem Cisoc Center
der Cornelsen Verlag GmbH
donare.de
der GBAV Gesellschaft für Boden- und Abfallverwertung mbH
Christine Binder
Monika Bresche
Peter Bresche
Heike Dahme
Yvonne Fischer

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Gedankendoping Ltd.
Stefan Konrad Hanke
Jens Heinemann
Jochem Huberich
Hans Jürgen Iltzsche
Etha Jimenez
Westphal und Partner
Wilfried Lange
Dr. med. Bernd Muzzulini
Rita und Hans-Joachim Schmidt
Sabine Spatzker-Sänger
Xgsm.com GmbH
Allen anderen, hier nicht genannten, gilt ebenfalls unser herzlicher Dank
für die Unterstützung unserer Arbeit.

Weltkindertag 2010: KINDERARMUT. Gemeinsam Barrieren überwinden.

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Geschäftsführerin Sabine Walther im Interview mit der ARD

Presseanfragen im Jahr 2010
Regionale Zeitungen ........................... 34
Radiosender ........................................ 23
Fernsehen ........................................... 35

Themen der Presseanfragen
Familienpolitik .................................... 5
Erziehung ........................................... 7
Gesundheit ......................................... 6
Kinderarmut ........................................ 32
Vernachlässigung ................................ 4
Gewalt in der Familie ........................... 26
Migration ............................................ 6
Kinderrechte ....................................... 6

Pressemitteilung vom 04. Januar 2010

1 Jahr Berliner Kinderschutzgesetz – mindestens 35 Kinder
vernachlässig oder misshandelt
Berliner Kinderschutzbund fordert noch mehr Engagement
Seit einem Jahr hat Berlin ein eigenes Kinderschutzgesetz. Der Berliner
Kinderschutzbund begrüßt grundsätzlich die Anstrengungen, Kinder besser
zu schützen. „Vieles ist auf dem richtigen Weg“, so die Geschäftsführerin
des Berliner Kinderschutzbundes, Sabine Walther. Dennoch sind im vergangenen Jahr mindestens 35 Kinder misshandelt oder vernachlässigt worden.
„Das zeigt, dass wir in Sachen Kinderschutz noch viel zu tun haben. Denn
bei diesen 35 Kindern handelt es sich „nur“ um die polizeibekannten Fälle.“
Der Berliner Kinderschutzbund geht von einer hohen Dunkelziffer aus und
fordert in Anlehnung an das „Dormagener Modell“ flächendeckende Besuche
aller Familien mit Neugeborenen durch die Jugendämter. Diese Besuche
sollen ein freiwilliges und diskriminierungsfreies Angebot sein und dazu
dienen, Familien mit Unterstützungsbedarf rechtzeitig kennenzulernen.
Dieser persönliche Kontakt begünstigt den Aufbau einer positiven Beziehung
zwischen den Familien und den Helfern des kommunalen Systems. Dies
wiederum erleichtert es den Eltern, sich in schwierigen Situationen Hilfe zu
holen.
Sabine Walther weiter: „Viele Kinder müssen Unglaubliches ertragen, ohne
dass ihnen jemand hilft. Daher brauchen wir dringend eine effektive Prävention, das heißt Kinderschutz und Hilfe für Eltern von Anfang an.“

Pressemitteilung vom 18. Februar 2010

„GELKI! – Gesund leben mit Kindern – Eltern machen mit.“
Kinderschutzbund startet ersten Elternkurs in Berlin
Seit Jahren mehren sich die Anzeichen, dass Kinder sich zu wenig bewegen,
zu ungesund essen und nicht mehr richtig entspannen. Gewichtsprobleme,
Konzentrationsschwierigkeiten und motorische Einschränkungen sind wissenschaftlich nachgewiesene Folgen. Diese gesundheitlichen Beeinträchtigungen
benachteiligen Kinder oftmals ein Leben lang.
Eltern, die diesen Problemen bei ihren Kindern vorbeugen wollen, haben es
häufig schwer. Oft wissen sie nicht, wie sie Gesundheitserziehung ganz praktisch im Familienalltag umsetzen können. Aber Kinder haben ein Recht,
gesund aufzuwachsen. Daher hat der Deutsche Kinderschutzbund den Kurs
„GELKI! – Gesund leben mit Kindern – Eltern machen mit.“ entwickelt.
Der Kurs will insbesondere Familien ansprechen, die aufgrund von finanziellen
Engpässen die familiäre Gesundheitsförderung als große Herausforderung
erleben. Ziel des Kurses ist es, Mütter und Väter in der ganzheitlichen Förderung der Kindergesundheit zu unterstützen. Das heißt, gesunde Ernährung,
Bewegung und Entspannung werden gleichermaßen als Themen aufgegriffen.
Vorgestellt und ausprobiert werden:
• einfache, bezahlbare Gerichte, die auch Kindern schmecken
• Möglichkeiten, selbst Sportmuffel mit Spaß in Bewegung zu bringen
• Entspannungstechniken, bei denen Kinder und Eltern Energie tanken können
Der erste „GELKI! – Gesund leben mit Kindern – Eltern machen mit.“ Kurs in
Berlin beginnt am 03. März 2010.

Pressemitteilung vom 25. Februar 2010

Elternkurs „Starke Eltern – Starke Kinder®“ –
auch bei Müttern mit Migrationshintergrund gefragt
Der Berliner Kinderschutzbund freut sich über den großen Anklang seines
Elternkurses „Starke Eltern – Starke Kinder®“ bei den Kreuzberger Stadtteilmüttern. „Wir sind begeistert, dass der Kurs bei Eltern mit türkischen und
arabischen Wurzeln so gut ankommt“, so Katrin Hentze, Koordinatorin der
Kurse beim Berliner Kinderschutzbund.
„Nicht erst seit der Regierende Bürgermeister, Klaus Wowereit, 2010 zum
Jahr der Integration erklärt hat, sollte klar sein, dass wir dringend etwas für
Familien und Kinder mit Migrationshintergrund tun müssen“, sagte Katrin
Hentze weiter. Hier können die Elternkurse ein erster, wichtiger Schritt sein.
Eine aktuelle Studie belegt: Nach dem Besuch der „Starke Eltern – Starke
Kinder®“ Kurse begleiteten türkischsprachige Eltern ihre Kinder selbstbewusster im Lernalltag, belegten im Anschluss Deutschkurse und zeigten ein
ruhigeres und klareres Verhalten gegenüber ihren Kindern. Daher passen die
„Starke Eltern – Starke Kinder®“ Kurse und das Stadtteilmütter-Projekt wunderbar zusammen.
Denn Ziel der Elternkurse ist es, schwierige Situationen im tagtäglichen
Miteinander zu erkennen und zu entschärfen, damit aus harmlosen Streitereien keine ernsthaften Konflikte werden. Und die Kreuzberger Stadtteilmütter
stoßen bei ihrer Arbeit mit Migranten-Familien rund um den Görlitzer Bahnhof
zum großen Teil auf ähnliche Fragen, wie sie die Elternkurse des Kinderschutzbundes aufgreifen. Zum Beispiel: Wie bewältige ich den Familienalltag?
Wie fördere ich meine Kinder? Wie erziehe ich meine Kinder gewaltfrei? Wie
gehe ich mit den Themen „Gesundheit“ und „Sexualität“ um?

Pressemitteilung vom 12. März 2010

Berliner Kinderschutzbund: Aufnahme von Kinderrechten
in die Landesverfassung ist richtiger Schritt
Der Berliner Kinderschutzbund begrüßt die Verankerung der Kinderrechte in
der Landesverfassung von Berlin. „Wie freuen uns, dass die Kinderrechte endlich in
die Berliner Verfassung aufgenommen werden. Damit verändert sich die Situation
von Kindern zwar nicht von jetzt auf gleich. Aber zukünftig müssen die Interessen
der Kinder quer durch alle Ressorts berücksichtigt werden – vom Städtebau bis hin
zur besseren Förderung der Kinder in Kitas und Schulen“, sagte Ulrike Leyh, erste
Vorsitzende des Berliner Kinderschutzbundes.
„Als Kinderschutzbund hätten wir uns jedoch gewünscht, dass das Berliner Abgeordnetenhaus auch das Recht auf Bildung, die altersgemäße Beteiligung sowie die
Vorrangstellung des Kindeswohls mit in die Berliner Verfassung aufgenommen hätte. Aber dennoch ist der Antrag ein Schritt in die richtige Richtung“, so Ulrike Leyh
weiter.
Im Herbst vergangenen Jahres hatte der Berliner Kinderschutzbund eine Umfrage
zum Thema „Kinderrechte“ durchgeführt. Teilgenommen hatten 246 Kinder im Alter
von fünf bis elf Jahren. Dabei kam heraus, dass knapp 30 % der befragten Mädchen
und über 20 % der Jungen nicht wussten, dass die Kinderrechte für alle Kinder gelten. Fast 30 % der befragten Kinder waren überzeugt, dass ihre Eltern sie schlagen
dürfen.
„Wir hoffen nun, dass sich die Bundesregierung ein Beispiel am Land Berlin nimmt
und die Kinderrechte endlich auch im Grundgesetz ihren Platz bekommen“, sagte
Ulrike Leyh abschließend.
Am 20. November 1989 verabschiedete die UN-Generalversammlung das Übereinkommen über die Rechte des Kindes. Deutschland unterzeichnete das Papier 1992
unter Vorbehalt. Seitdem kämpft der Deutsche Kinderschutzbund für die Aufnahme
der Kinderrechte ins Grundgesetz sowie in die entsprechenden Landesverfassungen.

Pressemitteilung vom 28. April 2010
Kinderschutzbund zum „Tag der gewaltfreien Erziehung“:
Eine Ohrfeige hat noch jedem geschadet
Am 30. April 2010 ruft der Deutsche Kinderschutzbund zum siebten Mal bundesweit den
„Tag der gewaltfreien Erziehung“ aus. „Leider ist die Auffassung, dass ein Klaps noch
keinem geschadet hat, bei Erwachsenen nach wie vor weit verbreitet. Diese Erfahrung
machen wir erschreckenderweise immer wieder“, sagte Sabine Walther, Geschäftsführerin des Berliner Kinderschutzbundes. Doch Gewalt gegen Kinder fängt nicht erst bei
einer Tracht Prügel an, sondern hat viele Gesichter – auch beschimpfen, ignorieren,
anschreien oder „ein Klaps“ gehören dazu.
Die meisten Eltern schlagen und bestrafen ihre Kinder jedoch nicht aus Überzeugung. Oft
führen Situationen der Überforderung und des Alleingelassen-Seins bei Eltern zu Gewalt,
obwohl sie diese eigentlich ablehnen. Denn für über 90 % der Eltern ist eine gewaltfreie
Erziehung das Ideal. Aber nur ein Drittel erzieht tatsächlich ohne körperliche Strafen.
Etwa 60 % verwenden nach eigenen Aussagen häufig „leichte“ körperliche Strafen. 13,8
% der Eltern in Deutschland erziehen leider noch immer gewaltbelastet. Dazu zählt beispielsweise das Schlagen mit einem Gegenstand oder eine „Tracht Prügel“.*
Daher fordert der Berliner Kinderschutzbund einen umfassenden Perspektivwechsel in
der gesamten Gesellschaft, um Kinder wirksam vor physischer und psychischer Gewalt
zu schützen. „Kinder müssen als Subjekte ernst genommen und mit Respekt behandelt
werden“, so Sabine Walther. „Daher raten wir Eltern dringend, sich in schwierigen
Situationen Hilfe zu holen, damit aus alltäglichen Problemen keine ernsthaften Konflikte
werden“.
In Deutschland wurde 2000 mit dem Gesetz zur Ächtung der Gewalt der § 1631 Abs. 2
wie folgt geändert: „Kinder haben ein Recht auf gewaltfreie Erziehung. Körperliche
Bestrafungen, seelische Verletzungen und andere entwürdigende Maßnahmen sind
unzulässig.“
* „Auswirkungen eines gesetzl. Verbots von Gewalt in der Erziehung im europ. Vergleich“
von Prof. Dr. Kai Bussmann

Pressemitteilung vom 26. Mai 2010

Berliner Kinderschutzbund anlässlich des Weltspieltages:
Kinder haben „das Recht auf Freizeit, Spiel und Erholung“
Am 28. Mai 2010 ist Weltspieltag. Aus diesem Anlass fordert der Berliner
Kinderschutzbund, das Recht von Kindern auf ‚Spielen im öffentlichen Raum'
endlich ernst zu nehmen.
„Laut Artikel 31 der Kinderrechtskonvention haben Kinder das Recht auf
Freizeit, Spiel und Erholung. Aber tagtäglich bekommen Kinder Ärger, wenn
sie draußen spielen, weil sie angeblich zu laut sind. Nach wie vor fehlen in
Berlin ausreichend Spielstraßen und Freiflächen zum Toben vor der Haustür.
Autos rasen viel zu schnell durch eigentlich verkehrsberuhigte Straßen, so
dass an sicheres Spielen auch hier nicht zu denken ist“, sagte Alex Jakob,
Pressesprecherin des Berliner Kinderschutzbundes. Daher fordert der Berliner
Kinderschutzbund, endlich autofreie Straßen zu schaffen, in denen Kinder
gefahrlos kicken, Roller fahren, Verstecken oder Fangen spielen können.
Wie lebendig und kinderfreundlich so eine autofreie Straße aussehen könnte,
zeigt der Berliner Kinderschutzbund zum zweiten Mal mit seinem Weltspieltagsfest für Kinder im Weddinger Kiez. Das Fest findet am 28. Mai 2010 in
der Amsterdamer Straße statt. An diesem Tag ist die Amsterdamer Straße
(zwischen Turiner Straße und Malplaquetstraße) von 14 bis 18 Uhr komplett
für den Autoverkehr gesperrt. Dann darf dort nach Herzenslust getobt und
gefeiert werden.
„Wir würden uns wünschen, dass diese Straße dauerhaft zur autofreien
Zone wird und dass in dieser Stadt endlich gilt: Vorfahrt für die Kinder!“,
betonte die Sprecherin des Kinderschutzbundes abschließend.

Pressemitteilung vom 12. Juli 2010

Berliner Kinderschutzbund:
Kinder bei geöffneten Fenstern immer im Blick haben!
Angesichts der andauernden heißen Temperaturen warnt der Berliner Kinderschutzbund davor, Kinder unbeaufsichtigt in Räumen mit geöffneten Fenstern
spielen zu lassen. „Kinder sind von Natur aus neugierig und klettern schnell
mal auf ein Fensterbrett oder lehnen sich über die Balkonbrüstung. Kleine
Kinder können die Gefahr noch nicht einschätzen und größere Kinder unterschätzen diese mitunter, wenn sie wissen wollen, was unten auf der Straße los
ist“, sagte Alex Jakob, Pressesprecherin des Berliner Kinderschutzbundes.
„Daher raten wir, Kinder niemals alleine in einem Zimmer zu lassen, wenn
dort die Fenster oder die Balkontür offen sind. Auch dann nicht, wenn man nur
kurz den Raum verlässt.“ Der Berliner Kinderschutzbund rät darüber hinaus,
Fenster und Türen mit abschließbaren Griffen zu versehen.

Pressemitteilung vom 15. September 2010

Weltkindertag 2010 – Kinderarmut: Berlin ist trauriger Spitzenreiter
Angesichts der hohen Kinderarmut in der Hauptstadt, fordert der Berliner
Kinderschutzbund von den Verantwortlichen, endlich geeignete Maßnahmen
zu ergreifen. Nach einem leichten Rückgang im Jahr 2008 stieg die Zahl der
hilfebedürftigen Kinder unter 15 Jahren im Jahr 2009 wieder an.
„Damit ist Berlin seit Einführung der Hartz IV Gesetze das fünfte Jahr in Folge
der traurige Spitzenreiter in Sachen Kinderarmut“, sagte Sabine Walther auf
einer Pressekonferenz in Berlin anlässlich des Weltkindertages. „Wenn wir
nicht umgehend gezielt etwas gegen Kinderarmut unternehmen, geben wir
den Großteil einer ganzen Generation verloren“, so Sabine Walther weiter.
Um Kinderarmut in Deutschland erfolgreich zu bekämpfen,
forderte der Berliner Kinderschutzbund:
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Eine eigenständige, bedarfsorientierte Grundsicherung für Kinder
Besondere Berücksichtigung der Erfordernisse für Migrantenkinder und
von Risikogruppen wie Alleinerziehende oder kinderreiche Familien
Hilfe und Unterstützung der Eltern in Alltags- und Erziehungsfragen schon
während der Schwangerschaft („Hilfe von Anfang an“)
Kostenfreier Besuch von Krippe, Kita und Ganztagsschule für alle Kinder
ohne Bedarfsprüfung der Eltern
Lehr- und Lernmittelfreiheit für alle Kinder
Kostenfreies, gesundes Essen in Krippe, Kita und Schule für alle Kinder
Schaffung von Eltern-Kind-Zentren in Brennpunktbezirken
Sensibilisierung und Qualifizierung pädagogischer Fachkräfte
(z. B. Fortbildung zum Thema „Armutskompetenz“)

66

Organigramm des DKSB LV Berlin

Mitgliederversammlung

Vorstand

Qualitätsmanagementbeauftragte

Geschäftsführung

GESCHÄFTS- UND
BERATUNGSSTELLE

A 13

KOOPERATION MIT
DER ERIKA-MANNGRUNDSCHULE

KOOPERATION MIT
DER GRUNDSCHULE
MÜLLERSTRASSE 158

Beratungsstelle:
Beratung/Intervention
Prävention/
Starke Eltern –
Starke Kinder®

Kita
Leitung
MitarbeiterInnen

Hortbetreuung
Koordinierende
ErzieherInnen
MitarbeiterInnen

Hortbetreuung
Koordinierende
ErzieherInnen
MitarbeiterInnen

Presse- und
Öffentlichkeitsarbeit
Assistenz der
Geschäftsführung
Verwaltung

Offener Kinder- und
Jugendbereich/
Schulbezogene Kinderund Jugendsozialarbeit
Leitung
MitarbeiterInnen

Schulstation
Leitung
MitarbeiterIn

Beitrittserklärung
Hiermit erkläre ich meinen Beitritt zum
DEUTSCHEN KINDERSCHUTZBUND
Landesverband Berlin e. V.
Malplaquetstraße 38
13347 Berlin
Telefon (030) 45 80 29 31
Fax (030) 45 80 29 32
Jährlicher Beitrag (bitte ankreuzen):
verminderter Beitrag: 30,00 1
üblicher Beitrag: 50,00 1
freiwilliger Beitrag in Höhe von: .......................... 1
Bank für Sozialwirtschaft Berlin, BLZ 100 205 00, Konto-Nr. 3 182 100
Name: ...................................................... Vorname: ...........................................................
Straße: ................................................................................................................................
PLZ, Ort: ..............................................................................................................................
geb. am: ...................... in: .................................... Tel./Fax: ...............................................
Beruf: ..................................................................................................................................
Datum: ......................... Unterschrift: ..................................................................................
Hinweis: der Mitgliedsbeitrag ist lt. Satzung § 6 bis zum 31. März des laufenden
Jahres zu bezahlen!
Um Verwaltungskosten zu sparen, bitten wir Sie möglichst um Erteilung einer

Einzugsermächtigung
Mein Beitrag soll bis auf Widerruf von meinem Konto
Nr. ................................................................ BLZ ................................................................
bei ( Bank ) ............................................................... in: .....................................................
per Lastschrift eingezogen werden.
Datum: ......................... Unterschrift: ..................................................................................

Wir versichern: Ihre Angaben werden nur für Zwecke des Deutschen Kinderschutzbundes LV Berlin verarbeitet.
        
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