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des socialdemokratischen Staats hielt er an, indem er den — socialpolitisch
natürlich völlig unfaßbaren — Vorschlag machte, Lassalles
Productivgenossenschaften sollten nicht durch Staatsmittel, sondern durch
freiwillige Liebesgaben der besitzenden Klassen geschaffen werden.
Glücklicher Weise hatten diese Bestrebungen nur geringen Erfolg und
selbst eingehendere Programme, welche Ketteler und — in behutsamerer
und sachlicherer Weise — Moufang entwarfen, fanden in der Partei
keinen rechten Widerhall.*) In der That hatten dieselben gar keinen
specifisch ultramontanen Zug; ihre Forderungen, Staatseisenbahnbetrieb,
Fabrikinspectoreu, Fabrikgesetzgebung, Steuerreformen re. sind sogar
meistens schon auf dem Boden des modernen Staats durchgeführt oder
in der Durchführung begriffen; der einzige, kühnere Griff Moufangs,
„Geldunterstützung der Arbeiter", ist wieder so unklar und in der einzigen
praktischen Gestalt, die er bisher anläßlich des Reichsuufallversicherungsgesetzes
gewonnen hat, von der Centrumspartei des Reichstags
so entschieden abgelehnt worden, daß sich kein weiteres Verweilen bei
demselben verlohnt.
Neben diesen etwas waghalsigen Abenteuern hat nun aber die
ultramontane Partei auch in durchaus rühmlicher Weise ihre praktische
Fürsorge für den Arbeiter- und Handwerkerstand bethätigt. Die lange
Reihe der katholischen Cvnsum-, Credit-, Spar-, Bauern-, Gesellen-,
Darlehns-, Unterstützungsvereine und wie sie sonst noch heißen mögen,
kann sich getrost liberalen Schöpfungen ähnlicher Art an die Seite
stellen. Es mag nur an Kolpings „Gescllenverein" erinnert werde»,
der nahe an hunderttausend Mitglieder zählt und an den „Westfälischen
Bauernverein" des Freiherrn v. Schorlemer-Alst, welcher diesem feudalen
Junker den Ehrennamen des „Westfälischen Bauernkönigs" verschafft
hat, der einst den großen Demokraten und Patrioten Waldeck schmückte.
Auch die ultramontane Presse hat nach dieser Richtung manche fördernde
und fruchtbare Anregungen gegeben. Viele ihrer Organe knabbern zwar
nur selbstgefällig an dem dürren Knochen, den ihnen Jörg in dem
geflügelten Worte zugeworfen hat, daß die Seele des Liberalismus aus
Manchester stamme, aber es giebt deren auch gerechtere und maßvollere;
*) v. Ketteler, die Arbeiterfrage und das Christenthum; Entwurf zu einem politischen
Programm für die Katholiken im deutschen Reiche. R. Meyer, Emancipationskampf
des vierten Standes I, 326 u. s., wo die programmatische Wahlrede Moufangs
vom 27. Februar 1871 ausführlicher behandelt ist. Karl Fürst v. Jscnburg-Birstein,
die Parteien im deutschen Reichstage und die Socialdemokratie.