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II. Die socialen Aufgaben der Kirche

Full text : Herr Hofprediger Stöcker der Socialpolitiker / Mehring, Franz (Public Domain)

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des  socialdemokratischen  Staats  hielt  er  an,  indem  er  den  —  socialpolitisch ­
  natürlich  völlig  unfaßbaren  —  Vorschlag  machte,  Lassalles
Productivgenossenschaften  sollten  nicht  durch  Staatsmittel,  sondern  durch
freiwillige  Liebesgaben  der  besitzenden  Klassen  geschaffen  werden.
Glücklicher  Weise  hatten  diese  Bestrebungen  nur  geringen  Erfolg  und
selbst  eingehendere  Programme,  welche  Ketteler  und  —  in  behutsamerer
und  sachlicherer  Weise  —  Moufang  entwarfen,  fanden  in  der  Partei
keinen  rechten  Widerhall.*)  In  der  That  hatten  dieselben  gar  keinen
specifisch  ultramontanen  Zug;  ihre  Forderungen,  Staatseisenbahnbetrieb,
Fabrikinspectoreu,  Fabrikgesetzgebung,  Steuerreformen  re.  sind  sogar
meistens  schon  auf  dem  Boden  des  modernen  Staats  durchgeführt  oder
in  der  Durchführung  begriffen;  der  einzige,  kühnere  Griff  Moufangs,
„Geldunterstützung  der  Arbeiter",  ist  wieder  so  unklar  und  in  der  einzigen ­
  praktischen  Gestalt,  die  er  bisher  anläßlich  des  Reichsuufallversicherungsgesetzes
  gewonnen  hat,  von  der  Centrumspartei  des  Reichstags
so  entschieden  abgelehnt  worden,  daß  sich  kein  weiteres  Verweilen  bei
demselben  verlohnt.
Neben  diesen  etwas  waghalsigen  Abenteuern  hat  nun  aber  die
ultramontane  Partei  auch  in  durchaus  rühmlicher  Weise  ihre  praktische
Fürsorge  für  den  Arbeiter-  und  Handwerkerstand  bethätigt.  Die  lange
Reihe  der  katholischen  Cvnsum-,  Credit-,  Spar-,  Bauern-,  Gesellen-,
Darlehns-,  Unterstützungsvereine  und  wie  sie  sonst  noch  heißen  mögen,
kann  sich  getrost  liberalen  Schöpfungen  ähnlicher  Art  an  die  Seite
stellen.  Es  mag  nur  an  Kolpings  „Gescllenverein"  erinnert  werde»,
der  nahe  an  hunderttausend  Mitglieder  zählt  und  an  den  „Westfälischen
Bauernverein"  des  Freiherrn  v.  Schorlemer-Alst,  welcher  diesem  feudalen
Junker  den  Ehrennamen  des  „Westfälischen  Bauernkönigs"  verschafft
hat,  der  einst  den  großen  Demokraten  und  Patrioten  Waldeck  schmückte.
Auch  die  ultramontane  Presse  hat  nach  dieser  Richtung  manche  fördernde
und  fruchtbare  Anregungen  gegeben.  Viele  ihrer  Organe  knabbern  zwar
nur  selbstgefällig  an  dem  dürren  Knochen,  den  ihnen  Jörg  in  dem
geflügelten  Worte  zugeworfen  hat,  daß  die  Seele  des  Liberalismus  aus
Manchester  stamme,  aber  es  giebt  deren  auch  gerechtere  und  maßvollere;
*)  v.  Ketteler,  die  Arbeiterfrage  und  das  Christenthum;  Entwurf  zu  einem  politischen ­
  Programm  für  die  Katholiken  im  deutschen  Reiche.  R.  Meyer,  Emancipationskampf ­
  des  vierten  Standes  I,  326  u.  s.,  wo  die  programmatische  Wahlrede  Moufangs
vom  27.  Februar  1871  ausführlicher  behandelt  ist.  Karl  Fürst  v.  Jscnburg-Birstein,
die  Parteien  im  deutschen  Reichstage  und  die  Socialdemokratie.
            
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