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Volume Nr. 14., 17. Mai 1806

Full text : Berlin oder der preußische Hausfreund (Public Domain) Ausgabe 1.1806 (Public Domain)

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Heere  zu  verdanken  haben.  Eben  so  sollte  sie  auch  stets
in  Umlaus  bleiben  in  jeder  Korporalschaft  jedes  Regimentes/ ­
  damit  der  einzelne  Soldat  vertraut  würde  mit
dem  großen  Ganzen,  wovon  er  ein  Theil  ist').
Ja!  cs  mögen  die  Mütter  dieses  Buch  benutzen,
ihren  Kindern  zu  erzählen  von  Preußens  Helden  und
Kriegern,  denen  das  Vaterland  seine  Schuld  nur  dadurch ­
  abtragen  kann,  daß,  unter  dem  Einflüsse  der  Bewunderung ­
  und  Nacheiferung,  der  Geist  der  Ordnung
und  Thätigkeit,  der  Ausdauer  und  der  Unterwerfung
sich  fortpflanzt  von  Geschlecht  zu  Geschlecht.  ES  mögen
in  diese  Stimmung  eingreifen  die  Schulen,  wo  der
Künstler,  der  Kaufmann,  der  Gelehrte  sich  bilden  sollen.' ­
  Bei  den  Vortragen  zur  Kunde  des  Vaterlandes
werde  nicht  aus  der  Acht  gelassen,  eine  richtige  Kenntniß ­
  der  Preuß.  Armee,  dessen,  was  sie  war,  und  was
sie  ist,  und  wie  sie  «s  ward,  mitzutheilen,  damit  den
Porurtheilen  vorgebeugt  werde,  welche,  gerade  bei  den
gebildeten  Ständen,  der  richtigen  Würdigung  des  Militairstandes
  im  Wege  stehen.
Insonderheit  aber  sollte  die  Stammliste  den
Schulmeistern  auf  den  Dörfern,  so  wie  den  Lehrern
in  den  Regiments-,  Garnison-  und  Bürgerschulen  in
die  Hand  gegeben")  werden,  damit  sie  namentlich  die
Kantonpflichtigen  mit  der  Geschichte  desjenigen
Regiments,  welchem  diese  angehören,  genau  bekannt
machten,  auf  daß  der  Rekrut,  wenn  er  Vater  und
Mutter  und  Geschwister  verläßt,  dennoch  nicht  anszuscheldrn
  glaubt  aus  seiner  Familie,  sondern  nur  einzutreten ­
  glaubt  in  die  größere,  ihm  schon  rühmlich  bekannte, ­
  Familie,  die  ihm  vom  Vaterlande  angewiesen
ist.  Wenn  dann  planmäßig  auch  die  Feldprcdiger  Gelegenheit ­
  suchten,  den  Gemeinen  des  Regiments,  bei  welchem ­
  sie  stehen,  die  Geschichte  der  gesammten  Preußischen ­
  Armee  auf  eine  zweckmäßige  Weise  von  Zeit  zu
Zeit  vorzutragen,  so  wi-rde  in  dem  einzelnen  Soldaten ­
  der  Sinn  geweckt  und  genährt  werden,  sich  zu
betrachten  und  zu  schätzen  als  Mitglied  eines  achtungswerthen
  Standes;  e«  würd«  ein  Ehrgefühl  sich  erzeugen,
das  zum  Gehorsam  gegen  die  Kriegsartikel,  auch  aus
•)  sich  doch  ei»  Volksrichter,  der  eine  Sammlung
von  Soldatenliedern  verfertigte,  wo,»  er  den  Stoff  nur
«uS  der  Geschichte  »er  Preußischen  Armee  enilcbnte,  und  sie
krästl,en  Melodiken  anpaßte!  Wie  anftandi»  würde  dies  den
Besang  aus  Wachtstubl»  und  auf  dein  Marsche  machen!
")  tut  Anventariendücher.  -Viel«  dieser  Männer
würde»  nichr  im  Stande  seyn,  das  Vxck,  sich  an,uschaffen.  Ader
ti  dürfe  doch  «ohi  mck!  schwer  werden,  den  Ankauf  aus  eint
andere  weise  auSzummei».

andern  Triebfedern,  als  aus  Furcht  vor  der  Strafe  e»-munterte;
  cS  würde  ein  Gemeingeift  und  eine  Vaterlandsliebe ­
  in  die  Gemüther  dringen,  für  die  eS  über
Eigenthum  und  Leben  hinaus  noch  etwas  Edleres  und
Höheres  zu  beschützen  giebt,  —Nationalruhm.
Friedrich  der  Zweite  sagt  in  einem  Schreiben  au
den  Feldmarschall  v.  Schwerin  nach  der  Schlacht  bei
Lowositz  (d.  1.Oct.1756.):  „Nie  haben  meineTriippen
„solche  Wunder  der  Tapferkeit  gethan,  seitdem  ich
„die  Ehre  habe,  sie  zu  kommandiren."  Seitdem
ich  die  Ehre  habe;  welch'  elnWort!  Wie  gehaltvoll
für  den  König  und  sein  Heer!  Aber  warlich!  bei  einer
zweckmäßigen  Erweckung  des  NationalgcisteS  dürste  eS
nickt  schwer  werden,  dem  Gemüthe  Derer,  die  zum
Waffendienste  verpflichtet  sind,  oder  dazu  freiwillig  sich
bestimmen,  ein«  Richtung  zu  geben,  daß  ein  Jeder,
wenn  er  hinzuträte  zur  Fahne,  den  Eid  der  Treue  zu
leisten,  auch  einen  Schwur  des  Herzens  ablegte;  daß
er,  schwörend  den  Eid  der  Treue,  zu  sich,  wenn  auch
nicht  sagte,  doch  bei  sich  fühlte  und  dächte,  oder  zu
denken  und  zu  fühlen  wenigstens  fähig  wäre:  „Ich
„habe  di«  Ehre,  in  ein  Regiment  und  dadurch  in
„eine  Armee  einzutreten,  die,  länger  als  ein  halbes
„Jahrhundert  die  Bewunderung  von  Europa,  grau
„geworden  ist  in  Mühseligkeit  und  Arbeit,  und  ihr
„Brot  gegessen  hat  nicht  bloß  im  Schweiße  des  Ange«
„sichtS,  sondern  auch  im  Blute  der  Wunden."
AuS  solchen  Gesinnungen  erzeugt  sich  ein  Kriegesgeisi
  ächter  und  edler  Art.  Entsprungen  aus  Achtung
gegen  die  Dorwelt,  sich  nährend  an  der  Liebe  für
die  Mitwelt,  und  angestammt  durch  Begierde  nach
Ruhm  bei  der  Nachwelt,  stattet  dieser  Kriegcsgeisi
auS  mit  einem  edlen  Selbstgefühl«,  während  die  Waffen ­
  ruhen,  mir  freudigem  Eifer,  sie  zu  ergreifen,  sobald ­
  der  König  bestehlt,  und  mit  unerschrockenem  Muthe, ­
  ircnn  Treffen  und  Schlachten  nahe  sind.  Für
eine  in  Haupt  und  Gliedern  so  gestimmte  Armee  giebt
es  nur  einen  e,pm  d«  corp«,  einen  Gemeingeift,  den,
eine  Zierde  des  Vaterlandes  zu  seyn  in  Zelten  de«
Friedens,  so  wie  sein  Schutz  und  Schirm  in  Zeiten
des  Krieges.
Beides  muß  Hand  in  Hand  gehen.  Eins  hat  keinen ­
  Werth  und  Halt  ohne  das  andre;  Eins  ohne  das
Andere  sicht  im  Widerspruche  mir  sich  selbst.  Wer  die
Würde  fühlt,  die  darin  liegt,  daß  er  im  Dienste  der
Waffen,  selbst  mit  Gefährdung  des  Lebens,  feinem  Varerlanvt
  dav  Theuerste  aufrecht  .erhalten  soll,  Ord-
            
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