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Die wichtigsten Momente des christlichen Glaubens nach den Synoptikern. Von G. Steuer

Full text: Festschrift zu dem funfzigjährigen Jubiläum der Königstädtischen Realschule zu Berlin (Public Domain)

62 DTE WICHTIGSTEN MOMENTE DES CHRISTLICHEN GLAUBENS 
neuer Weise die Idee von Gesetz und Propheten verwirklichen. 
Indem er durch die Macht seines Wortes jene Wunder des Geistes 
verrichtet, die den Erzählungen der Synoptiker zu Grunde liegen, 
bezeugt sich die Einwohnung des göttlichen Geistes in ihm, als dem 
vollkommenen Offenbarer der Gottheit, ohne den niemand den Vater 
kennt. Als solcher ist er sich bewusst, etwas Neues zu offenbaren, 
wodurch die unerfüllte Sehnsucht der Propheten und Gerechten aller 
Zeiten zu ihrem Ziele kommt, ist er sich bewusst, dass seine Worte 
nie vergehen werden, dass sein Evangelium in der ganzen Welt ver 
kündet werden wird. 
Durch die Ueberwindung der Sünde und der leidenden Zustände 
der Menschheit an seiner Person erkennt er sich zweitens als den, 
der bestimmt ist, durch Entfernung der den Menschen von Gott 
trennenden Schranken das Menschengeschlecht zu der höchsten Frei 
heit des Geistes in der Einheit mit Gott zu erheben, zu der Freiheit, 
in der sich die Idee des Menschensohnes, d. h. der wahren Mensch 
heit nach ihrer Bestimmung zu Gott, und die Idee des Gottessohnes, 
d. h. der vollen Selbstoffenbarung Gottes im Menschen, in ihrer Ein 
heit zeigen. Sowohl die sinnlich messianischen Erwartungen seiner 
Zeit und seines Volkes, als die Verfolgungen seiner Gegner, sowohl 
die Liebe und Begeisterung seiner Anhänger, als auch die Leiden 
und die Todesgewissheit mussten dazu dienen, in ihm das Bewusst 
sein höchster Freiheit Uber die Dinge der Welt in der Einheit mit 
Gott hervorzubringen. In dem Masse als die höchste Freiheit sich 
ihm offenbart, und er sich deshalb als den Menschensohn und als den 
Gottessohn schlechthin und Gott als seinen Vater im besonderen 
Sinne erkennt, in dem Masse offenbart sich ihm auch seine ewige 
Bestimmung, diese Gottesmacht auf seine Brüder zu übertragen, zu 
retten das Verlorene, der Menschen Seelen, die zu bekennen vor 
seinem himmlischen Vater, die ihn bekennen. In der daraus sich er 
gebenden Erkenntnis, dass ihm alle Macht von Gott gegeben sei und 
niemand den Vater kenne, denn der Sohn, ist er sich der Ausschliess 
lichkeit seiner Heilsvermittelung für alle Menschen bewusst. In diesem 
Geiste erteilt er die Vergebung der Sünden und die Macht über die 
Geister und das ewige Leben den Seinen, und erweist sich durch den 
höchsten Akt der Freiheit, durch den Tod, als den himmlischen Hohen 
priester, durch den die Menschheit zur Freiheit in Gott berufen ist. 
Von der sich im Volke Israel geschichtlich anbahnenden und dieWelt 
umfassenden Idee des Gottesreiches und des Messias ergriffen, entwickelt 
als Christus dieselbe nach ihrer Reinheit und Universalität, ln dem Masse 
er sie durch absolute Gerechtigkeit gegen Gott und unausgesetzten Liebes 
dienst gegen die Brüder bis zum Tode in seiner Person ausschliesslich
	        
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