Path:
Die Schenkungen Pippins und Karls des Grossen an die römischen Päpste. Von Ferdinand Hirsch

Full text: Festschrift zu dem funfzigjährigen Jubiläum der Königstädtischen Realschule zu Berlin (Public Domain)

22 
DIE SCHENKUNGEN PIPPINS UND KARLS DES GROSSEN 
Wir erfahren hier also: Stephan hat bei seiner ersten Begegnung 
mit Pippin in dessen Hände alle Angelegenheiten des h. Petrus gelegt, 
und der König mit seinen Söhnen hat ihm damals 19 ) versprochen, 
die Gerechtsame des h. Petrus durchzuführen und die Kirche zu 
schützen. Von dieser Promissio wird dann unterschieden die Donatio, 
die Schenkungsurkunde, welche auch Pippin mit seinen Söhnen zu 
sammen ausgestellt hat, in welcher dieser die Zurückgabe von Städten. 
Orten, dazu auch von Geissein und Gefangenen 20 ) zugesagt hat, welche 
aber durch die Treulosigkeit Aistulfs nicht zur Erfüllung gekommen ist. 
Die anderen Briefe aus der nächsten Zeit übergehe ich, da in 
ihnen allen, auch in der berühmten Prosopopöie, in welcher der Papst 
den heiligen Petrus selbst zu Pippin und den Franken sprechen lässt, 
Stephan in seiner steigenden Bedrängnis Pippin nur um Hülfe und 
Rettung anfleht, ohne dass dabei auf die früheren Abmachungen 
genauer Bezug genommen würde. 
Durch die angeführten Briefe wird nur in einem Punkte die Dar 
stellung der vita Stephani berichtigt, nämlich in betreff des Zeit 
punktes, w’ann die Schenkungsurkunde Pippins ausgestellt worden 
ist: dieses ist nicht, wie dort behauptet wird, nach dem zweiten, sondern 
nach dem ersten Feldzuge des Königs 764, bei Gelegenheit des Friedens 
schlusses mit Aistulf, wahrscheinlich, wie schon v. Sybel angenommen 
hat, vor Pavia geschehen, im übrigen wird durch diese Briefe der Bericht 
jener vita, mit welchem ja auch die Angaben der fränkischen Quellen 
im Einklänge stehen, bestätigt. Pippin hat bei der ersten Begegnung mit 
Stephan zu Ponthion demselben im allgemeinen das Versprechen ge- 
gebefi, die Kirche zu schützen und dem Papste zur Wiedergewinnung 
der von diesem als sein Eigentum in Anspruch genommenen, von 
Aistulf eroberten Gebiete zu verhelfen; 21 ) nachher, nach Beendigung des 
ersten Feldzuges, hat er dem Papst eine Schenkungsurkunde ausge 
stellt, in welcher er demselben die Städte und Gebiete, zu deren Ab 
tretung sich Aistulf in dem Frieden verpflichten musste, nämlich 
19 ) Durchaus willkürlich bezieht Martens (S. z3, s. auch S. 51) dieses 
Versprechen auf die Salbung zu St. Denis. 
20 ) Martens (S. 54) versteht unter den obsides und captivos die von 
Aistulf zu stellenden Geissein, der Zusammenhang aber lehrt, dass hier die 
von Aistulf früher aus dem päpstlichen Gebiete fortgeführten Geissein und 
Gefangenen, welche er jetzt freigeben soll, gemeint sind. 
21 ) Martens (S. z3 ff) sucht nachzuweisen, dass Pippin bei Gelegenheit 
seiner Salbung zu St. Denis noch einmal dem Papste ein Defensionsver- 
sprechen geleistet und dass er damals mit ihm einen Liebesbund geschlossen 
habe, allein von allen den Quellenstellen, welche er anführt, nennen nur 
Einhardi Annales wirklich diese Gelegenheit (Ann. Mettenses sind kein 
selbständiges Zeugnis, sondern vermittelst des Chron. Moissiac. aus Ann. 
Einhardi abgeleitet), alle anderen sind nur künstlich darauf gedeutet worden.
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.