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Ein Beitrag zur Untersuchung der Quellenbenutzung bei Diodor. Von E. Evers

Full text: Festschrift zu dem funfzigjährigen Jubiläum der Königstädtischen Realschule zu Berlin (Public Domain)

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EIN BEITRAG ZUR UNTERSUCHUNG 
dergleichen Zusammenstellungen machen können, aber es kann das 
heute nicht in unserer Absicht liegen, hierauf genauer einzugehen, da 
Zeit und Raum uns dies verbieten. 
Wir haben bisher erkannt, dass sich auch an anderen Stellen 
zeigen lässt, dass Diodor’s Arbeit eine grössere gewesen sein muss, 
wie man annimmt. Es wäre nun unsere Pflicht, zu zeigen, dass die 
bisherigen Betrachtungen in ihren Beweisen nicht zutreffend gewesen 
seien und es war auch ursprünglich unsere Absicht, die bisher be 
handelten Bücher II, III, IV und IX einer abermaligen Untersuchung 
zu unterziehen, aber die eben geschilderten Schranken stehen dem 
entgegen. So müssen wir uns für jetzt damit begnügen, der 
auch anderwärts aufgenommenen Ansicht von der Benutzung des 
Clitarch in Buch II entgegenzutreten. Jacoby 77 ) hat nachzuweisen 
gesucht, dass Ktesias bei Diodor im 2. Buche nur in Ueberarbeitung 
vorliege, und zwar sei derselbe von Clitarch benutzt und bearbeitet 
worden. Duncker 78 ) hat diese Ansicht als richtig sanktioniert. So 
viel ist wohl sicher, dass Ktesias nicht an allen Stellen des betr. 
Buches vorliegen kann; ferner aber Anden sich zwischen Buch I und II 
derartige Differenzen, 79 ) dass daran nicht zu denken ist, dass etwa 
beide aus einem Schriftsteller entnommen sind, dass aber anderer 
seits Diodor’s nachlässige Arbeitsweise klar hervortritt. Aus der 
Grenzbestimmung II, 2, 1 (auch I, 55, 4), der Tanais bilde die Grenze 
Asiens und Europas, meint Jacoby folgern zu müssen, dass nur eine 
spätere Quelle vorliegen könne. Freilich hat man zu Ktesias und 
Herodot’s Zeit meistens den Phasis als Grenze angesehen, aber dass 
auch bereits damals an den Tanais gedacht wurde, beweist Herodot 
IV, 45 (ed. Abicht) ot iff Tuvuiv noiafiov vor MuiijTtjy xai /loQ&firjiu 
tu Kif.if.uQiu Xtyovai. Nun wissen wir nicht, welcher Ansicht sich 
Ktesias zugeneigt hat, also ihn principiell auszuschliessen, ist nicht 
gut möglich. Auch die zweimal bei Diodor sich Andende Bezeich 
nung, Ninive habe am Euphrat gelegen, wird nicht zu sehr urgiert 
werden können. Wir wissen einmal aus Arrian Indica 42, 3, dass 
Alexanders Begleiter ein Ninos am Tigris kannten nakui noif fityukrfv 
xul ivöaifiovu. Sodann kennt auch Strabo pg y38 dies Ninos am 
Tigris als ehemalige Hauptstadt, wie sich nachweisen lässt aus Schrift 
stellern jener oder der späteren Zeit. Es kann also doch noch nicht 
das Andenken an die ehemalige Residenz der assyrischen Herrscher 
schon zu Clitarch’s Zeit derartig verwischt gewesen sein, dass er es 
77 ) Commentationes philologicae Lips. 1874 S. 192 ff. und Rh. Mus. 
N. F. Bd. 3o p. 355—615. 
78 ) Gesch. d. Altertums 115 pg. 5 A 1 u. pg. i5. 
79 ) Schneider a. a. O. pg. 3p f.
	        
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