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Ein Beitrag zur Untersuchung der Quellenbenutzung bei Diodor. Von E. Evers

Full text: Festschrift zu dem funfzigjährigen Jubiläum der Königstädtischen Realschule zu Berlin (Public Domain)

DER QUELLENBENUTZUNG BEI DIODOR. 
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Cap. 41—47 wird eine Besprechung verschiedener Inseln gegeben, 
welche im südlichen Ocean den Küsten Arabiens und Gedrosiens 
gegenüber liegend gedacht werden; namentlich habe aber die Insel 
Panchäa nolXu rijg laiogixrjg uvayQarpijg ugta. Euhemerus hat über 
diese fabelhafte Insel gesprochen, die er auf seiner Reise in das rote 
Meer und den indischen Ocean gefunden zu haben wähnte. Die Ex 
pedition hatte er auf Veranlassung des Königs Cassander unternommen 
(um Ol. 120 = 296/292). 73 ) Seine Auseinandersetzungen über die 
Insel, sowie seine bekannten Ansichten über die Götter haben in der 
späteren Zeit den heftigsten Tadel erfahren, so von Eratosthenes, 
Polybius u. a. m., aber nichts desto weniger ist sein Einfluss auf die 
Ausbildung der Erzählungen von den Göttern bedeutend gewesen, 
wie uns Diodor’s eigenes Werk zeigen kann. Da aber seine Aus 
führungen von allen Seiten den lebhaftesten Widerspruch erfahren 
haben, so werden gewiss wenige gewesen sein, die dieselben ausführ 
lich aufnahmen, es sei denn, um gegen sie zu polemisieren. Dass 
dabei der Zusammenhang zerrissen worden ist, ist klar. Diodor hatte 
also die Arbeit, entweder sie aus diesen Werken mühsam zusammen 
zusuchen oder die Schriften des Euhemerus selbst einzusehen, d. h. 
vor allen Dingen die uyuyguqttj, von der bei Athenaeus XIV 
p. 658 E das 3. Buch citiert wird. Leider sind uns auch von diesem 
Werke nur spärliche Fragmente erhalten, ausser bei Diodor VI, 1 
noch bei Lactantius de div. instit. lib. I. Die letzteren haben aber 
bereits Ueberarbeilungen erfahren, sie stammen aus Ennius sacra 
historia, der den Euhemerus benutzte, und zwar nicht direkt aus 
aus dieser, sondern aus einer prosaischen Bearbeitung derselben. u ) 
Ihre Echtheit werden wir wohl nach den Ausführungen von Vahlen 
und Sieroka nicht mehr bezweifeln können. Auch der letztere nimmt 
an, dass von Ennius z. B. bei der Frage, wer zuerst den Göttercult 
eingeführt habe, Juppiter als der den Römern bekanntere Gott statt 
des Uranus eingesetzt worden sei. Es wird hierdurch die Beantwor 
tung der Frage, ob Diodor den Euhemerus direkt benutzt hat, be 
deutend erschwert. Da wir also wohl allen Grund haben, gegen die 
Fragmente des Lactantius misstrauisch zu sein, so werden die Diffe 
renzen, welche sich zwischen Lactantius und Diodor finden, nicht 
allzusehr urgiert werden dürfen. Wenn Diodor berichtet, die Menschen 
hätten mächtige Männer und Helden zu Göttern gemacht, weil sie 
sich durch Wohlthaten um die gesammte Menschheit verdient gemacht 
hätten, so hat er hier sicherlich den Euhemerus vor Augen gehabt. 
n ) Diod. VI fr. 1. Sieroka De Euhemero Diss. Königsberg 1869. 
71 ) Vahlen Enn. poes. rell. p. XCIV.
	        
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