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Ein Beitrag zur Untersuchung der Quellenbenutzung bei Diodor. Von E. Evers

Full text: Festschrift zu dem funfzigjährigen Jubiläum der Königstädtischen Realschule zu Berlin (Public Domain)

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EIN BEITRAG ZUR UNTERSUCHUNG 
Excerpte aus den Historien machte. Diodor habe gleichfalls im 
5. Buche nur die erste Schrift gekannt. Sehen wir uns nun die bei 
Athenaeus erhaltenen Fragmente an, so finden wir allerdings meistens 
solche vertreten, welche historischen bezw. culturhistorischen Inhalt 
haben; aber aus drei kann man ersehen, dass Poseidonius doch nicht 
nur dann in sein Werk naturhistorische bez. geographische Notizen 
einflocht, wenn sie zur' Illustrierung der Thatsachen dienten, wie 
Scheppig meinte, denn was damit corsische Kaninchen, desgl. to tu'q- 
(jhov xui to xuXovuevov ßioTuxiov in Arabien und Syrien, ferner yoyyv- 
Xi'dtg y.ul uygtoi OTUcfvXTvoi in Dalmatien zu thun haben sollen, ver 
stehe ich wenigstens nicht. Andrerseits hat Strabo so vielerlei 
historische und culturhistorische Nachrichten aus Poseidonius entnommen, 
dass es ,uns verwundern muss, wie er dann von diesem Werke an 
geben konnte, doxet ev uvTOig tu noXXu ytioyQutfiiv, tu /luv otxetotg, tu 
de juud-Tj/LiuTixwTtgox (II pg. 94). Ich werde weiter unten sodann dar- 
thun, was uns der Titel des Werks selbst ergeben kann. Zunächst 
gebe ich jedoch zu bedenken, in wie grundverschiedener Absicht 
Athenaeus nnd Strabo den Poseidonius excerpierten — der Inhalt der 
Fragmente kann daher nicht maassgebend sein. Scheppig hat sodann 
den Begriff der Historien zu eng gefasst. Bis auf Sallust und Am- 
mianus Marcellinus hat man unter itnogi'a nicht nur geschichtliche 
Ueberlieterung verstanden, sodann darunter mit einbegriffen, was man 
an Sagen, an Nachrichten über Lebensweise der Völker, Lage und 
Beschaffenheit der von ihnen bew’ohnten Länder und Städte erfahren 
hatte 61 ). Man betrachte nur ein Werk wie das des Ephoros, oder 
des Herodot, des Timaeus oder selbst unseres Diodor! Hinzu kommt, 
dass Diodor und Athenaeus, von denen letzterer ja nur die Historien 
gekannt haben soll, an manchen Stellen wörtlich übereinstimmen. Wenn 
Fr. 24 und 25 mit V, 27 verglichen für dieses die grössere Ausführ 
lichkeit ergiebt, so liegt das nicht allein darin, dass Diodor den Posei 
donius genauer excerpierte, sondern auch darin, dass wir bei ihm 
fremde Zuthaten 62 ) erkennen können. Scheppig hat gegen eine Her 
leitung von Diod. V, 40, 3 (= Fr. 1) aus den Historien geltend 
gemacht, dass es Diodors Gewohnheit nicht sei, aus einem grossen 
Werke einzelnes zu entnehmen; aber auch das kann uns nicht mehr 
schrecken. Wir erkennen, dass er das Werk des Ephorus, wenn er 
ihn wirklich im XI. Buche durchgehend benutzte, in solcher Weise 
verwendet hat 63 ). Hinzu kommt, dass der Titel des Werkes r« ntQi 
61 ) Müllenhof a. a. O. S. 357. 
62 ) Vgl. Bröcker a. a. O. S. 19. 
63 ) Bröcker a. a. O. S. 3z. Holm Burs. Jhrb. VII (1880) 3y5 ff.
	        
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