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S. Albon und Amphabel, ein Legendenepos in 3 Büchern von Lydgate, nach der Editio von S. Albans 1534 Edirt. Von Dr. Carl Horstmann

Full text: Festschrift zu dem funfzigjährigen Jubiläum der Königstädtischen Realschule zu Berlin (Public Domain)

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EINLEITUNG ZU ALBON UNU AMPHABELL. 
nämlich auf V. 1296 zunächst V. 1521—69 (über den Autor der Lebensnachrichten 
des Heiligen), dann eine in der Ed. fehlende Strophe über die Zeit der Inventio 
(Idus of August), darauf V. 145g—1513 (über Offa’s Translatio; anders jedoch 
V. 1493—7), jetzt folgt, mit ganz anderem Texte als in der Ed., die Inventio 
der Reliquien durch Germanus und Lupus in 11 Strophen, dann die Strophe 
V. 15x4— 20 (Preis Verolamiums), hierauf der Schluss O blessed Albon e. c. 
V. 1696 ff, in welchem statt des (in der Ed. interpolirten) Gebets für Heinrich VIII 
(V. 1762—65) das ursprüngliche Gebet für Heinrich VI. erhalten ist. Die corri- 
girende spätere Hand aus der Zeit Heinrichs VIII hat die ersten 8 Strophen 
der Erzählung von der Inventio durch Germanus durch einen Strich am 
Rande und die Randbemerkung vacat — hucusque als nicht gültig bezeichnet, 
in dem Schlussgebet für „the sixt Henry” die Zahl VIII über sixt Ubergeschrieben, 
und nach 1296 die Randbemerkung gemacht: Quere in quaternio noviter 
scripto usque hunc versum O blessid Albon folio tertio sequent! et tune pro- 
sequimur ad tinem ut ibi; diese Correcturen sind jedoch, wie sich zeigen wird, 
für den Text Lydgate’s von keiner Bedeutung. — Es fehlt also im Ms. Trin. 
Coli.: 1) der ganze Abschnitt der Ed. über die Inventio und Translatio 
V. 1296—1457, 2) die chronologischen Bestimmungen über die Zeit der Passio, 
Inventio und Translatio 1570—1611, sowie 3) die sich hieran anschliessende 
Polemik gegen die Cölner Benedictiner von S. Pantaleon, welche den wahren, 
zum Teil noch unversehrten Leib des h. Albon zu besitzen wähnten V. 1611—gb. 
Diese Plustheile der Ed. erweisen sich nun als spätere Zusätze aus 
der Zeit Heinrichs VIII und gehören ohne Zweifel einem Mönche des 
Benedictinerklosters von S. Albans an, der diese Stücke für die Ed. hinzu 
gedichtet hat, um die Echtheit der Reliquien seiner Heimath zu beweisen. 
Die Beweise sind folgende: Im letzten Zusatz, V. 1683 ff., wird berichtet, dass 
die Cölner Benedictiner „now late” bei Heinrich VII in England gewesen, 
um für ihre Reliquien Stimmung zu machen („sought meanes with many a 
noble estate to staye and aide you in this vntrewe lesing” d. i. in ihrem An 
sprüche die echten Reliquien zu besitzen). In der umgeformten Strophe 
V. i6q3—7 heisst es, dass das von Offa gestiftete Kloster zu S. Albans jetzt 
fast 800 Jahre im Besitze des Ordens des h. Benedict gewesen sei; nun 
wurde dieses Kloster i. J. 793 gestiftet, folglich ist diese Angabe erst um die 
Zeit des Druckes hinzugefügt. Wir sind demnach berechtigt, auch das in den 
Schlussversen (III 1752—65) statt des Gebets für Heinrich VI untergeschobene 
Gebet für Heinrich VIII „the defender of the faith (defensor fidei), of Irlonde 
lorde and captaine,” seine Gemahlin Anna (Anna ßoleyn) und beider 
Tochter Elizabeth und ihre Nachkommen, demselben Zusatzdichter zuzuweisen. 
— Für den späteren Ursprung dieser Zusätze sprechen auch sprachliche und 
metrische Gründe, welche zugleich auf einen gemeinsamen Verfasser für alle 
diese Stücke schliessen lassen. Im Gegensatz zu dem latinisinirenden, über- 
künstlichen, gewundenen Satzbau Lydgate’s, der die fremdartigsten latei 
nischen Constructionen nachbildet, zeigen alle diese Stücke den einfacheren, 
klareren, trockeneren Stil der Zeit Heinrich’s VIII. Wortbildungen und Reime 
auf ate, wie associate abrogate incensate v. 1319, obumbrate, obnubilate, 
adnychilatc 1389, sind in di eser Zeit besonders beliebt (so z. B. in Laurentius
	        
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