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Full text: Fundraising für Bürgerstiftungen / Nährlich, Stefan

RATGEBER FÜR BÜRGERSTIFTUNGEN

Fundraising für
Bürgerstiftungen
E r f o l g r e i c h S t i f t e r, Z u s t i f t e r u n d S p e n d e r g e w i n n e n
Herausgegeben von Aktive Bürgerschaft e.V.
E r s t e l l t v o n D r. S t e f a n N ä h r l i c h u n t e r M i t a r b e i t v o n
Bernadette Hellmann und Elena Philipp
2., aktualisierte und überarbeitete Ausgabe

Aktive Bürgerschaft: Kompetenzzentrum für Bürgerengagement der
Volksbanken Raiffeisenbanken im genossenschaftlichen FinanzVerbund

Inhalt

EINLEITUNG
Engagement für Bürgerstiftungen
Peter Hanker . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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In die Zukunft investieren
Dr. Stefan Nährlich . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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10 S C H R I T T E

FÜR EIN ERFOLGREICHES

FUNDRAISING

1 Die Idee: Bürgerstiftungen –
Engagement von Bürgern für Bürger . . . . . . .

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2 Die Menschen hinter der Idee –
Vom Initiativkreis zu den Gremien . . . . . . . . .

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3 Profil zeigen – Leitbildentwicklung . . . . . . .

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4 Die Idee lebt von der Umsetzung –
Projekte und Förderung . . . . . . . . . . . . . . . . .

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5 Klappern gehört zum Handwerk –
Öffentlichkeitsarbeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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6 Spenden, sponsern, stiften –
Wer gibt, und warum? . . . . . . . . . . . . . . . . .

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7 Solide Grundlagen –
Zustiftungen und Unterstiftungen . . . . . . . . .

18

8 Gute Taten – Spenden und Dauerspenden . .

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9 Gemeinsam mehr erreichen –
Stifterbindung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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10 Kurzübersicht Bürgerstiftungen . . . . . . . . .

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ANHANG
Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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Bürgerstiftung leicht gemacht!
Unsere aktuellen Leistungen im Überblick . . .

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Aktive Bürgerschaft e.V. Kompetenz für Bürgerengagement . . . . . . . . .

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Ratgeber für Bürgerstiftungen . . . . . . . . . . . .

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Impressum . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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Engagement für Bürgerstiftungen
Bürgerstiftungen finden seit einiger Zeit aus guten Gründen in Fachkreisen von Wissenschaft, Wirtschaft und Politik große Beachtung. Der
Kerngedanke einer Bürgerstiftung liegt darin, dass sich Privatpersonen,
mittelständische Unternehmen und örtliche Vereine gemeinsam für das
Gemeinwohl engagieren, und zwar dort wo man lebt, arbeitet oder Geschäfte macht: in einer Stadt, Gemeinde, einem Kreis oder einer Region.
Die Anreize für ein lokales Engagement liegen auf der Hand. Die meisten Menschen sind
eher bereit, sich finanziell oder ehrenamtlich zu engagieren, wenn so Probleme vor der eigenen Haustür gelöst werden. Auch Unternehmen engagieren sich bevorzugt, wenn damit
Investitionen in die Attraktivität ihres Standortes verbunden sind. Die Vorteile gemeinsamen Engagements sind ebenfalls gut nachvollziehbar. Vorhandene Kräfte werden gebündelt, Synergieeffekte realisiert und bislang noch nicht erreichte Potenziale können durch
die neuen Möglichkeiten der Bürgerstiftung angesprochen werden. Durch die Erträge aus
dem langfristig aufzubauenden Vermögen wird die Bürgerstiftung unabhängiger von
wechselnder Spendenbereitschaft der Bürgerinnen und Bürger, aber auch von öffentlichen
Zuwendungen der Stadtverwaltungen oder Landkreise.
Idee und Konzept der Bürgerstiftung in Deutschland zu fördern und zu verbreiten,
ist dem genossenschaftlichen FinanzVerbund ein wichtiges Anliegen. Wie keine andere
Unternehmensgruppe sind die Volksbanken und Raiffeisenbanken für Bürgerstiftungen der
ideale Partner und Multiplikator. Der genossenschaftliche FinanzVerbund steht seit
150 Jahren für Selbstorganisation, Selbstverwaltung, Selbsthilfe, Dezentralität, Kooperation und private Initiative. Volksbanken und Raiffeisenbanken gehören ihren Mitgliedern
und sind demokratisch aufgebaut. Jeder hat das gleiche Stimmrecht, unabhängig von der
Höhe seiner Genossenschaftsanteile. Die Bürgerstiftungen stehen für die gleichen Werte.
Ihre Förderung und Verbreitung ist uns daher ein ganz besonderes Anliegen.
Peter Hanker

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Vorsitzender des Vorstands Aktive Bürgerschaft e.V.
Sprecher des Vorstandes der Volksbank Mittelhessen eG

4

Einleitung

In die Zukunft investieren
Das langfristige Gelingen einer Bürgerstiftung hängt auch wesentlich
von der Motivierungskunst seiner Initiatoren ab, weitere Zustifter und
Spender zu gewinnen. Fundraising heißt das Schlagwort, um erfolgreich
Stifter, Zustifter und Spender zu gewinnen.
Doch was ist Fundraising überhaupt? Für manche eine Art „Geheimtipp“, um an Geld zu
kommen, für andere fast eine Art „Ausverkauf der Ideale“, für viele mittlerweile notwendiges Handwerkszeug des Alltags in gemeinnützigen Organisationen. Der boomende Ratgeber- und Beratungsmarkt spiegelt dies wider.
Der Begriff „Fundraising“ kommt aus den USA. Er setzt sich zusammen aus dem
Substantiv „fund“ und dem Verb „to raise“. Fund bedeutet Geld, Kapital; to raise heißt etwas
aufbringen (z.B. Geld). Erfolgreiches Fundraising setzt die richtige Antwort auf die Frage
voraus: „Für wen kann es aus welchem Grund interessant sein, unserer Bürgerstiftung
Geld zu geben?“ Fundraising ist eine langfristige Maßnahme, die nicht nur Geld einbringt,
sondern auch Auswirkungen auf viele andere Bereiche der Bürgerstiftung hat. Fundraising
erfordert es, die eigene Botschaft klar zu kommunizieren, und „zwingt“ deshalb auch dazu,
sich mit Zielen, Aufgaben und Strukturen auseinander zu setzen. Eine Bürgerstiftung ist
eine notwendige und gute Sache, doch sie bleibt abstrakt und hinter ihren Möglichkeiten
zurück, wenn ihre Idee nicht richtig „rübergebracht“ wird. Das gute Herz und der gute
Wille allein reichen nicht aus; zu groß ist der Wettbewerb um Aufmerksamkeit und
Unterstützung. Doch auch andersherum gilt: Der Zweck heiligt nicht die Mittel. Um nicht
mit schwarzen Schafen in einen Topf geworfen zu werden, sollte Transparenz im Umgang
mit Stiftungskapital und Spendengeldern oberstes Gebot sein.
Beim Fundraising einer Bürgerstiftung treten verschiedene Fragestellungen auf:
Wie mache ich auf die Tätigkeiten der Bürgerstiftung aufmerksam? Wie tritt sie in der
Öffentlichkeit auf? Wie nehme ich Kontakt zu potentiellen Zustiftern auf? Wie erhöhe ich
langfristig mein Stiftungskapital und wie akquiriere ich Spendenmittel? Dieser Leitfaden
will zur Beantwortung dieser Fragen Tipps und Hinweise anbieten, Empfehlungen geben
und bewährte Praktiken aufzeigen, die bei der Entwicklung einer erfolgreichen Fundraisingstrategie behilflich sein können.
Jeder Anfang ist mühsam, und viele Bemühungen tragen erst später Früchte. Doch
langfristig werden Bürgerstiftungen einen wichtigen Beitrag zu einer modernen und zukunftsorientierten Bürgergesellschaft leisten und diese nachhaltig mitgestalten. In diesem
Sinne mit den Worten des polnischen Dichters Stanislaw Brzozowski: „Die Zukunft erkennt man nicht, man schafft sie“.
Dr. Stefan Nährlich

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Geschäftsführer Aktive Bürgerschaft e.V.

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Die Idee: Bürgerstiftungen –
Engagement von Bürgern für Bürger
„Gemeinsam mehr erreichen.“

Stiftungen sind eine Form gesellschaftlichen Engagements von Privatpersonen und Unternehmen. Sie erleben seit einiger Zeit verstärkte
Aufmerksamkeit. Auf Bürgerstiftungen trifft dies in besonderem Maße
zu. Denn dieses spezielle Stiftungsmodell gilt als besonders geeignete
und zeitgemäße Form, bürgerschaftliches Engagement dauerhaft und mit
örtlichem Bezug zu organisieren.
„Stiftungen für dich und mich“ sagt man auch über Bürgerstiftungen. Denn jeder kann es
sich leisten, Stifterin oder Stifter zu werden, weil das Stiftungsvermögen gemeinsam aufgebracht und durch Zustiftungen vermehrt wird. Da auch Bürgerstiftungen ihr Vermögen
ungeschmälert erhalten müssen und nur mit den Erträgen arbeiten dürfen, sind Bürgerstiftungen weitgehend unabhängig von kurzfristigen wirtschaftlichen Schwankungen. Andererseits stehen am Anfang meist nur wenig Geldmittel für die laufende Arbeit zur Verfügung. Spenden spielen daher für junge Bürgerstiftungen eine große Rolle: Der gesamte
Spendenbetrag kommt unmittelbar einem gemeinnützigen Zweck zugute.

........

„Sich um alles vor Ort kümmern, aber nicht um alles auf einmal“ ist das langfristige
Ziel von Bürgerstiftungen. Sie fördern kulturelle, soziale, bildungspolitische und sonstige gemeinnützige Anliegen. Da Stiftungen „auf ewig“ angelegt sind, ist ihr Tätigkeitsbereich bewusst
sehr weit gefasst. Dadurch können sie im Laufe ihres Bestehens flexibel auf gesellschaftliche
Veränderungen reagieren und sind offen für die Motive und Interessen von späteren Zustiftern.
Darüber hinaus trägt dieser Ansatz dazu bei, die klassische Segmentierung der deutschen „Ehrenamtslandschaft“ in Sport, Kultur, Soziales, Umwelt usw. aufzuweichen und bürgerschaftliches Engagement als gesellschaftlichen Wert stärker in das Bewusstsein zu rücken. Bürgerstiftungen engagieren sich nur in einem begrenzten geographischen Gebiet, z. B. einer Stadt,
einem Landkreis oder einer Region, und entsprechen damit dem Wunsch vieler Menschen, sich
an ihrem Wohnort oder Firmensitz zu engagieren.
„Gemeinsam mehr erreichen“ könnte das Leitmotiv jeder Bürgerstiftung sein. Stifter und
Zustifter erreichen durch die gemeinsame Stiftungsgründung ein größeres Stiftungskapital als
mit den jeweiligen, meist nur begrenzt zur Verfügung stehenden eigenen Mitteln. Häufig entfalten sie auch eine größere Effektivität als viele isoliert voneinander arbeitende Vereine, da
sich Synergieeffekte aus den verschiedenen Projekten, die unter dem Dach einer Bürgerstiftung
zusammengefasst sind, nutzen lassen. Eine Bürgerstiftung ist daher keine Konkurrenz für bereits bestehendes Engagement in Vereinen und Stiftungen vor Ort, sondern vielmehr eine Bündelung der Kräfte, um gemeinsam mehr zu erreichen.
„Mitmachen und mitentscheiden“ charakterisiert die Funktionsweise von Bürgerstiftungen.
Die Option, zu gestalten und zu entscheiden, zählt zu den wesentlichen Motivationsfaktoren
für das Engagement in solchen Stiftungen. Über entsprechende Gremien (Stifterversammlung,
Kuratorium, Vorstand) werden die Stifter und späteren Zustifter an der Willensbildung beteiligt.
Dies kann z.B. die Festlegung der Förderungsschwerpunkte ebenso betreffen wie die Entscheidung über die konkrete Verwendung der Erträge des Stiftungsvermögens. Hier überlässt der
Gesetzgeber potentiellen Stiftern einen großen Gestaltungsspielraum. Wer zwar Geld zu einer
Bürgerstiftung zustiften, aber selbst über die Mittelverwendung entscheiden will, dem bietet
sich die Möglichkeit einer sogenannten Unterstiftung (siehe Seite 19).

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10 SCHRITTE FÜR EIN ERFOLGREICHES FUNDRAISING

Bernadette Hellmann,
Aktive Bürgerschaft e.V.,
Albrechtstraße 22,
D-10117 Berlin-Mitte,
Tel. (030) 24 000 88-0,
Fax (030) 24 000 88-9,
bernadette.hellmann@aktivebuergerschaft.de
www.aktive-buergerschaft.de
www.buergerstiftungen.info
Siehe auch Seite 26f: Bürgerstiftung leicht gemacht!
Unsere aktuellen Leistungen
im Überblick

........

Informationen

„Alles aus einer Hand“ rund ums Engagement vor Ort bieten Bürgerstiftungen. Dies hat
ihre Entwicklung in den USA gezeigt. Sie erfüllen in der Stadt oder Region, in der sie tätig
sind, meist vier Hauptfunktionen:
1. Bürgerstiftungen erschließen Ressourcen: Eine zentrale Aufgabe ist der Aufbau eines
breit gefächerten Stiftungsvermögens, um die nachhaltige, selbständige und unabhängige Arbeit der Bürgerstiftung zu sichern. Daneben werben sie aber auch Spenden ein, die direkt und
vollständig einzelnen Projekten zugute kommen.
2. Bürgerstiftungen sind Dienstleister: Sie dienen den Belangen von Spendern und Stiftern mit unterschiedlichen gemeinnützigen Interessen und unterstützen diese bei der Vergabe
von Fördermitteln, dem Finanzmanagement, der Erschließung weiterer Ressourcen, der Öffentlichkeitsarbeit und vielem mehr.
3. Bürgerstiftungen sind Fördergeber: Durch die Vergabe von Fördermitteln und die
Durchführung eigener Projekte reagieren Bürgerstiftungen auf sich neu entwickelnde und sich
ändernde Bedürfnisse. Sie ermöglichen bzw. unterstützen so innovative Entwicklungen im Bildungswesen, im Umweltbereich, in der Kultur oder im sozialen Bereich.
4. Bürgerstiftungen sind Sprachrohr und Katalysator des Gemeinwesens: Sie bündeln finanzielle und personelle Ressourcen und ermöglichen Partnerschaften zwischen Staat, Wirtschaft und Gesellschaft. Mit Hilfe von Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens bilden sie eine
Lobby für das Gemeinwohl.
„Erfahrungen und Potentiale nutzen“ können die Bürgerstiftungen in Deutschland. Entwickelt wurde das Modell der Bürgerstiftung in den USA, genauer gesagt in Cleveland. Dort
wurde 1914 die erste Community Foundation errichtet. Im Jahr 2004 gab es mehr als 700 dieser Stiftungen mit einem Stiftungsvermögen von insgesamt über 39 Mrd. Dollar. Relativ spät,
aber mit besonderer Dynamik entwickeln sich Bürgerstiftungen in Deutschland. Seit sich
1996/97 in Gütersloh und Hannover die ersten beiden Bürgerstiftungen gründeten, wird die
Idee mit großer Begeisterung aufgenommen. Seit 1996 sind hierzulande rund 135 Bürgerstiftungen entstanden und etliche sind im Entstehen begriffen. Nach repräsentativen Untersuchungen kann sich ein Viertel der Deutschen vorstellen, mit anderen gemeinsam eine Stiftung zu gründen.
„Initiatoren, Multiplikatoren und Partner von Bürgerstiftungen“ sind die Volksbanken
und Raiffeisenbanken in Deutschland. Mit der „Kampagne Bürgerstiftungen“ hat der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) als Schirmherr der Aktiven
Bürgerschaft im Januar 2002 seine Mitgliedsbanken aufgerufen, als Corporate Citizens Bürgerstiftungen zu initiieren, zu fördern und zu unterstützen. Ob in der Großstadt oder auf dem
Land: Eine Vielzahl der deutschen Bürgerstiftungen wurde mit Unterstützung der örtlichen
Volksbank und Raiffeisenbank gegründet. Zahlreiche Bürgerstiftungen sind bereits auf Initiative örtlicher Genossenschaftsbanken entstanden.

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Die Menschen hinter der Idee –
Vom Initiativkreis zu den Gremien
„Die richtigen Leute zusammenbringen.“

Der Erfolg einer Bürgerstiftung hängt langfristig davon ab, ob es ihr gelingt, ein ausreichend großes Stiftungskapital aufzubauen, um nachhaltig
und wirkungsvoll bürgerschaftliches Engagement vor Ort zu unterstützen.
Am Anfang steht jedoch erst einmal nur die Idee – sowie die persönliche
Reputation der Beteiligten, die eine Bürgerstiftung gründen wollen. Wen
braucht es, um erfolgreich eine Bürgerstiftung zu gründen?

........

Was sollen geeignete Mitstreiter im Idealfall mitbringen? Dass die beteiligten Persönlichkeiten eine gewisse Reputation, besitzen müssen, ist eine Selbstverständlichkeit. Dies sollte
jedoch nicht unbedingt mit Bekanntheit gleichgesetzt werden. Einen guten Ruf in Wirtschaft, Gesellschaft oder Politik kann man haben, ohne in der allgemeinen Öffentlichkeit
bekannt zu sein.
Glaubwürdigkeit ist eine nicht minder wichtige Eigenschaft. Bürgerstiftungen sind Organisationen der Bürgergesellschaft und verkörpern Werte wie privates
Engagement und Eigeninitiative. Sie sind eine Gemeinschaft von Stiftern mit lokalem bzw.
regionalem Wirkungskreis. Ihre führenden Persönlichkeiten sollten diese Werte glaubwürdig
vertreten können.
Bürgerstiftungen erfüllen eine Vielzahl von Aufgaben. Sie gewinnen und betreuen
Stifter und Spender, fördern oder führen Projekte durch, wirken als Lobby für mehr Bürgerengagement. Steuerrechtliche und finanzwirtschaftliche Kompetenzen sollten ebenso vorhanden sein wie gesellschaftspolitische Kompetenzen. Nicht zuletzt kann man sich in Einzelaspekten auch beraten lassen oder mit fachkompetenten Personen zusammenarbeiten.
Engagement schließlich ist eine weitere notwendige Eigenschaft. Wer nicht von dem
überzeugt ist, was er oder sie tut, kann auch andere nicht motivieren. Verwenden Sie Zeit
darauf, eine „Symbolfigur“ für die Bürgerstiftung zu finden. Je besser die Bürgerstiftung
über ihre Engagierten in der Region verankert ist, desto leichter wird sie es haben, neue
Stifter und Spender zu finden.
Wo sind die „richtigen Leute“ an der richtigen Stelle? Vom ersten Zusammentreffen
einiger interessierter Bürgerinnen und Bürger bis zur gegründeten Bürgerstiftung mit verschiedenen Gremien, Arbeitskreisen und Projekten vergeht ein gewisser Zeitraum. Am
Besten fragt man am Anfang Menschen, mit denen man bekannt ist und von denen man
weiß, dass sie guten Ideen aufgeschlossen gegenüberstehen, was sie von der Idee eine Bürgerstiftung halten, und ob sie bereit sind, mitzumachen. Oder man hat vielleicht schon sehr
genaue Vorstellungen von dem, was man will, und sucht sich dafür Unterstützer mit „großem
Namen“. Wie Sie vor Ort vorgehen, müssen Sie selbst entscheiden, einen Königsweg gibt es
nicht. Bedenken sollten Sie aber, dass später bestimmte Funktionen und Aufgaben übernommen werden müssen. Hier heißt es, die richtigen Leute an die richtigen Stellen zu setzen.
Initiativkreis: Im ersten Schritt findet sich ein kleiner Kreis von Personen, die von der
Idee überzeugt sind und im Idealfall mindestens die Hälfte des Gründungskapitals von
50.000 Euro zusammenbringen. Mit der Vergrößerung des Initiativkreises bietet sich eine
gute Möglichkeit, mit der Initiative an die Öffentlichkeit zu gehen und weitere Stifter und
Unterstützer zu gewinnen. Kann zu dieser Zeit bereits ein Matching Fund (siehe Seite 18)
gewonnen werden, steht dem erfolgreichen Start der neuen Bürgerstiftung kaum noch etwas
im Wege.
Vorstand: Nach dem Gesetz ist zur Verwaltung der Bürgerstiftung nur ein Organ
erforderlich, das in der Regel als „Vorstand“ bezeichnet wird. Die Zahl der Vorstandsmit-

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10 SCHRITTE FÜR EIN ERFOLGREICHES FUNDRAISING

........

Literatur
Hans Langnickel: „Ehrenamtliche Vorstandsarbeit –
eine Frage der Qualität“, in:
Nährlich, Stefan; Zimmer,
Annette (Hrsg.): Management
in Nonprofit-Organisationen.
Eine praxisorientierte Einführung. Bürgerschaftliches
Engagement und NonprofitSektor · Bd. 2, Verlag Leske
+ Budrich 2000

glieder sollte nicht zu groß sein. In unserer Mustersatzung schlagen wir eine Zahl von drei
bis fünf Mitgliedern vor. Der Vorstand ist ein Arbeitsorgan und idealerweise arbeitsteilig
zuständig für die Kernaufgaben des Managements wie Öffentlichkeitsarbeit, Fundraising
und Projektarbeit. Dem Vorstandsvorsitzenden kommt die zeitintensive Gesamtführung der
Bürgerstiftung zu. Er oder sie sollte daher keine zusätzliche „Fachaufgabe“ übernehmen.
Häufig sind besonders Personen gut geeignet, die sich gerade im Übergang vom Berufsleben
in den Ruhestand befinden. Sie verfügen über gute Kontakte und die notwendige Zeit.
Geschäftsführung und Arbeitsausschüsse: Der Vorstand kann einen Geschäftsführer
bestellen, der sich um die laufende Arbeit kümmert. Bis sich eine Bürgerstiftung finanziell
einen hauptamtlichen Geschäftsführer leisten kann, wird es einige Zeit dauern. Doch auch
ehrenamtlich lässt sich eine Geschäftsführung realisieren, wenn der- bzw. diejenige auf die
Infrastruktur eines Büros oder Sekretariats zugreifen kann. Dabei sollte der ehrenamtliche
Geschäftsführer vor allem für die administrative Seite der Bürgerstiftung (Finanzanlage,
Vorbereitung der Gremiensitzungen, Jahresabschluss etc.) zuständig sein. Wichtige Bereiche wie Öffentlichkeitsarbeit, Fundraising und Projektförderung sind dagegen Aufgaben,
für die der ehrenamtliche Geschäftsführer nur vorbereitende Arbeit leisten kann. Verantwortlich sind hierfür jeweils Mitglieder des Vorstandes. Praktischerweise arbeiten diese jeweils
als vorsitzende Mitglieder eines Arbeitskreises Öffentlichkeitsarbeit, Fundraising oder Projektförderung mit anderen ehrenamtlich tätigen Fachleuten zusammen.
Kuratorium: Obwohl rechtlich nicht erforderlich, sieht die Mustersatzung der Aktiven
Bürgerschaft als weiteres Stiftungsorgan ein Stiftungskuratorium (auch Stifterrat genannt)
mit 10–15 Mitgliedern vor. Ein wesentlicher Zweck des Stiftungskuratoriums ist es, Persönlichkeiten aus der Region in die Stiftungsarbeit mit einzubinden, insbesondere bei der
Einwerbung weiterer Zuwendungen und bei der Öffentlichkeitsarbeit. Da das Kuratorium
ein Repräsentationsgremium ist, erfolgt die Unterstützung durch den „guten Namen“, die
Kontakte und durch das Übernehmen repräsentativer Aufgaben, beispielsweise bei öffentlichen
Veranstaltungen. Zudem kommt ihm als Aufsichtsgremium des Vorstandes eine wichtige
Rolle zu.
Stifterversammlung: Obwohl rechtlich ebenfalls nicht vorgesehen, ist in unserer
Mustersatzung noch ein weiteres Organ der Stiftung aufgeführt: eine Stifterversammlung.
Ein wesentlicher Zweck eines solchen Gremiums ist es, den Kontakt zu den Stiftern und
Spendern zu halten und Anreize für weitere Zuwendungen zu geben. Achtung: Eine Stifterversammlung darf rechtlich nicht die Kompetenzen einer Mitgliederversammlung haben.
Unsere Mustersatzung berücksichtigt dies.
Multiplikatoren: Die besten Multiplikatoren einer Bürgerstiftung sind zufriedene
Stifter und Spender, erfolgreich geförderte Projektgruppen und die engagierten ehrenamtlichen Mitarbeiter. Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl von Personen, die auch ein berufliches Interesse an einer Bürgerstiftung haben: Rechtsanwälte und Notare, Steuer- und
Vermögensberater, Journalisten und Redakteure können das Anliegen der Bürgerstiftung
für ihre Arbeit nutzen und sind zugleich wichtige Multiplikatoren für die Bürgerstiftung.
Manchmal führt ihre Einbindung allerdings dazu, dass sich beispielsweise Medienvertreter
als nicht mehr objektiv betrachten und nicht, wie beabsichtigt, über die Arbeit der Bürgerstiftung in ihrer Zeitung berichten.
Schirmherrschaft: Bürgerstiftungen verstehen sich als selbstbestimmte Bürgereinrichtungen, die wirtschaftlich, parteipolitisch und konfessionell unabhängig agieren und auch
an Weisungen von Verwaltungsspitzen nicht gebunden sind. Viele Bürgerstiftungen haben
es sich zur Regel gemacht, aktive Politiker, zumal Vertreter der lokalen Kommunalpolitik,
keine Ämter in ihren Gremien bekleiden zu lassen. Um jedoch auch nach außen hin sichtbar die Verbundenheit zwischen Stadt und Bürgerstiftung zu zeigen, bietet sich die Schirmherrschaft durch den jeweiligen Bürgermeister bzw. Oberbürgermeister an.

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Profil zeigen – Leitbildentwicklung
„ Wer nicht meint, was er sagt, sagt auch nicht, was er meint.“

Um Förderer für Ihre Ideen zu finden, müssen Sie diese Ideen prägnant
darstellen: Was ist das Besondere an Ihrer Bürgerstiftung? Was wollen Sie
anders machen als die vielen Vereine und Stiftungen, die es vor Ort schon
gibt? Typische Fragen, mit denen Initiatoren einer Bürgerstiftung konfrontiert werden. Der Schlüssel zu den Antworten liegt im „Alleinstellungsmerkmal“ der Bürgerstiftung - ihren besonderen, einzigartigen Kennzeichen, die sie von den anderen Initiativen unterscheiden.

........

Was macht eine Bürgerstiftung einzigartig? Bürgerstiftungen sind aufgrund ihres
langfristigen Vermögensaufbaus weitgehend unabhängig von kurzfristigen wirtschaftlichen
Schwankungen. Ihr breiter Stiftungszweck ermöglicht zugleich die flexible Reaktion auf gesellschaftliche Veränderungen. Zwischen Nachhaltigkeit und Flexibilität muss jede Bürgerstiftung ihren eigenen Weg finden – die Voraussetzung dafür ist, dass sie zuvor ihr Ziel bestimmt.
Das Leitbild Eine der wichtigsten Aufgaben ist das Erarbeiten eines Leitbildes. Das
Leitbild der Bürgerstiftung soll verdeutlichen, für welche Inhalte sie steht, welche Ziele verfolgt werden (z.B. langfristiger Aufbau des Stiftungskapitals, Lobby für das Gemeinwohl),
nach welchen Prinzipien gehandelt wird (z.B. Transparenz der Mittelverwendung und freiwillige Publizitätspflicht) und was durch die Arbeit der Bürgerstiftung erreicht werden soll
(z.B. Stärkung von Eigenverantwortung, Verbesserung der Lebensqualität der Stadt, Region).
Kurz gesagt: Das Leitbild soll die Bürgerstiftung vorstellen und das Besondere an ihr herausstellen. Für einen Außenstehenden soll es möglich sein, sich ein Bild von ihr zu machen
(siehe Seite 14).
Machen Sie nicht den Fehler und verweisen bei der Vorstellung der Bürgerstiftung
auf die Satzung. Da die Satzung das juristische Grundgerüst für die Bürgerstiftung darstellt,
ist sie nicht für die Außendarstellung geeignet, zumal der formal juristische Sprachstil und
die vielen Fachwörter eher abschreckend wirken. Das Leitbild sollte eine „griffige und verständliche“ Darstellung der Bürgerstiftung sein, die auf eine anschauliche, verständliche
und motivierende Art über ihre Werte, Normen und Ziele informiert; für diesen Zweck sind
die Satzungen meist ungeeignet. Manche Bürgerstiftungen haben ihrer Satzung als Präambel
leitbildartige Formulierungen vorangestellt, die zu einem Leitbild ausgebaut werden können.
Damit sich die Bürgerstiftung in der Öffentlichkeit ein eigenständiges Profil erarbeiten und sich dadurch von anderen Organisationen abgrenzen kann, ist die Entwicklung eines Leitbildes eine Grundvoraussetzung. Dieses Leitbild sollte möglichst Antworten auf die
folgenden fünf Fragen beinhalten: a) Wer sind wir? b) Wozu gibt es uns? c) Welche Ziele
leiten uns? d) Was macht uns unverwechselbar? e) Wie wollen wir miteinander arbeiten?
Die Bestandteile des Leitbildes Idealtypisch besteht das Leitbild aus drei Komponenten: a) der Leitidee, b) den Leitsätzen und c) dem Motto. Hinzu kommt das Logo. Die Leitidee soll den Sinn und Zweck der Bürgerstiftung ausdrücken, die Leitsätze konkretisieren
den Sinn und Zweck und beschreiben, in welcher Art und Weise die Leitidee umgesetzt
werden soll. Das Motto soll in kurzer und knapper Form die Ziele und Visionen, die die
Bürgerstiftung verfolgt, widerspiegeln und in drei oder vier Worten ihr Image und ihre
„Message" in die Öffentlichkeit transportieren. Das Leitbild sollte keine unrealistischen Idealvorstellungen und Versprechen beinhalten, sondern sich an der Realität und den tatsächlichen Möglichkeiten der Bürgerstiftung orientieren. Seine Formulierung sollte auch die Möglichkeit der Weiterentwicklung der Bürgerstiftung berücksichtigen und die Kommunikation
und Identifikation mit ihr fördern.

10

Beispiele:
Bürgerstiftung Dresden:
Dresdner stiften Zukunft.
Bürgerstiftung für den Landkreis Fürstenfeldbruck: Wir
stiften Lebensqualität. Stadt
Stiftung Gütersloh: Wir für
unsere Stadt. Bürgerstiftung
Hannover: Gemeinsam für
unsere Region.

10 SCHRITTE FÜR EIN ERFOLGREICHES FUNDRAISING

Ein Beispiel aus der Praxis

Leitbild der Bürgerstiftung Remscheid
Als Bürger(innen) Remscheids wollen wir nicht nur
Probleme und Missstände beklagen, wir wollen etwas bewegen. Für unsere Stadt und die Menschen,
die hier leben. Die Bürgerstiftung Remscheid versteht sich als kompetenter, uneigennütziger Mittler
zwischen Stiftern, Spendern und ehrenamtlich Tätigen einerseits und sorgfältig ausgewählten, innovativen Projekten, Einrichtungen und Gruppen in
Remscheid andererseits. Wir wollen dem Gemeinwohl dienen, das Gemeinwesen Remscheids nachhaltig stärken und Innovationskräfte mobilisieren.
Hierzu sollen Zustiftungen und Spenden eingewor-

........

Literatur
Jörg Ernst: „Profil zeigen! –
Die Leitbildentwicklung als
notwendige Voraussetzung
für eine effektive Öffentlichkeitsarbeit“, in: Nährlich,
Stefan; Zimmer, Annette
(Hrsg.): Management in Nonprofit-Organisationen. Eine
praxisorientierte Einführung.
Bürgerschaftliches Engagement und Nonprofit-Sektor ·
Bd. 2, Verlag Leske + Budrich
2000
Claudia Kaminski; Annette
Lentzsch; Ralf Wagner:
Öffentlichkeitsarbeit für Bürgerstiftungen, Aktive Bürgerschaft 2004

Der Entwicklung eines Logos für die Bürgerstiftung sollte ebenfalls große Beachtung
geschenkt werden. Es ist empfehlenswert, dass sich das Logo in einer bestimmten Art und
Weise auf die Stadt oder Region und die Zwecke der Bürgerstiftung bezieht. Eine einfache
Symbolik erhöht den Wiedererkennungswert, die Beschränkung auf ein oder zwei statt vier
Farben senkt die Kosten der späteren Verwendung in Druckerzeugnissen. Bestimmt gibt es
vor Ort professionelle Werbeagenturen, die Sie bei der Entwicklung des Logos unentgeltlich
unterstützen.
Leitbild umsetzen, aber wie? Das Leitbild der Bürgerstiftung mit seinen verschiedenen
Komponenten kann durch drei klassische Instrumente umgesetzt werden: corporate design
(visueller Auftritt), corporate behaviour (Verhalten) und corporate communications (Kommunikation). Entwickelt wurden diese Instrumente für Unternehmen, um sich im Erscheinungsbild von anderen Firmen abzuheben. Generell können diese Instrumente aber in allen
Bereichen eingesetzt werden - also auch in einer Bürgerstiftung -, wobei sie der jeweiligen
Organisation anzupassen sind und ihren Ressourcen entsprechend eingesetzt werden müssen.
a) corporate design Marketing ist kein Selbstzweck. Dennoch sollte der visuelle Auftritt Stiftung (Logo, Farbgebung, Informationsblätter, Flyer, Internet-Seiten, ggf. Briefpapier
und Visitenkarten) ein einheitliches Erscheinungsbild bieten und so die Wiedererkennbarkeit der Bürgerstiftung sichern.
b) corporate behaviour Das Verhalten der Bürgerstiftung kommt vornehmlich durch
die Förderpolitik zum Ausdruck und sollte sich an ihren Werten und Normen orientieren.
c) corporate communications Die Kommunikation der Bürgerstiftung mit anderen sollte auf einer aktiven Öffentlichkeitsarbeit basieren, die transparent über Ziele und Aktivitäten informiert und zu Dialog und Mitarbeit einlädt.

ben werden, mit denen die Bürgerstiftung Projekte
zur Erfüllung der Stiftungszwecke anstößt, fördert
und durchführt. Doch wir wollen nicht nur finanziell fördern. Als Stiftung möchten wir Sie im besten
Sinne anstiften: zur aktiven Beteiligung an gesellschaftlichen Aufgaben in Remscheid. Es geht darum,
Hilfe zur Selbsthilfe zu geben und insbesondere junge Menschen zu Selbstvertrauen und Zukunftshoffnung zu ermutigen. Wir wollen Motor für zahlreiche
unterschiedliche Aktivitäten sein und das Bewusstsein für regionale, gesellschaftliche und politische
Verantwortung entwickeln und vertiefen.

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4

Die Idee lebt von der Umsetzung –
Projekte und Förderung
„Es gibt nichts Gutes außer: man tut es.“

Spender und Stifter möchten wissen, welchen Zwecken ihre Zuwendung
dient. Die inhaltliche Arbeit ist nicht nur das Aushängeschild der Bürgerstiftung. Ob eigenes Projekt oder Förderung von Vereinen und Aktivitäten
vor Ort: Wirksame Projektarbeit und erfolgreiches Fundraising bedingen
sich gegenseitig.

........

Was fördern? Viele Menschen begeistern sich für die Idee der Bürgerstiftung, um Probleme
vor der eigenen Haustür anzugehen und im Sinne einer aktiven Bürgergesellschaft nicht bei
allen Problemen nach dem Staat zu rufen, sondern in Eigeninitiative und Selbstorganisation
aktiv zu werden. Das ist gut so und richtig. Doch was konkret tun? Viele örtliche Vereine
und Projekte suchen finanzielle Unterstützung. Sollte man hier ansetzen? Wenn ja, welche
sollte man auswählen, wenn die Fördermittel nicht für alle reichen? Nach welchen Kriterien
sollte man vorgehen? Welche Projektförderung nützt auch der Bürgerstiftung, um weitere
Zustifter zu gewinnen?
Generell sollte man nicht nach dem Gießkannenprinzip quer über alle Satzungszwecke fördern. Der breite Stiftungszweck ist ein spezifisches Merkmal der Bürgerstiftung,
um flexibel auf sich neu entwickelnde und sich ändernde gesellschaftliche Bedürfnisse reagieren zu können und für die speziellen und unterschiedlichen Interessen von Zustiftern
und Spendern offen zu sein. Am Anfang sollte sich die Bürgerstiftung auf wenige Aktivitäten konzentrieren, weil meistens noch nicht so viele Mittel zur Verfügung stehen und sie
sich am besten über wenige ausgewählte Projekte in der Öffentlichkeit profilieren kann.
Die Entscheidung für ein eigenes Projekt oder die Förderung Dritter scheint schwierig:
Einerseits möchte man ein eigenes Projekt starten, weil man keine der Initiativen vor Ort bevorzugen bzw. benachteiligen will. Dies könnte von anderen gemeinnützigen Organisationen
als Konkurrenz um Spenden und als Eingriff in „ihren“ Arbeitsbereich aufgefasst werden.
Führt man andererseits kein eigenes Projekt durch und fördert stattdessen andere Vereine
und Projekte, kann dies von potentiellen Stiftern und Spendern sowie der Öffentlichkeit negativ aufgefasst werden, nach dem Motto: „Nichts ändert sich, nur das Geld kommt jetzt von
anderen“.
Heißt das: Wie man's macht, macht man's verkehrt? Nein, sondern: Um ein geeignetes
erstes Projekt zu finden, ist es notwendig, die Initiativen und Aktionen anderer Organisationen der Region zu kennen. Greifen Sie Themen auf, die für die Stadt oder Region wichtig
sind, wenn Sie der Meinung sind, dazu einen substantiellen Beitrag leisten zu können. Diese
Aktivitäten sollten in engem Zusammenhang stehen mit dem, was die Bürgerstiftung verkörpert (siehe Seite 10f). Bieten Sie nicht nur finanzielle Unterstützung an, sondern machen
Sie es gemeinsam zu „Ihrem Anliegen“.
Wie fördern? Eine Bürgerstiftung ist keine staatliche Einrichtung, die verpflichtet ist,
alle gleich zu behandeln. Wenn Sie einen Sportverein finanziell unterstützen, heißt das
nicht, dass die Bürgerstiftung auch die anderen Sportvereine unterstützen muss. Es ist aber
notwendig, deutlich zu machen, warum man das eine fördern will und das andere nicht. Es
muss vorher klar sein, wer Anträge stellen kann, worauf man besonderen Wert legt, wann
und wie Anträge gestellt werden können. Transparenz in der Förderpolitik einer Bürgerstiftung ist oberstes Gebot.
Häufig erfolgt im gemeinnützigen Bereich die finanzielle Förderung nach dem Motto:
„Wenn andere etwas geben, beteiligen wir uns auch“. Das erspart den meisten Zuwendern

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10 SCHRITTE FÜR EIN ERFOLGREICHES FUNDRAISING

Ein Beispiel aus der Praxis

Projektförderung der Bürgerstiftung Dresden
Die Bürgerstiftung Dresden hat mit dem Projektemarkt (PM) ein Förderinstrumentarium zur Auswahl
geeigneter Projekte entwickelt. Der PM verbindet
Öffentlichkeitsarbeit für die Ziele und die Tätigkeit
der Stiftung mit aktivem Fundraising für konkrete
Projekte. Der PM setzt sich aus einer aktiven Projektemarktliste, einer Warteliste und operativen Projekten
der Bürgerstiftung zusammen. Die aktive Projektemarktliste schließt bei 15 Projekten. Diese werden
intensiv durch die Bürgerstiftung begleitet und in
die Öffentlichkeitsarbeit der Stiftung einbezogen. Sie
werden von Seiten der Bürgerstiftung potentiellen
Unterstützern präsentiert, in der Presse veröffentlicht und im Stifterrundbrief den Stiftern, ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und
Freunden der Stiftung vorgestellt. Die Projekte sind
grundsätzlich für ihre Selbstdarstellung verantwortlich. Sie erhalten von der Bürgerstiftung oder ihren

........

Literatur
„Förderpreis Aktive Bürgerschaft 2004. Bürgerstiftungen und ihre Projekte" und
Checkliste „Förderrichtlinien“
als PDF-Datei unter
www.aktive-buergerschaft.de
in der Rubrik Informationen:
Ratgeber für Bürgerstiftungen

eine weitere Prüfung des Antrages, und man verlässt sich darauf, dass die Zuwendung der
anderen Förderer eine „inhaltliche Qualitätsprüfung“ ist. Hier bietet sich eine Chance für die
Bürgerstiftung, durch eine gute Förderpolitik ihre Förderung als Qualitätskriterium zu etablieren. Arbeiten Sie hierzu mit unabhängigen und kompetenten Fachleuten aus verschiedenen
Bereichen zusammen (siehe Seite 9).
Wenn Sie neuen Ideen zum Start verhelfen wollen, sei es als eigenes Projekt oder als
Förderprojekt, bedenken Sie auch die Notwendigkeit der Folgefinanzierung durch Dritte.
Gemeinnützige Projekte sind in der Regel keine „start-ups“, die sich nach einiger Zeit durch
den Verkauf ihrer Güter oder Dienstleistungen selbst finanzieren. In diesem Zusammenhang
ist auch zu überlegen, ob die Bürgerstiftung in Einzelfällen gemeinsam mit anderen dauerhaft bestimmte Anliegen fördert, die von besonderer Bedeutung sind.
Erarbeiten Sie Förderkriterien, die den Zielen und Anliegen der Bürgerstiftung entsprechen. Denkbar ist beispielsweise, dass ein Projekt mehrere der folgenden Merkmale aufweisen muss: innovativer Ansatz, hoher ehrenamtlicher Anteil bei der Realisierung, Förderung von Selbsthilfe und Eigeninitiative, Stärkung der Bürgergesellschaft, Nachhaltigkeit.
Fördern Sie auch zum Nutzen der Bürgerstiftung. Da es gerade am Anfang wichtig
ist, die Bürgerstiftung bekannt zu machen, sollten immer einige Projekte, die von ihr initiiert oder gefördert werden, auch geeignet sein, ein entsprechendes Medienecho zu erzeugen.
Ein wichtiges Anliegen ist eine Voraussetzung dafür; eine originelle Umsetzung, die vor
allem medientauglich sein muss, ist ebenso wichtig. Bürgerstiftungen brauchen solche Formen des öffentlichen Auftritts, um sich zu profilieren, ihren Bekanntheitsgrad zu erhöhen,
ihre Ideen zu transportieren und dadurch Zustifter und Spender zu gewinnen.
Bürgerstiftungen sind aber nicht nur Fördergeber oder Projektträger (siehe Seite 6).
Sie sind auch Dienstleister, die Stifter beraten und Unterstiftungen verwalten, sie sind Lobby für mehr Bürgerengagement und bündeln gemeinsame Interessen der örtlichen Vereine
und Stiftungen. Auch dies sind wichtige „Projekte“, die es in der Arbeit zu berücksichtigen
gilt.
Des Weiteren muss das Gleichgewicht zwischen Projektarbeit und Fundraising gewahrt bleiben: Es ist langfristig sinnvoller, auch einmal ein Projekt abzulehnen und sich der
Akquise neuer Stifter und Spender zu widmen. Nur so können dauerhaft die Mittel für eine
erfolgreiche Projektarbeit gesichert werden.

Beratern professionelle Unterstützung. Sie verpflichten sich, ihre Öffentlichkeitsarbeit mit der Geschäftsführung der Stiftung abzustimmen. Für den
PM wird zum Jahresbeginn ein Förderbudget zur
Verfügung gestellt. Der PM arbeitet nach dem Prinzip des Matching Fund. Jeder gespendete Euro wird
von der Bürgerstiftung verdoppelt bis zu einem
Betrag von 2.500 Euro. Sachspenden werden bis
1.500 Euro gematcht. Spenden über dieses festgelegte
Limit hinaus werden 1:1 weitergereicht. Öffentliche
Mittel werden nicht gematcht. Die Bürgerstiftung
will mit diesem Verfahren die Projekte unterstützen,
um Netzwerke zwischen Nonprofit-Bereichen und
der Wirtschaft zu bilden. Der PM ist nicht nur ein
Instrument zum Spendensammeln, sondern auch zur
Vermittlung von ehrenamtlich engagierten Menschen und von Leistungen zur Beratung, Fortbildung
und Unterstützung der Projekte.

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5

Klappern gehört zum Handwerk –
Öffentlichkeitsarbeit
„Tue Gutes und rede darüber.“

Gutes tun und darüber reden, sagt man. Und doch klingt es immer noch
ein wenig nach Rechtfertigung. Auch Stifter halten es häufig für vornehmer, über ihr Engagement zu schweigen. Gelegentlich wird befürchtet, mit
einem Engagement weitere Begehrlichkeiten zu wecken. Wie auch immer:
Individuelle Motive sind selbstverständlich zu respektieren, doch ohne
aktive Öffentlichkeitsarbeit kann der Aufbau von Stiftungskapital nicht
gelingen. Dabei hat derjenige die Nase vorn, der gute Ideen und gute Arbeit originell und clever vermittelt.

........

Handwerkszeug für die Öffentlichkeitsarbeit Für die Darstellung der Bürgerstiftung in der
Öffentlichkeit gibt es klassische und bewährte Instrumente: die Internet-Homepage, den Flyer oder die Imagebroschüre und den Informationsrundbrief. Diese Medien sollen dazu dienen, Interessierten erste Informationen zu liefern und potentiellen Stiftern und Spendern bei
der Kontaktaufnahme zu helfen. Gleichzeitig sind sie aber auch für potentielle Förderempfänger interessant, die sich über Möglichkeiten der finanziellen Unterstützung informieren
wollen.
Folgende Basisinformationen sollten enthalten sein: a) Was wir wollen (Ziele und
Leitbild der Bürgerstiftung, Förderungsvorhaben und/oder geförderte Projekte), b) Wer wir
sind (Vorstellung der Gremien und der engagierten Personen, bisherige Stifter, bisheriges
Kapital), c) Wie Sie mitmachen können (stiften, zustiften, spenden, mit Ideen und Zeit unterstützen), d) Wie Sie uns erreichen (Ansprechpartner, Telefon, Fax, E-Mail, Internet) und
ggf. e) Mehr zum Thema Bürgerstiftungen (z.B. Aktive Bürgerschaft).
Homepage: Im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit ist die Gestaltung einer InternetHomepage von großer Bedeutung, denn das Internet bietet für die Bürgerstiftung die Möglichkeit, sich einem breiten Publikum kostengünstig zu präsentieren. Zudem nutzen immer
mehr Bürger das Internet, um sich erste Informationen zu den Themen zu erschließen, die
sie interessieren. Einer der wichtigsten Punkte bei der Gestaltung des Internet-Auftritts ist
die Sicherstellung der späteren Pflege der Seiten. Nichts wirkt unprofessioneller als veraltete
Termine unter „Aktuelles“ oder aktualisierte und ergänzte Seiten, die nicht dem Ursprungslayout entsprechen. Lassen Sie sich pro-bono von einer örtlichen Agentur einen einfachen
Internet-Auftritt erstellen, der auch die Pflege für zwei bis drei Jahre umfasst.
Flyer und Imagebroschüre: Als zweiter Schritt und im Rahmen der Professionalisierung
steht die Konzeption eines Flyers oder einer ausführlicheren Imagebroschüre auf dem Programm. Lassen Sie sich Zeit, eine solche Broschüre professionell zu erstellen, bis Sie konkret
etwas vorzustellen bzw. zu berichten haben. Geschäfts- und Jahresberichte von Unternehmen, aber auch gemeinnützigen Organisationen sind oft lieblos produzierte Pflichtübungen.
Für Bürgerstiftungen, die ohnehin keiner Publizitätspflicht unterliegen, sollten derartige
Veröffentlichungen keine Pflichtübung, sondern das zentrale Medium sein, mit dem sie über
ihre Arbeit informieren. Stellen Sie einzelne Personen vor, beschreiben Sie geförderte Projekte, informieren Sie über die Fakten. Wecken Sie damit Interesse, sich als Stifter, Spender
oder aktiver Bürger an der Bürgerstiftung zu beteiligen.
Informationsrundbrief: Hat die Bürgerstiftung die Arbeit aufgenommen, sollten alle
wichtigen Zielgruppen und interessierten Bürgerinnen und Bürger regelmäßig über Termine
und Aktivitäten informiert werden. Außerdem können auf diesem Weg Menschen vorgestellt werden, die sich für die Bürgerstiftung engagieren. Mit einem Rundbrief (als Brief,

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10 SCHRITTE FÜR EIN ERFOLGREICHES FUNDRAISING

Literatur
Detlef Luthe und Thomas
Schaefers: „Kommunikationsmanagement - Strategische
Überlegungen und konkrete
Maßnahmen für eine beziehungsorientierte Öffentlichkeitsarbeit“, in: Nährlich, Stefan; Zimmer, Annette (Hrsg.):
Management in NonprofitOrganisationen. Eine praxisorientierte Einführung. Bürgerschaftliches Engagement
und Nonprofit-Sektor · Bd. 2,
Verlag Leske + Budrich 2000

Ein Beispiel aus der Praxis

Infoblatt oder Newsletter, als Print- und/oder E-Mail-Ausgabe) halten Sie Kontakt zu Spendern und Stiftern und berichten von Aktivitäten und Fortschritten Ihrer Bürgerstiftung.
Über aktuelle Entwicklungen und Hintergrundinformationen für Bürgerstiftungen berichtet
die Aktive Bürgerschaft regelmäßig monatlich in ihrem eMail-Newsletter. Gern können Sie
für Ihren eigenen Rundbrief mit einer entsprechenden Quellenangabe auf diese Informationen zurückgreifen.
Die Bürgerstiftung in der Lokalpresse Dass ein guter Kontakt zu den lokalen Medien
wichtig ist, braucht eigentlich nicht weiter erwähnt zu werden. Ob der Kontakt durch eine
Einbindung in die Gremien intensiviert werden sollte oder im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit der Bürgerstiftung erfolgt, muss vor Ort entschieden werden (siehe Seite 9).
Dass die Medien im sogenannten „Sommerloch“ verstärkt über gemeinnützige Organisationen berichten, weil „sonst nicht viel passiert“, ist allgemein bekannt. Dies kann sich
die Bürgerstiftung mit interessanten Themen zunutze machen. Es lohnt sich, so etwas frühzeitig abzusprechen, um Text- und Bildmaterial präsent zu haben. Ebenso gibt es für gemeinnützige Organisationen die Möglichkeit, kostenlose Füllanzeigen zu schalten. Beide
Wege sind gute Mitnahmeeffekte der Öffentlichkeitsarbeit.
Kreative Öffentlichkeitsarbeit Aktiv lässt sich die Öffentlichkeitsarbeit einer Bürgerstiftung sowohl in Zusammenhang mit der Förderung von Projekten als auch im Zusammenhang mit den Stiftern auf- und ausbauen. Kümmern Sie sich um Ihre Projekte, begleiten Sie diese, unterstützen Sie nicht nur durch Geld, sondern binden Sie Ihre Förderprojekte
in Ihre Öffentlichkeitsarbeit ein (siehe Seite 13). Gewinnen Sie Ihre Stifter und Zustifter für
die Öffentlichkeitsarbeit der Bürgerstiftung.
Die Bürgerstiftung Dresden hat z.B. zusammen mit den beiden örtlichen Zeitungen
eine Anzeigenserie entwickelt, bei der Unternehmen, die sich als Stifter und Zustifter bei der
Bürgerstiftung engagieren, vorgestellt wurden. Da die Zeitungen auf die Bezahlung der Anzeigen verzichteten, konnten die Firmen das Geld der Bürgerstiftung stiften. Für die Unternehmen war dies keine zusätzliche finanzielle Belastung, denn sie bekamen dafür quasi die
Anzeige in der Zeitung umsonst. Und natürlich war dies auch eine gute Werbung für ihr
Unternehmen, für die sie sonst hätten bezahlen müssen.
Schließlich gibt es weitere Anlässe, sich an die Öffentlichkeit zu wenden. Da die
Bürgerstiftungen sich als Lobby für mehr Bürgerengagement verstehen, bietet sich eine Beteiligung an bundesweiten Aktionen an, die sich auch mit Aktivitäten der Stiftung (Stifterversammlung, Präsentation der Web-Seiten, Informationstag o.ä.) verbinden lassen. Der Tag
des Ehrenamtes – der 5. Dezember jeden Jahres – bietet dazu ebenso Gelegenheit wie der
Tag der Bürgerstiftungen am 1. Oktober. Auch regionale oder städtische Freiwilligentage
und die zunehmend häufiger stattfindenden Stiftertage können dazu genutzt werden, die
Bürgerstiftung noch bekannter zu machen.

Der Leonardo Schul-Award der Wiesbaden Stiftung
Die Wiesbaden Stiftung lobte im Jahr 2005 erstmals
den Leonardo Schul-Award aus. Um die Auszeichnung bewerben konnten sich Schüler-Teams der
Klassen 8 –13 aller Wiesbadener Schulen mit einem
Projekt in acht Kategorien, von Wissen über Sport
und Ideen für Wiesbaden bis hin zu Theater. Jede
der Kategorien wurde durch einen prominenten
Paten vertreten; im Bereich Wissen konnte etwa der
Fernseh-Journalist Wolf von Lojewski gewonnen

........

Den eMail-Newsletter „Aktive
Bürgerschaft @ktuell“ können
Sie bestellen über info@
aktive-buergerschaft.de oder
online unter www.aktivebuergerschaft.de in der Rubrik
Informationen: Newsletter

werden. Sponsoren übernahmen die Finanzierung
des Leonardo Schul-Award. Eine professionelle
Öffentlichkeitsarbeit, die durch eine Medienpartnerschaft mit der Regionalzeitung, dem Wiesbaden Kurier, verstärkt wurde, brachte den Leonardo vor Ort
immer wieder ins Bewusstsein. Das Projekt - und
besonders der Gala-Event zur Verleihung - erhöhte
den Bekanntheitsgrad der Wiesbaden Stiftung und
förderte ihre Verankerung vor Ort.

15

6

Spenden, sponsern, stiften –
Wer gibt, und warum?
„Ein Geheimnis des Erfolgs ist, den Standpunkt
des anderen zu verstehen.“

Warum geben Menschen Geld? Welche Einstellung haben sie zum Spenden?
Was bewegt Unternehmen, sich für Sport, Kultur oder Soziales zu
engagieren? Warum wird jemand Stifter? Wer erfolgreich Fundraising betreiben will, muss über die Motive von Stiftern und Spendern Bescheid
wissen.

........

Die Menschen sind unterschiedlich und damit auch ihre Einstellung zum Spenden. Bestimmte Faktoren wie Alter, Geschlecht, Bildung, Einkommen usw. sind soziodemographische
Merkmale, die Einfluss auf das Spendenverhalten haben. Danach sind Frauen spendenbereiter als Männer, neigen ältere Menschen mehr zum Spenden als jüngere, Einkommensstärkere mehr als Einkommensschwächere. Positiv beeinflusst wird das Spendenverhalten auch
durch die Zugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft, durch das Verheiratetsein sowie
durch beruflichen Erfolg und höhere Bildungsabschlüsse.
Erwartungen von Spendern Für die meisten Menschen ist „Spende nicht gleich Spende“, sondern es werden ganz bestimmte Erwartungen daran geknüpft, wann eine Spende
sinnvoll ist. So finden 89% der Spender, dass Spenden nur sinnvoll ist, wenn damit Hilfe
zur Selbsthilfe ermöglicht wird. Diese Meinung wird auch von denjenigen geteilt, die nicht
spenden. Fast genauso viele Menschen (88%) sind der Ansicht, dass Spenden nur sinnvoll
ist, wenn dies auch dazu dient, politische und wirtschaftliche Ursachen zu bekämpfen. Der
Umgang der gemeinnützigen Organisationen mit den Spenden ist für viele Menschen verbesserungsfähig. Vier von fünf Spendern finden, dass zu viele Spenden in der Bürokratie
versickern.
Vermächtnisse Ein besonderer Spendenbereich sind die Vermächtnisse. Gut ein Viertel
der Deutschen ist bereit zu Testamentspenden, wobei die Bereitschaft mit höherem Bildungsgrad und größerem Einkommen steigt. Von denjenigen Menschen, die schon einmal
gespendet haben, sind mehr als ein Drittel bereit, gemeinnützige Organisationen testamentarisch zu bedenken, was offenbar an positiven Erfahrungen liegt. Sind keine Erben zu
ermitteln und liegt kein Testament vor, fällt die Erbschaft an den Staat und wird den Haushalten der Bundesländer zugeführt. Dies sind je nach Größe des Bundeslandes immerhin
mehrere 100 Millionen Euro jährlich.
Wofür spenden die Deutschen? Auch hier gibt es ganz bestimmte Vorstellungen und
Vorlieben. Der Deutsche Spendenmonitor 2005 von TNS Infratest ergab folgendes Bild: 57%
der Spenderinnen und Spender bedachten Organisationen der Sofort- und Nothilfe mit ihrer
Geldspende. An zweiter Position folgt mit 27% die Behinderten- und Krankenhilfe, gefolgt
von den gemeinnützigen Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe mit 26%.
Unternehmen Neben Privatpersonen unterstützen auch Unternehmen häufig Vereine
und andere gemeinnützige Anliegen. Wofür und warum geben Firmen und Betriebe? Nach
einer FORSA Umfrage in 2005 haben eigentümergeführte Unternehmen am häufigsten für
Sportvereine (37%) gespendet. Ein Drittel der Unternehmen spendete für die Opfer von Naturkatastrophen sowie für kulturelle Veranstaltungen und Vereine, wie z.B. Gesangsvereine,
Heimatvereine, Museen, Musik- oder Theatergruppen. 29% erbrachten Leistungen für nationale Wohlfahrtsverbände und Stiftungen, wie z.B. das Deutsche Rote Kreuz, die Caritas, die
Aktion Mensch, die Johanniter-Unfall-Hilfe oder ähnliche Organisationen. Die Motive, zu
sponsern und zu spenden sind so unterschiedlich wie die Unternehmen selbst. Häufig hat es

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Information
Über die Größe des „Fundraising-Marktes" gibt es keine gesicherten Erkenntnisse,
denn dieser Bereich wird
statistisch nicht erfasst. Verschiedene Untersuchungen
und Umfragen ergeben folgendes Bild:
Spenden von Personen
Im Zeitraum von Oktober
2004 bis Oktober 2005 wurden in Deutschland von 32,6
Mio. Bundesbürgern Privatspenden in Höhe von 3,5
Mrd. Euro an gemeinnützige
Organisationen gegeben. Jeder zweite Bundesbürger im
Alter von über 14 Jahren hat
in diesem Zeitraum gespendet. Die durchschnittliche
Spendensumme betrug 108
Euro.
Erbschaften
Im „Emnid Spendenmonitor"
von 1998 gaben 26 Prozent
der befragten über 14jährigen
Bundesbürger an, dass sie
grundsätzlich bereit wären,
gemeinnützige Organisationen testamentarisch zu berücksichtigen. Verschiedene
Schätzungen gehen davon
aus, dass in diesem Jahrzehnt Vermögen im Wert von
bis zu 2,2 Billionen Euro
vererbt werden.
Stiftungsfördermittel
Das Berliner Maecenata Institut beziffert das Ausgabevolumen der deutschen Stiftungen im Jahr 2004 auf
knapp 25 Mrd. Euro. Diese
Zahl ist wegen der Vielzahl
operativer Stiftungen (Stiftungen, die Anstalten betreiben oder eigene Projekte
durchführen) nicht mit einem
Fördervolumen gleichzusetzen! Stiftungen, die fördernd
tätig sind, gaben 2004 etwa
7 Mrd. Euro aus.
Spenden von Unternehmen
Nach einer FORSA Umfrage
in 2005 haben 70% der inhabergeführten deutschen
Unternehmen (ab 100.000
Euro Umsatz) in den letzten
12 Monaten gespendet. Insgesamt betrug die Spendensumme mindestens 1,5 Mrd.
Euro, zu denen weitere 800

10 SCHRITTE FÜR EIN ERFOLGREICHES FUNDRAISING

Literatur
Annette Zimmer, Eckhard
Priller, Rupert Graf Strachwitz: „Fundraising als Ressource für Nonprofit-Organisationen", in: Nährlich, Stefan; Zimmer, Annette
(Hrsg.): Management in Nonprofit-Organisationen. Eine
praxisorientierte Einführung.
Bürgerschaftliches Engagement und Nonprofit-Sektor o
Bd. 2, Verlag Leske + Budrich 2000

jedoch damit zu tun, dass Unternehmen ihre Kunden bzw. potentiellen Kunden auf anderem Weg nicht mehr so gut erreichen. Sei es, weil die Zielgruppe der Werbung überdrüssig
geworden ist, oder weil die Zielgruppe durch Werbung nicht zu erreichen ist. Unternehmen
setzen Spenden ein, um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten oder zu verbessern. Untersuchungen haben aber auch gezeigt, dass die Frage, wofür gespendet wird, vielfach von persönlichen Interessen und Vorlieben der Entscheider in Unternehmen abhängig ist. Fachleute
sprechen daher von einem Motivbündel, das aus folgenden Komponenten besteht: a) Publizität und Öffentlichkeitswirksamkeit der Spende, b) steuerliche Absetzbarkeit der Zuwendung, c) persönliche Motive der Entscheider („Gutes tun", „sozialen Frieden erhalten" usw.).
Stifter Die Überlegung, Stifter zu werden, kann unterschiedliche Gründe haben: zum
Beispiel keine Erben zu haben, denen man etwas hinterlassen kann (oder will), ein ideelles
Anliegen oder den Wunsch nach Selbstverwirklichung. Häufig besteht auch der Wunsch,
nach dem Tod etwas „Bleibendes" zu hinterlassen. Gerade wenn keine Kinder vorhanden
oder diese materiell gut versorgt sind, gewinnt bei vielen Menschen die Stiftungsidee an
Attraktivität. Auch die Kompensation eines Jugendtraumes kann ein Motiv sein, sich als
Stifter beispielsweise für die Förderung junger Künstler einzusetzen, wenn einem selbst diese Entwicklung verwehrt war. Einschneidende persönliche Erlebnisse wie Tod oder Krankheit von Familienmitgliedern oder Freunden können der Anlass sein, eine Stiftung mit karitativen Zwecken zu gründen.

........

Mio. Euro aus dem Privatvermögen der Unternehmer
kamen. Neben Spenden zur
Unterstützung von Katastrophenopfern sind Sportvereine, Kulturinitiativen und
Wohlfahrtsorganisationen die
bevorzugten Adressaten von
Unternehmensspenden.

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7

Solide Grundlagen –
Zustiftungen und Unterstiftungen
„Was lange währt, wird endlich gut.“

Eine der Hauptaufgaben der Bürgerstiftung ist der langfristige Auf- und
Ausbau des Stiftungsvermögens, um eine nachhaltige, selbständige und
unabhängige Arbeit zu sichern. Deshalb muss das Einwerben von Zustiftungen immer eine der zentralen Aufgaben sein.

........

Die Gewinnung weiterer Geldmittel ist in der Arbeit einer Bürgerstiftung unabdingbar, denn
sie erhöht oder schafft erst die Möglichkeit, effektiv etwas bewirken zu können. Folgen den
Gründungsstiftern keine weiteren Geldgeber, bleiben das Stiftungskapital und damit die
Förderungsmöglichkeiten der Stiftung gering. Eine Bürgerstiftung kann nur dann langfristig
ihre Ziele z.B. in der Projektförderung erreichen, wenn sie sich parallel immer auch um die
Stiftergewinnung bemüht. Wirksamkeit bzw. Nachhaltigkeit ist zudem ein wichtiges Motiv
von Spendern und Stiftern.
Wie gewinnt man (Zu)Stifter? Wer Stifter oder Zustifter gewinnen will, muss auf deren Ziele und Bedürfnisse eingehen. Daneben gilt es natürlich auch, die Vorteile des Zustiftens bei der Bürgerstiftung klar herauszustellen. Ein wesentlicher Vorteil für den Zustifter
liegt darin, dass durch die Bündelung mit anderen Ressourcen das Geld effizienter eingesetzt werden kann. Das Engagement kommt nachhaltig der Region, in der man lebt (oder
aufgewachsen ist), zugute, was für viele Spender und Stifter ein wichtiges Motiv ist. Wer
eine eigene Stiftung (Unterstiftung) gründen will, findet in der Bürgerstiftung einen kompetenten Dienstleister, der viele der notwendigen Verwaltungsaufgaben erledigt. Nicht zuletzt
spielen auch steuerliche Vorteile eine Rolle (siehe Randspalte). Folgende Möglichkeiten gibt
es, das Stiftungskapital nachhaltig zu vermehren:
Matching Fund Ein interessantes Verfahren, um einerseits das Stiftungsvermögen
möglichst schnell zu vervielfachen und andererseits das Zustiften noch attraktiver zu machen,
sind die sogenannten „Matching Funds“. Es gibt zwei Varianten: Eine Person, eine Institution,
die ortsansässige Genossenschaftsbank oder ein Unternehmen stellt einen größeren Förderbetrag in Aussicht – unter der Voraussetzung, dass sich noch andere Personen oder Institutionen in mindestens gleicher Höhe beteiligen. Oder eine Person oder ein Unternehmen stellen
eine bestimmte Geldsumme oder einen Fonds zur Verfügung und sagen zu, jede Zustiftung
durch eine eigene Zustiftung solange aus dem Fonds zu verdoppeln, bis dieser aufgebraucht
ist. Selbstverständlich können auch Spenden „gematcht“ werden, beispielsweise, um bestimmte Förderungen möglichst schnell zu realisieren. Zweckgebundene Zustiftungen werden
i.d.R. nicht durch einen Matching Fund der Bürgerstiftung vervielfacht.
Ein Matching Fund ist ein klassisches Instrument des Fundraising und kann dazu
beitragen, eine psychologische Schwelle zu überwinden. Viele Menschen sind bereit, sich zu
engagieren, möchten aber nicht den Anfang machen, sondern warten ab, ob sich noch andere
Zustifter finden. Der Volksmund sagt zu diesem Phänomen: „Geld kommt zu Geld“. Bereits
Zustifter gewonnen zu haben, wird von potentiellen weiteren Zustiftern als Qualitätsmerkmal gewertet. Wenn andere etwas geben, ist es bestimmt eine gute Sache, wird gefolgert.
Zustiftungen Juristisch formuliert, sind Zustiftungen Zuwendungen (steuerrechtlicher
Begriff), die zur Aufstockung des Stiftungsvermögens bestimmt sind. Zustiftungen können
durch Rechtsgeschäft unter Lebenden oder von Todes wegen (durch Testament oder Erbvertrag) erfolgen. Sie sind also nachträgliche Erhöhungen des Stiftungskapitals einer Bürgerstiftung. Das Geld einer Zustiftung kann daher nicht zur Förderung von Projekten eingesetzt
werden, sondern nur die Erträge aus der Anlage des Stiftungsvermögens. Umgangssprachlich spricht man meist von einer Zustiftung, wenn diese nicht zweckgebunden ist. Zweckge-

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Steuervorteile für Spender,
Stifter und Stiftungen
Allgemeiner Spendenabzug
Spenden können bis zur Höhe
von 5 vom Hundert des
Gesamtbetrags der Einkünfte
(Einkommenssteuer), des
Einkommens (Körperschaftssteuer) bzw. des Gewinns (Gewerbesteuer) steuermindernd
abgesetzt werden. Für wissenschaftliche, mildtätige und
als besonders förderungswürdig anerkannte kulturelle
Zwecke erhöht sich der Vomhundertsatz von 5 auf 10.
Bei Unternehmen mit Einkünften aus Land- und Forstwirtschaft, aus Gewerbebetrieb oder aus selbständiger
Arbeit können Spenden bis
zur Höhe von 2 vom Tausend
der Summe der gesamten
Umsätze und der im Kalenderjahr aufgewendeten Löhne
und Gehälter steuermindernd
abgesetzt werden.
Zusätzlicher Abzug bei
Stiftungen
Natürliche Personen (EStG)
und Körperschaften (KStG)
können bis zu 20.450 Euro
zusätzlich jährlich steuermindernd als Sonderausgaben geltend machen, wenn der
Zuwendungsempfänger eine
gemeinnützige Stiftung ist.
Ausgenommen von dieser
Regelung sind Stiftungen, die
Zwecke des § 52 Abs. 2 Nr.
4 AO fördern (z.B. traditionelles Brauchtum, Pflanzenzucht u.ä.).
Großspendenregelung
Übersteigt eine Einzelzuwendung zur Förderung wissenschaftlicher, mildtätiger oder
als besonders förderungswürdig anerkannter kultureller
Zwecke die Summe von
25.565 Euro, so kann sie
im Rahmen der Höchstsätze
bei der Einkommenssteuer
(bzw. Körperschaftssteuer,
Gewerbesteuer) verteilt auf
insgesamt 7 Jahre abgezogen
werden.
Neugründung einer Stiftung
Natürliche Personen (EStG),
Einzelunternehmen und Personengesellschaften können
anlässlich der Neugründung
einer Stiftung einmalig einen

10 SCHRITTE FÜR EIN ERFOLGREICHES FUNDRAISING

Buchwertprivileg
Das Buchwertprivileg gilt für
den Fall, dass die Zuwendung unmittelbar aus dem
Betriebsvermögen des spendenden Unternehmens
stammt. In diesem Fall kann
das Wirtschaftsgut abweichend vom Teilwert auch mit
dem Buchwert entnommen
werden. Dies hat den Vorteil,
dass etwaige entstandene
Wertsteigerungen, die stillen
Reserven, nicht erfasst werden. Dadurch können Einkommens-, Körperschaftsund Gewerbesteuer gespart
werden.
Erbschaften
Erben sowie die Empfänger
von Schenkungen sind von
der Erbschafts- bzw. Schenkungssteuer befreit, wenn sie
innerhalb von 24 Monaten
die ererbten oder geschenkten
Vermögensgegenstände auf
eine Stiftung übertragen. Gemeinnützige Stiftungen mit
steuerbegünstigten Zwecken
im Sinne der AO brauchen
für diese Vermögenswerte
ebenfalls keine Steuer zu entrichten. Ausgenommen von
dieser Regelung sind Stiftungen, die Zwecke des § 52
Abs. 2 Nr. 4 AO fördern.

Ein Beispiel aus der Praxis

bundene Zustiftungen werden i.d.R. als Unterstiftungen oder Stiftungsfonds bezeichnet.
Unterstiftungen Unterstiftungen entstehen durch zweckgebundene Zuwendungen
(steuerrechtlicher Begriff). Als sogenannte unselbständige Stiftungen unter dem Dach der
Bürgerstiftung treten sie wie eigene Stiftungen auf (Unterstiftung bezeichnet keine Entscheidungshierarchie). Die Unterstiftungen können den Namen des Stifters tragen und die
von ihm bestimmten Stiftungsziele verfolgen. Unterstiftungen können eigene Entscheidungsgremien haben und besitzen eine eigene Satzung. Die Außenvertretung (Rechtsfähigkeit) wird durch einen Treuhändervertrag mit der Bürgerstiftung geregelt, die auch die administrativen Verwaltungsaufgaben der Unterstiftung übernimmt. Unselbständige Stiftungen
sind nicht anerkennungspflichtig. Die meisten Bürgerstiftungen sehen die Einrichtung einer
Unterstiftung ab einer Zustiftung von 25.000 Euro bzw. 50.000 Euro vor. Auch hier gilt:
Nur die Erträge des angelegten Stiftungsvermögens können zur Projektförderung verwendet werden.
Stiftungsfonds Die „kleine Schwester“ der Unterstiftung ist der Stiftungsfonds. Auch er
ist eine zweckgebundene Zustiftung, jedoch keine unselbständige Stiftung. Der Zustifter kann
Namen und Zweck des Stiftungsfonds bestimmen, das Geld wandert jedoch ins Stiftungskapital der Bürgerstiftung und wird als Teil dieses Vermögens verwaltet. Die Erträge werden entsprechend der Fondshöhe berechnet. Während eine Unterstiftung (unselbständige
Stiftung) auch andere Ziele als die der Bürgerstiftung verfolgen kann, geht dies beim Stiftungsfonds nicht. Stiftungsfonds kann man, wie z.B. bei der Bürgerstiftung Dresden, oft
bereits ab 5.000 Euro einrichten. Allerdings sind hier die Erträge dementsprechend gering.
Vermächtnisse Vermächtnisse haben in der Stiftungsgeschichte eine lange Tradition,
doch wird das Bemühen um testamentarische Berücksichtigung heute vielfach als etwas
„Anrüchiges“ betrachtet. Gemeinnützige Organisationen haben die Sorge, der „Erbschleicherei“ bezichtigt zu werden. Die Nachkommen befürchten, sie könnten um ihr Erbe gebracht
werden. Dabei gewinnen Testamentspenden (auch als Zustiftung) zunehmend an Bedeutung, denn die privaten Haushalte verfügen über erhebliches Vermögen, das durch die demographische Entwicklung der Gesellschaft immer weniger zur materiellen Absicherung
der Nachkommen eingesetzt werden muss.
Wenn man bestimmte Grundregeln beachtet, sind Testamentspenden sowohl für den
Spender als auch die gemeinnützige Organisation eine nützliche Sache. Einigkeit besteht
bei den meisten Fundraisern darüber, mögliche Testamentspender nicht direkt anzusprechen. Vielmehr muss die betreffende Zielgruppe über die Möglichkeiten der Testamentspende
seriös informiert werden. Hier können z.B. Notare, denen man entsprechendes Informationsmaterial zur Verfügung stellt, wichtige Multiplikatoren sein. Auch Veranstaltungen zum
Thema „Erben“ sind geeignet, um sowohl über die rechtlichen und steuerrechtlichen Aspekte als auch über die Möglichkeit, gemeinnützige Organisationen testamentarisch zu bedenken, zu informieren.

Das GUTE Los der Lingener Bürgerstiftung
Die Lingener Bürgerstiftung entwickelte mit dem
GUTEN Los ein innovatives Instrument zur Erhöhung ihres Stiftungsvermögens. Der Erlös der Lotterie kam nicht nur der Bürgerstiftung, sondern auch
einer großen Anzahl von Initiativen vor Ort zugute.
Die Lose zum Preis von 1,– Euro wurden in Schulen,
Geschäften und Vereinen in ganz Lingen verkauft.
Aufgrund attraktiver Preise konnten in der Stadt mit
knapp 56.000 Einwohnern 175.000 Lose verkauft
werden. Vom Reinerlös – 50 % der eingenommenen
Summe, von der auch Steuern und Preise gezahlt

........

Betrag von 307.000 Euro –
über die schon als Sonderausgaben berücksichtigten Zuwendungen hinaus – geltend
machen. Dies gilt für Zuwendungen bis zum Ablauf eines
Jahres nach Gründung der
Stiftung. Der Betrag kann
auf Antrag des Steuerpflichtigen/Zuwendungsgebers im
Jahr der Zuwendung und in
den folgenden neun Kalenderjahren steuerlich geltend
gemacht werden.

werden mussten – gingen 30 % an beinahe 100 zuvor ausgewählte gemeinnützige Projekte und Vereine; 20 % wanderten ins Stiftungskapital der Lingener Bürgerstiftung. Das Risiko hatte die Lingener
Bürgerstiftung im Vorhinein dadurch gemindert,
dass sie ortsansässige Unternehmer überzeugt hatte,
einem eigens gegründeten Förderverein beizutreten
und so für einen möglichen Gewinnausfall zu bürgen. Die Lotterie war jedoch ein voller Erfolg und
brachte der Bürgerstiftung nicht nur einen finanziellen Zugewinn, sondern bestärkte auch ihr positives
Image in der Öffentlichkeit.

19

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Gute Taten –
Spenden und Dauerspenden
„Dem Geld darf man nicht nachlaufen. Man muss ihm
entgegengehen.“

Neben Erträgen aus dem Stiftungskapital sind Spenden eine wichtige Einnahmequelle von Bürgerstiftungen. Spenden ermöglichen es gerade zu
Beginn der Tätigkeit einer Bürgerstiftung, dass sie ihre Arbeit aufnehmen
und sich gegenüber weiteren Zustiftern und Spendern profilieren kann.
Gleichzeitig ist das Einwerben von Spenden durch Kampagnen und Events
auch immer eine Maßnahme der Öffentlichkeitsarbeit und sollte dementsprechend durchgeführt werden.

........

Steuerrechtlich gesehen sind Spenden Zuwendungen zur zeitnahen Verwendung. Zeitnah
bedeutet, dass die in einem Geschäftsjahr zugeflossenen Mittel im Laufe des folgenden
Jahres für die steuerbegünstigten Zwecke tatsächlich verwendet werden müssen. Die Gelder
(oder Sachen) kommen vollständig den geförderten Projekten zugute oder können auch für
die Arbeit der Bürgerstiftung (Geschäftsstelle, Publikationen etc.) eingesetzt werden.
Unternehmen und Spenden Aus den Erfahrungen der Vergangenheit weiß man, dass
Unternehmen eher bereit sind, zu spenden als zu stiften. Dies liegt häufig an den begrenzt
zur Verfügung stehenden finanziellen Möglichkeiten bei kleineren und mittleren Firmen
und Betrieben sowie an den mit einer Stiftungsgründung verbundenen formalen Anforderungen der Gründung und Anerkennung einer Stiftung. Hier bieten die Bürgerstiftungen
mit der Möglichkeit der Unterstiftung eine sehr gute Alternative.
Vielfach setzen Unternehmen Spenden als Marketinginstrument ein, um öffentliche
Aufmerksamkeit zu erreichen. Wenn öffentliche Aufmerksamkeit das Ziel ist, lässt sich diese
besser und kurzfristiger durch die Förderung konkreter Einzelmaßnahmen, z.B. bestimmter
Projekte der Bürgerstiftung, realisieren. Ein allgemeines Engagement für eine Bürgerstiftung
hingegen ist nicht leicht zu kommunizieren, wenn dieses Engagement nicht sehr gut zur
Unternehmenskultur und -strategie passt.
Spenden anlässlich von Ereignissen Konkrete Gelegenheiten, an die Bürgerstiftung zu
spenden, gibt es für Privatpersonen, Unternehmen, Vereine oder auch die Stadt genug. Ob
Firmenjubiläum, Weihnachtsfeier, Goldene Hochzeit, Stadtfest oder runder Geburtstag, viele
Ereignisse bieten einen Anlass, auch für andere Menschen etwas zu tun und die Arbeit der
Bürgerstiftung durch eine Spende zu unterstützen. Gehen die Mitglieder der Bürgerstiftungsgremien mit gutem Beispiel voran, fällt es sicher auch leichter, andere darum zu bitten.
Vermeiden Sie aber generelle Spendenaufrufe zur Weihnachtszeit, da gerade zu dieser Zeit
sämtliche wohltätige Organisationen um Spenden bitten und die Gefahr besteht, dass man
einer unter vielen ist und dadurch leicht übersehen wird.
Spenden-Events Benefizveranstaltungen sind die klassischen Fundraising-Events. Der
Begriff „Event“ betont schon den besonderen Erlebnischarakter solcher Aktionen. Die damit
verbundene Arbeit und Vorbereitungszeit ist nicht zu unterschätzen, dennoch ist ein Fundraising-Event eine hervorragende Form der Öffentlichkeitsarbeit. Hinzu kommt, dass man
diese Aktion nicht unbedingt selbst organisieren muss, sondern sich Partner suchen kann,
denen der Werbeeffekt ebenfalls zugute kommt. Auch hier gilt es, eine Zielgruppe richtig
anzusprechen. „Der Wurm muss dem Fisch schmecken und nicht dem Angler“, sagt der
Volksmund, und das gilt auch für den Fundraising-Event. Dies kann z.B. ein Golfturnier der
örtlichen Unternehmer zugunsten der Bürgerstiftung sein, wobei die Teilnahme einer bekannten Persönlichkeit aus Sport, Kultur, Politik oder Wirtschaft dem Turnier einen beson-

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10 SCHRITTE FÜR EIN ERFOLGREICHES FUNDRAISING

deren Erlebnischarakter verleiht. Andere Möglichkeiten sind Theateraufführungen, Lesungen, Fußballturniere oder Konzerte. Viele Menschen sind bereit, zugunsten einer guten
Sache auf ein Honorar zu verzichten oder höhere Eintrittspreise und Teilnahmegebühren zu
zahlen. Vergessen Sie aber nicht, dass die entstehenden Kosten gedeckt werden müssen, es
sei denn, Sie bekommen Essen, Räumlichkeiten usw. gespendet. Der Kreativität und dem
Ideenreichtum sind keine Grenzen gesetzt. Je mehr man sich von den üblichen Veranstaltungen unterscheidet, desto größer ist die Chance, in der Öffentlichkeit wahrgenommen und
beachtet zu werden.
Sachspenden und Dienstleistungen Gerade kleine und mittlere Unternehmen sind
häufig bereit, sich durch Sachspenden oder Dienstleistungen (Wartung der Computer, Gestaltung der Website, Druck der Flyer, mietfreie Überlassung von Räumlichkeiten) zu engagieren. Aber: „Auch einem geschenkten Gaul guckt man ins Maul“. Sachspenden sollen der
Sache dienen und nutzbringend für die Bürgerstiftung einsetzbar sein. Sonst ist die Zuwendung nicht nur kostenlos, sondern auch noch umsonst. Für Sachspenden kann man natürlich auch eine Spendenbescheinigungen (normalerweise zum Zeitwert) ausstellen.
Dauerspenden Um die Menschen stärker an die Bürgerstiftung zu binden, bietet sich
die Möglichkeit einer „Fördermitgliedschaft“ an. Fördermitglieder sind im Grunde genommen
Dauerspender für einen gewissen Zeitraum, die aber keinen Einfluss auf Entscheidungen
der Bürgerstiftungsgremien nehmen können und wollen. Die Zuwendungen fließen jedoch
kontinuierlich und können besser eingeplant werden.
Die Stadt Stiftung Gütersloh bietet hier zwei verschiedene Möglichkeiten: Mitglied
des Freundeskreises der Stadt Stiftung kann man mit einem Jahresbeitrag ab 50 Euro werden und so die Projekte der Stadt Stiftung Gütersloh kontinuierlich unterstützen. Eher an
die örtlichen Unternehmen richtet sich die Patenschaft. Hier können Unternehmen, Betriebe, Praxen, Kanzleien oder Privatpersonen die Projekte der Stadt Stiftung Gütersloh durch
eine goldene, silberne oder bronzene Patenschaft für 2.500 Euro, 1.250 Euro oder 500 Euro
pro Jahr fördern.

Braunschweiger Bürger Brunch
Eine öffentlichkeitswirksame Idee zum Einwerben
von Spenden setzt die Bürgerstiftung Braunschweig
um, die alle zwei Jahre den Braunschweiger Bürger
Brunch organisiert, bei dem Einwohner und Besucher an einer beinahe zwei Kilometer langen Tafel
in der Innenstadt ein geselliges Frühstück abhalten.
Gegen eine Spende ab 30 Euro kann eine der 1.000
Bierzeltgarnituren in der Braunschweiger Fußgängerzone gemietet werden. Der Erlös von 43.000 Euro
kam im Jahr 2005 zwei Projekten der Bürgerstiftung
Braunschweig zugute, der Leseförderung an Grundschulen und „Kinderfaustlos“, einem Projekt zur Gewaltprävention in Kindergärten.

........

Beispiele aus der Praxis

Die Aktion Bürgerstein der Wiesbaden Stiftung
Die Wiesbaden Stiftung startete im Jahr 2004 die
„Aktion Bürgerstein“ zur Restaurierung der historischen Wappeninsel vor dem Wiesbadener Rathaus.
Um die Restaurierung zu finanzieren, konnten sich
Bürger gegen eine Spende von 1.000 Euro (Firmen
2.500 Euro) mit einem „Bürgerstein“ – einem Pflasterstein im Format von ca. 9 x 14 Zentimetern – auf
der Wappeninsel verewigen. Die „Grundsteinlegung“
wurde festlich begangen: Jeder Spender erhielt eine
Urkunde und legte seinen Stein in den Kreis unter
einen der Kandelaber auf der Wappeninsel.

21

9

Gemeinsam mehr erreichen –
Stifterbindung
„Alles Große in unserer Welt geschieht nur,
weil jemand mehr tut, als er muss.“

Eine Bürgerstiftung ist eine Gemeinschaft von Stiftern, die nicht nur
Geldgeber sind, sondern die Bürgerstiftungsidee erst lebendig machen. Zufriedene Stifter sind auch die besten Multiplikatoren einer Bürgerstiftung.
Tragen Sie daher zu einer lebendigen Stiftungskultur und Anerkennungskultur bürgerschaftlichen Engagements bei.

........

„Danke“ sagen ist wohl das Wichtigste bei der Betreuung der Stifter und Spender. Niemand
muss stiften oder spenden, und die Gründung oder Mitwirkung an einer Bürgerstiftung ist
kein Steuersparmodell. Auch wenn Stiften sicher nicht nur reiner Edelmut ist, sondern auch
Selbstverwirklichung, gehört die Anerkennung des Engagements zu den wichtigsten Grundsätzen. Fundraising ist auch und vor allem Beziehungsmanagement – denn Menschen
spenden für Menschen und nicht für Institutionen.
Anerkennungskultur Die Anerkennungskultur beginnt mit kleinen Details. Eine
schriftliche Danksagung möglichst unmittelbar nach Eingang der Stiftung oder Spende ist
angemessen. Der Zeitrahmen sollte eine Woche nicht überschreiten, denn in dieser Zeit empfindet der Stifter/Spender verstärkt das Gefühl, etwas Gutes getan zu haben. Außerdem
kann so der Eingang der Spende oder Stiftung bestätigt werden. Dass man dazu keinen
schlecht kopierten Standardbrief mit dem Zusatz „ohne Unterschrift gültig“ verwendet, versteht sich eigentlich von selbst. Danksagungen bei kleineren Zuwendungen können vom
Geschäftsführer unterschrieben werden, mittlere Spenden oder Zustiftungen vom Vorstand,
während bei größeren Zuwendungen Vorstands- und Kuratoriumsvorsitzender unterschreiben. Dies bedeutet keine Hierarchisierung in dem Sinne, dass kleinere Beträge weniger wert
sind als größere. Eine Unterscheidung ist aber sinnvoll und üblich.
Neben den Danksagungen muss die Information der Stifter und Spender einen hohen
Stellenwert einnehmen, denn sie haben einen Anspruch darauf, zu erfahren, wie und wofür
ihre Gelder Verwendung finden. Die beste Anerkennung ist zwar eine sinnvolle Verwendung der Mittel durch die Bürgerstiftung – aber Stifter und Spender müssen von Ihrer Arbeit auch wissen. Berichten Sie also per E-Mail, per Post oder bei Veranstaltungen über
konkrete Projekte, die Sie fördern oder selbst durchführen.
Stifterversammlung oder „Freunde der Bürgerstiftung“ Viele Satzungen von Bürgerstiftungen in Deutschland (auch unsere Mustersatzung) sehen als Organ der Bürgerstiftung
eine Stifterversammlung vor. Ein wesentlicher Zweck einer solchen Stifterversammlung ist
es, den langfristigen oder dauerhaften Kontakt zu Stiftern und Spendern zu halten und Anreize für weitere Zuwendungen zu geben. Ferner kann man der Stifterversammlung auch
bestimmte Entscheidungs- und Mitwirkungsrechte übertragen.
Einige Bürgerstiftungen verzichten auf solch ein Gremium, teilweise, weil die Stiftungsaufsicht hier Bedenken gegen eine zu große Entscheidungskompetenz dieses Organs
hat, teilweise auch aufgrund einer anderen Strategie der Stifterbindung. Der dauerhafte
Kontakt zu Spendern und Stiftern, (zu Ideengebern, ehrenamtlich Aktiven usw.) kann auch
anders organisiert werden. Alle Mitwirkenden einer Bürgerstiftung können beispielsweise
als „Freunde der Bürgerstiftung“ regelmäßig informiert (Rundbrief, Jahresbericht) und jährlich zu einer Veranstaltung oder Jahresfeier eingeladen werden.

22

Literatur
Marita Haibach: „Fundraising – die Kunst Spender
und Sponsoren zu gewinnen“, in: Nährlich, Stefan;
Zimmer, Annette (Hrsg.):
Management in NonprofitOrganisationen. Eine praxisorientierte Einführung. Bürgerschaftliches Engagement
und Nonprofit-Sektor · Bd.
2, Verlag Leske + Budrich
2000

10 SCHRITTE FÜR EIN ERFOLGREICHES FUNDRAISING

Würdigung der Stifter Das Engagement der Stifter öffentlich zu würdigen dient nicht
nur dazu, dauerhaft an die Stifter zu erinnern, sondern macht sie auch in der Öffentlichkeit
bekannt und trägt durch das gute Beispiel zur Nachahmung bei. Einige Bürgerstiftungen
pflanzen Stifterbäume, führen Stifterbücher (wie das„Goldene Buch“ einer Stadt) oder erinnern durch Stiftertafeln an öffentlichen Plätzen an ihre Stifter.
Die Würdigung der Stifter ist zugleich eine gute Werbung für die Bürgerstiftung. Für
die Bürgerstiftung Dresden werben deren Stifter durch Anzeigen in der Presse, für die Stadt
Stiftung Gütersloh zeigen die Paten der Stiftungsprojekte durch Urkunden in ihren Geschäftsräumen, Kanzleien und Büros ihr Engagement für die Stadt Stiftung.
Aktive, Multiplikatoren, Freunde Geld allein macht nicht glücklich. Bürgerstiftungen
brauchen nicht nur finanzielle Unterstützung durch Stifter und Spender. Sie sind ebenso
auf die aktive ehrenamtliche Mitarbeit in Gremien, Arbeitsgruppen oder Projekten angewiesen. Viele Menschen unterstützen die Bürgerstiftungen durch gute Ideen und Ratschläge,
Kontakte und Wissen oder finden einfach die Idee der Bürgerstiftung sympathisch und erzählen es weiter. Bemühen Sie sich also um Ihre Unterstützer und finden Sie Möglichkeiten,
auch das Engagement Ihrer ehrenamtlich Aktiven zu würdigen. Denn ob bezahlter Job oder
freiwilliges Engagement – die Anerkennung der eigenen Arbeit ist für die meisten Menschen
eine wichtige Sache.
Seien es Feste, Ausflüge oder Projektreisen, Erfahrungsaustausch oder Geburtstagsglückwünsche, bei der Wahl der Anerkennungsform ist entscheidend, ob sie bei den Ehrenamtlichen als Anerkennung ankommt. Welche Form man auch wählt, von der Ehrennadel
über die Urkunde bis zum gemeinsamen Fest, man sollte dabei bedenken, dass derartige
Aufmerksamkeiten unangenehme Alltagserfahrungen nicht wettmachen können. Und auch,
ob eine Anerkennung ehrlich gemeint oder nur eine professionelle Pflichtübung ist, merken
die meisten Menschen ziemlich schnell. Die Anerkennung ersetzt nicht ein möglichst professionelles Freiwilligenmanagement – sie ist lediglich die Belohnung für das Engagement
und bestärkt die Motivation und Freude an der ehrenamtlichen Tätigkeit.

Bürgermahl und Sommerfest für Stifter im Landkreis
Nienburg
Die Bürgerstiftung im Landkreis Nienburg widmet
ihren Stiftern und Freunden zwei Veranstaltungen.
Seit 2002 organisiert die Bürgerstiftung jährlich ein
Bürgermahl. Bei dem Stifter-Event im historischen
Rathaussaal der Weserstadt werden die Ideen und
Projekte der Stiftung vorgestellt und aktiv neue Stifter geworben. Ziel ist es, die Bürger vor Ort zu
wohltätigem Handeln zu motivieren und der Bürgerstiftung jährlich eine feste Einnahmeposition zu
garantieren. Beim Bürgermahl kommen etwa 17.000
Euro an Spenden für laufende Projekte zusammen.
Alle zwei Jahre veranstaltet die Bürgerstiftung ein
Sommerfest für Stifter, Spender und Freunde. Die
geförderten Gruppen stellen ihre Projekte vor, es
werden Kontakte zu Ehrenamtlichen geknüpft und
Förderer für neue Vorhaben gewonnen. Bei diesen
Events erhalten die Geldgeber und die Engagierten
Einblick in die Arbeit der Stiftung und werden
gleichzeitig durch die persönliche Ansprache enger
an die Stiftung gebunden.

........

Beispiele aus der Praxis

Ehrenamtspass der Bürgerstiftung Dresden
Die Bürgerstiftung Dresden würdigt ihre Aktiven
nicht nur symbolisch, sondern bietet ihnen auch
handfeste Vorteile. So wurden im Jahr 2002 erstmals 1.500 besonders engagierte Dresdner Ehrenamtliche von der Landeshauptstadt Dresden und der
Bürgerstiftung mit dem so genannten Ehrenamtspass ausgezeichnet. Die Bürgerstiftung konnte über
150 Vergünstigungen im Gesamtwert von mehr als
100.000 Euro für die Inhaber des Ehrenamtspasses
einwerben. Hierzu gehörten vergünstigte Fahrkarten
für öffentliche Verkehrsmittel und ermäßigter Eintritt für Oper, Kino, Fitnesscenter oder Fußballspiel.

23

10

Kurzübersicht Bürgerstiftungen

1. Was charakterisiert Bürgerstiftungen?
• Unabhängige Stiftungen von Bürgern für
Bürger
• Mehrere Stifter, viele Stiftungszwecke
• Lokaler, regionaler Wirkungsbereich
• Langfristiger Aufbau des Stiftungskapitals
• Förderung von gemeinnützigem Engagement

4. Wie werden Bürgerstiftungen organisiert?
• Stiftungsvorstand: Vertritt die Bürgerstiftung nach außen, gesetzlich vorgeschriebenes Organ
• Geschäftsführung: ehrenamtlich/hauptamtlich, wird durch Vorstand eingesetzt
• Stiftungskuratorium: Aufsichtsgremium
des Vorstandes, repräsentatives Gremium,
Persönlichkeiten der Region
• Stifterversammlung: Gremium der Stifter/Zustifter, keine Mitgliederversammlung, Einrichtung optional
• Arbeitskreise bzw. Ausschüsse: Keine Organe der Bürgerstiftung, werden meist
für Fundraising, Öffentlichkeitsarbeit und
Projektförderung gebildet
• Schirmherrschaft: z.B. Oberbürgermeister –
Verbundenheit mit der Stadt zeigen

2. Was machen Bürgerstiftungen?
• Bürgerstiftungen erschließen Ressourcen
(Zustiftungen, Unterstiftungen, Spenden)
• Bürgerstiftungen sind Dienstleistungsagenturen (sie informieren und beraten
Stifter und Spender)
• Bürgerstiftungen sind Fördergeber und
Projektträger (sie fördern örtliche Vereine
und Initiativen oder führen eigene Projekte durch)
• Bürgerstiftungen sind Sprachrohr und Katalysator des Gemeinwesens (sie stärken
Bürgerengagement vor Ort)

5. Schritte zur Gründung einer Bürgerstiftung
• Antrag auf Anerkennung bei der Stiftungsaufsicht (Bezirksregierung, Regierungspräsidium) mit Formular „Stiftungsgeschäft“
und Stiftungssatzung (Mustersatzung kann
bei der Aktiven Bürgerschaft angefordert
werden)
• Satzungsentwurf bereits vorab mit der
Stiftungsaufsicht besprechen, ebenso mit
dem örtlichen Finanzamt wg. der Gemeinnützigkeit
• Mindestkapital: 50.000 Euro

3. Wie werden Bürgerstiftungen finanziert?
• Stiften: Erstausstattung des Vermögens
einer Bürgerstiftung
• Zustiften: nachträgliche Erhöhungen des
Stiftungsvermögens
• Unterstiftungen: rechtlich unselbständige
Stiftungen unter dem Dach der Bürgerstiftung mit eigenem Stiftungszweck, Namen, Entscheidung über Mittelverwendung
• Spenden: gehen nicht im Stiftungsvermögen auf, sondern können vollständig und
zeitnah verbraucht werden
• Matching Fund: Anreizinstrument, um
weitere Zustifter zu gewinnen (Zustiftungen werden bis zu einem bestimmten Betrag verdoppelt)
• Stiftungsvermögen muss erhalten bleiben,
die Arbeit der Stiftung wird durch Erträge
(ca. 5 %) des Stiftungskapitals und Spenden finanziert

........

6. Was muss man beachten?
• Die „richtigen“ Leute finden (für Vorstand,
Kuratorium, Arbeitskreise und aktives Engagement werden verschiedene Fähigkeiten und Kompetenzen gebraucht)
• Gute Arbeit leisten und einfallsreiche
Öffentlichkeitsarbeit machen (Ziele der
Bürgerstiftung über konkrete und gute
Projekte vermitteln)
• Keine aktiven Politiker in Entscheidungsgremien der Bürgerstiftung (siehe Schirmherrschaft)
• Nicht gegen Vereine und Engagierte vor
Ort arbeiten

24

Erfolgsgeschichte in den USA
1914 wurde die erste Bürgerstiftung gegründet. Heute gibt
es über 700 Bürgerstiftungen
mit einem Kapital von mehr
als 39 Mrd. US-Dollar.
Die ersten Bürgerstiftungen in
Deutschland wurden 1996/97
in Gütersloh und Hannover
gegründet.
Über 135 Bürgerstiftungen
und viele Gründungsinitiativen
wurden Anfang 2006 in
Deutschland gezählt.
Volksbanken Raiffeisenbanken
sind kompetente Initiatoren
und Partner von Bürgerstiftungen.
27% der Deutschen können
sich vorstellen, mit anderen
eine Stiftung zu gründen.
Bis zu 2,2 Billionen Euro werden in diesem Jahrzehnt vererbt, ein großer Teil an gemeinnützige Organisationen.

ANHANG

Literatur
Neu erschienen
Nährlich, Stefan; Strachwitz, Rupert Graf; Hinterhuber, Eva

Die Autoren des Bandes gehen der Frage nach, ob und in-

Maria; Müller, Karin (Hrsg.): Bürgerstiftungen in Deutschland

wieweit das angelsächsische Modell erfolgreich in Deutsch-

– Bilanz und Perspektiven. VS Verlag für Sozialwissenschaf-

land eingeführt, angepasst und weiterentwickelt wurde. Es

ten, Wiesbaden 2005. 332 Seiten; 34,90 Euro, ISBN: 3-531-

wird die historische Tradition von Bürgerstiftungen in

14601-7

Deutschland dargestellt, der rechtliche Rahmen ausgelotet

Der Band untersucht die Entwicklung der Bürgerstiftungen in

und eine Kontextualisierung in Bezug auf Staat, Wirtschaft

Deutschland. Fast zehn Jahre nach dem „Import" von Idee

und Zivilgesellschaft vorgenommen. Zudem werden die euro-

und Konzept der Community Foundation aus den USA

päischen und internationalen Entwicklungen betrachtet. Dem

scheint die erste Entwicklungsphase abgeschlossen zu sein.

Band beigegeben ist ein ausführliches Literaturverzeichnis.

Literatur
Amadeu Antonio Stiftung (Hrsg.): Bürgerstiftungen für demo-

Vermögensaufbau, Verhältnis zum Staat und der Eignung als

kratische Kultur. Beispiele zivilgesellschaftlichen Engage-

Instrument für einen Ausbau der bürgerschaftlichen Partizi-

ments in Ostdeutschland. Eigenverlag, Berlin 2005. 48 Seiten;

pation.

5,00 Euro (zu bestellen über info@amadeu-antonio-stiftung.de)
Die Broschüre stellt ostdeutsche Bürgerstiftungen vor, disku-

Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisen-

tiert die spezifischen Herausforderungen und Möglichkeiten

banken BVR (Hrsg.): Vereine und Bürgerstiftungen managen.

für Bürgerstiftungen in Ostdeutschland sowie die Konsequen-

Praxistipps für Engagierte. BVR-Kundenreihe. DG-Verlag,

zen für die tägliche Arbeit. Ein Serviceteil informiert über

Berlin 2003. 128 Seiten, 4,00 Euro (zu bestellen über

Supportorganisationen und Ansprechpartner für Gründungs-

www.bvr.de)

initiativen und bestehende Bürgerstiftungen.

Die Broschüre bietet umfangreiches Praxiswissen für Engagierte, die ihren Verein oder ihre Bürgerstiftung modern und

Becker, Elke; Wolf, André Christian: Stiften findet Stadt. Ei-

effizient organisieren wollen. Themen sind u.a. die Gründung

ne Arbeitshilfe zum Aufbau von Bürgerstiftungen. Stiftung

von Bürgerstiftungen, Fundraising, Freiwilligenmanagement

Mitarbeit, Bonn 1999. Aus der Reihe: Beiträge zur Demokra-

und Öffentlichkeitsarbeit.

tieentwicklung von unten Nr. 15. 115 Seiten; 6,00 Euro,
ISBN 3-928053-63-9 (zur Zeit vergriffen)

Bundesverband Deutscher Stiftungen (Hrsg.): Bürgerstiftun-

Die Publikation informiert über Entwicklungen und Hinter-

gen in Deutschland. Entstehung. Struktur. Projekte. Netzwer-

gründe von Bürgerstiftungen in Deutschland, stellt 21 dieser

ke. Eigenverlag, Berlin 2002. 400 Seiten; 10,00 Euro, ISBN

Stiftungen in kurzen Steckbriefen vor und entwickelt eine

3-927645-70-2

praxisorientierte Arbeitshilfe zum Aufbau von Bürgerstiftungen.

Der Bundesverband Deutscher Stiftungen und sein Arbeitskreis „Bürgerstiftungen" geben der interessierten Öffentlich-

Bertelsmann Stiftung (Hrsg.): Community Foundations in

keit mit diesem Band ein umfangreiches Kompendium zu

Civil Society/Bürgerstiftungen in der Zivilgesellschaft. Verlag

Bürgerstiftungen an die Hand. Es werden Beispiele bereits er-

Bertelsmann Stiftung, Gütersloh 1999. 256 Seiten; 15,00 Eu-

folgter, erfolgreicher und vielversprechender Bürgerstiftungs-

ro, ISBN 3-89204-468-6

errichtungen dargestellt und zusammengefasst sowie verschie-

Das Konzept der „Community Foundation“ ist in Amerika

dene Gründungsinitiativen vorgestellt.

seit über 80 Jahren bewährt, doch hier zu Lande zählte es
lange zu den wenig bekannten Organisationsformen. Der

Hoelscher, Philipp; Hinterhuber, Eva Maria: Von Bürgern für

Band stellt internationale Erfahrungen mit dem Konzept der

Bürger? Bürgerstiftungen in Deutschlands Zivilgesellschaft.

Bürgerstiftung zur Diskussion.

MAECENATA Verlag, Berlin 2005. 118 Seiten; 24,90 Euro,
ISBN 3-935975-46-5

Bertelsmann Stiftung (Hrsg.): Handbuch Bürgerstiftungen.

Die Verlaufsstudie untersucht den Beitrag von Bürgerstiftun-

Ziele, Gründung, Aufbau, Projekte. 2. Auflage. Verlag Bertels-

gen zur Stärkung der Zivilgesellschaft. In Fallstudien wurden

mann Stiftung, Gütersloh 2004. 440 Seiten; 25,00 Euro

sechs Bürgerstiftungen über einen Zeitraum von drei Jahren

ISBN 3-89204-516-X

begleitet und untersucht.

Das „Handbuch Bürgerstiftungen“ bietet sowohl potenziellen
Stiftern als auch engagierten Bürgerinnen und Bürgern um-

Kaper, Aaltje: Bürgerstiftungen. Die Stiftung bürgerlichen

fassende Informationen zu dieser Stiftungsform sowie konkrete

Rechts und die unselbständige Stiftung als Organisations-

Hinweise und Konzepte zum Aufbau und Management einer

form für Bürgerstiftungen. Nomos Verlag, Baden-Baden

Bürgerstiftung.

2006. 304 Seiten; 64,00 Euro, ISBN 3-8329-1585-0
Die rechtswissenschaftliche Abhandlung untersucht die Stif-

Böckel, Martin: Unabhängige Bürgerstiftungen. Wesen, Ent-

tung bürgerlichen Rechts und die unselbstständige Stiftung

stehung und Wirken im kommunalen Umfeld. Verlag Dr. Ko-

als mögliche Organisationsformen. Im Vordergrund stehen

vac, Hamburg 2006. 258 Seiten, 78,00 Euro, ISBN 3-8300-

Rechtsfragen in Hinblick auf die für Bürgerstiftungen typische

2313-8

weite Zwecksetzung und die Besonderheiten ihrer Organisati-

Martin Böckel leitet den Begriff der Bürgerstiftung aus dem

ons- und Vermögensstruktur. Diese Fragen werden praxisbe-

allgemeinen Stiftungsbegriff her und widmet sich dann einzel-

zogen anhand der Satzungen verschiedener Bürgerstiftungen

nen Fragen des Aufbaus und der Tätigkeit von Bürgerstiftun-

erläutert.

........

gen wie der rechtlichen Einordnung, Funktion und Aufgaben,

25

Bürgerstiftung leicht gemacht!
Unsere aktuellen Leistungen im Überblick
Im Jahr 2002 hat die Aktive Bürgerschaft den Arbeitsbereich Bürgerstiftungen geschaffen, um dieses innovative Konzept bürgerschaftlicher
Selbstorganisation zu fördern. Ziel
ist es, die Idee und das Konzept der
Bürgerstiftung in Deutschland bekannter zu machen, die Arbeit bestehender Bürgerstiftungen zu unterstützen und die Gründung von Bürgerstiftungen zu begleiten. Mit
unserem Angebot möchten wir zur
Verbreitung und Professionalisierung
der deutschen Bürgerstiftungen beitragen. Im Folgenden finden Sie einen Überblick über unsere aktuellen
Leistungen für Bürgerstiftungen und
Gründungsinitiativen.

der Bürgerstiftung vor, informiert über die
Arbeit von Bürgerstiftungen und bietet
nützliche Materialien wie z.B. die Publikationsreihe „Praxishilfen für Bürgerstiftungen" und Informationen zum Stiftungsrecht zum kostenlosen Download an.
eMail Newsletter
Der monatliche Newsletter „Aktive Bürgerschaft @ktuell“ berichtet über Bürgerstiftungen, aktuelle Entwicklungen und Themen bürgerschaftlichen Engagements. Alle
Beiträge sind aktuell recherchiert und kompetent aufbereitet. Der „E-Mail-Newsletter"
ist kostenlos zu abonnieren, frühere Ausgaben sind im Internet archiviert und frei
zugänglich.
NEU: Umkreissuche Bürgerstiftungen
Die Aktive Bürgerschaft hat die erste bundesweite „Umkreissuche Bürgerstiftungen“
entwickelt. Diese zeigt potentiellen Stiftern,
Engagierten, der interessierten Öffentlichkeit sowie Journalisten die nächsten Bürgerstiftungen im Umkreis von 30, 50 und
100 Kilometern um eine bestimmte Postleitzahl herum, nennt Ansprechpartner,
Kontaktdaten und verlinkt auf die Internetseite der jeweiligen Bürgerstiftung. Zusätzlich können Bürgerstiftungen nach Bundesländern und Ortsnamen sortiert werden,
s. www.aktive-buergerschaft.de/bsi/service/
bsideutschland

Förderpreis Aktive Bürgerschaft
Engagement lohnt sich: Mit unserem „Förderpreis Aktive Bürgerschaft" prämieren
wir Bürgerstiftungen, die mit wirkungsvollen Ideen und Projekten nachhaltig die Gesellschaft verändern. Ziel des Wettbewerbs
ist es, die Idee der Bürgerstiftung bei Öffentlichkeit und Medien bekannt zu machen und durch gute Beispiele zum Nachahmen anzuregen. Die jährliche Verleihung
des Förderpreises und die Ehrung der
Preisträger findet vor 500 Gästen im Forum der DZ BANK am Brandenburger Tor
in Berlin statt. Nähere Informationen zum
Wettbewerbskonzept, zu aktuellen Ausschreibungen und unseren Preisträgern finden Sie unter www.aktive-buergerschaft.de
in der Rubrik Arbeitsbereiche: Bürgerstiftungen.

Forum Bürgerstiftungen
Sie möchten sich mit anderen Bürgerstiftungen in Ihrer Umgebung oder bundesweit
austauschen? Mit dem „Forum Bürgerstiftungen“ bietet die Aktive Bürgerschaft
Bürgerstiftungen und Gründungsinitiativen
die Gelegenheit zum fachlichen Austausch
und zur Vernetzung. Einmal im Jahr organisieren wir ein bundesweites Forum Bürgerstiftungen in Berlin. Ferner veranstalten
wir regelmäßig regionale Treffen, z.B. das
Forum Ost in Kooperation mit der Amadeu

........

Bürgerstiftungen online
Sie wollen sich rund um das Thema Bürgerstiftungen informieren? Mit www.buergerstiftungen.info hat die Aktive Bürgerschaft ein Informationsportal entwickelt.
Das Web-Angebot stellt Idee und Konzept

26

ANHANG

Antonio Stiftung und das Forum West in
Nordrhein-Westfalen. Aktuelle Informationen finden Sie unter
www.forum-buergerstiftungen.info

ren und die Rahmenbedingungen für ihre
Arbeit zu verbessern. Sie publiziert zum
Thema Bürgerstiftungen und pflegt den
nationalen und internationalen fachlichen
Austausch, z.B. mit den Bürgerstiftungsnetzwerken WINGS und CPI.

Ratgeber für Bürgerstiftungen
Mit der Publikationsreihe „Ratgeber für
Bürgerstiftungen" stellt die Aktive Bürgerschaft praxisrelevante Anleitungen für die
Gründung und die Arbeit von Bürgerstiftungen zur Verfügung. Die ca. 25seitigen
Broschüren stehen auf der Homepage zum
Download zur Verfügung. Folgende Publikationen können Sie über uns beziehen:

Sie wollen vor Ort aktiv werden?
Die Aktive Bürgerschaft berät und unterstützt deutschlandweit Volksbanken und
Raiffeisenbanken in ihrem Engagement für
Bürgerstiftungen. Bürgerstiftungen und
Genossenschaftsbanken passen zusammen:
Beide Organisationen basieren auf Regionalität und Dezentralität, beide Organisationen gehören ihren Mitgliedern, beide
Organisationen funktionieren nach den
Prinzipien der Hilfe zur Selbsthilfe, Selbstverantwortung und Selbstverwaltung.
Die Volksbanken Raiffeisenbanken beteiligen sich an Bürgerstiftungen z.B. finanziell
als Stifter oder Spender, unterstützen Projekte und erhöhen die Anreize für Stifter
durch Matching Funds. Darüber hinaus engagieren sie sich auch durch Sachspenden,
mit ihren Mitarbeitern, ihrem lokalen
Know-how und ihrem Netzwerk aus Firmen- und Privatkunden.
Wenn Sie Kontakt zu Ihrer örtlichen Volksbank Raiffeisenbank aufnehmen und diese
als (Zu-)Stifter und Partner gewinnen
möchten, sprechen Sie uns an!

Heft 1: Wege zu einer Bürgerstiftung - Ein
Leitfaden für Genossenschaftsbanken
Heft 2: Fundraising für Bürgerstiftungen Erfolgreich Stifter, Zustifter und Spender
gewinnen
Heft 3: Förderpreis Aktive Bürgerschaft
2004. Bürgerstiftungen und ihre Projekte
Heft 4: Öffentlichkeitsarbeit für Bürgerstiftungen. Profil schärfen, Aufmerksamkeit
gewinnen, erfolgreich kommunizieren
Heft 5: Finanzmanagement für Bürgerstiftungen (erscheint im Herbst 2006)
Fundraising Workshop
Sie möchten sich weiterbilden? Im Rahmen
des Weiterbildungsprogramms „Man-gO –
Management gemeinnütziger Organisationen“ bietet die Aktive Bürgerschaft ein
Fundraisingseminar speziell für Bürgerstiftungen an.
Bürgerstiftungstage in den Ländern
Maßgeschneiderte Veranstaltungskonzepte
rund um das Thema Bürgerstiftungen entwickelt die Aktive Bürgerschaft für Länder
und Kommunen, bisher z.B. für Bürgerstiftungstage in Kooperation mit den Landesregierungen in Hessen, Rheinland-Pfalz
und Bayern.

........

Öffentlichkeits- und Lobbyarbeit
Die Aktive Bürgerschaft informiert Journalisten, Politik und Wirtschaft regelmäßig
über Bürgerstiftungen und ihre aktuelle
Entwicklung, um das Engagement der Bürgerstiftungen hierzulande zu kommunizie-

27

Aktive Bürgerschaft e.V. –
Kompetenz für Bürgerengagement
Die Aktive Bürgerschaft ist das Kompetenzzentrum für Bürgerengagement
der Volksbanken und Raiffeisenbanken
im genossenschaftlichen FinanzVerbund. Deutschlandweit engagiert sich
die Unternehmensgruppe als Corporate
Citizen für Bürgerstiftungen.

• Ruth Janssen, Schulamtsdirektorin a.D.
• Prof. Dr. Jürgen Kocka, Präsident des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung
(WZB)
• Moritz Krawinkel, Mitglied des Vorstands des
Rheinisch-Westfälischen Genossenschaftsverbandes e.V.
• Manfred Kübler, Vorstandsvorsitzender der

Seit 1997 setzt sich die Aktive Bürgerschaft
für bürgerschaftliche Selbstorganisation und
regionale Verantwortung im Sinne des genossenschaftlichen Grundwertes der „Hilfe
zur Selbsthilfe“ ein. Der Verein gibt Impulse
für eine Gesellschaft aktiver Bürger und engagierter Unternehmen. Namhafte Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Medien und Gesellschaft unterstützen
die Aktive Bürgerschaft als Kuratoren.

Volksbank Halle (Saale) eG
• Peter Müller, Ministerpräsident des Saarlandes
• Dieter Pahlen, Ehemaliger Vorstand der WGZ
BANK AG
• Dieter Philipp, Präsident der Handwerkskammer Aachen und Ehrenpräsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks
• Fritz Pleitgen, Intendant des Westdeutschen
Rundfunks
• Dr. Heribert Prantl, Ressortleiter Innenpolitik
der Süddeutschen Zeitung

DIE MITGLIEDER

DES

K U R AT O R I U M S

• Christa Thoben, Ministerin für Wirtschaft,

• Dr. Christopher Pleister, Präsident des Bundes-

Mittelstand und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen

verbandes der Deutschen Volksbanken und

• Dr. Jörg Twenhöven, Regierungspräsident

Raiffeisenbanken (BVR) (Kuratoriumsvorsit-

Münster

zender Aktive Bürgerschaft e.V.)

• Walter Weinkauf, Präsident des Genossen-

• Werner Böhnke, Vorstandsvorsitzender der

schaftsverbandes Frankfurt e.V. Hessen/Rhein-

WGZ BANK AG (Stellvertretender Kuratori-

land-Pfalz/Saarland/Sachsen/Thüringen

umsvorsitzender Aktive Bürgerschaft e.V.)
• Dr. Jürgen Förterer, Vorstandsvorsitzender der

• Manfred Wortmann, Vorstandsvorsitzender
der Volksbank Hellweg eG

R+V Versicherung AG (bis 30.4.2006) (Stell-

• Prof. Dr. Annette Zimmer, Professorin für So-

vertretender Kuratoriumsvorsitzender Aktive

zialpolitik und Vergleichende Politikwissen-

Bürgerschaft e.V. bis 25.10.2006)

schaft am Institut für Politikwissenschaft der

• Dr. Johannes Beermann, Staatssekretär a.D.

Westfälischen Wilhelms-Universität

(ehem. Bevollmächtigter des Landes Hessen

• Brigitte Zypries, Bundesministerin der Justiz

beim Bund)
• Dr. Paul Albert Deimel, Vorstandsvorsitzender
der Volksbank Helmstedt eG
• Dr. Warnfried Dettling, Publizist und Politikberater
• Andreas Dichtl, Vorstandsvorsitzender der
Volksbank-Raiffeisenbank Berchtesgadener
Land eG
• Andrea Fischer, Mitglied der Geschäftsleitung,
IFOK GmbH - Institut für Organisationskommunikation
• Stephan Götzl, Präsident des Genossenschafts-

........

verbandes Bayern e.V.

28

Die Förderer
• Akademie Deutscher
Genossenschaften ADG
• Bausparkasse Schwäbisch
Hall AG
• Bundesverband der Deutschen Volksbanken und
Raiffeisenbanken (BVR)
• Deutsche GenossenschaftsHypothekenbank AG
• Deutscher Genossenschafts-Verlag eG und
Raiffeisendruckerei
• DZ BANK AG
• Fiducia IT AG
• GAD eG
• Münchener Hypothekenbank eG
• norisbank AG
• R+V Versicherung AG
• Union Asset Management
Holding AG
• VR-LEASING AG
• VR-NetWorld GmbH
• WGZ BANK AG Westdeutsche GenossenschaftsZentralbank
• WL-BANK WESTFÄLISCHE LANDSCHAFT
Bodenkreditbank AG

ANHANG

Ratgeber für Bürgerstiftungen
Öffentlichkeitsarbeit für Bürgerstiftungen
Profil schärfen, Aufmerksamkeit gewinnen,
erfolgreich kommunizieren, Berlin 2004
Dieser Ratgeber bietet eine umfassende Anleitung und wertvolle Tipps, wie Bürgerstiftungen und Gründungsinitiativen sich erfolgreich der Öffentlichkeit präsentieren und
wie sie mehr Menschen in ihrer Stadt oder
Region auf sich aufmerksam machen können.
Der von Claudia Kaminski, Annette
Lentzsch und Ralf Wagner erstellte Ratgeber
gibt wichtige Informationen darüber, wie
die Ideen und Arbeit der Bürgerstiftung
richtig in der Öffentlichkeit präsentiert werden. Er beschreibt, wie der „Ist-Zustand“ erforscht werden kann, zeigt die einzelnen
Planungsschritte und notwendigen Maßnahmen auf und gibt wertvolle Hinweise mit
vielen Beispielen zur Gestaltung.

In dieser Publikationsreihe werden praxisrelevante Anleitungen für die Gründung
und die Arbeit von Bürgerstiftungen gegeben. Die ca. 25-seitigen Broschüren können kostenlos im Internet bzw. gegen 2
Euro Schutzgebühr über die Geschäftsstelle
Aktive Bürgerschaft bezogen werden.
Wege zu einer Bürgerstiftung
Ein Leitfaden für Genossenschaftsbanken,
3. aktualisierte Auflage, Berlin 2004
Die Broschüre zur Gründung von Bürgerstiftungen gibt der Verein Aktive Bürgerschaft bereits in der 3. Auflage heraus. Der
Leitfaden enthält sowohl 18 Schritte, die
bei der Gründung einer Bürgerstiftung zu
beachten sind, als auch eine Mustersatzung. Im Anhang werden Literaturhinweise
und weiterführende Informationen gegeben. Die Broschüre richtet sich vornehmlich an Volksbanken und Raiffeisenbanken,
welche die Gründung einer Bürgerstiftung
initiieren oder unterstützen wollen.

Förderpreis Aktive Bürgerschaft 2004
Bürgerstiftungen und ihre Projekte, Berlin
2005
Seit 2002 vergibt die Aktive Bürgerschaft
ihren Förderpreis an Bürgerstiftungen, um
die Idee der Bürgerstiftung in Deutschland
bekannter zu machen, mit herausragenden
Praxisbeispielen zur Nachahmung anzuregen und neue Gründungsinitiativen zu
unterstützen.
Damit das Engagement der Bürgerstiftungen
Schule macht, erschien anlässlich der Verleihung des Förderpreises am 10.03.2005
diese Broschüre. Im Mittelpunkt stehen die
Preisträger und Nominierten aus den Jahren
2003 und 2004, die anhand ihrer Projekte
porträtiert werden. Außerdem stellt die Broschüre das Konzept des Wettbewerbs und
die Jury vor und informiert über Bürgerstiftungen in Deutschland.

Alle reden über die Bürgergesellschaft –
wir machen sie!
Ergebnisse der Wettbewerbe Förderpreis
Aktive Bürgerschaft 2002 und 2003, Berlin
2004
Seit dem Jahr 2002 schreibt die Aktive
Bürgerschaft ihren Förderpreis für Bürgerstiftungen und Gründungsinitiativen aus,
um diese innovative, nachhaltige Form
bürgerschaftlicher Selbstorganisation zu
unterstützen, sie bekannter zu machen und
neue Initiativen zur Gründung solcher Stiftungen zu fördern.
In dieser Dokumentation der Förderpreise
Aktive Bürgerschaft 2002 und 2003 stellen
wir Ihnen das Konzept des Preises und die
Preisträger beider Jahre vor und bieten Impressionen von der Verleihung des Förderpreises 2002. Darüber hinaus geben wir
Tipps zum Thema „Projekte richtig fördern“ und zeigen Beispiele dafür, wie Ideen
vor Ort konkret umgesetzt werden.

........

Demnächst erscheint:
Finanzmanagement für Bürgerstiftungen
(Herbst 2006)

29

Impressum
HERAUSGEBER
Aktive Bürgerschaft e.V.
Albrechtstraße 22
D-10117 Berlin-Mitte
Tel. (030) 24 000 88-0
Fax (030) 24 000 88-9
info@aktive-buergerschaft.de
www.aktive-buergerschaft.de
V O R S TA N D
Peter Hanker (Vorsitzender)
Kirsten Bradtmöller
(Stellvertretende Vorsitzende)
Rüdiger Adamy
Holger Backhaus-Maul
Roland Drasl
Dr. Alfred Locklair
Roland Vogelmann
GESCHÄFTSFÜHRER
Dr. Stefan Nährlich
L AYO U T
Schauders Werbung
DRUCK
Raiffeisendruckerei GmbH,
Neuwied
A U F L AG E
2.000
Schutzgebühr 2 Euro

©

Verein Aktive Bürgerschaft,
2., aktualisierte und überarbeitete
Auflage, Berlin 2006

Mit freundlicher Unterstützung
der Volksbank Mittelhessen eG.

........

QUELLENANGABEN
„Es gibt nichts Gutes außer:
man tut es.“ (Erich Kästner)
„Ein Geheimnis des Erfolgs ist,
den Standpunkt des anderen zu
verstehen.“ (Henry Ford I)
„Dem Geld darf man nicht nachlaufen. Man muss ihm entgegengehen.“ (Aristoteles Onassis)
„Alles Große in unserer Welt geschieht nur, weil jemand mehr tut,
als er muss.“ (Hermann Gmeiner)

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Albrechtstraße 22
D-10117 Berlin-Mitte
Tel. (030) 24 000 88-0
Fax (030) 24 000 88-9
info@aktive-buergerschaft.de
www.aktive-buergerschaft.de

Aktive Bürgerschaft: Kompetenzzentrum für Bürgerengagement der
Volksbanken Raiffeisenbanken im genossenschaftlichen FinanzVerbund
        
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