Publication:
1917
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-8390063
Path:

Berlin-Niederschöneweide, Berlin-Schmargendorf, Berlin-Steglitz, Berlin-Tempelhof,
Treptow, Wannsee, Zehlendorf.
Durch Verordnung vom 30. Oktober 191«; wurde für die der FettsteUe Groß - Berlin
angehörenden Gemeinden die Milchabgabe entsprechend den Vorschriften des Reichs geregelt.
Die K u n d e n l i st e n traten am 18. Dezember 1916 in Kraft.
Für die Regelung der Milchzufuhr und Verteilung der Milch an die Kleinhändler usw.
war die Bildung eines großen Büros erforderlich, das z. Zt. etwa 350 Angestellte allein für
Milch umfaßt, und das sich in Berlin in einigen Häusern der Poststraße befindet.
Es ist der Fettstelle Groß-Berlin leider nicht immer möglich gewesen, die für die Voll-
milchversorgungsberechtigten erforderliche Milchmenge in gutem Zustande den Kleinhändlern
zuzuführen, da die nach Berlin gelangende Milch hierfür nicht ausreichte. Die nach Groß-
Berlin gelangende Milchmenge ist auf etwa V 3 des Friedensstandes zurückgegangen. Eine
Besserung der Verhältnisse ist nur von einer durchgreifenden Regelung der Produktions
verhältnisse zu erwarten. Die Fettstelle Groß-Berlin hat wiederholt die zuständigen Stellen
auf die immer schwieriger werdenden Verhältnisse hingewiesen, und der Herr Präsident des
Kriegsernährnngsamtes stellte in einem Schreiben an den Herrn Oberbürgermeister Wermuth
durchgreifende Maßnahmen zur Besserung in Aussicht.
E. Butter und Speisefette.
Während die Regelung der Milchversorgung noch im Entstehen begriffen war. wurde im
Februar 1916 eine Einschränkung des Bntterbezuges dadurch zu erreichen
versucht, daß Butter nur gegen Entwertung des Brotkartenmittelstückes verabfolgt werden
durfte. Diese Maßnahme erwies sich als durchaus unzulänglich, da sie die insbesondere
damals vorherrschenden „Butterpolonäsen" in keiner Weise beseitigte. Der bei der Milch
versorgung bereits erwähnte Fettmangel führte dazu, daß bereits im März 1916 eine Ratio
nierung der Butter durch Einführung besonderer Butter karten vorgenommen werden mußte.
Während im Anfang aus die Karten immerhin noch 125 Gramm Butter gegeben werden
konnten, mußte im Laufe des Sommers wiederholt eine weitere Einschränkung dieser Menge
erfolgen, zu gleicher Zeit eine teilweise Ersetzung der Butter durch Margarine. Einführung
der Kundenliste erfolgte am 5. Juni 1916, Ende des Jahres erhielt die Bevölkerung jede
Woche 80 Gramm Fett, und zwar abwechselnd 50/60 Gramm Butter und 30/20 Gramm
Margarine.
Größere Schwierigkeiten bot die Belieferung der Krankenanstalten'
Sanatorien. Gastwirtschaften, Pensionate. Mittelstandsiüchen usw. mit Fett. Diese Betriebe
werden von Mitte Dezember ab durchweg mittelst wöchentlich ausgestellter Bezugsscheine
beliefert, wobei die Menge nach der Personenzahl bezw. nach den verabfolgten Portionen be
messen wird.
F. Eier.
Der bereits zu Beginn des Sommers sich fühlbar machende Mangel an (giern nötigte
dazu, auch für dieses Lebensmittel eine V e r b r a u ch s b e s ch r ä n k u n g einzuführen,
geschah das in der ersten Zeit, wie auch bei der Butter, zunächst durch Sperrmaßnahmen
unter Benutzung der Brot- bezw. Fleischkarte. Jnlandeier unterlagen, im Gegensatz
zu Auslandciern, noch keinen Höchstpreisen und wurden zu immer mehr anziehenden Preisen
abgesetzt. Wie in allen anderen Fällen erwiesen sich die Sperrmaßnahmen als gänzlich unzu
reichend. Da Einführung einer allgemeinen Eierkarte vorerst nicht zu erreichen war, wurde
für Berlin-Wilmersdorf Ende Juli, Anfang August der Verkauf von Auslandeiern unter
gleichzeitiger Abtrennung eines Buchstabens aus dem Bezugsheft für Lebensmittel
geregelt. Durch Kontrolle dieser Abschnitte gelang es, die Eier auch wirklich der Bevölkerung
zukommen zu lassen. Dieser Weg, der sich als durchaus gangbar erwiesen hatte, mußte auf
Einspruch einer Rachbargemeinde verlassen werden.
Vom 1. Oktober ab wurde eine gemeinschaftliche E i e r k a r t e ausgegeben, die
sowohl für ausländische wie auch fiir inländische Eier Geltung hatte. Von Anfang an wurde
hierzu eine K u u d e n l i st e aufgelegt und ein einheitlicher H ö ch st p r e i s festgesetzt.
Den Gemeinden wurde vom Reich ausgegeben, die Regelung auf der Basis: ein Ei pro Woche
und Kopf, durchzuführen. Kurz nach der Ausgabe der Eierkarten wurde diese Bestimmung
dahin abgeändert, daß für 3 Wochen 2 Eier abgegeben werden sollten. Jedoch auch diese
Einschränkung genügte auf die Dauer nicht. Die Belieferung mit Eiern wurde so gering, daß
in den letzten 3 Wochen nur ein Ei pro Kopf abgegeben werden konnte.
Top of page

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.