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Full text: Berliner Industrie in Zahlen Issue 2014/2015

Berliner Industrie in Zahlen
Ausgabe 2014/2015

INHALT

Kapitel 1: Die Berliner Industriestruktur
Verarbeitendes Gewerbe im Überblick
Auslandsumsatz überholt Inlandsumsatz
Struktur der Berliner Industrie
USA wichtigstes Exportland für die Berliner Industrie
Wirtschaftsgruppen im Überblick
Industrie investiert über 837 Millionen Euro in Berlin

5
6
6
7
8
8
9

Kapitel 2: Konjunkturelle Entwicklung
Abschwung beim Geschäftsklimaindex
Produktinnovationen wichtigster Grund für Innovationen in 2014
Handlungsdruck für die Politik
Finanzierung in der Industrie unproblematisch

11
12
12
13
13

Kapitel 3: Innovationen in der Berliner Industrie
Forschung in Berlin stark in öffentlicher Hand
Berliner Industrie besonders innovativ
Industrie ist der größte Innovationstreiber der Berliner Wirtschaft
Forschungsprojekte bis 250.000 Euro überwiegen

15
16
16
17
17

Kapitel 4: Arbeiten in der Berliner Industrie
Berliner Industrie hat Aufholbedarf
Gehälter in der Industrie überdurchschnittlich hoch
Wertschöpfung der Industrie wächst auf hohem Niveau
Beruflich Qualifizierte gefragt
Probleme bei der Stellenbesetzung
Aus- und Weiterbildung sind die Maßnahmen zur Fachkräftesicherung
Herausforderung Demographie

19
20
20
21
21
22
22
23

Kapitel 5: Industriestandorte
Urbane Produktion braucht Raum
Industrie- und Gewerbestandorte

25
26
27

Kapitel 6: Umwelt und Energie
Berliner Industrie arbeitet mit hoher Effizienz
Urbanverträglichkeit moderner Produktion steigt
Industrie investiert seit 2002 137 Millionen Euro in die Umwelt

29
30
30
31

Kapitel 7: Industrie in Berlin heute und morgen
Impressum

34

|3

KAPITEL 1

Die Berliner Industriestruktur
Made in Berlin ist inzwischen in aller Welt gefragt – Industrieumsätze größtenteils
mit dem Ausland.

Waren es 2008 noch rund

570 Neugründungen,
so kann Berlin im Jahre 2013 bereits

1.369 neue Unternehmen
im Verarbeitenden Gewerbe vorweisen.

2008
2013

570
1.369

Die Industrie trug in Berlin im Jahr 2013
9 Prozent zur Bruttowertschöpfung bei,
deutschlandweit lag der Anteil bei 21,8
Prozent. Die Bedeutung der Industrie für
den Wohlstand in Deutschland und in
Berlin verdeutlichen diese Zahlen aber nur
unzureichend. Grundlegende Veränderungen im Wertschöpfungsprozess führen
zu einer immer stärkeren Nachfrage nach
industrienahen Dienstleistungen beispielsweise als Vorleister oder im Rahmen der
Vermarktung, Logistik etc. Deutschlandweit
induziert die Industrie so weitere 10,2 Prozent Wertschöpfung in anderen Branchen.
Erforderlich ist deshalb immer eine
Betrachtung des gesamten Netzwerkes
der Industrie.

Berliner Industrie geprägt durch
kleine Unternehmen
Die Berliner Industrie1 ist geprägt durch
eine Vielzahl von kleinen Betrieben mit
weniger als 20 Mitarbeitern. Diese besonders kleinteilige Struktur ist Ergebnis
der bewegten Geschichte Berlins. Erst die
Zerstörungen des Krieges, dann Teilung mit
unterschiedlichen Wirtschaftssystemen
gefolgt von Wiedervereinigung und sich extrem ändernder wirtschaftspolitischer Rahmenbedingungen sorgten für ein starken
Rückzug von größeren Industrieunternehmen aus der Stadt. Bei der IHK Berlin sind
aktuell 7.087 Industrieunternehmen erfasst,
die amtliche Statistik zählt allerdings nur
5.526 Betriebe. 78,9 Prozent davon haben
weniger als 10 Beschäftigte, Platz zwei im
Vergleich der Bundesländer. Bei Unternehmen mit 250 und mehr Beschäftigten liegt
Berlin hingegen mit 1,2 Prozent auf dem
bundesweit viertletzten Platz.

4|

Industrie im Aufwind
Die Gründerhauptstadt Berlin zieht auch
junge Industrieunternehmer an. Die Zahl der
Gründungen in der Berliner Industrie steigt
von Jahr zu Jahr. Waren es 2008 noch rund
570 Neugründungen, so kann Berlin im Jahre 2013 bereits 1.369 neue Unternehmen im
Verarbeitenden Gewerbe vorweisen. Dem
stehen 977 vollständige Aufgaben gegenüber. In Summe ergibt dies einen Zuwachs
von 392 Industrieunternehmen. Besonders
aktiv zeigt sich das Gründungsgeschehen
in der Textil- und Nahrungsmittelindustrie,
gefolgt von der Herstellung von Datenverarbeitungsgeräten, elektronischen und
optischen Erzeugnissen.2

Berliner Industrie drängt
auf die Weltmärkte
Die Berliner Industrie hat sich internationalisiert. Lag der Auslandsumsatz im Jahr
2008 mit noch knapp zwei Milliarden Euro
unter dem Inlandsumsatz, so übertreffen
die Auslandsumsätze die Inlandsumsätze in
2013 um 2,6 Milliarden Euro. Die wichtigsten internationalen Absatzmärkte für die
Berliner Industrieunternehmen sind die USA
mit Ausfuhren im Wert von 1,140 Milliarden
Euro, Russland mit 0,748 Milliarden Euro
und Frankreich mit 0,716 Milliarden Euro.
Die wichtigsten Exportprodukte sind Maschinen im Wert von 1,24 Milliarden Euro,
Elektrische Ausrüstungen mit 1,15 Milliarden Euro sowie Datenverarbeitungsgeräte,
elektronische und optische Erzeugnisse mit
1,0 Milliarden Euro.3 Die wachsende Internationalisierung zeigt die hohe Leistungsund Wettbewerbsfähigkeit der Berliner
Industrieunternehmen, die sich gegenüber
internationaler Konkurrenz durchzusetzen
vermögen.

Der Begriff Industrie
bezieht sich soweit
nicht anders ausgewiesen auf das
Verarbeitende Gewerbe,
wie es in den Wirtschaftszweigen 10
bis 33 nach Statistischer Systematik der
Wirtschaftszweige
in der Europäischen
Gemeinschaft (NACE)
gegliedert ist. Teilweise
werden zusätzlich die
Schlüssel fünf bis neun
erfasst. Diese umfassen
2011 zwei Betriebe mit
mehr als 50 MA.

1 

Amt für Statistik B-BB

2 

Destatis: Außenhandel
(Ausfuhr): Berlin 2013,
ausgewählte Länder,
Warensystematik
GP09-10 bis 17 und 19
bis 31

3 

|5

KAPITEL 1: DIE BERLINER INDUSTRIESTRUKTUR

Kennzahlen des
Verarbeitenden
Gewerbes

Quelle: Amt für
Statistik B-BB, Agentur
für Arbeit, IHK Berlin

Verarbeitendes Gewerbe im Überblick

Struktur der Berliner Industrie

in Berlin

Stichtag 30. September 2013
Wirtschaftsabteilungen und -gruppen nach Wirtschaftszweigen 2008

Verarbeitendes Gewerbe
Betriebe IHK Berlin

7.087

Neugründungen in 2013

1.369

Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte*

104.478

Umsatz**

21,7 Milliarden Euro

darunter Ausland**

27

Herstellung von elektrischen Ausrüstungen

18.133

10

Herstellung von Nahrungs- und Futtermitteln

10.877

26

Herstellung von DV-Geräten, elektronischen und optischen Erzeugnissen

10.414

12,1 Milliarden Euro

25

Herstellung von Metallerzeugnissen

10.166

Auftragseingangsindex (2010=100)

109,9

32

Herstellung von sonstigen Waren

9.133

Bruttowertschöpfung 2013

8,8 Milliarden Euro

21

Herstellung von pharmazeutischen Erzeugnissen

8.408

28

Maschinenbau

8.126

18

Herstellung von Druckerz.; Vervielfältigung von besp. Ton-, Bild- und Datenträgern

6.143

29

Herstellung von Kraftwagen und Kraftwagenteilen

4.263

30

Sonstiger Fahrzeugbau

3.546

33

Reparatur und Installation von Maschinen und Ausrüstungen

2.617

20

Herstellung von chemischen Erzeugnissen

2.354

23

Herstellung von Glas und Glaswaren, Keramik, Verarbeitung von Steinen und Erden

2.116

22

Herstellung von Gummi- und Kunststoffwaren

2.043

24

Metallerzeugung und -bearbeitung

1.549

31

Herstellung von Möbeln

1.080

17

Herstellung von Papier, Pappe und Waren daraus

878

11

Getränkeherstellung

755

16

Herstellung von Holz-, Flecht-, Korb- und Korkwaren (ohne Möbel)

695

13

Herstellung von Textilien

540

14

Herstellung von Bekleidung

521

15

Herstellung von Leder, Lederwaren und Schuhen

121

* Ohne Tabak und Mineralölverarbeitung
** Industrie sowie Bergbau und Gewinnung von Steinen und Erden, Jahr 2013

Auslandsumsatz überholt Inlandsumsatz
in Milliarden Euro
Umsatz des
Verarbeitenden
Gewerbes

30
25
21,72

20
15
12,15
9,56

10
Quelle: Amt für
Statistik B-BB

Anzahl

5

2003* 2004* 2005 2006 2007 2008 2009 2010
Umsatz insgesamt

Inlandsumsatz

2011

Sozialversicherungspflichtig
Beschäftigte nach
WZ-Systematik
in Berlin Stand
September 2013,
ohne Tabak- und
Mineralölverarbeitung

Quelle: Agentur
für Arbeit

2012 2013

Auslandsumsatz
* sowie WZ 5–9

6|

|7

KAPITEL 1: DIE BERLINER INDUSTRIESTRUKTUR

Ausfuhren des
Verarbeitenden
Gewerbes 2013,
Top Acht der
Exportmärkte

USA wichtigstes Exportland für die Berliner Industrie

Industrie investiert über 837 Millionen Euro in Berlin

in Millionen Euro*

in Millionen Euro

120
114,10

100
80
60
40

71,53

71,64

Polen

Frankreich

74,89

57,73
41,78

43,71

SaudiArabien

Niederlande

48,40

20
Quelle: Destatis

0
Vereinigtes Volksrepublik
Königreich
China

Russische Vereinigte
Föderation
Staaten
(ab 05/1992) von Amerika
* sowie WZ 5–33

Wirtschaftsgruppen im Überblick
in Prozent
Verteilung des
Umsatzes, der
Beschäftigten,
der fachlichen
Betriebsteile,
Beschäftigte und
Entgelte über die
Produktarten 2013*
Quelle: Amt für
Statistik B-BB

Wirtschaftszweiggruppe

Betriebe

Beschäftigte

Geleist.
Arbeitsstunden

Bruttoentgelte

Umsatz
insgesamt

Herstellung von Holz-, Flecht-, Korb- und Korkwaren
0,9
Herstellung von Textilien
2,3
Herstellung von Glas, -waren, Keramik, Verarbeitung von Steinen und Erden
9,9
Getränkeherstellung
13,5
Herstellung von sonstigen Waren
15,0
Herstellung von chemischen Erzeugnissen
16,2
Metallerzeugung und -bearbeitung
18,4
Herstellung von Gummi- und Kunststoffwaren
21,5
Reparatur und Installation von Maschinen und Ausrüstungen
23,0
Herstellung von Papier, Pappe und Waren daraus
28,7
Herstellung von Druckerzeugnissen; Vervielfältigung von Ton-, Bild-, Datenträgern
53,8
Herstellung von Metallerzeugnissen
58,8
Herstellung von elektrischen Ausrüstungen
61,0
Herstellung von Nahrungs- und Futtermitteln
61,1
Maschinenbau
Herstellung von pharmazeutischen Erzeugnissen

Ausland

Bruttozugänge
an Sachanlagen
2012 (größte
Wirtschaftsabteilungen)

69,1
73,2

Herstellung von DV-Geräten, elektronischen und optischen Erzeugnissen

Vorleistungsgüterproduzenten

33

29

28

28

20

16

Investitionsgüterproduzenten

38

38

39

39

27

27

Gebrauchsgüterproduzenten

3

4

4

4

7

9

Verbrauchsgüterproduzenten

26

29

29

29

46

49

0

10

20

30

40

50

Quelle: Amt für
Statistik B-BB

74,8

Anteil der Gruppen in Prozent
60

70

80

* sowie WZ 5–33

8|

|9

KAPITEL 2

Konjunkturelle Entwicklung
GE
SA

BOO M	

M

SCH W U

	
G
N

	

AB

K T UR

FSCHWUNG
U
A

J UN

ER
LIN E
BER USTRI
IND

	

ON
TK

	

REZ

ESSIO N

	

Konjunktur­kompass
für die Berliner Industrie

Die Warnsignale haben nicht getrogen: War die Stimmung in den Konjunkturumfragen
der IHK Berlin im Frühjahr 2014 noch so gut wie lange nicht, so hat sie sich in der
2. Jahreshälfte deutlich eingetrübt. Doch es gibt auch positive Signale.

Lage und Erwartungen stürzen ab
Das weltweit schwierige konjunkturelle Umfeld hat auch die Berliner Industrie eingeholt: Im Herbst 2014 sank der Geschäftsklimaindikator, der die aktuelle Geschäftslage
und die Erwartungen an die Geschäftsentwicklung zusammenfasst, von 142 auf 123
Punkte. Hier kommen eine schlechtere Lage
sowie eingetrübte Erwartungen zusammen.
Schon länger waren die Berliner Industriebetriebe – trotz der bislang positiven konjunkturellen Lage – zurückhaltend bei ihren
Investitions- und Beschäftigungsplänen.
Diese verhaltene Entwicklung hat jetzt allerdings einen „Nachholbedarf“ verursacht,
so dass die Unternehmen, insbesondere
Großunternehmen, ungeachtet der nachlassenden Konjunktur – ausgehend von einem
niedrigen Niveau – wieder mehr Personal
einstellen wollen. Dies zeigt sich in einem
deutlichen Anstieg des Beschäftigungssaldos auf rund 17 Punkte. Der Saldo stellt den
Industrieunternehmen, die Beschäftigung
aufbauen wollen, denjenigen, die Beschäftigung abbauen wollen, gegenüber. Hoffnung
machen bei den geplanten Investitionen
die Hauptmotive: Hier haben „Produktinnovationen“ den „Ersatzbedarf“ derzeit als
Investitionsgrund Nummer eins abgelöst.

Risiken für die wirtschaftliche
Entwicklung

Energiepreise. Insbesondere die anhaltenden
Unsicherheiten bezüglich der politischen
Ausgestaltung der Energiewende wecken
hier Unsicherheit. Gestiegen sind die Sorgen
bezüglich der Arbeitskosten sowie der wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen,
die im Frühsommer 2014 sogar Platz eins
der Risikofaktoren einnehmen. Von über 40
Prozent der Unternehmen werden darüber hinaus der schleppende Inlandsabsatz
sowie der Fachkräftemangel als Gefährdung
der eigenen wirtschaftlichen Entwicklung
eingestuft.

Berliner Industrieunternehmen
sind finanzstark
Bei einer Umfrage der IHK Berlin gaben
nur knapp acht Prozent der Industrieunternehmen an, dass die Finanzierung zu den
Risiken für die wirtschaftliche Entwicklung
ihres Unternehmens gehört. Damit stellt die
Finanzierung kein relevantes wirtschaftliches Risiko dar. Der Zugang zu Finanzmitteln ist für Industrieunternehmen überwiegend unproblematisch. Unter zwei Prozent
der Unternehmen geben an, dass sie für
ein Vorhaben keine Finanzierung erhalten
haben. Gut 40 Prozent der Industrieunternehmen benötigen gar keine Form der
Finanzierung und stemmen alle Ausgaben
und Investitionen aus eigener Kraft.

Große Investitionszurückhaltung ist derzeit
in ganz Deutschland zu beobachten. Gründe
hierfür liegen u. a. in den Risiken, die die
Unternehmen im Hinblick auf die wirtschaftliche Entwicklung befürchten: Als
großes Risiko erscheint vielen Industrieunternehmen immer noch die Entwicklung der

10 |

| 11

KAPITEL 2: KONJUNKTURELLE ENTWICKLUNG

Geschäftsklimaindikator ist das
geometrische
Mittel der Salden
aus Geschäftslage
und Geschäftserwartungen

Abschwung beim Geschäftsklimaindex

Handlungsdruck für die Politik

im Herbst 2014

in Prozent der befragten Unternehmen
60

160
140

Risiken für
wirtschaftliche
Entwicklung

50

120

123

100

40

80

30

60

20

40
10

20
Quelle: IHK Berlin

0

2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010

2011 2012 2013 2014

0

Quelle: IHK Berlin

Energiepreise

Inlands- Wirtschafts- RohstoffFachArbeits- Auslands- Wechsel- Finanzierung
absatz politische
preise kräftemangel kosten
absatz
kurse
Rahmenbed.

Herbst 2013

Hauptmotiv für
Investitionen

Jahresbeginn 2014

Frühjahr 2014

Produktinnovationen wichtigster Grund für Innovationen in 2014

Finanzierung in der Industrie unproblematisch

in Prozent der befragten Unternehmen

in Prozent der befragten Unternehmen

80
70
60

keine Finanzierung benötigt

5,5
1,9
59,24

gleich geblieben

15,7

60,91
55,45

50

verbessert

40,1

50,76

verschlechtert
keine Finanzierung erhalten

Bewertung des
Finanzierungszuganges des
eigenen Unternehmens

40
30

28,18

20
10
Quelle: IHK Berlin

12 |

0

36,9
Quelle: IHK Berlin

Rationalisierung

Produktinnovation

Kapazitätsausweitung

Umweltschutz

Ersatzbedarf

| 13

KAPITEL 3

Industrie ist der größte Innovationstreiber
der Berliner Wirtschaft
Freiberufliche,
wissenschaftliche
und technische
Dienstleistungen

2
17 %

Informations- und
Kommunikations­
technologien

3
69 %

Die Berliner Industrie macht überdurchschnittlich hohe Umsätze mit innovativen
Produkten. Dafür treibt sie den technischen Fortschritt voran.

Berlin auf Platz zwei bei den
Industrie in Berlin glänzt
Forschungsausgaben – 27 Prozent mit neuen Produkten
kommen allein aus der Industrie
Die starke Innovationskraft der Berliner

Verarbeitendes
Gewerbe

1

Innovationen in der
Berliner Industrie

12 %

Berlin zeichnet sich bundesweit durch die
zweithöchsten Ausgaben für Forschung und
Entwicklung in Höhe von 3,6 Prozent des
BIP aus. In Berlin treffen Unternehmen auf
eine überaus stark ausgeprägte öffentlich
getragene und hochschulische Forschungslandschaft, auf die rund 61 Prozent der
F&E-Ausgaben entfallen. Die Industrie trägt
einen Anteil von rund 27 Prozent, auf die
übrigen Wirtschaftszweige entfallen noch
zwölf Prozent. Die öffentliche Forschung
bietet den ansässigen Unternehmen viele
Vorteile bezüglich kooperativer Forschung
und Entwicklung.
Allerdings wird dieses Potenzial noch
nicht voll ausgeschöpft. Zurzeit führen
56 Prozent der Industrieunternehmen ihre
Forschungs- und Entwicklungs-Projekte
alleine durch. Als Grund geben diese Unternehmen überwiegend an, keinen Kooperationspartner zu brauchen (ca. 55 Prozent).
Andere empfinden die Recherche nach
einem geeigneten Kooperationspartner als
zu aufwändig (rund 26 Prozent). Immerhin
gut 13 Prozent der Unternehmen geben
schlechte Erfahrungen mit Kooperationsprojekten als Grund für einen Verzicht auf
weitere Kooperationen an. Die Mittel für die
Forschungs- und Entwicklungs-Ausgaben
stammen bei den meisten Unternehmen aus
dem Cashflow (über 89 Prozent), bei rund
31 Prozent der Unternehmen aus Gesellschaftermitteln und bei rund 24 Prozent
aus öffentlichen Fördermitteln.

14 |

Industrie zeigt sich insbesondere in ihrem
jungen Produktsortiment. Ihr Umsatz mit
neuen bzw. verbesserten Produkten – wichtigster Indikator für die Innovationskraft
eines Unternehmens – ist überdurchschnittlich hoch. Das Verarbeitende Gewerbe
erzielt knapp 26 Prozent seines Umsatzes
mit verbesserten bzw. knapp 20 Prozent
neuen Produkten, deutschlandweit liegt der
Schnitt bei ca. 23 bzw. 17 Prozent. Noch
stärker fällt der Unterschied bei den F&Eintensiven Industriezweigen aus, hier liegt
der Umsatz mit verbesserten Produkten in
Berlin um knapp vier Prozentpunkte und mit
neuen Produkten um knapp drei Prozentpunkte höher.

| 15

KAPITEL 3: INNOVATIONEN IN DER BERLINER INDUSTRIE

Anteil der Ausgaben für Forschung
und Entwicklung
2012 am Bruttoinlandsprodukt,
Schätzung des
Wirtschaftsanteils
auf Basis 2011
Quellen: Statistisches
Bundesamt Wiesbaden; Stifterverband,
Wissenschaftsstatistik,
Essen; Arbeitskreis
Volkswirtschaftliche
Gesamtrechnung der
Länder

Forschung in Berlin stark in öffentlicher Hand

Industrie ist der größte Innovationstreiber der Berliner Wirtschaft

in Prozent

in Prozent und Millionen Euro

Brandenburg
0,77 0,37

0,14

2

Hamburg
0,48

0,53

1,21

0,10

Deutschland
0,41

17

0,51

1,68

0,28

Berlin
1,29

0,90

0,96

0,44

69

Baden-Württemberg
0,40

0,56

0

Umsätze mit
neuen/verbesserten Produkten im
Jahr 2011

0,43

3,77

1

2

3

4

5

6

Hochschulen

Verarbeitendes Gewerbe

übrige Wirtschaft

Berliner Industrie besonders innovativ

Forschungsprojekte bis 250.000 Euro überwiegen

in Prozent

in Prozent der befragten Unternehmen

30

50
25,7

25,3

40

23,3
19,9

17,2

18,7

30
20

10

21

20

10

5
0

41

21,3

15

Verbesserte
Produkte Berlin

Verbesserte
Produkte (DE)

Verarbeitendes Gewerbe

16 |

Finanzierungsbedarf bei den letzten F&E-Projekten
des Unternehmens

28,9

25

Interne Forschungs- und
EntwicklungsAufwendungen der
Wirtschaft 2011 in
Berlin

Quelle: Stifterverband
für die Deutsche
Wissenschaft

0,41

Staat, private Institutionen ohne Erwerbszweck

20

Quellen: Technologie
Stiftung Berlin,
Stifterverband Wissenschaftsstatistik

Verarbeitendes Gewerbe –
965 Mio. Euro
Freiberufliche, wissenschaftliche und technische
Dienstleistungen –
246 Mio. Euro
Information und
Kommunikation –
165 Mio. Euro
Sonstige – 25 Mio. Euro

12

Neue Produkte
Berlin

Neue Produkte
(DE)

0

10

8
Quelle: IHK Berlin

bis 25 TEUR

über 25
bis 250 TEUR

über 250
bis 500 TEUR

über 500.000
bis 1 Mio. EUR

über 1 Mio. EUR

FuE-intensive Industriezweige

| 17

KAPITEL 4

Das verarbeitende Gewerbe zeichnet sich
durch überdurchschnittlich hohe Löhne aus.
So verdienen Mitarbeiter im Gastgewerbe

45 %, im Einzelhandel
33 % weniger

durchschnittlich

als in der Industrie.

Arbeiten in der Berliner Industrie
Die Industrie schafft überdurchschnittlich bezahlte Jobs
Nach einem starken Rückgang in den ersten
15 Jahren nach der Wiedervereinigung ist
die Zahl der Erwerbstätigen im Verarbeitenden Gewerbe Berlins seit 2005 nahezu konstant geblieben. Sie liegt bezogen auf den
Anteil an den Gesamtbeschäftigten aber
weit unter dem bundesweiten Durchschnitt.

Industrie ist ein
bedeutender Arbeitgeber
Die Berliner Industrie ist geprägt von einer
hohen und überdurchschnittlich wachsenden Produktivität. Jeder Erwerbstätige des
Verarbeitenden Gewerbes in der Stadt erwirtschaftet durchschnittlich knapp 80.000
Euro jährlich und damit 35 Prozent mehr
als im Durchschnitt der Dienstleistungsbranchen.

Industrie ist ein
attraktiver Arbeitgeber
Das Verarbeitende Gewerbe zeichnet sich
durch überdurchschnittlich hohe Löhne aus.
So verdienen Mitarbeiter im Gastgewerbe
durchschnittlich 45 Prozent, im Einzelhandel 33 Prozent weniger als in der Industrie.
Für Berlin hat eine Stärkung der Industrie
deshalb viele Vorteile: Die Kaufkraft in
der Stadt steigt, gut ausgebildete junge
Menschen mit beruflicher Fachqualifikation oder akademischem Abschluss finden
Perspektiven in der Stadt, weitere Jobs
werden in industrienahen Dienstleistungen
geschaffen.

18 |

Dennoch könnte sich die Fachkräftegewinnung als echtes Hemmnis für die wirtschaftliche Entwicklung erweisen: Bereits
heute kann der Bedarf an Fachkräften in
der Industrie nicht mehr gedeckt werden.
Der Fachkräfteengpass wird vom Fehlen
beruflich qualifizierter Fachkräfte (ca.
5.000) geprägt. Der Bedarf an Akademikern
kann mit 700 fehlenden Personen nicht
gedeckt werden. Die Engpässe werden sich
in den nächsten fünf Jahren nur unmerklich
verringern. Damit ergeben sich Berufsstartern gute Perspektiven.
Daher sind die Industrieunternehmen
bemüht, sich qualifizierte Fachkräfte durch
eigene Ausbildung zu sichern. Derzeit
findet sich jeder zehnte Auszubildende in
der Industrie. Über die letzten fünf Jahre
wurden in der Industrie im Schnitt jährlich
über 3.100 junge Menschen ausgebildet.
Insbesondere im Industriezweig „Herstellung von elektronischer Ausrüstung“ ist
eine stetige Zunahme an Ausbildungsplätzen – in den letzten fünf Jahren plus 20
Prozent – zu beobachten. Über 50 Prozent
der Industriebetriebe wollen ihre Ausbildungsanstrengungen noch weiter steigern.
Allerdings bemerken mehr als zwei Drittel
der Industrieunternehmen, dass die Bewerberzahlen zurückgehen. Ein weiterer Ansatz
für Industrieunternehmen ist die Weiterqualifizierung des vorhandenen Personals.
Mehr als 55 Prozent der befragten Industrieunternehmen steigern ihre Weiterbildungsmaßnahmen.

| 19

KAPITEL 4: ARBEITEN IN DER BERLINER INDUSTRIE

Wertschöpfung der Industrie wächst auf hohem Niveau

in Prozent

in Euro

120

90.000
78.885

80.000
100

70.000

50.000

52.205

40.000

42.250

42

42

42

41

42

40

Bruttowertschöpfung in jeweiligen
Preisen je Erwerbstätigen (Inland)

54.742

72

72

71

71

51

64

60

60.000
70

80

80

77

100

100

Entwicklung der
Erwerbstätigen im
Verarbeitenden
Gewerbe; Index
1991 = 100

Berliner Industrie hat Aufholbedarf

30.000
Quelle: Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung der Länder

20
0

20.000
1991

1995

Berlin

Bruttoverdienste
in Berlin ohne Sonderzahlungen 2013
in ausgewählten
Branchen

2000

2005

2010

2011

2012

2013

1993 1995 1997 1999 2001 2003 2005 2007 2009
Verarbeitendes Gewerbe
Insgesamt
Dienstleistungsbereiche

Deutschland

Gehälter in der Industrie überdurchschnittlich hoch

Beruflich Qualifizierte gefragt

in Euro

in Prozent

Verarbeitendes Gewerbe

Handel, Verkehr und Lagerei,
Gastgewerbe, Information
und Kommunikation

Fachkräfteengpässe bei beruflich
Qualifizierten in
der Berliner Industrie in Relation zur
Gesamtnachfrage

38,4

Produktdesign + kunsthandwerkl. Berufe, bildende Kunst, Musikinstrumentenbau...

Gesundheitswesen

37,7

Lebensmittelherstellung und -verarbeitung

41.991

29,1

Mathematik-, Biologie-, Chemie- und Physikberufe, Geologie, Geografie und Umweltberufe

Öffentliche Verwaltung, Verteidigung, Sozialversicherung

28,6

Papier- und Druckberufe, technische Mediengestaltung
20,7

Dienstleistungsbereich

Fahrzeug-, Luft-, Raumfahrt- und Schiffbautechnik
15,5

39.497

Technische Forschungs-, Entwicklungs-, Konstruktions- und Produktionssteuerungsberufe
13,3

Einzelhandel (ohne Handel mit Kraftfahrzeugen)

Kunststoffherstellung und -verarbeitung, Holzbe- und -verarbeitung

30.036

13,2

Textil- und Lederberufe

Gastgewerbe

11,4

Elektrotechnik

24.304

Quelle: Amt für
Statistik B-BB

0

2011 2013

Rohstoffgewinnung u. -aufbereitung, Glas- u. Keramikherstellung u.- verarbeitung

44.500

41.098

20 |

10.000

Quelle: Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung der Länder

10.000

20.000

30.000

40.000

50.000

0

5

11,2

10

Quelle: IHK Berlin

15

20

25

30

35

40

45

50

| 21

KAPITEL 4: ARBEITEN IN DER BERLINER INDUSTRIE

Probleme bei der Stellenbesetzung

Herausforderung Demographie

in Prozent der befragten Unternehmen

in Prozent der befragten Unternehmen

Stand der Stellenbesetzung im
Unternehmen

23

nein, keine Probleme

flexible Arbeitszeiten

nein, derzeit kein
Personalbedarf
ja

Aktivitäten zur Gesunderhaltung

Industrie reagiert
mit vielfältigen
Maßnahmen auf
die Alterung der
Gesellschaft

47,63
56,72

Karrieremöglichkeiten für ältere Mitarbeiter
6,38

Beteiligung älterer Mitarbeiter an Weiterbildungsmaßnahmen

46

37,04

Sicherung betriebsinternen Wissens

52,37

keine Maßnahmen

14,11

31

Steigerung der Arbeitgeber-Attraktivität

48,80

Quelle: IHK Berlin

0

10

20

30

40

Quelle: IHK Berlin

50

60

Aus- und Weiterbildung sind die Maßnahmen zur Fachkräftesicherung
in Prozent der befragten Unternehmen
Wie Unternehmen
auf Fachkräfteengpässe reagieren wollen

mehr Ausbildung

50,8

mehr Weiterbildung

55,6

Vereinbarkeit Familie/Beruf erleichtern

39,4

Einstellung älterer MA ausweiten
18,7

Einstellung von Fachkräften aus dem Ausland
21,5

Einstellung von Azubis aus dem Ausland
6,9

Steigerung der Arbeitgeber-Attraktivität

48,8

Quelle: IHK Berlin

0

22 |

10

20

30

40

50

60

| 23

KAPITEL 5

Industriestandorte

	 Gewerbliche

Industrie braucht Raum für Wachstum, Beschäftigungsaufbau und Investitionen

Bauflächen
		

im Vergleich

München
1.712 ha

Hamburg
4.100 ha

Berlin

4.724 ha

24 |

Bremen

3.421 ha

Neben Lebensraum benötigt die „wachsende Stadt“ Berlin vor allem auch attraktive
Arbeitsplätze, wie das Verarbeitende Gewerbe sie bietet. Von hoher Bedeutung ist
deshalb die Sicherung und Weiterentwicklung von Industriegebieten. Dies ist Ziel des
im Stadtentwicklungsplanes (Step) Industrie
und Gewerbe, der im Jahr 2011 veröffentlicht wurde: Darin sind 4.450 Hektar
als gewerbliche Bauflächen ausgewiesen.
Die vierzig größeren Industriegebiete mit
insgesamt rund 3.000 Hektar wurden in das
Entwicklungskonzept für den produktionsgeprägten Bereich (EpB) aufgenommen, der
Bestandteil des Step Industrie und Gewerbe
ist. Der Step Industrie und Gewerbe weist
Flächenpotenziale von 790 Hektar aus,
von denen 420 Hektar kurzfristig verfügbar sind. Diese Berechnungen umfassen
allerdings auch ein Gewerbegebiet auf dem
Gelände des ehemaligen Flughafens Tempelhof und sind somit zumindest in Teilen
überholt. Darüber hinaus hat die Erfahrung
gezeigt, dass es immer wieder industrielle
Bauvorhaben gibt, die sich bereits heute
nicht mehr realisieren lassen, entweder weil
Grundstücke nicht in entsprechender Größe
zur Verfügung stehen, Verfahrensabläufe zu
lange dauern oder das Nebeneinander von
Wohnen und Arbeiten zu hohe Einschränkungen mit sich bringen. Berlin muss
deshalb die Bedarfe von urbaner Produktion
und die Weiterentwicklung der Industriegebiete wieder stärker in den Blickpunkt
nehmen.

Flächen liegen überwiegend in
gewachsenen Großstandorten
Bei den Berliner Industrieflächen handelt
es sich hauptsächlich um gewachsene
Groß­standorte mit einer zum Teil hundertjährigen Geschichte. Diese machen mit
2.844 Hektar rund 64 Prozent der gesamten
Berliner Gewerbeflächen aus. Daneben
existieren auch neue Großstandorte, deren
402 Hektar das Entwicklungspotenzial
in der Stadt stärken, dazu gehören unter
anderem das Gebiet Staaken oder der BBI
Business Park Berlin. Über die ganze Stadt
verteilt, finden sich zahlreiche Inselstandorte, die zusammengenommen eine 851 Hektar große Fläche bieten. Selbst im Kern der
Stadt liegen im verdichteten städtischen
Gefüge Flächen mit insgesamt 147 Hektar,
darunter zum Beispiel das Gewerbegebiet
Humboldthain.

Neue Entwicklungspotenziale in
der Stadt
Neben den bereits bestehenden Industrie­
gebieten sind auf der folgenden Karte auch
der Clean Tech Business Park Marzahn
sowie der Flughafen Tegel abgebildet als
zukünftige Industriestandorte. Für den
Clean Tech Business Park Marzahn wird
derzeit die Infrastruktur ausgebaut. Nach
derzeitigem Stand kann das Industriegebiet Mitte 2015 genutzt werden. Für Tegel
gibt es konkrete Konzepte als Standort für
Urban Technologies mit Wissenschaft und
Wirtschaft unter einem Dach. Zu nennen ist
auch der wachsende Biotech Campus Berlin-Buch mit seiner besonderen Nähe von
produzierenden Unternehmen der Zukunftsbranche „Life-Sciences“ und Wissenschaft
sowie der Standort Adlershof.

| 25

KAPITEL 5: INDUSTRIESTANDORTE

Urbane Produktion braucht Raum

Industrie- und Gewerbestandorte

in Hektar

in Berlin

Nr.

Gebiet

2

Jungfernheide/
Charlottenburger Verbindungskanal
Fennstraße

3

Humboldthain

4

1

Mitte/Charlottenburg-Wilmersdorf

50

Mitte

14

Mitte

21

Borsigdamm

Reinickendorf

38

5

Flohrstraße

Reinickendorf

46

6

Breitenbachstraße

Reinickendorf

86

7

Kurt-Schumacher-Platz

Reinickendorf

25

8

Flottenstraße

Reinickendorf

84

9

Oranienburger Straße

Reinickendorf

48

10

Quickborner Straße

Reinickendorf

29

11

Kühnemannstraße

Reinickendorf

11

12

Friedrich-Olbricht-Damm

Charlottenburg-Wilmersdorf

27

13

Charlottenburger Chaussee

Spandau

46

14

Am Juliusturm

Spandau

82

15

Siemensstadt

Spandau

126

16

Gartenfeld

Spandau

36

17

Klosterfelde

Spandau

69

18

Staaken

19

Forckenbeckstraße

Spandau

49

Charlottenburg-Wilmersdorf

11

20

Zehlendorfer Stichkanal

Steglitz-Zehlendorf

72

21

Schöneberg

Tempelhof-Schöneberg

42

22

Teltowkanal

Tempelhof-Schöneberg

175

23

Großbeerenstraße

Tempelhof-Schöneberg

211

24

Motzener Straße

Tempelhof-Schöneberg

180

25

Südring

Neukölln

133

26

Kanalstraße

Neukölln

46

27

Johannisthal

Treptow-Köpenick

60

28

Adlershof

Treptow-Köpenick

41

29

Grünauer Straße

Treptow-Köpenick

29

30

Schöneweide

Treptow-Köpenick

41

31

Bohnsdorf

Treptow-Köpenick

117

32

Herzbergstraße

Lichtenberg

129

33

Hohenschönhausen

Lichtenberg

108

34

Marzahn-Nord

Marzahn-Hellersdorf/Lichtenberg

259

35

Marzahn-Süd

Marzahn-Hellersdorf

92

36

Berliner Allee

Pankow/Lichtenberg

78

37

Heinersdorf

Pankow

37

38

Wilhelmsruh

Pankow

19

39

Schönerlinder Straße

Pankow

64

40

Buchholz-Nord

Pankow

182

Insgesamt

26 |

Fläche
Bezirk (netto) in ha

39
9
4

38

6
7

5

17
18

37

8

12

2

19

34

33

3

35

32

1

25

21
22
23

20

36

11

16
14 15
13

40

10

30
27

28 29

26
24

31

Quelle: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt

3.013

| 27

KAPITEL 6

Umwelt und Energie
Heute prägen geschlossene Kreisläufe und Ressourceneffizienz die Berliner Industrie.
Die Industrie erfüllt im Vergleich zur EU, aber auch zu anderen Bundesländern hohe
Umweltstandards.

Die Ressourcenproduktivität
ist zwischen 1994 und 2009 um fast

95 Prozentpunkte gestiegen.

28 |

Die Berliner Industrieunternehmen konnten
in den vergangenen Jahren die Effizienz ihres Ressourceneinsatzes erheblich steigern.
Der Indikator Ressourcenproduktivität, der
das Bruttoinlandsprodukt ins Verhältnis zur
Inanspruchnahme an abiotischen Rohstoffen setzt, ist seit 1994 bis zum Jahr 2009
um fast 95 Prozentpunkte gestiegen. Die
Berliner Unternehmen übertreffen damit die
bundesweite Entwicklung um das Doppelte.
Als abiotische Rohstoffe werden alle nicht
erneuerbaren Materialien bezeichnet, die
primär aus der Natur gewonnen werden
und in einen Produktionsprozess eingehen
können. Darunter fallen zum Beispiel fossile
Energieträger, Erze und sonstige mineralische Rohstoffe, Baumineralien wie Sand,
Kies, Steine sowie Industriemineralien wie
Quarzsand und Kalisalze. Der Indikator
„Ressourcenproduktivität“ ermöglicht somit
Aussagen über einen schonenden Umgang
mit nichterneuerbaren Rohstoffen, der für
eine nachhaltige Entwicklung unerlässlich
ist. Deutschlandweit wurde die Ressourcenproduktivität in demselben Zeitraum nur
um knapp 48 Prozent gesteigert.

Gleichzeitig sank das Niveau der CO2Emissionen im Verhältnis zum Umsatz seit
dem Jahr 2000 um rund 30 Prozent. Ebenso
sanken das Verhältnis von Wasserverbrauch
und Abwassereinleitung zum Umsatz.
Von 2002 bis 2011 haben Unternehmen des
Verarbeitenden Gewerbes akkumuliert 137
Millionen Euro in den Umweltschutz investiert. Den größten Anteil macht der Gewässerschutz aus, gefolgt von Klimaschutz und
Luftreinhaltung. In Berlin betrug der Anteil
der vom EEG befreiten Strommenge nur
0,5 Prozent des Gesamtverbrauchs im Jahr
2010 und rund 1,1 Prozent 2011.

| 29

KAPITEL 6: UMWELT UND ENERGIE

Ressourcenproduktivität
– Verhältnis von
Ressourceneinsatz
zum BIP

Berliner Industrie arbeitet mit hoher Effizienz

Industrie investiert seit 2002 137 Millionen Euro in die Umwelt

Anstieg der Produktivität in Prozent

in Millionen Euro

250

25
194,8

200

102,0

100

52,4

50
0

20
15

150

Quelle: Amt für
Statistik B-BB

Investitionen für
den Umweltschutz,
Klimaschutz seit
2006 abgefragt

1994

1996

1998

2000

2002

Ressourcenproduktivität
Rohstoffverbrauch

2004

2006

2008

Bruttoinlandsprodukt

10
5
0

Quelle: Amt für
Statistik B-BB

2002

2003

2004

2005

2006

2007

Abfallwirtschaft

Luftreinhaltung

Gewässerschutz

Bodensanierung

Lärmbekämpfung

Klimaschutz

2008

2009

2010

2011

Naturschutz und
Landschaftspflege

Urbanverträglichkeit moderner Produktion steigt
in absoluten Zahlen
40.000
35.000
30.000

2001

2004

4.465

17.240

16.974

19.590

2007

6.096

0

5.402

5.000
Quelle: Amt für
Statistik B-BB

7.416

19.040
12.363

18.080

14.715

15.127

10.000

13.103

15.000

16.203

20.000

23.970

25.000
19.304

Entwicklung
verschiedener
ProduktionsInputs in der
Industrie*

2010

Endenergieverbrauch des Verarbeitenden
Gewerbes insgesamt in Terajoule

Wasseraufkommen
insges. in 1.000 m3

CO2-Emissionen aus dem
Endenergieverbrauch in 100 Tonnen

Abgeleitetes
Abwasser in 1.000 m3
* sowie WZ 5–33

30 |

| 31

KAPITEL 7

Industrie in Berlin heute
und morgen

	

rd.
7		8 M		
O
				

EUR

78 Mrd. €

Auf
			
schätzt eine Bitkom-Studie 	

Wert-	
					 schöpfungs­
potenzial durch Industrie 4.0 für

					das kumulierte

das Verarbeitende Gewerbe in Deutschland.

Kontinuierliche Innovations- und Veränderungsprozesse sind seit Jahrzehnten eine
Konstante in der Berliner Industrie. Für die
kommenden Jahre werden die zunehmende Hybridisierung und Digitalisierung der
Produktions- und Steuerungsprozesse in
Richtung einer Industrie 4.0, die wachsende
Vernetzung innerhalb von Unternehmen,
aber gerade auch mit Zulieferern und
industrienahen Dienstleistern sowie immer
schnellere Innovationslebenszyklen die Industrie prägen. Industrie wird schon heute
und muss zukünftig in steigendem Maße
als integriertes Netzwerk aus Fertigung
sowie internen und externen industrienahen
Dienstleistern, beispielsweise F&E, IT oder
Logistik verstanden werden. Diese Bereiche sind zukünftig in ihrer Funktionsweise
noch deutlich enger vernetzt, können aber
räumlich entkoppelt werden.
In diesen Entwicklungen liegt eine große
Chance für den Standort Berlin, die sich an
einigen Entwicklungen bereits festmachen
lässt: Zum einen ist da die positive organische Entwicklung mit der hohen Zahl von
über 1.350 Gründungen im Jahr 2013 sowie
mit dem Wachstum bestehender Unternehmen. Im technologischen Bereich sind insbesondere Ausgründungen aus Hochschulen
zu nennen. Der überdurchschnittlich hohe
Anteil junger Produkte am Gesamtumsatz
der Industrie ist ein weiterer Indikator dafür,
dass die Innovation ein Geschäftsmodell für
Berlin ist.
Darüber hinaus ist im Innovationsbereich
in den vergangenen Jahren ein verstärktes
Engagement vieler etablierter Unternehmen
in Berlin zu verzeichnen: Einige Beispiele
sind hier das Innovation Center der Bayer
AG, das Technologiezentrum Wäschepflege
von Bosch Siemens Hausgeräte (BSH), das

32 |

Accelerator Programm von Coca Cola oder
aus dem erweiterten Kreis des Netzwerkes
Industrie auch das Innovationszentrum von
Cisco Systems, mit dem auch die Bosch AG
über ihre Softwaretochter Bosch Software
Innovations in Berlin kooperiert.
Zu nennen sind hier aber auch starke Unternehmen mittlerer Größe wie der westfälische Automobilzulieferer Hella KG aA Hueck
& Co, der mit seiner Tochter Hella Aglaia
Mobile Vision GmbH in Berlin visuelle Sensorsysteme entwickelt, oder der Briefkommunikationsspezialist Francotyp Postalia,
der mit Verwaltung sowie F&E-Abteilung
eine Rückkehr nach Berlin plant.
Die Digitalisierung der Industrie könnte
durch die starke IT-Szene in der Stadt und
eine weiter steigende Ressourceneffzienz,
die urbane Produktion verstärkt ermöglicht,
in Verbindung mit den derzeit deutlich zutage tretenden generellen Standortvorteilen
Berlins (z. B. Attraktivität der Stadt, starke
Wissenschaftslandschaft) neue Dynamik in
das Berliner Industrienetzwerk bringen.
Allerdings sind dies nur positive Einzelsignale. Insgesamt ist in Berlin und bundesweit eine hohe Investitionszurückhaltung
von Industrieunternehmen zu beobachten.8
Voraussetzung für ein Wiedererstarken des
Netzwerkes Industrie ist deshalb, dass die
Trends langfristig und nachhaltig politisch
begleitet werden. Hier ergeben sich viele
Anforderungen an die Rahmenbedingungen,
beispielsweise bei Infrastruktur, Fachkräften
oder Energie ebenso wie bei der Weiterentwicklung der Flächenkonzepte und Industriegebiete.
Industriestandort
Deutschland: Risse
im Fundament. Berlin
2014, S. 4

8	

| 33

IMPRESSUM

Herausgeber
IHK Berlin
Fasanenstraße 85
10623 Berlin
Telefon: +49 30 31510 - 0
Telefax: +49 30 31510 - 166
E-Mail: service@berlin.ihk.de
www.ihk-berlin.de

Bildquelle
Titelbild: Hoda Bogdan – Fotolia.com

Stand
November 2014

Druck
DBM Druckhaus Berlin-Mitte GmbH
Wilhelm-Kabus-Straße 21–35
10829 Berlin
34 |

Industrie- und Handelskammer zu Berlin | Fasanenstraße 85 | 10623 Berlin | Telefon: +49 30 31510 - 0 | Internet: www.ihk-berlin.de

36 |
        
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