Path:

Full text: Altern im Wandel / Mahne, Katharina

Februar 2016 


Altern im Wandel: 


Zwei Jahrzehnte Deutscher Alterssurvey (DEAS)
	
Katharina Mahne, Julia K. Wolff, Julia Simonson &
Clemens Tesch-Römer (Hrsg.)

Deutsches Zentrum für Altersfragen (DZA)
Manfred-von-Richthofen-Straße 2
12101 Berlin
Telefon
+49 (0)30 – 26 07 40-0
Telefax
+49 (0)30 – 78 54 350
E-Mail
dza-berlin@dza.de

Inhaltsverzeichnis
1		

Altern im Wandel: Zwei Jahrzehnte Deutscher Alterssurvey .............................................. 5
	
Katharina Mahne, Julia K. Wolff, Julia Simonson & Clemens Tesch-Römer

2		

Daten und Methoden des Deutschen Alterssurveys .......................................................... 25
	
Daniela Klaus & Heribert Engstler

3		

Länger zufrieden arbeiten? Qualität und Ausgestaltung von Erwerbstätigkeit
	
in der zweiten Lebenshälfte ................................................................................................ 43
	
Janna Franke & Martin Wetzel

4		

Der Übergang in den Ruhestand: Alter, Pfade und Ausstiegspläne .................................. 61
	
Heribert Engstler & Laura Romeu Gordo

5		

Engagiert bis ins hohe Alter? Organisationsgebundenes ehrenamtliches
	
Engagement in der zweiten Lebenshälfte .......................................................................... 79
	
Martin Wetzel & Julia Simonson

6		

Einkommen und Armut in Deutschland: Objektive Einkommenssituation 

und deren subjektive Bewertung ........................................................................................ 95
	
Constanze Lejeune, Laura Romeu Gordo & Julia Simonson

7		

Vermögen und Erbschaften: Sicherung des Lebensstandards und 

Ungleichheit im Alter ......................................................................................................... 111
	
Constanze Lejeune & Laura Romeu Gordo

8		

Altern nachfolgende Kohorten gesünder? Selbstberichtete Erkrankungen 

und funktionale Gesundheit im Kohortenvergleich........................................................... 127
	
Julia K. Wolff, Sonja Nowossadeck & Svenja M. Spuling

9		

Was tun wir für unsere Gesundheit? Gesundheitsverhalten in der
	
zweiten Lebenshälfte ........................................................................................................ 141
	
Svenja M. Spuling, Jochen P. Ziegelmann & Jenna Wünsche

10		

Heißt krank zu sein sich auch krank zu fühlen? Subjektive Gesundheit und 

ihr Zusammenhang mit anderen Gesundheitsdimensionen............................................. 161
	
Svenja M. Spuling, Susanne Wurm, Julia K. Wolff & Jenna Wünsche

11		

Glücklich bis ins hohe Alter? Lebenszufriedenheit und depressive 

Symptome in der zweiten Lebenshälfte............................................................................ 175
	
Julia K. Wolff & Clemens Tesch-Römer

12		

Pflege und Unterstützung bei gesundheitlichen Einschränkungen:
	
Welchen Beitrag leisten Personen in der zweiten Lebenshälfte für andere?................... 191
	
Daniela Klaus & Clemens Tesch-Römer

13		

Auslaufmodell ‚traditionelle Ehe‘? Wandel der Lebensformen und 

der Arbeitsteilung von Paaren in der zweiten Lebenshälfte ............................................. 209
	
Heribert Engstler & Daniela Klaus

14		

Nähe auf Distanz: Bleiben die Beziehungen zwischen älteren Eltern und 

ihren erwachsenen Kindern trotz wachsender Wohnentfernungen gut? ......................... 223
	
Katharina Mahne & Oliver Huxhold
3

15		

Zwischen Enkelglück und (Groß-)Elternpflicht – die Bedeutung und 

Ausgestaltung von Beziehungen zwischen Großeltern und Enkelkindern....................... 241
	
Katharina Mahne & Daniela Klaus

16		

Zeit gegen Geld? Der Austausch von Unterstützung zwischen 

den Generationen ............................................................................................................. 257
	
Daniela Klaus & Katharina Mahne

17		

Wahlverwandtschaften: Sind Freunde für die soziale Integration 

wichtiger geworden? ......................................................................................................... 269
	
Anne Böger, Oliver Huxhold & Julia K. Wolff

18		

Allein unter vielen oder zusammen ausgeschlossen: Einsamkeit und 

wahrgenommene soziale Exklusion in der zweiten Lebenshälfte .................................... 285
	
Anne Böger, Martin Wetzel & Oliver Huxhold

19		

Wohnung und Wohnkosten im Alter ................................................................................. 299
	
Sonja Nowossadeck & Heribert Engstler

20		

Bewertung des Wohnumfeldes in der zweiten Lebenshälfte ........................................... 315
	
Sonja Nowossadeck & Katharina Mahne

21		

Soziale Kohäsion in der Nachbarschaft............................................................................ 329
	
Sonja Nowossadeck & Katharina Mahne

22		

Älter werden – Gewinn oder Verlust? Individuelle Altersbilder
	
und Altersdiskriminierung.................................................................................................. 345
	
Ann-Kristin Beyer, Susanne Wurm & Julia K. Wolff

23		

Also, als wir jung waren… Die Einschätzung des Verhältnisses
	
von Alt und Jung ............................................................................................................... 361
	
Janna Franke & Julia Simonson

24		

Die Lebenssituationen von Personen in der zweiten Lebenshälfte 

mit und ohne Migrationshintergrund ................................................................................. 377
	
Daniela Klaus & Helen Baykara-Krumme

25		

Wandel von Teilhabe und Integration älterer Menschen –
	
ein politikorientiertes Fazit ................................................................................................ 399
	
Frank Berner, Katharina Mahne, Julia K. Wolff & Clemens Tesch-Römer

Abkürzungen ................................................................................................................................ 413
	
Autorinnen und Autoren ............................................................................................................... 415
	

4

1 Altern im Wandel:
Zwei Jahrzehnte Deutscher Alterssurvey
Katharina Mahne, Julia K. Wolff, Julia Simonson & Clemens Tesch-Römer

Der demografische und soziale Wandel führt zu weitreichenden Veränderungen in Deutschland.
Eine ‚Gesellschaft des langen Lebens‘, wie sie sich in Deutschland in den letzten Jahrzehnten
entwickelt hat, ist ein großer Erfolg. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts erleben immer mehr
Menschen ein höheres und sogar sehr hohes Lebensalter. Dieser Wandel bringt eine Vielzahl
von Chancen für Individuen und Gesellschaft mit sich. Durch eine verbesserte Gesundheit und
durch die länger werdende nachberufliche Lebensphase ist es vielen Menschen in Deutschland
möglich, ein gutes Leben im Alter zu führen und dabei ihre Lebensumstände bis ins hohe Alter
aktiv mitzugestalten.
Allerdings sind neben diesen Chancen auch individuelle und gesellschaftliche Herausforderungen
zu nennen: Das veränderte Verhältnis von Alten zu Jungen – mehr älteren Menschen stehen
weniger junge Menschen gegenüber – wirft neue Fragen hinsichtlich der Finanzierung von
Renten-, Gesundheits- und Pflegeversicherung auf. Weil immer mehr Menschen das hohe und
sehr hohe Alter erleben, sind auch mehr Menschen von Mehrfacherkrankungen oder
Pflegebedürftigkeit betroffen. Dies stellt Politik und Gesellschaft in Deutschland vor die
Herausforderung, soziale Teilhabe und Integration für die verschiedenen gesellschaftlichen
Gruppen gleichermaßen zu gewährleisten.
Im vorliegenden Bericht werden Befunde des Deutschen Alterssurveys aus dem Jahr 2014
vorgestellt, einer seit 1996 durchgeführten repräsentativen Befragung von Menschen in der
zweiten Lebenshälfte in Deutschland. Im vorliegenden Einführungskapitel stellen wir zunächst
den Deutschen Alterssurvey vor, diskutieren Integration und Teilhabe als übergeordnete Ziele der
Alternspolitik. Wir beschreiben den sozialen Wandel, der Lebenssituationen in der zweiten
Lebenshälfte mitbestimmt und stellen abschließend Faktoren dar, anhand derer sich Vielfalt und
Ungleichheit in der zweiten Lebenshälfte beschreiben und verstehen lassen.

1.1

Der Deutsche Alterssurvey (DEAS)

Um die Chancen des demografischen Wandels nutzen und die mit diesem Wandel verbundenen
Herausforderungen gezielt angehen zu können, sind umfassende und gesicherte
wissenschaftliche Erkenntnisse zu Alter und Altern notwendig. Der Deutsche Alterssurvey
(DEAS) bietet diese Erkenntnisgrundlage. Seit nunmehr fast zwei Jahrzehnten lassen sich die
Lebenssituationen von Menschen in der zweiten Lebenshälfte mit Hilfe der DEAS-Daten
beschreiben. Der DEAS ist die bedeutendste Langzeitstudie zum Thema Alter und Altern in
Deutschland und wird seit Mitte der 1990er Jahre aus Mitteln des Bundesministeriums für
Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) gefördert. Er stellt die zentrale
Informationsgrundlage für politische Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger, aber
auch für die interessierte Öffentlichkeit und für die wissenschaftliche Forschung dar.
Der DEAS ist eine bundesweit repräsentative Langzeitbefragung von Personen im Alter von
40 bis 85 Jahren. Insgesamt werden die Befragten zu folgenden Themenbereichen um Auskunft
5

gebeten: Arbeit und Ruhestand; Generationen, Familie und soziale Netzwerke; außerberufliche
Tätigkeiten und ehrenamtliches Engagement; Wohnen und Mobilität; wirtschaftliche Lage und
wirtschaftliches Verhalten; Lebensqualität und Wohlbefinden; Gesundheit und
Gesundheitsverhalten, Hilfe- und Pflegebedürftigkeit sowie Einstellungen, Normen, Werte und
Altersbilder.
Das breite thematische Spektrum und die Kombination von Quer- und Längsschnittbefragung
(kohortensequenzielles Design) machen den DEAS zur idealen Datenbasis, um Fragen zu Alter
und Altern zu beantworten. Dabei werden grundsätzlich zwei zeitliche Perspektiven
berücksichtigt: der soziale Wandel einerseits und individuelle Entwicklungsverläufe andererseits.
Im vorliegenden Bericht wird die Perspektive des sozialen Wandels fokussiert. Es geht also um
die Frage, ob und in welchen Bereichen sich die Lebenssituationen von Menschen in der zweiten
Lebenshälfte über zwei Jahrzehnte verändert haben. Im Jahr 1996 wurde die erste Erhebung des
DEAS durchgeführt, es folgten in Abständen von sechs Jahren weitere Erhebungen mit
repräsentativen Stichproben der Bevölkerung in Deutschland (2002, 2008, 2014). Mit der
aktuellen Datenerhebung des Jahres 2014 können gesellschaftliche Veränderungen in den
Lebenssituationen Älterer über einen Zeitraum von bis zu 18 Jahren untersucht werden.
Insgesamt gehen die Informationen von über 20.000 Befragten in die Analysen dieses Berichtes
ein (vgl. Kapitel 2).
Der vorliegende Bericht soll gesellschaftliche und politische Akteure dabei unterstützen, die
Chancen und Herausforderungen des demografischen und sozialen Wandels zu ergreifen und zu
bewältigen. Dabei steht der soziale Wandel der Lebenssituationen in der zweiten Lebenshälfte
mit der Perspektive auf Teilhabe und Integration im Mittelpunkt des Berichts. Der Bericht richtet
sich an den folgenden übergreifenden Fragen aus:

1.2

•

Aktuelle Lage
Wie stellen sich im Jahr 2014 die Lebenssituationen von Menschen in der zweiten
Lebenshälfte dar? Wie unterscheiden sich verschiedene gesellschaftliche Gruppen?

•

Trends und sozialer Wandel
Wie haben sich die Lebenssituationen von Menschen in der zweiten Lebenshälfte
zwischen 1996 und 2014 gewandelt? Zeichnen sich unterschiedliche Trends für
verschiedene gesellschaftliche Gruppen ab?

Übergreifende Ziele der Alternspolitik: Teilhabe und Integration älterer Menschen

Die Bundesregierung hat im September 2015 die Weiterentwicklung der Demografiestrategie
beschlossen. Neben der Sicherung des gesellschaftlichen Wohlstandes, der regionalen
Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse sowie der Sicherung staatlicher Handlungsfähigkeit steht
der gesellschaftliche Zusammenhang im Mittelpunkt politischer Maßnahmen der
Demografiestrategie. Teilhabe und Integration sind dabei zentrale politische Ziele und erstrecken
sich im Wesentlichen auf die Lebensbereiche von Arbeitswelt, Familie, sowie Wohnen und
Nachbarschaft.
Der Begriff der Teilhabe beschreibt einerseits die Zugänglichkeit gesellschaftlicher Güter und
Rechte und andererseits das Mitmachen, Mitgestalten und Mitentscheiden in Gemeinschaft und
Gesellschaft. Integration bedeutet den Einbezug von Menschen in Gruppen, Gemeinschaften und
6

Organisationen und ist damit das Gegenteil von Exklusion beziehungsweise Ausschluss.
Teilhabe und Integration in der zweiten Lebenshälfte haben viele Facetten. Der längere Verbleib
älterer Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen im Erwerbsleben, die Einbettung in
Unterstützungsnetzwerke aus Familienmitgliedern, Freundinnen, Freunden, Nachbarinnen und
Nachbarn sowie die Wohnbedingungen sind in diesem Zusammenhang wichtige Komponenten.
Integration ist dabei nicht allein eine Zustandsbeschreibung, sondern ein fortwährender Prozess
der Vergemeinschaftung und Vergesellschaftung. Es ist also von hoher Bedeutung, die
Integration älterer Menschen in Arbeitswelt, Familie, Nachbarschaft und Gesellschaft über die
Zeit hinweg zu betrachten.
Mit der übergreifenden Aufgabe, die Teilhabe und Integration älterer Menschen zu sichern, haben
sich in den letzten Jahrzehnten politische Handlungsfelder herausgebildet, die für die
Bewältigung der demografischen und sozialen Veränderungen zentral sind. Dabei geht es zum
einen um die Verlängerung des Erwerbslebens. Eine abnehmende Anzahl von Erwerbstätigen
steht einer größer werdenden Anzahl von Personen im Ruhestand gegenüber – mit daraus
erwachsenden Herausforderungen für das Erwerbs- und Rentensystem. Diesen aktuellen
Herausforderungen versucht die Politik beispielsweise mit einer schrittweisen Erhöhung des
gesetzlichen Renteneintrittsalters zu begegnen. Die Vereinbarkeit von Beruf und Sorgetätigkeiten
als politische Aufgabe geht damit ebenso einher: Die Zahl Älterer mit Unterstützungs- und
Pflegebedarf wird weiter ansteigen – gleichzeitig nehmen insbesondere die familialen
Ressourcen für Unterstützung und Pflege ab. Neben veränderten Familienstrukturen beeinflusst
auch die gestiegene und längerfristige Erwerbstätigkeit die Bedingungen informeller Pflege und
Unterstützung: Immer mehr Pflege- und Hilfeleistende sind erwerbstätig. Informelle Unterstützung
wird weiterhin häufiger durch Frauen als Männer geleistet. Und dies bei sich zwischen den
Geschlechtern angleichenden Erwerbsquoten. Die Gleichstellung der Geschlechter in allen
gesellschaftlichen Bereichen ist daher ein weiteres wichtiges Handlungsfeld, um Teilhabe und
Integration zu erreichen. Die meisten Menschen wollen bis ins hohe Alter in ihrem gewohnten
Umfeld bleiben, selbst bei starken gesundheitlichen Einschränkungen. Selbstständiges Wohnen
im Alter zu gewährleisten, ist daher eine weitere zentrale Aufgabe. Dabei geht es darum, die
eigene Wohnung oder das unmittelbare Wohnumfeld so zu gestalten, dass die Gegebenheiten
Handlungsmöglichkeiten bieten und keine Barrieren darstellen.

1.3

Sozialer Wandel von Teilhabe und Integration in der zweiten Lebenshälfte

Unter sozialem Wandel werden Veränderungen der Sozialstruktur einer Gesellschaft oder
einzelner ihrer Bereiche verstanden (Schäfers 2012). Neben Veränderungen der
gesellschaftlichen Makrostruktur (z. B. Wirtschaftssystem) betrifft der soziale Wandel auch
Prozesse auf der gesellschaftlichen Mesoebene (z. B. Institutionen und Organisationen), sowie
Veränderungen auf der Ebene von Personen (Mikroebene, z. B. Werthaltungen oder
Handlungen). Sozialer Wandel betrifft also die Strukturen einer Gesellschaft. Diesen
gesellschaftlichen Strukturen widmet sich die Sozialstrukturanalyse, bei der es darum geht, die
Wechselbeziehungen und Wirkungszusammenhänge einzelner gesellschaftlicher Teilbereiche zu
untersuchen. Dabei liegt der Fokus je nach Theorietradition oder Forschungsagenda zum
Beispiel auf dem sozialen Rollengefüge innerhalb einer Gesellschaft, auf der Verteilung der
Bevölkerung nach Merkmalen wie Alter, Bildung und Einkommen, oder auf der Analyse sozialer
Ungleichheit.
7

Theorien des sozialen Wandels fragen nach den Ursachen, Mechanismen und Auswirkungen der
Veränderung von Sozialstruktur. Fortschritte in Technik und Wissenschaft gelten als
Hauptmotoren des sozialen Wandels, aber auch politische Ideologien oder religiöse
Überzeugungen können ein Faktor sozialer und kultureller Veränderungen sein. Sozialer Wandel
ist eine ‚Grundkonstante‘ der Moderne (Schimank 2012: 19). Für Alter und Altern in Deutschland
ist der soziale Wandel in den folgenden Bereichen von Bedeutung: Bevölkerungsstruktur, private
Lebensformen, Formen der Erwerbstätigkeit und sozialer Sicherung, Wohn- und Siedlungsformen
sowie Bildung und Kultur. Im Folgenden werden diese Teilbereiche des sozialen Wandels, die
auch in den Kapiteln dieses Berichts aufgegriffen werden, näher erläutert.

1.3.1

Wandel der Bevölkerungsstruktur

Die Bevölkerungsentwicklung eines Landes ist unter anderem durch Geburten, Sterbefälle, Einund Auswanderung bestimmt. In Deutschland sinkt die Sterblichkeit seit etwa zweieinhalb
Jahrhunderten (Hradil 2012). Durch bessere hygienische Verhältnisse, bessere Ernährung und
medizinischen Fortschritt sank zunächst die Kindersterblichkeit. Verbesserte allgemeine Lebensund Arbeitsbedingungen trugen dann zu einer Reduzierung der Sterblichkeit im mittleren
Lebensalter bei. Seit dem Zweiten Weltkrieg sinkt auch die Sterblichkeit im hohen Alter. Die
Lebensphase ‚Alter‘ umfasst inzwischen mehrere Jahrzehnte. Heute 60-jährige Frauen haben
eine fernere Lebenserwartung von 25 Jahren, bei heute 60-jährigen Männern beträgt sie
22 Jahre (Statistisches Statistisches Bundesamt 2012) – und sie wird sich absehbar weiter
verlängern.
Erst weit nach dem Rückgang der Sterblichkeit sanken in Deutschland auch die Geburtenzahlen.
In der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen betrug die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau 1,8
und unterschritt damit bereits die notwendige Zahl von 2,1 Kindern pro Frau zum Erhalt der
Bevölkerungszahl (Hradil 2012). Auf den Zweiten Weltkrieg folgte seit Mitte der 1950er bis in die
Mitte der 1960er Jahre insbesondere in Westdeutschland ein Geburtenanstieg, der ‚Babyboom‘.
Auf den Babyboom folgte für ein Jahrzehnt bis Mitte der 1970er ein dramatischer
Geburtenrückgang, der sogenannte ‚Pillenknick‘. In Westdeutschland sind die Geburtenraten seit
Mitte der 1970er Jahre bis heute stabil. Der Geburtenrückgang war in der DDR nicht so stark
ausgeprägt und zudem abgefedert durch bevölkerungs- und familienpolitische Maßnahmen.
Allerdings kam es in den neuen Bundesländern nach der Wiedervereinigung zu einem
schlagartigen Absinken der Geburtenzahlen, die sich mittlerweile wieder auf dem Niveau der
alten Bundesländer eingependelt haben. Verursacht durch den Babyboom und die abfallenden
Geburtenzahlen schiebt sich in der Bundesrepublik ein ‚Geburtenberg‘ durch die
Bevölkerungsstruktur (Geißler & Meyer 2014). Dieser Geburtenberg ist heute ein ‚Berg von
Erwerbstätigen‘ und in den nächsten Jahrzehnten wird aus ihm schließlich ein ‚Rentnerberg‘
werden – mit gravierenden Auswirkungen auf die Systeme der sozialen Sicherung und die
privaten Lebensbedingungen der Betroffenen.
Deutschland hat sich seit dem Zweiten Weltkrieg vom Auswanderungs- zum Einwanderungsland
entwickelt. In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg sind etwa zwölf Millionen Vertriebene und
Flüchtlinge aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten nach Deutschland gekommen – etwa
zwei Drittel nach West- und ein Drittel nach Ostdeutschland. Seit Mitte der 1950er Jahre
wanderten im Zuge der Anwerbung von Arbeitskräften etwa vier Millionen ‚Gastarbeiter‘ vor allem
aus Mittelmeerländern nach Westdeutschland ein. In den 1980er bis in die frühen 1990er Jahre
8

zogen verstärkt Asylsuchende nach Deutschland – mit Einführung der ‚Drittstaatenregelung‘
ebbte der Zuzug von Geflüchteten jedoch abrupt ab. Zur gleichen Zeit wanderten aus Osteuropa
und der damaligen Sowjetunion wieder verstärkt ‚Spätaussiedler‘ ein. Da Wanderungen über die
Grenzen von Nationalstaaten hinweg – anders als das Geburtengeschehen und die Sterblichkeit
– viel stärker von nationalen gesetzlichen Regelungen und der politisch-ökonomischen Weltlage
abhängen, kommt es hier zu stärkeren Schwankungen über die Zeit. In den letzten Jahren
zeichnet sich Deutschland jedoch durch ein rückläufiges positives Wanderungssaldo aus – in
manchen Jahren wandern sogar mehr Menschen aus als ein. Allerdings kann im vorliegenden
Bericht nicht auf die aktuelle Zuwanderung durch Flüchtlinge eingegangen werden. Die
Datenerhebung des Deutschen Alterssurveys fand im Jahr 2014 statt, also vor dem Beginn der
Zuwanderung von Flüchtlingen ab dem Sommer 2015.
Für Deutschland gilt daher: Wir werden weniger, älter und bunter. Das anstehende massive
Geburtendefizit – selbst bei gleichbleibender relativer Kinderzahl pro Frau werden von den
geburtenschwachen Jahrgängen der 1970er Jahre absolut weniger Kinder geboren werden –
lässt die Bevölkerung trotz positiver Wanderungssalden und steigender Lebenserwartung
schrumpfen. Die Bevölkerungsentwicklung der Zukunft wird daher entscheidend von der
Entwicklung der Zuwanderung bestimmt sein. Die steigende Lebenserwartung in Verbindung mit
geringen Geburtenzahlen führt zudem zu einer Alterung der Bevölkerung, das heißt der Großteil
der Bevölkerung entfällt auf ältere Jahrgänge. Dieser Alterungsprozess wird erst wieder merklich
gebremst, wenn die geburtenstarken Jahrgänge der Babyboomer verstorben sind, also etwa ab
dem Jahr 2050.
Die Schrumpfung und Alterung bringt verschiedene Probleme mit sich. Die wachsende Zahl
älterer Erwerbstätiger bringt einerseits reiche Erfahrungsschätze mit sich, gleichzeitig wird der
Weiterbildungsbedarf steigen. Zudem wird die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter
insgesamt zurückgehen. Hierdurch kann es zu einem zunehmenden Fachkräftemangel in
spezifischen Berufsfeldern kommen. Lösungen für die Behebung dieses Mangels werden in einer
allgemeinen oder berufsspezifischen Höherqualifizierung sowie in einer Erhöhung der
Erwerbstätigenquote gesehen. Diese kann zum Beispiel durch das Heraufsetzen des
Renteneintrittsalters, einer Verkürzung der Erstausbildungszeiten oder einer Erhöhung der
Frauenerwerbstätigkeit gelingen. Zudem können Arbeitsmigrantinnen und Arbeitsmigranten den
Bedarf an Fachkräften puffern. Die umlagefinanzierten sozialen Sicherungssysteme geraten
durch den schrumpfenden Pool an Beitragszahlerinnen und -zahlern, dem eine wachsende Zahl
von Anspruchsberechtigten gegenüber steht, in Bedrängnis. Die oben beschriebenen
Gegenmaßnahmen können auch hier greifen – außerdem werden Leistungskürzungen,
verstärkte private finanzielle Vorsorge und verlässliche Unterstützungsstrukturen in Familie und
Nachbarschaft als Lösungen diskutiert. Schließlich wird der wachsende Anteil von Hochaltrigen
und Pflegebedürftigen zu Kostensteigerungen im Gesundheitswesen führen und ganz neue
Aufgaben an Arbeitsmärkte, Dienstleistungen und familiale Unterstützungsnetzwerke stellen.
Die Alterung der Bevölkerung ist aber keineswegs ausschließlich problembehaftet. Ein langes
Leben gilt als hohes Gut: Es ist immer mehr Menschen in Deutschland möglich, ihre gewonnenen
Lebensjahre in guter Gesundheit zu verbringen und ihre Lebensumstände bis ins hohe Alter aktiv
mitzugestalten. Dies setzt auch Potenziale für den Arbeitsmarkt und für bürgerschaftliches
Engagement frei. Genauso wenig wie die Alterung nur problematisch ist, ist der demografische
Wandel nicht ausschließlich als ein Zusammenwirken von Bevölkerungsprozessen zu verstehen.
Veränderungen der Bevölkerungszusammensetzung sind Teil des sozialen Wandels, sie sind
9

Ausdruck von Veränderungen des Wertesystems und damit verbundenen veränderten
Präferenzen und Möglichkeiten.
Das Modell des ‚Zweiten Demografischen Übergangs‘ (z. B. Lesthaeghe 1983) beschreibt für die
Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg einen Wertewandel hin zu postmaterialistischen und
individualistischen Werten und macht die jüngeren Veränderungen in der Bevölkerungsstruktur
vor allem an veränderten Einstellungen und Verhaltensweisen in Bezug auf Ehe und Elternschaft
fest. Im Zuge einer allgemeinen Modernisierung werden mit ‚Individualisierung‘ Prozesse
beschrieben, die ganz generell den Wandel von einer Fremd- zu einer Selbstbestimmung des
Individuums beschreiben und insbesondere auf die privaten Lebensformen wirken. Zum einen
geht es dabei um die Veränderung von traditionellen Rollen und Identitäten. Zum anderen ist
damit die freie Wahl von Bindungen und Beziehungen gemeint und schließlich geht mit
Individualisierung eine autonome Lebensführung, sprich eine Selbstverwirklichung der
Persönlichkeit einher. Veränderungen in Bezug auf Ehe, Elternschaft und Haushaltsstrukturen
machen dies besonders deutlich.

1.3.2

Wandel der privaten Lebensformen, Familien- und Haushaltsstrukturen

Private Lebensformen, Familien- und Haushaltsstrukturen sind ein weiteres gesellschaftliches
Feld, das für die Sozialstrukturanalyse und damit für die Beschreibung und Analyse des Wandels
von Lebenssituationen im Alter zentral ist. Da unter dem Begriff ‚Familie‘ nicht mehr alle Formen
des Zusammenlebens zu fassen sind, wird die Familie heute im Rahmen einer Differenzierung
und Pluralisierung als eine Variante privater Lebensformen verstanden. Mit dem Ende der 1960er
Jahre kommt es zu einem Rückgang der Eheschließungen. Heute bleibt etwa ein Drittel aller
Erwachsenen – Männer etwas häufiger als Frauen – dauerhaft unverheiratet. Zudem wird nicht
nur seltener geheiratet, sondern auch später. So hat sich das Alter bei Erstheirat in den letzten
fünfzig Jahren von Mitte 20 auf Anfang 30 verlagert. Ein wesentlicher Grund für die Abkehr von
der Ehe ist die voranschreitende Entkopplung von Elternschaft und Ehe. Heute ist es sozial
anerkannt, auch unverheiratet Kinder zu bekommen. Außerdem passen relativ starre
Verbindlichkeiten der Ehe nicht mehr zum heutigen Verständnis von Partnerschaft, welches auf
Zuneigung, individueller Selbstverwirklichung und Kommunikation basiert – eine Partnerschaft
wird damit auch nur so lange aufrechterhalten, solange die Beteiligten dies als sinnvoll erachten.
Neben einer sinkenden Heiratsneigung sind steigende Scheidungsraten ein weiterer Indikator für
eine Individualisierung. 2011 lag der Anteil der Ehen, die geschieden wurden, bei etwa 40
Prozent – und damit fast dreimal so hoch wie noch in der Mitte der 1960er Jahre (zwölf Prozent)
(Meyer 2014: 424). Am häufigsten werden Ehen nach etwa fünf bis sechs Jahren geschieden, sie
dauern im Schnitt etwa 15 Jahre. Aber auch Ehescheidungen in späteren Lebensphasen nehmen
zu, das Scheidungsrisiko liegt zwischen dem 20. und 30. Ehejahr mittlerweile bei etwa 27
Prozent. Kinder haben nur in jungen Jahren einen ehestabilisierenden Effekt, Scheidungen sind
unter anderem in Städten, bei niedriggebildeten Paaren sowie in Beziehungen, in denen beide
erwerbstätig sind, besonders häufig.
Kinder werden nicht nur häufiger unehelich geboren, sie werden auch später im Lebenslauf einer
Frau geboren und wachsen mit weniger Geschwistern auf. Seit den 1980er Jahren treten zudem
kinderlose Lebensformen häufiger auf. Dabei ist der Verzicht auf Elternschaft immer häufiger
freiwillig – Kinder werden nicht mehr als Voraussetzung für ein erfülltes, glückliches Leben
gesehen. Neben dem Fehlen eines geeigneten Partners oder einer geeigneten Partnerin lässt
10

sich dauerhafte Kinderlosigkeit auch durch materielle Aspekte und steigende Opportunitätskosten
erklären.
Dass soziale Normen weniger verbindlich werden, ist insbesondere bei Frauen entscheidend für
die beschriebenen Veränderungen. Wachsende Bildungsbeteiligung und Erwerbstätigkeit der
Frauen führen dazu, dass sie ökonomisch zunehmend unabhängiger von Mann und Ehe werden.
Die Entscheidung zur Mutterschaft ist zur selbstbestimmten Option geworden und unterliegt der
Vereinbarkeit mit anderen Lebensbereichen wie Beruf und Karriere.
Zu den bedeutendsten ‚neuen‘ Lebensformen zählt zunächst das nichteheliche Zusammenleben
eines Paares. Diese Lebensform ist mittlerweile so verbreitet, dass sie nicht mehr länger nur als
Vorform der Ehe angesehen werden kann. Sie ist auch immer häufiger ein Phänomen der
zweiten Lebenshälfte – etwa dann, wenn Menschen nach einer Scheidung mit einem neuen
Partner oder einer neuen Partnerin zusammenleben ohne erneut zu heiraten. Zu den neuen
Lebensformen gehören auch gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften. Wenn auch schwer
in ihrer Verbreitung zu beziffern, ist eine fortschreitende gesellschaftliche Akzeptanz
homosexueller Partner- und Elternschaft zu verzeichnen, die sich auch in gesetzlichen
Regelungen wie der zur Eingetragenen Lebenspartnerschaft und den davon abgeleiteten
Rechten (z. B. steuerrechtliches Splittingverfahren, Erbrecht, Stiefkind-Adoption) zeigt.
In Deutschland lebten im Jahr 2010 etwa 1,6 Millionen Alleinerziehende; aus der Perspektive der
in dieser Lebensform aufwachsenden Kinder macht das einen Anteil von etwa 17 Prozent aus. Es
handelt sich dabei in aller Regel um alleinerziehende Mütter; alleinerziehende Väter sind nur zu
etwa zehn Prozent vertreten (Meyer 2014: 432). Stigmatisierungen sind mit dieser Lebensform
nur noch selten verbunden, allerdings zeichnen sich Einelternfamilien durch eine überproportional
häufige Betroffenheit von Armutslagen aus. Durch Trennung beziehungsweise Scheidung und
neu gestiftete Partnerschaften kommt es beim Vorhandensein von Kindern immer häufiger zu
‚Patchwork-Familien‘, sodass Eltern und Kinder mit einem Stiefelternteil und möglicherweise
weiteren Stiefkindern oder -geschwistern zusammenleben – die Beziehungsgefüge zwischen
leiblichen und sozialen Familienmitgliedern können daher äußerst komplex werden.
Ein weiterer Aspekt der privaten Lebensformen betrifft die Haushaltsform. Nicht selten wird der
wachsende Anteil von ‚Single-Haushalten‘ – Alleinlebenden – als Ausdruck von Vereinzelung
verstanden. Es gibt vielfältige Gründe für ein Alleinleben: Im jüngeren und mittleren Lebensalter
sind es vor allem verlängerte Ausbildungszeiten, eine zeitliche Entkopplung von Verlassen des
Elternhauses und eigener Familiengründung, Paare mit getrennten Haushalten und die
steigenden Trennungs- und Scheidungsraten, die ein Alleinleben bedingen. Im höheren Alter hat
sich die Anzahl von Einpersonenhaushalten stark erhöht – von etwa 1,5 Millionen zu Beginn der
1960er Jahre (Westdeutschland) auf etwa 5,5 Millionen im Jahr 2011 (Meyer 2014: 436).
Verantwortlich hierfür ist unter anderem die gestiegene Lebenserwartung und es sind vor allem
ältere (verwitwete) Frauen, die alleine leben.
Soziale Beziehungen sind eine wesentliche Quelle für soziale Integration, Lebensqualität und
Wohlbefinden über den gesamten Lebenslauf hinweg. Partnerschaften und die Bindungen zu den
eigenen Kindern und Enkelkindern gehören dabei zu den engsten sozialen Beziehungen älter
werdender Menschen. Diese Beziehungen vermitteln Gefühle von Zugehörigkeit, Intimität und
Sinnhaftigkeit. Sie sind ein wesentlicher Bestandteil der Alltagsgestaltung und häufig durch
gegenseitige Hilfe und Unterstützung gekennzeichnet. Veränderungen in den Strukturen und
Funktionen privater Lebensformen sind für Integration und Teilhabe also von zentraler
Bedeutung. Noch ist die Pluralisierung und Dynamisierung der Lebensformen vorrangig in den
11

jüngeren Kohorten zu finden, sie betrifft aber immer häufiger auch Menschen in der zweiten
Lebenshälfte – zunächst eher in der Form der ‚betroffenen‘ älteren Eltern oder Großeltern.
Komplexer werdende private Lebenssituationen im Alter bringen es mit sich, dass
Verbindlichkeiten und Verantwortlichkeiten weniger verlässlich und planbar werden und (immer
wieder) neu verhandelt werden müssen. Während zentrale familiale Ereignisse der zweiten
Lebenshälfte wie zum Beispiel der Übergang zu Großelternschaft unsicherer werden, sind die
Lebenssituationen in vielen Fällen vom gleichzeitigen Vorhandensein mehrerer familialer
Generationen gekennzeichnet. Während sich die Beziehungsnetzwerke in bestimmten privaten
Lebensformen also einerseits vervielfältigen und möglicherweise verkomplizieren, werden sie für
andere wiederum durch die Abwesenheit von Partner/in, Kindern und Enkelkindern geprägt sein.

1.3.3

Wandel von Erwerbstätigkeit, Ruhestand und sozialer Sicherung

Erwerbstätigkeit und materielle Lagen sind von hoher Bedeutung für die Lebensqualität älterer
Menschen. Die Erwerbstätigkeit ist eine zentrale Form der gesellschaftlichen Partizipation.
Zugleich ist die Erwerbsarbeit für eine große Zahl von Personen die vornehmliche Quelle des
Einkommens und für die darauf aufbauende soziale Absicherung im Alter. Seit den 1950er
Jahren haben sich Erwerbsverläufe in Deutschland deutlich verändert und sind bunter geworden.
Der sogenannte Normalerwerbsverlauf mit durchgängiger Vollzeitbeschäftigung, den Männer
früherer Erwerbskohorten sowohl in West- als auch in Ostdeutschland häufig aufwiesen, hat an
Allgemeingültigkeit verloren. Phasen mit nicht regulärer Beschäftigung und Arbeitslosigkeit haben
an Bedeutung gewonnen und Erwerbsverläufe sind insgesamt diskontinuierlicher geworden.
(Simonson, Romeu Gordo, & Kelle 2015; Trischler 2014). Diese Entwicklung zeigt sich besonders
ausgeprägt in den neuen Bundesländern und in besonderem Maße für die geburtenstarken
Jahrgänge der Babyboomer. Bei Frauen hat die Erwerbsbeteiligung insbesondere in den alten
Bundesländern zugenommen, während die bereits zu DDR-Zeiten hohe Erwerbsbeteiligung von
Frauen in den neuen Bundesländern seit der Wiedervereinigung insgesamt stagniert, jedoch mit
einem deutlichen Bedeutungszuwachs der Teilzeitbeschäftigung und sinkenden
Vollzeitbeschäftigungsraten (Simonson, Romeu Gordo, & Titova 2011).
Vor dem Hintergrund weitreichender Veränderungen der Arbeitswelt wie dem technologischen
Fortschritt, dem Wandel zur Dienstleistungsgesellschaft und der Globalisierung haben sich auch
Arbeitsbedingungen und -belastungen verändert. Diskutiert werden neben (im Zeitverlauf eher
abnehmenden) physischen Belastungen von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern zunehmend
auch psychische Belastungen, z. B. durch einen gestiegenen Leistungs- und Termindruck
(Lohmann-Haislah 2012). Hinzu können Belastungen durch die Sorge um den Arbeitsplatz
kommen. Auch wenn die Arbeitslosenquoten seit 2005 insgesamt rückläufig sind und sich derzeit
auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau befinden, haben befristete Beschäftigungsformen
und Arbeitsplatzwechsel in den letzten Jahrzehnten zugenommen. Außerdem ist seit Umsetzung
der Hartz-Reformen mit höheren finanziellen Einbußen bei längerer Arbeitslosigkeit zu rechnen
und durch die mit den Reformen verknüpfte Politik des ‚Förderns und Forderns‘ besteht
möglicherweise die Befürchtung, im Falle eines Arbeitsplatzverlustes auch nicht angemessene
Arbeitsangebote annehmen zu müssen.
Während die Erwerbsbeteiligung Älterer in den letzten beiden Jahrzehnten deutlich gestiegen ist
(Naumann & Romeu Gordo 2010), sank das durchschnittliche Renteneintrittsalter bis Ende der
1990er Jahre zunächst, ist seitdem aber wieder deutlich angestiegen. Zurückzuführen ist dies
12

insbesondere auf die Abkehr der arbeitsmarkt- und rentenpolitischen Orientierung auf die
Frühverrentung und die Einschränkung von Möglichkeiten eines vorzeitigen Altersrentenbezugs.
Durch die Einführung von Rentenabschlägen wurde der vorgezogene Renteneintritt zunehmend
unattraktiver. Seit 2012 wurde zudem mit der schrittweisen Heraufsetzung der Regelaltersgrenze
von 65 auf 67 Jahre begonnen. Dieser Politik der Verlängerung des Erwerbslebens steht die
2014 eingeführte Möglichkeit eines vorzeitigen Ruhestandeintritts nach 45 Beitragsjahren bereits
mit 63 Jahren entgegen.
Mit Blick auf den demografischen Wandel wurden in den letzten Jahren weitreichende
Rentenreformen umgesetzt. Das Ziel der Lebensstandardsicherung im Alter durch die gesetzliche
Rentenversicherung wurde im Zuge der Rentenreformen ab 2001 weitgehend aufgegeben, um
die aufgrund der demografischen Veränderungen zu erwartende Erhöhung der Beitragssätze
abzufedern. Zentrale Merkmale der Reformen sind die sinkenden Sicherungsniveaus der
gesetzlichen Rentenversicherung und die stärkere Betonung der betrieblichen und privaten
Alterssicherung. Für Personen, die derzeit und zukünftig in den Ruhestand gehen, hat dies in der
Regel negative Auswirkungen auf ihre Renteneinkommen. Nach einer langjährigen Phase der
Verbesserung materieller Lagen im Alter zeichnet sich somit ab, dass die Einkommen Älterer –
aufgrund der Reformen des Rentensystems, aber auch aufgrund sich verändernder
Erwerbsverläufe – zukünftig geringer ausfallen werden als in vorangegangenen Kohorten. Dies
trifft zunächst die geburtenstarke Kohorte der Babyboomer, wird voraussichtlich aber auch
nachfolgende Geburtskohorten betreffen.
Neben den Renteneinkünften sind insbesondere Vermögen und Erbschaften von Bedeutung für
die finanzielle Lebenssituation im Alter. Diese sind in hohem Maße ungleich verteilt. Sowohl der
Besitz von Geldvermögen, als auch der Erhalt oder die Erwartung von Erbschaften sind in den
neuen Bundesländern seltener als in den alten Bundesländern, und Personen mit höherem
Einkommen erben häufiger als Personen mit niedrigen Einkünften (Motel-Klingebiel, Simonson, &
Romeu Gordo 2010; Vogel, Künemund, & Kohli 2011). Insgesamt ist die Wahrscheinlichkeit zu
erben, in den letzten Jahrzehnten deutlich gestiegen, und es ist davon auszugehen, dass sich die
zu erwartenden Erbschaften in Anzahl und Höhe weiter erhöhen werden.
Die sozialen Ungleichheiten haben sich in den letzten Jahren sowohl in Bezug auf Vermögen als
auch hinsichtlich der Einkommen erhöht. So haben sich zwar die Haushaltseinkommen zwischen
neuen und alten Bundesländern seit der Wiedervereinigung angenähert, sowohl innerhalb der
alten als auch der neuen Länder hat die Einkommensspreizung aber deutlich zugenommen
(Goebel, Habich, & Krause 2013). Darüber hinaus ist die Armutsgefährdung insgesamt und für
einzelne Bevölkerungsgruppen, insbesondere auch für Ältere, gestiegen.
Vor dem Hintergrund der sich verändernden materiellen Lebenssituation im Alter bekommt auch
das Thema der Erwerbstätigkeit nach dem Ruhestandseintritt eine neue Bedeutung. Die
Erwerbsbeteiligung im Ruhestand hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen, allerdings
werden finanzielle Gründe dabei wesentlich seltener als Motiv genannt als beispielweise der
Spaß an der Arbeit oder der Wunsch nach einer Aufgabe (Engstler & Romeu Gordo 2014). Die
Erwerbstätigkeit nach dem Ruhestandseintritt ist also nicht nur ein Ausdruck finanzieller
Notwendigkeiten, sondern kann vor dem Hintergrund sich wandelnder Altersbilder, verbesserter
Gesundheit und gestiegener Bildungsniveaus auch als eine Möglichkeit der gesellschaftlichen
Teilhabe und des aktiven Alterns gesehen werden.

13

1.3.4

Wandel der Wohnverhältnisse und regionalen Kontexte

Für die Mehrheit der Bevölkerung ist die eigene Wohnung der zentrale Lebensort, der mit
zunehmendem Lebensalter an Bedeutung gewinnt (Claßen, Oswald, Doh, Kleinemas, & Wahl
2014). Die Nachbarschaft oder das Quartier sind jene räumlichen Einheiten, in denen sich das
alltägliche Leben abspielt und die eine besondere Bedeutung für gutes Altern haben (Oswald,
Kaspar, Frenzel-Erkert, & Konopik 2013; Wahl, Iwarsson, & Oswald 2012). Gespräche mit
Nachbarn, das Einkaufen beim Bäcker oder dem Lebensmittelladen, der Arztbesuch in der
Hausarztpraxis finden häufig in der Nähe der eigenen Wohnung statt. Diese räumlichen Kontexte
stellen wesentliche Rahmenbedingungen für individuelle Alternsprozesse und ihre Bewältigung
dar (Kawachi & Berkman 2003). Erst mit der Berücksichtigung dieses Kontextes lassen sich
Ressourcen, Hindernisse und Gestaltungsmöglichkeiten für ein gutes Alter beschreiben und
verstehen (Wahl, Iwarsson, & Oswald 2012).
Die Gemeinde ist der Bezugspunkt für das alltägliche Leben, wie z. B. Aktivitäten oder die
Versorgung mit Lebensmitteln. Allerdings sind Einrichtungen der fachlichen Versorgung, wie etwa
Facharztpraxen und Pflegeeinrichtungen, insbesondere in ländlichen Gebieten häufig nicht vor
Ort, sondern auf der Ebene des (Land-)Kreises oder der nächsten kreisfreien Stadt zu erreichen.
Für den Lebensalltag älter werdender Menschen hat also das kommunale Umfeld eine
besondere Bedeutung: Die Kommune ist als die kleinste räumlich-politische Verwaltungseinheit
im Wesentlichen für die Daseinsvorsorge der Bürgerinnen und Bürger zuständig; die lokale
Infrastruktur und sozialen Netzwerke in der örtlichen Gemeinschaft bestimmen maßgeblich die
Qualität des Lebens im Alter mit. Je nach finanziellem Spielraum, Siedlungsstruktur
(Ballungsräume, verstädterte Räume, ländliche Räume) oder anderen Merkmalen, bestehen also
deutliche regionale Unterschiede, die Voraussetzung für Teilhabe und Partizipation von den dort
lebenden Menschen sind.
Diese regionalen Unterschiede unterliegen einem Wandel über die Zeit hinweg. So vollziehen
sich demografische Prozesse in den verschiedenen Regionen sehr unterschiedlich. Der
Bevölkerungsrückgang wird regional unterschiedlich stark ausfallen: Die neuen Bundesländer
werden insgesamt stärker betroffen sein. In beiden Landesteilen werden insbesondere ländliche
Räume einen stärkeren Bevölkerungsrückgang erleben. Durch mangelnde Nachfrage etwa nach
Dienstleistungen, Arztpraxen, Schulen oder Öffentlichem Nahverkehr werden diese Einrichtungen
in gering besiedelten Gebieten vermutlich verstärkt ihre Dienste einstellen – was wiederum
weitere Abwanderungen in Richtung der Ballungsräume zur Folge haben kann. In der
Raumordnungspolitik wird eine „sich selbst verstärkende [...] Abwärtsspirale peripherer ländlicher
Räume infolge ungünstiger ökonomischer, demographischer und infrastruktureller Entwicklungen“
diskutiert (BBSR 2012). Die Beachtung und Analyse regionaler Unterschiede und ihres Wandels
sind von erheblicher Bedeutung, wenn es darum geht die Kontexte der Lebenssituationen von
Menschen in der zweiten Lebenshälfte angemessen zu beschreiben (Wiest, Novossadeck, &
Tesch-Römer 2015).

1.3.5

Wandel von Bildung und Kultur

Bildung stellt in modernen Gesellschaften eine zentrale Ressource für Lebenschancen dar.
Neben der Funktion der Platzierung eines Individuums innerhalb der gesellschaftlichen Hierarchie
hat Bildung auch eine Auslese- und Selektionsfunktion. Allerdings wirkt diese nicht nur über
Leistung, sondern auch nach sozialen Merkmalen. Insofern beeinflusst Bildung die vertikale
14

soziale Mobilität, den Zugang zu Lebenschancen und verursacht Ungleichheiten über den
gesamten Lebensverlauf hinweg (z. B. Ferraro, Shippee, & Schafer 2009). Veränderungen im
Zugang zu Bildung und in der Qualifikationsstruktur einer Gesellschaft sind also von besonderer
Bedeutung, wenn es um die Voraussetzungen für Integration und Teilhabe Älterer geht.
Die in beiden deutschen Staaten seit den 1950er Jahren stattfindende Bildungsexpansion ist
eines der deutlichsten Phänomene des sozialen Wandels. Im Zuge der Bildungsexpansion kam
es zu einem massiven Ausbau der sekundären und tertiären Bildungsbereiche – mit der Folge,
dass Personen länger im Bildungssystem verweilen und ein größerer Anteil der Bevölkerung über
mittlere oder höhere Bildungsabschlüsse verfügt. Mit der Bildungsexpansion ging also eine
allgemeine Höherqualifizierung einher. Zum Beispiel haben 1960 nur sechs Prozent aller
Schülerinnen und Schüler die Schule mit einer Studienberechtigung verlassen, im Jahr 2011
waren es 60 Prozent (Geißler 2014: 336).
Die Bildungsexpansion hat insofern auch eine Veränderung der gesellschaftlichen
Qualifikationsstruktur hervorgerufen, weil den noch eher schlecht ausgebildeten Kohorten besser
gebildete nachfolgen. Die Höherqualifizierung der Bevölkerung hat das Verhältnis der
Bildungsschichten zueinander verändert – es kam zu einer ‚Umschichtung nach oben‘(Geißler
2014: 342). Insgesamt verlief die Bildungsexpansion in beiden deutschen Staaten sehr ähnlich,
mit dem Unterschied dass sie in der DDR früher begann und dort ein größerer Personenkreis
davon profitieren konnte.
Als Ursachen für die Bildungsexpansion werden einerseits wachsende Bildungsbedarfe genannt:
Fortschritte in Wissenschaft und Technik erfordern entsprechend qualifizierte Arbeitskräfte.
Andererseits wird das menschliche Streben nach Statussicherheit und Aufstieg als Triebfeder der
Bildungsexpansion angesehen. In der Folge der Bildungsexpansion kommt es zu einem
Wachstum von Wirtschaft und Wohlstand. Die mit der Bildungsexpansion einhergehende
Demokratisierung im Sinne einer wachsenden kritischen Reflexion politischer und
gesellschaftlicher Vorgänge führt zu stärkerer politischer Partizipation und Teilhabe. Dies zeigt
sich zum Beispiel am Entstehen einer Demonstrationskultur oder der Organisation von
Bürgerinitiativen. Soziale Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern verringern sich, indem
Frauen zunehmend ökonomisch eigenständig und unabhängig werden. Mit der
Bildungsexpansion geht auch ein Wertewandel einher: Höhere Bildung führt zu höherer
Individualisierung, einer Freisetzung aus traditionellen Normen und zu einer Pluralisierung im
Wertebereich. Postmaterielle Werte wie Selbstverwirklichung, Lebensqualität und Autonomie sind
handlungsleitend und führen zu einer Differenzierung der Formen des privaten Zusammenlebens.
Die Bildungsexpansion hat aber auch eine paradoxe Situation hervorgebracht: Von ihr haben
zwar Kinder aus allen Bevölkerungsschichten profitiert, allerdings sind die Bildungschancen
weiterhin schichtspezifisch ungleich verteilt. Zwar erreichen benachteiligte Schichten inzwischen
häufiger ein mittleres Bildungsniveau. Die Chancen auf eine höhere Bildung sind jedoch verstärkt
schichtspezifisch.
Der sozial strukturierte Zugang zu Bildung sorgt nicht nur in frühen Lebensphasen für ungleich
verteilte Lebenschancen, sondern er wirkt auf unterschiedliche Weise bis ins Alter in
verschiedenen Lebensbereichen nach. Zunächst eröffnet eine gute Ausbildung Zugang zu
Berufen mit höherem Einkommen und schließlich besseren materiellen Lagen im Rentenalter
sowie der Möglichkeiten zu privater Vorsorge (Motel-Klingebiel et al. 2010). Vermittelt über das
Wissen über vorteilhafte Gesundheitsverhaltensweisen oder allgemeine Arbeits- und
Lebensbedingungen wirkt Bildung auch auf die gesundheitliche Situation im Alter (Wurm,
15

Schöllgen, & Tesch-Römer 2010). Ehrenamtliches Engagement und unterstützende soziale
Netzwerke sind in höheren Bildungsschichten häufiger zu finden (Fiori, Smith, & Antonucci 2007;
Naumann & Romeu Gordo 2010). Niedrigere Bildung geht mit brüchigeren privaten Biografien
einher – z. B. Scheidungen sind hier häufiger. Andererseits sind insbesondere höher Gebildete
häufiger kinderlos und können daher auf andere Weise mit reduzierten familialen
Lebenssituationen im Alter konfrontiert sein.
Auch die Kultur und Werte einer Gesellschaft sind vom sozialen Wandel betroffen. Gerade die
wachsende Zahl an älteren Menschen mit guter Gesundheit prägt durch ihre Partizipation
individuelle und gesellschaftliche Werthaltungen sowie die Wahrnehmung von älteren Menschen
mit. Ältere Menschen und Themen rund um das Alter sind zunehmend medial präsent,
beispielsweise in Filmen, Dokumentationen oder in der Werbung. Selbst wenn eher
angstbesetzte Themen – wie Krankheit, Pflege und Demenz – ebenfalls thematisiert werden, wird
zunehmend ein Bild eines aktiven und fitten Alters transportiert. Individuelle Altersbilder, das
heißt Sichtweisen auf das eigene Älterwerden, sind somit auch dem sozialen Wandel ausgesetzt.
Durch eine steigende Zahl von aktiven und fitten älteren Aktionsträgern in der Gesellschaft ist
bereits ein Wandel hin zu positiveren Altersbildern zu verzeichnen (Wurm & Huxhold 2012).
Die Förderung eines positiven Altersbilds ist nicht nur für individuelle Lebensläufe sondern auch
für die Prävention von Altersdiskriminierung ein wichtiges Handlungsfeld. Gerade wenn die
Potenziale einer alternden Gesellschaft genutzt werden sollen, ist es wichtig,
Altersdiskriminierung entschieden entgegenzuwirken. Eine aktive Lebensphase nach dem
Ruhestandsübergang und eine damit verbundene postmaterialistische Werteentwicklung hin zu
Selbstverwirklichung bis ins hohe Alter können jedoch auch mit Konflikten zwischen den
Generationen verbunden sein. Während ein Generationenkonflikt in den 1960er Jahren eher in
unterschiedlichen Werthaltungen begründet war, ist heute eher eine Auseinandersetzung um
verteilungspolitische Fragen bis hin zur Ablehnung des ‚Generationenvertrags‘ zu erwarten (z. B.
Hollfelder 2012). Damit verbindet sich möglicherweise auch ein Wandel von Einstellungen zur
privaten beziehungsweise staatlichen Alterssicherung. Aufgrund der zu erwartenden
zahlenmäßig kleineren Kindergeneration und politischer Maßnahmen hin zu mehr privater
Vorsorge ist ein Wandel hin zur Befürwortung von privater Alterssicherung zu erwarten.
Gleichzeitig sollten diese Einstellungen von familiären Hintergründen und finanziellen
Ressourcen der Personen abhängen.

1.4

Vielfalt und Ungleichheit in der zweiten Lebenshälfte

Ältere Menschen sind keineswegs eine homogene Gruppe. Die Lebenssituationen und
Lebensumstände in der zweiten Lebenshälfte sind vielfältig und unterschiedlich – das Alter hat
viele verschiedene Gesichter. Vielfalt betrifft zunächst nur die Feststellung, dass es Unterschiede
zwischen Menschen gibt, ohne diese Unterschiede zu bewerten. Im Gegensatz dazu liegt soziale
Ungleichheit vor, wenn Unterschiede mit Benachteiligungen bzw. Bevorzugungen verknüpft sind.
Im Fall der sozialen Ungleichheit gibt es also eine Bewertung der Vielfalt: Unterschiede können
als Benachteiligung oder Bevorzugung gewertet werden. Wird etwa eine gesellschaftliche Gruppe
beim Zugang zu erstrebenswerten Gütern oder Positionen benachteiligt, eine andere
gesellschaftliche Gruppe aber bevorzugt, so wird von sozialer Ungleichheit gesprochen.
Allgemein gesprochen entsteht soziale Ungleichheit, wenn bestimmte soziale Positionen mit Voroder Nachteilen verknüpft sind (Solga, Berger, & Powell 2009). Zum Beispiel kann der Zugang
16

zum Arbeitsmarkt sozial ungleich verteilt sein: Ältere Menschen, Frauen, Menschen mit geringer
Bildung und Menschen aus ländlichen Regionen sind beim Zugang zum Arbeitsmarkt
benachteiligt (im Vergleich zu jüngeren Menschen, Männern, Menschen mit höherer Bildung
sowie Menschen aus städtischen Regionen). Mit der Position auf dem Arbeitsmarkt wiederum
sind zum Beispiel Einkommenshöhe, Ansehen und Integration in soziale Netzwerke verbunden.
Daher können das Alter, das Geschlecht, die Bildung oder der Wohnort einer Person
Determinanten von sozialer Ungleichheit sein.
Bei einer Betrachtung der unterschiedlichen und möglicherweise ungleichen Lebenssituationen
ist es wichtig zu berücksichtigen, dass Menschen in der zweiten Lebenshälfte bereits ein
erhebliches Stück ihres Lebens gelebt haben und mit entsprechend unterschiedlichen
Voraussetzungen ins Alter kommen. Soziale Ungleichheit beginnt nicht erst in der Lebensphase
Alter, sondern ist in der Regel schon früh im Leben wirksam. Allerdings ist fraglich, wie stabil
soziale Ungleichheit in der zweiten Lebenshälfte ist.
−	 Die These der ‚Kontinuität‘ geht davon aus, dass soziale Ungleichheiten im Laufe des
Lebens bestehen bleiben. Menschen starten von unterschiedlichen Ausgangspositionen
und die früh im Leben festgelegten Unterschiede verändern sich bis ins hohe Alter nicht.
−	 Die These der ‚Angleichung‘ besagt, dass bestehende Ungleichheiten in späteren
Lebensphasen abgemildert werden können – beispielsweise durch sozialstaatliche
Regelungen, die in späteren Lebensphasen stärker greifen als in früheren
Lebensabschnitten.
−	 Die These der ‚Differenzierung‘ geht dagegen von einer weiteren Verstärkung der
sozialen Ungleichheit im späteren Lebenslauf aus. Risiken und Ressourcen kumulieren
im Laufe des Lebens. Personen mit guten Ausgangsbedingungen (etwa einer guten
Bildung) werden mit hoher Wahrscheinlichkeit anregende Berufe ergreifen und ein
auskömmliches Einkommen haben, während Personen mit schlechten
Ausgangsbedingungen im weiteren Lebensverlauf mit Belastungen und Risiken
konfrontiert sind.
−	 Die These der ‚Altersbedingtheit‘ geht davon aus, dass sich die Determinanten für soziale
Ungleichheit über den Lebenslauf verändern. Im Alter werden dieser These nach
bestimmte Gruppenzugehörigkeiten bedeutsam für eine bessere oder schlechtere
Position im sozialen Gefüge.
Für die Analyse von sozialer Ungleichheit in späteren Lebensphasen ist zudem zu beachten,
dass unterschiedliche Ungleichheitsmerkmale zusammenwirken können. Bereits länger
bestehende Ungleichheiten können im Alter von neuen Ungleichheitsfaktoren möglicherweise
überlagert oder verstärkt (‚Intersektionalität‘) werden. So sind einerseits Kumulationseffekte
denkbar, die zu einer weiteren Verstärkung von sozialer Ungleichheit im Alter führen können,
andererseits kann es zu einer Verlagerung weg von materiellen hin zu gesundheitlichen oder
sozialen Dimensionen von Ungleichheit kommen (Backes & Clemens 2013).
Der vorliegende Bericht soll auch die Frage beantworten, wie die Chancen für soziale Teilhabe
und Integration in der zweiten Lebenshälfte nach individuellen, sozialstrukturellen und räumlichen
Voraussetzungen verteilt sind. Zentral sind dabei Unterschiedlichkeiten und Ungleichheiten
zwischen gesellschaftlichen Gruppen, die sich an den Kategorien Alter, Geschlecht, Bildung und
Region festmachen.

17

1.4.1

Alter

Die zweite Lebenshälfte wird im DEAS als die Altersspanne zwischen 40 und 85 Jahren
konzeptualisiert. Im Rahmen dieses Berichtes werden somit sowohl die Lebenssituationen von
Personen mittleren Alters, von Menschen rund um das Ruhestandsalter und von Personen an der
Schwelle zur Hochaltrigkeit gleichermaßen betrachtet. Insofern dient die Zuordnung zu
bestimmten Altersgruppen einer Differenzierung von Lebensphasen, die jeweils mit spezifischen
Rollenanforderungen (z. B. Erwerbstätigkeit) versehen sind. In der querschnittlichen Betrachtung
eines historischen Zeitpunktes zeigen sich anhand der Altersgruppe also zunächst die über
altersspezifische Rollenerwartungen verteilten gesellschaftlichen Güter und die daran geknüpften
Ungleichheiten (z. B. Zugang zu Arbeitsmarkt, Einkommen).
Eine weitere Perspektive ergibt sich, wenn über das Alter beziehungsweise den Geburtszeitpunkt
Altersgruppen im Sinne von zusammengefassten Geburtsjahrgängen (‚Kohorten‘) gebildet
werden. Die jeweils vorherrschenden historischen Gegebenheiten (z. B. Verhältnis der
Geschlechter) und Ereignisse (z. B. Krieg, Wiedervereinigung), die den Lebenslauf einer Kohorte
prägen, werden dann als Erklärungsmuster für soziale Ungleichheiten (z. B. Zugang zu Bildung,
Gesundheitszustand) herangezogen. Die für diesen Bericht zentrale Perspektive des sozialen
Wandels lässt sich anhand von Altersgruppenunterschieden im Kohortenvergleich einnehmen.
Ein Beispiel hierfür: Erleben später geborene Kohorten erst in einem höheren Lebensalter
funktionale Einschränkungen, so könnte dies auf die Kompression der Morbidität hinweisen, also
das Auftreten von Erkrankungen in einem sich verkürzenden Abschnitt am Lebensende. Ein
weiteres Beispiel ist der Übergang in die Großelternschaft: Wenn Menschen im Jahr 2014 die
Großelternschaft in einem höheren Alter erleben als dies im Jahr 1996 der Fall war, so deuten
sich hier Folgen von sich wandelnden Familiengründungsmustern an. Die Kinder der
(werdenden) Großeltern entschließen sich später, selbst eine Familie zu gründen und Kinder zu
haben.

1.4.2

Geschlecht

Das Geschlecht ist über den gesamten Lebenslauf zentral für soziale Ungleichheit (Backes 2007;
Geißler 2014). Unabhängig von den individuellen Entscheidungen, die Frauen und Männer im
Verlauf ihres Lebens treffen, gibt ihre Geschlechtszugehörigkeit „strukturierte Wege durch die
Sozialstruktur“ vor (Krüger 2009: 448). Auch Veränderungen und Entwicklungsverläufe in der
Lebensphase Alter werden von der Geschlechtszugehörigkeit geprägt („ageing as a gendered
process“, Arber & Ginn 1991).
Soziale Ungleichheiten zwischen älteren Männern und Frauen sind wesentlich durch die
ungleiche Verteilung von bezahlter Erwerbs- und unbezahlter Sorgearbeit in früheren
Lebensphasen verursacht (Simonson, Romeu Gordo, & Kelle 2014). Aufstiegsbarrieren für
Frauen lassen sich an der geschlechtsspezifischen Sozialisation, an patriarchalen Strukturen
innerhalb der Arbeitswelt und an der geschlechtsspezifischen innerfamilialen Arbeitsteilung
festmachen (Geißler 2014). Ältere Frauen sind im Ergebnis finanziell schlechter abgesichert als
Männer, da sie im Erwerbsleben geringere Einkommen erzielen (durch Unterbrechungen,
Teilzeit, etc.), eher prekär über die Ehe abgesichert sind und schließlich auch in allen drei Säulen
der Rentenversicherung benachteiligt sind.

18

Allerdings verfügen Frauen, auch im Alter, in der Regel über größere und vielfältigere soziale
Netzwerke als Männer und stehen auch häufiger in Kontakt zu Menschen in ihrem Netzwerk
(Antonucci & Akiyama 1987). Zudem haben Frauen mehr Unterstützungspotenzial,
beispielsweise mit Blick auf Rat oder Trost geht (Huxhold, Mahne, & Naumann 2010). Frauen
verfügen somit über mehr soziale Ressourcen, um andere Benachteiligungen auszugleichen oder
zu puffern. Schließlich haben Frauen zwar eine höhere Lebenserwartung, sind aber häufiger von
chronischen Krankheiten und Pflegebedürftigkeit betroffen (Backes 2007).
Im vorliegenden Bericht wird daher auch der Frage nachgegangen, in welchen Lebensbereichen
es in den letzten beiden Jahrzehnten zu einer Veränderung von Geschlechterunterschieden
gekommen ist. Die gestiegene Erwerbspartizipation und Bildungsbeteiligung von Frauen spielt
dabei für verschiedene Lebensbereiche eine zentrale Rolle. Dabei kann auch deutlich werden, ob
sich, bei einer Verringerung von Geschlechtsunterschieden, die Frauen eher den Männern
angleichen oder ob – umgekehrt – die Lebenssituationen von Männern denen von Frauen
ähnlicher werden.

1.4.3

Bildung

Neben Alter und Geschlecht ist Bildung eine zentrale Determinante sozialer Ungleichheit, in
modernen Gesellschaften stellt der erreichte Bildungsgrad sogar die wichtigste Dimension dar.
Chancenungleichheiten machen sich ganz wesentlich am Bildungsniveau fest: Mit höherer
Bildung ist ein leichterer Zugang zu gesellschaftlichen Positionen, zu
Mitgestaltungsmöglichkeiten, guten Arbeits- und Wohnverhältnissen sowie hilfreichen sozialen
Netzwerken verbunden.
In Deutschland ist die soziale Herkunft entscheidend für den Bildungserfolg in Kindheit, Jugend
und jungem Erwachsenenalter und damit für den Bildungsstatus, der im weiteren Lebensverlauf
Möglichkeiten erschließen kann (oder nicht). Zusätzlich zu primären Effekten wie
schichtspezifischer Sozialisation und kognitiven Kompetenzen wirken sekundäre Effekte wie
elterliche Wünsche und Entscheidungen schon früh im Lebensverlauf (Stocké, Blossfeld, Hoenig,
& Sixt 2011). Insofern gelten Bildungsungleichheiten als besonders stabil über die Zeit und über
den Lebenslauf.
Ungleiche Lebenssituationen in der zweiten Lebenshälfte können auf Bildungsunterschiede als
eine wichtige Ursachenkette über den Lebenslauf zurückgeführt werden – keine andere Variable
kann Unterschiede beim Einkommen und subjektivem Wohlbefinden im Alter besser vorhersagen
als die Bildung (Farkas 2003). Dabei besteht der Zusammenhang zwischen (früh im Lebenslauf
erworbener) Bildung und sozialer Ungleichheit in späteren Lebensphasen nicht allein über den
Zugang zu Berufen, Einkommen und Prestige. Mit Bildung (‚Humankapital‘) gehen weitere
günstige Ressourcen einher, wie kulturelles (z. B. Umgangsformen) und soziales (z. B. hilfreiche
soziale Netzwerke) Kapital, die nicht nur Einkommenschancen sondern auch interpersonale
Kompetenzen (z. B. Kontrollüberzeugungen, Selbstwirksamkeit) und einen gesunden Lebensstil
begünstigen. So zeigt sich beispielsweise, dass mit höherer Bildung die Beteiligung am
Erwerbsleben auch in späteren Lebensphasen steigt (Büttner 2005) – damit zentral verbunden ist
die finanzielle Situation. Zudem belegen zahlreiche Studien, dass bei Personen mit niedrigerer
Bildung bestimmte Krankheiten, Beschwerden und Risikofaktoren häufiger vorkommen (Lampert
& Kroll 2014; von dem Knesebeck & Mielck 2009) und dass sie zudem höhere Sterblichkeitsraten
19

aufweisen (Becker 1998). Schließlich gehen mit höherer Bildung auch größere und heterogenere
soziale Unterstützungsnetzwerke einher (Fiori et al. 2007).
1.4.4

Region

In Deutschland gibt es erhebliche regionale Unterschiede hinsichtlich Wohlstand,
Infrastrukturausstattung und Bevölkerungszusammensetzung (BBSR 2012). Allerdings stehen für
die Erfassung räumlicher Disparitäten wenige gut ausgearbeitete Konzepte zur Verfügung, wie
sie etwa in der Analyse von Sozialstruktur Verwendung finden (z. B. Schicht oder Milieu).
Insofern sind angemessene Indikatoren oder Erhebungsinstrumente für die Erfassung von Raum
als Ungleichheitsdimension noch nicht vorhanden (Barlösius & Neu 2008).
Eine wichtige Unterscheidung bei der Beschreibung regionaler Vielfalt ist die Differenzierung von
städtischem und ländlichem Raum beziehungsweise verschiedener siedlungsstruktureller
Gebietstypen (Ballungsräume, verstädterte Räume, ländliche Räume). In Ballungsräumen kommt
es zu räumlichen Konzentrationen von Menschen und damit auch zu einer Konzentration sozialer
und wirtschaftlicher Aktivitäten. Den verdichteten Kerngebieten und suburbanisierten Räumen
stehen dünn besiedelte und häufig strukturschwache Regionen gegenüber. Diese Gebiete
werden oft als ländlicher Raum bezeichnet. Über Unterschiede in der Siedlungsdichte weisen
unterschiedliche Regionen in Deutschland ungleiche Ausstattungen mit Arbeitsplätzen,
Dienstleistungen, Infrastruktur sowie sozioökonomischen und demografischen Merkmalen auf.
Obwohl mittlerweile 25 Jahre seit der deutsch-deutschen Wiedervereinigung vergangen sind, ist
die regionale Differenzierung zwischen alten und neuen Bundesländern immer noch relevant.
Insbesondere mit Blick auf die wirtschaftliche Entwicklung zeigt sich, dass es zwischen Ost- und
West-Deutschland erhebliche regionale Unterschiede gibt (Maretzke 2006). Mit Blick auf die
materielle Lage können Geschlechtsunterschiede durch regionale Disparitäten verstärkt werden:
Frauen in den alten Bundesländern haben wesentlich häufiger diskontinuierliche
Erwerbsbiografien und arbeiten häufiger Teilzeit als in den neuen Bundesländern. Die in den
neuen Bundesländern zwischen Männern und Frauen deutlich ähnlicheren Erwerbsbiografien
führen dazu, dass weibliche Altersarmut in Westdeutschland ein viel stärker ausgeprägtes
Phänomen ist. Auch die Lebensverläufe von Menschen in Ost- und West-Deutschland,
beispielsweise mit Blick auf den Zeitpunkt familialer Übergänge, auf Bildungsunterschiede, auf
Werthaltungen sowie auf die Erfahrung von Arbeitslosigkeit. Zudem vollziehen sich die
demografische Alterung, Prozesse der Zu- und Abwanderung und der wirtschaftlichen Prosperität
regional sehr unterschiedlich.

1.5

Ausblick auf den Bericht

Im vorliegenden Bericht wird der Wandel von Teilhabe und Integration in der zweiten
Lebenshälfte in verschiedenen Lebensbereichen dargestellt. Betrachtet wird der Zeitraum von
1996 bis 2014, also beinahe zwei Jahrzehnte des Wandels. Dabei werden nicht allein allgemeine
Trends betrachtet, sondern auch gefragt, ob sich Unterschiede und Ungleichheiten aufgrund von
Alter, Geschlecht, Bildung oder Region im sozialen Wandel verändert haben. Dies bedeutet, dass
im vorliegenden Bericht nicht allein Unterschiede berichtet werden, sondern auch Ähnlichkeiten
und Annäherungen zwischen Gruppen dargestellt werden. Mit einer geschärften Wahrnehmung
für soziale Differenzierungen und Ungleichheiten lassen sich Grenzen von Teilhabe und
Integration erkennen und politische Handlungsbedarfe ableiten.
20

Der Bericht nutzt die thematische Vielfalt des DEAS und umfasst sieben Oberthemen:
Erwerbstätigkeit und Ruhestand, Materielle Lage, Gesundheit und Wohlbefinden, Partnerschaft
und Generationenbeziehungen, Unterstützung und soziale Integration, Wohnung und
Wohnumfeld, Einstellungen und Diskriminierung, sowie Migrationshintergrund. Insgesamt
umfasst der Bericht zum DEAS 2014 neben diesem Einleitungskapitel und einem Kapitel zu
Daten und Methoden 22 inhaltliche Kapitel. Der Bericht schließt mit einem politikorientierten
Fazit.

Literatur
Antonucci, T. C., & Akiyama, H. (1987). An examination of sex differences in social support
among older men and women. Sex Roles, 17(11/12), 737-749.
Arber, S., & Ginn, J. (1991). Gender and later life : a sociological analysis of resources and
constraints. London: Sage.
Backes, G. M. (2007). Geschlechter - Lebenslagen - Altern. In: U. Pasero, G. M. Backes & K. R.
Schroeter (Hrsg.) Altern in Gesellschaft. Ageing - Diversity - Inclusion (S. 151-183).
Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.
Backes, G. M. (2005). Alter(n) und Geschlecht: ein Thema mit Zukunft. Aus Politik und
Zeitgeschichte, 49-50, 31-38.
Backes, G. M., & Clemens, W. (2013). Lebensphase Alter. Eine Einführung in die
sozialwissenschaftliche Alternsforschung. Weinheim/Basel: Beltz Juventa.
Barlösius, E., & Neu, C. (2008). Peripherisierung – eine neue Form sozialer Ungleichheit? Berlin:
Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften
BBSR (2012). Raumordnungsbericht 2011. Bonn: Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und
Raumforschung.
Becker, R. (1998). Bildung und Lebenserwartung in Deutschland. Eine empirische
Längsschnittuntersuchung aus der Lebensverlaufperspektive. Zeitschrift für Soziologie,
27(2), 133-150.
Büttner, R. (2005). Höhere Erwerbsbeteiligung in Westdeutschland – Mehr Arbeitslosigkeit und
Frühverrentungen in Ostdeutschland [Altersübergangs-Report 05]. Duisburg-Essen:
Institut Arbeit und Qualifikation.
Claßen, K., Oswald, F., Doh, M., Kleinemas, U., & Wahl, H.-W. (2014). Umwelten des Alterns.
Stuttgart: Kohlhammer.
Engstler, H., & Romeu Gordo, L. (2014). Arbeiten im Ruhestand - Entwicklung, Faktoren und
Motive der Erwerbstätigkeit von Altersrentenbeziehern. In: E. Kistler & F. Trischler (Hrsg.)
Reformen auf dme Arbeitsmarkt und in der Alterssicherung - Folgen für die Einkunftslage
im Alter (S. 115-147). Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung.
Farkas, G. (2003). Human Capital and the Long-Term Effects of Education on Late-Life
Inequality. In: S. Crystal & D. Shea (Hrsg.) Annual Review of Gerontology and Geriatrics
(S. 138-154). New York: Springer.
Ferraro, K. F., Shippee, T. P., & Schafer, M. H. (2009). Cumulative inequality theory for research
on aging and the life course. In: V. L. Bengtson, M. Silverstein, N. M. Putney & D. Gans
(Hrsg.) Handbook of theories of aging (Bd. 22, S. 413-433). New York: Springer
Publishing Company.
Fiori, K. L., Smith, J., & Antonucci, T. C. (2007). Social network types among older adults: A
multidimensional approach. The Journals of Gerontology Series B: Psychological
Sciences and Social Sciences, 62(6), P322-P330.
Geißler, R. (2014). Bildungsexpansion und Wandel der Bildungschancen: Veränderungen im
Zusammenhang von Bildungssystem und Sozialstruktur. In: R. Geißler (Hrsg.) Die
Sozialstruktur Deutschlands (Bd. 7, S. 333-372). Wiesbaden: Springer VS.
Geißler, R., & Meyer, T. (2014). Struktur und Entwicklung der Bevölkerung. In: R. Geißler (Hrsg.)
Die Sozialstruktur Deutschlands (Bd. 7, S. 27-58). Wiesbaden: Springer VS.

21

Goebel, J., Habich, R., & Krause, P. (2013). Einkommensentwicklung: Verteilung, Angleichung,
Armut und Dynamik. . In: Statistisches Bundesamt & W. B. f. Sozialforschung (Hrsg.)
Datenreport 2013 (S. 168-180). Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung.
Hollfelder, T. (2012). Konfliktpotenziale zwischen Alt und Jung im deutschen Wohlfahrtsstaat:
eine quantitative Analyse des European Social Survey (EES). Journal für
Generationengerechtigkeit, 12, 17-30.
Hradil, S. (2012). Bevölkerung. Die Angst vor der demografischen Zukunft. In: S. Hradil (Hrsg.)
Deutsche Verhältnisse. Eine Sozialkunde. Berlin: Bundeszentrale für politsche Bildung.
Huxhold, O., Mahne, K., & Naumann, D. (2010). Soziale Integration. In: A. Motel-Klingebiel, S.
Wurm & C. Tesch-Römer (Hrsg.) Altern im Wandel. Befunde des Deutschen
Alterssurveys (DEAS) (S. 215-233). Stuttgart: Kohlhammer.
Kawachi, I., & Berkman, L. (2003). Introduction. In: I. Kawachi & L. Berkman (Hrsg.)
Neighborhoods and health (S. 1-19). New York: Oxford University Press.
Krüger, H. (2009). Prozessuale Ungleichheit. Geschlecht und Institutionenverknüpfungen im
Lebenslauf. In: H. Solga, P. J. & P. A. Berger (Hrsg.) Soziale Ungleichheit. Klassische
Texte zur Sozialstrukturanalyse (S. 447-462). Frankfurt/Main: Campus Verlag.
Lampert, T., & Kroll, L. E. (2014). Soziale Unterschiede in der Mortalität und Lebenserwartung.
GBE Kompakt, 5(2), 1-13.
Lesthaeghe, R. (1983). A Century of Demographic and Cultural Change in Western Europe: An
Exploration of Underlying Dimensions. Population and Development Review, 9(3), 411435. doi: 10.2307/1973316.
Lohmann-Haislah. (2012). Stressreport Deutschland 2012. Psychische Anforderungen,
Ressourcen und Befinden. . Dortmund, Berlin, Dresden: Bundesanstalt für Arbeitsschutz
und Arbeitsmedizin.
Maretzke, S. (2006). Siedlungsstrukturelle Gebietstypen - eine bleibende Herausforderung. .
Informationen zur Raumentwicklung, 2006(9), 473-484.
Meyer, T. (2014). Der Wandel der Familie und anderer privater Lebensformen. In: R. Geißler
(Hrsg.) Die Sozialstruktur Deutschlands (Bd. 7, S. 413-454). Wiesbaden: Springer VS.
Motel-Klingebiel, A., Simonson, J., & Romeu Gordo, L. (2010). Materielle Sicherung. In: A. MotelKlingebiel, S. Wurm & C. Tesch-Römer (Hrsg.) Altern im Wandel. Befunde des
Deutschen Alterssurveys (S. 61-89). Stuttgart: Kohlhammer.
Naumann, D., & Romeu Gordo, L. (2010). Gesellschaftliche Partizipation: Erwerbstätigkeit,
Ehrenamt und Bildung. In: A. Motel-Klingebiel, S. Wurm & C. Tesch-Römer (Hrsg.) Altern
im Wandel. Befunde des Deutschen Alterssurveys (DEAS). Stuttgart: Kohlhammer.
Oswald, F., Kaspar, R., Frenzel-Erkert, U., & Konopik, N. (2013). Hier will ich wohnen bleiben!
Ergebnisse eines Frankfurter Forschungsprojekts zur Bedeutung des Wohnens in der
Nachbarschaft für gesundes Altern: Goethe-Universität Frankfurt am Main und BHFBANK-Stiftung: Eigenverlag.
Schäfers, B. (2012). Sozialstruktur und sozialer Wandel in Deutschland. Konstanz: UVK
Verlagsgesellschaft mbH.
Schimank, U. (2012). Sozialer Wandel. Wohin geht die Entwicklung? In: S. Hradil (Hrsg.)
Deutsche Verhältnisse. Eine Sozialkunde. Berlin: Bundeszentrale für politsche Bildung.
Simonson, J., Romeu Gordo, L., & Kelle, N. (2015). Separate paths, same direction?
Destandardization of male employement biographies in East and West Germany. Current
Sociology, 63(3), 387-710. doi: 10.1177/0011392115572380.
Simonson, J., Romeu Gordo, L., & Kelle, N. (2014). Parenthood and Subsequent Employment:
Changes in the Labor Participation of Fathers across Cohorts as Compared to Mothers.
Fathering: A Journal of Theory, Research and Practice about Men as Fathers, 12(3), 320336.
Simonson, J., Romeu Gordo, L., & Titova, N. (2011). Changing employment patterns of women in
Germany: How do baby boomers differ from older cohorts? A comparison using sequence
analysis. Advances in Life Course Research, 16(2), 65-82.
Solga, H., Berger, P. A., & Powell, J. (2009). Soziale Ungleichheit - Kein Schnee von gestern!
Eine Einführung. In: H. P. J. B. SOLGA, P.(Hrsg.) (Hrsg.) Soziale Ungleichheit.
Klassische Texte zur Sozialstrukturanalyse (S. 11-45). Frankfurt/Main: Campus Verlag.
Statistisches Bundesamt (2012). Lebenserwartung in Deutschland erneut gestiegen.
Pressemitteilung vom 02. Oktober 2012. Online:
https://www.destatis.de/DE/PresseService/Presse/Pressemitteilungen/2012/10/PD12_344
22

_12621pdf.pdf;jsessionid=7B69B8F36CBF77C4FD0DB0A92A30D305.cae3?__blob=publ
icationFile (zuletzt abgerufen 08.02.2016).
Stocké, V., Blossfeld, H.-P., Hoenig, K., & Sixt, M. (2011). Social inequality and educational
decisions in the life course. Zeitschrift für Erziehungswissenschaft, 14, 103-119. doi:
10.1007/s11618-011-0193-4.
Trischler, F. (2014). Erwerbsverlauf, Altersübergang, Alterssicherung. Zunehmende soziale
Ungleichheit im Alter. . Wiesbaden: Springer VS.
Vogel, C., Künemund, H., & Kohli, M. (2011). Familiale Transmission in der zweiten Lebenshälfte.
Erbschaften und Vermögensungleichheit. In: P. A. Berger, K. Hank & A. Tölke (Hrsg.)
Reproduktion von Ungleicheit durch Arbeit und Familie (S. 73-92). Wiesbaden: VS Verlag
für Sozialwissenschaften.
von dem Knesebeck, O., & Mielck, A. (2009). Soziale Ungleichheit und gesundheitliche
Versorgung im höheren Lebensalter. In: A. Börsch-Supan, K. Hank, H. Jürges & M.
Schröder (Hrsg.) 50plus in Deutschland und Europa. Ergebnisse des Survey of Health,
Ageing and Retirement in Europe (S. 135-147). Wiesbaden: VS Verlag für
Sozialwissenschaften.
Wahl, H.-W., Iwarsson, S., & Oswald, F. (2012). Aging well and the environment: Toward an
integrative model and research agenda for the future. The Gerontologist, 52(3), 306-316.
Wiest, M., Novossadeck, S., & Tesch-Römer, C. (2015). Regionale Unterschiede in den
Lebenssituationen älterer Menschen in Deutschland. DZA-Diskussionspapier, 57, 1-62.
Wurm, S., & Huxhold, O. (2012). Sozialer Wandel und individuelle Entwicklung von Altersbildern.
In: F. Berner, J. Rossow & K.-P. Schwitzer (Hrsg.) Individuelle und kulturelle Altersbilder.
Expertisen zum Sechsten Altenbericht der Bundesregierung (S. 27-69). Wiesbaden: VS
Verlag für Sozialwissenschaften.
Wurm, S., Schöllgen, I., & Tesch-Römer, C. (2010). Gesundheit. In: A. Motel-Klingebiel, S. Wurm
& C. Tesch-Römer (Hrsg.) Altern im Wandel. Befunde des Deutschen Alterssurveys
(DEAS) (S. 90-117). Stuttgart: Kohlhammer.

23

24
	

2 Daten und Methoden des Deutschen
Alterssurveys
Daniela Klaus & Heribert Engstler

Kernaussagen
Der Deutsche Alterssurvey (DEAS) untersucht die Lebenssituationen und
Alternsverläufe der Menschen in der zweiten Lebenshälfte über einen Zeitraum
von bislang 18 Jahren: Zwischen 1996 und 2014 wurden fünf Erhebungen
durchgeführt (1996, 2002, 2008, 2011, 2014). Befragt werden Personen ab ihrem 40.
Lebensjahr.
Der DEAS kombiniert Quer- und Längsschnitterhebungen: Bisher haben 20.715
Personen an der Befragung teilgenommen. Sie haben insgesamt 33.410 mündliche
Interviews gegeben. Bereits 6.623 Personen wurden zweimal oder öfter befragt.
Trotz einer rückläufigen Teilnahmebereitschaft weist der DEAS eine hohe
Datenqualität auf: Die Teilnahmequote bei der Erstbefragung liegt zwischen 50,3
Prozent (1996) und 27,1 Prozent (2014). Dennoch bestehen nur geringe Selektivitäten
hinsichtlich der Teilnahmewahrscheinlichkeit, die denen aus vergleichbaren Studien
ähneln.
Die Studie deckt eine große Breite alter(n)srelevanter Themen ab: Informationen
zu zentralen Lebensbereichen und Dimensionen von Lebensqualität werden über ein
standardisiertes mündliches Interview sowie einen schriftlichen Fragebogen erhoben.
Neben den Individualdaten stehen Kontextdaten auf Kreisebene und zu Merkmalen
des Wohnumfelds zur Verfügung

25

2.1

Einleitung

Der Deutsche Alterssurvey (DEAS) ist eine seit 1996 durchgeführte Befragung von Menschen in
der zweiten Lebenshälfte in Deutschland. Mit der jüngsten DEAS-Erhebung im Jahr 2014 hat sich
der Beobachtungszeitraum der Studie auf nunmehr 18 Jahre und fünf Erhebungen erweitert
(1996, 2002, 2008, 2011, 2014). In Verbindung mit den kombinierten Quer- und
Längsschnittstichproben und der großen thematischen Breite des DEAS steht damit ein
Datensatz zur Verfügung, der eine fundierte Sozialberichterstattung über einen langen Zeitraum
hinweg und zu einer Vielzahl alter(n)srelevanter Themen und Fragen ermöglicht. Zugleich erlaubt
er wissenschaftlich hochwertige Forschung.
Die erste Erhebung im Jahr 1996 wurde auf Initiative des Bundesministeriums für Familie,
Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) unter der Federführung der Freien Universität Berlin
(Forschungsgruppe Altern und Lebenslauf, Leitung Prof. Martin Kohli) und der Universität
Nijmegen (Forschungsgruppe Psychogerontologie, Leitung Prof. Freya Dittmann-Kohli) realisiert.
Seit der zweiten Erhebung im Jahr 2002 ist das Deutsche Zentrum für Altersfragen (DZA) mit der
Weiterentwicklung, Durchführung und Auswertung des DEAS beauftragt. Die Stichprobenziehung
und -pflege sowie die Feldarbeit erfolgen von Studienbeginn an durch das infas Institut für
angewandte Sozialwissenschaft GmbH, Bonn. Die Daten sowie die dazugehörigen
Datendokumentationen (wie Fragebögen und Codebücher) werden durch das
Forschungsdatenzentrum des DZA als scientific use files zu Verfügung gestellt.
Auch die jüngste Befragung 2014 folgt dem bisherigen Grundsatz der Wahrung größtmöglicher
Konsistenz über die Erhebungsjahre hinweg – sowohl in den Inhalten als auch im Zugang zu den
Befragten. Nur auf diese Weise kann eine Vergleichbarkeit über die Zeit sichergestellt werden.
Dennoch bedarf es im Rahmen dieser Vorgabe einer gewissen Flexibilität, um aktuell diskutierte
Themen aus Öffentlichkeit, Politik sowie Wissenschaft aufgreifen und vertiefen zu können und –
sofern nötig – neueste methodologische Erkenntnisse und Praktiken zur Verbesserung der
Datenerhebung und -qualität einfließen zu lassen.

2.2

Das Stichprobendesign des DEAS

Der DEAS folgt einem kohortensequenziellen Design (Abbildung 2-1). Durch die Kombination von
quer- und längsschnittlichen Stichproben ergeben sich drei Auswertungsmöglichkeiten: Neben
der Betrachtung von (1) sozialem Wandel (Vergleich unabhängiger Querschnittsdaten) und (2)
individueller Entwicklungsverläufe (Paneldaten) können auch (3) individuelle Entwicklungen im
Wandel der Zeit (Kohortenvergleich von Verläufen) untersucht werden. Im vorliegenden Bericht
werden Fragen des sozialen Wandels behandelt.
Seit 1996 werden im Abstand von sechs Jahren repräsentative Querschnitterhebungen an neuen
Stichproben durchgeführt. Dies ermöglicht einen Zeitvergleich auf der Grundlage voneinander
unabhängiger Querschnittstichproben. Zielgruppe der Querschnitterhebungen ist jeweils die
Wohnbevölkerung in Privathaushalten im Alter von 40 bis 85 Jahren. 1 Während im Jahr 1996 nur
deutsche Staatsbürgerinnen und Staatsbürger einbezogen wurden, wurde 2002 zudem eine
1

In den Querschnitterhebungen werden Personen in Gemeinschaftsunterkünften ausgeschlossen, was bezogen
auf die im DEAS untersuchte Altersgruppe hauptsächlich ältere Menschen in Pflege- oder Altersheimen betrifft.
Laut Mikrozensus 2014 lebt in der Altersgruppe der 40- bis 85-Jährigen nur ein Prozent der Bevölkerung in
Gemeinschaftsunterkünften; zu einem substanziellen Anstieg kommt es erst ab dem 80. Lebensjahr (Statistisches
Bundesamt 2015a). Somit erlauben die DEAS Querschnittstichproben trotz Beschränkung auf Privathaushalte für
99 Prozent der Personen in der zweiten Lebenshälfte valide Aussagen.

26

separate Stichprobe der in Deutschland lebenden ausländischen Bevölkerung realisiert. Seit
2008 sind beide Gruppen in einer Bevölkerungsstichprobe zusammengeführt, das heißt
unabhängig von der Staatsangehörigkeit stellt seither die in Privathaushalten lebende
Wohnbevölkerung Deutschlands die Grundgesamtheit dar. Die Befragung erfolgt ausschließlich
in deutscher Sprache. Ergänzend zu diesen Querschnitterhebungen werden seit 2002 jeweils alle
Personen, die hierfür schriftlich ihr Einverständnis gegeben haben, für
Wiederholungsbefragungen kontaktiert. Wie die Abbildung 2-1 zeigt, wurde nach 2008 die
Taktung der Panelerhebungen von sechs auf drei Jahre verkürzt, unter anderem um auf diese
Weise Dynamiken individueller Lebensverläufe in der zweiten Lebenshälfte besser abbilden zu
können.

Abbildung 2-1:

DEAS Stichprobendesign 1996-2014

Quelle: Deutsches Zentrum für Altersfragen (DZA). Deutscher Alterssurvey (DEAS).

Nach Abschluss der fünften Erhebung im Jahr 2014 verzeichnet der DEAS 20.715
Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer, mit denen zwischen 1996 und 2014 insgesamt 33.410
mündliche Interviews geführt wurden. 2 Zwar hat ein Großteil bislang nur an der jeweiligen
Erstbefragung teilgenommen, (n = 14.091, darunter 6.002 Teilnehmende an der Erstbefragung im
Jahr 2014), doch viele konnten inzwischen auch für wiederholte Befragungen gewonnen werden
(zweimal: 2.265; dreimal: 3.041; viermal: 922; fünfmal: 395) – und die Bereitschaft zur
mehrfachen Interviewteilnahme steigt. Als Dankeschön für ihre Teilnahme haben die Befragten in
den ersten Erhebungen Telefonkarten (1996, 2002) und Briefmarkenhefte (2008) erhalten. Seit
2011 werden Aufwandsentschädigungen (Incentives) im Wert von zehn Euro in bar eingesetzt,
um die Teilnahmemotivation zu erhöhen (Pforr, Blohm, Blom, Erdel, Felderer, Fräßdorf, Hajek,
Helmschrott, Kleinert, Koch, Krieger, Kroh, Martin, Saßenroth, Schmiedeberg, Trüdinger, &
Rammstedt 2015). Gleichzeitig sollen hierüber Ausfälle in den Wiederholungsbefragungen
reduziert werden (Laurie & Lynn 2009) und solche Zielpersonen motiviert werden, die in

2 Die Angaben beziehen sich auf die gültigen Fälle nach Abschluss der Datenbereinigung im Frühjahr 2015.

27

Umfragen typischerweise unterrepräsentiert sind wie beispielsweise Niedriggebildete oder
Alleinstehende (Ryu, Couper, & Marans 2006).

2.3
2.3.1

Inhalte
Themenschwerpunkte

Eine Besonderheit des DEAS besteht darin, dass er über einen großen Zeitraum eine sehr große
Breite an Themen und Inhalten zu zentralen Lebensbereichen erhebt – und zwar anhand von
weitgehend vergleichbaren Instrumenten. Folgende Themenschwerpunkte werden seit 1996
abgedeckt:
- Soziodemografische Grunddaten
- Arbeit und Ruhestand
- Wirtschaftliche Lage, Altersvorsorge und finanzielle Unterstützung
- Soziale Beziehungen (Partnerschaft, Familien- und Generationenbeziehungen, soziale
Netzwerke)
- Freizeitaktivitäten, ehrenamtliches Engagement, soziale Unterstützung
- Wohnen und Wohnumfeld
- Gesundheit, Gesundheitsverhalten, Hilfe- und Pflegebedarf
- Einstellungen und Altersbilder
- Lebenszufriedenheit und psychisches Wohlbefinden
Im DEAS wird der Erfassung von biografischen und objektiven Fakten eine ganze Reihe
subjektiver Bewertungen und Einstellungen zur Seite gestellt. Dieser Reichtum an Informationen
ermöglicht nicht nur eine umfassende Darstellung der Lebenssituation von Menschen in der
zweiten Lebenshälfte, sondern kann diese durch deren individuelle Einschätzung ergänzen.
Zudem können Wechselwirkungen zwischen Lebensbereichen untersucht werden. Trotz
weitgehender inhaltlicher Stabilität über die Befragungsjahre hinweg, finden sich auch
Themenbereiche und Fragen, die nur einmalig erhoben wurden oder im Verlauf der Studie
hinzugekommen sind. Damit sollen aktuelle Diskurse und Inhalte aufgegriffen werden. So wurden
2014 die Themen soziale Exklusion (vgl. Kapitel 18), nachbarschaftliche Kontakte und lokale
Serviceangebote für Ältere (vgl. Kapitel 20 und 21) durch die Aufnahme neuer
Erhebungsinstrumente ausgebaut. Der Informationsreichtum des DEAS wird regelmäßig für die
Erstellung öffentlichkeitswirksamer Beiträge genutzt, die sich beispielsweise in den
Altenberichten der Bundesregierung finden.
Für wiederholt befragte Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer ergibt sich ab der
Zweitbefragung insofern ein reduziertes Fragenprogramm, als darauf verzichtet wird, stabile
Merkmale – wie zum Beispiel das erreichte Bildungsniveau – erneut abzufragen. Zudem werden
bereits bekannte Informationen aus vorangegangenen Befragungen als Referenz genutzt, um
daran anknüpfend biografische Ereignisse fortzuschreiben (beispielsweise
Partnerschaftsbiografie). Dieser Zuschnitt der Befragung auf die individuelle Situation wird durch
den umfassenden Einsatz von bekannten Befragteninformationen aus den vorherigen
Erhebungen (sogenannte ‚Preload-Daten‘) für die Panelbefragungen möglich.
28

2.3.2

Erhebungsmethoden und Befragungsmodule

Die Datenerhebung im DEAS erfolgt über unterschiedliche Erhebungsverfahren und
Befragungsmodule. Mit allen Befragten wird vor Ort ein persönliches mündliches Interview
anhand eines standardisierten Fragebogens durchgeführt – in den frühen Erhebungen (1996 und
2002) als paper-pencil-Interview (PAPI) und seit 2008 als Computer unterstütztes Interview
(CAPI). Die durchschnittliche Befragungszeit für die Erstbefragungen hat sich über die
Befragungsjahre hinweg erhöht und liegt 2014 bei 100 Minuten für Erstbefragte (Median = 96
Minuten) und 86 Minuten für wiederholt Befragte (Median = 82 Minuten). Inbegriffen sind hier
Pausen im Verlauf des Interviews, die im Durchschnitt zwischen einer und zwei Minuten
betragen. Die durchschnittliche Interviewdauer variiert systematisch mit dem Alter: So liegt sie bei
den jüngsten Erstbefragten bei 94 Minuten (40 bis 54 Jahre), in der mittleren Altersgruppe bei
100 Minuten (55 bis 69 Jahre) und bei den Ältesten bei 107 Minuten (70 bis 85 Jahre). Trotz der
langen Befragungsdauer finden sich auch unter den Älteren keine Hinweise für einen
Qualitätsverlust der Daten. So schätzen beispielsweise die Interviewerinnen und Interviewer die
Zuverlässigkeit der von den Befragten gemachten Angaben als hoch ein – unabhängig vom Alter
der Befragten und der Befragungsdauer. Auch Befragungsabbrüche finden vernachlässigbar
selten statt (Schiel, Kerr, Dickmann, & Aust 2015).
Im Verlauf des mündlichen Interviews werden verschiedene Tests durchgeführt: Seit 2002 wird
ein Zahlen-Zeichen-Test zur Messung der psychomotorischen Geschwindigkeit als Teilaspekt der
kognitiven Leistungsfähigkeit eingesetzt (Hoyer, Stawski, Wasylyshyn, & Verhaeghen 2004;
Tewes 1994) und ab 2008 ein Lungenfunktionstest als Indikator für die körperliche Gesundheit
(Vaz Fragoso, Gahbauer, Van Ness, Concato, & Gill 2008). Etwa 90 Prozent der Befragten
nehmen am Lungenfunktionstest teil; die Teilnahmequote beim Zahlen-Zeichen-Test bewegt sich
zwischen 76 und 91 Prozent (vgl. Tabellen 2-1 und 2-3).
Nach dem mündlichen Interview werden die Befragten gebeten, einen schriftlichen Fragebogen
auszufüllen (Drop-Off). Hier werden vor allem Einstellungen und subjektive Einschätzungen
erhoben, sensible Fragen wie zum Einkommen und der Gesundheit gestellt und Merkmale
erfragt, die keine differenzierte Filterführung benötigen. Auch verschiedene psychologische
Skalen werden im Drop-Off erhoben. Während die Teilnahmequote in den ersten beiden
Basiserhebungen über 80 Prozent lag, sank sie ab 2008 auf 72 Prozent (vgl. Tabelle 2-1). Bei
den Panelbefragten liegt die Ausfüllquote mit jeweils mindestens 80 Prozent deutlich darüber
(vgl. Tabelle 2-3), vermutlich aufgrund deren generell größerer Studienbindung und Motivation.
Analysen belegen zudem, dass vor allem Frauen, ältere Befragte und Befragte mit einem
höheren sozio-ökonomischen Status (Bildung und Einkommen) mit höherer Wahrscheinlichkeit
an der schriftlichen Befragung teilnehmen (Schiel et al. 2015). Allerdings ist die Stärke dieser
Selektionseffekte recht gering.
Bei Zielpersonen, die aus unterschiedlichen Gründen nicht teilnehmen, wird seit 2008 nach
Möglichkeit ein Kurzfragebogen eingesetzt, den entweder die Zielperson selbst beantwortet oder
stellvertretend eine Kontaktperson. Ziel ist die Erfassung einiger Basisinformationen wie
Wohnform, Gesundheitszustand, Staatsangehörigkeit, Bildung oder Lebenszufriedenheit, um auf
diese Weise die (temporären) Ausfälle besser beschreiben zu können. Im Jahr 2014 konnte für
2.198 Zielpersonen der Erstbefragung ein Kurzinterview durchgeführt werden sowie für 308
Personen der Panelstichprobe (Schiel et al. 2015). Das entspricht 14 Prozent beziehungsweise
zwölf Prozent der nicht am Hauptinterview teilnehmenden Zielpersonen der bereinigten
29

Bruttoeinsatzstichproben in der Erst- beziehungsweise Wiederholungsbefragung. In den meisten
Fällen wurde das Kurzinterview direkt mit der Zielperson geführt. Die geringe Bereitschaft zur
Teilnahme an einem Kurzinterview ist auch aus anderen Altersstudien bekannt (beispielsweise
aus dem Survey of Health, Ageing and Retirement in Europe: Börsch-Supan, Brandt, Hunkler,
Kneip, Korbmacher, Malter, Schaan, Stuck, & Zuber 2013).
Ergänzend zu den Befragungsdaten bietet der DEAS weitere Daten, die das Wohnumfeld der
Befragungspersonen auf unterschiedlichen räumlichen Ebenen beschreiben. Für alle
Erhebungsjahre liegen Einschätzungen der Interviewenden zur Wohnung und zum Wohnumfeld
der Befragten vor. Für die Befragten der Jahre 2002, 2008 und 2014 stehen quartiersbezogene
Daten zur sozialstrukturellen Zusammensetzung der Wohngegend, zu Sozialmilieus, Kaufkraft
oder zur Arbeitslosigkeit zur Verfügung. 3 Auf Kreisebene können für alle Befragten und alle
Erhebungsjahre ausgewählte Indikatoren und Karten zur Raum- und Stadtentwicklung (INKARDaten) vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung genutzt werden wie
beispielsweise zu Arbeitsmarkt, Bevölkerung, medizinischer Versorgung, Verkehr oder
Wirtschaft.

2.4
2.4.1

Die Querschnittstichproben
Stichprobenziehung

Die Querschnittstichproben des DEAS (Basisstichproben) sind Personenstichproben aus
Einwohnermelderegistern. Dabei ist die Stichprobenziehung zweistufig angelegt (Schiel et al.
2015; Smid, Hess, & Gilberg 1997): In der ersten Befragung 1996 wurden entsprechend des
‚probability proportional to size‘-Ansatzes 290 Gemeinden gezogen. Innerhalb dieser
Gebietseinheiten erfolgt seither eine zufällige Ziehung von Zielpersonen aus den
Einwohnermelderegistern. Bereits 1996 kam es auf dieser ersten Stufe zu Ausfällen, da fünf
Prozent der ausgewählten Gemeinden die Ziehung einer Personenstichprobe verweigert haben
(Smid et al. 1997). Im Jahr 2014 fielen aus diesem Grund zwölf Gemeinden aus – allerdings
regional zufällig verteilt, weshalb von keinem Qualitätsverlust der Stichprobe auszugehen ist
(Schiel et al. 2015). Seit 2008 werden im Zuge der Aufbereitung der
Einwohnermeldeamtsstichproben durch infas diejenigen Personen ausgeschlossen, die bereits in
einer der vorangegangenen Erhebungen an der Studie teilgenommen haben. Solche
Überschneidungen finden vor allem in kleineren Gemeinden statt: 2008 waren es 278 Personen
und 2014 wurden 473 Personen ausgeschlossen (Schiel et al. 2015).

3

Die Strukturdaten zum Wohnumfeld der Befragten (im Jahr 2002 nur für panelbereite Befragte) wurden von der
Firma microm Micromarketing-Systeme und Consult GmbH, Neuss, zur Verfügung gestellt. Für die Befragung des
Jahres 2014 liegen auch Wohnumfeldmerkmale der Firma infas 360° GmbH, Bonn, vor.

30

Tabelle 2-1:

Merkmale der DEAS-Querschnittstichproben 1996, 2002, 2008, 2014

Befragungsjahr

1996

2002

2008

2014

Wohnbevölkerung
Deutschland

Deutsche

Deutsche

Ausländer

Unbereinigte Bruttoeinsatzstichprobe 1)

10.608

8.826

3.225

18.822

23.984
	

Bereinigte Bruttoeinsatzstichprobe

9.613

8.164

2.343

17.366

22.139
	

4.838

3.084

586

6.205

6.002
	

Absolute Zahlen
2)

Gültige mündliche Interviews
Gültige schriftliche Fragebögen

4.034

2.787

484

4.442

4.295
	

Teilnahmen am Zahlen-Zeichen-Test

-

2.474

446

5.249

4.961
	

Durchgeführte Lungenfunktionstests

-

-

-

5.449

5.449
	

2.873

1.964

286

4.417

4.575
	

Erklärte Panelbereitschaft
Quoten
Teilnahmequote 3)

50,3

37,8

25,0

35,7

27,1

Schriftlicher Drop Off 4)

83,4

90,4

82,6

71,6

71,6

Zahlen-Zeichen-Test 4)

-

80,2

76,1

84,6

82,7

Lungenfunktionstest 4)

-

-

-

87,8

90,8

59,4

63,7

48,8

71,2

76,2

1911-56

1917-62

1917-62

1923-68

1929-74

40-85

40-85

40-85

40-85

67

82

82

83

Panelbereitschaftsquote 4)
Sonstiges
Erhobene Geburtsjahrgänge
Alter bei Befragung
Durchschnittliche Interviewdauer
Seitenzahl Drop Off
Erhebungszeitraum (Monate/Jahr)

40-85
100

28

32

32

36

36

1-7/1996

2-11/2002

2-11/2002

4-11/2008

4-11/2014

Quellen: Eigene Zusammenstellung bzw. Berechnung basierend auf den DEAS-scientific use files (Stand: Frühjahr 2015) sowie
Engstler & Motel-Klingebiel (2010); Engstler & Wurm (2006); Klaus & Engstler (2012); Künemund (2000); Schiel, Hess & Gilberg
(2003); Schiel & Smid (2009); Schiel, Dickmann & Aust (2011); Schiel, Kerr, Dickmann & Aust (2015).
Anmerkungen: 1) Zufallsstichprobe aus dem von den Einwohnermeldeämtern gelieferten Adressdatensatz; 2) Unbereinigte
Bruttoeinsatzstichprobe abzüglich neutraler Ausfälle, das heißt Personen, die bereits verstorben sind, im Heim leben, ins
Ausland oder unbekannt verzogen sind, nicht ausreichend deutsch sprechen oder aus anderen Gründen nicht zur Zielgruppe
gehören; 3) Anteil gültiger mündlicher Interviews an bereinigter Bruttoeinsatzstichprobe; 4) Anteil an gültigen mündlichen
Interviews.

Die Querschnittstichproben sind seit der ersten Erhebung disproportional nach Alter, Geschlecht
und Landesteil geschichtet: Die Ziehung der Bruttostichprobe erfolgt so, dass sich erwarten lässt,
dass sich die realisierten Interviews zu etwa gleichen Teilen auf drei Altersgruppen (40 bis 54, 55
bis 69, 70 bis 85 Jahre) sowie auf Männer und Frauen verteilen. Zwei Drittel der Befragten sollen
in den alten und ein Drittel in den neuen Bundesländern wohnen. Demzufolge sind Ältere,
Männer und Befragte in Ostdeutschland in den geschichteten Zufallsstichproben überproportional
vertreten. Diese Schichtung verfolgt das Ziel, auch in Wiederholungsbefragungen noch
ausreichend große Fallzahlen für Personengruppen mit relativ geringen Bevölkerungsanteilen
sicherzustellen (wie beispielsweise hochaltrige Männer in Ostdeutschland). Aus diesem Grund
wird seit 2008 eine Gesamtfallzahl von etwa 6.000 Personen pro Querschnittstichprobe
angestrebt, während die realisierten Stichprobenumfänge in den Vorjahren geringer ausfielen
(vgl. die Anzahl gültiger Interviews in Tabelle 2-1).

31

2.4.2

Teilnahmebereitschaft

Während die Teilnahmequote – der Anteil realisierter gültiger Interviews an der bereinigten
Bruttoeinsatzstichprobe 4 – zu Beginn der Studie 1996 bei 50 Prozent lag, ist sie auf 27 Prozent
bei der Querschnittsstichprobe im Jahr 2014 zurückgegangen. Die sinkende
Teilnahmebereitschaft im DEAS ist eingebettet in einen generell rückläufigen Trend zur
Teilnahme an sozialwissenschaftlichen Studien in westlichen Industrienationen (Aust & Schröder
2009; Brick & Williams 2013; de Leeuw & de Heer 2002), der in Deutschland besonders stark
ausgeprägt ist (Stoop, Billiet, Koch, & Fitzgerald 2010). Maßnahmen, wie eine umfassende
postalische Vorabinformation der Zielpersonen (Anschreiben von infas, Begleitschreiben des
BMFSFJ und des DZA) sowie die Erhöhung des finanziellen Wertes des Incentives zwischen
2008 und 2014 haben diese negative Entwicklung möglicherweise abschwächen, aber nicht
aufhalten können. Folglich war die Ziehung und Bearbeitung immer größerer Einsatzstichproben
notwendig (vgl. Tabelle 2-1) – ein Trend, der sich zukünftig fortsetzen könnte.
Entsprechend der in Deutschland generell geringeren Teilnahmequote an freiwilligen
Befragungen ist auch die Teilnahmequote am DEAS niedriger als in ähnlich gelagerten
Alterssurveys anderer europäischer Länder: So lag die Erstteilnahmequote in der
niederländischen LASA-Studie (Altersspanne 55 bis 85 Jahre) im Jahr 2002 bei 55 Prozent
(Huisman, Poppelaars, van der Horst, Beekman, Brug, van Tilburg, & Deeg 2011), in der
europäisch-vergleichenden SHARE-Studie (Alter 50+) 2004/2005 über alle Länder hinweg bei 62
Prozent (Börsch-Supan et al. 2013) und in der irischen Studie TILDA (Alter 50+) im Jahr 2010 bei
62 Prozent (Nolan, O’Regan, Dooley, Wallace, Hever, Cronin, Hudson, & Kenny 2014).
Gleichzeitig ähnelt die DEAS-Teilnahmequote anderen deutschlandweiten Studien mit
durchschnittlich jüngerer Zielgruppe: Die Erstteilnahmequote unter 25- bis 27-Jährigen
beziehungsweise 35- bis 37-Jährigen in der pairfam-Studie 2008 lag bei 33 beziehungsweise 32
Prozent (Brüderl, Josef Schmiedeberg, Castiglioni, Arránz Becker, Buhr, Fuß, Ludwig, Schröder,
& Schumann 2015), im ALLBUS 2012 für vergleichbare Altersgruppen bei 38 Prozent (Wasmer,
Blohm, Walter, Scholz, & Jutz 2014) und in der SOEP-Aufstockungsstichprobe 2012 bei den über
16-Jährigen bei 35 Prozent (TNS infratest Sozialforschung 2013).

2.4.3

Stichprobenselektivität

Wie gut sich die Ergebnisse basierend auf den Querschnittstichproben für die
Gesamtbevölkerung generalisieren lassen, hängt weniger von der allgemeinen
Teilnahmebereitschaft ab, sondern vielmehr davon, ob und wie selektiv die Teilnahme für
bestimmte Bevölkerungsgruppen ausfällt. Für die drei Schichtungsvariablen (Alter, Geschlecht
und Landesteil) sowie die Größe des Wohnortes der Zielperson lässt sich prüfen, ob sich
Teilnehmerinnen und -teilnehmer signifikant von denjenigen unterscheiden, die nicht
teilgenommen haben. Für die drei Querschnittserhebungen 2002, 2008 und 2014 zeigen sich
hierbei geringfügige Selektivitäten (Schiel et al. 2015; Schiel et al. 2003; Schiel & Smid 2009): (1)
Frauen haben eine etwas geringere Teilnahmewahrscheinlichkeit als Männer – ein Effekt
entgegengesetzt zu Umfragen innerhalb der jüngeren Bevölkerung, in der Frauen tendenziell
besser erreichbar sind als Männer (Schnell 1997). Möglicherweise sind sie im höheren und
4

Zufallsstichprobe aus dem von den Einwohnermeldeämtern gelieferten Adressdatensatz abzüglich neutraler
Ausfälle. Um neutrale Ausfälle handelt es sich, wenn Personen bereits verstorben sind, im Heim leben, ins
Ausland oder unbekannt verzogen sind, nicht ausreichend deutsch sprechen oder aus anderen Gründen nicht zur
Zielgruppe gehören.

32

hohen Alter etwas misstrauischer, insbesondere wenn sie alleine leben. (2) Mit zunehmender
Einwohnerzahl des Wohnortes der Zielperson sinkt die Teilnahmebereitschaft. Vor allem die
geringere Teilnahmequote in Großstädten ist ein aus anderen Umfragen bekannter Befund, der
unter anderem mit höherer Mobilität und damit einhergehender schlechterer Erreichbarkeit
begründet wird. (3) Im DEAS 2008 fällt die Teilnahmewahrscheinlichkeit in den neuen
Bundesländern etwas geringer aus als in den alten Bundesländern, in den anderen
Erhebungsjahren zeigen sich keine Unterschiede. (4) Im Vergleich der Altersgruppen ist die
Teilnahmewahrscheinlichkeit unter den 55- bis 69-Jährigen am höchsten. Es ist davon
auszugehen, dass Personen im (jüngeren) mittleren Erwachsenenalter (Altersgruppe der 40- bis
54-Jährigen) aufgrund oft gleichzeitiger familiärer und beruflicher Verpflichtungen zeitlich sehr
eingeschränkt sind und zudem recht mobil, was ihre Verfügbarkeit reduziert. Hingegen ist die
etwas geringere Teilnahmequote unter den ältesten Zielpersonen (70- bis 85-Jährige) vor allem
durch eine gesundheitsbedingt reduzierte Befragbarkeit zu erklären (Motel-Klingebiel, Klaus, &
Simonson 2014). Insgesamt erweisen sich jedoch die Selektivitäten hinsichtlich der diskutierten
demografischen Merkmale als recht gering: Die durch sie aufgeklärte Varianz in der
Teilnahmebereitschaft bewegt sich lediglich zwischen zwei und vier Prozent (Schiel et al. 2015;
Schiel et al. 2003; Schiel & Smid 2009).

2.4.4

Datengewichtung

Zum Ausgleich der disproportionalen Stichprobenziehung wurde für jede Basisstichprobe eine
Datengewichtung vorgenommen. Diese erfolgt als Randanpassung der Stichprobe an die relative
Häufigkeit der zwölf Merkmalskombinationen der Stichprobenschichtung aus Altersgruppe,
Geschlecht und Landesteil in der amtlichen Bevölkerungsstatistik. Referenz hierfür ist jeweils der
Mikrozensus. 5 Die Gewichtung wurde getrennt für die mündlichen Interviews und die schriftliche
Befragung vorgenommen. Sie gleicht zudem Selektivitäten in der Befragungsteilnahme nach
diesen drei Merkmalen aus. Im vorliegenden Bericht kommen diese Querschnittsgewichte für
deskriptive Darstellungen zum Einsatz.

2.4.5

Repräsentativität

Für Hinweise auf weitere Selektionsmechanismen jenseits der betrachteten Schichtungsvariablen
sowie zur Bewertung der Stichprobenqualität unter Verwendung der Querschnittgewichtung
werden beispielhaft für 2014 die ungewichteten und gewichteten Anteile weiterer Merkmale des
DEAS den entsprechenden Anteilen aus der amtlichen Statistik gegenübergestellt. Auf diese
Weise wird geprüft, ob nach der Gewichtung bestimmte Bevölkerungsgruppen im DEAS
systematisch unter- oder überrepräsentiert sind. In Tabelle 2-2 sind diese Zahlen
zusammengestellt.
Im Allgemeinen zeigt sich, dass die Verteilungen im DEAS unter Verwendung der Gewichtung
nahe an den Verteilungen in der amtlichen Statistik liegen (vgl. Tabelle 2-2). Lediglich leichte
Abweichungen bleiben bestehen. So zeigt sich – wie auch aus vorangegangenen Befragungen
5

Für frühere Versionen der Querschnittstichproben der DEAS-Erhebungen 1996 bis 2008 wurde die
Bevölkerungsfortschreibungsstatistik als Gewichtungsreferenz verwendet. Diese wird nun für alle
Querschnittstichproben durch den Mikrozensus ersetzt, der zielgenauer die für den DEAS relevante
Grundgesamtheit der am Ort der Hauptwohnung lebenden Bevölkerung in Privathaushalten repräsentiert. Wir
danken dem Statistischen Bundesamt für die Bereitstellung der Mikrozensus-Referenztabellen.

33

bekannt (Engstler & Motel-Klingebiel, 2010) – eine Tendenz zur Überrepräsentation von
Familienhaushalten und Befragten aus der Mittelschicht: Die gewichteten Anteile von
Verheirateten und Personen in Haushalten mit vier oder mehr Mitgliedern liegen im DEAS
geringfügig über den Werten aus dem Mikrozensus. Ebenso fallen die Anteile von Personen mit
höherer Schulbildung, Angestellten und Beamten etwas höher aus. Darüber hinaus besteht ein
für die Befragung von älteren und alten Bevölkerungsgruppen kaum zu vermeidender
Gesundheitsbias, der aber erst im höheren Alter auftritt. So zeigt sich bei den unter 65-Jährigen
noch keine Untererfassung von Schwerbehinderten im DEAS (Tabelle 2-2) – und auch der
geringere Anteil Pflegebedürftiger mit Pflegestufe geht weitgehend auf Differenzen bei den über
80-Jährigen zwischen DEAS und Pflegestatistik zurück (ohne Abbildung).
Personen mit Migrationshintergrund stellen inzwischen einen wesentlichen Teil der Bevölkerung
in der zweiten Lebenshälfte dar. Ihr Anteil unter den 40- bis 85-Jährigen beträgt laut Mikrozensus
knapp 15 Prozent (Tabelle 2-2). Der gewichtete DEAS liegt mit zehn Prozent etwas darunter.
Diese Unterschätzung gilt für Männer gleichermaßen wie für Frauen und sie fällt in den beiden
jüngsten Altersgruppen größer aus als in der ältesten DEAS-Befragtengruppe der 70- bis 85Jährigen (nicht in Tabelle 2-2 gezeigt). Für das bekannte Phänomen der geringeren
Teilnahmequote von Personen mit Migrationshintergrund werden in der Literatur verschiedene
Gründe genannt, die von Sprachschwierigkeiten bis zum kulturellen Hintergrund und spezifischen
Migrationserfahrungen reichen (Deding, Fridberg, & Jakobsen 2008; Stadler 2009; Blohm & Diehl
2001; Baykara-Krumme 2013). So setzen beispielsweise konservative Werthaltungen, kulturelle
Distanz zum Interviewenden oder auch unsicherer rechtlicher oder wirtschaftlicher Status die
Kooperationsbereitschaft herab. Entsprechend ist davon auszugehen, dass vor allem (rechtlich,
sprachlich, wirtschaftlich und sozial) schlechter integrierte Migrantinnen und Migranten im DEAS
unterdurchschnittlich vertreten sind.
Trotz der genannten Abweichungen weist die Verteilung zentraler sozio-demografischer
Merkmale im DEAS eine große Ähnlichkeit mit der Verteilung der amtlichen Statistik auf.
Entsprechend stellen die gewichteten Querschnittsstichproben eine sehr gute Datengrundlage
zur Untersuchung der Lebenssituation der Menschen in der zweiten Lebenshälfte dar.

34

Tabelle 2-2:

Verteilung ausgewählter Merkmale in der DEAS-Basisstichprobe 2014
und der amtlichen Statistik

Merkmal

Basisstichprobe 2014
Ungewichtet

Gewichtet

Amtliche
Statistik

Quelle der amtlichen
Statistik

Familienstand
ledig

8,9

10,1

12,5

verheiratet1

70,1

69,8

66,6

geschieden2

10,9

11,2

11,0
	

verwitwet3

10,1

8,9

9,9
	

1

19,9

19,4

23,0

2

54,5

48,6

46,6

3

13,4

15,4

15,0
	

4+

12,2

16,6

15,5
	

2,0

2,1

4,1

Volks-/Hauptschule

30,8

31,9

40,6

Polytechnische Oberschule

19,6

12,4

10,7

Realschule, Mittlere Reife

20,4

4

24,6

20,1

Abitur, Fachhochschulreife

27,2

29,0

24,6

Statistisches Bundesamt
(2015),
Mikrozensus 2014

Haushaltsgröße
Statistisches Bundesamt
(2015),
Mikrozensus 2014

Höchster Schulabschluss
ohne oder unbekannt

Statistisches Bundesamt
(2015),
Mikrozensus 2014

Berufliche Stellung der 40- bis 64-jährigen Erwerbstätigen
Arbeiter

18,6

17,7

22,2

Angestellte

61,7

62,4

59,2

Beamte

8,3

8,8

5,5
	

11,4

11,1

13,0
	

erwerbstätig

46,5

53,8

54,0

nicht erwerbstätig

53,5

46,2

46,0

Selbstständige5
Erwerbsbeteiligung

Äquivalenzeinkommen (Median, Euro/Monat)
50- bis 64-Jährige

1.750

1.867

1.7186

65-Jährige und Ältere

1.417

1.500

1.4926

Anteil Schwerbehinderter
45- bis 54-Jährige

8,2

8,1

6,8

55- bis 64-Jährige

15,8

16,0

15,2

65-Jährige und Ältere

19,3

19,4

24,3

97,9

97,9

93,8

2,1

2,1

6,2

96,6

95,8

92,3

3,4

4,2

7,7

91,9

90,2

85,0

8,1

9,8

15,0

Pflegebedürftigkeit der 60- bis unter 85-Jährigen
ohne
mit
Staatsangehörigkeit
deutsch
nicht-deutsch
Migrationshintergrund
ohne
mit

Statistisches Bundesamt
(2015),
Mikrozensus 2014

Statistisches Bundesamt
(2015),
Mikrozensus 2014
Statistisches Bundesamt
(2015a),
EU-SILC 2013
Statistisches Bundesamt
(2014),
Statistik schwerbehinderter
Menschen
Statistisches Bundesamt
(2015b),
Pflegestatistik 2013
Statistisches Bundesamt
(2015),
Mikrozensus 2014
Statistisches Bundesamt
(2015),
Mikrozensus 2014

Quellen: DEAS Basisstichprobe 2014 (n = 2.244–6.002), Statistisches Bundesamt; wenn nicht anders angegeben: 40- bis 

85-Jährige.
	
Anmerkungen: 1) einschließlich eingetragener Lebenspartnerschaft; 2) einschließlich aufgehobener Lebenspartnerschaft; 3)
	
einschließlich verstorbener eingetragener Lebenspartnerinnen und -partner; 4) einschließlich weiterführender Schulabschluss
	
im Ausland; 5) einschließlich mithelfende Familienangehörige; 6) ein Zwölftel des Jahreseinkommens.
	

35

2.5
2.5.1

Die Panelstichproben
Realisierung von Wiederholungsbefragungen

Im Rahmen jeder querschnittlichen Erstbefragung werden die Befragten um ihr schriftliches
Einverständnis gebeten, Namen und Adresse speichern zu dürfen. Diese sogenannte
Panelbereitschaft – die datenschutzrechtlich die Grundlage für eine erneute Kontaktaufnahme
zwecks Durchführung von Wiederholungsbefragungen ist – ist zwischen 1996 und 2014 stetig
angestiegen: von 59 Prozent auf 76 Prozent (vgl. Tabelle 2-1).
Wiederholungsbefragungen der Studienteilnehmerinnen und Studienteilnehmer werden seit der
zweiten Erhebung im Jahr 2002 – parallel zu den Erstbefragungen – durchgeführt. Um die mit
dem Alter steigende Dynamik biografischer Ereignisse in zentralen Bereichen wie der Gesundheit
besser abbilden zu können, wurde nach 2008 die Taktung zwischen den
Wiederholungsbefragungen von sechs Jahren auf drei Jahre verkürzt. Weiterhin wurden – um die
Panelbereitschaft und Wiederteilnahmequoten zu erhöhen – zwischen den Befragungen
Panelpflegen durchgeführt: Zu Beginn der Studie unregelmäßig, ab 2012 in jährlichem Abstand.
Darüber wird einerseits der Adressbestand aktualisiert, was die Erreichbarkeit der Befragten
verbessert. Andererseits sollen die Befragten durch das regelmäßige Versenden von Grußkarten,
Ergebnis- und Informationsbroschüren stärker an die Studie gebunden werden, um auf diese
Weise deren Motivation zur weiteren Teilnahme zu erhöhen.
In jeder Wiederholungsbefragung werden als Panelstichprobe alle Befragten angeschrieben, die
nach der jeweils letzten Panelpflege als noch lebend bekannt sind, nicht ins Ausland verzogen
sind und für die weiterhin die Panelbereitschaft vorliegt (unbereinigte Bruttoeinsatzstichprobe, vgl.
Tabelle 2-3). Kontaktiert werden auch diejenigen, die einmal oder mehrfach nicht an
Wiederholungsbefragungen teilgenommen haben, solange ihre Panelbereitschaft nicht
widerrufen wurde. Erfahrungen verschiedener (Alters-)Studien haben gezeigt, dass sich die
Zulassung mehrfachen Aussetzens positiv auf die Qualität der Stichprobe auswirkt (Michaud,
Kapteyn, Smith, & van Soest 2011; Weir, Faul, & Langa 2011): Es wird erstens die
Panelmortalität herabgesetzt und zweitens können Selektionseffekte gemindert werden, die
durch den überproportionalen Ausfall von Personen verursacht werden, die lediglich
vorübergehend nicht erreichbar oder befragbar sind, etwa weil sie sich temporär im Ausland
aufhalten oder im Krankenhaus sind.

36

Tabelle 2-3:

Merkmale der DEAS-Panelstichproben 2002, 2008, 2011, 2014

Befragungsjahr

2002

Erstbefragung

1996

2008
1996

2002

2011
1996-02

1996

2002

2014
2008

1996-08

1996

2002

2008

1996-14

Absolute Zahlen
Unbereinigte Bruttoeinsatzstichprobe 1)

2.972

2.534

2.059

4.593

2.217

1.874

4.530

8.621

1.715

1.519

3.881

7.115

Bereinigte Bruttoeinsatzstichprobe 2)

2.487

2.186

1.870

4.056

2.102

1.806

4.435

8.343

1.614

1.470

3.787

6.871

Gültige mündliche Interviews

1.524

991

1.000

1.991

1.039

957

2.858

4.854

888

866

2.569

4.323

Gültige schriftliche Fragebögen

1.437

818

829

1.647

876

791

2.338

4.005

750

729

2.179

3.658

Teilnahmen am Zahlen-Zeichen-Test

1.324

870

883

1.753

899

855

2.602

4.356

787

759

2.302

3.848

Durchgeführte Lungenfunktionstests

-

891

898

1.789

943

888

2.680

4.511

805

808

2.361

3.974

31,5

20,5

32,4

25,1

21,5

31,0

46,1

34,4

18,4

28,1

41,4

38,4

Quoten
Wiederbefragungsquote 3)
4)

94,3

82,5

82,9

82,7

84,3

82,7

81,8

82,5

84,5

84,2

84,8

85,4

Zahlen-Zeichen-Test 4)

86,9

87,8

88,3

88,0

86,5

89,3

91,0

89,7

88,6

87,6

89,6

89,0

Lungenfunktionstest 4)

-

89,9

89,8

89,9

90,8

92,8

93,8

92,9

90,7

93,3

91,9

91,9

Geburtsjahrgänge5)

1911-56

1911-56

1917-62

1911-62

1911-56

1917-62

1923-68

1911-68

1911-56

1917-62

1923-68

1911-68

Alter bei Befragung5)

46-91

52-97

46-91

46-97

55-100

49-94

43-88

43-100

58-103

52-97

46-91

46-103

Schriftlicher Drop Off

Sonstiges

Quellen: Eigene Zusammenstellung bzw. Berechnung basierend auf den DEAS-scientific use files (Stand: Frühjahr 2015) sowie Engstler & Motel-Klingebiel (2010); Engstler & Wurm (2006); Klaus &
	
Engstler (2012); Künemund (2000); Schiel, Hess & Gilberg (2003); Schiel & Smid (2009); Schiel, Dickmann & Aust (2011); Schiel, Kerr, Dickmann & Aust (2015).
	
Anmerkungen: 1) Alle Befragten, die nach der letzten Panelpflege noch panelbereit sind, leben und nicht ins Ausland verzogen sind; 2) Unbereinigte Bruttoeinsatzstichprobe abzüglich aller Personen, 

die zwischen der letzten Panelpflege und der Datenerhebung verstorben sind oder ins Ausland verzogen sind; 3) Anteil gültiger mündlicher Wiederholungsbefragungen an Anzahl gültiger Interviews im
	
Erstbefragungsjahr (ungeachtet der Befragungsfähigkeit, zwischenzeitlicher Todesfälle oder Umzüge ins Ausland); 4) Anteil an gültigen mündlichen Interviews; 5) Geburtsjahrgang und Alter
	
entsprechend der Einwohnermeldeamtsinformation.
	

37

2.5.2

Panelmortalität

Die in Tabelle 2-3 berichteten Teilnahmequoten in den Längsschnittstichproben belegen hohe
Ausfälle in der jeweils ersten Wiederholungsbefragung, die sich in den weiteren
Befragungsjahren abschwächen – ein Muster, das auch aus anderen Studien bekannt ist
(SHARE: Blom & Schröder 2011). Die Verkürzung der Paneltaktung im DEAS nach 2008 auf drei
Jahre hat sich positiv auf die Wiederteilnahme ausgewirkt: So liegt die Wiederbefragungsquote
der Basisstichprobe 2008 im Jahr 2011 mit 46,1 Prozent über der Quote der deutschen SHAREStichprobe (41 Prozent), die eine vergleichbare Altersgruppe (50-Jährige und älter) sogar alle
zwei Jahre befragt (Schröder 2008).
Eine Reihe von Analysen belegen eine gewisse Selektivität der Ausfälle (Schiel et al. 2015;
Engstler & Motel-Klingebiel 2010; Schiel & Smid 2009): Während sich Geschlecht, Wohnort
(Verstädterungsgrad und Landesteil) sowie Familien- und Haushaltskonstellation nicht oder nicht
durchweg konsistent auf die erneute Teilnahme auswirken, findet sich ein über die
Panelerhebungen und Teilnahmekonstellationen hinweg stabiler negativer Alterseffekt: Je älter
die Befragten zur Erstbefragung sind, desto unwahrscheinlicher ist ihre erneute Teilnahme.
Dahinter steht eine mit dem Alter zunehmende Verschlechterung der Erreichbarkeit oder
Befragbarkeit aufgrund gesundheitlicher Einschränkungen, temporärer Krankenhausaufenthalte,
Umzüge in Betreuungs- oder Pflegeeinrichtungen oder auch das Versterben der Befragten.
Weiterhin beeinflussen hohe Bildung, hohes Einkommen, gute Gesundheit und ein großes
Netzwerk den Verbleib in der Längsschnittstichprobe positiv – Selektionseffekte, die sich auch in
anderen Studien finden (Banks, Muriel, & Smith 2011; Schröder 2008). Für den DEAS zeigt sich,
dass Alters-, Gesundheits- und Bildungseffekte bei dreijährigem gegenüber sechsjährigem
Befragungsabstand an Stärke verlieren (Klaus & Engstler 2012; Engstler & Motel-Klingebiel
2010). Damit reduziert die verkürzte Taktung zwischen den Befragungen nicht nur die
Ausfallwahrscheinlichkeit, sondern auch die sozialstrukturell und gesundheitsbedingte
Teilnahmeselektivität, was insgesamt eine Verbesserung der Qualität der Panelstichproben mit
sich bringt.

2.6

Auswertungen im vorliegenden Bericht

Der vorliegende Bericht liefert eine umfassende Beschreibung des Wandels der
Lebenssituationen von Personen in der zweiten Lebenshälfte zwischen 1996 und 2014. Es wird
Fragen des sozialen Wandels nachgegangen. Datengrundlage bilden die Querschnitterhebungen
der Jahre 1996, 2002, 2008 und 2014, das heißt die jeweils neu gezogenen Basisstichproben der
40- bis 85-Jährigen. Neben Veränderungen über die Zeit wird auch Zusammenhängen zwischen
inhaltlich interessierenden Indikatoren und folgenden Gruppierungsvariablen nachgegangen.

2.6.1

Gruppierungsvariablen

In allen Kapiteln wird der Zusammenhang der untersuchten Indikatoren mit Geschlecht und
Altersgruppen geprüft. Je nach spezifischer Fragestellung werden in einzelnen Kapiteln weitere
Gruppenvergleiche in den Mittelpunkt gerückt, vorrangig Vergleiche nach Landesteil und nach
Bildungsgruppen.

38

Geschlecht. Das Geschlecht der Befragungsperson wird – beruhend auf der
Einwohnermeldeamtsinformation oder der Interviewerangabe – dichotom als männlich oder
weiblich ausgewiesen.
Altersgruppen. In manchen Kapiteln werden ergänzend oder alternativ zu den drei Altersgruppen,
die jeweils 15 Jahre abdecken und der Schichtung der Basisstichprobe entsprechen (40- bis 54Jährige, 55- bis 69-Jährige, 70- bis 85-Jährige) folgende Sechsjahres-Altersgruppen verwendet:
42- bis 47-Jährige, 48- bis 53-Jährige, 54- bis 59-Jährige, 60- bis 65-Jährige, 66- bis 71-Jährige,
72- bis 77-Jährige, 78- bis 83-Jährige. Dieses Vorgehen ermöglicht in Verbindung mit den
Sechsjahres-Abständen zwischen den Querschnittstichproben einen Kohortenvergleich, da auf
diese Weise Gruppen nicht überlappender Geburtsjahrgänge definiert und miteinander verglichen
werden können.
Landesteil/Region. Hier wird zwischen den alten Bundesländern (inklusive dem früheren Westteil
von Berlin) und den neuen Bundesländern (inklusive dem früheren Ostteil Berlins) unterschieden.
Bildungsgruppen. Basierend auf der international vergleichbaren ISCED-Klassifizierung
(UNESCO 2006) werden drei Bildungsgruppen unterschieden: In der Gruppe der
Niedriggebildeten sind Befragte ohne abgeschlossene berufliche Ausbildung zu finden (ISCED 02). Befragte mit mittlerem Bildungsniveau sind diejenigen mit Abschluss einer betrieblichen oder
berufsbildend-schulischen Ausbildung. Eingeschlossen sind hier auch Befragte mit höherem
allgemeinbildenden Schulabschluss ohne abgeschlossene Berufsausbildung (ISCED 3-4). Als
hochgebildet gelten Befragte mit abgeschlossenem Studium einer Fachhochschule, Universität
oder Hochschule oder mit abgeschlossener Aufstiegsfortbildung (Fach-, Meister-,
Technikerschule, Berufs- oder Fachakademie (ISCED 5-6)).

2.6.2

Analysestrategie

Die statistische Auswertung der Daten erfolgt in allen Kapiteln mittels multivariater
Analyseverfahren. Unterschiede zwischen Erhebungsjahren und zwischen Befragtengruppen
werden so auf ihre statistische Bedeutsamkeit hin überprüft. Für dichotome und dichotomisierte
Indikatoren kommt die binäre logistische Regression zum Einsatz. Multinomiale logistische
Regressionen werden für kategoriale Indikatoren verwendet, während Ordered-LogitRegressionen für ordinal-skalierte Indikatoren genutzt werden. Bei intervall-skalierten Indikatoren
werden lineare Regressionen oder Varianzanalysen angewandt. In allen Regressionsmodellen
werden die Schichtungsmerkmale der Stichprobe – Altersgruppe, Geschlecht und Landesteil –
kontrolliert. Weitere Gruppierungsvariablen, wie beispielsweise Bildung oder weitere regionale
Differenzierungen, werden aufgenommen, sofern deren Signifikanz geprüft werden soll. Weiterhin
werden Interaktionsterme auf Signifikanz getestet, wenn entsprechende Fragestellungen
beantwortet werden sollen – zum Beispiel, ob sich Geschlechtsunterschiede in den drei
Altersgruppen unterscheiden. Geht es um die Frage, ob sich der Wandel über die
Erhebungsjahre nach Altersgruppe unterscheidet, wird eine Interaktion aus Erhebungsjahr und
den Sechsjahres-Altersgruppen (42- bis 47-Jährige, 48- bis 53-Jährige, 54- bis 59-Jährige, 60bis 65-Jährige, 66- bis 71-Jährige, 72- bis 77-Jährige, 78- bis 83-Jährige) geprüft. Dadurch wird
erreicht, dass sich die Geburtsjahrgänge zu den einzelnen Erhebungszeitpunkten nicht
überlappen.
Zur Ergebnisdarstellung im Text und in den Abbildungen werden gewichtete, erhebungs- und
gruppenspezifische Maße genutzt. Je nach Skalenniveau der Indikatoren werden prozentuale
39

Häufigkeiten oder Mittelwerte berichtet. Zur Gewichtung der deskriptiven Häufigkeitsverteilungen
oder Mittelwerte werden in den meisten Kapiteln die Querschnittsgewichte – je nach Indikator für
die Daten des Interviews oder des schriftlichen Fragebogens – genutzt (vgl. Abschnitt 2.4.4). In
einem Tabellenanhang (www.deutscher-alterssurvey.de) werden ergänzend hierzu die auf diese
Weise gewichteten Befunde für alle verwendeten Indikatoren zusammengestellt – getrennt für
jedes Erhebungsjahr sowie für die zwölf Zellen, die sich aus der Kombination der
Schichtungsvariablen ergeben: Landesteil (alte versus neue Bundesländer), Frauen und Männer
sowie drei Altersgruppen (40- bis 54-Jährige, 55- bis 69-Jährige, 70- bis 85-Jährige). Ob in den
Abbildungen dargestellte Unterschiede signifikant sind oder nicht, wird unter den jeweiligen
Abbildungen beschrieben.
In manchen Kapiteln stehen neben dem sozialen Wandel und den Gruppenunterschieden
Zusammenhänge zwischen verschiedenen Indikatoren im Mittelpunkt (vgl. Kapitel 8, 9, 10, 18,
24). Ob entsprechende Zusammenhänge signifikant sind, wird (wie oben beschrieben) über
multivariate Analyseverfahren geprüft. Gleichzeitig werden in diesen Kapiteln die in den
Abbildungen berichteten Werte aus den Regressionen selbst berechnet. Auch in diesen Analysen
wird für die Stratifizierungsvariablen kontrolliert, die allerdings an den Verteilungen des
Mikrozensus zentriert wurden. Auf diese Weise können die berechneten Maße als gewichtet
interpretiert werden. Zugleich sind sie um mögliche Einflüsse von Alter, Geschlecht und
Landesteil bereinigt.
Welches statistische Verfahren zur Signifikanzprüfung und zur Darstellung der Ergebnisse zum
Einsatz kommt, wird in den jeweiligen Kapiteln berichtet. Grundsätzlich wird bei allen Analysen
ein Signifikanzniveau von fünf Prozent veranschlagt.

Literatur
Aust, F., & Schröder, H. (2009). Sinkende Stichprobenausschöpfung in der Umfrageforschung–
Ein Bericht aus der Praxis. In: M. Weichbold, J. Bacher & C. Wolf (Hrsg.)
Umfrageforschung. Herausforderungen und Grenzen (S. 195-212). Wiesbaden: Springer
VS Verlag.
Banks, J., Muriel, A., & Smith, J. P. (2011). Attrition and health in ageing studies: evidence from
ELSA and HRS. Longitudinal and Life Course Studies, 2(2), 101-126.
Baykara-Krumme, H. (2013). Sind bilinguale Interviewer erfolgreicher? Interviewereffekte in
Migrantenbefragungen. In: H.-G. Soeffner (Hrsg.) Transnationale Vergesellschaftungen
(S. 259-273). Wiesbaden: Springer VS.
Blohm, M., & Diehl, C. (2001). Wenn Migranten Migranten befragen: Zum Teilnahmeverhalten
von Einwanderern bei Bevölkerungsbefragungen. Zeitschrift für Soziologie, 223-242.
Blom, A. G., & Schröder, M. (2011). Sample composition 4 years on: Retention in Share Wave 3.
In: M. Schröder (Hrsg.) Retrospective data collection in the Survey of Health, Ageing and
Retirement in Europe (S. 55-61). Mannheim: MEA.
Börsch-Supan, A., Brandt, M., Hunkler, C., Kneip, T., Korbmacher, J., Malter, F., Schaan, B.,
Stuck, S., & Zuber, S. (2013). Data resource profile: the Survey of Health, Ageing and
Retirement in Europe (SHARE). International Journal of Epidemiology, 42(4), 992-1001.
Brick, J. M., & Williams, D. (2013). Explaining rising nonresponse rates in cross-sectional
surveys. The ANNALS of the American Academy of Political and Social Science, 645(1),
36-59.
Brüderl, J., Josef Schmiedeberg, J., Castiglioni, L., Arránz Becker, O., Buhr, P., Fuß, D., Ludwig,
V., Schröder, J., & Schumann, N. (2015). The German Family Panel: Study Design and
Cumulated Field Report (Waves 1 to 6).
40

de Leeuw, E. D., & de Heer, W. (2002). Trends in household survey nonresponse: A longitudinal
and international comparison. In: M. R. Groves, D. A. Dillman, J. L. Eltinge & R. J. A. Little
(Hrsg.) Survey nonresponse (S. 41-54). New York: Wiley.
Deding, M., Fridberg, T., & Jakobsen, V. (2008). Non-response in a survey among immigrants in
Denmark. Survey Research Methods, 2(3), 107-121.
Engstler, H., & Motel-Klingebiel, A. (2010). Datengrundlagen und Methoden des Deutschen
Alterssurveys (DEAS). In: A. Motel-Klingebiel, S. Wurm & C. Tesch-Römer (Hrsg.) Altern
im Wandel. Befunde des Deutschen Alterssurveys (DEAS) (S. 34-60). Stuttgart:
Kohlhammer.
Engstler, H., & Wurm, S. (2006). Datengrundlagen und Methodik. In: C. Tesch-Römer, H.
Engstler & S. Wurm (Hrsg.) Altwerden in Deutschland. Sozialer Wandel und individuelle
Entwicklung in der zweiten Lebenshälfte (S. 47-83). Wiesbaden: VS Verlag für
Sozialwissenschaften.
Hoyer, W. J., Stawski, R. S., Wasylyshyn, C., & Verhaeghen, P. (2004). Adult age and digit
symbol substitution performance: a meta-analysis. Psychology and Aging, 19(1), 211214.
Huisman, M., Poppelaars, J., van der Horst, M., Beekman, A. T. F., Brug, J., van Tilburg, T. G., &
Deeg, D. J. H. (2011). Cohort profile: the longitudinal aging study Amsterdam.
International Journal of Epidemiology, 40(4), 868-876.
Klaus, D., & Engstler, H. (2012). Daten und Methoden des Deutschen Alterssurveys (DEAS). In
A. Motel-Klingebiel, S. Wurm & C. Tesch-Roemer (Hrsg.) Kontexte des Alterns.
Längsschnittliche Befunde des DEAS 2011 (S. 13-27). Berlin: Deutsches Zentrum für
Altersfragen.
Künemund, H. (2000). Datengrundlage und Methoden. In: M. Kohli & H. Künemund (Hrsg.) Die
zweite Lebenshälfte. Gesellschaftliche Lage und Partizipation im Spiegel des AltersSurvey (S. 33-40). Opladen: Leske + Budrich.
Laurie, H., & Lynn, P. (2009). The use of respondent incentives on longitudinal surveys. In: P.
Lynn (Hrsg.) Methodology of longitudinal surveys (S. 205-233). Chichester: Wiley.
Michaud, P. C., Kapteyn, A., Smith, J. P., & van Soest, A. (2011). Temporary and permanent unit
non-response in follow-up interviews of the Health and Retirement Study. Longitudinal
and Life Course Studies, 2(2), 145-169.
Motel-Klingebiel, A., Klaus, D., & Simonson, J. (2014). Befragungen von älteren und alten
Menschen. In: N. Baur & J. Blasius (Hrsg.) Handbuch Methoden der empirischen
Sozialforschung (S. 781-786): Springer.
Nolan, A., O’Regan, C., Dooley, C., Wallace, D., Hever, A., Cronin, H., Hudson, E., & Kenny, R.
A. (Hrsg.). (2014). The over 50s in a changing ireland. Economic Circumstances, Health
and Well-Being. Dublin.
Pforr, K., Blohm, M., Blom, A. G., Erdel, B., Felderer, B., Fräßdorf, M., Hajek, K., Helmschrott, S.,
Kleinert, C., Koch, A., Krieger, U., Kroh, M., Martin, S., Saßenroth, D., Schmiedeberg, C.,
Trüdinger, E.-M., & Rammstedt, B. (2015). Are incentive effects on response rates and
nonresponse bias in large-scale, face-to-face surveys generalizable to Germany?
Evidence from ten experiments. Public Opinion Quarterly, Online first(June), 1-29. doi:
10.1093/poq/nfv014.
Ryu, E., Couper, M. P., & Marans, R. W. (2006). Survey incentives: Cash vs. in-kind; face-to-face
vs. mail; response rate vs. nonresponse error. International Journal of Public Opinion
Research, 18(1), 89-106.
Schiel, S., Dickmann, C., & Aust, F. (2011). Methodenbericht Deutscher Alterssurvey (DEAS): 4.
Befragungswelle. Panelbefragung 2011. Bonn: Infas Institut für angewandte
Sozialwissenschaft GmbH.
Schiel, S., Hess, D., & Gilberg, R. (2003). Alterssurvey - Die zweite Lebenshälfte.
Methodenbericht zur Erhebung der zweiten Welle 2002. Bonn: infas Institut für angeandte
Sozialwissenschaft GmbH.
Schiel, S., Kerr, P., Dickmann, C., & Aust, F. (2015). Deutscher Alterssurvey (DEAS):
Methodenbericht zur Durchführung der fünften Erhebungswelle 2014. Bonn: infas Institut
für angewandte Sozialwissenschaft GmbH.
Schiel, S., & Smid, M. (2009). Alterssurvey 2008 - Die zweite Lebenshälfte. Durchführung der 3.
Befragungswelle. Methodenbericht. Bonn: Infas Institut für angewandte Sozialforschung
GmbH.
Schnell, R. (1997). Nonresponse in Bevölkerungsumfragen. Opladen: Leske + Budrich.
41

Schröder, M. (2008). Attrition. In: A. Börsch-Supan, A. Brugiavini, H. Jürges, A. Kapteyn, J.
Mackenbach, J. Siegrist & G. Weber (Hrsg.) Health, Aging and Retirement in Europe
(2004-2007) – Starting the longitutinal dimension (S. 327-332). Mannheim: Mannheim
Research Institute for the Economics of Aging (MEA).
Smid, M., Hess, D., & Gilberg, R. (1997). Alterssurvey - Lebensentwürfe, Einstellungen,
Bedürfnislagen und Sinnstrukturen älterwerdender Menschen. Methodenbericht zur
Erhebung der ersten Welle. Bonn: Infas Institut für angewandte Sozialforschung GmbH.
Stadler, B. (2009). Die Befragung von MigrantInnen in Stichprobenerhebungen. In: M. Weichold,
J. Bacher & C. Wolf (Hrsg.) Umfrageforschung. Herausforderungen und Grenzen (S. 275291). Wiesbaden: Springer.
Statistisches Bundesamt (2015b). Pflegestatistik 2013. Wiesbaden: Statistisches Bundesamt
Statistisches Bundesamt (2015a). EU-SILC - Nettoäquivalenzeinkommen 2013 nach
Altersgruppen. Abruf aus der Genesis Online-Datenbank des Statistischen Bundesamts,
Stand: 28.05.2015.
Statistisches Bundesamt (2015). Mikrozensus 2014 - Sonderauswertungen für das Deutsche
Zentrum für Altersfragen. Wiesbaden: Statistisches Bundesamt.
Statistisches Bundesamt (2014). Statistik der schwerbehinderten Menschen 2013. Wiesbaden:
Statistisches Bundesamt.
Stoop, I., Billiet, J., Koch, A., & Fitzgerald, R. (2010). Improving survey response: Lessons
learned from the European Social Survey: John Wiley & Sons.
Tewes, U. (1994). Hamburg-Wechsler-Intelligenztest für Erwachsene, Revision 1991. Bern:
Huber.
TNS infratest Sozialforschung (2013). SOEP 2012 - Methodenbericht zum Befragungsjahr 2012
(Welle 29) des Sozio-oekonomischen Panels. Berlin: DIW Berlin.
UNESCO (2006). International Standard Classification of Education ISCED 1997. Paris.
Vaz Fragoso, C. A., Gahbauer, E. A., Van Ness, P. H., Concato, J., & Gill, T. M. (2008). Peak
expiratory flow as a predictor of subsequent disability and death in community living older
persons. Journal of the American Geriatrics Society, 56(6), 1014-1020.
Wasmer, M., Blohm, M., Walter, J., Scholz, E., & Jutz, R. (2014). Konzeption und Durchführung
der „Allgemeinen Bevölkerungsumfrage der Sozialwissenschaften“ (ALLBUS) 2012.
Mannheim. Online: https://dbk.gesis.org/dbksearch/file.asp?file=ZA4614_mb.pdf.
Weir, D. R., Faul, J. D., & Langa, K. M. (2011). Proxy interviews and bias in cognition measures
due to non-response in longitudinal studies: a comparison of HRS and ELSA.
Longitudinal and Life Course Studies, 2(2), 170-184.

42

3 Länger zufrieden arbeiten? Qualität und
Ausgestaltung von Erwerbstätigkeit in der
zweiten Lebenshälfte
Janna Franke & Martin Wetzel

Kernaussagen
Im Jahr 2014 sind mehr Menschen in der Lebensphase vor dem Ruhestand
erwerbstätig als 1996: Im Jahr 2014 waren 74,1 Prozent der 40- bis 65-Jährigen
erwerbstätig, während es 1996 noch 60,2 Prozent waren. Die Anteile der
Erwerbstätigen im Alter von 54 bis 59 Jahren sowie von 60 bis 65 Jahren haben sich
von 1996 zu 2014 sogar um je 20 Prozentpunkte erhöht (1996: 56,6 Prozent, 2014:
76,1 Prozent für 54- bis 59-Jährige; 1996: 18,2 Prozent, 2014: 38,8 Prozent für 60- bis
65-Jährige). Der Anteil der erwerbstätigen Personen im Alter von 60 bis 65 Jahren liegt
jedoch auch 2014 deutlich unter dem Durchschnitt der erwerbstätigen Personen im
Alter von 40 bis 65 Jahren (74,1 Prozent).
Belastungen im Rahmen der Erwerbstätigkeit unterscheiden sich zwischen den

Bildungsgruppen: Fast die Hälfte (47,4 Prozent) aller Erwerbstätigen im Alter von 40 

bis 65 Jahren berichtet im Jahr 2014 zeitliche und nervliche Belastungen. Knapp ein 

Drittel (31,2 Prozent) der Erwerbstätigen berichtet von körperlichen Belastungen bei
	
der eigenen Tätigkeit. Während zeitliche und nervliche Belastungen vor allem von 

Personen mit einem hohen Bildungsniveau berichtet werden, werden körperliche 

Belastungen bei der Arbeit eher bei Personen mit einem niedrigen Bildungsniveau 

angegeben.
	
Im Jahr 2014 berichten mehr Erwerbstätige von Belastungen als 2002: Zeitliche
und nervliche Belastungen haben zwischen 2002 und 2014 von 43,3 Prozent auf 47,4
Prozent zugenommen. Körperliche Belastungen haben im gleichen Zeitraum von etwa
einem Viertel (25,3 Prozent) auf ein knappes Drittel (31,2 Prozent) zugenommen.
Der Großteil der Erwerbstätigen ist im Jahr 2014 zufrieden mit ihrer Arbeit und 

fühlt sich weder über- noch unterfordert: Mehr als vier Fünftel (85,2 Prozent) der
	
Erwerbstätigen sind im Jahr 2014 zufrieden mit ihrer eigenen Arbeit. Nur 2,8 Prozent
	
fühlen sich über- und 16,1 Prozent unterfordert. Der Großteil der Erwerbstätigen 

empfindet ihre Arbeitsanforderungen als genau richtig (81,2 Prozent).
	
Ein zunehmender Anteil an Menschen ist auch nach dem Eintritt in den 

Ruhestand erwerbstätig: Der Anteil der Erwerbstätigen im Ruhestand nimmt von 5,1 

Prozent im Jahr 1996 auf 11,6 Prozent im Jahr 2014 zu. Erwerbstätig sind im Jahr
	
2014 vor allem Männer zwischen 60 und 71 Jahren sowie Personen mit einem hohen 

Bildungsniveau.
	

43

3.1

Einleitung

Der Arbeitsmarkt wird derzeit nachhaltig durch den demografischen Wandel verändert. So steht
eine abnehmende Anzahl von Erwerbstätigen einer größer werdenden Anzahl an Personen im
Ruhestand gegenüber (Büsch, Dittrich, & Lieberum 2010). Daraus erwachsen neue
Herausforderungen sowohl für das Erwerbssystem (zum Beispiel Fachkräftemangel) als auch für
das Rentensystem (zum Beispiel Finanzierbarkeit). Diesen aktuellen Herausforderungen versucht
die Politik zum einen mit einer schrittweisen Erhöhung des gesetzlichen Renteneintrittsalters und
zum anderen durch die Verringerung von vorzeitigen Ruhestandsregelungen zu begegnen
(Brussig 2009). Auch wenn die Einführung der ‚Rente mit 63‘ für Personen mit 45 Beitragsjahren
einen vorzeitigen Eintritt in den Ruhestand ermöglicht 1, zielt die derzeitige Arbeitsmarktpolitik auf
eine längere Integration älterer Erwerbstätiger in den Arbeitsmarkt ab. In diesem Kapitel soll
daher untersucht werden, was diejenigen Personen ausmacht, die eine längere
Erwerbsbeteiligung sowohl vor als auch im Ruhestand aufweisen und mit welchen
Herausforderungen diese Personen in der Arbeitswelt konfrontiert sind.
Aktuelle Studien zeigen, dass ältere Erwerbspersonen häufig länger im Berufsleben verbleiben.
Eine steigende Erwerbsbeteiligung konnte in den letzten Jahren vor allem im Alter vor dem
offiziellen Ruhestandseintritt beobachtet werden (Bundesagentur für Arbeit 2013; vgl. dazu
Kapitel 4). Es zeigen sich jedoch auch deutliche Unterschiede zwischen Personengruppen. So ist
die Erwerbsbeteiligung älterer Menschen sehr unterschiedlich in den Niveaus und Trends nach
Geschlecht, Bildung und Region verteilt. Forschungsergebnisse weisen darauf hin, dass Männer
immer noch häufiger im Alter zwischen 60 und 64 Jahren erwerbstätig sind als Frauen, auch
wenn der Anteil berufstätiger Frauen in dieser Altersgruppe wächst (Mümken & Brussig 2012).
Weiterhin wurde gezeigt, dass über 75 Prozent der Personen mit Hochschulabschluss im Alter
von 55 bis 64 Jahren noch erwerbstätig sind, während dies in der gleichen Altersgruppe der
Personen ohne Berufsabschluss auf weniger als 40 Prozent zutrifft (Asef & Wingerter 2011;
Brussig 2010). Zwischen Ost- und Westdeutschland hat sich die Erwerbsbeteiligung in späteren
Lebensphasen in den letzten beiden Jahrzehnten angeglichen, jedoch sind die regionalen
Unterschiede (vor allem für Frauen) noch deutlich zu erkennen (Asef & Wingerter 2011).
Durch die aktuelle Erhöhung der gesetzlichen Regelaltersgrenze verschieben sich die
Erwerbsteilnahmechancen älterer Erwerbspersonen. Vor allem Alters- und Bildungsunterschiede
könnten einen Einfluss auf den Erwerbsaustrittszeitpunkt haben (vgl. Kapitel 4). In diesem Kapitel
soll beleuchtet werden, wo Handlungsbedarf zur Verbesserung der Arbeitsmarktintegration und
der Arbeitsbedingungen besteht. Gibt es die sogenannten älteren Erwerbstätigen? Oder wählen
gerade Personen mit niedrigem Bildungsniveau besonders häufig einen vorzeitigen
Ruhestandseintritt aufgrund von hohen Belastungen? Wenn ja, dann würde ein nach Bildung
unterschiedlicher Austritt auch ungleiche Einbußen bei der finanziellen Sicherung im Alter nach
sich ziehen (vgl. Kapitel 4).
Die Möglichkeiten einer verlängerten Erwerbstätigkeit werden jedoch nicht nur von gesetzlichen
und gesundheitlichen Faktoren (vgl. Kapitel 8) beeinflusst. Für den Verbleib in der
Erwerbstätigkeit spielen neben der Arbeitszufriedenheit auch Belastungssituationen im
Erwerbsalltag sowie Über- und Unterforderung durch die Arbeit eine wichtige Rolle (Bäcker,
1

Da die Rente mit 63 erst seit dem 01. Juli 2014 bezogen werden kann, sollte der Einfluss dieser Reform auf die
Erwerbstätigenzahlen der DEAS-2014-Befragung recht gering sein. Für die zukünftigen Jahre ist zu vermuten,
dass die Einführung der Rente mit 63 zu einem leichten Aufhalten des allgemeinen Prozesses der längeren
Erwerbsbeteiligung führt, aber den allgemeinen Prozess aufgrund ihres besonderen Zuschnittes auf Personen mit
hochstabilen Erwerbsbiografien und kurzen Ausbildungszeiten nicht deutlich verändert.

44

Brussig, Jansen, Knuth, & Nordhause-Janz 2009). Nachteilige Arbeitsbedingungen können zu
gesundheitlichen Beeinträchtigungen, Fehlzeiten oder Arbeitsunfähigkeit und dadurch zum
vorzeitigen Austritt aus dem Erwerbsleben führen (Bödeker, Friedel, Friedrichs, & Röttger 2008;
Wurm 2004). Zudem beeinflussen (Un-)Zufriedenheit und Belastungen im Erwerbsleben auch die
Wahrscheinlichkeit, im Ruhestand weiterhin erwerbstätig zu sein (Büsch et al. 2010). Um ein
besseres Bild möglicher Einflussfaktoren auf die Erwerbstätigkeit älterer Arbeitnehmer zu
erhalten, werden in diesem Kapitel zusätzlich zu den Erwerbsquoten vor und nach dem
Ruhestandsübergang Arbeitszufriedenheit, Arbeitsbelastungen durch zeitliche und nervliche
sowie körperliche Belastungen, ebenso wie die Bewertung der Passung zwischen
Arbeitsanforderung und eigener Fähigkeit in den Blick genommen.
Bisherige Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass die Zufriedenheit mit der eigenen Arbeit
von einem Großteil der Erwerbstätigen als hoch bewertet wird (von Rosenstiel 2009; Wurm
2004). Dabei wurden keine signifikanten Unterschiede zwischen Männern und Frauen
beobachtet. Uneinheitlicher ist die Befundlage, wenn die Arbeitszufriedenheit nach Bildung
differenziert betrachtet wird. Einige Studien argumentieren, dass die Tätigkeiten von Personen
mit hohem Bildungsniveau häufiger anregende und fordernde Inhalte aufweisen als die
Tätigkeiten von Personen mit niedrigem Bildungsniveau und daher Bildung positiv mit
Arbeitszufriedenheit zusammenhängt (von Rosenstiel 2009). Andere Studien zeigen jedoch, dass
weder die Arbeitsbedingungen noch sozio-ökonomische Merkmale die Arbeitszufriedenheit
bestimmen, sondern primär Persönlichkeitsmerkmale (Brenke 2015).
Belastungssituationen im Erwerbsleben können durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden.
Häufig wird zwischen gesundheitlichen Belastungen und Stress unterschieden. Stress ist die
Arbeitsbelastung, unter der Erwerbstätige am häufigsten leiden und die in den letzten Jahren am
stärksten zugenommen hat (Wurm 2004; Bäcker et al. 2009). Von Stress als Belastung berichten
vor allem Männer mit hohem Bildungsniveau (Wurm 2004). Auch körperliche Belastungen
scheinen zuzunehmen (Bäcker et al. 2009). Das ist insofern bemerkenswert, da durch die
fortschreitende Technisierung ein Rückgang körperlicher Belastung zu vermuten wäre. Eine
mögliche Erklärung ist, dass auch Bürotätigkeiten als einseitige körperliche Belastungen
wahrgenommen werden können. Besonders ‚langes Sitzen‘ wird als Belastung empfunden.
Trotzdem berichten Personen mit hohem Bildungsniveau durchschnittlich seltener körperlich
belastet zu sein als Personen mit niedrigem Bildungsniveau (Bäcker et al. 2009).
Die subjektive Bewertung der Arbeitsbelastung wird zudem wesentlich durch die Passung
zwischen individueller Leistungsfähigkeit und Anforderungen der Tätigkeit beeinflusst. Stimmen
die Arbeitsanforderungen und die Fähigkeiten der Erwerbstätigen nicht überein, kann es zu
Unter- beziehungsweise Überforderung kommen. Ein häufig geäußertes Vorurteil geht von einer
Abnahme der Leistungsfähigkeit älterer Erwerbstätiger aus (Bal, Reiss, Rudolph, & Baltes 2011;
vgl. dazu Kapitel 22), wodurch vermeintlich für ältere Erwerbstätige eine steigende Überforderung
trotz konstantem Anforderungsprofil der Tätigkeit entstehen würde. Einer solchen Abnahme der
Leistungsfähigkeit mit dem Alter widersprechen jedoch bisherige Studien (Ng & Feldman 2008;
Lohmann-Haislah 2012; Behrend 2002; von Rosenstiel 2009). Diese im Berufsalltag verbreiteten
Vorurteile zur Leistungsfähigkeit Älterer könnten aber dazu führen, dass ältere Erwerbstätige
stärker einseitige Tätigkeiten ausüben sollen und sich dadurch unterfordert fühlen (Behrend
2002).
Das vorliegende Kapitel legt den Fokus darauf, wie sich die Erwerbspartizipation und
Arbeitsbedingungen älterer Erwerbstätiger über die Zeit entwickelt haben. Dafür werden zuerst
die Erwerbsquoten für verschiedene Personengruppen über die Zeit betrachtet. Daraufhin wird
45

die Erwerbssituation von Personen unterschiedlicher Alters- und Bildungsniveaus in Bezug auf
die Arbeitszufriedenheit, Belastung und Passung berücksichtigt.
Nicht nur die Erwerbspartizipation vor dem Ruhestand steigt, auch Personen im Ruhestand sind
immer häufiger erwerbstätig. Im Jahr 2008 arbeiteten überwiegend westdeutsche Männer,
Personen mit einem hohen Bildungsabschluss und Selbstständige nach dem Übergang in den
Ruhestand (Brussig 2010; Engstler & Romeu Gordo 2014). Ein Anliegen dieses Kapitels ist es zu
untersuchen, ob sich dieser Trend im Allgemeinen und für verschiedene Personengruppen weiter
fortgesetzt hat.
Im vorliegenden Kapitel werden die folgenden Fragen untersucht:
1.		 Wie hat sich die Erwerbsbeteiligung älterer Erwerbspersonen seit 1996 verändert?
2.		 Wie bewerten verschiedene Gruppen von Erwerbstätigen ihre Arbeit? Wie haben sich
diese Indikatoren über die Zeit verändert?
3.		 Hat die Erwerbsbeteiligung im Ruhestand seit 2008 weiter zugenommen? Wer arbeitet im
Ruhestand und wie wird Erwerbstätigkeit im Ruhestand gestaltet?

3.2

Datengrundlage

Daten. Zur Beantwortung der Fragen wurden die Querschnittsstichproben der 40- bis 85-Jährigen
Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Deutschen Alterssurveys (DEAS) der Jahre 1996, 2002,
2008 und 2014 verwendet (vgl. Kapitel 2). Für die meisten berichteten Indikatoren liegen
Informationen zu allen Messzeitpunkten vor, vereinzelt aber auch erst ab 2002 oder 2008. Die
Stichproben wurden, je nach Fragestellung, auf Erwerbstätige beziehungsweise Personen im
Ruhestand beschränkt. Die abhängigen Variablen stammen aus dem mündlichen Interview.
Aktueller Erwerbsstatus. Der aktuelle Erwerbsstatus wird im DEAS seit 1996 erfasst. Für die
Analysen in diesem Kapitel wird er in drei Gruppen unterteilt: Erwerbstätige, darunter fallen alle
Personen, die in Teil- oder Vollzeit erwerbstätig sind, oder unregelmäßig, geringfügig
erwerbstätig oder nebenerwerbstätig sind; Personen in Altersrente, Pension, sowie Personen in
Frührente, -pension, Vorruhestand und Personen in der Freistellungsphase der Altersteilzeit; und
sonstige Nichterwerbstätige (Arbeitslose sowie alle Personen ohne Erwerbseinkommen und ohne
Rente wie Hausfrauen/-männer und aus anderen Gründen nicht Erwerbstätige).
Arbeitszufriedenheit. Die aktuelle Arbeitszufriedenheit wird seit 2002 durch folgende Frage
erfasst: „Wie zufrieden sind Sie derzeit mit Ihrer Arbeitssituation insgesamt?“ Für die Analysen
wird nur zwischen den Zufriedenen (‚sehr zufrieden‘/‚eher zufrieden‘) und den Nichtzufriedenen
(‚teils, teils‘/‚eher unzufrieden‘/‚sehr unzufrieden‘) unterschieden.
Zeitliche und nervliche sowie körperliche Belastungen. Neben der Arbeitszufriedenheit werden
verschiedene Belastungen bei der eigenen beruflichen Tätigkeit erfasst. In diesem Kapitel
werden zwei besonders wichtige Aspekte der Belastungen bei der eigenen Tätigkeit dargestellt:
Die Belastungen durch Stress, im Folgenden als zeitliche und nervliche Belastungen bezeichnet
(„Inwieweit sind Sie belastet durch Stress, das heißt starken Arbeits- oder Termindruck, nervliche
Anspannungen?“); sowie Belastungen durch körperliche Aktivitäten („Inwieweit sind Sie belastet
durch anstrengende oder einseitige körperliche Aktivitäten, wie zum Beispiel Tragen schwerer
Gegenstände, langes Stehen oder Sitzen“). Die Belastungen wurden im DEAS in den Jahren
2002, 2008 und 2014 abgefragt. Für die Analysen wird zwischen stark belasteten (‚sehr
46

belastet‘/‚ziemlich belastet‘) und wenig belasteten Personen (‚kaum belastet‘/‚etwas
belastet‘/‚nicht belastet‘) unterschieden. Bei der Erfassung von Belastungen wird häufig zwischen
einer quantitativen und einer qualitativen Dimension unterschieden (Lohmann-Haislah, 2012). Die
quantitativen Belastungen erfassen dabei die Häufigkeit des Auftretens einer belastenden
Situation oder Aktivität, wohingegen sich die qualitative Belastung auf die Wahrnehmung der
Situation oder Aktivität als belastend bezieht. Aus anderen Studien ist bekannt, dass die
quantitative Belastung generell höher ist als die qualitative. Da die Personen im DEAS angeben
sollen, wie stark sie diese Anforderungen belasten, zielen die Analysen in diesem Kapitel auf die
qualitative Dimension der Belastungen.
Unter- und Überforderung. Nicht nur anstrengende, sondern auch unterfordernde Tätigkeiten
können Personen belasten. Daher wird im DEAS seit 2008 erfasst, inwieweit Erwerbstätige ihre
eigene Arbeitspassung bewerten („Fühlen Sie sich angesichts Ihrer Qualifikation auf dieser Stelle
eher unterfordert, genau richtig gefordert, oder eher überfordert?“). Für die Analysen wird
zwischen den Kategorien ‚eher unterfordert‘, ‚genau richtig gefordert‘ und ‚eher überfordert‘
unterschieden.
Erwerbstätigkeit im Ruhestand. Im DEAS wird ebenfalls die Erwerbstätigkeit im Ruhestand
erfasst. Es wurde in jeder Befragung von 1996 bis 2014 abgefragt, ob eine Person im Ruhestand
erwerbstätig ist. Daneben liegen für das Jahr 2014 noch Informationen zur derzeitigen beruflichen
Stellung vor (‚als Arbeiter/in oder Angestellte/r beschäftigt‘ oder ‚selbstständig erwerbstätig‘), ob
es sich um den gleichen Arbeitgeber wie vor dem Ruhestand handelt, und wie der Umfang der
beruflichen Tätigkeit ist (Stunden pro Woche).
Gruppierungsvariablen. Altersunterschiede wurden anhand von Sechs-Jahres-Altersgruppen
untersucht. Dadurch konnten Überschneidungen zwischen Erhebungszeitpunkten und
Altersgruppen vermieden werden (42 bis 47 Jahre, 48 bis 53 Jahre, 54 bis 59 Jahre, 60 bis 65
Jahre, 66 bis 71 Jahre, 72 bis 77 Jahre, 78 bis 83 Jahre). Personen, die beispielweise 2008 54
bis 59 Jahre alt waren, sind 2014 zwischen 60 bis 65 Jahre alt. Weiterhin wurden
Geschlechtsunterschiede und Regionsunterschiede (Ost-/Westdeutschland) untersucht. Zur
Untersuchung von Bildungsunterschieden wurden – basierend auf einer reduzierten ISCEDKlassifizierung – drei Gruppen betrachtet: Personen mit niedrigem, mittlerem und hohem
Bildungsabschluss (vgl. Kapitel 2).
Analysen. In den Abbildungen und im Text sind gewichtete (gruppenspezifische) Mittelwerte oder
prozentuale Verteilungen angegeben. Um Gruppenunterschiede auf Signifikanz zu testen,
wurden logistische oder multinomiale Regressionen berechnet, wobei für die
Stratifizierungsvariablen Altersgruppe, Geschlecht und Region (Ost-/Westdeutschland)
kontrolliert wurde. Das genaue Vorgehen ist in Kapitel 2 beschrieben.

3.3	 Wandel der Erwerbsbeteiligung älterer Erwerbspersonen zwischen 1996 und
2014
Im folgenden Abschnitt wird die Veränderung der Erwerbsbeteiligung in der zweiten Lebenshälfte
zwischen 1996 und 2014 betrachtet. Zunächst soll aber die Frage beantwortet werden, wer im
Jahr 2014 erwerbstätig ist. Abbildung 3-1 zeigt, dass im Jahr 2014 74,1 Prozent der 40- bis 65Jährigen erwerbstätig sind. 13,8 Prozent befinden sich in bereits im Altersrentenbezug vor dem
gesetzlichen Ruhestandsalter und weitere 12,2 Prozent gehören zu der Gruppe der NichtErwerbstätigen.
47

Für das Jahr 2014 gibt es signifikante Unterschiede in der Erwerbsbeteiligung nach
Altersgruppen. Die Anteile der Erwerbstätigen liegen bei den 42- bis 47-Jährigen sowie den 48bis 53-Jährigen über dem Durchschnitt (86,3 Prozent beziehungsweise 87,2 Prozent) und
unterscheiden sich nicht signifikant zwischen diesen beiden Altersgruppen (Abbildung 3-2). Der
Anteil der erwerbstätigen Personen im Alter von 54 bis 59 Jahren liegt bei 76,1 Prozent und damit
signifikant unter dem der 42- bis 47-Jährigen sowie der 48- bis 53-Jährigen. In der Altersgruppe
der 60- bis 65-Jährigen ist der Anteil der Erwerbstätigen mit 38,8 Prozent am geringsten.

Abbildung 3-1:	

Anteile der Personen im Alter von 40 bis 65 Jahren nach
Erwerbsstatus, gesamt, nach Geschlecht, Bildung und Landesteil, im
Jahr 2014 (in Prozent)

Erwerbstätig
100

Prozent

80

12,2
13,8

7,6

13,7

16,7

15,0

32,3
12,6

60
40

Sonstige Nicht-Erwerbstätige,
Arbeitslos, Umschulung,
Weiterbildung

Altersrente, Pension/Vorruhestand,
Frührente, Frühpension und
Freistellungsphase der Altersteilzeit
7,4
11,0
15,6

11,9
13,2

13,4
16,6

17,1

74,1

77,5

70,8

70,7

81,5

74,9

70,1

50,6

20
0
Gesamt
(40-65 J.)

Männer

Frauen

Niedrige
Bildung

Mittlere
Bildung

Hohe
Bildung

West

Ost

Quelle: DEAS 2014 (n = 3.531); gewichtet, gerundete Angaben; (p < ,05). 

Signifikante Unterschiede für alle Kategorien zwischen Männern und Frauen, zwischen allen Bildungsgruppen sowie zwischen 

den Landesteilen.
	

Die Erwerbsbeteiligung unterscheidet sich im Jahr 2014 bei den 40- bis 65-Jährigen weiterhin
nach Geschlecht, Bildung und Region. In Abbildung 3-1 sind die Anteile für verschiedene
Gruppen im Jahr 2014 dargestellt. Wie vermutet, sind Männer mit 77,5 Prozent eher erwerbstätig
als Frauen mit 70,7 Prozent. Für Bildung zeigt sich, dass im Jahr 2014 50,6 Prozent der
Personen mit niedrigem Bildungsniveau erwerbstätig sind, jedoch 70,8 Prozent der Personen mit
mittlerem Bildungsniveau und 81,5 Prozent der Personen mit hohem Bildungsniveau. Auch
zwischen den Landesteilen unterscheidet sich die Erwerbsquote. Im Jahr 2014 sind 74,9 Prozent
der Westdeutschen erwerbstätig, während es bei den Ostdeutschen 70,1 Prozent sind.
Im Jahr 2014 sind mehr Menschen in der Lebensphase vor dem Ruhestand erwerbstätig
als 1996.
In Abbildung 3-2 ist zu sehen, dass sich das Niveau der Erwerbsbeteiligung über die Zeit erhöht
hat. Wie erwartet, ist der Anteil der erwerbstätigen Personen an der Bevölkerung im Alter von 40
bis 65 Jahren seit 1996 von 60,2 Prozent auf 74,1 Prozent im Jahr 2014 gestiegen. Im
Gegensatz dazu ist der Anteil der Personen mit Rentenbezug von 17,2 Prozent im Jahr 1996 auf
13,8 Prozent im Jahr 2014 und der Anteil der Nichterwerbstätigen (unter anderem
48

Arbeitslosigkeit, Weiterbildung, Hausfrauen/-männer) an der Bevölkerung im Alter von 40 bis 65
Jahren von 22,7 Prozent im Jahr 1996 auf 12,2 Prozent im Jahr 2014 geschrumpft.
Die Erwerbsbeteiligung unterscheidet sich auch zwischen den Altersgruppen. Zu allen
Befragungszeitpunkten ist zu erkennen, dass der Anteil von Personen, die erwerbstätig sind, mit
höherem Alter geringer ist. Weiterhin zeigt sich, dass über die Befragungszeitpunkte die
Erwerbsbeteiligung in allen Altersgruppen der 40- bis 65-Jährigen zugenommen hat. Zudem
verläuft diese Entwicklung über die Zeit in den Altersgruppen unterschiedlich. In den
Altersgruppen der 42- bis 47-Jährigen sowie der 48- bis 53-Jährigen hat sich der Anteil der
Erwerbstätigen von 1996 zu 2014 um 7,4 beziehungsweise 9,6 Prozentpunkte erhöht, sodass der
Anteil der Erwerbstätigen an der Bevölkerung 2014 für beide Altersgruppen bei 86,3
beziehungsweise 87,2 Prozent liegt. Dagegen hat sich bei den 54- bis 59-Jährigen und den 60bis 65-Jährigen im gleichen Zeitraum der Anteil der Erwerbstätigen um knapp 20 Prozentpunkte
erhöht. In der ältesten Altersgruppe ist der Anteil von 1996 zu 2002 zunächst nicht angestiegen.
Von 2002 zu 2014 hat sich anschließend der Anteil der Erwerbstätigen im Alter von 60 bis 65
Jahren von 17,6 Prozent auf 38,8 Prozent verdoppelt. Insgesamt sind die Anteile der älteren
Erwerbstätigen seit 1996 gestiegen, die Erwerbsbeteiligung der 54- bis 59-Jährigen und der 60bis 65-Jährigen ist im Jahr 2014 weiterhin signifikant niedriger als die der 42- bis 47-Jährigen und
der 48- bis 53-Jährigen.

Abbildung 3-2:	

Anteile der 40- bis 65-jährigen Personen nach Erwerbsstatus, gesamt,
nach Alter, in den Jahren 1996, 2002, 2008 und 2014 (in Prozent)

Erwerbstätig
100
22,7

12,2
17,8 15,6

80

Prozent

17,2

20,5

13,4

13,8

Sonstige Nicht-Erwerbstätige,
Arbeitslos, Umschulung,
Weiterbildung

Altersrente, Pension/Vorruhestand,
Frührente, Frühpension und
Freistellungsphase der Altersteilzeit
13,8 10,7
20,3 15,9
2,9
1,5
1,6
0,8

14,0
20,5 17,7
3,4
4,8
1,9

8,0
4,8

29,0

22,7
8,9

17,8 15,0
9,7

15,5
21,6 17,1 17,3

8,9

14,5

60
40
60,2 61,7

71,1 74,1

84,7 86,3
78,9 82,5

77,6 77,5

82,6

45,7
60,3 65,3

87,2
56,6

76,1
68,5 72,6

20
18,2 17,6

0

55,1

27,7

38,8

1996 2002 2008 2014

1996 2002 2008 2014

1996 2002 2008 2014

1996 2002 2008 2014

1996 2002 2008 2014

Gesamt
(40-65 J.)

42-47
Jahre

48-53
Jahre

54-59
Jahre

60-65
Jahre

Quelle: DEAS 1996 (n = 3.134), 2002 (n = 1.844), 2008 (n = 3.572), 2014 (n = 3.531); gewichtet, gerundete Angaben; (p < ,05).
Signifikante Zunahme der Kategorie ‚Erwerbstätig‘ im Alter 40 bis 65 Jahre zwischen 1996 und 2014. Signifikante Abnahme der
Kategorie ‚Altersrente‘ sowie ‚sonstige Nicht-Erwerbstätige‘ zwischen 1996 und 2014. In allen Altersgruppen steigt der Anteil der
Erwerbstätigen von 1996 bis 2014 an. Signifikante Zunahme des Anteils der Altersrentnerinnen und Altersrentner bei den
42- bis 53-Jährigen, aber signifikante Abnahme bei den 54- bis 65-Jährigen. In allen Altersgruppen (außer bei den 60- bis
65-Jährigen) sinkt der Anteil der sonstigen Nicht-Erwerbstätigen von 1996 bis 2014.

Unterschiede zeigen sich ebenfalls bei der Entwicklung der Anteile der Personen mit
Altersrentenbezug vor dem gesetzlichen Ruhestandsalter. Während in den beiden jüngeren
Altersgruppen (42- bis 47-Jährigen und 48- bis 53-Jährigen) die Anteile der Personen mit
49

Altersrentenbezug im Gesamttrend geringfügig angestiegen sind, ist deren Anteil bei den 54- bis
65-Jährigen signifikant gesunken: Die Anteile der 54- bis 59-Jährigen mit Altersrentenbezug
betrugen 1996 noch 14,5 Prozent. Im Jahr 2014 sind es nur noch 8,9 Prozent. Auch bei den 60bis 65-Jährigen waren es im Jahr 1996 60,3 Prozent und im Jahr 2014 lediglich 45,7 Prozent. Der
gleiche Trend zeigt sich für sonstige Nichterwerbstätige. Ihr Anteil an den Erwerbspersonen hat
im Gesamttrend abgenommen (zur Veränderung der Renteneintrittsmuster über die Zeit (vgl.
Kapitel 4).
Im Jahr 2014 bestehen weiterhin signifikante Unterschiede in den Anteilen der
Erwerbsbeteiligung zwischen Männern und Frauen. Trotz des immer noch bestehenden
Unterschiedes, haben sich die Anteile zwischen Männern und Frauen jedoch seit 1996 Schritt für
Schritt einander angeglichen (vgl. Tabelle A 3-1 im Anhang). Das zeigt, dass die schrittweise
Erhöhung des gesetzlichen Renteneintrittsalters gleichermaßen auf den Zeitpunkt des
Ruhestandsüberganges von Männern als auch von Frauen wirkt. Die Differenzen in der
Erwerbsbeteiligung zwischen den Bildungsgruppen sind über die Zeit stabil geblieben (ohne
Abbildung). Der Ost- und Westunterschied in den Anteilen der Erwerbsbeteiligung besteht
konstant seit 1996 (vgl. Tabelle A 3-1 im Anhang).

3.4

Bewertung und Wandel der eigenen Arbeit von Erwerbstätigen

Angesichts der steigenden Erwerbsbeteiligung vor allem der älteren Erwerbstätigen, wird im
Folgenden untersucht, wie sich die Bewertung der Arbeitssituation für Erwerbstätige in der
zweiten Lebenshälfte verändert hat. Dabei wird auf die Arbeitszufriedenheit, die Qualität der
Belastungen sowie die subjektiv wahrgenommene Passung der Leistungsfähigkeit der
Erwerbstätigen mit ihrer Arbeit eingegangen.
Die berichtete allgemeine Arbeitszufriedenheit ist sehr hoch. Im Jahr 2014 berichten 85,2 Prozent
der Erwerbstätigen im Alter von 40 bis 65 Jahren, dass sie insgesamt eher oder sehr zufrieden
mit ihrer Arbeit sind (vgl. Tabelle A 3-2 im Anhang). Ein Vergleich zwischen den Altersgruppen
zeigt für das Jahr 2014 keinen Unterschied bei der berichteten Arbeitszufriedenheit. Der Anteil
der zufriedenen Erwerbstätigen ist in allen Altersgruppen gleich hoch. Ebenso gibt es 2014 weder
signifikante Unterschiede zwischen Männern und Frauen noch zwischen Bildungsgruppen.
Die Arbeitszufriedenheit hat sich seit 2002 nicht verändert (vgl. Tabelle A 3-2 im Anhang). Das ist
bemerkenswert, denn obwohl Personen die Austrittswege aus der Erwerbsarbeit erschwert
wurden und damit insgesamt mehr Personen erwerbstätig sind, sind diese nicht unzufriedener.
Der hohe Anteil der Arbeitszufriedenheit hat sich seit 1996 auch in keiner der Altersgruppen,
zwischen Männern und Frauen oder den Bildungsgruppen signifikant verändert. Diese Befunde
passen zu der Argumentation, dass die Arbeitszufriedenheit einer Person im Lebenslauf relativ
konstant ist, wobei sich Personen in ihrer Arbeitszufriedenheit vor allem durch psychologische
Merkmale und nicht durch sozio-ökonomische Merkmale unterscheiden.
Der DEAS erfasst neben der Zufriedenheit mit der eigenen beruflichen Tätigkeit auch die
qualitative Dimension von Arbeitsbelastungen, welche auf die Einschätzung abzielt, ob die
Anforderungen der Arbeit für die Person belastend sind. Im Folgenden wird zuerst auf die
zeitlichen und nervlichen Belastungen eingegangen und danach auf die Belastungen durch
körperliche Aktivitäten. Im Jahr 2014 liegt der Anteil der Erwerbstätigen, die sich zeitlich und
nervlich belastet fühlen, bei 47,4 Prozent (Abbildung 3-3a).
50

Im Jahr 2014 gibt es zwar keinen linearen Trend in den Altersunterschieden (Abbildung 3-3a),
aber die zeitlichen und nervlichen Belastungen unterscheiden sich dennoch zwischen den
einzelnen Altersgruppen. Der Anteil der 42- bis 47-Jährigen, die sich zeitlich und nervlich belastet
fühlen, liegt bei 44,7 Prozent. Von dieser Gruppe unterscheiden sich die 48- bis 53-Jährigen
nicht, jedoch fühlt sich ein signifikant größerer Anteil der 54- bis 59-Jährigen mit 51,4 Prozent
signifikant zeitlich und nervlich belastet. Bei den 60- bis 65-Jährigen liegt der Anteil der Personen
mit zeitlichen und nervlichen Belastungen mit 43,9 Prozent wieder niedriger als bei den 54- bis
59-Jährigen und sogar den 42- bis 47-Jährigen.
Belastungen im Rahmen der Erwerbstätigkeit unterscheiden sich zwischen den
Bildungsgruppen.
Es zeigen sich außerdem Geschlechtsunterschiede: Männer fühlen sich eher zeitlich und nervlich
belastet (50,8 Prozent) als Frauen (43,9 Prozent;
Abbildung 3-3a). Deutliche Unterschiede zeigen sich im Jahr 2014 auch nach dem
Bildungsniveau. Wie erwartet, sind die Anteile der zeitlich und nervlich belasteten Personen bei
den Personen mit hohem Bildungsniveau mit 52,4 Prozent höher als bei Personen mit mittlerem
und niedrigem Bildungsniveau (44,3 Prozent beziehungsweise 30,0 Prozent).
Seit 2008 ist der Anteil der berichteten zeitlichen und nervlichen Belastungen von 44,0 Prozent
auf 47,4 Prozent gestiegen (Abbildung 3-4a). Im Zeitvergleich haben sich die Anteile der
berichteten zeitlichen und nervlichen Belastungen lediglich bei den 48- bis 53-Jährigen signifikant
erhöht. In dieser Altersgruppe ist eine Zunahme von 40,9 Prozent im Jahr 2002 zu 48,7 Prozent
im Jahr 2014 zu verzeichnen. Für das Jahr 2014 sind demnach insgesamt nicht mehr ältere
Erwerbstätige zeitlich und nervlich belastet als 2002. Der Anteil der Personen, die von zeitlichen
und nervlichen Belastungen berichten, hat sich zwischen Männern und Frauen seit 2002 nicht
verändert (vgl. Tabelle A 3-3 im Anhang). Die Unterschiede zwischen den Bildungsgruppen
haben sich im Zeitvergleich unterschiedlich verändert. Für Personen mit niedrigem und hohem
Bildungsniveau sind die Anteile der zeitlich und nervlich belasteten Personen zwischen 2002 und
2014 stabil geblieben (Abbildung 3-4a). Zwischen 2008 und 2014 hat sich der Anteil der von
zeitlichen und nervlichen Belastungen berichtenden Personen mit mittlerem Bildungsniveau von
39,2 Prozent auf 44,3 Prozent erhöht.

51

Abbildung 3-3:	

Anteile der ziemlich oder sehr belasteten Erwerbstätigen (zeitliche und
nervliche Belastungen, körperliche Belastungen), gesamt, nach Alter,
Geschlecht und Bildung, im Jahr 2014 (in Prozent)

a) Zeitliche und nervliche Belastungen
100

Prozent

80
60
40
20

47,4

44,7

48,7

51,4

50,8

43,9

44,3

43,9

52,4

30,0

0
Gesamt
(40-65 J.)

42-47
Jahre

48-53
Jahre

54-59
Jahre

60-65
Jahre

Männer

Frauen

Niedrige
Bildung

Mittlere
Bildung

Hohe
Bildung

b) Körperliche Belastungen
100

Prozent

80
60
40
20

53,7
31,2

26,9

31,2

35,7

32,0

31,0

38,4

31,5

21,3

0
Gesamt
(40-65 J.)

42-47
Jahre

48-53
Jahre

54-59
Jahre

60-65
Jahre

Männer

Frauen

Niedrige
Bildung

Mittlere
Bildung

Hohe
Bildung

Quelle: DEAS 2014 (n = 2.446 für a); n = 2.444 für b)); gewichtet, gerundete Angaben; (p < ,05).
	
a) Signifikante Altersunterschiede nur zwischen 42- bis 47-Jährigen und 54- bis 59-Jährigen. Signifikante Geschlechts- und 

Bildungsunterschiede. b) Signifikante Unterschiede nur zwischen 54- bis 59-Jährigen und 42- bis 47-Jährigen sowie 60- bis 65Jährigen. Keine signifikanten Geschlechtsunterschiede. Signifikante Unterschiede zwischen allen Bildungsgruppen.
	

Die Anteile der Personen, die 2014 von körperlichen Belastungen berichten, ist mit 31,2 Prozent
niedriger als die berichteten zeitlichen und nervlichen Belastungen (Abbildung 3-3b). Wie bei
zeitlichen und nervlichen Belastungen, zeigt sich im Jahr 2014 kein linearer Verlauf über die
Altersgruppen. Die 42- bis 47-Jährigen berichten seltener von körperlichen Belastungen als die
54- bis 59-Jährigen.
Auch wenn sich bezüglich der körperlichen Arbeitsbelastungen keine Unterschiede zwischen
Männern und Frauen finden lassen, zeigen sich Unterschiede nach Bildung um so deutlicher
(Abbildung 3-3b): Der Anteil der Personen mit hohem Bildungsniveau, welche körperliche
Belastungen berichten, ist mit 21,3 Prozent geringer als der von Personen mit einem mittleren
(38,4 Prozent) oder niedrigem Bildungsniveau (53,7 Prozent).

52

Im Jahr 2014 berichten mehr Erwerbstätige von Belastungen als 2002.
Die Annahme, dass auch die Bewertung der körperlichen Belastungen im historischen Wandel
aufgrund der fortschreitenden Technisierung abgenommen habe, kann nicht bestätigt werden
(Abbildung 3-4b). Im Gegenteil: Der Anteil von Personen, die körperliche Belastungen berichten,
ist von 25,3 Prozent im Jahr 2002 auf 31,2 Prozent im Jahr 2008 deutlich angestiegen, um
zwischen 2008 und 2014 das Niveau zu halten. Werden die Veränderungen der berichteten
Belastungen über die Befragungszeitpunkte 2002, 2008 und 2014 nach Altersgruppen
unterschieden, zeigt sich kein einheitlicher Trend. Auch zwischen Männern und Frauen gibt es
keine signifikanten Unterschiede im Zeitvergleich bei den berichteten körperlichen Belastungen
(vgl. Tabelle A 3-4 im Anhang).
Die Unterschiede zwischen den Bildungsgruppen variieren im Zeitvergleich. Es ergibt sich jedoch
ein anderes Bild als bei den zeitlichen und nervlichen Belastungen. Der Anteil der Personen mit
einem niedrigen Bildungsniveau stieg im Gesamttrend bei den berichteten körperlichen
Belastungen bei der eigenen Arbeit von 32,4 Prozent im Jahr 2002 auf 53,7 Prozent im Jahr 2014
(Abbildung 3-4b). Der gleiche Trend lässt sich bei Personen mit einem mittleren Bildungsniveau
finden. Hier ist der Anteil von 29,8 Prozent im Jahr 2002 auf 38,4 Prozent im Jahr 2014
gestiegen. Bei Personen mit einem hohen Bildungsniveau ist der Anteil der berichteten
körperlichen Belastungen nur in dem Zeitraum von 2002 (18,3 Prozent) zu 2008 (24,4 Prozent)
gestiegen. Im Gesamtzeitraum von 2002 bis 2014 haben sich die Anteile aber nicht signifikant
verändert.

53

Abbildung 3-4:	

Anteile der ziemlich oder sehr belasteten Erwerbstätigen (zeitliche und
nervliche Belastungen, körperliche Belastungen), gesamt, nach Alter
und Bildung, in den Jahren 1996, 2002, 2008 und 2014 (in Prozent)

a) Zeitliche und nervliche Belastungen
2002

2008

2014

100

Prozent

80
60
40
20

43,3 44,0

47,4

44,4 41,9

44,7

40,9

46,1

48,7

51,4
45,0 44,0

47,0 43,7 43,9

35,3

30,5

30,0 39,3 39,2

44,3 49,6 51,2

52,4

0
Gesamt
(40-65 J.)

42-47
Jahre

48-53
Jahre

54-59
Jahre

60-65
Jahre

Niedrige
Bildung

Mittlere
Bildung

Hohe
Bildung

b) Körperliche Belastungen
2002

2014

2008

100

Prozent

80
60
40
53,7

20
25,3

31,2

31,2

25,2

32,8 26,9

24,5

33,3 31,2

35,7
26,7 27,8

23,4 26,8

32,0

32,4

43,0
29,8

35,5

38,4
18,3

24,4 21,3

0
Gesamt
(40-65 J.)

42-47
Jahre

48-53
Jahre

54-59
Jahre

60-65
Jahre

Niedrige
Bildung

Mittlere
Bildung

Hohe
Bildung

Quelle: DEAS 2002 (n = 1.098 für a); n = 1.056 für b)), 2008 n = (2.337 für a); n = 2.234 für b)), 2014 (n = 2.466 für a); n = 2.444
für b)); gewichtet, gerundete Angaben; (p < ,05).
a) Stabilität zwischen 2002 und 2008, signifikante Zunahme zwischen 2008 und 2014 für gesamt. Stabilität zwischen 2002 und
2008 in allen Altersgruppen. Zwischen 2008 und 2014 signifikante Zunahme nur bei 54- bis 59-Jährigen. Signifikante Zunahme
zwischen 2002 und 2014 nur bei 48- bis 53-Jährigen. Stabilität zwischen 2002 und 2008 in allen Bildungsgruppen. Signifikante
Zunahme zwischen 2008 und 2014 nur bei mittlerer Bildung. b) Signifikante Zunahme zwischen 2002 und 2008, Stabilität
zwischen 2008 und 2014 für gesamt. Signifikante Zunahme zwischen 2002 und 2008 nur bei 42- bis 53-Jährigen. Zwischen
2008 und 2014 signifikante Unterschiede nur bei 42- bis 47-Jährigen und 54- bis 59-Jährigen. Zwischen 2002 und 2014
signifikante Zunahme bei niedriger und mittlerer Bildung. Bei hoher Bildung signifikante Zunahme zwischen 2002 und 2008 und
Stabilität zwischen 2008 und 2014 .

Zusammenfassend zeigt sich, dass seit 2008 zeitliche und nervliche Belastungen und seit 2002
körperliche Belastungen bei den 40- bis 65-Jährigen im allgemeinen Trend zugenommen haben.
Auch wenn die Erwerbsquote besonders für höhere Altersgruppen gestiegen ist, zeigt sich für
diese Personen keine spezifische Zunahme der Bewertung ihrer Arbeitsbelastungen über die
Befragungszeitpunkte.

54

Der Großteil der Erwerbstätigen ist im Jahr 2014 zufrieden mit ihrer Arbeit und fühlt sich
weder über- noch unterfordert.
Auch wenn jede zweite erwerbstätige Person im Alter von 40 bis 65 Jahren von zeitlichen und
nervlichen Belastungen und jede dritte von körperlichen Belastungen berichtet, fühlt sich im Jahr
2014 ein Großteil der Erwerbstätigen (81,2 Prozent) durch ihre Tätigkeit genau richtig gefordert,
16,1 Prozent fühlen sich eher unterfordert und 2,8 Prozent eher überfordert (Abbildung 3-5). Es
zeigen sich keine signifikanten Unterschiede zwischen den verschiedenen Altersgruppen. Die
Anforderungspassung unterscheidet sich auch nicht signifikant zwischen Männern und Frauen.
Obwohl Männer sich eher durch zeitlich und nervlich belastende Arbeitsbedingungen belastet
fühlen, geben sie nicht eher als Frauen an, dass sie sich durch ihre Tätigkeit überfordert fühlen.
Weiterhin konnte kein Zusammenhang der Über- oder Unterforderung zwischen den
Bildungsgruppen gefunden werden.
Im Vergleich zum Jahr 2008 haben sich die Anteile der über-, unter- oder genau richtig
geforderten Personen nicht signifikant verändert (vgl. Tabelle A 3-5 im Anhang). Der Anstieg der
zeitlichen und nervlichen sowie körperlichen Belastungen über die Befragungszeitpunkte scheint
somit nicht mit einem ansteigenden Anteil an überforderten Personen einherzugehen.

Abbildung 3-5:

Anteile der Erwerbspersonen bis 65 Jahre, die berichten sich von ihrer
Erwerbsarbeit unter-, über- oder genau richtig gefordert zu fühlen,
gesamt, nach Alter, Geschlecht und Bildung, im Jahr 2014 (in Prozent)

100

Eher überfordert

Genau richtig

Eher unterfordert
2,8

1,4

2,8

4,3

3,2

2,4

3,2

4,8

2,8

2,6

81,2

82,4

81,8

80,8

79,4

83,1

79,0

76,5

80,5

82,3

16,1

16,2

15,5

14,9

17,4

14,5

17,8

18,8

16,7

15,1

Gesamt
(40-65 J.)

42-47
Jahre

48-53
Jahre

54-59
Jahre

60-65
Jahre

Prozent

80
60
40
20
0
Männer Frauen

Niedrige Mittlere Hohe
Bildung Bildung Bildung

Quelle: DEAS 2008 (n = 2.385), 2014 (n = 2.463); gewichtet, gerundete Angaben; (p < ,05). 

Keine signifikanten Unterschiede zwischen Altersgruppen, Geschlechtern, sowie Bildungsgruppen. Nur bei der Kategorie 

‚genau richtig‘ signifikanter Geschlechtsunterschied.
	

Zusammenfassend zeigt sich, dass Erwerbstätige in der zweiten Lebenshälfte eine hohe
Arbeitszufriedenheit aufweisen und sich trotz zeitlichen und nervlichen Belastungen oder
körperlichen Aktivitäten kaum überfordert fühlen. Die Belastungen scheinen über die
Altersgruppen erst zuzunehmen, um dann in den letzten Jahren vor dem Ruhestandsübergang
wieder abzunehmen. Trotzdem zeigt sich, dass sich ältere Erwerbstätige im Alter von 54 bis 65
Jahren nicht von den Erwerbstätigen im mittleren Erwachsenenalter von 42 bis 53 Jahre
55

bezüglich der Arbeitszufriedenheit sowie einer Unter- beziehungsweise Überforderung
unterscheiden.
Bei der Untersuchung der verschiedenen Bildungsgruppen zeigt sich ein anderes Bild. Das
Bildungsniveau wirkt sich zwar nicht auf die Arbeitszufriedenheit und die Anforderungspassung
aus. Stattdessen zeigen sich in Bezug auf die Belastungen deutliche Unterschiede zwischen
Personen mit einem hohen Bildungsniveau und Personen mit einem niedrigen Bildungsniveau.
Während Personen mit niedrigem Bildungsniveau eher von körperlichen Belastungen berichten,
sind Personen mit hohem Bildungsniveau eher von zeitlichen und nervlichen Belastungen
betroffen.

3.5

Wandel und Ausgestaltung der Erwerbsbeteiligung im Ruhestand

Wie im letzten Abschnitt gezeigt werden konnte, bleibt die berichtete Arbeitszufriedenheit bei den
40- bis 65-Jährigen konstant auf einem hohen Niveau, sowohl über die Altersgruppen als auch
über die letzten Befragungszeitpunkte hinweg. Da ein immer größer werdender Anteil der älteren
Menschen vor dem Ruhestand erwerbstätig ist, lässt sich vermuten, dass der Anteil der Personen
steigt, die auch im Ruhestand noch erwerbstätig sind. In diesem Abschnitt wird betrachtet, wer im
Jahr 2014 im Ruhestand erwerbstätig gewesen ist und ob sich der Trend zu einem längeren
Arbeiten auch im Ruhestand fortsetzt.
Im Jahr 2014 sind 11,6 Prozent der Personen im Ruhestand erwerbstätig (Abbildung 3-6b). Es
gibt aber eindeutige Unterschiede in der Erwerbsbeteiligung im Ruhestand nach Altersgruppen.
Die Anteile der im Ruhestand Erwerbstätigen liegen bei den 60- bis 65-Jährigen sowie den 66bis 71-Jährigen bei 18,8 Prozent beziehungsweise 17,2 Prozent und unterscheiden sich nicht
signifikant zwischen diesen beiden Altersgruppen (Abbildung 3-6a). Der Anteil der im Ruhestand
erwerbstätigen Personen ist bei den 72- bis 77-Jährigen signifikant geringer und liegt bei 8,9
Prozent. Bei den 78- bis 83-Jährigen sind lediglich 3,0 Prozent im Ruhestand noch erwerbstätig.
Für das Jahr 2014 zeigen sich außerdem signifikante Unterschiede zwischen Männern und
Frauen, West- und Ostdeutschland, sowie nach Bildungsabschluss (Abbildung 3-6a): Während
bei den Männern 14,7 Prozent im Ruhestand erwerbstätig sind, sind es bei den Frauen lediglich
8,6 Prozent. Ebenso sind mehr Personen mit hoher Bildung im Ruhestand erwerbstätig als
Personen mit einem mittleren und niedrigen Bildungsniveau. Wie bereits vor dem Ruhestand, ist
auch nach dem Ruhestandsübergang der Anteil der Erwerbstätigen in Westdeutschland mit 12,2
Prozent höher als der der Ostdeutschen (9,0 Prozent).
Ein zunehmender Anteil an Menschen ist auch nach dem Eintritt in den Ruhestand
erwerbstätig.
Seit 1996 ist der Anteil der erwerbstätigen Personen im Ruhestand kontinuierlich gestiegen. Lag
der Anteil der Erwerbstätigen im Ruhestand im Jahr 1996 noch bei 5,1 Prozent, hat sich dieser im
Jahr 2014 auf 11,6 Prozent erhöht (Abbildung 3-6b). Am markantesten ist dieser Trend bei den
66- bis 71-Jährigen zu erkennen, bei denen der Anteil von 4,2 Prozent im Jahr 1996 auf 17,2
Prozent im Jahr 2014 gestiegen ist. Die Altersgruppen unterscheiden sich im Jahr 2014
signifikant. Ältere weisen dabei den geringsten Anteil der Erwerbstätigen im Ruhestand auf.
Während im Jahr 2014 18,8 Prozent der 60- bis 65-Jährigen beziehungsweise 17,2 Prozent der
66- bis 71-Jährigen im Ruhestand erwerbstätig sind, betragen die Anteile bei den 72- bis 77-

56

Jährigen 8,9 Prozent und bei den 78- bis 83-Jährigen nur noch 3,0 Prozent. Das bedeutet, dass
ältere Personen eine geringere Erwerbsbeteiligung im Ruhestand aufweisen.

Abbildung 3-6:	

Anteile der Erwerbstätigen im Ruhestand im Alter von 60 bis 85
Jahren, nach Alter, Geschlecht, Bildung und Landesteil, in den Jahren
1996, 2002, 2008 und 2014 (in Prozent)

a) Nach Alter, Geschlecht, Bildung und nach Landesteil, 2014
60

Prozent

40

20

18,8

17,2

15,9

14,7
8,9

8,6

7,1
	

9,9

12,2

9,0

3,0
	

0
	
60-65
Jahre

66-71
Jahre

72-77
Jahre

78-83
Jahre

Männer Frauen

Niedrige Mittlere Hohe
Bildung Bildung Bildung

West

Ost

b) Zeitvergleich, 1996, 2002, 2008 und 2014
60

Prozent

40

20
11,6
5,1

6,4

1996

2002

7,8

0
2008

2014

Quelle: DEAS 1996 (n = 1.845), 2002 (n = 1.439), 2008 (n = 2.819), 2014 (n = 2.711); gewichtet, gerundete Angaben; (p < ,05).
a) Signifikanter Unterschied zwischen 60- bis 71-Jährigen und Älteren. Signifikante Geschlechtsunterschiede. Signifikanter
Unterschied nur zwischen hoher Bildung und mittlerer beziehungsweise niedriger Bildung. Signifikante Regionsunterschiede.
b) Signifikante Zunahme zwischen 2008 und 2014, vorher Stabilität.

Im Folgenden wird die Arbeitssituation der Personen betrachtet, die im Ruhestand erwerbstätig
sind. 41,5 Prozent der im Ruhestand erwerbstätigen Personen sind 2014 selbstständig tätig,
wobei dies stärker für Männer zutrifft (48,2 Prozent) als für Frauen (31,0 Prozent) (ohne
Abbildung). Der Anteil der Selbstständigen ist unter den Älteren größer (60- bis 65-Jährige:
24,7 Prozent; 66- bis 71-Jährige: 38,2 Prozent; 72- bis 77-Jährige: 57,3 Prozent beziehungsweise
78- bis 83-Jährige: 66,9 Prozent) (ohne Abbildung). Lediglich 26,4 Prozent der im Ruhestand
57

Erwerbstätigen arbeiten bei ihrem früheren Arbeitgeber. Die durchschnittliche Arbeitszeit pro
Woche liegt im Jahr 2014 bei 15,5 Stunden (vgl. Tabelle A 3-7 im Anhang). Nur knapp fünf
Prozent arbeitet 40 Stunden oder mehr pro Woche. Überraschenderweise unterscheidet sich die
Arbeitszeit zwischen den Altersgruppen nicht. Das heißt, dass ältere Personen seltener im
Ruhestand erwerbstätig sind, diese aber im Durchschnitt genauso lange arbeiten. Es bleibt
unklar, ob dies daran liegt, dass Personen unabhängig davon, wie viele Stunden sie zuvor
gearbeitet haben, ihre Erwerbstätigkeit im Ruhestand beenden (zufällige Selektion) oder aber, ob
Personen die Arbeitszeit mit dem Alter reduzieren und gleichzeitig gerade die Erwerbstätigen ihre
Arbeit beenden, die wenige Stunden gearbeitet haben (kompensatorische Selektion). In beiden
Fällen bleibt das durchschnittliche Niveau der wöchentlichen Stundenzahl bestehen. Es gibt
keinen signifikanten Unterschied in der Arbeitszeit zwischen Männern und Frauen.
In diesem Abschnitt konnte gezeigt werden, dass immer mehr Personen auch im Ruhestand
erwerbstätig sind. Gerade in der Altersgruppe der 60- bis 71-Jährigen ist ein starker Anstieg
zwischen 1996 und 2014 zu verzeichnen. Die meisten dieser Erwerbstätigen im Ruhestand
arbeiten deutlich weniger als 40 Stunden pro Woche. Deutlich wird auch, dass vor allem
Personen mit hohem Bildungsniveau im Ruhestand weiter erwerbstätig sind.

3.6

Diskussion und Implikationen

Um den strukturellen Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt zu begegnen, wurden Wege in die
vorzeitige Verrentung geschlossen und das Renteneintrittsalter Schritt für Schritt erhöht. Die
Ergebnisse dieses Kapitels zeigen für die Jahre 1996 bis 2014, dass Erwerbstätige länger im
Arbeitsmarkt bleiben und dabei gerade der Anteil der Erwerbstätigen im Alter von 54 bis 65
Jahren deutlich angestiegen ist (zu Gestaltung und Wandel der Ruhestandsübergänge vgl.
Kapitel 4). Damit decken sich die Ergebnisse aus dem DEAS mit denen der Bundesagentur für
Arbeit (2013).
Die meisten Erwerbstätigen im Alter von 40 bis 65 Jahren sind zufrieden oder sehr zufrieden mit
ihrer Arbeit. Parallel zu dem gestiegenen Anteil der Erwerbstätigen gibt es aber auch einen etwas
größeren Anteil an Personen im Alter von 40 bis 65 Jahren, die von zeitlichen und nervlichen
sowie von körperlichen Belastungen bei der Arbeit berichten. Seit 2008 haben die berichteten
zeitlichen und nervlichen Belastungen und seit 2002 die berichteten körperlichen Belastungen bei
den 40- bis 65-Jährigen im allgemeinen Trend zugenommen. Es ist zu vermuten, dass trotz
fortschreitender Technisierung die Belastungen durch einseitige körperliche Aktivitäten gerade
durch vermehrtes langes Sitzen gestiegen sind.
Zwar ist die Erwerbsquote vor allem bei den höheren Altersgruppen gestiegen, jedoch zeigt sich
für diese Personen keine spezifische Zunahme der Bewertung ihrer Arbeitsbelastungen über die
Befragungszeitpunkte. Die Anzahl von Personen, die von Belastungen berichten, scheint über die
Altersgruppen erst zuzunehmen, um dann in den letzten Jahren vor dem Ruhestandsübergang
wieder abzunehmen. Die von den Arbeitsmarktreformen ausgehenden Schließungsprozesse für
den vorzeitigen Ruhestand wirken sich wie bei der Arbeitszufriedenheit nicht auf die Bewertungen
der Belastungen aus. Auch wenn es für belastete Erwerbstätige schwerer geworden ist, den
Arbeitsmarkt vorzeitig zu verlassen als es noch zu einem früheren Zeitpunkt der Fall war, ist der
Anteil der belasteten älteren Erwerbstätigen nicht gestiegen.
Bei der Untersuchung der verschiedenen Bildungsgruppen zeigt sich ein anderes Bild. Das
Bildungsniveau wirkt sich zwar nicht auf die Arbeitszufriedenheit und die Anforderungspassung
58

aus. Stattdessen zeigen sich in Bezug auf die Belastungen deutliche Unterschiede zwischen
Personen mit einem hohen Bildungsniveau und Personen mit einem niedrigen Bildungsniveau.
Während Personen mit niedrigem Bildungsniveau eher von körperlichen Belastungen berichten,
sind Personen mit hohem Bildungsniveau eher von zeitlichen und nervlichen Belastungen
betroffen.
Neben einem stabilen Anteil an erwerbstätigen Personen, haben sich auch die Anteile der über-,
unter- oder genau richtig geforderten Personen zwischen 2008 und 2014 nicht verändert. Der
Anstieg der psychischen und körperlichen Belastungen scheint demnach nicht mit einer größeren
Anzahl an überforderten Personen einherzugehen.
Die größere Anzahl an Personen, die von Belastungen berichtet, könnte zumindest teilweise
darauf zurückzuführen sein, dass es für Personen mit hoher Belastung schwieriger geworden ist,
vorzeitig aus dem Erwerbsleben auszutreten. Trotzdem bleiben die Arbeitszufriedenheit und die
Bewertung der Anforderungspassung auf gleichem, hohem Niveau. Diese Befunde könnten für
die Fähigkeit der Erwerbstätigen sprechen mit steigenden körperlichen und psychischen
Belastungen umzugehen und sich daran anzupassen. Dies ist für alle Altersgruppen der 40- bis
65-Jährigen in gleichem Maße der Fall. Der Einfluss von nachteiligen Arbeitsbedingungen auf die
Erwerbsaustrittswahrscheinlichkeit wird in diesem Kapitel zwar nicht untersucht, jedoch zeigen
diese Folgen, weshalb es wichtig und notwendig ist, sich mit diesen Themen zu beschäftigen.
Nicht nur der Anteil der erwerbstätigen Personen vor dem Ruhestand steigt. Auch im Ruhestand
sind immer mehr Menschen erwerbstätig. Vor allem der Anteil der im Ruhestand erwerbstätigen
60- bis 71-Jährigen hat zwischen 1996 und 2014 zugenommen, wenn auch mit deutlich weniger
als 40 Stunden pro Woche. Erwerbstätige Personen im Ruhestand sind dabei vor allem Männer,
Personen mit einem höheren Bildungsniveau und Westdeutsche.
Es ist nicht das Alter, welches ein längeres und zufriedenes Arbeiten bestimmt, sondern die
Bildung. Besonders ausgeprägt erscheinen Bildungsunterschiede der 40- bis 65-Jährigen im
Bereich von körperlichen und psychischen Belastungen, für die spezifische politische Programme
und präventive Maßnahmen gefunden werden könnten. Aus den Ergebnissen lässt sich ableiten,
dass älterwerdende Belegschaften vor differenzierten Herausforderungen stehen. Der seit 2002
steigende Anteil von Personen, der von körperlichen oder psychischen Belastungen berichtet,
kann in den jeweiligen Bildungsgruppen nicht mehr durch vorzeitige Erwerbsaustritte kompensiert
werden, sodass Präventionsmaßnahmen und spezifische Förderung notwendig und sinnvoll
erscheinen. Dabei ist jedoch nicht eine allgemeine Reduktion von Anforderungen das Mittel der
Wahl, da dies die Gefahr einer Unterforderung birgt. Vielmehr bedarf es flexibler Maßnahmen
nah an den Bedürfnissen einzelner Erwerbstätiger. Wie sich an dem seit 1996 kontinuierlich
steigenden Anteil von Erwerbstätigen im Ruhestand zeigt, ist ein Teil der Personen in der zweiten
Lebenshälfte, unabhängig von ihrem Alter und gesetzlichen Altersgrenzen, willens und fähig, sich
aktiv am Arbeitsmarkt einzubringen.

Literatur
Asef, D., & Wingerter, C. (2011). Arbeitsmarkt und Erwerbstätigkeit. In: Statistisches Bundesamt
& Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (Hrsg.) Datenreport 2011. Ein
Sozialbericht für die Bundesrepublik Deutschland (S. 97-129). Bonn: Bundeszentrale für
politische Bildung.
59

Bäcker, G., Brussig, M., Jansen, A., Knuth, M., & Nordhause-Janz, J. (2009). Einführung:
Beschäftigungsmöglichkeiten für ältere Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen im
Altersübergang. In: G. Bäcker, M, Brussig, A. Jansen, M. Knuth & J. Nordhause-Janz
(Hrsg.) Ältere Arbeitnehmer. Erwerbstätigkeit und soziale Sicherung im Alter. (S. 15-45).
Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.
Bal, A. C., Reiss, A. E. B., Rudolph, C. W., & Baltes, B. B. (2011). Examining Positive and
Negative Perceptions of Older Workers: A Meta-Analysis. The Journals of Gerontology
Series B: Psychological Sciences and Social Sciences, 66B(6), 687-698. doi:
10.1093/geronb/gbr056.
Behrend, C. (2002). Erwerbsarbeit Älterer im Wandel – demographische Herausforderungen und
Veränderungen der Arbeitsgesellschaft. In: C. Behrend (Hrsg.) Chancen für die
Erwerbsarbeit im Alter. Betriebliche Personalpolitik und ältere Erwerbstätige (S. 11-30).
Opladen: Leske + Budrich.
Bödeker, W., Friedel, H., Friedrichs, M., & Röttger, C. (2008). The impact of work on morbidityrelated early retirement. Journal of public health, 16(2), 97-105.
Brenke, K. (2015). Die große Mehrzahl der Beschäftigten in Deutschland ist mit ihrer Arbeit
zufrieden. DIW-Wochenbericht, 32/33, 715-722.
Brussig, M. (2010). Anhaltende Ungleichheiten in der Erwerbsbeteiligung Älterer - Zunahme an
Teilzeitbeschäftigung. Duisburg/Essen: Institut Arbeit und Qualifikation.
Brussig, M. (2009). Die Erwerbsbeteiligung älterer Arbeitnehmer/-innen in Deutschland im
Wandel: Perspektiven der Arbeitsmarktforschung. Zeitschrift für Gerontologie und
Geriatrie, 42(4), 281-286.
Bundesagentur für Arbeit (2013). Arbeitsmarktberichterstattung: Der Arbeitsmarkt in Deutschland.
Ältere am Arbeitsmarkt. Nürnberg: Bundesagentur für Arbeit.
Büsch, V., Dittrich, D., & Lieberum, U. (2010). Determinants of Work Motivation and Work Ability
among Older Workers and Implications for the Desire for Continued Employment.
Comparative Population Studies, 35(4), 931-958.
Engstler, H., & Romeu Gordo, L. (2014). Arbeiten im Ruhestand - Entwicklung, Faktoren und
Motive der Erwerbstätigkeit von Altersrentenbeziehern. In: E. Kistler & F. Trischler (Hrsg.)
Reformen auf dem Arbeitsmarkt und in der Alterssicherung - Folgen für die Einkunftslage
im Alter (S. 115-147). Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung.
Lohmann-Haislah, A. (2012). Stressreport Deutschland 2012. Psychische Anforderungen,
Ressourcen und Befinden. Dortmund: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und
Arbeitsmedizin. Online:
http://www.baua.de/de/Publikationen/Fachbeitraege/Gd68.html;jsessionid=1261DAC4F89
5DE632750004DBEFF63FA.1_cid353.
Mümken, S., & Brussig, M. (2012). Alterserwerbsbeteiligung in Europa. Deutschland im
internationalen Vergleich. Duisburg/Essen: Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ).
Ng, T. W. H., & Feldman, D. C. (2008). The relationship of age to ten dimensions of job
performance. Journal of Applied Psychology, 93(2), 392-423. doi: 10.1037/00219010.93.2.392.
von Rosenstiel, L. (2009). Unerkannte Potenziale – ältere Beschäftigte aus der Sich der Arbeitsund Organisationspsychologie. In: K. Brauer & K. Gabriele (Hrsg.) Perspektive 50plus?
Theorie und Evaluation der Arbeitsmarktintegration Älterer (S. 41-53). Wiesbaden: VS
Verlag für Sozialwissenschaften.
Wurm, S. (2004). Gesundheitliche Potenziale und Grenzen älterer Erwerbspersonen. Expertise
im Auftrag der Sachverständigenkommission „Fünfter Altenbericht der Bundesregierung“.
Berlin: Deutsches Zentrum für Altersfragen.

60

4 Der Übergang in den Ruhestand: Alter, Pfade
und Ausstiegspläne
Heribert Engstler & Laura Romeu Gordo

Kernaussagen
Trotz eines längeren Verbleibs im Erwerbsleben arbeiten immer weniger ältere

Erwerbstätige bis zum Beginn ihrer Altersrente: Der Anteil der 66- bis 71-Jährigen,
	
die bis zum Renteneintritt erwerbstätig waren, ist zwischen 1996 und 2014 von 62,0 

auf 46,6 Prozent gesunken. Zugenommen hat dagegen der Anteil der Personen, die 

vor dem Rentenbeginn arbeitslos waren oder in der Freistellungsphase der
	
Altersteilzeit.
	
Die Ost-West-Unterschiede in den Übergangspfaden haben sich bei Männern 

verringert, bei Frauen nicht: Bei ostdeutschen Frauen hat Arbeitslosigkeit vor dem
	
Rentenbeginn stärker zugenommen (1996: 1,0 Prozent; 2014: 39,7 Prozent) als bei
	
westdeutschen Frauen (2014: 13,4 Prozent). Westdeutsche Frauen sind vor Beginn 

der Altersrente immer noch häufiger Hausfrauen (27,2 Prozent) als ostdeutsche 

Frauen (2014: 0,8 Prozent).
	
Nach der Abschaffung der staatlichen Förderung sinkt die Inanspruchnahme 

von Altersteilzeit wieder: Im Jahr 2014 befinden sich nur 6,9 Prozent der 55- bis 65jährigen abhängig Beschäftigten in der Altersteilzeit (2008: 16,9 Prozent). Auch planen 

weniger Beschäftigte, diese in Anspruch zu nehmen. Altersteilzeit wird
	
überdurchschnittlich oft von qualifizierten Beschäftigten in großen Industriebetrieben
	
und meist im Blockmodell für einen frühzeitigen Ausstieg genutzt.
	
Immer mehr Erwerbstätige planen, bis zum Alter von 65 Jahren oder länger zu 

arbeiten: Von den 40- bis 59-Jährigen des Jahres 2014 planen 39,5 Prozent, mit 65 

Jahren oder später mit der Erwerbstätigkeit aufzuhören (1996: 18,2 Prozent), nur noch 

15,9 Prozent mit 60 Jahren oder früher. Einen späten Ausstieg planen insbesondere 

Hochgebildete, Selbstständige und Angestellte mit Vorgesetztenfunktion.
	

61

4.1

Einleitung

In der Diskussion über die Bewältigung der Auswirkungen des demografischen Wandels auf den
Arbeitsmarkt und die Alterssicherung wird der Verlängerung des Arbeitslebens und der
Flexibilisierung des Übergangs in den Ruhestand eine hohe Bedeutung zugeschrieben.
Besonderen politischen Ausdruck fand dies in den Rentenreformen zur schrittweisen Anhebung
des Anspruchsalters beziehungsweise der weitgehenden Abschaffung vorgezogener Altersrenten
und der Anhebung der Regelaltersgrenze. Allerdings wurden entgegen dieser allgemeinen
Ausrichtung mit der vorzeitigen abschlagsfreien Rente für besonders langjährig Versicherte nach
45 Versicherungsjahren auch Regelungen eingeführt, die dem Ziel des längeren Verbleibs im
Erwerbsleben zuwider laufen. Kritiker der Altersgrenzenanhebungen befürchten, dass ein
wachsender Teil älterer Arbeitskräfte aus gesundheitlichen und Arbeitsmarktgründen nicht bis
zum Erreichen der Regelaltersgrenze arbeiten kann und daher die Zeit bis zum Rentenbeginn
überbrücken muss oder vorzeitig mit Abschlägen in den Rentenbezug geht. Andererseits wächst
auch die Kritik am unflexiblen automatischen Ende des Arbeitsverhältnisses mit Erreichen der
Regelaltersgrenze. Die Bundesregierung hat sich daher zum Ziel gesetzt, die
Rahmenbedingungen für flexiblere Übergänge in den Ruhestand zu verbessern (CDU, CSU, &
SPD 2013: 52).
Die Förderung der Altersteilzeit sollte einen längeren Verbleib im Erwerbsleben unterstützen und
einen gleitenden Übergang in den Ruhestand ermöglichen. Die Altersteilzeit ist eine besondere
Form der Teilzeitbeschäftigung in den Jahren vor dem Renteneintritt. Der Arbeitnehmer oder die
Arbeitnehmerin vereinbaren mit dem Arbeitgeber – meist gestützt auf tarifvertragliche
Regelungen oder Betriebsvereinbarungen – entweder eine gleichmäßige Reduzierung der
wöchentlichen Arbeitszeit bis zum Rentenbeginn (Gleichverteilungsmodell) oder die hälftige
Aufteilung der verbleibenden Arbeitsjahre in eine Arbeitsphase mit ungekürzter
Wochenarbeitszeit und die anschließende Phase der Freistellung von der Arbeitsleistung
(Blockmodell). Wesentliches Merkmal der Altersteilzeit ist die Aufstockung des
Regelarbeitsentgelts und der Beiträge zur Rentenversicherung durch den Arbeitgeber. Nach
einer Reform des Altersteilzeitgesetzes im Jahr 1996 förderte die Bundesagentur für Arbeit unter
bestimmten Voraussetzungen (Ersatzeinstellung von Arbeitslosen, Übernahme von
Ausbildungsabsolventen) Altersteilzeitarbeitsplätze durch eine weitgehende Kompensation des
Mehraufwands. Allerdings wurde diese Regelung wieder abgeschafft und die staatliche
Förderung der Altersteilzeit läuft aus. Sie betrifft nur noch Fälle, in denen die Altersteilzeit vor
dem 01.01.2010 angetreten wurde und die Beschäftigten zu diesem Zeitpunkt ihr 55. Lebensjahr
vollendet hatten. Der Wegfall der staatlichen Förderung hat es für Unternehmen finanziell
weniger attraktiv werden lassen, ihren älteren Beschäftigten die Altersteilzeit anzubieten, wenn
auch nach Schätzungen von Brussig, Knuth, and Wojtkowski (2009) nur für weniger als die Hälfte
der Altersteilzeitfälle eine staatliche Förderung in Anspruch genommen wurde. Aber viele
Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen zur Altersteilzeit waren an die Option der staatlichen
Förderung gebunden (ebd.). Zudem wurde die Möglichkeit der vorgezogenen gesetzlichen
Altersrente nach Altersteilzeit für alle nach 1951 Geborenen abgeschafft. Für diese gelten daher
wieder die normalen Voraussetzungen des Rentenübergangs. Andererseits gibt es immer noch
viele Altersteilzeitregelungen in den Tarifverträgen (Fröhler, Fehmel, & Klammer 2013: 690ff).
Daher stellt sich die Frage, ob die veränderten Rahmenbedingungen in den letzten Jahren zu
einem Rückgang der Inanspruchnahme von Altersteilzeit und Veränderungen der Modelle geführt
haben. Bislang wurde die Altersteilzeit hauptsächlich als Blockmodell und damit faktisch als
62

Vorruhestandslösung genutzt (Brussig et al. 2009; Wanger 2009; Naumann & Romeu Gordo
2010).
Vor diesem Hintergrund widmet sich der vorliegende Beitrag zunächst der Entwicklung des Alters
und der Pfade des Übergangs in den Ruhestand bis zu den Geburtsjahrgängen, die erst vor
kurzem in den Ruhestand eingetreten sind. Im Vordergrund steht dabei die Frage, ob der
Aufschub des Rentenbeginns auch mit einem entsprechend längeren Verbleib in der
Erwerbstätigkeit einhergeht. Hält der Anstieg des Alters, in dem die berufliche Tätigkeit beendet
wird, Schritt mit dem steigenden Renteneintrittsalter oder verlängert sich die Wartezeit zwischen
Erwerbsausstieg und Rentenbeginn?
Vermutet wird, dass sich in der Kohortenabfolge zwar beide Ereignisse in ein höheres Alter
verlagert haben, aber das Renteneintrittsalter schneller gestiegen ist als das
Erwerbsaustrittsalter. Dies müsste sich auch in den Übergangspfaden zeigen, die mit der
Erwartung betrachtet werden, dass immer weniger ältere Arbeitskräfte nahtlos aus der
Erwerbstätigkeit in den Rentenbezug übergehen. Aufgrund der unterschiedlichen
Arbeitsmarktentwicklungen und Erwerbsbeteiligungsmuster zwischen Ost- und Westdeutschland
und zwischen Männern und Frauen werden im Hinblick auf das Alter und die Pfade des
Übergangs in den Ruhestand auch Ost-West- und geschlechtsspezifische Unterschiede erwartet.
Für Ostdeutschland erwarten wir relativ mehr Übergänge aus der Arbeitslosigkeit. Für Frauen
erwarten wir häufiger als für Männer einen Rentenbeginn nach längerer erwerbsfreier
Haushaltstätigkeit. Aufgrund der steigenden Erwerbsbeteiligung westdeutscher Frauen
(Simonson, Romeu Gordo, & Titova 2011) nehmen wir allerdings an, dass der Rentenzugang aus
vorheriger Hausfrauentätigkeit in der Kohortenabfolge seltener geworden ist. Zusätzlich werden
bildungsspezifische Unterschiede betrachtet, da wir davon ausgehen, dass es höhergebildeten
Personen leichter möglich ist, bis direkt zum Rentenbeginn im Arbeitsprozess zu bleiben. Von der
Einführung der Altersrente für besonders langjährig Versicherte erwarten wir für unsere Analysen
zum erfolgten Übergang in den Ruhestand noch keine Auswirkungen, da die von uns
betrachteten Geburtskohorten aufgrund ihres Alters nicht mehr in den Genuss der zum Juli 2014
eingeführten ‚Rente mit 63‘ gekommen sind.
Anschließend wird untersucht, ob das Auslaufen der staatlichen Förderung der Altersteilzeit
einhergeht mit einem Rückgang der realisierten und geplanten Inanspruchnahme der
Altersteilzeit bei älteren Beschäftigten. Geprüft wird auch, ob die Dominanz des Blockmodells
nachlässt oder ob der Altersteilzeit ungebrochen die Funktion eines frühzeitigen Ausscheidens
aus der aktiven Arbeit zukommt.
Um Hinweise auf die zukünftige Entwicklung zu erhalten, werden schließlich noch die
Übergangspläne der im Erwerbsleben stehenden älteren Arbeitskräfte betrachtet, zu denen
aktuell bereits die geburtenstarken Jahrgänge zählen. Die Untersuchung des geplanten
Ausstiegsalters gibt Hinweise, inwieweit die Betroffenen sich darauf einstellen, länger
erwerbstätig zu bleiben. In einer früheren Studie mit Daten des Deutschen Alterssurveys konnte
gezeigt werden, dass die Ausstiegspläne ein guter Indikator für das spätere tatsächliche
Ausstiegsverhalten sind (Engstler 2006).
Zusammenfassend werden die folgenden Fragen untersucht:
1.		 Steigt das Renteneintrittsalter schneller als das Berufsaustrittsalter und nehmen die
direkten Übergänge aus der Erwerbstätigkeit in den Ruhestand ab? Gilt dies für Männer
und Frauen, für Ost- und Westdeutsche und für die unterschiedlichen Bildungsgruppen
gleichermaßen?
63

2.		 Verringert sich nach Abschaffung der staatlichen Förderung der Anteil derer, die vor dem
Wechsel in den Ruhestand eine Altersteilzeitbeschäftigung planen oder ausüben? Wer
hat geringere Chancen auf die Inanspruchnahme von Altersteilzeit?
3.		 Haben die Vorstellungen von einem frühen Ruhestand ausgedient? Planen die
geburtenstarken Jahrgänge, bis zum Alter 65 oder länger zu arbeiten? Unterscheiden
sich die Ausstiegspläne nach dem Qualifikations- und Belastungsniveau der
Erwerbstätigen?

4.2

Datengrundlage

Daten. Die Untersuchung des Übergangsalters und der Pfade in den Ruhestand stützt sich auf
die Retrospektivangaben der jeweils 66- bis 71-jährigen Befragten der Basisstichproben 1996,
2002, 2008 und 2014 des Deutschen Alterssurveys (DEAS). Einbezogen sind alle Personen
dieses Alters knapp oberhalb der Regelaltersgrenze, die angeben, eine Altersrente oder Pension
aus eigener Erwerbstätigkeit zu beziehen. Die Auswahl dieser Sechs-Jahres-Altersgruppe
ermöglicht – passend zum Sechs-Jahres-Abstand der Ziehung neuer DEAS-Basisstichproben –
einen trennscharfen Kohortenvergleich des Übergangsverhaltens der vier
Geburtsjahrgangsgruppen 1925/30, 1931/36, 1937/42 und 1943/48. Auswahlgrundlage für die
Untersuchung des Wandels des geplanten Ausstiegsalters aus der Erwerbstätigkeit sind alle
noch nicht im Ruhestand befindlichen Erwerbstätigen unter 60 Jahren aller vier Basisstichproben.
Die Beschränkung auf die unter 60-Jährigen erfolgt, um allen in die Analyse Einbezogenen
gleichermaßen eine Nennungsbreite von 60 und mehr Jahren für das geplante Ausstiegsalter zu
ermöglichen. Die Darstellung zur Entwicklung der ausgeübten oder beabsichtigen
Altersteilzeitbeschäftigung beruht auf den Auskünften aller abhängigen Beschäftigten im
vollendeten Alter von 55 bis 65 Jahren, da dies die üblichen Unter- und Obergrenzen der
Altersteilzeitbeschäftigung sind. Alle Variablen beruhen auf Angaben des persönlichen
mündlichen Interviews.
Realisiertes Erwerbsausstiegs- und Renteneintrittsalter. Betrachtet wird das Ausstiegsalter aus
der hauptberuflichen Erwerbstätigkeit (ungeachtet einer möglichen Erwerbstätigkeit im
Ruhestand) und das Alter beim Beginn des Bezugs der Altersrente oder Pension der 66- bis 71Jährigen.
Übergangspfade. Die Pfade in den Ruhestand werden anhand der Angaben der Befragten zum
Status unmittelbar vor dem Beginn der Altersrente oder Pension unterschieden. Es werden sechs
Kategorien gebildet: (1) Übergang aus aktiver Erwerbstätigkeit, das heißt die Person hat bis zum
Rentenbeginn gearbeitet, (2) aus der Freistellungsphase der Altersteilzeit, (3) aus der
Arbeitslosigkeit, (4) aus dem Vorruhestand, (5) aus der Erwerbsunfähigkeit oder längerer
Krankheit (mit Krankengeldbezug), (6) aus der Haushaltstätigkeit oder sonstigem Status.
Geplantes Ausstiegsalter. Der Indikator beruht auf den Antworten der Erwerbstätigen auf die
Frage, mit welchem Alter sie planen, ihre Erwerbstätigkeit zu beenden. Es kann ein konkretes
Altersjahr genannt werden oder die Angabe ‚weiß noch nicht‘. Die Altersangaben werden zu den
vier Kategorien ‚mit 60 Jahren oder früher‘, ‚mit 61-64 Jahren‘, ‚mit 65 Jahren‘ und ‚mit 66 Jahren
oder später‘ zusammengefasst, die Angabe ‚weiß noch nicht‘ bildet eine zusätzliche Kategorie.
Altersteilzeit. Die Darstellung zur Entwicklung der ausgeübten oder beabsichtigen
Altersteilzeitbeschäftigung beruht auf den Auskünften aller abhängigen Beschäftigten im
vollendeten Alter von 55 bis 65 Jahren. Da erst ab der Erhebung des Jahres 2002 Fragen zur
64

Altersteilzeit im DEAS enthalten sind, kann die Entwicklung von 2002 bis 2014 untersucht
werden.
Gruppierungsvariablen. Es werden Geschlechtsunterschiede (männlich/weiblich) und regionale
Unterschiede zwischen West- und Ostdeutschland untersucht. Westdeutschland umfasst die
alten Bundesländer einschließlich dem früheren Westteil Berlins, Ostdeutschland die neuen
Bundesländer inklusive dem früheren Ostteil Berlins. Zur Untersuchung von
Bildungsunterschieden werden – basierend auf einer reduzierten ISCED-Klassifikation – drei
Bildungsgruppen verglichen: Personen mit niedrigem, mittlerem und hohem Bildungsniveau (vgl.
Kapitel 2). Bei den Darstellungen zur Altersteilzeit und/oder dem geplanten Ausstiegsalter
werden bivariat auch Unterschiede hinsichtlich folgender Aspekte berücksichtigt: Betriebsgröße
(gemessen an der Beschäftigtenzahl: unter 20, 20 bis unter 200, 200 bis unter 2000, 2000 und
mehr), Wirtschaftszweig des Betriebs (Landwirtschaft/Handwerk, Industrie,
Handel/Dienstleistung, Öffentlicher Dienst) und berufliche Stellung der Beschäftigten (un/angelernte Arbeiter, Facharbeiter/Meister, einfache/qualifizierte Angestellte,
hochqualifizierte/vorgesetzte Angestellte, Beamte, Selbstständige (inkl. mithelfende
Angehörige)). Untersucht wird auch, welchen Einfluss die empfundene Arbeitsbelastung auf die
Ausstiegspläne hat. Verglichen werden hierfür Erwerbstätige, die sich in mindestens einem von
vier Belastungsbereichen ziemlich oder sehr belastet fühlen (auf einer fünf-stufigen Skala), mit
Erwerbstätigen, die sich in keinem Bereich ziemlich oder sehr belastet fühlen. Die Bereiche sind:
anstrengende oder einseitige körperliche Aktivitäten, erschwerte Umweltbedingungen am
Arbeitsplatz (Lärm, Hitze, Staub etc.), Stress, viele neue Anforderungen.
Analyse. Im Text und in den Abbildungen werden jahres- und gruppenspezifische gewichtete
Mittelwerte oder prozentuale Verteilungen angegeben. Um Unterschiede zwischen Gruppen
und/oder Jahren auf statistische Signifikanz (p < ,05) zu testen, wurden in Abhängigkeit vom
Skalenniveau logistische Regressionen oder Kovarianzanalysen berechnet, wobei für die
Stratifizierungsvariablen Altersgruppe, Geschlecht und Region (Ost-/Westdeutschland)
kontrolliert wurde.

4.3

Entwicklung des Übergangsalters und der Pfade in den Ruhestand

Wie Abbildung 4-1 zeigt, ist das durchschnittliche Erwerbsaustrittsalter noch bis Ende des
vergangenen Jahrzehnts gesunken, während das Renteneintrittsalter schon zu Beginn der
2000er Jahre seine Talsohle erreicht hatte. Die 66- bis 71-Jährigen des Jahres 2008 sind mit
durchschnittlich 56,5 Jahren aus dem Erwerbsleben ausgeschieden und mit 61,4 Jahren in Rente
gegangen. Im Vergleich zu 1996 bedeutete dies eine Absenkung des Erwerbsaustrittsalters um
1,2 Jahre, das des Rentenbeginns um 0,7 Jahre. In den sechs Jahren nach 2008 verlagerte sich
dann sowohl der Berufsausstieg als auch der Renteneintritt in ein höheres Alter. Die 66- bis 71Jährigen des Jahres 2014 (Geburtsjahrgänge 1943/48) gingen mit durchschnittlich 62,3 Jahren in
Rente, nachdem sie ihre Berufstätigkeit im Mittel mit 57,8 Jahren beendet haben. Entgegen
unserer Erwartung verringerte sich die durchschnittliche Dauer zwischen Erwerbsende und
Rentenbeginn nach 2008 wieder, weil das Ausstiegsalter etwas stärker gestiegen ist als das
Renteneintrittsalter.

65

Abbildung 4-1:	

Durchschnittliches Erwerbsaustritts- und Renteneintrittsalter der 

66- bis 71-Jährigen mit Rentenbezug, in den Jahren 1996, 2002, 2008 

und 2014 (in Jahren)


Erwerbsaustrittsalter

Renteneintrittsalter

Alter

65

60
62,1

57,7

61,4

62,3

61,4

57,8

57,1

56,5

55
1996
Jg. 1925-30

2002
Jg. 1931-36

2008
Jg. 1937-42

2014
	
Jg. 1943-48
	

Quelle: DEAS 1996 (n = 521 für Erwerbsaustrittsalter; 509 für Renteneintrittsalter), 2002 (n = 346 für Erwerbsaustrittsalter; 347 

für Renteneintrittsalter), 2008 (n = 1.058 für Erwerbsaustrittsalter; 1.060 für Renteneintrittsalter), 2014 (n = 827 für
	
Erwerbsaustrittsalter; 830 für Renteneintrittsalter), gewichtet, gerundete Angaben; (p < ,05).
	
Altersrückgänge zwischen 1996 und 2008 und Altersanstiege zwischen 2008 und 2014 sind signifikant.
	

Hinter dieser durchschnittlichen Entwicklung stehen unterschiedliche Veränderungen der
nachberuflichen Dauer bis zum Renteneintritt bei den einzelnen Übergangspfaden in den
Ruhestand. Bei denjenigen, die als Hausfrau/-mann oder aus anderen Gründen bereits lange vor
dem Rentenbeginn aus dem Arbeitsleben ausgeschieden sind, hat sich die Nichterwerbsphase
vor der Rente verkürzt. Bei Personen, die vor dem Renteneintritt arbeitslos wurden oder im
Vorruhestand waren, hat sich die Dauer zwischen Erwerbsausstieg und Rentenbeginn hingegen
– wie erwartet – verlängert. Im Durchschnitt scheiden diese nun bereits 4,5 Jahre vor dem
Renteneintritt aus dem Erwerbsleben aus (Abbildung 4-2).

66
	

Abbildung 4-2:	

Dauer zwischen Erwerbsaustritt und Rentenbeginn der 66- bis
71-Jährigen ohne direkten Wechsel in die Altersrente, in den Jahren
1996, 2002, 2008 und 2014 (in Jahren)

Nach Arbeitslosigkeit, Vorruhestand		

Nach sonstiger Nicht-Erwerbstätigkeit

25

Jahre

20

17.8

19.6
17.3

15.9

15
10
5

2.6

3.7

4.2

4.5

2002

2008

2014

0
1996	

Quelle: DEAS 1996 (n = 168), 2002 (n = 128), 2008 (n = 429), 2014 (n = 311), gewichtet, gerundete Angaben; (p < ,05).
Signifikante Zunahme der Dauer bis Rentenbeginn nach Arbeitslosigkeit, Vorruhestand zwischen 1996 und 2014. Signifikanter
Rückgang der Dauer bis Rentenbeginn nach sonstiger Nicht-Erwerbstätigkeit zwischen 2002 und 2014.

Trotz eines längeren Verbleibs im Erwerbsleben arbeiten immer weniger ältere
Erwerbstätige bis zum Beginn ihrer Altersrente.
Zudem wächst der Anteil derer, die vor dem Ruhestand arbeitslos werden. Zwischen 1996 und
2014 hat sich dieser Übergangspfad auf 15,5 Prozent vervierfacht (Abbildung 4-3). Die
Entlassung in die Arbeitslosigkeit am Ende des Erwerbslebens löst damit teilweise die
Ausgliederung über Vorruhestandsregelungen ab. Über den Vorruhestand wechseln im Jahr
2014 nur noch 3,0 Prozent in die Altersrente, 1996 waren es noch 10,1 Prozent gewesen. Neben
der Arbeitslosigkeit hat auch der vorzeitige Ausstieg über die geblockte Altersteilzeit an
Bedeutung gewonnen. Von den 66- bis 71-Jährigen des Jahres 2014 sind 15,0 Prozent aus der
Freistellungsphase in die Altersrente gewechselt, 2002 waren es erst 0,6 Prozent gewesen. 1 Es
ist aber unwahrscheinlich, dass sich dieser Aufwärtstrend der Altersteilzeit nach der erfolgten
Abschaffung der staatlichen Förderung fortsetzen wird (siehe hierzu Abschnitt 4.4). Stagnierend
bis rückläufig sind die Anteile der Personen, die vor Beginn der Altersrente Hausfrau oder
Hausmann, länger krank oder erwerbsunfähig oder aus anderen Gründen nicht erwerbstätig sind.
Insgesamt zeigt sich für den untersuchten Zeitraum eine sehr klare Entwicklung: Immer weniger
Menschen sind bis zum Rentenbeginn aktiv erwerbstätig geblieben. Waren von den 66- bis 71Jährigen des Jahres 1996 noch 62,0 Prozent bis unmittelbar vor dem Renteneintritt erwerbstätig
gewesen, trifft dies im Jahr 2014 nur noch auf 46,6 Prozent dieser Altersgruppe zu.

1

Bei den im Ruhestand Befindlichen des Jahres 1996 wurde der Übergang aus Altersteilzeit wegen fehlender
Verfügbarkeit nicht erhoben.

67

Abbildung 4-3:	
100
13,7

80

10,5

Prozent

10,1

60
	

3,6

Situation der 66- bis 71-Jährigen vor Beginn der Altersrente, in den
Jahren 1996, 2002, 2008 und 2014 (in Prozent)
8,7
8,0
11,1
6,8
0,6

13,1

12,9

8,4

7,1
3,0

5,6
12,7
5,2

Haushaltstätigkeit,
	
Sonstiges
	
Erwerbsunfähig oder
	
längere Krankheit
Vorruhestand
Arbeitslos
Freistellungsphase
	
der Altersteilzeit
	
Aktive Erwerbstätigkeit

15,5
15,0

40
	
62,0

64,7

55,0

20

46,6

0
1996

2002

2008

2014

Quelle: DEAS 1996 (n = 527), 2002 (n = 347), 2008 (n = 1.060), 2014 (n = 831), gewichtet, gerundete Angaben; (p < ,05).
Signifikante Veränderungen in allen Kategorien außer Haushaltstätigkeit, Sonstiges zwischen 1996 und 2014 .

Hinter dieser Gesamtveränderung verbergen sich unterschiedliche Entwicklungen in den alten
und neuen Bundesländern und zwischen den Geschlechtern. Einen besonders starken Einbruch
beim direkten Rentenübergang aus der Erwerbstätigkeit erlebten ostdeutsche Frauen: Von den
66- bis 71-Jährigen des Jahres 1996 hatten noch 76,7 Prozent bis direkt zum Rentenbeginn
gearbeitet, im Jahr 2014 nur noch 36,7 Prozent (Abbildung 4-4). Vom Spitzenreiter wurden sie
damit zum Schlusslicht. Im Gegenzug hat bei ihnen der Renteneintritt aus der Arbeitslosigkeit in
diesen 18 Jahren von 1,0 auf 39,7 Prozent zugenommen. Bei den Männern in den neuen
Bundesländern verlief die Entwicklung positiver. Zwar waren auch sie anfangs von der starken
Zunahme der Arbeitslosigkeit und des Vorruhestands am Ende des Erwerbslebens betroffen,
nach 2002 gelang es ihnen aber wieder in steigendem Maße, bis unmittelbar vor dem
Rentenzugang erwerbstätig zu bleiben (vgl. Tabelle A 4-3 im Anhang). Zuletzt überholten sie
damit sogar die westdeutschen Männer, wenn auch in erster Linie durch ihre geringere
Inanspruchnahme der Altersteilzeit (Abbildung 4-4).
Die Ost-West-Unterschiede bei den Übergangspfaden haben sich nur bei Männern
verringert, bei Frauen nicht.
Die geblockte Altersteilzeit wird am häufigsten von westdeutschen Männern für den vorzeitigen
Abschied aus der aktiven Erwerbstätigkeit genutzt. Entgegen unseren Erwartungen zeigt sich bei
den Frauen in den alten Bundesländern keine kontinuierliche Zunahme des Arbeitens bis zum
Rentenbeginn. Zwar erhöhte sich bei ihnen zunächst zwischen 1996 und 2002 der Anteil direkter
Rentenübergänge aus der Erwerbstätigkeit, seither hat er sich jedoch wieder unter das
Ausgangsniveau verringert (1996: 55,8 Prozent; 2014: 41,5 Prozent). Anteilig häufiger geworden
sind bei westdeutschen Frauen in erster Linie die Rentenübergänge nach vorheriger
Arbeitslosigkeit, Vorruhestand und geblockter Altersteilzeit. Und trotz Rückgangs gelangt immer
noch mehr als ein Viertel der westdeutschen Frauen als Hausfrau oder sonstige
Nichterwerbsperson in die Ruhestandsphase.

68

Abbildung 4-4:

Situation der 66- bis 71-Jährigen vor Beginn der Altersrente, nach
Geschlecht und Landesteil, in den Jahren 1996 und 2014 (in Prozent)

100
13,3

80

14,8

9,4
4,8

Prozent

19,2

7,0

4,8
3,7
33,0

20,3

11,3

4,6

60

16,4

33,3

4,8

14,4

27,2
5,1

39,7

13,4
11,7

40

76,7

67,3
52,3

20

47,2

7,5

15,4

12,2

55,8

54,7

41,5

36,7

Haushaltstätigkeit,
Sonstiges
Erwerbsunfähigkeit oder
längere Krankheit
Vorruhestand
Arbeitslos
Freistellungsphase
der Altersteilzeit
Aktive Erwerbstätigkeit

0
1996

2014

Männer/West

1996

2014

1996

Männer/Ost

2014

Frauen/West

1996

2014

Frauen/Ost

Quelle: DEAS 1996 (n = 527), 2014 (n = 831), gewichtet, gerundete Angaben; (p < ,05).
	
Für alle Kategorien signifikante Unterschiede zwischen 1996 und 2014. Signifikante Regions- und Geschlechtsunterschiede für
	
alle Kategorien in den Jahren 1996 und 2014 .
	

Ob Menschen bis zum Rentenbeginn erwerbstätig bleiben und ein Arbeitsverhältnis
aufrechterhalten, hängt auch von ihrem Bildungsniveau ab. Dies zeigt sich deutlich an den
Übergangspfaden in den Ruhestand der 66- bis 71-Jährigen des Jahres 2014. Je höher ihr
Bildungsniveau ist, desto häufiger sind sie bis zum Rentenbeginn aktiv erwerbstätig geblieben
oder konnten aus der gut abgesicherten Position der Altersteilzeit in den Ruhestand wechseln
(Abbildung 4-5). Niedriggebildete (Personen ohne abgeschlossene Berufsausbildung) haben ein
erhöhtes Risiko, bereits vor dem Wechsel in die Altersrente aufgrund von Arbeitslosigkeit,
Krankheit oder Erwerbsunfähigkeit aus dem Erwerbsprozess auszuscheiden oder nach der
Familienphase keine dauerhafte Rückkehr in die Berufstätigkeit zu schaffen. Letzteres betrifft vor
allem Frauen.
Abbildung 4-5:	

Situation der 66- bis 71-Jährigen vor Beginn der Altersrente, nach
Bildung, im Jahr 2014 (in Prozent)

100
14,4

Prozent

80
60
40
20

29,6

7,0
2,9
4,4

10,0
2,4

11,7

7,4
1,9

17,3

20,5

22,2

11,8

Haushaltstätigkeit,
Sonstiges
Erwerbsunfähigkeit oder
längere Krankheit
Vorruhestand
Arbeitslos
Freistellungsphase
der Altersteilzeit
Aktive Erwerbstätigkeit

9,3
44,1

53,5

29,6

0
Niedrige
Bildung

Mittlere
Bildung

Hohe
	
Bildung
	

Quelle: DEAS 2014 (n = 831), gewichtet, gerundete Angaben; (p < ,05).
	
Signifikante Bildungsunterschiede bei allen Kategorien außer bei Erwerbsunfähigkeit, längerer Krankheit und Haushaltstätigkeit, 

Sonstiges.
	

69

Insgesamt zeigt sich, dass das steigende Erwerbsausstiegs- und Renteneintrittsalter begleitet
wird von einem abnehmenden Anteil derer, die bis zum Rentenbeginn aktiv erwerbstätig bleiben,
und dass sich die Übergangspfade in den Ruhestand immer noch zwischen den alten und neuen
Bundesländern unterscheiden und soziale Unterschiede aufweisen. Die Arbeitslosigkeit vor dem
Wechsel in den Ruhestand ist häufiger und länger andauernd geworden und mehr ältere
Beschäftigte nehmen Altersteilzeit und nutzen diese für einen vorzeitigen Abschied. Die
geblockte Altersteilzeit hat – zusammen mit der Altersarbeitslosigkeit – den klassischen
Vorruhestand ersetzt.

4.4

Verbreitung der Altersteilzeit

Im DEAS werden seit dem Jahr 2002 alle abhängig Beschäftigten ab 55 Jahren gefragt, ob sie
eine Altersteilzeitbeschäftigung ausüben. Wenn sie dies nicht machen (oder noch jünger als 55
Jahre sind), sollen sie angeben ob sie beabsichtigten, vor dem Ruhestand in die Altersteilzeit zu
gehen. Wie die Ergebnisse für die älteren Beschäftigten ab 55 Jahren zeigen, ist es zwischen
2002 und 2008 zu einer deutlichen Zunahme der ausgeübten oder geplanten gekommen. Im Jahr
2008 befanden sich 16,9 Prozent der 55- bis 65-jährigen Beschäftigten in der Altersteilzeit,
weitere 15,4 Prozent beabsichtigten eine Inanspruchnahme (Abbildung 4-6).
Nach Abschaffung der staatlichen Förderung sinkt die Inanspruchnahme von Altersteilzeit
wieder.
Dieser Trend hat sich allerdings nicht fortgesetzt. Denn sechs Jahre später, im Jahr 2014,
befinden sich nur noch 6,9 Prozent der über 55-jährigen Beschäftigten in der Altersteilzeit und
nur noch 11,5 Prozent rechnen damit, sie in Anspruch zu nehmen. Dieser starke Rückgang stützt
die Vermutung, dass das Auslaufen der staatlichen Förderung der Arbeitgeber dazu geführt hat,
dass weniger ältere Beschäftigte die Möglichkeit zur Altersteilzeit erhalten bzw. damit rechnen.

Abbildung 4-6:

Praktizierte und geplante Altersteilzeit der abhängig Beschäftigten im
Alter von 55 bis 65 Jahren, in den Jahren 2002, 2008 und 2014 (in
Prozent)

60

Prozent

40
32,3
23,2

20

Inanspruchnahme der Altersteilzeit geplant
Bereits in Altersteilzeit befindlich

15,4
18,4

14,9
11,5
16,9
9,3

6,9

0
2002

2008

2014

Quelle: DEAS 2002 (n = 221), 2008 (n = 609), 2014 (n = 838), gewichtet, gerundete Angaben; (p < ,05).
Unterschiede zwischen 2002 und 2008 sowie zwischen 2008 und 2014 für alle Kategorien signifikant.

70

Ein genauerer Blick auf die aktuelle Ausübung oder Planung von Altersteilzeit zeigt, dass deren
Inanspruchnahme in hohem Maße mit dem Bildungsniveau der Beschäftigten, dem
Wirtschaftszweig und der Größe des Betriebs assoziiert ist. Vergleichsweise geringe Quoten der
praktizierten und geplanten Inanspruchnahme haben ältere Beschäftigte mit niedriger Bildung
(ohne abgeschlossene Berufsausbildung) sowie Beschäftigte in kleinen Betrieben und außerhalb
des Industriesektors (Abbildung 4-7). Eine relativ hohe Inanspruchnahme findet sich bei
Beschäftigten mit mittlerer und höherer Bildung (abgeschlossene Berufsausbildung,
Aufstiegsfortbildung oder Studienabschluss) und in Industrie- und Großbetrieben. Zudem
kommen Männer und Beschäftigte in den alten Bundesländern etwas häufiger als Frauen und
Beschäftigte in den neuen Bundesländern in den Genuss von Altersteilzeit; diese Unterschiede
sind jedoch statistisch nicht signifikant. Zusammengenommen nutzen demnach
überdurchschnittlich oft qualifizierte Beschäftigte in großen Industriebetrieben die Altersteilzeit als
einen finanziell gut abgesicherten Übergangspfad in den Ruhestand.

Abbildung 4-7:

Praktizierte oder geplante Altersteilzeit der 55- bis 65-jährigen
Beschäftigten nach verschiedenen Merkmalen, im Jahr 2014 (in
Prozent)
Männer
Frauen

19,8
16,7

Niedrige Bildung
Mittlere Bildung
Hohe Bildung

5,7
18,4
19,6

West
Ost

18,6
17,2

Landw. oder Handwerksbetrieb
Industriebetrieb
Handels-, Dienstleistungsbetrieb
Öffentlicher Dienst

11,3
29,3
13,6
17,9

Betrieb mit unter 20 Beschäftigten
20 bis unter 200 Beschäftigte
200 bis unter 2.000 Beschäftigte
2.000 und mehr Beschäftigte

10,1
15,7
25,1
28,0

0

20

40

60

Prozent
Quelle: DEAS 2014 (n = 838 für Geschlecht, Bildung, Region, n = 829 für Branche, n = 747 für Betriebsgröße), gewichtet,
	
gerundete Angaben; (p < ,05).
	
Unterschied zwischen niedrigster und höchster Bildungsgruppe signifikant. Anteil Industriebetrieb signifikant höher als für
	
andere Branchen. Anteil Betriebe unter 200 Beschäftigten signifikant niedriger als der Betriebe ab 200 Beschäftigten.
	
Geschlechts- und Regionsunterschied nicht signifikant.
	

Dabei wird die Altersteilzeit eher selten dafür verwendet, durch eine reduzierte Wochenarbeitszeit
länger am Arbeitsprozess teilzuhaben und einen gleitenden Übergang in den Ruhestand
vollziehen zu können. Im Jahr 2014 plant oder praktiziert mit 76,1 Prozent immer noch die große
Mehrheit das Blockmodell, das einen frühzeitigen Abschied aus der aktiven Berufstätigkeit durch
den Wechsel in die Freistellungsphase ermöglicht. Dennoch ist eine allmähliche Zunahme des
Interesses am Weiterarbeiten mit halber Stundenzahl bis zum Rentenbeginn zu beobachten. Der
71

Anteil des echten Teilzeitmodells an allen praktizierten und beabsichtigten Regelungen hat sich
zwischen 2002 und 2014 von 13,6 auf 21,0 Prozent erhöht (ohne Abbildung). Im Jahr 2014 sind
2,9 Prozent noch unentschieden, welches Modell sie ausüben möchten.
Diejenigen, die in Altersteilzeit mit reduzierter Wochenstundenzahl bis zum Rentenbeginn
berufstätig sind oder bleiben möchten, planen mit durchschnittlich 63,2 Jahren ihre Berufstätigkeit
zu beenden. Dies ist rund ein Jahr später als bei älteren Arbeitskräften, die das Blockmodell der
Altersteilzeit praktizieren oder beabsichtigen (62,3 Jahre). Einen noch späteren Ausstieg aus
dem Erwerbsleben planen allerdings mit durchschnittlich 63,8 Jahren die über 55-Jährigen, die
gar keine Altersteilzeit praktizieren oder beabsichtigen. In der bisherigen Form und bei den
gegenwärtigen Anwendern trägt die Altersteilzeit daher offensichtlich noch nicht zu einem
längeren Verbleib im Erwerbsleben bei.
Wie wird es weitergehen? Wird das Ausstiegsalter weiter steigen, auch wenn die Altersteilzeit
rückläufig ist und meistens für einen frühzeitigen Abschied aus der aktiven Beschäftigung genutzt
wird? Hinweise darauf lassen sich aus den Plänen der heute und zukünftig älteren Beschäftigten
gewinnen. Sie geben Auskunft, inwieweit die Betroffenen sich darauf einstellen, länger
erwerbstätig zu bleiben.

4.5

Ausstiegspläne der Erwerbstätigen

In jeder Erhebungswelle des DEAS werden die noch nicht im Ruhestand befindlichen
Erwerbstätigen (Personen ohne Bezug einer eigenen Altersrente oder Pension) gefragt, in
welchem Alter sie planen, ihre Erwerbstätigkeit zu beenden. Abbildung 4-8 enthält die zu
Kategorien zusammengefassten Antworten der unter 60-Jährigen. Es wird deutlich, dass ein
immer kleiner werdender Anteil einen Frühausstieg mit 60 Jahren oder jünger plant. Anfangs war
die zunehmende Abkehr vom Plan eines frühen Ruhestands noch nicht verbunden mit konkreten
neuen Altersvorstellungen für den eigenen Abschied. Dies zeigt sich in der hohen Quote der
Kategorie „weiß noch nicht“ im Jahr 2002. In den darauffolgenden Jahren ist die Ungewissheit
konkreten Vorstellungen zum Erwerbsausstieg in einem höheren Alter gewichen. Zugenommen
hat sowohl der Anteil derer die planen, mit 61 bis 64 Jahren aufzuhören, als auch derjenigen die
davon ausgehen, erst mit 65 Jahren oder später ihre Erwerbstätigkeit zu beenden. Mittlerweile
beabsichtigt ein Fünftel der 40- bis 59-Jährigen, mit 65 Jahren in den Ruhestand zu gehen und
ein weiteres Fünftel plant einen noch späteren Erwerbsausstieg (Abbildung 4-8).
Immer mehr Erwerbstätige planen, bis zum Alter von 65 Jahren oder länger zu arbeiten.
Der in der Politik und dem öffentlichen Diskurs propagierte und durch Reformmaßnahmen
verfolgte Paradigmenwechsel von der Frühverrentung zum längeren Verbleib im Erwerbsleben
findet ganz offensichtlich auch seinen Niederschlag in den Ausstiegsplänen der Erwerbstätigen.
Dennoch darf nicht übersehen werden, dass immer noch mehr als 40 Prozent der 40- bis 59Jährigen für sich persönlich einen Erwerbsausstieg vor Vollendung des 65. Lebensjahrs planen.
Nicht alle wollen und können so lange erwerbstätig bleiben.

72

Abbildung 4-8:	

Geplantes Ausstiegsalter der 40- bis 59-jährigen Erwerbstätigen, in
den Jahren 1996, 2002, 2008 und 2014 (in Prozent)

100
16,2

18,1

80
	

1,6

Prozent

16,6

60
	

11,4

13,9
0,7
17,8

26,4

19,0

Weiß noch nicht
	
Mit 66 Jahren oder später
Mit 65 Jahren
Mit 61-64 Jahren
Mit 60 Jahren oder früher
	

20,5

11,7

40
	
20
	

18,2

32,5

17,2
52,3
37,2

26,2

26,5

15,9

0
1996

2002

2008

2014

Quelle: DEAS 1996 (n = 1.756), 2002 (n = 1.019), 2008 (n = 2.187), 2014 (n = 2.119), gewichtet, gerundete Angaben; (p < ,05).
Signifikante Veränderung aller Kategorien über die Erhebungsjahre. Anteil der Kategorie ‚weiß noch nicht‘ im Jahr 2002
signifikant höher als in den anderen Jahren.

So gibt es deutliche Geschlechts- und Bildungsunterschiede im geplanten Ausstiegsalter
(Abbildung 4-9). Männer beabsichtigen häufiger als Frauen, erst mit 65 Jahren oder später aus
dem Beruf auszusteigen. Überdurchschnittlich häufig planen Personen mit höherem beruflichem
Bildungsabschluss, hochqualifizierte Angestellte, solche mit Vorgesetztenfunktion sowie Beamte
und Beamtinnen und Selbstständige einen späten Ausstieg. Bei den Verbeamteten dürfte die
Sicherheit ihres Arbeitsplatzes, bei Selbstständigen die freien Entscheidungsmöglichkeiten
solche Pläne begünstigen. Etwas überraschend planen Personen mit Facharbeiter- und
Meisterstatus (neun von zehn davon sind Männer) vergleichsweise selten, bis zum Alter von 65
Jahren zu arbeiten. Dies kann damit zusammenhängen, dass diese häufiger in Großbetrieben
beschäftigt sind, deren Belegschaft leichter in den Genuss von Angeboten zum vorzeitigen
Ausstieg über Vorruhestandsregelungen und geblockter Altersteilzeit kommt (siehe Abschnitt
4.4). Da diese Beschäftigtengruppe zum Befragungszeitpunkt im Durchschnitt zudem die meisten
Erwerbsjahre aufweist (31 Jahre), kalkulieren Facharbeiter und Meister möglicherweise auch
häufiger mit der Option, frühzeitig mit oder ohne Abschläge in die Altersrente für langjährig oder
besonders langjährig Versicherte (nach 35 oder 45 Versicherungsjahren) zu gehen.
Die Ausstiegspläne unterscheiden sich auch nach der Arbeitsbelastung der Tätigkeit. Im DEAS
geben die Erwerbstätigen Auskunft dazu, ob und gegebenenfalls wie sehr sie sich belastet fühlen
durch körperlich anstrengende oder einseitige Tätigkeiten, erschwerte Umweltbedingungen am
Arbeitsplatz (Lärm, Hitze, Staub etc.), Stress oder viele neue Anforderungen (siehe Abschnitt
4.2). Beschäftigte, die sich in mindestens einem dieser Bereiche ziemlich oder sehr belastet
fühlen, planen deutlich seltener, bis zum Alter von 65 Jahren erwerbstätig zu bleiben als
Beschäftigte, die sich durch keinen dieser Aspekte hoch belastet fühlen. Belastende
Arbeitsbedingungen verringern die Neigung länger erwerbstätig zu bleiben beziehungsweise die
subjektive Erwartung, die Tätigkeit bis zum 65. Lebensjahr ausüben zu können.

73

Abbildung 4-9:	

Geplanter Ausstieg mit 65 und mehr Jahren der 40- bis 59-jährigen
Erwerbstätigen nach verschiedenen Merkmalen, im Jahr 2014 (in
Prozent)
Männer
	
Frauen
	

43,8

34,8

Niedrige Bildung
	
Mittlere Bildung

Hohe Bildung
	

34,0
33,2

West
	
Ost
	

46,9

40,3
35,4

Un- und angelernte Arbeiter
Facharbeiter, Meister
Einfache und qualifizierte Angestellte
Hochqualifizierte und vorgesetzte Angestellte
Beamte
Selbstständige (inkl. mithelfende Angehörige)

38,4
31,4
35,6

Betrieb mit unter 20 Beschäftigten

20 bis unter 200 Beschäftigte
	
200 bis unter 2.000 Beschäftigte

2.000 und mehr Beschäftigte

31,6

Tätigkeit als hoch belastend empfunden
	
Tätigkeit nicht (hoch) belastend empfunden
	

41,7
39,6
39,6

37,4

0

43,7
43,9
49,1

43,4

20

40

Prozent
Quelle: DEAS 2014 (n = 2.119 für Geschlecht, Bildung, Region, Arbeitsbelastung, n = 2.105 für berufliche Stellung, n = 1.936
für Betriebsgröße), gewichtet, gerundete Angaben; (p < ,05).
Signifkante Unterschiede zwischen Geschlechtern und nach Arbeitsbelastung. Signifikant höherer Anteil bei Hochgebildeten im
Vergleich zu anderen Bildungsgruppen. Signifikant niedrigerer Anteil bei Facharbeitern, Meistern im Vergleich zu jeder anderen
beruflichen Stellung und in Betrieben mit 2000 und mehr Beschäftigten im Vergleich zu jeder anderen Betriebsgrößenkategorie.

Insgesamt gibt es bei den noch im Erwerbsleben Stehenden zwar einen deutlichen Trend zur
geplanten längeren Ausübung der Berufstätigkeit, allerdings begleitet von markanten
Unterschieden nach beruflichen und betrieblichen Merkmalen. Dies lässt erwarten, dass das
tatsächliche Übergangsalter zwar weiter ansteigen, es aber nicht allen möglich sein wird, bis zum
Erreichen der Regelaltersgrenze durchzuarbeiten.

4.6

Diskussion und Implikationen

Die aufgezeigte Entwicklung des Übergangsalters in den Ruhestand entspricht insgesamt der
von Politik und Wirtschaft propagierten Richtung des längeren Verbleibs im Erwerbsleben und
des späteren Rentenbeginns. Der in den Retrospektivangaben des DEAS erkennbare Anstieg
des Rentenalters ab den Anfang der 19040er Jahre Geborenen zeigt sich auch in den Zahlen der
Rentenversicherung (Deutsche Rentenversicherung 2015). Allerdings hat es etwas gedauert, bis
nach dem Renteneintrittsalter auch das Erwerbsaustrittsalter zu steigen begann. Noch bis Ende
des letzten Jahrzehnts vergrößerte sich die zeitliche Lücke nach der Aufgabe der Berufstätigkeit
bis zum Rentenbeginn, verringert sich aber seit einigen Jahren wieder. Dennoch hat bei den
betrachteten Kohorten der Anteil derer abgenommen, die bis unmittelbar vor dem Renteneintritt
erwerbstätig waren. Ein wachsender Anteil älterer Arbeitskräfte wurde vor dem Rentenbeginn
arbeitslos und die Dauer der Arbeitslosigkeit bis zum Wechsel in die Altersrente hat sich
verlängert. Besonders betroffen davon waren ostdeutsche Frauen, bei denen es im
Beobachtungszeitraum zwischen 1996 und 2014 zu einem massiven Umbruch der
74

60

Übergangspfade in den Ruhestand weg vom Arbeiten bis zur Rente hin zur mehrjährigen
Arbeitslosigkeit vor dem Renteneintritt kam. Auch Beschäftigte mit niedrigerem Bildungs- und
Qualifikationsniveau beenden ihr Erwerbsleben vergleichsweise häufig mit Arbeitslosigkeit.
Personen mit hohem Bildungsniveau gelingt es hingegen überdurchschnittlich oft, entweder bis
zum Rentenbeginn aktiv erwerbstätig zu bleiben oder aus der gut abgesicherten Position der
Altersteilzeit in den Ruhestand wechseln. Ähnliche Befunde zum Wandel und der sozialen
Ausdifferenzierung der Übergangspfade und des Übergangsalters in den Ruhestand zeigen sich
auch in anderen Kohortenstudien (vgl. Rasner & Etgeton 2014; Buchholz, Rinklake, & Blossfeld
2014; Schröber, Micheel, & Cihlar 2015; Brussig 2015). Die Ergebnisse sind noch weitgehend
unbeeinflusst von der neu geschaffenen Möglichkeit des vorgezogenen Rentenzugangs ohne
Abschläge in die Altersrente für besonders langjährig Versicherte. Nach Informationen der
Rentenversicherung haben davon im Jahr 2014 mehr als 150.000 Personen Gebrauch gemacht
(Deutsche Rentenversicherung 2015). Es ist davon auszugehen, dass diese
Rentenzugangsoption einerseits die Zahl der direkten – jedoch vorzeitigen –
Ruhestandsübergänge aus der Erwerbstätigkeit erhöht, andererseits die sozialen Unterschiede in
den Übergangspfaden erhöht. Denn die Zugangsvoraussetzungen von mindestens 45
Beitragsjahren erfüllen in erster Linie Beschäftigtengruppen ohne längere
Erwerbsunterbrechungen aufgrund von Arbeitslosigkeit oder Sorgetätigkeiten in der Familie.
Eine weitere Reformmaßnahme, die die Optionen des Übergangs in den Ruhestand tangiert, war
die Abschaffung der Förderung der Altersteilzeitbeschäftigung durch die Bundesagentur für
Arbeit. Dies führte zur Frage, ob dies einen Rückgang der Inanspruchnahme von Altersteilzeit
durch ältere Beschäftigte zur Folge hat. Die Befunde zeigen deutlich, dass der Trend gestoppt
wurde, vor dem Ruhestand in die Altersteilzeitbeschäftigung zu wechseln. Denn die tatsächliche
Inanspruchnahme bei den 55- bis 65-jährigen abhängig Beschäftigten hat sich – nach vorheriger
Zunahme – in den sechs Jahren zwischen 2008 und 2014 mehr als halbiert; auch der Anteil
derer, die eine Altersteilzeit beabsichtigen ging zurück. Offenbar hat die Abschaffung der
staatlichen Förderung zu einer Verringerung des Angebots und der Nachfrage nach Altersteilzeit
geführt.
Es zeigt sich außerdem, dass insbesondere qualifizierte Beschäftigte in Großbetrieben des
industriellen Sektors in den Genuss der Altersteilzeit kommen. Die Mehrzahl der älteren
Arbeitskräfte, die eine Altersteilzeitbeschäftigung ausüben oder beabsichtigen, wählt das
Blockmodell, das ihnen einen frühzeitigen Abschied aus der aktiven Berufstätigkeit ermöglicht.
Zwar hat das Gleichverteilungsmodell der Altersteilzeit, das ein Weiterarbeiten mit halber
Stundenzahl bis zum Rentenbeginn vorsieht, an Bedeutung gewonnen, mehr als drei Viertel
praktizieren oder planen jedoch immer noch das Blockmodell. Große Betriebe haben diese
Beschäftigungsform in der Vergangenheit häufig als eine kostengünstige Möglichkeit zur
Personalanpassung durch frühzeitige Ausgliederung genutzt. Es bleibt abzuwarten, ob der
Rückgang der Altersteilzeitangebote in Zukunft zu einem längeren Weiterarbeiten älterer
Arbeitskräfte oder zu anderen Formen des vorzeitigen Ausstiegs führt, zum Beispiel über
Arbeitslosigkeit, längere Krankheit oder Erwerbsminderung.
In welchem Maße sich die Entwicklung zu einem längeren Verbleib im Erwerbsleben fortsetzen
wird, hängt auch von den Wünschen und Plänen der Beschäftigten ab. Inwieweit stellen sie sich
darauf ein, länger erwerbstätig zu bleiben? Zu diesem Zweck wurde die Entwicklung des
geplanten Ausstiegsalters der Erwerbstätigen untersucht. Insgesamt lässt sich ein deutlicher
Trend zur geplanten längeren Ausübung der Erwerbsarbeit feststellen, allerdings begleitet von
Unterschieden nach beruflichen und betrieblichen Merkmalen. Nicht alle Arbeitskräfte wollen und
75

können bis zum Alter von 65 Jahren oder darüber hinaus erwerbstätig bleiben. Beispielsweise
glaubt nur eine Minderheit derjenigen, die ihre Tätigkeit als hoch belastend empfinden, bis zur
Regelaltersgrenze im Arbeitsprozess zu bleiben.
Der Abbau von Frühverrentungsmöglichkeiten hat zwar insgesamt dazu beigetragen, dass mehr
ältere Arbeitskräfte länger berufstätig bleiben und die Abkehr von der Frühverrentungsmentalität
forciert. Für diejenigen, die es jedoch nicht schaffen, bis zur Regelaltersgrenze zu arbeiten, birgt
es jedoch die Gefahr, am Ende ihres Arbeitslebens jahrelang arbeitslos zu sein und dann
vorzeitig mit hohen Abschlägen verrentet zu werden. In den vergangenen Jahren zeigte sich
bereits eine Zunahme der Altersarbeitslosigkeit. Eine weiter steigende Altersarbeitslosigkeit und
eine sich verlängernde Dauer der Arbeitslosigkeit vor dem Übergang in den Ruhestand wären
problematisch. Denn während der Arbeitslosigkeit werden im Allgemeinen nur noch geringe oder
gar keine Rentenanwartschaften mehr erworben und der oft vorzeitige Rentenbeginn führt zu
lebenslangen Abschlägen bei der Rentenhöhe. Dies erhöht das Risiko der Altersarmut. Die
Tarifparteien und die Politik sind gefordert, Lösungen für eine Flexibilisierung des Übergangs in
den Ruhestand zu finden. Einerseits sollte denjenigen, die länger arbeiten können und möchten,
es möglichst einfach gemacht werden, dies zu realisieren. Andererseits sollte denjenigen, die aus
gesundheitlichen oder Arbeitsmarktgründen dazu nicht in der Lage sind, flexible Möglichkeiten
des vorzeitigen Übergangs in den Ruhestand eröffnet werden. Diese sollten finanziell zumindest
soweit abgesichert sein, dass das kaum vermeidbare vorzeitige Ausscheiden aus dem
Erwerbsleben nicht zu einem dauerhaften Abrutschen in die Armutszone führt.

Literatur
Brussig, M. (2015). Alter beim Übergang aus sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung ist
gestiegen (Altersübergangs-Report Nr. 2015-01). Gelsenkirchen: Institut Arbeit und
Technik.
Brussig, M., Knuth, M., & Wojtkowski, S. (2009). Altersteilzeit: Zunehmend Beschäftigungsbrücke
zum späteren Renteneintritt (Altersübergangs-Report Nr. 2009-02). Gelsenkirchen:
Institut Arbeit und Technik.
Buchholz, S., Rinklake, A., & Blossfeld, H.-P. (2014). Reversing Early Retirement in Germany A
Longitudinal Analysis of the Effects of Recent Pension Reforms on the Timing of the
Transition to Retirement and on Pension Incomes. Comparative population studies, 38(4),
881-906.
CDU, CSU, & SPD (2013). Deutschlands Zukunft gestalten. Koalitionsvertrag zwischen CDU,
CSU und SPD, 18. Legislaturperiode. Berlin.
Deutsche Rentenversicherung (2015). Rentenversicherung in Zeitreihen. Berlin: Deutsche
Rentenversicherung.
Engstler, H. (2006). Erwerbsbeteiligung in der zweiten Lebenshälfte und der Übergang in den
Ruhestand. In: C. Tesch-Römer, H. Engstler & S. Wurm (Hrsg.) Altwerden in
Deutschland. Sozialer Wandel und individuelle Entwicklung in der zweiten Lebenshälfte
(S. 85-154). Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.
Fröhler, N., Fehmel, T., & Klammer, U. (2013). Flexibel in die Rente. Gesetzliche, tarifliche und
betriebliche Perspektiven. Berlin: edition sigma.
Naumann, D., & Romeu Gordo, L. (2010). Gesellschaftliche Partizipation: Erwerbstätigkeit,
Ehrenamt und Bildung. In: A. Motel-Klingebiel, S. Wurm & C. Tesch-Römer (Hrsg.) Altern
im Wandel. Befunde des Deutschen Alterssurveys (DEAS) (S. 118-141). Stuttgart:
Kohlhammer.
Rasner, A., & Etgeton, S. (2014). Rentenübergangspfade: Reformen haben großen Einfluss. DIW
Wochenbericht, 81(19), 431-441.
76

Schröber, J., Micheel, F., & Cihlar, V. (2015). Übergangskonstellationen in die Altersrente Welche Rolle spielen Humankapital und betrieblicher Kontext? In: N. F. Schneider, A.
Mergenthaler, U. M. Staudinger & I. Sackreuther (Hrsg.) Mittendrin? Lebenspläne und
Potenziale älterer Menschen beim Übergang in den Ruhestand (S. 195-216).
Opladen/Berlin/Toronto: Verlag Barbara Budrich.
Simonson, J., Romeo Gordo, L., & Titova, N. (2011). Changing employment patterns of women in
Germany: How do baby boomers differ from older cohorts? A comparison using sequence
analysis. Advances in Life Course Research, 16(2), 65-82.
Wanger, S. (2009). Altersteilzeit: Beliebt, aber nicht zukunftsgerecht. Nürnberg: Institut für
Arbeitsmarkt- und Berufsforschung.

77

78
	

5 Engagiert bis ins hohe Alter?
Organisationsgebundenes ehrenamtliches
Engagement in der zweiten Lebenshälfte
Martin Wetzel & Julia Simonson

Kernaussagen
Der Anteil von Personen, die ein ehrenamtliches Engagement ausüben, hat sich

unter den 40- bis 85-Jährigen zwischen den Jahren 1996 und 2014 verdoppelt:

Während im Jahr 1996 etwa jede zehnte Person (11,7 Prozent) im Rahmen einer
	
Organisation ehrenamtlich engagiert war, ist es im Jahr 2014 schon fast jede vierte
	
(22,2 Prozent). Dieser Zuwachs ist unter Personen im höheren Lebensalter besonders
	
deutlich.
	
Im Jahr 2014 zeigen sich deutliche Unterschiede im ehrenamtlichen Engagement

nach Geschlecht, Bildung, Landesteil und Erwerbsstatus: Männer sind 1,3 Mal
	
häufiger engagiert als Frauen. Dieser Geschlechtsunterschied war 1996 noch größer.
	
Hochgebildete sind im Jahr 2014 3,6 Mal häufiger ehrenamtlich engagiert als
	
Niedriggebildete, was sich seit 1996 nicht verändert hat. Westdeutsche engagieren 

sich 1,7 Mal häufiger ehrenamtlich als Ostdeutsche. Der Unterschied zwischen den 

Landesteilen ist seit 1996 stabil. Erwerbstätige und Personen im Ruhestand
	
engagieren sich häufiger als Nicht-Erwerbstätige.
	
Im Jahr 2014 ist jede vierte ehrenamtlich engagierte Person im Alter von 50 bis 

85 Jahren in einer Seniorengruppe aktiv: Jüngere engagieren sich seltener in 

seniorenspezifischen Gruppen als Ältere. Zwischen den Jahren 1996 und 2014 ist der
	
Anteil von Engagierten in Seniorengruppen an der Bevölkerung von 2,1 Prozent auf
	
5,6 Prozent gestiegen. Das Verhältnis zwischen seniorenspezifischem und 

allgemeinem Engagement hat sich dabei jedoch nicht verändert.
	
Ein Drittel der im Jahr 2014 ehrenamtlich Engagierten hat in den letzten sechs 

Jahren ein neues Engagement aufgenommen und zwei Drittel üben ihr

Engagement schon länger als sechs Jahre aus: Im Jahr 2014 haben 7,1 Prozent
	
der Bevölkerung im Alter von 40 bis 85 Jahren ein Engagement ausgeübt, welches sie 

frühestens 2009 begonnen hatten. Ältere nehmen zu einem geringeren Anteil ein 

Engagement neu auf als Jüngere. Zudem üben Ältere ihr Engagement zu einem
	
größeren Teil bereits über einen längeren Zeitraum aus als Jüngere. Zwischen 1996 

und 2014 hat sich der Anteil der neu Engagierten an allen Engagierten nicht
	
bedeutsam verändert.
	

79

5.1

Einleitung

Freiwilliges und ehrenamtliches Engagement kann zum Zusammenhalt der Gesellschaft
beitragen und sozialintegrativ wirken (Zimmer & Rauschenbach 2011). Personen in der zweiten
Lebenshälfte können über ehrenamtliches Engagement ihre Erfahrungen und Kompetenzen
einbringen und somit einen positiven Beitrag für die Gesellschaft leisten. Das freiwillige und
ehrenamtliche Engagement von Älteren wird daher sowohl in Deutschland (zum Beispiel Fünfter
Altenbericht 2006), als auch auf europäischer Ebene (zum Beispiel EU 2012) sowie im
internationalen Kontext (zum Beispiel World Health Organization 2002) als gesellschaftliches
Potenzial thematisiert. Personen, die sich ehrenamtlich engagieren, können davon aber auch
persönlich profitieren. Verschiedene Studien haben gezeigt, dass Engagement zu mehr
individuellem Wohlbefinden beiträgt (für Gesundheit: Everard, Lach et al. 2000; für
Lebenszufriedenheit: van Willigen 2000). Darüber hinaus ist ehrenamtliches Engagement eine
zentrale Form gesellschaftlicher Teilhabe. Allerdings kann sich ehrenamtliches Engagement in
einigen Fällen auch nachteilig auf Wohlbefinden und Gesundheit auswirken, nämlich dann, wenn
damit Stress und Überforderung einhergehen (Windsor, Anstey et al. 2008), aber auch, wenn
damit eine gesellschaftliche Norm zum ‚aktiven Altern‘ verbunden wird, an der nicht alle
Menschen gleichermaßen teilhaben können (van Dyk 2009).
Ehrenamtliches Engagement kann also Auswirkungen auf die Lebenssituation und auf das
Wohlbefinden der engagierten Personen, auf die Situation der Zielgruppen des Engagements
sowie auf die Gesellschaft insgesamt haben. Engagement ist aber auch an Voraussetzungen
geknüpft (Simonson, Hagen et al. 2013). Gesellschaftliche Rahmenbedingungen und individuelle
Merkmale haben einen Einfluss auf Ressourcen und Gelegenheitsstrukturen, welche
ehrenamtliches Engagement begünstigen oder hemmen (vgl. Gesthuizen & Scheepers 2012). So
besitzen Personen mit einem höheren Bildungsniveau auch mehr individuelle Ressourcen als
Personen mit einem niedrigeren Bildungsniveau, wie zum Beispiel mehr Einkommen, höhere
Lebenszufriedenheit, bessere Gesundheit und höhere Selbstwirksamkeit (Ross & Wu 1995;
Laubach, Schumacher et al. 2000) sowie vorteilhaftere soziale Netzwerke, welche sich wiederum
positiv auf die Wahrscheinlichkeit auswirken, ein ehrenamtliches Engagement auszuüben (zum
Beispiel Wilson & Musick 1997; Wilson 2000; Hank & Stuck 2008; Alscher, Dathe et al. 2009;
Lancee & Radl 2014). Ebenfalls können unterschiedliche Gelegenheitsstrukturen relevant sein.
So üben beispielsweise Erwerbstätige häufiger ein ehrenamtliches Engagement aus als
Arbeitslose (Alscher, Dathe et al. 2009; Gesthuizen & Scheepers 2012). Wenn ehrenamtliches
Engagement sich positiv auf die Lebensqualität von Personen auswirkt, dann führt ein ungleicher
Zugang zu ehrenamtlichem Engagement folglich zu ungleichen Lebenschancen. Die genannten
Mechanismen können somit soziale Ungleichheiten verstärken. Dieses Kapitel widmet sich der
Frage, inwieweit das ehrenamtliche Engagement Älterer in den letzten Jahren zugenommen hat,
wer in der zweiten Lebenshälfte einem ehrenamtlichen Engagement nachgeht und welche
Gruppen besonders starke Veränderungen aufweisen.
Empirische Studien zeigen deutliche Unterschiede zwischen den Engagementquoten
unterschiedlicher Gruppen. Beispielsweise engagieren sich Personen in Ostdeutschland seltener
als in Westdeutschland (Naumann & Romeu Gordo 2010), was meist mit unterschiedlichen
Gelegenheitsstrukturen begründet wird. So bestehen beispielsweise noch deutliche Unterschiede
in der Erwerbsstruktur zwischen den beiden Landesteilen (vgl. Kapitel 3). Unterschiede im
ehrenamtlichen Engagement scheinen auch zwischen den Geschlechtern zu bestehen. Dass
Frauen sich seltener als Männer (Alscher, Dathe et al. 2009) engagieren, könnte daran liegen,
dass Frauen durch ihre geringere Arbeitsmarktintegration seltener in Kontakt mit Möglichkeiten
80

für ehrenamtliches Engagement kommen (von Rosenbladt 2000; Naumann & Romeu Gordo
2010; Lancee & Radl 2014; Quaranta 2015). Darüber hinaus führt die immer noch verbreitete
geschlechtsspezifische innerfamiliäre Arbeitsteilung dazu, dass Frauen durch Haushalts- und
Sorgetätigkeiten, zusätzlich zur Erwerbstätigkeit, häufig unter einer Doppelbelastung stehen (vgl.
Kapitel 12 und 13), die ihnen weniger Zeit für ehrenamtliches Engagement lässt als Männern.
Trotz der positiven Befunde hinsichtlich des Zusammenhangs von Erwerbstätigkeit und Ehrenamt
scheint der Übergang in den Ruhestand ehrenamtliches Engagement quantitativ nur wenig
(Mutchler, Burr et al. 2003; Erlinghagen 2010) oder gar nicht zu beeinflussen (Scherger, Nazroo
et al. 2011; Lancee & Radl 2014). Selbst wenn sich mit dem Ruhestandsübergang nicht die
Engagementquoten verändern, könnte es jedoch sein, dass es zu einer inhaltlichen
Verschiebung kommt – zum Beispiel von allgemein ausgerichteten zu seniorenspezifischen
Organisationen. Auswertungen des Deutschen Freiwilligensurveys (FWS) haben gezeigt, dass
sich ältere Personen eher für Ältere engagieren und jüngere Personen eher für Jüngere (Hagen
& Vogel 2012). Eine strukturelle Verschiebung zum Engagement in seniorenspezifischen
Gruppen ist besonders dann interessant, wenn die Teilnahme an seniorenspezifischen Gruppen
anderen Mustern unterworfen ist, als dies allgemein beim Ehrenamt der Fall ist, oder sich diese
Form des Engagements in ihren Auswirkungen auf die engagierten Personen unterscheidet.
In diesem Kapitel wird das ehrenamtliche Engagement unterschiedlicher gesellschaftlicher
Gruppen betrachtet. Im Zentrum stehen dabei Unterschiede zwischen Altersgruppen,
Geschlechtern, Bildung und Landesteilen (Ost- beziehungsweise Westdeutschland) sowie der
Erwerbsstatus, da mit ihnen spezifische Ressourcen und Gelegenheitsstrukturen einhergehen.
Weiterhin werden die Veränderungen zwischen den Jahren 1996 und 2014 betrachtet, sodass
allgemeine Trends, aber auch Annäherungs- und Distanzierungstrends zwischen verschiedenen
Gruppen untersucht werden können.
Von 1996 bis 2008 kam es bereits zu einer Zunahme von ehrenamtlichem Engagement (vgl.
Naumann & Romeu Gordo 2010). Diese Zunahme könnte erstens mit einem politisch intendierten
Wandel zu einer verbesserten ‚Engagementkultur‘ zusammenhängen. Seit Ende der 1990er
Jahre, beginnend mit der Einsetzung einer Enquete-Kommission ‚Zukunft des bürgerschaftlichen
Engagements‘ hat sich die Engagementpolitik als eigenständiges Politikfeld herausgebildet (vgl.
Hartnuß, Olk et al. 2011). Freiwillige und ehrenamtliche, unentgeltlich ausgeübte Tätigkeiten
wurden zunehmend als gesellschaftliche Ressource entdeckt und Engagement sollte durch
politische Maßnahmen gefördert werden. Bisher wurden zur Förderung des Engagements
beispielsweise im Jahr 2005 der unfallversicherungsrechtliche Schutz Engagierter verbessert
sowie im Jahr 2011 der Bundesfreiwilligendienst eingeführt, der allen Altersgruppen offen steht.
Weitere Initiativen richteten sich speziell an Ältere, wie beispielsweise das Programm ‚Aktiv im
Alter‘. Diese Maßnahmen verändern die Rahmenbedingungen für Engagement und können zu
einer zunehmenden Beteiligung von Menschen im Engagement beitragen.
Außerdem hat sich die Arbeitsmarktpolitik zwischen 1996 und 2014 grundsätzlich gewandelt, von
einer Periode des frühen Vorruhestands zu einer Zeit der längeren Arbeitsmarktintegration von
älteren Erwerbspersonen (vgl. Kapitel 3). Damit steigt der Anteil von Erwerbstätigen unter den
älteren Erwerbspersonen und es kommt möglicherweise zu einer Erweiterung der
Gelegenheitsstrukturen für Engagement.
Als dritte Entwicklung in der Zeit von 1996 bis 2014 lässt sich feststellen, dass Personen
gesundheitsbezogene Ressourcen besser bis ins hohe Alter aufrechterhalten können
(vgl. Kapitel 8 und 9). Die Lebensjahre, in denen sich eine Person bei guter Gesundheit befindet,
81

haben sich seit dem Jahr 1996 vor allem nach dem Ruhestandsübergang deutlich erhöht. Diese
Gesundheitsressourcen können dazu beitragen, dass gerade Personen im hohen Alter häufiger
noch ein Engagement ausüben können. Schließlich haben sich in den letzten Jahren die
Sichtweisen auf das eigene Älterwerden verändert (vgl. Kapitel 22). Mit dem höheren Lebensalter
sind heute durchaus auch Erwartungen an künftige Entwicklungsmöglichkeiten verknüpft.
Freiwilliges und ehrenamtliches Engagement gilt zunehmend als Handlungsoption auch im
höheren Alter.
Im Folgenden wird zunächst betrachtet, wie sich die Quoten ehrenamtlichen Engagements in
verschiedenen Altersgruppen von 1996 bis 2014 verändert haben. Dabei wird untersucht, ob sich
nach Bevölkerungsgruppen (Geschlecht, Bildung, Landesteil, Erwerbsstatus) unterschiedliche
Trends zeigen und ob einige Gruppen stärkere Veränderungen aufweisen als andere. In einem
zweiten Schritt wird untersucht, ob sich in seniorenspezifischen Organisationen andere
Personengruppen ehrenamtlich engagieren als in allgemeinen Organisationen. Es ist zu
vermuten, dass sich Personen im höheren Alter häufiger auch in seniorenspezifischen Gruppen
engagieren. Jedoch ist derzeit noch unklar, ob sich diese Gruppen in ihrer Zusammensetzung
nach Bildung, Geschlecht und Landesteil vom allgemeinen Engagement unterscheiden.
Schließlich wird der Engagementbeginn betrachtet. Damit steht im Zentrum, ob eine Person in
den letzten sechs Kalenderjahren ein ehrenamtliches Engagement aufgenommen hat. Dadurch
können Rückschlüsse gezogen werden, in welchen Lebensphasen Personen ein Engagement
aufnehmen, ob sich die Zeiten des Neubeginns von Engagement über die Jahre gewandelt
haben und ob sich der Anteil der eher neuen gegenüber den eher dauerhaft Engagierten
verändert hat. Diese Unterscheidung hilft dabei mögliche Veränderungen der Engagementquote
von 1996 bis 2014 besser zu verstehen. Sie verdeutlicht, ob eine Veränderung in der
Engagementquote stärker damit zu begründen ist, dass Personen häufiger beziehungsweise
seltener ein ehrenamtliches Engagement aus einer früheren Lebensphase fortsetzen. Sie zeigt
aber auch auf ob Personengruppen wie beispielsweise gerade ältere Personen häufiger
beziehungsweise seltener ein neues Engagement beginnen.
Im vorliegenden Kapitel werden die folgenden Fragen untersucht:
1.		 Wie wandelt sich der Anteil von Personen, die ein ehrenamtliches Engagement ausüben,
über die Zeit? Zeigen sich für unterschiedliche Altersgruppen unterschiedliche Trends von
1996 bis 2014?
2.		 Engagieren sich verschiedene Bevölkerungsgruppen (nach Bildung, Geschlecht,
Landesteil, Erwerbsstatus) unterschiedlich häufig und zeichnen sich diesbezüglich
Veränderungen über die Zeit ab?
3.		 Wie unterscheiden sich Personen in seniorenspezifischen Gruppen von Personen mit
einem allgemeinen ehrenamtlichen Engagement?
4.		 Verändern sich die Anteile der ehrenamtlich Engagierten, die innerhalb der letzten sechs
Kalenderjahre ein Ehrenamt begonnen haben, über die Zeit und über die Altersgruppen?

5.2

Datengrundlage

Daten. Ehrenamtliches Engagement wurde im mündlichen Interview (CAPI) des Deutschen
Alterssurveys (DEAS) in den Jahren 1996, 2002, 2008 und 2014 erhoben. Da nicht in allen
Erhebungsjahren Informationen zu Engagement außerhalb von Organisationen erhoben wurde,
82

beschränken sich die Analysen in diesem Kapitel auf das organisationsgebundene Engagement.
Das heißt, dass sonstige Engagementfelder, wie beispielsweise eine Schöffentätigkeit oder
Elternvertretung, nicht betrachtet werden. Da in den letzten Jahrzehnten besonders nichtorganisationsgebundenes Engagement (beispielsweise in Initiativen oder Projekten) häufiger
geworden ist (Sachße 2011), verfolgt dieses Kapitel also eher einen konservativen Ansatz bei der
Betrachtung der aktuellen Engagementniveaus und der Veränderungen zwischen 1996 und
2014. Die Frage nach dem allgemeinen organisationsgebundenen ehrenamtlichen Engagement
wurde an alle DEAS-Befragte gestellt und liegt somit für die Altersspanne 40 bis 85 Jahre vor. Ob
Personen ein seniorenspezifisches Engagement ausüben, wurde jedoch erst ab einem Alter von
50 Jahren erfragt.
Engagementausübung. Um das organisationsgebundene Engagement zu erfassen, werden
Personen zunächst gefragt, ob sie in einer Gruppe Mitglied sind, „die sich besonders an ältere
Menschen im Ruhestand oder im Übergang in den Ruhestand“ richtet (im Folgenden als
Seniorengruppe bezeichnet) oder ob sie Mitglied in einer „ganz allgemein(en) Gruppe oder
Organisation (sind), in der man Mitglied sein kann“ (im Folgenden als allgemeine Gruppen
bezeichnet). Die Befragten können jeweils maximal fünf solcher Gruppen nennen, in denen sie
Mitglied sind. Als ehrenamtliches Engagement wird es hier gewertet, wenn die Person weiterhin
angibt „eine Funktion oder […] ein Ehrenamt“ in der Gruppe inne zu haben. Falls Personen
sowohl eine Funktion in einer allgemeinen als auch einer Seniorengruppe ausüben, dann werden
sie als engagiert in einer Seniorengruppe betrachtet. Um Aussagen über ehrenamtliches
Engagement insgesamt treffen zu können, wird betrachtet, ob sich Personen entweder in einer
seniorenspezifischen oder in einer allgemeinen Gruppe engagieren.
Engagementbeginn. Personen, die eine Funktion in einer Gruppe oder Organisation ausüben,
wurden zudem gefragt, seit wann sie diese Funktion ausüben. Dies ermöglicht die Bildung eines
Indikators, der angibt, ob die Person innerhalb der letzten sechs Kalenderjahre ein neues
Ehrenamt aufgenommen hat. Dafür wird die Distanz zwischen Interviewjahr und Jahr des
Beginns des Ehrenamtes berechnet. Übt eine Person mehrere Ehrenämter aus, zählt das zuletzt
aufgenommene Ehrenamt. Im DEAS wird nicht gefragt, ob eine Person ein Engagement beendet
hat. Deshalb können keine Ergebnisse hierzu berichtet werden. Jedoch haben Hank &
Erlinghagen (2010) gezeigt, dass die Beendigung eines Engagements durch ähnliche Prozesse
bestimmt wird wie die Aufnahme eines Engagements.
Gruppierungsvariablen. Um Unterschiede im Bildungsniveau abzubilden, wird auf eine
Unterscheidung zwischen Personen mit niedriger, mittlerer und höherer Bildung zurückgegriffen,
die auf der ISCED-Skala beruht. Um das ehrenamtliche Engagement zwischen Personen
unterschiedlichen Alters möglichst präzise vergleichen zu können, werden Sechs-JahresAltersgruppen genutzt (42 bis 47 Jahre, 48 bis 53 Jahre, 54 bis 59 Jahre, 60 bis 65 Jahre, 66 bis
71 Jahre, 72 bis 77 Jahre, 78 bis 83 Jahre). In Kombination mit dem Sechs-Jahres-Abstand
zwischen den Befragungszeitpunkten hat dies weiterhin den Vorteil, dass sich die Altersgruppen
und die Erhebungszeitpunkte nicht überschneiden. Da die Frage nach Seniorengruppen erst ab
einem Alter von 50 Jahren gestellt wird und in der Altersgruppe ‚84 und 85 Jahre‘ nur wenige
Personen engagiert sind, werden die Ergebnisse teilweise nur für die 54- bis 83-jährigen
Befragten dargestellt (vgl. Kapitel 2).
Erwerbsstatus. Auch der aktuelle Erwerbsstatus wurde im DEAS zu jedem Befragungszeitpunkt
erfasst. Für die Analysen wird dieser in drei Gruppen unterteilt: Erwerbstätige (darunter fallen alle
Personen, die in Teil- oder Vollzeit erwerbstätig sind, aber auch Personen, die unregelmäßig,
geringfügig oder nebenerwerbstätig sind); Personen im Ruhestand, die Altersrente, Pension,
83

sowie Frührente, -pension beziehen oder sich noch im Vorruhestand oder in der
Freistellungsphase der Altersteilzeit befinden; und sonstige Nicht-Erwerbstätige (Arbeitslose
sowie alle Personen ohne Erwerbseinkommen und ohne Rente wie Hausfrauen/-männer und aus
anderen Gründen nicht Erwerbstätige).
Analysen. Die Abbildungen und Kennzahlen wurden mittels gewichteter Häufigkeiten berechnet.
Die Analysen der Gruppenunterschiede beruhen auf Signifikanztests mittels logistischer
Regression, wobei für die Stratifizierungsvariablen Altersgruppe, Geschlecht und Landesteil (Ost/Westdeutschland) kontrolliert wurde. Das genaue Vorgehen ist in Kapitel 2 beschrieben.

5.3	 Veränderung des Anteils von Personen, die ein ehrenamtliches Engagement
ausüben, zwischen den Jahren 1996 und 2014
Zunächst wird auf die Veränderung von ehrenamtlichem Engagement über die Zeit eingegangen.
Dabei werden neben dem allgemeinen Trend auch unterschiedliche Veränderungen nach
Altersgruppen betrachtet.
Der Anteil von Personen, die in der zweiten Lebenshälfte ein ehrenamtliches Engagement
ausüben, hat sich zwischen 1996 und 2014 verdoppelt.
Ehrenamtliches Engagement hat zwischen 1996 und 2014, wie erwartet, an Bedeutung
gewonnen. Im Jahr 1996 haben 11,7 Prozent der 40- bis 85-Jährigen ein ehrenamtliches
Engagement ausgeübt. Dieser Anteil unterschied sich nicht zu dem des Jahres 2002. Im Jahr
2008 lag er jedoch mit 18,2 Prozent deutlich höher. Der Anteil der Engagierten an den Personen
dieser Altersgruppe erhöhte sich vom Jahr 2008 zum Jahr 2014 noch einmal auf 22,2 Prozent
(Abbildung 5-1).
Im Folgenden wird betrachtet, ob diese Zunahme über die Zeit für alle Altersgruppen in gleichem
Maße erfolgt ist (Abbildung 5-1). Für alle Altersgruppen zeigt sich zwischen 1996 und 2014 eine
Zunahme des Anteils von Engagierten. Der Anstieg ist jedoch für die höheren Altersgruppen
besonders stark ausgeprägt: auch wenn bereits bei den 42- bis 47-Jährigen das ehrenamtliche
Engagement zugenommen hat, steigt gerade in den Altersgruppen der 66- bis 71-Jährigen, der
72- bis 77-Jährigen und der 78- bis 83-Jährigen der Anteil der Engagierten über die
Befragungszeitpunkte deutlich an. Das bedeutet, dass im Vergleich zum Jahr 1996 ein
ehrenamtliches Engagement im Jahr 2014 vermehrt auch in höheren Altersgruppen ausgeübt
wird. Dies lässt sich auch an den Veränderungen des Anteils der Engagierten über die
Altersgruppen – getrennt nach Erhebungsjahren – ablesen. Im Jahr 1996 zeigte sich kein
Unterschied zwischen den beiden jüngsten Altersgruppen der 42- bis 47-Jährigen und der 48- bis
53-Jährigen, jedoch wiesen die älteren Altersgruppen deutlich geringere Anteile an ehrenamtlich
Engagierten auf. Im Jahr 2014 unterscheiden sich die Altersgruppen zwischen den 42- bis
65-Jährigen nicht. Die 66- bis 71-Jährigen üben sogar häufiger als die jüngeren Altersgruppen ein
Engagement aus, die 72- bis 77-Jährigen weisen wieder das Niveau der 42- bis 65-Jährigen auf.
Erst in der ältesten Altersgruppe der 78- bis 83-Jährigen ist der Anteil der Engagierten deutlich
geringer. Damit zeigt sich, dass im Jahr 2014 ein ehrenamtliches Engagement bis ins Alter von
70 Jahren etwa gleich häufig ausgeübt wird. Die relativ stabilen Anteile von Personen mit
ehrenamtlichem Engagement von den mittleren zu den höheren Altersgruppen sind somit ein
relativ junges Phänomen.

84

Abbildung 5-1:	
1996

Anteile der ehrenamtlich Engagierten, gesamt und nach Alter, in den
Jahren 1996, 2002, 2008, 2014 (in Prozent)
2002

2014

2008

60

Prozent

40

20
22,2
18,2
11,713,3

25,3
25,2
21,321,3
20,3
18,9
17,4
17,215,0
16,1
14,2
12,9

0
Gesamt

42-47
Jahre

48-53
Jahre

54-59
Jahre

28,1

7,8

20,8
18,9
14,7

60-65
Jahre

20,2
13,7
10,0

66-71
Jahre

6,7 8,7

18,4
12,4

72-77
Jahre

2,1 2,9

9,0

13,4

78-83
Jahre

Quelle: DEAS 1996 (n = 4.808), 2002 (n = 3.039), 2008 (n = 6.194), 2014 (n = 5.993) gewichtet, gerundete Angaben; (p < ,05).
Nur zwischen 1996 und 2002 kein signifikanter Unterschied über alle Altersgruppen insgesamt. Signifikante Unterschiede
zwischen folgenden Altersgruppen: 42 bis 47 Jahre bzw. 60 bis 65 Jahe zu 66 bis 71 Jahre und 48 bis 59 Jahre zu 72 bis 83
Jahre sowie 42 bis 77 Jahre zu 78 bis 83 Jahre.Signifikante Interaktion zwischen Erhebungsjahr und Alter.

5.4	 Wandel vom Anteil von ehrenamtlichem Engagement nach
Bevölkerungsgruppen zwischen 1996 und 2014
Im Folgenden wird betrachtet, ob sich die Anteile der Personen, die sich ehrenamtlich
engagieren, nach Bevölkerungsgruppen unterscheiden. Dabei werden vor allem Unterschiede
nach Geschlecht, Bildungsgruppen, Landesteil und Erwerbsstatus betrachtet.
Im Jahr 2014 zeigen sich deutliche Unterschiede im ehrenamtlichen Engagement nach
Geschlecht, Bildung, Landesteil und Erwerbsstatus.
Für das Jahr 2014 zeigen sich deutliche Unterschiede nach Geschlecht (Abbildung 5-2). So
engagieren sich 25,6 Prozent der Männer und nur 19,0 Prozent der Frauen in einem
organisationsgebundenen Ehrenamt. Von den Personen mit niedrigerem Bildungsniveau üben
8,0 Prozent ein ehrenamtliches Engagement aus, während von den Personen mit hohem
Bildungsniveau 28,8 Prozent ein Ehrenamt ausüben. Damit ist der Anteil der Engagierten mit
hoher Bildung um ein 3,6-faches höher als der Anteil von Personen mit niedrigerer Bildung.
Schließlich bestehen Unterschiede nach Landesteil: 23,9 Prozent der Personen im Alter von
40 bis 85 Jahren, die in Westdeutschland leben, üben ein ehrenamtliches Engagement aus. In
Ostdeutschland sind es 14,3 Prozent.
Weiterhin sind im Jahr 2014 24,5 Prozent der Erwerbstätigen, aber nur 17,2 Prozent der NichtErwerbstätigen im Alter von 40 bis 85 Jahren, ehrenamtlich engagiert (Abbildung 5-2). Die
Erwerbstätigen liegen auf gleichem Niveau wie Personen im Ruhestand, sodass auch die
Personen im Ruhestand häufiger ehrenamtlich engagiert sind als die nicht-erwerbstätigen
Personen. An den gezeigten Niveauunterschieden im Anteil an ehrenamtlich Engagierten zeigt
sich, dass Personen mit mehr Ressourcen und besseren Gelegenheitsstrukturen häufiger einem
ehrenamtlichen Engagement nachgehen.

85

Abbildung 5-2:	

Anteile der ehrenamtlich Engagierten, nach Geschlecht, Bildung,
Landesteil und Erwerbsstatus, im Jahr 2014 (in Prozent)

60

Prozent

40

20

W

es
t

Bi Ho
ld he
un
g

M
Bi ittle
ld re
un
g

Ni
e
Bi dri
ld ge
un
g

Fr
au
en

M
än
ne
r

st

14,3

8,0

0

24,5

23,9

20,6

17,1

Er
we
rb
st
ät
ig
e
im
Pe
R
uh rso
es ne
N
ta n
ic
nd
ht
-E
rw S
er on
bs st
tä ige
tig
e

28,8
19,8

19,0

O

25,6

Quelle: DEAS 2014 (n = 5.993) gewichtet, gerundete Angaben. (p < .05).
	
Signifikante Unterschiede nach Geschlecht, Bildung und Landesteil. Erwerbstätige und Personen unterscheiden sich nicht 

bedeutsam, jedoch weisen die Sonstigen Nicht-Erwerbstätigen einen geringeren Anteil auf.
	

Die Unterschiede im ehrenamtlichen Engagement zwischen Männer und Frauen haben
zwischen den Jahren 1996 und 2014 abgenommen, jedoch sind die Unterschiede nach
Bildungshintergrund und Landesteil gleichgeblieben.
Um zu analysieren, ob sie sich die Teilhabe am ehrenamtlichen Engagement zwischen 1996 und
2014 für einige Gruppen besonders stark verändert hat, können Veränderungen über die Zeit
auch getrennt für verschiedene Bevölkerungsgruppen betrachtet werden. Es zeigt sich, dass
sowohl Männer als auch Frauen im Jahr 2014 deutlich häufiger ein ehrenamtliches Engagement
als noch im Jahr 1996 ausüben. Gleichzeitig verringern sich die Unterschiede zwischen Männern
und Frauen, denn betrug der Abstand im Jahr 1996 noch 9,1 Prozentpunkte lag der Unterschied
im Jahr 2014 nur noch bei 6,6 Prozentpunkten. Diese Abnahme lässt sich vor allem darauf
zurückführen, dass der Anteil der engagierten Frauen (1996: 7,6 Prozent; 2014: 19,0 Prozent)
von einem niedrigeren Niveau aus stärker gewachsen ist als der der Männer (1996: 16,6 Prozent;
2014: 25,6 Prozent).
Zwischen Bildungsgruppen und Landesteilen haben sich die Unterschiede im ehrenamtlichen
Engagement zwischen 1996 und 2014 nicht verändert (ohne Abbildung). Alle Gruppen zeigen
eine ähnlich starke Zunahme.
Der Anteil der Engagierten wächst zwischen 1996 und 2014 ebenfalls über alle
Erwerbsstatusgruppen. Während jedoch der Anteil der Engagierten unter den NichtErwerbstätigen nur von 10,5 Prozent im Jahr 1996 auf 17,1 Prozent im Jahr 2014 gestiegen ist,
verbuchen Erwerbstätige (1996: 15,8 Prozent; 2014: 24,5 Prozent) und insbesondere Personen
im Ruhestand (1996: 7,7 Prozent; 2014: 20,5 Prozent) stärkere Zuwächse (ohne Abbildung).
Damit sinkt der Unterschied im Anteil der Engagierten zwischen den Erwerbstätigen und den
Personen im Ruhestand deutlich von 8,0 Prozentpunkten im Jahr 1996 auf 4,0 Prozentpunkte im
Jahr 2014, wobei der Unterschied zwischen den Erwerbstätigen und den sonstigen
Nicht-Erwerbstätigen im gleichen Zeitraum von 5,3 auf 7,4 Prozentpunkte zunimmt.
86

5.5	 Unterschiede von seniorenspezifischem Engagement zu ehrenamtlichem
Engagement insgesamt im Jahr 2014
Im Folgenden soll nun betrachtet werden, ob sich diejenigen, die sich in einer
seniorenspezifischen Gruppe engagieren von den bis hierher berichteten Engagierten insgesamt
unterscheiden. Da Personen nur dann gefragt wurden, ob sie sich in einer Gruppe engagieren,
die sich speziell an Seniorinnen und Senioren richtet, wenn sie älter als 50 Jahre waren,
beziehen sich die kommenden Ergebnisse auf diese Altersgruppe. Die Engagementquote
insgesamt beträgt im Jahr 2014 auch in der Altersgruppe der 50 bis 85-Jährigen 22,2 Prozent.
In einer Seniorengruppe engagieren sich im Jahr 2014 5,6 Prozent der Personen im Alter von
50 bis 85 Jahren. Die Übernahme einer Funktion in einer Seniorengruppe ist ungleich über die
Altersgruppen verteilt (Abbildung 5-3). In den Altersgruppen der 54- bis 59- und 60- bis
65-Jährigen sind ehrenamtliche Engagements in Seniorengruppen gleichhäufig. Davon
unterscheiden sich die Altersgruppen ab 66 Jahre. In diesen gehen Personen häufiger einem
seniorenspezifischen Engagement nach.
Im Jahr 2014 ist jede vierte ehrenamtlich engagierte Person im Alter von 50 bis 85 Jahren
in einer Seniorengruppe aktiv.
Von den Engagierten insgesamt in dieser Altersgruppe übt mit 25,4 Prozent circa jede vierte
Person ein seniorenspezifisches Engagement aus (nicht abgebildet). Es zeigt sich, dass der
Anteil der Engagierten in Seniorengruppen an allen Engagierten mit höherem Alter höher ist. Bei
den Personen zwischen 54 und 59 Jahren sind 15,8 Prozent der Engagierten in einer
Seniorengruppe aktiv, wohingegen dies in der Altersgruppe der 78- bis 83-Jährigen sogar 51,4
Prozent der Engagierten sind.
Weiterhin zeigt sich, dass sich im Jahr 2014 Männer und Frauen gleichhäufig in
seniorenspezifischen Gruppe engagieren (Abbildung 5-3). Dies steht im Gegensatz zum
Engagement insgesamt, bei dem sich Männer zu einem höheren Anteil engagieren als Frauen.
Unterschiede im seniorenspezifischen Engagement zeigen sich jedoch nach Bildungsniveau und
Landesteil. Ebenso wie beim Engagement insgesamt sind Personen mit hohem Bildungsniveau
zu einem größeren Anteil in Seniorengruppen engagiert als Personen mit mittlerem oder
niedrigerem Bildungsniveau. Ebenfalls üben mehr Personen in Westdeutschland ein
seniorenspezifisches Engagement aus als in Ostdeutschland. Diese Unterschiede bestehen über
alle Altersgruppen. Somit folgt seniorenspezifisches Engagement in Bezug auf Bildungsniveau
und Landesteil den gleichen Verteilungsmustern wie das ehrenamtliche Engagement insgesamt,
jedoch trägt es zwischen Männern und Frauen zu einer Reduktion der Unterschiede im
Engagement insgesamt bei.
Der Unterschied im seniorenspezifischen Engagement zwischen den Altersgruppen spiegelt sich
auch im Erwerbsstatus wider: Personen im Ruhestand engagieren sich im Jahr 2014 mit einem
Anteil von 7,9 Prozent deutlich häufiger in Seniorengruppen als Erwerbstätige (2,9 Prozent) und
sonstige Nicht-Erwerbstätige (4,5 Prozent). Letztere unterscheiden sich statistisch nicht
voneinander (nicht abgebildet).
Engagement in Seniorengruppen ist zwischen den Jahren 1996 und 2014 – analog zum
Gesamttrend – häufiger geworden.
Der Anteil der Engagierten in Seniorengruppen ist von 2,1 Prozent im Jahr 1996 auf 5,6 Prozent
im Jahr 2014 häufiger geworden. Dieser Trend verläuft proportional zum allgemeinen
87

Engagement. Somit werden Seniorengruppen zwar über die Erhebungsjahre immer häufiger
ausgeübt, jedoch sind sie innerhalb des ehrenamtlichen Engagements insgesamt zwischen 1996
und 2014 nicht bedeutsamer geworden. Dies zeigt sich auch für die Altersgruppen nach dem
Ruhestandsübergang, in denen der Anstieg von seniorenspezifischem Engagement sowie im
Engagement insgesamt besonders stark war. Ebenfalls zeigen sich nach Geschlecht, Bildung,
Landesteil und Erwerbsstatus keine Verschiebungen im Anteil des seniorenspezifischen
Engagements am ehrenamtlichen Engagement insgesamt. Auch wenn sich alle
Bevölkerungsgruppen häufiger in einer seniorenspezifischen Gruppe engagieren, hat sich der
Anteil der Seniorengruppen am Engagement insgesamt zwischen 1996 und 2014 nicht verändert.

Abbildung 5-3:	

Anteile der ehrenamtlich Engagierten in Seniorengruppen, nach Alter,
Geschlecht, Bildung und Landesteil, im Jahr 2014 (in Prozent)

100

Prozent

80
60
40
20
5,6

4,0

5,6

Gesamt
(50-85 J.)

54-59
Jahre

60-65
Jahre

8,6

7,2

6,8

72-77
Jahre

78-83
Jahre

5,0

6,3

0
66-71
Jahre

Männer Frauen

2,5

5,3

6,9

Niedrige Mittlere Hohe
Bildung Bildung Bildung

4,7

2,6

West

Ost

Quelle: DEAS 2014 (n = 5.993) gewichtet, gerundete Angaben; (p < ,05).
	
Signifikante Unterschiede nur zwischen den Altersgruppen 54 bis 59 Jahre bzw. 60 bis 65 Jahre zu 66 bis 71 Jahren und 54 bis
	
59 Jahre zu 72 bis 77 Jahre bzw. 78-83 Jahren. Kein Geschlechtsunterschied. Signifikante Unterschiede nach Bildung und
	
Landesteil.
	

5.6	 Veränderung von Neuaufnahmen von ehrenamtlichem Engagement zwischen
den Jahren 1996 und 2014
Im Folgenden wird betrachtet, wie sich die Neuaufnahme des organisationsgebundenen
ehrenamtlichen Engagements über die Zeit verändert hat. Dafür wird betrachtet, wer in den
letzten sechs Kalenderjahren ein ehrenamtliches Engagement begonnen hat, welches zum
Befragungszeitpunkt noch ausgeübt wird. Die Befunde werden in einem zweiten Schritt ins
Verhältnis zum insgesamt ausgeübten Engagement gesetzt, sodass auch Aussagen über den
Anteil des neu-ausgeübten am gesamten ehrenamtlichen Engagement und damit über die
Stabilität des Engagements möglich werden.
Ein Drittel der im Jahr 2014 ehrenamtlich Engagierten hat in den letzten sechs Jahren ein
neues Engagement aufgenommen und zwei Drittel üben ihr Engagement schon länger als
sechs Jahre aus.
Für das Jahr 2014 zeigt sich, dass 7,1 Prozent der Personen in der zweiten Lebenshälfte seit
2009 (mindestens) ein ehrenamtliches Engagement aufgenommen haben, welches sie noch
immer ausüben. Das heißt, dass von den 22,2 Prozent der im Jahr 2014 ehrenamtlich
88

engagierten Personen im Alter von 40 bis 85 Jahren ein Drittel seit 2009 ein (zusätzliches)
Engagement begonnen hat. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass mindestens zwei Drittel der im
Jahr 2014 Engagierten ihr Engagement bereits länger als sechs Jahre ausüben. Der Anteil von
Personen mit einem neuen Engagement am Engagement insgesamt könnte sogar noch geringer
sein, da hier nur das zuletzt begonnene Engagement betrachtet wird. Personen mit einem neu
begonnenen Engagement können jedoch bereits ein anderes Engagement ausüben. Im Jahr
2014 traf dies auf circa ein Drittel der seit dem Jahr 2009 Neuengagierten zu.
Der Anteil der Männer, die seit dem Jahr 2009 ein Ehrenamt aufgenommen haben, das sie 2014
noch ausüben, ist ebenso hoch wie der Anteil von Frauen (Abbildung 5-4). Von den niedriger
Gebildeten üben im Jahr 2014 nur 1,5 Prozent ein Engagement aus, welches sie seit 2009
begonnen haben. Für Personen mit mittlerem Bildungsniveau liegt der Anteil deutlich höher bei
5,5 Prozent und bei Hochgebildeten sogar bei 10,4 Prozent. Auch zwischen den Landesteilen
zeigt sich ein bedeutsamer Unterschied: Von den Personen in Westdeutschland in der zweiten
Lebenshälfte üben noch 7,7 Prozent eines der organisationsgebundenen ehrenamtlichen
Engagements aus, die sie in den letzten sechs Kalenderjahren begonnen haben, wohingegen
dieser Anteil unter den Personen aus Ostdeutschland nur 4,1 Prozent beträgt. Der Anteil der
Neuengagierten an den Engagierten, das heißt ob Personengruppen anteilig häufiger einem
neuen Engagement aus den letzten sechs Jahren nachgehen als andere Personen,
unterscheidet sich – analog zum Gesamttrend – nicht nach Geschlecht, Bildung und Landesteil.
Personen höheren Alters nehmen zu geringeren Anteilen ein Engagement auf als jüngere
Personen, scheinen dies jedoch dafür länger auszuüben.
Im Jahr 2014 liegt der Anteil der 42- bis 70-Jährigen, die in den letzten sechs Kalenderjahren ein
organisationsgebundenes Engagement begonnen haben bei über 7 Prozent. Für die 72- bis
77-Jährigen liegen die Neuaufnahmen bei 3,4 Prozent und für die 78- bis 83-Jährigen bei 1,3
Prozent. Da die neuaufgenommenen Engagements mit höherem Alter geringer sind als die
ehrenamtlichen Engagements insgesamt, ist der Anteil der Neuengagierten an allen Engagierten
im höheren Alter geringer als im mittleren Alter: Unter den 42- bis 47-Jährigen, die im Jahr 2014
mindestens ein ehrenamtliches Engagement ausüben, haben 51,5 Prozent mindestens ein
Engagement erst in den letzten sechs Jahren begonnen (ohne Abbildung). Bei den 72- bis
77-Jährigen (und 78- bis 83-Jährigen) beträgt dieser Anteil nur noch 18,6 Prozent (und
9,4 Prozent). Das bedeutet, dass ältere Personen stabiler einem einmal bestehenden
Engagement nachgehen als jüngere Personen.
Zwischen 1996 und 2014 hat sich der Anteil der Neuengagierten an allen Engagierten nicht
bedeutsam verändert.
Der Anteil der Neuengagierten an allen Personen in der zweiten Lebenshälfte kann auch über die
Zeit betrachtet werden. Im Vergleich zu 2014, in dem 7,1 Prozent der Personen in den letzten
sechs Kalenderjahren ein neues Engagement aufgenommen, haben im Jahr 1996 nur
3,6 Prozent der Personen ein Engagement ausgeübt, welches sie frühestens 1991 begonnen
hatten. Für eine Veränderung der Stabilität des gesellschaftlichen Engagements zwischen 1996
und 2014 gibt es jedoch keinen Hinweis, da über den Zeitraum der Anteil der Neuengagierten an
den Gesamtengagierten bei circa 31 Prozent konstant geblieben ist. Die Ergebnisse deuten
darauf hin, dass mit dem Anstieg des ehrenamtlichen Engagements zwischen 1996 und 2014 es
nicht primär zu einer Ausdehnung des eher kurzfristigen oder des eher langfristigen
Engagements gekommen ist, sondern das Verhältnis (auch über unterschiedliche
gesellschaftliche Gruppen) relativ stabil geblieben ist.
89

Abbildung 5-4:	

Anteile der Personen, die in den letzten sechs Kalenderjahren ein
Engagement aufgenommen haben, gesamt, nach Alter, Geschlecht,
Bildung und Landesteil, im Jahr 2014 (in Prozent)

a) Gesamt und nach Alter
60

Prozent

40

20
11,0

7,9

7,1

7,5

7,7

7,2
3,4

0
Gesamt

42-47
Jahre

48-53
Jahre

54-59
Jahre

60-65
Jahre

66-71
Jahre

72-77
Jahre

1,3

78-83
Jahre

b) Nach Geschlecht, Bildung und Landesteil
60

Prozent

40

20
7,9

10,5
6,3

5,6

7,7

1,5

0
Männer

Frauen

Niedrige
Bildung

Mittlere
Bildung

Hohe
Bildung

West

4,1

Ost

Quelle: DEAS 2014 (n = 5.993) gewichtet, gerundete Angaben; (p < ,05).
a) Signifikante Altersunterschiede für alle Gruppen außer zwischen den Gruppen der 48- bis 71-Jährigen. b) Kein
Geschlechtsunterschied. Signifikante Unterschiede nach Bildung und Landesteil.

5.7

Diskussion und Implikationen

Zwischen den Jahren 1996 und 2014 haben die Anteile derer, die in der zweiten Lebenshälfte ein
ehrenamtliches Engagement ausüben, deutlich zugenommen. Da in diesem Kapitel das
organisationsgebundene Engagement betrachtet wurde und gerade
nicht-organisationsgebundenes Engagement in den letzten Jahren stark gestiegen ist (vgl.
Sachße 2011), können die beschriebenen Trends sogar als konservativ betrachtet werden.
Der Anstieg der Engagementquote zwischen den Jahren 1996 und 2014 kann durch drei Trends
charakterisiert werden. Erstens konnte eine allgemeine Erhöhung des Anteils der Engagierten an
der Bevölkerung im Alter von 40 bis 85 Jahre gezeigt werden, der über alle betrachteten Altersund Bildungsgruppen sowohl für West- und Ostdeutschland als auch für Männer und Frauen
90

zutrifft. Zweitens steigt speziell der Anteil der Engagierten in höheren Altersgruppen. Davon
profitieren besonders Personen im Ruhestand und das seniorenspezifische Engagement. Und
drittens ist zwischen 1996 und 2014 der Anteil von älteren Erwerbstätigen gestiegen (vgl.
Kapitel 3), die überproportional häufig zusätzlich ein ehrenamtliches Engagement ausüben.
Dafür, dass sich die Stabilität von ehrenamtlichen Engagement geändert hat, konnten keine
Hinweise gefunden werden.
Diese drei Trends lassen sich unterschiedlichen Zugangsstrukturen zu ehrenamtlichem
Engagement zuordnen. Der allgemeine Anstieg in Form eines ‚Fahrstuhl-Effektes‘ lässt sich auf
gesamtgesellschaftliche Veränderungen zurückführen, da alle Subgruppen der Bevölkerung in
einem ähnlichen Maße davon betroffen sind. Es kann davon ausgegangen werden, dass dies
durch eine Normenverschiebung zu einer breiteren Akzeptanz von ehrenamtlichem Engagement
zustande gekommen ist, die auch ein Resultat gezielter ‚aktivierungspolitischer‘ Anstrengungen in
den letzten Jahrzehnten sein kann. Der Anstieg ehrenamtlichen Engagements gerade im
höheren Lebensalter wird vermutlich besonders durch einen Gewinn an Gesundheitsressourcen
über die letzten Jahre vorangetrieben. In Kapitel 8 wird gezeigt, dass Personen im höheren
Lebensalter im Jahr 2014 seltener als 1996 gesundheitliche Einschränkungen aufweisen. Das
verlängerte Aufrechterhalten von wichtigen Ressourcen für ein ehrenamtliches Engagement
könnte bewirkt haben, dass im Jahr 2014 der Anteil des ausgeübten, aber auch des neu
aufgenommenen Engagements erst in den Altersgruppen 70 Jahre und älter sinkt. Davon
profitieren besonders auch Seniorengruppen, deren Bedeutung im selben Zeitraum absolut
(jedoch nicht überproportional) gewachsen ist. Ebenfalls wirken aktuelle Trends des
Arbeitsmarktes positiv auf die Ausübung von ehrenamtlichem Engagement. Erwerbstätige haben
bereits 1996 überproportional häufig ein ehrenamtliches Engagement ausgeübt. Der Anteil der
Engagierten ist unter den Erwerbstätigen jedoch noch einmal deutlich gestiegen. Dies wirkt sich
zweifach auf die allgemeine Engagementquote aus, da nicht nur der Anteil der Engagierten in
dieser Gruppe steigt, sondern auch mehr ältere Personen sich noch in Erwerbstätigkeit befinden
(vgl. Kapitel 3).
Besonders interessant sind die Parallelen in der Entwicklung der Erwerbsbeteiligung, wie in
Kapitel 3 dargestellt, und der Entwicklung des ehrenamtlichen Engagements zwischen den
Jahren 1996 und 2014. Männer sind nicht nur häufiger ehrenamtlich engagiert, sondern gehen
auch häufiger einer Erwerbstätigkeit nach als Frauen. Diese Geschlechtsunterschiede haben
sowohl für Engagement als auch für Erwerbstätigkeit seit dem Jahr 1996 abgenommen. Die
Unterschiede nach Bildungsniveau- und Landesteil, die bereits 1996 sowohl in der Erwerbs- als
auch in der Engagementbeteiligung bestanden, haben sich jedoch bis ins Jahr 2014 nicht
verändert. Die Parallelen im Wandel über die Zeit lassen sich durch zwei Argumentationslinien
erklären: Einerseits bildet die Erwerbstätigkeit eine Gelegenheitsstruktur für ehrenamtliches
Engagement. Daraus könnte folgen, dass ein Anstieg von Erwerbstätigen auch eine steigende
Engagementquote nach sich zieht. Andererseits können beide Teilhabeformen aber auch die
gleichen Voraussetzungen haben, sodass eine Suche nach gemeinsamen Mechanismen der
Partizipation, wie zum Beispiel Gesundheit, Ressourcen, Fähigkeiten und Interessen, sowohl die
Einbindung in das eine als auch in das andere vorhersagen könnten.
Da ehrenamtliches Engagement in der richtigen Häufigkeit positive Auswirkungen auf die
Lebensqualität haben kann (vgl. Windsor, Anstey et al. 2008), wirkt sich eine systematische
Nichtteilhabe von Gruppen, die bereits sozial benachteiligt sind, vermutlich weiter verstärkend auf
bestehende soziale Unterschiede aus. So werden beispielsweise Personen, die nicht
erwerbstätig sind, sowohl mit den nachteiligen Folgen der Erwerbs- als auch der
91

Engagementlosigkeit konfrontiert. Strukturelle Unterschiede (zum Beispiel in der Infrastruktur
oder im Arbeitsmarkt) zwischen den Landesteilen, die ebenfalls die Gelegenheitsstrukturen für
ehrenamtliches Engagement bilden, können die bestehenden Unterschiede zwischen Personen
in Ost- und Westdeutschland weiter vergrößern. Ähnliche Unterschiede im ehrenamtlichen
Engagement zeigen sich auch zwischen Männern und Frauen, jedoch reduzieren sie sich
zwischen den Jahren 1996 und 2014.
Bestehende Unterschiede nach Gruppen sollten weiter abgebaut werden, da daraus
systematische Nachteile in den Lebenschancen entstehen können. Auch aus einer
gesellschaftlichen Perspektive sind ungenutzte Potenziale nachteilig. Eine Angleichung der
Lebensbedingungen und damit der Gelegenheitsstrukturen zwischen den beiden deutschen
Landesteilen genauso wie ein Abbau von Bildungs- und Geschlechtsunterschieden könnten
daher primäre Ziele kommender Engagementpolitik sein. Die Förderung von
seniorenspezifischem Engagement kann dabei nur ein Aspekt sein, da dieses zwar leicht die
Engagementunterschiede zwischen den Geschlechtern reduziert, ansonsten jedoch durch die
gleichen Merkmale wie Engagement insgesamt vorhergesagt wird. Das bedeutet, dass eine
Förderung von seniorenspezifischem Engagement Unterschiede zwischen den Landesteilen und
zwischen Bildungsgruppen nicht verringern würde.
Ein Abbau von Ungleichheiten auf dem Arbeitsmarkt könnte sich in doppelter Weise positiv
auswirken, da die Gelegenheitsstrukturen, die die Erwerbsarbeit bietet, sich auch positiv auf
ehrenamtliches Engagement auszuwirken scheinen. Da die Gruppenunterschiede im
ehrenamtlichen Engagement bereits zu Beginn der zweiten Lebenshälfte bestehen und über
diese konstant bleiben, sollte an einem früheren Zeitpunkt im Lebenslauf angesetzt werden
(Warner, Wolff et al. 2014). Wird das Entstehen von sozialen Unterschieden bereits zu einem
biografisch früheren Zeitpunkt reduziert, könnte von den positiven Auswirkungen des
Engagements ein größerer Teil der Bevölkerung langfristig profitieren.

Literatur
Alscher, M., Dathe, D., Eckhard, P., & Speth, R. (2009). Bericht zur Lage und zu den
Perspektiven des bürgerschaftlichen Engagements in Deutschland. Berlin.
Erlinghagen, M. (2010). Volunteering after retirement: Evidence from German panel data.
European Societies, 12(5), 603-625.
Europäische Union (2012). Europäisches Jahr des aktiven Alterns und der Solidarität zwischen
den Generationen Retrieved from
http://ec.europa.eu/social/main.jsp?catId=1002&langId=de
Everard, K. M., Lach, H. W., Fisher, E. B., & Baum, M. C. (2000). Relationship of Activity and
Social Support to the Functional Health of Older Adults. The Journals of Gerontology
Series B: Psychological Sciences and Social Sciences, 55(4), S208-S212. doi:
10.1093/geronb/55.4.S208.
Fünfter Altenbericht (2006). Potenziale des Alters in Wirtschaft und Gesellschaft. Der Beitrag
älterer Menschen zum Zusammenhalt der Generationen. Fünfter Bericht zur Lage der
älteren Generation in der Bundesrepublik Deutschland.
Gesthuizen, M., & Scheepers, P. (2012). Educational differences in volunteering in cross-national
perspective: Individual and contextual explanations. Nonprofit and Voluntary Sector
Quarterly, 41(1), 58-81.
Hagen, C., & Vogel, C. (2012). Freiwilliges und generationenübergreifendes Engagement von
Frauen und Männern - Analysepotenziale und Weiterentwicklung des Deutschen
Freiwilligensurveys. Informationsdienst Altersfragen, 39(3), 3-9.
Hank, K., & Erlinghagen, M. (2010). Dynamics of Volunteering in Older Europeans. The
Gerontologist, 50(2), 170-178. doi: 10.1093/geront/gnp122.
92

Hank, K., & Stuck, S. (2008). Volunteer Work, Informal Help, and Care among the 50+ in Europe:
Further Evidence for ‘Linked’ Productive Activities at Older Ages. Social Science
Research, 37, 1280-1291.
Hartnuß, B., Olk, T., & Klein, A. (2011). Engagementpolitik. In: T. Olk & B. Hartnuß (Hrsg.)
Handbuch Bürgerschaftliches Engagement (S. 761-776). Weinheim: Beltz Juventa.
Lancee, B., & Radl, J. (2014). Volunteering over the life course. Social Forces, 93(2), 833-862.
Laubach, W., Schumacher, J., Mundt, A., & Brähler, E. (2000). Sozialschicht,
Lebenszufriedenheit und Gesundheitseinschätzung. Ergebnisse einer repräsentativen
Untersuchung der deutschen Bevölkerung. Sozial- und Präventivmedizin/Social and
Preventive Medicine, 45(1), 2-12. doi: 10.1007/bf01358994.
Mutchler, J. E., Burr, J. A., & Caro, F. G. (2003). From paid worker to volunteer: Leaving the paid
workforce and volunteering in later life. Social Forces, 81(4), 1267-1293.
Naumann, D., & Romeu Gordo, L. (2010). Gesellschaftliche Partizipation: Erwerbstätigkeit,
Ehrenamt und Bildung. In: A. Motel-Klingebiel, S. Wurm & C. Tesch-Römer (Hrsg.) Altern
im Wandel. Befunde des Deutschen Alterssurveys (DEAS) (S. 118-141). Stuttgart:
Kohlhammer.
Quaranta, M. (2015). Life Course, Gender, and Participation in Voluntary Organizations in Italy.
Voluntas: International Journal of Voluntary and Nonprofit Organizations, online first.
Ross, C. E., & Wu, C.-l. (1995). The Links Between Education and Health. American Sociological
Review, 60(5), 719-745. doi: 10.2307/2096319.
Sachße, C. (2011). Traditionslinien bürgerschaftlichen Engagements in Deutschland. In: T. Olk &
B. Hartnuß (Hrsg.) Handbuch Bürgerschaftliches Engagement. Weinheim: Juventa.
Scherger, S., Nazroo, J., & Higgs, P. (2011). Leisure activities and retirement: do structures of
inequality change in old age? Ageing & Society, 31, 146-172. doi:
10.1017/S0144686X10000577
Simonson, J., Hagen, C., Vogel, C., & Motel-Klingebiel, A. (2013). Ungleichheit sozialer Teilhabe
im Alter. Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie, 46(5), 410-416.
van Dyk, S. (2009). Das Alter: adressiert, aktiviert, diskriminiert. Berliner Journal für Soziologie,
19(4), 601-625. doi: 10.1007/s11609-009-0114-z.
van Willigen, M. (2000). Differential Benefits of Volunteering Across the Life Course. The Journals
of Gerontology Series B: Psychological Sciences and Social Sciences, 55(5), S308-S318.
doi: 10.1093/geronb/55.5.S308.
von Rosenbladt, B. (2000). Volunteering in Germany: Results of the 1999 representative survey
on volunteering and civic engagement.: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen
und Jugend & Robert Bosch Stiftung.
Warner, L. M., Wolff, J. K., Ziegelmann, J. P., & Wurm, S. (2014). A randomized controlled trial to
promote volunteering in older adults. Psychology and aging, 29(4), 757.
Wilson, J. (2000). Volunteering. Annual Review of Sociology, 26, 215-240.
Wilson, J., & Musick, M. (1997). Who cares? Toward an integrated theory of volunteer work.
American Sociological Review, 62(5), 694-713.
Windsor, T. D., Anstey, K. J., & Rodgers, B. (2008). Volunteering and Psychological Well-Being
Among Young-Old Adults: How Much Is Too Much? The Gerontologist, 48, 59-70.
World Health Organization (2002). Active Ageing: A Policy Framework. Genf: World Health
Organization.
Zimmer, A., & Rauschenbach, T. (2011). Bürgerschaftliches Engagement unter Druck? Eine
Einleitung. In: A. Zimmer & T. Rauschenbach (Hrsg.) Bürgerschaftliches Engagement
unter Druck? Analysen und Befunde aus den Bereichen Soziales, Kultur und Sport (S.
11-28). Opladen: Budrich.

93

94
	

6 Einkommen und Armut in Deutschland:
Objektive Einkommenssituation und deren
subjektive Bewertung
Constanze Lejeune, Laura Romeu Gordo & Julia Simonson

Kernaussagen
Das durchschnittliche Einkommen ist zwischen 1996 und 2014 stetig gestiegen,

es bestehen aber weiterhin deutliche Unterschiede zwischen Ost- und 

Westdeutschland: Das reale Einkommen ist unter Berücksichtigung der
	
Preisentwicklung allerdings relativ stabil geblieben. Die Einkommensentwicklung ist 

seit 1996 für Ost- und Westdeutschland ähnlich. Allerdings liegt das Einkommen in 

Ostdeutschland in allen Befragungsjahren unter dem Niveau Westdeutschlands.
	
Das durchschnittliche Einkommen ist zwischen 1996 und 2014 am stärksten für 

die 60- bis 65-Jährigen gestiegen: Das durchschnittliche Einkommen steigt für alle 

Altersgruppen. Allerdings ist der Anstieg für die 60- bis 65-Jährigen am deutlichsten.
	
So, steigt das durchschnittliche Einkommen für diese Altersgruppe um 77 Prozent und 

für die anderen Altersgruppen um deutlich weniger als 60 Prozent. Ursache ist
	
vermutlich der Anstieg der Erwerbsbeteiligung in dieser Altersgruppe im gleichen 

Zeitraum.
	
Die Bildungsungleichheit bei den Einkommen nimmt zwischen 1996 und 2014 

zu: Da die Einkommen der Hochgebildeten stärker gestiegen sind als die der
	
Niedriggebildeten, kommt es zu einer Zunahme der Bildungsungleichheit. Auch die 

Armutsquote unterscheidet sich zwischen den Bildungsgruppen: Ein Drittel der
	
Personen zwischen 40 und 85 Jahren mit niedrigem Bildungsniveau ist im Jahr 2014 

armutsgefährdet. Diese Quote ist seit 1996 stark gestiegen (von 22,2 Prozent auf 34,8 

Prozent), während sie für die Hochgebildeten stabil geblieben ist.
	
Ältere Menschen sind im Vergleich zu anderen Altersgruppen nicht

überdurchschnittlich von Armut gefährdet: In Ostdeutschland sind die 

Armutsquoten der Personen zwischen 70 und 85 (mit 13 Prozent) sogar signifikant
	
niedriger als die Armutsquoten der jüngeren Altersgruppen.
	
Die Einschätzung der eigenen finanziellen Situation unterscheidet sich zwischen 

den Bildungsgruppen: Menschen mit niedriger Bildung empfinden sich häufiger auch 

dann nicht als arm, wenn sie unter die objektive Armutsgrenze fallen. Hochgebildete 

hingegen empfinden ihr Einkommen häufiger auch dann nicht als ausreichend, wenn 

es über der objektiven Armutsgrenze liegt.
	

95

6.1

Einleitung

Die materielle Lage ist von entscheidender Bedeutung für die Lebenssituation im Alter. Ein
ausreichendes Einkommen ist eine grundlegende Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe
und Integration aller – und damit auch älterer – Menschen. Aus wirtschaftlicher und
sozialpolitischer Sicht ist es von hoher Bedeutung, wie die materielle Lage in der Population
älterer Menschen verteilt ist und wie sich diese Verteilung entwickelt hat. Hat sich die materielle
Lage älterer Menschen in den letzten Jahren verbessert oder verschlechtert? Gibt es bestimmte
gesellschaftliche Gruppen, bei denen ein besonderer materieller Bedarf festzustellen ist? Im
vorliegenden Kapitel steht das Einkommen älterer Menschen im Mittelpunkt (das darauffolgende
Kapitel 7 ist dem Thema Vermögen gewidmet). Von besonderer Bedeutung bei der Betrachtung
der materiellen Lage ist das Vorliegen von Armut im Alter: Lebt ein älterer Mensch in Armut, ist es
wenig wahrscheinlich, dass er sich aus eigener Kraft aus dieser Situation befreien kann. Daher
wird die Verteilung und Entwicklung von Altersarmut in diesem Kapitel eingehend betrachtet.
Zudem ist die Frage, ob die materielle Lage in unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen
unterschiedlich verteilt ist, für die Sozialpolitik von besonderer Bedeutung, weil Maßnahmen zur
Überwindung dieser Ungleichheit und Armut für unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen
verschieden ausfallen müssen. Daher werden im Folgenden Frauen und Männer, Menschen in
Ost- und Westdeutschland sowie Menschen, die unterschiedlichen Bildungsgruppen angehören,
im Vergleich betrachtet.
Das Einkommen setzt sich aus den Einnahmen zusammen, die eine Person in regelmäßigen
Abständen erhält, etwa in Form der Entlohnung einer Arbeit oder in Form von Rentenbezügen.
Die Quellen (und die Höhe) des Einkommens verändern sich im Lebensverlauf. Im Erwerbsalter
ist die Hauptquelle des regelmäßigen Einkommens das Erwerbseinkommen. Dagegen setzt sich
das Einkommen im Ruhestandsalter überwiegend aus Renteneinkünften (insbesondere der
Gesetzlichen Rentenversicherung) zusammen und liegt meist unter dem vormaligen
Einkommensniveau aus Erwerbseinkünften. Es ist für verschiedene Seiten von Interesse, wie
hoch das Einkommensniveau der Personen im Rentenbezug ist und wie es sich im Zeitvergleich
gewandelt hat. Auf der wirtschaftlichen Seite ist das Einkommen ein wichtiger
Konsumdeterminant. Schließlich ist die Kenntnis der Einkommensverteilung zwischen den
verschiedene Gruppen als Basis für die Sozialpolitik von besonderer Bedeutung. Das verfügbare
Einkommen ist in Deutschland insgesamt seit Anfang der 2000er Jahre stetig gestiegen.
Allerdings erfolgt dieser Anstieg nicht für alle Einkommensgruppen gleichermaßen. Am meisten
haben höhere Einkommensgruppen von der Steigerung profitiert, sodass die Ungleichheit in der
Gesamtbevölkerung in dieser Periode angestiegen ist (Goebel, Grabka, & Schröder 2015).
Ein in der politischen und wissenschaftlichen Diskussion zunehmend relevantes Thema ist das
der Altersarmut. Während absolute Armut die mangelnde Befriedigung von Grundbedürfnissen
ist, wird ‚relative Armut‘ als Mangel im Vergleich zu gesellschaftlich festgelegten
Einkommensgrenzen definiert. Die (relative) Armutsgrenze liegt in Deutschland bei 60 Prozent
des mittleren Nettoäquivalenzeinkommens. Obwohl ältere Menschen im Vergleich zu anderen
gesellschaftlichen Gruppen auch heute noch nicht überdurchschnittlich von Armut gefährdet sind
(Vogel & Künemund 2014), ist mit einem Anstieg der Armutsgefährdung für Personen im
Rentenbezug zu rechnen. Das zeigt sich vor allem daran, dass die geburtenstarken Jahrgänge
(Babyboomer) erst noch in den Rentenbezug kommen und sich bei ihnen durch diskontinuierliche
Erwerbsverläufe bereits jetzt ein erhöhtes Risiko zukünftiger Altersarmut abzeichnet (Simonson
2013; Simonson, Kelle, Romeu Gordo, Grabka, Rasner, & Westermeier 2012). Besonders stark
davon betroffen sind alleinlebende Frauen im Rentenalter, da sich ihre Lebensverläufe durch
96

brüchige Erwerbsverläufe und niedrige Einkommensniveaus auszeichnen und ihre niedrigen
Renteneinkommen im Fall der Verwitwung im Alter nicht mehr durch einen Partner aufgefangen
werden können (Groh-Samberg 2009). Insbesondere bei der Betrachtung von Altersarmut ist
daher der Vergleich zwischen Geschlechtern wichtig, da sich unterschiedliche typische
Erwerbsverläufe in einem erhöhten Armutsrisiko für Frauen kumulieren. Allerdings zeichnet sich
ab, dass zukünftig auch Männer aufgrund von diskontinuierlichen Erwerbsverläufen ein erhöhtes
Risiko der Altersarmut aufweisen werden (Simonson et al. 2012). Dieser Befund gilt
insbesondere für Ostdeutschland. Dort ist die Armutsquote in der Gesamtbevölkerung fast
doppelt so hoch wie in Westdeutschland (Grabka, Goebel, & Schupp 2012). Auch in
Rentnerhaushalten liegt die Armutsquote in Ostdeutschland, je nach Berechnungsgrundlage,
deutlich über dem Niveau in Westdeutschland (Noll & Weick 2013; Zhu, Weißenborn, & Buscher
2011).
Neben objektiven Armutsindikatoren sind in der Diskussion über Altersarmut auch subjektive
Indikatoren von Relevanz. Die subjektive Bewertung der eigenen Einkommensposition kann
manchmal sogar wichtiger sein als der Sachverhalt an sich. Denn die Wahrnehmung von sozialer
Ungleichheit und eingeschränkten Handlungsoptionen bestimmt das Verhalten von Menschen
häufig stärker als der universelle Vergleich mit allen anderen Gesellschaftsmitgliedern, dem
objektive Messungen relativer Armut zugrunde liegen. Dabei kann es zu bedeutsamen
Abweichungen zwischen objektiv und subjektiv gemessener Armut kommen: Wenn sich
Menschen, die objektiv als arm zu bezeichnen sind, sich selbst nicht als arm einschätzen, liegt
eine subjektive Unterschätzung der eigenen Bedürftigkeit vor. Schröder (2013) zeigt, dass der
Anteil der Bevölkerung, der einschätzt, dass ihr Haushaltseinkommen deutlich unter dem nach
eigenem Maßstab, notwendigen Mindestniveau liegt, niedriger ist als der Anteil der Personen, die
als ‚relativ arm‘ gelten, da ihr Haushaltseinkommen weniger als 60 Prozent des Medians der
Gesamtbevölkerung beträgt. Die subjektiv empfundene Armut ist in Deutschland demnach
weniger ausgeprägt als die (relative) objektive Armut. Das nach eigener Einschätzung zum Leben
mindestens notwendige Einkommen kann nach der jeweiligen Lebenslage variieren. Von
besonderem Interesse ist daher, diese subjektive Bedarfswahrnehmung nach Lebenssituation
differenziert zu untersuchen.
Im vorliegenden Kapitel wird die Entwicklung der Einkommen sowie der objektiven und
subjektiven Armut von Personen im Alter ab 40 Jahren im Hinblick auf Alters-, Regions- und
Bildungsunterschiede betrachtet.
Es werden die folgenden Fragen untersucht:
1.		 Wie verteilt sich das durchschnittliche monatliche Haushaltseinkommen und wie hat sich
diese Verteilung seit 1996 gewandelt? Welche Unterschiede zwischen gesellschaftlichen
Gruppen sind zu finden?
2.		 Wie verteilt sich Armut in der zweiten Lebenshälfte und wie hat sich diese Verteilung seit
1996 gewandelt? Welche Unterschiede zwischen gesellschaftlichen Gruppen sind zu
finden?
3.		 Unterscheiden sich objektive von subjektiven Armutsquoten? Welche Unterschiede
zwischen gesellschaftlichen Gruppen sind zu finden?

97

6.2

Datengrundlage

Daten. Als Datengrundlage dienen die Informationen von allen 40- bis 85-jährigen Befragten der
Basisstichproben 1996, 2002, 2008 und 2014 des Deutschen Alterssurveys (DEAS), die am
mündlichen Interview teilgenommen haben.
Einkommen. Die hauptsächlich genutzte Haushaltseinkommen-Variable setzt sich aus der
Summe der von allen Mitgliedern eines Haushaltes erzielten persönlichen Nettoeinkommen und
der nicht differenziert einzelnen Mitgliedern zuzurechnenden Einkommenskomponenten
zusammen. Das Einkommen der Befragten wird im mündlichen Interview erfasst. In der
schriftlichen Erhebung des DEAS wird auch die Zusammensetzung des Haushaltseinkommens
erfragt. Diese Information wird verwendet, um fehlende Angaben aus dem mündlichen Interview
zu ergänzen. Es erfolgt eine Äquivalenzgewichtung des Einkommens auf Basis der Angaben zur
Haushaltszusammensetzung um die Bedarfe unterschiedlicher Haushaltstypen zu
berücksichtigen. Die Summe aller Einkünfte wird nicht durch die einfache Anzahl der Mitglieder
eines Haushalts, sondern durch eine gewichtete Summe der Mitglieder der Bedarfsgemeinschaft
geteilt (Statistisches Bundesamt 2015b). Für die Berechnung der Äquivalenzeinkommen wird die
neue OECD-Skala verwendet, bei welcher der Hauptbezieher beziehungsweise die
Hauptbezieherin des Einkommens mit dem Faktor 1,0 in die Gewichtung eingeht, Mitglieder der
Bedarfsgemeinschaft im Alter von 14 und mehr Jahren mit 0,5 und die restlichen Mitglieder mit
0,3. Für die Angaben zum preisbereinigten Einkommen dient das Jahr 1996 als Referenz, das
heißt, die Ergebnisse werden in Preisen von 1996 ausgedrückt. Damit kann die Entwicklung des
Einkommens unter Berücksichtigung der Preisentwicklung zwischen den Erhebungsjahren
beobachtet werden.
Objektive Armut. Als objektiver Armutsindikator wird die relative Einkommensarmut verwendet.
Armut liegt nach dieser Definition dann vor, wenn eine Person weniger als 60 Prozent des
gesellschaftlichen Medianeinkommens zur Verfügung hat. Wir berichten über den Anteil der
Population, der sich unter diese Grenze befindet1. Die Ermittlung der Armutsgrenze erfolgt auf
Basis des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP), das auf einer repräsentativen Stichprobe der
Gesamtbevölkerung basiert.
Ungleichheit: Als Ungleichheitsmaß werden Gini-Koeffizienten berechnet. Der Gini-Koeffizient ist
ein Maß zur Quantifizierung der relativen Konzentration einer Einkommensverteilung. Im Falle
der maximalen Gleichverteilung der Einkommen (d. h. jede Person bezieht exakt das
Durchschnittseinkommen der betrachteten Grundgesamtheit) nimmt der Gini-Koeffizient den Wert
Null an, während er bei einer maximal ungleichen Einkommensverteilung (d.h. eine einzige
Person bezieht das komplette Einkommen der betrachteten Grundgesamtheit für sich alleine) den
Wert Eins annimmt.
Subjektive Armut. Neben der objektiven Armutsgrenze gibt es das Konzept der subjektiven
Armutsgrenzen (‚social subjective poverty line‘). Diese subjektive Armutsgrenze wird ermittelt,
indem der Betrag abgefragt wird, den die Befragten als niedrigstes Nettoeinkommen angeben,
mit dem ihr Haushalt finanziell zurechtkäme. Diese subjektive Armutsgrenze wird genutzt, um
eine Betroffenheit von Armut anhand der objektiven Armutsgrenze mit der subjektiven
Wahrnehmung zu vergleichen (Ravallion 2012).
Gruppierungsvariablen. Zur Prüfung von Altersunterschieden wurden – analog zur Schichtung
der Stichprobe – drei Altersgruppen verwendet: 40 bis 54 Jahre, 55 bis 69 Jahre und 70 bis 85
1

In der amtlichen Statistik wird diese Quote in der Regel als Armutsgefährdungsquote bezeichnet.

98

Jahre. Altersunterschiede im Wandel wurden anhand von Sechs-Jahres-Altersgruppen
untersucht, um Überschneidungen zwischen Erhebungszeitpunkten und Altersgruppen zu
vermeiden (42 bis 47 Jahre, 48 bis 53 Jahre, 54 bis 59 Jahre, 60 bis 65 Jahre, 66 bis 71 Jahre,
72 bis 77 Jahre, 78 bis 83 Jahre).
Weiterhin wurden Geschlechterunterschiede und Regionsunterschiede (Ost-/Westdeutschland)
untersucht.
Zur Untersuchung von Bildungsunterschieden wurden – basierend auf einer reduzierten ISCEDKlassifizierung – drei Bildungsgruppen unterschieden: Personen mit niedriger, mittlere und hoher
Bildung (vgl. Kapitel 2).
Analyse. In den Abbildungen und im Text sind gewichtete prozentuale Verteilungen angegeben.
Um Unterschiede zwischen Gruppen und/oder Jahren auf statistische Signifikanz (p < ,05) zu
testen, wurden in Abhängigkeit vom Skalenniveau logistische Regressionen oder
Kovarianzanalysen berechnet, wobei für die Stratifizierungsvariablen Altersgruppe, Geschlecht
und Region (Ost-/Westdeutschland) kontrolliert wurde. Das genaue Vorgehen ist in Kapitel 2
beschrieben.

6.3

Entwicklung der monatlichen Haushaltseinkommen im Zeitvergleich

Einkommen zusammen mit Vermögen (vgl. Kapitel 7) sind ein wesentlicher Aspekt der
materiellen Ressourcen im Alter. Im Folgenden wird untersucht, wie sich das verfügbare
Einkommen für Menschen zwischen 40 und 85 Jahren seit 1996 entwickelt hat und ob es dabei
Unterschiede zwischen verschiedenen Personengruppen gibt.
Das durchschnittliche Einkommen ist zwischen 1996 und 2014 stetig gestiegen, es
bestehen aber weiterhin deutliche Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland.
Das durchschnittliche Nettoäquivalenzeinkommen der Menschen ab 40 Jahren in Deutschland im
Jahr 2014 beträgt 1.922 Euro (vgl. Tabelle A 6-1 im Anhang). Dieser Wert ist leicht höher als der
Gesamtpopulationsdurchschnitt von 1.872 Euro (Statistisches Bundesamt 2015b; Wert für 2013).
Darüber hinaus ist dieser Betrag seit 1996 stetig gestiegen: Im Jahr 1996 lag das
durchschnittliche Nettoäquivalenzeinkommen bei 1.283 Euro, 2002 bei 1.527 Euro und 2008 bei
1.684 Euro. Bei Berücksichtigung der Preisentwicklung relativiert sich die steigende Tendenz.
Besonders zwischen 2002 und 2014 ist das durchschnittliche reale Einkommen kaum, das heißt
um lediglich circa fünf Prozent (von 1.407 Euro auf 1.471 Euro), gestiegen (vgl. Tabelle A 6-2 im
Anhang). Auch Goebel et al. (2015) berichten einen Anstieg von fünf Prozent für die gesamte
Population zwischen 2000 und 2012. Das heißt, obwohl das Einkommen seit 1996 gestiegen ist,
ist die Kaufkraft aufgrund der Preisentwicklung relativ stabil geblieben.
Um die Entwicklungen für verschiedene Gruppen zu verdeutlichen, werden im Folgenden die
Veränderungen der Einkommen in Relation zum gruppenspezifischen durchschnittlichen
Einkommen des Jahres 1996 dargestellt.
In Abbildung 6-1 ist dargestellt, wie die Nettoäquivalenzeinkommen über die Erhebungsjahre
steigen. Diese Entwicklung ist sowohl für Frauen als auch für Männer zu beobachten, für die das
Nettoäquivalenzeinkommen seit 1996 jeweils signifikant steigt. Allerdings ist die Steigerung bei
Männern etwas ausgeprägter als bei Frauen. Das durchschnittliche Nettoäquivalenzeinkommen
für Männer im Jahr 2014 beträgt 2.015 Euro und für Frauen 1.831 Euro.
99

Zudem lässt sich eine ähnliche Einkommensentwicklung für Ost und Westdeutschland
beobachten. Allerdings liegt das Einkommen in Ostdeutschland in allen Befragungsjahren unter
dem Niveau Westdeutschlands. Im Jahr 2014 liegt das durchschnittliche Einkommen in
Westdeutschland bei 2.013 Euro, in Ostdeutschland bei 1.525 Euro.

Abbildung 6-1:	

18

Gesamt

19

Männer

18

Frauen

17

West

20

Ost

0

Prozentuale Zunahme der mittleren Äquivalenzeinkommen seit 1996
gesamt, nach Geschlecht und Landesteil, in den Jahren 2002, 2008
und 2014 (in Prozent)
30

50

32

50

28

2002
2008
2014

49

31

49

27

49

20

40

60

80

Prozent
Quelle: DEAS 1996 (n = 4.275), 2002 (n = 2.686), 2008 (n = 5.445), 2014 (n = 5.400), gewichtet, gerundete Angaben; (p < ,05).
Referenzjahr ist 1996 (=0). Zuwächse zwischen 1996 und 2014 für Gesamt, beide Geschlechter und Landesteile signifikant.

Das durchschnittliche Einkommen ist zwischen 1996 und 2014 am stärksten für die 60- bis
65-Jährigen gestiegen.
Betrachtet man die Einkommensentwicklung nach Altersgruppen (Abbildung 6-2), erkennt man
den gleichen Trend für alle Altersgruppen: Das Nettoäquivalenzeinkommen steigt über die
Erhebungsjahre an. Allerdings sind Unterschiede bei dieser Entwicklung zwischen den
Altersgruppen zu beobachten. So ist der Anstieg des Einkommens in der Altersgruppe der 60- bis
65-Jährigen höher als in allen anderen Altersgruppen (jünger und älter). Eine mögliche Erklärung
könnte der starke Anstieg der Erwerbspartizipation von Personen zwischen 60 und 65 Jahren seit
1996 sein (vgl. Kapitel 3), sodass diese Gruppe öfter ein Erwerbseinkommen als
Hauptverdienstquelle angibt, das in der Regel höher ausfällt als die Rente. Allgemein ist zu
beobachten, dass das durchschnittliche Einkommen für Personen im Erwerbsalter höher ist, als
für Personen im Rentenalter. So beträgt das durchschnittliche Einkommen im Jahr 2014 für
Personen, die jünger als 65 Jahre sind, 2.022 Euro und für Personen im Alter von 65 Jahren alt
oder älter 1.738 Euro (ohne Abbildung).

100

Abbildung 6-2:

Entwicklung der mittleren Äquivalenzeinkommen seit 1996 (=0), nach
Alter, in den Jahren 2002, 2008 und 2014 (in Prozent)

13

42-47
Jahre

20
36
15

48-53
Jahre

19
43
29

54-59
Jahre

41
57
30

60-65
Jahre

2002
2008
2014

43
77

66-71
Jahre

18

72-77
Jahre

17

78-83
Jahre

18

41
55

33
48

28
42

0

20

40

60

80

Prozent
Quelle: DEAS 1996 (n = 4.009), 2002 (n = 2.546), 2008 (n = 5.184), 2014 (n = 5.179), gewichtet, gerundete Angaben; (p < ,05).
Signifikante Zuwächse zwischen 1996 und 2014 für alle Altersgruppen. Interaktion zwischen Erhebungswelle und Altersgruppe
signifikant. Deutlichere Zuwächse zwischen 1996 und 2014 für die Altersgruppe 60 bis 65 Jahre.

Die Bildungsungleichheit bei den Einkommen nimmt zwischen 1996 und 2014 zu.
Die steigende Entwicklung der Einkommen seit 1996 ist für alle Bildungsgruppen zu beobachten
(Abbildung 6-3). Allerdings ist der Anstieg bei Personen mit höherer Bildung am stärksten. Für
Personen mit hoher Bildung hat sich das durchschnittliche Einkommen von 1.597 Euro im Jahr
1996 auf 2.427 Euro im Jahr 2014 erhöht. Die Einkommen von Personen mit niedriger Bildung
sind am wenigsten gestiegen (von 959 Euro im Jahr 1996 auf 1.169 Euro im Jahr 2014). Bei
Berücksichtigung der Preisentwicklung kann festgestellt werden, dass die Realeinkommen für
Personen mit niedriger Bildung seit 2002 sogar gesunken sind. Dies bedeutet, dass
Einkommensunterschiede zwischen den Bildungsgruppen seit 1996 steigen und dadurch 2014
mehr Ungleichheit zwischen den Gruppen zu beobachten ist.

101

Abbildung 6-3:

Entwicklung der mittleren Äquivalenzeinkommen seit 1996 (=0), nach
Bildung, in den Jahren 2002, 2008 und 2014 (in Prozent)

19

Niedrige
Bildung

21
24

14

Mittlere
Bildung

2002
2008
2014

20
34

22

Hohe
Bildung

35
54

0

20

40

60

80

Prozent
Quelle: DEAS 1996 (n = 4.275), 2002 (n = 2.686), 2008 (n = 5.445), 2014 (n = 5.400), gewichtet, gerundete Angaben; (p < ,05).
Signifikante Zuwächse zwischen 1996 und 2014 für alle Bildungsgruppen. Interaktion zwischen Erhebungsjahr und Bildung
signifikant. Deutlichere Zuwächse zwischen 1996 und 2014 für hohe Bildung.

Um die steigende Ungleichheit genauer zu analysieren, wurde der sogenannte Gini-Koeffizient
berechnet. Zu beobachten ist ein leichter Anstieg des Gini-Koeffizienten zwischen 1996 und 2014
(von 0,27 auf 0,30). Der stärkste Anstieg findet zwischen 2002 und 2008 statt. Zwischen 2008
und 2014 bleibt er unverändert. Dies bedeutet, dass die Ungleichheit der Einkommen von
Menschen in der zweiten Lebenshälfte in Deutschland seit 1996 zugenommen hat, auch wenn
sie in den letzten Jahren relativ stabil geblieben ist. Diese Entwicklung wird auch in anderen
Studien beschrieben (zum Beispiel Goebel et al. 2015).
Insgesamt zeigt sich bei der Betrachtung der Einkommen, dass weiterhin starke Unterschiede
zwischen den Geschlechtern sowie zwischen Ost- und Westdeutschland bestehen. Betrachtet
man die Einkommen nach verschiedenen Altersgruppen, lässt sich eine relative Verbesserung
der Personen zwischen 60 und 65 beobachten, vermutlich durch die steigende
Ewerbspartizipation der Personen in dieser Altersgruppe.
Des Weiteren zeigt sich bei Personen mit hoher Bildung ein höherer Anstieg in den Einkommen
als bei Personen mit niedrigerer Bildung. Dadurch werden die Unterschiede zwischen den
Bildungsgruppen größer. Diese Zunahme der Ungleichheit spiegelt sich auch im GiniKoeffizienten wider, der zwischen 1996 und 2014 leicht gestiegen ist.

6.4

Entwicklung der objektiven Armutsquoten

Um die Ungleichheit von Einkommen bewerten zu können, ist die zusätzliche Betrachtung von
Armut notwendig. Diese zeigt an, ob Haushalte unter einem bestimmten Einkommensniveau im
Vergleich zur Gesamtbevölkerung leben. Bei der Betrachtung von Armut wird deutlich, dass eine
ausreichende finanzielle Ausstattung zur sozialen Teilhabe in der Gesellschaft notwendig ist und
ein zu geringes Einkommen diese Teilhabe verhindert oder zumindest erschwert.
102

Die Armutsquote der Menschen in der zweiten Lebenshälfte ist seit 1996 signifikant von
9,7 Prozent auf 12,3 Prozent gestiegen (Abbildung 6-4). Diese Anteile liegen leicht unter den
Armutsquoten der amtlichen Statistik, die auf Mikrozensus-Basis berechnet werden: Hier liegen
die Quoten im Jahr 2014 für die 50- bis unter 65-Jährigen bei 13,0 Prozent und für die Personen
ab 65 Jahren bei 14,4 Prozent (Statistische Ämter des Bundes und der Länder 2015). Werden die
Armutsquoten für diese Altersgruppen mit DEAS-Daten berechnen, liegen die Quoten für die
50- bis unter 65-Jährigen bei 12,5 und für Personen ab 65 Jahren bei 12,7 Prozent. Das heißt,
die Abweichung zur amtlichen Statistik ist bei höheren Altersgruppen größer. Das könnte an
Selektionseffekten bei älteren Befragten im DEAS liegen. Der bedeutsame Anstieg der
Armutsquoten findet zwischen 1996 und 2008 statt, zwischen 2008 und 2014 ist der Anstieg nicht
signifikant.
Für Frauen und Männer ist im Blick auf Armut eine ähnliche Entwicklung zu beobachten, wobei
die Armutsquoten der Frauen höher sind als die der Männer. Im Jahr 2014 verfügen 13,6 Prozent
der Frauen ab 40 Jahren über weniger als 60 Prozent des gesellschaftlichen
Medianeinkommens. Für Männer ist dies für nur 10,8 Prozent der Fall.
Auch bei der Armutsquote gibt es einen signifikanten Unterschied zwischen West- und
Ostdeutschland: Die ostdeutsche Armutsquote liegt in allen Jahren über der Westdeutschlands.
Bei 17,5 Prozent der Ostdeutschen ab 40 Jahren liegt das Einkommen im Jahr 2014 unter der
Armutsgrenze, während dies nur für 11,0 Prozent der Westdeutschen der Fall ist. In beiden
Regionen sind die Armutsquoten seit 1996 gestiegen. In Ostdeutschland ist ein starker Anstieg
zwischen 1996 und 2008 zu beobachten. Zwischen 2008 und 2014 stagniert die Armutsquote für
Ostdeutschland auf hohem Niveau. In Westdeutschland ist der Anstieg zwischen 1996 und 2008
nicht signifikant. Zwischen 2008 und 2014 ist hier jedoch ein signifikanter Anstieg von 9,2 Prozent
auf 11,0 Prozent festzustellen.

Abbildung 6-4:	
1996

Entwicklung der Armutsquoten, gesamt, nach Geschlecht und
Landesteil, in den Jahren 1996, 2002, 2008 und 2014 (in Prozent)
2002

2008

2014

40

Prozent

30

20

10
12,3
9,7 8,5 10,8

7,5 7,5

11,8
11,8
9,7 10,8
9,4

13,6

8,9 7,1

9,2

11,0

12,9 13,8

17,8 17,5

0
Gesamt

Männer

Frauen		

West

Ost

Quelle: DEAS 1996 (n = 4.275), 2002 (n = 2.686), 2008 (n = 5.445), 2014 (n = 5.400), gewichtet, gerundete Angaben; (p < ,05).
Zuwächse zwischen 1996 und 2014 für Gesamt, beide Geschlechter und Landesteile signifikant.

103

Ältere Menschen sind im Vergleich zu anderen Altersgruppen nicht überdurchschnittlich
von Armut gefährdet.
Betrachtet man die Armutsquoten nach Altersgruppen, ist zu erkennen, dass ältere Menschen
(ab 70 Jahren) im Vergleich zu anderen Altersgruppen nicht überdurchschnittlich von Armut
betroffen sind. In Ostdeutschland sind die Armutsquoten der Personen zwischen 70 und 85
Jahren sogar signifikant niedriger als die Armutsquoten der jüngeren Altersgruppen (vgl. Tabelle
A 6-3 im Anhang). Diese Befunde stehen in Einklang mit Ergebnissen auf Mikrozensus-Basis, in
denen die Armutsquote für die Gesamtbevölkerung bei 15,4 Prozent liegt und für Personen über
65 Jahren 14,4 Prozent beträgt (Statistische Ämter des Bundes und der Länder 2015). Darüber
hinaus ist die Entwicklung der Armutsquoten innerhalb der Altersgruppen ähnlich, sodass sich die
relative Position Älterer mit der Zeit nicht verschlechtert hat.
Größere Differenzen in der Entwicklung der Armutsquoten sind zwischen verschiedenen
Bildungsgruppen zu beobachten (Abbildung 6-5). Die Armutsquote für Personen mit hoher
Bildung ist im Jahr 2014 mit 4,5 Prozent im Vergleich zu niedriggebildeten Personen sehr niedrig.
Bei den Niedriggebildeten liegen 34,8 Prozent unter der Armutsgrenze. Darüber hinaus hat sich
die Armutsquote für Personen mit hoher Bildung seit 1996 nicht signifikant verändert.
Demgegenüber ist die Armutsquote der niedriggebildeten Personen in dieser Periode sehr stark,
um 12,6 Prozentpunkte (von 22,2 auf 34,8 Prozent), angestiegen. Dieses Ergebnis bestätigt die
steigende Ungleichheit zwischen den Bildungsgruppen, die bereits in der Analyse der
Entwicklung der durchschnittlichen Einkommen zu sehen war.

Abbildung 6-5:	

Entwicklung der Armutsquoten, nach Bildung, in den Jahren 1996,
2002, 2008 und 2014 (in Prozent)
2002

1996

2008

2014

40

Prozent

30

20
34,8

10

22,2

26,4
18,1
8,6

8,9

11,4

14,0
3,6

0
Niedrige
Bildung

Mittlere
Bildung

3,1

4,6

4,5

Hohe
Bildung

Quelle: DEAS 1996 (n = 4.270), 2002 (n = 2.686), 2008 (n = 5.445) und 2014 (n = 5.399), gewichtet, gerundete Angaben;
	
(p < ,05). 

Signifikante Unterschiede zwischen 1996 und 2014 nur für niedrige und mittlere Bildung.
	

6.5

Subjektive Armut und ihr Zusammenhang mit objektiver Armut

Seit 2014 wird im DEAS durch einen weiteren Indikator Armut gemessen. Dabei wird nach einem
Mindesteinkommen gefragt, um finanziell zurecht zu kommen. Es wird also eine subjektive
104

Einkommensgrenze erhoben, unter der man finanziell zu schlecht gestellt ist, um in Deutschland
gesellschaftlich teilhaben zu können. Die subjektive Armutsquote umfasst diejenigen, deren
Einkommen unterhalb dem liegt, was sie laut eigener Angabe benötigen.
Im Folgenden werden die subjektiven Armutsquoten für unterschiedliche Bevölkerungsgruppen
betrachtet und mit den objektiven Armutsquoten verglichen. Auf diese Weise kann geprüft
werden, ob es mehr Personen gibt, die sich subjektiv arm fühlen, weil sie nicht genug Geld
haben, um finanziell ‚über die Runden zu kommen‘, als Personen, die nach dem Standard der
objektiven Armutsdefinition als arm klassifiziert werden. Darüber hinaus wird untersucht, ob es
diesbezüglich einen Effekt im Hinblick auf Alter, Geschlecht, Bildung oder Region gibt.
In Abbildung 6-6 werden die subjektiven Armutsquoten für 2014 dargestellt. Die subjektive
Armutsquote aller Menschen in der zweiten Lebenshälfte beträgt 15,0 Prozent. Das bedeutet,
dass 15,0 Prozent der Menschen ab 40 Jahren einschätzen, dass ihre Einkommen nicht
ausreichen, um finanziell ‚über die Runden zu kommen‘. Diese Quote ist um fast drei
Prozentpunkte höher als die objektive Armutsquote von 12,3 Prozent.

Abbildung 6-6:	

Subjektive Armutsquoten, gesamt, nach Alter, Geschlecht, Bildung
und Landesteil, im Jahr 2014 (in Prozent)

40

Prozent

30

20

10

23,5
15,0

13,5

15,5

16,6

13,3

16,5

21,4

16,8
10,4

13,5

0
Gesamt

40-54
Jahre

55-69
Jahre

70-85
Jahre

Männer Frauen

Niedrige Mittlere Hohe
Bildung Bildung Bildung

West

Ost

Quelle: DEAS 2014 (n = 6.002), gewichtet, gerundete Angaben; (p < ,05). 

Altersunterschiede nur signifikant zwischen jüngster und ältester Altersgruppe. Signifikante Unterschiede für Geschlecht,
	
Bildung und Landesteil.
	

Bei den höheren Altersgruppen sind die subjektiven Armutsquoten höher als in den jüngeren
Altersgruppen, sodass ein signifikanter Unterschied zwischen der jüngsten und der ältesten
Altersgruppe zu finden ist. Im Vergleich dazu sind bei den objektiven Armutsquoten keine
signifikanten Unterschiede zwischen den Altersgruppen zu beobachten. Dieses Ergebnis zeigt,
dass die subjektive Wahrnehmung von Armut, das heißt, die Einschätzung, nicht ausreichend
finanziell ausgestattet zu sein, mit dem Alter variiert. Obwohl nach den objektiven
Armutsindikatoren die Ältesten (70 bis 85 Jahre) nicht schlechter gestellt sind als die Jüngsten
(40 bis 54 Jahre), entspricht ihr Einkommen häufiger nicht dem, was sie subjektiv benötigen, um
finanziell zurecht zu kommen. Das kann an Differenzen in der Ausgabenhöhe oder auch an der
Erwartung einer Ausgabensteigerung aufgrund von (zukünftiger) Pflegebedürftigkeit liegen.

105

Wir beobachten die gleichen Geschlechtereffekte bei der subjektiven Armut wie bei der
objektiven Armut. Frauen fühlen sich öfter arm als Männer und für beide Gruppen ist der Anteil
derer, die sich subjektiv arm fühlen, höher als die objektive Armutsquote. Im Hinblick auf
regionale Unterschiede sind, analog zur objektiven Armut, die subjektiven Armutsquoten höher in
Ost- als in Westdeutschland.
Die Einschätzung der eigenen finanziellen Situation unterscheidet sich zwischen
Bildungsgruppen.
Besonders interessant ist das Ergebnis für die Bildungsgruppen. Ähnlich wie bei den objektiven
Armutsquoten berichten niedriggebildete Personen häufiger als hochgebildete Personen,
subjektive Armut, das heißt, dass sie nicht genug Geld haben, um finanziell zurecht zu kommen
(Abbildung 6-7). Allerdings variieren die Differenzen zwischen objektiven und subjektiven
Armutsquoten zwischen den Bildungsgruppen. Während nach der objektiven Armutsdefinition nur
4,5 Prozent der hochgebildeten Personen arm sind, berichten 10,4 Prozent dieser
Bildungsgruppe, dass sie weniger Geld haben als sie für ihren Haushalt für erforderlich halten.
Bei den niedriggebildeten Personen ist das Gegenteil zu beobachten. So ist die subjektive
Armutsquote mit 23,5 Prozent niedriger als die objektive Armutsquote (34,8 Prozent). Dies
bedeutet, dass ein großer Teil der Personen, die objektiv als arm bezeichnet werden, sich selbst
nicht als arm einschätzt. Dies kann möglicherweise mit einer erheblichen Bewältigungsfähigkeit
und Resilienz dieser Gruppe erklärt werden, kann aber auch dazu führen, dass notwendige Hilfen
nicht in Anspruch genommen werden. Der gegenteilige Befund bei den höher gebildeten
Personen – die subjektive Armutsquote ist deutlich höher als die objektive – könnte damit erklärt
werden, dass sich die Erwartungen daran, was finanziell notwendig ist, um ‚über die Runden zu
kommen‘, zwischen den Bildungsgruppen unterscheidet. So können sich Personen mit höherer
Bildung und Einkommen öfter arm fühlen, wenn bestimmte Konsumerwartungen nicht erfüllt sind,
die von anderen Bildungsgruppen nicht als relevant betrachtet werden.

Abbildung 6-7:	

Subjektive und objektive Armutsquoten, nach Bildung, im Jahr 2014
(in Prozent)

40

Prozent

30
Objektive Armutsquote
Subjektive Armutsquote

20
34,8

10

23,5
14,0

16,8
10,4
4,5

0
Niedrige
Bildung

Mittlere
Bildung

Hohe
	
Bildung
	

Quelle: DEAS 2014 (n = 6.002), gewichtet, gerundete Angaben; (p < ,05).
Unterschiede signifikant zwischen die Bildungsgruppen.

106

6.6

Diskussion und Implikationen

In den letzten Dekaden hat sich der Blick auf die Lebensphase ‚Alter‘ deutlich geändert. Das Alter
wird zunehmend auch als Chance und nicht mehr nur als Phase des Verlustes begriffen. In der
soziologischen und psychologischen Forschung dominieren Begriffe wie das ,gelingende‘ und
,glückliche‘ Alter oder auch die ,gebenden‘, ,produktiven‘ und ,integrierten‘ Alten (Motel-Klingebiel
& Vogel 2013). Ein Grund für diese positiven Veränderungen der Sichtweise auf das Leben im
Alter sind auch die langfristigen Verbesserungen der materiellen Lage Älterer.
Im dritten Altenbericht der Bundesregierung im Jahr 2001 werden ausreichende materielle
Ressourcen als Voraussetzung für eine aktive Teilhabe und eine Erweiterung des
Interessenspektrums identifiziert (Deutscher Bundestag 2001). Die materiellen Voraussetzungen
für die gesellschaftliche Teilhabe sind allerdings nicht für alle Personengruppen gleichermaßen
gegeben. Insgesamt ist die Einkommensungleichheit in der zweiten Lebenshälfte im hier
beobachteten Zeitraum gestiegen, das heißt, die Voraussetzungen für ein aktives und integriertes
Leben im Alter sind zunehmend ungleich verteilt. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang
auch, dass sich hinsichtlich der Einkommen, aber auch hinsichtlich der Armutsquoten im
Zeitraum zwischen 1996 und 2014 keine Angleichung zwischen Ost- und Westdeutschland
erkennen lässt.
In den hier untersuchten Perioden sind ältere Menschen nicht überdurchschnittlich häufig von
Armut betroffen, jedoch ist zukünftig mit einem Anstieg der Armutsgefährdung für Personen im
Rentenbezug zu rechnen. Die sozialen Sicherungssysteme wurden seit Ende der 1990er Jahre
zurückgebaut. Im Gegenzug wird die private Vorsorge zunehmend wichtiger bei der Sicherung
des Lebensstandards im Alter. Darüber hinaus sind Erwerbsverläufe heute oft diskontinuierlicher
als früher, was sich voraussichtlich ebenfalls in zukünftig niedrigeren Alterseinkommen
niederschlagen wird.
Darüber hinaus gibt es Gruppen, die jetzt schon häufiger armutsgefährdet sind als andere.
Insbesondere Frauen sind stark von Altersarmut betroffen. Sie haben häufig zu geringe
Rentenanwartschaften aus eigener Erwerbstätigkeit erworben und können damit ihren
Lebensstandard im Alter nicht sichern. Fällt das Einkommen des Mannes weg oder hat dieser
auch selbst keine ausreichende Rente, leben sie vergleichsweise häufig in Armut. Durch die
steigende Erwerbspartizipation von Frauen werden sich ihre Rentenanwartschaften in der
Zukunft verbessern. Allerdings werden durch die steigende geringfügige und TeilzeitBeschäftigung besonders bei Frauen diese Zuwächse nur gering ausfallen und Unterschiede
zwischen den Geschlechtern weiterhin existieren.
Des Weiteren sind Personen in Ostdeutschland öfter armutsgefährdet als Personen in
Westdeutschland. Ungefähr ein Drittel der Personen mit niedriger Bildung ist ebenfalls
armutsgefährdet und der Abstand zwischen hoch- und niedriggebildeten Personen ist seit 2002
stark gestiegen.
Individuell betrachtet ist Altersarmut häufig eine Lebenssituation, die nicht aus eigener Kraft
verändert werden kann, da es keinen oder nur einen sehr eingeschränkten Zugang zum
Arbeitsmarkt gibt. Dies gilt in besonderem Maße für Personen, die sich bereits im
Ruhestandsalter befinden. Die subjektive Bewertung der eigenen Lebenssituation ergänzt die
Interpretation der Betroffenheit von Armut und erweitert das Verständnis für diese Lebenslage.
Die objektiven Befunde werden im Lichte der subjektiven Bewertung greifbarer und spiegeln die
Auswirkungen von Armut wider. Unsere Ergebnisse zeigen, dass wir in den Gruppen, die objektiv
107

häufiger von Armut gefährdet sind, auch höhere Anteile subjektiver Armut finden. Das trifft für
Frauen, Menschen in Ostdeutschland sowie für Personen mit niedriger Bildung zu. Dabei sind die
subjektiven Armutsquoten höher als die objektiven Armutsquoten (mit der Ausnahme von
niedriggebildeten Personen). Schließlich unterscheidet sich die Einschätzung der eigenen
finanziellen Situation deutlich zwischen Bildungsgruppen. Bei den unteren Bildungsgruppen gibt
es einen hohen Anteil von Menschen, die sich unter der Armutsgrenze befinden, aber sich nicht
selbst als arm einschätzen. Diese Gruppe ist für die Sozialpolitik von besonderem Interesse, da
die Gefahr besteht, dass notwendige politische Maßnahmen aufgrund der nicht sichtbaren
negativen Position nicht durchgeführt werden (Zapf 1984).
Das Wissen um die materielle Situation und ihre subjektive Bewertung kann helfen, Bedürftigkeit
besser zu verstehen und dementsprechend gegenzusteuern. Nur mit dem Wissen um
Risikogruppen und spezifische Probleme einzelner Bevölkerungsgruppen können politische
Entscheidungen getroffen werden. Vor dem Hintergrund der berichteten Befunde scheint es
sinnvoll, armutsvermeidende Maßnahmen insbesondere mit Blick auf Frauen, Personen mit
niedriger Bildung sowie Menschen in Ostdeutschland in der zweiten Lebenshälfte zu verstärken.

Literatur
Deutscher Bundestag. (2001). Dritter Bericht zur Lage der älteren Generation in der
Bundesrepublik Deutschland: Alter und Gesellschaft und Stellungnahme der
Bundesregierung [Bundestags-Drucksache14/5130]. Berlin: Deutscher Bundestag.
Goebel, J., Grabka, M. M., & Schröder, C. (2015). Einkommensungleichheit in Deutschland bleibt
weiterhin hoch - junge Alleinlebende und Berufseinsteiger sind zunehmend von Armut
bedroht. DIW Wochenbericht, 25, 571-586.
Grabka, M. M., Goebel, J., & Schupp, J. (2012). Höhepunkt der Einkommensungleichheit in
Deutschland überschritten? DIW Wochenbericht, 43, 3-15.
Groh-Samberg, O. (2009). Armut, soziale Ausgrenzung und Klassenstruktur. Zur Integration
multidimensionaler und längsschnittlicher Perspektiven. Wiesbaden: Springer VS.
Motel-Klingebiel, A., & Vogel, C. (2013). Altersarmut und die Lebensphase Alter. In: C. Vogel & A.
Motel-Klingebiel (Hrsg.) Altern im sozialen Wandel: Die Rückkehr der Altersarmut? .
Wiesbaden: Springer VS.
Noll, H.-H., & Weick, S. (2013). Materieller Lebensstandard im Alter. In: C. Vogel & A. MotelKlingebiel (Hrsg.) Altern im sozialen Wandel: Die Rückkehr der Altersarmut? (S. 113140). Wiesbaden: Springer VS.
Ravallion, M. (2012). Poor, or Just Feeling Poor? On Using Subjective Data in Measuring Poverty
(im Druck).
Schröder, C. (2013). Armut in Europa [IW-Trends 1/2013]. Köln: Institut der deutschen Wirtschaft.
Simonson, J. (2013). Erwerbsverläufe im Wandel - Konsequenzen und Risiken für die
Alterssicherung der Babyboomer. In: C. Vogel & A. Motel-Klingebiel (Hrsg.) Altern im
sozialen Wandel: Die Rückkehr der Altersarmut? (S. 273-290). Wiesbaden: Springer VS.
Simonson, J., Kelle, N., Romeu Gordo, L., Grabka, M. M., Rasner, A., & Westermeier, C. (2012).
Ostdeutsche Männer um 50 müssen mit geringeren Renten rechnen. DIW
Wochenbericht, 23, 3-13.
Statistische Ämter des Bundes und der Länder. (2015). Sozialberichterstattung der amtlichen
Statistik. Online: http://www.amtlichesozialberichterstattung.de/Tabellen_Excel/A1.1.0%20DE_Bund.xlsx (zuletzt abgerufen
07.05.2015).
Statistisches Bundesamt. (2015a). Mikrozensus 2014 - Sonderauswertungen für das Deutsche
Zentrum für Altersfragen. Wiesbaden: Statistisches Bundesamt.

108

Statistisches Bundesamt. (2015b). OECD-Skala. Online:
https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesellschaftStaat/Soziales/Sozialberichterstatt
ung/Glossar/OECDSkala.html (zuletzt abgerufen (21.12.2015).
Vogel, C., & Künemund, H. (2014). Armut im Alter. In: S. Frech & O. Groh-Samberg (Hrsg.)
Armut in Wohlstandsgesellschaften (S. 123-136). Schwalbach im Taunus: Wochenschau
Verlag.
Wetzstein, M., Rommel, A., & Lange, C. (2015). Pflegende Angehörige – Deutschlands größter
Pflegedienst. GBE Kompakt, 6(3), 3-11.
Zapf, W. (1984). Individuelle Wohlfahrt: Lebensbedingungen und wahrgenommene
Lebensqualität. In: W. Glatzer & W. Zapf (Hrsg.) Lebensqualität in der Bundesrepublik.
Objektive Lebensbedingungen und subjektives Wohlbefinden (S. 13-26). Frankfurt am
Main/New York: Campus Verlag.
Zhu, L. Y., Weißenborn, A., & Buscher, H. S. (2011). Im Fokus: Altersarmut und soziales
Befinden in Ost- und Westdeutschland, 1995 und 2009. Wirtschaft im Wandel, 17(7-8),
240-244.

109

110
	

7 Vermögen und Erbschaften: Sicherung des
Lebensstandards und Ungleichheit im Alter
Constanze Lejeune & Laura Romeu Gordo

Kernaussagen
Der Anteil von Personen mit Vermögen sowie die Vermögenshöhe nehmen 

zwischen 1996 und 2014 zu: Im Jahr 2014 besitzen 62,5 Prozent der 40- bis 85Jährigen selbstgenutzte Immobilien, im Jahr 1996 waren es 56,6 Prozent. Der Anteil
	
von Personen mit Geld- und Sachvermögen ist im gleichen Zeitraum von 76,4 auf 84,5 

Prozent gestiegen. Zudem hat sich der Anteil derjenigen, die große Geld- und
	
Sachvermögen (mehr als 100.000 Euro) besitzen, zwischen 1996 und 2014 von 6,6 

auf 14,5 Prozent mehr als verdoppelt.
	
Vermögensbesitz zwischen Jüngeren und Älteren gleicht sich an, regionale 

Unterschiede bleiben bestehen: Der Anteil der Personen, die Immobilien oder Geld-

und Sachvermögen besitzen, gleicht sich zwischen 1996 und 2014 zwischen Jüngeren 

und Älteren an. In Ostdeutschland kommen im Jahr 2014, wie auch schon 1996,
	
Vermögen seltener vor, zudem sind sie vergleichsweise geringer. Zum Beispiel haben 

im Jahr 2014 16,3 Prozent in Westdeutschland ein Geld- und Sachvermögen von mehr
	
als 100.000 Euro, in Ostdeutschland sind es nur 6,5 Prozent. Der Immobilienbesitz
	
steigt zwischen 1996 und 2014 in Ostdeutschland stärker als in Westdeutschland, liegt
	
im Jahr 2014 mit 50,4 Prozent aber noch immer deutlich unter dem in 

Westdeutschland (65,2 Prozent).
	
Vermögensbesitz steigt zwischen 1996 und 2014 vor allem in höheren sozialen 

Schichten: Sowohl beim Immobilienbesitz als auch beim Geld- und Sachvermögen 

steigen die Ungleichheiten zwischen den Sozialschichten. Im Immobilienbesitz betrug 

im Jahr 1996 die Differenz zwischen Unterschicht und oberer Mittelschicht noch etwa 

27 Prozentpunkte, im Jahr 2014 sind es etwa 40 Prozentpunkte. Ein ähnliches
	
Verhältnis zeigt sich für die Differenzen im Geld- und Sachvermögen (1996: 26 

Prozentpunkte, 2014: 38 Prozentpunkte).
	
Erbschaften verschärfen die bestehende soziale Ungleichheit der

Vermögensverteilung zusätzlich: Personen in höheren sozialen Schichten, die 

ohnehin häufiger über höhere Vermögen verfügen, erben auch häufiger und zudem
	
höhere Werte. So haben im Jahr 2014 etwa ein Drittel (31,1, Prozent) der 40- bis 85Jährigen, die der Unterschicht zuzurechnen sind, eine Erbschaft erhalten. Personen 

aus der oberen Mittelschicht berichten zu etwa zwei Dritteln (64,5 Prozent) von einer
	
Erbschaft. Während in der Unterschicht nur etwa jede zehnte Erbschaft (11,8 Prozent)
	
mindestens 12.500 Euro beträgt, sind es in der oberen Mittelschicht 43,5 Prozent.
	

111

7.1

Einleitung

Um den Lebensstandard älterer Personen umfassend beschreiben zu können, müssen neben
dem aktuellen Einkommen (vgl. Kapitel 6) auch Vermögenswerte in die Gesamtbetrachtung
einbezogen werden. Zum Vermögen zählen Güter (zum Beispiel Immobilien, Wertsachen) sowie
Geld und Wertpapiere (zum Beispiel Aktien, Anleihen), die zum Eigentum einer Person gehören.
Da gerade das Wohnen in der Lebensphase Alter an Bedeutung zunimmt (vgl. Kapitel 20),
werden im vorliegenden Kapitel zwei Aspekte des Vermögens untersucht: Immobilienbesitz sowie
Geld- und weiteres Sachvermögen. Zusätzlich werden in diesem Kapitel Erbschaften betrachtet,
da diese beim Aufbau oder der Wahrung des Vermögens eine wichtige Rolle spielen.
Der Aufbau eines Vermögens im Verlauf des Erwerbslebens ist in den vergangenen Jahren
immer wichtiger geworden, um das nötige Einkommensniveau im Alter zu halten: Mit dem
Paradigmenwechsel der gesetzlichen Rentenversicherung im Jahr 2001 wurden Elemente der
kapitalgedeckten Altersvorsorge zur Schließung der zu erwartenden Rentenlücke im Rentenmix
gestärkt. Ausreichendes eigenes Vermögen kann demnach das Risiko verringern, im Alter in
Armut zu leben oder den Lebensstandard nicht halten zu können.
Laut den Vorhersagen der Lebenszyklushypothese des Sparens und Konsums (Friedman 1957;
Modigliani & Brumberg 1954) versuchen Menschen ihren Lebensstandard über die gesamte
Lebenszeit stabil zu halten. Dem entsprechend planen Menschen ihr Sparverhalten langfristig,
um den Konsum relativ stabil über die Lebenszeit zu halten. Nach dieser Theorie sollten die
Haushalte in der Zeit sparen, in der das Einkommen am höchsten ist, und in der
Ruhestandsphase entsparen.
Doch diese Möglichkeit zur Sicherung des Lebensstandards im Alter besteht nicht für alle
Personen und Haushalte gleichermaßen: Aus der Literatur ist bekannt, dass sich Vermögen in
Deutschland sehr ungleich verteilen, viel stärker als dies beim Einkommen der Fall ist (Grabka &
Westermeier 2014). Unterschiede der Vermögenshöhe zeigen sich vor allem im OstWestvergleich, sowie nach Einkommen, Geschlecht und Alter (Krause & Schäfer 2005).
Vor allem die Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland sind sehr deutlich: In
Ostdeutschland war das individuelle Gesamtnettovermögen im Jahr 2012 durchschnittlich um die
Hälfte niedriger als im Westen (Grabka & Westermeier 2014). Auch gibt es historisch gewachsen
einen Unterschied im Vermögensportfolio: In Westdeutschland dominiert vor allem der hoch
bewertete Immobilienbesitz, in Ostdeutschland liegt dieser deutlich niedriger.
Es gibt zudem einen engen Zusammenhang zwischen Vermögen und Sozialschicht. Während
Haushalte im unteren Einkommensbereich negatives oder kein Vermögen besitzen, steigt dieses
bei Haushalten mit höherem Einkommen rasch an (Hauser, Becker, Grabka, & Westerheide
2007). Insbesondere (selbstgenutztes) Wohneigentum ist hoch bewertet und macht daher einen
großen Anteil der Vermögensungleichheit aus (Grabka & Westermeier 2014). Zwar stehen
Immobilien relativ gesehen hohe Hypotheken gegenüber, diese sind aber zumeist bei Eintritt in
das Rentenalter abgegolten (Hauser et al. 2007).
Zudem zeigen Studien, dass vor allem diejenigen Haushalte Wohneigentum besitzen, die auch
über ein hohes Geldvermögen und ein relativ hohes Einkommen verfügen (Frick & Grabka 2009).
Grund dafür sind zu einem großen Teil hohe Erbschaften und Schenkungen, die nur einem
kleinen Teil der Bevölkerung zu Gute kommen (Vogel & Künemund 2014). Es erfolgt somit eine
Vererbung sozialer Ungleichheit im Rahmen der Vermögensverteilung. Dies wird sich in den
kommenden Jahren noch verstärken, da die erwarteten Erbschaften in Anzahl und Höhe steigen
112

werden. Dabei werden aber wenige Haushalte hohe Erbschaften erhalten, eine große Anzahl an
Haushalten erhält keine Erbschaften oder eine Erbschaft von weniger als 25.000 Euro (Braun,
Pfeiffer, & Thomschke 2011). Dabei werden Haushalte mit hohen Einkommen und hohen
Vermögenswerten auch hohe Erbschaften erhalten. Dies führt dazu, dass sich eine ungleiche
Verteilung materieller Ressourcen verstärkt.
Über die Zeit zeigen sich leichte prozentuale Veränderungen der Vermögenswerte: Auffällig ist
der prozentuale Rückgang von Wertsachen und die Zunahme von Schulden vor allem in
Ostdeutschland (Grabka & Westermeier 2014). Das Bruttovermögen insgesamt stieg über den
Zeitraum von 2002 bis 2012 in Deutschland leicht an, wobei vor allem in Ostdeutschland größere
Vermögenszuwächse zu verzeichnen sind. Insgesamt liegt das Niveau aber weit unter dem in
Westdeutschland.
Die meisten Vermögensstudien (wie die oben zitierten Befunde) beziehen sich allgemein auf die
deutsche Bevölkerung. Wenige Studien konzentrieren sich auf die Vermögenssituation in der
zweiten Lebenshälfte. Im vorliegenden Kapitel wird deshalb unter Berücksichtigung von Alters-,
Regional- und Sozialschichtunterschieden untersucht, wie sich die Vermögensverteilung von
Haushalten, in denen Personen im Alter von 40 und mehr Jahren leben, entwickelt.
Es werden die folgenden Fragen untersucht:
1.		 Wie wandelt sich der Anteil von Personen in der zweiten Lebenshälfte, die über
	
Vermögensbesitz (Immobilien sowie Geld- und Sachwerte) verfügen?
	
2.		 Unterscheidet sich der Wandel im Vermögensbesitz zwischen Altersgruppen,
	
Landesteilen (Ost-/Westdeutschland) sowie zwischen sozialen Schichten? 

3.		 Wie wandelt sich der Anteil der Personen, die Erbschaften erhalten? Gibt es eine 

Parallelität zwischen dem Wandel im Vermögensbesitz und dem Wandel bei den 

erhaltenen Erbschaften?
	

7.2

Datengrundlage

Daten. Als Datengrundlage für die Vermögensbetrachtung dienen die Informationen von allen
40- bis 85-jährigen Befragten der Basisstichproben 1996, 2002, 2008 und 2014 des Deutschen
Alterssurveys (DEAS), die auch den sogenannten Selbstausfüllerfragebogen beantwortet haben.
Bis auf die Frage nach selbstgenutztem Eigentum werden alle Vermögens- und Erbschaftsfragen
in diesem schriftlichen Fragebogen gestellt.
Vermögensbesitz. Hier wird allgemein zwischen Immobilienvermögen und Geld- und
Sachvermögen unterschieden. Unter Immobilienbesitz wird das selbstgenutzte Eigentum
(Wohnung, Reihen-, Ein- oder Mehrfamilienhaus) verstanden. Es wird nur selbstgenutztes
Eigentum als relevant für die Alterssicherung betrachtet, da bei diesem sichergestellt ist, dass
Mietkosten wegfallen. Das Geld- und Sachvermögen umfasst alle Arten von Sparbüchern,
Bausparverträgen, Lebensversicherungen, Wertpapieren und Wertgegenständen, ausgenommen
Immobilienbesitz. Zum Geld- und Sachvermögen wird außerdem die Vermögenshöhe kategorial
erfasst. Es wurde zwischen drei Kategorien unterschieden: bis unter 12.500 Euro, zwischen
12.500 Euro und 100.000 Euro sowie 100.000 Euro und darüber. Die höchste Kategorie wurde
zusätzlich in Vermögenswerte von 100.000 Euro bis 250.000 Euro und 250.000 Euro und mehr
unterteilt. In den Analysen werden Immobilienbesitz und Geld- und Sachvermögen immer
zusammen dargestellt, da beide Vermögensbesitzformen komplementär sind.
113

Erbschaften. Die Befragten geben auch Informationen über erhaltene Erbschaften im Haushalt
sowie den geschätzten Wert dieser Erbschaften an. Es wurde zwischen zwei Kategorien
unterschieden: bis unter 12.500 Euro sowie 12.500 Euro und darüber. Des Weiteren wurde eine
zusätzliche Differenzierung der hohen und höchsten Erbschaften vorgenommen und zwischen
12.500 Euro und 50.000 Euro, zwischen 50.000 Euro und 250.000 Euro und 250.000 Euro und
mehr unterschieden.
Gruppierungsvariablen. Allgemein können hier keine Ergebnisse für Männer und Frauen getrennt
vorgestellt werden, da die Fragen jeweils den Befragten selbst und die Partnerin oder den
Partner betreffen. Die Befragten gaben an, ob sie selbst oder die Partnerin beziehungsweise der
Partner eine bestimmte Vermögensart besitzen oder eine Erbschaft erhalten haben. Aus diesem
Grund wird der Einfluss individueller Bildungsunterschiede ebenfalls nicht analysiert. Stattdessen
wird die paarbezogene soziale Schicht als weiteres Differenzierungskriterium herangezogen.
Die Variable der paarbezogenen sozialen Schicht wurde aus den Angaben zur aktuellen oder
letzten beruflichen Stellung der Befragten und ihrer gegenwärtigen Partnerin oder ihres Partners
beziehungsweise bei Partnerlosen) der früheren Ehegattin oder des Ehegatten gebildet (Mayer &
Wagner 1999; Kohli, Künemund, Motel-Klingebiel, & Szydlik 2000). Wie bei Mayer und Wagner
(1999) wurde vermieden, die höchste Kategorie als Oberschicht zu bezeichnen, da die
gesellschaftliche Elite (zum Beispiel Großunternehmer, Top-Manager, Spitzenpolitiker) in der
Stichprobe nur eingeschränkt vertreten ist.
Bei der Analyse der Altersgruppen wurde das Alter der Befragten genutzt, auch wenn die
Antworten paarbezogen sind, da es eine hohe Korrelation zwischen dem Alter der Befragten und
dem der Partnerin beziehungsweise des Partners gibt. Zur Prüfung von Altersunterschieden
wurden – analog zur Schichtung der Stichprobe – drei Altersgruppen verwendet: 40 bis 54 Jahre,
55 bis 69 Jahre und 70 bis 85 Jahre. Altersunterschiede im Wandel wurden anhand von SechsJahres-Altersgruppen untersucht, um Überschneidungen zwischen Erhebungszeitpunkten und
Altersgruppen zu vermeiden (42 bis 47 Jahre, 48 bis 53 Jahre, 54 bis 59 Jahre, 60 bis 65 Jahre,
66 bis 71 Jahre, 72 bis 77 Jahre, 78 bis 83 Jahre).
Weiterhin wurden Regionsunterschiede (Ost-/Westdeutschland) untersucht.
Analyse. In den Abbildungen und im Text sind gewichtete prozentuale Verteilungen angegeben.
Zur Testung von signifikanten Gruppenunterschieden wurden binäre und ordinale logistische
Regressionen berechnet. Das genaue Vorgehen ist in Kapitel 2 beschrieben.

7.3

Entwicklung des Vermögensbesitzes

In allen Erhebungsjahren verfügten 56,6 Prozent (1996) bis maximal 64,0 Prozent (2008) der
Bevölkerung ab 40 Jahren über Immobilienbesitz. Über die Jahre hat diese Vermögensart etwas
zugenommen, um dann 2014 leicht abzusinken (Abbildung 7-1). Der Anteil der Personen, die
berichten, über Geld- und Sachvermögen zu verfügen, ist höher (84,5 Prozent im Jahr 2014) und
seit 1996 stärker gestiegen als der Anteil der Personen, der über Immobilienbesitz verfügt (um
8,1 Prozentpunkte) (Abbildung 7-2).

114

Abbildung 7-1:	

Immobilienbesitzanteile, in den Jahren 1996, 2002, 2008 und 2014 (in
Prozent)

100

Prozent

80
60
40
56,6

58,7

64,0

62,5

1996
2002
2008
2014

20
0
Quelle: DEAS 1996 (n = 4.000), 2002 (n = 2.751), 2008 (n = 4.333), 2014 (n = 4.235), gewichtet, gerundete Angaben; (p < ,05).
Signifikante Unterschiede zwischen 1996 und 2014.

Der Anteil von Personen mit Vermögen sowie die Vermögenshöhe nehmen zwischen 1996
und 2014 zu.
Betrachtet man die verschiedenen Wertkategorien der Geld- und Sachvermögen, beobachtet
man einen besonderen Anstieg des Anteils von Personen, die einen höheren Vermögenswert
nennen (Abbildung 7-2). Der Anteil der Personen, die ein Vermögen von bis zu 12.500 Euro
besitzen, nimmt mit der Zeit von 42,5 Prozent im Jahr 1996 auf 26,2 im Jahr 2014 ab.
Andererseits ist der Anteil von Personen mit einem Vermögenswert – zwischen 12.500 und
100.000 Euro um 16,5 Prozentpunkte gestiegen. Der Anteil von Personen mit einer
Vermögenshöhe von über 100.000 Euro hat seit 1996 um 7,9 Prozent zugenommen. Somit steigt
die Höhe der Vermögen seit 1996 an. Bei der Splittung der höchsten Vermögenkategorie zeigt
sich, dass der stärkste Anstieg zwischen 2008 und 2014 bei den Vermögen von 100.000 Euro bis
unter 250.000 Euro stattgefunden hat. Im Jahr 2008 berichteten 8,8 Prozent der Personen ab
40 Jahren von Geld-und Sachvermögen in dieser Höhe. Im Jahr 2014 sind es 11,9 Prozent (ohne
Abbildung).

115

Abbildung 7-2:	

Anteile und Höhe von Geld- und Sachvermögen, in den Jahren 1996,
2002, 2008 und 2014 (in Prozent)

100
84,5

Prozent

80
60
	

80,1

76,4

76,3

6,6

6,8

10,2

14,5

38,4

42,1

43,8

31,1

27,8

26,2

2002

2008

2014

27,3

100.000€ und mehr
	
12.500 bis unter 100.000€
	
Unter 12.500€

40
	
20

42,5

0
1996

Quelle: DEAS 1996 (n = 3.110), 2002 (n = 2.557), 2008 (n = 3.947), 2014 (n = 3.770), gewichtet, gerundete Angaben; (p < ,05).
Signifikante Unterschiede in allen Kategorien zwischen 1996 und 2014.

Im Folgenden wird untersucht, ob und gegebenenfalls wie sich die Zunahme von
Vermögensbesitz zwischen Altersgruppen, Ost- und Westdeutschland sowie sozialen Schichten
unterscheidet.
Vermögensbesitz zwischen Jüngeren und Älteren gleicht sich an, regionale Unterschiede
bleiben bestehen.
Immobilienbesitz ist auch unter jüngeren Altersgruppen üblich (Abbildung 7-3). Im Jahr 2014 liegt
der Anteil von Immobilienbesitz bei der jüngsten Altersgruppe unter 60 Prozent, für den Rest der
Altersgruppen liegt er jedoch darüber (mit der Ausnahme der Altersgruppe der 78- bis
83-Jährigen). Diese Ergebnisse weisen darauf hin, dass Immobilienerwerb in relativ jungem Alter
stattfindet.
Im Zeitvergleich wird deutlich, dass die höchste Zunahme an Immobilienbesitz in den älteren
Altersgruppen stattfindet. Im Jahr 1996 war Immobilienbesitz bei der jüngsten Altersgruppe
häufiger als bei der ältesten Altersgruppe. So besaßen 1996 57,8 Prozent der Personen
zwischen 42 und 47 Jahren Immobilien, während das nur für 45,5 Prozent der Personen über
78 Jahren der Fall war. In den folgenden Erhebungsjahren beobachten wir eine kontinuierliche
Zunahme der Anteile von Immobilienbesitz von Personen, die 66 Jahre und älter sind, sodass
2014 ähnliche Anteile bei jüngeren und älteren Personen zu finden sind.

116

Abbildung 7-3:	

Immobilienbesitzanteile, nach Alter, in den Jahren 1996, 2002, 2008 bis
2014 (in Prozent)

1996

2002

2008

2014
	

100
	

Prozent

80
60
40
20

57,8 53,4

57,3 58,4

63,2 61,3

68,7 64,3

64,2 68,0

70,5 63,5
59,3

66,5 64,9

64,3

67,2
52,3

69,4

59,1
44,4

55,7

57,9

61,9

58,0 53,1
45,5 42,6

0
42-47
Jahre

48-53
Jahre

54-59
Jahre

60-65
Jahre

66-71
Jahre

72-77
Jahre

78-83
Jahre

Quelle: DEAS 1996 (n = 3.753), 2002 (n = 2.604), 2008 (n = 4.143), 2014 (n = 4.084), gewichtet, gerundete Angaben; (p < ,05).
Signifikante Unterschiede zwischen 1996 und 2014 in allen Altersgruppen außer 42 bis 47 Jahre sowie 48 bis 53 Jahre.

Im Jahr 1996 war Geld- und Sachvermögensbesitz bei Jüngeren häufiger als bei Älteren
(Abbildung 7-4). Dieses Ergebnis passt zu den Vorhersagen der Lebenszyklushypothese des
Sparens und Konsums (Friedman 1957; Modigliani & Brumberg 1954).
Wie beim Immobilienbesitz gleichen sich im Zeitvergleich aber die Anteile zwischen jüngeren und
älteren Personen an. Zudem zeigt sich beim Immobilienbesitz die stärkste Zunahme über die Zeit
bei Älteren.
Abbildung 7-4:	

Anteile und Höhe von Geld- und Sachvermögen, nach Alter, in den
Jahren 1996, 2002, 2008 und 2014 (in Prozent)
12.500€ bis unter 100.000€

Unter 12.500€

100.000€ und mehr

100

66-71
Jahre

12,2

5,4

28,4

2014

41,1

5,3
41,5
28,9

2008

46,3

1996

24,5

2014

72-77
Jahre

65,2

27,9

20,9 2,5

69,7

31,9

8,6

81,6
75,8

2002

45,8

38,7
27,9

4,6

75,2

2008

35,1

21,0
45,2

1996

33,0

5,8

72,0 72,7

15,9

86,2

2002

12,1

4,1

15,7
43,9
27,9

2014

44,0
26,3

2008

39,2

23,7
45,2

1996

24,8

2014

60-65
Jahre

31,5

5,1

74,0 74,8

2002

15,8

82,4

43,3

43,5
25,6

6,6

12,0

87,4

83,9

2008

4,3
27,3

41,4
31,2

44,1

1996

2014

54-59
Jahre

79,2 81,1

2002

15,3

12,2
45,7

75,7

45,3

26,2

24,8

2008

7,6

8,6
43,7

31,1
39,4

25,1

1996

22,5

2014

2002

15,3

78,1 77,5

45,8

12,8
26,6

2008

39,9

31,2

48-53
Jahre

84,2 85,4

83,6

2002

31,7

2014

42-47
Jahre

1996

33,3

41,0

2008

0

32,9

20

2002

40

41,3

8,8
31,7

10,9

80,4 78,9 80,7

36,7

11,1

5,9

6,1

83,6

40,8

39,7

8,6
30,0

39,6

60

79,6 78,6 78,9

1996

Prozent

80

78-83
Jahre

Quelle: DEAS 1996 (n = 2.924), 2002 (n = 2.416), 2008 (n = 3.768), 2014 (n = 3.639), gewichtet, gerundete Angaben; (p < ,05).
Signifikante Unterschiede in allen Kategorien zwischen 1996 und 2014 in allen Altersgruppen.

117

Bei der Betrachtung der Einkommensverteilung (vgl. Kapitel 6) wird deutlich, dass es auch fast
25 Jahre nach der Wiedervereinigung der beiden deutschen Landesteile einen signifikanten
Unterschied bei der Einkommensverteilung gibt.
Abbildung 7-5:	

Immobilienbesitzanteile, nach Landesteil, in den Jahren 1996 bis 2014
(in Prozent)

1996

2014
	

2008

2002

100
	

Prozent

80
	
60
	
40
	
62,0

66,9

62,8

65,2
51,6

20
	

35,2

50,4

42,4

0
	
West

Ost

Quelle: DEAS 1996 (n = 4.000), 2002 (n = 2.751), 2008 (n = 4.333), 2014 (n = 4.235), gewichtet, gerundete Angaben; (p < ,05).
Westdeutschland: Signifikante Unterschiede zwischen 1996 und 2014. Ostdeutschland: Signifikante Unterschiede zwischen
1996 und 2014.

Ebenso lassen sich bei der Betrachtung der Vermögensbesitzanteile und deren Höhe
Unterschiede zwischen den Regionen erkennen (Abbildung 7-5 und 7-6). Insgesamt zeigt sich,
dass auch wenn der Immobilienbesitz in Ostdeutschland stärker zugenommen hat, die Struktur
über die Erhebungsjahre hinweg ähnlich bleibt: In Ostdeutschland gibt es weniger Personen mit
Immobilienvermögen (2014 sind es 50,4 zu 65,2 Prozent). Der Anteil des Geld- und
Sachvermögens ist mit über 80 Prozent in beiden Landesteilen ähnlich hoch.
Entscheidend bei der Beurteilung von Vermögensbesitzanteilen ist neben der Verteilung auch
deren Höhe. Obwohl ein ähnlich hoher Anteil von Personen in Ost- und Westdeutschland
angeben, über Geld- oder Sachvermögen zu verfügen, ist die Höhe unterschiedlich, die Struktur
über die Erhebungsjahre aber ähnlich. In beiden Landesteilen ist das Vermögen bis zu einem
Wert von 100.000 Euro stabil geblieben. Allerdings ist der Anteil von Personen in
Westdeutschland mit Geldvermögen im Wert von über 100.000 Euro höher und seit 1996 stärker
als in Ostdeutschland gestiegen. Während im Jahr 2014 16,3 Prozent der Westdeutschen
zwischen 40 und 85 Jahren ein Vermögen über 100.000 Euro angeben, ist dies in
Ostdeutschland nur für 6,5 Prozent der Fall. Die soziale Ungleichheit zwischen Ost- und
Westdeutschland im finanziellen Bereich zeigt sich somit nicht nur im Einkommen (vgl. Kapitel 6).
Auch die Vermögen sind zwischen den Landesteilen ungleich verteilt, was daran liegt, dass
Vermögensaufbau ein höheres Einkommen benötigt und somit Konsequenz einer
Einkommenshöhe ist, die es erlaubt, Geld zu sparen oder anzulegen.

118

Abbildung 7-6:

Anteile und Höhe von Geld- und Sachvermögen, nach Landesteil, in
den Jahren 1996, 2002, 2008 und 2014 (in Prozent)

Unter 12.500€

12.500€ bis unter 100.000€

100.000€ und mehr

100
80

75,4

Prozent

8,3

81,6

77,7

85,1

7,9

12,0

16,3

40,9

43,7

44,8

19,8

60
29,4

40

82,0

80,1
0,5

74,2
2,7

6,5

28,3

35,8

39,4

40,0

35,7

36,2

2002

2008

2014

70,7
2,4

59,7

20
0

37,7

1996

28,9

26,0

24,0

2002

2008

2014

1996

West

Ost

Quelle: DEAS 1996 (n = 3.110), 2002 (n = 2.557), 2008 (n = 3.947), 2014 (n = 3.770), gewichtet, gerundete Angaben; (p < ,05).
Westdeutschland: Signifikante Unterschiede bei allen Kategorien zwischen 1996 und 2014. Ostdeutschland: Signifikante
Unterschiede in allen Kategorien zwischen 1996 und 2014.

Vermögensbesitz steigt zwischen 1996 und 2014 vor allem in höheren sozialen Schichten.
Die soziale Schicht hat einen großen Einfluss auf die Struktur sowie die Höhe des Vermögens.
Personen mit höherer beruflicher Stellung verfügen in der Regel über höhere Einkommen und
können dadurch öfter (und in größerem Umfang) über Vermögen verfügen. Höheres Einkommen
während des Erwerbslebens ermöglicht durch Vermögensaufbau auch ein höheres
Einkommensniveau im Alter. Die Aufrechthaltung des Einkommensniveaus durch eigenes
Vermögens ist mit dem Paradigmenwechsel der Gesetzlichen Rentenversicherung im Jahr 2001
relevanter geworden, da Elemente der kapitalgedeckten Altersvorsorge zur Schließung der zu
erwartenden Rentenlücke im Rentenmix gestärkt werden.
Der Anteil von Personen mit Immobilienbesitz ist wie erwartet bei den höheren sozialen
Schichten größer als bei den unteren sozialen Schichten (Abbildung 7-7). So beträgt der Anteil im
Jahr 2014 für die Unterschicht 32,3 Prozent und erreicht bei der oberen Mittelschicht
72,7 Prozent.
Im Zeitvergleich können wir von einer zunehmenden Ungleichheit zwischen den sozialen
Schichten sprechen. Denn die Immobilienbesitzanteile für die Unterschicht und die untere
Mittelschicht nehmen im Gegensatz zu den anderen sozialen Schichten nicht signifikant zu. Der
größte Anstieg findet nicht bei der oberen Mittelschicht statt (die schon im Jahr 1996 höhere
Anteile an Immobilien hatte), sondern bei der mittleren und gehobenen Mittelschicht. Diese
Entwicklungen verstärken die Ungleichheit zwischen den sozialen Schichten; im Jahr 2014 sind
Anteilsunterschiede von 40,4 Prozentpunkten zwischen der oberen Mittelschicht und der
Unterschicht zu beobachten, während es im Jahr 1996 noch knapp 27 Prozentpunkte waren.

119

Abbildung 7-7:	

Immobilienbesitz nach sozialer Schicht, in den Jahren 1996, 2002, 2008
und 2014 (in Prozent)

1996

2002

2008

2014

100

Prozent

80
60
40
20

42,4 38,0 40,6 32,3

52,3 48,6

54,4 50,1

54,8 57,1

60,7 61,1

60,2

66,3

71,4 67,5

69,3 70,6

75,0 72,7

0
Unterschicht

Untere
Mittelschicht

Mittlere
Mittelschicht

Gehobene
Mittelschicht

Obere
Mittelschicht

Quelle: DEAS 1996 (n = 3.827), 2002 (n = 2.651), 2008 (n = 4.321), 2014 (n = 4.196), gewichtet, gerundete Angaben; (p < ,05).
Signifikante Unterschiede zwischen 1996 und 2014 für alle Schichten außer für die Unterschicht und die untere Mittelschicht.

Auch Geld- und Sachvermögen sind ungleich zwischen den verschiedenen sozialen Schichten
verteilt (Abbildung 7-8). Personen in den unteren sozialen Schichten geben seltener an
überhaupt über Geldvermögen zu verfügen. Diese Struktur bleibt über die Zeit bestehen, aber es
gibt unterschiedliche Entwicklungen für die verschiedenen sozialen Schichten. Für die
Unterschicht ist der Anteil an Geld- und Sachvermögensbesitz zwischen 1996 und 2014
gesunken. Bei der unteren Mittelschicht ist eine starke Zunahme zwischen 2008 und 2014 bei
Gelvermögen im Wert bis 100.000 Euro zu beobachten. Die Zunahme von Geldvermögen ab
100.000 Euro zwischen 1996 und 2014 ist bei der gehobenen und oberen Mittelschicht am
stärksten (6,6 und 10,5 Prozentpunkte). Das zeigt, dass die Ungleichheit zwischen den sozialen
Schichten nicht nur bei Immobilienbesitz zugenommen hat, sondern auch bei Geld- und
Sachvermögensbesitz.

120

Anteile und Höhe von Geld- und Sachvermögen nach sozialer Schicht,
in den Jahren 1996, 2002 2008 und 2014 (in Prozent)

Unter 12.500€

12.500€ bis unter 100.000€

100.000€ und mehr

100

Unterschicht

Untere
Mittelschicht

36,6 43,3 46,1

89,2

12,8 16,7
10,1 9,3

90,6

86,6

20,5 15,6

89,2

92,6

25,8 31,0

37,5

47,1 50,7
50,3

43,5

54,5

46,7 43,4

Mittlere
Mittelschicht

2008

1996

Gehobene
Mittelschicht

16,5 16,7 18,2

2002

26,7

2014

26,4 23,2 22,2

2008

35,3

1996

26,7

2014

33,8 32,7

2002

47,4

2008

39,0 37,4 42,0

86,6

28,2

2002

31,6

81,6 80,9
79,3
3,7 75,3 5,7 8,1
4,9

1996

35,8

78,0
4,4

2014

48,4
31,0

26,4 29,0

2008

15,2

2002

41,7

67,5
64,9 67,0
1,0
1,3 1,5

1996

0

51,7

2014

20

2008

40

2002

60

65,0
2,4
56,1 57,3 54,9
10,9
1,5 2,2 1,8
13,0
24,1 17,4

1996

Prozent

80

82,9 82,9

2014

Abbildung 7-8:

Obere
Mittelschicht

Quelle: DEAS 1996 (n = 2.977), 2002 (n = 2.465), 2008 (n = 3.935), 2014 (n = 3.732), gewichtet, gerundete Angaben; (p < ,05).
Signifikante Unterschiede in allen Kategorien zwischen 1996 und 2014 für alle Schichten außer für die Unterschicht.

7.4

Entwicklung der Erbschaften

Durch den Erhalt von Erbschaften können Vermögenswerte deutlich erhöht werden
beziehungsweise führt eine Erbschaft in vielen Fällen überhaupt erst zu einem
Vermögensaufbau, der aus eigenem Einkommen alleine nicht möglich wäre. Daher stellt sich die
Frage, welche Rolle Erbschaften in der Entwicklung des Vermögensbesitzes spielen. In diesem
Abschnitt wird untersucht, ob es Parallelitäten zwischen der Entwicklung der Erbschaften und der
Entwicklung des Vermögensbesitzes gibt.
Erbschaften verschärfen die bestehende soziale Ungleichheit der Vermögensverteilung
zusätzlich.
Erbschaften sind sehr ungleich verteilt: Nicht alle Personen erben etwas und die Höhe variiert
deutlich nach soziodemografischen Merkmalen. In diesem Abschnitt wird die Entwicklung der
Erbschaften nach Region und sozialer Schicht untersucht.
Insgesamt erhielten seit 1996 bei jedem Erhebungszeitpunkt mehr Menschen eine Erbschaft
(Abbildung 7-9). Im Jahr 2014 geben 54,3 Prozent der Personen an, dass sie oder ihr Partner
beziehungsweise ihre Partnerin jemals in ihrem Leben geerbt haben. Darüber hinaus gibt es eine
positive Entwicklung des Anteils von Personen, die ein Erbe von über 12.500 Euro erhalten. Bei
der Splittung der höchsten Kategorie wird deutlich, dass der stärkste Anstieg zwischen 2008 und
2014 bei den Erbschaften von 50.000 bis unter 250.000 Euro stattgefunden hat. Im Jahr 2008
berichten 23,2 Prozent der Personen ab 40 Jahren über erhaltene Erbschaften in dieser Höhe. Im
Jahr 2014 sind es 26,6 Prozent (ohne Abbildung).

121

Abbildung 7-9:

Anteile und Höhe von erhaltenen Erbschaften, in den Jahren 1996,
2002, 2008 und 2014 (in Prozent)

100

Prozent

80
60
40

52,7

54,3

31,6

31,7

19,5

21,1

22,6

2002

2008

2014

46,6

46,4

24,2

26,9

22,4

1996

12.500€ und mehr
Unter 12.500 €

20
0

Quelle: DEAS 1996 (n = 3.882), 2002 (n = 2.648), 2008 (n = 4.188), 2014 (n = 4.047), gewichtet, gerundete Angaben; (p < ,05).
Signifikante Unterschiede in allen Kategorien zwischen 1996 und 2014.

Aus der nach Altersgruppen differenzierten Betrachtung dieser Entwicklung geht hervor, dass
eine gewisse Verschiebung hinsichtlich des Alters beim Erhalt von Erbschaften stattgefunden hat
(Abbildung 7-10). Im Jahr 1996 erfolgte der Erhalt von Erbschaften in jüngerem Alter als 2014
(meistens zwischen 54 und 59 Jahren). Im Jahr 2014 berichten am häufigsten die Personen im
Alter zwischen 66 und 71 Jahren über Erbschaften (69,8 Prozent). Der Anteil der Personen, die
ein Erbe erhalten, ist am stärksten in den älteren Altersgruppen gestiegen. Auch nimmt bei den
Älteren der Anteil von Erbschaften von über 12.500 Euro am stärksten zu. Wie oben gezeigt,
stellen die Älteren auch die Altersgruppe, bei welcher der Vermögensbesitz insgesamt am
stärksten zugenommen hat.

122

Abbildung 7-10:	

Anteile und Höhe von erhaltenen Erbschaften, nach Alter, in den
Jahren 1996, 2002, 2008 und 2014 (in Prozent)

Unter 12.500 €

12.500€ und mehr
	

100
	
80

54-59
Jahre

32,3

32,8

34,0
20,9

26,9

2014

2008

24,0

1996

13,9
24,7

2014

72-77
Jahre

2002 13,8

42,0

33,7
29,3

2002

25,9

21,2

17,7

1996

20,8
27,9

23,7

2014

66-71
Jahre

46,1
37,8

2008

39,7

46,9
42,0

2008

2002

25,4
22,1

19,4

1996

29,7

39,1
24,2

2014

36,0
23,4

2008

34,2

25,5

23,0

25,4

47,5 49,1

46,1

54,9

50,9

60-65
Jahre

59,7

59,5

2002

23,2

2014

34,1

38,4
18,8

2008

29,2
23,9

21,6

2002

18,5

2014

48-53
Jahre

1996

18,8

18,7

27,3

42,4

2008

23,1

46,0

2002

25,5
22,0

1996

17,3

22,6
15,9

2008

42-47
Jahre

22,6

20,7

19,4

2002

0

1996

20

41,9

2014

21,9

40

39,9
36,5 38,4

23,9

47,5
42,7

54,7

66,7

63,3

1996

53,0

55,7 57,2

31,5

60

17,2

Prozent

67,6 69,8
57,2 59,4

78-83
Jahre

Quelle: DEAS 1996 (n = 3.644), 2002 (n = 2.505), 2008 (n = 4.001), 2014 (n = 3.899), gewichtet, gerundete Angaben; (p < ,05).
Signifikante Unterschiede in allen Kategorien zwischen 1996 und 2014 für alle Altersgruppen außer für 42 bis 47 Jahre, 48 bis
53 Jahre sowie 54 bis 59 Jahre.

In Ost- und Westdeutschland wird unterschiedlich geerbt (Abbildung 7-11): Während im Jahr
2014 in Ostdeutschland 31,0 Prozent der Personen weniger als 12.500 Euro erben und nur 16,2
Prozent über 12.500 Euro, ist das in Westdeutschland umgekehrt. Dort erben 20,7 Prozent bis
12.500 Euro, und 35,1 Prozent erhalten eine Erbschaft über 12.500 Euro.
Dieses Phänomen kann sicherlich einen Teil der Unterschiede der Vermögenshöhe zwischen
den Landesteilen erklären. Wenn man bedenkt, dass hohe Vermögenswerte entweder durch ein
hohes Einkommen selbst angespart werden können oder durch hohe Erbschaften bedingt sind,
wird erklärbar, warum in Ostdeutschland die Vermögen kleiner sind.

123

Abbildung 7-11:

Erhaltene Erbschaften, nach Landesteil, in den Jahren 1996, 2002,
2008 und 2014 (in Prozent)

100

Prozent

80
60

54,9
48,0

40

55,8

49,0

47,2

27,3

30,7

20,7

18,3

34,9

35,1

20
0

42,8

40,9

20,0

20,7

11,9

29,0

36,3
12,0

24,3

17,2

25,7

16,2

12.500€ und mehr
Unter 12.500 €

31,0

1996 2002 2008 2014

1996 2002 2008 2014

West

Ost

Quelle: DEAS 1996 (n = 3.882), 2002 (n = 2.648), 2008 (n = 4.188), 2014 (n = 4.047), gewichtet, gerundete Angaben; (p < ,05).
Westdeutschland: Signififkante Unterschiede bei allen Kategorien zwischen 1996 und 2014. Ostdeutschland: Signififkante
Unterschiede bei allen Kategorien zwischen 1996 und 2014.

Personen höherer sozialer Schichten erhalten öfter ein Erbe (Abbildung 7-12). Das heißt,
Personen mit einer besseren beruflichen Stellung, die oft mit einem höheren Einkommen
verknüpft ist, erhalten mit einer höheren Wahrscheinlichkeit ein Erbe, welches wiederum zu
einem größeren Vermögensbesitz beiträgt. Diese ungleiche Verteilung der Erbschaften verstärkt
die soziale Ungleichheit.
Die Entwicklung zwischen 1996 und 2014 ist bei allen sozialen Schichten ähnlich. Es gibt einen
geringen Anstieg für alle sozialen Schichten, sodass das Muster über die ganze Periode hinweg
stabil bleibt. Das bedeutet, dass die Personen höherer sozialer Schichten häufiger erben, aber
die Differenzen zwischen den sozialen Schichten nicht bedeutsam über die Periode gestiegen
sind.
Allerdings hat bei höheren sozialen Schichten der Anteil der Personen mit höheren Erbschaften
stärker zugenommen. So ist der Anteil der Personen der gehobenen Mittelschicht mit einem Erbe
über 12.500 Euro um 7,4 Prozentpunkte und um 5,4 Prozentpunkte in der mittleren Mittelschicht
gestiegen, während wir kaum einen Anstieg in dieser Kategorie für die Unterschicht beobachten.
Zusammenfassend haben die Unterschiede zwischen den sozialen Schichten hinsichtlich des
Anteils der Personen, die ein Erbe bekommen, nicht zugenommen, aber die Differenz bei der
Höhe des Erbes ist gestiegen und trägt zu den sozialen Ungleichheiten im Vermögensbesitz bei.

124

Abbildung 7-12:	

Erhaltene Erbschaften nach sozialer Schicht, in den Jahren 1996, 2002,
2008 und 2014 (in Prozent)
12.500€ und mehr
	

Unter 12.500 €
100
	

Unterschicht

Mittlere
Mittelschicht

49,3

Gehobene
Mittelschicht

2014

21,7 21,2 19,5 21,0

2008

19,5 23,2 22,1

2002

24,5

2014

40,2 39,8 47,0 43,5

29,8

2008

35,0 35,6

2002

2014

Untere
Mittelschicht

66,5 64,5

1996

23,4 21,3 20,9 23,7

2008

20,6 17,3 20,3 24,1

2002

18,2 19,3

17,0 21,7 20,1

1996

28,2

2014

28,2
22,8 24,3 29,5

2008

12,7

17,3 11,8

2014

0

1996

17,9

15,3

2002

20

11,0

31,1

2002

35,4
28,9 28,0

20,2

40,4
37,6 39,0

1996

40

52,7

46,1 45,6

50,3 51,9

44,3

61,9 61,0

1996

60

58,2 57,7

2008

Prozent

80

Obere
Mittelschicht

Quelle: DEAS 1996 (n = 3.715), 2002 (n = 2.550), 2008 (n = 4.176), 2014 (n = 4.009), gewichtet, gerundete Angaben; (p < ,05).
Signifikante Unterschiede in allen Kategorien zwischen 1996 und 2014 für alle Schichten außer für die Unterschicht und die
obere Mittelschicht.

7.5

Diskussion und Implikationen

In Kapitel 6 wurde diskutiert, wie wichtig die materiellen Voraussetzungen für die gesellschaftliche
Teilhabe älterer Menschen sind. Im vorliegenden Kapitel wurde gezeigt, wie ungleich Einkommen
und Armut zwischen verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen verteilt sind. Die
Berücksichtigung von Vermögen und Erbschaften als eine Form des Vermögensaufbaus
ergänzen und erweitern das Verständnis über die materiellen Lebensumstände älterer Menschen
in Deutschland. Vermögen kann Einkommensarmut abfedern. Aber es zeigt sich, dass Vermögen
ungleich verteilt ist und sich hohe Vermögenswerte bei Haushalten der höheren sozialen
Schichten und in Westdeutschland konzentrieren. Die Struktur der ungleichen
Vermögensverteilung zwischen Ost- und Westdeutschland bleibt über die Jahre bestehen.
Sowohl die Vermögensanteile als auch die Bewertung der Vermögen sind in Ostdeutschland
durchgehend geringer. Der Anstieg von selbstgenutztem Immobilienbesitz zwischen 1996 und
2014 fällt in Ostdeutschland zwar stärker aus als in Westdeutschland, bleibt aber dennoch unter
dem westdeutschen Niveau. Zudem und als Folge des ungleich höheren Vermögens in
Westdeutschland wird dort häufiger Vermögen vererbt und die Erbschaften sind höher bewertet
als in Ostdeutschland.
An diesen Unterschieden zwischen West- zu Ostdeutschland auch 25 Jahre nach der
Wiedervereinigung wird deutlich, dass Vermögensaufbau Zeit benötigt. Viele Menschen erben
einen Teil ihres Vermögens, was durch einen geringeren Kapitalaufbau in Ostdeutschland auch
heute noch die nachfolgenden Generationen betrifft. Zudem sind die Einkommen in
Ostdeutschland geringer, was ebenfalls zu einem geringeren eigenen Kapitalaufbau führt.
Sozialpolitisch müssen Menschen in Ostdeutschland und Personen aus einer niedrigen sozialen
Schicht in den Fokus gerückt werden. Sie sind in nicht nur in der Einkommenshöhe, sondern
auch in der Bewertung von Vermögen und Erbschaften schlechter gestellt. Somit wird sich
mittelfristig wenig an der ungleichen Verteilung von finanziellen Ressourcen im Alter verändern.
125

Wenn davon auszugehen ist, dass finanzielle Ressourcen eine Grundlage für die soziale
Teilhabe in der Gesellschaft darstellen, muss Sorge getragen werden, dass keine
Personengruppen von der finanziellen Entwicklung abgehängt werden und im Alter keine
Möglichkeiten zur Veränderung ihrer individuellen Situation haben. Altersarmut geht häufig Hand
in Hand mit geringen oder keinen Vermögenswerten, was wiederum zu geringen Erbschaften an
nachwachsende Generationen führt und finanzielle Ungleichheit in bestimmten Personengruppen
verfestigt.
Damit Menschen im frühen und mittleren Erwachsenenalter angemessene Entscheidungen über
ihre finanzielle Altersvorsorge treffen können, ist eine hohe Transparenz über die zukünftige
soziale Sicherung und die zu erwartenden Renten aus der gesetzlichen Alterssicherung
unerlässlich. Zum einen ist es nötig, tragfähige Lösungen zur Verhinderung von Altersarmut bei
Personen mit geringeren Ressourcen zum Vermögensaufbau zu finden. Andererseits ist die
Transparenz notwendig, um nicht in die ‚Sparfalle‘ zu tappen, die sich aus zu geringer eigener
Spartätigkeit, unerwartet niedriger Erbschaften und unerwartet hohen Abgaben und damit
verbundener Sparfähigkeit zusammensetzt.

Literatur
Braun, R., Pfeiffer, U., & Thomschke, L. (2011). Erben in Deutschland: Volumen, Verteilung und
Verwendung. Köln: Deutsches Institut für Altersvorsorge: Eigenverlag.
Frick, J., & Grabka, M. (2009). Gestiegene Vermögensungleichheit in Deutschland. DIW
Wochenbericht, 4, 54-67.
Friedman, M. (1957). A theory of the consumption function. Princeton, New Jersey: Princeton
University Press.
Grabka, M., & Westermeier, C. (2014). Anhaltend hohe Vermögensungleichheit in Deutschland.
DIW Wochenbericht, 09, 151-165.
Hauser, R., Becker, I., Grabka, M., & Westerheide, P. (2007). Integrierte Analyse der
Einkommens- und Vermögensverteilung. Abschlussbericht zur Studie im Auftrag des
Bundesministeriums für Arbeit und Soziales. Bonn.
Kohli, M., Künemund, H., Motel-Klingebiel, A., & Szydlik, M. (2000). Soziale Ungleichheit. In: M.
Kohli & H. Künemund (Hrsg.) Die zweite Lebenshälfte: Gesellschaftliche Lage und
Partizipation im Spiegel des Alters-Survey (S. 318-336). Wiesbaden: VS Verlag für
Sozialwissenschaften.
Krause, P., & Schäfer, A. (2005). Verteilung von Vermögen und Einkommen in Deutschland:
Große Unterschiede nach Geschlecht und Alter. DIW Wochenbericht 11, 199-207.
Mayer, K.-U., & Wagner, M. (1999). Lebenslagen und soziale Ungleichheit im hohen Alter. In: K.U. Mayer & P. B. Baltes (Hrsg.) Die Berliner Altersstudie (S. 251-275). Berlin: Akademie
Verlag.
Modigliani, F., & Brumberg, R. (1954). Utitlity Analysis and the Consumption Function: An Attemt
at Integration. In: K. Kurihara (Hrsg.) Post-Keynesian Economics. New Brunswick:
Rutgers University Press.
Vogel, C., & Künemund, H. (2014). Armut im Alter. In: S. Frech & O. Groh-Samberg (Hrsg.)
Armut in Wohlstandsgesellschaften (S. 123-136). Schwalbach im Taunus: Wochenschau
Verlag.

126

8 Altern nachfolgende Kohorten gesünder?
Selbstberichtete Erkrankungen und
funktionale Gesundheit im
Kohortenvergleich
Julia K. Wolff, Sonja Nowossadeck & Svenja M. Spuling

Kernaussagen
Trotz eines hohen Anteils von Personen mit Mehrfacherkrankungen berichten
viele der 40- bis 85-Jährigen im Jahr 2014 von einer guten funktionalen
Gesundheit: Bereits die 40- bis 54-Jährigen sind 2014 etwa zur Hälfte (47,1 Prozent)
von mehr als zwei Erkrankungen betroffen. Bei den 55- bis 69-Jährigen und 70- bis 85Jährigen sind es mit 65,5 und 82,1 Prozent deutlich mehr. Gleichzeitig berichtet die
Mehrheit der 40- bis 85-Jährigen von einer guten funktionalen Gesundheit (68,9
Prozent). Selbst Personen mit fünf und mehr Erkrankungen geben zu 39,2 Prozent
noch eine gute funktionale Gesundheit an.
Bei der Gesundheit bestehen im Jahr 2014 große Bildungsunterschiede:
Niedriggebildete berichten im Jahr 2014 seltener von höchstens einer Erkrankung
(23,0 Prozent) sowie seltener von einer guten funktionalen Gesundheit (45,8 Prozent)
als Personen mit mittlerer Bildung (37,1 Prozent höchstens eine Erkrankung; 65,4
Prozent gute funktionale Gesundheit) oder Hochgebildete (41,6 Prozent höchstens
eine Erkrankung; 79,1 Prozent gute funktionale Gesundheit).
Der Wandel hin zu weniger selbstberichteten Erkrankungen von 1996 zu 2008
setzt sich im Jahr 2014 nicht fort: Von 1996 bis 2002 nannte ein größer werdender
Anteil der 40- bis 85-Jährigen keine oder nur eine Erkrankung. Während der Anteil von
Personen mit höchstens einer Erkrankung von 2002 bis 2008 bei circa 44 Prozent
stabil blieb, ist er zwischen 2008 und 2014 um sechs Prozentpunkte gesunken – liegt
allerdings noch zwei Prozentpunkte über dem Niveau von 1996. Dieser Wandel betrifft
alle Altersgruppen gleichermaßen.
Der Anteil an Personen mit guter funktionaler Gesundheit hat zwischen 2008 und
2014 zugenommen, allerdings nur bei den über 65-Jährigen: Personen im Alter
von 66 bis 83 Jahren berichten 2014 häufiger von einer guten funktionalen Gesundheit
als noch im Jahr 2008. Dagegen hat der Anteil an Personen mit guter funktionaler
Gesundheit unter den unter 66-Jährigen zwischen 2008 und 2014 abgenommen.

127
	

8.1

Einleitung

Mit zunehmendem Alter spielt die Aufrechterhaltung einer guten Gesundheit nicht nur für das
Wohlbefinden oder für persönliche Aktivitäten (vgl. Kapitel 11 und 17) eine bedeutende Rolle,
sondern auch für die gesellschaftliche Teilhabe, wie das ehrenamtliche Engagement oder die
Erwerbstätigkeit (vgl. Kapitel 3 und 5). Gute Gesundheit umfasst dabei nicht nur die Abwesenheit
von Krankheit sondern mehrere Dimensionen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert
Gesundheit zum Beispiel „als Zustand des vollkommenen körperlichen, seelischen und sozialen
Wohlbefindens und nicht als die bloße Abwesenheit von Krankheit oder Gebrechen“ (WHO 1946:
1). Häufig werden in der Erforschung der Gesundheit vier Facetten unterschieden: subjektive,
psychische, körperliche und funktionale Gesundheit.
Die subjektive Gesundheit ist die individuelle Bewertung des Gesundheitszustands einer Person
und ein bedeutender Prädiktor für Lebensqualität. Sie wird normalerweise mit einer einzelnen
Frage „Wie schätzen Sie Ihren derzeitigen Gesundheitszustand ein?“ von ‚sehr schlecht‘ bis ‚sehr
gut‘ erfasst. Die subjektive Gesundheit wird in Kapitel 10 genauer thematisiert. Die psychische
Gesundheit umfasst verschiedene psychische Erkrankungen wie zum Beispiel Depressionen.
Depressive Symptome als Ausdruck der negativen Befindlichkeit werden in Kapitel 11 untersucht.
Das vorliegende Kapitel beschäftigt sich dagegen näher mit der körperlichen und funktionalen
Gesundheit und verfolgt dabei zwei zentrale Fragen: Wie ist die Gesundheit im Jahr 2014 und
wie hat sich die Gesundheit seit 1996 gewandelt?
Die körperliche Gesundheit wird durch die Erkrankungen einer Person beschrieben und auch
unter dem Begriff der Morbidität gefasst. Je nach Definition gilt die Kombination mehrerer
(mindestens zwei) chronischer Erkrankungen als Multimorbidität. Häufig, wie auch im Deutschen
Alterssurvey (DEAS), werden dazu selbstberichtete Erkrankungen herangezogen, die ein ähnlich
gutes Maß für die körperliche Gesundheit sind wie von Ärzten diagnostizierte Erkrankungen
(Katz, Chang, Sangha, Fossel, & Bates 1996). Zudem wird im DEAS als ein medizinisch
objektiver Indikator die Lungenfunktion als zusätzliches Maß der körperlichen Gesundheit und
Fitness erhoben.
Die funktionale Gesundheit bezieht sich auf Einschränkungen in der Mobilität oder den
Alltagskompetenzen. Diese funktionalen Einschränkungen sind neben der Anzahl der
körperlichen Erkrankungen von zentraler Bedeutung. Denn körperlich krank zu sein heißt nicht
unbedingt auch funktional eingeschränkt zu sein. Viele Menschen mit einer oder mehreren
Erkrankungen meistern ihren Alltag ohne jegliche Einschränkungen.
Durch altersphysiologische Prozesse nimmt mit steigendem Lebensalter die Wahrscheinlichkeit
zu, an chronischen Erkrankungen zu leiden (Barnett, Mercer, Norbury, Watt, Wyke, & Guthrie
2012). Zum Beispiel erhöht die Abnahme der Knochendichte und der Muskelkraft das Risiko für
Muskelskeletterkrankungen wie Osteoporose oder einen Bandscheibenvorfall. Auch erhöht die
Abnahme von Arterienelastizität und Herzschlagvolumen die Wahrscheinlichkeit von
Herzkreislauferkrankungen. Gleichzeitig kumulieren Risikofaktoren wie Rauchen oder
Übergewicht über das Lebensalter hinweg und können zu einer erhöhten Prävalenz von
Erkrankungen wie Krebs und Bluthochdruck beitragen. Es ist demnach davon auszugehen, dass
im hohen Lebensalter mehr Menschen von Multimorbidität betroffen sind als in jüngeren Jahren.
Aber auch im mittleren Erwachsenenalter werden bereits vermehrt chronische Erkrankungen
berichtet (Barnett, Mercer et al. 2012). Diagnostizierte Erkrankungen müssen aber nicht
bedeuten, dass man im Alltag gesundheitlich eingeschränkt ist. Häufig stellen die chronischen
Erkrankungen zunächst aufgrund guter medikamentöser Einstellung sowie präventiver

128
	

Maßnahmen (zum Beispiel Bewegung) keine Einschränkungen im Leben der Betroffenen dar.
Erst später im Lebenslauf kommt es durch altersphysiologische Prozesse und durch das
kumulierte Auftreten von Multimorbidität sowie von Risikofaktoren (zum Beispiel Rauchen,
Feinstaubbelastung) zu funktionalen Einschränkungen (Aarts, den Akker, Bosma, Tan, Verhey,
Metsemakers, & van Boxtel 2012).
Frauen sind häufiger von Multimorbidität betroffen als Männer (Fuchs, Busch, Lange, & ScheidtNave 2012) und berichten auch mehr funktionale Einschränkungen als Männer (Menning &
Hoffmann 2009). Gründe dafür liegen zum einen in den gesundheitlichen Nachteilen eines
geringeren Bildungs- und Einkommensniveaus von Frauen (vgl. Kapitel 6). Zum anderen erleben
Frauen in ihrem Lebenslauf größere physiologische und hormonelle Veränderungen
(Schwangerschaft, Menopause) als Männer. Frauen haben unter anderem dadurch ein anderes
Krankheitsspektrum als Männer, sie sind zum Beispiel häufiger von Krankheiten, die die Mobilität
beeinträchtigen (muskuloskelettale Erkrankungen wie Arthrose und Osteoporose), betroffen
(Menning & Hoffmann 2009; Pietschmann, Rauner, Sipos, & Kerschan-Schindl 2008), die unter
anderem eine Ursache für funktionale Einschränkungen sein können.
Auch unterscheidet sich die Gesundheit nach dem Bildungsniveau einer Person. Menschen mit
niedriger Bildung besitzen weniger Ressourcen zur Aufrechterhaltung der Gesundheit, wie
finanzielle Mittel, soziale Beziehungen oder Wissen über Gesundheit und Gesundheitsverhalten.
Hinzu kommen möglicherweise auch stärkere körperliche Belastungen im Erwerbsleben.
Aufgrund von geringerem gesundheitlichem Vorwissen und weniger umfassenden
Krankenversicherungen (zum Beispiel weniger private Zusatzversicherungen, weniger finanzielle
Möglichkeiten für Hilfsmittel) kann es auch zu einer schlechteren medizinischen Versorgung
Niedriggebildeter kommen. Dementsprechend haben Niedriggebildete ein größeres Risiko für
mehrere Krankheiten (Nagel, Peter, Braig, Hermann, Rohrmann, & Linseisen 2008; Robert KochInstitut 2015). Außerdem haben Personen mit geringer Bildung auch eine schlechtere
Lungenfunktion als Menschen mit höherer Bildung (Hegewald & Crapo 2007). Es ist zudem auch
von stärkeren funktionalen Einschränkungen bei Niedriggebildeten auszugehen (Huisman, Kunst,
Deeg, Grigoletto, Nusselder, & Mackenbach 2005; Robert Koch-Institut 2015).
Mit der steigenden Lebenserwartung stellt sich die Frage, ob die gewonnene Lebenszeit in
Krankheit oder in guter Gesundheit verbracht wird. Dazu gibt es in der Forschung
unterschiedliche Thesen. Morbiditätsexpansion bedeutet, dass die Anzahl an Jahren mit
Erkrankungen schneller zunimmt als die Lebenserwartung insgesamt (Gruenberg 1977): Wir
leben zwar länger, müssen dafür aber einen überproportionalen Zuwachs an Jahren in Krankheit
in Kauf nehmen. Morbiditätskompression heißt, dass der Zuwachs an gesunden Lebensjahren im
Alter größer ist als der Zuwachs an Lebenserwartung (Fries 1980). Das bedeutet, dass wir länger
leben und gleichzeitig auch einen größeren Anteil unseres Lebens in Gesundheit verbringen.
Beim dynamischen Äquilibrium wiederum geht man davon aus, dass zwar die Anzahl der
Erkrankungen steigt, diese aber besser behandelbar sind und damit weniger Leid und weniger
funktionale Einschränkungen verursachen. Es entsteht ein dynamisches Gleichgewicht zwischen
dem Zuwachs an Gesamtlebenszeit und dem Zuwachs an Lebensjahren mit leichteren
Gesundheitsbeeinträchtigungen (Manton 1982). Im vorliegenden Kapitel werden mit den DEASDaten in diesem Zusammenhang sowohl Aspekte der Morbidität als auch der Funktionalität ohne
Berücksichtigung der Lebenserwartung analysiert. Es wird also untersucht, ob es zwischen den
Kohorten Unterschiede in der Krankheitslast gibt. Zudem wird analysiert, ob sich die
Veränderungen bei den selbstberichteten Krankheiten und Einschränkungen auch in einem
medizinisch objektiven Maß, der Lungenfunktion, spiegeln.

129
	

Insbesondere für das Gesundheitssystem, die Pflegeversicherung und die Rentenpolitik ist es
wichtig zu wissen, ob nachfolgende Kohorten eine bessere Gesundheit berichten, das heißt
weniger selbstberichtete Erkrankungen und weniger funktionale Einschränkungen, als ältere
Kohorten. Aufgrund des medizinischen Fortschritts, des höheren Bildungsgrades und eines
gesünderen Lebensstils nachfolgender Kohorten ist mit einer Verbesserung des
Gesundheitszustandes von 1996 zu 2014 zu rechnen. In der Literatur finden sich mit den Daten
des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) weniger funktionale Einschränkungen bei jüngeren
Kohorten von 1997 bis 2010 (Trachte, Sperlich, & Geyer 2015). Von 2006 zu 2012 dagegen
zeigte sich ebenfalls mit den Daten des SOEP ein altersdifferenziertes Bild (Steiber 2015):
Während bei den 50- bis 64-Jährigen die funktionale Gesundheit abnahm, blieb sie bei den 65bis 90-Jährigen stabil. In anderen Studien in Deutschland deutet sich eine Zunahme der
gesunden Lebenserwartung unabhängig vom Alter an (Kroll & Ziese 2009). Ältere Befunde
weisen zudem darauf hin, dass sich auch die Lungenfunktion von 1965 zu 1990 in nachfolgenden
Kohorten verbessert hat (Xu, Laird, Dockery, Schouten, Rijcken, & Weiss 1995). In Statistiken
aus verschiedenen europäischen Ländern, den USA und Japan, zeigt sich häufig eine erhöhte
Morbidität bei gleichzeitiger Abnahme von funktionalen Einschränkungen in nachfolgenden
Kohorten, was für ein dynamisches Gleichgewicht spricht (Klijs, Mackenbach, & Kunst 2011;
Doblhammer & Kreft 2011). Es gibt aber auch Studien, die zeigen, dass die gesunde
Lebenserwartung in vielen Ländern weniger schnell steigt als die generelle Lebenserwartung,
was auf eine Zunahme der Morbidität hindeutet (Salomon, Wang, Freeman, Vos, Flaxman,
Lopez, & Murray 2013).
Neben dem allgemeinen Trend ist es wichtig zu wissen, ob alle Bevölkerungsgruppen
gleichermaßen von diesem Wandel betroffen sind. Zum Beispiel könnte sich die Gesundheit von
Erwachsenen im mittleren Alter durch weniger körperliche Belastungen in der Arbeitswelt über
die Kohorten verbessern, während höhere Altersgruppen von diesem Wandel (noch) nicht
profitieren. Für Männer und Frauen könnte der Wandel durch eine Angleichung der
Lebensbedingungen in nachfolgenden Kohorten geprägt sein: Frauen, die ohnehin von mehr
Erkrankungen und Einschränkungen betroffen sind, könnten durch eine steigende
Erwerbsbeteiligung und die damit verbundenen Belastungen in jüngeren Kohorten eine
schlechtere Gesundheit aufweisen. Von besonderer gesellschaftlicher Bedeutung sind
Bildungsunterschiede: Es gilt die Frage zu klären, ob sich Bildungsunterschiede in nachfolgenden
Kohorten eher verschärfen oder verringern. So finden sich beispielsweise Hinweise auf eine
Morbiditätskompression bei Hochgebildeten und eine Morbiditätsexpansion bei Personen mit
niedrigerer Bildung in den USA (Meara, Richards, & Cutler 2008).
Das vorliegende Kapitel wird sich entsprechend mit den zwei folgenden Fragen
auseinandersetzen:
•	 Wie ist die Gesundheit (selbstberichtete Erkrankungen und funktionale Gesundheit) für
verschiedene Bevölkerungsgruppen im Jahr 2014?
•	 Wie hat sich die Gesundheit über den Erhebungszeitraum gewandelt? Sind alle 

Bevölkerungsgruppen gleichermaßen vom Wandel betroffen? 


8.2

Datengrundlage

Daten. Für die Beantwortung der Fragestellungen werden die Daten der 40- bis 85-Jährigen
Teilnehmerinnen und Teilnehmer des DEAS aus den Jahren 1996, 2002, 2008 und 2014 genutzt.

130
	

Die selbstberichteten Erkrankungen werden seit 1996 im schriftlichen Fragebogen erfasst, der
Lungenfunktionstest wird seit 2008 als Teil des mündlichen Interviews durchgeführt und die
funktionale Gesundheit wird im mündlichen Interview seit dem Jahr 2002 erfasst.
Selbstberichtete Erkrankungen. Die Anzahl der Erkrankungen wird im DEAS mit elf
Krankheitsgruppen erfasst (Eigenentwicklung für den DEAS 1996; Wurm, Tesch-Römer, &
Tomasik 2007). Die Befragten wurden gebeten anzugeben, welche der folgenden Erkrankungen
sie haben: Herzkreislauferkrankung; Durchblutungsstörung; Gelenk-, Knochen-, Bandscheibenoder Rückenleiden; Atemwegserkrankung, Asthma oder Atemnot; Magen- oder Darmerkrankung;
Krebserkrankung; Zucker/Diabetes; Gallen-, Leber- oder Nierenleiden; Blasenleiden;
Augenleiden/Sehstörungen; Ohrenleiden/Schwerhörigkeit. Zur Datenanalyse für das vorliegende
Kapitel wurde die Anzahl der körperlichen Erkrankungen in einen Multimorbiditätsindex überführt.
Das heißt, es wird bei jeder Fragestellung der Anteil an Personen, die keine oder eine
Erkrankung haben, der Anteil an Personen, die eine mittlere Krankheitslast aufweisen – also zwei
bis vier Erkrankungen haben – und der Anteil an Personen, die eine hohe Krankheitslast haben –
also fünf und mehr Erkrankungen angeben – berichtet.
Lungenfunktion. Die Lungenfunktion wurde mittels des Mini-Wright Peak-Flow-Meters gemessen
(Teilnahmequote 87,8 Prozent im Jahr 2008 und 90,8 Prozent im Jahr 2014; vgl. Kapitel 2). Dazu
werden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer gebeten so schnell und kräftig wie möglich in ein
Spirometer auszuatmen. Gemessen wird dabei die Höchstgeschwindigkeit mit der eine Person
ausatmen kann. Die berichteten Werte entsprechen Liter pro Minute. Die meisten
Teilnehmerinnen und Teilnehmer liegen mit ihren Werten im Normbereich der Lungenfunktion. Im
Jahr 2008 haben nur 3,3 Prozent, im Jahr 2014 nur 1,9 Prozent auffällig niedrige Werte gezeigt.
Funktionale Gesundheit. Die funktionale Gesundheit wird im DEAS mit zehn Fragen zu
Einschränkungen in täglichen Aktivitäten erfasst (Subskala körperliche Funktionsfähigkeit der SF36; Bullinger & Kirchberger 1998; Ware & Sherbourne 1992). Die zehn Tätigkeiten sind bei der
Abfrage nach absteigender Schwierigkeit geordnet. Dabei handelt es sich um: anstrengende
Tätigkeiten (zum Beispiel schnell laufen, schwere Gegenstände heben, anstrengenden Sport
treiben); mittelschwere Tätigkeiten (zum Beispiel einen Tisch verschieben, staubsaugen, kegeln,
Golf spielen); Einkaufstaschen heben oder tragen; mehrere Treppenabsätze steigen; einen
Treppenabsatz steigen; sich beugen, knien, bücken; mehr als einen Kilometer zu Fuß gehen;
mehrere Straßenkreuzungen weit zu Fuß gehen; eine Straßenkreuzung weit zu Fuß gehen; sich
baden oder anziehen. Die Befragten schätzten ein, inwiefern sie bei den genannten Tätigkeiten
‚überhaupt nicht‘ (1), ‚etwas‘ (2) oder ‚stark‘ (3) eingeschränkt sind. Die Antworten wurden für
jede Person gemittelt. Bei den folgenden Ergebnissen wird jeweils der Anteil an Personen
berichtet, die keine oder geringe Einschränkungen angeben (Mittelwert < 1,3) und damit eine
gute funktionale Gesundheit berichten.
Gruppierungsvariablen. Altersunterschiede werden mit drei Altersgruppen (40 bis 54 Jahre, 55
bis 69 Jahre und 70 bis 85 Jahre) veranschaulicht. Weiterhin werden für Gruppenunterschiede
das Geschlecht der Befragten und der Bildungsgrad in drei Stufen (niedrige, mittlere und hohe
Bildung) genutzt, gemessen mit einer reduzierten ISCED-Klassifizierung. Altersunterschiede im
Wandel werden, falls vorhanden, mit Sechs-Jahres-Altersgruppen beschrieben, damit es nicht zu
Überschneidungen zwischen den Erhebungszeitpunkten und den Altersgruppen kommt (42 bis
47 Jahre, 48 bis 53 Jahre, 54 bis 59 Jahre, 60 bis 65 Jahre, 66 bis 71 Jahre, 72 bis 77 Jahre, 78
bis 83 Jahre). Weitere Informationen zu den Gruppierungsvariablen finden sich in Kapitel 2.

131
	

Analysen. Signifikanztestungen erfolgten über lineare, logistische und ordinale
Regressionsmodelle unter Kontrolle der Stratifizierungsvariablen Altersgruppe (40 bis 54 Jahre,
55 bis 69 Jahre und 70 bis 85 Jahre), Geschlecht und Region (West-/Ostdeutschland). Für die
Regressionen zur Überprüfung der Unterschiede bei der Lungenfunktion wurde zusätzlich zu den
Stratifizierungsvariablen die Größe der Befragten kontrolliert, da die Körpergröße einen starken
Einflussfaktor auf die Lungenfunktion darstellt (Pellegrino, Viegi, Brusasco, Crapo, Burgos,
Casaburi, Coates, van der Grinten, Gustafsson, Hankinson, Jensen, Johnson, MacIntyre, McKay,
Miller, Navajas, Pedersen, & Wanger 2005). In den meisten Abbildungen werden gewichtete
Ergebnisse dargestellt. Abbildung 8-2 stellt die aus den am Mikrozensus gewichteten logistischen
Regressionen errechneten Prozentwerte dar.

8.3

Gesundheit im Jahr 2014

Im Jahr 2014 beträgt über alle Altersgruppen hinweg der Anteil an Personen, die keine oder eine
Erkrankung berichten, 37,8 Prozent. Der Anteil an Personen mit zwei bis vier Erkrankungen
beträgt 48,8 Prozent und der Anteil von Personen mit fünf oder mehr Erkrankungen 13,3 Prozent
(Abbildung 8-1a). Es zeigen sich im Jahr 2014 deutliche Altersunterschiede bei der Anzahl der
selbstberichteten Erkrankungen. Während bei den 40- bis 54-Jährigen noch gut die Hälfte (52,9
Prozent) null oder eine Erkrankung angeben, sind es bei den 70- bis 85-Jährigen nur noch 17,9
Prozent. Betrachtet man nur die Personen, die keine Erkrankung berichten (ohne Abbildung),
nimmt der Anteil noch einmal deutlich ab: In der jüngsten Altersgruppe berichten 22,2 Prozent,
bei den 55- bis 69-Jährigen 12,8 Prozent und bei den 70- bis 85-Jährigen immerhin noch 4,8
Prozent gar keine Erkrankung. Dagegen ist der Anteil an Personen, die zwei bis vier sowie fünf
und mehr Erkrankungen haben, in höheren Altersgruppen größer. Unter den 40- bis 54-Jährigen
berichten nur 5,1 Prozent fünf und mehr Erkrankungen, bei den 55- bis 69-Jährigen sind es
immerhin 14,3 Prozent und unter den 70- bis 85-Jährigen berichtet ein Viertel der Personen (25,4
Prozent) fünf und mehr Erkrankungen. Aufgrund von altersphysiologischen Prozessen bestehen
auch deutliche Unterschiede bei der Lungenfunktion. Die 40- bis 54-Jährigen erreichen im
Durchschnitt einen Wert von 457,7 l/min, die 55- bis 69-Jährigen einen Wert von 405,9 l/min und
die 70- bis 85-Jährigen haben im Schnitt einen Wert von 323,5 l/min (vgl. Tabelle A 8-3 im
Anhang).
Ähnlich wie bei den Erkrankungen und der Lungenfunktion besteht auch beim Anteil an Personen
mit guter funktionaler Gesundheit, wie erwartet, ein Altersunterschied (Abbildung 8-1b). Von den
40- bis 54-Jährigen berichten 83,5 Prozent eine gute funktionale Gesundheit. Dieser Anteil liegt
bei den 55- bis 69-Jährigen bei 66,8 Prozent. Immerhin knapp die Hälfte der 70- bis 85-Jährigen
berichtet noch eine gute funktionale Gesundheit (48,4 Prozent).
Der Anteil an Personen mit null oder einer, zwei bis vier sowie fünf und mehr Erkrankungen
unterscheidet sich nicht zwischen Männern und Frauen (Abbildung 8-1a). Der erwartete
Geschlechtsunterschied zeigt sich also nicht für die selbstberichteten Erkrankungen. Die
Lungenfunktion dagegen unterscheidet sich wegen biologischer Voraussetzungen zwischen
Männern und Frauen (486,7 l/min versus 330,0 l/min; vgl. Tabelle A 8-3 im Anhang). Männer
berichten zu einem größeren Anteil (73,9 Prozent) eine gute funktionale Gesundheit als Frauen
(64,2 Prozent; Abbildung 8-1b). Es sind also wie erwartet mehr Frauen von funktionalen
Einschränkungen betroffen als Männer.

132
	

Abbildung 8-1:	

Anzahl selbstberichteter Erkrankungen und Anteile der Personen mit
guter funktionaler Gesundheit, gesamt, nach Alter, Geschlecht und
Bildung, im Jahr 2014 (in Prozent)

a) Anzahl selbstberichteter Erkrankungen
0 oder 1 Erkrankung
100
13,3

Prozent

80
60

5,1

2 bis 4 Erkrankungen
14,3

13,7

9,4

14,4
27,3

42,0
48,8

48,8

51,2

48,8

48,6

52,9
37,8

49,0

49,8

56,7

40
20

12,9
25,4

5 und mehr Erkrankungen

38,3

34,4

37,4

37,1

41,6

23,0

17,9

0
Gesamt

40-54
Jahre

55-69
Jahre

70-85
Jahre

Männer

Frauen

Niedrige Mittlere Hohe
Bildung Bildung Bildung

64,2

65,4

b) Anteile der Personen mit guter funktionaler Gesundheit
100

Prozent

80
60
40

83,5
68,9

73,9

66,8

79,1

48,4

20

45,8

0
Gesamt

40-54
Jahre

55-69
Jahre

70-85
Jahre

Männer

Frauen

Niedrige Mittlere Hohe
Bildung Bildung Bildung

Quelle: DEAS 2014 (Selbstberichtete Erkrankungen: n = 4.219 ; funktionale Gesundheit: n = 5.997 ) gewichtet, gerundete
Angaben; (p < ,05).
a) Signifikante Altersgruppenunterschiede. Keine signifikanten Geschlechtsunterschiede. Signifikante
Bildungsgruppenunterschiede in allen Kategorien außer im Anteil an Personen mit zwei bis vier Erkrankungen zwischen
Personen mit mittlerer und hoher Bildung. b) Altersgruppen-, Geschlechts- und Bildungsgruppenunterschiede signifikant.

Bei der Gesundheit bestehen im Jahr 2014 große Bildungsunterschiede.
Auch die Bildungsunterschiede entsprechen 2014 den Erwartungen (Abbildung 8-1a und 8-1b).
Der Anteil an Personen mit keiner oder einer Erkrankung ist geringer bei Niedriggebildeten (23,0
Prozent) im Vergleich zu Personen mit mittlerer oder hoher Bildung (37,1 beziehungsweise 41,6
Prozent; Abbildung 8-1a). Auch Personen mit mittlerer und hoher Bildung unterscheiden sich hier
bedeutsam. Der Anteil an Personen mit zwei bis vier Erkrankungen ist bei Personen mit niedriger
Bildung im Vergleich zu Personen mit mittlerer beziehungsweise hoher Bildung etwas höher,
während sich Menschen mit mittlerer und hoher Bildung hier nicht signifikant unterscheiden. Der
Anteil von Personen mit fünf und mehr Erkrankungen ist in höheren Bildungsgruppen geringer.

133
	

Alle Bildungsgruppen unterscheiden sich dabei signifikant voneinander. Das bedeutet, dass
Niedriggebildete häufiger mehrere Krankheiten berichten als Personen mit mittlerem oder hohem
Bildungsniveau. Auch die Lungenfunktion von Personen mit höherer Bildung ist besser als die
von Personen mit niedrigerer Bildung. Im Durchschnitt erreichen Personen mit niedriger Bildung
einen Wert von 299,3 l/min, Personen mit mittlerer Bildung einen Wert von 393,8 l/min und
Personen mit hoher Bildung haben im Schnitt einen Wert von 448,4 l/min (ohne Abbildung). Mit
höherer Bildung steigt auch der Anteil an Menschen, die eine gute funktionale Gesundheit
berichten (Abbildung 8-1b). Während die Niedriggebildeten nur zu 45,8 Prozent eine gute
funktionale Gesundheit berichten, sind es bei den Personen mit mittlerer Bildung 65,4 Prozent
und bei den Hochgebildeten 79,1 Prozent. Das heißt, dass Niedriggebildete häufiger funktionale
Einschränkungen berichten als Personen mit mittlerer oder höherer Bildung.
Trotz eines hohen Anteils von Personen mit Mehrfacherkrankungen berichten viele der 40­
bis 85-Jährigen im Jahr 2014 eine gute funktionale Gesundheit.
Auch wenn gut 60 Prozent der 40- bis 85-Jährigen mehr als eine Erkrankung berichten, heißt
dies nicht unbedingt, dass diese Personen auch funktional in ihrem Alltag eingeschränkt sind. Um
zu überprüfen, inwiefern sich der Anteil an Personen mit guter funktionaler Gesundheit unter den
Menschen mit null oder einer, zwei bis vier oder fünf und mehr Erkrankungen unterscheidet,
wurde der Zusammenhang der beiden Gesundheitsdimensionen untersucht. Dieser
Zusammenhang erwies sich als statistisch signifikant: Personen, die mehr Erkrankungen
berichten, geben seltener eine gute funktionale Gesundheit an. Allerdings berichten unter den
Personen mit zwei bis vier Erkrankungen noch gut zwei Drittel eine gute funktionale Gesundheit
(68,3 Prozent) und selbst die Personen mit fünf und mehr Erkrankungen geben noch zu 39,2
Prozent eine gute funktionale Gesundheit an (Abbildung 8-2).

Abbildung 8-2:	

Anteile der Personen mit guter funktionaler Gesundheit nach der
Anzahl an selbstberichteten Erkrankungen, im Jahr 2014 (in Prozent)

100

Prozent

80
60
40

87,1
68,3

20

39,2

0
0 oder 1
Erkrankung

2 bis 4
Erkrankungen

5 und mehr
	
Erkrankungen
	

Quelle: DEAS 2014 (n = 4.219) gewichtet, gerundete Angaben; (p < ,05).
	
Signifikanter Zusammenhang zwischen selbstberichteten Erkrankungen und guter funktionaler Gesundheit. Signifkante 

Unterschiede in der funktionalen Gesundheit zwischen allen Kategorien der selbstberichteten Erkrankungen.
	

134
	

8.4

Der Wandel der Gesundheit über die Jahre 1996, 2002, 2008 und 2014

Bisher hatten sich in den Daten des DEAS von 1996 bis 2008 positive Ergebnisse im Wandel der
Gesundheit gezeigt. Jüngere Kohorten hatten weniger Erkrankungen (1996 bis 2008) und eine
bessere funktionale Gesundheit berichtet als ältere Kohorten (2002 bis 2008; Wurm, Schöllgen, &
Tesch-Römer 2010).
Der Wandel hin zu weniger selbstberichteten Erkrankungen von 1996 zu 2008 setzt sich im
Jahr 2014 nicht fort.
Unterschiede zwischen den Erhebungsjahren 1996 bis 2014 in dem Anteil an Personen mit null
oder einer, zwei bis vier sowie fünf und mehr Erkrankungen sind in Abbildung 8-3 dargestellt. Im
Mittel hat der Anteil an Personen, die keine oder eine Erkrankung berichten, von 1996 (35,9
Prozent) zu 2014 (37,8 Prozent) zugenommen. Allerdings zeigt sich von 2002 zu 2008 ein
Plateau auf hohem Niveau (circa 44 Prozent), gefolgt von einer Abnahme zum Jahr 2014. Der
Anteil an Personen mit zwei bis vier Erkrankungen und der an Personen mit fünf und mehr
Erkrankungen hat sich über die Erhebungsjahre gleichermaßen verändert. Damit setzt sich der
positive Trend zu weniger selbstberichteten Erkrankungen, der sich bis 2008 gezeigt hatte, im
Jahr 2014 nicht fort. Der Wandel unterscheidet sich nicht bezüglich der Altersgruppen, des
Bildungsniveaus oder des Geschlechts. Das heißt, die Veränderungen über die Erhebungsjahre
betreffen alle untersuchten gesellschaftlichen Gruppen gleichermaßen und die Gruppen
unterscheiden sich nur in der Höhe der prozentualen Anteile in den drei Krankheitsgruppen.

Abbildung 8-3:	
100
14,3

Anzahl an selbstberichteten Erkrankungen, in den Jahren 1996, 2002,
2008 und 2014 (in Prozent)
11,4

10,3

45,1

45,6

13,3

Prozent

80
60

49,8

48,8

5 und mehr Erkrankungen
2 bis 4 Erkrankungen
0 oder 1 Erkrankung

40
20

35,9

43,5

44,1

2002

2008

37,8

0
1996

2014

Quelle: DEAS 1996 (n = 4.003), 2002 (n = 2.775), 2008 (n = 4.352), 2014 (n = 4.219) gewichtet, gerundete Angaben; (p < ,05).
Signifikante Unterschiede zwischen 1996 und allen anderen Erhebungsjahren (2002, 2008 bzw. 2014) in allen
Krankheitskategorien. Stabilität von 2002 zu 2008 und signifikante Unterschiede von 2008 zu 2014 in allen
Krankheitskategorien.

Die Lungenfunktion hat sich im Gegensatz zu den selbstberichteten Erkrankungen von 2008 zu
2014 leicht von 401,0 l/min auf 406,8 l/min verbessert (vgl. Tabelle A 8-3 im Anhang). Das
entspricht einem prozentualen Anstieg von 1,5 Prozent. Die Veränderung unterscheidet sich nicht

135
	

nach den Altersgruppen und betrifft alle Bildungsgruppen sowie beide Geschlechter
gleichermaßen.
Für die funktionale Gesundheit ergibt sich im Wandel von 2002 zu 2014 für die Alters- und
Bildungsgruppen ein differenzierteres Bild. Der Wandel unterscheidet sich jedoch nicht für
Männer und Frauen. Für fast alle Altersgruppen unter 65 Jahren (42 bis 47 Jahre, 54 bis 59
Jahre, 60 bis 65 Jahre) ist der Anteil an Personen, die eine gute funktionale Gesundheit
berichten, von 2002 zu 2008 stabil geblieben, hat jedoch entsprechend der Entwicklung der
körperlichen Erkrankungen von 2008 zu 2014 abgenommen (Abbildung 8-4).
Dabei zeigt sich zusätzlich zum Altersunterschied auch ein Unterschied zwischen den
Bildungsgruppen (ohne Abbildung): Der Anteil an Personen mit guter funktionaler Gesundheit ist
bei Personen mit mittlerer Bildung von 2008 zu 2014 stärker gesunken als in den anderen beiden
Bildungsgruppen, sodass sie sich im Jahr 2014 eher dem Niveau von Niedriggebildeten
annähern als dem von Hochgebildeten. Somit haben sich die Bildungsunterschiede zwischen
Personen mit mittlerer und hoher Bildung von 2008 zu 2014 vergrößert.
Der Anteil an Personen mit guter funktionaler Gesundheit hat zwischen 2008 und 2014
zugenommen, allerdings nur bei den über 65-Jährigen.
In den Altersgruppen ab 65 Jahren zeichnet sich hingegen konsistent über die Bildungsgruppen
ein positives Bild ab. Es hat sich eine Zunahme des Anteils an Personen mit guter funktionaler
Gesundheit von 2002 zu 2014 (66 bis 71 Jahre und 78 bis 83 Jahre) gezeigt, wobei der Anteil
von 2008 zu 2014 stabil geblieben ist. Bei den übrigen Altersgruppen (48 bis 53 Jahre und 72 bis
77Jahre) ist der Anteil an Personen, die eine gute funktionale Gesundheit berichten, seit 2002
stabil geblieben.

Abbildung 8-4:	

Anteile der Personen mit guter funktionaler Gesundheit, nach Alter, in
den Jahren 2002, 2008 und 2014 (in Prozent)
2014

2008

2002
100

Prozent

80
60
40

91,8

89,5

83,9

86,2

85,8

83,1

79,2

82,1

70,2

71,3

74,7

63,7

60,8

69,0

66,6
49,0

20

52,8

54,0
36,8
24,5

34,7

0
42-47
Jahre

48-53
Jahre

54-59
Jahre

60-65
Jahre

66-71
Jahre

72-77
Jahre

78-83
Jahre

Quelle: DEAS 2002 (n = 3.074), 2008 (n = 6.202), 2014 (n = 5.997) gewichtet, gerundete Angaben; (p < ,05).
Stabilität von 2002 zu 2008 und signifikante Abnahme von 2008 zu 2014 für die Altersgruppen 42 bis 47 Jahre, 54 bis 59 Jahre
und 60 bis 65 Jahre. Signifikante Zunahme von 2002 zu 2008 bzw. 2014 und Stabilität von 2008 zu 2014 bei den 66- bis
71-Jährigen und 78- bis 83-Jährigen. Keine Veränderung von 2002 zu 2008 und von 2008 zu 2014 bei den 48- bis 53-Jährigen
und 72- bis 77-Jährigen.

136
	

8.5

Diskussion und Implikationen

Im Jahr 2014 zeigen sich wie erwartet deutliche Altersunterschiede bei der Gesundheit. Während
das Vorhandensein mehrerer Erkrankungen bereits im mittleren Erwachsenenalter weit verbreitet
ist, kommen funktionale Einschränkungen erst im hohen Alter gehäuft vor. Auch wenn mehr als
eine Erkrankung vorliegt, berichten die Menschen nicht unbedingt von gesundheitlichen
Einschränkungen in ihrem Alltag. Einerseits kann dies widerspiegeln, dass einige Erkrankungen
gar nicht oder erst nach langen chronischen Verläufen Einschränkungen im Alltag verursachen.
Andererseits spricht dieses Ergebnis für die gute medizinische Versorgung und Medikation von
chronischen Erkrankungen und für ein gesundheitsbewusstes Vorsorgeverhalten (zum Beispiel
Gesundheitsverhalten, Vorsorgeuntersuchungen) von Betroffenen. Wichtig ist es, hier auch
zukünftig über Präventionsmaßnahmen aufzuklären und eine gute Versorgung sicherzustellen,
sodass sich funktionale Einschränkungen weiter in höhere Lebensjahre verschieben und ein
längeres Leben ohne Einschränkungen möglich ist. Insbesondere eine niedrige Bildung stellt hier
jedoch einen Risikofaktor dar. Im Jahr 2014 zeigen sich weiterhin deutliche Bildungsunterschiede
sowohl in der Morbidität und der Lungenfunktion als auch in der funktionalen Gesundheit. Es ist
Aufgabe der Politik, hier für Aufklärung in allen Bevölkerungsgruppen zu sorgen und den Zugang
zu guter medizinischer Versorgung und Prävention auch für Personen mit niedriger Bildung und
einem damit einhergehenden geringen finanziellen Spielraum sicherzustellen. Besorgniserregend
ist auch, dass sich im Wandel die unter 66-Jährigen mit mittlerer Bildung in ihrer funktionalen
Gesundheit eher denen mit niedriger Bildung angenähert haben als denen mit hoher Bildung.
Damit ist der Vorsprung in der Gesundheit von Hochgebildeten gegenüber den anderen
Bildungsgruppen zusehends größer geworden.
Betrachtet man die Gesundheit für alle Bevölkerungsgruppen im Wandel zeigt sich womöglich
eine Trendwende. Der Anteil an Personen mit keiner oder einer Erkrankung, der von 1996 bis
2008 deutlich zugenommen hat, ist 2014 wieder gesunken. Für die Menschen im mittleren Alter
(bis 65 Jahre) hat sich diese Wende auch in den funktionalen Einschränkungen gezeigt. Das
Ergebnis entspricht nicht den Erwartungen über eine weiterhin positive Entwicklung der
Gesundheit aufgrund des kontinuierlichen medizinischen Fortschritts. Nur bei den über 65Jährigen ist entsprechend dieser Annahme der Anteil an Personen, die eine gute funktionale
Gesundheit berichten, gestiegen. Auch wenn die Gesundheit nicht unter das Niveau von 1996
gesunken ist und abzuwarten ist, wie sich der Trend nach 2014 fortsetzt, kann dieses Ergebnis
als Alarmsignal verstanden werden. Diese Ergebnisse stehen in Einklang mit den Befunden des
SOEP über einen ähnlichen Zeitraum von 2006 zu 2012 (Steiber 2015). Auch in Frankreich kam
eine Studie zu dem Schluss, dass im mittleren, nicht aber im höheren Erwachsenenalter die
funktionalen Einschränkungen zugenommen haben (Cambois, Audrey, & Robine 2012). Ein
Erklärungshinweis könnte der gestiegene Anteil von Raucherinnen und Rauchern im Jahr 2014
im Vergleich zu 2008 sein (vgl. Kapitel 9). Weiterhin zeigt sich in Kapitel 12, dass der Anteil an
Personen, die eine andere Person wegen gesundheitlichen Einschränkungen unterstützen, von
2008 zu 2014 zugenommen hat. Einerseits stellt dies eine gesundheitliche Belastung für die
Unterstützenden dar, andererseits weist es auf einen erhöhten Unterstützungsbedarf aufgrund
von gesundheitlichen Einschränkungen Älterer hin. Durch die gestiegene Erwerbsbeteiligung seit
2008 (vgl. Kapitel 3) und den gleichzeitigen Anstieg der Betreuung von Enkelkindern (vgl.
Kapitel 15) sowie der Unterstützung von Personen mit gesundheitlichen Problemen (vgl.
Kapitel 12) kann zudem eine Mehrfachbelastung entstehen, die insbesondere Menschen im
mittleren Alter betrifft und deren Gesundheit beeinträchtigen könnte.

137
	

Die genutzte Krankheitsliste ist nicht erschöpfend und ermöglicht keine präzisen Prävalenzraten
von Multimorbidität (zum Beispiel fehlen psychische und neurologische Erkrankungen). Dennoch
stellt sie einen Indikator für die Krankheitslast und Beschwerdelast der Menschen im Alter von 40
bis 85 Jahren dar. Die Zunahme an selbstberichteten Erkrankungen kann aber auch ein Indiz für
ein höheres Wissen über Erkrankungen, ein häufigeres Wahrnehmen von
Vorsorgeuntersuchungen oder für regelmäßigere Arztbesuche sein. Die Praxisgebühr, die 2004
in Kraft trat, hielt vor allem Geringverdiener und Personen mit schlechtem Gesundheitszustand
von Arztbesuchen ab (Böcken, Braun, Schnee, & Amhof 2005). Durch die Abschaffung der
Praxisgebühr im Jahr 2013 könnte es daher wieder zu vermehrten Arztbesuchen und damit
Diagnosen gekommen sein, sodass der Anstieg in der Anzahl der Erkrankungen auch ein
Periodeneffekt sein könnte. Auch könnte eine erhöhte Diagnostizierung von Erkrankungen durch
bessere diagnostische Verfahren zu einer Erhöhung der Anzahl an selbstberichteten Krankheiten
geführt haben (vgl. Moynihan, Doust, & Henry 2012). Diese Entwicklungen können allerdings
nicht die Veränderungen bei den funktionalen Einschränkungen erklären.
Trotz der der höheren Anzahl der selbstberichteten Erkrankungen und in der funktionalen
Gesundheit, hat sich eine leichte Verbesserung der Lungenfunktion von 2008 zu 2014 gezeigt.
Da die Lungenfunktion ein wichtiger Fitnessindikator ist, deutet dieses Ergebnis darauf hin, dass
nicht alle Bereiche der Gesundheit von einer Verschlechterung betroffen sind. Es ist jedoch nicht
auszuschließen, dass genau die Personen, deren Lungenfunktion schlecht und eingeschränkt ist,
nicht an dem Test teilgenommen haben. Zudem liegen dazu im DEAS bisher nur Daten seit 2008
vor. Aber auch in anderen Lebensbereichen, mit denen die Gesundheit in Wechselwirkung steht,
sind im DEAS positive Veränderungen über die Erhebungsjahre zu verzeichnen. So hat
beispielsweise das Engagement bei älteren Erwachsenen weiterhin zugenommen (vgl. Kapitel 5).
Auch zeigt sich, dass nachfolgende Kohorten häufiger sportlich aktiv sind (vgl. Kapitel 9). Das
heißt, dass sich die Verschlechterung der Gesundheit, insbesondere im mittleren
Erwachsenenalter, von 2008 zu 2014 nicht unbedingt in der gesellschaftlichen Teilhabe der
Menschen in der zweiten Lebenshälfte widerspiegelt. Wissenschaftliche Befunde weisen
allerdings daraufhin, dass insbesondere Niedriggebildete in ihren Aktivitäten im Ruhestand durch
Multimorbidität eingeschränkt werden (Wetzel & Huxhold 2014). Auch kann die erhöhte
Multimorbidität langfristig zu mehr funktionalen Einschränkungen im Alltag und damit in der
Aktivität der Menschen führen (Aarts, den Akker et al. 2012). Daher gilt es weiterhin zu
beobachten, wie sich die Gesundheit entwickelt und ob das hohe Aktivitätsniveau auch zukünftig
in allen gesellschaftlichen Gruppen aufrechterhalten werden kann.
Die Veränderung der Gesundheit über die Kohorten ist ein wichtiger Indikator für die Chancen
und Herausforderungen einer alternden Gesellschaft. Auch mit einer Zunahme der Krankheitslast
im Jahr 2014 ist die gesundheitliche Situation der heutigen Älteren besser als die Situation derer
im Jahr 1996. Die gesundheitlichen Voraussetzungen für eine längere Lebensarbeitszeit in
jüngeren Geburtsjahrgängen sind damit gegeben. Gleichzeitig sollte durch geeignete
Präventionsmaßnahmen einer weiteren Verschlechterung der Gesundheit entgegengewirkt
werden. Speziell den funktionalen Einschränkungen im Alltag kann durch bessere
Gesundheitsverhaltensweisen vorgebeugt werden (vgl. auch Kapitel 9). Wenn die Gesellschaft
langfristig die Gesundheit und Fitness Älterer erhalten möchte, sollte die Politik Prävention und
eine gute medizinische Versorgung für die gesamte Bevölkerung gewährleisten. Dabei gilt es
insbesondere sozial Benachteiligte stärker zu integrieren.

138
	

Literatur
Aarts, S., den Akker, M. v., Bosma, H., Tan, F., Verhey, F., Metsemakers, J., & van Boxtel, M.
(2012). The effect of multimorbidity on health related functioning: Temporary or
persistent? Results from a longitudinal cohort study. Journal of Psychosomatic Research,
73(3), 211-217. doi: 10.1016/j.jpsychores.2012.05.014.
Barnett, K., Mercer, S. W., Norbury, M., Watt, G., Wyke, S., & Guthrie, B. (2012). Epidemiology of
multimorbidity and implications for health care, research, and medical education: a crosssectional study. The Lancet, 380(9836). doi: 10.1016/SO140-6736(12)60482-6.
Böcken, J., Braun, B., Schnee, M., & Amhof, R. (2005). Gesundheitsmonitor 2005: Die ambulante
Versorgung aus Sicht von Bevölkerung und Ärzteschaft. Gütersloh: Verlag
BertelsmannStiftung.
Bullinger, M., & Kirchberger, I. (1998). Der SF-36 Fragebogen zum Gesundheitszustand.
Handbuch für die deutschsprachige Fragebogenversion. Göttingen: Hogrefe Verlag.
Cambois, E., Audrey, B., & Robine, J.-M. (2012). Aging and health in France: An unexpected
expansion of disability in mid-adulthood over recent years. European Journal of Public
Health, 23(4), 575-581. doi: 10.1093/eurpub/cks136.
Doblhammer, G., & Kreft, D. (2011). Länger leben, länger leiden? Trends in der Lebenserwartung
und Gesundheit. Bundesgesundheitsblatt, 54, 907-914. doi: 10.1007/s00103-011-1315-0.
Fries, J. F. (1980). Aging, natural death, and the compression of morbidity. New England Journal
of Medicine, 303(3), 130-135. doi: 10.1056/NEJM198007173030304.
Fuchs, J., Busch, M., Lange, C., & Scheidt-Nave, C. (2012). Prevalence and patterns of morbidity
among adults in Germany. Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung ­
Gesundheitsschutz, 55(4), 576-586. doi: 10.1007/s00103-012-1464-9.
Gruenberg, E. M. (1977). The failures of success. The Milbank Memorial Fund Quarterly. Health
and Society, 55(1), 3-24. doi: 10.2307/3349592.
Hegewald, M. J., & Crapo, R. O. (2007). Socioeconomic Status and Lung Function. Chest,
132(5), 1608-1614. doi: 10.1378/chest.07-1405.
Huisman, M., Kunst, A., Deeg, D., Grigoletto, F., Nusselder, W., & Mackenbach, J. (2005).
Educational inequalities in the prevalence and incidence of disability in Italy and the
Netherlands were observed. Journal of Clinical Epidemiology, 58(10), 1058.e10511058.e1010. doi: 10.1016/j.jclinepi.2004.12.011.
Katz, J. N., Chang, L. C., Sangha, O., Fossel, A. H., & Bates, D. W. (1996). Can comorbidity be
measured by questionnaire rather than medical record review? Medical Care, 34(1), 7384. doi: 10.2307/3766388.
Klijs, B., Mackenbach, J. P., & Kunst, A. E. (2011). Future disability projections could be improved
by connecting to the theory of a dynamic equilibrium. Journal of Clinical Epidemiology,
64(4), 436-443. doi: 10.1016/j.jclinepi.2010.04.018.
Kroll, L. E., & Ziese, T. (2009). Kompression oder Expansion der Morbidität? In: K. Böhm, C.
Tesch-Römer & T. Ziese (Hrsg.) Gesundheit und Krankheit im Alter. Berlin: Robert KochInstitut.
Manton, K. G. (1982). Changing concepts of morbidity and mortality in the elderly population. The
Milbank Memorial Fund Quarterly. Health and Society, 60(2), 183-244. doi:
10.2307/3349767.
Meara, E. R., Richards, S., & Cutler, D. M. (2008). The gap gets bigger: Changes in mortality and
life expectancy, by education, 1981-2000. Health Affairs, 27(2), 350-360. doi:
10.1377/hlthaff.27.2.350.
Menning, S., & Hoffmann, E. (2009). Funktionale Gesundheit und Pflegebedürftigkeit. In: K.
Böhm, C. Tesch-Römer & T. Ziese (Hrsg.) Gesundheit und Krankheit im Alter. Berlin:
Robert Koch-Institut.
Moynihan, R., Doust, J., & Henry, D. (2012). Preventing overdiagnosis: How to stop harming the
healthy. British Medical Journal, 344, 1-6. doi: 10.1136/bmj.e3502.
Nagel, G., Peter, R., Braig, S., Hermann, S., Rohrmann, S., & Linseisen, J. (2008). The impact of
education on risk factors and the occurrence of multimorbidity in the EPIC-Heidelberg
cohort. BioMed Central Public Health, 8(1), 384-394. doi: 10.1186/1471-2458-8-384.
Pellegrino, R., Viegi, G., Brusasco, V., Crapo, R. O., Burgos, F., Casaburi, R., Coates, A., van der
Grinten, C. P. M., Gustafsson, P., Hankinson, J., Jensen, R., Johnson, D. C., MacIntyre,
N., McKay, R., Miller, M. R., Navajas, D., Pedersen, O. F., & Wanger, J. (2005).

139
	

Interpretative strategies for lung function tests. European Respiratory Journal, 26, 948968. doi: 10.1183/09031936.05.00035205.
Pietschmann, P., Rauner, M., Sipos, W., & Kerschan-Schindl, K. (2008). Osteoporosis: An agerelated and gender-specific disease – A mini-review. Gerontology, 55(1), 3-12. doi:
10.1159/000166209.
Robert Koch-Institut (2015). Gesundheit in Deutschland 2015. Berlin: Robert Koch-Institut.
Salomon, J. A., Wang, H., Freeman, M. K., Vos, T., Flaxman, A. D., Lopez, A. D., & Murray, C. J.
(2013). Healthy life expectancy for 187 countries, 1990-2010: A systematic analysis for
the Global Burden Disease Study 2010. Lancet, 380(9859), 2144-2162. doi:
10.1016/s0140-6736(12)61690-0.
Steiber, N. (2015). Population aging at cross-roads: Diverging secular trends in average cognitive
functioning and physical health in the older population of Germany. PlosOne, 10(8), 1-19.
doi: 10.1371/journal.pone.0136583.
Trachte, F., Sperlich, S., & Geyer, S. (2015). Kompression oder Expansion der Morbidität:
Entwicklung der Gesundheit in der älteren Bevölkerung. Zeitschrift für Gerontologie und
Geriatrie, 48, 255-262. doi: 10.1007/s00391-014-0644-7.
Ware, J. E., Jr., & Sherbourne, C. D. (1992). The MOS 36-item short-form health survey (SF-36):
Conceptual framework and item selection. Medical Care, 30(6), 473-483. doi:
10.2307/3765916.
Wetzel, M., & Huxhold, O. (2014). Are leisure activities and health interconnected after retirement
transition? Educational differences. Advances in Life Course Research, Manuscript
submitted for publication.
WHO (1946). Constitution. Genf: WHO.
Wurm, S., Schöllgen, I., & Tesch-Römer, C. (2010). Gesundheit. In: A. Motel-Klingebiel, S. Wurm
& C. Tesch-Römer (Hrsg.) Altern im Wandel. Befunde des Deutschen Alterssurveys
(DEAS) (S. 90-117). Stuttgart: Kohlhammer.
Wurm, S., Tesch-Römer, C., & Tomasik, M. J. (2007). Longitudinal findings on aging-related
cognitions, control beliefs, and health in later life. Journals of Gerontology Series B:
Psychological Sciences & Social Sciences, 62B(3), 156-164. doi:
10.1093/geronb/62.3.p156
Xu, X., Laird, N., Dockery, D. W., Schouten, J. P., Rijcken, B., & Weiss, S. T. (1995). Age, Period,
and Cohort Effects on Pulmonary Function in a 24-Year Longitudinal Study. American
Journal of Epidemiology, 141(6), 554-566.

140
	

9 Was tun wir für unsere Gesundheit?
Gesundheitsverhalten in der zweiten
Lebenshälfte
Svenja M. Spuling, Jochen P. Ziegelmann & Jenna Wünsche

Kernaussagen
Im Jahr 2014 bestehen deutliche Alters- und Bildungsunterschiede hinsichtlich
der sportlichen Aktivität: Ältere sind in geringerem Umfang aktiv als Jüngere.
Trotzdem geben noch 29,8 Prozent der 70- bis 85-Jährigen an, mehrmals wöchentlich
sportlich aktiv zu sein. Der Anteil mehrmals wöchentlich sportlich aktiver Personen ist
bei Hochgebildeten im Vergleich zu Niedriggebildeten doppelt so hoch.
Die sportliche Aktivität hat zwischen 1996 und 2014 kontinuierlich zugenommen:
Zwischen 2008 und 2014 konnten jedoch nur in den Altersgruppen ab 60 Jahren
weitere Verbesserungen beobachtet werden. Waren beispielsweise im Jahr 2008 noch
13,1 Prozent der 78- bis 83-Jährigen mehrmals wöchentlich sportlich aktiv, so liegt
dieser Anteil im Jahr 2014 bereits bei 23,8 Prozent. Demnach haben
Altersunterschiede beim Anteil sportlich aktiver Personen zwischen 2008 und 2014
abgenommen.
Der Anteil der Raucherinnen und Raucher ist zwischen 2008 und 2014 

angestiegen: Dies ist vor allem auf Veränderungen im Rauchverhalten von Frauen 

zurückzuführen. Der Anteil der Raucherinnen ist zwischen 2008 und 2014 um 3,2 

Prozentpunkte angestiegen, während der Anteil der Raucher im gleichen Zeitraum
	
stabil geblieben ist.
	
Personen, die im Jahr 2014 Vorsorgeleistungen in Anspruch nehmen und 

Personen, die nicht rauchen, sind auch häufiger regelmäßig sportlich aktiv:

Raucherinnen und Raucher sind im Jahr 2014 zu 23,4 Prozent sportlich aktiv, während
dieser Anteil bei den Nicht-Raucherinnen und Nicht-Rauchern bei 40,9 Prozent liegt.
Personen, die regelmäßig Vorsorgeleistungen in Anspruch nehmen, treiben häufiger
mehrmals wöchentlich Sport als Personen, die diese nicht in Anspruch nehmen
(Differenz: 9,1 Prozentpunkte). Täglicher Alkoholkonsum hängt dagegen nicht mit
regelmäßiger sportlicher Aktivität zusammen.
Personen, die im Jahr 2014 nicht rauchen, sind deutlich häufiger regelmäßig
sportlich aktiv als es Nicht-Raucherinnen und Nicht-Raucher im Jahr 2002
waren: Während im Jahr 2002 ein Viertel der Nicht-Raucherinnen beziehungsweise
Nicht-Raucher mehrmals wöchentlich sportlich aktiv war, lag dieser Anteil im Jahr 2008
bei knapp einem Drittel und im Jahr 2014 bei 41,2 Prozent. Im Gegensatz dazu beträgt
der Anteil sportlich Aktiver unter den Raucherinnen und Rauchern in den Jahren 2002,
2008 und 2014 jeweils etwa 22 Prozent.

141

9.1

Einleitung

Bis ins hohe Alter hinein ist das eigene Verhalten für die Gesundheit wichtig und stellt damit ein
hohes Präventionspotenzial dar (Bundesministerium für Gesundheit 2012). Hinsichtlich der
Prävalenz der einzelnen Gesundheits- und Risikoverhaltensweisen bestehen jedoch erhebliche
Alters-, Geschlechts- und Bildungsunterschiede, die es in diesem Zusammenhang zu
berücksichtigen gilt und deren Herausarbeitung zu einer zielgerichteten Planung von
Präventions- und Interventionsmaßnahmen beiträgt. Vor diesem Hintergrund werden im
Deutschem Alterssurvey (DEAS) 2014 sowohl Gesundheitsverhaltensweisen wie die sportliche
Aktivität und die Inanspruchnahme von Vorsorgeleistungen als auch Risikoverhaltensweisen wie
Rauchen und Alkoholkonsum untersucht.
Im Hinblick auf die sportliche Aktivität konnten frühere Untersuchungen zeigen, dass das
Alltagsleben schon im jungen Erwachsenenalter häufig von Inaktivität geprägt ist und dass der
Anteil sportlich inaktiver Personen mit dem Alter noch weiter zunimmt (Krug, Jordan, Mensink,
Müters, Finger, & Lampert 2013; Wurm, Schöllgen, & Tesch-Römer 2010; Robert Koch-Institut
2015). Zahllose Studien haben zudem einen Zusammenhang zwischen der sozialen Lage und
verschiedenen Gesundheits- und Risikoverhaltensweisen aufzeigen können (zum Beispiel
Lampert, von der Lippe, & Müters 2013b). Die Bildung ist dabei ein wesentliches Merkmal der
sozialen Lage und soll in diesem Kapitel als Unterscheidungsmerkmal Berücksichtigung finden.
Dabei zeigt sich, dass Personen mit einem höheren Bildungsabschluss häufiger regelmäßig
Sport treiben als niedriggebildete Personen (Lampert, Kroll, von der Lippe, Müters, & Stolzenberg
2013a; Wurm et al. 2010; Robert Koch-Institut 2015). Die Befundlage zu
Geschlechtsunterschieden ist dagegen eher uneinheitlich. Es gibt sowohl Hinweise darauf, dass
Frauen sportlich aktiver sind als Männer (Wurm et al. 2010) als auch andersherum, dass Männer
eher aktiv sind als Frauen (Krug et al. 2013; Robert Koch-Institut 2015).
Die Inanspruchnahme von Vorsorgeleistungen zählt ebenfalls zu den
Gesundheitsverhaltensweisen. Für Ältere ist insbesondere die Grippeschutzimpfung eine
wichtige primärpräventive Maßnahme, da für diese Bevölkerungsgruppe ein erhöhtes Risiko
besteht, überhaupt beziehungsweise besonders schwer am Influenzavirus zu erkranken. Aus
diesem Grund empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) die Teilnahme an der jährlichen
Grippeschutzimpfung für alle über 60-Jährigen. Es sieht so aus, als würden den Empfehlungen
entsprechend insbesondere ältere Erwachsene an einer solchen Impfung regelmäßig teilnehmen,
wohingegen Geschlechts- und Bildungsunterschiede eine untergeordnete Rolle spielen (Saß,
Wurm, & Ziese 2009; Robert Koch-Institut 2015). In Deutschland beträgt die jährliche GrippeImpfquote bei den über 65-jährigen Frauen und Männern ungefähr 60 Prozent und liegt damit
deutlich unter der für 2015 von der EU-Kommission angestrebten Impfrate von 75 Prozent für
ältere beziehungsweise chronisch kranke Menschen (Robert Koch-Institut 2015).
Im Gegensatz zu primärpräventiven Maßnahmen, die darauf abzielen, dass bestimmte
Krankheiten gar nicht erst entstehen, tragen sekundärpräventive Maßnahmen dazu bei, dass
bereits bestehende Erkrankungen rechtzeitig erkannt werden. Hierzu zählen
Krebsfrüherkennungsuntersuchungen sowie der Gesundheits-Check-Up. Während Frauen,
insgesamt betrachtet, häufiger an Krebsfrüherkennungsuntersuchungen teilnehmen, ist eine
altersabhängige Zunahme der Inanspruchnahme vor allem ab dem mittleren Erwachsenenalter
zu beobachten (Saß et al. 2009; Starker & Saß 2013). Mit Blick auf den Gesundheits-Check-Up
fallen die Teilnahmequoten in höheren Altersgruppen ebenfalls größer aus (Saß et al. 2009). So
nahmen laut der GEDA-Studie rund 58 Prozent der Personen ab einem Alter von 65 Jahren an
142

einem Gesundheits-Check-Up teil, während es in der Altersgruppe der 45- bis 54-Jährigen nur
rund 49 Prozent waren (Hoebel, Richter, & Lampert 2013). Für die
Krebsfrüherkennungsuntersuchungen zeichnet sich darüber hinaus ab, dass Personen mit
niedriger Bildung diese seltener in Anspruch nehmen – vermutlich weil sie auch seltener Kenntnis
über die Empfehlung der Krankenkassen zur Teilnahme an einer solchen Untersuchung haben
(Starker & Saß 2013). Im Bereich der Vorsorgeuntersuchungen deutet demnach einiges darauf
hin, dass diese häufiger von Personen im höheren Alter in Anspruch genommen werden, wobei
Bildungs- und Geschlechtsunterschiede nur in der Teilnahme an
Krebsfrüherkennungsuntersuchungen zu erwarten sind.
Präventions- und Interventionsprogramme sind jedoch nicht nur auf die Förderung günstiger
Gesundheitsverhaltensweisen, sondern auch auf die Vermeidung von Risikoverhaltensweisen
ausgerichtet. Tabak- und Alkoholkonsum stellen hierbei eine besondere Gefahr dar, weil sie noch
immer zu den Hauptrisikofaktoren für vorzeitige Mortalität in Europa zählen (WHO 2015). In
Bezug auf das Rauchen haben frühere Untersuchungen gezeigt, dass vor allem Personen im
jungen und mittleren Erwachsenenalter gefährdet sind, während der Tabakkonsum in älteren
Altersgruppen deutlich zurückgeht (Lampert et al. 2013a; Robert Koch-Institut 2015).
Verschiedene Studien sind außerdem zu dem übereinstimmenden Ergebnis gekommen, dass
Männer sowie Personen mit einem niedrigen Bildungsabschluss häufiger der Gruppe der
Raucher angehören als Frauen und Höhergebildete (Lampert et al. 2013b; Wurm et al. 2010;
Robert Koch-Institut 2015). Es deutet somit einiges darauf hin, dass Personen mit niedriger
Bildung mehrfach gefährdet sind, da sie sowohl seltener sportlich aktiv sind als auch seltener an
Krebsfrüherkennungsuntersuchungen teilnehmen und häufiger rauchen (Lampert et al. 2013a;
Wurm et al. 2010; Robert Koch-Institut 2015).
Als ein weiteres Risikoverhalten, wurde im DEAS 2014 zum ersten Mal eine Frage zur Häufigkeit
des Alkoholkonsums aufgenommen. Es ist bekannt, dass übermäßiger Alkoholkonsum mit Krebs,
kardiovaskulären und neuropsychiatrischen Erkrankungen sowie einem erhöhten Mortalitätsrisiko
zusammenhängt (Rehm, Mathers, Popova, Thavarncharoensap, Teerawattananon, & Patra
2009). Da die WHO mindestens zwei alkoholfreie Tage pro Woche empfiehlt (International Center
for Alcohol Policies 2003), wird im vorliegenden Kapitel der tägliche Alkoholkonsum als
Risikoverhalten ausgewertet. Bisherige Untersuchungen deuten darauf hin, dass sich der häufig
beobachtete Zusammenhang zwischen niedriger Bildung und einem ungünstigen
Gesundheitsverhalten für den Alkoholkonsum in umgekehrter Weise darstellt. Es scheint, dass
eher Personen mit einem hohen sozioökonomischen Status (Bildung) die gesundheitlich
verträgliche Alkoholzufuhrmenge besonders häufig überschreiten. Zudem zählen eher die
Jüngeren und eher Männer zur Risikogruppe (Burger & Mensink 2003; Hapke, von der Lippe, &
Gaertner 2013; Robert Koch-Institut 2015).
Ein weiterer wichtiger Ansatzpunkt für Interventionen besteht neben der Identifikation von
Risikogruppen in der Untersuchung von Zusammenhängen verschiedener gesundheitsbezogener
Verhaltensweisen untereinander. Sollten zum Beispiel unterschiedliche Verhaltensweisen
miteinander positiv zusammenhängen, könnte dies bedeuten, dass die Verstärkung eines
Gesundheitsverhaltens eventuell auch die Verstärkung eines anderen Gesundheitsverhaltens
nach sich ziehen könnte. Die Befundlage ist jedoch nicht eindeutig: Es ist unklar, ob einzelne
gesundheitsbezogene Verhaltensweisen miteinander eher positiv (zum Beispiel Personen, die
nicht rauchen, gehören vermehrt in die Gruppe der sportlich Aktiven, da für sie die Aufnahme
beziehungsweise Aufrechterhaltung eines sportlich anstrengenden Sportverhaltens mit weniger
körperlicher Beanspruchung verbunden ist) oder eher negativ (zum Beispiel sportlich Aktive
143

nehmen weniger Vorsorgeleistungen in Anspruch, da sie sich weniger gesundheitlichen Risiken
ausgesetzt fühlen) in Verbindung stehen (Prochaska & Prochaska 2011). Beide Richtungen sind
dabei vorstellbar; ebenso ist es möglich, dass bestimmte Verhaltensweisen unabhängig
voneinander sind. Mit den Daten aus dem Jahr 2014 soll deswegen untersucht werden, ob und
inwiefern verschiedene gesundheitsbezogene Verhaltensweisen miteinander in Verbindung
stehen.
Es deutet außerdem einiges darauf hin, dass sich in den letzten Jahren verschiedene
Gesundheits- und Risikoverhaltensweisen jeweils zum Positiven gewandelt haben. Besonders
erfreulich sind die altersunabhängigen Befunde zum Wandel in der sportlichen Aktivität, die sich
bisher in den DEAS-Daten gezeigt haben (Wurm et al. 2010): Immer mehr Menschen in der
zweiten Lebenshälfte treiben regelmäßig Sport. Auch bezüglich des Rauchens gibt es Hinweise
darauf, dass der Anteil der Raucherinnen und Raucher seit einigen Jahren zurückgeht (Robert
Koch-Institut 2015) oder zumindest stabil bleibt (Wurm et al. 2010). Mit der neuen Erhebung aus
dem Jahr 2014 soll nun untersucht werden, ob sich dieser günstige Trend fortsetzt und ob er, mit
Blick auf die sportliche Aktivität, weiterhin für alle Altersgruppen zu beobachten ist. Außerdem soll
der noch unbeantworteten Frage nachgegangen werden, ob sich der Wandel hin zu einem
gesundheitsbewussteren Lebensstil auch im Wandel des Zusammenhanges zwischen sportlicher
Aktivität und Rauchen widerspiegelt. Das heißt, erhöht sich der Anteil sportlich aktiver Personen
in der Gruppe der Raucher beziehungsweise der Nicht-Raucher gleichermaßen oder gibt es hier
differenzielle Entwicklungen?
Zusammenfassend werden im vorliegenden Kapitel die folgenden Fragen untersucht:
1.		 Wie verbreitet sind sportliche Aktivität, die regelmäßige Inanspruchnahme von
verschiedenen Vorsorgeleistungen sowie Rauchen und täglicher Alkoholkonsum in der
zweiten Lebenshälfte?
2.		 Wie hängt sportliche Aktivität mit anderen Gesundheits- und Risikoverhaltensweisen
zusammen?
3.		 Wie haben sich sportliche Aktivität und Rauchen über die Zeit gewandelt und zeigt sich
dieser Wandel auch im Zusammenhang der beiden Gesundheitsverhaltensweisen?

9.2

Datengrundlage

Daten. Der Themenbereich Gesundheitsverhalten wurde seit der ersten Erhebung des DEAS im
Jahr 1996 sukzessive erweitert und die Abfrage einzelner Gesundheits- und
Risikoverhaltensweisen über die Erhebungen hinweg teils angepasst und verändert. Daher
können nicht alle Gesundheits- und Risikoverhaltensweisen über alle Erhebungsjahre verglichen
werden: Sportliche Aktivität wird in dieser Art und Weise seit 1996 erhoben und Rauchen seit
2002. Die verschiedenen Vorsorgeuntersuchungen sind seit 2008 Bestandteil des DEAS –
allerdings wurde die Art der Abfrage zwischen 2008 und 2014 angepasst, weswegen für die
Vorsorgeuntersuchungen nur eine Auswertung der aktuellen Erhebung aus dem Jahr 2014 in
diesem Kapitel erfolgt. Gleiches gilt für die Abfrage des täglichen Alkoholkonsums, welche erst
seit 2014 Bestandteil des DEAS ist. Die sportliche Aktivität wird im Rahmen des persönlichen
Interviews erhoben, während die Fragen zur Inanspruchnahme von Vorsorgeuntersuchungen
sowie zum Rauchen und zum Alkoholkonsum innerhalb des schriftlichen Fragebogens
beantwortet werden.
144

Sportliche Aktivität. Jede Person wird danach gefragt, ob und wie häufig sie sportlich aktiv ist,
„zum Beispiel Wanderungen unternimmt, Fußball spielt, Gymnastik macht oder schwimmen
geht“. Die Antwortmöglichkeiten sind dabei: ‚täglich‘, ‚mehrmals wöchentlich‘, ‚einmal
wöchentlich‘, ‚1- bis 3-mal im Monat‘, ‚seltener‘ und ‚nie‘. Für Gruppenunterschiede im Jahr 2014
sowie den Wandel in der sportlichen Aktivität über die Erhebungsjahre werden die
Antwortoptionen zu drei Kategorien zusammengefasst: ‚mehrmals wöchentlich‘, ‚einmal
wöchentlich‘ und ‚seltener/nie sportlich aktiv‘. Bei Fragestellungen, die sich dem Zusammenhang
von sportlicher Aktivität mit anderen Gesundheits- und Risikoverhaltensweisen widmen, wird der
Anteil an Personen dargestellt, der mindestens mehrmals wöchentlich sportlich aktiv ist, da
empfohlen wird, mehrmals wöchentlich sportlich aktiv zu sein (Jeschke & Zeilberger 2004).
Hierfür wurden die Kategorien ‚täglich‘ und ‚mehrmals wöchentlich‘ sportlich aktiv
zusammengefasst.
Inanspruchnahme von verschiedenen Vorsorgeleistungen. Das zweite Gesundheitsverhalten, das
im vorliegenden Kapitel betrachtet wird, ist die Inanspruchnahme von verschiedenen
Vorsorgeleistungen. Im DEAS wird jede Person danach gefragt, ob sie in den letzten Jahren
regelmäßig an einer Grippeschutzimpfung, einer Krebsfrüherkennungsuntersuchung oder einem
Gesundheits-Check-Up teilgenommen hat. Für Gruppenunterschiede im Jahr 2014 wird für die
drei Vorsorgeleistungen jeweils separat der Anteil an Personen berichtet, der daran
teilgenommen hat. Zur Beantwortung der Fragestellung nach dem Zusammenhang zwischen der
Inanspruchnahme von verschiedenen Vorsorgeleistungen mit sportlicher Aktivität wird der Anteil
an Personen dargestellt, der mindestens eine der drei untersuchten Vorsorgeleistungen in
Anspruch genommen hat.
Rauchen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden darum gebeten, Auskunft über ihren
aktuellen Tabakkonsum zu geben. Bei den Ergebnissen zu Gruppenunterschieden im Jahr 2014
sowie bei der Betrachtung des Wandels im Tabakkonsum über die Erhebungsjahre wird der
Anteil an Personen, die rauchen, nie geraucht haben und die früher einmal geraucht haben,
berichtet. Für die Betrachtung des Zusammenhangs zwischen Rauchen und sportlicher Aktivität,
wird der Anteil an Raucherinnen und Rauchern mit dem Anteil an Personen, die nicht rauchen,
verglichen, wobei Personen, die nie geraucht haben, sowie ehemalige Raucherinnen und
Raucher in einer Gruppe zusammengefasst wurden.
Alkoholkonsum. Als weiteres Risikoverhalten wurde der tägliche Alkoholkonsum ausgewertet. Die
Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden danach gefragt, wie häufig sie alkoholische Getränke
(„zum Beispiel Bier, Wein, Sekt, Spirituosen und Mischgetränke“) zu sich nehmen. Da die WHO
mindestens zwei alkoholfreie Tage pro Woche empfiehlt (International Center for Alcohol Policies
2003), wird im vorliegenden Kapitel der tägliche Alkoholkonsum als Risikoverhalten ausgewertet.
Andere alkoholbezogene Risikoverhaltensweisen (wie beispielsweise eine zu hohe
Alkoholmenge pro Woche) können mit den Daten des DEAS nicht abgebildet werden.
Gruppierungsvariablen. Um Altersgruppenunterschiede im Jahr 2014 zu veranschaulichen,
werden drei Altersgruppen abgebildet (40 bis 54 Jahre, 55 bis 69 Jahre und 70 bis 85 Jahre).
Altersunterschiede im Wandel wurden anhand von Sechs-Jahres-Altersgruppen untersucht, um
Überschneidungen zwischen Erhebungszeitpunkten und Altersgruppen zu vermeiden (42 bis 47
Jahre, 48 bis 53 Jahre, 54 bis 59 Jahre, 60 bis 65 Jahre, 66 bis 71 Jahre, 72 bis 77 Jahre und 78
bis 83 Jahre). Zur Untersuchung von Bildungsunterschieden wurden – basierend auf einer
reduzierten ISCED-Klassifizierung (International Standard Classification of Education, UNESCO
2012) – drei Bildungsgruppen unterschieden: Niedrig-, Mittel- und Hochgebildete (vgl. Kapitel 2).
145

Analysen. Um Gruppenunterschiede auf Signifikanz zu testen, wurden logistische Regressionen
berechnet, wobei für die Stratifizierungsvariablen Altersgruppe, Geschlecht und Region (Ost-/
Westdeutschland) kontrolliert wurde. Das genaue Vorgehen ist in Kapitel 2 beschrieben. In den
Abbildungen zu Gesundheits- und Risikoverhaltensweisen sowie zum Wandel von sportlicher
Aktivität und Tabakkonsum werden gewichtete Häufigkeiten dargestellt. Prozentangaben in den
Abbildungen zum Zusammenhang verschiedener Gesundheits- und Risikoverhaltensweisen
sowie zum Wandel im Zusammenhang zwischen sportlicher Aktivität und Tabakkonsum stammen
dagegen direkt aus den logistischen Regressionen.

9.3	 Verbreitung verschiedener Gesundheits- und Risikoverhaltensweisen im Jahr
2014
Im Folgenden wird die Verbreitung der sportlichen Aktivität, des Tabakkonsums sowie der
Inanspruchnahme von Vorsorgeleistungen in verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen
dargestellt.
Im Jahr 2014 bestehen deutliche Alters- und Bildungsunterschiede hinsichtlich der
sportlichen Aktivität.
Im Jahr 2014 sind 35,2 Prozent der 40- bis 85-Jährigen mehrmals wöchentlich sportlich aktiv,
weitere 17,4 Prozent treiben immerhin einmal wöchentlich Sport. Allerdings geben 47,4 Prozent
an, seltener oder sogar nie sportlich aktiv zu sein (Abbildung 9-1).
Während der Anteil mehrmals wöchentlich sportlich aktiver Personen bei den 55- bis 69-Jährigen
etwas größer ausfällt als bei den 40- bis 54-Jährigen, lässt sich in der ältesten Altersgruppe der
kleinste Anteil regelmäßig aktiver Personen beobachten. Trotzdem geben noch 29,8 Prozent der
70- bis 85-Jährigen an, mehrmals wöchentlich Sport zu treiben. Dementsprechend gestaltet sich
der Trend für die sportliche Inaktivität. Der Anteil an Personen, der seltener als einmal pro Woche
oder sogar nie sportlich aktiv ist, liegt bei den 40- bis 54-Jährigen auf einem etwas höheren
Niveau als bei den 55- bis 69-Jährigen. Innerhalb der ältesten Altersgruppe fällt dieser Anteil
jedoch am größten aus: Hier sind über die Hälfte der Personen inaktiv. Innerhalb der mittleren
Kategorie (einmal wöchentlich sportlich aktiv) finden sich keine signifikanten
Altersgruppenunterschiede.
Weiterhin geben 36,4 Prozent der Frauen und 33,9 Prozent der Männer an, mehrmals in der
Woche Sport zu treiben. Dagegen ist jeder zweite Mann (51,1 Prozent), aber nur 43,9 Prozent
der Frauen sportlich inaktiv. Beide Unterschiede sind statistisch signifikant. Das heißt, Frauen
treiben im Durchschnitt häufiger Sport und sind seltener inaktiv als es Männer sind. Es gibt
jedoch keine statistisch signifikanten Geschlechtsunterschiede im Anteil der Personen, die sich
lediglich einmal wöchentlich sportlich betätigen.
Erwartungsgemäß zeigt sich auch ein deutlicher Bildungseffekt zugunsten höhergebildeter
Personen. Während in der niedrigen Bildungsgruppe nur 21,5 Prozent der Personen mehrmals
wöchentlich sportlich aktiv sind, steigt dieser Anteil auf 30,6 Prozent in der mittleren
Bildungsgruppe an und beträgt in der höchsten Bildungsgruppe 44,7 Prozent. Einmal wöchentlich
Sport zu treiben ist in der mittleren und hohen Bildungsgruppe mit 16,8 beziehungsweise 19,4
Prozent ebenfalls verbreiteter als in der niedrigen Bildungsgruppe (12,9 Prozent). Der
Unterschied zwischen den beiden oberen Bildungsgruppen ist in dieser Kategorie jedoch nicht
signifikant. Dementsprechend nimmt der Anteil an inaktiven Personen mit steigender Bildung ab:
146

Während in der niedrigen Bildungsgruppe fast zwei Drittel der Personen selten oder nie sportlich
aktiv sind (65,6 Prozent), trifft dies auf nur noch gut die Hälfte der Personen mit mittlerer Bildung
(52,7 Prozent) und etwas mehr als ein Drittel der Personen mit hoher Bildung zu (35,9 Prozent).
Abbildung 9-1:	

Sportliche Aktivität, gesamt, nach Alter, Geschlecht und Bildung, im
Jahr 2014 (in Prozent)

Mehrmals wöchentlich

Seltener/Nie

Einmal wöchentlich

100

Prozent

80

47,4

46,1

44,0

51,1

53,9

35,9

43,9

52,7
65,6

60
40

19,4
17,4

17,7

17,8

15,0

16,4

19,7
16,8
12,9

20

35,2

36,2

38,1

29,8

33,9

70-85
Jahre

Männer

36,4
21,5

44,7
30,6

0
Gesamt

40-54
Jahre

55-69
Jahre

Frauen

Niedrige Mittlere Hohe
Bildung Bildung Bildung

Quelle: DEAS 2014 (n = 5.998), gewichtet, gerundete Angaben; (p < ,05).
	
Altersgruppen- und Geschlechtsunterschiede sind mit Ausnahme der Kategorie ‚einmal wöchentlich‘ signifikant,
	
Bildungsunterschiede sind mit Ausnahme des Unterschiedes zwischen mittlerer und hoher Bildung bei der Kategorie ‚einmal
	
wöchentlich‘ signifikant. 


Auch in der Inanspruchnahme von Vorsorgeleistungen bestehen im Jahr 2014 deutliche
Unterschiede zwischen den gesellschaftlichen Gruppen.
33,9 Prozent der 40- bis 85-Jährigen geben 2014 an, in den letzten Jahren regelmäßig eine
Grippeschutzimpfung in Anspruch genommen zu haben, 62,9 Prozent haben regelmäßig an einer
Krebsfrüherkennungsuntersuchung teilgenommen und 61,9 Prozent haben sich einem
Gesundheits-Check-Up unterzogen (Abbildung 9-2).
Abbildung 9-2 veranschaulicht zudem Altersgruppenunterschiede in der Inanspruchnahme der
verschiedenen Vorsorgeleistungen. Es wird deutlich, dass in höheren Altersgruppen mehr
Personen regelmäßig an einer Grippeschutzimpfung teilnehmen. Während bei den 40- bis 54Jährigen 20,4 Prozent regelmäßig eine Grippeschutzimpfung in Anspruch nehmen, ist dieser
Anteil bei den 70- bis 85-Jährigen mehr als doppelt so groß (53,9 Prozent). Insgesamt liegen die
geschätzten Impfquoten im DEAS 2014 deutlich unter denen des Robert Koch-Instituts. Dies
könnte unter anderem darin liegen, dass im DEAS nach einer regelmäßigen Teilnahme an
Grippeschutzimpfungen in den letzten Jahren gefragt wird, während sich das Robert Koch-Institut
nur auf die letzte Wintersaison bezieht.
Auch hinsichtlich der Krebsfrüherkennungsuntersuchung und des Gesundheits-Check-Ups finden
sich Altersunterschiede. Bei der Krebsfrüherkennungsuntersuchung zeigt sich eine stärkere
Inanspruchnahme bei den 55-bis 69-Jährigen (69,8 Prozent) im Vergleich zu den 40- bis 54Jährigen (57,9 Prozent). In der Gruppe der 70- bis 85-Jährigen liegt die Beteiligung nur bei 62,2
Prozent, befindet sich damit aber immer noch auf einem signifikant höheren Niveau als in der
jüngsten Altersgruppe. Die Teilnahmequote beim Gesundheits-Check-Up liegt sowohl in der
147

mittleren als auch in der höchsten Altersgruppe bei ungefähr 66 Prozent. In der jüngsten
Altersgruppe geben hingegen nur 55,3 Prozent an, regelmäßig an einem Gesundheits-Check-Up
teilgenommen zu haben.
Geschlechtsunterschiede konnten nur für die Krebsvorsorgeuntersuchung und zugunsten der
Frauen festgestellt werden: 72,6 Prozent der Frauen und nur 52,6 Prozent der Männer nehmen
diese Untersuchungen in Anspruch. Der Anteil an Personen, der an einer Grippeschutzimpfung
oder einem Gesundheits-Check-Up teilnimmt, verteilt sich dagegen gleichermaßen über die
Geschlechter (vgl. Tabelle 9-2 im Anhang). Bildungsunterschiede zeigten sich ebenfalls nur bei
der Krebsfrüherkennungsuntersuchung: Während Personen mit hoher Bildung häufiger an einer
solchen Untersuchung teilnehmen (65,9 Prozent) als Personen mit mittlerer und niedriger Bildung
(61,5 Prozent beziehungsweise 56,9 Prozent), spielt der Bildungshintergrund für die Teilnahme
an einer Grippeschutzimpfung oder einem Gesundheits-Check-Up keine Rolle (ohne Abbildung).

Abbildung 9-2:

Anteile der Personen, die regelmäßig an einer Grippeschutzimpfung,
einer Krebsvorsorgeuntersuchung und einem Gesundheits-Check-Up
teilgenommen haben, gesamt und nach Alter, im Jahr 2014 (in Prozent)

100

Prozent

80
60
40
20

53,9

62,9

57,9

69,8

62,2

61,9

55,3

66,9

66,4

55-69
Jahre

70-85
Jahre

35,3

33,9
20,4

0
Gesamt

40-54
Jahre

55-69
Jahre

70-85
Jahre

Grippeschutzimpfung

Gesamt

40-54
Jahre

55-69
Jahre

70-85
Jahre

Krebsvorsorgeuntersuchung

Gesamt

40-54
Jahre

Gesundheits-Check-Up

Quelle: DEAS 2014 (n = 4.181 für Grippeschutzimpfung; n = 4.144 für Krebsfrüherkennungsuntersuchung; n = 4.158 für
	
Gesundheits-Check-Up), gewichtet, gerundete Angaben; (p < ,05). 

Unterschiede zwischen den drei Altersgruppen sind mit Ausnahme des Unterschiedes zwischen den 55- bis 69-Jährigen und 

den 70- bis 85-Jährigen beim Gesundheits-Check-Up signifikant.
	

Männer sowie Personen im mittleren Erwachsenenalter und Personen mit niedriger bis
mittlerer Bildung rauchen am häufigsten.
Während 23,0 Prozent der 40- bis 85-Jährigen im Jahr 2014 zur Gruppe der Raucherinnen und
Raucher gehören, haben 44,1 Prozent nie geraucht, und 32,9 Prozent zählen zu den ehemaligen
Raucherinnen und Rauchern (Abbildung 9-3). Abbildung 9-3 gibt weiterhin Auskunft über die
Verteilung des Tabakkonsums nach Alter, Geschlecht und Bildung. Erwartungsgemäß zeichnen
sich Altersunterschiede für den Tabakkonsum ab: Während von den 40- bis 54-Jährigen etwa
jede dritte Person raucht (32,5 Prozent), liegt dieser Anteil bei den 70- bis 85-Jährigen nur bei 8,3
Prozent. Zudem ist der Anteil an Personen, der niemals geraucht hat, in der höchsten
Altersgruppe am größten (54,0 Prozent). Frauen rauchen erwartungsgemäß seltener als Männer
und gehören häufiger zu denen, die nie geraucht haben beziehungsweise seltener zur Gruppe
148

der ehemaligen Raucherinnen und Raucher. Der erwartete Bildungseffekt zeigt sich bei den
aktuellen Raucherinnen und Rauchern nur im Vergleich zur höchsten Bildungsgruppe. Während
sich die niedrige Bildungsgruppe (23,8 Prozent) und die mittlere Bildungsgruppe (26,5 Prozent)
nicht signifikant voneinander unterscheiden, rauchen in der hohen Bildungsgruppe nur 18,3
Prozent. Der Anteil der ehemaligen Raucherinnen und Raucher liegt jedoch bei Personen mit
mittlerer und hoher Bildung um fast zehn Prozentpunkte höher als bei den Niedriggebildeten.
Niemals geraucht zu haben ist in der niedrigen (51,6 Prozent) und der hohen Bildungsgruppe
(48,1 Prozent) am verbreitetsten. In der mittleren Bildungsgruppe (39,9 Prozent) findet sich
dagegen der geringste Anteil an Nie-Rauchern.

Abbildung 9-3:	

Tabakkonsum, gesamt, nach Alter, Geschlecht und Bildung, im
Jahr 2014 (in Prozent)

Nie-Raucher

Ehemalige Raucher

100

Raucher

8,3
23,0

80

32,5

22,4

25,0

21,1

23,8

27,6

24,6

26,5

18,3

Prozent

37,7

60

32,9

25,8

38,2

33,6
33,6

38,6

40
20

54,0

44,1

41,7

39,5

Gesamt

40-54
Jahre

55-69
Jahre

51,2
35,5

51,6

39,9

48,1

0
70-85
Jahre

Männer

Frauen

Niedrige Mittlere Hohe
Bildung Bildung Bildung

Quelle: DEAS 2014 (n = 4.250), gewichtet, gerundete Angaben; (p < ,05).
Nie Raucher: Signifikante Altersunterschiede nur zwischen den 70- bis 85-Jährigen und den anderen Altersgruppen.
Signifikante Geschlechtsunterschiede. Signifikante Bildungsunterschiede nur zwischen niedriger und hoher Bildung im Vergleich
zu mittlerer Bildung. Ehemalige Raucher: Signifikante Altersunterschiede nur zwischen den 40- bis 54-Jährigen und den beiden
anderen Altersgruppen. Signifikante Geschlechtsunterschiede. Signifikante Bildungsunterschiede nur zwischen mittlerer und
hoher Bildung im Vergleich zu niedriger Bildung. Raucher: Signifikante Altersunterschiede. Signifikante
Geschlechtsunterschiede. Signifikante Bildungsunterschiede nur zwischen niedriger und mittlerer Bildung im Vergleich zu hoher
Bildung.

Männer sowie Personen ab 55 Jahren und Personen mit hoher Bildung konsumieren am
häufigsten täglich Alkohol.
Im Jahr 2014 geben 10,9 Prozent der 40- bis 85-Jährigen an, täglich Alkohol zu sich zu nehmen.
Dieses Risikoverhalten lässt sich in den höheren Altersgruppen in stärkerem Maße beobachten
als in jüngeren Altersgruppen: So liegt der Anteil an Personen, die täglich Alkohol konsumieren in
der Gruppe der 40- bis 54-Jährigen bei 7,7 Prozent, während in der Gruppe der 55- bis 69Jährigen und der 70- bis 85-Jährigen ungefähr 13 Prozent von einem täglichen Alkoholkonsum
berichten (Abbildung 9-4). Abbildung 9-4 gibt weiterhin Auskunft über die Verteilung des täglichen
Alkoholkonsums nach Geschlecht und Bildung. Dabei wird deutlich, dass vor allem Männer (15,6
Prozent) und nur 6,5 Prozent der Frauen täglich Alkohol zu sich nehmen. Der tägliche
Alkoholkonsum unterscheidet sich zwar nicht zwischen der niedrigen und mittleren
Bildungsgruppe, aber im Vergleich zur hohen Bildungsgruppe lassen sich statistisch bedeutsame
149

Unterschiede verzeichnen. In der hohen Bildungsgruppe ist der Anteil an Personen, die täglich
Alkohol zu sich nehmen, am größten (13,9 Prozent).

Abbildung 9-4:	

Anteile der Personen, die täglich Alkohol konsumieren, gesamt, nach
Alter, Geschlecht und Bildung, im Jahr 2014 (in Prozent)

60

Prozent

40

20

10,9

0
Gesamt

7,7

40-54
Jahre

13,0

13,3

15,6

55-69
Jahre

70-85
Jahre

Männer

6,5

Frauen

7,8

9,0

13,9

Niedrige Mittlere Hohe
Bildung Bildung Bildung

Quelle: DEAS 2014 (n = 4.221), gewichtet, gerundete Angaben; (p < ,05).
	
Signifikante Altersunterschiede nur zwischen den 40- bis 54-Jährigen und den anderen Altersgruppen. Signifikante 

Bildungsunterschiede nur zwischen niedriger und mittlerer Bildung im Vergleich zu hoher Bildung.
	

9.4	 Zusammenhang der sportlichen Aktivität mit anderen Gesundheits- und
Risikoverhaltensweisen
Es wurde der Frage nachgegangen, ob in den Daten von 2014 eine Art übergreifender gesunder
Lebensstil beobachtet werden kann, bei dem sportlich aktive Personen beispielsweise vermehrt
zur Gruppe der Nicht-Raucherinnen und Nicht-Raucher gehören, regelmäßiger
Gesundheitsvorsorgeleistungen in Anspruch nehmen oder seltener täglich Alkohol konsumieren.
Personen, die im Jahr 2014 Vorsorgeleistungen in Anspruch nehmen, und Personen, die
nicht rauchen, sind auch häufiger regelmäßig sportlich aktiv.
Die Ergebnisse, dargestellt in Abbildung 9-5, unterstützen die Annahme eines solchen
Lebensstiles weitestgehend. Der Zusammenhang zwischen sportlicher Aktivität und der
regelmäßigen Inanspruchnahme von Vorsorgeleistungen sowie zwischen sportlicher Aktivität und
Tabakkonsum ist signifikant. Während lediglich 29,2 Prozent der Personen, die keine
Gesundheitsvorsorgeleistung in Anspruch nehmen, mehrmals wöchentlich sportlich aktiv sind,
liegt dieser Anteil in der Gruppe der Personen, die regelmäßig mindestens eine Vorsorgeleistung
in Anspruch nehmen bei immerhin 38,3 Prozent. Gleichermaßen sind nur 23,4 Prozent der
Raucherinnen und Raucher, aber 40,9 Prozent der Nicht-Raucherinnen und Nicht-Raucher
mehrmals wöchentlich sportlich aktiv. Dagegen ist der Zusammenhang zwischen regelmäßiger
sportlicher Aktivität und täglichem Alkoholkonsum nicht signifikant.

150

Abbildung 9-5:	

Anteile der Personen, die mehrmals wöchentlich sportlich aktiv sind,
nach regelmäßiger Inanspruchnahme von Vorsorgeleistungen,
Tabakkonsum und täglichem Alkoholkonsum, im Jahr 2014 (in
Prozent)

100

Prozent

80
60
40
20
0

29,2

keine

40,9

38,3
23,4

mind. 1		

Vorsorgeleistungen	

Raucher

Nicht-Raucher

Tabakkonsum

35,3

36,9

ja

nein

Täglicher Alkoholkonsum

Quelle: DEAS 2014 (n = 4.217 für Vorsorgeleistungen; n = 4.249 für Tabakkonsum; n = 4.220 für Alkoholkonsum), gewichtet,
	
gerundete Angaben; (p < ,05).
	
Für Vorsorgeleistung und Tabakkonsum signifikante Unterschiede. Für Alkoholkonsum kein signifikanter Unterschied.
	

9.5	 Wandel in der sportlichen Aktivität und im Tabakkonsum über die Zeit und
Wandel des Zusammenhangs dieser beiden Verhaltensweisen
Es wurde untersucht, ob sich die günstige Entwicklung in der sportlichen Aktivität auch im Jahr
2014 fortgesetzt hat und ob dieser Trend weiterhin für alle Altersgruppen gleichermaßen zu
beobachten ist.
Die sportliche Aktivität hat zwischen 1996 und 2014 kontinuierlich zugenommen.
Bisher war in den Daten des DEAS von 1996 bis 2008 ein positiver Wandel in der sportlichen
Aktivität zu beobachten – und das unabhängig vom Alter (Wurm et al. 2010). Mit der neuen
Erhebung im Jahr 2014 zeigt sich zunächst, dass sich der Trend in Richtung einer Zunahme
sportlicher Aktivität auch zwischen 2008 und 2014 fortgesetzt hat (vgl. Tabelle A 9-1 im Anhang).
Während im Jahr 2008 im Durchschnitt noch 29,4 Prozent der 40- bis 85-Jährigen berichteten,
mehrmals wöchentlich Sport zu treiben, liegt dieser Anteil im Jahr 2014 bei 35,2 Prozent. Auch
die sportliche Inaktivität hat seit 2008 im Durchschnitt weiter abgenommen (von 52,7 Prozent auf
47,4 Prozent). Diese positive Entwicklung zeichnet sich jedoch seit 2008 nicht mehr für alle
Altersgruppen in gleicher Weise ab (Abbildung 9-6).
Seit der letzten Befragung im Jahr 2008 konnten weitere Verbesserungen in der
sportlichen Aktivität nur in den Altersgruppen ab 60 Jahren beobachtet werden.
Der Anteil an Personen, der mehrmals wöchentlich sportlich aktiv ist, liegt zwar innerhalb aller
Altersgruppen im Jahr 2014 auf einem statistisch bedeutsam höheren Niveau als in der ersten
Erhebung im Jahr 1996, es konnten jedoch nur für die Altersgruppen ab 60 Jahren statistisch
bedeutsame zusätzliche Verbesserungen im sportlichen Aktivitätsverhalten seit 2008 festgestellt
werden. In der höchsten Altersgruppe ist der Anteil mehrmals wöchentlich sportlich aktiver
Personen seit 2008 sogar um mehr als zehn Prozentpunkte angestiegen (von 13,1 Prozent auf
151

23,8 Prozent). In den jüngeren Altersgruppen (das heißt 42 bis 47, 48 bis 53 und 54 bis 59 Jahre)
ist das Niveau zwischen 2008 und 2014 auf einem stabilen Niveau geblieben, sowohl im Hinblick
auf die sportliche Inaktivität als auch in Bezug auf die mehrmals wöchentliche Ausübung
sportlicher Aktivität. Zum einen bedeutet dies, dass der positive Wandel hin zu mehr
regelmäßiger sportlicher Aktivität und weniger Inaktivität seit 2008 nur noch innerhalb der älteren
Altersgruppen ab 60 Jahren zu beobachten ist und zum anderen weist dieser Trend darauf hin,
dass sich die Altersunterschiede in der sportlichen Aktivität zwischen 2008 und 2014 zugunsten
höherer Altersgruppen verkleinert haben.
Zudem haben sich signifikante Geschlechtsunterschiede im Wandel der sportlichen Aktivität
gezeigt. Zwar lässt sich sowohl bei Frauen als auch bei Männern ein kontinuierlicher, signifikanter
Anstieg in der Ausübung mehrmals wöchentlicher sportlicher Aktivität beziehungsweise eine
durchgängige Abnahme in der sportlichen Inaktivität beobachten, bei den Frauen findet diese
günstige Entwicklung jedoch in stärkerem Maße statt (ohne Abbildung). Statistisch bedeutsame
Bildungsunterschiede ließen sich für den Wandel in der sportlichen Aktivität nicht beobachten.

Abbildung 9-6:	

Sportliche Aktivität, nach Alter, in den Jahren 1996, 2002, 2008 und
2014 (in Prozent)

Mehrmals wöchentlich

Einmal wöchentlich

Seltener/Nie

42-47
Jahre

61,4

78,6

79,2

84,9

50,3

63,6

14,8

17,4

72-77
Jahre

23,8

2014

2008 13,1 8,3

2002 10,94,2

1996 13,6 7,2

32,3

21,3

2008

2014

18,2

2002

15,2

14,2 9,4

1996

12,2

39,0

2014

31,8

2008

66-71
Jahre

69,6

76,4

42,6

50,4
17,9

18,4

64,9

70,6
13,3

13,7
21,5

16,1

1996

2002

49,1

43,7
16,3
40,0

53,4

60-65
Jahre

2014

18,5
32,4

26,5

15,5

1996

16,4

35,1

2014

2002

30,7

2008

54-59
Jahre

20,1

18,7

18,9

27,5

19,6

2002

35,5

2014

1996

31,3

2008

17,9

20,9

18,4

20,5

27,3

2002

17,8

24,7

1996

2014

38,2

21,1

15,7

48-53
Jahre

2008

68,1

46,2

50,4

51,6

62,5

46,1

48,3

54,2

54,9

46,1

50,3

50,4
23,2

18,1
31,6

2008

0

1996

19,6

20

26,4

40

26,1

60

2002

Prozent

80

54,3

100

78-83
Jahre

Quelle: DEAS1996 (n = 4.832), 2002 (n = 3.076), 2008 (n = 6.202), 2014 (n = 5.998), gewichtet, gerundete Angaben; (p < ,05).
Interaktion zwischen Alter und Erhebungsjahr ist signifikant. Zunahme bei ‚mehrmals wöchentlich‘ zwischen 1996 und 2014 in
allen Altersgruppen mit Ausnahme der 78- bis 83-Jährigen, dort erst seit 2002. Abnahme bei ‚selten/nie‘ zwischen 1996 und
2014 in allen Altersgruppen. Für ‚einmal wöchentlich‘ zwischen 2002 und 2014 Abnahme bei den Altersgruppen unter 66 Jahren
(außer 48 bis 53 Jahre) und Zunahme bei den Altersgruppen ab 66 Jahren. Nur für die Altersgruppen ab 60 Jahren signifikanter
Anstieg bei ‚mehrmals wöchentlich‘ bzw. signifikante Abnahme bei ‚selten/nie‘ zwischen 2008 und 2014.

Der Anteil der Raucherinnen und Raucher ist zwischen 2008 und 2014 angestiegen.
Für den Tabakkonsum ergibt sich eine eher ungünstige Entwicklung seit 2008. Während
zwischen 2002 und 2008 der Anteil der 40- bis 85-Jährigen, die rauchen oder früher geraucht
haben, insgesamt nicht größer, aber eben auch nicht kleiner geworden ist, hat der Anteil an
Raucherinnen und Raucher über die letzten sechs Jahre, das heißt seit 2008, von 21,2 Prozent
auf 23,0 Prozent zugenommen. Im gleichen Zeitraum ist auch der Anteil der ehemaligen
Raucherinnen und Raucher von 30,1 Prozent auf 32,9 Prozent angestiegen, während das Nie152

Rauchen um 4,5 Prozent (von 48,6 Prozent auf 44,1 Prozent) zurückgegangen ist (vgl. Tabelle
9-3 im Anhang).
Dieser ungünstige Wandel im Rauchverhalten ist unter anderem auf Veränderungen im
Rauchverhalten von Frauen zurückzuführen.
Abbildung 9-7 zeigt den Wandel im Rauchen nach Geschlecht, wobei deutlich wird, dass die
ungünstige Entwicklung hin zu mehr Tabakkonsum und weniger Personen, die nie geraucht
haben, ausschließlich bei Frauen zu beobachten ist. Im Vergleich zu 2008 ist der Anteil der
Raucherinnen um 3,2 Prozent angestiegen (von 17,9 Prozent auf 21,1 Prozent im Jahr 2014),
während der Anteil der Frauen, die niemals regelmäßig geraucht haben schon seit 2002
kontinuierlich zurückgegangen ist (von 63,8 Prozent auf 51,2 Prozent im Jahr 2014).
Dementsprechend gibt es seit 2002 immer mehr ehemalige Raucherinnen. Dieser Anteil hat sich
zwischen 2002 und 2014 um insgesamt 9,1 Prozentpunkte vergrößert. Für die Männer zeigt sich
ein anderes Bild. Die Anteile der aktuellen und ehemaligen Raucher sind seit 2008 auf einem
stabilen Niveau bei ungefähr 25 beziehungsweise 38 Prozent geblieben. Im Vergleich zu 2002
lässt sich sogar eine günstige Entwicklung beobachten: Der Anteil der ehemaligen Raucher ist
von 41,2 Prozent auf 38,6 Prozent im Jahr 2014 zurückgegangen. Diese Ergebnisse deuten
darauf hin, dass Frauen sich seit 2002 beziehungsweise 2008 immer mehr dem Tabakkonsum
der Männer angleichen, während das Rauchverhalten der Männer eher durch Stabilität oder
teilweise sogar durch eine günstige Entwicklung geprägt ist.
Altersgruppenunterschiede konnten für den zeitlichen Wandel im Rauchen nicht beobachtet
werden, allerdings zeichnete sich eine differenzielle Entwicklung in Abhängigkeit von der Bildung
ab. In der Gruppe der Personen mit niedriger und mittlerer Bildung zeigte sich beispielsweise ein
Anstieg im Anteil der Raucherinnen und Raucher zwischen 2002 und 2014, während der
Tabakkonsum bei den Hochgebildeten zwischen 2002 und 2008 zurückgegangen und dann stabil
geblieben ist (ohne Abbildung).

153

Abbildung 9-7:	

Tabakkonsum, nach Geschlecht, in den Jahren 2002, 2008 und 2014 (in
Prozent)

Nie-Raucher

Ehemalige Raucher

Raucher

120
100

Prozent

80
60

26,9

41,2

24,8

38,4

25,0

17,7

17,9

18,5

22,5

21,1

27,6

38,6

40
20
0

31,9

36,9

2002

2008

63,8

59,6

2002

2008

51,2

36,5

2014		

Männer	

2014

Frauen

Quelle: DEAS 2002 (n = 2.743), 2008 (n = 4.350), 2014 (n = 4.250), gewichtet, gerundete Angaben; (p < ,05). 

Interaktion zwischen Geschlecht und Erhebungsjahr ist signifikant. Männer: Signifikante Zunahme bei Nie-Rauchern zwischen 

2002 und 2008 und Stabilität von 2008 zu 2014, Signifikante Abnahme bei ehemaligen Rauchern zwischen 2002 und 2008 und
	
Stabilität von 2008 zu 2014. Stabilität bei Rauchern. Frauen: Signifikante Abnahme bei den Nie-Raucherinnen von 2002 zu 

2008 und 2008 zu 2014. Signifikante Zunahme der ehemaligen Raucherinnen von 2002 zu 2008 und von 2008 zu 2014.
	
Stabilität der Raucherinnen von 2002 zu 2008 und signifikante Zunahme von 2008 zu 2014.
	

Personen, die im Jahr 2014 nicht rauchen, sind deutlich häufiger regelmäßig sportlich
aktiv als es Nicht-Raucherinnen und Nicht-Raucher im Jahr 2002 waren.
Betrachtet man den Zusammenhang zwischen sportlicher Aktivität und Rauchen über die
Erhebungen hinweg, zeigt sich, dass nur innerhalb der Gruppe der Nicht-Raucherinnen und
Nicht-Raucher der Anteil an Personen, die mehrmals wöchentlich sportlich aktiv ist, zugenommen
hat (Abbildung 9-8). Während 2002 nur ein Viertel der Personen, die nicht rauchen, angab,
mehrmals wöchentlich sportlich aktiv zu sein (25,1 Prozent), ist dieser Anteil auf 33,3 Prozent im
Jahr 2008 und sogar auf 41,2 Prozent im Jahr 2014 angestiegen. Innerhalb der Gruppe der
Rauchenden hat sich dagegen der Anteil an Personen, die angeben mehrmals wöchentlich
sportlich aktiv zu sein, nicht über den Zeitraum von 2002 bis 2014 verändert.

154

Abbildung 9-8:	

Anteile der Personen, die mehrmals wöchentlich sportlich aktiv sind,
nach Tabakkonsum, in den Jahren 2002, 2008 und 2014 (in Prozent)

2002

2008

2014

100

Prozent

80
60
40
20
20,7

22,6

22,9

25,1

33,3

41,2

0
Raucher		

Nicht-Raucher

Quelle: DEAS 2002 (n = 2.743), 2008 (n = 4.350), 2014 (n = 4.250), gewichtet, gerundete Angaben; (p < ,05). 

Interaktion zwischen Tabakkonsum und Erhebungsjahr ist signifikant. Raucher: Stabilität über alle Erhebungsjahre. Nicht-

Raucher: Signifikante Zunahme von 2002 zu 2008 und 2008 zu 2014.
	

9.6

Diskussion und Implikationen

Bis ins hohe Alter hinein ist das eigene Verhalten für das Auftreten beziehungsweise den
Schweregrad von verschiedenen Erkrankungen, für die körperliche Funktionsfähigkeit sowie die
subjektive Wahrnehmung der Gesundheit wichtig und stellt damit ein hohes Präventionspotenzial
dar. Das heißt, wie wir altern hängt nicht nur von der Gesundheitsversorgung ab, sondern vor
allem auch davon, inwieweit wir uns gesundheitsbewusst verhalten und Vorsorgeangebote
wahrnehmen und nutzen. Die Politik ist in diesem Zusammenhang angesprochen, nicht nur für
Aufklärung über die positiven Auswirkungen von Gesundheitsverhaltensweisen zu sorgen,
sondern vor allem auch das Vorhandensein von entsprechenden zielgruppenspezifischen
Angeboten weiterhin sicherzustellen beziehungsweise auszuweiten.
Vorliegende Alters-, Bildungs- und Geschlechtsunterschiede entsprechen größtenteils den
Erwartungen und lassen darauf schließen, dass vor allem bei Älteren, Niedriggebildeten und
Männern Präventionspotenziale beziehungsweise Interventionsbedarf bestehen. Weniger als 30
Prozent der Personen innerhalb der ältesten untersuchten Altersgruppe treiben regelmäßig Sport
und noch dazu findet sich bei ihnen der größte Anteil an Personen, der täglich Alkohol trinkt.
Personen mit einem niedrigen Bildungsabschluss zählen ebenfalls mit Blick auf die sportliche
Aktivität zur Risikogruppe. Hinzu kommt, dass Niedriggebildete im Vergleich zu Personen mit
einem hohen Bildungsabschluss seltener Krebsfrüherkennungsuntersuchungen in Anspruch
nehmen und zudem den höchsten Anteil an Raucherinnen und Rauchern stellen. Männer zeigen
im Vergleich zu Frauen das riskantere Gesundheitsverhalten: Sie sind seltener sportlich aktiv,
rauchen häufiger, konsumieren häufiger täglich Alkohol und nehmen seltener an
Krebsvorsorgeuntersuchungen teil.
Für die genannten Gruppen ist es daher nicht nur wichtig, dass sie ausreichend über das
Vorhandensein bestehender Präventionsangebote informiert werden. Es ist vor allem
entscheidend, dass der Zugang zu besagten Maßnahmen möglichst niedrigschwellig hergestellt
wird und diese Angebote von den entsprechenden Risikogruppen angenommen und genutzt
155

werden. Zu beachten ist jedoch, dass sich je nach Kriterium, das innerhalb eines Gesundheitsoder Risikoverhaltens betrachtet wird (zum Beispiel Frequenz versus Dauer der sportlichen
Aktivität), unterschiedliche Risikogruppen ergeben können. Beispielsweise gibt es auch Befunde,
nach denen Männer eher sportlich aktiv sind als Frauen (Krug et al. 2013; Robert Koch-Institut
2015). Daraus ergäbe sich dann ein besonderer Interventionsbedarf bei den Frauen. Auch der im
Rahmen des DEAS 2014 festgestellte Geschlechtsunterschied in der Inanspruchnahme von
Krebsfrüherkennungsuntersuchungen sollte vor dem Hintergrund interpretiert werden, dass
dieses Verhalten sehr allgemein erfragt wurde. Da es einige geschlechtsspezifische
Vorsorgeuntersuchungen gibt (zum Beispiel Brust- und Prostatakrebsvorsorge), lohnt sich auch
ein Blick auf die Inanspruchnahme von Früherkennungsmaßnahmen, welche für beide
Geschlechter gleichermaßen empfohlen werden. So nahmen beispielsweise laut Daten des
Robert Koch-Instituts aus dem Jahr 2010 Frauen und Männer ungefähr gleichhäufig (32,9
Prozent der Frauen und 33,9 Prozent der Männer) an Hautkrebsfrüherkennungsuntersuchungen
sowie an einer Darmspiegelung (rund 58 Prozent der über 55-Jährigen Männer und Frauen) teil.
Es könnte vermutet werden, dass sich Geschlechtsunterschiede in diesem Vorsorgeverhalten vor
allem auf geschlechtsspezifische Krebsfrüherkennungsuntersuchungen beziehen und dass
beispielsweise gezielte Kampagnen zur Förderung der Prostatakrebsvorsorge besonders sinnvoll
sein könnten. Innerhalb solcher Kampagnen ist es jedoch wichtig, in anschaulicher und
nachvollziehbarer Weise über die Kosten-Nutzen-Beziehung entsprechender
Vorsorgemaßnahmen aufzuklären, da nicht alle Kontrolluntersuchungen in gleichem Maße von
Vorteil sind. Im Hinblick auf die Ultraschall-Diagnostik zur Früherkennung von Eierstockkrebs
konnte beispielsweise gezeigt werden, dass diese Untersuchungen eher schädlich als nützlich
sind: Die Sterberate an Eierstockkrebs wird durch den Ultraschall nicht verringert, stattdessen
kommt es häufig zu Fehlalarmen, die mit unnötigen medizinischen Eingriffen und weiteren
Nebenwirkungen einhergehen (Gigerenzer 2015).
Für den Wandel im Gesundheitsverhalten findet sich im DEAS 2014 erfreulicherweise eine
Fortsetzung der Zunahme sportlicher Aktivität. Es ist jedoch hervorzuheben, dass dieser Trend
seit 2008 in erster Linie die Altersgruppen ab 60 Jahren betrifft. Vorstellbar wäre, dass diese
differenzielle Entwicklung dadurch zustande gekommen ist, dass ältere Personen in den letzten
Jahren mehr und mehr in den Fokus der Gesundheitsförderung gerückt sind, oder dass der
verbesserte gesundheitliche Zustand dieser Gruppe die vermehrte Ausübung von sportlicher
Aktivität begünstigt. Trotzdem sind hier auch weiterhin große Präventionspotenziale festzustellen,
da immer noch deutlich mehr als die Hälfte der Bevölkerung nicht ausreichend aktiv ist.
Mit Blick auf die Entwicklung des Tabakkonsums berichteten das Robert Koch-Institut und der
Mikrozensus einheitlich von einer leicht sinkendenden Raucherquote seit 2003 (Fleitmann,
Dohnke, Balke, Rustler, & Sonntag 2010; Robert Koch-Institut 2015). Dieser günstige Trend kann
anhand der DEAS-Daten aus dem Jahr 2014 nicht unterstützt werden: Während sich zwischen
2002 und 2008 keine Veränderungen gezeigt haben, hat der Tabakkonsum seit 2008
zugenommen. Dieser Befund lässt sich unter anderem auf ein verändertes Rauchverhalten bei
Frauen zurückführen. Im Vergleich zu den beiden früheren Erhebungen geben Frauen im Jahr
2014 beispielsweise häufiger an zu rauchen, während der Raucheranteil bei den Männern seit
2002 stabil bei etwa einem Viertel liegt. In anderen Worten: Frauen nähern sich dem
Tabakkonsum der Männer an. Im Hinblick darauf, dass sie besonders sensibel auf die
schädlichen Wirkungen des Tabakrauchs reagieren und sich bereits ein Anstieg in der
Lungenkrebsprävalenz bei Frauen abzeichnet (Neubauer, Welte, Beiche, Koenig, Buesch, & Leidl

156

2006), ist dieser Trend besonders alarmierend. Zukünftige Maßnahmen zur Senkung des
Tabakkonsums sollten daher ein besonderes Augenmerk auf rauchende Frauen legen.
Besorgniserregend ist zudem, dass sich bei Raucherinnen und Rauchern kein positiver Wandel
in der sportlichen Aktivität zeigt. Personen, die nicht rauchen, werden dagegen immer aktiver.
Diese Befunde deuten darauf hin, dass bei Nicht-Raucherinnen und Nicht-Rauchern das
Gesundheitsbewusstsein über die Zeit hinweg steigt, während sich bei Raucherinnen und
Rauchern diesbezüglich kein Wandel abzeichnet.
Zudem zeigt sich ein positiver Zusammenhang zwischen sportlicher Aktivität und der
Inanspruchnahme von Vorsorgeleistungen sowie ein negativer Zusammenhang zwischen
sportlicher Aktivität und Rauchen. Damit liefern die Befunde einen weiteren Hinweis auf den
synergetischen Zusammenhang verschiedener Gesundheitsverhaltensweisen, sie lassen jedoch
aufgrund ihrer querschnittlichen Natur keine Aussagen über kausale Wirkbeziehungen zu.
Erklären kann man solche synergistischen Zusammenhänge, wie zum Beispiel den zwischen
sportlicher Aktivität und Rauchen (Nagaya, Yoshida, Takahashi, & Kawai 2007), damit, dass
sportliche Aktivität bei Rauchern das Verlangen nach Nikotin verringert (Taylor, Ussher, &
Faulkner 2007). Auf solchen synergistischen Zusammenhängen baut die ‚Gateway-Hypothese‘
auf, nach der Veränderungen des Verhaltens (zum Beispiel sportliche Aktivität) auch
Veränderungen bei anderen Verhaltensweisen (zum Beispiel Ernährung) nach sich ziehen. Statt
bei mehreren Verhaltensweisen zu intervenieren, konzentriert man sich auf ein Verhalten und
erhofft dadurch die Chance zu erhöhen, dass auch ein damit zusammenhängendes Verhalten
positiv verändert wird. Entsprechende Interventionsstudien sind jedoch noch sehr selten und
liefern bisher keine eindeutigen Befunde (siehe zum BeispielDutton, Napolitano, Whiteley, &
Marcus 2008). Möglicherweise lassen sich weitere Nachweise für die ‚Gateway-Hypothese‘
erbringen, wenn man nicht nur Synergien zwischen den klassischen beziehungsweise proximalen
Gesundheitsverhaltensweisen (zum Beispiel sportliche Aktivität) in Betracht zieht, sondern auch
distalere Gesundheitsverhaltensweisen, wie zum Beispiel soziale Partizipation (Ziegelmann &
Knoll 2015), in solche Analysen miteinbezieht. In diesem Sinne könnte die soziale Partizipation in
Form von freiwilligem Engagement in Interventionen angegangen werden, um damit als positiven
Nebeneffekt auch die sportliche Aktivität zu steigern (z.B. Baltimore Experience Corps Trial: Tan,
Rebok, Yu, Frangakis, Carlson, Wang, Ricks, Tanner, Mc-Gill, & Fried 2009). Gerade für ältere
Erwachsene werden derartige Interventionsansätze mit Erfolg genutzt, da reine
Gesundheitsverhaltensinterventionen nicht von allen älteren Menschen als attraktiv angesehen
werden.
Zwischen sportlicher Aktivität und Alkoholkonsum konnte kein Zusammenhang nachgewiesen
werden. Immerhin ist aber festzuhalten, dass kein positiver Zusammenhang besteht, wie er von
anderen Autoren in einem systematischen Review für alle Altersgruppen dokumentiert wurde
(Piazza-Gardner & Barry 2012). Interessant ist außerdem, dass innerhalb des DEAS 2014 die
Personengruppe mit dem höchsten Bildungsstand zwar die niedrigste Raucher-, jedoch die
höchste Alkoholquote aufweist, was wiederum einen Hinweis dafür liefert, dass
Risikoverhaltensweisen nicht unbedingt in positiver Weise miteinander zusammenhängen
müssen.
Für die erfolgreiche Umsetzung des Nationalen Gesundheitsziels ‚Gesund älter werden‘
(Bundesministerium für Gesundheit 2012) sollten somit nicht nur Risikogruppen, sondern auch
synergistische Zusammenhänge zwischen verschiedenen Gesundheitsverhaltensweisen im Blick
behalten werden, da sie einen weiteren wichtigen Ansatzpunkt für die Gestaltung von
Präventions- und Interventionsprogrammen liefern.
157

Literatur
Bundesministerium für Gesundheit (2012). Nationales Gesundheitsziel: Gesund älter werden.
Berlin: Bundesministerium für Gesundheit.
Burger, M., & Mensink, G. (2003). Bundes-Gesundheitssurvey: Alkohol. Berlin: Robert KochInstitut.
Dutton, G. R., Napolitano, M. A., Whiteley, J. A., & Marcus, B. H. (2008). Is physical activity a
gateway behavior for diet? Findings from a physical activity trial. Preventive Medicine, 46,
216-221.
Fleitmann, S., Dohnke, B., Balke, K., Rustler, C., & Sonntag, U. (2010). Frauen und Rauchen.
Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz, 53(2), 117-124.
doi: 10.1007/s00103-009-1005-3.
Gigerenzer, G. (2015). Statement zu "Faktenboxen". Pressekonferenz "Faktenboxen" des AOKBundesverbandes. Berlin: AOK.
Hapke, U., von der Lippe, E., & Gaertner, B. (2013). Riskanter Alkoholkonsum und Rauschtrinken
unter Berücksichtigung von Verletzungen un der Inanspruchnahme alkoholspezifischer
medizinischer Beratung. Bundesgesundheitsblatt, 56, 809-813. doi: 10.1007/s00103-0131699-0.
Hoebel, J., Richter, M., & Lampert, T. (2013). Social status and participation in health checks in
men and women in Germany: Results from the German Health Update (GEDA), 2009 and
2010. Deutschs Ärzteblatt International, 110(41), 679-685. doi:
10.3238/arztebl.2013.0679.
International Center for Alcohol Policies (2003). International Drinking Guidelines (ICAP Report
No. 14). Washington DC: ICAP.
Jeschke, D., & Zeilberger, K. (2004). Altern und körperliche Aktivität. Deutsches Ärzteblatt,
101(12), A 789 - A 798.
Krug, S., Jordan, S., Mensink, G. B. M., Müters, S., Finger, J. D., & Lampert, T. (2013).
Körperliche Aktivität. Bundesgesundheitsblatt, 56, 765-771. doi: 10.1007/s00103-0121661-6.
Lampert, T., Kroll, L. E., von der Lippe, E., Müters, S., & Stolzenberg, H. (2013a).
Sozioökonomischer Status und Gesundheit. Bundesgesundheitsblatt, 56, 814-821. doi:
10.1007/s00103-013-1695-4.
Lampert, T., von der Lippe, E., & Müters, S. (2013b). Verbreitung des Rauchens in der
Erwachsenenbevölkerung in Deutschland. Bundesgesundheitsblatt, 56, 802-808. doi:
10.1007/s00103-013-1698-1.
Nagaya, T., Yoshida, H., Takahashi, H., & Kawai, M. (2007). Cigarette smoking weakens
exercise habits in healthy men. Nicotine & Tobacco Research, 9, 1027-1032.
Neubauer, S., Welte, R., Beiche, A., Koenig, H. H., Buesch, K., & Leidl, R. (2006). Mortality,
morbidity and costs attributable to smoking in Germany: update and a 10-year
comparison. Tobacco Control, 15(6), 464-471. doi: 10.1136/tc.2006.016030.
Piazza-Gardner, A. K., & Barry, A. E. (2012). Examining physical activity levels and alcohol
consumption: are people who drink more active? American Journal of Health Promotion,
26, e95-104. doi: 10.4278/ajhp.100929-LIT-328.
Prochaska, J. J., & Prochaska, J. O. (2011). A review of multiple health behavior change
interventions for primary prevention. American Journal of Lifestyle Medicine, 5.
Rehm, J., Mathers, C., Popova, S., Thavarncharoensap, M., Teerawattananon, Y., & Patra, J.
(2009). Global burden of disease and injury and economic cost attributable to alcohol use
and alcohol-use disorders. Lancet, 373, 2223-2233.
Robert Koch-Institut (2015). Gesundheit in Deutschland 2015. Berlin: Robert Koch-Institut.
Saß, A.-C., Wurm, S., & Ziese, T. (2009). Inanspruchnahmeverhalten. In: K. Böhm, C. TeschRömer & T. Ziese (Hrsg.) Gesundheit und Krankheit im Alter (S. 134-159). Berlin: Robert
Koch-Institut.
Starker, A., & Saß, A.-C. (2013). Inanspruchnahme von Krebsfrüherkennungsuntersuchungen.
Bundesgesundheitsblatt, 56, 858-867. doi: 10.1007/s00103-012-1655-4.
Tan, E. J., Rebok, G. W., Yu, Q., Frangakis, C. E., Carlson, M. C., Wang, T., Ricks, M., Tanner,
E. K., Mc-Gill, S., & Fried, L. P. (2009). The long-term relationship between high-intensity
volunteering and physical activity in older African American women. Oxford: University
Press.
158

Taylor, A. H., Ussher, M. H., & Faulkner, G. (2007). The acute effects of exercise on cigarette
cravings, withdrawal symptoms, affect and smoking behaviour: a systematic review.
Addiction, 102, 534-543.
UNESCO (2012). International Standard Classification of Education ISCED 2011. Montreal:
UNESCO Institute for Statistics.
WHO (2015). Europäischer Gesundheitsbericht 2015. Kopenhagen:
Weltgesundheitsorgansitation Regionalbüro für Europa.
Wurm, S., Schöllgen, I., & Tesch-Römer, C. (2010). Gesundheit. In: A. Motel-Klingebiel, S. Wurm
& C. Tesch-Römer (Hrsg.) Altern im Wandel. Befunde des Deutschen Alterssurveys
(DEAS) (S. 90-117). Stuttgart: Kohlhammer.
Ziegelmann, J. P., & Knoll, N. (2015). Future directions in the study of health behavior among
older adults. Gerontology, 61, 469-476. doi: 10.1159/000369857.

159

160
	

10 Heißt krank zu sein sich auch krank zu
fühlen? Subjektive Gesundheit und ihr
Zusammenhang mit anderen
Gesundheitsdimensionen
Svenja M. Spuling, Susanne Wurm, Julia K. Wolff & Jenna Wünsche

Kernaussagen
Ein Großteil der 40- bis 85-Jährigen bewertet die eigene Gesundheit im Jahr 2014
als gut, wobei jedoch deutliche Alters- und Bildungsunterschiede bestehen: Der
Anteil an Personen, die zu einer guten Gesundheitsbewertung kommen, ist unter den
70- bis 85-Jährigen mit 44,6 Prozent im Vergleich zu den 55- bis 69-Jährigen (53,6
Prozent) und den 40- bis 54-Jährigen (64,5 Prozent) am geringsten. Hochgebildete
bewerten mit 63,4 Prozent im Vergleich zur mittleren (53,6 Prozent) und niedrigen
Bildungsgruppe (36,3 Prozent) am häufigsten ihre Gesundheit als gut.
Nur bei den über 65-Jährigen zeigt sich zwischen 1996 und 2014 ein positiver
Wandel der subjektiven Gesundheitsbewertung: Der Anteil von Personen mit guter
subjektiver Gesundheitsbewertung ist beispielsweise bei den 66- bis 71-Jährigen
zwischen 1996 und 2014 um mehr als zwölf Prozentpunkte angestiegen. Bei den unter
66-Jährigen zeichnet sich dagegen kein vergleichbarer Trend ab.
Die subjektive Gesundheitsbewertung hängt im Jahr 2014 eng mit
Erkrankungen, funktionalen Einschränkungen und depressiven Symptomen
zusammen: Personen mit guter subjektiver Gesundheitsbewertung geben weniger
Erkrankungen, funktionale Einschränkungen und depressive Symptome an. Trotzdem
bewertet auch fast die Hälfte der mehrfach erkrankten Personen ihre Gesundheit als
gut – gleiches gilt für über 20 Prozent der Personen mit funktionalen Einschränkungen
und für etwa jede dritte Person mit mindestens leichten depressiven Symptomen.
Im Jahr 2014 zeigen sich deutliche Bildungsunterschiede in der subjektiven
Gesundheitsbewertung bei mehrfach Erkrankten und Personen mit mindestens
leichten depressiven Symptomen: Nur ein Viertel der mehrfach erkrankten
Personen mit niedriger Bildung berichtet im Jahr 2014 von einer guten subjektive
Gesundheit, in der höchsten Bildungsgruppe sind es hingegen mehr als doppelt so
viele. Zudem bewerten 17,0 Prozent der niedriggebildeten Personen mit mindestens
leichten depressiven Symptomen ihre Gesundheit als gut, wohingegen 37,9 Prozent
der hochgebildeten Personen mit mindestens leichten depressiven Symptomen zu
einer guten Gesundheitsbewertung kommen.

161

10.1 Einleitung
Gesundheit ist ein mehrdimensionales Konzept (vgl. Kapitel 8), das nicht nur die körperliche,
funktionale und psychische Gesundheit umfasst, sondern auch die subjektive
Gesundheitsbewertung berücksichtigt (WHO 2002). Die subjektive Gesundheitsbewertung, das
heißt, wie Menschen sich gesundheitlich fühlen und ihre Krankheit(en) und Einschränkungen
einschätzen, stellt ein zentrales Maß gesundheitsbezogener Lebensqualität dar und kann eine
Reihe anderer Gesundheitsaspekte (zum Beispiel Genesung nach Krankheit) vorhersagen. In
besonderem Maße gilt dies für die Sterblichkeits-Vorhersage: Menschen mit einer guten
subjektiven Gesundheit leben länger und dies zeigt sich interessanter Weise auch unabhängig
von ihrer objektiven Gesundheit (Idler & Benyamini 1997; Benyamini & Idler 1999). Darüber
hinaus ist bei Menschen mit guter subjektiver Gesundheit die Motivation höher,
gesundheitsförderliche Verhaltensweisen auszuführen oder Risikoverhaltensweisen zu verändern
(Benyamini 2011).
Bewerten Menschen ihre eigene Gesundheit, so berücksichtigen sie dabei ihren körperlichen
Gesundheitszustand und mögliche, damit einhergehende funktionale Einschränkungen.
Zusätzlich fließen in die Bewertung aber auch zahlreiche andere Faktoren mit ein, die über das
Wissen über den körperlichen Gesundheitszustand hinausgehen – wie zum Beispiel die
psychische Gesundheit, das Gesundheitsverhalten oder das Wohlbefinden. Die eigene
Einschätzung der Gesundheit spiegelt demnach den individuellen Gesundheitszustand
umfassender wider als einzelne Gesundheitsdimensionen oder Diagnosen, da die eigene
Lebenssituation und der eigene Lebensstil in die Bewertung einfließen. Es ist daher wichtig,
sowohl bei der Gesundheitsberichterstattung als auch in der Gesundheitsversorgung diese
Selbsteinschätzung zusätzlich zu den objektiven Gesundheitsmaßen zu berücksichtigen.
Gesundheitsscreenings sollten sich deshalb nicht nur auf Laborwerte und diagnostizierte
Erkrankungen beziehen, sondern auch die subjektive Gesundheit der Patienten in den Blick
nehmen. Da die subjektive Einschätzung der Gesundheit nicht nur den aktuellen
Gesundheitszustand, sondern auch mögliche gesundheitliche Veränderungen in der Zukunft
miteinbezieht (Benyamini 2011), kann eine als schlecht eingeschätzte Gesundheit ein Hinweis
auf Risiken sein, die sich (noch) nicht in objektiven gesundheitsbezogenen Maßen widerspiegeln.
Insbesondere Personen, die keine diagnostizierte Krankheit haben, ihren Gesundheitszustand
aber als schlecht einschätzen, stellen eine Risikogruppe dar: zum einen, da sie möglicherweise
medizinisch unterversorgt sind, zum anderen, da sie eine geringe gesundheitsbezogene
Lebensqualität haben, die Folgeprobleme (zum Beispiel Fehlzeiten am Arbeitsplatz, psychische
Erkrankungen, funktionale Einschränkungen) nach sich ziehen kann.
Im höheren Alter ist es besonders wichtig, verschiedene Gesundheitsdimensionen im
Zusammenspiel zu betrachten. Gerade der subjektiven Gesundheit kommt mit steigendem Alter
eine wachsende Bedeutung zu. Ein Grund hierfür ist, dass mehreren Studien zufolge die
subjektive Gesundheit bis ins hohe Alter im Mittel vergleichsweise stabil bleibt – das heißt, sie
nimmt nicht im gleichen Ausmaß ab, wie es die altersbedingte Zunahme an Erkrankungen und
funktionalen Einschränkungen (vgl. Kapitel 8) erwarten lassen würde (Leinonen, Heikkinen, &
Jylhä 2001; Spuling, Wiest, Huxhold, & Wurm 2013). In jüngeren Altersgruppen kommen zwar
mehr Menschen zu einer guten subjektiven Gesundheitsbewertung als in älteren Altersgruppen,
dennoch ist in bisherigen Studien zu beobachten, dass auch ein großer Teil der älteren
Menschen ihre Gesundheit als gut oder sogar sehr gut bewertet.

162

Auch sind Unterschiede zwischen verschiedenen Bildungsgruppen zu erwarten: Der in früheren
Studien konsistent aufgezeigte Befund, dass Bildungsunterschiede zuungunsten
Niedriggebildeter hinsichtlich des allgemeinen Gesundheitszustandes bestehen (Ellert & Kurth
2013; Wurm, Schöllgen, & Tesch-Römer 2010; Robert Koch-Institut 2015) sollte sich demnach
auch in der subjektiven Gesundheitsbewertung widerspiegeln.
Unterschiede bei der subjektiven Gesundheitsbewertung von Frauen und Männern waren in den
bisherigen Erhebungen des Deutschen Alterssurvey (DEAS) nicht festzustellen (Wurm et al.
2010). Frauen berichten zwar in vielen Studien mehr körperliche Erkrankungen und funktionale
Einschränkungen (Robert Koch-Institut 2014), bei der Einschätzung der subjektiven Gesundheit
werden jedoch Vergleichsprozesse wirksam, die diese Unterschiede wieder ausgleichen könnten.
Es ist anzunehmen, dass sich Frauen bei der Beurteilung ihrer Gesundheit mit anderen Frauen
ihres Alters vergleichen. Wenn es nun innerhalb dieser Vergleichsgruppe ‚normal‘ ist, ein
bestimmtes Maß an Erkrankungen beziehungsweise Einschränkungen zu haben, dann verlieren
diese Kriterien an Wichtigkeit und fließen demnach mit einer geringeren Gewichtung in die
subjektive Gesundheitsbewertung hinein.
Neben möglichen Alters-, Bildungs- und Geschlechtsunterschieden soll zudem der Frage
nachgegangen werden, inwiefern sich die subjektive Gesundheit über die Erhebungen hinweg
gewandelt hat und ob sich dieser Wandel für Personen unterschiedlichen Alters in gleicher Weise
gestaltet. Bisherige Befunde zum Wandel der subjektiven Gesundheit sind gemischter Natur. Im
Vergleich früherer und späterer Geburtsjahrgänge werden sowohl Verbesserungs- als auch
Verschlechterungstrends sowie Kontinuität über die Zeit berichtet (Parker & Thorslund 2007).
Ein zentraler Teil des vorliegenden Kapitels behandelt den Zusammenhang zwischen den
verschiedenen Gesundheitsdimensionen mit der subjektiven Gesundheit. Im Mittelpunkt steht
dabei die Frage, wie eng ein ‚sich gesund fühlen‘ mit objektiveren Gesundheitsmaßen verbunden
ist, also einer geringen Zahl von selbstberichteten Erkrankungen, funktionalen Einschränkungen
und depressiven Symptomen – und umgekehrt, wie viele Menschen, die von Krankheiten,
funktionalen Einschränkungen und depressiven Symptomen berichten, sich dennoch subjektiv
gesund fühlen.
Der Zusammenhang von Erkrankungen, funktionalen Einschränkungen und depressiven
Symptomen mit der subjektiven Gesundheit kann sich dabei für Personen mit verschiedener
wirtschaftlicher, sozialer oder psychologischer Ressourcenausstattung unterscheiden. Die
Bildung spielt dabei eine wichtige Rolle: zum einen, weil sie selbst eine relevante
Gesundheitsressource darstellt, zum anderen, weil sie mit der Aktivierung weiterer Ressourcen,
wie beispielsweise sozialer Unterstützung, einer optimistischen und hoffnungsvollen
Zukunftsperspektive sowie günstigen Gesundheitsverhaltensweisen, in Verbindung steht (Gallo &
Matthews 2003; Schöllgen, Huxhold, Schüz, & Tesch-Römer 2011). Demnach müssten sich
Höhergebildete aufgrund ihres doppelten Ressourcenvorteils besser an die negativen
Auswirkungen einer schlechten Gesundheit anpassen können als niedriger gebildete Personen.
Dies sollte dazu führen, dass der Zusammenhang zwischen den verschiedenen
Gesundheitsdimensionen mit der subjektiven Gesundheit in höheren Bildungsgruppen schwächer
ausfällt. In anderen Worten: Bei einem gleichermaßen schlechten körperlichen
Gesundheitszustand sollten Personen mit einer höheren Bildung häufiger zu einer guten
Gesundheitsbewertung kommen als niedriggebildete Personen.
Zusammenfassend werden im vorliegenden Kapitel die folgenden Forschungsfragen untersucht:
1. Wie ist die subjektive Gesundheit im Jahr 2014 und wie hat sie sich seit 1996 gewandelt?
163

2.		 Wie hängt die subjektive Gesundheit mit anderen Gesundheitsdimensionen zusammen?
3.		 Unterscheidet sich der Zusammenhang zwischen der subjektiven Gesundheit und
anderen Gesundheitsdimensionen für Personen aus unterschiedlichen Bildungsgruppen?

10.2 Datengrundlage
Daten. Im vorliegenden Kapitel werden die Daten der 40- bis 85-Jährigen aller vier Erhebungen
des DEAS (1996, 2002, 2008 und 2014) verwendet. Der Schwerpunkt der Analysen nutzt jedoch
ausschließlich die Daten von 2014, um Zusammenhänge der Gesundheitsdimensionen
untereinander zu untersuchen. Subjektive und funktionale Gesundheit sowie depressive
Symptome wurden im Rahmen des persönlichen Interviews erfasst. Selbstberichtete
Erkrankungen wurden im schriftlichen Fragebogen erhoben.
Subjektive Gesundheit. Alle Befragten gaben an, wie sie ihren derzeitigen Gesundheitszustand
bewerten. Die möglichen Antwortalternativen lauteten dabei: ‚sehr gut‘, ‚gut‘, ‚mittel‘, ‚schlecht‘
und ‚sehr schlecht‘. Die Antworten zu sehr guter oder guter Gesundheit wurden in eine Gruppe
zusammengefasst, die im Folgenden als Personen mit guter subjektiver Gesundheit bezeichnet
wird, und die Antworten zu schlechter und sehr schlechter Gesundheit wurden in eine Gruppe
zusammengefasst, die im Folgenden als Personen mit schlechter subjektiver Gesundheit
bezeichnet wird. Für die deskriptiven Ergebnisse zur subjektiven Gesundheit nach den
Gruppierungsvariablen werden alle drei Gruppen der subjektiven Gesundheit (gut, mittel,
schlecht) berichtet. Gleiches gilt für die Betrachtung des Wandels in der subjektiven Gesundheit.
Bei den Zusammenhangsanalysen mit den anderen Gesundheitsdimensionen werden nur die
beiden Gruppen mit guter sowie schlechter Gesundheitsbewertung betrachtet.
Selbstberichtete Erkrankungen. Für die selbstberichteten Erkrankungen wird derselbe Indikator
wie in Kapitel 8 verwendet. Es wird der Anteil der Personen dargestellt, die keine oder eine
Erkrankung angeben und mit jenen verglichen, die zwei und mehr Erkrankungen haben.
Funktionale Gesundheit. Analog zu Kapitel 8, werden Personen, die keine bis geringe funktionale
Einschränkungen nennen und damit von einer guten funktionale Gesundheit berichten (Mittelwert
kleiner gleich 1,3 auf der Subskala körperliche Funktionsfähigkeit des SF-36) mit Personen
verglichen, bei denen mittlere bis schwere funktionale Einschränkungen vorhanden sind
(Mittelwert größer als 1,3).
Depressive Symptome. Das verwendete Maß für die depressiven Symptome wird in Kapitel 11
ausführlicher beschrieben. Der Anteil an Personen, die keine depressiven Symptome berichten
(Summenwert kleiner gleich 8 auf der Kurzform der ADS-K-Skala – Kurzfassung der Allgemeinen
Depressionsskala) wird mit denen verglichen, die mindestens leichte depressive Symptome
berichten (Summenwert größer als 8).
Gruppierungsvariablen. Um Altersgruppenunterschiede zu veranschaulichen, werden drei
Altersgruppen abgebildet (40 bis 54 Jahre, 55 bis 69 Jahre und 70 bis 85 Jahre). Zur
Untersuchung des Wandels in der subjektiven Gesundheit wird eine feinere
Altersgruppierungsvariable mit sieben Kategorien verwendet (42 bis 47 Jahre, 48 bis 53 Jahre,
54 bis 59 Jahre, 60 bis 65 Jahre, 66 bis 71 Jahre, 72 bis 77 Jahre, 78 bis 83 Jahre). Dies soll
sicherstellen, dass es bei der Untersuchung von Geburtskohorteneffekten zu keinen
Überschneidungen zwischen Erhebungszeitpunkten und Altersgruppen kommt (vgl. Kapitel 2).
Zur Beschreibung von Bildungsunterschieden wurden – basierend auf einer reduzierten ISCED164

Klassifizierung (International Standard Classification of Education, UNESCO 2012) – drei
Bildungsgruppen unterschieden: Niedrig-, Mittel- und Hochgebildete (vgl. Kapitel 2). Weiterhin
wird die subjektive Gesundheit von Männern und Frauen betrachtet.
Analysen. Signifikanztestungen zur statistischen Absicherung der Gruppenunterschiede erfolgten
mit Hilfe von (ordinalen) logistischen Regressionen, wobei für die Stratifizierungsvariablen
Altersgruppe, Geschlecht und Region (Ost-/Westdeutschland) kontrolliert wurde. In den
Abbildungen unter Abschnitt 10.2.1 werden gewichtete Häufigkeiten dargestellt, wohingegen die
Prozentzahlen in den Zusammenhangsanalysen unter 10.2.2 und 10.2.3 direkt aus den am
Mikrozensus gewichteten logistischen Regressionen errechnet wurden. Das genaue Vorgehen ist
in Kapitel 2 beschrieben.

10.3 Subjektive Gesundheit im Jahr 2014 und im Wandel
Im Folgenden werden die Ergebnisse zu den Unterschieden in der subjektiven Gesundheit
zwischen den gesellschaftlichen Gruppen dargestellt. Im Anschluss werden die Befunde zum
Wandel in der subjektiven Gesundheitsbewertung zwischen 1996 und 2014 beschrieben.
Ein Großteil der 40- bis 85-Jährigen bewertet die eigene Gesundheit im Jahr 2014 als gut,
wobei jedoch deutliche Alters- und Bildungsunterschiede bestehen.
Über die Hälfte der 40- bis 85-Jährigen schätzt die eigene Gesundheit als gut ein (55,8 Prozent).
Nur 11,3 Prozent bewerten ihre Gesundheit als schlecht und 32,9 Prozent als mittel (Abbildung
10-1). Wie erwartet, zeigen sich hinsichtlich der subjektiven Gesundheit keine Unterschiede
zwischen Frauen und Männern, jedoch deutliche Unterschiede zwischen den Alters- und
Bildungsgruppen (Abbildung 10-1).
In der jüngsten untersuchten Altersgruppe, den 40- bis 54-Jährigen, schätzen knapp zwei Drittel
(64,5 Prozent) ihre Gesundheit als gut ein. Dieser Anteil ist bei den 55- bis 69-Jährigen (um 10,9
Prozentpunkte) und bei den 70- bis 85-Jährigen (um 19,9 Prozentpunkte) geringer, das heißt die
subjektive Gesundheit wird in höheren Altersgruppen als schlechter eingeschätzt. Trotzdem
bewerten auch in der Altersgruppe der 70- bis 85-Jährigen noch 44,6 Prozent ihre Gesundheit als
gut. Dementsprechend liegt der Anteil an Personen mit einer schlechten Gesundheitsbewertung
bei 8,7 Prozent unter den 40- bis 54-Jährigen, bei 12,0 Prozent unter den 55- bis 69-Jährigen und
bei 14,6 Prozent unter den 70- bis 85-Jährigen. Doch auch in der höchsten Altersgruppe
bewerten noch über 85 Prozent ihren Gesundheitszustand als gut oder mittel, wobei der Anteil an
Personen mit einer mittleren subjektiven Gesundheit bei den 70- bis 85-Jährigen im Vergleich zu
den beiden anderen Altersgruppen auf dem höchsten Niveau liegt (40,9 Prozent). Folglich
kommen ältere Personen zwar im Vergleich zu jüngeren zu einer weniger positiven Bewertung
ihrer Gesundheit, ein großer Teil schätzt seine Gesundheit aber selbst im hohen Alter noch als
gut ein.
Es finden sich auch die erwarteten Unterschiede zwischen den Bildungsgruppen. Personen mit
höherer Bildung bewerten demnach ihre Gesundheit besser als Personen mit niedriger Bildung.
Nur etwas mehr als ein Drittel der Personen mit niedriger Bildung (33,3 Prozent), aber knapp
zwei Drittel der Personen mit höherer Bildung (63,4 Prozent) kommen zu einer guten
Gesundheitsbewertung. Der Anteil an Personen mit schlechter subjektiver Gesundheit liegt in der
niedrigen Bildungsgruppe bei 21,5 Prozent, während er nur 6,7 Prozent in der höchsten
Bildungsgruppe beträgt. Eine mittlere Gesundheitsbewertung ist zudem innerhalb der niedrigen
165

Bildungsgruppe (42,1 Prozent) am meisten verbreitet und am seltensten bei den Hochgebildeten
(29,9 Prozent).

Abbildung 10-1:	

Subjektive Gesundheit, gesamt, nach Alter, Geschlecht und Bildung,
im Jahr 2014 (in Prozent)

Gut
100

11,3

80

Prozent

32,9

Mittel
8,7

12,0

Schlecht
14,6

26,8
34,4

60

10,4

12,2

33,3

32,6

21,5

12,9

6,7

29,9
33,6

40,9
42,1

40
55,8

64,5

20

53,6

56,3

44,6

55,3

53,6

63,4

36,3

0
Gesamt

40-54
Jahre

55-69
Jahre

70-85
Jahre

Männer

Frauen

Niedrige Mittlere Hohe
Bildung Bildung Bildung

Quelle: DEAS 2014 (n = 5.994), gewichtet, gerundete Angaben; (p < ,05).
	
Alters- und Bildungsunterschiede in allen drei Kategorien der subjektiven Gesundheit signifikant. Geschlechtsunterschiede in 

allen drei Kategorien der subjektiven Gesundheit nicht signifikant.
	

Nur bei den über 65-Jährigen zeigt sich zwischen 1996 und 2014 ein positiver Wandel der
subjektiven Gesundheitsbewertung.
Ein Vergleich der subjektiven Gesundheit über die Erhebungsjahre hinweg macht deutlich, dass
die 40- bis 85-Jährigen ihre Gesundheit in den Jahren 2002, 2008 und 2014 häufiger als gut und
seltener als schlecht bewertet haben als im ersten Erhebungsjahr 1996 (vgl. Tabelle A 10-1 im
Anhang).
Ein separater Blick auf die Entwicklung innerhalb der verschiedenen Altersgruppen (Abbildung
10-2) zeigt jedoch, dass sich der positive Wandel in der subjektiven Gesundheit auf die höheren
Altersgruppen (ab 66 Jahren) begrenzt: Die 66- bis 71-Jährigen haben einen kontinuierlichen
Anstieg im Anteil der Personen verzeichnet, die ihre Gesundheit als gut bewerten. Im Jahr 2014
liegt dieser Anteil mit 58,1 Prozent auf einem signifikant höheren Niveau als in den Jahren 2008
(51,7 Prozent), 2002 (49,8 Prozent) und 1996 (45,7 Prozent). Auch die 72- bis 77-Jährigen geben
im Jahr 2014 häufiger einen guten beziehungsweise seltener einen schlechten
Gesundheitszustand an als gleichaltrige Personen im Jahr 1996. In der ältesten Altersgruppe (78bis 83-Jährige) lässt sich die positive Entwicklung erst seit 2002 beobachten: Der Anteil an
Personen, die ihre Gesundheit als gut bewerten, ist innerhalb dieser Altersgruppe zwischen 2002
und 2014 um 9,1 Prozentpunkte (von 29,7 Prozent auf 37,8 Prozent) gestiegen, während der
Anteil an Personen, die ihre Gesundheit als schlecht bewerten um 14,7 Prozentpunkte (von 32,3
Prozent auf 17,6 Prozent) gesunken ist.
Bei den jüngeren Personen ergibt sich dagegen ein weniger eindeutiges Bild für den Wandel der
subjektiven Gesundheit. Dieses reicht von einer Stabilität in der Gesundheitseinschätzung bei
166

den 48- bis 53-Jährigen und 60- bis 65-Jährigen, über eine wechselhafte Entwicklung bei den 54bis 59-Jährigen, bis hin zu einer durchgängigen Umkehrung des positiven Trends in der jüngsten
Altersgruppe: Die 42- bis 47-Jährigen im Jahr 2014 fühlen sich weniger gesund als Personen, die
1996 im gleichen Alter waren. Die Ergebnisse zeigen also, dass sich die subjektive Gesundheit
zwischen 1996 und 2014 uneinheitlich, aber zugunsten älterer Altersgruppen entwickelt hat.

Subjektive Gesundheit, nach Alter, in den Jahren 1996, 2002, 2008 und
2014 (in Prozent)

54-59
Jahre

60-65
Jahre

17,6

22,8

22,0

32,3

13,9

16,0

17,0

19,8

44,7
37,8

2014

39,7
37,5

2008

42,0

38,0
29,7

36,0

1996

72-77
Jahre

2002

41,6
44,6

2014

44,0
39,0

2008

43,4

42,5
41,6

1996

36,8

58,1

51,7

2008

2014

49,8

2002

66-71
Jahre

2002

9,8

14,3

8,3
33,6

38,5

35,9

14,9
39,5
45,7

1996

12,6
36,2
51,2

2014

9,4

11,3
31,3
57,4

2008

13,8
39,3

36,4
54,2

46,9

52,8

2014

60,0

2014

2008

63,8

2008

63,7

67,5

2002

48-53
Jahre

52,4

65,0

1996

42-47
Jahre

2002

63,8

2014

0

1996

68,1

67,4

2008

20

2002

13,9
33,3

10,5

11,0

11,0
29,0

25,9

36,6

8,2

8,2

9,2
27,0

24,3

26,8

9,2
27,0

25,7

25,0

20,2

21,7

74,8

73,8

40

2002

60

1996

Prozent

80

7,6

100

Schlecht

Mittel

Gut

1996

Abbildung 10-2:	

78-83
Jahre

Quelle: DEAS 1996 (n = 4.833), 2002 (n = 3.081), 2008 (n = 6.195), 2014 (n = 5.994), gewichtet, gerundete Angaben; (p < ,05).
Interaktion zwischen Alter und Erhebungsjahr ist signifikant. Signifikante Zunahme in der Kategorie ‚gut‘ und signifikante
Abnahme in der Kategorie ‚schlecht‘ zwischen 1996 und 2002 bei den 78- bis 83-Jährigen beziehungsweise zwischen 1996 und
2014 bei den 66- bis 77-Jährigen. Signifikante Abnahme in der Kategorie ‚gut‘ und signifikante Zunahme in der Kategorie
‚schlecht‘ von 1996 bis 2014 bei den 42- bis 47-Jährigen. Signifikante Zunahme zwischen 1996 und 2002 und signifikante
Abnahme zwischen 2002 und 2014 in der Kategorie ‚gut‘ bei den 54- bis 59-Jährigen. Stabilität zwischen 1996 und 2014 in allen
Kategorien bei den 48- bis 53-Jährigen und 60- bis 65-Jährigen.

10.4 Zusammenhang zwischen Erkrankungen, funktionalen Einschränkungen und
depressiven Symptomen mit der subjektiven Gesundheitsbewertung
Die subjektive Gesundheit sollte allerdings nicht nur allein betrachtet werden. Auch der
Zusammenhang zwischen der subjektiven Einschätzung des Gesundheitszustandes und anderen
Gesundheitsindikatoren ist von Interesse.
Die subjektive Gesundheitsbewertung hängt im Jahr 2014 eng mit Erkrankungen,
funktionalen Einschränkungen und depressiven Symptomen zusammen.
Personen, die kaum Erkrankungen, funktionale Einschränkungen beziehungsweise depressive
Symptome berichten, bewerten auch ihren allgemeinen Gesundheitszustand besser.
Abbildung 10-3 veranschaulicht den Zusammenhang zwischen den verschiedenen
Gesundheitsdimensionen und der subjektiven Gesundheit. Dabei fällt auf, dass zwar eine
deutliche Mehrheit der Personen, die keine oder nur eine Erkrankung berichtet, auch zu einer
guten Gesundheitseinschätzung kommt, dass aber auch fast die Hälfte der mehrfach erkrankten
Personen ihre Gesundheit als gut bewertet. Während nur 3,5 Prozent der 40- bis 85-Jährigen mit
167

keiner oder einer Erkrankung ihre Gesundheit als schlecht bewerten, steigt dieser Anteil auf 15,0
Prozent in der Gruppe der Personen mit zwei oder mehr Erkrankungen. Trotzdem ist bei
mehrfach erkrankten Personen der Anteil mit einer guten Gesundheitsbewertung immer noch
dreimal so groß wie der Anteil mit einer schlechten Gesundheitsbewertung.
Ein ähnliches Bild zeigt sich auch für den Zusammenhang zwischen der subjektiven Gesundheit
und dem Vorhandensein funktionaler Einschränkungen beziehungsweise depressiver Symptome.
Ein großer Anteil der Personen, der keine bis geringe Einschränkungen oder keine depressiven
Symptome berichtet, schätzt auch die subjektive Gesundheit erwartungsgemäß als gut ein.
Bemerkenswert ist, dass auch ein nennenswerter Anteil an Personen mit einer eingeschränkten
funktionalen Gesundheit zu einer guten subjektiven Gesundheitseinschätzung kommt. So
bewerten auch 21,6 Prozent der Personen, die mittlere bis schwere funktionale Einschränkungen
berichten, und 28,2 Prozent der Personen mit mindestens leichten depressiven Symptomen ihre
Gesundheit als gut.
Es lassen sich also bedeutsame Zusammenhänge zwischen der subjektiven
Gesundheitsbewertung und anderen Gesundheitsdimensionen beobachten, wobei viele
Personen selbst bei Vorhandensein von gesundheitlichen Beeinträchtigungen zu einer positiven
Gesundheitsbewertung kommen.

Abbildung 10-3:

Anteile der Personen mit guter und schlechter subjektiver Gesundheit
nach selbstberichteten Erkrankungen, funktionalen Einschränkungen
und depressiven Symptomen, im Jahr 2014 (in Prozent)
Schlecht

Gut
100

Prozent

80
60
40

77,0

71,0
45,0

20
0

68,2

15,0

3,5

0 oder 1

2 und mehr

Anzahl
Erkrankungen

2,6

Keine bis
geringe

21,6

31,6

Mittlere bis
schwere

Funktionale
Einschränkungen

28,2

26,5

4,0

Keine

Mindestens
leichte

Depressive
Symptome

Quelle: DEAS 2014 (n = 4.216 für selbstberichtete Erkrankungen; n = 5.991 für funktionale Einschränkungen; n = 5.852 für
	
depressive Symptome), gewichtet, gerundete Angaben; (p < ,05).
	
Der Zusammenhang zwischen subjektiver Gesundheit und selbstberichteten Erkrankungen, funktionalen Einschränkungen 

sowie depressiven Symptomen ist signifikant. Signifikante Unterschiede zwischen den Ausprägungen von Erkrankungen,
	
Einschränkungen bzw. depressiven Symptomen sowohl in der Kategorie ‚gut‘ als auch in der Kategorie ‚schlecht‘.
	

168

10.5 Bildungsunterschiede im Zusammenhang zwischen Erkrankungen, funktionalen
Einschränkungen und depressiven Symptomen mit der subjektiven
Gesundheitsbewertung
Die subjektive Gesundheit hängt also mit anderen Dimensionen der Gesundheit zusammen.
Darüber hinaus scheint das Bildungsniveau Einfluss darauf zu haben, wie sich diese
Zusammenhänge gestalten.
Im Jahr 2014 zeigen sich deutliche Bildungsunterschiede in der subjektiven
Gesundheitsbewertung bei mehrfach Erkrankten und Personen mit mindestens leichten
depressiven Symptomen.
Der Zusammenhang zwischen subjektiver Gesundheit und selbstberichteten Erkrankungen ist
bei hoher Bildung am geringsten (Abbildung 10-4 a). Zwischen Personen, die null oder eine
Erkrankung angeben, lassen sich zwar keine Bildungsunterschiede im Hinblick auf eine gute
Gesundheitsbewertung beobachten, doch bei Vorhandensein von Mehrfacherkrankungen wird
der Bildungsgradient sichtbar: Im Jahr 2014 ist der Anteil multimorbider Personen mit einer guten
subjektiven Gesundheitsbewertung innerhalb der höchsten Bildungsgruppe mit 53,4 Prozent
mehr als doppelt so groß wie in der niedrigsten Bildungsgruppe (25,0 Prozent). Demnach gelingt
es Hochgebildeten im Vergleich zu Personen mit mittlerer und niedriger Bildung am ehesten trotz
Mehrfacherkrankungen eine gute subjektive Gesundheit aufrechtzuerhalten.
Ein ähnliches Bild ist für den bildungsabhängigen Zusammenhang zwischen dem Vorhandensein
depressiver Symptome und der subjektiven Gesundheit zu erkennen (Abbildung 10-4 c). Auch
hier zeigt sich in der höchsten Bildungsgruppe der schwächste Zusammenhang zwischen
depressiven Symptomen und subjektiver Gesundheit. Anhand von Abbildung 10-4 c wird
erkenntlich, dass höhere Bildungsgruppen generell eine bessere Gesundheitsbewertung haben.
Besonders deutlich zeigen sich die Bildungsunterschiede aber für jene, die mindestens leichte
depressive Symptome berichten. Hier fallen die Bildungsunterschiede stärker und zuungunsten
niedriggebildeter Personen aus.
Für den Zusammenhang zwischen funktionalen Einschränkungen und der subjektiven
Gesundheitsbewertung finden sich hingegen keine statistisch bedeutsamen Unterschiede
zwischen den Bildungsgruppen (Abbildung 10-4 b). Bei Personen mit niedrigem, mittlerem und
hohem Bildungsabschluss spiegeln sich Unterschiede im funktionalen Gesundheitsstatus
gleichermaßen in der subjektiven Gesundheitsbewertung wider.

169

Abbildung 10-4:	

Anteile der Personen mit guter subjektiver Gesundheit nach
selbstberichteten Erkrankungen, funktionalen Einschränkungen und
depressiven Symptomen, nach Bildung, 2014 (in Prozent)

a) Selbstberichtete Erkrankungen
100

Prozent

80
0 oder 1
Erkrankung
2 und mehr
Erkrankungen

60
40

79,4

75,9

70,2

20

53,4

41,7
25,0

0
Niedrige
Bildung

Mittlere
Bildung

Hohe
Bildung

b) Funktionale Einschränkungen
100

Prozent

80
Keine bis geringe
funktionale Einschränkungen
Mittlere bis schwere
funktionale Einschränkungen

60
40

74,0

70,1
57,0

20
24,8

20,9

17,1

0
Niedrige
Bildung

Mittlere
Bildung

Hohe
Bildung

c) Depressive Symptome
100

Prozent

80
Keine
depressiven Symptome
Mindestens leichte
depressive Symptome

60
40

71,7

66,9

56,3

20

37,9
17,0

24,8

0
Niedrige
Bildung

Mittlere
Bildung

Hohe
	
Bildung
	

Quelle: DEAS 2014 (n = 4.215 für selbstberichtete Erkrankungen; n = 5.990 für funktionale Einschränkungen; n = 5.851 für
depressive Symptome), gewichtet, gerundete Angaben; (p < ,05).
Signifikante Interaktion zwischen selbstberichteten Erkrankungen und Bildung sowie zwischen depressiven Symptomen und
Bildung. Für Personen mit höherer Bildung ist der Zusammenhang schwächer (geringere Unterschiede zwischen den beiden
Ausprägungen von Erkrankungen bzw. depressiven Symptomen bei höher Gebildeten). Der Zusammenhang zwischen
funktionalen Einschränkungen und subjektiver Gesundheit unterscheidet sich nicht nach Bildungsgruppe; die Interaktion ist
nicht signifikant.

170

10.6 Diskussion und Implikationen
Die subjektive Gesundheit ist ein zentrales Maß gesundheitsbezogener Lebensqualität und ein
bedeutsamer Indikator für Langlebigkeit. Die Werte subjektiver Gesundheit reflektieren demnach,
wie gut es Menschen gesundheitlich geht und liefern zugleich Anhaltspunkte dafür, wie gut es
einer Gesellschaft geht (vgl. Kapitel 11). Da die subjektive Gesundheit nicht allein von objektiven
Gesundheitsindikatoren abhängig ist, sondern auch durch die individuelle Lebenssituation, den
eigenen Lebensstil und durch Erwartungen im Hinblick auf zukünftige gesundheitliche
Veränderungen geprägt ist, müssen objektive und subjektive Gesundheitseinschätzungen nicht
zwangsläufig übereinstimmen. Einige Menschen bewerten ihre Gesundheit trotz eines objektiv
guten Gesundheitszustandes als schlecht (z. B. Hong, Zarit, & Malmberg 2004). Solche
Inkongruenzen deuten darauf hin, dass manche gesundheitliche Beeinträchtigungen und Risiken
durch die bloße Diagnostik von Erkrankungen nicht greifbar werden. Um einer Unterschätzung
der gesundheitlichen Belastung von Personen vorzubeugen, sollte die subjektive
Gesundheitsbewertung deshalb nicht nur in der Gesundheitsberichterstattung, sondern auch bei
der gesundheitlichen Vorsorge und im Rahmen von medizinischen Behandlungen Beachtung
finden.
Erfreulicherweise bewertet ein großer Teil der Menschen im Alter zwischen 40 und 85 Jahren die
eigene Gesundheit im Jahr 2014 positiv. Diese subjektive Gesundheitsbewertung wird unter
anderem von den Erkrankungen, funktionalen Einschränkungen und depressiven Symptomen
einer Person beeinflusst. Doch selbst bei Vorliegen gesundheitlicher Einschränkungen, gibt noch
jede fünfte bis fast jede zweite Person an, eine gute Gesundheit zu haben. Daher ist ein zentrales
Ergebnis dieses Kapitels, dass eine gute subjektive Bewertung der Gesundheit auch angesichts
von Beeinträchtigungen möglich ist. Dies ist auf Anpassungsprozesse zurückzuführen (Leinonen,
Heikkinen, & Jylhä 2002), die jedoch in manchen gesellschaftlichen Gruppen aufgrund von
größeren Ressourcen besser gelingen als in anderen.
Dieser Einfluss der Ressourcenausstattung zeigt sich in einem klaren Bildungsgradienten:
Niedriger Gebildete bewerten ihre Gesundheit deutlich seltener als gut als Höhergebildete.
Neben dem schlechteren Gesundheitszustand (vgl. Kapitel 8) bringen Niedriggebildete weniger
soziale Ressourcen mit (vgl. Kapitel 17), um gesundheitliche Einschränkungen zu bewältigen.
Hinzu kommt, dass sich bei Personen mit einem niedrigen Bildungsabschluss in vielerlei Hinsicht
ein weniger vorteilhaftes Gesundheitsverhalten beobachten lässt (vgl. Kapitel 9). Diese Faktoren
können sich in einer schlechteren Bewertung der Gesundheit niederschlagen. Die
Bildungsunterschiede zeigen sich aber auch im Zusammenhang der subjektiven Gesundheit mit
den anderen Gesundheitsindikatoren, zumindest im Hinblick auf Erkrankungen und depressive
Symptome. Höher Gebildete geben trotz mehrerer Erkrankungen und mindestens leichter
depressiver Symptome eher eine gute subjektive Gesundheit an als niedriggebildete Personen.
Bildung spielte jedoch keine bedeutsame Rolle für den Zusammenhang zwischen funktionalen
Einschränkungen und subjektiver Gesundheit, was darauf zurückzuführen sein könnte, dass mit
Blick auf die funktionale Gesundheit eher das Einkommen ausschlaggebend ist (vgl. auch
Schöllgen et al. 2011): Bildung kann funktionale Einschränkungen nicht direkt kompensieren, das
Einkommen kann dies eher leisten, etwa in der Form, dass Unterstützungen, wie zum Beispiel
durch eine Haushaltshilfe, technische Hilfsmittel oder Wohnraumanpassungen, eher in Anspruch
genommen werden können.
Auch im späteren Lebensverlauf scheint die Anpassung an eine altersbedingte Verschlechterung
der Gesundheit irgendwann an ihre Grenzen stoßen: So kommt es in älteren Altersgruppen zu
171

einer Abnahme des Anteils an Personen, die ihre Gesundheit als gut bewerten, und gleichzeitig
zu einer Zunahme des Anteils an Personen, die ihre Gesundheit als schlecht bewerten.
Im Wandel zeigt sich allerdings ein positiver Trend für die Menschen im Ruhestandsalter:
Innerhalb der höheren Altersgruppen ab 66 Jahren zeichnet sich seit 1996, beziehungsweise seit
2002 für die Gruppe der 78- bis 83-Jährigen, eine positive Entwicklung in Richtung einer
besseren Gesundheitsbewertung ab. Diese Entwicklung steht in Einklang mit den Ergebnissen
des Robert Koch-Instituts von 2010 (Robert Koch-Institut 2010) und weist außerdem Parallelen
zu den DEAS-Befunden in Bezug auf den Wandel der funktionalen Gesundheit (vgl. Kapitel 8)
und der Depressivität (vgl. Kapitel 11) auf. Da die subjektive Gesundheit sowohl mit funktionalen
Einschränkungen als auch mit depressiven Symptomen zusammenhängt, deutet einiges darauf
hin, dass diese Entwicklungen in Bezug zueinander stehen. Der Trend hin zu einer besseren
subjektiven Gesundheitsbewertung bei den über 65-Jährigen ist besonders vor dem Hintergrund
bemerkenswert, dass sich im DEAS zwischen 2008 und 2014 eine Zunahme im Anteil der
Personen mit Mehrfacherkrankungen abgezeichnet hat, von der alle Altersgruppen
gleichermaßen betroffen sind (vgl. Kapitel 8).
Im mittleren Erwachsenenalter kann dieser positive Wandel dagegen nicht beobachtet werden.
Die Verschlechterung der subjektiven Gesundheit in der jüngsten Altersgruppe könnte nicht nur
einen objektiv schlechteren Gesundheitszustand widerspiegeln, sondern auch dadurch zustande
gekommen sein, dass nachrückende Generationen ein anderes Verständnis von Gesundheit
haben beziehungsweise höhere Ansprüche an sie stellen. Deshalb fallen möglicherweise bereits
geringe Beeinträchtigungen bei der Beurteilung des aktuellen Gesundheitszustandes stärker ins
Gewicht (Parker & Thorslund 2007). Das Ausbleiben einer Verbesserung der subjektiven
Gesundheit bei den unter 66-Jährigen könnte jedoch ebenfalls mit den ungünstigen
Entwicklungen in den selbstberichteten Erkrankungen, der funktionalen Gesundheit und der
Depressivität innerhalb dieser Altersgruppen zusammenhängen (vgl. Kapitel 8 und 11). Alles in
allem deuten die Ergebnisse darauf hin, dass sich die gesundheitliche Belastung für Personen im
Erwerbsalter über die Zeit eher vergrößert hat. Da aber neben den objektiven Aspekten des
Gesundheitszustandes auch die Ressourcenausstattung einer Person sowie sich wandelnde
Vergleichsstandards und Umweltfaktoren in die subjektive Gesundheitsbewertung mit einfließen,
kann man vom Wandel der subjektiven Gesundheit nicht ausschließlich auf einen Wandel des
Gesundheitszustandes schließen.
Insgesamt weisen die Ergebnisse darauf hin, dass vor allem bei einer subjektiv als schlecht
bewerteten Gesundheit Handlungsbedarf besteht. Demnach sollte niedriggebildeten und älteren
Personen besondere Aufmerksamkeit bei der Gesundheitsförderung geschenkt werden.
Weiterhin ist es sinnvoll, Ressourcen (zum Beispiel Gesundheitsverhaltensweisen und
Gesundheitswissen) zu fördern, die die negativen Auswirkungen von gesundheitlichen
Beeinträchtigungen abschwächen. Auf diesem Weg könnte die Lebensqualität von Personen –
auch bei dauerhaften gesundheitlichen Einschränkungen – entschieden verbessert werden. Die
Werte der subjektiven Gesundheit liefern in diesem Zusammenhang einen hilfreichen Indikator
dafür, wie wirksam ressourcenfördernde Präventionsmaßnahmen zur Bewältigung von
Erkrankungen und Beeinträchtigungen sind.

172

Literatur
Benyamini, Y. (2011). Why does self-rated health predict mortality? An update on current
knowledge and a research agenda for psychologists. Psychology and Health, 26(11),
1407-1413. doi: 10.1080/08870446.2011.621703.
Benyamini, Y., & Idler, E. L. (1999). Community studies reporting association between self-rated
health and mortality. Research on Aging, 21(3), 392-401. doi:
10.1177/0164027599213002.
Ellert, J., & Kurth, B. M. (2013). Gesundheitsbezogene Lebensqualität bei Erwachsenen in
Deutschland. Ergebnisse der Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland
(DEGS1). Bundesgesundheitsblatt, 56, 643-649. doi: 10.1007/s00103-013-1700-y.
Gallo, L. C., & Matthews, K. A. (2003). Understanding the association between socioeconomic
status and physical health: Do negative emotions play a role? Psychological Bulletin,
129(1), 10-51. doi: 10.1037/0033-2909.129.1.10.
Hong, T. B., Zarit, S. H., & Malmberg, B. (2004). The role of health congruence in functional
status and depression. The Journals of Gerontology Series B: Psychological Sciences
and Social Sciences, 59(4), P151-P157. doi: 10.1093/geronb/59.4.P151.
Idler, E. L., & Benyamini, Y. (1997). Self-rated health and mortality: A review of twenty-seven
community studies. Journal of Health and Social Behavior, 38, 21-37. doi:
10.2307/2955359.
Leinonen, R., Heikkinen, E., & Jylhä, M. (2002). Changes in health, functional performance and
activity predict changes in self-rated health: A 10-year follow-up study in older people.
Archives of Gerontology and Geriatrics, 35(1), 79-92. doi: 10.1016/S01674943(02)00017-1.
Leinonen, R., Heikkinen, E., & Jylhä, M. (2001). Predictors of decline in self-assessments of
health among older people - a 5-year longitudinal study. Social Science & Medicine, 52,
1329-1341. doi: 10.1016/S0277-9536(00)00249-5.
Parker, M. G., & Thorslund, M. (2007). Health trends in the elderly population: Getting better and
getting worse. The Gerontologist, 47(2), 150-158. doi: 10.1093/geront/47.2.150.
Robert Koch-Institut (2015). Gesundheit in Deutschland 2015. Berlin: Robert Koch-Institut.
Robert Koch-Institut (2014). Daten und Fakten: Ergebnisse der Studie "Gesundheit in
Deutschland aktuell 2012". Berlin: Robert Koch-Institut.
Robert Koch-Institut (2010). Allgemeiner Gesundheitszustand: Subjektive Gesundheit. Berlin:
Robert Koch-Institut.
Schöllgen, I., Huxhold, O., Schüz, B., & Tesch-Römer, C. (2011). Resources for health:
Differential effects of optimistic self-beliefs and social support according to socioeconomic
status. Health Psychology, 30(3), 326-335. doi: 10.1037/a0022514.
Spuling, S. M., Wiest, M., Huxhold, O., & Wurm, S. (2013). Bildungsabhängige Verläufe
verschiedener Dimensionen der Gesundheit. In: A. Motel-Klingebiel, S. Wurm & C.
Tesch-Römer (Hrsg.) Kontexte des Alterns - Längsschnittliche Befunde des DEAS 2011.
Unveröffentlichter Arbeitsbericht. Berlin: Deutsches Zentrum für Altersfragen (DZA).
UNESCO (2012). International Standard Classification of Education ISCED 2011. Montreal:
UNESCO Institute for Statistics.
WHO (2002). Towards a common language for functioning, disability and health - The
International Classification of Functioning, Disability and Health. Genf: World Health
Organization (WHO).
Wurm, S., Schöllgen, I., & Tesch-Römer, C. (2010). Gesundheit. In: A. Motel-Klingebiel, S. Wurm
& C. Tesch-Römer (Hrsg.) Altern im Wandel. Befunde des Deutschen Alterssurveys
(DEAS) (S. 90-117). Stuttgart: Kohlhammer.

173

174
	

11 Glücklich bis ins hohe Alter?
Lebenszufriedenheit und depressive
Symptome in der zweiten Lebenshälfte
Julia K. Wolff & Clemens Tesch-Römer

Kernaussagen
Im Jahr 2014 sind die meisten der 40- bis 85-Jährigen mit ihrem Leben zufrieden:
Mehr als drei Viertel aller 40- bis 85-Jährigen geben an, dass sie mit ihrem Leben
zufrieden sind – dieser Anteil ist in den höheren Altersgruppen sogar etwas größer.
Der Anteil an Personen mit hoher Lebenszufriedenheit ist zwischen 1996 und 2002 um
sechs Prozentpunkte angestiegen und von da an bis 2014 auf einem hohen Niveau
(circa 78 Prozent) stabil geblieben.
Im höheren Alter sind mehr Menschen von zumindest leichten depressiven
Symptomen betroffen als Jüngere: Menschen im höheren Alter berichten im Jahr
2014 häufiger von zumindest leichten depressiven Symptomen. Unter den 40- bis 54Jährigen sind es 28,6 Prozent, bei den 55- bis 69-Jährigen 29,1 Prozent und unter den
70- bis 85-Jährigen ist dieser Anteil mit 33,1 Prozent etwas höher. Klinisch auffällige
depressive Symptome sind dagegen mit circa sieben Prozent weniger weit verbreitet
und unterscheiden sich nicht zwischen den Altersgruppen.
Der Wandel der depressiven Symptome unterscheidet sich zwischen den
Altersgruppen – nur Ältere berichten 2014 weniger Symptome als 2002: Unter
den 66- bis 83-Jährigen haben im Jahr 2014 weniger Menschen zumindest leichte
depressive Symptome als noch 2002. Bei den Jüngeren (42 bis 65 Jahre) ist dieser
Anteil nur zwischen 2002 und 2008 kleiner geworden, von 2008 zu 2014 hat er jedoch
wieder zugenommen.
Mehr Frauen als Männer berichten von zumindest leichten depressiven
Symptomen: Frauen leiden im Jahr 2014 häufiger unter zumindest leichten
depressiven Symptomen als Männer (33,6 Prozent versus 25,9 Prozent). Dies gilt
insbesondere für die Altersgruppe der 70- bis 85-Jährigen. In dieser Altersgruppe sind
Frauen zudem seltener zufrieden (76,7 Prozent) mit ihrem Leben als Männer (84,3
Prozent).
Niedriggebildete haben häufiger eine geringere Lebenszufriedenheit und
häufiger zumindest leichte depressive Symptome als Höhergebildete:
Bildungsunterschiede in der Lebenszufriedenheit und der depressiven Symptomatik
zeigen sich in allen Altersgruppen der zweiten Lebenshälfte. Die Bildungsungleichheit
in der depressiven Symptomatik hat sich zwischen 2002 und 2014 nicht verändert.
Bildungsunterschiede bei der Lebenszufriedenheit hatten zwischen den Jahren 1996
und 2002 zunächst zugenommen, sind von 2002 zu 2014 aber stabil geblieben.

175

11.1 Einleitung
Ein gutes Leben im Alter wird durch viele Faktoren, wie Gesundheit, materielle Lage oder
Wohnsituation bestimmt. Ein wichtiger Bestandteil eines guten Lebens ist auch das subjektive
Wohlbefinden, also wie es einer Person geht und wie sie sich fühlt. In der Alternsforschung wird
unter anderem die Zufriedenheit mit dem eigenen Leben als ein Indikator für ein hohes
subjektives Wohlbefinden angesehen. Die allgemeine Lebenszufriedenheit betrifft die
Lebenssituation einer Person im Allgemeinen: Wer im Alter eine hohe Lebenszufriedenheit
äußert, der – so die Annahme – lebt ein gutes Leben im Alter.
In vielen Untersuchungen hat sich gezeigt, dass die Lebenszufriedenheit im Verlauf des
Älterwerdens in der Regel sehr stabil ist, obwohl man annehmen könnte, dass (chronische)
Erkrankungen, Beeinträchtigungen der körperlichen Beweglichkeit oder der Verlust von Partnerin
beziehungsweise Partner oder befreundeten Personen die Zufriedenheit mit dem eigenen Leben
einschränken müssten (Staudinger 2000). Dieser Befund – hohe Zufriedenheit im Alter trotz vieler
Verlustereignisse – ist als ‚Paradox der Lebenszufriedenheit im Alter‘ bezeichnet worden. Erst im
sehr hohen Alter und insbesondere in der Phase vor dem Lebensende nimmt die
Lebenszufriedenheit ab (Gerstorf, Ram, Estabrook, Schupp, Wagner, & Lindenberger 2008),
sodass man argumentieren könnte, dass weniger das Alter als vielmehr der zeitliche Abstand
zum Lebensende bedeutsam für die Lebenszufriedenheit einer Person ist. Als Erklärung für die
hohe Stabilität der Lebenszufriedenheit im Alter wird häufig auf sich verändernde
Vergleichsstandards verwiesen: Bei der Beurteilung der Zufriedenheit verändern sich mit dem
Alter bei den meisten Menschen die Kriterien dafür, was sie als zufriedenstellend bezeichnen.
Durch die Anpassung dieser Kriterien bleibt die Zufriedenheit mit dem eigenen Leben auch
angesichts von gesundheitlichen oder sozialen Verlusten weiterhin hoch. Auch mit Blick auf
Frauen und Männer ist zu konstatieren: Geschlechtsunterschiede bei der Lebenszufriedenheit
sind meist klein oder nicht zu finden (Tesch-Römer, Motel-Klingebiel, & Tomasik 2008).
Allerdings finden sich durchaus Unterschiede in der Lebenszufriedenheit zwischen anderen
gesellschaftlichen Gruppen. Am bedeutsamsten sind hierbei Unterschiede zwischen
Bildungsgruppen: Aus der Literatur ist bekannt, dass Höhergebildete eine höhere
Lebenszufriedenheit als niedriger Gebildete berichten (Laubach, Schumacher, Mundt, & Brähler
2000; Pinquart & Sörensen 2000). Bildungsunterschiede sind auch ein Indikator für
sozioökonomische Unterschiede. Höhergebildete Personen haben neben besseren Kenntnissen
und Kompetenzen häufig auch ein höheres Einkommen und berufliches Ansehen und damit mehr
Ressourcen für eine hohe Lebenszufriedenheit als Personen mit niedrigerem Bildungsniveau.
Zudem gibt es in Deutschland auch regionale Unterschiede bei der Lebenszufriedenheit. Auch
ein Vierteljahrhundert nach der Wiedervereinigung sind Unterschiede zwischen Ost- und
Westdeutschland in der Lebenszufriedenheit zu finden (Schupp, Goebel, Kroh, & Wagner 2013).
Bei der bisherigen Argumentation ist zu berücksichtigen, dass die Lebenszufriedenheit nur einer
von mehreren Indikatoren für das subjektive Wohlbefinden im Alter ist. Lebenszufriedenheit ist
das Resultat von individuellen Überlegungen und Vergleichen: Die eigene Lebenssituation wird
mit der von der Person angestrebten Lebenssituation verglichen. Dies ist eine kognitive Facette
des subjektiven Wohlbefindens. Davon zu unterscheiden ist die emotionale Facette des
subjektiven Wohlbefindens. Dabei geht es um den Gefühlszustand einer Person, also um die
Frage, ob sich ein Mensch glücklich oder niedergeschlagen, fröhlich oder traurig, motiviert oder
antriebslos fühlt. In diesem Kapitel untersuchen wir in diesem Zusammenhang depressive
Symptome, also Gefühle der Niedergeschlagenheit, der Antriebslosigkeit und der Verstimmung.
176

Auch wenn emotionale und kognitive Komponenten des subjektiven Wohlbefindens miteinander
verknüpft sind (in der Regel zeigen Menschen, die mit ihrem Leben zufrieden sind, eine nur
geringe depressive Symptomatik), sind doch Unterschiede zu beobachten. Gefühle sind im
Vergleich mit Zufriedenheitsurteilen weniger stark vermittelt und geprüft – sie bilden Unterschiede
im Wohlbefinden und die Reaktion auf Veränderungen der Lebenssituation möglicherweise
besser ab als eine rationale Bewertung.
Dies zeigt sich insbesondere bei Altersunterschieden. Während bei der Lebenszufriedenheit bis
ins höhere Erwachsenenalter nur geringe Altersunterschiede feststellbar sind, stellt sich dies mit
Blick auf depressive Symptome anders dar. Im hohen Alter zeigen sich insbesondere bei
Menschen mit erheblichen gesundheitlichen Einschränkungen verstärkt depressive Symptome
(Chang-Quan, Bi-Rong, Zhen-Chan, Ji-Rong, & Qing-Xiu 2010; Rothermund & Brandtstädter
2003).
Zudem sind im Gegensatz zur Lebenszufriedenheit deutliche Geschlechtsunterschiede bei der
depressiven Symptomatik zu finden: Frauen äußern in der Regel mehr und stärkere depressive
Symptome als Männer (Buber & Engelhardt 2011; Tesch-Römer et al. 2008). Dies kann
einerseits daran liegen, dass Frauen häufiger insbesondere über negative Gefühle berichten (vgl.
Schienle 2007). Andererseits können sich darin auch geschlechtsspezifische Ungleichheiten
hinsichtlich der Ressourcen, zum Beispiel Einkommen oder berufliche Aufstiegschancen,
widerspiegeln. Auch Belastungen, von denen Frauen stärker betroffen sind als Männer, wie die
Vereinbarung von Erwerbstätigkeit und Unterstützung von gesundheitlich eingeschränkten
Personen oder Kinderbetreuung, können sich in vermehrten negativen Gefühlen ausdrücken (vgl.
Kapitel 12 und 15). Ähnlich zur Lebenszufriedenheit zeigt sich ein deutlicher Bildungsgradient in
der Häufigkeit von depressiven Symptomen (Bjelland, Krokstad, Mykletun, Dahl, Tell, & Tambs
2008; Fryers, Melzer, & Jenkins 2003).
Mit Blick auf regionale Unterschiede in Deutschland zeigt sich in der Literatur ein gemischtes Bild:
Entgegen der Erwartungen sind depressive Erkrankungen in Westdeutschland häufiger als in
Ostdeutschland (Müters, Hoebel, & Lange 2013). Allerdings belegen Studien, die eher die
psychische Befindlichkeit beziehungsweise negative Emotionen und nicht manifeste Diagnosen
untersuchen, höhere oder gleich hohe psychische Beschwerden in Ostdeutschland im Vergleich
zu Westdeutschland (Albani, Gunzelmann, Schmutzer, Grulke, Bailer, Blaser, Greyer, & Brähler
2005). Zudem ist mit Blick auf die zweite Lebenshälfte die Frage zu stellen, ob sich Unterschiede
zwischen Frauen und Männern, zwischen Bildungsgruppen und zwischen Ost- und
Westdeutschland in allen Altersgruppen in ähnlicher Weise zeigen oder möglicherweise mit dem
Alter stärker (oder schwächer) werden (vgl. Altersunterschiede in Bildungseffekten; Schöllgen,
Huxhold, & Tesch-Römer 2010).
Eine zentrale Aufgabe des Deutschen Alterssurveys (DEAS) ist es auch, der Frage
nachzugehen, ob sich die Lebenssituationen von älteren Menschen seit 1996 geändert haben.
Mit Blick auf Lebenszufriedenheit und depressive Symptome kann man also fragen, ob
Menschen in der zweiten Lebenshälfte zufriedener (oder unzufriedener) sowie weniger
niedergeschlagen (oder niedergeschlagener) geworden sind. Für die Lebenszufriedenheit zeigt
sich in den Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) bis 2013 ein positiver Wandel
(Schupp et al. 2013) – allerdings differenziert für Ost- und Westdeutschland. Laut Daten des
SOEP bestehen auch 2013 trotz einer Annäherung an Westdeutschland noch Unterschiede bei
der Lebenszufriedenheit zwischen den beiden Landesteilen (Priem & Schupp 2014). Wenn man
mit Veenhoven (2008) argumentiert, dass die Lebenszufriedenheit zeigt, wie gut die Gesellschaft
die Bedürfnisse ihrer Bürger befriedigt, könnte die mittlerweile ein Vierteljahrhundert
177

zurückliegende Wiedervereinigung Deutschlands als natürliches Experiment angesehen werden.
Es gilt demnach zu untersuchen, ob es auch in der zweiten Lebenshälfte zu einer weiteren
Angleichung zwischen Ost- und Westdeutschland bezüglich der Lebenszufriedenheit gekommen
ist.
Für den Wandel der depressiven Symptome zeigt sich möglicherweise ein anderes Bild. Laut
Ergebnissen der Panelstudie belgischer Haushalte, die Personen bis 75 Jahren umfasst, ist die
depressive Symptomatik im Zeitraum von 1992 bis 2002 in jüngeren Kohorten höher als in
älteren Kohorten (Brault, Meuleman, & Bracke 2012). Diese Zunahme wird begründet mit einer
steigenden Pathologisierung von negativen Emotionen. In repräsentativen amerikanischen und
kanadischen Stichproben wurden ähnliche Befunde zu einer steigenden negativen Befindlichkeit
in der zweiten Lebenshälfte über die Kohorten gefunden (Keyes, Nicholson, Kinley, Raposo,
Stein, Goldner, & Sareen 2014). Dies spiegelt sich auch in einem Anstieg von
Depressionsprävalenzen von 2009 zu 2012 in Deutschland wider (Robert Koch-Institut 2014). Es
ist eine offene Frage, ob sich dieser Wandel der depressiven Symptomatik auch im DEAS zeigt
und ob er alle Altersgruppen gleichermaßen betrifft.
Angesichts der großen Bildungsunterschiede bei der Lebenszufriedenheit und der depressiven
Symptomatik, stellt sich zudem die Frage, ob sich diese sozialen Ungleichheiten seit 1996
verändert haben. Zwischen 1996 und 2008 haben im DEAS die Bildungsunterschiede bei der
Lebenszufriedenheit über die Kohorten zugenommen (Tesch-Römer, Wiest, & Wurm 2010).
Daher soll in diesem Kapitel auch der Frage nachgegangen werden, ob sich die
Bildungsunterschiede seit 1996 in der Lebenszufriedenheit und seit 2002 in den depressiven
Symptomen (weiter) verändert haben.
Zusammenfassend werden im vorliegenden Kapitel zwei Themenkomplexe untersucht:
1.		 Welche Altersunterschiede zeigen sich im Jahr 2014 hinsichtlich Lebenszufriedenheit und
depressiver Symptome? Bestehen zusätzlich oder zudem auch Unterschiede zwischen
anderen gesellschaftlichen Gruppen?
2.		 Wie haben sich die Lebenszufriedenheit (1996 bis 2014) und die depressiven Symptome
(2002 bis 2014) gewandelt?

11.2 Datengrundlage
Daten. Zur Beantwortung der Fragestellungen werden die Daten der 40- bis 85-Jährigen in den
Jahren 1996, 2002, 2008 und 2014 genutzt. Für die Lebenszufriedenheit, die im schriftlichen
Fragebogen erfasst wird, liegen Daten zu allen vier Zeitpunkten vor. Die depressiven Symptome
werden seit 2002 im mündlichen Interview erhoben.
Lebenszufriedenheit. Die Lebenszufriedenheit wurde mit fünf Aussagen erfasst (Glaesmer,
Grande, Braehler, & Roth 2011; Pavot & Diener 1993), wie etwa „In den meisten Dingen ist mein
Leben ideal.“, „Ich bin zufrieden mit meinem Leben.“ und „Wenn ich mein Leben noch einmal
leben könnte, würde ich kaum etwas anders machen.“. Den Befragten wurde eine fünfstufige
Skala vorgelegt mit den Abstufungen ‚trifft genau zu‘ (5), ‚trifft eher zu‘ (4), ‚weder noch‘ (3), ‚trifft
eher nicht zu‘ (2), ‚trifft gar nicht zu‘ (1). Anhand dieser Antwortmöglichkeiten schätzten die
Befragten ein, inwiefern die Aussagen auf sie selbst zutreffen. Aus den Antworten auf alle fünf
Fragen wurde ein Mittelwert gebildet. Wenn eine Person einen Mittelwert größer als 3,3 aufweist,
bedeutet dies, dass die Person im Durchschnitt den Aussagen (eher) zugestimmt hat. Berichtet
178

wird der Anteil der Personen, die nach dieser Definition eine hohe Lebenszufriedenheit
aufweisen.
Depressive Symptome. Die depressiven Symptome wurden mit der 15 Items umfassenden
Kurzfassung der Allgemeinen Depressivitätsskala gemessen (ADS-K; Hautzinger & Bailer 1993).
Die allgemeine Depressionsskala ist ein Selbstbeurteilungsinstrument, mit dem emotionale,
motivationale, kognitive, somatische und interaktionale Beschwerden erfragt werden, zum
Beispiel „In der letzten Woche war ich deprimiert/niedergeschlagen.“, „In der letzten Woche war
alles anstrengend für mich.“, „In der letzten Woche hatte ich das Gefühl, dass mich Leute nicht
leiden können.“. Den Befragten wurde eine vierstufige Skala vorgelegt mit den Abstufungen
‚selten/überhaupt nicht; weniger als ein Tag lang‘ (0), ‚manchmal; ein bis zwei Tage lang‘ (1),
‚öfters; drei bis vier Tage lang‘ (2) und ‚meistens, die ganze Zeit; fünf bis sieben Tage lang‘ (3).
Um Gruppenunterschiede und Veränderungen im Wandel darzustellen, wird in diesem Kapitel ein
ADS-K-Summenwert größer als acht verwendet. Eine Person, die mehr als acht Punkte im
ADS-K aufweist, gibt entweder für mehr als die Hälfte der Items an, unter den Symptomen
mindestens ‚manchmal; ein bis zwei Tage lang‘ zu leiden oder ist zwar nur von einzelnen
Symptomen, aber dafür häufiger im Alltag betroffen. Berichtet wird demnach der Anteil an
Personen, die mindestens leichte depressive Symptome aufweisen. Bei Untersuchungen
größerer Bevölkerungsgruppen wie dem DEAS weist ein ADS-K-Summenwert von größer als 18
Punkten auf die Möglichkeit einer ernsthaften depressiven Störung hin. Daher wird zusätzlich der
Anteil an Personen mit klinisch auffälligen depressiven Symptomen für das Jahr 2014 berichtet.
Gruppierungsvariablen. Als Gruppierungsvariablen werden im vorliegenden Kapitel die drei
großen Altersgruppen, welche die Stratifizierung der Stichprobe widerspiegeln (40- bis 54Jährige, 55- bis 69-Jährige und 70- bis 85-Jährige), die drei Bildungsgruppen (niedrige, mittlere
und hohe Bildung) basierend auf der reduzierten ISCED-Klassifikation, das Geschlecht der
Befragten und die Regionseinteilung Ostdeutschland versus Westdeutschland verwendet (vgl.
Kapitel 2). Bei den Fragestellungen zum Wandel in der Lebenszufriedenheit und in den
depressiven Symptomen, die im DEAS seit 1996 (beziehungsweise 2002) alle sechs Jahre
wiederholt erfragt werden, ist es sinnvoll, Altersunterschiede im Wandel anhand von SechsJahres-Altersgruppen zu untersuchen. Diese Aufteilung ermöglicht es, über die
Erhebungszeitpunkte hinweg Personen gleichen Alters miteinander zu vergleichen, die aus nicht
überlappenden Geburtsjahrgängen stammen (42 bis 47 Jahre, 48 bis 53 Jahre, 54 bis 59 Jahre,
60 bis 65 Jahre, 66 bis 71 Jahre, 72 bis 77 Jahre, 78 bis 83 Jahre).
Analysen. In den Abbildungen und im Text sind gewichtete (gruppenspezifische) prozentuale
Verteilungen angegeben. Um Gruppenunterschiede auf Signifikanz zu testen, wurden logistische
Regressionen unter Kontrolle der Stratifizierungsvariablen Altersgruppe (40- bis 54-Jährige, 55- bis
69-Jährige und 70- bis 85-Jährige), Geschlecht und Region (West-/Ostdeutschland) berechnet.
Das genaue Vorgehen ist in Kapitel 2 beschrieben.

11.3 Lebenszufriedenheit und depressive Symptome im Jahr 2014
Abbildung 11-1 stellt den Anteil an Personen mit hoher Lebenszufriedenheit, zumindest leichten
depressiven Symptomen und klinisch auffälligen depressiven Symptomen nach den drei
Altersgruppen dar.

179

Im Jahr 2014 sind die meisten der 40- bis 85-Jährigen mit ihrem Leben zufrieden.
Mehr als drei Viertel der Menschen zwischen 40 und 85 Jahren geben an, mit dem Leben eher
oder sehr zufrieden zu sein (77,8 Prozent). Dabei gibt es, wie erwartet, geringe
Altersunterschiede. Die 70- bis 85-Jährigen sind zu einem etwas größeren Prozentsatz zufrieden
mit ihrem Leben als die beiden jüngeren Altersgruppen (Abbildung 11-1).
Eine hohe Lebenszufriedenheit schützt offensichtlich nicht alle Personen davor, zumindest
bisweilen niedergeschlagen, traurig oder lustlos zu sein. Der Anteil der Personen mit mindestens
leichten depressiven Symptomen, liegt in allen Altersgruppen um die 30 Prozent
(Abbildung 11-1).
Im höheren Alter sind mehr Menschen von zumindest leichten depressiven Symptomen
betroffen als Jüngere.
Trotz einer höheren Lebenszufriedenheit unter den 70- bis 85-Jährigen berichtet diese
Altersgruppe auch häufiger zumindest leichte depressive Symptome. Der Anteil von Personen mit
klinisch auffälliger depressiver Symptomatik ist dagegen über die drei Altersgruppen stabil.
Frauen berichten häufiger als Männer (9,8 Prozent versus 5,1 Prozent) klinisch auffällige
depressive Symptome (vgl. Tabelle A 11-3 im Anhang). Diese Werte liegen in etwa bei den
Prozentsätzen, die auch das Robert Koch-Institut berichtet, wonach zehn Prozent der Frauen und
sechs Prozent der Männer angaben, im letzten Jahr von einer Ärztin oder einem Arzt eine
Depression diagnostiziert bekommen zu haben (Busch, Maske, Ryl, Schlack, & Hapke 2013).

Abbildung 11-1:

Anteile der Personen mit hoher Lebenszufriedenheit, mindestens
leichten depressiven Symptomen und klinisch auffälligen depressiven
Symptomen, nach Alter, im Jahr 2014 (in Prozent)

40-54 Jahre

55-69 Jahre

70-85 Jahre

100

Prozent

80
60
40

76,7

77,3

80,1

20

29,1

28,6

33,1
7,4

0
Hohe
Lebenszufriedenheit

Mind. leichte
depressive Symptome

7,4

7,8

Klinisch auffällige
depressive Symptome

Quelle: DEAS 2014 (n = 4.258 für Lebenszufriedenheit und n = 5.858 für depressive Symptome), gewichtet, gerundete
	
Angaben; (p < ,05).
	
Die 70- bis 85-Jährigen unterscheiden sich signifikant von den anderen Altersgruppen für Lebenszufriedenheit und für leichte 

depressive Symptome. Keine signifikanten Altersgruppenunterschiede für klinisch auffällige depressive Symptome.
	

Die Unterschiede bei der Lebenszufriedenheit zwischen Männern und Frauen sind, wie erwartet,
gering (Abbildung 11-2a). In der Gesamtstichprobe unterscheiden sich Männer und Frauen
180

statistisch nicht bedeutsam. Betrachtet man die drei Altersgruppen separat, so zeigt sich nur für
die älteste Altersgruppe (70- bis 85-Jährige) ein anderes Bild: In diesem Alter geben etwas
weniger Frauen eine hohe Lebenszufriedenheit an als Männer (76,7 Prozent versus 84,3
Prozent; vgl. Tabelle A 11-1 im Anhang).
Mehr Frauen als Männer berichten von zumindest leichten depressiven Symptomen.
Deutlicher ist der Geschlechtsunterschied beim Anteil an Menschen mit zumindest leichten
depressiven Symptomen. Frauen sind insgesamt häufiger von depressiven Symptomen betroffen
(Abbildung 11-2b). Dieser Unterschied findet sich in allen drei Altersgruppen und ist in höheren
Altersgruppen sogar größer (vgl. Tabelle A 11-2 im Anhang). Bei den 40- bis 54-Jährigen beträgt
der Geschlechtsunterschied 5,1 Prozentpunkte, bei den 55- bis 69-Jährigen 7,3 Prozentpunkte
und bei den 70- bis 85-Jährigen 12,2 Prozentpunkte. Wir sehen also vor allem in der depressiven
Symptomatik und bei der ältesten Altersgruppe, dass Frauen ein schlechteres Wohlbefinden
berichten als Männer.

181

Abbildung 11-2:	

Anteile der Personen mit hoher Lebenszufriedenheit und mindestens
leicht depressiven Symptomen, gesamt, nach Geschlecht, Bildung und
Landesteil, im Jahr 2014 (in Prozent)

a) Anteile der Personen mit hoher Lebenszufriedenheit
100

Prozent

80
60
40

77,8

77,6

Gesamt

Männer

77,9

70,4

75,2

82,5

78,5

74,4

20
0
Frauen

Niedrige
Bildung

Mittlere
Bildung

Hohe
Bildung

West

Ost

b) Anteile der Personen mit mindestens leichten depressiven Symptomen
100
	

Prozent

80
	
60
40
20

46,1
29,9

25,9

Gesamt

Männer

33,6

31,0

24,6

29,3

32,4

0
Frauen

Niedrige
Bildung

Mittlere
Bildung

Hohe
Bildung

West

Ost

Quelle: DEAS 2014 (n = 4.258 für Lebenszufriedenheit und n = 5.858 für depressive Symptome), gewichtet, gerundete
	
Angaben; (p < ,05).
	
a) Keine signifikanten Geschlechtsunterschiede. Signifikante Bildungsgruppen- und Regionsunterschiede. b) Signifikante
	
Unterschiede nach Geschlecht, Bildungsgruppe und Region.
	

Niedriggebildete haben häufiger eine geringere Lebenszufriedenheit und häufiger
zumindest leichte depressive Symptome als Höhergebildete.
Sehr deutliche Unterschiede sowohl in der Lebenszufriedenheit als auch in depressiven
Symptomen sind zwischen den Bildungsgruppen zu erkennen (Abbildung 11-2a und 11-2b). In
der Gruppe der Personen mit niedriger Bildung ist der Anteil der Personen mit hoher
Lebenszufriedenheit geringer (70,4 Prozent) und der Anteil der Personen mit zumindest leichten
depressiven Symptomen deutlich höher (46,1 Prozent) als in der Gruppe der Personen mit
mittlerer (75,2 Prozent und 31,0 Prozent) und höherer Bildung (82,5 Prozent und 24,6 Prozent).
Aber auch die beiden Gruppen der Personen mit mittlerer und höherer Bildung unterscheiden
sich. Diese deutlichen Bildungsunterschiede finden sich in allen Altersgruppen gleichermaßen.

182

Auch 25 Jahre nach der Wende berichten Ostdeutsche seltener eine hohe Zufriedenheit
und häufiger depressive Symptome als Westdeutsche.
Auch im Jahr 2014 finden sich regionale Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland in der
Lebenszufriedenheit und den depressiven Symptomen (Abbildung 11-2a und 11-2b). Der Anteil
von zufriedenen Personen ist in Westdeutschland um circa vier Prozentpunkte höher als in
Ostdeutschland. Zugleich liegt der Anteil von Personen mit zumindest geringen depressiven
Symptomen in Westdeutschland um circa drei Prozentpunkte über dem Anteil dieser
Personengruppe in Ostdeutschland. Diese regionalen Unterschiede finden sich in allen
Altersgruppen gleichermaßen.

11.4 Lebenszufriedenheit und depressive Symptome in den Jahren 1996, 2002, 2008
und 2014
Wie hat sich die Lebenszufriedenheit in der zweiten Lebenshälfte seit 1996 gewandelt? Sind
Menschen im Jahr 2014 in der zweiten Lebenshälfte zufriedener (oder unzufriedener) mit ihrem
Leben? Und wie sieht es mit dem Auftreten depressiver Symptome aus? Hat der Anteil von
Menschen, die über depressive Symptome berichten, seit 2002 zugenommen (oder
abgenommen)?
Der Anteil an Personen mit hoher Lebenszufriedenheit ist von 1996 zu 2002 angestiegen
und bleibt seitdem stabil hoch.
Ein Blick auf die Befunde verrät eine hohe Stabilität des subjektiven Wohlbefindens in der
zweiten Lebenshälfte. In allen Jahren hat der Anteil der Menschen, die angeben mit ihrem Leben
eher oder sehr zufrieden zu sein, bei über 70 Prozent gelegen (Abbildung 11-3a). Zwischen 1996
und 2002 ist der Anteil der mit ihrem Leben zufriedenen Menschen um circa sechs Prozentpunkte
angestiegen. Seither ist dieser Anteil bemerkenswert stabil und hoch bei circa 78 Prozent
geblieben. Dieser Wandel betrifft alle Altersgruppen gleichermaßen.
Betrachtet man den Wandel getrennt nach Bildungsgruppen, hat sich von 1996 bis 2002 nur für
Personen mit mittlerer und hoher Bildung eine Zunahme des Anteils an Personen mit hoher
Lebenszufriedenheit gezeigt. Von 2002 bis 2014 sind die Werte in beiden Bildungsgruppen stabil
geblieben (Abbildung 11-3b). Für Personen mit niedriger Bildung ist der Anteil an Personen mit
hoher Lebenszufriedenheit dagegen über den gesamten Zeitraum stabil geblieben. Im Vergleich
zu 1996 haben sich die Bildungsunterschiede also im Jahr 2014 verschärft. Der positive Wandel
der Lebenszufriedenheit zeigt sich zudem stärker in Ostdeutschland, sodass die regionalen
Unterschiede bei der Lebenszufriedenheit 2014 im Vergleich zu den vorherigen Erhebungsjahren
kleiner geworden sind (Abbildung 11-3c).

183

Abbildung 11-3:	

Anteile der Personen mit hoher Lebenszufriedenheit, nach Bildung
und Landesteil, in den Jahren 1996, 2002, 2008 und 2014 (in Prozent)

a) Nach Erhebungsjahr
100

Prozent

80
60
40

78,1

76,9

77,8

2002

2008

2014

72,0

20
0
1996

b) Nach Erhebungsjahr und Bildung
1996

2002

2008

2014

100

Prozent

80
60
40

70,4

69,6

68,4

68,0

72,0

78,1

74,9

75,2

74,9

82,4

82,3

82,5

20
0
Niedrige Bildung

Mittlere Bildung		

Hohe Bildung

c) Nach Erhebungsjahr und Region
1996

2002

2008

2014

100
	

Prozent

80
	
60
40

74,2

79,0

78,4

78,5
63,5

70,3

74,4

74,4

20
0
West

Ost

Quelle: DEAS 1996 (n = 4.004), 2002 (n = 2.775), 2008 (n = 4.396) und 2014 (n = 4.258), gewichtet, gerundete Angaben;
	
(p < ,05).
	
a) Signifikante Zunahme von 1996 zu 2002, Stabilität von 2002 bis 2014. b) Interaktion von Bildung und Erhebungsjahr
	
signifikant. Signifikante Zunahme von 1996 zu 2002 und Stabilität von 2002 bis 2014 bei Personen mit mittlerer und hoher
	
Bildung, keine signifikante Veränderung bei Niedriggebildeten. c) Interaktion von Region und Erhebungsjahr signifikant.
	
Signifikant stärkere Zunahme von 1996 zu 2002 in Ostdeutschland als in Westdeutschland. Stabilität von 2002 zu 2014 in 

Westdeutschland. Für Ostdeutschland signifikante Unterschiede zwischen 2008 zu 2002 und zu 2014, kein signifikanter
	
Unterschied zwischen 2002 und 2014.
	

184

Der Wandel der depressiven Symptome unterscheidet sich zwischen den Altersgruppen –
nur Ältere berichten 2014 weniger Symptome als 2002.
Dagegen unterscheidet sich der Wandel hinsichtlich des Anteils von Personen mit zumindest
leichten depressiven Symptomen nicht nach Bildungsgruppe oder Region; allerdings zeigt sich
ein deutlicher Altersunterschied (Abbildung 11-4). In den jüngeren Altersgruppen, den 42- bis 65Jährigen, ist der Anteil der Personen mit geringer depressiver Symptomatik zwischen 2002 und
2008 gesunken – danach jedoch wieder auf das Niveau von 2002 angestiegen. Gute Nachrichten
gibt es dagegen von den älteren Altersgruppen, den 66-Jährigen und Älteren: Hier ist der Anteil
der Personen mit zumindest geringer depressiver Symptomatik zwischen 2002 und 2008
gesunken und bis zum Jahr 2014 stabil geblieben.

Abbildung 11-4:	

2002

Anteile der Personen mit mindestens leichten depressiven
Symptomen, nach Alter, in den Jahren 2002, 2008 und 2014 (in
Prozent)
2008

2014

100

Prozent

80
60
40
20

52,3
29,4

24,2

27,4

30,5

23,3

28,9

29,8

31,6
24,3

31,6

26,5

24,3

29,6

23,7

23,0

39,2

33,3

31,6

38,9

35,6

0
42-47
Jahre

48-53
Jahre

54-59
Jahre

60-65
Jahre

66-71
Jahre

72-77
Jahre

78-83
Jahre

Quelle: DEAS 2002 (n = 2.873), 2008 (n = 6.072) und 2014 (n = 5.858), gewichtet, gerundete Angaben; (p < ,05).
	
In allen Altersgruppen signifikante Abnahme von 2002 zu 2008. Für die 42- bis 65-Jährigen signifikante Zunahme von 2008 zu 

2014 und kein signifikanter Unterschied zwischen 2002 und 2014. Bei den über 65-Jährigen Stabilität von 2008 zu 2014.
	

11.5 Diskussion und Implikationen
Die Gesellschaft profitiert von einem hohen psychischem Wohlbefinden aller
Bevölkerungsgruppen. Ein hohes Wohlbefinden ist eine Voraussetzung für gesellschaftliche
Partizipation und Teilhabe der Bürgerinnen und Bürger. Ein Großteil der Menschen zwischen 40
und 85 Jahren berichtet auch 2014 von einer hohen Lebenszufriedenheit und einer geringen
depressiven Symptomatik; nur eine Minderheit leidet unter klinisch auffälligen depressiven
Symptomen. Aus der Forschung zum Zufriedenheitsparadox (Staudinger 2000) wissen wir, dass
es im Alter durchaus möglich ist, trotz gesundheitlicher Einschränkungen eine hohe
Lebenszufriedenheit zu bewahren. Die 70- bis 85-Jährigen berichten sogar eine höhere
Lebenszufriedenheit als die Personen im mittleren Erwachsenenalter. Zufriedenheit ist das
Ergebnis von Wahrnehmungen, Beurteilungen und Entscheidungen: Wenn eine Person danach
gefragt wird, ob sie mit ihrem Leben zufrieden ist, dann erfolgt die Antwort nach einer
gedanklichen Prüfung der eigenen Lebenssituation, dem Vergleich mit Beurteilungsmaßstäben
185

und der Entscheidung für ein Zufriedenheitsurteil. Damit handelt es sich bei der
Lebenszufriedenheit um die kognitive Komponente des Wohlbefindens.
Im Unterschied dazu spiegelt die Frage nach depressiven Symptomen die Befindlichkeit einer
Person wider. Dabei werden nicht allein die Gefühle einer Person erfragt, sondern auch ihre
Motivation, ihre Gedanken sowie Probleme in der Beziehung mit anderen Menschen. Dies kann
der Grund dafür sein, dass die Ergebnisse zu depressiven Symptomen weniger optimistisch
ausfallen als zur Lebenszufriedenheit. Menschen zwischen 70 und 85 Jahren leiden häufiger
unter zumindest leichten depressiven Symptomen als Jüngere, was stärkere Einschränkungen im
Gesundheitszustand widerspiegeln könnte (vgl. Kapitel 8; Chang-Quan et al. 2010). Es gibt also
für die 70- bis 85-Jährigen eine Doppelbelastung von körperlichen und seelischen Beschwerden,
die sich auch gegenseitig beeinflussen können.
Unterschiede bei der Lebenszufriedenheit und bei depressiven Symptomen spiegeln häufig eine
Ungleichverteilung von Ressourcen wider. So berichten Frauen mehr depressive Symptome als
Männer, was zum Beispiel an Ungleichheiten im Einkommen sowie in der beruflichen Situation
oder an stärkeren Belastungen durch Vereinbarung von Erwerbstätigkeit mit Sorgetätigkeiten
liegen könnte (vgl. Kapitel 12 und 15). Zudem haben diese Geschlechtsunterschiede über die
Altersgruppen zugenommen und in der ältesten Altersgruppe berichten Frauen auch seltener
eine hohe Lebenszufriedenheit als Männer. Dieser geschlechtsspezifische Altersgradient könnte
in dem höheren Anteil verwitweter Frauen im Vergleich zu verwitweten Männern im hohen Alter
begründet sein (Statistisches Bundesamt 2014). Der Verlust des Partners oder der Partnerin
kann das Wohlbefinden in hohem Maße beeinträchtigen (Lucas, Clark, Georgellis, & Diner 2003).
Frauen stellen hier somit vor allem im hohen und sehr hohen Alter eine Risikogruppe dar.
Besondere Aufmerksamkeit sollte zudem die Gruppe der Niedriggebildeten erfahren. Sowohl in
der Lebenszufriedenheit als auch in den depressiven Symptomen zeigt sich eine deutliche
Benachteiligung niedriger Bildungsgruppen, die in der Lebenszufriedenheit im Vergleich zu 1996
sogar zugenommen hat. Eine Ungleichverteilung von Ressourcen und Chancen kann also zu
schlechteren Lebensbedingungen führen und so zu einem geringeren Wohlbefinden (vgl.
Morgan, Robinson, & Thompson 2015).
Von 2002 zu 2008 ist in allen Altersgruppen der Anteil an Personen mit zumindest leichten
depressiven Symptomen zurückgegangen – bei den 42- bis 65-Jährigen steigt dieser Anteil
jedoch im Jahr 2014 wieder auf das Niveau von 2002. Dagegen stabilisierte sich der niedrigere
Anteil an Menschen mit zumindest leichten depressiven Symptomen bei den älteren
Altersgruppen (66 bis 83 Jahre). Dies entspricht nicht der Befundlage zum Wandel hin zu mehr
depressiven Symptomen, der in anderen Ländern zu beobachten ist (Brault et al. 2012; Keyes et
al. 2014). Vielmehr zeigt sich im DEAS bei den älteren Altersgruppen eher eine positive
Veränderung. Hier könnte der Wandel der depressiven Symptome mit dem Wandel der
gesundheitlichen Einschränkungen von 2002 zu 2014 zusammenhängen (vgl. Kapitel 8). Es zeigt
sich eine ähnliche Entwicklung: Für die über 65-Jährigen hat sich hier ein positiver Wandel
gezeigt, während unter den 42- bis 65-Jährigen der Anteil an Personen mit Einschränkungen
zugenommen hat. Auch die subjektive Gesundheit hat sich von 1996 zu 2014 bei den über 65Jährigen verbessert (vgl. Kapitel 10). Eine gute medizinische Versorgung sollte demnach sowohl
körperliche Erkrankungen und Einschränkungen als auch psychische Beschwerden in den Blick
nehmen. Auch präventive Maßnahmen können dabei neben körperlichen Einschränkungen auch
psychische Beschwerden thematisieren. Bewegungsprogramme können zum Beispiel nicht nur
körperliche Erkrankungen und funktionale Einschränkungen verhindern oder abschwächen,
sondern wirken sich auch positiv auf das Wohlbefinden aus.
186

Auch 25 Jahre nach der Wiedervereinigung zeigen sich noch Unterschiede zwischen Ost- und
Westdeutschland, obwohl sich zumindest die Lebenszufriedenheit beider Landesteile seit 1996
weiter angeglichen hat. Dies entspricht auch den Befunden des SOEP (Priem & Schupp 2014).
Die Annäherung in der Lebenszufriedenheit reflektiert in vielen Bereichen die sich angleichenden
Lebensbedingungen in Ost- und Westdeutschland. Trotz dieser Angleichung zeigen sich aber
weiterhin deutliche Unterschiede zwischen beiden Landesteilen zum Beispiel in der materiellen
Lage oder in der Einschätzung der Versorgung mit Ärztinnen und Ärzten (vgl. Kapitel 6 und 20).
Ein Weg um Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland im Wohlbefinden weiter zu
verringern, ist daher eine Angleichung der Lebensbedingungen. Neben den Lebensbedingungen
sollten auch andere Bedingungen für Regionsunterschiede im psychischen Wohlbefinden, wie
beispielsweise unterschiedliche Sozialisationserfahrungen und kulturelle Werthaltungen nicht
außer Acht gelassen werden.
Zusammenfassend ist die Lebenszufriedenheit in der zweiten Lebenshälfte bei den allermeisten
Menschen hoch. Anhaltende Niedergeschlagenheit und depressive Verstimmungen sind nicht die
Regel, leichte depressive Symptome sind aber im höheren Alter häufiger. Begreift man
subjektives Wohlbefinden als ein Potenzial und eine Ressource zur gesellschaftlichen Teilhabe,
so könnte dies über Beteiligungs- und Engagement-Angebote gesellschaftlich fruchtbar gemacht
werden. Kann die Politik zu einem guten subjektiven Wohlbefinden – hoher Lebenszufriedenheit
und geringer depressiver Symptomatik – überhaupt etwas beitragen? Welche
Handlungsmöglichkeiten stehen der Politik offen? Die Voraussetzungen für ein hohes
Wohlbefinden sind eine gute Gesundheit und eine gesicherte Lebenssituation, wozu nicht nur die
private Ausgestaltung des Lebens sondern auch das Umfeld, die Infrastruktur, die medizinische
Versorgung zählen – gesellschaftliche Bedingungen für ein gutes Leben im Alter. Dies gilt
insbesondere für die Prävention, Erkennung und Behandlung depressiver Symptome im Alter. Es
sind also nicht allein individuelle, sondern auch gesellschaftliche Maßnahmen erforderlich, um ein
hohes Wohlbefinden in der zweiten Lebenshälfte aufrechtzuerhalten.

Literatur
Albani, C., Gunzelmann, T., Schmutzer, G., Grulke, N., Bailer, H., Blaser, G., Greyer, M., &
Brähler, E. (2005). Die emotionale Befindlichkeit älterer Menschen: Normierung des
Profile of Mood States für über 60-Jährige. Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie,
38(6), 431-440. doi: 10.1007/s00391-005-0314-x.
Bjelland, I., Krokstad, S., Mykletun, A., Dahl, A. A., Tell, G. S., & Tambs, K. (2008). Does a higher
educational level protect against anxiety and depression? The HUNT study. Social
Science & Medicine, 66(6), 1334-1345. doi: 10.1016/j.socscimed.2007.12.019.
Brault, M.-C., Meuleman, B., & Bracke, P. (2012). Depressive symptoms in the Belgian
population: Disentangling age and cohort effects. Social Psychiatry and Psychiatric
Epidemiology, 47(6), 903-915. doi: 10.1007/s00127-011-0398-0.
Buber, I., & Engelhardt, H. (2011). Der Zusammenhang zwischen Alter und depressiven
Symptomen bei Männern und Frauen höheren Lebensalters in Europa. Erkenntnisse aus
dem SHARE-Projekt. Zeitschrift für Bevölkerungswissenschaft, 36(1), 77-102. doi:
10.4232/10.CPoS-20.
Busch, M. A., Maske, U. E., Ryl, L., Schlack, R., & Hapke, U. (2013). Prävalenz von depressiver
Symptomatik und diagnostizierter Depression bei Erwachsenen in Deutschland:
Ergebnisse der Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland.
Bundesgesundheitsblatt, 56, 733-739. doi: 10.1007/s00103-013-1688-3.

187

Chang-Quan, H., Bi-Rong, D., Zhen-Chan, L., Ji-Rong, Y., & Qing-Xiu, L. (2010). Chronic
diseases and risk for depression in old age: A meta-analysis of published literature.
Ageing Research Reviews, 9(2), 131-141. doi: 10.1016/j.arr.2009.05.005.
Fryers, T., Melzer, D., & Jenkins, R. (2003). Social inequalities and the common mental
disorders: A systematic review of the evidence. Social Psychiatry and Psychiatric
Epidemiology, 38(5), 229-237. doi: 10.1007/s00127-003-0627-2.
Gerstorf, D., Ram, N., Estabrook, R., Schupp, J., Wagner, G. G., & Lindenberger, U. (2008). Life
satisfaction shows terminal decline in old age: Longitudinal evidence from the German
Socio-Economic Panel Study (SOEP). Developmental Psychology, 44(4), 1148-1159. doi:
10.1037/0012-1649.44.4.1148.
Glaesmer, H., Grande, G., Braehler, E., & Roth, M. (2011). The German version of the
Satisfaction with Life Scale (SWLS): Psychometric properties, validity, and populationbased norms. European Journal of Psychological Assessment, 27(2), 127-132. doi:
10.1027/1015-5759/a000058.
Hautzinger, M., & Bailer, M. (1993). Allgemeine Depressions-Skala (ADS). Manual. Weinheim:
Beltz.
Keyes, K. M., Nicholson, R., Kinley, J., Raposo, S., Stein, M. B., Goldner, E. M., & Sareen, J.
(2014). Age, period, and cohort effects in psychological distress in the United States and
Canada. American Journal of Epidemiology, 179(10), 1216-1227. doi:
10.1093/aje/kwu029.
Laubach, W., Schumacher, J., Mundt, A., & Brähler, E. (2000). Sozialschicht,
Lebenszufriedenheit und Gesundheitseinschätzung. Ergebnisse einer repräsentativen
Untersuchung der deutschen Bevölkerung. Sozial- und Präventivmedizin, 45(1), 2-12. doi:
10.1007/bf01358994.
Lucas, R. E., Clark, A. E., Georgellis, Y., & Diner, E. (2003). Reexamining adaptation and the set
point model of happiness: Reactions to changes in marital status. Journal of Personality
and Social Psychology, 84(3), 527-539. doi: 10.1037/0022-3514.84.3.527.
Morgan, J., Robinson, O., & Thompson, T. (2015). Happiness and age in European adults: The
moderating role of gross domestic product per capita. Psychology and Aging, Advance
online publication. doi: 10.1037/pag0000034.
Müters, S., Hoebel, J., & Lange, C. (2013). Diagnose Depression: Unterschiede bei Frauen und
Männern. GBE kompakt, 4(2).
Pavot, W., & Diener, E. (1993). Review of the Satisfaction with Life Scale. Psychological
Assessment, 5(2), 164-172. doi: 0.1037/1040-3590.5.2.164.
Pinquart, M., & Sörensen, S. (2000). Influences of socioeconomic status, social network, and
competence on subjective well-being in later life: A meta-analysis. Psychology and Aging,
15(2), 187-224. doi: 10.1037/0882-7974.15.2.187.
Priem, M., & Schupp, J. (2014). Alle zufrieden: Lebensverhältnisse in Deutschland. DIWWochenbericht, 81(40), 1001-1008.
Robert Koch-Institut (2014). Depression. Faktenblatt zu GEDA 2012: Ergebnisse der Studie
»Gesundheit in Deutschland aktuell 2012«. Berlin: Robert Koch-Institut.
Rothermund, K., & Brandtstädter, J. (2003). Depression in later life: Cross-sequential patterns
and possible determinants. Psychology and Aging, 18(1), 80. doi: 10.1037/08827974.18.1.80
Schienle, A. (2007). Geschlechterdifferenzen in der Emotionalität aus der Sicht des
Neuroimaging. In: S. Lautenbacher, O. Güntürkün & M. Hausmann (Hrsg.) Gehirn und
Geschlecht – Neurowissenschaft des kleinen Unterschieds zwischen Mann und Frau (S.
143-159). Heidelberg: Springer.
Schöllgen, I., Huxhold, O., & Tesch-Römer, C. (2010). Socioeconomic status and health in the
second half of life: Findings from the German Ageing Survey. European Journal of
Ageing, 7(1), 17-28. doi: 10.1007/s10433-010-0140-x.
Schupp, J., Goebel, J., Kroh, M., & Wagner, G. G. (2013). Zufriedenheit in Deutschland so hoch
wie nie nach der Wiedervereinigung: Ostdeutsche signifikant unzufriedener als
Westdeutsche. DIW-Wochenbericht, 80(47), 34-43.
Statistisches Bundesamt (2014). Haushalte und Familien - Ergebnisse des Mikrozensus:
Bevölkerung und Erwerbstätigkeit. Wiesbaden: Statistisches Bundesamt.
Staudinger, U. M. (2000). Viele Gründe sprechen dagegen, und trotzdem geht es vielen
Menschen gut: Das Paradox des subjektiven Wohlbefindens. Psychologische
Rundschau, 51(4), 185-197. doi: 10.1026//0033-3042.51.4.185.
188

Tesch-Römer, C., Motel-Klingebiel, A., & Tomasik, M. J. (2008). Gender differences in subjective 

well-being: Comparing societies with respect to gender equality. Social Indicator
Research, 85(2), 329-349. doi: 10.1007/s11205-007-9133-3.
Tesch-Römer, C., Wiest, M., & Wurm, S. (2010). Subjektives Wohlbefinden. In: A. MotelKlingebiel, S. Wurm & C. Tesch-Römer (Hrsg.) Altern im Wandel: Befunde des
Deutschen Alterssurveys (DEAS) (S. 263-283). Stuttgart: Kohlhammer.
Veenhoven, R. (2008). Sociological theories of subjective well-being. In: M. Eid & R. J. Larsen
(Hrsg.) Subjective Well-being. New York: Guilford.

189

190
	

12 Pflege und Unterstützung bei
gesundheitlichen Einschränkungen:
Welchen Beitrag leisten Personen in der
zweiten Lebenshälfte für andere?
Daniela Klaus & Clemens Tesch-Römer

Kernaussagen
Personen zwischen 40 und 85 Jahren unterstützen im Jahr 2014 häufiger und
eine größere Anzahl gesundheitlich eingeschränkter Menschen als im Jahr 1996:
Der Anteil derer, die andere unterstützen, ist von 12,3 Prozent auf 16,2 Prozent
	
angestiegen. In demselben Zeitraum hat sich der Anteil derer, die mehr als eine 

Person unterstützen von 13,1 Prozent auf 23,8 Prozent erhöht.
	
Die für die am meisten unterstützte Person aufgewendete Zeit ist von 1996 zu
2014 zurückgegangen: Die aufgebrachte Zeit pro Woche hat sich von 19,8 Stunden
(1996) auf 10,7 Stunden (2014) fast halbiert. Der Fokus der Unterstützung liegt
zunehmend auf weniger aufwändigen Tätigkeiten wie Hilfe im Haushalt und seltener
auf Pflegeaufgaben.
Der Großteil der Unterstützung wird im Jahr 2014 weiterhin innerhalb der
Kernfamilie erbracht: Im Jahr 2014 unterstützen 17,0 Prozent ihre (Ehe-)Partnerin
beziehungsweise ihren (Ehe-)Partner, 36,2 Prozent unterstützen ihre Mutter und 13,2
Prozent ihren Vater. Etwa ein Fünftel (21,1 Prozent) unterstützt nicht verwandte
Personen.
Frauen vereinbaren häufiger Erwerbstätigkeit und Unterstützungsaufgaben als
Männer und Hochgebildete häufiger als niedriger Gebildete. Im Jahr 2014 sind
13,9 Prozent der Frauen im Alter zwischen 40 und 65 Jahren erwerbstätig und
übernehmen gleichzeitig Unterstützungsaufgaben (Männer: 9,6 Prozent). Unter
Hochgebildeten beträgt der entsprechende Anteil 12,8 Prozent (niedrige Bildung: 5,1
Prozent).

191

12.1 Einleitung
In Deutschland leben derzeit etwa acht Millionen Menschen, die in ihren Aktivitäten des täglichen
Lebens auf Dauer erheblich eingeschränkt sind. Laut der jüngsten Pflegestatistik (2013) sind
davon 2,6 Millionen im Sinne der 1995 eingeführten sozialen Pflegeversicherung (SPV)
leistungsberechtigt (Statistisches Bundesamt 2015b). Hierauf haben kranke oder behinderte
Personen Anspruch, die bei Aktivitäten des täglichen Lebens wie Körperpflege,
Nahrungsaufnahme, in ihrer Mobilität oder ihrer hauswirtschaftlichen Versorgung in erheblichem
Umfang und dauerhaft auf Hilfe angewiesen sind (§ 14 SGB XI). Schätzungen zufolge sind
weitere 5,4 Millionen in diesem Sinne zwar nicht leistungsberechtigt, benötigen aber dennoch
aufgrund gesundheitlicher Einschränkungen regelmäßige Unterstützung bei ihrer täglichen
Versorgung (Geyer & Schulz 2014).
Unterstützung und Pflege werden mehrheitlich im häuslichen Bereich durch Familienangehörige,
Nachbarinnen und Nachbarn, Freundinnen und Freunde oder ehrenamtlich tätige Helfende
erbracht. Nur teilweise werden sie durch professionelle Dienste ergänzt und noch seltener durch
diese ersetzt – jedoch umso häufiger und umfangreicher, je schlechter die Gesundheit der
hilfebedürftigen Person beziehungsweise je höher ihre Pflegestufe ist (Blinkert & Klie 2006;
Geyer & Schulz 2014; Statistisches Bundesamt 2015b). Der Großteil derer, die aufgrund von
Krankheit oder Behinderung auf die Hilfe anderer angewiesen sind, befindet sich bereits im
hohen und sehr hohen Alter. Die zentralen Pflege- und Unterstützungspersonen älterer
Menschen sind vor allem erwachsene Kinder und (Ehe-)Partnerinnen beziehungsweise
(Ehe-)Partner (Haberkern & Szydlik 2008; Klaus & Tesch-Römer 2014; TNS Infratest
Sozialforschung 2011).
Dabei übernehmen Frauen den größeren Teil der informellen Pflege sowie praktischen und
zeitintensiven Unterstützung (Deindl, Brandt, & Hank 2014; Haberkern, Schmid, & Szydlik 2015;
Khan 2014; Schmid, Brandt, & Haberkern 2012; Wetzstein, Rommel, & Lange 2015). Zudem
deutet sich für niedrigere Bildungsgruppen eine größere Bereitschaft an, informelle Pflege zu
leisten – anstatt Pflegedienste zu beauftragen (Blinkert & Klie 2008; Heusinger 2007). Das mag
einerseits an der schlechteren finanziellen Ausstattung von Personen mit niedrigem
Bildungsniveau liegen, die es erschwert, professionelle Hilfe zu engagieren. Andererseits tragen
sie – im Vergleich zu Hochgebildeten – geringere indirekte Kosten in Form von
Einkommenseinbußen, wenn sie eine bestehende Erwerbstätigkeit reduzieren oder aufgeben, um
eine andere Person zu pflegen.
Der hohe Stellenwert informeller Arrangements bei der Versorgung älterer Menschen spiegelt
einerseits den weit verbreiteten Wunsch wider, im Alter so lange wie möglich zu Hause, im
vertrautem Umfeld zu leben (Forschungsgesellschaft für Gerontologie e.V. 2006; Kuhlmey,
Dräger, Winter, & Beikirch 2010). Das geht einher mit einem in Deutschland ausgeprägten
Familialismus, wonach die Hauptverantwortung für Unterstützung und Pflege Älterer mehrheitlich
bei den Familienangehörigen – und weniger beim Staat – gesehen wird (Geerts & Van den Bosch
2012; Haberkern et al. 2015). Zum anderen resultiert die Dominanz informeller Arrangements aus
den gesetzlichen Regelungen: So sieht beispielsweise die SPV keine vollständige Deckung des
Pflegebedarfs durch professionelle Leistungen vor, vielmehr versteht sie sich ausdrücklich als
Teilkasko-Leistung und damit insbesondere im ambulanten Bereich als Ergänzung zur Pflege
durch Angehörige (§§ 3, 4 SGB XI). Diese Ausrichtung der Pflegepolitik ist Ausdruck des
Subsidiaritätsprinzips, einer der wesentlichen Grundsätze des deutschen Sozialstaats: Danach
192

sind staatliche Leistungen erst dann vorgesehen, wenn Familienangehörige sie nicht erbringen
können.
Allerdings stößt das derzeitige System zur Versorgung kranker und hilfebedürftiger Menschen
immer mehr an seine Grenzen, denn die Zahl älterer Menschen mit Unterstützungs- und
Pflegebedarf wird in den kommenden Jahrzehnten (weiterhin) deutlich ansteigen – hauptsächlich
als Folge der zunehmenden Hochaltrigkeit. Hinzu kommen die geburtenstarken Jahrgänge der
zwischen Mitte der 1950er und Mitte der 1960er Geborenen (Babyboomer), die in den nächsten
Jahren in Rente gehen werden und in absehbarer Zukunft ein Alter erreichen, in welchem sie
zunehmend auf die Hilfe anderer angewiesen sein werden. Vorausberechnungen zufolge könnte
allein die Zahl der Pflegeempfängerinnen und -empfänger auf bis zu 4,5 Millionen im Jahr 2050
steigen, was 6,5 Prozent der Gesamtbevölkerung entspräche (Statistische Ämter des Bundes
und der Länder, 2010). Noch nicht berücksichtigt sind hierbei die älteren Menschen, die auch
ohne Zuordnung in eine Pflegestufe im Alltagsleben Assistenz und Hilfe bei ihrer alltäglichen
Lebensführung benötigen.
Die Herausforderungen, die sich aus dem wachsenden Bedarf für die Gesellschaft im
Allgemeinen und die Familie im Speziellen ergeben, werden dadurch verstärkt, dass parallel zur
steigenden Nachfrage insbesondere das familiale Unterstützungs- und Pflegepotenzial abnimmt.
Bereits jetzt mindern gesunkene Kinderzahlen und gestiegene Wohnentfernungen zwischen
Eltern und ihren erwachsenen Kindern (vgl. Kapitel 14) die Chancen auf (vor allem praktische)
Unterstützung. Voraussichtlich wird sich die Zahl verfügbarer erwachsener Kinder und
Partnerinnen beziehungsweise Partner in zukünftigen Generationen älterer Menschen weiter
reduzieren (Dudel 2015; Haberkern & Szydlik 2008). Ursächlich hierfür sind die zunehmende
Kinderlosigkeit, die sich schonim Jahr 2014 in den jüngsten Kohorten des Deutschen
Alterssurveys (DEAS) zeigt (vgl. Kapitel 14) sowie die anhaltend wachsende Instabilität und DeInstitutionalisierung von Partnerschaften, für die sich ebenfalls erste Hinweise in den jüngsten
DEAS-Kohorten finden (vgl. Kapitel 13).
Die genannten demografischen Trends implizieren nicht nur eine Veränderung der
Unterstützungs- und Pflegequote, sondern auch eine Veränderung in der personellen
Zusammensetzung der Gruppe der Hilfeleistenden sowie der für sie daraus resultierenden
Belastung. Theoretischen Modellen zur Unterstützung folgend sind erwachsene Kinder und
Partnerinnen beziehungsweise Partner zwar die bevorzugten Unterstützungspersonen (Litwak
1985), weil sich Eltern-Kind-Beziehungen und Partnerschaften häufig durch eine hohe emotionale
und meist auch räumliche Nähe auszeichnen und oft auf eine lange Beziehungs- und
Austauschgeschichte zurückblicken. Diese Faktoren fördern die Motivation, im Bedarfsfall Hilfe
zu leisten (u. a. Klaus 2009). Dennoch können Kinder und Partnerinnen beziehungsweise Partner
durch andere Unterstützungspersonen ergänzt oder ersetzt werden, sollten sie nicht existieren
oder beispielsweise aufgrund großer räumlicher Entfernung schlecht verfügbar sein (Cantor
1979). Demzufolge ist ein Bedeutungszuwachs der erweiterten Familie sowie nicht-familialer
Beziehungspartner bei der Erbringung von Versorgungs- und Pflegeleistungen denkbar.
Alternativ könnte sich mehr Arbeit auf weniger Personen verteilen, was einen Anstieg der
Belastung für die Hilfeleistenden und Pflegenden mit sich bringen würde.
Neben den Veränderungen der Familienstrukturen hat auch die gestiegene Erwerbstätigkeit die
Bedingungen informeller Pflege und Unterstützung maßgeblich beeinflusst. Immer mehr Pflegeund Hilfeleistende sind erwerbstätig. Zwischen 2001 und 2012 ist unter den informell Pflegenden
im erwerbsfähigen Alter (unter 65 Jahren) der Anteil der Erwerbstätigen von 53 auf 66 Prozent
angestiegen – wobei ein Großteil in Teilzeit erwerbstätig ist (Geyer & Schulz 2014; ähnliche
193

Zahlen bezogen auf die Hauptpflegeperson von Älteren mit Pflegestufe: TNS Infratest
Sozialforschung 2011). Da sich vor allem Frauen verstärkt am Arbeitsmarkt beteiligen, sie aber
den Großteil der Pflege und Unterstützung von Angehörigen tragen, wächst auch hier – analog
zur Kinderbetreuung – der Handlungsbedarf zur Erleichterung der Vereinbarkeit zusehends. So
ist die Schaffung entsprechender Rahmenbedingungen notwendig, die es erlauben, kranke
Angehörige trotz eigener Erwerbstätigkeit zu unterstützen oder zu pflegen.
Im deutschsprachigen Raum gibt es wenig Forschung zur Vereinbarkeit von Unterstützung
beziehungsweise Pflege und Erwerbstätigkeit, und entsprechend weiß man bislang nicht viel über
die Situation Erwerbstätiger, die für andere Versorgungsverantwortung übernehmen. Offenbar ist,
dass berufliche Verpflichtungen nicht nur die Zeit für Pflege und Hilfe reduzieren, sondern auch
die Flexibilität, sie zu erbringen. Und gerade die Pflege älterer Menschen ist mit Blick auf
Umfang, Dauer und Zeiteinteilung schwer zu kalkulieren (Preuss 2014). Zumindest im Pflegefall
können ergänzend Hilfen und Leistungen in Anspruch genommen werden, die sich für
Pflegebedürftige aus der gesetzlichen Pflegeversicherung ableiten wie Tages- oder
Kurzzeitpflege. Zudem wurden in den letzten Jahren das Pflegezeitgesetz (2008) und später die
Familienpflegezeit (2011) erlassen, deren wesentliche Elemente eine Verbesserung der
Vereinbarkeit durch mehr zeitliche Flexibilität sowie eine gewisse finanzielle Absicherung der
Pflegenden vorsehen. Von diesen gesetzlichen Möglichkeiten haben allerdings bislang nur sehr
wenige Gebrauch gemacht (Isfort 2013; Stüben & Von Schwanenflügel 2015) – einerseits weil
diese Maßnahmen oft nicht bekannt sind und andererseits, weil sie häufig nicht ausreichen, um
die notwendige Flexibilität und finanzielle Absicherung zu gewährleisten. Da jedoch auch ein
nicht unerheblicher Unterstützungsbedarf Älterer bereits unterhalb der Schwelle zur gesetzlich
definierten Pflegebedürftigkeit besteht und dieser Bereich noch viel weniger im Fokus
sozialpolitischer Maßnahmen steht, ist von einer Situation auszugehen, die sich für die
Betroffenen sehr schwierig gestaltet. In diesem Fall besteht oft nur die Möglichkeit, weitere
Quellen informeller und ambulanter Unterstützung zu mobilisieren wie Verwandte, Nachbarn,
bezahlte Dienstleistungen (Haushaltshilfen, ‚Essen auf Rädern‘ etc.) oder auch ehrenamtliche
Betreuung. Das setzt allerdings die Verfügbarkeit entsprechender Unterstützungspersonen
voraus beziehungsweise finanzielle Mittel zur Inanspruchnahme bezahlter Hilfen.
Die bestehende Vereinbarkeitsproblematik könnte sich zudem durch den mit dem Aufschub der
Familiengründung vergrößerten Generationenabstand verschärfen. Seit einigen Jahren wird die
sogenannte ‚Sandwich-Generation‘ als mittlere Generation in der Familie diskutiert, die
zunehmender Mehrfachbelastung ausgesetzt ist. Das sei vor allem Folge demografischer
Verschiebungen, die dazu führen, dass im mittleren Erwachsenenalter Erwerbstätigkeit immer
häufiger mit Pflegetätigkeiten für ältere Generationen und Betreuungsaufgaben für jüngere
Generationen zusammenfällt. Auch wenn diese Konstellation oft als sehr problembehaftet
diskutiert wird, war sie zumindest noch vor einigen Jahren empirisch eine Ausnahme. Eine
besondere Belastung für die betroffene Generation konnte bislang auch nicht belegt werden
(Künemund 2002). Die genannten Trends implizieren allerdings einen Anstieg von Doppel- oder
Mehrfachverantwortungen, wovon bestimmte Bevölkerungsgruppen stärker betroffen sein
könnten als andere (Preuss 2014): Frauen aufgrund der nach wie vor verbreiteten klassischen
geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung und Höhergebildete aufgrund ihrer hohen
Erwerbsorientierung, sofern deren bessere finanziellen Ausstattung nicht zu einer verstärkten
Inanspruchnahme bezahlter (professioneller) Dienste führt.

194

Das vorliegende Kapitel beschäftigt sich mit Unterstützung und Pflege, die Personen in der
zweiten Lebenshälfte für andere erbringen, die krank oder pflegebedürftig sind. Es werden
folgende Fragen beantwortet:
1.		 Ist der Anteil derer, die andere aufgrund deren gesundheitlicher Beeinträchtigungen
unterstützen, in den letzten Jahren zurückgegangen oder angestiegen? Zeichnen sich
geschlechts-, alters- oder bildungsspezifische Unterschiede oder Entwicklungen ab?
2.		 Beteiligen sich 2014 neben der Kernfamilie verstärkt andere Familienmitglieder (wie
Enkel und Geschwister), Verwandte (wie Nichten oder Neffen) oder auch Freundinnen
und Freunde oder Nachbarinnen und Nachbarn an der Unterstützung?
3.		 Verteilt sich 2014 mehr Arbeit auf weniger Schultern und hat in dessen Folge die 

Belastung zugenommen?
	
4.		 Ist der Anteil derer, die neben ihrer Erwerbstätigkeit eine andere Person unterstützen und
zudem Verantwortung für minderjährige Kinder haben angestiegen? Gibt es bestimmte
Bevölkerungsgruppen, die hiervon besonders betroffen sind?

12.2 Datengrundlage
Daten. Zur Beantwortung der Fragen wurden die Querschnittsstichproben des Deutschen
Alterssurveys (DEAS) der Jahre 1996, 2002, 2008 und 2014 verwendet (vgl. Kapitel 2). Für die
meisten berichteten Indikatoren liegen Informationen zu allen Messzeitpunkten vor, vereinzelt
aber auch erst ab 2002. Sofern nicht anders ausgewiesen, wurden Personen im Alter zwischen
40 und 85 Jahren betrachtet. Die Daten, die Grundlage für die folgenden Indikatoren bilden,
wurden durchweg im Rahmen mündlicher Interviews erhoben.
Unterstützerquote. Seit 1996 wird in nahezu unveränderter Form erfragt, ob der oder die Befragte
andere Personen aufgrund deren schlechten Gesundheitszustands privat oder ehrenamtlich
betreut oder pflegt oder regelmäßig Hilfe leistet. Aufgrund leichter Modifikationen der Frage ist für
die Jahre 1996 bis 2008 eine leichte Überschätzung der Prävalenzraten von Unterstützenden zu
erwarten: So wurde 1996 nicht nur nach gesundheitsbedingter Hilfe und Pflege gefragt. In den
Jahren 2002 und 2008 wurden nur Befragte berücksichtigt, die selbst nicht auf Hilfe oder Pflege
angewiesen sind – wohingegen die Frage im Jahr 2014 allen Befragungspersonen unabhängig
von deren eigenem Gesundheitszustand gestellt wurde.
Unterstützungspersonen. Die Befragten werden gebeten, alle Personen aufzulisten, die sie
unterstützen. Für alle genannten Personen wird die Art der Beziehung erfasst. Dabei wird
zwischen verschiedenen Verwandtschaftsgraden (wie Kind, Mutter, Vater, Schwiegermutter,
Schwiegervater, Bruder, Schwester), Partnerschaft beziehungsweise Ehebeziehung sowie
diversen Beziehungen zu Nicht-Verwandten unterschieden. Für die Auswertungen wurden
folgende Empfänger(gruppen) betrachtet beziehungsweise zusammengefasst:
(Ehe-)Partnerinnen und (Ehe-)Partner, Mutter, Vater, Schwiegereltern, Mitglieder der erweiterten
Familie, Nicht-Verwandte (Freunde und Freundinnen, Bekannte, Arbeitskollegen und
Arbeitskolleginnen).
Belastung. Seit dem Erhebungsjahr 2002 wird die Belastung durch alle erbrachten
Unterstützungs- und Pflegeleistungen abgefragt. Dazu steht den Befragten eine vierstufige
Antwortskala zur Verfügung, die von 1 ‚gar nicht belastet‘ bis 4 ‚sehr stark belastet‘ reicht. Auf
dieser Basis wurde folgende Zuordnung der Befragten in eine der beiden Gruppen
195

vorgenommen: Solche, die sich (gar) nicht belastet fühlen (Antwortcodes 1 und 2) und diejenigen,
die sich (sehr) stark belastet fühlen (Antwortcodes 3 und 4).
Art der Unterstützung, Pflege und Umfang. Nur für die Person, die laut Einschätzung der
Befragten am meisten von ihnen unterstützt wird, wird die gegebene Unterstützung näher
qualifiziert. Ab 2002 werden drei Leistungsarten unterschieden: Hilfe im Haushalt, Betreuung
oder Begleitung und Pflege. Darüber hinaus wird der Umfang an wöchentlich für diese Aufgaben
aufgebrachten Stunden erfasst – diese Information liegt ab 1996 vor.
Doppel- und Mehrfachverantwortungen. Um die Entwicklung von Mehrfachverantwortlichkeiten
nachzuzeichnen, wurden für Personen im erwerbsfähigen Alter (40 bis 65 Jahre) Indikatoren
gebildet, die angeben, ob zusätzlich zur Übernahme von Unterstützungsleistungen für Andere (a)
noch einer Erwerbstätigkeit nachgegangen wird (Vollzeit, Teilzeit, unregelmäßig oder geringfügig)
und ob (b) neben Unterstützungs- und Erwerbstätigkeit Verantwortung für mindestens ein
minderjähriges Kind im Haushalt zu tragen ist.
Gruppierungsvariablen. Es wurden Geschlechtsunterschiede untersucht. Zur Prüfung von
Altersunterschieden wurden – analog zur Schichtung der Stichprobe – drei Altersgruppen
verwendet: 40 bis 54 Jahre, 55 bis 69 Jahre und 70 bis 85 Jahre. Ausnahme stellt die
Betrachtung von Befragten im erwerbsfähigen Alter von 40 bis 65 Jahren dar: Hier wurden die
folgenden Sechs-Jahres-Altersgruppen verwendet: 42 bis 47 Jahre, 48 bis 53 Jahre, 54 bis 59
Jahre, 60 bis 65 Jahre. Zur Untersuchung von Bildungsunterschieden wurden – basierend auf
einer reduzierten ISCED-Klassifizierung – drei Bildungsgruppen gebildet: Personen mit niedriger,
mittlerer und hoher Bildung (vgl. Kapitel 2).
Analyse. In den Abbildungen und im Text sind gewichtete (gruppenspezifische) prozentuale
Verteilungen angegeben. Um Gruppenunterschiede auf Signifikanz zu testen, wurden in
Abhängigkeit vom Skalenniveau logistische oder lineare Regressionen berechnet. Das genaue
Vorgehen ist in Kapitel 2 beschrieben.

12.3 Verbreitung der Unterstützung für andere und Entwicklung über die Zeit
Zunächst stellt sich die Frage, wie verbreitet es unter Personen in der zweiten Lebenshälfte ist,
Andere, die gesundheitlich eingeschränkt sind, informell zu unterstützen oder zu pflegen.
Zeichnet sich diesbezüglich ein Wandel seit der ersten Erhebung im Jahr 1996 ab und welche
Bevölkerungsgruppen übernehmen diese Aufgabe vergleichsweise häufig?
Personen zwischen 40 und 85 Jahren unterstützen im Jahr 2014 eine größere Anzahl
gesundheitlich eingeschränkter Menschen als im Jahr 1996.
Im Jahr 2014 erbringen 16,2 Prozent aller 40- bis 85-Jährigen für andere Personen
gesundheitsbedingte Unterstützung oder Pflege, während die Anteile in den vorangegangenen
Jahren signifikant geringer ausfielen (Abbildung 12-1): 12,3 Prozent (1996); 11,4 Prozent (2002),
12,7 Prozent (2008). Trotz des Rückgangs des familialen Hilfepotenzials ist diese Quote 2014
gegenüber allen vorherigen Befragungsjahren signifikant angestiegen. Dabei ist davon
auszugehen, dass dieser Anstieg angesichts oben genannter Gründe sogar noch unterschätzt
sein könnte.
Der Anstieg dürfte Ausdruck eines wachsenden Bedarfes nach informeller Unterstützung und
Pflege sein, den Personen in der zweiten Lebenshälfte offenbar – trotz Verkleinerung des engen
Familienverbandes – decken. Die gestiegene Nachfrage nach Unterstützung und Pflege ist in
196

erster Linie Folge der Alterung der Gesellschaft: Denn auch wenn Menschen immer länger
gesund bleiben, nimmt der Anteil Unterstützungs- und Pflegebedürftiger zu. So belegt die jüngste
Pflegestatistik einen Anstieg der Pflegebedürftigen in der Bevölkerung zwischen 1999 und 2013
von 2,5 auf 3,3 Prozent (Statistisches Bundesamt 2015b). Diese Zunahme ist auf den
wachsenden Anteil alter und sehr alter Menschen zurückzuführen. Zugleich deckt die jüngste
Pflegestatistik auf, dass der um den Jahrtausendwechsel noch deutliche Anstieg vollstationärer
Betreuung in Heimen in den letzten Jahren abgeflacht ist. Ob die rückläufige Nutzung
institutioneller Betreuungseinrichtungen auf deren unzureichende Verfügbarkeit zurückgeht oder
auf Finanzierungsprobleme seitens der Betroffenen verweist, muss hier offen bleiben.
Möglicherweise haben auch finanzielle Anreize wie das Pflegegeld dazu beigetragen, dass
Pflege häufiger von Angehörigen übernommen wird.
Unterstützung hat sich in ein höheres Alter verschoben.
Wie die Abbildung 12-1 ebenfalls illustriert, wird der jüngste Anstieg des Anteils
Unterstützungsleistender vor allem von den Älteren getragen. Während die Quoten der unter 54Jährigen stabil geblieben sind, zeigen sich bei den 54- bis 83-Jährigen signifikante Anstiege
zwischen vier und sieben Prozentpunkten (je nach betrachteter Altersgruppe). Diese Verlagerung
von Pflege und Unterstützung in ein höheres Alter spiegelt einerseits einen zunehmenden
Versorgungsbedarf vor allem im hohen und sehr hohen Alter wider, der sich daraus ergibt, dass
Menschen nicht nur länger leben, sondern auch länger gesund bleiben – zumindest im
sogenannten ‚dritten Lebensalter‘ (bis etwa 80/85 Jahre). Andererseits ist ein längeres Leben in
Gesundheit auch auf Seiten der (potenziell) Hilfeleistenden Voraussetzung dafür, trotz eigenen
fortgeschrittenen Alters Unterstützung und Pflege leisten zu können.

Abbildung 12-1:	

1996

Anteile der Personen, die gesundheitlich eingeschränkte Personen
unterstützen, gesamt und nach Alter, in den Jahren 1996, 2002, 2008,
2014 (in Prozent)
2002

2008

2014

60

Prozent

40

20

12,3 11,4 12,7

16,2

11,9 12,2 10,8 12,7

14,6 13,3 16,1 16,1 15,5

10,4

14,1

19,7

20,9
14,4 13,5 13,5

11,5 9,6 12,1

17,8
8,4

11,4 11,4 12,7

0
Gesamt		

42-47
Jahre

48-53
Jahre

54-59
Jahre

60-65
Jahre

66-71
Jahre

72-77
Jahre

14,2
6,8 7,0 6,9

78-83
Jahre

Quelle: DEAS 1996 (n = 4.835), 2002 (n = 2.999), 2008 (n = 5.860), 2014, (n = 5.993), gewichtet, gerundete Angaben; (p < ,05).
Signifikante Unterschiede zwischen 1996 und 2014 für die gesamte Stichprobe sowie für die Altersgruppen ab 54 Jahren. Kein
signifikanter Unterschied zwischen 1996 und 2014 für die 42- bis 47-Jährigen und die 48- bis 53-Jährigen.

197

Frauen unterstützen nach wie vor häufiger als Männer.
Frauen übernehmen zu allen Zeitpunkten zwischen 1996 und 2014 häufiger
Versorgungstätigkeiten im Krankheits- oder Pflegefall für Andere als Männer. Im Jahr 2014
beträgt diese Quote bei den Frauen 18,8 Prozent gegenüber 13,3 Prozent bei den Männern
(Abbildung 12-2). Abgesehen von zwischenzeitlichen Rückgängen bei den Männern findet bei
beiden Geschlechtern ein Anstieg der Quote zwischen 1996 und 2014 statt. Der Unterschied
zwischen den Geschlechtern hat sich über die Zeit hinweg nicht verändert.

Abbildung 12-2:	

Anteile der Personen, die gesundheitlich eingeschränkte Personen
unterstützen, nach Geschlecht und Bildung, in den Jahren 1996, 2002,
2008, 2014 (in Prozent)

1996

2002

2008

2014

60

Prozent

40

20

10,4

8,3

10,3

13,3

13,8 14,1 15,0

18,8
10,2

9,7

13,5

10,1

12,5 12,0 11,8

16,4

13,2 11,0 13,8

17,4

0
Männer

Frauen		

Niedrige Bildung

Mittlere Bildung

Hohe Bildung

Quelle: DEAS 1996 (n = 4.835), 2002 (n = 2.999), 2008 (n = 5.860), 2014, (n = 5.993), gewichtet, gerundete Angaben; (p < ,05).
Signifikante Unterschiede zwischen 1996 und 2014 für Männer und Frauen sowie Personen mit mittlerer und hoher Bildung.
Keine signifikanten Unterschiede zwischen 1996 und 2014 für niedrige Bildung.

Unterstützung hat vor allem unter Personen mit mittlerem und hohem Bildungsniveau
zugenommen.
Unterstützung erfolgt bildungsspezifisch – jedoch anders als es insbesondere der
Forschungsstand zur Pflegeübernahme nahelegt. Die Abbildung 12-2 zeigt, dass Personen mit
mittlerer und hoher Bildung durchweg häufiger Unterstützungsaufgaben für Andere übernehmen
als Personen mit niedriger Bildung. Beispielsweise beläuft sich die Quote unter den Personen mit
mittlerem und hohem Bildungsniveau im Jahr 2014 auf 16,4 Prozent beziehungsweise
17,4 Prozent, bei denjenigen mit niedrigem Bildungsniveau liegt sie hingegen bei 10,1 Prozent.
Signifikante Zuwächse zwischen 1996 und 2014 haben ebenfalls nur in den beiden höheren
Bildungsgruppen stattgefunden – von 12,5 auf 16,4 Prozent beziehungsweise von 13,2 Prozent
auf 17,4 Prozent – während der Wert in der niedrigen Bildungsgruppe nach einem
zwischenzeitlichen Anstieg im Jahr 2008 wieder auf das Niveau von 1996 zurückgefallen ist:
10,2 Prozent beziehungsweise 10,1 Prozent.

198

12.4 Wer unterstützt wen?
Wen pflegen und unterstützen Personen zwischen 40 und 85 Jahren, und ist es hier im Verlauf
der letzten Jahre zu Verschiebungen gekommen? In Abbildung 12-3 sind alle von den Befragten
genannten Empfängerinnen und Empfänger getrennt für die Erhebungsjahre dargestellt –
teilweise in Gruppen zusammengefasst.
Der Großteil der Unterstützung wird im Jahr 2014 weiterhin innerhalb der Kernfamilie
erbracht.
Viele der 40- bis 85-Jährigen, die angeben, mindestens eine Person zu unterstützen oder zu
pflegen, kümmern sich um ihre eigene Mutter: Im Jahr 2014 betrifft das mehr als ein Drittel
(36,2 Prozent). Grundsätzlich liegt der Schwerpunkt informeller Unterstützung und Pflege – im
Einklang mit dem, was die Forschung bisher gezeigt hat – auf (Schwieger-)Eltern und
(Ehe-)Partnerinnen beziehungsweise (Ehe-)Partnern. Daran hat sich seit 1996 wenig geändert:
Weiterhin haben (Schwieger-)Kinder und (Ehe-)Partnerinnen beziehungsweise (Ehe-)Partner
eine große Bedeutung beim Erbringen von Unterstützung und Pflege.
Zwar werden im Laufe der Jahre signifikant weniger Schwiegereltern genannt: Der Anteil ist von
21,0 Prozent im Jahr 1996 auf 13,8 Prozent im Jahr 2014 zurückgegangen. Andererseits werden
im Jahr 2014 häufiger die eigenen Eltern versorgt (36,2 Prozent Mütter und 13,2 Prozent Väter)
als 1996 (31,7 Prozent Mütter und 10,3 Prozent Väter). Auch die (ehe-)partnerschaftliche Pflege
und Unterstützung hat deutlich zugenommen: Während 1996 etwa 10,1 Prozent eine
(Ehe-)Partnerin beziehungsweise einen (Ehe-)Partner gepflegt oder unterstützt haben, sind es
2014 17,0 Prozent. Möglich ist das in erster Linie durch eine Veränderung der Sterblichkeit
geworden. Die gestiegene Lebenserwartung hat dazu geführt, dass heute mehr Menschen mit
ihren Eltern und ihrer (Ehe-)Partnerin oder ihrem (Ehe-)Partner gemeinsam alt werden können
als noch vor einigen Jahren (vgl. Kapitel 13 und 14). Es gibt bislang keine Hinweise, dass sich
veränderte Paarbildungs- und Paarauflösungsprozesse negativ auf die Versorgungssituation im
Alter ausgewirkt haben: Trotz der gestiegenen Instabilität von Partnerschaften und Ehen und
einem höheren Anteil Lediger in der zweiten Lebenshälfte (vgl. Kapitel 13) hat die
partnerschaftliche Versorgung bislang noch keineswegs an Bedeutung eingebüßt.
Möglicherweise ist eine solche rückläufige Entwicklung aber für zukünftige Kohorten zu erwarten.

199

Abbildung 12-3:	

1996

Anteile verschiedener Empfängerinnen und Empfänger von
Unterstützung unter Personen, die Unterstützung leisten, in den
Jahren 1996, 2002, 2008, 2014 (in Prozent)
2002

2008

2014

60

Prozent

40

20
31,7 29,4

35,9 36,2

18,1 17,0 17,0

21,0

17,2
10,3

10,1

9,4

13,2

14,2 14,6 13,8

17,0

19,6

15,4 17,3

21,1
18,5 17,2 18,7

0
(Ehe-)Partnerin
(Ehe-) Partner

Mutter

Vater

Schwiegereltern

Weitere
Familienmitglieder

Nicht
Verwandte

Quelle: DEAS 1996 (n = 561), 2002 (n = 325), 2008 (n = 713), 2014 (n = 958), Mehrfachnennung möglich, gewichtet, gerundete
Angaben; (p < ;05).
Signifikante Unterschiede zwischen 1996 und 2014 für (Ehe-)Partnerinnen und (Ehe-)Partner, Mütter, Väter und
Schwiegereltern. Keine signifikanten Unterschiede zwischen 1996 und 2014 für weitere Familienmitglieder und NichtVerwandte.

Der leichte Anstieg der Unterstützung für Nicht-Verwandte von 18,5 Prozent auf 21,1 Prozent
bleibt statistisch unbedeutsam ebenso wie sich der Anteil der Personen aus dem weiteren
Familienkreis oder der Verwandtschaft mit rund 17 Prozent als stabil erweist (abgesehen von
einem zwischenzeitlichen Anstieg im Jahr 2002 auf 19,6 Prozent).
Bilanzierend ist festzuhalten, dass sich – anders als vermutet – kein Trend abzeichnet, wonach
sich Mitglieder der erweiterten Familie, Verwandte oder Nicht-Verwandte im Jahr 2014 häufiger
an Versorgungsaufgaben im Krankheits- oder Pflegefall beteiligen würden als vor einigen Jahren.
Im Gegenteil: Sogar stärker als 1996 dominiert bei der informellen Unterstützung die Kernfamilie.

12.5 Unterstützungsumfang, Pflege und Belastung
Mehr Menschen in der zweiten Lebenshälfte nehmen Unterstützungsaufgaben wahr. Zeigen sich
auch Veränderungen in Umfang und Art der geleisteten Hilfe und damit einhergehender
Belastung?
Im Jahr 2014 werden mehr Personen unterstützt als in den Jahren zuvor.
Nicht nur der Anteil derer, die Andere unterstützen ist deutlich angestiegen, es wird auch immer
häufiger mehr als nur eine Person versorgt: Waren es 1996 noch 13,1 Prozent, so hat sich dieser
Anteil beinahe verdoppelt und liegt im Jahr 2014 bei 23,8 Prozent – ein signifikanter Anstieg (vgl.
Tabelle A 12-3 im Anhang).

200

Die für die am meisten unterstützte Person aufgewendete Zeit ist von 1996 zu 2014
zurückgegangen.
Parallel zur gestiegenen Zahl der unterstützten Personen hat sich der Umfang der geleisteten
Aufgaben reduziert. So haben sich die für die am meisten unterstützte Person aufgewendeten
Stunden pro Woche nahezu halbiert: Ein signifikanter Rückgang von 19,8 Stunden (1996) auf
10,7 Stunden (2014) ist zu beobachten (vgl. Tabelle A 12-4 im Anhang). Dieser Befund spiegelt
sich auch in der Abnahme der Breite der erbrachten Leistungen wider: Alle drei betrachteten
Unterstützungsarten – Hilfe im Haushalt, Begleitung und Pflegeaufgaben – werden 2014
signifikant seltener erbracht als 2002 (Abbildung 12-4). Zudem wird erkennbar, dass der Fokus
gesundheitsbedingter informeller Unterstützung auf weniger aufwändigen Tätigkeiten liegt: So
werden im Jahr 2014 Hilfe im Haushalt (65,1 Prozent) und Begleitung (82,0 Prozent) deutlich
häufiger übernommen als Pflegeaufgaben (27,7 Prozent). Es lässt sich schlussfolgern: Personen
in der zweiten Lebenshälfte unterstützen 2014 deutlich mehr Personen, die aufgrund
gesundheitsbezogener Defizite auf Hilfe angewiesen sind, aber offenbar mit weniger Aufwand pro
Person.

Abbildung 12-4:	

Häufigkeit verschiedener Arten der Unterstützung unter Personen, die
Unterstützung leisten, in den Jahren 2002, 2008, 2014 (in Prozent)

2002

2008

2014

100

Prozent

80
60
40

90,3
75,9

65,4

65,1

82,5

82,0

42,5

20

33,3

27,7

0
Haushaltshilfe

Begleitung

Pflege

Quelle: DEAS 2002 (n = 313), 2008 (n = 720), 2014 (n = 966), Mehrfachnennung möglich, gewichtet, gerundete Angaben; 

(p < ,05).
	
Signifikante Unterschiede zwischen 2002 und 2014 für alle drei Arten der Unterstützung.
	

Der Anteil derer, die Andere pflegen, liegt unverändert bei knapp fünf Prozent.
Pflege stellt eine spezifische Art der Unterstützung dar, auf die gesundheitlich eingeschränkte
Personen bei ihrer Alltagsbewältigung angewiesen sein können. Sie ist für die Pflegeleistenden
eine oft körperlich sehr anstrengende und zeitintensive Aufgabe, die zum Teil auch
Fachkenntnisse und (medizinisch-)technischer Hilfsmittel bedarf. Auch wenn die Ergebnisse
belegen, dass unter denjenigen, die Andere unterstützen, immer seltener Pflegeaufgaben
übernommen werden (Abbildung 12-4), ist bezogen auf die Gesamtbevölkerung der 40- bis
85-Jährigen kein Rückgang der informellen Pflege zu beobachten: 2002 haben 4,6 Prozent und
201

2014 haben 4,5 Prozent aller Personen in dieser Altersgruppe mindestens eine andere Person
gepflegt (ohne Abbildung)1. Wird allerdings der im selben Zeitraum gestiegene Pflegebedarf in
Rechnung gestellt, so deutet sich eine zunehmende Auslagerung dieser durchaus sehr
voraussetzungsvollen Tätigkeit an. Es ist davon auszugehen, dass zur Pflege von
Familienangehörigen verstärkt professionelle Hilfe wie die von ambulanten Pflegediensten
hinzugezogen wird. Eine damit einhergehende zeitliche, körperliche und auch emotionale
Entlastung könnte es den Unterstützungsleistenden ermöglichen, sich stärker auf weniger
intensive Alltagsaufgaben zu konzentrieren. Möglicherweise liegt darin eine Ursache dafür, dass
sie sich 2014 häufiger um mehr als eine Person kümmern beziehungsweise kümmern können.
Unterstützungspersonen fühlen sich 2014 weniger häufig belastet als 2002.
In diesem Sinne zeigen die Daten auch einen leichten Rückgang der subjektiv empfundenen
Belastung durch die Übernahme von Unterstützungsaufgaben: Während sich im Jahr 2002 noch
38,6 Prozent (sehr) stark belastet fühlten, betrifft das 2014 einen signifikant geringeren Anteil von
31,7 Prozent (vgl. Tabelle A 12-6 im Anhang).

12.6 Doppel- und Mehrfachverantwortungen
Angesicht der steigenden Erwerbsbeteiligung im späten Erwerbsalter (vgl. Kapitel 3) sowie des
hier berichteten, wachsenden Anteils von Personen in der zweiten Lebenshälfte, die andere
unterstützen, ist davon auszugehen, dass eine immer größere Anzahl von Personen im
erwerbsfähigen Alter vor der Aufgabe steht, beide Aufgaben miteinander zu vereinbaren. Lässt
sich diese Vermutung bestätigen?
Erwerbstätigkeit wird zunehmend mit Unterstützungsaufgaben vereinbart.
Die Ergebnisse in Abbildung 12-5 bestätigen: Der Anteil der Personen im erwerbsfähigen Alter
zwischen 40 und 65 Jahren, die informell Unterstützung leisten und zugleich erwerbstätig sind, ist
von 7,0 Prozent (1996) auf 11,8 Prozent (2014) signifikant angestiegen. Parallel dazu ist der
Anteil der ausschließlich Unterstützung Leistenden von 6,5 Prozent (1996) auf 5,1 Prozent (2014)
leicht gesunken.

1

Verglichen mit der 2012 durchgeführten Studie ‚Gesundheit in Deutschland aktuell‘ (Wetzstein, Rommel, &
Lange 2015) ist davon auszugehen, dass der Anteil der Pflegenden im DEAS unterschätzt wird.

202

Abbildung 12-5:	

Erwerbstätigkeit und Unterstützung von Personen zwischen 40 und 65
Jahren, gesamt und nach Alter, in den Jahren 1996, 2002, 2008 und
2014 (in Prozent)
Nur Unterstützungsaufgaben
	

Unterstützungsaufgaben
und Erwerbstätigkeit
	
60

Prozent

40

20

0

6,5

5,8

7,0

6,3

4,2
9,3

5,1
11,8

3,1

2,1

1,7

8,8

10,1

9,1

1,4

4,3

11,3

10,3

4,0
9,3

3,5

2,6

12,6 13,6

4,6
5,3
7,8

13,7

3,6

7,8
5,1

10,5

15,2

12,7 11,9 10,2
1,7

1,6

3,3

7,3

1996 2002 2008 2014

1996 2002 2008 2014

1996 2002 2008 2014

1996 2002 2008 2014

1996 2002 2008 2014

Gesamt

42-47
Jahre

48-53
Jahre

54-59
Jahre

60-65
Jahre

Quelle: DEAS 1996 (n = 3.132), 2002 (n = 1.834), 2008 (n = 3.480), 2014 (n = 3.526), gewichtet, gerundete Angaben; (p < .05).
Signifikante Unterschiede zwischen 1996 und 2014 für die gesamte Stichprobe, sowie für alle Altersgruppen.

Die Gleichzeitigkeit beider Aufgaben – Erwerbstätigkeit und Unterstützungsleistung – findet sich
am häufigsten im mittleren Erwachsenenalter: So fallen die Anteile bei den 48- bis 53-Jährigen
(13,6 Prozent) und den 54- bis 59-Jährigen am höchsten aus (15,2 Prozent). Das mag durch den
Ende des mittleren Erwachsenenalters verstärkt einsetzenden Unterstützungsbedarf (vor allem
seitens der Eltern) hervorgerufen werden bei gleichzeitig hoher Erwerbsbeteiligung bis etwa zum
60. Lebensjahr. Personen ab 60 Jahren sind deutlich seltener erwerbstätig (vgl. Kapitel 3) und
entsprechend bewegt sich der Anteil derer mit Doppelverantwortung in dieser späten
Erwerbsphase (60- bis 65-Jährigen) auf einem vergleichsweise sehr geringen Niveau (3,3
Prozent).
Frauen vereinbaren häufiger Erwerbstätigkeit und Unterstützungsaufgaben als Männer
und Hochgebildete häufiger als niedriger Gebildete.
Dabei zeigen sich Geschlechter- und Bildungsunterschiede (Abbildung 12-6): Während Frauen
und Männer im erwerbsfähigen Alter im Jahr 1996 noch gleich häufig Erwerbs- und
Unterstützungsaufgaben miteinander vereinbart haben (6,9 Prozent beziehungsweise 7,2
Prozent), ist dieser Anteil vor allem unter den Frauen deutlich angestiegen. Zwar sind die Werte
2014 bei beiden Geschlechtern signifikant höher als 1996, aber der Zuwachs fällt bei Frauen
deutlicher aus: Es zeigt sich eine Verdoppelung von 6,9 Prozent auf 13,9 Prozent. Es sind also
zunehmend vor allem Frauen, die die Vereinbarkeitsfrage lösen müssen.
Das gilt auch für Unterstützungsleistende mit mittlerem und hohem Bildungsniveau: In beiden
Gruppen lassen sich grundsätzlich höhere Anteile von Personen beobachten, die Unterstützung
und Erwerbstätigkeit miteinander vereinbaren als unter Niedriggebildeten: Im Jahr 2014 sind das
11,7 Prozent (mittlere Bildung) beziehungsweise 12,8 Prozent (hohe Bildung) im Vergleich zu 5,1
Prozent (geringe Bildung). Abgesehen von leichten Rückgängen in den Zwischenjahren erweist
sich der Anstieg zwischen 1996 und 2014 in allen Bildungsgruppen als signifikant.

203

Abbildung 12-6:	

Erwerbstätigkeit und Unterstützung von Personen zwischen 40 und 65
Jahren, nach Geschlecht und Bildung, in den Jahren 1996, 2002, 2008
und 2014 (in Prozent)
Nur Unterstützungsaufgaben
	

Unterstützungsaufgaben
und Erwerbstätigkeit
	
60

Prozent

40

20

0

6,4
8,7

8,6

6,9

7,5

5,6
10,5

13,9

4,2
7,2

3,0
5,2

2,7
8,1

9,6

5,7

8,4

3,8
8,7

8,6

2,2

2,2

7,6

4,4
5,1

6,9

6,9

7,0

6,1

8,1

11,7

4,2

4,4
9,4

3,3
3,2
7,7

4,5

11,4 12,8

1996 2002 2008 2014

1996 2002 2008 2014

1996 2002 2008 2014

1996 2002 2008 2014

1996 2002 2008 2014

Frauen

Männer	

Niedrige
Bildung

Mittlere
Bildung

Hohe
Bildung

Quelle: DEAS 1996 (n = 3.132), 2002 (n = 1.834), 2008 (n = 3.480), 2014 (n = 3.526), gewichtet, gerundete Angaben; (p < ,05).
Signifikante Unterschiede zwischen 1996 und 2014 für Männer und Frauen, sowie für alle drei Bildungsgruppen. Signifikant
stärkere Zunahme von 1996 bis 2014 bei Frauen als bei Männern.

Es wurde eingangs die Frage aufgeworfen, ob sich die Zunahme später Geburten mittlerweile in
einem Anstieg von Personen niederschlägt, die eine Mehrfachverantwortung haben. Um diese
Frage zu beantworten, wird zusätzlich berücksichtigt, ob Sorge für mindestens ein minderjähriges
Kind im Haushalt zu tragen ist (in Anlehnung an Künemund, 2002). Die Befunde belegen einen
signifikanten Anstieg einer solchen Mehrfachverantwortung zwischen 1996 und 2014 (von 1,9 auf
3,2 Prozent; ohne Abbildung). Da neben der Erwerbsquote (vgl. Kapitel 3) und der
Unterstützerquote (vorliegendes Kapitel) auch der Anteil der Personen zwischen 40 und 65
Jahren mit mindestens einem minderjährigen Kindern im eigenen Haushalt von 27 Prozent
(1996) auf 31 Prozent (2014) leicht zugenommen hat (nicht signifikant), geht dieser Anstieg auf
Verschiebungen in allen drei Bereichen zurück. Allerdings verdeutlichen die Zahlen auch, dass
nach wie vor nur ein sehr geringer Anteil der erwerbsfähigen Bevölkerung ab dem 40. Lebensjahr
hiervon betroffen ist. Auch ein Vergleich der empfundenen Belastung durch die geleistete
Unterstützung erbringt keine signifikanten Unterschiede zwischen den unterschiedlichen
Vereinbarkeitsgruppen: Erwerbstätige Personen im Alter zwischen 40 und 65 Jahren, die
mindestens eine andere Person gesundheitsbedingt unterstützen, fühlen sich hiervon ebenso
belastet wie nicht erwerbstätige Personen oder solche die zudem noch minderjährige Kinder im
Haushalt betreuen.

12.7 Diskussion und Implikationen
Entgegen der Annahme einer rückläufigen informellen Unterstützung sowie einem
Bedeutungsverlust der Kernfamilie bei der Erbringung dieser Versorgungsleistungen zeigt sich,
dass 2014 mehr Personen in der zweiten Lebenshälfte Unterstützung für gesundheitlich
eingeschränkte Menschen leisten als 1996. Hierbei übernehmen nach wie vor Mitglieder des
engsten Familienkreises die Hauptverantwortung. Das ist umso bemerkenswerter, weil gerade
deren Verfügbarkeit abgenommen hat – sowohl mit Blick auf ihre Anzahl als auch ihre
204

Gelegenheiten und Zeitressourcen, diese Aufgaben zu übernehmen. Unterstrichen wird das
durch den steigenden Anteil von Personen in der zweiten Lebenshälfte, die gleichzeitig
Unterstützung leisten und erwerbstätig sind. Das impliziert ein hohes Potenzial erwachsener
Kinder und Partnerinnen beziehungsweise Partner, die gestiegene Nachfrage nach
Unterstützung und Hilfe bei der Alltagsbewältigung zu decken.
Ähnlich der im Zusammenhang mit dem Ausbau wohlfahrtsstaatlicher Leistungen diskutierten
Komplementaritätsthese (Daatland & Herlofson 2003) dürften die Kapazitäten hierfür zum Teil
durch Auslagerung zeit- und arbeitsintensiver (Pflege-)Tätigkeiten frei geworden sein. Es deutet
sich eine stärker arbeitsteilige Organisation der nachgefragten Unterstützung zwischen mehreren
Hilfeleistern und Pflegenden an. Die damit implizierte Entlastung der Familienangehörigen erlaubt
es ihnen, sich stärker auf weniger anspruchsvolle Aufgaben konzentrieren zu können. Auch sollte
sich damit der Druck einer möglichen Alleinverantwortung sowie Überforderung reduzieren. Ein
Mix aus verschiedenen informellen und professioneller Hilfeleistern – im Sinne einer gemischten
Verantwortung (Motel-Klingebiel, Tesch-Römer, & von Kondratowitz 2005) – dürfte auch aus der
Sicht der Empfänger positiv sein: So reduziert sich deren Abhängigkeit von einer
Unterstützungsquelle und damit ihr Risiko eines Versorgungsdefizites bei (personellen) Ausfällen.
Eine arbeitsteilige und möglicherweise auch spezialisierte Aufgabenübernahme kann zudem die
Qualität der erhaltenen Hilfe und Pflege verbessern.
Nichtsdestotrotz legen aktuelle Entwicklungen zukünftige Versorgungsengpässe und
Überlastungen nahe: So ist beispielsweise der deutliche Anstieg von Kinderlosigkeit derzeit noch
nicht unter älteren Hilfs- und Pflegebedürftigen angekommen, wird aber in absehbarer Zukunft
das Versorgungssystem vor ganze neue Herausforderungen stellen (vgl. Kapitel 14). Und auch
die Erwerbstätigkeit unter älteren Frauen wird weiterhin ansteigen. Entsprechend ist eine
Fortführung des Ausbaus von Maßnahmen zur Entlastung unterstützender und pflegender
Angehöriger unabdinglich und dringlich: So sollten ambulante und professionelle
Unterstützungsangebote, die ergänzend zur informellen Versorgung oder auch als Ersatz genutzt
werden können, ausgebaut, breiter zugänglich und finanzierbar gemacht werden. Die
Vereinbarkeit von Pflege- und Unterstützungsleistungen mit Erwerbstätigkeit ist weiterhin zu
fördern, um sowohl eine finanzielle Mindestabsicherung für die Unterstützungspersonen
sicherzustellen, als auch eine zeitliche Flexibilität zu schaffen, die die parallele Erledigung beider
Aufgaben erleichtert. Diesbezüglich schlägt die jüngste Modifikation der Familienpflegezeit (2015)
den richtigen Weg ein: Demnach wird für eine zehntägige Erwerbsfreistellung eine
Lohnersatzleistung gewährt und es besteht ein Rechtsanspruch der Beschäftigten auf eine
Erwerbsreduktion oder -unterbrechung bis zu 24 Monaten bei bestehendem Kündigungsschutz.
Allerdings gelten viele dieser Regelungen nur für Angestellte in Betrieben mit einer Mindestgröße
von 25 Mitarbeitern, womit ein großer Personenkreis ausgeschlossen bleibt. Das betrifft auch
nicht-verwandte Pflegepersonen. Sie werden bislang generell nicht von der Familienpflegezeit
erfasst, bieten aber durchaus ein gewisses Potenzial für informelle Unterstützung (vgl.
Kapitel 17).
Ebenso wäre es erstrebenswert, Männer und Niedriggebildete stärker einzubinden als bisher.
Frauen und Personen mit mittlerem und hohem Bildungsniveau übernehmen diese Aufgaben
nicht nur häufiger, sondern vereinbaren sie auch häufiger mit anderen Aufgabenbereichen – allen
voran Erwerbstätigkeit. Insbesondere für Frauen, die bekanntermaßen auch die
Hauptverantwortung für Kinderbetreuung und Haushaltsaufgaben übernehmen (vgl. Kapitel 13,
15), kann es zu einer Kumulation von Vereinbarkeitsanforderungen kommen – der es
entgegenzuwirken gilt. Schließlich wäre die Bereitstellung von Leistungen bereits vor der
205

Entstehung von Pflegebedarf insofern sinnvoll, da ein nicht unerheblicher Unterstützungsbedarf
bereits unter dieser Grenze entsteht. Bilanzierend ist trotz sich abzeichnender Handlungsbedarfe
zur Motivation und Unterstützung (potenziell) Hilfeleistender festzuhalten, dass ein beträchtlicher
und wachsender Teil der Bevölkerung zwischen 40 und 85 Jahren Unterstützungsaufgaben für
kranke und hilfebedürftige Angehörige übernimmt.

Literatur
Blinkert, B., & Klie, T. (2008). Soziale Ungleichheit und Pflege. Aus Politik und Zeitgeschichte,
12(13), 25-33.
Blinkert, B., & Klie, T. (2006). Die Zeiten der Pflege. Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie,
39(3), 202-210.
Cantor, M. H. (1979). Neighbors and friends: An overlooked resource in the informal support
system. Research on Aging, 1(4), 434-463. doi: 10.1177/016402757914002.
Daatland, S. O., & Herlofson, K. (2003). Families and welfare states: Substitution or
complementary. In: A. Lowenstein & J. Ogg (Hrsg.) OASIS: Old Age and Autonomy - The
Role of Service Systems and Intergenerational Family Solidarity. (S. 281-305). Haifa:
University of Haifa.
Deindl, C., Brandt, M., & Hank, K. (2014). Generationen in Europa: Theoretische Perspektiven
und empirische Befunde. In: A. Steinbach, M. Hennig & O. Arránz Becker (Hrsg.) Familie
im Fokus der Wissenschaft (Familienforschung, S. 299-325). Wiesbaden: Springer.
Dudel, C. (2015). Vorausberechnung des Pflegepotentials von erwachsenen Kindern für ihre
pflegebedürftigen Eltern. Sozialer Fortschritt, 64(2), 14-26.
Forschungsgesellschaft für Gerontologie e.V. (2006). Wohnen im Alter. Dortmund: Institut Arbeit
und Technik, Ruhr-Universität Bochum.
Geerts, J., & Van den Bosch, K. (2012). Transitions in formal and informal care utilisation
amongst older Europeans: the impact of national contexts. European journal of ageing,
9(1), 27-37.
Geyer, J., & Schulz, E. (2014). Who cares? Die Bedeutung der informellen Pflege durch
Erwerbstätige in Deutschland. DIW-Wochenbericht, 81(14), 294-301.
Haberkern, K., Schmid, T., & Szydlik, M. (2015). Gender differences in intergenerational care in
European welfare states. Ageing and society, 35(2), 298-320.
Haberkern, K., & Szydlik, M. (2008). Pflege der Eltern – ein europäischer Vergleich. Kölner
Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 60(1), 82-105.
Heusinger, J. (2007). Freundin, Expertin oder Dienstmädchen – zu den Auswirkungen sozialer
Ungleichheit auf die Funktion professioneller Pflegekräfte in häuslichen
Pflegearrangements. Pflege & Gesellschaft, 12(4), 318-342.
Isfort, M. (2013). Anpassung des Pflegesektors zur Versorgung älterer Menschen. Aus Politik und
Zeitgeschichte, 2013(4-5), 29-35.
Khan, H. T. A. (2014). Factors Associated with Intergenerational Social Support among Older
Adults across the World. Ageing International, 39(4), 289-326. doi: 10.1007/s12126-0139191-6.
Klaus, D. (2009). Why do adult children support their parents. Journal of Comparative Family
Studies, 40, 227–241.
Klaus, D., & Tesch-Römer, C. (2014). Pflegende Angehörige und Vereinbarkeit von Pflege und
Beruf: Befunde aus dem Deutschen Alterssurvey 2008. DZA-Fact Sheet. Online:
https://www.dza.de/fileadmin/dza/pdf/Fact_Sheet_Pflege_Erwerbstaetigkeit_2014_09_12.
pdf.
Kuhlmey, A., Dräger, D., Winter, M., & Beikirch, E. (2010). COMPASS–Versichertenbefragung zu
Erwartungen und Wünschen an eine qualitativ gute Pflege. Informationsdienst
Altersfragen, 37(4), 4-10.
Künemund, H. (2002). Die "Sandwich-Generation"- typische Belastungskonstellation oder nur
gelegentliche Kumulation von Erwerbstätigkeit, Pflege und Kinderbetreuung? Zeitschrift
für Soziologie der Erziehung und Sozialisation, 22(4), 344-361.
Litwak, E. (1985). Helping the elderly: The complementary roles of informal networks and formal
systems. New York: Guildford.
206

Motel-Klingebiel, A., Tesch-Römer, C., & von Kondratowitz, A. (2005). Welfare states do not
crowd out the family: evidence for mixed responsibility from comparative analyses.
Ageing and society, 25(6), 863-882.
Preuss, M. (2014). Vereinbarkeit von Pflege und Erwerbstätigkeit. Wiesbaden: Springer VS.
Schmid, T., Brandt, M., & Haberkern, K. (2012). Gendered support to older parents: do welfare
states matter? European journal of ageing, 9(1), 39-50.
Statistisches Bundesamt (2015b). Pflegestatistik 2013. Wiesbaden: Statistisches Bundesamt
Stüben, C., & Von Schwanenflügel, M. (2015). Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf: Die
neuen gesetzlichen Regelungen als Unterstützung für Pflegebedürftige und Angehörige.
Gesundheits- und Sozialpolitik, 69(1), 76-79.
TNS Infratest Sozialforschung (2011). Abschlussbericht zur Studie „Wirkungen des PflegeWeiterentwicklungsgesetzes". Berlin: Bundesministerium für Gesundheit.
Wetzstein, M., Rommel, A., & Lange, C. (2015). Pflegende Angehörige – Deutschlands größter
Pflegedienst. GBE Kompakt, 6(3), 3-11.

207

208
	

13 Auslaufmodell ‚traditionelle Ehe‘? Wandel
der Lebensformen und der Arbeitsteilung
von Paaren in der zweiten Lebenshälfte
Heribert Engstler & Daniela Klaus

Kernaussagen
Der Anteil der Menschen, die in der Lebensform der Ehe ins Alter kommen, ist

gesunken: Während von den 40- bis 54-Jährigen im Jahr 1996 noch 82,6 Prozent
	
verheiratet zusammenlebend waren, sind es im Jahr 2014 nur 67,4 Prozent. Bei den 

unter 70-Jährigen hat zudem der Anteil der unverheiratet oder in zweiter Ehe 

Zusammenlebenden und der Menschen ohne Paarbeziehung zugenommen. Die über
	
70-Jährigen sind dank der steigenden Lebenserwartung häufiger verheiratet und 

seltener verwitwet als 1996. Unter den Ältesten (70 bis 85 Jahre) lag der Anteil
	
Verwitweter im Jahr 1996 bei 39,1 Prozent, im Jahr 2014 bei nur noch 24,0 Prozent.
	
Die Erwerbsarrangements der Paare mittleren Alters (Frau 40 bis 65 Jahre alt)

haben sich verändert: Der Anteil der ‚Hausfrauenehen‘ (nur Mann erwerbstätig) ist
	
zwischen 1996 und 2014 von 25,7 auf 15,4 Prozent gesunken. Zugenommen haben 

im gleichen Zeitraum Arrangements, bei denen auch die Frau erwerbstätig ist – im
	
Westen allerdings häufig nur teilzeitbeschäftigt, im Osten überwiegend in Vollzeit. Bei
	
rentennahen Altersgruppen sind häufiger Konstellationen anzutreffen, bei denen der
	
Mann schon im Ruhestand ist, während die Frau noch arbeitet.
	
Trotz gestiegener Erwerbsbeteiligung tragen Frauen weiterhin die 

Hauptverantwortung für die Hausarbeit: Ähnlich häufig wie schon im Jahr 2008 

erledigen auch im Jahr 2014 bei 61,1 Prozent der Paare überwiegend die Frauen die 

Routinetätigkeiten im Haushalt. Je umfangreicher jedoch ihre Erwerbsbeteiligung ist,
	
desto seltener übernehmen sie allein die Hausarbeit.
	
Männer sind sehr, Frauen wenig zufrieden mit einer vorwiegend weiblichen 

Zuständigkeit für die Hausarbeit: Im Jahr 2014 sind 60,3 Prozent der Männer, aber
	
nur 27,9 Prozent der Frauen mit einer solchen Zuständigkeitsverteilung sehr zufrieden.
	
Wenn sich Mann und Frau die Hausarbeit egalitär teilen, sind beide Geschlechter in 

hohem Maße zufrieden damit: 59,8 Prozent der Männer und 64,1 Prozent der Frauen.
	

209

13.1 Einleitung
Die Lebensformen der Bevölkerung unterliegen seit einigen Jahrzehnten Veränderungen, die zu
einer wachsenden Vielfalt der Formen des Zusammenlebens der Geschlechter und Generationen
geführt haben. In den Sozialwissenschaften wird dieser Wandel häufig als ein Trend der
Pluralisierung der Lebensformen und -verläufe gekennzeichnet (Wagner & Franzmann 2000;
Brüderl & Klein 2003; Wagner & Valdés Cifuentes 2014).
Ältere Befunde des Deutschen Alterssurveys (DEAS) konnten zeigen, dass sich die allgemeine
Pluralisierung der Lebensformen bis zum Jahr 2008 altersgruppenspezifisch unterschiedlich
darstellte: Während im mittleren Lebensalter bereits eine Zunahme der Lebensformen jenseits
des langjährig verheirateten Elternpaars zu beobachten war, gewann diese Lebensform in der
höchsten Altersgruppe sogar an Bedeutung, was aber als ein temporäres Phänomen vermutet
wurde (Engstler & Tesch-Römer 2010). Der erste Teil dieses Kapitels widmet sich daher der
Frage, ob und wie sich die beschriebenen Trends zwischen 2008 und 2014 fortgesetzt haben.
Dabei wird der Fokus auf den Wandel der paarbezogenen Lebensformen gelegt.
Es verändern sich jedoch nicht nur die Lebensformen im Sinne der Morphologie des
Zusammenlebens, sondern auch die Organisation des Alltags von Paaren. Eine wesentliche
Änderung betrifft die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung zwischen Mann und Frau in Bezug auf
die Beteiligung am Erwerbsleben und die Übernahme von Hausarbeit und Sorgetätigkeiten in der
Familie. Das öffentliche Interesse und die Forschung richten sich dabei oft auf die frühen
Familienphasen nach Beginn der Elternschaft, solange noch Kinder im Haushalt zu versorgen
sind. Verschiedene Arbeiten hierzu zeigen, dass es bei Paaren nach Beginn der Elternschaft zur
Herausbildung oder Verschärfung der geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung kommt (Grunow,
Schulz, & Blossfeld 2007; Bühlmann, Elcheroth, & Tettamanti 2010; Dechant, Rost, & Schulz
2014). Besonders in den alten Bundesländern ist die Familiengründung die maßgebliche
Weichenstellung für eine längerfristige Unterbrechung oder Reduktion des Erwerbsumfangs der
Frauen, die sich auch negativ auf ihre späteren Rentenanwartschaften auswirkt
(Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) (2011a, 2011b)). Das
Modell des männlichen Familienernährers als die besonders ausgeprägte Form der
geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung der Paare ist im Wesentlichen ein westdeutsches
Phänomen, während in Ostdeutschland bis zur Wiedervereinigung die Vollzeiterwerbstätigkeit
beider Elternteile die Norm bildete und auch heute noch weit verbreitet ist (Bothfeld, Klammer,
Klenner, Leiber, Thiel, & Ziegler 2005; Wirth & Tölke 2013). In beiden Teilen Deutschlands
gewinnt seit Mitte der 1990er Jahre bei Paaren mit Kindern das ‚modernisierte‘ Ernährermodell
(Zuverdienermodell) an Bedeutung, bei dem der Mann Vollzeit und die Frau Teilzeit arbeitet. In
den alten Bundesländern war dies verbunden mit einem Rückgang des männlichen
Alleinverdienermodells, in den neuen Bundesländern ging es zu Lasten des Modells, bei denen
der Mann und die Frau Vollzeit arbeiten (Holst & Wieber 2014). Bei Paaren mit zu versorgenden
minderjährigen Kindern ist demnach eine allmähliche Erosion des männlichen Ernährermodells
zu beobachten.
Wie aber sieht es in späteren Familienphasen beziehungsweise bei Paaren in der zweiten
Lebenshälfte aus? Welche Arrangements von Erwerbs- und Hausarbeit praktizieren Paare im
mittleren und höheren Alter und welche Veränderungen lassen sich für Deutschland erkennen?
Arbeiten zur geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung bei älteren Paaren sind eher selten.
Hank and Jürges (2007) untersuchten die Aufteilung der Hausarbeit bei Paaren ab 50 Jahren in
acht europäischen Ländern. Dabei stellten sie ein Nord-Süd-Gefälle in der Beteiligung des
210

Mannes an den Routinetätigkeiten der Hausarbeit fest, wobei in allen Ländern die Frauen einen
höheren Anteil als die Männer übernehmen. Etwa die Hälfte der Länderdifferenzen ließ sich auf
Unterschiede bei individuellen Merkmalen zurückführen, die die Aufteilung der Hausarbeit bei
Paaren beeinflussen. Positive Einflüsse auf die Beteiligung des Mannes an der Hausarbeit
zeigten sich, wenn die Frau nicht weniger verdiente als der Mann, wenn der Mann nicht mehr
erwerbstätig war, die Frau arbeiten ging, bei höherer Bildung, jüngeren Alten und unverheirateten
Paaren. Unabhängig davon war die Beteiligung des Mannes an der Hausarbeit in Ländern mit
allgemein höherer Geschlechtergleichheit stärker. Diese Befunde sprechen dafür, dass die
Aufteilung der Hausarbeit auch bei älteren Paaren sowohl von finanziellen und zeitlichen
Ressourcen und den damit verbundenen Aushandlungs- und Optimierungsmöglichkeiten als
auch von normativen Vorstellungen, Geschlechterideologien und den gesellschaftlichen
Rahmenbedingungen abhängt.
In zwei neueren Arbeiten untersuchten Stich and Hess (2014) und Leopold and Skopek (2015)
mit Paneldaten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP), wie sich der Renteneintritt auf die
Verteilung der Hausarbeit bei Paaren in Deutschland auswirkt. Stich und Hess zeigen anhand
gesamtdeutscher Daten, dass Frauen vor und nach ihrem Rentenübergang insgesamt mehr
Hausarbeit übernehmen als Männer. Frauen wenden nach dem Renteneintritt vor allem mehr Zeit
für die Routinetätigkeiten des Waschens, Kochens und Putzens auf, Männer steigern ihre
Hausarbeitszeit in typisch männlichen Bereichen (Reparaturen, Gartenarbeit). Aufgrund der sich
etwas verkleinernden Geschlechterdifferenz im Zeitaufwand für die Hausarbeit sehen Stich und
Hess eine teilweise Detraditionalisierung der häuslichen Arbeitsteilung beim Wechsel in den
Ruhestand. Leopold und Skopek belegen für westdeutsche Ehepaare mit männlichem
Hauptverdiener eine Verdoppelung der werktäglichen Hausarbeitsstunden des Mannes (von zwei
auf vier Stunden) im Laufe der letzten fünf Jahre bis zu seinem Renteneintritt; die Partnerin
reduziert in dieser Phase ihre tägliche Hausarbeitszeit um rund eine auf sechs Stunden. Nach
dem Renteneintritt stabilisiert sich der Beitrag der Männer auf diesem Niveau und beträgt im
Ruhestand rund 38 Prozent der gesamten Hausarbeitszeit dieser Paare. Nach Leopold und
Skopek verteilt sich die Zunahme des männlichen Einsatzes im Haushalt zu je einem Drittel auf
Routinetätigkeiten, Besorgungen sowie Reparatur- und Gartenarbeiten. Die stark ausgeprägte
geschlechtsspezifische Arbeitsteilung westdeutscher Hausfrauenehen verringert sich somit beim
Übergang des Mannes in den Ruhestand deutlich, mündet aber nicht in eine vollständig egalitäre
Aufteilung.
Uns sind keine aktuellen Untersuchungen zum Kohortenwandel in der Aufteilung der Erwerbsund Hausarbeit bei älteren Paaren in Deutschland bekannt. Daher widmet sich der zweite Teil
des vorliegenden Beitrags dem Wandel der Erwerbbeteiligungsmuster bei Paaren ab 40 Jahren
und der Aufteilung der Hausarbeit bei Paaren in der zweiten Lebenshälfte. Untersucht wird, wer
die alltäglichen Routinetätigkeiten im Haushalt überwiegend erledigt, wie zufrieden Frauen und
Männer mit der praktizierten Aufteilung sind und welche Veränderungen zu beobachten sind. Im
Vordergrund steht insgesamt die Frage, ob sich bei Paaren mittleren und höheren Alters ein
Trend zu abnehmender Ungleichheit der Beteiligung der Geschlechter an der Erwerbs- und
Hausarbeit feststellen lässt.

13.2 Datengrundlage
Daten. Grundlage sind die vier Basisstichproben des DEAS der Erhebungsjahre 1996, 2002,
2008 und 2014 (vgl. Kapitel 2). Der partnerschaftsbezogene Wandel der Lebensformen wird
211

anhand der Veränderungen der Familienstände sowie der Existenz und Form der
Partnerschaften der Männer und Frauen unterschiedlichen Alters zwischen 40 und 85 Jahren
untersucht. Zur Untersuchung der Entwicklung der geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung bei
Paaren werden die Arrangements der Erwerbsbeteiligung und der Aufteilung der Hausarbeit
betrachtet.
Familienstand. Es werden vier Familienstandskategorien unterschieden: ledig, verheiratet
zusammenlebend, geschieden/getrenntlebend und verwitwet. Eingetragene
Lebenspartnerschaften, die im DEAS seit 2008 gesondert erfasst sind, werden wegen ihrer sehr
geringen Fallzahl (2014: 13 Fälle) zu den Verheirateten gezählt.
Lebensform. Die Lebensformen werden in vier Kategorien dargestellt: Erstehen, Folgeehen,
Nichteheliche Partnerschaften und Partnerlose. Personen in eingetragener Lebenspartnerschaft
wurden entsprechend der Anzahl bisheriger Ehen und eingetragenen Partnerschaften den Erstoder Folgeehen zugewiesen. Für die Jahre 1996 und 2002 sind die Verheirateten zu einer
einzigen Kategorie zusammengefasst, da eine Unterscheidung in Erst- und Folgeehen erst ab
dem Erhebungsjahr 2008 möglich ist. Die nichtehelichen Partnerschaften umfassen Paare mit
und ohne gemeinsamen Haushalt.
Erwerbsarrangements. Die Untersuchung der Entwicklung der Erwerbsarrangements der Paare
beschränkt sich auf heterosexuelle Partnerschaften, bei denen die Frau 40 bis 65 Jahre alt ist.
Unberücksichtigt bleibt eine mögliche Erwerbsbeteiligung im Ruhestand, da diese in den
Erhebungsjahren vor dem Jahr 2014 nicht für den Partner beziehungsweise die Partnerin der
befragten Person erhoben wurde. Es werden fünf Erwerbsarrangements unterschieden: (1)
Paare, bei denen nur der Mann erwerbstätig ist (Alleinverdienermodell), (2) Paare, bei denen die
Frau als geringfügig oder teilzeitbeschäftigte ‚Zuverdienerin‘ (bis 34 Wochenstunden)
erwerbstätig ist, (3) Paare, bei denen auch die Frau vollzeitbeschäftigt ist
(Doppelverdienermodell), (4) Paare bei denen nur die Frau erwerbstätig ist und (5) Paare ohne
Erwerbsbeteiligung. Da 96 Prozent der erwerbstätigen Männer in diesen Partnerschaften im Jahr
2014 eine Vollzeittätigkeit ausüben, wird auf eine Differenzierung in Teilzeit- und
Vollzeitbeschäftigung der Männer verzichtet. Neben der Darstellung der allgemeinen Entwicklung
zwischen 1996 und 2014 werden auch Verteilungsunterschiede zwischen Ost- und
Westdeutschland betrachtet.
Aufteilung der Hausarbeit. Grundlage zur Untersuchung der Aufteilung der Hausarbeit bei Paaren
sind die seit dem Jahr 2008 im DEAS enthaltenen Fragen danach, wer bei Paaren überwiegend
die Hausarbeit übernimmt. Die Frage richtet sich primär auf die Übernahme der
Routinetätigkeiten im Haushalt.1 Geantwortet werden kann, dass man überwiegend selbst, der
Partner beziehungsweise die Partnerin, beide gleich oder überwiegend eine andere Person die
Hausarbeit erledigt. Für alle in heterosexueller Partnerschaft Lebenden wird untersucht, wer
überwiegend für die Hausarbeit zuständig ist, welche Unterschiede dabei je nach
Erwerbsarrangement bestehen und ob sich die Zuständigkeiten zwischen 2008 und 2014
geändert haben.
Zufriedenheit mit der Aufteilung der Hausarbeit. Die Zufriedenheit der in einer Partnerschaft
lebenden Männer und Frauen mit der von ihnen praktizierten Aufteilung der Hausarbeit wurde in
einer Skala mit den folgenden fünf Ausprägungen erhoben: ‚sehr zufrieden‘, ‚eher zufrieden‘,
1

Der genaue Wortlaut der Frage ist: „Nun habe ich eine Frage dazu, wer bei Ihnen die Hausarbeit erledigt. Wer
also übernimmt überwiegend Aufgaben wie die Zubereitung der Mahlzeiten, Geschirr spülen, Wäsche waschen,
Putzen und Lebensmittel einkaufen?“.

212

‚teils/teils‘, ‚eher unzufrieden‘, ‚sehr unzufrieden‘. Aufgrund der Antwortverteilungen wurden die
unteren drei Ausprägungen zur Kategorie ‚weniger zufrieden‘ zusammengefasst.
Analyse. Alle Variablen beruhen auf Angaben des persönlichen mündlichen Interviews. Im Text
und den Abbildungen sind gewichtete Häufigkeiten angegeben. Um Unterschiede zwischen
Gruppen und/oder Jahren auf statistische Signifikanz zu testen, wurden logistische Regressionen
berechnet, wobei für die Stratifizierungsvariablen Altersgruppe, Geschlecht und Region (Ost-/
Westdeutschland) kontrolliert wurde.

13.3 Wandel partnerschaftlicher Lebensformen
Die Entwicklung der Familienstände der Menschen in der zweiten Lebenshälfte ist einerseits
gekennzeichnet von der sinkenden Heiratsneigung und der abnehmenden Stabilität der Ehen,
andererseits von der steigenden Lebenserwartung, die im Alter ein längeres Zusammenleben der
Ehepaare ermöglicht. Das Verschieben der Verwitwung in ein höheres Alter aufgrund der
längeren Lebensdauer hat dazu geführt, dass insgesamt der Anteil der Verwitweten unter der 40bis 85-jährigen Bevölkerung zwischen 1996 und 2014 von 13,3 auf 8,9 Prozent gesunken ist
(Abbildung 13-1). Noch deutlicher zeigt sich dies in der altersdifferenzierten Betrachtung. Bei der
ältesten der drei Altersgruppen, den 70- bis 85-Jährigen, sank der Anteil Verwitweter von 39,1
Prozent im Jahr 1996 auf 24,0 Prozent im Jahr 2014. Entsprechend zugenommen hat in dieser
Altersgruppe der Anteil Verheirateter.
Der Anteil der Menschen, die in der Lebensform der Ehe ins Alter kommen, ist gesunken.
Die 70- bis 85-Jährigen sind allerdings die einzige Altersgruppe, bei der der Anteil verheiratet
Zusammenlebender gestiegen ist, was weitgehend auf die steigende Lebenserwartung
zurückzuführen ist. Bei den beiden anderen Altersgruppen hat sich der Anteil Verheirateter
verringert, weil seltener geheiratet wird und die Ehen häufiger geschieden werden. Von den 40bis 54-Jährigen sind im Jahr 2014 nur 67,4 Prozent verheiratet zusammenlebend, 1996 waren es
noch 82,6 Prozent gewesen. Im Gegenzug haben sich sowohl die Ledigenquote als auch der
Anteil Geschiedener (inklusive Getrenntlebender) erhöht.

213

Abbildung 13-1:

Familienstand der 40- bis 85-Jährigen, gesamt und nach Alter, in den
Jahren 1996 und 2014 (in Prozent)

Verheiratet
100

Prozent

80

Ledig

Geschieden, getrenntlebend

13,3

8,9

9,7

7,2
5,5

13,2

6,1

15,2
16,4

10,1

Verwitwet

10,9

7,1

6,2
5,2

14,8
6,6

60
40

24,0
39,1
8,0
4,5
4,7
5,0

74,0

82,6
67,8

67,4

77,7

71,6

63,5
51,3

20
0
1996

2014

Gesamt

1996

2014

40-54 Jahre

1996

2014

55-69 Jahre

1996

2014

70-85 Jahre

Quelle: DEAS 1996 (n = 4.838) und 2014 (n = 6.001), gewichtet, gerundete Angaben; (p < ,05). 

Unterschiede des Anteils aller Familienstände zwischen 1996 und 2014 insgesamt und bei allen Altersgruppen signifikant mit
	
Ausnahme der Ledigenanteile bei den ab 55-Jährigen und dem Verwitwetenanteil der 40- bis 54-Jährigen.
	

Bedeutet der steigende Anteil Lediger und Geschiedener, dass mehr Menschen ohne Partnerin
oder Partner ins Alter kommen? In der Zusammenfassung aller drei Altersgruppen ist der Anteil
Partnerloser zwar weitgehend stabil geblieben, bei den Jüngeren nimmt die Partnerlosigkeit
allerdings zu (Abbildung 13-2). In der jüngsten betrachteten Altersgruppe, den 40- bis 54Jährigen ist der Anteil Partnerloser zwischen 1996 und 2014 von 11,3 auf 15,5 Prozent
gestiegen. Noch stärker zugenommen hat in der unteren Altersgruppe allerdings die Quote der
unverheirateten Paare. In der mittleren Altersgruppe ist der Anteil Partnerloser nach 1996
zunächst leicht gesunken (vgl. Tabelle A 13-2 im Anhang), um sich anschließend bis 2014 wieder
auf das Niveau von 1996 zu erhöhen. Auch von den 55- bis 69-Jährigen leben 2014 mehr Paare
ohne Trauschein zusammen als 1996. In der oberen Altersgruppe gab es hingegen einen
kräftigen Rückgang der Partnerlosigkeit.

214

Abbildung 13-2:	

Existenz und Form der Partnerschaft, gesamt und nach Alter, in den
Jahren 1996, 2002, 2008 und 2014 (in Prozent)

a) Gesamt
100

Prozent

80

21,9

21,8

21,2

20,7

4,1

7,6

8,5

11,5

9,1

60
40

74,0

70,6

Partnerlos
Nichteheliche Partnerschaft
Folgeehe
(Erst-)Ehe

10,8

61,1

57,0

2008

2014

20
0
1996

2002

b) Nach Alter
(Erst-)Ehe
100

Prozent

80

11,3

Folgeehe
15,5

6,1
17,1

Nichteheliche Partnerschaft

19,2
3,2

19,3
9,1

30,7
46,4
5,8

13,9

9,5

60

Partnerlos

8,8
2,3

40

82,6

77,7
57,9

57,7

20

51,3

54,7

1996

2014

0
1996

2014

40-54 Jahre

1996

2014

55-69 Jahre

70-85 Jahre

Quelle: DEAS 1996 (n = 4.838), 2002 (n = 3.081), 2008 (n = 6.169), 2014 (n = 5.989), gewichtet, gerundete Angaben; (p < ,05).
In den Jahren 1996 und 2002 beinhaltet die Kategorie ‚(Erst-)Ehe‘ alle Ehen, ab 2008 nur die Erstehen. Unterschiede im Anteil
der Lebensformen zwischen 1996 und 2014 insgesamt und bei allen Altersgruppen signifikant, mit Ausnahme des Anteils
Partnerloser in der mittleren Altersgruppe.

Auffälliger als die Entwicklung der Partnerlosigkeit ist der Wandel der Partnerschaftsformen. Bei
den unter 70-Jährigen hat zwischen 1996 und 2014 eine Verlagerung von der ehelichen zur
nichtehelichen Partnerschaft stattgefunden. Innerhalb der Verheirateten zeigt sich zwischen 2008
und 2014 eine Zunahme der Folgeehen 2. Insgesamt verliert dadurch bei den 40- bis 85-Jährigen
die Lebensform der in erster Ehe verheirateten Paare quantitativ an Bedeutung, stellt im Jahr
2014 mit 57,0 Prozent aber noch die Mehrheit (Abbildung 13-2).

2

Seit dem Jahr 2008 wird im DEAS festgehalten, um die wievielte Ehe es sich handelt. Die seither mögliche
Unterscheidung in Erst- und Folgeehen belegt einen Anstieg des Anteils an Menschen, die in der zweiten oder
einer weiteren Ehe leben (Abbildung 13-2).

215

13.4 Arrangements der Erwerbsbeteiligung bei Paaren
Geändert haben sich nicht nur die Formen des Zusammenlebens sondern auch die
Alltagsorganisation der Paare. Dies betrifft in erster Linie die Erwerbsbeteiligung, weniger die
Verteilung der Hausarbeit in der Partnerschaft. Um den Wandel der Erwerbsarrangements zu
untersuchen, wird im Folgenden die Entwicklung der Erwerbsbeteiligungsmuster von Mann und
Frau bei Paaren betrachtet, bei denen die Frau 40 bis 65 Jahre alt ist.
Die Erwerbsarrangements der Paare mittleren Alters haben sich verändert.
Abbildung 13-3 zeigt den Wandel in der Verteilung der Erwerbsarrangements zwischen 1996 und
2014. Eine wesentliche Veränderung ist der gesunkene Anteil nichterwerbstätiger Paare. Sie ist
eine Folge der wachsenden Erwerbsbeteiligung der Frauen3 und des späteren Übergangs in den
Ruhestand beider Geschlechter (vgl. Kapitel 3 und 4). Eine weitere Veränderung ist der
Rückgang des Alleinverdienermodells, bei dem nur der Mann erwerbstätig ist. Im Jahr 2014
praktizieren 15,4 Prozent der Paare, bei denen die Frau 40 bis 65 Jahre alt ist, dieses Modell, im
Jahr 1996 waren es noch 25,7 Prozent. Zugenommen hat hingegen das Zuverdienermodell, bei
dem die Frau Teilzeit arbeitet (Anstieg zwischen 1996 und 2014 von 20,9 auf 31,2 Prozent). Bei
diesem Erwerbsarrangement beträgt die Wochenarbeitszeit der Frauen im Durchschnitt 21,4
Stunden und hat sich über die Jahre nicht signifikant geändert. Ebenfalls häufiger geworden ist
das Doppelverdienermodell, bei dem Mann und Frau Vollzeitstellen haben (Anstieg zwischen
1996 und 2014 von 18,8 auf 26,3 Prozent). Insgesamt nur wenig erhöht hat sich die
Konstellation, bei der nur (noch) die Frau erwerbstätig ist. Bei älteren Paaren war der Anstieg
allerdings kräftiger: Bei Paaren mit 60- bis 65-jähriger Frau nahm das Muster der alleinigen
Erwerbstätigkeit der Frau zwischen 1996 und 2014 von 7,9 auf 19,4 Prozent zu (ohne Abbildung).
Es häufen sich die Konstellationen, bei denen der Mann schon im Ruhestand ist, während die
Frau noch arbeiten geht.
Abbildung 13-3:	

Erwerbsarrangements der Paare, bei denen die Frau 40-65 Jahre alt ist,
in den Jahren 1996, 2002, 2008 und 2014 (in Prozent)

100
24,4

80

Prozent

10,2

60
40

18,8

27,8

18,9
11,8

14,8
12,3

Beide nicht erwerbstätig
Nur Frau erwerbstätig
Beide erwerbstätig, Frau vollzeit
Beide erwerbstätig, Frau teilzeit
Nur Mann erwerbstätig

10,0
21,0

20,9

23,6

26,3

27,4

31,2

17,6

18,2

15,4

2002

2008

2014

23,6

20
25,7

0
1996

Quelle: DEAS 1996 (n = 2.640), 2002 (n = 1.575), 2008 (n = 2.988), 2014 (n = 2.966), gewichtet, gerundete Angaben; (p < ,05).
Unterschiede zwischen 1996 und 2014 bei allen Erwerbsarrangements signifikant.

3 Gemäß den Zahlen des DEAS ist die Erwerbsbeteiligung der in einer Paarbeziehung lebenden 40- bis
65-jährigen Frauen zwischen 1996 und 2014 von 49,9 auf 69,8 Prozent gestiegen.

216

Auch 25 Jahre nach der Wiedervereinigung bestehen noch markante Unterschiede bei der
Erwerbsbeteiligung der Paare zwischen Ost- und Westdeutschland. In den neuen Bundesländern
ist im Jahr 2014 die Vollzeittätigkeit von Mann und Frau das häufigste Muster (40,2 Prozent),
während in den alten Bundesländern die Kombination aus Vollzeittätigkeit des Mannes und
Teilzeitarbeit der Frau das am meisten praktizierte Erwerbsarrangement ist (34,2 Prozent). Auch
das Alleinverdienermodell ist in den alten Bundesländern geläufiger als in den neuen
Bundesländern. In Ostdeutschland gibt es zudem bei Paaren der betrachteten Altersgruppe (Frau
40 bis 65 Jahre alt) etwas mehr alleinverdienende Frauen als Männer (Abbildung 13-4).
Insgesamt haben sich durch die steigende Erwerbsbeteiligung der Frauen und den längeren
Verbleib im Berufsleben die Erwerbsarrangements der Paare im mittleren und höheren
Erwerbsalter deutlich verändert. Die Hausfrauenehe ist seltener geworden und mehrheitlich
gehen heute Mann und Frau einer Erwerbstätigkeit nach. Da Frauen aber häufig
teilzeitbeschäftigt sind, bestehen noch erhebliche Unterschiede im Stundenvolumen der
bezahlten Arbeit zwischen den Geschlechtern. Bei den Paaren arbeiten im Jahr 2014 die
erwerbstätigen Männer im Durchschnitt 45,3 Wochenstunden, die erwerbstätigen Frauen 31,3
Stunden (ohne Abbildung).

Abbildung 13-4:	

Erwerbsarrangements der Paare, bei denen die Frau 40-65 Jahre alt ist,
nach Landesteil, im Jahr 2014 (in Prozent)

100
17,7

Prozent

80

13,9

14,2
12,0

Beide nicht erwerbstätig
Nur Frau erwerbstätig
Beide erwerbstätig, Frau vollzeit
Beide erwerbstätig, Frau teilzeit
Nur Mann erwerbstätig

23,5

60
40,2

40
34,2

20
0

16,6
11,7

Ost		

16,1

West

Quelle: DEAS 2014 (n = 2.966), gewichtet, gerundete Angaben; (p < ,05).
	
Ost-West-Unterschied bei allen Erwerbsarrangements mit Ausnahme der Kategorie ‚nur Frau erwerbstätig‘ signifikant.
	

13.5 Aufteilung der Hausarbeit bei Paaren
Es stellt sich die Frage, ob die gestiegene Erwerbsbeteiligung der Frauen auch zu
Veränderungen bei der Aufteilung der Hausarbeit der Paare geführt hat. Beteiligen sich die
Männer entsprechend mehr an der Hausarbeit und entlasten dadurch ihre Partnerin oder führt die
wachsende Berufstätigkeit der Frauen nur zu einer Ausweitung ihrer Arbeitsbelastung, da sie
weiterhin in gleichem Maße die Hauptverantwortung für die Hausarbeit tragen? Auskunft dazu
gibt der nachfolgende Abschnitt, der sich den Arrangements der Beteiligung von Mann und Frau
an der Hausarbeit und deren Veränderungen widmet.

217

Trotz gestiegener Erwerbsbeteiligung tragen Frauen weiterhin die Hauptverantwortung für
die Hausarbeit.
Wie Abbildung 13-5 zeigt, ist im Jahr 2014 bei der Mehrheit der Paare (61,1 Prozent) die Frau
hauptverantwortlich für die Hausarbeit. Bei rund einem Drittel teilen sich Mann und Frau zu
ungefähr gleichen Anteilen die Hausarbeit (32,4 Prozent). Dabei schätzen Männer dies häufiger
so ein (36,1 Prozent) als Frauen (28,3 Prozent) (ohne Abbildung). Nur sehr selten erledigt
überwiegend der Mann oder eine dritte Person die Hausarbeit. An dieser Verteilung hat sich seit
2008 nahezu nichts geändert (keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen 2008 und
2014).

Abbildung 13-5:
100

Prozent

80

Überwiegende Zuständigkeit für die Hausarbeit bei Paaren, in den
Jahren 2008 und 2014 (in Prozent)
1,4

0,9

5,7

5,6

33,6

32,4

Überwiegend Andere
Überwiegend der Mann
Beide gleich
Überwiegend die Frau

60
40
59,3

61,1

2008

2014

20
0

Quelle: DEAS 2008 (n = 4.805) und 2014 (n = 4.704), gewichtet, gerundete Angaben; (p < ,05).
Keine signifikanten Unterschiede zwischen 2008 und 2014.

Wie stark ausgeprägt die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung ist, hängt in hohem Maße vom
praktizierten Erwerbsarrangement ab. Je umfangreicher die Erwerbsbeteiligung der Frau ist,
desto seltener ist sie allein für die Hausarbeit zuständig. Ist nur der Mann erwerbstätig, erledigt in
77,4 Prozent der Fälle überwiegend die Frau die Hausarbeit (Abbildung 13-6). Eine
Teilzeittätigkeit der Frau führt nur zu einer geringfügigen Entlastung der Frau von den
Haushaltspflichten, da sie auch dann noch zu 72,5 Prozent die Hauptverantwortung für die
Hausarbeit trägt. Erst bei vollzeit-erwerbstätigen Frauen wird die Beteiligung der Geschlechter an
der Hausarbeit etwas ausgeglichener. Doch selbst wenn nur die Frau berufstätig ist, trägt
dennoch sie mit 39,2 Prozent relativ häufig die überwiegende Verantwortung für die Hausarbeit.
Das Problem der doppelten Belastung durch Haus- und Erwerbsarbeit betrifft daher Frauen
stärker als Männer. Die Beteiligung der Männer an den Haushaltstätigkeiten hängt offensichtlich
weniger von deren zeitlichen Möglichkeiten ab, als denen ihrer Partnerin. Denn auch wenn der
Mann nicht (mehr) berufstätig ist, erledigt meistens die Frau die Hausarbeit (61,1 Prozent), wenn
auch sie keiner Erwerbstätigkeit nachgeht. Dieses Muster ist in den westlichen Bundesländern
stärker ausgeprägt als in den östlichen. Denn unabhängig vom Erwerbsarrangement beteiligen
sich die Männer in Ostdeutschland häufiger an der Hausarbeit. Dadurch liegt in den neuen
218

Bundesländern die überwiegende Zuständigkeit für die Hausarbeit mit 53,2 Prozent seltener bei
der Frau als bei Paaren in den alten Bundesländern (62,8 Prozent).

Abbildung 13-6:	

Überwiegende Zuständigkeit der Frau für die Hausarbeit nach
Erwerbsarrangement der Paare, im Jahr 2014 (in Prozent)

100
	

Prozent

80
	
60
40
20

77,4

72,5

61,1
48,2

53,2

62,8

39,2

0
Nur Mann
Beide
Beide
Nur Frau
erwerbstätig erwerbstätig, erwerbstätig, erwerbstätig
Frau teilzeit Frau vollzeit

Beide nicht
erwerbstätig

Ost

West

Quelle: DEAS 2014 (n = 4.675), gewichtet, gerundete Angaben; (p < ,05). 

Unterschiede zwischen Kategorie ‚nur Mann erwerbstätig‘ und allen anderen Erwerbsarrangements signifikant. Unterschiede 

nach Landesteil signifikant.
	

Wie zufrieden sind die Paare mit der Aufteilung der Hausarbeit? Dies hängt davon ab, welche
Aufteilung praktiziert wird und wen man fragt. Männer sind sehr zufrieden damit, wenn ihre
Partnerin den Großteil der Hausarbeit erledigt; Frauen sind damit wenig zufrieden (Abbildung
13-7). Das am häufigsten vorkommende Muster wird demnach von Männern und Frauen
gegensätzlich beurteilt.
Männer sind sehr, Frauen wenig zufrieden mit einer vorwiegend weiblichen Zuständigkeit
für die Hausarbeit.
Wie unzufrieden Frauen mit ihrer Hauptverantwortung für den Haushalt sind, hängt auch vom
Erwerbsarrangement der Paare ab. Je umfangreicher ihre Erwerbsbeteiligung ist, desto
unzufriedener sind Frauen, wenn sie zugleich auch überwiegend für die Hausarbeit zuständig
sind. Wenn nur der Mann berufstätig ist oder sich das Paar gemeinsam im Ruhestand befindet,
sind nur 27,5 Prozent der Frauen wenig zufrieden damit, wenn sie überwiegend die Hausarbeit
erledigen. Von den Vollzeit erwerbstätigen Frauen, die zugleich die Hauptverantwortung für die
Hausarbeit tragen, sind hingegen 40,9 Prozent damit wenig zufrieden (ohne Abbildung).
Eher selten kommt es mit 5,6 Prozent (2014) vor, dass bei Paaren überwiegend der Mann die
Hausarbeit übernimmt. Mehr als die Hälfte der Männer (53,5 Prozent) und der Frauen (56,5
Prozent), die dieses Arrangement praktizieren, sind damit sehr zufrieden. Aber auch der Anteil
der damit weniger Zufriedenen ist mit 15,0 Prozent der Männer und 14,5 Prozent der Frauen
vergleichsweise hoch. Am zufriedensten sind Paare, wenn sich beide Geschlechter die
Hausarbeit möglichst gleichmäßig teilen. Von den Frauen, die das egalitäre Arrangement

219

praktizieren, bewerten es 64,1 Prozent sehr positiv, von den Männern 59,8 Prozent
(Abbildung 13-7).

Abbildung 13-7:	
100

Prozent

80

5,9

Zufriedenheit der Frauen und Männer mit der Aufteilung der
Hausarbeit, im Jahr 2014 (in Prozent)
5,5

5,8

34,7

30,0

31,6
33,9

15,0

14,5

31,6

29,0

60

Weniger zufrieden
Eher zufrieden
Sehr zufrieden

40,5

40
60,3

20
0

59,8

64,1

53,5

56,5

27,9

Männer Frauen

Männer Frauen

Männer Frauen

Frau macht
Hausarbeit

Beide machen
Hausarbeit

Mann macht

Hausarbeit


Quelle: DEAS 2014 (n = 4.636), gewichtet, gerundete Angaben; (p < ,05). 

Beide Geschlechter statistisch signfikant häufiger sehr zufrieden mit egalitärer Aufteilung der Hausarbeit im Vergleich mit einem
	
Arrangement, bei dem sie selbst die Hauptlast tragen. Nur mit dem Arrangement ‚Frau macht Hausarbeit‘ sind Frauen 

signifikant seltener sehr zufrieden als Männer.
	

Die Befunde zur Aufteilung der Hausarbeit und der Zufriedenheit verdeutlichen, dass Frauen
zwar häufig die Hauptlast der Hausarbeit tragen, sich damit aber nicht kritiklos identifizieren,
sondern sich eine stärkere Beteiligung der Männer an den Haushaltspflichten wünschen. Die
höchste Zufriedenheit beider Geschlechter stellt sich bei einer egalitären Aufteilung der
Hausarbeit ein.

13.6 Diskussion und Implikationen
Die in diesem Kapitel dargestellte Entwicklung der Lebensformen in der Bevölkerung ab
40 Jahren hat zwei Entwicklungen aufgezeigt, die sich für die betrachteten Altersgruppen
unterschiedlich auswirken. Einerseits führen die sinkende Heiratsneigung und die abnehmende
Stabilität der Paarbeziehungen dazu, dass von den jüngeren Jahrgängen weniger Menschen in
der Lebensform der ersten Ehe ins Seniorenalter gelangen. Es wächst der Anteil derer, die
unverheiratet oder wiederverheiratet mit einem Partner beziehungsweise Partnerin
zusammenleben, aber auch die Partnerlosigkeit nimmt bei den jüngeren und mittleren
Jahrgängen zu. Andererseits ermöglicht die steigende Lebenserwartung immer mehr Paaren,
lange gemeinsam alt zu werden und bis ins hohe Alter zusammen zu leben. Dies zeigt sich in der
deutlichen Zunahme der Verheirateten und dem Rückgang der Verwitweten unter den 70- bis
85-Jährigen. Wer es schafft, in jüngeren Jahren eine stabile Partnerschaft zu etablieren und
diese aufrecht zu erhalten, kann damit rechnen, einen Großteil des Alters gemeinsam mit dem
Partner oder der Partnerin zu verbringen. Das Hinausschieben der Verwitwung in ein höheres
Alter bedeutet vor allem für Frauen eine markante Veränderung der Altersphase, da meistens der
Mann vor ihnen stirbt. Während in früheren Jahrzehnten häufig schon die Lebenssituation der
220

60- und 70-jährigen Frauen mit dem Bild der alleinstehenden Witwe charakterisiert werden
konnte, erscheint heute für diese Altersgruppe das Bild der älteren Ehefrau angemessener.
Auch die Veränderung der Erwerbsarrangements der Paare in der zweiten Lebenshälfte betrifft
Frauen mehr als die Männer. Denn das Hauptmerkmal ist die steigende Erwerbsbeteiligung der
Frauen und ihr längerer Verbleib im Erwerbsleben. Dadurch hat sich der Anteil der
Hausfrauenehen beziehungsweise des männlichen Alleinverdienermodells unter den Paaren mit
40- bis 65-jähriger Frau zwischen 1996 und 2014 nahezu halbiert. Zugenommen haben sowohl
Teilzeit- und Vollzeitbeschäftigungen der Frauen, erstere allerdings stärker. Problematisch
erscheint, dass die gestiegene Erwerbsbeteiligung der Frauen nicht zu einer stärkeren
Beteiligung der Männer an der Hausarbeit geführt hat. Nahezu unverändert tragen bei Paaren
Frauen die Hauptlast der Hausarbeit. Von einer egalitären Aufteilung der Erwerbs- und
Hausarbeit zwischen Mann und Frau sind auch Paare mittleren und höheren Alters noch weit
entfernt. Die Ausweitung ihrer Berufstätigkeit führte für Frauen zu einer insgesamt höheren
Arbeitsbelastung, die sie nicht kritiklos akzeptieren. Die Mehrheit der Frauen, die die
Routinetätigkeiten der Hausarbeit erledigen, ist nicht besonders zufrieden damit, am wenigsten
Frauen, die Vollzeit erwerbstätig sind. Einen Anreiz, mehr Verantwortung für die Hausarbeit zu
übernehmen, könnte Männern die Tatsache geben, dass beide Geschlechter am zufriedensten
sind, wenn sich Mann und Frau die Hausarbeit gleichmäßig teilen. Für eine egalitäre
Arbeitsteilung wäre zudem eine stärkere Angleichung des Erwerbsumfangs der Geschlechter
notwendig. Dies würde bedeuten, dass bei Paaren Vollzeit berufstätige Männer ihre Arbeitszeit
etwas reduzieren, Teilzeit arbeitende Frauen ihre Wochenarbeitszeit erhöhen und nicht
erwerbstätige Frauen eine bezahlte Tätigkeit aufnehmen. Wie die Zeitverwendungsstudie des
Statistischen Bundesamts zeigt, entspricht dies auch den Wünschen vieler Frauen und Männer
((Statistisches Bundesamt 2015)). Politik und Wirtschaft sollten dies unterstützen.

Literatur
Bothfeld, S., Klammer, U., Klenner, C., Leiber, S., Thiel, A., & Ziegler, A. (2005). WSIFrauenDatenReport 2005. Handbuch zur wirtschaftlichen und sozialen Situation von
Frauen. Berlin: edition sigma.
Brüderl, J., & Klein, T. (2003). Die Pluralisierung partnerschaftlicher Lebensformen in
Deutschland, 1960-2000. In: W. Bien & J. H. Marbach (Hrsg.) Partnerschaft und
Familiengründung. Ergebnisse der dritten Welle des Familien-Survey (S. 189-217).
Opladen: Leske+Budrich.
Bühlmann, F., Elcheroth, G., & Tettamanti, M. (2010). The Division of Labour Among European
Couples: The Effects of Life Course and Welfare Policy on Value-Practice Configurations.
European Socíological Review, 26(1), 49-66. doi: 10.1093/esr/jcp004.
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (2011a). Biografiemuster und
Alterseinkommensperspektiven von Frauen. Berlin: Bundesministerium für Familie,
Senioren, Frauen und Jugend.
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Hrsg.) (2011b). Neue Wege ­
Gleiche Chancen. Gleichstellung von Frauen und Männern im Lebensverlauf. Erster
Gleichstellungsbericht (Bundestagsdrucksache 17/6240). Berlin: Bundesministerium für
Familie, Senioren, Frauen und Jugend.
Dechant, A., Rost, H., & Schulz, F. (2014). Die Veränderung der Hausarbeitsteilung in
Paarbeziehungen. Zeitschrift für Familienforschung, 26(2), 144-168.
Engstler, H., & Tesch-Römer, C. (2010). Lebensformen und Partnerschaft. In: A. Motel-Klingebiel,
S. Wurm & C. Tesch-Römer (Hrsg.) Altern im Wandel. Befunde des Deutschen
Alterssurveys (DEAS) (S. 163-187). Stuttgart: Kohlhammer.

221

Grunow, D., Schulz, F., & Blossfeld, H.-P. (2007). Was erklärt die Traditionalisierungsprozesse
häuslicher Arbeitsteilung im Eheverlauf: soziale Normen oder ökonomische Ressourcen.
Zeitschrift für Soziologie, 36(3), 162-181.
Hank, K., & Jürges, H. (2007). Gender and the Division of Household Labor in Older Couples: A
European Perspective. Journal of Family Issues, 28(3), 399-421.
Holst, E., & Wieber, A. (2014). Eastern Germany ahead in employment of women. DIW Economic
Bulletin(11), 33-41.
Leopold, T., & Skopek, J. (2015). Convergence or Continuity? The Gender Gap in Household
Labor After Retirement. Journal of Marriage and Family, 77(4), 819-832. doi:
10.1111/jomf.12199.
Statistisches Bundesamt (2015). Wie die Zeit vergeht. Ergebnisse zur Zeitverwendung in
Deutschland 2012/2013. Wiesbaden: Statistisches Bundesamt.
Stich, D., & Hess, M. (2014). Renteneintritt und Hausarbeit (SOEPpapers 683). Berlin: Deutsches
Institut für Wirtschaftsforschung.
Wagner, M., & Franzmann, G. (2000). Die Pluralisierung der Lebensformen. Zeitschrift für
Bevölkerungswissenschaft, 25(1), 151-173.
Wagner, M., & Valdés Cifuentes, I. (2014). Die Pluralisierung der Lebensformen - ein
fortlaufender Trend? Comparative population studies, 39(1), 73-98.
Wirth, H., & Tölke, A. (2013). Egalitär arbeiten - familienzentriert leben: Kein Widerspruch für
ostdeutsche Eltern. Informationsdienst Soziale Indikatoren(49), 11-14.

222

14 Nähe auf Distanz: Bleiben die Beziehungen
zwischen älteren Eltern und ihren
erwachsenen Kindern trotz wachsender
Wohnentfernungen gut?
Katharina Mahne & Oliver Huxhold

Kernaussagen
Personen im mittleren Alter haben 2014 seltener Kinder, aber häufiger noch

lebende Eltern als 1996: Die 42- bis 47-Jährigen hatten im Jahr 1996 zu 87,2 Prozent
	
Kinder, im Jahr 2014 sind es nur noch knapp 80 Prozent. Hingegen ist in derselben 

Altersgruppe der Anteil derjenigen, die noch mindestens ein lebendes Elternteil haben,
	
von 81,2 Prozent im Jahr 1996 auf 91,1 Prozent im Jahr 2014 gestiegen.
	
Die Wohnentfernung zwischen Eltern und ihren erwachsenen Kindern vergrößert

sich im sozialen Wandel stetig: Während die erwachsenen Kinder im Jahr 1996 für
	
38,4 Prozent der Eltern in der Nachbarschaft oder im gleichen Ort lebten, trifft dies im
	
Jahr 2014 nur noch auf etwa ein Viertel (25,8 Prozent) zu. Von wachsenden 

Wohnentfernungen sind jüngere Eltern stärker betroffen als ältere Eltern.
	
Insbesondere hochgebildete Eltern haben weiter entfernt wohnende erwachsene 

Kinder: Im Jahr 2014 leben ungefähr ein Drittel der erwachsenen Kinder von Eltern 

mit niedriger Bildung in der Nachbarschaft oder im gleichen Ort (35,6 Prozent). Bei den 

hochgebildeten Eltern tun dies nur 19,9 Prozent.
	
Die Kontakthäufigkeit und die Beziehungsenge zwischen Eltern und 

erwachsenen Kindern bleiben stabil hoch: Im gesamten Zeitraum zwischen 1996 

und 2014 haben mehr als 78 Prozent der Eltern mindestens wöchentlich Kontakt und 

mehr als 88 Prozent der Eltern haben eine enge oder sehr enge Beziehung zu ihren 

erwachsenen Kindern. Mütter haben kontaktintensivere und emotional engere 

Beziehungen als Väter.
	
Gefühle wie Wut und Ärger sind in den Beziehungen zwischen Eltern und ihren 

erwachsenen Kindern selten: Gut drei Viertel der Eltern (77,1 Prozent) empfinden im
	
Jahr 2014 nie oder nur selten Wut und Ärger gegenüber ihren Kindern. Etwa ein 

Fünftel (20,3 Prozent) berichtet davon, manchmal Wut und Ärger zu empfinden. Mütter
	
und jüngere Eltern berichten häufiger von Gefühlen wie Wut und Ärger.
	

223

14.1 Einleitung
Familiale Beziehungen sind eine wesentliche Quelle für soziale Integration, Lebensqualität und
Wohlbefinden über den gesamten Lebenslauf hinweg. Die Bindungen zu den eigenen Kindern
und Enkeln gehören dabei zu den engsten sozialen Beziehungen älter werdender Menschen
(Rossi & Rossi 1990). Sie vermitteln Gefühle von Zugehörigkeit, Intimität und Sinnhaftigkeit und
sind ein wesentlicher Bestandteil der Alltagsgestaltung. Aber auch Gefühle von Wut und Ärger
sind Teil dieser Beziehungen.
Der demografische und soziale Wandel wirkt auf familiale Strukturen und die Ausgestaltung
familialer Beziehungen. Die in Deutschland anhaltend niedrige Geburtenrate führt einerseits zu
schmaleren familialen Netzwerken – zum Beispiel gibt es weniger Geschwister innerhalb einer
Generation. Deutschland gilt zudem als eines der europäischen Länder mit den höchsten
Anteilen an Kinderlosen. Andererseits sind die Lebenssituationen in vielen Fällen vom
gleichzeitigen Vorhandensein mehrerer familialer Generationen gekennzeichnet. Aufgrund der
steigenden Lebenserwartung stellen Drei-Generationen-Konstellationen innerhalb einer Familie
heute den Regelfall dar, auch Vier-Generationen-Konstellationen sind keine Seltenheit.
Großelternschaft ist heute für viele Ältere eine zu erwartende und über einen langen Zeitraum
gestaltbare Altersrolle.
Für die Beschreibung von familialen Strukturen hat sich der Begriff der ‚multilokalen
Mehrgenerationenfamilie‘ (Bertram 2000) etabliert. Hierin drücken sich neben den generationalen
auch räumliche Strukturen von heutigen Familien aus – Eltern und erwachsene Kinder führen
heute häufiger getrennte Haushalte (Peuckert 2012) und wohnen immer öfter weit voneinander
entfernt (Mahne & Motel-Klingebiel 2010). Da familiale Generationenbeziehungen eine wichtige
Stütze bei der Alltagsbewältigung älterer Menschen darstellen, werden Kinderlosigkeit sowie
wachsende Wohnentfernungen in jüngeren Kohorten oftmals als Gefahr für den familialen
Zusammenhalt und die Aufrechterhaltung von Lebensqualität Älterer diskutiert. Die Beschreibung
von ‚Nähe auf Distanz‘ (Rosenmayr & Köckeis 1963) trifft allerdings auf die tatsächlich gelebten
Generationenbeziehungen besser zu. Große Entfernungen müssen nicht zwangsläufig mit einer
schlechten Beziehungsqualität einhergehen, wenngleich räumliche Nähe eine Voraussetzung für
persönlichen Kontakt und gegenseitige Hilfen im Alltag ist. Zudem werden Freunde in den
Netzwerken Älterer bedeutsamer und übernehmen nicht selten Unterstützungsfunktionen
(Huxhold, Mahne, & Naumann 2010) (vgl. auch Kapitel 17). Die strukturellen, affektiven und
funktionalen Aspekte von Generationenbeziehungen sind also in unterschiedlicher Weise
Veränderungen unterworfen. Zusätzlich kann sich dieser Wandel für bestimmte Gruppen
unterscheiden – zum Beispiel zwischen Älteren und Jüngeren, Männern und Frauen oder höher
und niedriger gebildeten Menschen.
Das Aufschieben von Geburten in spätere Lebensphasen, geringe Kinderzahlen oder
Kinderlosigkeit betreffen in Deutschland vorrangig jüngere Kohorten und höher gebildete Frauen.
Altern in kleinen familialen Netzen oder das Ausbleiben von Elternschaft (und Großelternschaft)
und damit das Abbrechen der Generationenlinie betrifft sie also in besonderer Weise. Das
Geschlecht wird weiterhin als wesentlicher Faktor für die Ausgestaltung und Qualität familialer
Beziehungen angesehen. Frauen unterhalten in der Regel – möglicherweise aufgrund von
spezifisch erlernten Kompetenzen oder Geschlechterrollenerwartungen – kontaktintensivere und
emotional engere Beziehungen als Männer. Im Zuge eines allgemeinen Aufweichens von
Geschlechterrollen wäre es jedoch möglich, dass sich in jüngeren Kohorten beispielsweise Väter
in den Beziehungen zu ihren Kindern weniger stark von den Müttern unterscheiden als noch vor
224

zwei Jahrzehnten. Im Bereich der Beziehungsstrukturen und -gestaltung sind weiterhin
Unterschiede zwischen Bildungsgruppen anzunehmen. Höher Gebildeten wird im Vergleich zu
niedriger Gebildeten oftmals eine schwächere Orientierung auf die Familie zugeschrieben.
Allerdings verfügen höher gebildete Menschen über größere materielle und soziale Ressourcen,
um Familienbeziehungen zu gestalten oder Probleme zu überwinden. Familien von
hochgebildeten Eltern und Kindern sind zudem von einer größeren räumlichen Mobilität betroffen
– und damit von weiter gestreuten familialen Netzen als niedriger Gebildete.
Negative Beziehungsaspekte wie Ärger und Wut gegenüber Familienmitgliedern werden bislang
seltener untersucht als positive Inhalte und unterstützende Funktionen familialer Bindungen. Mit
dem Deutschen Alterssurvey (DEAS) ist die Analyse dieser Aspekte erstmals 2014 für die zweite
Lebenshälfte möglich. Konflikte mit den Kindern sind möglicherweise in bestimmten
Familienphasen virulenter als in anderen. Zudem ist aufgrund der Unterschiede bei der
Beziehungsgestaltung zwischen Müttern und Vätern ein unterschiedliches Ausmaß an Wut und
Ärger gegenüber den Kindern zu erwarten – wenngleich noch unklar ist, wer von Konflikten
häufiger berichtet. So haben Mütter in der Regel häufiger und engeren Kontakt zu den Kindern.
Dies kann einerseits ein größeres Verständnis bedingen, anderseits mag es aber auch mehr
Gelegenheiten für Konflikte mit sich bringen.
Im vorliegenden Kapitel werden die folgenden Fragen untersucht:
1. Wie wandeln sich die Strukturen von familialen Generationenbeziehungen?
2. Wächst die Wohnentfernung zwischen Eltern und erwachsenen Kindern weiter an?
3. Bleiben Kontakthäufigkeit und emotionale Nähe zwischen Eltern und erwachsenen
Kindern stabil hoch?
4. Wie häufig sind Gefühle von Ärger und Wut in den Beziehungen zu erwachsenen
Kindern?

14.2 Datengrundlage
Daten. Für die Analyse der Generationenstrukturen wurde die gesamte Stichprobe genutzt – das
heißt alle Befragten im Alter von 40 bis 85 Jahren. Analysen zur konkreten Beziehungsgestaltung
beschränken sich auf Personen, die über die jeweils interessierenden Beziehungen auch
tatsächlich verfügen. Für alle untersuchten Indikatoren liegen Informationen durchgängig seit
1996 vor. Einzige Ausnahme bildet die Häufigkeit des Empfindens von Wut und Ärger gegenüber
den Kindern – diese Frage wurde 2014 zum ersten Mal gestellt. Für die Analyse der
Beziehungsgestaltung (Wohnentfernung, Kontakthäufigkeit, Beziehungsenge, Wut und Ärger)
wurden jeweils alle erwachsenen, mindestens 18-jährigen Kinder außerhalb des Haushalts der
befragten Person betrachtet. Diese Einschränkung erfolgt, da beispielsweise Kontakte innerhalb
eines Haushalts in der Regel häufig sind und zudem anderen Mustern folgen als Kontakte über
die Haushaltsgrenze hinaus.
Generationenstrukturen. Bei der Analyse der Existenz von lebenden Vertreterinnen und
Vertretern verschiedener familialer Generationen (beziehungsweise bei Kinderlosigkeit) wurde
auf eine Unterscheidung zwischen leiblichen und nichtleiblichen Verwandten verzichtet. In
diesem Kontext ist es bedeutsamer, die Existenz und damit die aktuelle Voraussetzung für eine
Beziehungsgestaltung abzubilden – unabhängig vom Zustandekommen der Beziehung.
225

Wohnentfernung. Die Wohnentfernung bezieht sich auf mittlere Angaben zu allen mindestens
18-jährigen Kindern außerhalb des elterlichen Haushalts. Zusätzlich verwendet wurde eine
Variable, die die Wohnentfernung zum jeweils nächstwohnenden, mindestens 18-jährigen Kind
außerhalb des elterlichen Haushalts anzeigt. Die fünf Antwortvorgaben für beide Angaben
wurden zur besseren Veranschaulichung wie folgt zusammengefasst:
Wohnentfernung: 1 = ‚in der Nachbarschaft / im gleichen Ort; 2 = ‚anderer Ort, aber innerhalb von
zwei Stunden erreichbar‘; 3 = ‚weiter weg‘ (‚weiter entfernt in Deutschland‘ / ‚weiter entfernt im
Ausland‘).
Kontakthäufigkeit. Bei der Erfassung der Kontakthäufigkeit wurde nicht zwischen persönlichen
Kontakten und beispielweise Telefonaten unterschieden. Die Angaben zur Kontakthäufigkeit
beziehen sich auf mittlere Angaben zu allen mindestens 18-jährigen Kindern außerhalb des
elterlichen Haushalts. Die Antwortvorgaben wurden wie folgt zusammengefasst: 1 = ‚seltener‘
(‚nie‘ / ‚seltener‘ / ‚mehrmals im Jahr‘); 2 = ‚mindestens monatlich‘ (‚ein- bis dreimal im Monat‘);
3 = ‚mindestens wöchentlich‘ (‚mehrmals pro Woche‘ / ‚täglich‘).
Beziehungsenge. Erfragt wird hier die Enge der Verbundenheit. Die Beziehungsenge bezieht sich
auf mittlere Angaben zu allen mindestens 18-jährigen Kindern außerhalb des elterlichen
Haushalts. Die Antwortvorgaben wurden wie folgt zusammengefasst: 1 = ‚eng‘ (‚sehr eng‘ / ‚eng‘);
2 = ‚mittel‘; 3 = ‚nicht eng‘ (‚weniger eng‘ / ‚überhaupt nicht eng‘).
Wut und Ärger. Die Häufigkeit von Wut und Ärger bezieht sich auf mittlere Angaben zu allen
mindestens 18-jährigen Kindern außerhalb des elterlichen Haushalts. Die Antwortvorgaben
wurden wie folgt zusammengefasst:1 = ‚eher selten‘ (‚nie‘ / ‚selten‘); 2 = ‚manchmal‘; 3 = ‚eher
häufig‘ (‚häufig‘ / ‚immer‘).
Gruppierungsvariablen. Zur Prüfung von Altersunterschieden wurden – analog zur Schichtung
der Stichprobe – drei Altersgruppen verwendet: 40 bis 54 Jahre, 55 bis 69 Jahre und 70 bis 85
Jahre. Alters- beziehungsweise Kohortenunterschiede im Wandel wurden anhand von SechsJahres-Altersgruppen untersucht, um Überschneidungen zwischen Erhebungszeitpunkten und
Altersgruppen zu vermeiden (42 bis 47 Jahre, 48 bis 53 Jahre, 54 bis 59 Jahre, 60 bis 65 Jahre,
66 bis 71 Jahre, 72 bis 77 Jahre, 78 bis 83 Jahre). Weiterhin wurden Unterschiede nach
Geschlecht und Landesteil (Ost- / Westdeutschland) geprüft. Zur Untersuchung von
Bildungsunterschieden wurden – basierend auf einer reduzierten ISCED-Klassifizierung – drei
Bildungsgruppen unterschieden: Personen mit niedriger, mittlerer und hoher Bildung (vgl. Kapitel
2).
Analyse. In den Abbildungen und im Text sind gewichtete prozentuale Verteilungen angegeben.
Zur Testung von signifikanten Gruppenunterschieden wurden binäre und ordinale logistische
sowie lineare Regressionen gerechnet. Hierbei wurde für die Stratifizierungsvariablen
Altersgruppe, Geschlecht und Region (Ost- / Westdeutschland) kontrolliert. Das genaue
Vorgehen ist in Kapitel 2 beschrieben.

14.3 Wandel der Strukturen von familialen Generationenbeziehungen
Im Folgenden werden die Ergebnisse zu den Fragen präsentiert. Zunächst geht es um
strukturelle Aspekte von Generationenbeziehungen wie das Vorhandensein bestimmter
Familienmitglieder (zum Beispiel Eltern oder Kinder) und die Wohnentfernung zwischen Eltern
und ihren erwachsenen Kindern. Dann werden spezifische Aspekte der Beziehungsgestaltung
226

wie Kontakthäufigkeit, Beziehungsenge sowie das Empfinden von Wut und Ärger näher
betrachtet.
Der DEAS hat bereits für die Jahre 1996 bis 2008 gezeigt, dass die intergenerationalen
Strukturen im Wandel begriffen sind (Mahne & Motel-Klingebiel 2010). Veränderungen bei der
Existenz lebender Familienmitglieder werden hier über den Gesamtzeitraum von 1996 bis 2014
beschrieben, denn der soziale Wandel zeigt sich oftmals erst über eine längere Zeitspanne
deutlich.
Personen im mittleren Alter haben 2014 seltener Kinder, aber häufiger noch lebende Eltern
als 1996.
Für die Existenz familialer Generationenbeziehungen, die aus Sicht der Befragten älter sind –
also beispielsweise die eigenen Eltern – sind in allen Altersgruppen zwischen 42 und 71 Jahren
über den gesamten Zeitraum von 1996 bis 2014 die Anteile gewachsen (Abbildung 14-1a). Über
90 Prozent der 42- bis 47-Jährigen haben im Jahr 2014 noch lebende Eltern (91,1 Prozent), im
Jahr 1996 sind es noch zehn Prozent weniger gewesen (81,2 Prozent). In der Altersgruppe der
60- bis 65-Jährigen ist es im Jahr 2014 ein Drittel (33,3 Prozent), 18 Jahre früher nur ein Fünftel
(20,0 Prozent). Für die 66- bis 71-Jährigen hat sich der Anteil derjenigen mit mindestens einem
lebenden Elternteil seit 1996 von 6,1 Prozent auf 12,4 Prozent im Jahr 2014 sogar verdoppelt.
Eine ähnliche Entwicklung zeigt sich für das Vorhandensein mindestens eines lebenden
Großelternteils (ohne Abbildung) – aber naturgemäß nur für die jüngsten Altersgruppen. Für die
42- bis 47-Jährigen hat sich der Anteil mit Großeltern seit 1996 etwa verdoppelt: Im Jahr 2014 hat
etwa jede zehnte Person (10,4 Prozent) in dieser Altersgruppe lebende Großeltern, im Jahr 1996
waren es noch 5,3 Prozent.
Betrachtet man nun aus der Sicht der Befragten die nachfolgenden Generationen in der Familie –
also Kinder, Enkel und Urenkel – zeigen sich folgende Veränderungen: Für die 42- bis 53Jährigen sind im Vergleich von 2014 zu 1996 kleinere Anteile von Personen mit Kindern zu
beobachten. Bei den beiden nächstälteren Gruppen (54 bis 65 Jahre) zeigen sich erst ab 2002
geringere Anteile von Eltern (Abbildung 14-1b). Für die 66- bis 77-Jährigen hingegen sind im
sozialen Wandel höhere Anteile von Personen mit Kindern zu beobachten. In der ältesten hier
betrachteten Altersgruppe (78 bis 83 Jahre) zeigen sich keine Veränderungen über die Zeit.
Die dargestellten Anteile von Personen mit Kindern geben gleichzeitig Aufschluss über die
Entwicklung von Kinderlosigkeit. Für die kohortenspezifische Entwicklung des Anteils von
Personen mit beziehungsweise ohne Kinder über die Zeit sind unterschiedliche Faktoren
verantwortlich. Insbesondere in der jüngsten Altersgruppe (42 bis 47 Jahre), die sich (noch) in der
Familiengründungsphase befindet, sind Entscheidungs- und Opportunitätskonflikte in Bezug auf
die Vereinbarkeit von Familie und Beruf virulent. Offenbar führen diese immer häufiger zu einer –
mehr oder weniger bewussten – Entscheidung gegen Kinder. Allerdings kann für die jüngste
Altersgruppe noch nicht mit Sicherheit angenommen werden, dass endgültig keine Geburten
mehr erfolgen und alle diese Menschen dauerhaft kinderlos bleiben. Möglicherweise fällt der
tatsächliche Anteil Kinderloser in diesen Geburtskohorten geringer aus, weil sich hier auch ein
Aufschieben von Geburten in spätere Lebensphasen zeigt.

227

Abbildung 14-1:	

Existenz lebender Eltern, Kinder und Enkelkinder, nach Alter, in den
Jahren 1996, 2002, 2008 und 2014 (in Prozent)

a) Eltern
1996

2002

2008

2014

100

Prozent

80
60
40

81,2

87,9 87,3 91,1
64,2

71,9

77,9 80,6

38,9 42,8

20

54,6

61,4

20,0 24,4

28,3

33,3

0
42-47
Jahre

48-53
Jahre

54-59
Jahre

60-65
Jahre

12,4
6,1 6,1 9,0

1,6 1,0 0,9 2,4

66-71
Jahre

72-77
Jahre

0,3 0,5

78-83
Jahre

b) Kinder
1996

2002

2008

2014
	

100
	

Prozent

80
60
40

87,2

79,2

80,9 79,6

88,1 84,3 82,1 80,8

87,3 89,1 83,8

85,5

88,1 91,3 86,1

86,5

85,1 88,2

91,2 90,9

84,0 87,0

88,1 89,0

84,8 87,3

88,3 89,8

20
0
42-47
Jahre

48-53
Jahre

54-59
Jahre

60-65
Jahre

66-71
Jahre

72-77
Jahre

72,9 74,8 74,3 70,4

75,2 77,6 76,9 75,6

66-71
Jahre

72-77
Jahre

78-83
Jahre

c) Enkelkinder
1996

2014
	

2008

2002

100
	

Prozent

80
60
40
66,0 65,0
49,0

20
24,0

0

5,7 6,1 5,7 4,0

42-47
Jahre

17,7 17,4

48-53
Jahre

40,2

32,0

75,2 76,6 78,3

80,0

55,1 56,4

36,9

12,9

54-59
Jahre

60-65
Jahre

78-83
Jahre

Quelle: DEAS 1996 (n = 4.339 für Eltern; n = 4.807 für Kinder; n = 4.806 für Enkelkinder), 2002 (n = 2.691 für Eltern; n= 3.074
für Kinder; n = 3.011 für Enkelkinder), 2008 (n = 5.382 für Eltern; n = 6.185 für Kinder; n = 6.154 für Enkelkinder), 2014
(n = 5.172 für Eltern; n = 5.982 für Kinder; n = 5.954 für Enkelkinder), gewichtet, gerundete Angaben; (p < ,05).
a) Signifikante Unterschiede zwischen 1996 und 2014 für alle Altersgruppen außer für die über 72-Jährigen. b) Signifikante
Unterschiede zwischen 1996 und 2014 für alle Altersgruppen außer für die 54- bis 59- sowie 60- bis 65-Jährigen. c) Signifikante
Unterschiede zwischen 1996 und 2014 nur für die Altersgruppen 48 bis 53, 54 bis 69, sowie 60 bis 65 Jahre.

228

Allerdings ist anzunehmen, dass in den Altersgruppen zwischen 48 und 65 Jahren die
Familiengründung zum größten Teil bereits abgeschlossen ist und nur ein sehr geringer Anteil zu
einem späteren Zeitpunkt noch den Übergang zur Elternschaft erlebt. Insofern lassen die
Ergebnisse darauf schließen, dass nachfolgende Kohorten zu einem größeren Anteil dauerhaft
kinderlos bleiben werden. Für das Abfallen der Kinderlosigkeitsraten unter den Ältesten sind vor
allem historische Bedingungen in der Familiengründungsphase verantwortlich. Die 72- bis
83-Jährigen des Befragungsjahres 1996 waren zur Zeit des Zweiten Weltkrieges etwa 16 bis
32 Jahre alt – also mitten in der Lebensphase, in der Partnerschaften entstehen und Familien
gegründet werden. Kriegsbedingt standen aber viele junge Männer entweder nicht zur Verfügung
oder kehrten aus dem Krieg nicht zurück. Die im Jahr 2014 72- bis 83-Jährigen hingegen sind die
Generation der Eltern der ‚Babyboomer‘ – und seltener kinderlos geblieben.
Während sich der Anteil derjenigen mit Enkeln in der Altersgruppe der 42- bis 47-Jährigen im
Zeitraum 1996 bis 2014 nicht verändert hat, haben die 48- bis 65-Jährigen im Jahr 2014 zu
einem geringeren Anteil Enkel als noch 1996 (Abbildung 14-1c). Beispielweise sind im Jahr 1996
noch etwa die Hälfte aller Personen im Alter von 54 bis 59 Jahren bereits Großeltern gewesen
(49,0 Prozent), 18 Jahre später sind dies über zehn Prozent weniger (2014: 36,9 Prozent). Bei
den über 66-Jährigen hat sich im selben Zeitraum keine Veränderung in den Anteilen derjenigen
mit Enkeln gezeigt. Das Erleben der eigenen Urenkel hat sich ebenfalls zwischen 1996 und 2014
nicht verändert. Beispielhaft seien hier daher die Anteile für das Jahr 2014 genannt (ohne
Abbildung): Gut jede und jeder zehnte 66- bis 71-Jährige hat Urenkel (11,0 Prozent), unter den
72- bis 77-Jährigen sind es etwa ein Viertel (23,6 Prozent) und bei den 78- bis 83-Jährigen schon
ein gutes Drittel (34,9 Prozent).
Hohe Bildung geht für Frauen eher mit Kinderlosigkeit einher, bei Männern ist es
umgekehrt.
Insbesondere für Deutschland wird ein starker Zusammenhang zwischen dem erreichten
Bildungsniveau und dauerhafter Kinderlosigkeit berichtet. Dieser Bildungsunterschied sollte in
den mittleren Lebensjahren besonders deutlich sichtbar sein – nämlich dann, wenn auch unter
den Hochgebildeten, die später Kinder bekommen, ein zukünftiger Übergang zur Elternschaft
quasi ausgeschlossen werden kann. Hier wird exemplarisch das Jahr 2014 betrachtet und zudem
jeweils Männer mit Frauen im Alter von 42 bis 65 Jahren verglichen (Abbildung 14-2). Für
Personen bis 65 Jahre wurden eher abnehmende Anteile von Eltern beobachtet (vgl.
Abschnitt 14.3).
Kinderlosigkeit und Bildung hängen in der Altersgruppe der 42- bis 65-Jährigen zusammen. Der
Zusammenhang ist für Männer und Frauen allerdings gegensätzlich: Während höhere Bildung für
Frauen das Risiko, kinderlos zu bleiben, erhöht, bleiben höher gebildete Männer seltener
kinderlos. Dieser Befund entspricht Ergebnissen aus anderen Studien (Krätschmer-Hahn 2012;
Dorbritz & Schneider 2013). Eine Erklärung für diesen gegensätzlichen BiIdungszusammenhang
lautet wie folgt: Insbesondere hochgebildete Frauen finden selten mindestens gleich gut
ausgebildete Männer oder bleiben aufgrund der hohen Schwierigkeiten bei der Vereinbarkeit von
Familie und Beruf kinderlos. Anders wirkt eine hohe Bildung für Männer: Unter der
Voraussetzung von Bildungsheterogamie in der Partnerwahl (das heißt hochgebildete Männer
suchen eher weniger gebildete Frauen und umgekehrt) sind hochgebildete Männer auf dem
Partnermarkt besonders begehrt beziehungsweise erfolgreich.

229

Abbildung 14-2:

Anteile Kinderloser (Alter 42-65 Jahre), nach Geschlecht und Bildung,
im Jahr 2014 (in Prozent)
Frauen

Männer
100

Prozent

80
60
40
20
21,5

0

8,6

Niedrige
Bildung

18,3

12,9

Mittlere
Bildung

17,4

13,7

Hohe
Bildung

Quelle: DEAS 2014 (n = 3.372), gewichtet, gerundete Angaben; (p < ,05). 

Die Interaktion zwischen Bildung und Geschlecht ist signifikant. Signifikante Bildungsgruppenunterschiede für Männer und 

Frauen in gegenläufige Richtungen. Nicht signifikant ist der Geschlechterunterschied nur bei niedriger Bildung.
	

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sich Veränderungen der familialen
Generationenstrukturen einerseits in der verlängerten gemeinsamen Lebensspanne mit den
Eltern oder Großeltern zeigen. Dies ist vor allem Ausdruck der gestiegenen Lebenserwartung.
Die Folgen späterer Geburten oder des Ausbleibens von Elternschaft – beides für Deutschland
typische Entwicklungen – zeigen sich andererseits vor allem darin, dass im Jahr 2014 weniger
Personen im mittleren Alter Eltern oder Großeltern sind. Für Menschen zu Beginn der zweiten
Lebenshälfte ist es im Jahr 2014 wahrscheinlicher, noch lebende Vorfahren zu haben als eigene
Nachkommen.

14.4 Wandel der Wohnentfernung zwischen Eltern und erwachsenen Kindern
Neben dem Vorhandensein verschiedener Generationen gehört die Wohnentfernung zwischen
Familienmitgliedern zu den strukturellen Aspekten von Generationenbeziehungen. Wie weit
Eltern und Kinder voneinander entfernt wohnen, ist vor allem für die Gelegenheiten persönlicher
Kontakte oder gegenseitige praktische Unterstützung im Alltag entscheidend (Hank 2015).
Die Wohnentfernung zwischen Eltern und ihren erwachsenen Kindern vergrößert sich im
sozialen Wandel stetig.
Die Entwicklung einer sich vergrößernden Wohnentfernung zwischen Eltern und ihren
erwachsenen Kindern außerhalb des eigenen Haushalts zeigt sich auch im Jahr 2014
(Abbildung 14-3). Während die erwachsenen Kinder im Jahr 1996 noch für 38,4 Prozent der
Eltern im Mittel in der Nachbarschaft oder im gleichen Ort lebten, trifft dies im Jahr 2014 nur noch
auf etwa ein Viertel (25,8 Prozent) zu. Für über die Hälfte der Eltern (51,1 Prozent) wohnen die
erwachsenen Kinder im Jahr 2014 im Mittel in einem anderen Ort, aber in einem Radius von bis
zu zwei Stunden Wegezeit und für ein knappes Viertel (23,1 Prozent) noch weiter entfernt.
230

Abbildung 14-3:	

Wohnentfernung zu den erwachsenen Kindern außerhalb des
elterlichen Haushalts (gemittelt), in den Jahren 1996, 2002, 2008 und
2014 (in Prozent)

100
	
17,0

19,3

22,8

23,1

48,6

51,1

28,6

25,8

2008

2014

Prozent

80
	
60
	

44,6

46,1

Weiter weg
Anderer Ort, max. 2h entfernt
Nachbarschaft, gleicher Ort

40
	
20
	

38,4

34,7

0
	
1996

2002

Quelle: DEAS 1996 (n = 3.082), 2002 (n = 2.017), 2008 (n = 4.241), 2014 (n = 4.209), gewichtet, gerundete Angaben; (p < ,05).
Die Kategorien ‚Nachbarschaft, gleicher Ort‘ und ‚weiter weg‘ unterscheiden sich zwischen allen Erhebungszeitpunkten
signifikant voneinander. Die Kategorie ‚Anderer Ort, max. 2h entfernt‘ unterscheidet sich nur zwischen 1996 und 2008 bzw.
2014 statistisch signifikant, nicht jedoch zwischen 1996 und 2002 bzw. 2002 und 2008.

Neben der Betrachtung der durchschnittlichen Wohnentfernung zu allen erwachsenen Kindern ist
die Frage von Bedeutung, wie weit das jeweils nächstwohnende Kind entfernt lebt. Gerade in
akuten Bedarfssituationen oder Notfällen kann es entscheidend sein, wie schnell eines der Kinder
vor Ort sein kann. Für die Wohnentfernung zum nächstwohnenden Kind zeigt sich über die Zeit
zwischen 1996 und 2014 eine ganz ähnliche Entwicklung (vgl. Tabelle A 14-3 im Anhang):
Während das nächstwohnende Kind außerhalb des eigenen Haushalts im Jahr 1996 noch für
deutlich mehr als die Hälfte der Eltern (55,0 Prozent) in der Nachbarschaft oder im selben Ort
gewohnt hat, trifft dies im Jahr 2014 nur noch auf 41,5 Prozent zu. Etwa ein Drittel der Eltern
(33,9 Prozent) hat im Jahr 1996 das nächste Kind im Umkreis von maximal zwei Stunden
Wegezeit – also eine Distanz, die bei Bedarf relativ schnell überwunden werden kann, für
regelmäßige persönliche Kontakte aber schon ein Hindernis darstellen kann. Im Jahr 2014
beträgt dieser Anteil schon 44,8 Prozent. Es sind im Jahr 2014 also mehr Eltern von weiteren und
potenziell problematischen Wohnentfernungen zu ihren Kindern betroffen.
Die Wohnentfernung wächst für jüngere Eltern stärker als für ältere.
Insbesondere in späteren Lebensphasen, wenn zum Beispiel körperliche Einschränkungen
zunehmen oder die Partnerin beziehungsweise der Partner verstirbt, ist räumliche Nähe zu den
Kindern von Vorteil.

231

Wohnentfernung zu den erwachsenen Kindern außerhalb des
elterlichen Haushalts (gemittelt), nach Alter, in den Jahren 1996, 2002,
2008 und 2014 (in Prozent)

15,8

17,9

21,6

18,9
48,9
32,3

2014

49,3
34,9

2008

42,2
39,9

2002

40,3
38,1

1996

22,8
27,9

2014

49,3

17,7

21,2
31,1

47,7

20,3

2008

47,4
34,9

2002

44,8
34,9

1996

23,3
51,7
25,0

2014

16,4

21,8
49,4

46,4
37,2

2002

28,8

37,3

1996

2008

16,7
46,0

24,7

23,8
50,7

2014

50,5

25,5

24,8

2008

20,0

15,8
46,4
37,9

46,9

2014

51,5

27,2

23,9

2008

2002

47,5

24,6

26,0

17,5

16,1
43,8
40,1

38,0

1996

2014

52,4
24,8

2008

47,6

29,3

28,3

2002

45,6

44,5

22,8

24,1

25,1

16,9
42,3
40,8

53,7

48,3
26,0

21,3

2008

42,8

30,3

40
20

25,0

46,5
49,0

60

2002

Prozent

80

25,7

10,7

21,0

100

Weiter weg

Anderer Ort, max. 2h entfernt

Nachbarschaft, gleicher Ort

32,5

Abbildung 14-4:	

42-47
Jahre

48-53
Jahre

54-59
Jahre

2002

1996

1996

2014

1996

0

60-65
Jahre

66-71
Jahre

72-77
Jahre

78-83
Jahre

Quelle: DEAS 1996 (n = 2.999), 2002 (n = 1.979), 2008 (n = 4.141), 2014 (n = 4.107), gewichtet, gerundete Angaben; (p < ,05).
Signifikante Unterschiede zwischen 1996 und 2014 auf allen Kategorien der Wohnentfernung für die unter 72-Jährigen. Für die
Altersgruppe 72 bis 77 Jahre besteht zwischen 1996 und 2014 eine signifikante Veränderung nur für die Kategorie
‚Nachbarschaft, gleicher Ort‘. Für die Altersgruppe 78 bis 83 Jahre zeigen sich keinerlei signifikante Veränderungen.

Angesichts der allgemeinen Entwicklung hin zu größeren Wohnentfernungen zwischen Eltern und
erwachsenen Kindern ist es daher wichtig zu wissen, ob dieser Wandel für alle Eltern
gleichermaßen gilt oder ob bestimmte Altersgruppen besonders betroffen sind.
Im Vergleich der verschiedenen Geburtskohorten über die Zeit (Abbildung 14-4) zeigt sich, dass
die Entwicklung der mittleren Wohnentfernung altersgruppenspezifisch ist: Von der allgemeinen
Vergrößerung der Wohnentfernung über die Zeit sind die jüngeren Eltern stärker betroffen.
Beispielweise hat sich der Anteil der Eltern im Alter von 42 bis 47 Jahren, für die die Kinder im
Mittel mindestens im selben Ort wohnen, im Zeitraum zwischen 1996 und 2014 halbiert (1996:
42,6 Prozent; 2014: 21,3 Prozent). In der Altersgruppe 66 bis 71 Jahre fällt diese Veränderung
schon deutlich geringer aus (Nachbarschaft, gleicher Ort 1996: 37,3 Prozent; 2014: 25,0 Prozent)
und unter den hier betrachteten ältesten Eltern (78 bis 83 Jahre) zeigt sich keinerlei Veränderung
der mittleren Wohnentfernung zu den Kindern. Anders ausgedrückt: Während sich die mittlere
Wohnentfernung zu den erwachsenen Kindern im Jahr 1996 noch für alle Altersgruppen sehr
ähnlich dargestellt hat, zeigen sich im Jahr 2014 deutliche Unterschiede. Auch bei der
Betrachtung des nächstwohnenden erwachsenen Kindes außerhalb des Haushalts zeigt sich
eine weniger deutliche Vergrößerung der Wohnentfernungen bei den älteren Eltern: Für die
jüngeren Eltern (42 bis 47 Jahre) verringert sich der Anteil derjenigen mit dem nächsten Kind im
selben Ort im Zeitraum von 1996 bis 2014 um etwa 20 Prozentpunkte, bei den 78- bis 83-jährigen
Eltern beträgt die Verringerung nur acht Prozentpunkte (ohne Abbildung).
Insofern sind glücklicherweise gerade diejenigen Eltern, die vermutlich in einem höheren Maße
Bedarf an Unterstützung im Alltag haben, von der allgemeinen Entwicklung der größer
werdenden Wohnentfernungen weniger betroffen. Allerdings steht zu befürchten, dass sich diese
Lage verändern wird, wenn nachfolgende Geburtskohorten das hohe Erwachsenenalter
erreichen.
232

Insbesondere hochgebildete Eltern haben weiter entfernt wohnende erwachsene Kinder.
Ein wichtiger Einflussfaktor auf die Wohnentfernung ist zu jedem Zeitpunkt zwischen 1996 und
2014 die Bildung. Exemplarisch für 2014 zeigt sich, dass mit höherer Bildung des Elternteils auch
eine größere mittlere Wohnentfernung zu den erwachsenen Kindern einhergeht (Abbildung 14-5).
Die mittlere Wohnentfernung liegt für ein gutes Drittel der Eltern mit niedriger Bildung (35,6
Prozent) in der Nachbarschaft oder im gleichen Ort – unter hochgebildeten Eltern ist dies nur für
etwa ein Fünftel der Fall (19,9 Prozent).

Abbildung 14-5:

Wohnentfernung zu den erwachsenen Kindern außerhalb des
elterlichen Haushalts (gemittelt), nach Bildung, im Jahr 2014 (in
Prozent)

100
14,2

20,3

Prozent

80
60

50,2

Weiter weg
Anderer Ort, max. 2h entfernt
Nachbarschaft, gleicher Ort

51,8
50,5

40
20

29,7

35,6

27,9

19,9

0
Niedrige
Bildung

Mittlere
Bildung

Hohe
	
Bildung
	

Quelle: DEAS 2014 (n = 4.209), gewichtet, gerundete Angaben; (p < ,05).
	
Signifikante Bildungsgruppenunterschiede für alle Kategorien außer ‚Anderer Ort, max. 2h entfernt‘
	

Gleichzeitig ist der Anteil von Eltern mit einer mittleren Wohnentfernung von mehr als zwei
Stunden Wegezeit (‚weiter weg‘) unter Eltern mit hoher Bildung etwa doppelt so groß (29,7
Prozent) wie unter Eltern mit niedriger Bildung (14,2 Prozent). Betrachtet man wiederum die
Distanz zum nächstwohnenden Kind, so haben deutlich mehr als die Hälfte der Eltern mit
niedriger Bildung (55,6 Prozent) im Jahr 2014 das nächste Kind in der Nachbarschaft oder im
selben Ort, aber nur etwa ein Drittel der hochgebildeten Eltern (35,1 Prozent) (ohne Abbildung).
Begründet werden können diese Bildungseffekte mit der größeren Mobilität unter höher
Gebildeten. Die Kinder ziehen zum Studium oder für eine Berufstätigkeit häufiger weiter weg.
Höher gebildete Eltern sind in Bezug auf die ‚Verfügbarkeit‘ nah wohnender Kinder also im
Nachteil. Sie sind aber auch diejenigen, die Hilfe im Alltag, die von den Kindern aufgrund der
größeren Entfernung möglicherweise nicht geleistet werden kann, besser kompensieren können
(zum Beispiel durch den Einkauf von Hilfen) beziehungsweise sie aufgrund ihrer besseren
gesundheitlichen Situation (vgl. Kapitel 8) gar nicht erst so stark benötigen wie Eltern mit
geringerer Bildung (Schöllgen, Huxhold, Schüz, & Tesch-Römer 2011).

233

14.5 Wandel der Kontakthäufigkeit und der Beziehungsenge zwischen Eltern und
erwachsenen Kindern
Die Bewertung der Familienbeziehungen im Allgemeinen ist über den gesamten Zeitraum von
1996 bis 2014 stabil hoch geblieben. Zu allen Zeitpunkten zwischen 1996 und 2014 empfinden
mehr als 77 Prozent der 40- bis 85-Jährigen ihre Familienbeziehungen insgesamt als gut oder
sehr gut. Höchstens fünf Prozent beurteilen sie als schlecht oder sehr schlecht. Dabei berichten
Ältere und Frauen durchgängig eine etwas bessere Bewertung ihrer Familienbeziehungen (ohne
Abbildung). Im Folgenden werden spezifischere Aspekte der Beziehungen zu den erwachsenen
Kindern untersucht – die Häufigkeit des Kontaktes und die Beziehungsenge.
Die Kontakthäufigkeit und die Beziehungsenge zwischen Eltern und erwachsenen Kindern
bleiben stabil hoch.
Ein ganz anderes Bild als für die Veränderung der Wohnentfernungen zeigt sich für die
Kontakthäufigkeit und die emotionale Nähe zu den erwachsenen Kindern. Beide sind über den
gesamten Zeitraum von 1996 bis 2014 stabil hoch geblieben.
Mehr als 78 Prozent der Eltern haben zu jedem Zeitpunkt zwischen 1996 und 2014 mindestens
wöchentlich Kontakt zu ihren Kindern außerhalb des Haushalts. Weniger als jeder zehnte
Elternteil hat seltener als monatlich Kontakt zu den Kindern (Abbildung 14-6a). Auch die
Beziehungsenge zu den erwachsenen Kindern ist im Zeitraum 1996 bis 2014 stabil hoch
geblieben: Mehr als 88 Prozent der Eltern berichten zu jedem Zeitpunkt eine enge oder sehr
enge Verbundenheit mit ihren Kindern außerhalb des Haushalts. Höchstens vier Prozent
berichten von nicht engen Beziehungen (Abbildung 14-6b).

234

Abbildung 14-6:	

Kontakthäufigkeit und Beziehungsenge zu den erwachsenen Kindern
außerhalb des elterlichen Haushalts (jeweils gemittelt), in den Jahren
1996, 2002, 2008 und 2014 (in Prozent)

a) Kontakthäufigkeit
100

Prozent

80

8,4

7,6

6,9

8,7

13,2

11,8

12,2

12,4

60
40

78,4

80,6

80,9

78,9

1996

2002

2008

2014

3,1
7,6

3,5
7,7

Seltener
Mindestens
monatlich
Mindestens
wöchentlich

20
0

b) Beziehungsenge
100

2,8
7,5

2,7
7,5

Prozent		

80
60
40

89,7

89,8

89,3

88,8

1996

2002

2008

2014

Nicht eng
Mittel
Eng

20
0

Quelle: DEAS 1996 (n = 3.125 für Kontakthäufigkeit; n = 3.091 für Beziehungsenge), 2002 (n = 2.047 für Kontakthäufigkeit;
	
n = 2.030 für Beziehungsenge), 2008 (n = 4.199 für Kontakthäufigkeit und Beziehungsenge), 2014 (n = 4.166 für 

Kontakthäufigkeit; n = 4.163 für Beziehungsenge), gewichtet, gerundete Angaben, (p < ,05).
	
Es finden sich keinerlei statistisch signifikante Veränderungen der mittleren Kontakthäufigkeit oder der mittleren 

Beziehungsenge über die Zeitpunkte.
	

Es zeigen sich durchgängig zu allen Zeitpunkten zwischen 1996 und 2014
Geschlechtsunterschiede: Väter haben seltener Kontakt zu ihren Kindern als Mütter.
Beispielsweise berichten im Jahr 2014 72,8 Prozent der Väter einen mindestens wöchentlichen
Kontakt, unter den Müttern sind es 84,0 Prozent (vgl. Tabelle A 14-4 im Anhang). Entgegen der
Vermutung sich annähernder Beziehungsmuster zwischen Müttern und Vätern vergrößern sich
die Geschlechtsunterschiede im Kontakt sogar geringfügig über die Zeit. Möglicherweise gehen
Mütter und Väter mit größeren Wohnentfernungen unterschiedlich um. Vielleicht gelingt es
Müttern besser, auch über größere Distanzen hinweg regelmäßig Kontakt zu halten, als dies für
Väter der Fall ist und weichen leichter auf andere Arten des Austausches als persönliche Treffen
aus (Treas & Gubernskaya 2012). Ähnlich der Kontakthäufigkeit unterscheiden sich Mütter und
Väter auch zu jedem Zeitpunkt in der Verbundenheit zu ihren Kindern. Mütter fühlen sich enger
verbunden. Im Jahr 2014 haben 92,3 Prozent der Mütter enge oder sehr enge Beziehungen,
235

unter den Vätern sind es 84,7 Prozent (vgl. Tabelle A 14-5 im Anhang). Diese
Geschlechtsunterschiede haben sich über die Zeit nicht verändert. Unterschiede zwischen den
Altersgruppen sind sehr gering und zeigen sich auch nur für die Beziehungsenge. Im Jahr 2014
fühlen sich Eltern im Alter von 40 bis 54 Jahren mit ihren Kindern etwas weniger verbunden als
ältere Eltern: Unter den 40- bis 54-Jährigen berichten 87,4 Prozent (sehr) enge Beziehungen,
unter den Älteren sind es 89,3 beziehungsweise 89,1 Prozent (vgl. Tabelle A 14-5 im Anhang).
Es bestehen seit 2008 geringe Unterschiede zwischen den Bildungsgruppen in der Art, dass
höher gebildete Eltern einen etwas häufigeren Kontakt und etwas engere Beziehungen zu den
Kindern berichten (ohne Abbildung).

14.6 Häufigkeit der Gefühle von Ärger und Wut in den Beziehungen zu erwachsenen
Kindern
Erstmals kann der DEAS für das Jahr 2014 auch als eher negativ assoziierte Beziehungsaspekte
zwischen Eltern und Kindern darstellen. Im Folgenden geht es darum, wie häufig Eltern und
Kinder Wut und Ärger füreinander empfinden.
Gefühle wie Wut und Ärger sind in den Beziehungen zwischen Eltern und ihren
erwachsenen Kindern selten.
Auf die Frage, wie häufig Eltern und Kinder wütend oder ärgerlich aufeinander sind, antwortet die
Mehrheit aller Eltern (77,1 Prozent), dass dies nur selten oder gar nicht der Fall ist (Abbildung
14-7). Dieses Ergebnis passt zu den bereits berichteten Ergebnissen und belegt die insgesamt
hohe Qualität der Eltern-Kind-Beziehungen in der zweiten Lebenshälfte.

Abbildung 14-7:

Häufigkeit von Wut und Ärger in den Beziehungen zu den
erwachsenen Kindern außerhalb des elterlichen Haushalts (gemittelt),
gesamt, nach Alter und Geschlecht, im Jahr 2014 (in Prozent)

Eher häufig
100

Eher selten
3,0

4,0
20,3

80

Prozent

Manchmal

27,3

21,2

14,7

17,7

83,3

80,1

70-85
Jahre

Männer

22,5

60
40

77,1

68,7

76,3

74,6

20
0
Gesamt		

40-54
Jahre

55-69
Jahre

Frauen

Quelle: DEAS 2014 (n = 4.134), gewichtet, gerundete Angaben, (p < ,05).
	
Alle Altersgruppenunterschiede sind signifikant außer der Unterschied in der Kategorie ‚eher häufig‘ zwischen den 

Altersgruppen 55 bis 69 und 70 bis 85 Jahre. Alle Geschlechtsunterschiede sind signifikant außer der in der Kategorie ‚eher
	
häufig‘.
	

236

Aber insgesamt fast ein Viertel der Eltern gibt an, manchmal (20,3 Prozent) oder eher häufig (2,7
Prozent) Wut und Ärger gegenüber den Kindern zu empfinden. Geht man davon aus, dass Eltern
eher ungern negative Gefühle für ihre Kinder berichten – und somit Wut und Ärger vermutlich
häufiger auftreten als angegeben – deuten diese Zahlen auf ein nicht unerhebliches
Konfliktpotenzial zwischen Eltern und Kindern hin. Dabei müssen Wut und Ärger nicht
ausschließlich schlecht für diese Beziehungen sein, sondern können auch konstruktiv
Veränderungen herbeiführen.
Ältere Eltern haben seltener Gefühle von Wut und Ärger als jüngere Eltern (Abbildung 14-7).
Knapp ein Drittel der Eltern zwischen 40 und 54 Jahren gibt an, mindestens manchmal wütend
und ärgerlich auf die eigenen Kinder zu sein (manchmal: 27,3 Prozent; eher häufig: 4,0 Prozent).
Bei den ältesten Eltern (70 bis 85 Jahre) ist dieser Anteil deutlich geringer (manchmal: 14,7
Prozent; eher häufig: 2,0 Prozent). Vermutlich sind Ablösungsprozesse (Postadoleszenz)
mitverantwortlich dafür, dass es in den jüngeren Altersgruppen häufiger solche Gefühle gibt.
Außerdem zeigen ältere Menschen häufiger als jüngere die Tendenz, Konflikte zu vermeiden
(Charles 2010). Im Gegensatz zur Kontakthäufigkeit und zur emotionalen Nähe zeigen sich für
Wut und Ärger Geschlechtsunterschiede in die andere Richtung (Abbildung 14-7): Mütter haben
insgesamt häufiger Gefühle von Wut und Ärger. Zunächst scheint dieses Ergebnis etwas
paradox, da erwartet werden könnte, dass Mütter aufgrund ihrer in der Regel engeren
Beziehungen insgesamt weniger Konflikte berichten als Väter. Aber Mütter haben durch ihre
engeren und kontaktintensiveren Beziehungen möglicherweise auch mehr Gelegenheit zu
konflikthaften Begegnungen und gehen diesen zudem weniger aus dem Weg, als dies Väter
vielleicht tun (Salzburger 2014). Unterschiede zwischen Bildungsgruppen bestehen nicht (ohne
Abbildung).

14.7 Diskussion und Implikationen
Die generationalen Strukturen, in denen sich Familienbeziehungen in der zweiten Lebenshälfte
abspielen, sind im Wandel begriffen. Bedingt durch die steigende Lebenserwartung können
Menschen im Jahr 2014 bis in ihr sechstes Lebensjahrzehnt hinein zu einem beachtlichen Teil
von etwa einem Drittel noch ihre eigenen Eltern erleben. Sogar Großeltern hat zu Beginn der
zweiten Lebenshälfte noch etwa jede zehnte Person. Ein anderes Bild hingegen zeigt sich für die
nachfolgenden Familiengenerationen: Jüngere Geburtskohorten bleiben häufiger kinderlos und
auch Enkel werden seltener geboren. Die familialen Strukturen werden also einerseits nach
‚oben‘ länger, nach ‚unten‘ aber kürzer und dünner. Mit Blick auf die Zukunft bedeutet dies, dass
auf Menschen in der zweiten Lebenshälfte möglicherweise gehäuft Sorgeaufgaben für ältere
Familiengenerationen zukommen. Gleichzeitig könnten jüngere Familienmitglieder aber immer
seltener für die Übernahme von Unterstützungsleistungen zur Verfügung stehen. Dementgegen
steht im Jahr 2014 eine insgesamt sehr hohe Qualität der gelebten Beziehungen: Ältere Eltern
und ihre erwachsenen Kinder haben häufig Kontakt, sie stehen sich emotional nah und haben
eher selten Konflikte.
Im sozialen Wandel wachsen die Wohnentfernungen zwischen älteren Eltern und ihren
erwachsenen Kindern jedoch stetig. Die Strukturen von familialen Beziehungen sind also in
mehrfacher Hinsicht im Wandel begriffen. Doch wenn aus dem Wandel von Strukturen
kurzerhand Schlüsse auf die Qualität der Beziehungen zwischen älteren Eltern und ihren
erwachsenen Kindern gezogen werden, sollte dies mit Bedacht und in einer differenzierten Art
und Weise geschehen. Offensichtlich bleiben Verbundenheit und Kontakt zu den Kindern auf
237

einem hohen Niveau stabil – auch bei einer stetigen Vergrößerung der Wohnentfernungen.
Veränderte Kommunikationsformen, zum Beispiel Videotelefonie oder soziale Netzwerke, können
eine Beziehungspflege auch über große räumliche Distanzen erleichtern. Insofern ist davon
auszugehen, dass sich Veränderungen der familialen Strukturen unterschiedlich auf
verschiedene Aspekte der Ausgestaltung von Familienbeziehungen auswirken. Ob und inwiefern
sich zwischen älteren Eltern und ihren erwachsenen Kindern der Austausch von Hilfen im Alltag
verändert, die räumliche Nähe voraussetzen, wird in Kapitel 16 dieses Berichtes näher behandelt.
Das Bildungsniveau spielt eine Rolle für die Generationenbeziehungen – und das nicht nur für
das Vorhandensein familialer Generationen, sondern auch für die räumlichen Strukturen. So
lassen sich bereits bekannte Zusammenhänge zwischen Bildung und Kinderlosigkeit mit den
DEAS-Daten bestätigen. Auch die Ergebnisse zu weiteren Wohnentfernungen bei höher
Gebildeten sind konform mit der bestehenden Literatur (Hank 2007). Eltern, die über ein hohes
Bildungsniveau verfügen, haben ganz ähnlich kontaktintensive und emotional enge Beziehungen
zu ihren Kindern wie geringer gebildete Eltern. Und dies, obwohl gerade hochgebildete Eltern
häufiger in größerer räumlicher Distanz zu ihren Kindern leben. Dies ist eventuell Ausdruck von
Ressourcen, die helfen, mit strukturellen Veränderungen wie wachsenden Wohnentfernungen gut
umgehen zu können. Zusammengefasst lässt sich sagen: Während höher Gebildete zwar eher
von Kinder- und Enkellosigkeit sowie von kleineren und räumlich gestreuten Familiennetzen
betroffen sind, scheinen sie in Bezug auf die allgemeine Qualität der Generationenbeziehungen
wiederum keine Nachteile zu erfahren.
Zudem sind familiale Beziehungen oftmals von Vereinbarkeitsproblematiken zu anderen
Lebensbereichen betroffen. So kann die Sorge für ältere, gesundheitlich eingeschränkte Eltern
oder die Betreuung von (Enkel-)Kindern mit Anforderungen aus dem beruflichen Alltag in Konflikt
geraten (vgl. Kapitel 12 und 15). Angesichts des Wandels von generationalen und räumlichen
Strukturen wird es für die Aufrechterhaltung von Lebensqualität im Alter auch von Bedeutung
sein, dass familiale Unterstützungsleistungen möglichst flexibel mit einer Erwerbstätigkeit
vereinbar sind. Das Gesetz zur besseren Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf greift diese
Lebenssituationen auf. Zum anderen wird es wichtig sein, dass ältere Menschen – insbesondere
im Falle von Kinderlosigkeit – verlässliche Unterstützungsstrukturen auch jenseits von
Verwandtschaft etablieren können (vgl. Kapitel 17).

Literatur
Bertram, H. (2000). Die verborgenen familiären Beziehungen in Deutschland: Die multilokale
Mehrgenerationenfamilie. In: M. Kohli & M. Szydlik (Hrsg.) Generationen in Familie und
Gesellschaft (S. 97-121). Opladen: Leske+Budrich.
Charles, S. T. (2010). Strength and vulnerability integration: A model of emotional well-being
across adulthood. Psychological Bulletin, 136(6), 1068-1091. doi: 10.1037/a0021232.
Dorbritz, J., & Schneider, N. F. (2013). Familiendemografische Trends in Deutschland –
Herausforderungen für zukünftiges politisches Handeln In: M. Hüther & G. Naegele
(Hrsg.) Demografiepolitik (S. 142-163). Wiesbaden: Springer VS.
Hank, K. (2015). Intergenerationale Beziehungen. In: P. B. Hill & J. Kopp (Hrsg.) Handbuch
Familiensoziologie (S. 463-486): Springer Fachmedien Wiesbaden.
Hank, K. (2007). Proximity and contacts between older parents and their children: A European
comparison. Journal of Marriage and Family, 69, 157-173.

238

Huxhold, O., Mahne, K., & Naumann, D. (2010). Soziale Integration. In: A. Motel-Klingebiel, S.
Wurm & C. Tesch-Römer (Hrsg.) Altern im Wandel. Befunde des Deutschen
Alterssurveys (S. 215-233). Stuttgart: Kohlhammer.
Krätschmer-Hahn, R. (Hrsg.). (2012). Kinderlosigkeit in Deutschland. Zum Verhältnis von Fertilität
und Sozialstruktur. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.
Mahne, K., & Motel-Klingebiel, A. (2010). Familiale Generationenbeziehungen. In: A. MotelKlingebiel, S. Wurm & C. Tesch-Römer (Hrsg.) Altern im Wandel. Befunde des
Deutschen Alterssurveys (DEAS) (S. 188-214). Stuttgart: Kohlhammer
Peuckert, R. (2012). Familienformen im sozialen Wandel (8., vollst. überarb. Aufl. Aufl.).
Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.
Rosenmayr, L., & Köckeis, E. (1963). Propositions for a Sociological Theory of Ageing and the
Family. International Social Science Journal, XV, 410-426.
Rossi, P. H., & Rossi, A. S. (1990). Of human bonding: Parent-child relations across the life
course. New York: Aldine de Gruyter.
Salzburger, V. (2014). Die Geburt des ersten Enkelkindes: Zur Adaption von
Generationenbeziehungen. Wiesbaden: Springer VS.
Schöllgen, I., Huxhold, O., Schüz, B., & Tesch-Römer, C. (2011). Resources for health:
Differential effects of optimistic self-beliefs and social support according to socioeconomic
status. Health Psychology, 30(3), 326-335. doi: 10.1037/a0022514.
Treas, J., & Gubernskaya, Z. (2012). Farewell to moms? Maternal contact for seven countries in
1986 and 2001. Journal of Marriage and Family, 74(2), 297-311. doi: 10.1111/j.17413737.2012.00956.x.

239

240
	

15 Zwischen Enkelglück und
(Groß-)Elternpflicht – die Bedeutung und
Ausgestaltung von Beziehungen zwischen
Großeltern und Enkelkindern
Katharina Mahne & Daniela Klaus

Kernaussagen
Der Übergang zur Großelternschaft verschiebt sich im Lebenslauf nach hinten:
Während das Alter bei der Geburt des ersten Enkelkindes im Jahr 2008 bei
	
durchschnittlich 51,6 Jahren lag, sind werdende Großeltern 2014 fast ein Jahr älter
	
(52,5 Jahre). Väter, Personen in Westdeutschland und mit höherer Bildung werden 

später im Lebenslauf Großeltern.
	
Die Wichtigkeit der Großelternschaft ist zwischen 2008 und 2014 stabil hoch: Die
	
Einschätzung der Wichtigkeit der Großelternrolle hat sich zwischen 2008 und 2014 

nicht verändert. Die große Mehrheit aller Großeltern bezeichnet ihre Rolle im Jahr
	
2014 als wichtig (36,2 Prozent) oder sogar als sehr wichtig (55,8 Prozent). Jüngere 

Großeltern und Großmütter empfinden ihre Rolle als wichtiger als ältere Großeltern 

und Großväter.
	
Die Beziehungsenge zu den erwachsenen Enkelkindern ist zwischen 2008 und

2014 stabil hoch: Die Beziehungsenge zu den erwachsenen Enkelkindern hat sich 

zwischen 2008 und 2014 nicht verändert. Enge oder sehr enge Beziehungen zu den 

erwachsenen Enkelkindern haben im Jahr 2014 69,7 Prozent der Großeltern. Ältere 

Großeltern haben dabei etwas engere Beziehungen als jüngere Großeltern.
	
Großmütter haben engere Beziehungen als Großväter.
	
Während zwischen 1996 und 2008 immer weniger Großeltern ihre Enkelkinder

betreuten, übernehmen Großeltern im Jahr 2014 diese Aufgabe wieder deutlich

häufiger: Die Anteile von Großeltern, die Enkelkinder betreuen, sind im Zeitraum von 

1996 bis 2008 zunächst stetig und deutlich zurückgegangen (von 33,7 auf 24,7
	
Prozent). Im Jahr 2014 übernehmen wieder mehr Großeltern Betreuungsaufgaben als
	
in den Jahren davor: 30,2 Prozent der Großeltern geben an, privat ihre Enkelkinder zu 

betreuen.
	
Großeltern kombinieren 2014 häufiger Erwerbsarbeit und Betreuung von 

Enkelkindern als 1996: Der Anteil von Großeltern bis 65 Jahre, der eine Betreuung 

von Enkelkindern mit Erwerbstätigkeit kombiniert, lag im Jahr 1996 bei 15,0 Prozent,
	
im Jahr 2014 ist es schon fast ein Viertel (23,4 Prozent). Jüngere Großeltern und 

Großmütter kombinieren häufiger Erwerbsarbeit und Enkelbetreuung als ältere
	
Großeltern und Großväter.
	

241

15.1 Einleitung
Der Übergang zur Großelternschaft ist ein zentrales familiäres Ereignis in der zweiten
Lebenshälfte. Die Großelternrolle ist eine der wenigen neuen sozialen Rollen, die im späteren
Leben hinzu kommen können und sie stellt spezifische Entwicklungsaufgaben für älter werdende
Menschen bereit (Thiele & Whelan 2006). Der Übergang zur Großelternschaft wird zudem von
den meisten Eltern als selbstverständlich für den späteren Lebenslauf erwartet (Herlyn &
Lehmann 1998). Großeltern beschreiben die Beziehungen zu den Enkelkindern als eine ihrer
bedeutsamsten Beziehungsformen (Clarke & Roberts 2004) und die Großelternrolle wird über
alle gesellschaftlichen Schichten hinweg als wichtig erachtet (Mahne & Motel-Klingebiel 2012).
Die familialen Strukturen sind jedoch im Wandel begriffen (vgl. Kapitel 14): Das Alter beim
Übergang zur Großelternschaft verschiebt sich in Deutschland über die Geburtskohorten
kontinuierlich nach hinten (Leopold & Skopek 2015) und für nachfolgende Kohorten ist ein
Rückgang des Anteils der Menschen zu vermuten, die Großelternschaft erleben werden.
Angesichts der sich wandelnden Chancen auf Großelternschaft stellt sich die Frage, ob sich auch
die subjektive Wichtigkeit verändert, die dieser Altersrolle zugeschrieben wird – ob sie sich
möglicherweise anpasst. Zudem ist es von Interesse, ob die Kontakthäufigkeit und die emotionale
Verbundenheit mit erwachsenen Enkelkindern im sozialen Wandel ähnlich stabil sind wie in den
Beziehungen zu den erwachsenen Kindern (vgl. Kapitel 14). Über den individuellen Lebenslauf
hat sich für die Beziehungen zwischen Großeltern und Enkelkindern gezeigt, dass der Kontakt
mit dem Älterwerden beider Generationen zwar abnimmt, die emotionale Verbundenheit aber
stabil bleibt (Silverstein & Long 1998). Zudem fand sich in älteren Großeltern-Enkel-Dyaden
weniger Kontakt als in jüngeren (Silverstein & Marenco 2001). Ältere Enkelkinder leben häufiger
nicht mehr im Haushalt der mittleren Generation und sind so dem Brücken schlagenden
(‚bridging‘) Einfluss ihrer Eltern nicht mehr so stark ausgesetzt (Geurts, Poortman, van Tilburg, &
Dykstra 2009). Insofern sind für die folgenden Analysen Altersgruppenunterschiede eher für die
Kontakthäufigkeiten als für die Beziehungsenge zu erwarten.
Von Interesse sind auch mögliche Geschlechterunterschiede, die sich bislang für viele Aspekte
von Elternschaft und Großelternschaft immer wieder nachweisen ließen (Silverstein & Marenco
2001). Frauen haben generell engere Beziehungen zu anderen Familienmitgliedern, sei es
aufgrund von spezifisch erlernten Kompetenzen oder Geschlechterrollenerwartungen. Sie werden
häufig als die ‚kinkeeper‘ bezeichnet, deren Rollenerwartung es vorsieht, die
Familienbeziehungen aufrechtzuerhalten und zu pflegen. So berichten Großmütter beispielsweise
eine größere Wichtigkeit ihrer Rolle als Großväter dies tun (Mahne & Motel-Klingebiel 2012).
Geschlechtsunterschiede sollten aber vor allem in Beziehungen zu jungen Enkelkindern zu finden
sein, da beispielsweise Großmütter häufiger die Betreuung der Enkelkinder übernehmen als
Großväter.
Die Beziehungen zwischen Großeltern und Enkelkindern werden in der Öffentlichkeit und den
Medien meist als harmonisch und unproblematisch dargestellt. Ob aber in diesen Beziehungen
auch negative Gefühle wie Ärger und Wut vorkommen, kann nun erstmals mit den Daten des
Deutschen Alterssurveys (DEAS) untersucht werden. Über Ausmaß und Verteilung von Wut und
Ärger in den Beziehungen zwischen Großeltern und Enkelkindern kann bislang nur spekuliert
werden. Insgesamt sollten diese Gefühle sehr selten auftreten. In Beziehungen, die stärker von
gegenseitiger Verantwortungsübernahme und rechtlichen Verbindlichkeiten geprägt sind – wie
die zwischen älteren Eltern und erwachsenen Kindern – ist es wahrscheinlicher, dass auch
negativ konnotierte Gefühle auftreten als in Beziehungen, die stärker von Freiwilligkeit
242

gekennzeichnet sind – wie die zwischen Großeltern und erwachsenen Enkelkindern.
Möglicherweise haben Großmütter – entsprechend ihrer engeren Beziehungen – weniger Ärger
mit den Enkelinnen und Enkeln. Oder sie haben gerade deswegen mehr Gelegenheit als
Großväter, auch einmal in Streit zu geraten. Vielleicht gibt es auch in bestimmten Lebensphasen
der Enkelkinder mehr Anlass zu Auseinandersetzungen, zum Beispiel wenn es um die Wahl des
Berufes oder des Wohnortes geht. Dementsprechend könnten sich Altersgruppenunterschiede
zeigen.
Großeltern sind heute vergleichsweise jung, gesund und wohlhabend und können im Rahmen
der multigenerationalen, multilokalen Familie zu einem größeren Ausmaß familiäre Funktionen
übernehmen als die Großelterngenerationen vor ihnen. Eine Aufgabe, in die Großeltern häufig
eingebunden sind, ist die Betreuung von Enkelkindern. Im europäischen Vergleich unterscheiden
sich der Umfang und die Art und Weise, wie Großeltern sich in die Betreuung der Enkelinnen und
Enkel einbringen, beträchtlich und je nach wohlfahrtsstaatlichem Setting. Während
südeuropäische Großmütter durch ihre umfassende Hilfe ihren Töchtern oft eine Erwerbstätigkeit
überhaupt erst ermöglichen (‚mothers savers‘), fungieren beispielsweise skandinavische
Großeltern als ‚Feuerwehr‘ und springen spontan nach Bedarf ein, wenn sie gebraucht werden
(Herlofson & Hagestad 2012). In Deutschland gelten Großeltern als die wichtigste Säule der
Kinderbetreuung neben den Eltern, Kindertageseinrichtungen und Tagesmüttern (Kügler 2007).
Als ein Grund für die in Deutschland in den letzten Jahren zurückgehenden Anteile von
Großeltern, die privat ihre Enkelkinder betreuen, wurden die zwischen Eltern und Kindern
anwachsenden Wohnentfernungen, wachsende Erwerbsquoten der Großmütter und der Ausbau
der öffentlichen Kinderbetreuung vermutet (Hank & Buber 2009; Glaser, Ribé Montserrat,
Waginger, Price, Stuchbury, & Tinker 2010; Mahne & Motel-Klingebiel 2010). Ob sich dieser
Trend weiter fortsetzt, soll untersucht werden. Junge Großelternschaft fällt zudem zunehmend in
eine Lebensphase, in der die Großeltern noch erwerbstätig sind (Leopold & Skopek 2015). Es
stellt sich also auch die Frage, wie häufig Großeltern eine Betreuung der Enkelkinder mit einer
Erwerbstätigkeit kombinieren und auf welche Großeltern dies in besonderer Weise zutrifft.
Im vorliegenden Kapitel werden die folgenden Fragen untersucht:
1.		 Verschiebt sich der Übergang zur Großelternschaft in ein höheres Lebensalter?
2.		 Verändert sich im sozialen Wandel die Bedeutung der Großelternrolle?
3.		 Bleiben Kontakthäufigkeit und emotionale Nähe zwischen Großeltern und erwachsenen
Enkelkindern auf hohem Niveau stabil? Wie häufig sind Gefühle von Ärger und Wut in
den Beziehungen zu erwachsenen Enkelkindern?
4.		 Geht der Anteil von Großeltern, die ihre Enkel betreuen, weiter zurück? Wie häufig
werden die Betreuung von Enkelkindern und Erwerbsarbeit kombiniert?

15.2 Datengrundlage
Daten. Die Analyse der zukünftigen Wichtigkeit der Großelternrolle basiert auf Angaben von
Personen, die zwar mindestens ein 16-jähriges Kind haben, aber noch keine Enkelinnen oder
Enkel. Die Analysen zum Übergang zur Großelternschaft, zur konkreten Beziehungsgestaltung
beziehungsweise zur subjektiven Wichtigkeit der Großelternrolle beschränken sich auf Personen,
die Enkelkinder haben. Detaillierte Informationen zur Bedeutung und Ausgestaltung von
Großelternschaft (Übergangszeitpunkt, Wichtigkeit, Kontakthäufigkeit und Beziehungsenge)
243

liegen seit 2008 vor. Eine Ausnahme bildet die Häufigkeit des Empfindens von Wut und Ärger
gegenüber den Enkelkindern – diese Frage wurde 2014 zum ersten Mal gestellt. Angaben zur
Betreuung von Enkelkindern hingegen liegen durchgängig seit 1996 vor. Bei allen Angaben zur
Großelternschaft beziehungsweise zur Ausgestaltung der Beziehung zwischen Großeltern und
Enkelkindern wird nicht unterschieden, ob es sich um leibliche oder soziale Enkelkinder handelt.
Übergang zur Großelternschaft. Das Alter beim Übergang zur Großelternschaft wurde über das
Geburtsjahr des erstgeborenen Enkelkindes gebildet.
Wichtigkeit der Großelternrolle. Die Einschätzung der Wichtigkeit der Großelternrolle wird für alle
Großeltern untersucht, die Wichtigkeit einer zukünftigen Großelternschaft für alle Eltern mit
mindestens einem 16-jährigen Kind. Die Antwortvorgaben wurden wie folgt zusammengefasst:
1 = ‚eher unwichtig‘ (‚ganz unwichtig‘ / ‚weniger wichtig‘); 2 = ‚wichtig‘; 3 = ‚sehr wichtig‘.
Sofern ein Kind einer Befragungsperson mehrere Kinder hat (das heißt Enkelkind der befragten
Person), wurde in der Befragung ein Enkelkind pro Kind zufällig ausgewählt. Dieses Enkelkind
fungiert als ‚Stellvertreter‘ aller Enkelkinder, die vom selben Kind der befragten Person stammen.
Nur für diesen ‚Stellvertreterenkel‘ werden dann weitere Informationen erfragt, die über
Geschlecht und Geburtsjahr hinausgehen (Kontakthäufigkeit, Beziehungsenge, Wut und Ärger).
Hat ein Kind einer Befragungsperson nur ein Kind, werden für dieses Enkelkind alle
Beziehungsaspekte erfragt.
Die in den Analysen verwendeten Indikatoren beziehen sich jeweils auf mittlere Angaben zu
denjenigen Enkelinnen und Enkeln, für die diese Informationen vorliegen, von allen Kindern.
Zudem sind nur die Angaben zu mindestens 18-jährigen Enkelkindern außerhalb des
großelterlichen Haushaltes berücksichtigt. Die Beschränkung auf volljährige, extern lebende
Enkelkinder erfolgt aus zwei Gründen. Zunächst sind so die Ergebnisse besser mit den
Ergebnissen zu den Beziehungen zwischen Eltern und ihren erwachsenen Kindern vergleichbar
(vgl. Kapitel 14). Zum anderen sind die Beziehungen von Großeltern und deren jungen Enkeln
noch sehr stark durch die mittlere Generation der Kinder beziehungsweise Eltern geprägt.
Gerade die Häufigkeit des Kontakts wird bei jungen Enkelkindern meist noch durch deren Eltern
gesteuert und ist weniger Ausdruck einer selbstgewählten Beziehungsgestaltung der Großeltern
oder Enkelkinder. Würde man Angaben zum Kontakt auch zu jungen Enkelinnen und Enkeln
einbeziehen, müssten diese somit um den Einfluss der mittleren Generation ‚bereinigt‘ werden.
Kontakthäufigkeit. Bei der Erfassung der Kontakthäufigkeit wurde nicht zwischen persönlichen
Kontakten und beispielweise Telefonaten unterschieden. Die Antwortvorgaben wurden wie folgt
zusammengefasst: 1 = ‚seltener‘ (‚nie‘ / ‚seltener‘ / ‚mehrmals im Jahr‘); 2 = ‚mindestens
monatlich‘ (‚ein- bis dreimal im Monat‘); 3 = ‚mindestens wöchentlich‘ (‚mehrmals pro Woche‘ /
‚täglich‘).
Beziehungsenge. Erfragt wird hier die Enge der Verbundenheit. Die Antwortvorgaben wurden wie
folgt zusammengefasst: 1 = ‚eng‘ (‚sehr eng‘ / ‚eng‘); 2 = ‚mittel‘; 3 = ‚nicht eng‘ (‚weniger eng‘ /
‚überhaupt nicht eng‘).
Wut und Ärger. Hier wird erfragt, wie häufig das befragte Großelternteil und das jeweilige
Enkelkind ärgerlich oder wütend aufeinander sind. Die Antwortvorgaben wurden wie folgt
zusammengefasst:1 = ‚eher selten‘ (‚nie‘ / ‚selten‘); 2 = ‚mittel, eher häufig‘ (‚manchmal‘ / ‚eher
häufig‘ / ‚immer‘).
Betreuung von Enkelkindern. Die Befragten geben Auskunft darüber, ob sie Kinder betreuen (‚ja‘ /
‚nein‘) und falls ja, um welche Kinder es sich dabei handelt. Hier wurden nur die Angaben für die
244

Betreuung von Enkelkindern ausgewählt – unabhängig vom Alter oder Wohnort der genannten
Enkelkinder.
Erwerbsstatus. Die Variable zum Erwerbstatus basiert auf einer Konstruktvariable und
unterscheidet zwischen aktiv Erwerbstätigen, Rentnerinnen und Rentnern sowie nicht
erwerbstätigen Personen. Zusätzlich einbezogen wurde im Rahmen der Analysen die Angabe, ob
Personen im Ruhestand erwerbstätig sind. So unterscheidet die hier verwendete zweistufige
Variable nur zwischen Personen, die erwerbstätig sind (inklusive Rentenbezieherinnen und
Rentenbeziehern) und solchen, die nicht erwerbstätig sind. Dies entspricht dem
Erkenntnisinteresse, ob eine Erwerbstätigkeit mit Kinderbetreuung kombiniert wird.
Gruppierungsvariablen. Zur Prüfung von Altersunterschieden wurden – analog zur Schichtung
der Stichprobe – drei Altersgruppen verwendet: 40 bis 54 Jahre, 55 bis 69 Jahre und 70 bis 85
Jahre. Weiterhin wurden Unterschiede nach Geschlecht und Landesteil (Ost-/Westdeutschland)
geprüft. Zur Untersuchung von Bildungsunterschieden wurden – basierend auf einer reduzierten
ISCED-Klassifizierung – drei Bildungsgruppen unterschieden: Personen mit niedrigem, mittlerem
und hohen Bildungsniveau (vgl. Kapitel 2).
Analyse. In den Abbildungen und im Text sind gewichtete prozentuale Verteilungen angegeben.
Zur Testung von signifikanten Gruppenunterschieden wurden binäre und ordinale logistische
sowie lineare Regressionen gerechnet. Hierbei wurde für die Stratifizierungsvariablen
Altersgruppe, Geschlecht und Region (Ost-/Westdeutschland) kontrolliert. Das genaue Vorgehen
ist in Kapitel 2 beschrieben.

15.3 Strukturen von Großelternschaft – Übergangsalter und Enkelzahl
Der Übergang zur Großelternschaft ist für die meisten Eltern ein zentrales Lebensereignis der
zweiten Lebenshälfte, dem mit Freude entgegen gesehen wird und das sie für mehr oder weniger
selbstverständlich halten. Für nachfolgende Kohorten wird der Übergang zur Großelternschaft
jedoch unwahrscheinlicher (vgl. Kapitel 14) und es stellt sich die Frage, ob der Übergang zur
Großelternschaft im Jahr 2014 nicht nur seltener, sondern auch später im Lebenslauf stattfindet
als zu früheren Zeitpunkten.
Der Übergang zur Großelternschaft verschiebt sich im Lebenslauf nach hinten.
Während das Alter bei der Geburt des ersten Enkelkindes im Jahr 2008 bei durchschnittlich 51,6
Jahren lag, liegt es 2014 um fast ein Jahr höher (52,5 Jahre) (Abbildung 15-1). Der Anstieg im
Übergangsalter gilt für Männer und Frauen sowie für beide Landesteile gleichermaßen. Väter
werden in der Regel etwa drei Jahre später Großeltern als Mütter. Eltern in Ostdeutschland
werden durchschnittlich weiterhin deutlich früher Großeltern. In Westdeutschland liegt das
Übergangsalter im Jahr 2014 bei 53,5 Jahren, in Ostdeutschland bei 49,4 Jahren. Ähnlich
deutlich fallen die Unterschiede zwischen den Bildungsgruppen aus: Eltern mit niedriger Bildung
werden im Durchschnitt früher Großeltern als Eltern mit hoher Bildung (im Jahr 2014: 49,7
beziehungsweise 54,9 Jahre). Allerdings zeigt sich für Eltern mit niedriger Bildung keine
Veränderung des Übergangsalters zwischen 2008 und 2014.

245

Abbildung 15-1:	

Mittleres Übergangsalter zur Großelternschaft, gesamt, nach
Geschlecht, Landesteil und Bildung, in den Jahren 2008 und 2014 (in
Jahren)
2014

2008
60

Jahre

40

51,6

52,5

52,9

54,2

50,5

51,3

49,5

49,7

51,3

51,9

53,7

54,9

52,6

53,5

20

48,1

49,4

0
Gesamt

Männer

Frauen

Niedrige
Bildung

Mittlere
Bildung

Hohe
Bildung

West

Ost

Quelle: DEAS 2008 (n = 2.952 ), 2014 (n = 2.877), gewichtet, gerundete Angaben; (p < ,05).
	
Signifikante Unterschiede zwischen 2008 und 2014 für gesamt, beide Geschlechter, mittlere und hohe Bildung sowie West und 

Ost. Nur für niedrige Bildung sind die Unterschiede zwischen 2008 und 2014 nicht statistisch signifikant.
	

Die beschriebenen Gruppenunterschiede lassen sich mit der eigenen Fertilität der Großeltern
erklären: Zum einen sind Frauen in einer Partnerschaft in der Regel jünger als ihre Partner, sie
sind daher bei der Geburt der eigenen Kinder und dann auch der Enkelkinder etwas jünger. Die
Familiengründung findet in Ostdeutschland weiterhin etwas früher statt als in Westdeutschland,
dies spiegelt sich in den Unterschieden im Übergangsalter zwischen den beiden Landesteilen
wider. Hochgebildete bekommen später Kinder und haben in der Regel ähnlich hoch oder sogar
höher gebildete Kinder. Der verzögernde Bildungseffekt ist daher beim Übergang zur
Großelternschaft in doppeltem Maße vorhanden.
Auch die mittlere Enkelzahl hat sich zwischen 2008 und 2014 verändert: Während Großeltern im
Jahr 2008 durchschnittlich 3,2 Enkelkinder hatten, sind es sechs Jahre später 3,0 (ohne
Abbildung). Diese Entwicklung ist zurückzuführen auf die sinkenden Kinderzahlen – hier noch vor
allem in der Kindergeneration der Befragten – in Zukunft vermutlich auch in beiden beteiligten
Generationen.

15.4 Wichtigkeit der Großelternrolle
Wenn – wie gezeigt wurde – der Übergang zur Großelternschaft seltener wird, später erfolgt und
zudem weniger Enkelkinder geboren werden, stellt sich die Frage, ob sich entsprechend auch die
subjektive Wichtigkeit, die dieser Rolle beigemessen wird, verändert. Die Wichtigkeit könnte im
sozialen Wandel langfristig abnehmen, einfach weil Großelternschaft weniger ‚stattfindet‘. Aus
den gleichen Gründen aber könnte sie genauso gut wichtiger, weil prekärer, werden.
Die Wichtigkeit der Großelternschaft ist zwischen 2008 und 2014 stabil hoch.
Die Einschätzung der Wichtigkeit der Großelternrolle hat sich zwischen 2008 und 2014 nicht
verändert. Veränderungen in den Strukturen von Großelternschaft schlagen sich also (noch) nicht
in deren subjektiven Bedeutung nieder. Die Wichtigkeit der Großelternrolle ist gleichbleibend
246

hoch und auch Unterschiede zwischen verschiedenen Gruppen von Großeltern haben sich über
den Zeitraum von 2008 bis 2014 nicht verändert. Berichtet werden daher hier die Zahlen aus dem
Jahr 2014. Die große Mehrheit aller Großeltern bezeichnet ihre Rolle als wichtig (36,2 Prozent)
oder sogar als sehr wichtig (55,8 Prozent) (Abbildung 15-2). Die Wichtigkeit wird von den beiden
jüngeren Altersgruppen etwas höher eingeschätzt als von den 70- bis 85-jährigen Großeltern.
Ältere Großeltern haben im Allgemeinen ältere Enkelkinder und diese unterhalten zunehmend
auch Beziehungen außerhalb der engsten Familie, also beispielsweise zu Freundinnen und
Freunden oder im Rahmen einer eigenen Partnerschaft. So ist die Großelternrolle unter älteren
Großeltern womöglich nicht (mehr) ganz so relevant.
Auch Geschlechtsunterschiede bestehen weiterhin in der Bedeutung der Großelternrolle:
Großväter bezeichnen im Jahr 2014 ihre Rolle beispielsweise nur zu etwa knapp der Hälfte als
sehr wichtig (46,6 Prozent), wohingegen es bei den Großmüttern 62,6 Prozent sind. Auch
bezeichnen Großväter ihre Rolle mehr als doppelt so häufig als eher unwichtig (Großmütter: 5,4
Prozent; Großväter: 11,6 Prozent). Frauen sind in Familienbeziehungen generell stärker
involviert, dies geht möglicherweise mit einer größeren subjektiven Wichtigkeit der
Großelternrolle einher.
Wenn auch nicht so deutlich wie für die Geschlechter, bestehen im Jahr 2014 auch weiterhin
Unterschiede in der Einschätzung der Wichtigkeit der Großelternrolle zwischen Ost- und
Westdeutschland: In den neuen Bundesländern fällt die Wichtigkeit etwas geringer aus.

Abbildung 15-2:	

Wichtigkeit der Großelternrolle, gesamt, nach Alter, Geschlecht und
Landesteil, im Jahr 2014 (in Prozent)

Sehr wichtig
100

Prozent

80

Wichtig

8,0

12,1

36,2

30,8

7,1

32,0

Eher unwichtig
8,0

11,6

5,4

32,0
41,0

7,9

8,3

35,3

38,9

56,7

52,8

West

Ost

41,8

60
40
55,8

57,1

61,0

40-54
Jahre

55-69
Jahre

20

62,6

51,0

46,6

70-85
Jahre

Männer

0
Gesamt		

Frauen

Quelle: DEAS 2014 (n = 2.954), gewichtet, gerundete Angaben; (p < ,05).
	
Signifikante Altersgruppenunterschiede für alle Kategorien außer zwischen den 40- bis 54-Jährigen und 55- bis 69-Jährigen.
	
Signifikante Geschlechts- und Regionsunterschiede für alle Kategorien.
	

Ganz ähnliche Ergebnisse wie für die Bedeutung der Großelternrolle zeigen sich für die
Wichtigkeit eines zukünftigen Übergangs zur Großelternschaft für solche Eltern, die noch keine
Enkel haben (vgl. Tabelle A 15-3 im Anhang). Ein großer Anteil, etwa die Hälfte (49,9 Prozent)
der 70- bis 85-jährigen Eltern, die bislang keine Enkel haben, sagen im Jahr 2014, dass es ihnen
247

(sehr) wichtig ist, noch Großeltern zu werden. Bei den jüngeren Eltern (40 bis 54 Jahre) ist dieser
Anteil größer, er beträgt 61,5 Prozent. Angesichts eines mittleren Übergangsalters von etwa 53
Jahren ist es jedoch recht unwahrscheinlich, dass den 70- bis 85-Jährigen ihr Wunsch nach einer
zukünftigen Großelternschaft noch erfüllt wird. Möglich wäre, dass diejenigen Eltern, für die
aufgrund ihres Alters und dem ihrer Kinder ein Erleben der Geburt des ersten Enkelkindes eher
unwahrscheinlich ist, sich mit dieser Situation schon arrangiert haben und daher einer
zukünftigen Großelternschaft etwas weniger Bedeutung zumessen. Da Beziehungen zu den
Enkelkindern mit dem subjektiven Wohlbefinden positiv verknüpft sind (Mahne & Huxhold 2015),
deuten diese Ergebnisse ein nicht unerhebliches Risiko an, unter einem Ausbleiben von
Großelternschaft zu leiden.

15.5 Kontakthäufigkeit und Beziehungsenge zwischen Großeltern und erwachsenen
Enkelkindern
Im Folgenden werden konkrete Aspekte der Beziehungsgestaltung zwischen Großeltern und
Enkelkindern näher betrachtet – zunächst die Kontakthäufigkeit und die Beziehungsenge. In der
Altersgruppe der 40- bis 54-Jährigen haben im Jahr 2014 sehr wenige Menschen bereits
erwachsene Enkelkinder außerhalb des eigenen Haushalts. Diese Altersgruppe kann daher nicht
in die Analyse einbezogen werden. Alle Analysen und Darstellungen im Abschnitt 15.5 beziehen
sich daher nur auf Großeltern im Alter zwischen 55 und 85 Jahren.
Die Kontakthäufigkeit zwischen Großeltern und ihren erwachsenen Enkelinnen und Enkeln
außerhalb des eigenen Haushalts nimmt über den Zeitraum von 2008 bis 2014 leicht ab (vgl.
Tabelle A 15-4 im Anhang). Insbesondere ist der Anteil an Großeltern, der angibt, seltener als
monatlich Kontakt zu haben, im Jahr 2014 größer als im Jahr 2008. Ob es sich hierbei um leichte
Schwankungen über die Zeit handelt, oder um ein allgemeines Absinken der Kontakthäufigkeiten,
kann anhand der vorliegenden Daten nicht abschließend beurteilt werden. Großeltern und
Enkelkinder haben aber insgesamt recht häufig Kontakt: Im Jahr 2014 hat ein knappes Drittel
(29,0 Prozent) der Großeltern mindestens wöchentlich Kontakt zu ihren erwachsenen
Enkelkindern. Ein weiteres knappes Drittel (29,3 Prozent) hat mindestens monatlich Kontakt und
41,7 Prozent berichten, dass sie seltener als monatlich in Kontakt stehen. Somit liegt die
Kontakthäufigkeit zu den erwachsenen Enkelkindern auf einem niedrigeren Niveau als der
Kontakt zu den erwachsenen Kindern, was den Erwartungen entspricht.
Zwischen älteren (70 bis 85 Jahre) und jüngeren (55 bis 69 Jahre) Großeltern zeigen sich nur
sehr geringe und zudem statistisch nicht signifikante Unterschiede (vgl. Tabelle A 15-4 im
Anhang). Dieser nicht vorhandene Unterschied zwischen älteren und jüngeren Großeltern ist
vermutlich der Tatsache geschuldet, dass hier ausschließlich erwachsene Enkel betrachtet
werden. Veränderungen im Verlauf der Großeltern-Enkel-Beziehung finden vor allem beim
Auszug der Enkel aus dem elterlichen Haushalt statt (Geurts et al. 2009), der hier schon
vollzogen ist.
Großmütter haben häufiger Kontakt zu den erwachsenen Enkelkindern als Großväter.
Großmütter und Großväter unterscheiden sich im Jahr 2014 etwas in ihrer Kontakthäufigkeit zu
den erwachsenen Enkelinnen und Enkeln, diese Unterschiede waren im Jahr 2008 noch nicht
vorhanden. Großmütter haben im Jahr 2014 zu einem knappen Drittel (31,2 Prozent) mindestens
wöchentlich Kontakt, bei den Großvätern ist es nur ein Viertel (25,2 Prozent). Zudem berichten
Großväter häufiger von einem selteneren als monatlichen Kontakt als Großmütter (47,5
248

beziehungsweise 38,3 Prozent, vgl. Tabelle A 15-4 im Anhang). Diese ‚neuen‘
Geschlechterunterschiede sind eher unerwartet, da gerade in den hier betrachteten älteren
Großeltern-Enkel-Dyaden angenommen werden kann, dass Treffen oder Telefonate mit den
Enkeln gemeinsam stattfinden. Zudem hat sich in einer Drei-Generationen-Perspektive gezeigt,
dass für das Ausmaß an Kontakt zwischen Großeltern und Enkeln vor allem das Geschlecht der
mittleren Generation relevant ist: Zu Enkeln von Söhnen haben Großmütter und Großväter
gleichermaßen weniger Kontakt als zu Enkeln von Töchtern (Mahne & Huxhold 2012). Geringe
Unterschiede bestanden zwischen Großeltern in West- oder Ostdeutschland noch im Jahr 2008
(weniger Kontakt in Ostdeutschland; vgl. Tabelle A 15-4 im Anhang) – jedoch nicht mehr im Jahr
2014. Aufgrund fehlender Daten zur Kontakthäufigkeit zu den Enkeln vor 2008 ist es unklar, wie
die beschriebenen leichten Verschiebungen zwischen den Geschlechtern und den Landesteilen
zu interpretieren sind. Ob sich beispielweise im sozialen Wandel Großeltern in Westdeutschland
denen in Ostdeutschland angeglichen haben, kann mit zukünftigen DEAS-Erhebungen besser
beurteilt werden.
Die Beziehungsenge zu den erwachsenen Enkeln ist zwischen 2008 und 2014 stabil hoch.
Die Beziehungsenge zwischen Großeltern und erwachsenen Enkelkindern ist über den Zeitraum
2008 bis 2014 stabil hoch – auch über die verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen. Berichtet
werden daher wieder die Ergebnisse für das Jahr 2014. Enge oder sehr enge Beziehungen zu
den erwachsenen Enkelkindern haben 69,7 Prozent der Großeltern (Abbildung 15-3). Ein
weiteres knappes Fünftel (17,5 Prozent) empfindet eine mittlere Beziehungsenge und nur gut
jeder zehnte Großelternteil (12,8 Prozent) hat keine engen Beziehungen zu den erwachsenen
Enkelkindern. Damit fällt auch die Beziehungsenge zu den erwachsenen Enkelinnen und Enkeln
geringer aus als die zu den eigenen erwachsenen Kindern. Der Unterschied ist hier aber nicht so
deutlich wie bei der Kontakthäufigkeit.

Abbildung 15-3:

Beziehungsenge zu den erwachsenen Enkelkindern außerhalb des
Haushalts (gemittelt), gesamt, nach Alter und Geschlecht, im Jahr
2014 (in Prozent)

100
12,8

80

10,7
24,4

9,0
16,9

17,8

17,5

18,5

16,1

Prozent

19,4

60
40

69,7

71,6
59,5

74,2
62,0

20
0
Gesamt		

55-69
Jahre

70-85
Jahre
	

Männer Frauen
	

Quelle: DEAS 2014 (n = 963), gewichtet, gerundete Angaben; (p < ,05).
Signifikante Altersgruppen- und Geschlechtsunterschiede für alle Kategorien.

249

Nicht eng
Mittel
Eng

Ältere Großeltern (70 bis 85 Jahre) berichten zu einem größeren Anteil von (sehr) engen
Beziehungen (71,6 Prozent) als Großeltern zwischen 55 und 69 Jahren (59,5 Prozent). Dieser
Befund ist überraschend, wenn man bedenkt, dass die Häufigkeit des Kontaktes für Großeltern
unterschiedlichen Alters gleich hoch ausfällt. Offensichtlich sind bei den Enkeln Kontakthäufigkeit
und Beziehungsenge nicht so stark gekoppelt wie in den Beziehungen zu den Kindern
(vgl. Kapitel 14). Dieses Ergebnis ist zudem unerwartet, da die Wichtigkeit der Großelternschaft
in der höchsten Altersgruppe geringer ist als in den jüngeren. Ob diese
Altersgruppenunterschiede als Lebenslaufeffekt (beim Älterwerden werden die Beziehungen
enger) oder Kohorteneffekt (spätere Großeltern haben weniger enge Beziehungen) zu verstehen
ist, muss zukünftigen Analysen mit zusätzlichen Erhebungsjahren vorbehalten bleiben.
Großmütter haben engere Beziehungen zu den erwachsenen Enkelkindern als Großväter. Im
Jahr 2014 berichten beispielsweise etwa drei Viertel (74,2 Prozent) der Großmütter von (sehr)
engen Beziehungen, bei den Großvätern sind es mit 62,0 Prozent deutlich weniger. Großväter
berichten zudem mehr als doppelt so häufig von nicht engen Beziehungen wie Großmütter (19,4
beziehungsweise 9,0 Prozent). Das korrespondiert mit der höheren Kontakthäufigkeit, die
Großmütter im Jahr 2014 zu ihren Enkelinnen und Enkeln haben. Zudem fügt sich das Bild in den
allgemeinen Befund, wonach Frauen generell von engeren Familienbeziehungen (vgl. Kapitel 14)
und zahlreicheren sozialen Beziehungen (vgl. Kapitel 17) berichten.
Wut und Ärger sind in den Beziehungen zu den erwachsenen Enkelkindern sehr selten.
Im Jahr 2014 können erstmals auch Aussagen zu negativen Beziehungsaspekten getroffen
werden. Im DEAS werden die Großeltern gefragt, wie häufig sie Wut und Ärger gegenüber den
Enkelkindern empfinden.
Ähnlich der Ergebnisse für die Eltern-Kind-Beziehungen (vgl. Kapitel 14) kommen Gefühle von
Wut und Ärger in den Beziehungen zwischen Großeltern und erwachsenen Enkelkindern nur
selten vor (vgl. Tabelle A 15-6 im Anhang). Mehr als neun von zehn Großeltern (91,8 Prozent)
geben an, eher selten oder nie solche Gefühle zu empfinden. Wut und Ärger unterscheiden sich
weder zwischen den Altersgruppen, den Geschlechtern noch nach Landesteil. Diese Ergebnisse
stärken die für die Beziehungen zu den erwachsenen Kindern geäußerte Vermutung: Wut und
Ärger tauchen vor allem in Beziehungen auf, die Gelegenheit dafür bieten. Passend zur im
Vergleich zu den Kindern geringeren Kontakthäufigkeit kommen in den Beziehungen zu den
Enkelinnen und Enkeln auch seltener Wut und Ärger vor. Zudem sind die Beziehungen zu den
Enkelkindern von weniger gegenseitiger Verbindlichkeit geprägt als die zu den eigenen Kindern.
Dies zeigt sich auch in – zwar teils wachsenden – aber insgesamt kleineren Transferraten als
zwischen Eltern und Kindern (vgl. Kapitel 16).

15.6 Betreuung von Enkelkindern
Nach der Betrachtung der Beziehungsgestaltung von Großeltern zu ihren erwachsenen
Enkelkindern richtet sich nun der Blick auf die Großeltern-Enkel-Beziehungen in früheren
Lebensphasen. Sind die Enkelkinder noch klein, sind Großeltern häufig in die Betreuung der
Enkelkinder eingebunden.

250

Während zwischen 1996 und 2008 immer weniger Großeltern ihre Enkelkinder betreuten,
übernehmen Großeltern im Jahr 2014 diese Aufgabe wieder deutlich häufiger.
Die Anteile von Großeltern, die Enkelkinder betreuen, sind im Zeitraum von 1996 bis 2008
zunächst stetig und deutlich zurückgegangen (von 33,7 auf 24,7 Prozent; Abbildung 15-4). Im
Jahr 2014 übernehmen wieder mehr Großeltern Betreuungsaufgaben als in den Jahren davor:
30,2 Prozent der Großeltern geben an, privat ihre Enkelkinder zu betreuen. Ob es sich hierbei um
ein echtes Unterbrechen des bislang beobachteten Trends handelt, ist noch unklar. Auch für
andere intergenerationale Transfers zeigt sich ein Anstieg im Jahr 2014 – zum Beispiel fließen
häufiger Geld- und Sachgeschenke an Kinder und Enkelkinder (vgl. Kapitel 16). Das
abnehmende Engagement der Großeltern in der Kinderbetreuung wurde als Folge des KitaAusbaus und der wachsenden Erwerbsquoten auch unter älteren Frauen – den potenziell
betreuenden Großmüttern – interpretiert (Mahne & Motel-Klingebiel 2010). Der nun beobachtete
Anstieg der Betreuungsquoten ist möglicherweise auf ähnliche Ursachen zurückzuführen:
Vielleicht sind die Anteile der erwerbstätigen Mütter mit Kindern im Betreuungsalter im sozialen
Wandel schneller angestiegen, als der Ausbau der öffentlichen Betreuungsmöglichkeiten
vorangeschritten ist. Oder Mütter von kleineren Kindern arbeiten zunehmend in einem größeren
zeitlichen Umfang, der eine flankierende Betreuung durch die Großeltern wieder nötig werden
lässt.

Abbildung 15-4:	
1996

Anteile von Großeltern, die Enkelkinder betreuen, in den Jahren 1996,
2002, 2008 und 2014 (in Prozent)
2014

2008

2002

60

Prozent

40

20

33,7

28,4

30,2
24,7

0
Quelle: DEAS 1996 (n = 2.441), 2002 (n = 1.618), 2008 (n = 3.089), 2014 (n = 3.022), gewichtet, gerundete Angaben; (p < ,05).
Unterschiede von Jahr zu Jahr sind jeweils statistisch signifikant.

Möglich wäre auch ein Periodeneffekt, verursacht durch die Einführung des Betreuungsgeldes im
Jahr 2012. Bestimmte Eltern beziehungsweise Mütter haben sich vielleicht durch das Angebot
dieser staatlichen Leistung entschieden, ihr Kind erst später oder gar nicht in die Krippe zu geben
– die Großeltern sind dann vielleicht stärker in die Betreuung eingebunden. Zudem ermöglicht
das Betreuungsgeld auch den Großeltern selbst, die ihre Enkelkinder betreuen, eine monatliche
Vergütung dieser Leistung durch die Eltern zu erhalten. Ist diese Vermutung richtig, müsste sich
die Aufhebung des Betreuungsgeldes durch das Bundesverfassungsgericht im Sommer 2015 in
251

zukünftigen Erhebungen wieder in einer geringeren Betreuungsquote unter den Großeltern
zeigen.

Abbildung 15-5	

Anteile von Großeltern, die Enkelkinder betreuen, gesamt, nach Alter,
Geschlecht und Landesteil, im Jahr 2014 (in Prozent)

60

Prozent

40

20
30,2

35,6

41,7
27,8

32,1

32,0
24,6

18,8

0
Gesamt

40-54
Jahre

55-69
Jahre

70-85
Jahre

Männer

Frauen

West

Ost

Quelle: DEAS 2014 (n = 3.022), gewichtet, gerundete Angaben; (p < ,05).
Altersgruppenunterschiede signifikant außer zwischen den 40- bis 54-Jährigen und 55- bis 69-Jährigen. Geschlechts- und
Regionsunterschiede signifikant.

Die Anteile von Großeltern, die Enkelkinder betreuen, variieren zu jedem Zeitpunkt mit dem Alter
der Großeltern. Berichtet werden hier daher die Ergebnisse aus dem Jahr 2014. Während sich
die 40- bis 54-Jährigen statistisch nicht von den 55- bis 69-Jährigen unterscheiden, betreuen 70bis 85-jährige Großeltern deutlich seltener Enkelinnen oder Enkel (Abbildung 15-5). Im Jahr 2014
betreut etwa ein Fünftel der ältesten Großeltern Enkelkinder (18,8 Prozent), während es in der
mittleren Altersgruppe 41,7 Prozent und in der jüngsten Altersgruppe 35,5 Prozent sind. Diese
Altersgruppenunterschiede lassen sich mit dem Alter der Enkelkinder erklären: jüngere
Großeltern haben eher Enkelinnen und Enkel im betreuungsbedürftigen Alter als ältere
Großeltern.
Zudem übernehmen zu jedem Zeitpunkt Großmütter etwas häufiger eine Betreuung als
Großväter. Im Jahr 2014 sind es 32,1 Prozent der Großmütter und 27,8 Prozent der Großväter.
Frauen sind im Jahr 2014 immer noch seltener erwerbstätig als Männer (vgl. Kapitel 3), sie haben
also vermutlich größere zeitliche Ressourcen, um sich an der Betreuung der Enkelkinder zu
beteiligen. Auch zwischen den Landesteilen variiert das Engagement von Großeltern: Während in
Westdeutschland etwa ein Drittel der Großeltern die Enkelkinder (mit)betreut (32,0 Prozent), ist
es in Ostdeutschland ein Viertel (24,6 Prozent). Hintergrund ist hier vermutlich die in
Westdeutschland schlechtere Infrastruktur an öffentlichen Betreuungsmöglichkeiten und die
zwischen den beiden Landesteilen unterschiedlichen Erwerbsquoten von Frauen (hier: den
Großmüttern).
Großeltern kombinieren 2014 häufiger Erwerbsarbeit und Betreuung von Enkelkindern als
1996.
Bei einem durchschnittlichen Übergangsalter zur Großelternschaft von etwa 53 Jahren (siehe
Abschnitt 15.3) sowie einer Zunahme der Erwerbstätigkeit im späteren Erwerbsalter (vgl. Kapitel
3 und 4) ist davon auszugehen, dass für einen wachsenden Teil von Großeltern der
252

Betreuungsbedarf der Enkelkinder in eine Lebensphase fällt, in der sie selbst noch erwerbstätig
sind. Im Vergleich der Jahre 1996 bis 2014 zeigt sich genau dies: Der Anteil von Großeltern bis
65 Jahre, der eine Betreuung von Enkelkindern mit Erwerbstätigkeit kombiniert, lag im Jahr 1996
bei 15,0 Prozent, im Jahr 2014 liegt er schon fast bei einem Viertel (23,4 Prozent) (ohne
Abbildung). Auf welche Großeltern trifft nun eine Kombination von Erwerbsarbeit und
Enkelbetreuung in besonderem Maße zu? Abbildung 15-6 zeigt, dass jüngere Großeltern (48 bis
59 Jahre) häufiger gleichzeitig erwerbstätig sind und Enkelkinder betreuen als ältere Großeltern
(60 bis 65 Jahre).

Abbildung 15-6:

Anteile von Großeltern im Alter bis 65 Jahre, die Erwerbsarbeit und
Betreuung von Enkelkindern kombinieren, gesamt, nach Alter,
Geschlecht und Landesteil, im Jahr 2014 (in Prozent)

60

Prozent

40

20
23,4

25,9

21,9

20,5

17,7

25,6

23,6

22,9

0
Gesamt		

48-53
Jahre

54-59
Jahre

60-65
Jahre

Männer

Frauen

West

Ost

Quelle: DEAS 2014 (n = 1.091 für Alter; n = 1.124 für Gesamt, Geschlecht und Landesteil), gewichtet, gerundete Angaben;
	
(p < ,05).
	
Altersgruppenunterschiede signifikant außer zwischen den 48- bis 53-Jährigen und 54- bis 59-Jährigen.
	
Geschlechtsunterschiede signifikant. Keine signifikanten Regionsunterschiede.
	

Dies ist zum einen auf das Alter der Enkelinnen und Enkel zurückzuführen (jüngere Großeltern
haben eher betreuungsbedürftige Enkelkinder) und zum anderen auf die in der späten
Erwerbsphase sinkenden Erwerbsquoten. Großmütter betreuen nicht nur häufiger ihre
Enkelkinder, sie tun dies auch häufiger in Kombination mit einer Erwerbstätigkeit im Vergleich zu
Großvätern. Etwa ein Viertel (25,6 Prozent) der Großmütter und ein Fünftel (20,5 Prozent) der
Großväter im Alter bis 65 Jahre sind sowohl in Beruf als auch Familie eingebunden. Großeltern in
Ost- und Westdeutschland unterscheiden sich diesbezüglich kaum voneinander.

15.7 Diskussion und Implikationen
Die Großelternrolle stellt für den Großteil der Großeltern eine wichtige oder sogar sehr wichtige
Rolle dar. An dieser Einschätzung hat sich auch angesichts von im sozialen Wandel sinkenden
Chancen auf Großelternschaft nichts geändert. Die große Wertschätzung der Großelternrolle
geht einher mit häufigen Kontakten, emotional engen Beziehungen und seltenen Konflikten mit
den Enkelkindern. Die Beziehungen zu den Enkelkindern gehören somit neben der Partnerschaft,
253

den Beziehungen zu den Kindern und Freundschaften zu den wichtigsten persönlichen
Bindungen älter werdender Menschen.
Der Übergang zur Großelternschaft findet im sozialen Wandel zwar immer später statt, dennoch
können die Beziehungen zu den Enkelkindern häufig bis weit in deren Erwachsenenalter hinein
gestaltet werden. Es ist zu vermuten, dass sich die Beziehungen von Großeltern zu jungen und
zu erwachsenen Enkelinnen und Enkeln in vielen Aspekten stark voneinander unterscheiden.
Sind die Enkelkinder noch jung, sind die Beziehungen zu den Großeltern stark durch die mittlere
Generation geprägt, die beispielsweise den Kontakt zwischen Großeltern und Enkelkindern
fördern oder auch behindern kann. Durch die längere gemeinsame Lebenszeit von Großeltern
und Enkelkindern haben diese Beziehungen aber die Chance, sich unabhängig von der mittleren
Generation und stärker selbstgewählt zu gestalten und zu entwickeln.
Im Vergleich der Beziehungen zu erwachsenen Enkelkindern mit den Beziehungen zu
erwachsenen Kindern zeigt sich, dass – vor allem in Bezug auf die Kontakthäufigkeit –
Großeltern-Enkel-Beziehungen vielfältiger gestaltet werden: Die Kontakthäufigkeit zu den Enkeln
ist nicht so einheitlich hoch wie zu den Kindern. Ähnlicher sind sich aber die Einschätzungen zur
Enge der Verbundenheit zu beiden nachfolgenden Generationen. Offensichtlich sind in den
Beziehungen zu unmittelbar angrenzenden Familiengenerationen Kontakt und Beziehungsenge
stärker verkoppelt. Anders ausgedrückt: Weniger Kontakt geht in Großeltern-Enkel-Beziehungen
nicht automatisch mit einer geringeren Beziehungsenge einher. Diese Befunde stärken
Annahmen aus der Forschung zur Vielschichtigkeit der subjektiven Bedeutung der
Großelternrolle. Neben der konkreten Beziehungsgestaltung können auch stärker symbolische
Aspekte, wie etwa das eigene ‚Weiterleben‘ in den Enkelkindern oder die Großelternrolle als
gesellschaftlich hoch geschätzte Altersrolle mit verantwortlich sein für die berichtete
Beziehungsenge. Ob die beschriebenen leichten Verringerungen der Kontakthäufigkeit zu den
erwachsenen Enkelkindern zwischen 2008 und 2014 als Trend zu interpretieren sind und welche
Gründe hierfür verantwortlich sein könnten, kann anhand zukünftiger DEAS-Erhebungen genauer
untersucht werden. In jedem Fall scheinen die Kontakthäufigkeiten zu den Enkelinnen und
Enkeln im sozialen Wandel nicht ganz so stabil zu sein, wie die Kontakte zu den Kindern.
Die Tatsache, dass Beziehungen zwischen Großeltern und Enkelkindern immer häufiger
Beziehungen zwischen Erwachsenen sind, spiegelt sich auch in den teils ansteigenden
Transferraten wider (vgl. Kapitel 16). Materielle und instrumentelle Hilfen fließen im sozialen
Wandel häufiger direkt zwischen diesen beiden Familiengenerationen. Diese Entwicklung wirft
viele spannende Fragen für zukünftige Forschungsarbeiten auf: Werden Enkelkinder in Zukunft
ähnlich stark in die Versorgung und Unterstützung von Großeltern eingebunden sein, wie es
deren Kinder sind? Zeigen sich Muster der (Re-)Produktion von sozialer Ungleichheit in Zukunft
stärker auch in einer Drei-Generationen-Perspektive?
Die in Kapitel 14 und 15 gezeigten Befunde machen aber auch deutlich, dass für einen
wachsenden Teil der älteren Menschen in Deutschland der Übergang zur Großelternschaft spät –
vielleicht später als erhofft – erfolgt oder sogar ganz ausbleibt. Angesichts der hohen subjektiven
Bedeutung, die der Großelternrolle sowohl von Großeltern als auch von Eltern beigemessen wird,
ist davon auszugehen, dass das Ausbleiben von Großelternschaft mit Folgen für das subjektive
Wohlbefinden verbunden ist. Und dies vermutlich in besonderem Maße dann, wenn im
Freundeskreis erste Enkelkinder geboren werden. Vermittlungsstellen für ‚Leih-Großeltern‘, die
vielerorts entstehen, könnten für Menschen ohne eigene Enkelkinder oder auch für solche
Großeltern, deren Enkelkinder weit weg leben, eine gute Möglichkeit bieten, dennoch eine
Großelternrolle zu übernehmen.
254

Für den Großteil der Großeltern wird das erste Enkelkind jedoch in einer Lebensphase geboren,
in der viele noch aktiv in das Erwerbsleben eingebunden sind. Nicht nur der Anteil der
Großeltern, die Enkelkinder betreuen ist wieder angestiegen, sondern auch der Anteil von
Großeltern, die eine Erwerbstätigkeit mit der Betreuung ihrer Enkelkinder kombinieren, ist
gewachsen. Das Thema der Vereinbarkeit von beruflichen und familiären Aufgaben betrifft also
nicht nur Eltern, sondern in zunehmenden Maße auch Großeltern. Frauen sind möglichweise
besonders von Vereinbarkeitsproblemen belastet, denn sie kombinieren häufiger Erwerbsarbeit
und Sorgetätigkeiten als Männer (vgl. auch Kapitel 12 und 13). Die Gleichstellung der
Geschlechter ist in Bezug auf die Erwerbsbeteiligung offensichtlich im Gange – Frauen passen
sich in ihrem Erwerbsverhalten den Männern an (vgl. Kapitel 3 und 13). In Bezug auf reproduktive
Tätigkeiten allerdings sind die Geschlechtsunterschiede über die Zeit sehr hartnäckig. Insofern
muss es im Rahmen von Gleichstellung und Vereinbarkeit als Schwerpunktthemen einer
modernen Familienpolitik nicht nur darum gehen, Geschlechterrollenerwartungen und -stereotype
zu hinterfragen, sondern auch darum, für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gleichermaßen
Möglichkeiten zu schaffen, mit über den Lebenslauf wechselnden beruflichen und privaten
Anforderungen flexibel umgehen zu können ohne eine Überlastung zu erfahren.

Literatur
Clarke, L., & Roberts, C. (2004). The meaning of grandparenthood and its contribution to the
quality of life of older people. In: A. Walker & C. H. Hennessy (Hrsg.) Quality of Life in Old
Age (S. 188-208). Maidenhead: Open University Press.
Geurts, T., Poortman, A.-R., van Tilburg, T., & Dykstra, P. A. (2009). Contact between
grandchildren and their grandparents in early adulthood. Journal of Family Issues, 30(12),
1689-1713. doi: 10.1177/0192513X09336340.
Glaser, K., Ribé Montserrat, E., Waginger, U., Price, D., Stuchbury, R., & Tinker, A. (2010).
Grandparenting in Europe. London: Grandparents Plus.
Hank, K., & Buber, I. (2009). Grandparents caring for their grandchildren: findings from the 2004
Survey of Health, Ageing, and Retirement in Europe. Journal of Family Issues, 30(1), 5373. doi: 10.1177/0192513X08322627.
Herlofson, K., & Hagestad, G. O. (2012). Transformations in the role of grandparents across
welfare states. In: S. Arber & V. Timonen (Hrsg.) Contemporary grandparenting.
Changing family relationships in global contexts (S. 27-50). Bristol: Policy Press.
Herlyn, I., & Lehmann, B. (1998). Großmutterschaft im Mehrgenerationenzusammenhang. Eine
empirische Untersuchung aus der Perspektive von Großmüttern. Zeitschrift für
Familienforschung, 10(1), 27-45.
Kügler, K. (2007). Großeltern als Betreuungspersonen. Eine wichtige Säule für die Eltern in der
Kinderbetreuung. In: W. Bien, T. Rauschenbach & B. Riedel (Hrsg.) Wer betreut
Deutschlands Kinder? DJI-Kinderbetreuungsstudie (S. 173-186). Berlin, Düsseldorf,
Mannheim: Cornelsen Scriptor.
Leopold, T., & Skopek, J. (2015). The Delay of Grandparenthood: A Cohort Comparison in East
and West Germany. Journal of Marriage and Family, 77(2), 441-460. doi:
10.1111/jomf.12169.
Mahne, K., & Huxhold, O. (2015). Grandparenthood and Subjective Well-Being: Moderating
Effects of Educational Level. The Journals of Gerontology Series B: Psychological
Sciences and Social Sciences, 70(5), 782-792. doi: 10.1093/geronb/gbu147.
Mahne, K., & Huxhold, O. (2012). Social contact between grandparents and older grandchildren:
a three generation perspective. In: S. Arber & V. Timonen (Hrsg.) Contemporary
grandparenting: Changing family relationships in global contexts (S. 225-246). Bristol:
Policy Press.
255

Mahne, K., & Motel-Klingebiel, A. (2012). The importance of the grandparent role: a class specific
phenomenon? Evidence from Germany. Advances in Life Course Research, 17(3), 145155. doi: 10.1016/j.alcr.2012.06.001.
Mahne, K., & Motel-Klingebiel, A. (2010). Familiale Generationenbeziehungen. In: A. MotelKlingebiel, S. Wurm & C. Tesch-Römer (Hrsg.) Altern im Wandel. Befunde des
Deutschen Alterssurveys (DEAS) (S. 188-214). Stuttgart: Kohlhammer
Silverstein, M., & Long, J. D. (1998). Trajectories of grandparent´s perceived solidarity with adult
grandchildren: A growth curve analysis over 23 years. Journal of Marriage and Family,
60(4), 912-923. doi: 10.2307/353634.
Silverstein, M., & Marenco, A. (2001). How Americans enact the grandparent role across the
family life course. Journal of Family Issues, 22(4), 493-522. doi:
10.1177/019251301022004006.
Thiele, D. M., & Whelan, T. A. (2006). The Nature and Dimensions of the Grandparent Role.
Marriage & Family Review, 40(1), 93-108. doi: 10.1300/J002v40n01_06.

256

16 Zeit gegen Geld? Der Austausch von
Unterstützung zwischen den Generationen
Daniela Klaus & Katharina Mahne

Kernaussagen
Intergenerationale Transfers folgen 2014 demselben Muster wie 1996: Innerhalb 

einer Familie fließen materielle Ressourcen häufiger von den älteren zu den jüngeren 

Generationen und instrumentelle Hilfen häufiger in die andere Richtung.
	
Materielle Transfers an jüngere Generationen finden im Jahr 2014 häufiger statt

als im Jahr 1996: Die 40- bis 54-jährigen Eltern unterstützen im Jahr 2014 zu 44,9 

Prozent ihre erwachsenen Kinder mit Geld- und Sachgeschenken. Im Jahr 1996 waren 

es mit 35,6 Prozent weniger. Auch bei den 55- bis 69-Jährigen sind materielle
	
Transfers an erwachsene Kinder im Jahr 2014 häufiger (37,5 Prozent) als noch vor 18 

Jahren (29,5 Prozent).
	
Die Häufigkeit materieller Transfers von Großeltern an Enkelkinder hat sich

zwischen 1996 und 2014 fast verdoppelt: 8,1 Prozent der Großeltern im Alter von 55 

bis 69 Jahren haben im Jahr 1996 materielle Transfers an ihre Enkelkinder gegeben,
	
2014 sind es mit 15,8 Prozent fast doppelt so viele. Auch bei den 70- bis 85-jährigen
	
Großeltern haben sich die Transferraten im selben Zeitraum von 14,8 Prozent auf 28,7
	
Prozent fast verdoppelt.
	
Im Jahr 2014 erhalten ältere Familiengenerationen seltener instrumentelle Hilfen

von jüngeren als im Jahr 1996: Während im Jahr 1996 noch etwa ein Fünftel (19,5 

Prozent) der ältesten Eltern (70 bis 85 Jahre) Hilfe im Alltag von den Kindern bekam,
	
ist es im Jahr 2014 nur noch gut ein Zehntel (11,7 Prozent). Auch von den 

Enkelkindern erhalten die 70- bis 85-Jährigen im Jahr 2014 seltener instrumentelle 

Hilfe (1996: 6,5 Prozent; 2014: 2,6 Prozent).
	

257

16.1 Einleitung
Es gibt eine breite und umfangreiche Forschung zur Solidarität zwischen den Generationen. Ein
Thema, das auch seit Jahren den öffentlichen und politischen Diskurs mitbestimmt, indem
anhaltend und kontrovers über einen möglichen Rückgang des Zusammenhalts zwischen den
Generationen diskutiert wird (vgl. Kapitel 14). Dabei konnte bereits Ende der 1990er Jahre
gezeigt werden, dass zwischen den Generationen beträchtliche Solidarleistungen füreinander
erbracht werden (Kohli, Künemund, Motel-Klingebiel, & Szydlik 2005; Kohli & Künemund 2001).
Hierbei zeichnet sich ein Muster ab, für das die Bezeichnung ‚reziprokes Kaskadenmodell‘
(Marbach 1997) geprägt wurde und das auch für spätere Zeitpunkte repliziert werden konnte
(Mahne & Motel-Klingebiel 2010). Demnach fließen finanzielle Transfers innerhalb der Familie
hauptsächlich von den älteren zu den jüngeren Generationen: Erwachsene Kinder und
Enkelkinder erhalten häufiger materielle Zuwendungen von ihren Eltern und Großeltern als sie
umgekehrt an diese geben. Parallel dazu werden instrumentelle Hilfen vornehmlich in Richtung
der Generationen aufwärts geleistet: So erhalten Eltern und Großeltern vor allem in späteren
Lebensphasen mehr praktische Unterstützung im Alltag und in Notfällen als sie an nachfolgende
Generationen geben.
Das reziproke Kaskadenmodell wird als positive Folge des wohlfahrtsstaatlichen Ausbaus
interpretiert. Erst der öffentliche Generationenvertrag, der vor allem die Grundlage für das
umlagebasierte Rentensystem ist, ermöglicht die innerfamiliale und zugleich sehr flexible
Umverteilung monetärer Ressourcen. So werden erwachsene Kinder gezielt je nach Bedarf zum
Beispiel bei Arbeitslosigkeit oder Scheidung von ihren Eltern unterstützt (Motel-Klingebiel,
Mahne, & Huxhold 2010). Gleichzeitig versetzt die prinzipielle finanzielle Unabhängigkeit
voneinander die Generationen in die Lage, sich auf instrumentelle und auch emotionale
Unterstützung zu konzentrieren (Künemund & Rein 1999). Europaweite Befunde belegen, dass
erwachsene Kinder umso häufiger von ihren Eltern unterstützt werden, je universeller und
großzügiger die wohlfahrtsstaatlichen Leistungen ausfallen (Hank 2015; Deindl, Brandt, & Hank
2014). Befürchtungen, dass umfangreiche wohlfahrtsstaatliche Unterstützung an Familien die
intergenerationale Solidarität gefährden könnte (‚crowding out‘), sind also unbegründet. Im
Gegenteil: ein starker Wohlfahrtssaat scheint sie sogar eher zu stimulieren (Motel-Klingebiel,
Tesch-Römer, & von Kondratowitz 2005). Im europäischen Vergleich bewegen sich
intergenerationale Transfers in Deutschland auf einem mittlerem Niveau (Albertini & Kohli 2013;
Alessie, Angelini, & Pasini 2014).
Gesellschaftliche Trends der letzten Jahre geben Anlass zu der Vermutung, dass es zu
Verschiebungen der bekannten Transfermuster zwischen den Generationen gekommen sein
könnte. Längere Ausbildungszeiten, brüchigere Erwerbsbiografien, neue Herausforderungen
bezüglich der Vereinbarkeit von Beruf und Familie, gestiegene Mobilitäts- und
Flexibilitätserfordernisse sowie rückläufige (Enkel-)Kinderzahlen könnten dazu beigetragen
haben, dass das Unterstützungspotenzial, das jüngere Familienmitglieder für Ältere darstellen,
zurückgegangen ist. So stehen Jüngeren heute möglicherweise weniger Ressourcen zur
Verfügung, um ihre Eltern und Großeltern zu unterstützen. Das dürfte sowohl auf monetäre als
auch auf Zeitressourcen zutreffen. Mehr noch: Es ist zu vermuten, dass junge Generationen
heute noch länger von finanziellen Zuwendungen ihrer Eltern abhängig sind, weil ihr beruflicher
Einstieg und ihre Etablierung auf dem Arbeitsmarkt zunehmend in höherem Alter erfolgen. Ob
und inwiefern die finanzielle Ausstattung in der Elterngeneration solcherlei Unterstützung erlaubt,
ist zu prüfen. Es ist jedoch wahrscheinlich, da sich ihre wirtschaftliche Situation im Durchschnitt in
den letzten Jahren verbessert hat (vgl. Kapitel 6 und 7; Vogel & Künemund 2014). Neben einer
258

verbesserten materiellen Lage hat die gestiegene gemeinsame Lebenszeit von familialen
Generationen (vgl. Kapitel 14) zum Beispiel die Möglichkeit geschaffen, dass Großeltern ihre
finanzielle Unterstützung auch direkt an erwachsene Enkelkinder richten können – beispielsweise
indem sie sich an deren Ausbildungskosten beteiligen oder im Bedarfsfall wie Arbeitslosigkeit
finanziell aushelfen. Ein europäischer Vergleich zeigt für Deutschland die höchsten Anteile
großelterlicher finanzieller Unterstützung (Igel 2012). Anzunehmen ist weiterhin, dass die
verbesserte Gesundheit der Älteren intergenerationale Hilfe und Unterstützung im Alltag seltener
notwendig werden lassen. Möglicherweise rückgängige Transferquoten müssen hier also nicht
zwangsläufig eine schlechte Nachricht sein. Außerdem können Unterstützungsbedarfe der
älteren Familiengenerationen häufiger durch alternative, professionelle Dienstleistungsangebote
im Wohnumfeld (vgl. Kapitel 20) aufgefangen werden oder auch durch zunehmend an Bedeutung
gewinnende nicht-familiale Beziehungen (vgl. Kapitel 17 und 21) und so zur Erleichterung der
alltäglichen Lebensführung beitragen – gerade auch wenn Familienmitglieder diese Hilfe nicht
leisten können.
Besondere Aufmerksamkeit bei der Untersuchung des Wandels intergenerationaler Transfers ist
auf die sich über den Lebenslauf hinweg verändernde Position der Menschen im
Generationengefüge zu richten. Auswertungen auf Basis des Deutschen Alterssurveys (DEAS)
von 2008 haben gezeigt, dass die 40- bis 54-Jährigen am stärksten in das Transfergeschehen
eingebunden sind: Sie geben häufig Unterstützung an Eltern, Kinder und Großeltern, werden
aber auch umfangreich von ihnen unterstützt (Mahne & Motel-Klingebiel 2010). Aus der
vorliegenden Forschung ist zudem bekannt, dass sich analog zu sich veränderten Ressourcen
und Bedarfen der verschiedenen familialen Generationen über den Lebenslauf hinweg eine
Verschiebung von Gabe hin zu mehr Erhalt zeigt. Offenbar ist der intergenerationale Austausch
von Personen mittleren Erwachsenenalters am ehesten zwischen Geben und Nehmen
ausgeglichen. Ab dem 50. Lebensjahr beginnt sich die Austauschbilanz älterer Personen hin zu
Netto-Gebern zu verschieben. Erst im hohen Alter kehrt sie sich um: Personen ab dem
80. Lebensjahr erhalten im Allgemeinen mehr Unterstützung von jüngeren Generationen als sie
umgekehrt geben (Litwin, Vogel, Künemund, & Kohli 2008; Vogel 2008). Bedingt durch eine
spätere Familiengründung und die Entwicklung, dass Menschen nicht nur länger leben, sondern
auch länger gesund, unabhängig und mobil bleiben (vgl. Kapitel 8), ist anzunehmen, dass sich
Phasen intensiven Austausches in höhere Altersgruppen verlagert haben oder sich generell
ausgedehnt haben.
Neben veränderten Ressourcen und Bedarfen der beteiligten familialen Generationen, die das
Transfergeschehen maßgeblich beeinflussen, können sich die Transfermuster für Männer und
Frauen unterschiedlich darstellen oder verändern. Die Befundlage hierzu ist allerdings nicht
eindeutig (Kahn, McGill, & Bianchi 2011). Zwar gelten Frauen weithin als die ‚kinkeeper‘ der
Familie (Rosenthal 1985) und aktuelle Studien zeigen auch, dass Frauen häufiger helfen als
Männer und dabei vor allem zeitintensive Aufgaben übernehmen (vgl. Kapitel 12; Alessie et al.
2014; Deindl et al. 2014). Allerdings ist aufgrund der stärkeren beruflichen Einbindung von
Frauen – und damit geringeren Zeitressourcen – eine rückläufige Quote der von ihnen erbrachten
instrumentellen Transfers über die Zeit hinweg zu vermuten. Parallel dazu wäre aufgrund
gestiegener eigener Einkommen ein Anstieg der Gabe materieller Transfers denkbar.

259

Im vorliegenden Kapitel werden die folgenden Fragen untersucht:
1.		 Haben sich die Prävalenzraten intergenerationaler Unterstützung verändert?
2.		 Folgt der intergenerationale Austausch weiterhin einem reziproken Kaskadenmodell?
3.		 Zeichnet sich eine Zunahme des direkten Austausches zwischen Großeltern und
Enkelkindern ab?
4.		 Zeigen sich Unterschiede zwischen den Geschlechtern?

16.2 Datengrundlage
Daten. Zur Untersuchung eines möglichen Wandels im intergenerationalen Transfergeschehen
stehen Daten für alle vier Ersterhebungen (1996, 2002, 2008, 2014) zur Verfügung. In der
folgenden Ergebnisdarstellung werden lediglich die erste (1996) und die derzeit letzte DEASErhebung (2014) einander vergleichend gegenübergestellt. Ergebnisse zu den Zwischenjahren
finden sich im Tabellenanhang. Einbezogen werden alle Erstbefragten im Alter zwischen 40 und
85 Jahren.
Transferraten. Betrachtet werden materielle und instrumentelle Transfers. Ausgehend von den
Befragten werden Transfers von und für vier Familiengenerationen berücksichtigt: Eltern, Kinder,
Enkelkinder und Großeltern. In jeweils beide Tauschrichtungen wird erfasst, ob in den letzten
zwölf Monaten vor der Befragung entsprechende Transfers geflossen sind. Materielle
Unterstützung wird darüber abgebildet, ob anderen größere Geld- oder Sachgeschenke gemacht
oder regelmäßige finanzielle Unterstützung gewährt wurde und ob umgekehrt derartige
Leistungen erhalten wurden. Instrumentelle Unterstützung wird über Hilfe im Haushalt abgebildet,
die geleistet oder erhalten wurde. Entsprechend liegen für jede der beiden Unterstützungsarten
acht dichotome Indikatoren vor, die mit (0) ‚nein‘ und (1) ‚ja‘ kodiert sind. Gültige Werte liegen nur
dann vor, wenn mindestens ein Mitglied der betrachteten Generation lebt. Transfers von und an
Kinder wurden nur für Kinder berücksichtigt, die mindestens das 18. Lebensjahr erreicht haben
und in einem eigenen Haushalt leben (Mahne & Motel-Klingebiel, 2010). Auf diese Weise soll
haushaltsinterne Hilfe innerhalb einer Bedarfsgemeinschaft ebenso ausgeschlossen werden wie
die Unterstützung noch minderjähriger Kinder. Stief-, Adoptiv- und Pflegekinder sind leiblichen
Kindern gleichgestellt.
Gruppierungsvariablen. Zur Prüfung von Altersunterschieden wurden – analog zur Schichtung
der Stichprobe – drei Altersgruppen verwendet: 40-54 Jahre, 55-69 Jahre und 70-85 Jahre.
Zudem wurden Geschlechterunterschiede untersucht.
Analyse. In den Abbildungen und im Text sind gewichtete (gruppenspezifische) prozentuale
Anteile angegeben. Um Unterschiede zwischen 1996 und 2014 auf Signifikanz zu testen, wurden
logistische Regressionen berechnet, wobei für die Stratifizierungsvariablen Altersgruppe,
Geschlecht und Region (Ost-/Westdeutschland) kontrolliert wurde. Das genaue Vorgehen ist in
Kapitel 2 beschrieben.

16.3 Ergebnisse
In Abbildung 16-1 sind die intergenerationalen Transferflüsse von Geld- und Sachleistungen
sowie instrumenteller Hilfe für die einzelnen Generationenbeziehungen dargestellt – separat für
260

die drei Altersgruppen und jeweils vergleichend für die Jahre 1996 und 2014. Die Anordnung der
Generationen spiegelt deren Abfolge wider, wobei jeweils die mittlere Generation –
unterschiedlichen Alters – die auskunftsgebende Befragungsperson stellt. Für jede der von ihr
aus betrachteten Generationen sind die Anteile derer angegeben, die mindestens eine lebende
Person der jeweiligen Generation haben beziehungsweise bezogen auf die Generation der
Kinder: mindestens ein erwachsenes Kind, das nicht mehr im elterlichen Haushalt wohnt. Die
Fläche der generationenaufwärts oder -abwärts gerichteten Balken bildet den Umfang der
Transfers in die jeweilige Richtung ab. Sind keine Balken eingezeichnet, so wurde in der jeweils
betrachteten Beziehung und Richtung kein Transfer berichtet. Werden in den Abbildungen keine
Transferraten berichtet, so verweist das auf eine Gruppengröße von zehn oder weniger Fällen in
der jeweiligen Konstellation und entsprechend wurde auf die Präsentation der Werte verzichtet.
Materielle Transfers an jüngere Generationen finden im Jahr 2014 häufiger statt als im
Jahr 1996.
Insgesamt sind die intergenerationalen Transfers auf einem hohen Niveau verblieben. Es gibt
keine Hinweise darauf, dass sie in ihrer Gesamthäufigkeit zurückgegangen wären. Bei genauerer
Betrachtung konkreter Generationenbeziehungen und Transferrichtung werden allerdings zwei
Trends sichtbar: Erstens geben Personen in der zweiten Lebenshälfte 2014 häufiger materielle
Unterstützung als 1996 – vor allem an ihre Kinder und Enkelkinder, aber auch an ihre Eltern.
Zweitens erhalten sie von ihren Kindern und Enkelinnen und Enkeln seltener instrumentelle Hilfe.
Das häufigere Auftreten materieller Transfers zeigt sich erwartungsgemäß lebensphasenbeziehungsweise familienphasenspezifisch: So sind in der Gruppe der 40- bis 54-Jährigen
signifikant häufiger Geld- und Sachleistungen an eigene Eltern (1996: 3,8 Prozent,
2014: 6,8 Prozent) und erwachsene Kinder auszumachen (1996: 35,6 Prozent,
2014: 44,9 Prozent). In der mittleren Altersgruppe der 55- bis 69-Jährigen sind vor allem die
materiellen Transfers an erwachsene Kinder (1996: 29,5 Prozent, 2014: 37,5 Prozent) und
Enkelkinder häufiger (1996: 8,1 Prozent, 2014: 15,8 Prozent). In der ältesten Gruppe (70 bis
85 Jahre) sind ausschließlich die Anteile von Personen größer, die Geld- und Sachgeschenke an
ihre Enkelkinder geben (1996: 14,8 Prozent, 2014: 28,4 Prozent). Dabei ist es offenbar kurzfristig
zu diesem Anstieg materieller Transfers im Jahr 2014 gekommen, denn zwischen 1996 und 2008
ist diese Unterstützung für erwachsene Kinder kontinuierlich zurückgegangen (vgl. Tabelle A 16-1
im Anhang, Mahne & Motel-Klingebiel, 2010). Die deutlich häufigere materielle Unterstützung von
außerhalb des elterlichen Haushaltes wohnenden Kindern deutet möglicherweise auf deren
gestiegene finanzielle Abhängigkeit von ihren Eltern hin. So scheinen materielle Zuwendungen im
Jahr 2014 seltener auf die Zeit der Ausbildung und des Berufseinstieges der jungen erwachsenen
Kinder beschränkt zu bleiben, sondern schließen offenbar auch die Phase der Familiengründung
oder auch Erwerbsunterbrechungen im Erwachsenenalter ein. Der insgesamt beträchtliche
Anstieg des Auftretens (groß-)elterlicher Zuschüsse impliziert neben dem gestiegenen
Unterstützungsbedarf seitens der jüngeren Generationen, dass die älteren Generationen als
Geber hierzu finanziell in der Lage sind – und zwar nicht nur, solange sie selbst erwerbstätig
sind, sondern auch dann, wenn sie das Rentenalter erreicht haben. Dahinter ist eine
Verbesserung der finanziellen Ressourcenausstattung in allen Altersgruppen der zweiten
Lebenshälfte zu vermuten (vgl. Kapitel 6 und 7).

261

Abbildung 16-1:

Transferraten intergenerationaler Unterstützung, nach Alter, in den
Jahren 1996 und 2014 (in Prozent)

262

Quelle: DEAS 1996 (n = 4.838), 2014 (n = 6.002), gewichtet, gerundete Angaben.

1
Aufgrund geringer Fallzahlen konnten keine Tests zur Prüfung signifikanter Unterschiede zwischen 1996 und 2014 

durchgeführt werden. Nicht berichtete Transferraten beruhen auf einer Gruppengröße n ≤ 10.
	

Im Jahr 2014 erhalten ältere Familiengenerationen seltener instrumentelle Hilfen von
Jüngeren als im Jahr 1996.
Signifikante Rückgänge für den Erhalt instrumenteller Hilfe zeigen sich zwischen 1996 und 2014
nur für die mittlere und die älteste Altersgruppe und damit besonders für diejenigen Personen, die
potenziell verstärkt auf Hilfe bei der Alltagsführung angewiesen sein dürften. Besonders deutlich
wird diese Entwicklung in der Gruppe der 70- bis 85-Jährigen: Hier ist der Anteil von Personen,
die Unterstützung im Alltag von ihren erwachsenen Kindern erhalten, im Jahr 2014 (11,7 Prozent)
geringer als im Jahr 1996 (19,5 Prozent). Auch von den Enkeln werden sie 2014 seltener durch
Hilfe im Alltag unterstützt (1996: 6,5 Prozent, 2014: 2,6 Prozent). Hinter dieser Entwicklung
werden zum einen auf Seiten der jüngeren Generation verschlechterte Bedingungen zur Leistung
instrumenteller Hilfe vermutet: Vor allem dürften gestiegene Wohndistanzen zwischen den
Generationen gerade das Erbringen praktischer Hilfe erschweren, da diese typischerweise eine
gewisse räumliche Nähe voraussetzt (vgl. Kapitel 14). Zudem werden für (Groß-)Eltern zwischen
40 und 85 Jahren im Jahr 2014 geringere durchschnittliche Kinder- beziehungsweise
Enkelzahlen beobachtet als im Jahr 1996 (vgl. Kapitel 15). Sind insgesamt weniger Kinder und
Enkelkinder verfügbar, reduziert sich die Wahrscheinlichkeit, von einem dieser (Enkel-)Kinder
Hilfeleistungen zu bekommen. Zum anderen ist auf Seiten der älteren Generation – hier als
Empfänger – eine zunehmende Unabhängigkeit von den Nachkommen insofern zu vermuten, als
gesundheitliche Einschränkungen insbesondere im hohen Alter seltener auftreten (vgl. Kapitel 8).
Außerdem wird Unterstützung häufiger durch Personen aus dem Wohnumfeld wie Nachbarinnen
263

und Nachbarn oder durch Freundinnen und Freunde geleistet. Schließlich macht es die gute
materielle Lage der Älteren möglich, angesichts weiter gestreuter familialer Netze alternativ oder
zusätzlich auch bezahlte Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen.
Intergenerationale Transfers folgen 2014 demselben Muster wie 1996.
Angesichts der genannten Verschiebungen kristallisiert sich im Jahr 2014 noch deutlicher als für
1996 das für die Beschreibung des Austausches zwischen den Generationen geprägte
Kaskadenmodell heraus: Generationenabwärts fließende Transfers – unabhängig ihrer Art –
übersteigen die in entgegengesetzter Richtung erbrachte Unterstützung. Die Bilanz von Nehmen
und Geben fällt zugunsten der jüngeren Generationen aus, was am Beispiel der mittleren
Altersgruppe verdeutlicht werden soll: Im Jahr 2014 unterstützen von den 55- bis 69-jährigen
Eltern mit volljährigen und selbstständigen Kindern 37,5 Prozent ihre Kinder materiell und 13,4
Prozent unterstützen sie instrumentell. Umgekehrt erhalten 2,7 Prozent materielle und 10,5
Prozent instrumentelle Hilfe von ihren Kindern.
Reziprok ist das Transfergeschehen insofern weiterhin, als trotz der unausgeglichenen
Gesamtbilanz (die sich offenbar auch nicht über den Verlauf der Familienphasen hinweg
ausgleicht) eine Gegenseitigkeit besteht: In fast allen betrachteten Beziehungstypen kann der
Tausch von materiellen und instrumentellen Hilfen beobachtet werden. Zwar fließen häufiger
materielle Ressourcen von älteren zu jüngeren Generationen, doch umgekehrt fällt die Bilanz
instrumenteller Hilfen zugunsten der jeweils älteren Generation aus. Dieses Bild zeigt sich umso
stärker, je älter die Generationenbeziehungen sind und spiegelt damit offenbar altersspezifische
Bedarfe wider: So unterstützen im Jahr 2014 beispielsweise 26,5 Prozent der 70-bis 85-Jährigen
ihre erwachsenen Kinder materiell und 3,9 Prozent erhalten vergleichbare Transfers. Mit Blick auf
instrumentelle Hilfe stellt sich das Verhältnis umgekehrt dar: 6,7 Prozent geben entsprechende
Hilfe an Kinder und 11,7 Prozent erhalten sie. Das bedeutet, dass die ältere Generation häufiger
als die jüngere Generation Geld- und Sachleistungen gibt, doch zugleich erhält sie häufiger
instrumentelle Hilfe.
Die Häufigkeit materieller Transfers von Großeltern an Enkelkinder hat sich zwischen 1996
und 2014 fast verdoppelt.
Grundsätzlich konzentriert sich der Tausch von Hilfe und Unterstützung auf benachbarte
Generationen. So fallen fast durchweg die Transferquoten von und zu den eigenen Eltern und
Kindern deutlich höher aus, als von und zu den Großeltern und Enkelkindern. Doch bereits 2008
hatte sich angedeutet, dass materielle Transfers von Großeltern zunehmend direkt an
Enkelkinder fließen, statt dass sie vermittelt über die Kindergeneration die Enkelkinder erreichen
(Mahne & Motel-Klingebiel, 2010). Dieser Trend setzt sich im Jahr 2014 fort: So haben sich in der
mittleren (55- bis 69-Jährige) und der ältesten Gruppe (70- bis 85-Jährige) jeweils die
Prävalenzraten materieller Transfers an Enkelkinder zwischen 1996 und 2014 beinahe
verdoppelt: Von 8,1 Prozent auf 15,8 Prozent beziehungsweise von 14,8 Prozent auf
28,4 Prozent. Da insbesondere in den beiden ältesten Altersgruppen (das heißt ab dem 55.
Lebensjahr) im Jahr 2014 im Durchschnitt weniger Enkelinder vorhanden sind als noch im Jahr
1996, fallen diese steigenden Transferraten mit weniger Enkelkindern zusammen. Entsprechend
ist zu vermuten, dass vor allem Enkelkinder von den veränderten Transferflüssen profitieren.
Das Austauschmuster unterscheidet sich nicht zwischen Männern und Frauen.
Insgesamt zeigen sich keine bedeutsamen Geschlechtsunterschiede. Anders als für die
Enkelkinderbetreuung (vgl. Kapitel 15), die Übernahme von Hausarbeit (vgl. Kapitel 13) sowie die
264

Unterstützung, die im Fall gesundheitlicher Einschränkungen für andere erbracht wird
(vgl. Kapitel 12), finden sich für den intergenerationalen Austausch von Unterstützung keine
Hinweise für die Vermutung, dass Frauen hieran stärker beteiligt wären (vgl. Tabellen A 16-1 bis
A 16-4 im Anhang). Sowohl für materielle aber auch instrumentelle Hilfen zeigen sich in den
einzelnen Generationenbeziehungen keine systematischen Geschlechtsunterschiede. Auch
lassen sich keine nennenswerten geschlechtsspezifischen Veränderungen der Prävalenzraten
zwischen den Jahren 1996 und 2014 erkennen. Lediglich die instrumentelle Hilfe, die für Eltern
erbracht wird, hat unter den Männern der zweiten Lebenshälfte signifikant an Häufigkeit
gewonnen – nicht aber unter den Frauen (vgl. Tabelle A 16-3 im Anhang). Dieser auf Männer
beschränkte Anstieg ist möglicherweise Ausdruck dafür, dass die Zeitressourcen der Frauen
bereits stark durch die Übernahme anderer familialer Aufgaben wie Hausarbeit und
Enkelbetreuung in Verbindung mit wachsender Erwerbsbeteiligung beansprucht sind.

16.4 Diskussion und Implikationen
Mit der Vertikalisierung der Familienstruktur, wonach immer häufiger Mitglieder mehrerer
Generationen gleichzeitig leben, hat sich der Möglichkeitsspielraum, eventuell aber auch die
Notwendigkeit für den Austausch von Geld- und Sachleistungen oder Hilfen bei der
Alltagsführung zwischen den Generationen vergrößert. Dabei sind intergenerationale Transfers
nicht nur Ausdruck des aktuellen Zusammenhalts zwischen den Generationen, sondern stellen
zugleich eine Investition in zukünftige Bedarfssituationen dar. So bilden materielle und
instrumentelle Hilfen zwischen den Generationen eine tragende Säule der individuellen
Daseinsvorsorge und sind gerade in Notfallsituationen ein flexibles und wirkungsvolles
Instrument, Risiken des Lebens abzufangen oder zumindest abzumildern. Entsprechend würde
ein Rückgang gegenseitiger Transferleistungen innerhalb der Familie einen Verlust bedeuten, vor
allem dann, wenn dieser von den Generationen nicht gewollt ist, sondern das Resultat fehlender
materieller oder zeitlicher Ressourcen oder ungünstiger Gelegenheitsstrukturen ist. Werden dann
benötigte Hilfen und Unterstützung nicht durch andere, professionelle oder institutionalisierte
Quellen kompensiert, besteht die Gefahr, dass Versorgungsdefizite entstehen.
Die vorliegenden Auswertungen bieten keine Anhaltspunkte für einen Rückgang
intergenerationaler Unterstützung innerhalb der Familie. So ist die Gesamthäufigkeit der
Transfers zwischen den familialen Generationen weitgehend stabil geblieben. Personen
zwischen 40 und 85 Jahren empfangen im Jahr 2014 nicht nur Hilfe von anderen
Familienmitgliedern, sondern sind selbst auch oft Quelle von Unterstützung. In finanzieller
Hinsicht deutet sich sogar an, dass sie 2014 stärker noch als 1996 eine wichtige Institution zur
Umverteilung materieller Ressourcen sind. Der Befund gestiegener materieller Transferraten an
Familienmitglieder ist zudem vor dem Hintergrund weiterer Trends zu bewerten wie die Zunahme
der Betreuungsquote von Enkelkindern (vgl. Kapitel 15) und der Anstieg des Anteils derer, die
kranke Angehörige unterstützen und pflegen (vgl. Kapitel 12). Aus diesen Befunden kann auf ein
außerordentliches Unterstützungspotenzial der heutigen 40- bis 85-Jährigen geschlossen
werden.
Allerdings lässt sich insbesondere der hier beobachtete Anstieg materieller Transferraten an
nachfolgende Familiengenerationen auch als eine einsetzende Verschiebung intergenerationaler
Abhängigkeitsverhältnisse verstehen: Während sich die (finanzielle) Unabhängigkeit der älteren
Generationen weiterhin vergrößert hat – hauptsächlich bedingt durch deren verbesserte
Einkommens- und Vermögenslage (vgl. Kapitel 6 und 7; Vogel & Künemund 2014) – sind die
265

jüngeren Generationen vermutlich stärker auf die finanzielle Unterstützung durch ihre
(Groß-)Eltern angewiesen. Eine solche Entwicklung birgt durchaus Risiken in sich: So könnten
die Generationenbeziehungen überlastet werden, vor allem wenn gesteigerte Erwartungen von
instrumentellen Gegenleistungen, aber auch von emotionaler Zuwendung oder gemeinsam
verbrachter Zeit von den jüngeren Familiengenerationen nicht erfüllt werden wollen oder nicht
erfüllt werden können. Das dürfte ein gewisses Potenzial für Konflikte und Ambivalenzen
innerhalb des familialen Beziehungsgeflechtes mit sich bringen. Darüber hinaus ist eine solche
finanzielle Abhängigkeit der jüngeren von älteren Familiengenerationen auch insofern riskant, als
dass sich die Wirtschaftslage zukünftiger Eltern- und Großelterngenerationen wieder
verschlechtern kann. Ein (Wieder-)Anstieg von Altersarmut wird bereits prognostiziert (Vogel &
Künemund 2014). Damit würde nicht nur eine wichtige Unterstützungsquelle jüngerer
Generationen verloren gehen, zugleich könnten dadurch die älteren Generationen wieder selbst
verstärkt auf Hilfen ihrer erwachsenen Nachkommen angewiesen sein. Dementsprechend sollten
– trotz des offenbar beträchtlichen Potenzials intergenerationaler Solidarität – sozialpolitische
Maßnahmen darauf bedacht sein, die gewonnene Selbstständigkeit der Familiengenerationen zu
erhalten beziehungsweise weiter zu fördern. Das meint nicht nur eine ausreichende Absicherung
im Rentenalter, sondern auch die finanzielle und alltagspraktische Unterstützung junger
(Familien-)Generationen. An erster Stelle sollte es allerdings darum gehen, die Möglichkeiten
einträglicher (Frauen-)Erwerbstätigkeit weiterhin zu verbessern, um auf diese Weise eine
selbstständige Lebensführung zu ermöglichen.

Literatur
Albertini, M., & Kohli, M. (2013). The generational contract in the family: An analysis of transfer
regimes in Europe. European Sociological Review, 29(4), 828-840.
Alessie, R., Angelini, V., & Pasini, G. (2014). Is it true love? Altruism versus exchange in time and
money transfers. De Economist, 162(2), 193-213.
Deindl, C., Brandt, M., & Hank, K. (2014). Generationen in Europa: Theoretische Perspektiven
und empirische Befunde. In: A. Steinbach, M. Hennig & O. Arránz Becker (Hrsg.) Familie
im Fokus der Wissenschaft (Familienforschung, S. 299-325). Wiesbaden: Springer.
Hank, K. (2015). Intergenerationale Beziehungen. In: P. B. Hill & J. Kopp (Hrsg.) Handbuch
Familiensoziologie (S. 463-486): Springer Fachmedien Wiesbaden.
Igel, C. (2012). Finanzielle Transfers (Großeltern in Europa). Wiesbaden: VS Verlag für
Sozialwissenschaften.
Kahn, J. R., McGill, B. S., & Bianchi, S. M. (2011). Help to Family and Friends: Are There Gender
Differences at Older Ages? Journal of Marriage and Family, 73(1), 77-92. doi:
10.1111/j.1741-3737.2010.00790.x.
Kohli, M., & Künemund, H. (2001). Geben und Nehmen. Die Älteren im Generationenverhältnis.
Zeitschrift für Erziehungswissenschaft, 4(4), 513-528.
Kohli, M., Künemund, H., Motel-Klingebiel, A., & Szydlik, M. (2005). Generationenbeziehungen.
In: M. Kohli & H. Künemund (Hrsg.) Die zweite Lebenshälfte: Gesellschaftliche Lage und
Partizipation im Spiegel des Alters-Survey (Bd. 2, S. 157-175). Wiesbaden: VS Verlag für
Sozialwissenschaften.
Künemund, H., & Rein, M. (1999). There is more to receiving than needing: theoretical arguments
and empirical explorations of crowding in and crowding out. Ageing & Society, 19(01), 93121. doi: doi:null.
Litwin, H., Vogel, C., Künemund, H., & Kohli, M. (2008). The balance of intergenerational
exchange: correlates of net transfers in Germany and Israel. European journal of ageing,
5(2), 91-102.

266

Mahne, K., & Motel-Klingebiel, A. (2010). Familiale Generationenbeziehungen. In: A. MotelKlingebiel, S. Wurm & C. Tesch-Römer (Hrsg.) Altern im Wandel. Befunde des
Deutschen Alterssurveys (DEAS) (S. 188-214). Stuttgart: Kohlhammer.
Marbach, J. H. (1997). Sozialer Tausch unter drei familiär verbundenen Generationen. In: J.
Mansel (Hrsg.) Generationen-Beziehungen, Austausch und Tradierung (S. 85-96).
Opladen: Westdt. Verlag.
Motel-Klingebiel, A., Mahne, K., & Huxhold, O. (2010). Was treibt Transfers zwischen Eltern und
erwachsenen Kindern an? Zur Dynamik familialer Generationenbeziehungen im späten
Lebenslauf. In: A. Ette, K. Ruckdeschel & R. Unger (Hrsg.) Potenziale intergenerationaler
Beziehungen: Chancen und Herausforderungen für die Gestaltung des demografischen
Wandels. Würzburg: Ergon Verlag.
Motel-Klingebiel, A., Tesch-Römer, C., & von Kondratowitz, H. J. (2005). Welfare states do not
crowd out the family: evidence for mixed responsibility from comparative analyses.
Ageing and society, 25(06), 863-882.
Rosenthal, C. J. (1985). Kinkeeping in the familial division of labor. Journal of Marriage and the
Family, 47(4), 965-974.
Vogel, C. (2008). Generationenbilanzen familialer Unterstützungsleistungen im europäischen
Vergleich. Vechta: Zentrum Altern und Gesellschaft der Hochschule Vechta.
Vogel, C., & Künemund, H. (2014). Armut im Alter. In: S. Frech & O. Groh-Samberg (Hrsg.)
Armut in Wohlstandsgesellschaften (S. 123-136). Schwalbach im Taunus Wochenschau
Verlag.

267

268
	

17 Wahlverwandtschaften: Sind Freunde für
die soziale Integration wichtiger geworden?
Anne Böger, Oliver Huxhold & Julia K. Wolff

Kernaussagen
Im Jahr 2014 haben die 40- bis 85-Jährigen mehr Personen in ihrem engen 

Netzwerk als im Jahr 1996: Im Jahr 2014 nennen die Befragten im Durchschnitt etwa 

fünf Personen (4,9 Personen), die ihnen wichtig sind und mit denen sie regelmäßig 

Kontakt haben. Dies ist im Mittel etwa eine Person mehr als noch im Jahr 1996 (4,1 

Personen).
	
Mehr Menschen haben im Jahr 2014 Freundinnen oder Freunde im engen 

Netzwerk als 1996 – diese können auch von mehr Menschen um Rat oder Trost

gefragt werden: Während im Jahr 1996 46,1 Prozent der Personen mindestens eine 

befreundete Person im engen Netzwerk hatten, sind es im Jahr 2014 schon 56,2 

Prozent. Zudem hat mehr als ein Drittel (39,3 Prozent) der 40- bis 85-Jährigen im Jahr
	
2014 befreundete Personen, an die sie sich für einen Rat wenden können und 35,7 

Prozent haben Freundinnen oder Freunde, die Trost spenden können. Im Jahr 1996 

waren es noch 24,1 beziehungsweise 23,2 Prozent.
	
Altersunterschiede in der emotionalen Unterstützung durch Freundinnen oder

Freunde sind im Jahr 2014 größer als noch im Jahr 1996: Bei Älteren ist der
	
Zuwachs im Anteil von Personen mit Freundinnen und Freunden, die Trost spenden 

können, geringer ausgeprägt als im mittleren Alter. Dadurch haben sich 

Altersunterschiede zwischen 1996 und 2014 vergrößert. Weniger als ein Viertel (22,0 

Prozent) der 70-bis 85-Jährigen nennt im Jahr 2014 Freundinnen oder Freunde, die 

emotionale Unterstützung leisten können. Bei den 40- bis 54-Jährigen sind es
	
hingegen 44,8 Prozent.
	
Altersunterschiede bei Freizeitaktivitäten mit Freundinnen oder Freunden

werden zwischen 1996 und 2014 geringer: Im Jahr 2014 nennen mehr 40- bis 85Jährige mindestens eine Freizeitaktivität mit Freundinnen und Freunden (61,6 Prozent)
	
als noch im Jahr 1996 (50,9 Prozent). Bei den Älteren – vor allem bei den 66- bis 71Jährigen – ist der Zuwachs stärker als bei Personen im mittleren Erwachsenalter.
	
Dadurch unterscheiden sich Ältere und Jüngere im Jahr 2014 weniger stark in den 

Freizeitaktivitäten mit Freundinnen und Freunden als noch im Jahr 1996.
	
Bildungsunterschiede bei den Freizeitaktivitäten mit Freundinnen und Freunden 

nehmen zwischen 1996 und 2014 zu: Bei höher Gebildeten wächst der Anteil von 

Personen, die Freizeitaktivitäten mit befreundeten Personen berichten zwischen 1996 

bis 2014 – nicht so bei den niedrig Gebildeten, sodass sich Bildungsunterschiede 

vergrößert haben. Mehr als zwei Drittel (69,7 Prozent) der hoch Gebildeten berichten 

im Jahr 2014 Freizeitaktivitäten mit Freundinnen oder Freunden. Bei den niedrig 

Gebildeten ist es weniger als die Hälfte der Personen (43,9 Prozent).
	

269

17.1 Einleitung
Soziale Beziehungsnetzwerke sind eine zentrale Voraussetzung für Zufriedenheit, Sicherheit und
persönliches Wachstum (Baumeister & Leary 1995). Sie erfüllen nicht nur grundlegende
Bedürfnisse nach Zugehörigkeit und Wertschätzung, sondern sind auch Quelle für Unterstützung,
Wissen und neue Perspektiven sowie für positive Erlebnisse im Rahmen gemeinsamer
Aktivitäten.
Im Zuge veränderter Lebensbedingungen und der Verbreitung postmaterialistischer Werte haben
die Beziehungsnetzwerke der 40- bis 85-Jährigen in den letzten Jahrzehnten einen vielfältigen
Wandel erfahren (vgl. Kapitel 13, 14, 15 und 16). Ein Zuwachs in der Erwerbsbeteiligung von
Frauen, eine höhere geografische Mobilität sowie ein stärkeres Streben nach Selbstbestimmtheit
und Selbstentfaltung haben die Ausgestaltung persönlicher Beziehungen beeinflusst. Personen
im mittleren Erwachsenenalter leben seltener in langjährigen Ehen (vgl. Kapitel 13) und bleiben
häufiger kinderlos (vgl. Kapitel 14). Durch eine sinkende Geburtenrate sind familiale Netzwerke
häufig schmaler geworden. Zudem hat sich die Wohnentfernung zwischen Eltern und ihren
erwachsenen Kindern vergrößert (vgl. Kapitel 14).
Vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen wird nicht selten befürchtet, dass Personen in der
zweiten Lebenshälfte immer weniger Bezugspersonen und Potenzial für soziale Unterstützung
zur Verfügung haben. Denkbar ist jedoch auch, dass es zu einer Umgestaltung von
Beziehungsnetzwerken und -modellen kommt, sodass Bedürfnisse nach Nähe und Unterstützung
besser mit den veränderten Lebensbedingungen und Werthaltungen der 40- bis 85-Jährigen
vereinbar sind. Ergebnisse des Deutschen Alterssurveys (DEAS) weisen darauf hin, dass eine
hohe emotionale Nähe von Generationenbeziehungen auch über geografische Distanz
aufrechterhalten werden kann (vgl. Kapitel 14; Engstler & Huxhold 2010). Ebenso scheint ein
Rückgang der Institution Ehe nicht zwangsweise mit einem Anstieg von Partnerlosigkeit, sondern
eher mit einer stärkeren Verbreitung alternativer Partnerschaftsmodelle (zum Beispiel der
nichtehelichen Partnerschaft) einherzugehen (vgl. Kapitel 13; Engstler & Tesch-Roemer 2010).
Ein Rückgang traditioneller Beziehungsstrukturen muss somit nicht zwangsläufig einen Verlust
sozialer Integration bedeuten.
Auch gibt es Hinweise darauf, dass selbstgewählte Beziehungen für das Sicherstellen sozialer
Integration an Bedeutung gewonnen haben. So zeigten frühere Studien und Befunde des DEAS,
dass Freundinnen und Freunde für Personen in der zweiten Lebenshälfte zunehmend ein stabiler
Bestandteil sozialer Netzwerke (Suanet, van Tilburg, & van Groenou 2013) und eine bedeutsame
Quelle für soziale Unterstützung sind (Huxhold, Mahne, & Naumann 2010). Freundschaften
können in besonderem Maße dazu geeignet sein, den Wunsch nach Nähe und Unterstützung mit
einem zunehmend verbreiteten Individualisierungsstreben zu vereinen. Im Gegensatz zu
familialen Beziehungen können außerfamiliale Netzwerke eigenständig, anhand eigener
Interessen und Charakteristiken ausgewählt werden. Zudem sind Bindungen mit Freundinnen
und Freunden weniger durch Gefühle der Verpflichtung und feste Normen gekennzeichnet als
familiale Beziehungen. Insgesamt gewährleisten freundschaftliche Beziehungen somit ein hohes
Potenzial für Selbstentfaltung, Selbstbestimmtheit sowie für den Austausch anregender
Perspektiven und Informationen. Gleichzeitig können vor allem langjährige Freundinnen und
Freunde auch eine wichtige Quelle für Nähe, Zugehörigkeitsempfinden und Unterstützung sein.
Angesichts dieser besonderen Potenziale kann vermutet werden, dass Freundinnen und Freunde
innerhalb der letzten Jahrzehnte an Bedeutung gewonnen haben. Die Stärke des
Bedeutungszuwachses könnte sich hierbei zwischen Alters- und Bildungsgruppen unterscheiden.
270

Häufig wird die Veränderung beziehungsrelevanter Werthaltungen und Lebensbedingungen als
Folge der Expansion von Bildung und Wohlstand im Verlaufe der Nachkriegszeit verstanden. Vor
diesem Hintergrund sollte die wachsende Bedeutung von Freundschaften in der Gruppe der
40- bis 85-Jährigen vor allem bei späteren Geburtskohorten und hier verstärkt bei höher
Gebildeten erkennbar sein.
Generell ist davon auszugehen, dass sich sowohl die Wichtigkeit außerfamilialer Beziehungen als
auch die Möglichkeiten solche Bindungen aufzubauen zwischen Personen unterschiedlichen
Alters, Geschlechts und Bildungsniveaus unterscheiden. Aufgrund einer Zunahme funktionaler
Einschränkungen mit dem Alter (vgl. Kapitel 8) kann sich das Bedürfnis nach sozialer
Unterstützung erhöhen (Shaw, Krause, Liang, & Bennett 2007), was zu einem Ungleichgewicht
im Austausch von Unterstützungsleistungen zwischen den beteiligten Personen führen kann. In
engen und vor allem familialen Beziehungen wird eine Verletzung der Reziprozitätsnorm für
soziale Unterstützung aufgrund von stärkeren Verpflichtungsgefühlen eher akzeptiert als in
weniger engen Freundschaften und Bekanntschaften (Ikkink & van Tilburg 1998; Neyer, Wrzus,
Wagner, & Lang 2011). Denkbar ist somit, dass Familienbeziehungen bei einem einseitig
erhöhten Unterstützungsbedarf leichter bewahrt werden können als außerfamiliale Beziehungen.
Zudem leidet nicht nur die ältere Person selbst, sondern auch ihre gleichaltrigen Freundinnen und
Freunde unter gesundheitlichen Verlusten, während familiale Netzwerke in der Regel
unterschiedliche Generationen umfassen. Angesichts dieser Entwicklungen ist denkbar, dass
Freundschaften im höheren Alter schlechter aufrechterhalten werden können als familiale
Bindungen.
Der Stellenwert freundschaftlicher Beziehungen könnte sich auch zwischen den Geschlechtern
unterscheiden. Studien weisen darauf hin, dass sich Männer für den Erhalt von emotionaler
Unterstützung vor allem auf ihre Partnerin verlassen, während Frauen verstärkt außerfamiliale
Beziehungen heranziehen (zum Beispiel Antonucci & Akiyama 1987). Im Einklang mit dieser Idee
zeigten frühere Befunde des DEAS, dass Frauen häufiger emotional enge Beziehungen zu
Freundinnen und Freunden berichten als Männer (Huxhold et al. 2010). Keine
Geschlechtsunterschiede zeigten sich hingegen in der Rolle von Freundinnen und Freunden als
Quelle für Rat. Unterschiede zwischen Männern und Frauen sind somit vor allem in der
emotionalen Enge von Freundschaften, weniger jedoch im Austausch von Rat und der
Gestaltung gemeinsamer Aktivitäten zu erwarten.
Zuletzt könnte sich die Rolle von Freundschaften auch zwischen Bildungsgruppen unterscheiden.
Studien weisen darauf hin, dass soziale Netzwerke von Personen mit niedriger Bildung häufiger
familienzentriert sind als die von Personen mit höherer Bildung (Van Groenou & Van Tilburg
2003). Dies könnte auf Unterschiede in Aktivitäten und Ressourcen zurückgeführt werden.
Bildungsunterschiede hinsichtlich berufsbedingter Mobilität sowie beruflichen Aufgaben könnten
dazu beitragen, dass Personen mit höherer Bildung verstärkt außerfamiliale Kontakte knüpfen
können beziehungsweise müssen und dadurch weniger auf die Familie zentriert sind (zum
Beispiel Fors & Lennartsson 2008). Des Weiteren beeinflussen finanzielle Ressourcen die
Möglichkeiten für gemeinsame Freizeitaktivitäten, welche für die Entwicklung und
Aufrechterhaltung außerfamilialer Beziehungen einen besonderen Stellenwert haben könnten.
Auch Unterschiede in beziehungsrelevanten Werten könnten eine Rolle spielen. So gibt es
Hinweise darauf, dass das Streben nach Individualität bei hoher Bildung und finanzieller
Sicherheit stärker ausgeprägt ist als bei niedrigem Bildungsniveau (zum Beispiel Kroh 2008).

271

Insgesamt sind also sowohl ein Wandel in den sozialen Netzwerken und Aktivitäten über die
letzten Jahre, als auch Unterschiede zwischen verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen zu
erwarten. Daher widmet sich dieses Kapitel den folgenden Fragestellungen:
1.		 Wie haben sich verschiedene Facetten sozialer Integration (enge Netzwerke, Potenzial für
soziale Unterstützung, soziale Freizeitaktivitäten) gewandelt und wie unterscheiden sie sich
zwischen gesellschaftlichen Gruppen?
2.		 Haben Freundschaften für die verschiedenen Facetten sozialer Integration (als Teil des
engen Netzwerks, als Quelle für soziale Unterstützung, als Partner sozialer
Freizeitaktivitäten) an Bedeutung gewonnen und wie unterscheidet sich ihre Bedeutung
zwischen gesellschaftlichen Gruppen?

17.2 Datengrundlage
Daten. Für die Beantwortung der Fragestellungen werden die Daten der 40- bis 85-Jährigen
Teilnehmerinnen und Teilnehmer des DEAS aus den Jahren 1996, 2002, 2008 und 2014 genutzt.
Es werden vier Facetten sozialer Integration betrachtet: 1) das enge Netzwerk, 2) das Potenzial
für informationelle Unterstützung, 3) das Potenzial für emotionale Unterstützung und 4) die
sozialen Freizeitaktivitäten. Für alle Facetten ist hierbei vor allem der Anteil von Befragten mit
Freundinnen und Freunden von Interesse. Angaben zu den vier Indikatoren sozialer Integration
wurden in allen vier Befragungsjahren des DEAS von 1996 bis 2014 im Zuge des mündlichen
Interviews erhoben.
Enges Netzwerk. Zur Erfassung des engen Netzwerks wurden die Befragten gebeten, bis zu acht
Personen aufzuzählen, die ihnen wichtig sind und mit denen sie regelmäßig Kontakt haben.
Anhand der Angaben wurde die Größe des engen Netzwerks (null bis acht) ermittelt. Zudem
wurde der Anteil an Personen mit mindestens einem freundschaftlichen Kontakt (Freundin und
Freund, Arbeitskollegin und Arbeitskollege, Nachbarin und Nachbar, Vereinsmitglied, Bekannte
und Bekannter) in ihrem Netzwerk bestimmt.
Potenzial für informationelle Unterstützung. Zur Erfassung der Potenzials für informationelle
Unterstützung wurden die Befragten gebeten bis zu fünf Personen zu nennen, an die sie sich
wenden können, um nach Rat zu fragen. Aus den Angaben wurde die Anzahl potenzieller
Ratgeberinnen und Ratgeber (null bis fünf) ermittelt. Des Weiteren wurde der Anteil an Personen
mit zumindest einem freundschaftlichen Kontakt (Freundin und Freund, Arbeitskollegin und
Arbeitskollege, Nachbarin und Nachbar, Vereinsmitglied, Bekannte und Bekannter) als Quelle für
Rat bestimmt.
Potenzial für emotionale Unterstützung. Mit einem ähnlichen Maß wurde das Potenzial für
emotionale Unterstützung abgebildet. Wiederum nannten die Befragten bis zu fünf Personen, an
die sie sich wenden können, um Trost oder Aufmunterung zu erhalten. Neben der Gesamtanzahl
von Personen, die Trost geben können (null bis fünf), wurde auch hier der Anteil an Personen mit
mindestens einem freundschaftlichen Kontakt (Freundin und Freund, Arbeitskollegin und
Arbeitskollege, Nachbarin und Nachbar, Vereinsmitglied, Bekannte und Bekannter) als Quelle für
Trost ermittelt.
Soziale Freizeitaktivitäten. Die Freizeitgestaltung wurde über eine Auswahl verschiedener
Aktivitäten innerhalb der letzten zwölf Monate erfasst (spazieren gehen, Sport treiben,
künstlerisch tätig sein, kulturelle Veranstaltungen besuchen, Sportveranstaltungen besuchen,
272

Gesellschaftsspiele spielen, Kurse und Vorträge besuchen). Für jede Aktivität gaben die
Befragten an, ob sie diese innerhalb der letzten zwölf Monate meist allein oder mit anderen
Personen (mit Partnerin und Partner, mit Verwandten, mit Freundinnen und Freunden, im Verein
und mit Anderen) ausgeführt haben. Anhand der Antworten wurde die Summe der sozialen
Aktivitäten (null bis sieben), das heißt aller Aktivitäten, die nicht meist alleine ausgeführt wurden,
ermittelt. Zudem wurde der Anteil an Personen, die zumindest eine Freizeitaktivität mit
befreundeten Personen (Aktivität mit Freundinnen und Freunden oder im Verein) ausgeführt
haben, ermittelt.
Gruppierungsvariablen. Zur Prüfung von Altersunterschieden im Jahr 2014 wurden – analog zur
Schichtung der Stichprobe – drei Altersgruppen verwendet: 40 bis 54 Jahre, 55 bis 69 Jahre und
70 bis 85 Jahre. Altersunterschiede im Wandel wurden anhand von Sechs-Jahres-Altersgruppen
untersucht, um Überschneidungen zwischen Erhebungszeitpunkten und Altersgruppen zu
vermeiden (42 bis 47 Jahre, 48 bis 53 Jahre, 54 bis 59 Jahre, 60 bis 65 Jahre, 66 bis 71 Jahre,
72 bis 77 Jahre, 78 bis 83 Jahre). Neben Altersunterschieden wurden auch Unterschiede nach
Geschlecht und Bildung betrachtet. Zur Untersuchung von Bildungsunterschieden wurden –
basierend auf einer reduzierten ISCED-Klassifizierung – drei Bildungsgruppen unterschieden:
Personen mit niedriger, mittlerer und hoher Bildung (vgl. Kapitel 2).
Analysen. In den Abbildungen und im Text sind gewichtete (gruppenspezifische) Mittelwerte oder
Häufigkeiten angegeben. Um Gruppenunterschiede auf ihre statistische Signifikanz zu testen,
wurden in Abhängigkeit vom Skalenniveau logistische Regressionen (dichotome Variablen) und
Varianzanalysen (kontinuierliche Variablen) berechnet, wobei für die Stratifizierungsvariablen
Altersgruppe, Geschlecht und Region (Ost-/Westdeutschland) kontrolliert wurde. Das genaue
Vorgehen ist in Kapitel 2 beschrieben.

17.3 Wandel und Unterschiede in der sozialen Integration
Vergleicht man 2014 und 1996, zeigt sich, dass sich die hier betrachteten Facetten sozialer
Integration bei den 40- bis 85-Jährigen eher positiv entwickelt haben. Allerdings differiert der
Wandel zum Teil zwischen Bildungs- und Altersgruppen.
Im Jahr 2014 haben die 40- bis 85-Jährigen mehr Personen in ihrem engen Netzwerk als im Jahr
1996. Die durchschnittliche Größe der engen Netzwerke hat sich von 1996 bis 2014 um fast eine
Person erhöht (1996: 4,1 Personen, 2002: 4,7 Personen, 2008: 4,3 Personen, 2014:
4,9 Personen; vgl. Tabelle A 17-1 im Anhang). Dieser Trend ist für Personen unterschiedlichen
Alters, Geschlechts und Bildungsniveaus gleichermaßen erkennbar. Allerdings bestehen im Jahr
2014 bedeutsame Unterschiede zwischen diesen Gruppen. Speziell berichten Personen im
mittleren Erwachsenenalter und Frauen mehr Personen in ihrem Netzwerk als Ältere und Männer
(vgl. Tabelle A 17-1 im Anhang). Des Weiteren verfügen Personen mit höherer Bildung über
größere Netzwerke (5,2 Personen) als Personen mit mittlerer Bildung (4,8 Personen) und
Niedriggebildete (4,4 Personen) (ohne Abbildung).
Die durchschnittliche Anzahl von Personen, die informationelle Unterstützung leisten können, hat
sich von 1996 bis 2008 leicht reduziert (1996: 2,1 Personen, 2002: 2,0 Personen, 2008:
1,9 Personen; vgl. Tabelle A 17-2 im Anhang). Von 2008 bis 2014 kommt es hingegen in allen
Altersgruppen zu einem Zuwachs in der Anzahl potenzieller Ratgeberinnen und Ratgeber. In der
Folge ist das durchschnittliche Potenzial für informationelle Unterstützung im Jahr 2014
(2,3 Personen) größer als 1996 (2,1 Personen). Allerdings ist der Langzeitzuwachs von 1996 bis
273

2014 nur bei den unter 72-Jährigen bedeutsam. Bei Personen, die 72 Jahre oder älter sind, ist
die durchschnittliche Anzahl von Ratgeberinnen und Ratgebern im Jahr 2014 hingegen ähnlich
hoch wie im Jahr 1996. Zudem unterscheidet sich der Anstieg des informationellen
Unterstützungspotenzials zwischen den Geschlechtern. Speziell ist der Zuwachs von 1996 bis
2014 bei den Frauen etwas stärker als bei den Männern. Im Jahr 2014 berichten Personen im
mittleren Erwachsenenalter und Frauen von mehr Potenzial für informationelle Unterstützung als
Ältere und Männer (vgl. Tabelle 17-2 im Anhang). Zudem ist die Anzahl von Ratgeberinnen und
Ratgebern bei Hochgebildeten (2,5 Personen) höher als bei Personen mit mittlerem
(2,2 Personen) und niedrigem Bildungsniveau (2,1 Personen) (ohne Abbildung).
Auch die durchschnittliche Anzahl von Personen, die emotionale Unterstützung leisten können,
hat sich bis zum Jahr 2008 zunächst reduziert (1996: 2,0 Personen, 2002: 1,9 Personen, 2008:
1,8 Personen; vgl. Tabelle A 17-3 im Anhang). Von 2008 bis 2014 ist hingegen in fast allen
Altersgruppen (außer bei den 78- bis 83-Jährigen) ein Zuwachs im Potenzial für emotionale
Unterstützung erkennbar (Abbildung 17-1). Schaut man auf die Langezeittrends von 1996 bis
2014, zeigen sich bedeutsame Unterschiede zwischen den Altersgruppen. Bei den unter
60-Jährigen ist die Anzahl von Personen, die emotionale Unterstützung leisten können im Jahr
2014 bedeutsam höher als im Jahr 1996. Bei den 60- bis 71-Jährigen gibt es hingegen keine
bedeutsamen Veränderungen und bei den über 71-Jährigen ist die Anzahl von Personen, die
Trost spenden können im Jahr 2014 sogar geringer als noch im Jahr 1996. Auch zwischen den
Bildungsgruppen bestehen bedeutsame Unterschiede im Wandel. Vergleicht man 1996 und 2014
(ohne Abbildung), hat das Potenzial für emotionale Unterstützung bei den Hochgebildeten
zugenommen (1996: 2,1 Personen, 2014: 2,3 Personen), während es sich bei den
Niedriggebildeten reduziert hat (1996: 2,0 Personen, 2014: 1,7 Personen). Insgesamt bestehen
im Jahr 2014 somit nicht nur größere Alters-, sondern auch größere Bildungsunterschiede im
Potenzial für emotionale Unterstützung als noch im Jahr 1996.
Im Einklang mit dem altersdifferenziellen Wandel berichten Jüngere im Jahr 2014 bedeutsam
mehr Personen, die Trost geben können, als Ältere (vgl. Tabelle A 17-3 im Anhang). Ebenso
berichten Frauen von mehr Personen für emotionale Unterstützung als Männer (vgl. Tabelle
A 17-3 im Anhang). Zudem bestehen bedeutsame Bildungsunterschiede: Hochgebildete haben
hierbei mehr Personen, die Trost spenden können (2,3 Personen) als Personen mit mittlerem
(2,0 Personen) und niedrigem Bildungsniveau (1,7 Personen) (ohne Abbildung).

274

Abbildung 17-1:	
1996

Mittlere Anzahl von Personen, die Trost spenden können, nach Alter,
in den Jahren 1996, 2002, 2008 und 2014
2002

2008

2014
	

Mittlere Anzahl Personen

6
	
5
	
4
	
3

2
1

2,1 2,0 2,0

2,4

2,0 1,9 1,9

2,3

2,0 2,0 1,8 2,1

1,9 1,7 1,7 2,0

1,9 1,7
1,9
1,6

54-59
Jahre

60-65
Jahre

66-71
Jahre

1,9 1,8

1,5 1,7

1,8 1,8

1,5 1,5

0
42-47
Jahre

48-53
Jahre

72-77
Jahre

78-83
Jahre

Quelle: DEAS 1996 (n = 4.677), 2002 (n = 2.998), 2008 (n = 6.013), 2014 (n = 5.879), gewichtet, gerundete Angaben; (p < ,05).
Signifikante Abnahme für alle Altersgruppen ab 54 Jahren zwischen 1996 und 2008, signifikante Zunahme für alle außer den
78- bis 83-Jährigen zwischen 2008 und 2014. Signifikanter Unterschied zwischen 1996 und 2014 außer für die Altersgruppen
60 bis 65 Jahre und 66 bis 71 Jahre.

Die durchschnittliche Anzahl von Freizeitaktivitäten, die zusammen mit anderen Personen
ausgeübt werden, hat sich von 1996 bis 2014 in allen Altersgruppen bedeutsam erhöht (1996: 2,4
Aktivitäten, 2002: 2,7 Aktivitäten, 2008: 2,9 Aktivitäten, 2014: 3,1 Aktivitäten; vgl. Tabelle A 17-4
im Anhang). In höheren Altersgruppen (vor allem bei den 66- bis 77-Jährigen) ist der Zuwachs
hierbei stärker als bei den Jüngeren. In der Folge sind Altersunterschiede in der Anzahl sozialer
Freizeitaktivitäten im Jahr 2014 geringer als noch im Jahr 1996. Im Gegensatz dazu haben sich
die Bildungsunterschiede in diesem Bereich vergrößert. Dies lässt sich darauf zurückführen, dass
der Zuwachs sozialer Freizeitaktivitäten von 1996 bis 2014 bei den Niedriggebildeten geringer
ausgeprägt ist als bei Personen mit höherer Bildung (Abbildung 17-2b). Im Jahr 2014 berichten
jüngere Personen mehr soziale Freizeitaktivitäten als Ältere. Zwischen Männern und Frauen
unterscheidet sich die Anzahl sozialer Freizeitaktivitäten nicht bedeutsam (vgl. Tabelle A 17-4 im
Anhang). Im Einklang mit den differenziellen Trends im Wandel berichten Personen mit höherer
Bildung im Jahr 2014 mehr soziale Freizeitaktivitäten (3,6 Aktivitäten) als Personen mit mittlerem
(3,0 Aktivitäten) und niedrigem Bildungsniveau (2,0 Aktivitäten).

275

Abbildung 17-2:	

Mittlere Anzahl von sozialen Freizeitaktivitäten nach Alter und Bildung,
in den Jahren 1996, 2002, 2008 und 2014

a) Nach Alter
1996

2002

2008

2014

Mittlere Anzahl Aktivitäten

6
5
4
3
2

3,5 3,6
3,1 3,3

1

2,8 2,9

3,2

3,6
2,5

3,1 3,0 3,3

2,3

2,8 2,9 3,0
1,9

2,3

2,7

3,0
1,6

2,0 2,1

2,7
1,3 1,3

1,6

1,9

0
42-47
Jahre

48-53
Jahre

54-59
Jahre

60-65
Jahre

66-71
Jahre

72-77
Jahre

78-83
Jahre

b) Nach Bildung
1996

2008

2002

2014

Mittlere Anzahl Aktivitäten

6
5
4
3
2
1

1,7

1,8

1,7

2,0

2,4

2,7

2,8

3,0

2,9

3,3

3,4

3,6

0
Niedrige
Bildung

Mittlere
Bildung

Hohe
	
Bildung
	

Quelle: DEAS 1996 (n = 4.550), 2002 (n = 2.883), 2008 (n = 6.190), 2014 (n=5.984), gewichtet, gerundete Angaben; (p < ,05).
a) Unterschiede zwischen 1996 und 2014 in allen Altersgruppen signifikant. In höheren Altergruppen (vor allem bei den 66- bis
77-Jährigen) Anstieg signifikant stärker. b) Signifikante Zunahme zwischen 1996 und 2014 in allen Bildungsgruppen. Zunahme
bei den höheren Bildungsgruppen stärker.

17.4 Wandel und Unterschiede in der Bedeutung von Freundschaften
Nach der Betrachtung des Wandels verschiedener Facetten sozialer Integration stellt sich die
wichtige Frage, inwiefern sich die beschriebenen Entwicklungen auf Veränderungen im Anteil von
Personen mit Freundschaftsbeziehungen zurückführen lassen könnten.
Mehr Menschen haben im Jahr 2014 Freundinnen oder Freunde im engen Netzwerk als
1996 – diese können auch von mehr Menschen um Rat oder Trost gefragt werden.
Im Einklang mit den Erwartungen ist für alle der hier betrachteten Facetten sozialer Integration
ein Zuwachs des Anteils von Personen mit Freundinnen und Freunden erkennbar
276

(Abbildung 17-3). Erneut differenziert dieser Wandel jedoch zum Teil zwischen Alters- und
Bildungsgruppen.

Abbildung 17-3:	

Anteile der Personen mit Freundinnen oder Freunden im engen
Netzwerk; die Rat geben können; die Trost spenden können und die
Partner für soziale Freizeitaktivitäten sind, in den Jahren 1996, 2002,
2008 und 2014 (in Prozent)

1996

2002

2008

2014

100

Prozent

80
60
40
20

46,1

50,8

47,7

56,2
24,1

26,2

30,7

50,9

39,3
23,2

26,1

30,0

55,5

54,3

61,6

35,7

0
Enges
Netzwerk

Rat

Trost

Soziale
Aktivitäten

Quelle: DEAS 1996 (n = 4.654 für Netzwerk; n = 4.735 für Rat; n = 4.677 für Trost; n = 4.550 für Soziale Aktivitäten), 2002 

(n = 2.982 für Netzwerk; n = 3.031 für Rat; n = 2.998 für Trost; n = 2.883 für Soziale Aktivitäten:), 2008 (n = 6.098 für Netzwerk;
	
n = 6.055 für Rat; n = 6.013 für Trost; n = 6.190 für Soziale Aktivitäten), 2014 (n = 5.940 für Netzwerk; n = 5.880 für Rat;
	
n = 5.879 für Trost; n = 5.984 für Soziale Aktivitäten), gewichtet, gerundete Angaben; (p < ,05).
	
Für alle Indikatoren Unterschiede zwischen 1996 und 2014 signifikant.
	

Während im Jahr 1996 nur 46,1 Prozent der 40- bis 85-Jährigen Freundinnen und Freunde in
ihrem engen Netzwerk berichten, sind es im Jahr 2014 56,2 Prozent (Abbildung 17-3). Dieser
Zuwachs ist für Personen unterschiedlichen Alters, Geschlechts und Bildungsniveaus
gleichermaßen erkennbar. Wie in der Gesamtgröße des Netzwerks bestehen jedoch auch bei der
Einbindung von Freudinnen und Freunden bedeutsame Unterschiede zwischen diesen Gruppen
im Jahr 2014. Bei Älteren ist der Anteil von Personen mit Freundinnen und Freunden im engen
Netzwerk geringer als bei Jüngeren (40-54 Jahre: 60,1 Prozent, 55-69 Jahre: 56,9 Prozent,
70-85 Jahre: 49,1 Prozent; vgl. Tabelle 17-5 im Anhang). Zudem gibt es mehr Frauen als
Männer, die Freundinnen und Freunde in ihrem engen Netzwerk berichten (Frauen: 59,7 Prozent,
Männer: 52,5 Prozent; vgl. Tabelle 17-5 im Anhang). Ebenso bestehen bedeutsame
Unterschiede zwischen den Bildungsgruppen (ohne Abbildung): So nennen etwa 62,2 Prozent
der Hochgebildeten, aber nur 54,1 Prozent der Personen mit mittlerer Bildung und 43,5 Prozent
der Niedriggebildeten mindestens eine Freundin oder einen Freund als Teil ihres engen
Netzwerks.
Auch im Bereich der sozialen Unterstützung finden sich Hinweise auf eine steigende Bedeutung
von Freundschaften. Im Jahr 2014 berichten 39,3 Prozent der 40- bis 85-Jährigen von
mindestens einer befreundeten Person, von der sie Ratschläge beziehen können. In 1996 war
das nur bei rund einem Viertel (24,1 Prozent) der Personen der Fall (Abbildung 17-3). Wie beim
277

Netzwerk, ist dieser Zuwachs bei Personen unterschiedlichen Alters, Geschlechts und
Bildungsniveaus gleichermaßen erkennbar. Allerdings unterscheiden sich diese Gruppen im
Vorkommen freundschaftlicher Ratgeberinnen und Ratgeber im Jahr 2014. Erneut ist der Anteil
von Personen mit Freundinnen und Freunden, die Rat geben können, im höheren Alter geringer
ausgeprägt (40-54 Jahre: 47,9 Prozent, 55-69 Jahre: 38,9 Prozent, 70-85 Jahre: 25,9 Prozent;
vgl. Tabelle A 17-6 im Anhang). Zudem berichten mehr Frauen als Männer Freundinnen oder
Freunde, die informationelle Unterstützung leisten können (Frauen: 42,0 Prozent, Männer:
36,3 Prozent; vgl. Tabelle A 17-6 im Anhang). Erneut bestehen auch deutliche Unterschiede
zwischen den Bildungsgruppen. So nennen rund 46,3 Prozent der Personen mit höherer Bildung
freundschaftliche Kontakte als Quelle für Rat, während es in der Gruppe der Personen mit
mittlerer Bildung 36,6 Prozent sind und bei den Niedriggebildeten nur etwa ein Viertel (25,1
Prozent) der Personen ist (ohne Abbildung)
Altersunterschiede in der emotionalen Unterstützung durch Freundinnen oder Freunde
sind im Jahr 2014 größer als noch im Jahr 1996.
Wie die Entwicklung des Gesamtpotenzials für emotionale Unterstützung (Abbildung 17-1),
unterscheidet sich der Wandel im Vorkommen emotionaler Unterstützung durch Freundinnen und
Freunde zwischen Personen unterschiedlichen Alters. Insgesamt ist der Anteil von Personen mit
Freundinnen und Freunden, die Trost geben können, im Jahr 2014 größer als im Jahr 1996
(1996: 23,2 Prozent, 2014: 35,7 Prozent; Abbildung 17-3). Allerdings ist die Stärke des
Zuwachses bei den Älteren deutlich geringer ausgeprägt (Abbildung 17-4). Die zuvor berichtete
Vergrößerung von Altersunterschieden im Potenzial für emotionale Unterstützung
(Abbildung 17-1) scheint somit auch auf eine geringere Miteinbindung freundschaftlicher
Unterstützer bei Älteren zurückführbar zu sein. Im Gegensatz dazu ist der Zuwachs im
Vorkommen von Trost durch Freundinnen und Freunde in allen Bildungsgruppen ähnlich stark
ausgeprägt. Es finden sich also keine Hinweise darauf, dass die zuvor berichteten
Bildungsunterschiede im Wandel des emotionalen Unterstützungspotenzials auf einen
unterschiedlich starken Zuwachs in der Einbeziehung befreundeter Personen zurückführbar sind.
Im Jahr 2014 nennt weniger als ein Viertel (22,0 Prozent) der 70-bis 85-Jährigen Freundinnen
und Freunde, von denen sie Trost erhalten können. Bei den 55- bis 69-Jährigen sind es hingegen
34,8 Prozent und bei den 40- bis 54-Jährigen sogar 44,8 Prozent (vgl. Tabelle A 17-7 im
Anhang). Zudem bestehen deutliche Geschlechtsunterschiede. Während 45,4 Prozent der
Frauen mindestens eine Freundin oder einen Freund haben, an die oder den sie sich wenden
können, um emotional unterstützt zu werden, ist es bei den Männern nur ein Viertel der Personen
(25,2 Prozent; vgl. Tabelle A 17-7 im Anhang). Erneut gibt es auch bedeutsame Unterschiede
zwischen den Bildungsgruppen (ohne Abbildung). Während in der Gruppe der Niedriggebildeten
weniger als ein Viertel der Personen (22,3 Prozent) Freundinnen und Freunde als Quelle für
Trost berichtet, sind es in der Gruppe der Personen mit mittlerer Bildung 33,9 Prozent und bei
den Hochgebildeten 41,3 Prozent.

278

Abbildung 17-4:	

1996

Anteile der Personen mit Freundinnen und Freunden, die Trost
spenden können, nach Alter, in den Jahren 1996, 2002, 2008 und 2014
(in Prozent)
2002

2008

2014
	

100
	

Prozent

80
	
60
	
40
20

30,6

35,2

40,7

47,1
27,1 28,1

34,9

44,5
21,5

28,8 31,0

38,7
19,4 22,6

26,5

33,0
16,7

22,5 22,4

29,4

18,7 17,5 19,8 22,9

14,9 16,9 14,2 16,7

72-77
Jahre

78-83
Jahre

0
42-47
Jahre

48-53
Jahre

54-59
Jahre

60-65
Jahre

66-71
Jahre

Quelle: DEAS 1996 (n = 4.677), 2002 (n = 2.998), 2008 (n = 6.013), 2014 (n = 5.879), gewichtet, gerundete Angaben; (p < ,05).
Signifikanter Zunahme von 1996 bis 2014 in allen Altersgruppen außer unter den 78- bis 83-Jährigen. Stärke des Zuwachses in
älteren Altersgruppen signifikant kleiner.

Altersunterschiede bei Freizeitaktivitäten mit Freundinnen oder Freunden werden zwischen 1996
und 2014 geringer. Im Jahr 1996 hat nur circa die Hälfte (50,9 Prozent) der 40- bis 85-Jährigen
mindestens eine Freizeitaktivität mit Freundinnen und Freunden angegeben. Im Jahr 2014 sind
es schon fast zwei Drittel (61,6 Prozent; Abbildung 17-3). Wie bei der Gesamtanzahl sozialer
Freizeitaktivitäten ist dieser Wandel bei älteren Personen (vor allem bei den 66- bis 71-Jährigen)
stärker ausgeprägt als bei den Jüngeren (Abbildung 17-5a). In der Folge haben sich
Altersunterschiede im Auftreten von Freizeitaktivitäten mit befreundeten Personen von 1996 zu
2014 verringert. Die wachsende Anzahl an sozialen Freizeitaktivitäten bei Älteren
(Abbildung 17-2) geht möglicherweise mit verbesserten Chancen für den Aufbau
freundschaftlicher Beziehungen einher. Ebenso könnte eine positive Gesundheitsentwicklung bei
Älteren und ihren gleichaltrigen Freundinnen und Freunden (vgl. Kapitel 8) dazu führen, dass
gemeinsame Freizeitaktivitäten länger aufrechterhalten werden.
Bildungsunterschiede bei den Freizeitaktivitäten mit Freundinnen und Freunden nehmen
zwischen 1996 und 2014 zu. Wie die Unterschiede in der Anzahl sozialer Freizeitaktivitäten
(Abbildung 17-2), haben auch Bildungsunterschiede im Vorkommen von Freizeitaktivitäten mit
Freundinnen und Freunden seit 1996 zugenommen (Abbildung 17-5b). Speziell ist es nur bei den
Personen mit mittlerer und hoher Bildung, nicht aber bei Personen mit niedriger Bildung zu einem
bedeutsamen Anstieg im Anteil von Personen, die Freizeitaktivitäten mit befreundeten Personen
berichten, gekommen. Möglicherweise geht der bildungsdifferenzielle Wandel in der Anzahl
sozialer Freizeitaktivitäten (Abbildung 17-2) mit einer ungleichen Entwicklung von Chancen für
den Aufbau von Freundschaften einher. Auch könnten sich Möglichkeiten zur außerfamilialen
Vernetzung, vor allem im beruflichen Bereich, bildungsdifferenziell gewandelt haben, sodass sich
die Anzahl von Partnerinnen und Partnern für die Durchführung gemeinsamer Freizeitaktivitäten
unter Personen mit niedriger Bildung weniger günstig entwickelt hat als unter Personen mit
höherer Bildung.

279

Abbildung 17-5:	

Anteile der Personen, die mindestens eine Freizeitaktivität mit
Freundinnen und Freunden ausführen nach Alter und Bildung, in den
Jahren 1996, 2002, 2008 und 2014 (in Prozent)

a) Nach Alter
1996

2002

2008

2014

100

Prozent

80
60
40
60,4 64,9 59,2

67,9

59,3 59,8 63,0

69,0
52,9

20

61,8

55,2

63,2
47,7

57,5 54,5 59,5
40,9

46,1

52,3

63,3
40,0 39,9 41,4

53,4
35,8 34,0 34,9

45,1

0
42-47
Jahre

48-53
Jahre

54-59
Jahre

60-65
Jahre

66-71
Jahre

72-77
Jahre

78-83
Jahre

b) Nach Bildung
1996

2002

2008

2014

100

Prozent

80
60
40
20

39,8

39,5

35,3

43,9

51,2

54,5

54,5

58,7

58,8

65,1

60,8

69,7

0
Niedrige
Bildung

Mittlere
Bildung

Hohe
	
Bildung
	

Quelle: DEAS 1996 (n = 4.550), 2002 (n = 2.883), 2008 (n = 6.190), 2014 (n = 5984), gewichtet, gerundete Angaben; (p < ,05).
a) Unterschied zwischen 1996 und 2014 in allen Altersgruppen signifikant. In höheren Altergruppen Anstieg signifikant stärker.
b) Bei niedrig Gebildeten kein signifikanter Unterschied zwischen 1996 und 2014. Unterschied bei mittlerer und hoher Bildung
signifikant.

Im Jahr 2014 werden Freizeitaktivitäten mit befreundeten Personen von Jüngeren häufiger
berichtet als von Älteren (40 bis 54 Jahre: 67,7 Prozent, 55 bis 69 Jahre: 61,6 Prozent, 70 bis
85 Jahre: 51,8 Prozent; vgl. Tabelle A 17-8 im Anhang). Zudem gibt es mehr Frauen als Männer,
die mindestens eine Freizeitaktivität mit Freundinnen oder Freunden ausüben
(Frau: 62,7 Prozent, Männer: 60,4 Prozent; vgl. Tabelle A 17-8 im Anhang). Im Einklang mit den
differenziellen Trends im Wandel, zeigen sich zudem bedeutsame Unterschiede zwischen den
Bildungsgruppen. Während in der Gruppe der Hochgebildeten mehr als zwei Drittel (69,7
Prozent; Abbildung 17-5b) der Personen Freizeitaktivitäten mit Freundinnen und Freunden
berichten, sind es bei den Personen mit mittlerem Bildungsniveau 58,7 Prozent und bei Personen
mit niedrigem Bildungsniveau nur 43,9 Prozent.
280

17.5 Diskussion und Implikationen
Soziale Beziehungen gelten als wichtige Ressource für positive Emotionen und Zufriedenheit
sowie Gesundheit (zum Beispiel Berkman, Glass, Brissette, & Seeman 2000). Sie erfüllen nicht
nur Bedürfnisse nach Zugehörigkeit und Unterstützung (Baumeister & Leary 1995), sondern
fördern auch positive Erfahrungen im Rahmen gemeinsamer Aktivitäten.
Angesichts dieser Relevanz ist es erfreulich, dass sich viele Aspekte der sozialen Integration der
40- bis 85-Jährigen von 1996 bis 2014 positiv entwickelt haben. Zumindest teilweise scheint der
Zuwachs sozialer Integration hierbei auf eine stärkere Einbindung freundschaftlicher
Beziehungen zurückzuführen zu sein. Immer häufiger nennen Personen in der zweiten
Lebenshälfte Freundinnen und Freunde als Teil ihres engen Netzwerkes, als Quelle für soziale
Unterstützung und als Partner für Freizeitaktivitäten. Denkbar ist, dass der Bedeutungszuwachs
von Freundschaften eine Anpassung an veränderte Lebensbedingungen, Werte und Normen
repräsentiert (Inglehart 2008; Suanet et al. 2013). Vor dem Hintergrund sich intensivierender
Wünsche nach Selbstverwirklichung und Selbstbestimmtheit könnten Freundschaften an
Relevanz gewonnen haben, da sie stärker als familiale Beziehungen anhand eigener Interessen
und Charakteristiken ausgewählt werden können. Häufig sind außerfamiliale Bindungen auch
weniger durch moralische Verpflichtung und verbindliche Normen gekennzeichnet als familiale
Beziehungen.
Trotz ihres weniger verpflichtenden Charakters haben Freundinnen und Freunde nicht nur als
Partner für Freizeitaktivitäten sondern auch als enge Bezugsperson und Quelle für Unterstützung
an Relevanz gewonnen. Nur bei den über 70-Jährigen ist dieser Trend derzeit noch weniger stark
erkennbar. Zu vermuten ist, dass die geringere Einbindung von Freundschaften dazu beigetragen
hat, dass sich das Potenzial für emotionale Unterstützung bei den Ältesten von 1996 bis 2014
leicht reduziert hat. Die Altersunterschiede in der Entwicklung freundschaftlicher Bezugspersonen
könnten auf Unterschiede im Wandel von Werten und Lebensbedingungen zurückzuführen sein.
Es ist davon auszugehen, dass frühere Geburtskohorten vom Wandel beziehungsrelevanter
Werthaltungen und Normen weniger geprägt wurden als spätere. Im Gegensatz zu jüngeren
Geburtsjahrgängen sind die älteren Kohorten derzeit auch noch kaum von einer Verschmälerung
familialer Netzwerke durch vermehrte Kinderlosigkeit betroffen (vgl. Kapitel 14). Dies könnte dazu
beitragen, dass der Bedeutungszuwachs von Freundschaften in älteren Kohorten abgeschwächt
verläuft und bislang nur für einige Aspekte sozialer Integration erkennbar ist. Gerade für die
Erfüllung intimer Unterstützungsleistungen – wie der Unterstützung durch Trost und
Aufmunterung – können höhere Barrieren für den Einbezug nichtfamilialer Beziehungen
bestehen. Hinzu kommt, dass Netzwerke im höheren Alter, insbesondere Freundschaften mit
Gleichaltrigen oder Älteren, stärker von sozialen Verlusten und gesundheitlichen
Einschränkungen betroffen sind als die von Personen im mittleren Erwachsenenalter. Gerade für
den Austausch von Rat und Trost, für den in der Regel nur wenige, enge Freundschaften relevant
sind, können diese altersbedingten Verluste besonders folgenreich und schwer zu kompensieren
sein. Im Einklang mit dieser Vermutung bestehen im Jahr 2014 deutliche Altersunterschiede in
der sozialen Unterstützung durch Freundinnen und Freunde. In anderen Bereichen hingegen,
scheint die soziale Integration der Älteren zunehmend von einer verbesserten Gesundheit und
steigenden Lebenserwartung profitiert zu haben. So hat das Ausmaß sozialer Freizeitaktivitäten,
auch solcher, die im Freundeskreis durchgeführt werden, bei den Älteren besonders stark
zugenommen. Diese Entwicklung erscheint besonders positiv, wenn man bedenkt, dass soziale
Aktivitäten mit Freundinnen und Freunden gerade bei Personen im Ruhestandsalter die
Entwicklung des Wohlbefindens positiv beeinflussen können (Huxhold, Miche, & Schüz 2014).
281

Denkbar ist, dass die positive Entwicklung freizeitlicher Aktivitäten Älterer auch durch politische
Maßnahmen zur Steigerung aktiven und engagierten Alterns angeregt wurde (vgl. Kapitel 5).
Zudem könnte ein Zusammenhang zum häufigeren Ausüben von sportlicher Aktivität im Alter
bestehen (vgl. Kapitel 9).
Im Gegensatz zu Altersunterschieden haben Bildungsunterschiede beim Ausüben von
Freizeitaktivitäten mit befreundeten Personen seit 1996 leicht zugenommen. Im Jahr 2014
berichten Niedriggebildete seltener von Freundinnen und Freunde als Aktivitätspartner und
Bezugsperson und sie sind insgesamt weniger gut integriert. Denkbar ist, dass sich finanzielle
und gesundheitliche Ressourcen, welche vor allem für die Durchführung sozialer
Freizeitaktivitäten relevant sind, bei Personen mit höherer Bildung günstiger entwickelt haben als
bei Niedriggebildeten. So haben unter anderem Bildungsunterschiede in der funktionalen
Gesundheit zugenommen (vgl. Kapitel 8). Ebenso ist vorstellbar, dass eine lockere Vernetzung
mit außerfamilialen Beziehungen in der Ausbildung und beruflichen Entwicklung höher Gebildeter
besonders stark an Relevanz gewonnen hat. Insgesamt könnte es für Personen mit hoher
Bildung in verschiedensten Bereichen sozialer Integration nicht nur einfacher, sondern auch
wichtiger sein, außerfamiliale Beziehungen aufzubauen.
Im Gegensatz dazu scheinen Geschlechtsunterschiede hinsichtlich Ressourcen, Zielen und
Bedürfnissen vor allem auf die Ausgestaltung emotional enger Beziehungsnetzwerke zu wirken.
Im Jahr 2014 nennen Männer seltener Freundinnen und Freunde, die Trost spenden können, und
auch insgesamt weniger Bezugspersonen und Unterstützungspotenzial. Auch die
Kontakthäufigkeit und emotionale Enge in der Beziehung zu den eigenen Kindern ist bei Männern
geringer ausgeprägt (vgl. Kapitel 14). Denkbar ist, dass die Geschlechtsunterschiede bei der
sozialen Integration mit Unterschieden bei den sozialrelevanten Normen und Zielen in
Verbindung stehen. Es wird vermutet, dass der Aufbau sozialer Kompetenz und das Zulassen
emotionaler Expressivität (vor allem von negativen Gefühlen, vgl. Kapitel 11) in der Sozialisation
von Frauen stärker gefördert werden als in der von Männern. Möglicherweise ist es für Frauen
somit nicht nur einfacher, sondern es ist ihnen auch wichtiger, emotional enge Beziehungen
aufzubauen. Männer hingegen scheinen sich für die Erfüllung intimer Bedürfnisse wie Trost vor
allem auf die (Ehe-)Partnerin zu verlassen (Antonucci & Akiyama 1987).
Angesichts der Unterschiede bei der sozialen Einbindung könnte vermutet werden, dass Ältere,
Männer und Niedriggebildete ein höheres Risiko haben, sich unzureichend integriert zu fühlen.
Tatsächlich berichten Personen mit niedriger Bildung häufiger Gefühle der Einsamkeit (vgl.
Kapitel 18). Auch ein Mangel an finanziellen Ressourcen, den Niedriggebildete häufig erleben
(vgl. Kapitel 6), erhöht das Risiko, sich ausgeschlossen zu fühlen (vgl. Kapitel 18). Ältere
Personen und Männer hingegen scheinen sich trotz ihrer tendenziell schlechteren Integration in
persönliche Beziehungsnetzwerke nicht häufiger einsam zu fühlen als jüngere Personen und
Frauen (vgl. Kapitel 18). Es kann somit vermutet werden, dass die berichteten Unterschiede bei
den sozialen Netzwerken und Aktivitäten nicht immer ein Defizit repräsentieren, sondern auch
Ausdruck unterschiedlicher Bedürfnisse und Ziele sein können. Wie zuvor diskutiert, könnte das
Ausmaß persönlicher und vor allem emotional enger Beziehungen für Frauen wichtiger sein als
für Männer. In ähnlicher Weise wird vermutet, dass für Ältere vor allem die emotionale Qualität,
weniger hingegen die Anzahl sozialer Beziehungen, von Bedeutung ist (Carstensen, Isaacowitz,
& Charles 1999).
Nichtsdestotrotz ist davon auszugehen, dass Unterschiede bei der Größe und Vielfalt sozialer
Netzwerke mit unterschiedlichen Risiken und Potenzialen einhergehen. Für den Austausch von
Informationen und Möglichkeiten, welche die Weiterentwicklung beruflicher oder auch privater
282

Lebenspläne fördern, können breitgefächerte Netzwerke aus Freundinnen und Freunden,
Bekannten sowie Kolleginnen und Kollegen von besonderer Relevanz sein (Lin & Dumin 1986;
Yakubovich 2005). Zudem können negative Veränderungen sozialer Ressourcen bei Personen
mit kleinen Netzwerken eher zu negativen Konsequenzen wie Einsamkeit führen als bei
Personen, die umfassend integriert sind (Böger & Huxhold). Auch haben Personen mit stark
familienzentrierten Netzwerken ein höheres Depressionsrisiko als solche, die vielfältigere
Beziehungen berichten (Fiori, Antonucci, & Cortina 2006).
Insgesamt können große und vielfältige Beziehungsnetzwerke eine wirkungsvolle Ressource für
die persönliche Entwicklung und die Bewältigung kritischer Ereignisse sein. Zudem könnte die
Vielfalt sozialer Netzwerke – im Sinne einer Kombination ausreichender familialer und
freundschaftlicher Integration – für die soziale Zufriedenheit Älterer immer mehr an Bedeutung
gewinnen. Sowohl der Verlust von Freundinnen und Freunden sowie problematische
Bedingungen zur Entwicklung außerfamilialer Beziehungen sollten als Risikofaktoren für die
Lebensqualität von Personen in der zweiten Lebenshälfte stärker berücksichtigt werden. Zudem
kann eine Förderung von Aktivitäten und Begegnungsstätten, welche einen Aufbau
freundschaftlicher Beziehungen ermöglichen, ein wertvoller Ansatzpunkt für Interventionen zur
Verbesserung der Zugehörigkeit und Lebensqualität im Alter sein. Angesichts der zentralen
Funktionen sozialer Beziehungen, sollte auch künftig untersucht werden, wie sich die
persönlichen Netzwerke der 40- bis 85-Jährigen im sozialen Wandel entwickeln. Insbesondere
Trends in der sozialen Einbindung von Menschen mit geringer Bildung und der ältesten
Mitbürgerinnen und Mitbürgern müssen weiter erforscht werden. Sollte sich die Ungleichheit von
sozialen Aktivitäts- beziehungsweise Unterstützungsmöglichkeiten (weiter) verschärfen, könnten
Maßnahmen zur Förderung der sozialen Integration ratsam sein.

Literatur
Antonucci, T. C., & Akiyama, H. (1987). An examination of sex differences in social support
among older men and women. Sex roles, 17(11-12), 737-749. doi: 10.1007/BF00287685
Baumeister, R. F., & Leary, M. R. (1995). The need to belong: desire for interpersonal
attachments as a fundamental human motivation. Psychological Bulletin, 117(3), 497.
Berkman, L. F., Glass, T., Brissette, I., & Seeman, T. E. (2000). From social integration to health:
Durkheim in the new millennium. Social Science & Medicine, 51(6), 843-857. doi:
10.1016/s0277-9536(00)00065-4.
Böger, A., & Huxhold, O. Do antecedents and consequences of loneliness change across the
second half of life? (eingereicht).
Carstensen, L. L., Isaacowitz, D. M., & Charles, S. T. (1999). Taking time seriously - A theory of
socioemotional selectivity. American Psychologist, 54(3), 165-181. doi: 10.1037//0003066x.54.3.165.
Engstler, H., & Huxhold, O. (2010). Beeinflusst die Beziehung älterer Menschen zu ihren
erwachsenen Kindern die räumliche Nähe zwischen den Generationen?
Wechselbeziehungen zwischen Wohnentfernung, Kontakthäufigkeit und Beziehungsenge
im Längsschnitt. . In: A. Ette, K. Ruckdeschel & R. Unger (Hrsg.) Potenziale
intergenerationaler Beziehungen: Chancen und Herausforderungen für die Gestaltung
des demografischen Wandels (S. 175-197). Würzburg: Ergon.
Engstler, H., & Tesch-Roemer, C. (2010). Lebensformen und Partnerschaft. In: A. MotelKlingebiel, S. Wurm & C. Tesch-Roemer (Hrsg.) Altern im Wandel: Befunde des
Deutschen Alterssurveys (DEAS) (S. 163-187). Stuttgart: Kohlhammer.
Fiori, K. L., Antonucci, T. C., & Cortina, K. S. (2006). Social network typologies and mental health
among older adults. The Journals of Gerontology Series B: Psychological Sciences and
Social Sciences, 61(1), P25-P32. doi: 10.1093/geronb/61.1.P25
283

Fors, S., & Lennartsson, C. (2008). Social mobility, geographical proximity and intergenerational
family contact in Sweden. Ageing and Society, 28(02), 253-270. doi:
10.1017/S0144686X07006617
Huxhold, O., Mahne, K., & Naumann, D. (2010). Soziale Integration. In: A. Motel-Klingebiel, S.
Wurm & C. Tesch-Roemer (Hrsg.) Altern im Wandel. Befunde des Deutschen
Alterssurveys (DEAS). (S. 215-233). Stuttgart: Kohlhammer.
Huxhold, O., Miche, M., & Schüz, B. (2014). Benefits of having friends in older ages: Differential
effects of informal social activities on well-being in middle-aged and older adults. Journals
of Gerontology - Series B Psychological Sciences and Social Sciences, 69(3), 366-375.
doi: 10.1093/geronb/gbt029.
Ikkink, K. K., & van Tilburg, T. (1998). Do older adults' network members continue to provide
instrumental support in unbalanced relationships? Journal of Social and Personal
Relationships, 15(1), 59-75. doi: 10.1177/0265407598151004.
Inglehart, R. F. (2008). Changing values among western publics from 1970 to 2006. West
European Politics, 31(1-2), 130-146. doi: 10.1080/01402380701834747.
Kroh, M. (2008). Wertewandel: Immer mehr Ost-und Westdeutsche ticken postmaterialistisch.
DIW Wochenbericht, 75(34), 480-486.
Lin, N., & Dumin, M. (1986). Access to occupations through social ties. Social networks, 8(4),
365-385. doi: 10.1016/0378-8733(86)90003-1
Neyer, F. J., Wrzus, C., Wagner, J., & Lang, F. R. (2011). Principles of Relationship
Differentiation. European Psychologist, 16(4), 267-277. doi: 10.1027/1016-9040/a000055.
Shaw, B. A., Krause, N., Liang, J., & Bennett, J. (2007). Tracking changes in social relations
throughout late life. Journals of Gerontology Series B-Psychological Sciences and Social
Sciences, 62(2), S90-S99. doi: 10.1093/geronb/62.2.S90
Suanet, B., van Tilburg, T. G., & van Groenou, M. I. B. (2013). Nonkin in Older Adults’ Personal
Networks: More Important Among Later Cohorts? The Journals of Gerontology Series B:
Psychological Sciences and Social Sciences, 68(4), 633-643. doi: 10.1093/geronb/gbt043
Van Groenou, M. I. B., & Van Tilburg, T. (2003). Network size and support in old age: differentials
by socio-economic status in childhood and adulthood. Ageing and Society, 23, 625-645.
doi: 10.1017/s0144686x0300134x.
Yakubovich, V. (2005). Weak ties, information, and influence: How workers find jobs in a local
Russian labor market. American sociological review, 70(3), 408-421. doi:
10.1177/000312240507000303

284

18 Allein unter vielen oder zusammen
ausgeschlossen: Einsamkeit und
wahrgenommene soziale Exklusion in der
zweiten Lebenshälfte
Anne Böger, Martin Wetzel & Oliver Huxhold

Kernaussagen
Die 40- bis 85-Jährigen fühlen sich im Jahr 2014 selten einsam oder
gesellschaftlich ausgeschlossen – Personen über 70 Jahre sind dabei seltener
einsam als Jüngere: Etwa jede und jeder zehnte 40- bis 69-Jährige berichtet im Jahr
2014 von Einsamkeit. Bei den 70- bis 85-Jährigen sind es hingegen nur 7,1 Prozent.
Im Jahr 2014 fühlen 6,4 Prozent der 40- bis 85-Jährigen als gesellschaftlich
ausgeschlossen.
Bei den über 71-Jährigen ist der Anteil einsamer Personen im Jahr 2014 geringer
als im Jahr 1996: Unter den 42- bis 72-Jährigen berichten im Jahr 2014 ähnlich viele
Personen von Einsamkeit wie im Jahr 1996. Bei den 72- bis 77-Jährigen ist der Anteil
einsamer Personen im Jahr 2014 hingegen um etwa fünf Prozentpunkte und bei den
78- bis 83-Jährigen sogar um etwa acht Prozentpunkte geringer als im Jahr 1996.
Personen mit einer unterdurchschnittlichen Anzahl von Beziehungen, in denen
sie Rat oder Trost erhalten können, berichten häufiger Einsamkeit: Personen mit
einer unterdurchschnittlichen Anzahl von Beziehungen, die mit Rat unterstützen
können, erleben häufiger Einsamkeit (13,7 Prozent) als Personen mit einer mindestens
durchschnittlichen Anzahl von Ratgeberinnen und Ratgebern (7,0 Prozent). Auch bei
Personen mit einer unterdurchschnittlichen Anzahl von Personen, die Trost spenden
können, ist der Anteil einsamer Personen bedeutsam erhöht (12,6 Prozent versus 6,5
Prozent).
Personen in Armut und Personen mit geringer Bildung haben ein deutlich
höheres Risiko, sich aus der Gesellschaft ausgeschlossen zu fühlen: Bei
Personen, die in Armut leben ist der Anteil rund drei Mal höher als bei Personen, die
nicht von Armut betroffen sind (17,6 Prozent versus 4,9 Prozent). Ebenso gibt es in der
Gruppe der niedrig Gebildeten deutlich mehr Personen, die sich gesellschaftlich
ausgeschlossen fühlen (16,7 Prozent) als in der Gruppe der Hochgebildeten (3,7
Prozent).
Personen, die sich als sozial exkludiert wahrnehmen, haben ein deutlich höheres
Einsamkeitsrisiko als Personen, die sich nicht als sozial exkludiert wahrnehmen:
Im Jahr 2014 gehen Einsamkeit und wahrgenommene soziale Exklusion oft Hand in 

Hand. Fast die Hälfte (41,7 Prozent) der Personen, die sich gesellschaftlich 

ausgeschlossen fühlen, erlebt auch Einsamkeit. Bei Personen, die sich nicht sozial
	
exkludiert fühlen, beträgt der Anteil einsamer Personen hingegen nur 6,7 Prozent.
	

285

18.1 Einleitung
Wenn Menschen sich dauerhaft isoliert oder ausgeschlossen fühlen, kann dies gravierende
Konsequenzen in unterschiedlichen Lebensbereichen haben. Anhaltende Gefühle der Isolation
können nicht nur mit depressiven Symptomen (Cacioppo, Hughes, Waite, Hawkley, & Thisted
2006b) sondern auch mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen und einer erhöhten Mortalität
einhergehen (Hawkley, Thisted, Masi, & Cacioppo 2010; Luo, Hawkley, Waite, & Cacioppo 2012).
Des Weitern können Ausgeschlossenheitsgefühle prosoziales Verhalten vermindern (Twenge,
Baumeister, DeWall, Ciarocco, & Bartels 2007) und so den sozialen Zusammenhalt gefährden
(Castel, Dörre, & Bescherer 2009).
Oft fühlen Menschen sich dann ausgeschlossen oder isoliert, wenn die Menge oder Qualität ihrer
persönlichen Beziehungen die eigenen Beziehungsbedürfnisse nicht erfüllt. Diese Erfahrung wird
als ‚Einsamkeit‘ bezeichnet und ist ein wichtiger Indikator für die Qualität der persönlichen
Integration (De Jong-Gierveld 1987). Darüber hinaus können sich Menschen auch auf der
gesellschaftlichen Ebene ausgeschlossen fühlen, eine Erfahrung, die als wahrgenommene
soziale Exklusion bezeichnet wird (Bude & Lantermann 2006). Um die Besonderheiten und
Zusammenhänge zwischen beiden Ausgeschlossenheitserlebnissen besser zu verstehen, kann
eine übergreifende Perspektive hilfreich sein. Nach einer Betrachtung von Einsamkeit im sozialen
Wandel, widmet sich dieses Kapitel daher der Untersuchung von Gemeinsamkeiten und
Unterschieden in den Risiken und dem Auftreten von Einsamkeit und wahrgenommener sozialer
Exklusion.
Seit 1996 haben die persönlichen Beziehungsnetzwerke der 40- bis 85-Jährigen einen
umfassenden Wandel erfahren (vgl. Kapitel 12 bis 14 sowie 17). Denkbar ist, dass diese
Veränderungen die Häufigkeit des Einsamkeitserlebens beeinflusst haben. Bisherige Befunde
des Deutschen Alterssurveys (DEAS) weisen darauf hin, dass sich der Anteil einsamer Personen
von 1996 bis 2002 leicht verringert hat und danach stabil geblieben ist (Tesch-Römer, Wiest,
Wurm, & Huxhold 2013). Es wird untersucht, wie sich dieser Trend bis zum Jahr 2014 fortgesetzt
hat. Eine Möglichkeit ist, dass Veränderungen der familialen Beziehungsstrukturen, zum Beispiel
in Form wachsender Wohndistanzen oder rückläufiger Eheschließungen, einen größeren Anteil
einsamer Personen bedingen (vgl. Kapitel 13 und 14; vgl. Tesch-Römer et al. 2013). Allerdings
muss ein Rückgang traditioneller Beziehungsmodelle nicht zwangsweise eine Verringerung der
sozialen Integration nach sich ziehen. Die Aufwertung von Freundschaften (vgl. Kapitel 17) und
alternativen Partnerschaftsmodellen (vgl. Kapitel 13) kann nicht nur die Vielfalt persönlicher
Beziehungsnetzwerke erhöhen, sondern auch neue Wege für das Sicherstellen sozialer
Zugehörigkeit ermöglichen. Es ist somit denkbar, dass die Einsamkeitsquoten auch zwischen
2008 und 2014 eher stabil bleiben. Die Trends im Auftreten von Einsamkeit könnten sich
zwischen den Altersgruppen jedoch unterschiedlich entwickelt haben. Von 1996 bis 2008 haben
die Einsamkeitsquoten vor allem bei den 70- bis 85-Jährigen abgenommen, während sie in
anderen Altersgruppen weitestgehend stabil geblieben sind (Tesch-Römer et al. 2013). Dies
könnte sich darauf zurückführen lassen, dass eine zunehmende Lebenserwartung und eine
verbesserte Gesundheit vor allem bei Älteren zu einer Steigerung von sozialen Aktivitäten und
einer Verringerung sozialer Verluste führen. So hat sich beispielsweise der Anteil der 70- bis 85Jährigen, die Verwitwung erfahren haben, in den letzten Jahrzehnten bedeutsam verringert
(Engstler & Tesch-Roemer 2010). Zu vermuten ist, dass diese Abnahme beziehungsweise
Verzögerung des Partnerverlusts dazu beiträgt, dass sich die Häufigkeit von Einsamkeit gerade
bei über 70-Jährigen bedeutsam verringert hat.
286

Eine geringe Einbindung in enge und unterstützende Beziehungsnetzwerke gilt als bedeutendes
Risiko für das Entstehen von Einsamkeit (De Jong Gierveld, van Groenou, Hoogendoorn, & Smit
2009; Hawkley, Hughes, Waite, Masi, Thisted, & Cacioppo 2008). Um sich gesellschaftlich
zugehörig zu fühlen, kann diese persönliche Ebene der Integration jedoch von untergeordneter
Bedeutung sein. Stattdessen wird davon ausgegangen, dass Personen sich als sozial exkludiert
wahrnehmen, wenn sie nicht an den kulturellen Standards teilhaben können (zum Beispiel
Konsum) oder ihre politischen Einflussstrukturen marginalisiert werden (zum Beispiel Wahlrecht)
(Marlier & Atkinson 2010). Wahrgenommene soziale Exklusion könnte somit stärker durch
Merkmale der sozioökonomischen Stellung, wie beispielsweise Armut und Bildung, bestimmt sein
(Bude & Lantermann 2006).
Soziale Netzwerke und die sozioökonomische Stellung unterscheiden sich häufig zwischen
Altersgruppen sowie zwischen Männern und Frauen. Das Auftreten von Einsamkeit und sozialem
Exklusionsempfinden könnte somit mit dem Alter und Geschlecht variieren. Wie in Kapitel 17
dargestellt, nennen Männer häufig eine geringere Anzahl von engen und unterstützenden
Beziehungen und weniger Potenzial für soziale Unterstützung (Antonucci & Akiyama 1987;
Huxhold, Mahne, & Naumann 2010). Dies lässt vermuten, dass Männer häufiger von Einsamkeit
berichten als Frauen. Gleichzeitig könnten Frauen aufgrund ihrer tendenziell schlechteren
Einbindung in den Erwerbsmarkt häufiger soziale Exklusion empfinden als Männer (vgl.
Kapitel 3). Auch ein höheres Alter kann mit unterschiedlichen Risiken für Einsamkeit und soziale
Exklusion einhergehen. So sind ältere Personen trotz eines kleineren sozialen Netzwerkes nicht
unbedingt einsamer, was unter anderem mit den qualitativ hochwertigen und engen Beziehungen
Älterer begründet werden könnte (Luong, Charles, & Fingerman 2010). Vor allem Personen ab 70
Jahren könnten sich jedoch häufiger exkludiert fühlen als Jüngere, weil sie seltener ehrenamtlich
engagiert sind (vgl. Kapitel 5) und weil sie nicht mehr am Erwerbsleben teilhaben. Des Weiteren
kommt es beim Übergang in den Ruhestand oft zu einer Verringerung des Einkommens und
dadurch zu einer Reduktion von Konsummöglichkeiten (vgl. Kapitel 6).
Trotz des unterschiedlichen Ursprungs von Einsamkeit und Gefühlen der sozialen Exklusion ist
ein enger Zusammenhang beider Erfahrungen zu erwarten. Kritische Lebensereignisse, wie
beispielsweise der Verlust des Arbeitsplatzes oder der Tod des Ehepartners, können sowohl die
sozioökonomische Stellung einer Person als auch ihre persönliche Integration negativ
beeinflussen. Es ist somit davon auszugehen, dass es Personen gibt, die gleichzeitig Risiken für
Einsamkeit und soziale Exklusion erfahren. Des Weiteren weisen Studien darauf hin, dass das
Erleben von Ausgeschlossenheit die Entwicklung negativer Wahrnehmungsmuster (zum Beispiel
Misstrauen) und das Auftreten antisozialer Verhaltensweisen (zum Beispiel Aggression oder
Rückzug aus Beziehungen) befördert (Cacioppo, Hawkley, Ernst, Burleson, Berntson, Nouriani, &
Spiegel 2006a; Twenge et al. 2007). Auf diese Art könnte wahrgenommene soziale Exklusion die
Qualität persönlicher Interaktionen negativ beeinflussen und die Entwicklung von Einsamkeit
fördern. Ebenso könnte auch Einsamkeit zum Rückzug aus dem gesellschaftlichen Leben
beitragen und darüber zu einem Anstieg sozialen Exklusionserlebens führen. Auf lange Sicht
beeinträchtigen beide Ausgeschlossenheitsgefühle also nicht nur das persönliche Wohlbefinden,
sondern möglicherweise auch die Entwicklung und Aufrechterhaltung von persönlichen
Beziehungen und des gesellschaftlichen Engagements. Die Entwicklung negativer
Wahrnehmungsmuster kann zudem ein Hindernis für die Inanspruchnahme von privaten und
professionellen Unterstützungsangeboten sein, wodurch Gefühle der Ausgeschlossenheit zu
einer sich selbst verstärkenden und andauernden Erfahrung werden können.

287

Angesichts dieser Risiken ist es von hoher Relevanz zu untersuchen, wie häufig und unter
welchen Bedingungen die 40- bis 85-Jährigen Gefühle der Einsamkeit und der sozialen Exklusion
erleben und wie beide Erfahrungen zusammenhängen. In diesem Kapitel werden hierzu folgende
Fragen adressiert:
1.		 Wie hat sich die Häufigkeit von Einsamkeit gewandelt und unter welchen Bedingungen
fühlen sich Personen im Jahr 2014 einsam?
2.		 Unter welchen Bedingungen nehmen sich Personen im Jahr 2014 als sozial exkludiert
wahr?
3.		 Wie hängen Einsamkeit und wahrgenommene soziale Exklusion zusammen?

18.2 Datengrundlage
Daten. Für die Beantwortung der Fragestellungen werden die Daten der 40- bis 85-Jährigen
Teilnehmerinnen und Teilnehmer des DEAS aus den Jahren 1996, 2002, 2008 und 2014 genutzt.
Einsamkeit wird seit 1996 im schriftlichen Fragebogen erfasst. Wahrgenommene soziale
Exklusion wurde im Jahr 2014 erstmalig im schriftlichen Fragebogen erhoben.
Einsamkeit. Zur Erfassung von Einsamkeit wurde eine kurze Skala verwendet (nach De Jong
Gierveld & Van Tilburg 2006, modifiziert). In diesem Instrument werden den Befragten sechs
Aussagen zur Einschätzung ihrer persönlichen Zugehörigkeit präsentiert. Zwei dieser Aussagen
sind beispielsweise „Ich vermisse Leute, bei denen ich mich wohl fühle“ und „Es gibt genügend
Menschen, mit denen ich mich eng verbunden fühle“. Für jede Aussage wird auf einer Skala von
eins (‚trifft genau zu‘) bis vier (‚trifft gar nicht zu‘) eingeschätzt, wie sehr sie die eigene Situation
beschreibt. Wenn nötig wurden die Antworten umkodiert, sodass hohe Werte eine hohe
Einsamkeit abbilden. Anschließend wurde ein Mittelwert über alle Antworten errechnet. Liegt der
Mittelwert bei 2,6 oder höher gelten Personen als ‚einsam‘. Dieser Wert zeigt an, dass Personen
die Mehrheit aller Einsamkeit implizierenden Aussagen als eher oder genau zutreffend
eingeschätzt haben.
Wahrgenommene soziale Exklusion. Auch die wahrgenommene soziale Exklusion wurde über
eine kurze Abfrage mit vier Aussagen zur Einschätzung der gesellschaftlichen Zugehörigkeit
erfasst. Zwei dieser Aussagen sind beispielsweise „Ich habe das Gefühl, gar nicht richtig zur
Gesellschaft zu gehören“ und „Ich habe das Gefühl, im Grunde gesellschaftlich überflüssig zu
sein“. Ebenfalls auf einer Skala von eins (‚trifft genau zu‘) bis vier (‚trifft gar nicht zu‘) schätzen die
Befragten für jede Aussage ein, wie gut sie ihre eigene Situation beschreibt. Alle Antworten
wurden umkodiert, sodass hohe Werte eine hohe wahrgenommene soziale Exklusion abbilden.
Wie bei Einsamkeit wurden alle Antworten zu einem Mittelwert verrechnet. Als Schwellenwert für
das Anzeigen wahrgenommener sozialer Exklusion wurde ebenfalls der Wert 2,6 gewählt, da
Personen über diesem Wert die Mehrheit aller Exklusion implizierenden Aussagen als eher oder
genau zutreffend bewertet haben.
Armut. Personen mit einem äquivalenzgewichteten Haushaltsnettoeinkommen von monatlich
weniger als 880 Euro wurden als einkommensarm klassifiziert (vgl. Kapitel 6). Diese Grenze
entspricht 60 Prozent des Medians der äquivalenzgewichteten
Haushaltsnettoeinkommensverteilung in der Population und ist ein häufig verwendeter
Schwellenwert für die Feststellung relativer Einkommensarmut.
288

Persönliche Integration. Zur Einschätzung der persönlichen Integration wurden zwei Maße zur
sozialen Unterstützung herangezogen (vgl. Kapitel 17). Zum einen wurden die Befragten gebeten
bis zu fünf Personen zu nennen, an die sie sich wenden können, um nach Rat zu fragen
(Potenzial für informationelle Unterstützung). Zum anderen nannten die Befragten bis zu fünf
Personen, an die sich wenden können um Trost oder Aufmunterung zu erhalten (Potenzial für
emotionale Unterstützung). Aus den Angaben wurde die Anzahl der potenziell zur Verfügung
stehenden Personen für Rat beziehungsweise für Trost (null bis fünf) ermittelt. Zur besseren
Veranschaulichung bedeutsamer Zusammenhänge wurde zudem ein dichotomer Indikator
gebildet. Die Kategorisierung basiert auf der mittleren Anzahl der Personen für Rat
beziehungsweise Trost im Jahr 2014 (Personen für Rat M = 2,2; Personen für Trost M = 2,0). Die
Anzahl von Personen, die informationelle beziehungsweise emotionale Unterstützung leisten
können, wurde in unterdurchschnittlich (weniger als zwei) und mindestens durchschnittlich (zwei
und mehr) unterteilt.
Gruppierungsvariablen. Zur Prüfung von Altersunterschieden im Jahr 2014 wurden – analog zur
Schichtung der Stichprobe – drei Altersgruppen verwendet: 40- bis 54-Jährige, 55- bis 69-Jährige
und 70- bis 85-Jährige. Altersunterschiede im Wandel wurden anhand von Sechs-JahresAltersgruppen untersucht, um Überschneidungen zwischen Erhebungszeitpunkten und
Altersgruppen zu vermeiden (42- bis 47-Jährige, 48- bis 53-Jährige, 54- bis 59-Jährige, 60- bis
65-Jährige, 66- bis 71-Jährige, 72- bis 77-Jährige, 78- bis 83-Jährige). Neben
Altersunterschieden wurden auch Unterschiede nach Geschlecht und Bildungsgruppe betrachtet.
Zur Untersuchung von Bildungsunterschieden wurden – basierend auf einer reduzierten ISCEDKlassifizierung – drei Bildungsgruppen unterschieden: niedrige, mittlere und hohe Bildung (vgl.
Kapitel 2).
Analysen. Um Gruppenunterschiede auf ihre statistische Signifikanz zu testen, wurden logistische
Regressionsanalysen berechnet, wobei für die Stratifizierungsvariablen Altersgruppe, Geschlecht
und Region (Ost-/Westdeutschland) kontrolliert wurde. In den Beschreibungen von AltersGeschlechts- und Bildungsunterschieden im Auftreten von Einsamkeit beziehungsweise sozialem
Exklusionsempfinden werden die gewichteten Häufigkeiten berichtet. Für die Darstellung der
Zusammenhänge von Einsamkeit und Exklusionsempfinden mit dem Armutsstatus und den
Indikatoren persönlicher Integration (Personen für Rat beziehungsweise Trost) sind die Anteile
hingegen direkt aus am Mikrozensus gewichteten logistischen Regressionen geschätzt worden.
Das genaue Vorgehen ist in Kapitel 2 beschrieben.

18.3 Einsamkeit
Im Jahr 2014 erlebt etwa jede und jeder zehnte 40- bis 85-Jährige Einsamkeit (8,9 Prozent,
Abbildung 18-2). Von 1996 bis 2002 hat sich der Anteil einsamer Personen bedeutsam reduziert
und ist danach stabil geblieben (1996: 10,7 Prozent, 2002: 7,7 Prozent; 2008: 8,7 Prozent). Der
Vergleich von 2008 und 2014 zeigt, dass sich der Anteil einsamer Personen auch in jüngster Zeit
kaum verändert hat (vgl. Tabelle A 18-1 im Anhang).
Bei den über 71-Jährigen ist der Anteil einsamer Personen im Jahr 2014 geringer als im
Jahr 1996.
Das Muster der Veränderungen unterscheidet sich hierbei zwischen den Altersgruppen
(Abbildung 18-1). Bei Personen, die 72 Jahre oder älter sind ist der Anteil von Personen, die sich
einsam fühlen im Jahr 2014 bedeutsam geringer als im Jahr 1996. Bei den 72- bis 77- Jährigen
289

hat sich diese Verringerung bereits im Jahr 2002 gezeigt, während sie bei den 78- bis
83-Jährigen erst im Jahr 2008 erkennbar war. Im Gegensatz dazu sind bei Personen unter 72
Jahren lediglich temporäre Schwankungen nicht aber systematische Veränderungen im Auftreten
von Einsamkeit erkennbar. Bei den 48- bis 53-Jährigen und den 60- bis 65-Jährigen hat sich der
Anteil einsamer Personen von 1996 bis 2002 verringert, ist im Jahr 2008 jedoch wieder
angestiegen. Im langfristigen Trend ist das Auftreten von Einsamkeit bei den Jüngeren daher
weitestgehend stabil: in allen Altersgruppen von 40 bis 71 Jahren unterschiedet sich der Anteil
einsamer Personen im Jahr 2014 nicht bedeutsam von dem Anteil im Jahr 1996.

Abbildung 18-1:	

Anteile der Personen mit Einsamkeitsempfinden nach Alter, in den
Jahren 1996, 2002, 2008 und 2014 (in Prozent)

1996

2002

2008

2014

60

Prozent

40

20

0

9,8 8,4 11,4 10,0

42-47
Jahre

11,3

6,6 9,2 8,5

48-53
Jahre

10,4 7,9 8,4 11,9

54-59
Jahre

10,7

6,2 8,4 8,9

60-65
Jahre

8,3 5,9 6,5 7,3

66-71
Jahre

11,6

16,4 15,7
7,1 6,5 6,5

72-77
Jahre

10,9 8,2

78-83
Jahre

Quelle: DEAS 1996 (n = 3.979), 2002 (n = 2.766), 2008 (n = 4392), 2014 (n = 4.216) gewichtet, gerundete Angaben; (p < ,05).
Signifikante Unterschiede zwischen 1996 und 2014 nur bei den 72- bis 77-Jährigen sowie bei den 78- bis 83-Jährigen. Keine
signifikanten Unterschiede zwischen 1996 und 2014 bei allen Altersgruppen unter 72 Jahren. Signifikante Abnahme bei den
72- bis 77-Jährigen zwischen 1996 und 2002, danach stabil. Signifikante Abnahme zwischen 2002 und 2008 bei den 78- bis 83Jährigen, danach stabil. Signifikante Abnahme zwischen 1996 und 2002 bei den 48- und 53 Jährigen und bei den bei 60- bis
65-Jährigen, danach signifikanter Anstieg.

Die 40- bis 85-Jährigen fühlen sich im Jahr 2014 selten einsam oder gesellschaftlich
ausgeschlossen – Personen über 70 Jahre sind dabei seltener einsam als Jüngere.
Insgesamt berichten die 40- bis 85-Jährigen im Jahr 2014 also selten von Einsamkeit
(8,9 Prozent, Abbildung 18-2) und sie nehmen sich auch selten als gesellschaftlich
ausgeschlossen wahr (6,4 Prozent, Abbildung 18-4). Im Einklang mit dem altersdifferenziellen
Wandel im Anteil einsamer Personen (Abbildung 18-1) unterscheidet sich das Auftreten von
Einsamkeit im Jahr 2014 zwischen den Altersgruppen. So berichten rund sieben Prozent der
70- bis 85-Jährigen, dass sie sich einsam fühlen, während es in den beiden jüngeren
Altersgruppen jeweils etwa zehn Prozent sind (Abbildung 18-2). Der Anteil einsamer Personen
unterscheidet sich nicht bedeutsam zwischen Männern und Frauen (vgl. Tabelle A 18-1 im
Anhang) jedoch zwischen Personen mit unterschiedlicher sozioökonomischer Stellung. So geben
nur 7,3 Prozent der Hochgebildeten an, sich einsam zu fühlen, während es in der Gruppe der
Personen mit niedriger Bildung es 14,7 Prozent sind (Abbildung 18-2). Noch deutlichere
Unterschiede bestehen zwischen Personen mit verschiedenem Artmutsstatus. Während 7,9
290

Prozent der Personen, die nicht in Armut leben Einsamkeit berichten, sind es bei den Personen in
Armut 19,7 Prozent.

Abbildung 18-2:	

Anteile der Personen mit Einsamkeitsempfinden, gesamt, nach Alter,
Bildung und Armutsstatus, im Jahr 2014 (in Prozent)

60

Prozent

40

20

14,7

8,9

9,6

9,5

7,1

Gesamt

40-54
Jahre

55-69
Jahre

70-85
Jahre

0

Niedrige
Bildung

19,7
9,4

7,3

Mittlere
Bildung

Hohe
Bildung

7,9

Arm

Nicht
arm

Quelle: DEAS 2014 (n = 4.216), gewichtet, gerundete Angaben; (p < ,05).
Signifikante Unterschiede zwischen 70- bis 85-Jährigen und 55- bis 69-Jährigen sowie 40- bis 54-Jährigen. Kein signifiknater
Unterschied zwischen 40- bis 54-Jährigen und den 55- bis 69-Jährigen. Alle Bildungsgruppenunterschiede signifikant.
Signifikanter Unterschied zwischen den Armutsgruppen.

Personen mit einer unterdurchschnittlichen Anzahl von Beziehungen, in denen sie Rat
oder Trost erhalten können, berichten häufiger Einsamkeit.
Wie erwartet, variiert der Anteil einsamer Personen auch bedeutsam mit dem Potenzial für
soziale Unterstützung. Eine geringere Anzahl von Personen, die emotionale Unterstützung leisten
können steht mit einem erhöhten Auftreten von Einsamkeitsgefühlen in Verbindung. Auch eine
geringere Anzahl von verfügbaren Ratgeberinnen und Ratgebern geht mit einer höheren
Wahrscheinlichkeit für Einsamkeit einher. Abbildung 18-3 illustriert diese Zusammenhänge
anhand des Vergleichs von Personen mit unterdurchschnittlich vielen Beziehungen (weniger als
zwei Personen) und mindestens durchschnittlich vielen Beziehungen (zwei oder mehr Personen),
die Trost beziehungsweise Rat geben können. Der Anteil einsamer Personen ist in den Gruppen
mit unterdurchschnittlichem Unterstützungspotenzial bedeutsam höher (12,6 Prozent
beziehungsweise 13,7 Prozent) als bei Personen mit mindestens durchschnittlichem Potenzial für
Trost beziehungsweise Rat (6,5 Prozent beziehungsweise 7,0 Prozent).

291

Abbildung 18-3:	

Anteile der Personen mit Einsamkeitsempfinden; Vergleich von
Personen mit unterdurchschnittlichem versus mindestens
durchschnittlichem Potenzial für Trost beziehungsweise Rat, im Jahr
2014 (in Prozent)

60

Prozent

40

20

12,6

0
0-1
Person
für Trost

13,7
6,5

2 und mehr
Personen
für Trost

0-1
Person
für Rat

7,0

2 und mehr
Personen
für Rat

Quelle: DEAS 2014 (n = 4.149 für Trost; n = 4.157 für Rat), gewichtet, gerundete Angaben; (p < ,05).
Alle Unterschiede signifikant.

18.4 Wahrgenommene soziale Exklusion
Wahrgenommene soziale Exklusion wird im Jahr 2014 von 6,4 Prozent der 40- bis 85-Jährigen
berichtet. Das Auftreten von Exklusionsempfinden unterscheidet sich nicht bedeutsam zwischen
den Altersgruppen (Abbildung 18-4) oder zwischen Männern und Frauen (vgl. Tabelle A 18-2 im
Anhang).
Personen in Armut und Personen mit geringer Bildung haben ein deutlich höheres Risiko,
sich aus der Gesellschaft ausgeschlossen zu fühlen.
Wie bei Einsamkeit variiert der Anteil von Personen, die sich als sozial exkludiert wahrnehmen
jedoch mit Merkmalen der sozioökonomischen Stellung. Nur 3,7 Prozent der Hochgebildeten
berichten ein Empfinden sozialer Exklusion. In der Gruppe der Personen mit niedriger Bildung
sind es hingegen 16,7 Prozent (Abbildung 18-4). Ähnlich starke Unterschiede bestehen zwischen
Personen mit unterschiedlichem Armutsstatus. Fast ein Fünftel (17,6 Prozent) der von Armut
betroffenen Personen gibt an, sich als sozial exkludiert wahrzunehmen. Bei Personen, die nicht in
Armut leben, sind es hingegen nur 4,9 Prozent (Abbildung 18-4). Armut und Bildung zeigen somit
etwas stärkere Zusammenhänge mit wahrgenommener sozialer Exklusion als mit Einsamkeit.

292

Abbildung 18-4:	

Anteile der Personen mit wahrgenommener sozialer Exklusion,
gesamt, nach Alter, Bildung und Armutsstatus, im Jahr 2014 (in
Prozent)

60

Prozent

40

20
17,6

16,7

0

6,4

6,6

5,5

7,0

Gesamt

40-54
Jahre

55-69
Jahre

70-85
Jahre

6,9

Niedrige
Bildung

Mittlere
Bildung

4,9

3,7

Hohe
Bildung

Arm

Nicht
arm

Quelle: DEAS 2014 (n = 4.225) gewichtet, gerundete Angaben; (p < ,05).
Keine signifikanten Unterschiede zwischen den Altersgruppen. Alle Bildungsgruppenunterschiede und Unterschiede zwischen
den Armutsgruppen signifikant.

Neben der Beziehung zur sozioökonomischen Stellung zeigt sich auch ein bedeutsamer
Zusammenhang zwischen der Wahrscheinlichkeit für Exklusionsempfinden und dem Potenzial für
soziale Unterstützung. Abbildung 18-5 zeigt, dass wahrgenommene soziale Exklusion bei
Personen mit unterdurchschnittlichem Unterstützungspotenzial etwas häufiger vorkommt
(8,0 Prozent beziehungsweise 7,6 Prozent) als bei Personen mit einer mindestens
durchschnittlichen Anzahl von Personen, die emotionale beziehungsweise informationelle
Unterstützung leisten können (4,9 Prozent beziehungsweise 5,6 Prozent). Die Zusammenhänge
sind hierbei aber geringer ausgeprägt als die zwischen den Beziehungen für Rat
beziehungsweise Trost und Einsamkeit.

293

Abbildung 18-5:	

Anteile der Personen mit wahrgenommener sozialer Exklusion;
Vergleich von Personen mit unterdurchschnittlichem versus
mindestens durchschnittlichem Potenzial für Trost beziehungsweise
Rat, im Jahr 2014 (in Prozent)

60

Prozent

40

20

0

8,0

0-1
Person
für Trost

4,9

7,6

5,6

2 und mehr
Personen
für Trost

0-1
Person
für Rat

2 und mehr
Personen
für Rat

Quelle: DEAS 2014 (n = 4.157 für Trost; n = 4.165 für Rat), gewichtet, gerundete Angaben; (p < ,05).
Alle Unterschiede signfikant.

18.5 Zusammenhang von Einsamkeit und wahrgenommener sozialer Exklusion
Trotz der theoretisch unterschiedlichen Ursprünge von Einsamkeit und wahrgenommener
sozialer Exklusion zeigten die bisherigen Analysen deutliche Überschneidungen in den Risiken
für beide Erfahrungen. Ein Grund hierfür könnte sein, dass das Empfinden sozialer Exklusion
Risiken für Einsamkeit befördert und auch umgekehrt, Einsamkeit mit Risiken für soziale
Exklusion einhergeht. Zudem könnten bestimmte Lebenslagen sowohl die persönliche Integration
als auch Aspekte der sozioökonomischen Stellung einer Person negativ beeinflussen.
Tatsächlich scheinen soziale Exklusion und Einsamkeit nicht immer unabhängig voneinander
empfunden zu werden. Im Jahr 2014 zeigt sich, dass 2,7 Prozent aller 40- bis 85-Jährigen sich
sowohl einsam als auch sozial exkludiert fühlen (ohne Abbildung). In Hinblick auf die
Gesamtgruppe der Personen im Alter von 40 bis 85 Jahren ist der Anteil von Personen mit
gleichzeitigem Empfinden von Einsamkeit und sozialer Exklusion somit eher gering.
Personen, die sich als sozial exkludiert wahrnehmen, haben ein deutlich höheres
Einsamkeitsrisiko als Personen, die sich nicht als sozial exkludiert wahrnehmen.
Betrachtet man genauer, wie sich die Gruppen der Personen mit und ohne Einsamkeit
beziehungsweise mit und ohne Exklusionsempfinden zusammensetzen, zeigt sich jedoch ein
deutlicher Zusammenhang zwischen beiden Ausgeschlossenheitserfahrungen. Bei Personen
ohne Exklusionsempfinden liegt der Anteil von Personen mit Einsamkeit bei lediglich 6,7 Prozent.
Von den Personen mit Exklusionsempfinden fühlen sich hingegen 41,7 Prozent auch einsam
(Abbildung 18-6).

294

Abbildung 18-6:

100

Anteile der Personen, die sich einsam fühlen; Vergleich zwischen
Personen ohne und mit wahrgenommener sozialer Exklusion, im Jahr
2014 (in Prozent)
6,7

Prozent

80

41,7

60
40

Einsam
Nicht einsam

93,3

58,3

20
0
Nicht exkludiert

Exkludiert

Quelle: DEAS 2014 (n = 4.225), gewichtet, gerundete Angaben; (p < ,05). 

Signifikanter Unterschied zwischen Personen mit und ohne wahrgenommener sozialer Exklusion.
	

Auch umgekehrt zeigt sich, dass Personen mit Einsamkeit sehr viel häufiger soziale Exklusion
empfinden als Personen ohne Einsamkeit (ohne Abbildung). Während der Anteil von Personen
mit wahrgenommener sozialer Exklusion bei nicht einsamen Personen nur 4,0 Prozent beträgt,
liegt er in der Gruppe der Personen mit Einsamkeit bei 29,1 Prozent.

18.6 Diskussion und Implikationen
Gefühle der Ausgeschlossenheit und Isolation können negative Konsequenzen in
unterschiedlichen Lebensbereichen nach sich ziehen. Einsamkeit gilt als bedeutsames Risiko für
Wohlbefinden und körperliche Gesundheit (Hawkley & Cacioppo 2010). Wahrgenommene soziale
Exklusion kann prosoziales Verhalten vermindern (Twenge et al. 2007) und den sozialen
Zusammenhalt gefährden (Castel et al. 2009).
Angesichts dieser gravierenden möglichen Konsequenzen ist es positiv zu sehen, dass sich die
Mehrheit von Personen in der zweiten Lebenshälfte weder als einsam noch als sozial exkludiert
wahrnimmt. Wie sich die Häufigkeit wahrgenommener sozialer Exklusion bei den 40- bis
85-Jährigen über die Zeit entwickelt, kann erst mit den kommenden DEAS-Befragungen
beantwortet werden. Die bisherigen Erhebungen weisen jedoch darauf hin, dass es entgegen
häufig geäußerter Befürchtungen, zwischen 1996 und 2014 nicht zu einer Erhöhung des Anteils
einsamer Personen gekommen ist. Bei den über 71-Jährigen hat sich die Häufigkeit des
Einsamkeitserlebens sogar verringert. Dieser Trend steht im Einklang mit verschiedenen
Verbesserungen der sozialen Einbindung, die sich in dieser Altersgruppe zu kumulieren
scheinen. Im Vergleich von 1996 bis 2014 leben immer mehr der 70- bis 85-Jährigen in einer
Partnerschaft (vgl. Kapitel 13). Und auch der Anteil der Kinderlosen hat sich in dieser
Altersgruppe bedeutsam verringert (vgl. Kapitel 14). Zudem können soziale Aktivitäten mit
Freundinnen und Freunden gerade bei den Älteren immer besser aufrechterhalten werden
(vgl. Kapitel 17). In den jüngeren Altersgruppen hingegen halten sich positive und negative
Veränderungen der sozialen Integration seit 1996 stärker die Waage. Im Jahr 2014 ist die
295

Häufigkeit von Partner- und Kinderlosigkeit in den jüngeren Altersgruppen entweder ähnlich hoch
oder höher als im Jahr 1996 (vgl. Kapitel 13 und 14). Zudem kommt es insbesondere bei den
42- bis 71-Jährigen zu einem stärkeren Zuwachs der Wohnentfernung zu den eigenen Kindern
(vgl. Kapitel 14). Gleichzeitig erleben die jüngeren Altersgruppen eine positivere Entwicklung des
Potenzials für soziale Unterstützung als die Älteren (vgl. Kapitel 17).
Im Jahr 2014 ist der Anteil einsamer Personen bei den unter 70-Jährigen sogar etwas höher als
bei den 70- bis 85-Jährigen. In Anbetracht der Tatsache, dass ältere Personen zu allen
Zeitpunkten weniger Bezugspersonen und soziale Aktivitäten berichten (vgl. Kapitel 17), scheint
dieser Befund zunächst paradox. Eine mögliche Erklärung ist, dass sich die Anzahl sozialer
Kontakte im Alter zwar verringert, die Qualität bestehender Beziehungen jedoch eher zunimmt.
So wird beispielsweise vermutet, dass Personen im höheren Alter Konflikte eher vermeiden und
stärker nach Harmonie streben (Charles 2010; Luong et al. 2010). Im Einklang mit dieser Idee
berichteten Personen in höheren Altersgruppen seltener Gefühle von Wut und Ärger gegenüber
den eigenen Kindern (vgl. Kapitel 14).
Armut, niedrige Bildung und ein geringes Potenzial für soziale Unterstützung gehen sowohl mit
einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für Einsamkeit als auch mit einem erhöhten Auftreten von
Exklusionsempfinden einher. Wahrgenommene soziale Exklusion steht hierbei stärker mit
sozioökonomischen Faktoren, Einsamkeit hingegen stärker mit Merkmalen persönlicher
Integration in Verbindung. Um genauere Einblicke in Risikolagen zu gewinnen und differenzierte
Handlungsmöglichkeiten abzuleiten, erscheint es somit wichtig, zwischen persönlichen und
gesellschaftlichen Ausgrenzungserfahrungen zu unterscheiden. Für die Verhinderung
wahrgenommener sozialer Exklusion könnte die Minimierung sozioökonomischer Notlagen ein
wichtiger Schlüssel sein. Um einsame Personen zu erreichen, kann es hingegen hilfreich sein,
niederschwellige Beratungs- und Hilfsangebote auszubauen, welche nicht nur Möglichkeiten zum
sozialen Austausch fördern, sondern auch zur Reflexion sozialer Erwartungen und
Verhaltensweisen anregen. Ein andauerndes Erleben von Einsamkeit kann zur Entwicklung
negativer Wahrnehmungsmuster, wie Misstrauen, beitragen, welche die Qualität sozialer
Interaktionen negativ beeinflussen (Cacioppo et al. 2006a). Nur wenn die betroffenen Personen
negative Erwartungshaltungen erkennen und abbauen, werden sie von einem Neuaufbau
sozialer Aktivitäten hinreichend profitieren können (Masi, Chen, Hawkley, & Cacioppo 2011).
Ein besonderes Augenmerk sollte den Personen gelten, die sich sowohl einsam als auch sozial
exkludiert fühlen. Diese Gruppe leidet nicht nur unter einem geringen Zugang zu
sozioökonomischen Ressourcen sondern auch unter einem Mangel an sozialem
Unterstützungspotenzial. Es ist positiv zu sehen, dass nur eine sehr kleine Minderheit der 40- bis
85-Jährigen im Jahr 2014 sowohl Einsamkeit als auch wahrgenommene soziale Exklusion
berichtet. Allerdings ist ein starker Zusammenhang zwischen beiden
Ausgeschlossenheitserfahrungen ersichtlich. Dies könnte darauf hinweisen, dass sich Einsamkeit
und wahrgenommene soziale Exklusion gegenseitig befördern. Wenn sich Personen als sozial
exkludiert wahrnehmen, könnte dies negative Gefühle und Erwartungen nach sich ziehen, welche
die Qualität persönlicher Beziehungen beeinträchtigen. Auch in die andere Wirkrichtung sind
Zusammenhänge denkbar. Das Erleben von Einsamkeit könnte langfristig beispielsweise zu einer
Reduktion von sozialen Ressourcen führen (Cacioppo, Fowler, & Christakis 2009), welche für
eine Teilnahme am öffentlichen Leben relevant sind (Lin 1999). Halten Einsamkeit und
Exklusionsempfinden an, kann sich das betroffene Individuum auf Grund der unglücklichen
Wechselwirkung zwischen beiden Erfahrungen somit in einer Lage befinden, die aus eigener
Kraft nur schwer bewältigt werden kann. Auch wenn sich die Mehrheit der Personen in der
296

zweiten Lebenshälfte gut integriert fühlt, ist es somit relevant, Einsamkeit und wahrgenommene
soziale Exklusion weiter zu erforschen und mit Hilfe effektiver Maßnahmen zu mindern. Vor allem
die Wechselwirkung zwischen beiden Erfahrungen sollte mit Hilfe längsschnittlicher Daten
genauer untersucht werden. Es erscheint jedoch so, dass sowohl die Verminderung
sozioökonomischer Ungleichheit als auch der Ausbau leicht erreichbarer Beratungs- und
Hilfsangebote dazu beitragen können, Einsamkeit und wahrgenommene soziale Exklusion zu
verhindern und weiter zu reduzieren.

Literatur
Antonucci, T. C., & Akiyama, H. (1987). An examination of sex differences in social support
among older men and women. Sex roles, 17(11-12), 737-749. doi: 10.1007/BF00287685
Bude, H., & Lantermann, E.-D. (2006). Soziale Exklusion und Exklusionsempfinden. KZfSS
Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 58(2), 233-252. doi:
10.1007/s11575-006-0054-1
Cacioppo, J. T., Fowler, J. H., & Christakis, N. A. (2009). Alone in the Crowd: The Structure and
Spread of Loneliness in a Large Social Network. Journal of Personality and Social
Psychology, 97(6), 977-991. doi: 10.1037/a0016076.
Cacioppo, J. T., Hawkley, L. C., Ernst, J. M., Burleson, M., Berntson, G. G., Nouriani, B., &
Spiegel, D. (2006a). Loneliness within a nomological net: An evolutionary perspective.
Journal of Research in Personality, 40(6), 1054-1085. doi: 10.1016/j.jrp.2005.11.007.
Cacioppo, J. T., Hughes, M. E., Waite, L. J., Hawkley, L. C., & Thisted, R. A. (2006b). Loneliness
as a specific risk factor for depressive symptoms: Cross-sectional and longitudinal
analyses. Psychology and Aging, 21(1), 140-151. doi: 10.1037/0882-7974.21.1.140.
Castel, R., Dörre, K., & Bescherer, P. (2009). Prekarität, Abstieg, Ausgrenzung: Die soziale Frage
am Beginn des 21. Jahrhunderts: Campus Verlag Frankfurt.
Charles, S. T. (2010). Strength and Vulnerability Integration: A Model of Emotional Well-Being
Across Adulthood. Psychological Bulletin, 136(6), 1068-1091. doi: 10.1037/a0021232.
De Jong-Gierveld, J. (1987). Developing and testing a model of loneliness. Journal of Personality
and Social Psychology, 53(1), 119-128. doi: 10.1037/0022-3514.53.1.119
De Jong Gierveld, J., van Groenou, M. B., Hoogendoorn, A. W., & Smit, J. H. (2009). Quality of
Marriages in Later Life and Emotional and Social Loneliness. Journals of Gerontology
Series B-Psychological Sciences and Social Sciences, 64(4), 497-506. doi:
10.1093/geronb/gbn043.
De Jong Gierveld, J., & Van Tilburg, T. (2006). A 6-item scale for overall, emotional, and social
loneliness - Confirmatory tests on survey data. Research on Aging, 28(5), 582-598. doi:
10.1177/0164027506289723.
Engstler, H., & Tesch-Roemer, C. (2010). Lebensformen und Partnerschaft. In: A. MotelKlingebiel, S. Wurm & C. Tesch-Roemer (Hrsg.) Altern im Wandel: Befunde des
Deutschen Alterssurveys (DEAS) (S. 163-187). Stuttgart: Kohlhammer.
Hawkley, L. C., & Cacioppo, J. T. (2010). Loneliness Matters: A Theoretical and Empirical Review
of Consequences and Mechanisms. Annals of Behavioral Medicine, 40(2), 218-227. doi:
10.1007/s12160-010-9210-8.
Hawkley, L. C., Hughes, M. E., Waite, L. J., Masi, C. M., Thisted, R. A., & Cacioppo, J. T. (2008).
From Social Structural Factors to Perceptions of Relationship Quality and Loneliness: The
Chicago Health, Aging, and Social Relations Study. Journals of Gerontology Series BPsychological Sciences and Social Sciences, 63(6), 375-384. doi:
10.1093/geronb/63.6.S375
Hawkley, L. C., Thisted, R. A., Masi, C. M., & Cacioppo, J. T. (2010). Loneliness Predicts
Increased Blood Pressure: 5-Year Cross-Lagged Analyses in Middle-Aged and Older
Adults. Psychology and Aging, 25(1), 132-141. doi: 10.1037/a0017805.
Huxhold, O., Mahne, K., & Naumann, D. (2010). Soziale Integration. In: A. Motel-Klingebiel, S.
Wurm & C. Tesch-Roemer (Hrsg.) Altern im Wandel. Befunde des Deutschen
Alterssurveys (DEAS). (S. 215-233). Stuttgart: Kohlhammer.
297

Lin, N. (1999). Social networks and status attainment. Annual review of sociology, 467-487. doi:
10.1146/annurev.soc.25.1.467
Luo, Y., Hawkley, L. C., Waite, L. J., & Cacioppo, J. T. (2012). Loneliness, health, and mortality in
old age: A national longitudinal study. Social Science & Medicine, 74(6), 907-914. doi:
10.1016/j.socscimed.2011.11.028.
Luong, G., Charles, S. T., & Fingerman, K. L. (2010). Better with age: Social relationships across
adulthood. Journal of Social and Personal Relationships, 0265407510391362. doi:
10.1177/0265407510391362
Marlier, E., & Atkinson, A. B. (2010). Indicators of poverty and social exclusion in a global context.
Journal of Policy Analysis and Management, 29(2), 285-304. doi: 10.1002/pam.20492
Masi, C. M., Chen, H.-Y., Hawkley, L. C., & Cacioppo, J. T. (2011). A Meta-Analysis of
Interventions to Reduce Loneliness. Personality and Social Psychology Review, 15(3),
219-266. doi: 10.1177/1088868310377394.
Tesch-Römer, C., Wiest, M., Wurm, S., & Huxhold, O. (2013). Einsamkeittrends in der zweiten
Lebenshälfte. Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie, 46(3), 237-241. doi:
10.1007/s00391-012-0359-6.
Twenge, J. M., Baumeister, R. F., DeWall, C. N., Ciarocco, N. J., & Bartels, J. M. (2007). Social
exclusion decreases prosocial behavior. Journal of Personality and Social Psychology,
92(1), 56-66. doi: 10.1037/0022-3514.92.1.56.

298

19 Wohnung und Wohnkosten im Alter
Sonja Nowossadeck & Heribert Engstler

Kernaussagen
Der Anteil der 40- bis 85-Jährigen, die in der eigenen Immobilie wohnen, hat sich
zwischen 1996 und 2014 erhöht: Bei den 70- bis 85-Jährigen ist die
Wohneigentümerquote in dieser Zeit überdurchschnittlich von 47,9 Prozent auf 59,7
Prozent gestiegen. Zugenommen hat allerdings auch der Anteil der Personen mit
Wohneigentum, die in diesem Alter noch ein Immobiliendarlehen abzahlen müssen.
Die Wohneigentümerquote ist insgesamt in Ostdeutschland zwar immer noch niedriger
als in Westdeutschland, der Unterschied zwischen Ost und West hat sich bei den 40bis 85-Jährigen jedoch zwischen 1996 und 2014 halbiert (von 26,9 auf 12,7
Prozentpunkte).
Die eigene Wohnsituation wird im Jahr 2014 von einer großen Mehrheit der 40­
bis 85-Jährigen als gut bewertet: 89,7 Prozent der 40- bis 85-Jährigen bewerten im
Jahr 2014 ihre Wohnsituation als gut. Von 1996 bis 2014 hat sich in Ostdeutschland
die Bewertung der Wohnsituation deutlich verbessert und sich damit dem
westdeutschen Niveau angeglichen. Im Jahr 2014 bewerten die Ältesten (70 bis 85
Jahre) mit 92,0 Prozent ihre Wohnsituation im Vergleich zu den 40- bis 54-Jährigen
(88,0 Prozent) und den 55- bis 69-Jährigen (90,1 Prozent) häufiger als gut. Auch in
einfachen Wohnlagen bewerten die Bewohnerinnen und Bewohner ihre Wohnsituation
mehrheitlich als gut (68,1 Prozent), wenn auch weniger häufig als in gehobenen (96,2
Prozent) und mittleren Wohnlagen (87,9 Prozent).
Die monatliche Wohnkostenbelastung in Prozent des Einkommens hat zwischen
1996 und 2014 zugenommen: Der Anteil des Haushaltseinkommens, den
Mieterinnen und Mieter für die Miete und die Nebenkosten ausgeben, ist zwischen
1996 und 2014 von 27,9 auf 35,1 Prozent gestiegen. Besonders hoch ist die
Mietbelastung für ältere alleinlebende Frauen (45,2 Prozent). Eine relativ niedrige
Wohnkostenbelastung haben Haushalte, die im schuldenfreien Wohneigentum leben
(16,0 Prozent).
Barrierereduzierte Wohnungen sind im Jahr 2014 wenig verbreitet: Unter den 40bis 85-Jährigen leben im Jahr 2014 nur 2,9 Prozent in einer barrierereduzierten
Wohnung. Von den Personen, die eine Gehhilfe, einen Rollator beziehungsweise
einen Rollstuhl benutzen, haben im Jahr 2014 6,9 Prozent eine barrierereduzierte
Wohnung.

299

19.1 Einleitung
Die meisten Menschen wohnen bis ins hohe Alter in einer privaten Wohnung. 97 Prozent der
60-Jährigen und Älteren und immer noch 90 Prozent der 80-Jährigen und Älteren leben nach
Angaben des Mikrozensus 2014 in einem privaten Haushalt, also mit Partnerin oder Partner,
allein oder mit anderen Verwandten in einer Wohnung oder einem Haus (Statistisches
Bundesamt 2015). Selbst wenn Ältere pflegebedürftig werden, bleibt für die Mehrzahl von ihnen
die eigene Wohnung der zentrale Lebensort. Ältere verbringen viel Zeit in der Wohnung, mehr als
jüngere Menschen, die ihr Wohnumfeld für Alltagsaktivitäten häufig für längere Zeit verlassen
(Engstler, Menning, Hoffmann, & Tesch-Römer 2004). Mit steigendem Alter und zunehmenden
Gesundheitsproblemen neigen ältere Menschen dazu, ihren Aktionsradius zu reduzieren und sich
mehr in der Wohnung und dem unmittelbaren Wohnumfeld aufzuhalten. Gleichzeitig steigt ihre
Vulnerabilität gegenüber Mängeln in der Wohnung und der Wohnumgebung. Die Wohnung mit
ihrem Wohnumfeld bestimmt daher für Ältere zu einem wesentlichen Teil, wie selbstbestimmt sie
altern (Kocka & Staudinger 2009; Oswald, Jopp, Rott, & Wahl 2011).
Der Deutsche Alterssurvey (DEAS) enthält Informationen zu verschiedenen Aspekten des
Wohnens, von den Wohnformen und der subjektiven Bewertung der Wohnsituation bis zur
Wohnungsausstattung und den Wohnkosten. Dies ermöglicht es, verschiedene Facetten des
Wohnens zu beleuchten. Dieses Kapitel widmet sich daher mehreren Aspekten des Stands und
der Entwicklung der Wohnsituation der Menschen in der zweiten Lebenshälfte.
Ein erster Aspekt des Kapitels ist das Wohnen in Mietwohnungen und im Wohneigentum. Aus
historischen Gründen ist die Wohneigentumsquote in Deutschland im europäischen Vergleich
eher niedrig (Kaltenbrunner & Waltersbacher 2014). In den ersten Jahrzehnten des
Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg stand in beiden Teilen Deutschlands die Schaffung
günstigen Wohnraums durch den Mietwohnungsbau im Vordergrund. Während in
Westdeutschland anschließend auch die Bildung von Wohneigentum an Bedeutung gewann, kam
dem privaten Wohneigentum in Ostdeutschland bis zur Wende nur eine untergeordnete
Bedeutung zu. Dies hat sich nach der Wiedervereinigung geändert. Die Zuwachsrate des
Wohneigentums ist in den neuen Bundesländern mittlerweile höher als in den alten
Bundesländern (ebd.). Untersucht wird im vorliegenden Beitrag, wie weit sich die Ost-WestUnterschiede in der Wohneigentümerquote verringert haben und in welchem Maße die einzelnen
Altersgruppen am Trend zu mehr Wohneigentum teilhaben. Erwartet wird ein
überdurchschnittlicher Anstieg bei den über 50-Jährigen, die nun häufiger mit selbst erworbenem
oder von der älteren Generation übertragenem Wohneigentum ins Alter kommen.
Die Wohnung ist der zentrale Lebensort im Alter, daher stellt die Bewertung der Wohnsituation
einen wichtigen Indikator für die Lebensqualität in dieser Lebensphase dar. Noch zu Beginn der
1990er Jahre unterschied sich die Wohnqualität in West- und Ostdeutschland deutlich
voneinander und dementsprechend war auch die Bewertung der Wohnsituation in
Ostdeutschland weniger positiv als in Westdeutschland (Motel-Klingebiel, Künemund, & Bode
2005). Inzwischen haben sich die Wohnverhältnisse zwischen West und Ost angenähert und
dementsprechend ist auch eine ähnliche Bewertung der Wohnsituation in beiden Landesteilen zu
erwarten. Das ist auch aus den Befunden von Priem und Schupp (2014) abzuleiten, die
feststellen, dass sich die Ost-West-Lücke unter anderem in der Zufriedenheit mit der Wohnung
endgültig geschlossen hat, da sich die Wohnstandards angeglichen haben.
Als weiterer Aspekt des Wohnens im Alter werden die Wohnkosten von Mieter- und
Eigentümerhaushalten näher betrachtet. Im Allgemeinen sind die Mietbeträge bei
300

Seniorenhaushalten etwas niedriger als bei jüngeren Altersgruppen. Allerdings ist die
Mietbelastung als Anteil am verfügbaren Einkommen, der für die Wohnkosten aufgewendet wird,
bei Personen im Ruhestand überdurchschnittlich hoch, insbesondere bei Alleinstehenden (Frick
& Droß 2011; Statistisches Bundesamt 2012). Zudem hat auf dem Wohnungsmarkt das Angebot
günstiger Mietwohnungen abgenommen und für viele hält die Einkommensentwicklung nicht mit
der Wohnkostenentwicklung Schritt (Pestel Institut 2012; BertelsmannStiftung 2013). Der Erwerb
von Wohneigentum gilt als eine Strategie der Altersvorsorge mit der Idee, dadurch im Alter
Wohnkosten einzusparen. Jedoch ist unklar, wem es möglich ist, im Alter im schuldenfreien
Wohneigentum zu wohnen und wie hoch die Einsparungen der monatlichen Wohnkosten bei
Wohneigentümern tatsächlich sind. Vor diesem Hintergrund wird zunächst beschrieben, wie sich
der Anteil der Wohneigentümer in der zweiten Lebenshälfte verändert hat. Außerdem wird
untersucht, wie sich die Wohnkostenbelastung der Älteren gewandelt hat und welche sozialen
Gruppen besonders stark belastet sind.
Die demografische Alterung erfordert in großem Umfang eine den Bedürfnissen Älterer
angepasste Wohnungsausstattung. Barrierefreiheit ist nicht für die Wohnungen aller älteren
Menschen notwendig, sie sollte jedoch zumindest für mobilitätseingeschränkte ältere Menschen
zur Verfügung stehen, um auch ihnen eine selbstständige Lebensführung zu ermöglichen. Eine
Studie des Kuratoriums Deutsche Altenhilfe (KDA) schätzt, dass etwa fünf Prozent aller
Seniorenhaushalte (65 Jahre und älter) in einer weitgehend barrierefreien Wohnung leben
(Bundesministerium für Verkehr Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) 2011; Kuratorium Deutsche
Altershilfe & Wüstenrot Stiftung 2014). Als Mindestanforderungen einer weitgehend barrierefreien
Wohneinheit werden folgende Kriterien genannt, die (zum Teil in abgekürzter Form) auch im
DEAS abgefragt werden: nicht mehr als drei Stufen zum Haus oder zum Wohnungseingang
(ohne technische Hilfen zur Überwindung der Barrieren), keine Stufen innerhalb der Wohnung
(ohne technische Hilfen zur Überwindung der Barrieren), ausreichende Bewegungsflächen und
Türbreiten im Sanitärbereich sowie das Vorhandensein einer bodengleichen Dusche. Das
Festlegen dieser Ausstattungskriterien der Wohnung führt zu den oben genannten,
vergleichsweise niedrigen Anteilen barrierereduzierter Wohnungen. Eine weitere Studie auf Basis
des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) erfasste subjektive Einschätzungen von als
altengerecht empfundenen Wohnungen und erhielt auf dieser Basis deutlich höhere Anteile:
19,6 Prozent aller Befragten, 29,9 Prozent der Befragten mit mindestens einer über 65-jährigen
Person im Haushalt und 48,8 Prozent der Befragten mit mindestens einer pflegebedürftigen
Person im Haushalt schätzten ihre Wohnungsausstattung als altengerecht und barrierefrei ein
(Rothgang, Kalwitzki, Müller, Runte, & Unger 2015). Diese Unterschiede zwischen objektivierten
und subjektiven Einschätzungen zeigen, dass Ältere auch beim Wohnen erhebliche
Anpassungsleistungen an die gegebenen Umstände erbringen und dass die Barrierefreiheit der
Wohnung nicht immer das entscheidende Kriterium für die Passfähigkeit der Wohnung ist. Die in
diesem Kapitel ausgewiesenen Anteilswerte zu barrierereduzierten Wohnungen lehnen sich an
das Vorgehen der KDA-Studie an, um einen Befund zum tatsächlichen Umfang
barrierereduzierten Wohnens in der zweiten Lebenshälfte zu erhalten. Es wird untersucht, welche
Kriterien barrierereduzierten Wohnens die Wohnungen älterer Menschen in Deutschland derzeit
erfüllen und welche Unterschiede in der Versorgung mit diesen Wohnungen existieren. Die
Wohnbedingungen von Älteren mit einer eingeschränkten Mobilität bilden einen weiteren
Analyseschwerpunkt, da diese Gruppe in besonderem Maße auf eine Barrierefreiheit der
Wohnung angewiesen ist.

301

Im Einzelnen werden im vorliegenden Kapitel die folgenden Fragen untersucht:
1.		 Steigt der Anteil der Personen, die im eigenen Wohneigentum leben? Hat Ostdeutschland
beim Besitz von Wohneigentum aufgeholt?
2.		 Wie bewerten Ältere ihre Wohnsituation und hat sich das über die Jahre verändert?
3.		 Wie hat sich die Wohnkostenbelastung über die Jahre bei Mieterinnen und Mietern sowie
bei Personen mit Wohneigentum verändert? Sind Ältere durch Wohnkosten insgesamt
stärker belastet als andere Altersgruppen? Welche Kostenentlastung bringt das Wohnen
in der eigenen Immobilie im Alter?
4.		 Wie barrierereduziert sind die Wohnungen der Älteren? Wie sind die Wohnungen von
Menschen mit starken funktionalen Einschränkungen beziehungsweise mit
Hilfsmittelabhängigkeit (Gehhilfe, Rollator, Rollstuhl oder ähnliches) ausgestattet?

19.2 Datengrundlage
Daten. Die Auswertungen und Ergebnisse beruhen auf den Daten der vier Basisstichproben des
DEAS der Erhebungsjahre 1996, 2002, 2008 und 2014 (vgl. Kapitel 2). Es werden jeweils
deskriptive Befunde zur Entwicklung und Verteilung folgender Merkmale dargestellt:
Wohneigentum. Aus der für alle vier Erhebungsjahre vorliegenden Interview-Information darüber,
ob man Eigentümerin/Eigentümer, Hauptmieterin/Hauptmieter oder zur Untermiete wohnt oder
einen anderen Bewohnerstatus hat (mietfrei, Wohnrecht etc.), wird der Anteil der Personen mit
Wohneigentum berechnet. Abhängig davon, ob für das Wohneigentum noch Raten eines
Immobiliendarlehens zu bezahlen sind, wird zwischen Wohneigentümerinnen und -eigentümern
mit und ohne Immobiliendarlehen unterschieden.
Bewertung der Wohnsituation. Die Bewertung der Wohnsituation wurde mit einer fünfteiligen
Skala erfragt. („Einmal insgesamt betrachtet, wie bewerten Sie Ihre derzeitige Wohnsituation?“
1 = ‚sehr gut‘/ 2 = ‚gut‘/ 3 = ‚mittel‘/ 4 = ‚schlecht‘/ 5 = ‚sehr schlecht‘). Für die Analyse wurden
diese Angaben in eine dichotome Variable rekodiert: ‚gut‘ = Antwortkategorien 1 und 2,
‚mittel/schlecht‘ = Antwortkategorien 3, 4 und 5.
Wohnkosten. Bei zur Miete Wohnenden umfassen die Wohnkosten die monatliche Miete
einschließlich aller Nebenkosten. Diese Bruttowarmmiete wird in jedem Erhebungsjahr im
mündlichen Interview als Gesamtbetrag erhoben, einschließlich einer Bestätigung, dass es sich
dabei um die Miete inklusive aller Nebenkosten handelt. Bei Wohneigentümerinnen und
Wohneigentümern werden die monatlichen Kosten, die sie für Strom, Gas, Wasser, Heizung,
Müllabfuhr und sonstige Nebenkosten aufwenden, gesondert als Summenbetrag erhoben. Sofern
für das selbstbewohnte Wohneigentum noch Abzahlungen für ein Immobiliendarlehen geleistet
werden, ist die Höhe der monatlichen beziehungsweise. auf den Monat bezogenen Zahlungsrate
anzugeben. Diese wird den Wohnkosten hinzu gerechnet. Falls bei den Angaben zu den
Wohnkosten keine genauen Beträge angegeben werden können, ist der ungefähre Betrag zu
nennen. Im Beitrag werden die monatlichen Wohnkosten der Hauptmieterinnen und -mieter und
Personen mit Wohneigentum ohne und mit Immobiliendarlehen berichtet.
Wohnkostenbelastung. Die Wohnkostenbelastung setzt die monatlichen Wohnkosten in Relation
zum monatlichen Nettoeinkommen des Haushalts. Sie gibt an, wieviel Prozent des Einkommens
für die Wohnkosten ausgegeben werden.
302

Barrierereduzierte Wohnung. Die Kriterien für Barrierefreiheit in Wohnungen werden in der Norm
DIN 18040-2 sehr detailliert und umfangreich geregelt. Das betrifft zum Beispiel die
umfangreichen Regeln zur Größe von Bewegungsflächen, zur baulichen Badausstattung bis hin
zum zulässigen Durchmesser, den Handläufe haben dürfen. Die Gesamtheit dieser Kriterien
kann in einem Survey nicht abgefragt werden. In der Befragung 2014 wurde im DEAS erstmals
versucht, die Vielzahl von Kriterien der Barrierefreiheit auf einige wesentliche und für die
Befragten bewertbare Indikatoren zu reduzieren. Im Einzelnen wurden im schriftlichen
Fragebogen das Vorhandensein oder Fehlen folgender Merkmale erfasst (leicht verkürzte
Darstellung): Wohnung beziehungsweise Haus ist stufenlos erreichbar, alle Treppen haben auf
beiden Seiten einen Handlauf, alle Zimmertüren haben keine oder nur niedrige Schwellen, Türen
der Sanitärräume sind breit genug für Gehhilfe/Rollator (mindestens 80 cm), Türen der
Sanitärräume gehen nach außen auf, innerhalb der Wohnung sind alle Zimmer stufenlos
erreichbar.
Die Übertragung dieser Kriterien auf einen Indikator für eine barrierereduzierte Wohnung erfolgt
in Anlehnung an das Vorgehen einer KDA-Repräsentativbefragung von Seniorenhaushalten
(Bundesministerium für Verkehr Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) 2011). Es werden zwei
Arten von Barrieren definiert: Barrieren beim Zugang zur Wohnung und Barrieren in der
Wohnung. Ein barrierereduzierter Zugang zur Wohnung liegt in unseren Analysen vor, wenn die
Wohnung beziehungsweise das Haus stufenlos erreichbar ist. Eine Wohnung ist innen
barrierereduziert, wenn die Zimmertüren keine oder nur niedrige Türschwellen haben, wenn die
Türen von Bad und WC breit genug sind für Gehhilfen/Rollator (mindestens 80 cm) und
außerdem nach außen öffnen und wenn alle Zimmer in der Wohnung stufenlos erreichbar sind.
Von einer barrierereduzierten Wohnung sprechen wir, wenn nach dieser Definition sowohl ein
barrierereduzierter Zugang zur Wohnung vorhanden ist und die Wohnung auch im Inneren
barrierereduziert ist. Die Badausstattung (bodengleiche Dusche, Dusche mit Duschtasse,
Badewanne) wurde nicht in die Bewertung einbezogen. Jede funktionale Einschränkung der
Bewohnerinnen und Bewohner braucht eigene Badlösungen, eine Wanne mit Wannenlift kann
unter Umständen funktionaler sein als eine bodengleiche Dusche, die zu eng ist für einen
Rollstuhl.
Gruppierungsvariablen. Es werden Geschlechtsunterschiede (männlich/weiblich),
Altersgruppendifferenzen (40 bis 54 Jahre, 55 bis 69 Jahre, 70 bis 85 Jahre) und regionale
Unterschiede zwischen West- und Ostdeutschland untersucht. Westdeutschland umfasst die
alten Bundesländer einschließlich dem früheren Westteil Berlins; Ostdeutschland umfasst die
neuen Bundesländer inklusive dem früheren Ostteil Berlins. Bei der Betrachtung der Wohnkosten
und der subjektiven Bewertung der Wohnsituation werden bivariat auch Unterschiede nach der
Wohnlage untersucht. Die von den Interviewerinnen und Interviewern vorgenommene
Einschätzung der Wohnlage auf einer fünfstufigen Skala wird dabei rekodiert zu den drei
Kategorien ‚einfache‘ (1-2), ‚mittlere‘ (3) und ‚gehobene‘ Wohnlage (4-5).
Daneben werden Mobilitätseinschränkungen der befragten Person und der siedlungsstrukturelle
Kreistyp des Wohnkreises der Befragten als Gruppierungsvariable genutzt:
Mobilitätseinschränkungen. Einschränkungen in der Mobilität werden über die im schriftlichen
Fragebogen erhobene Nutzung eines Mobilitätshilfsmittels erfasst. Abgefragt wird die Nutzung
(ja/nein) von Stock/Gehhilfe, Gehwagen/ Rollator/ Delta-Rad und Rollstuhl. Befragte, die
mindestens eines dieser Hilfsmittel benutzen, gelten in der Analyse als in ihrer Mobilität
eingeschränkt. Die Frage nach der Nutzung eines Mobilitätshilfsmittels ist in Bezug auf die
Barrierefreiheit sinnvoll, weil diese Hilfsmittel selbst innerhalb der Wohnung beziehungsweise
303

beim Zugang zur Wohnung zu einem Hindernis werden können, wenn sie über Treppen,
Schwellen oder durch schmale Türen bewegt werden müssen.
Siedlungsstruktureller Kreistyp. Die verwendeten siedlungsstrukturellen Kreistypen sind eine
Typologie des Bundesinstituts für Bau- Stadt- und Raumforschung, die auf
Siedlungsstrukturmerkmalen beruhen und die in der Raumbeobachtung eine zentrale Rolle
spielen (BBSR 2012). Sie umfassen vier Kreistypen: 1 = Kreisfreie Großstädte: Kreisfreie Städte
mit mindestens 100.000 Einwohnern/ 2 = Städtische Kreise: Kreise mit einem Bevölkerungsanteil
in Groß- und Mittelstädten von mindestens 50 Prozent und einer Einwohnerdichte von
mindestens 150 Einwohner/km², sowie Kreise mit einer Einwohnerdichte ohne Groß- und
Mittelstädte von mindestens 150 Einwohner/km²/ 3 = Ländliche Kreise mit Verdichtungsansätzen:
Kreise mit einem Bevölkerungsanteil in Groß- und Mittelstädten von mindestens 50 Prozent, aber
einer Einwohnerdichte unter 150 Einwohner/km², sowie Kreise mit einem Bevölkerungsanteil in
Groß- und Mittelstädten unter 50 Prozent mit einer Einwohnerdichte ohne Groß- und Mittelstädte
von mindestens 100 Einwohner/km²/ 4 = Dünn besiedelte ländliche Kreise: Kreise mit einem
Bevölkerungsanteil in Groß- und Mittelstädten unter 50 Prozent und Einwohnerdichte ohne Großund Mittelstädte unter 100 Einwohner/km².
Analysen. Im Text und den Abbildungen werden jahres- und gruppenspezifische gewichtete
Häufigkeiten oder prozentuale Häufigkeiten angegeben. Um Unterschiede zwischen Gruppen
und/oder Jahren auf statistische Signifikanz (p < ,05) zu testen, wurden lineare, logistische und
ordinale Regressionen berechnet, wobei für die Stratifizierungsvariablen Altersgruppe (40 bis 54
Jahre, 55 bis 69 Jahre und 70 bis 85 Jahre), Geschlecht und Region (West-/Ostdeutschland)
kontrolliert wurde. Das genaue Vorgehen ist in Kapitel 2 beschrieben.

19.3 Wohneigentum
In der zweiten Lebenshälfte wohnt die Mehrheit der Bevölkerung in einer Wohnung oder einem
Haus, das ihnen selbst gehört. Der Anteil der Personen mit Wohneigentum hat sich zwischen
1996 und 2014 von 57,6 auf 61,6 Prozent erhöht (Abbildung 19-1). Nur noch ein Drittel der
40- bis 85-Jährigen wohnt zur Miete und einige wenige wohnen mietfrei, zur Untermiete oder
anderweitig geregelt in ihrer Wohneinheit.
Ein steigender Anteil älterer Menschen wohnt in der eigenen Immobilie.
Zwar ist die Wohneigentumsquote in den alten Bundesländern immer noch höher als in den
neuen Bundesländern und bei den 55- bis 69-Jährigen höher als bei den beiden anderen
Altersgruppen – durch die überdurchschnittliche Zunahme des Wohneigentums in
Ostdeutschland und bei den 70- bis 85-Jährigen (Anstieg der Wohneigentümerquote auf 59,7
Prozent) haben sich die Unterschiede in den privaten Wohnformen zwischen Ost und West und
zwischen den Altersgruppen jedoch verringert. Insgesamt ist nach einer deutlichen Zunahme des
Wohneigentums bis zum Jahr 2008 in der Folgezeit eine Stagnation eingetreten, in der die
Eigentümerquote nicht weiter gestiegen ist (vgl. Tabelle A 19-1 im Anhang). Die seit mehreren
Jahren günstigen Finanzierungskonditionen, die relativ guten Arbeitsmarktbedingungen und das
steigende Angebot an Kaufimmobilien lassen für die Zukunft aber eine weitere Zunahme des
Wohnens in der eigenen Immobilie erwarten.

304

Abbildung 19-1:	
1996

Wohneigentumsquote, gesamt, nach Alter und Landesteil, in den
Jahren 1996 und 2014 (in Prozent)
2014
	

100
	

Prozent

80
60
40
57,6

61,6

59,4

60,1

60,9

64,9
47,9

20

59,7

63,0

63,9
51,2
36,1

0
Gesamt

40-54 Jahre

55-69 Jahre

70-85 Jahre

West

Ost

Quelle: DEAS 1996 (n = 4.838) und 2014 (n = 6.000), gewichtet, gerundete Angaben; (p < ,05). 

Signifikanter Anstieg für die Altersgruppen 55 bis 69 Jahre und 70 bis 85 Jahre und für beide Landesteile. Zunahme bei den 70- 

bis 85-Jährigen und in Ostdeutschland signifikant höher als bei den anderen beiden Altersgruppen bzw. in Westdeutschland.
	

Mehr als drei Viertel (78,0 Prozent) der Wohneigentümer des Jahres 2014 haben ihre Wohnung
oder ihr Haus gekauft, 22,0 Prozent haben die Immobilie durch eine Erbschaft, Schenkung oder
anderweitige Eigentumsfeststellung erhalten. Im Vergleich zum Jahr 1996 erhöhte sich damit der
Anteil des durch Kauf erworbenen Wohneigentums um 6,1 Prozentpunkte (ohne Abbildung). Es
verwundert daher nicht, dass auch ein wachsender Anteil der Personen mit Wohneigentum
Immobilienschulden hat und laufende Abzahlungsraten leisten muss.
Der Anteil der Eigentümerhaushalte, die noch laufende Abzahlungen von
Immobiliendarlehen leisten müssen, hat zugenommen.
Im Jahr 2014 haben insgesamt 39,7 Prozent der Personen mit Wohneigentum für dieses ein
Darlehen abzuzahlen, bei den 40- bis 54-Jährigen sind es sogar 65,2 Prozent (vgl. Tabelle
A 19-2 im Anhang). Je älter die Wohneigentümer sind, desto häufiger ist ihre Wohnung oder ihr
Haus bereits schuldenfrei. Aber auch von den über 70-Jährigen des Jahres 2014 müssen noch
11,3 Prozent für das von ihnen erworbene Wohneigentum Abzahlungen leisten, deutlich mehr als
noch 2008 (7,0 Prozent). Etwas überraschend sinkt seit 2002 in Ostdeutschland der Anteil der
Wohneigentümer, die noch ein Immobiliendarlehen bedienen müssen (2002: 41,2 Prozent; 2014:
35,9 Prozent). Möglicherweise ist dies Folge einer verbesserten Ausstattung der ostdeutschen
Käufer mit Eigenkapital und der wachsenden Zahl vollständiger Darlehenstilgungen der in den
1990er Jahren privat erworbenen Wohnimmobilien.

19.4 Bewertung der Wohnsituation
Die Erhebungen des DEAS zeigten in den vergangenen Jahren, dass die meisten Menschen in
der zweiten Lebenshälfte ihre Wohnsituation positiv sehen. Daran hat sich auch im Jahr 2014
nichts geändert.

305

Die eigene Wohnsituation wird im Jahr 2014 von einer großen Mehrheit der 40- bis 85­
Jährigen als gut bewertet.
89,7 Prozent der 40- bis 85-Jährigen schätzen im Jahr 2014 ihre Wohnsituation als gut ein (vgl.
Tabelle A 19-5 im Anhang). In der ersten DEAS-Befragung 1996 waren es noch 84,3 Prozent.
Ältere sehen dabei ihre Wohnsituation signifikant häufiger positiv als Erwachsene im mittleren
Erwachsenenalter, auch wenn die Unterschiede nur wenige Prozentpunkte betragen. Die 40- bis
54-Jährigen geben zu 88,0 Prozent, die 55- bis 69-Jährigen zu 90,1 Prozent und die Altersgruppe
der 70- bis 85-Jährigen zu 92,0 Prozent eine positive Einschätzung ihrer Wohnsituation ab. Eine
Erklärung für die über die Altersgruppen hinweg zunehmend positive Bewertung des eigenen
Wohnens ist das Zufriedenheits- beziehungsweise Altersinvarianzparadox, das eine stabile
positive Bewertung der Lebenssituation in relativer Unabhängigkeit von den objektiven
Bedingungen beschreibt (Teti, Grittner, Kuhlmey, & Blüher 2014; vgl. Kapitel 10). Eine hohe
Wohnzufriedenheit sollte daher nicht darüber hinweg täuschen, dass trotzdem ein Bedarf an
verbesserten Wohnbedingungen für Ältere existieren kann.
Auch im Vergleich von West- und Ostdeutschland zeigt sich die Wohnzufriedenheit auf einem
stabil hohen Niveau. In Ostdeutschland lässt sich ein Aufholprozess seit 1996 beobachten mit
einer hohen Dynamik in den 1990er Jahren und einem langsameren Anwachsen seit 2002
(Abbildung 19-2). Nachdem es bis 2008 noch eine signifikante Differenz in der Bewertung der
Wohnsituation von West- und Ostdeutschen gab, ist diese Differenz im Jahr 2014 zum ersten Mal
nicht mehr zu beobachten. Ostdeutsche in der zweiten Lebenshälfte sehen im Jahr 2014 ihre
Wohnsituation etwa gleich positiv wie die Westdeutschen.

Abbildung 19-2:	

Anteile der Personen, die ihre Wohnsituation als ‚gut‘ bewerten, nach
Landesteil, in den Jahren 1996, 2002, 2008 und 2014 (in Prozent)

West

Ost

100

Prozent

80
60
40

89,8

86,5

86,2

75,6

89,9

87,2

89,8

89,4

20
0
1996

2002

2008

2014

Quelle: DEAS 1996 (n = 4.828), 2002 (n = 3.080), 2008 (n=6.201), 2014 (n = 6.000), gewichtet, gerundete Angaben; (p < ,05)
Signifikanter Unterschied zwischen West- und Ostdeutschland in den Jahren 1996, 2002, 2008. Kein signifikanter Unterschied
im Jahr 2014.

306

Auch in einfachen Wohnlagen bezeichnen die Bewohnerinnen und Bewohner ihre
Wohnsituation mehrheitlich als gut.
Bemerkenswert ist, dass auch in den von den Interviewenden als einfach eingeschätzten
Wohnlagen die Bewohnerinnen und Bewohner ihre Wohnsituation mehrheitlich als gut
bezeichnen, auch wenn der Anteil positiver Bewertungen deutlich geringer ist als in gehobenen
oder mittleren Wohnlagen (Abbildung 19-3). 96,2 Prozent der 40- bis 85-Jährigen in gehobenen
Wohnlagen bezeichnen ihre Wohnsituation als gut, 87,9 Prozent der Bewohner mittlerer
Wohnlagen und immerhin noch 68,1 Prozent der Bewohnerinnen und Bewohner einfacher
Wohnlagen tun dies. Für Menschen in der zweiten Lebenshälfte spielt offenbar für die Bewertung
ihrer Wohnsituation nicht in erster Linie der bauliche Zustand der Wohnung und des
Wohnumfelds eine Rolle, sondern auch in hohem Maße ihre Verbundenheit mit der Wohnung,
dem Quartier und der Nachbarschaft (vgl. dazu Kapitel 20 und 21).

Abbildung 19-3:	

Anteile der Personen, die ihre Wohnsituation als ‚gut‘ bewerten, nach
Wohnlage, im Jahr 2014 (in Prozent)

100

Prozent

80
60
40

87,9

96,2

68,1

20
0
Einfache
Wohnlage

Mittlere
Wohnlage

Gehobene
	
Wohnlage
	

Quelle: DEAS 2014 (n = 5.954), gewichtete, gerundete Angaben; (p < ,05).
Signifikante Unterschiede in beiden Kategorien zwischen allen Wohnlagen.

19.5 Wohnkosten
Die monatlichen Wohnkosten können unterschiedlich hoch sein. Unter anderem hängen sie
davon ab, ob es sich um eine Mietwohnung oder um Wohneigentum handelt und ob dieses
bereits schuldenfrei ist. Im Jahr 2014 beträgt die von den 40- bis 85-Jährigen zu begleichende
durchschnittliche Monatsmiete einschließlich Nebenkosten 703 Euro. Gegenüber 1996 hat sich
die Miete um 57 Prozent erhöht. Da die Einkommen nicht im selben Maße gestiegen sind (vgl.
Kapitel 6), erhöhte sich die Mietbelastung.
Die monatliche Wohnkostenbelastung in Prozent des Einkommens hat zwischen 1996 und
2014 zugenommen.
Im Jahr 2014 müssen Mieterhaushalte 35,1 Prozent ihres monatlichen Nettoeinkommens für die
Miete und Nebenkosten ausgeben, im Jahr 1996 waren es erst 27,9 Prozent (Abbildung 19-4).
307

Eigentümerhaushalte, die noch Darlehensraten für ihre Immobilie zu leisten haben, wenden
hierfür zuzüglich der monatlichen Nebenkosten im Durchschnitt 1.091 Euro auf. Dies sind 32,8
Prozent ihres Haushaltsnettoeinkommens. Ihre Wohnkostenbelastung ist damit erstmals etwas
geringer als die der Mieterhaushalte. Dazu beigetragen haben der gebremste Anstieg der
nominalen Wohnkosten nach 2008 und ihr im Vergleich zu Mieterhaushalten höherer
Einkommenszuwachs. Die niedrigsten Wohnkosten absolut und in Relation zu ihrem Einkommen
haben Eigentümerhaushalte, deren Immobilie schuldenfrei ist. Sie müssen nur 16 Prozent ihres
Haushaltseinkommens für die monatlichen Wohnkosten aufwenden, da sie keine
Wohndarlehensraten (mehr) aufbringen müssen.

Abbildung 19-4:	

60

Monatliche Wohnkosten des Haushaltseinkommens nach Wohnform,
in den Jahren 1996, 2002, 2008 und 2014 (in Prozent)

Eigentümerhaushalte
ohne Immobiliendarlehen

Eigentümerhaushalte
mit Immobiliendarlehen

Mieterhaushalte

Prozent

40

20

31,4
13,9

35,1
27,9

36,0

30,4
16,1

13,0

33,7

32,8

35,1

16,0

0
1996

2002

2008

2014

Quelle: DEAS 1996 (n = 3.415), 2002 (n = 2.023), 2008 (n = 4.416), 2014 (n = 4.655), gewichtet, gerundete Angaben; (p < ,05).
Signifikante Unterschiede zwischen 1996 und 2014 für alle drei Kategorien. Signifikante Unterschiede zwischen allen
Kategorien zu allen Zeitpunkten, ausgenommen die Differenz zwischen Mieterhaushalten und Eigentümerhaushalten mit
Immobiliendarlehen im Jahr 2014.

Bei Mieterhaushalten steigt mit dem Alter die Wohnkostenbelastung, was in Verbindung mit der
Absenkung des Haushaltseinkommens beim Übergang in den Ruhestand und nach einer
Verwitwung zu sehen ist. Die im Jahr 2014 zur Miete wohnenden 40- bis 54-Jährigen geben
33,1 Prozent ihres Haushaltseinkommens für Miete und Nebenkosten aus, die 70- bis
85-Jährigen müssen dafür 37,8 Prozent einsetzen (Abbildung 19-5). Über 70-jährige
alleinlebende Mieterinnen müssen sogar 45,2 Prozent ihres Einkommens für die Wohnkosten
aufwenden (ohne Abbildung). Bei Eigentümerhaushalten ist der Alterszusammenhang
umgekehrt. Bei ihnen verringert sich mit steigendem Alter die Wohnkostenbelastung, weil ältere
Wohneigentümerinnnen und -eigentümer häufig keine Immobilienschulden (mehr) haben. Dann
fallen nur noch die üblichen Nebenkosten an.
Für Eigentümer- und Mieterhaushalte zeigt sich auch ein Zusammenhang der
Wohnkostenbelastung mit der Wohnlage. 1 Haushalte in einfachen Wohnlagen müssen einen
höheren Anteil ihres Einkommens für die Wohnkosten aufwenden als Haushalte in mittleren und
gehobenen Wohnlagen (Abbildung 19-5). Verantwortlich dafür ist das niedrigere
1

Die Einstufung der Wohnlage beruht auf Angaben der Interviewerinnen und Interviewer (siehe Abschnitt 19.2).

308

Durchschnittseinkommen der in einfachen Wohnlagen lebenden Haushalte. 2 Die Ost-WestUnterschiede der Mietbelastung haben sich zwischen 1996 und 2014 aufgelöst. Während im Jahr
1996 ostdeutsche Mieterhaushalte mit 24,2 Prozent einen deutlich geringeren Anteil ihres
Haushaltseinkommens für die Miete plus Nebenkosten aufwenden mussten als westdeutsche
Mieterhaushalte (29,7 Prozent), betrug die Mietbelastung im Jahr 2014 in beiden Landesteilen
35 Prozent (Ost: 35,1 Prozent, West: 35,0 Prozent) (siehe Tabelle A 19-3 im Anhang).

Abbildung 19-5:	

Monatliche Wohnkosten des Haushaltseinkommens, nach Alter und
Wohnlage, im Jahr 2014 (in Prozent)

Eigentümer

Hauptmieter

60

Prozent

40

20
25,2

41,0

37,8

36,1

33,1

28,4
20,9

21,0

55-69 Jahre

70-85 Jahre

34,7
24,7

32,7
20,7

0
40-54 Jahre

Einfache
Wohnlage

Mittlere
Wohnlage

Gehobene
Wohnlage

Quelle: DEAS 2014 (n = 4.655 für die Altersgruppen, n = 4.625 für die Wohnlagen), gewichtet, gerundete Angaben; (p < ,05).
Eigentümer: Signifikante Unterschiede nur zwischen 40- bis 54-Jährigen und den 55- bis 69-Jährigen bzw. 70- bis 85-Jährigen.
Signifikante Unterschiede zwischen allen Wohnlagen. Hauptmieter: Signifikante Unterschiede nur zwischen 40- bis 54-Jährigen
und den 55- bis 69-Jährigen bzw. 70- bis 85-Jährigen. Signifikanter Unterschied zwischen einfacher Wohnlage und mittlerer
bzw. gehobener Wohnlage.

Insgesamt ist das Wohnen teurer geworden. Insbesondere Personen, die zur Miete wohnen,
müssen einen wachsenden Anteil ihres Einkommens für die Miete und die Nebenkosten
aufwenden. Die steigende Quote von Menschen mit Wohneigentum wurde erkauft durch einen
wachsenden Anteil von Haushalten mit einer relativ hohen monatlichen Belastung durch das
Abzahlen von Immobiliendarlehen. Gelingt es Personen mit Wohneigentum allerdings, ihr
Wohndarlehen bis zum Beginn des Ruhestands vollständig zu tilgen und fortan in der
abbezahlten Immobilie zu wohnen, reduziert dies ihre laufenden Wohnkosten im Alter erheblich.

19.6 Barrierereduzierte Wohnungen
Gerade im hohen Alter nehmen Mobilitätseinschränkungen immer mehr zu (vgl. Kapitel 8). Um
auch mit solchen Einschränkungen weiterhin gut in der eigenen Wohnung leben zu können,
kommt es darauf an, ob die Wohnung möglichst wenige Barrieren hat.
2

Das im DEAS für 2014 ermittelte durchschnittliche Monatseinkommen der in einfachen Wohnlagen lebenden
Mieterhaushalte liegt 44 Prozent unter dem Einkommen der Mieterhaushalte in gehobenen Wohnlagen (ohne
Abbildung).

309

Barrierereduzierte Wohnungen sind im Jahr 2014 wenig verbreitet.
Es gibt nicht viele Menschen, die in einer barrierereduzierten Wohnung leben. Legt man die im
Abschnitt ‚Datengrundlagen‘ beschriebenen Kriterien zugrunde, so leben von den 40- bis
85-Jährigen nur 2,9 Prozent in einer solchen Wohnung. Dieser Anteil ist erwartungsgemäß in der
ältesten Altersgruppe am größten, da in dieser Altersgruppe die gesundheitlichen
Einschränkungen und damit der Bedarf an Wohnbedingungen ohne Barrieren besonders hoch
sind. Von den 70- bis 85-Jährigen wohnen 5,6 Prozent unter barrierereduzierten Bedingungen
(Abbildung 19-6). In Ostdeutschland gibt es einen etwas höheren Anteil barrierereduzierter
Wohnungen (4,1 Prozent) als in Westdeutschland (2,6 Prozent). Eine Erklärung dafür kann sein,
dass seit den 1990er Jahren in Ostdeutschland zahlreiche Wohnungen modernisiert
beziehungsweise neu gebaut wurden, die zu einem höheren Anteil als in Westdeutschland den
Standards der Barrierefreiheit genügen.
Was bedeutet dieser Befund? Ob eine Wohnung den Wohnbedürfnissen ihrer Bewohnerinnen
und Bewohner entspricht, hängt stark von deren Gesundheitszustand und auch von ihren
individuellen Wohnpräferenzen ab. Nicht jeder Mensch im höheren Alter hat größere funktionale
Einschränkungen (vgl. Kapitel 8). Viele Ältere richten sich in den vorhandenen Wohnbedingungen
ein, auch wenn diese nicht optimal an ihre Bedürfnisse angepasst sind. Dennoch kann
angesichts der sehr geringen Anteilswerte an barrierereduzierten Wohnungen davon
ausgegangen werden, dass ein größerer Nachholbedarf an diesen Wohnungen besteht, der in
den kommenden Jahren infolge der demografischen Alterung noch wachsen dürfte.

Abbildung 19-6:

Anteile der in einer barrierereduzierten Wohnung lebenden Menschen,
gesamt, nach Alter, Geschlecht und Landesteil, im Jahr 2014 (in
Prozent)

20

Prozent

15

10

5
5,6
2,9

0
Gesamt		

1,5

40-54
Jahre

2,6

55-69
Jahre

70-85
Jahre

3,2

2,6

2,6

Männer

Frauen

West

Quelle: DEAS 2014 (n = 4.226), gewichtet, gerundete Angaben; (p < ,05). 

Signifikante Alters- und Landesteilunterschiede. Keine signifikanten Geschlechtsunterschiede.
	

310

4,1

Ost

Auch Ältere mit Mobilitätseinschränkungen haben überwiegend keine barrierereduzierte
Wohnung.
Wie leben Menschen, die aufgrund von körperlichen Einschränkungen, insbesondere der
Mobilität, auf barrierereduzierte Wohnbedingungen angewiesen sind, um ihren Alltag gut
bewältigen zu können? Auch von ihnen ist nur eine Minderheit mit entsprechenden
Wohnbedingungen versorgt. Von denjenigen, die auf die Nutzung einer Gehhilfe, eines Rollators
oder eines Rollstuhls angewiesen sind, haben lediglich 6,9 Prozent eine barrierereduzierte
Wohnung. Abbildung 19-7 zeigt, dass diese Personen zum überwiegenden Teil in Wohnungen
leben, die keinen barrierefreien Zugang haben beziehungsweise die im Inneren nicht barrierefrei
sind. Nur ein knappes Viertel der in ihrer Mobilität Eingeschränkten kommt ohne Barrieren in die
eigene Wohnung (23,9 Prozent), der Unterschied zur Gruppe der nicht Mobilitätseingeschränkten
ist nicht signifikant. Mobilitätseinschränkungen hängen also nicht mit mehr barrierereduzierten
Zugängen zur Wohnung zusammen. 13,5 Prozent der in ihrer Mobilität Eingeschränkten haben
eine Wohnung, die im Inneren barrierereduziert ist (zu den Kriterien siehe Abschnitt 19.2). Hier
gibt es einen signifikanten Unterschied zur Vergleichsgruppe der nicht Mobilitätseingeschränkten
(6,6 Prozent). Das heißt, wenn Personen mit Gehhilfe, Rollator oder Rollstuhl ihre
Wohnbedingungen im Sinne der Barrierefreiheit anpassen, dann erfolgt das eher durch
Umbaumaßnahmen innerhalb der Wohnung. Umrüstungsmaßnahmen, die für den Zugang zur
Wohnung Barrieren beseitigen, betreffen die Architektur des gesamten Hauses und sind offenbar
schwieriger zu bewerkstelligen. Das bedeutet, dass Barrierefreiheit des Wohnungszugangs beim
Neubau von Häusern beziehungsweise bei umfassenden Sanierungen von vornherein
mitgedacht werden muss.

Abbildung 19-7:	

Barrieren in den Wohnungen von mobilitätseingeschränkten und nicht
mobilitätseingeschränkten Menschen, im Jahr 2014 (in Prozent)

60

40

Prozent

Bewohner nicht
mobilitätseingeschränkt
Bewohner
mobilitätseingeschränkt

20
20,9

0

2,6

23,9

6,9

Wohnung
ingesamt
barrierereduziert

6,6

Zugang zu
Wohnung
barrierereduziert

13,5

Wohnung
innen
barrierreduziert

Quelle: DEAS 2014 (n = 3.910), gewichtet, gerundete Angaben; (p < ,05). 

Mobilitätseingeschränkt heißt Nutzung von Gehhilfen, Rollatoren, Rollstühlen o. ä.
	
Signifikante Unterschiede zwischen mobilitätseingeschränkten und nicht mobilitätseingeschränkten Bewohnerinnen und 

Bewohnern bei ‚Wohnung insgesamt barrierereduziert‘ und bei ‚Wohnung innen barrierereduziert‘. Keine signifikanten 

Unterschiede bei ‚Zugang zur Wohnung barrierereduziert‘.
	

311

Zum Wohnkomfort für Menschen mit funktionalen Beeinträchtigungen gehört auch die sanitäre
Ausstattung, von der einige Merkmale im DEAS erfasst werden. In der Gruppe von Personen, die
auf Mobilitätshilfsmittel angewiesen sind, verfügen 74,8 Prozent über ein Bad mit Badewanne,
38,6 Prozent über eine Dusche mit Duschtasse und nur 26,6 Prozent über eine bodengleiche
Dusche. Außerdem verfügen von den Nutzern eines Mobilitätshilfsmittels 8,5 Prozent über einen
Notruf in der Wohnung beziehungsweise im Haus (im Vergleich zu nur 1,3 Prozent derjenigen,
die keine Mobilitätshilfen nutzen) und 6,5 Prozent über einen Treppenlift (im Vergleich zu
1,9 Prozent derjenigen, die keine Mobilitätshilfen nutzen) (ohne Abbildung).

19.7 Diskussion und Implikationen
Ältere Menschen leben überwiegend in einem privaten Haushalt. Die meisten von ihnen haben
den Wunsch, bis in das hohe Alter ein selbstbestimmtes Leben in den eigenen vier Wänden zu
führen. Mit steigendem Alter und den damit häufig verbundenen funktionalen Einschränkungen
verändern sich die Anforderungen an das Wohnen – ein Aspekt, der in den letzten Jahren
verstärkt in das öffentliche Bewusstsein gelangt ist. Die Befunde des DEAS veranschaulichen
einige Aspekte des Wohnens im Alter.
Die Daten des DEAS zeigen, dass ältere Menschen ihre Wohnsituation mehrheitlich als gut
beurteilen. Sie fühlen sich mit ihrer Wohnung, dem Wohnumfeld und der Nachbarschaft
verbunden. Der an sich positive Umstand der Bindung an die Wohnung kann sich aber auch
nachteilig auswirken, wenn jahrzehntelanges Wohnen das Ausharren in nicht mehr den
Bedürfnissen entsprechenden Wohnbedingungen bedeutet. Hier finden sich Ansatzpunkte, um
durch Wohnraumanpassung altersadäquate Wohnbedingungen zu fördern. Ein anderer Ansatz
ist es, älteren Menschen den Umzug in eine andere Wohnung zu erleichtern. Als hemmender
Faktor für die Umzugsbereitschaft erweist sich die Mietenentwicklung, gerade in größeren
Städten und begehrten Wohnlagen. Sie behindert Wohnmobilität, indem ein Umzug in eine
kleinere Wohnung mit altersangepassten Wohnbedingungen häufig mit höheren Wohnkosten
erkauft werden muss.
Die Wohnkosten sind gestiegen und stellen im Alter eine überdurchschnittliche finanzielle
Belastung dar. Ein wachsender Anteil des Einkommens muss für die Wohnkosten aufgewendet
werden. Bei niedrigem Einkommen ist der finanzielle Spielraum dadurch erheblich eingeschränkt.
Ein wachsender Anteil älterer Menschen wohnt im Alter in der eigenen Immobilie.
Wohneigentumsbildung führt allerdings nicht selbstverständlich zu einer finanziellen Entlastung
im Alter. Teilweise sind auch nach Erreichen des Rentenalters noch Immobilienschulden
abzubezahlen und die laufenden Kosten und Instandhaltungsaufwendungen sind – besonders
bei größerem und älterem Wohneigentum – nicht zu unterschätzen. Auch die Möglichkeiten einer
gewinnbringenden Veräußerung als finanzielles Polster im Alter werden voraussichtlich nicht
überall gegeben sein, insbesondere nicht in strukturschwachen, von Abwanderung betroffenen
Regionen, von denen viele in Ostdeutschland liegen.
Eine Wohnung, deren bauliche Ausstattung auch für Personen mit gesundheitlichen
Einschränkungen einen funktionierenden Alltag erleichtert, kann die Lebensphase im gewohnten
Umfeld verlängern und so zum Wohlbefinden Älterer beitragen. Die Ergebnisse zeigen, dass nur
ein geringer Teil der Älteren in barrierereduzierten Wohnungen lebt. Zwischen Bedarf und
Angebot an derartigen Wohnungen klafft bereits heute eine Lücke und für die kommenden Jahre
ist als Folge der demografischen Alterung mit einer weiter erhöhten Nachfrage zu rechnen. Es
gibt mittlerweile zahlreiche Programme und Initiativen, die barrierereduziertes Umbauen und
technikunterstütztes Wohnen fördern. Durch Neubauten und Gebäudesanierungen sollte der
312

Anteil an barrierereduzierten Wohnungen am Wohnungsbestand künftig erhöht werden. Der
Ausbau von Wohnberatungsstellen für Ältere kann die Möglichkeiten des Wohnungsumbaus im
Sinne von Barrierefreiheit für mehr Menschen aufzeigen und dazu beitragen, den Anteil
barrierereduzierten Wohnens zu erhöhen (vgl. auch Kapitel 20). Gleiches gilt für die Entwicklung
und Verbreitung technikbasierter Assistenzsysteme im Wohnbereich. Nicht zu unterschätzen ist
auch der ökonomische Effekt, der gerade in Haushalten mit Pflegebedürftigen entstehen könnte:
Auch sie sind mit barrierereduzierten Wohnungen unterversorgt. Bei einer besseren Versorgung
mit adäquatem Wohnraum könnte der Heimeintritt bei einem Teil dieser Pflegebedürftigen
hinausgezögert und so eine erhebliche Kostenersparnis erzielt werden. Schätzungen sprechen
von 5,2 Milliarden Euro jährlich (Bundesinstitut für Bau- Stadt- und Raumforschung (BBSR)
2014).

Literatur
Bundesinstitut für Bau- Stadt- und Raumforschung (2012). Raumabgrenzungen und Raumtypen
des BBSR [Analysen Bau. Stadt. Raum 6]. Bonn: Bundesinstitut für Bau- Stadt- und
Raumforschung.
BertelsmannStiftung (Hrsg.) (2013). Wohnungsangebot für arme Familien in Großstädten.
Bielefeld: BertelsmannStiftung.
Bundesinstitut für Bau- Stadt- und Raumforschung (2014). Potenzialanalyse altersgerechte
Wohnungsanpassung. Bonn: Bundesinstitut für Bau- Stadt- und Raumforschung.
Bundesministerium für Verkehr Bau und Stadtentwicklung (BMVBS). (2011). Wohnen im Alter ­
Marktprozesse und wohnungspolitischer Handlungsbedarf. Forschungen, Heft 147.
Berlin: Bundesministerium für Verkehr Bau und Stadtentwicklung.
Engstler, H., Menning, S., Hoffmann, E., & Tesch-Römer, C. (2004). Die Zeitverwendung älterer
Menschen. In: Statistisches Bundesamt (Hrsg.) Alltag in Deutschland - Analysen zur
Zeitverwendung (S. 216-246). Stuttgart: Metzler-Poeschel.
Frick, J., & Droß, P. J. (2011). Wohnverhältnisse und Wohnkosten. In: Statistisches Bundesamt &
Wissenschaftzentrum Berlin für Sozialforschung (Hrsg.) Datenreport 2011 (Bd. 1, S. 207214). Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung.
Kaltenbrunner, R., & Waltersbacher, M. (2014). Wohnsituation in Deutschland. Aus Politik und
Zeitgeschichte, 64(20-21), 3-12.
Kocka, J., & Staudinger, U. (2009). Gewonnene Jahre. Empfehlungen der Akademiengruppe
Altern in Deutschland [Altern in Deutschland 9]. Stuttgart: Wissenschaftliche
Verlagsgesellschaft.
Kuratorium Deutsche Altershilfe & Wüstenrot Stiftung (2014). Wohnatlas. Rahmenbedingungen
der Bundesländer beim Wohnen im Alter. Teil 1: Bestandsanalyse und Praxisbeispiele.
Köln: Kuratorium Deutsche Altershilfe.
Motel-Klingebiel, A., Künemund, H., & Bode, C. (2005). Wohnen und Wohnumfeld. In: M. Kohli &
H. Künemund (Hrsg.) Die zweite Lebenshälfte. Gesellschaftliche Lage und Partizipation
im Spiegel des Alters-Survey (S. 125-175). Wiesbaden: VS Verlag für
Sozialwissenschaften.
Oswald, F., Jopp, D., Rott, C., & Wahl, H. W. (2011). Is aging in place a resource for or risk to life
satisfaction? Gerontologist, 51(2), 238-250. doi: 10.1093/geront/gnq096.
Pestel Institut (2012). Bedarf an Sozialwohnungen in Deutschland. Untersuchung im Auftrag der
Wohnungsbau Initiative. Hannover: Pestel Institut.
Priem, M., & Schupp, J. (2014). Alle zufrieden: Lebensverhältnisse in Deutschland. DIWWochenbericht, 81(40), 1001-1008.
Rothgang, H., Kalwitzki, T., Müller, R., Runte, R., & Unger, R. (2015). BARMER GEK
PFLEGEREPORT 2015. Schwerpunktthema: Pflegen zu Hause. Siegburg.
Statistisches Bundesamt (2015). Mikrozensus 2014 - Sonderauswertungen für das Deutsche
Zentrum für Altersfragen. Wiesbaden: Statistisches Bundesamt.
313

Statistisches Bundesamt (2012). Wohnsituation der Haushalte 2010. Wiesbaden: Statistisches
Bundesamt.
Teti, A., Grittner, U., Kuhlmey, A., & Blüher, S. (2014). Wohnmobilität im Alter. Zeitschrift für
Gerontologie und Geriatrie, 47(4), 320-328. doi: 10.1007/s00391-013-0538-0.

314

20 Bewertung des Wohnumfeldes in der
zweiten Lebenshälfte
Sonja Nowossadeck & Katharina Mahne

Kernaussagen
Für die meisten 40- bis 85-Jährigen ist die Infrastruktur im Wohnumfeld im Jahr
2014 ausreichend: Mehr als drei Viertel der 40- bis 85-Jährigen (76,3 Prozent) finden
im Jahr 2014 die Einkaufsmöglichkeiten im Wohnumfeld ausreichend, vier Fünftel
(80,3 Prozent) haben genügend Ärzte und Apotheken im Wohnumfeld und 72,8
Prozent bezeichnen ihre Wohngegend als gut an den Nahverkehr angeschlossen.
Ostdeutschland hat bei der Bewertung der Infrastruktur im Wohnumfeld
zwischen 2008 und 2014 aufgeholt: Während der Unterschied zwischen West- (80,1
Prozent) und Ostdeutschland (67,4 Prozent) in der Bewertung der
Einkaufsmöglichkeiten im Jahr 2008 noch bei fast 13 Prozentpunkten lag, sind beide
Landesteile im Jahr 2014 gleichauf. Den ÖPNV bewerten Personen in Ostdeutschland
im Jahr 2014 sogar positiver. Menschen in den neuen Bundesländern bewerten die
Versorgung mit Ärzten und Apotheken aber nach wie vor negativer als in den alten
Bundesländern.
Großstädter fühlen sich im Wohnumfeld im Jahr 2014 besonders gut versorgt:
Großstädter finden im Jahr 2014 zu 87,1 Prozent die Einkaufsmöglichkeiten, zu 86,9
Prozent die Versorgung mit Ärzten und Apotheken und sogar zu 94,3 Prozent die
Anbindung an den ÖPNV ausreichend. Die Unterschiede zu Menschen in dünn
besiedelten ländlichen Kreisen sind gravierend: Bei den Einkaufsmöglichkeiten sind es
fast 17 Prozentpunkte weniger, bei der Versorgung mit Ärzten und Apotheken etwa
zwölf Prozentpunkte und bei der ÖPNV-Anbindung sogar mehr als 39 Prozentpunkte.
Das Unsicherheitsempfinden im öffentlichen Raum hat sich zwischen 2008 und
2014 vor allem bei Älteren und Frauen verringert: Bei den 55- bis 69-Jährigen ging
die empfundene Unsicherheit zwischen 2008 und 2014 von 23,3 auf 19,4 Prozent
zurück, bei den 70- bis 85-Jährigen sogar von 41,2 auf 35,4 Prozent. Ein knappes
Drittel der Frauen berichtet im Jahr 2014 von Unsicherheitsempfinden – das sind 4,2
Prozentpunkte weniger als noch 2008.
Begegnungsstätten und Mehrgenerationenhäuser sind 2014 die am häufigsten
bekannten seniorenspezifischen Angebote im Wohnort: Im Jahr 2014 kennen die
meisten 40- bis 85-Jährigen (71,8 Prozent) eine Begegnungsstätte oder ein
Mehrgenerationenhaus in ihrem Wohnort. Kenntnis und Nutzung sind jedoch
altersspezifisch: Drei Viertel (74,9 Prozent) der 70- bis 85-Jährigen kennen ein solches
Angebot und etwa ein Fünftel (21,3 Prozent) nutzen es auch. Bei den 40- bis 54Jährigen kennen 70,7 Prozent ein solches Angebot, aber nur 2,8 Prozent nutzen es.

315

20.1 Einleitung
Das Leben in der eigenen Wohnung und im vertrauten Wohnumfeld erhöht die Lebensqualität im
hohen Alter und bei gesundheitlichen Einschränkungen. Voraussetzung dafür ist ein
altersgerechtes Wohnumfeld und Versorgungssicherheit, das heißt das Zusammenspiel von
Wohnen, Nahversorgung, medizinischer Versorgung, sozialen Kontakten und Begegnungsmöglichkeiten. Ein unterstützendes Wohnumfeld und gute nachbarschaftliche Beziehungen
können im besten Fall dazu beitragen, dass stationäre Pflege nicht in Anspruch genommen
werden muss und damit die Pflegekosten erheblich sinken (Heinze 2013; Lihs 2013; BAGSO
2014).
In diesem Kapitel werden drei Aspekte des Wohnumfelds näher betrachtet – die Bewertung der
Versorgungsangebote, das subjektive Unsicherheitsgefühl im Wohnumfeld und die Kenntnis
beziehungsweise Nutzung seniorenspezifischer Dienstleistungen. Dabei interessiert besonders,
wie sich das Wohnumfeld in den Jahren seit 2008 verändert hat und welchen Einfluss die
Region, der Kreistyp beziehungsweise die Wohnlage auf die Bewertung des Wohnumfeldes
haben.
Die Bewertung der Versorgung bildet einen ersten Schwerpunkt des Kapitels. Aus den bisherigen
Erhebungen des Deutschen Alterssurveys (DEAS) ist bekannt, dass die versorgungsbezogene
Infrastruktur im Wohnumfeld überwiegend positiv bewertet wird. Es werden hinreichend
Einkaufsmöglichkeiten, genügend Ärzte und Apotheken im Wohnumfeld und eine gute
Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr berichtet. Die Unterschiede in der Versorgung
zwischen West- und Ostdeutschland waren bereits in der DEAS-Erhebung 2008 weitgehend
verschwunden (Mahne, Naumann, & Block 2010). Bei der Analyse der Bewertung der
Versorgungsangebote mit den Daten des Jahres 2014 interessiert zunächst, ob dieser Trend zur
Angleichung zwischen West und Ost weiter besteht. Daneben ist jedoch anzunehmen, dass
regionale Unterschiede in der Versorgung nach städtischen und ländlichen Kreistypen, die auch
in früheren DEAS-Erhebungen schon beobachtet wurden, weiter existieren. Schwierige
Versorgungsstrukturen werden vor allem in ländlichen Regionen erwartet (BBSR 2011, 2012b).
Dabei gibt es Befunde, die eine hohe Anpassungsfähigkeit der Menschen auch an eine
ungünstige Versorgungslage attestieren, zum Beispiel in dünn besiedelten und schrumpfenden
Regionen. Kritik wird erst bei einer ausnehmend schlechten Versorgungslage geübt, zur
Anpassung gehört dabei auch die Suche nach Alternativlösungen, wie beispielsweise der
Nachbarschaftshilfe (Vogt, Biernatzki, Kriszan, & Lorleberg 2015). Andererseits bedeuten
vorhandene Infrastrukturangebote nicht zwangsläufig, dass sie auch genutzt werden. Die
tatsächliche Nutzung der Versorgungsangebote wird von den individuellen Bedürfnissen,
Ansprüchen und Interessen der Menschen bestimmt, sie sind häufig eine Option unter mehreren
und das gilt für den Laden im Dorf genauso wie für die medizinische Versorgung und den
Nahverkehr (Helmle & Kuczera 2015). So konnte eine weitere Studie zeigen, dass trotz einer
insgesamt positiven Einschätzung der Erreichbarkeit von Bus und Bahn diese Verkehrsmittel für
die Befragten nicht die wichtigste Rolle in ihrer Mobilität spielten (Gipp, Nienaber, & Schiffhorst
2014). Für Ältere im ländlichen Raum waren in dieser Studie die erschwerte Mitnahme von
Gepäck, Unflexibilität der Verkehrsmittel sowie lange Reisezeiten die häufigsten
Nutzungshemmnisse für den Nahverkehr. Wenn Ältere im ländlichen Raum auf Alternativen zum
eigenen Pkw angewiesen sind, nutzen sie zu einem großen Teil Pkw-Mitfahrten für alle
Wegezwecke, häufig mit Familienangehörigen.

316

Im zweiten Teil des Kapitels geht es um das Unsicherheitsempfinden im Wohnumfeld. Sicherheit
im öffentlichen Raum ist ein Grundbedürfnis und eine Komponente der individuellen Wohlfahrt
und der gesellschaftlichen Lebensqualität (Brings 2008). Die objektive Wahrscheinlichkeit, Opfer
von Kriminalität zu werden, ist nicht zwangsläufig deckungsgleich mit der subjektiven
Einschätzung der Sicherheit im Wohnumfeld. Dennoch hat gerade das individuelle
Sicherheitsempfinden weitreichende Wirkungen auf die Lebensqualität, denn ein unzureichendes
Sicherheitsgefühl kann insbesondere für ältere Menschen und Frauen eine Mobilitätsbarriere
darstellen und somit ihren Aktionsradius einschränken (Flade 2010). Zunächst interessiert die
Frage, wie sich das Unsicherheitsempfinden bei Älteren über die Zeit verändert hat. Bereits mit
den Daten des DEAS aus dem Jahr 2008 konnte gezeigt werden, dass sich über die Jahre ein
zunehmender Teil der Menschen in der zweiten Lebenshälfte im Wohnumfeld sicher fühlt (Mahne
et al. 2010). Auch andere Studien zu diesem Thema belegen einen Rückgang der Sorge um die
Kriminalität seit der Mitte der 1990er Jahre (Priem & Schupp 2014). Mit der Qualität des
Wohnumfeldes verändert sich auch der Anteil derjenigen, die sich in ihrer Wohngegend sicher
beziehungsweise unsicher fühlen. Eine Studie mit Hamburger Daten konnte einen positiven
Zusammenhang von Verwahrlosungserscheinungen im Wohnumfeld und Kriminalitätsfurcht der
Bewohnerinnen und Bewohner nachweisen (Häfele 2013). Entsprechend ist zu erwarten, dass
sich das Unsicherheitsempfinden von Bewohnerinnen und Bewohnern einfacher, mittlerer und
gehobener Wohnlagen unterscheidet.
Seniorenspezifische Dienstleistungen im Wohnumfeld sind der dritte Schwerpunkt des Kapitels.
Indikatoren dazu wurden in der DEAS-Erhebung 2014 erstmalig erhoben und umfassen
Angebote wie Begegnungsstätten, Seniorenberatungsstellen, Pflegeberatungsstellen oder
Wohnberatungsstellen. Derartige Dienstleistungen sind in den letzten Jahren an vielen Orten
entstanden. Sie sollten möglichst wohnortnah und niedrigschwellig ausgerichtet sein und
bevorzugt bei bereits eingeführten Begegnungsstrukturen angesiedelt werden (BAGSO 2014).
Inzwischen gibt es beispielsweise 450 Mehrgenerationenhäuser mit mehr als 10.700 Angeboten
(BMFSFJ 2014), die dazu beitragen, den Verbleib im gewohnten Lebensumfeld zu ermöglichen
und die Alltagsführung zu erleichtern. Untersucht werden Bekanntheitsgrad und Nutzung
derartiger Angebote. Ergebnisse der Augsburger KORA-Age-Studie (Strobl, Maier, Mielck, Fuchs,
Richter-Kornweitz, Gostomzyk, & Grill 2014) legen allerdings die Vermutung nahe, dass
seniorenspezifische Angebote bisher nur unzureichend bekannt sind und entsprechend wenig
genutzt werden. Untersucht werden soll außerdem, ob die Qualität der Wohnlage einen Einfluss
auf die Bekanntheit dieser Infrastruktur hat.
Im vorliegenden Kapitel werden die folgenden Fragen untersucht:
1.		 Wie hat sich die Bewertung der Versorgungsangebote im Wohnumfeld verändert?
2.		 Wie hat sich das Unsicherheitsempfinden im Wohnumfeld verändert?
3.		 Sind seniorenspezifische Dienstleistungen, wie Begegnungsstätten,
Seniorenberatungsstellen, Pflegeberatungsstellen und Wohnberatungsstellen bekannt
und werden sie genutzt?

20.2 Datengrundlage
Daten. Die analysierten Variablen zum Wohnumfeld stammen aus den Angaben im schriftlichen
Fragebogen, die Variablen zu den seniorenspezifischen Dienstleistungen aus den mündlichen
Interviews. In die Ergebnisse zur Infrastruktur und zum Unsicherheitsempfinden im Wohnumfeld
317

wurden nur die Daten aus dem Jahre 2008 und 2014 einbezogen, weil die Antwortskalen von
einer zweistufigen Skala (1996, 2002) zu einer vierstufigen Skala ab 2008 geändert wurden.
Bewertung der Versorgungsangebote im Wohnumfeld. Drei Arten von Versorgungsangeboten
wurden bewertet: ausreichende Einkaufsmöglichkeiten, ein Mangel an Ärzten und Apotheken
sowie ein guter Anschluss an den öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV). Die Antworten waren auf
einer vierstufigen Skala (‚trifft genau zu‘ bis ‚trifft gar nicht zu‘) möglich und wurden für die
Analyse in eine dichotome Variable rekodiert (‚trifft zu‘ / ‚trifft nicht zu‘), wobei die Antworten auf
die negative Aussage bei Ärzten und Apotheken umgepolt wurden.
Unsicherheitsempfinden im Wohnumfeld. Den Befragten wurde folgende Aussage vorgelegt:
„Nach Anbruch der Dunkelheit fühle ich mich auf der Straße unsicher.“ Die Antworten waren auf
einer 4-stufigen Skala (‚trifft genau zu‘ bis ‚trifft gar nicht zu‘) möglich und wurden für die Analyse
in eine dichotome Variable rekodiert (‚trifft zu‘ / ‚trifft nicht zu‘).
Seniorenspezifische Dienstleistungen. Die Befragten sollten beantworten, ob folgende
seniorenspezifische Dienstleistungen im Wohnort (Stadt bzw. Landkreis) bekannt sind und falls
ja, ob sie genutzt werden: A: Begegnungsstätten für Seniorinnen und Senioren oder
Mehrgenerationenhäuser, z.B. von Kirchengemeinden oder Wohlfahrtsverbänden wie der AWO;
B: Seniorenberatungsstelle oder Kontaktstelle für seniorenpolitische Angelegenheiten, z.B. im
Rathaus oder beim Bürgeramt, Seniorenbeirat, Ortsbeirat; C: Pflegeberatungsstelle, z.B. durch
Sozialrathäuser oder Sozialverbände wie VDK; D: Wohnberatung oder Beratungsstelle zur
Wohnraumanpassung, z.B. durch Sozialrathäuser oder Sozialverbände wie VDK. In den
Berechnungen zur Nutzung der Dienstleistungen wurde jeweils die Gruppe von Befragten, die die
jeweilige Dienstleistung kennt, als Prozentuierungsbasis verwendet. Zusätzlich wurde eine
zusammenfassende Variable gebildet, die kennzeichnet, ob die Befragten mindestens eines der
seniorenspezifischen Angebote kennen oder nicht.
Gruppierungsvariablen. Zur Prüfung von Altersunterschieden wurden drei Altersgruppen
verwendet: 40 bis 54 Jahre, 55 bis 69 Jahre und 70 bis 85 Jahre. Weiterhin wurden
Geschlechtsunterschiede und Gruppenunterschiede nach Landesteil (Westdeutschland und
Ostdeutschland), siedlungsstrukturellem Kreistyp, Wohnlage und Mobilitätseinschränkungen
untersucht.
Siedlungsstruktureller Kreistyp. Die verwendeten siedlungsstrukturellen Kreistypen sind eine
Typologie des Bundesinstituts für Bau- Stadt- und Raumforschung, die auf
Siedlungsstrukturmerkmalen beruhen und die in der Raumbeobachtung eine zentrale Rolle
spielen (BBSR 2012a). Sie umfassen vier Kreistypen: 1 = Kreisfreie Großstädte: Kreisfreie Städte
mit mindestens 100.000 Einwohnern/ 2 = Städtische Kreise: Kreise mit einem Bevölkerungsanteil
in Groß- und Mittelstädten von mindestens 50 Prozent und einer Einwohnerdichte von
mindestens 150 Einwohner/km², sowie Kreise mit einer Einwohnerdichte ohne Groß- und
Mittelstädte von mindestens 150 Einwohner/km²/ 3 = Ländliche Kreise mit Verdichtungsansätzen:
Kreise mit einem Bevölkerungsanteil in Groß- und Mittelstädten von mindestens 50 Prozent, aber
einer Einwohnerdichte unter 150 Einwohner/km², sowie Kreise mit einem Bevölkerungsanteil in
Groß- und Mittelstädten unter 50 Prozent mit einer Einwohnerdichte ohne Groß- und Mittelstädte
von mindestens 100 Einwohner/km²/ 4 = Dünn besiedelte ländliche Kreise: Kreise mit einem
Bevölkerungsanteil in Groß- und Mittelstädten unter 50 Prozent und Einwohnerdichte ohne Großund Mittelstädte unter 100 Einwohner/km².
Wohnlage. Verwendet wurden die Angaben der Interviewenden zur Einschätzung der Wohnlage
(„Wie schätzen Sie die Wohnlage insgesamt ein?“ Antwortmöglichkeiten 1 = ‚eindeutig gehoben‘
318

bis 5 = ‚sehr einfach‘) Die Angaben wurden rekodiert in die Kategorien ‚gehobene
Wohnlage‘ = 1und 2, ‚mittlere Wohnlage‘ = 3 und ‚einfache Wohnlage‘ = 4 und 5.
Mobilitätseinschränkungen. Einschränkungen in der Mobilität wurden über die im schriftlichen
Fragebogen erhobene Nutzung eines Mobilitätshilfsmittels erfasst. Abgefragt wurde die Nutzung
(‚ja‘/‚nein‘) von Stock/Gehhilfe, Gehwagen/Rollator/Delta-Rad und Rollstuhl. Befragte, die
angaben, mindestens eines dieser Hilfsmittel zu benutzen, gelten in der Analyse als in ihrer
Mobilität eingeschränkt.
Analyse. In den Abbildungen und im Text sind prozentuale Verteilungen angegeben. Zur Prüfung
von Altersunterschieden wurden – analog zur Schichtung der Stichprobe – drei Altersgruppen
verwendet: 40 bis 54 Jahre, 55 bis 69 Jahre und 70 bis 85 Jahre. Weiterhin wurden
Geschlechtsunterschiede und Regionsunterschiede (Ost-/Westdeutschland) untersucht. Um
Gruppenunterschiede auf Signifikanz zu testen, wurden in Abhängigkeit vom Skalenniveau
binäre logistische Regressionen berechnet. Das genaue Vorgehen ist in Kapitel 2 beschrieben.

20.3 Bewertung von Versorgungsangeboten im Wohnumfeld
Im Folgenden wird zunächst dargestellt, wie die Bewertung der Infrastruktur im Wohnumfeld im
Jahr 2014 ausfällt. Betrachtet werden dabei Einkaufsmöglichkeiten, Ärzte und Apotheken sowie
eine gute Anbindung an den Personennahverkehr.
Für die meisten 40- bis 85-Jährigen ist die Infrastruktur im Wohnumfeld im Jahr 2014
ausreichend.
Die Bewertung der Versorgungsangebote im Wohnumfeld hat sich zwischen 2008 und 2014
insgesamt nicht substanziell verändert. Wie bereits sechs Jahre zuvor bewerten auch 2014 die
Menschen in der zweiten Lebenshälfte die Versorgungsinfrastruktur in ihrem Wohnumfeld
überwiegend als ausreichend: 76,3 Prozent verfügen 2014 über ausreichende
Einkaufsmöglichkeiten (2008: 77,7 Prozent), 80,3 Prozent über genügend Ärzte und Apotheken
im Wohnumfeld (2008: 80,9 Prozent) und 72,8 Prozent finden die Wohngegend gut an den
Nahverkehr angeschlossen (2008: 74,5 Prozent, vgl. Tabelle A 20-1 im Anhang).
Interessant ist ein vergleichender Blick auf die Entwicklung in den beiden Landesteilen. In
Westdeutschland hat sich die Bewertung der einzelnen Versorgungsangebote im Wohnumfeld
zwischen 2008 und 2014 verschlechtert, während sie sich in Ostdeutschland verbessert hat
(Abbildung 20-1).
Ostdeutschland hat bei der Bewertung der Infrastruktur im Wohnumfeld zwischen 2008
und 2014 aufgeholt.
Im Jahr 2008 äußerten sich Menschen in Westdeutschland noch in allen drei Bereichen häufiger
positiv zum Versorgungsangebot als Menschen in Ostdeutschland. Während beispielsweise die
Bewertung der Einkaufsmöglichkeiten im Jahr 2008 noch um fast 13 Prozentpunkte
(Westdeutschland: 80,1 Prozent; Ostdeutschland 67,4 Prozent) auseinanderlag, liegen beide
Landesteile im Jahr 2014 gleichauf. Den ÖPNV bewerten inzwischen sogar Personen in
Ostdeutschland positiver. Unterschiede bestehen noch bei der Bewertung der Versorgung mit
Ärzten und Apotheken, hier fällt die Bewertung durch Menschen in den neuen Bundesländern
nach wie vor negativer aus als in den alten Bundesländern.

319

Abbildung 20-1:	

Anteile der Personen, die Versorgungsangebote im Wohnumfeld als
ausreichend betrachten, nach Landesteil, in den Jahren 2008 und 2014
(in Prozent)

2008

2014

100

Prozent

80
60
40

80,1

76,5

84,3

81,6

75,0

72,1

67,4

75,6

66,4

74,1

71,9

75,8

20
0
Einkaufsmöglichkeiten

Ärzte/
Apotheken

ÖPNV

Einkaufsmöglichkeiten

West	

Ärzte/
Apotheken

ÖPNV

Ost

Quelle: DEAS 2008 (Einkaufsmöglichkeiten: n = 4.371, Ärzte/Apotheken n = 4.357, ÖPNV n = 4.369), DEAS 2014
(Einkaufsmöglichkeiten: n = 4.211, Ärzte/Apotheken n = 4.185, ÖPNV n = 4.224), gewichtete, gerundete Angaben; (p < ,05).
In beiden Landesteilen signifikante Unterschiede zwischen 2008 und 2014, außer bei ÖPNV in Ostdeutschland. Signifikante
Landesteilunterschiede außer 2014 bei Einkaufsmöglichkeiten.

Hinsichtlich der Altersgruppen sind im Jahr 2014 Unterschiede zu beobachten: Vor allem die
Anbindung an den ÖPNV wird von den 70- bis 85-Jährigen positiver bewertet als von den
Jüngeren (vgl. Tabelle A 20-1 im Anhang). Eine Erklärung dafür könnte sein, dass im hohen Alter
keine täglichen Arbeits- und Schulwege mehr zu bewältigen sind und weniger Aktivitäten im
weiteren Umfeld unternommen werden. Ältere sind daher weniger auf die Nutzung des ÖPNV
angewiesen. Außerdem gibt es Hinweise, dass sich gerade in schlecht versorgten Regionen
Alternativen zum ÖPNV (Nachbarschaftshilfe) entwickelt haben. Die Bewertung der Infrastruktur
fällt zwischen Männern und Frauen im Jahr 2014 nur bei den Einkaufsmöglichkeiten
unterschiedlich aus: Männer bewerten sie häufiger als ausreichend (77,9 Prozent) als Frauen
(74,8 Prozent)(vgl. Tabelle A 20-1 im Anhang).
Großstädter fühlen sich im Wohnumfeld besonders gut versorgt.
Die Befunde für 2014 zeigen zudem, dass Großstädte hinsichtlich der Versorgung im
Wohnumfeld für Menschen in der zweiten Lebenshälfte besonders gute Bedingungen bieten. Der
Anteil derjenigen, die die Einkaufsmöglichkeiten, die medizinische Versorgung durch Ärzte und
Apotheken und die Anbindung an den Öffentlichen Nahverkehr im Wohnumfeld als ausreichend
betrachten, liegt in den Großstädten durchweg höher als in anderen Kreistypen (Abbildung 20-2).
Großstädter bewerten zu 87,1 Prozent die Einkaufsmöglichkeiten als ausreichend, zu 86,9
Prozent die Versorgung mit Ärzten und Apotheken und sogar zu 94,3 Prozent die Anbindung an
den ÖPNV. Die Unterschiede vor allem zu Menschen in dünn besiedelten ländlichen Kreisen sind
zum Teil gravierend: Bei den Einkaufsmöglichkeiten sind es fast 17 Prozentpunkte, bei der
Versorgung mit Ärzten und Apotheken etwa zwölf Prozentpunkte und bei der ÖPNV-Anbindung
mehr als 39 Prozentpunkte.

320

Abbildung 20-2:	

Anteile der Personen, die Versorgungsangebote im Wohnumfeld als
ausreichend betrachten, gesamt und nach siedlungsstrukturellem
Kreistyp, im Jahr 2014 (in Prozent)

Gesamt

Großstadt

Städtischer Kreis

Ländlicher Kreis

Dünn besiedelter Kreis

100

Prozent

80
60
40

76,3

87,1
73,2

72,3

70,7

80,3

86,9

94,3
79,2

77,5

74,6

72,8

66,8

68,5
55,0

20
0
Einkaufsmöglichkeiten

Ärzte
Apotheken

ÖPNV

Quelle: DEAS 2014 (Einkaufsmöglichkeiten: n = 4.211, Ärzte/Apotheken n = 4.185, ÖPNV n = 4.224), gewichtet, gerundete 

Angaben; (p < ,05). 

Bei Einkaufsmöglichkeiten und Ärzten/Apotheken nur Unterschiede zwischen Großstädten und übrigen Kreistypen signifikant. 

Bei ÖPNV alle Unterschiede außer zwischen städtischen und ländlichen Kreisen signifikant.
	

Interessant ist der Vergleich der siedlungsstrukturellen Kreistypen nach Landesteil (ohne
Abbildung): Die Bewohner von Großstädten finden in Ost- und Westdeutschland offenbar eine
weitgehend gleichwertige Infrastruktur für das Einkaufen, die medizinische Versorgung und den
Nahverkehr vor. In ihrer Bewertung des Versorgungsangebots lassen sich keine Unterschiede
finden – Großstädter schätzen zum überwiegenden Teil die Versorgung im Wohnumfeld als
ausreichend ein. In den übrigen Kreistypen lassen sich, je nach Versorgungsangebot, durchaus
Differenzen in der Bewertung zwischen West- und Ostdeutschland finden. So wird die
Versorgung mit Ärzten und Apotheken in Ostdeutschland in allen Kreistypen (außer den
Großstädten) erheblich seltener als ausreichend eingeschätzt als in Westdeutschland.
Menschen mit Mobilitätseinschränkungen bewerten die Infrastruktur im Wohnumfeld
negativer.
Menschen, die auf die Nutzung eines Mobilitätshilfsmittels wie einer Gehhilfe, eines Rollators
oder Rollstuhls angewiesen sind, bewerten im Jahr 2014 das Angebot an Einkaufsmöglichkeiten
und an Ärzten und Apotheken in ihrem Wohnumfeld negativer als Menschen, die nicht auf solche
Hilfsmittel angewiesen sind (Abbildung 20-3). Mobilitätseingeschränkte Menschen können ihren
Alltag leichter bewältigen, wenn wichtige Versorgungsangebote in der Nähe vorhanden sind. Das
Fehlen dieser Angebote führt bei ihnen eher zu Problemen als bei Menschen ohne derartige
Einschränkungen. Nur etwa zwei Drittel (67,3 Prozent) der Nutzerinnen und Nutzer von
Hilfsmitteln, aber immerhin gut drei Viertel (76,4 Prozent) derjenigen, die diese nicht nutzen,
sehen das Angebot an Einkaufsmöglichkeiten als ausreichend an. Bei der Versorgung mit Ärzten
und Apotheken sind das 75,5 Prozent der Personen, die Hilfsmittel nutzen, und 80,8 Prozent
derjenigen, die dies nicht tun. Für den Nahverkehr lässt sich kein Unterschied beobachten. Eine
Erklärung hierfür könnte sein, dass mobilitätseingeschränkte Menschen sich Alternativen zum
ÖPNV suchen (Pkw, Mitfahrgelegenheiten), wenn das Angebot des Nahverkehrs nicht ausreicht.
321

Abbildung 20-3:

Anteile der Personen, die Versorgungsangebote im Wohnumfeld als
ausreichend betrachten, nach Mobilitätseinschränkung, im Jahr 2014
(in Prozent)

100

Prozent

80
60
40

76,4

80,8
67,3

75,5

74,5

72,4

Nutzt keine
Mobilitätshilfe
Nutzt
Mobilitätshilfe

20
0
Einkaufsmöglichkeiten

Ärzte/
Apotheken
	

ÖPNV
	

Quelle: DEAS 2014 (Einkaufsmöglichkeiten: n = 3.902, Ärzte/Apotheken n = 3.877, ÖPNV n = 3.912), gewichtet, gerundete 

Angaben; (p < ,05). 

Bei Einkaufsmöglichkeiten und Ärzten/Apotheken signifikante Unterschiede zwischen Nutzern und Nicht-Nutzern einer
	
Mobilitätshilfe. Bei ÖPNV keine signifikanten Unterschiede.
	

20.4 Unsicherheitsempfinden im öffentlichen Raum
Bereits in früheren DEAS-Erhebungen konnte ein Rückgang des Anteils an Menschen, die sich
nach Anbruch der Dunkelheit auf der Straße unsicher fühlen, beobachtet werden. Seit der letzten
Erhebung im Jahr 2008 hat sich dieser Trend fortgesetzt: Fühlten sich 2008 noch 23,9 Prozent
aller 40- bis 85-Jährigen nach Anbruch der Dunkelheit unsicher auf der Straße, so sind es im
Jahr 2014 mit 21,0 Prozent noch etwas weniger (vgl. Tabelle A 20-2 im Anhang).
Das Unsicherheitsempfinden im öffentlichen Raum hat sich zwischen 2008 und 2014 vor
allem bei Älteren und Frauen verringert.
Der Rückgang des Unsicherheitsempfindens zeigt sich vor allem bei Befragten im höheren Alter.
Bei den 55- bis 69-Jährigen ging das Unsicherheitsempfinden zwischen 2008 und 2014 von 23,3
auf 19,4 Prozent zurück, bei den 70- bis 85-Jährigen sogar von 41,2 auf 35,4 Prozent. Das ist
eine positive Entwicklung, weil sie gerade die Altersgruppen betrifft, die diese Unsicherheit am
häufigsten berichten und dadurch auch das größte Risiko für Einschränkungen in ihren
Aktivitäten tragen. Bei den 40- bis 54-Jährigen ist hingegen keine Veränderung über die Zeit
festzustellen.
Auch Frauen gehören zu den Gruppen mit besonders häufigem Unsicherheitsempfinden und
auch bei ihnen zeigt sich zwischen 2008 und 2014 eine Verbesserung: Im Jahr 2008 hatten noch
34,5 Prozent der Frauen Unsicherheitsempfinden berichtet, im Jahr 2014 sind es nur noch 30,3
Prozent. Bei den Männern ist – auf einem wesentlich geringeren Ausgangsniveau – ebenfalls
seltener Unsicherheitsempfinden zu beobachten, allerdings fällt der Rückgang hier nicht so stark
aus: Der Anteil der Männer, die von Unsicherheit berichten, lag 2008 bei 12,4 Prozent, im Jahr
2014 sind es 11,1 Prozent.

322

Gehobene Wohnlage und selteneres Unsicherheitsempfinden hängen zusammen.
Betrachtet man das Unsicherheitsempfinden im Jahr 2014, so zeigen sich die aus der Literatur
bekannten und erwarteten Muster hinsichtlich Alter und Geschlecht (Abbildung 20-4): Die älteste
Altersgruppe ist diejenige, die ein Gefühl von Unsicherheit am häufigsten angibt. Auch Frauen
fühlen sich häufiger unsicher im öffentlichen Raum als Männer. Es existieren aber auch
Unterschiede in Bezug auf regionale Aspekte. Die empfundene Unsicherheit tritt in den
verschiedenen siedlungsstrukturellen Kreistypen unterschiedlich häufig auf (ohne Abbildung):
Etwa ein Viertel (25,2 Prozent) der Personen, die in Großstädten leben, fühlt sich nach Anbruch
der Dunkelheit unsicher auf der Straße. Damit unterscheiden sie sich von Bewohnerinnen und
Bewohnern aller anderen Kreistypen, in denen durchgehend seltener von Unsicherheit berichtet
wird.
Die Einbeziehung der Qualität der Wohnlage in die Analyse des Unsicherheitsempfindens zeigt,
dass Personen in gehobenen Wohnlagen mit 18,0 Prozent Unsicherheit im öffentlichen Raum
weniger häufig empfinden als Personen, die in mittleren (22,8 Prozent) und einfachen Wohnlagen
(29,2 Prozent) leben (Abbildung 20-4). Diese Unterschiedlichkeit ist vor allem bei Frauen zu
beobachten, von denen sich 26,2 Prozent in gehobenen Wohnlagen, aber 43,2 Prozent in
einfachen Wohnlagen nach Einbruch der Dunkelheit unsicher auf der Straße fühlen (ohne
Abbildung).

Abbildung 20-4:

Anteile der Personen, die sich nach Anbruch der Dunkelheit auf der
Straße unsicher fühlen, gesamt, nach Alter, Geschlecht und Wohnlage,
im Jahr 2014 (in Prozent)

60

Prozent

40

20

35,4
21,0
13,6

30,3

19,4

29,2

22,8

11,1

18,0

0
Gesamt

40-54
Jahre

55-69
Jahre

70-85
Jahre

Männer

Frauen

Einfache Mittlere Gehobene
Wohnlage Wohnlage Wohnlage

Quelle: DEAS 2014 (Alter: n = 4.205, Geschlecht: n = 4.205, Wohnlage: n = 4.172), gewichtet, gerundete Angaben; (p < ,05).
Alle Alters-, Geschlechts- und Wohnlageunterschiede signifikant.

20.5 Kenntnis und Nutzung seniorenspezifischer Dienstleistungen im Wohnort
Seniorenspezifische Dienstleistungen geben Älteren die Möglichkeit, Kontakte zu pflegen, sich zu
informieren und aktiv zu werden. Sie können dazu beitragen, Älteren Selbstständigkeit im Alltag
und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen. Diese Angebote befinden sich häufig
im Wohnumfeld der Älteren und ermöglichen damit einen niedrigschwelligen Zugang. Im
Folgenden wird die Kenntnis und Nutzung ausgewählter seniorenspezifischer Dienstleistungen
untersucht.
323

Begegnungsstätten und Mehrgenerationenhäuser sind 2014 die am häufigsten bekannten
seniorenspezifischen Angebote im Wohnort.
Begegnungsstätten für Seniorinnen und Senioren sowie Mehrgenerationenhäuser im Wohnort
sind das Angebot, über das sich im Jahr 2014 die meisten der 40- bis 85-Jährigen informiert
zeigen (71,8 Prozent; vgl. Tabelle A 20-3 im Anhang). 9,0 Prozent derer, die Begegnungsstätten
und Mehrgenerationenhäuser kennen, nutzen sie auch. Auch Pflegeberatungsstellen sind mehr
als der Hälfte der Personen in der zweiten Lebenshälfte bekannt (55,6 Prozent). Genutzt werden
sie von 11,6 Prozent derjenigen, die dieses Angebot kennen. Seniorenberatungsstellen kennen
43,7 Prozent der 40- bis 85-Jährigen. Innerhalb dieser Gruppe wird das Angebot von 6,3 Prozent
genutzt. Wohnberatungsstellen sind hingegen weniger gut bekannt als die anderen
Dienstleistungsangebote: Nur 26,9 Prozent aller 40- bis 85-Jährigen kennen eine solche Stelle in
ihrem Wohnort. Die Nutzung liegt bei 6,6 Prozent derjenigen, die das Angebot kennen.
Je nach Angebot zeigen sich teils deutliche Altersgruppenunterschiede (Abbildung 20-5). Bei der
Kenntnis der verschiedenen Dienstleistungsangebote zeigen sich – mit Ausnahme der
Wohnberatung – höhere Anteile unter den Älteren. Beispielsweise kennen drei Viertel
(74,9 Prozent) der 70- bis 85-Jährigen Begegnungsstätten oder Mehrgenerationenhäuser, bei
den 40- bis 54-Jährigen sind es etwas weniger (70,7 Prozent). Besonders ausgeprägt sind die
Altersunterschiede in der Kenntnis von Seniorenberatungsstellen: Knapp die Hälfte der 70- bis
85-Jährigen kennt sie (47,5 Prozent), unter den 40- bis 54-Jährigen sind es 38,9 Prozent.
Während Mehrgenerationenhäuser sich an Menschen unterschiedlichen Alters richten, ist die
Zielgruppe bei Seniorenberatungsstellen eher älter.

324

Abbildung 20-5:	

Kenntnis und Nutzung seniorenspezifischer Dienstleistungen, nach
Alter, im Jahr 2014 (in Prozent)

a) Kenntnis seniorenspezifischer Dienstleistungen
100

Prozent

80
60
40

70,7

70,9

40-54 Jahre
55-69 Jahre
70-85 Jahre

74,9
52,6

20

58,3

56,8
38,9

46,7

47,5
25,9

28,9

25,9

0
Begegnungsstätte/
Mehrgenerationenhaus

Pflegeberatungsstelle

Seniorenberatungsstelle

Wohnberatung

b) Nutzung seniorenspezifischer Dienstleistungen
100

Prozent

80
60

40-54 Jahre
55-69 Jahre
70-85 Jahre

40
20
21,3

0

2,8

6,5

Begegnungsstätte/
Mehrgenerationenhaus

9,7

13,1

12,6

Pflegeberatungsstelle

3,6

6,6

9,6

Seniorenberatungsstelle
	

5,9

6,9

7,5

Wohnberatung
	

Quelle: DEAS 2014 (a) Begegnungsstätte: n = 5.953, Pflegeberatungsstelle: n = 5.893, Seniorenberatungsstelle: n = 5.902,
	
Wohnberatung: n = 5.839, b) Begegnungsstätte: n = 4.293, Pflegeberatungsstelle: n = 2.577, Seniorenberatungsstelle:
	
n = 3.219, Wohnberatung: n = 1.574), gewichtete, gerundete Angaben; (p < ,05). 

a) Alle Altersunterschiede signifikant mit den Ausnahmen: Begegnungsstätten: 40-54 und 55-69 Jahre, Pflege- sowie 

Seniorenberatungsstelle: 55-69 und 70-85 Jahre, Wohnberatung: 40-54 und 55-69 beziehungsweise 70-85 Jahre. 

b) Grundgesamtheit sind alle Personen, die vorher angegeben hatten, das Angebot zu kennen. Alle Altersunterschiede 

signifikant mit den Ausnahmen: Pflegeberatungsstelle: 55-69 und 70-85 Jahre, Wohnberatung: keine signifikanten 

Unterschiede.


Bei der tatsächlichen Nutzung sind aber die Altersunterschiede vor allem bei den
Begegnungsstätten und Mehrgenerationenhäusern deutlich: Etwa ein Fünftel (21,3 Prozent) der
70- bis 85-Jährigen, die ein solches Angebot kennen, nutzen es auch. In den jüngeren
Altersgruppen liegen die Nutzungsquoten weit unter zehn Prozent. Für die anderen
Dienstleistungsangebote zeigen sich Altersunterschiede nicht so eindeutig. Ihre Nutzung ist nicht
so stark auf die älteste Altersgruppe konzentriert. Vor allem Pflegeberatungsangebote werden
zum Beispiel auch von Erwachsenen im mittleren Alter genutzt, die häufig in der Situation sind,
Beratung für die Pflege ihrer Eltern und Schwiegereltern zu suchen.

325

Seniorenspezifische Angebote sind in einfachen Wohnlagen weniger häufig bekannt.
Für eine Gesamtschau der Informiertheit über die seniorenspezifischen Dienstleistungen werden
im Folgenden diejenigen Personen betrachtet, die mindestens eine der Angebotsarten kennen.
79,7 Prozent der 40- bis 85-Jährigen gehören zu dieser Gruppe, bei den 70- bis 85-Jährigen sind
es mit 82,2 Prozent etwas mehr (Abbildung 20-6). Frauen zeigen sich besser informiert
(82,4 Prozent) als Männer (76,8 Prozent). Deutlich sind die Unterschiede, die sich in zwischen
den Bewohnerinnen und Bewohnern einfacher, mittlerer und gehobener Wohnlagen ergeben:
Während in gehobenen Wohnlagen immerhin 81,5 Prozent der Bewohnerinnen und Bewohner
mindestens eine seniorenspezifische Dienstleistung kennen, sind dies in einfachen Wohnlagen
nur 72,1 Prozent. Diese Differenz könnte daraus resultieren, dass es in einfachen Wohnlagen
weniger Angebote dieser Art gibt, was sich mit den verfügbaren Daten nicht prüfen lässt. Eine
weitere Erklärung könnte sein: Personen in einfachen Wohnlagen leben in ihrer Umgebung
zurückgezogener, pflegen weniger Kontakte im Wohnumfeld und sind daher auch nicht so gut
informiert über das, was in ihrem Wohnort geschieht, wie Bewohnerinnen und Bewohner
besserer Wohnlagen. Hinweise darauf gibt es in den Daten des DEAS 2014 (vgl. Kapitel 21).

Abbildung 20-6:

Anteile der Personen, die mindestens eine der seniorenspezifischen
Dienstleistungen kennen, gesamt, nach Alter, Geschlecht und
Wohnlage, im Jahr 2014 (in Prozent)

100

Prozent

80
60
40

79,7

78,7

78,9

82,2

Gesamt

40-54
Jahre

55-69
Jahre

70-85
Jahre

76,8

82,4

72,1

79,3

81,5

20
0
Männer

Frauen

Einfache Mittlere Gehobene
Wohnlage Wohnlage Wohnlage

Quelle: DEAS 2014 (n = 5.803), gewichtete, gerundete Angaben; (p < ,05).
	
Signifikante Altersunterschiede außer zwischen 40 bis 54 und 55 bis 69 Jahren. Signifikante Geschlechtsunterschiede.
	
Signifikante Wohnlageunterschiede außer zwischen mittlerer und gehobener Wohnlage.


20.6 Diskussion und Implikationen
Die Ausstattung des Wohnumfeldes mit Einkaufsmöglichkeiten, Ärzten und Apotheken sowie
ÖPNV setzt Rahmenbedingungen für eine selbstständige Alltagsgestaltung im Alter. Das Ziel
eines aktiven und selbstbestimmten Lebens im Alter stellt somit hohe Anforderungen an die
kommunale Politik, eine Versorgungsinfrastruktur bereitzuhalten, die die Teilnahme am
öffentlichen Leben für Ältere ermöglicht. Vor allem ältere Menschen mit gesundheitlichen
Einschränkungen sind auf eine wohnortnahe Versorgung und Verkehrsangebote angewiesen.
Die Daten des DEAS zeigen eine hohe Zufriedenheit mit der Infrastrukturausstattung des
Wohnumfeldes. Die Zufriedenheit mit den Versorgungsangeboten ist vor allem in den
Großstädten groß, weniger häufig aber in kleinstädtischen und ländlichen Gebieten. Dort, wo sich
326

die Infrastruktur als lückenhaft erweist, sind langfristige kommunale, aber auch raumplanerische
Konzepte notwendig, die gerade auch den älteren Bewohnerinnen und Bewohnern dieser
Regionen eine Perspektive für ein aktives Leben aufzeigen.
Die Furcht vor Kriminalität im öffentlichen Raum beeinträchtigt den Aktivitätsradius von Menschen
in der zweiten Lebenshälfte und damit ihre Teilhabechancen am öffentlichen Leben. Das
Unsicherheitsempfinden im öffentlichen Raum ist zwar über die Zeit geringer geworden, dennoch
sind im Jahr 2014 vor allem Frauen und sehr alte Menschen davon in hohem Maß betroffen.
Gleiches gilt für die Bewohnerinnen und Bewohner einfacher Wohnlagen. Für diese Gruppen, die
aufgrund von Unsicherheitsgefühlen möglicherweise ihre Außer-Haus-Aktivitäten einschränken,
könnte ein Sicherheit vermittelndes Wohnumfeld einen Gewinn an Lebensqualität bedeuten. Hier
können durch einen funktionierenden ÖPNV, ausreichende Beleuchtung und andere
sicherheitserhöhende Maßnahmen Verbesserungen erreicht werden.
Seniorenspezifische Dienstleistungen in Form verschiedenartiger Begegnungs- und
Beratungsstellen können Ältere (und ihre Angehörigen) bei der Bewältigung des Alltags
unterstützen. Nicht alle Formen dieser Angebote sind gleichermaßen bei ihrer Zielgruppe
bekannt. Einige werden eher selten zur Kenntnis genommen und dementsprechend auch wenig
genutzt (Seniorenberatungsstellen, Wohnberatungsstellen). In einfachen Wohnlagen sind diese
Dienste weniger häufig bekannt, gleichwohl werden sie gerade hier noch mehr benötigt als in
besseren Wohnlagen, unter anderem weil nachbarschaftliche Unterstützung in weniger
attraktiven Wohnlagen weniger gut funktioniert. Die zur Verfügung stehenden Daten des DEAS
lassen keinen Schluss zu, ob ein unzureichendes Angebot oder die mangelnde Information
darüber (oder beides) für eine geringe Kenntnis und Nutzung ursächlich sind. Ziel sollte es sein,
dass derartige Angebote zum einen flächendeckend bereitgestellt werden, zum anderen müssen
sie bekannter gemacht werden, um ihre Zielgruppe zu erreichen.
Die Kommunen stehen bereits heute und in Zukunft noch stärker vor der Aufgabe, ihre
Infrastruktur und ihre Versorgungsangebote auf die Erfordernisse einer alternden Gesellschaft
auszurichten. Alternssensibilität wird zunehmend zu einem Faktor, der Attraktivität und
Zukunftschancen von Kommunen mitbestimmt (Kocka & Staudinger 2009).

327

Literatur
Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (2014). Wohnen im Alter – oder: Wie
wollen wir morgen leben? [BAGSO-Positionspapier 7/2014]. Bonn:
Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen.
Bundesinstitut für Bau- Stadt- und Raumforschung (2012a). Raumabgrenzungen und Raumtypen
des BBSR [Analysen Bau. Stadt. Raum 6]. Bonn: Bundesinstitut für Bau- Stadt- und
Raumforschung.
Bundesinstitut für Bau- Stadt- und Raumforschung (2012b). Raumordnungsbericht 2011. Bonn:
Bundesinstitut für Bau- Stadt- und Raumforschung.
Bundesinstitut für Bau- Stadt- und Raumforschung (2011). Lebensqualität in kleinen Städten und
Landgemeinden. Aktuelle Befunde der BBSR-Umfrage [BBSR-Berichte kompakt
05/2011]. Bonn: Bundesinstitut für Bau- Stadt- und Raumforschung.
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (2014). Wo Menschen aller
Generationen sich begegnen. Aktionsprogramm Mehrgenerationenhäuser II
(http://www.mehrgenerationenhaeuser.de/documents/10180/1988481/165x240_MGH_Br
oschuere_2014_BF_US_23_08%20HW7-3.pdf?type=application/pdf&size=5,4MB)
(zuletzt abgerufen 28.09.2015).
Brings, S. (2008). Öffentliche Sicherheit und Strafverfolgung. In: Statistisches Bundesamt, H.-H.
Noll & R. Habich (Hrsg.) Datenreport 2008. Ein Sozialbericht für die Bundesrepublik
Deutschland. Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung.
Flade, A. (2010). Wohnen, Mobilität und Geschlecht. In: D. Reuschke (Hrsg.) Wohnen und
Gender (S. 283-299): VS Verlag für Sozialwissenschaften.
Gipp, C., Nienaber, P., & Schiffhorst, G. (Hrsg.). (2014). Mobilitätsoptionen Älterer im ländlichen
Raum. ADAC-Studie zur Mobilität. München: Allgemeiner Deutscher Automobil-Club e. V.
Häfele, J. (2013). Urbane Disorder-Phänomene, Kriminalitätsfurcht und Risikoperzeption. Eine
Mehrebenenanalyse. In: D. Oberwittler, S. Rabold & D. Baier (Hrsg.) Städtische
Armutsquartiere - Kriminelle Lebenswelten? (S. 217-247): Springer Fachmedien
Wiesbaden.
Heinze, R. G. (2013). Altengerechtes Wohnen: Aktuelle Situation, Rahmenbedingungen und
neue Strukturen. In: Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (Hrsg.) Wohnen
im Alter. Informationen zur Raumentwicklung. Heft 2.2013 (S. 133-146). Bonn:
Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung.
Helmle, S., & Kuczera, C. (2015). Ländliche Lebensverhältnisse im Wandel 1952, 1972, 1993,
2012. Typisch ist das vermeintlich Untypische: Alltag von Dorfbewohnern. Braunschweig:
Johann Heinrich von Thünen-Institut.
Kocka, J., & Staudinger, U. (2009). Gewonnene Jahre. Empfehlungen der Akademiengruppe
Altern in Deutschland [Altern in Deutschland 9]. Stuttgart: Wissenschaftliche
Verlagsesellschaft.
Lihs, V. (2013). Wohnen im Alter - Bestand und Bedarf altersgerechter Wohnungen. In:
Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (Hrsg.) Wohnen im Alter.
Informationen zur Raumentwicklung. Heft 2.2013 (S. 125-131). Bonn: Bundesinstitut für
Bau-, Stadt- und Raumforschung.
Mahne, K., Naumann, D., & Block, J. (2010). Das Wohnumfeld Älterer. In: A. Motel-Klingebiel, S.
Wurm & C. Tesch-Römer (Hrsg.) Altern im Wandel. Befunde des Deutschen
Alterssurveys (S. 142-162). Stuttgart: Kohlhammer.
Priem, M., & Schupp, J. (2014). Alle zufrieden: Lebensverhältnisse in Deutschland. DIWWochenbericht, 81(40), 1001-1008.
Strobl, R., Maier, W., Mielck, A., Fuchs, J., Richter-Kornweitz, A., Gostomzyk, J., & Grill, E.
(2014). Wohnumfeld – Stolperstein oder Weg zum gesunden Altern?
Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz, 57(9), 1120-1126.
doi: 10.1007/s00103-014-2021-5.
Vogt, L., Biernatzki, R., Kriszan, M., & Lorleberg, W. (2015). Ländliche Lebensverhältnisse im
Wandel 1952, 1972, 1993, 2012. Dörfer als Wohnstandorte. Braunschweig: Johann
Heinrich von Thünen-Institut.

328

21 Soziale Kohäsion in der Nachbarschaft
Sonja Nowossadeck & Katharina Mahne

Kernaussagen
Ältere berichten im Jahr 2014 häufiger von engen Nachbarschaftskontakten als
Jüngere: Die 70- bis 85-Jährigen berichten mit 51,6 Prozent am häufigsten enge
Nachbarschaftskontakte, bei den 40- bis 54-Jährigen sind es nur 42,2 Prozent. Auch
die Wohnlage ist bedeutsam für die Enge der Kontakte: Personen, die in als gehoben
eingestuften Wohnlagen leben, berichten zu 49,1 Prozent enge
Nachbarschaftskontakte – in mittleren Wohnlagen sind es 43,3 Prozent, in einfachen
Wohnlagen nur 38,3 Prozent.
Der Anteil von Menschen mit engen Kontakten zu den Nachbarinnen und
Nachbarn ist zwischen 1996 und 2014 stabil: Jeweils etwas weniger als die Hälfte
aller 40- bis 85-Jährigen berichtet enge Nachbarschaftskontakte (1996: 44,5 Prozent,
2014: 45,6 Prozent). Frauen hatten 1996 noch etwas häufiger enge
Nachbarschaftskontakte als Männer. Dieser Unterschied existiert im Jahr 2014 nicht
mehr.
Ältere geben im Jahr 2014 im Durchschnitt weniger hilfsbereite Nachbarinnen
und Nachbarn an als Jüngere: Im Jahr 2014 geben die 40- bis 54-Jährigen 4,9
hilfsbereite Personen in der Nachbarschaft an, die 55- bis 69-Jährigen 4,3 und die 70bis 85-Jährigen 3,9. Zudem ist unter Personen mit Mobilitätseinschränkungen der
Anteil derjenigen mit eingeschränkten Nachbarschaftsnetzwerken (d. h. keine oder nur
eine hilfsbereite Person in der Nachbarschaft) mit 20,0 Prozent im Vergleich zu den
nicht in ihrer Mobilität Eingeschränkten (10,5 Prozent) etwa doppelt so hoch.
Menschen, die in einfachen Wohnlagen leben, geben häufiger eingeschränkte
Nachbarschaftsnetzwerke an: Insgesamt hat im Jahr 2014 etwa jeder Zehnte (10,7
Prozent) der 40- bis 85-Jährigen eingeschränkte Nachbarschaftsnetzwerke (d. h. keine
oder nur eine hilfsbereite Person in der Nachbarschaft). Bewohnerinnen und
Bewohner einfacher Wohnlagen berichten zu einem Fünftel (20,2 Prozent)
eingeschränkte Nachbarschaftsnetzwerke. Von den Personen, die in gehobenen
Wohnlagen leben, sind nur 7,7 Prozent in dieser Situation.
Die Mehrheit der 40- bis 85-Jährigen weiß, was in der Nachbarschaft geschieht,
nur wenige gestalten sie mit: Im Jahr 2014 gibt die Mehrheit (61,0 Prozent) der
Menschen in der zweiten Lebenshälfte an zu wissen, was in der Nachbarschaft
geschieht und etwas mehr als die Hälfte (54,4 Prozent) spricht mit Nachbarinnen und
Nachbarn über das Geschehen in der Nachbarschaft. Nur relativ wenige (15,6
Prozent) bestimmen mit, was in der Nachbarschaft geschieht. Auch hier ist die
Wohnlage wichtig: So geben 64,1 Prozent der 40- bis 85-Jährigen in gehobenen
Wohnlagen und nur 53,7 Prozent der Personen in einfachen Wohnlagen an, über das
Geschehen in der Nachbarschaft informiert zu sein.

329

21.1 Einleitung
Es ist der Wunsch der meisten älteren Menschen, möglichst lange selbstständig zu Hause
wohnen zu bleiben und vielen gelingt dies auch bis ins hohe Alter. Die selbstständige
Lebensführung im vertrauten Wohnumfeld kann gerade mit zunehmendem Alter als Ausdruck
von Autonomie verstanden werden (Oswald 1996). Es wächst jedoch auch das Risiko von
sozialer Isolation, da Menschen in höheren Altersgruppen verstärkt an gesundheitlichen
Einschränkungen leiden oder allein leben (Bromell & Cagney 2013). Wenn beispielsweise
Gehbeeinträchtigungen auftreten, können die Möglichkeiten zum Erhalt von selbstständiger
Lebensführung und gesellschaftlicher Partizipation nicht nur von den unterstützenden
Eigenschaften der Wohnung und des Wohnumfeldes abhängen, sondern auch von anderen nicht
unmittelbar versorgungsrelevanten Aspekten wie etwa guten nachbarschaftlichen Beziehungen
(Wahl 2001; Wahl & Weisman 2003).
Nachbarschaften sind an räumliche Nähe und damit an das Wohnquartier und seine baulichen
Gegebenheiten gebunden. Sie stellen ein Geflecht sozialer Beziehungen in diesem räumlichen
Kontext dar. Für Ältere haben Nachbarschaften eine besondere Bedeutung, da sie hinsichtlich
ihrer räumlich-sozialen Umwelten empfindlicher werden und eine eingeschränkte
Adaptationsfähigkeit zeigen. Viele Ältere halten sich jeden Tag lange Zeit im Wohnquartier auf
und sie haben eine große Zahl wohnbezogener Aktivitäten, daher hat eine funktionierende
Nachbarschaft noch stärker als für jüngere eine wichtige Funktion für ihr Wohlbefinden (Beetz,
Müller, J., & F. Hüttl 2009; Oswald & Konopik 2015). Andererseits kann diese Umwelt die
Aktivitäten des Älteren stimulieren und sie befördern (Beetz et al. 2009: 126). Nach Befunden
stadtsoziologischer Forschung haben heutige Nachbarschaften zwar im Vergleich zu
vormodernen Gesellschaften Versorgungsfunktionen an den Sozialstaat abgegeben, aber auch
wichtige Aufgaben behalten, wie Nothilfe, Kommunikation, Sozialisation und soziale Kontrolle
(Rohr-Zänker & Müller 1998).
Soziale Kohäsion in der Nachbarschaft bezeichnet den Zusammenhalt der Bewohnerinnen und
Bewohner einer räumlichen Umgebung und umfasst das Vertrauen zu den Nachbarinnen und
Nachbarn, gegenseitige Hilfe und Kooperation, eine gemeinsame Identität beziehungsweise ein
Gefühl der Zugehörigkeit und daraus resultierendes Verhalten. In Nachbarschaften, in denen
dieser Zusammenhalt funktioniert, kennen sich die Nachbarinnen und Nachbarn, sie vertrauen
einander und teilen gemeinsame Werte (Müller 2008; Van Dijk, Cramm, & Nieboer 2014).
Nachbarschaftsbeziehungen können soziale Unterstützung bereithalten oder den Zugang zu
Versorgungsleistungen erleichtern. Eine Reihe von Studien konnte zeigen, dass eine hohe
soziale Kohäsion in der Nachbarschaft als Puffer gegen negative Auswirkungen von Stress oder
kritischen Lebensereignissen wirken kann (Van Dijk et al. 2014), negative Auswirkungen des
Alleinlebens oder des Lebens in Armut auf das subjektive Wohlbefinden puffert (Cramm, van
Dijk, & Nieboer 2012) beziehungsweise substanziell zu einer hohen Lebenszufriedenheit beiträgt
(Oswald, Jopp, Rott, & Wahl 2011). Damit ist die soziale Kohäsion in der Nachbarschaft
besonders im Alter ein wichtiger Faktor für eine hohe Lebensqualität.
Während die Auswirkungen von sozialer Kohäsion schon relativ gut erforscht sind, ist für ihre
Bestimmungsfaktoren noch wenig bekannt. Es gibt unterschiedliche Befunde zum Verhältnis von
höherem Alter und Nachbarschaftsbeziehungen. Auf der Ebene des Individuums zeigt sich, dass
Ältere (wie auch Verheiratete und höher Gebildete) eine höhere soziale Kohäsion berichten und
dass auf der Ebene der Nachbarschaft vor allem das Sicherheitsempfinden von Bedeutung für
den sozialen Zusammenhalt ist (Van Dijk et al. 2014). Andererseits konnten Dijk, Cramm und
330

Nieboer (2013) zeigen, dass höheres Alter auch ein Hemmnis für soziale Kohäsion sein kann. Als
Ursache dafür führen die Autorinnen das mit dem Alter zunehmende Risiko kognitiver und
physischer Einschränkungen an, die soziale Aktivitäten behindern. Zudem sind Ältere eher dem
Risiko ausgesetzt, kleinere Netzwerke und weniger sozialen Austausch zu haben.
Höpflinger (2009) betont die Rolle von Nachbarschaftskontakten in Lebensphasen, in denen die
unmittelbare Wohnumgebung besonders bedeutsam ist – zum Beispiel bei jungen Eltern mit
Kleinkindern oder bei betagten Menschen wegen deren oft eingeschränkter Mobilität. Dabei
können gute Nachbarschaftskontakte im Alter Sicherheit vermitteln und intergenerationelle
Perspektiven eröffnen. Höpflinger betont aber auch, dass Nachbarschaftshilfe bei schweren
Krisen oder Pflegebedürftigkeit primär kurzfristig von Nutzen ist, wogegen langfristige Pflege die
Nachbarschaftshilfe sozial überfordert.
Ältere Menschen (und Familien) haben häufig mehr und intensivere Nachbarschaftskontakte als
junge (und kinderlose) Menschen (Rohr-Zänker & Müller 1998). Die Erklärung dafür könnte sein,
dass Ältere mehr Zeit als Jüngere in ihrer Wohnumgebung verbringen und daher
Nachbarschaftskontakte intensiver pflegen können beziehungsweise stärker auf diese Kontakte
angewiesen sind. Ältere Frauen und Männer haben unterschiedliche Voraussetzungen für die
Kontaktpflege in der Nachbarschaft. Ältere Frauen sind häufiger alleinlebend als ältere Männer
und sie verbringen weniger Zeit außer Haus (Nowossadeck & Engstler 2013; Menning 2004). Für
einen Teil dieser Frauen bedeutet das, dass sie am Nachbarschaftsleben nicht partizipieren, sich
aus dem öffentlichen Leben zurückziehen und in der Folge auch für niedrigschwellige
Hilfsangebote der Nachbarschaft weniger erreichbar sein könnten.
Dijk et al. (2013) beobachteten einen positiven Zusammenhang von Wohnstabilität und sozialer
Kohäsion. Längere Wohndauern bewirken, dass sich Beziehungen in der Nachbarschaft
entwickeln können, die Bindung an das Wohnumfeld stärker wird und damit der soziale
Zusammenhalt in der Nachbarschaft wächst. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommen Oswald et al.
(2011), die ebenfalls einen Zusammenhang zwischen Wohndauer und Wohnortbindung
konstatieren und die Qualität der Nachbarschaft sowie die wahrgenommene Bindung an die
Nachbarschaft als Ressource für die Lebensqualität besonders im sehr hohen Alter betrachten.
Dittmann und Goebel (2010) heben ebenfalls hervor, dass Menschen mit einem engen
Nachbarschaftskontakt eine höhere Lebenszufriedenheit haben. Die Qualität der Wohnlage hat
einen erheblichen Einfluss auf das Zusammenleben in der Nachbarschaft: So konnte gezeigt
werden, dass gerade in prekären Nachbarschaften, in denen ein erhöhter Bedarf an sozialer
Unterstützung besteht, der Zugang zu nachbarschaftlichen Unterstützungsnetzwerken erschwert
ist. Bewohnerinnen und Bewohner benachteiligter Quartiere haben eher kleine Netzwerke ohne
zureichende Ressourcen, zudem scheinen sich in diesen Quartieren unterschiedliche
Bewohnermilieus voneinander abgrenzen (Günther 2015).
Wie bringen sich die Personen unterschiedlicher Altersstufen in das Nachbarschaftsleben ein?
Für höhere Altersgruppen werden eher subtile Formen sozialer Partizipation in der Nachbarschaft
angenommen, während sich Jüngere noch häufiger aktiv einbringen. Befunde anderer Studien
zeigten, dass sich Ältere häufiger über die Geschehnisse im Quartier austauschten, als dass sie
diese aktiv beeinflussten. Will man die Partizipation im Quartier bis ins sehr hohe Alter
unterstützen, sind also auch eher niedrigschwellige Formen sozialer Teilhabe zu fördern (Oswald,
Kaspar, Frenzel-Erkert, & Konopik 2013; Oswald & Konopik 2015).

331

Im vorliegenden Kapitel werden die folgenden Fragen untersucht:
1.		 Wie eng sind die Kontakte zu den Nachbarinnen und Nachbarn und wie hat sich die
Kontaktenge seit 1996 gewandelt?
2.		 Wie viele Nachbarinnen und Nachbarn haben Menschen in der zweiten Lebenshälfte, die
sie um einen Gefallen bitten können?
3.		 Wie ausgeprägt ist die Partizipation am Nachbarschaftsleben?

21.2 Datengrundlage
Daten. Die analysierten Variablen zum Zusammenleben in der Nachbarschaft stammen aus den
Angaben im schriftlichen Fragebogen des Deutschen Alterssurveys (DEAS) aus den Jahren
1996, 2002, 2008 und 2014, sofern die interessierenden Variablen in diesem Jahr erhoben
wurden.
Enge des Kontakts. Die Enge des Kontakts wurde mit einer fünfstufigen Skala gemessen
(1 = ‚sehr eng‘/ 2 = ‚eng‘/ 3 = ‚weniger eng‘/ 4 = ‚nur flüchtig‘/ 5 = ‚gar kein Kontakt‘). Diese
Angaben wurden in eine dichotome Variable rekodiert: enger Kontakt = Antwortkategorien 1 und
2, kein enger Kontakt = Antwortkategorien 3, 4 und 5. Angaben zur Enge des Kontakts liegen für
alle Erhebungen von 1996 bis 2014 vor.
Anzahl der hilfsbereiten Nachbarinnen und Nachbarn. Die Zahl der Nachbarinnen und Nachbarn,
die man um einen Gefallen bitten kann, wurde erstmalig 2014 erhoben und liegt als metrische
Größe vor. Daraus wurden zum einen Gruppenmittelwerte berechnet. Zum anderen wurden die
Angaben in einer neuen Variable gruppiert, die folgende zwei Kategorien umfasst: 1 = ‚kein oder
nur ein Nachbar‘, 2 = ‚zwei und mehr Nachbarn‘.
Partizipation innerhalb der Nachbarschaft. Dieser Aspekt wurde 2014 erstmals erhoben und über
drei Items erfragt: Informiertheit über die Nachbarschaft („Ich bekomme mit, was in der
Nachbarschaft geschieht.“), Kommunikation in der Nachbarschaft („Ich rede mit den Nachbarn
über das, was in der Nachbarschaft geschieht.“) und Mitwirkung in der Nachbarschaft („Ich
bestimme ein Stück weit mit, was in der Nachbarschaft geschieht.“). Die Items haben eine
vierstufige Antwortskala (1 = ‚trifft genau zu‘/ 2 = ‚trifft eher zu‘/ 3 = ‚trifft eher nicht zu‘/ 4 = ‚trifft
gar nicht zu‘). Für die Analyse wurden diese Angaben in eine dichotome Variable rekodiert: ‚trifft
zu‘ = Antwortkategorien 1 und 2, ‚trifft nicht zu‘ = Antwortkategorien 3 und 4.
Für die Analyse der Partizipation in der Nachbarschaft wurde zudem ein Index berechnet. Dafür
wurden die drei Dimensionen der Partizipation zusammen betrachtet und drei Gruppen
unterschieden. Die ‚Aktiven‘ haben in allen drei Dimensionen der Teilhabe angegeben, dass dies
auf sie zutrifft. Den Gegenpol bilden die ‚Zurückgezogenen‘, die für keine der Dimensionen
angegeben haben, dass sie auf sie zutreffen. Alle übrigen Personen bilden die Kategorie der
‚Teilweise Beteiligten‘.
Gruppierungsvariablen. Zur Prüfung von Altersunterschieden wurden – analog zur Schichtung
der Stichprobe – drei Altersgruppen verwendet: 40 bis 54 Jahre, 55 bis 69 Jahre und 70 bis 85
Jahre. Weiterhin wurden Geschlechtsunterschiede und Gruppenunterschiede nach Wohnlage
und Mobilitätseinschränkungen untersucht.
Wohnlage. Verwendet wurden die Interviewerangaben zur Einschätzung der Wohnlage („Wie
schätzen Sie die Wohnlage insgesamt ein?“ Antwortmöglichkeiten 1 = ‚eindeutig gehoben‘ bis
332

5 = ‚sehr einfach‘). Die Variable wurde rekodiert in die Kategorien 'gehobene Wohnlage‘ = 1 und
2, mittlere Wohnlage' = 3 und ‚einfache Wohnlage‘ = 4 und 5.
Mobilitätseinschränkungen. Mobilitätseinschränkungen wurden über ein Item aus dem SF-36Fragebogen erfasst (vgl. Kapitel 8): „Sind Sie durch Ihren derzeitigen Gesundheitszustand bei
diesen Tätigkeiten…?“ Die Antwortkategorien sind 1 = ‚stark eingeschränkt‘, 2 = ‚etwas
eingeschränkt‘, 3 = ‚überhaupt nicht eingeschränkt‘. Das in diesem Kapitel ausgewertete Item ist:
“Fortbewegung außerhalb der Wohnung, z. B. Autofahren, Öffentliche Verkehrsmittel benutzen“.
Diese Variable wurde rekodiert in die Kategorien ‚eingeschränkt‘ = 1 und 2, ‚nicht
eingeschränkt‘ = 3.
Analyse. In den Abbildungen und im Text sind gewichtete (gruppenspezifische) Mittelwerte oder
prozentuale Verteilungen angegeben. Weiterhin wurden Geschlechtsunterschiede und
Regionsunterschiede (Ost-/Westdeutschland) untersucht. Um Gruppenunterschiede auf
Signifikanz zu testen, wurden in Abhängigkeit vom Skalenniveau binäre logistische Regressionen
berechnet. Das genaue Vorgehen ist in Kapitel 2 beschrieben.

21.3 Enge des Kontakts zu den Nachbarn
Nachbarschaftliche Kontakte gehören für Menschen in der zweiten Lebenshälfte zur Normalität.
Im Jahr 2014 geben 45,6 Prozent der 40- bis 85-Jährigen enge Kontakte zu den Nachbarn an
(Abbildung 21-1).
Ältere berichten im Jahr 2014 häufiger von engen Nachbarschaftskontakten als Jüngere.
Dabei berichten Ältere häufiger enge Kontakte als Jüngere: Die 70- bis 85-Jährigen haben mit
51,6 Prozent am häufigsten enge Nachbarschaftskontakte, bei den 40- bis 54-Jährigen sind es
nur 42,2 Prozent. Männer und Frauen unterscheiden sich in Bezug auf enge
Nachbarschaftskontakte nicht (Abbildung 21-1). Einen Einfluss auf die Enge der
Nachbarschaftskontakte hat auch die Qualität der Wohnlage (Abbildung 21-1): Personen, die in
als gehoben eingestuften Wohngegenden leben, berichten im Jahr 2014 zu 49,1 Prozent enge
Nachbarschaftskontakte – in mittleren Wohnlagen sind es 43,3 Prozent, in einfachen Wohnlagen
nur 38,3 Prozent. Es kann angenommen werden, dass gehobene Wohnlagen weniger Fluktuation
und damit eine stabilere Bewohnerschaft haben. Dies sind gute Bedingungen, um enge
Nachbarschaftsbeziehungen zu entwickeln.
Zudem zeigt sich ein Zusammenhang zwischen der Wohndauer und der Enge des Kontakts zu
den Nachbarn: Menschen, die 30 Jahre und länger in ihrer Wohnung leben, berichten im Jahr
2014 zu 56,0 Prozent enge Nachbarschaftskontakte, Personen mit weniger als zehn Jahren
Wohndauer dagegen nur zu 35,0 Prozent (ohne Abbildung).

333

Abbildung 21-1:	

Anteile der Personen, die (sehr) enge Kontakte zu den Nachbarinnen
und Nachbarn berichten, nach Alter, Geschlecht und Wohnlage, im
Jahr 2014 (in Prozent)

100
	

Prozent

80
	
60
	
40
20

45,6

42,2

45,2

Gesamt

40-54
Jahre

55-69
Jahre

51,6

45,3

45,9

Männer

Frauen

38,3

43,3

49,1

0
70-85
Jahre

Einfache Mittlere Gehobene
Wohnlage Wohnlage Wohnlage

Quelle: DEAS 2014 (n = 4.239 für Alter und Geschlecht; n = 4.207 für Wohnlage), gewichtete, gerundete Angaben; (p < ,05).
Signifikanter Altersunterschied nur zwischen den 40- bis 54-Jährigen bzw. 55- bis 69-Jährigen und den 70- bis 85-Jährigen.
Kein signifikanter Geschlechtsunterschied. Signifikante Unterschiede zwischen allen Wohnlagen.

Der Anteil von Menschen mit engen Kontakten zu den Nachbarinnen und Nachbarn ist
zwischen 1996 und 2014 stabil.
Mit den Daten des DEAS kann man die Veränderung der Anteile von Menschen mit engen
nachbarschaftlichen Beziehungen über einen Zeitraum von 18 Jahren verfolgen. Zwischen 1996
und 2014 ist die Kontaktenge in den Nachbarschaften stabil geblieben. Etwas weniger als die
Hälfte aller 40- bis 85-Jährigen berichtet von engen Nachbarschaftskontakten: 2014 waren dies
45,6 Prozent, 1996 44,5 Prozent - die Veränderung dieser Anteile ist nicht signifikant (vgl.
Tabelle A 21-1 im Anhang).
Bei keiner der drei Altersgruppen hat sich zwischen 1996 und 2014 der Anteil enger
Nachbarschaftskontakte gewandelt. Unterschiede zwischen Älteren und Jüngeren – mehr enge
Nachbarschaftskontakte in den höheren Altersgruppen – zeigen sich also zu jedem Zeitpunkt.
Bei den Männern ist der Anteil der Personen mit engen Nachbarschaftskontakten von 42,1
Prozent (1996) auf 45,3 Prozent (2014) angestiegen. Bei Frauen hat sich der Anteil nicht
verändert (vgl. Tabelle A 21-1 im Anhang). Diese Entwicklung führt dazu, dass der 1996 noch
vorhandene Unterschied zwischen Männern und Frauen im Jahr 2014 nicht mehr existiert.

21.4 Anzahl hilfsbereiter Nachbarinnen und Nachbarn
Enge Kontakte in der Nachbarschaft zu haben, ist für das Wohlbefinden im Wohnumfeld ein
förderlicher Faktor. Aber können Personen in der zweiten Lebenshälfte im Alltag auch mit der
Hilfe ihrer Nachbarinnen und Nachbarn in Form kleiner Gefälligkeiten rechnen? Mit der Anzahl
der Nachbarinnen und Nachbarn, die man um eine Gefälligkeit bitten kann, wird die
Hilfsbereitschaft zwischen Personen in der Nachbarschaft untersucht.

334

Ältere geben im Jahr 2014 im Durchschnitt weniger hilfsbereite Nachbarinnen und
Nachbarn an als Jüngere.
Das Netzwerk von Nachbarinnen und Nachbarn, die man um einen Gefallen bitten kann, umfasst
je nach betrachteter Gruppe im Jahr 2014 durchschnittlich 4,4 Personen. Die älteste Altersgruppe
hat im Jahr 2014 im Durchschnitt eine hilfsbereite Person weniger in der Nachbarschaft als die
jüngste: Die 40- bis 54-Jährigen berichten von 4,9 hilfsbereiten Nachbarinnen oder Nachbarn, die
55- bis 69-Jährigen von 4,3 und die 70- bis 85-Jährigen von 3,9. Personen, die in gehobenen
Wohnlagen leben, nennen durchschnittlich 4,7 hilfsbereite Personen in ihrem Wohnumfeld,
Personen in mittleren Wohnlagen 4,3 und die in einfachen Wohnlagen nur 3,4. Frauen und
Männer unterscheiden sich hier – wie auch bei der Enge der nachbarschaftlichen Kontakte –
nicht (ohne Abbildung).
Menschen, die in einfachen Wohnlagen leben, geben häufiger eingeschränkte
Nachbarschaftsnetzwerke an.
Interessant ist auch der Blick auf diejenigen Personen, die nur ein eingeschränktes Hilfspotenzial
in der Nachbarschaft haben. Positiv ist: Es gibt generell nur sehr wenige Personen, die gar keine
Nachbarinnen und Nachbarn haben, die sie um einen Gefallen bitten können. Im Jahr 2014 trifft
dies gerade einmal auf 2,2 Prozent aller 40- bis 85-Jährigen zu. Alters- oder
Geschlechtsunterschiede sind hier nicht zu beobachten. Aber Menschen, die in gehobenen
Wohnlagen leben, berichten nur zu 1,4 Prozent gar keine hilfsbereiten Nachbarinnen und
Nachbarn, während Menschen in mittleren (2,7 Prozent) und einfachen Wohnlagen (4,5 Prozent)
deutlich häufiger ohne potenzielle nachbarschaftliche Unterstützung auskommen müssen (ohne
Abbildung).
Die Beschreibung derjenigen, die nur eingeschränkt auf hilfsbereite Nachbarinnen und Nachbarn
zurückgreifen können, umfasst im Folgenden auch die Personen, die nur eine einzige hilfsbereite
Person in der Nachbarschaft haben, die sie um einen Gefallen bitten könnten. Ein Hilfsnetzwerk,
das auf höchstens einer Person beruht, ist wenig stabil und nur eingeschränkt verlässlich, da
diese Unterstützungsperson ausfallen kann. Insgesamt hat im Jahr 2014 etwa ein Zehntel
(11,1 Prozent) der 40- bis 85-Jährigen keinen oder nur eine hilfsbereite Person in der
Nachbarschaft (Abbildung 21-2). Die Jüngsten (40 bis 54 Jahre) sind mit 9,2 Prozent am
seltensten von einem eingeschränkten Nachbarschaftsnetzwerk betroffen, bei den 70- bis 85Jährigen ist der Anteil mit 13,8 Prozent größer. Unterschiede zwischen Männern und Frauen
bestehen dagegen nicht. In Ostdeutschland ist der Anteil derjenigen, die nur eine Person nennen
oder gar keine nachbarschaftliche Unterstützung erfahren, mit 17,5 Prozent erheblich größer als
in Westdeutschland (9,7 Prozent) (vgl. Tabelle A 21-2 im Anhang).

335

Abbildung 21-2:	

Anteile der Personen mit 0 oder 1 bzw. 2 und mehr hilfsbereiten
Nachbarinnen und Nachbarn, nach Alter, Geschlecht und Wohnlage,
im Jahr 2014 (in Prozent)
2 und mehr Nachbarn

0 oder 1 Nachbar
100

Prozent

80
60

88,9

90,8

88,5

86,2

89,4

88,3

11,1

9,2

11,5

13,8

10,6

11,7

Gesamt

40-54
Jahre

55-69
Jahre

70-85
Jahre

Männer

Frauen

78,6

87,6

92,1

12,4

7,9

40
20
0

21,4

Einfache Mittlere Gehobene
Wohnlage Wohnlage Wohnlage

Quelle: DEAS 2014 (Alter und Geschlecht: n = 4.123, Wohnlage: n = 4.091), gewichtet, gerundete Angaben; (p < ,05).
Signifikante Unterschiede nur zwischen 40- bis 54-Jährigen und 70- bis 85-Jährigen. Kein signifikanter Geschlechtsunterschied.
Alle Wohnlagenunterschiede signifikant.

Im Jahr 2014 ist die Anzahl hilfsbereiter Personen in der Nachbarschaft auch mit der Qualität der
Wohnlage verknüpft. Dieser Zusammenhang könnte darin begründet sein, dass gehobene
Wohnlagen in der Regel eine homogene und sozial gut situierte Bewohnerschaft haben. Das
fördert ein Klima, in dem sich Vertrauen und ein offener Umgang miteinander entwickeln können.
In deprivierten Wohnlagen mit einer oftmals heterogenen Bewohnerschaft und sozialen
Problemlagen ist das nachbarschaftliche Miteinander schwieriger zu gestalten. Mehr als ein
Fünftel der 40- bis 85-Jährigen in einfachen Wohnlagen (21,4 Prozent) hat kaum Möglichkeiten,
auf nachbarschaftliche Unterstützung zurückzugreifen, auch wenn es nur um einen kleinen
Gefallen geht (Abbildung 21-2). Das ist ein deutlich größerer Anteil als bei den Bewohnerinnen
und Bewohnern gehobener Wohnlagen, von denen 7,9 Prozent nur eine oder gar keine
hilfsbereite Person in der Nachbarschaft nennen.
Gerade bei Personen, bei denen aufgrund ihres Alters ein besonders großer
Unterstützungsbedarf vermutet werden kann, erweist sich die Wohnlage als wichtiger Faktor: Von
den 70- bis 85-Jährigen in einfachen Wohnlagen geben 26,9 Prozent an, keine oder nur eine
Person im nachbarschaftlichen Unterstützungsnetzwerk zu haben. Gleichaltrige in gehobenen
Wohnlagen sind nur zu 11,0 Prozent in dieser Situation (ohne Abbildung).
Gute nachbarschaftliche Kontakte sind besonders bedeutsam für diejenigen, die gesundheitliche
Einschränkungen haben und daher auf Unterstützung im Alltag angewiesen sind. Personen, die
Einschränkungen in ihrer Fortbewegung außerhalb der Wohnung berichten, haben häufiger das
Risiko, nicht gut in Nachbarschaftsnetzwerke integriert zu sein (Abbildung 21-3). Unter den
Menschen mit eingeschränkter Mobilität ist der Anteil derjenigen mit wenig potenzieller
nachbarschaftlicher Hilfe mit 19,9 Prozent im Vergleich zu den nicht Eingeschränkten
(10,4 Prozent) etwa doppelt so hoch. Dieser Unterschied ist in der jüngsten und in der ältesten
untersuchten Gruppe zu beobachten: Bei den 40- bis 54-Jährigen haben 22,7 Prozent der in ihrer
Mobilität Eingeschränkten nur eine oder keine hilfsbereite Person in der Nachbarschaft (im
Vergleich zu 8,7 Prozent der Nichteingeschränkten), bei den 70- bis 85-Jährigen sind es 20,6
336

Prozent der in ihrer Mobilität Eingeschränkten im Vergleich zu 12,5 Prozent der nicht
Eingeschränkten. Frauen, die sich außerhalb ihrer Wohnung nur eingeschränkt bewegen können,
haben zu 21,4 Prozent ein reduziertes Nachbarschaftsnetzwerk, Männer mit den gleichen
Problemen zu 17,7 Prozent. Es ist zu vermuten, dass Personen, die aufgrund ihrer
gesundheitlichen Einschränkungen Probleme haben, außer Haus unterwegs zu sein, weniger
gute Möglichkeiten haben, Kontakte im Wohnumfeld zu knüpfen und zu pflegen. Sie können
daher zum Teil nur auf ein begrenztes nachbarschaftliches Hilfsnetzwerk zurückgreifen.

Abbildung 21-3:	

Anteil der Personen mit 0 oder 1 bzw. 2 und mehr hilfsbereiten
Nachbarinnen und Nachbarn, nach Alter, Geschlecht und
Mobilitätseinschränkungen außerhalb der Wohnung, im Jahr 2014 (in
Prozent)

0 oder 1 Nachbar

2 oder mehr Nachbarn

100

89,6

80,1

77,3
91,3

88,8

83,3

87,5

16,7

12,5

Nicht
eingeschränkt

60

Eingeschränkt

Prozent

80
79,4

89,9

82,3

89,3

78,6

40
20

Gesamt

55-69
Jahre

70-85
Jahre

Männer

21,4

Eingeschränkt

10,7

Nicht
eingeschränkt

17,7

Eingeschränkt

10,1

Nicht
eingeschränkt

20,6

Eingeschränkt

Eingeschränkt

40-54
Jahre

11,2

Nicht
eingeschränkt

22,7
8,7

Nicht
eingeschränkt

19,9

Eingeschränkt

Nicht
eingeschränkt

0

10,4

Frauen

Quelle: DEAS 2014 (n = 4.118), gewichtet, gerundete Angaben; (p < ,05).
Alle Unterschiede zwischen nicht eingeschränkten und eingeschränkten Personen signifikant, außer in der Altersgruppe 55-69
Jahre.

21.5 Teilhabe und Mitwirkung in der Nachbarschaft
Nachbarschaftskontakte bestehen nicht per se, sie müssen gepflegt und entwickelt werden. Nicht
jeder will und kann sich in ein aktives Nachbarschaftsleben einbringen, nicht jede Nachbarschaft
regt zur Teilhabe an. Für ältere Menschen allerdings hat eine funktionierende Nachbarschaft
noch stärker als für jüngere eine wichtige Funktion für das Wohlbefinden, da Ältere viel Zeit in
ihrem Wohnumfeld verbringen und viele Aktivitäten im engeren Umkreis stattfinden.
Die Mehrheit der 40- bis 85-Jährigen weiß, was in der Nachbarschaft geschieht, nur wenige
gestalten sie mit.
Im Folgenden werden drei Aspekte analysiert, die in abgestufter Form Partizipation am
nachbarschaftlichen Leben beschreiben: Informiertheit über Geschehnisse in der Nachbarschaft,
Kommunikation über das, was in der Nachbarschaft passiert, sowie Mitgestaltung der
Nachbarschaft.
337

Abbildung 21-4:	

Anteile von Personen, für die Informiertheit, Kommunikation und
Mitbestimmung in der Nachbarschaft (eher) zutreffen, gesamt, nach
Alter, Geschlecht und Wohnlage, im Jahr 2014 (in Prozent)

a) Informiertheit über Nachbarschaft
100

Prozent

80
60
40
61,0

60,1

63,5

64,0

59,0

58,1

20

53,7

59,1

64,1

0
Gesamt

40-54
Jahre

55-69
Jahre

70-85
Jahre

Männer

Frauen

Einfache
Mittlere Gehobene
Wohnlage Wohnlage Wohnlage

b) Kommunikation in Nachbarschaft
100

Prozent

80
60
40
54,4

51,8

Gesamt

40-54
Jahre

20

56,7

55,8

57,1

55-69
Jahre

70-85
Jahre

Männer

Frauen

51,9

48,4

53,7

56,4

0
Einfache Mittlere Gehobene
Wohnlage Wohnlage Wohnlage

c) Mitbestimmung in Nachbarschaft
100

Prozent

80
60
40
20
15,6

15,4

16,6

14,7

17,5

13,9

Gesamt

40-54
Jahre

55-69
Jahre

70-85
Jahre

Männer

Frauen

0

17,5

14,1

16,7

Einfache Mittlere Gehobene
Wohnlage Wohnlage Wohnlage

Quelle: DEAS 2014 (n = 4.225 für Informiertheit; n = 4.218 für Kommunikation; n = 4.209 für Mitbestimmung), gewichtet,
	
gerundete Angaben; (p < ,05).
	
a) Signifikante Altersunterschiede, außer zwischen 40- bis 54-Jährigen und 70- bis 85-Jährigen. Signifikante Geschlechts- und 

Wohnlageunterschiede. b) Signifikante Altersunterschiede, außer zwischen 55- bis 69-Jährigen und 70- bis 85-Jährigen.
	
Signifikante Geschlechtsunterschiede. Signifikante Wohnlageunterschiede nur zwischen einfacher und gehobener Wohnlage.
	
c) Keine signifikanten Altersunterschiede. Signifikanter Geschlechtsunterschied. Keine signifikanten Wohnlageunterschiede.
	

338

Je mehr Aktivität die einzelnen Formen der Partizipation erfordern, desto geringer sind die Anteile
derjenigen, die diese Art der Teilhabe zeigen. Die Mehrheit (61,0 Prozent) der Menschen in der
zweiten Lebenshälfte weiß im Jahr 2014, was in der Nachbarschaft geschieht, etwas mehr als die
Hälfte (54,4 Prozent) spricht mit Nachbarinnen und Nachbarn über das Geschehen in der
Nachbarschaft und nur relativ wenige (15,6 Prozent) bestimmen mit, was in der Nachbarschaft
geschieht (Abbildung 21-4).
Wir sehen dabei durchgängig Unterschiede zwischen Männern und Frauen. Bei allen drei
Aspekten der nachbarschaftlichen Partizipation sind Männer öfter beteiligt als Frauen. Sie geben
häufiger an als Frauen, informiert zu sein über die Nachbarschaft, darüber mit Nachbarinnen und
Nachbarn zu reden und mitzubestimmen, was in der Nachbarschaft geschieht. Dazu könnte der
Umstand beitragen, dass Frauen vor allem im höheren Alter sich weniger oft außer Haus
aufhalten als Männer, dass sie häufiger funktionale Einschränkungen haben, die ihre Mobilität
behindern und dass sie sensibler auf ein (vermeintlich) unsicheres Wohnumfeld reagieren als
Männer.
Beobachten können wir auch einen Zusammenhang zwischen Wohnlage und nachbarschaftlicher
Partizipation. Je gehobener die Wohnlage ist, desto mehr Menschen nehmen aktiv am
Nachbarschaftsleben teil. So geben 64,1 Prozent der 40- bis 85-Jährigen in gehobenen
Wohnlagen und 53,7 Prozent der Personen in einfachen Wohnlagen an, über das Geschehen in
der Nachbarschaft informiert zu sein (Abbildung 21-4). 56,4 Prozent der Bewohner gehobener
Wohnlagen und 48,4 Prozent der Bewohner einfacher Wohnlagen reden mit Nachbarinnen und
Nachbarn darüber, was in der Nachbarschaft geschieht. Lediglich bei der Mitbestimmung dessen,
was in der Nachbarschaft geschieht, zeigen sich keine Unterschiede nach Wohnlage.
Betrachtet man die drei behandelten Aspekte der Teilhabe in der Nachbarschaft gemeinsam,
zeigt sich, dass etwa ein Drittel (29,6 Prozent) vom Nachbarschaftsleben zurückgezogen lebt
(Abbildung 21-5).

339

Abbildung 21-5:	

Anteile der in Bezug auf die Nachbarschaft zurückgezogen Lebenden,
gesamt, nach Alter, Geschlecht und Wohnlage, im Jahr 2014 (in
Prozent)

60

Prozent

40

20
29,6

32,2

26,1

30,2

26,9

32,3

35,7

31,4

26,7

0
Gesamt

40-54
Jahre

55-69
Jahre

70-85
Jahre

Männer

Frauen

Einfache
Mittlere Gehobene
Wohnlage Wohnlage Wohnlage

Quelle: DEAS 2014 (n = 4.194), gewichtete, gerundete Angaben; (p < ,05).
	
Signifikante Altersunterschiede außer zwischen den Altersgruppen 40-54 Jahre und 70-85 Jahre. Signifikante 

Geschlechtsunterschiede. Signifikante Wohnlageunterschiede außer zwischen mittlerer und einfacher Wohnlage.
	

Das bedeutet, die Person weiß nicht, was in der Nachbarschaft geschieht, kommuniziert nicht
darüber und bestimmt das Nachbarschaftsleben auch nicht mit. Die Gründe dafür können
vielfältig sein. Wer nicht an Nachbarschaften partizipiert, hat vielleicht andere Netzwerke, die das
Leben bereichern, aber auch Zeit und Aufmerksamkeit fordern. Die ‚Zurückgezogenen‘ finden
sich häufiger unter den 40- bis 54-Jährigen (32,2 Prozent) als unter den 55- bis 69-Jährigen
(26,1 Prozent). Hierfür könnte die Erklärung zutreffen, dass die jüngere Altersgruppe in eine
Reihe beruflicher, familiärer und anderer Netzwerke eingebunden ist und so das Leben in der
Nachbarschaft kein so großes Gewicht hat. Frauen gehören mit einem knappen Drittel
(32,3 Prozent) häufiger zu den ‚Zurückgezogenen‘ als Männer mit etwa einem Viertel
(26,9 Prozent). Dieser Unterschied ist vor allem bei den Älteren auffallend: Frauen im Alter von
55 bis 69 Jahren haben einen 6,8 Prozentpunkte höheren Anteil von ‚Zurückgezogenen‘ als
gleichaltrige Männer, bei den 70- bis 85-Jährigen beträgt diese Differenz sogar
10,4 Prozentpunkte, bei den 40- bis 54-Jährigen dagegen nur 1,6 Prozentpunkte (vgl. Tabelle
A 21-4 im Anhang). Die Erklärung dafür, dass sich vor allem Frauen der älteren Altersgruppen
aus dem Nachbarschaftsleben zurückziehen, kann in ihrer Lebenssituation gefunden werden.
Ältere Frauen sind seltener außer Haus unterwegs als ältere Männer und ein Teil dieser Frauen
zieht sich aus dem öffentlichen Leben und damit auch aus der Nachbarschaft weitgehend zurück.
Wer in einer gehobenen Wohnlage wohnt, hat ein geringeres Risiko, zurückgezogen von der
Nachbarschaft zu leben. Nur 26,7 Prozent der Bewohnerinnen und Bewohner gehobener
Wohnlagen sind zur Gruppe der Zurückgezogenen zu zählen. Das sind weniger als in mittleren
Wohnlagen (31,4 Prozent) und in einfachen Wohnlagen (35,7 Prozent).
Der Gegenpol zu den Zurückgezogenen sind die in Bezug auf die Nachbarschaft Aktiven, also
diejenigen, die wissen, was in der Nachbarschaft geschieht, die darüber mit Nachbarinnen und
Nachbarn reden und die auch das Nachbarschaftsleben mitbestimmen. Nur 13,2 Prozent der
40- bis 85-Jährigen gehören im Jahr 2014 zu dieser Gruppe (vgl. Tabelle A 21-4 im Anhang).
Diese Aktiven sind häufiger unter Männern (14,7 Prozent) als unter Frauen (11,9 Prozent) zu
finden und sie leben häufiger in gehobenen Wohnlagen (14,5 Prozent) als in mittleren Wohnlagen
340

(11,5 Prozent). Weitere Gruppenunterschiede, zum Beispiel in Bezug auf das Alter, sind bei den
Aktiven nicht zu beobachten.

21.6 Diskussion und Implikationen
In der eigenen Wohnung zu leben, ist erklärtes Ziel der Mehrheit älterer Menschen. Damit das
auch im hohen Alter und mit körperlichen Einschränkungen möglich bleibt, ist ein vielfältiges
Unterstützungsnetzwerk erforderlich. Im sozialen Netzwerk spielen die Nachbarinnen und
Nachbarn zwar hinter Familie, Verwandtschaft, Freundinnen, Freunden und Bekannten eine
untergeordnete Rolle (Rohr-Zänker & Müller 1998), sie haben aber eine wichtige ergänzende
Funktion für soziale Kontakte und Unterstützung.
Die Ergebnisse des DEAS zeigen, dass diese nachbarschaftlichen Netzwerke existieren,
funktionsfähig sind und dass die Enge nachbarschaftlicher Kontakte über die Jahre seit 1996
konstant hoch ist. Ein großer Teil der Älteren berichtet enge Kontakte zu den Nachbarinnen und
Nachbarn und die große Mehrheit der Menschen in der zweiten Lebenshälfte kann sich an diese
auch mit der Bitte um einen Gefallen wenden. Allerdings gibt es auch soziale Gruppen, die
besonders gefährdet sind, nicht ausreichend in Nachbarschaftsnetzwerke integriert zu sein. Dazu
gehören vor allem Menschen, bei denen ohnehin ein höherer Bedarf an Unterstützung durch das
Umfeld vermutet werden kann, wie zum Beispiel hochaltrige und gesundheitlich in ihrer Mobilität
eingeschränkte Personen. Diesen Personengruppen sollte über niedrigschwellige
Nachbarschaftsangebote die Einbindung in das soziale Umfeld erleichtert werden.
Nachbarschaften funktionieren nicht (immer) von allein. In gehobenen Wohnlagen ist das
nachbarschaftliche Unterstützungspotenzial ausgeprägter. Das heißt aber auch, dass in
Gebieten, die als weniger privilegiert gelten, das Funktionieren dieser nachbarschaftlichen
Netzwerke unterstützt werden sollte durch die Schaffung entsprechender Rahmenbedingungen.
Infrastrukturelle Ausstattung und soziale Dienstleistungen im Wohnquartier sollten sich daran
orientieren, wie Wohnquartiere ‚nachbarschaftsfähig‘ gemacht werden können. Dazu gehört eine
kommunikationsfreundliche Raumstruktur, eine kleinteilige wohngebietsnahe
Versorgungsstruktur, die Vermittlung von Kontakten und nachbarschaftlichen Aktivitäten durch
Gemeinwesenarbeit und die Übertragung von Zuständigkeiten und Selbstbestimmungsrechten
(Rohr-Zänker & Müller 1998).
So wichtig das Funktionieren von Nachbarschaften für die Integration und Teilhabe älterer
Menschen auch ist: Die Erwartungen an die Leistungsfähigkeit von Nachbarschaften zur
Unterstützung Älterer sollten nicht überfrachtet werden. Rohr-Zänker und Müller (1998) stellen
fest, dass nachbarschaftliche Hilfeleistungen in der Regel nicht zeitintensiv oder verpflichtend
sind und bezeichnen sie als ‚Schönwetter-Beziehungen‘. Auch im DEAS beziehen sich die
Angaben zur Zahl hilfsbereiter Nachbarinnen und Nachbarn lediglich auf kleine Gefälligkeiten,
nicht auf langfristige Unterstützungen, wie sie zum Beispiel in der Unterstützung und Pflege
gebrechlicher Menschen erforderlich werden. Darüber hinaus verändern sich die Potenziale
nachbarschaftlichen Zusammenlebens. Zunehmende Wohnmobilität und damit verbundene
abnehmende Wohndauer, häufige Trennung von Arbeits- und Wohnort sowie steigende
Erwerbstätigkeit von Frauen und Älteren können den Rahmen für nachbarschaftliches
Engagement begrenzen.
Diese Problematik ist bekannt und es gibt eine Reihe von Initiativen mit dem Ziel,
nachbarschaftliche Strukturen zu unterstützen und auszubauen. Dazu gehören zum Beispiel das
341

Programm ‚Soziale Stadt‘ oder auch neue Ansätze des Miteinanderlebens im ländlichen Raum,
wie sie in verschiedenen Modellprojekten praktiziert werden. Diese Programme sollten in ihrer
Wirksamkeit evaluiert und gestärkt werden.

Literatur
Beetz, S., Müller, B., J., B. K., & F. Hüttl, R. F. (2009). Altern in Gemeinde und Region [Altern in
Deutschland 5]. Stuttgart: Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft
Bromell, L., & Cagney, K. A. (2013). Companionship in the Neighborhood Context: Older Adults’
Living Arrangements and Perceptions of Social Cohesion. Research on Aging. doi:
10.1177/0164027512475096.
Cramm, J. M., van Dijk, H. M., & Nieboer, A. P. (2012). The Importance of Neighborhood Social
Cohesion and Social Capital for the Well Being of Older Adults in the Community. The
Gerontologist. doi: 10.1093/geront/gns052.
Dijk, H. M. V., Cramm, J. M., & Nieboer, A. P. (2013). Social cohesion as perceived by
community-dwelling older people: the role of individual and neighbourhood
characteristics. International journal of ageing and later life, 8(2), 9-31.
Dittmann, J., & Goebel, J. (2010). Your House, Your Car, Your Education: The Socioeconomic
Situation of the Neighborhood and its Impact on Life Satisfaction in Germany. Social
Indicators Research, 96(3), 497-513. doi: 10.1007/s11205-009-9489-7.
Günther, J. (2015). Soziale Unterstützung und Nachbarschaft. Geschichte, Grundlagen,
Perspektiven. In: C. Reutlinger, S. Stiehler & E. Lingg (Hrsg.) Soziale Nachbarschaften
(S. 189-200). Wiesbaden: Springer VS.
Höpflinger, F. (2009). Soziale Beziehungen im Alter–Entwicklungen und Problemfelder. Online:
http://www.hoepflinger.com/fhtop/Soziale-Kontakte.pdf (zuletzt abgerufen 20.7.2015).
Menning, S. (2004). Die Zeitverwendung älterer Menschen und die Nutzung von Zeitpotenzialen
für informelle Hilfeleistungen und bürgerschaftliches Engagement. In: Deutsches Zentrum
für Altersfragen (Hrsg.) Expertisen zum Fünften Altenbericht der Bundesregierung (Bd. 5,
S. 433-525). Berlin: LIT Verlag.
Müller, B. (2008). Soziale Kohäsion in der Nachbarschaft. Eine empirische Analyse von
Einflussfaktoren auf Quartier-und Individualebene. Lizenziatsarbeit der Philosophischen
Fakultät der Universität Zürich. Eingereicht am Soziologischen Institut der Universität
Zürich bei PD Dr. Manuel Eisner.
Nowossadeck, S., & Engstler, H. (2013). Familie und Partnerschaft im Alter [Report Altersdaten
03/2013]. Berlin: Deutsches Zentrum für Altersfragen.
Oswald, F. (1996). Hier bin ich zu Hause. Zur Bedeutung des Wohnens. Eine empirische Studie
mit gesunden und gehbeeinträchtigten Älteren. Regensburg: Roderer.
Oswald, F., Jopp, D., Rott, C., & Wahl, H. W. (2011). Is aging in place a resource for or risk to life
satisfaction? Gerontologist, 51(2), 238-250. doi: 10.1093/geront/gnq096.
Oswald, F., Kaspar, R., Frenzel-Erkert, U., & Konopik, N. (2013). Hier will ich wohnen bleiben!
Ergebnisse eines Frankfurter Forschungsprojekts zur Bedeutung des Wohnens in der
Nachbarschaft für gesundes Altern. Goethe-Universität Frankfurt am Main und BHF­
BANK-Stiftung: Eigenverlag.
Oswald, F., & Konopik, N. (2015). Bedeutung von außerhäuslichen Aktivitäten, Nachbarschaft
und Stadtteilidentifikation für das Wohlbefinden im Alter. Zeitschrift für Gerontologie und
Geriatrie, 1-7. doi: 10.1007/s00391-015-0912-1.
Rohr-Zänker, R., & Müller, W. (1998). Die Rolle von Nachbarschaften für die zukünftige
Entwicklung von Stadtquartieren. Expertise im Auftrag der Bundesforschungsanstalt für
Landeskunde und Raumordnung. Oldenburg: Bundesamtes für Bauwesen und
Raumordnung. Online:
http://stadtregion.net/fileadmin/downloads/Rolle_von_Nachbarschaften.pdf.
Van Dijk, H. M., Cramm, J. M., & Nieboer, A. P. (2014). Social cohesion as perceived by
community-dwelling older people: the role of individual and neighbourhood
characteristics. International journal of ageing and later life, 8(2), 9-31.
342

Wahl, H.-W. (2001). The living environment as a resource of old age. Integrated report on
German expert contribution. Bonn: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und
Jugend.
Wahl, H.-W., & Weisman, G. D. (2003). Environmental gerontology at the beginning of the new
millennium: Reflections on Its historical, empirical, and theoretical development. The
Gerontologist, 43(5), 616-627.

343

344
	

22 Älter werden – Gewinn oder Verlust?
Individuelle Altersbilder und
Altersdiskriminierung
Ann-Kristin Beyer, Susanne Wurm & Julia K. Wolff

Kernaussagen
Individuelle Altersbilder werden nicht nur durch das eigene Lebensalter,
sondern auch durch den Bildungshintergrund geprägt: Während im Jahr 2014 von
den 40- bis 54-Jährigen 60,2 Prozent Verluste und 81,5 Prozent Gewinne mit dem
Älterwerden verbinden, haben die 70- bis 85-Jährigen häufiger ein verlustorientiertes
(73,5 Prozent) als ein gewinnorientiertes Altersbild (59,0 Prozent). Zudem verbinden
höher Gebildete mit dem Älterwerden um 7,4 Prozentpunkte seltener Verluste und
sogar um 29,4 Prozentpunkte häufiger Gewinne im Vergleich zu Niedriggebildeten.
Zwischen 1996 und 2014 hat sich ein positiver Wandel der Altersbilder
vollzogen: Der Wandel der Altersbilder zu einer weniger verlustorientierten und mehr
gewinnorientierten Sichtweise hat sich im Jahr 2014 weiter stabilisiert. Dieser positive
Wandel fiel in den älteren Altersgruppen stärker aus als in den jüngeren, sodass sich
die Altersbilder in den unterschiedlichen Altersgruppen mit der Zeit einander
angenähert haben.
Der Anteil von Personen, die 2014 von Altersdiskriminierung berichten, ist seit
2008 auf einem moderaten Level geblieben: Elf Prozent der 40- bis 85-Jährigen
geben an, in den letzten zwölf Monaten Altersdiskriminierung erlebt zu haben. Im
Vergleich zum Jahr 2008 ist dieser Anteil konstant geblieben.
Die Bereiche, in denen Diskriminierungserfahrungen wahrgenommen werden,
unterscheiden sich nach Alter und Bildungshintergrund: Die 40- bis 69-Jährigen
berichten im Jahr 2014 vor allem im Bereich der Arbeit und Arbeitssuche von
Altersdiskriminierung (6,9 Prozent der 40- bis 54-Jährigen und 7,5 Prozent der 55- bis
69-Jährigen), Menschen im höheren Erwachsenenalter vornehmlich im Bereich der
medizinischen Versorgung (7,2 Prozent). Personen mit niedrigem Bildungsniveau
nehmen vor allem in den Bereichen medizinische Versorgung (12,8 Prozent) und
Behördengänge (9,0 Prozent) Altersdiskriminierung wahr.
Wahrgenommene Altersdiskriminierung geht häufig mit mehr verlust- und
weniger gewinnorientierten Altersbildern einher: Personen, die 2014 in den letzten
zwölf Monaten Altersdiskriminierung wahrgenommen haben, verbinden das
Älterwerden um 12,7 Prozentpunkte häufiger mit Verlusten und um 11,0
Prozentpunkte seltener mit Gewinnen als Personen ohne solche Erfahrungen.

345

22.1 Einleitung
Wie Menschen ihr eigenes Älterwerden erleben ist neben objektiven Lebensbedingungen wie der
Gesundheit, dem Einkommen oder den Haushalts- und Familienstrukturen ein wichtiger Aspekt
zur Beschreibung der Lebenssituation von Menschen in der zweiten Lebenshälfte. Individuelle
Altersbilder umfassen Vorstellungen, die eine Person vom Alter als Lebensphase, vom Prozess
des Älterwerdens sowie von älteren Menschen als soziale Gruppe hat. Das Älterwerden wird
dabei als multidimensional und multidirektional verstanden. Das heißt, dass es in der zweiten
Lebenshälfte sowohl Gewinne als auch Verluste gibt (Multidirektionalität), die – insbesondere
wenn verschiedene Bereiche betrachtet werden – gleichzeitig bestehen können
(Multidimensionalität). Es existiert also nicht nur ein einziges Altersbild, sondern immer eine
Vielzahl von Altersbildern. Es gibt beispielsweise eher defizitorientierte Altersbilder wie die
Vorstellung, dass das Alter körperliche Verluste oder Vereinsamung mit sich bringt, daneben
bestehen aber auch gewinnorientierte Bilder, die älteren Menschen beispielsweise wachsendes
Erfahrungswissen oder mehr Gelassenheit bescheinigen.
Individuelle Altersbilder beruhen nicht allein auf eigenen Erfahrungen, sondern auch auf den
Altersstereotypen der Gesellschaft, in der eine Person lebt. Menschen beurteilen und
interpretieren ihre eigenen Erfahrungen mit dem Älterwerden vor dem Hintergrund der bereits von
Kindheit an gelernten Altersstereotype. In den vergangenen Jahren konnte eine Reihe von
Studien zeigen, dass diese individuellen Altersbilder eine große Bedeutung dafür haben, wie
gesund Menschen im Alter sind und wie lange sie leben (für eine Übersicht siehe Westerhof,
Miche, Brothers, Barrett, Diehl, Montepare, Wahl, & Wurm 2014). Individuelle Altersbilder sind
zudem mitbestimmend dafür, welche Rollen und Handlungsmöglichkeiten älteren Menschen
offen stehen und was ältere Menschen sich selbst wünschen und zutrauen. Vor diesem
Hintergrund ist es wichtig zu untersuchen, wie gewinn- und verlustorientiert Menschen das
Älterwerden in verschiedenen Lebensbereichen sehen – und ob sich Altersbilder in Deutschland
verändert haben.
Individuelle Altersbilder können in verschiedenen Bevölkerungsgruppen unterschiedlich
ausgeprägt sein. Da oftmals mit dem eigenen Älterwerden verlustbezogene Erfahrungen wie
Krankheiten oder soziale Verluste zunehmen, haben ältere Menschen im Vergleich zu jüngeren
Altersgruppen häufiger negativere Altersbilder und verbinden seltener das Älterwerden mit
Gewinnen. Zudem gibt es Hinweise darauf, dass der Bildungshintergrund eine Rolle für die
Altersbilder spielt: Mit dem Alter einhergehende Chancen und Verluste können sozial ungleich
verteilt sein, wodurch niedriger Gebildete stärker von Verlusten betroffen sein können und daher
negativere Altersbilder haben können (Schmidt-Hertha & Mühlbauer 2012). Männer und Frauen
haben unterschiedliche Lebensbiografien und an sie gerichtete Rollenerwartungen, was sich
ebenfalls in unterschiedlichen Altersbildern widerspiegeln könnte. Bisher gibt es jedoch keine
Hinweise auf Geschlechtsunterschiede bei den Altersbildern (Wurm & Huxhold 2012). Im
Folgenden wird untersucht, ob sich die bisher bekannten Befunde auch anhand der Daten des
Deutschen Alterssurveys (DEAS) von 2014 zeigen: Inwiefern bestehen in den individuellen
Altersbildern Gruppenunterschiede bezüglich des Alters, des Geschlechts und des
Bildungshintergrundes?
Sichtweisen auf das Älterwerden können sich vor dem Hintergrund des sozialen Wandels in der
Gesellschaft verändern. Beispielsweise wurde in den 1960er Jahren mit der DisengagementTheorie (Cumming & Henry 1961) noch postuliert, Altern sei, vergleichbar mit biologischen
Verlusten, in natürlicher Weise mit dem Rückzug aus sozialen Aktivitäten und Rollen verbunden.
346

Heutzutage wird hingegen vermehrt über die Potenziale des Alters gesprochen und die
Bedeutung des aktiven Alterns hervorgehoben (Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen
und Jugend (BMFSFJ), 2005). Ebenso hat sich die Darstellung von älteren Menschen in den
Medien positiv entwickelt (BMFSFJ, 2010). Zugleich erleben viele ältere Menschen, dass ihnen
die nachberufliche Lebensphase in besonderer Weise die Möglichkeit bietet, persönliche Ziele
und Interessen zu verfolgen (‚späte Freiheit‘; Rosenmayr 1983). Dieser Wertewandel lässt eine
positive Veränderung von Altersbildern in der Gesellschaft vermuten. Für die Jahre 1996 bis 2008
wurde anhand des DEAS der Wandel von individuellen Altersbildern nachgezeichnet (Wurm &
Huxhold 2012). Die bisherigen Ergebnisse machen deutlich, dass Altersbilder über die Jahre
hinweg tatsächlich positiver geworden sind und sich danach auf einem höheren Niveau
stabilisiert haben. Im vorliegenden Kapitel wird daher der Frage nachgegangen, ob sich das
bisherige Niveau der Altersbilder auch im Jahr 2014 zeigt, oder ob sich die Altersbilder erneut
verändert haben – zum Positiven oder Negativen.
Negative, verlustorientierte Einstellungen und Stereotype können sich in diskriminierenden
Einstellungen und Verhaltensweisen gegenüber älteren Personen zeigen – seien es ältere
Erwerbstätige, wenn sie geringere Einstellungschancen als Jüngere haben, seien es ältere
Patientinnen und Patienten in der medizinischen Versorgung, wenn sie bestimmte Leistungen
nicht gleichermaßen wie Jüngere erhalten. Kommt es zu Benachteiligungen von Menschen
aufgrund ihres Alters, spricht man von Altersdiskriminierung. Altersdiskriminierung bezieht sich
dabei ganz allgemein auf ein benachteiligendes Verhalten, das eine Person aufgrund ihres Alters
erfährt. Hierbei lassen sich zwei Aspekte unterscheiden: die tatsächliche Altersdiskriminierung
und die subjektiv wahrgenommene Altersdiskriminierung. Tatsächliche Altersdiskriminierung liegt
dann vor, wenn legitime, zum Beispiel aus Rechtsgrundsätzen erwachsene Ansprüche einer
Person aufgrund ihres Alters verletzt werden – beispielsweise, wenn eine Person aufgrund ihres
vom potenziellen Arbeitgeber als zu hoch erachteten Alters nicht eingestellt wird. In der Regel
wird allerdings die wahrgenommene Altersdiskriminierung erfasst, die beschreibt, ob sich eine
Person aufgrund ihres Alters diskriminiert fühlt, da keine ausreichenden Informationen zur
Beurteilung, ob eine Person tatsächlich aufgrund ihres Alters diskriminiert wurde, vorliegen
(Rothermund & Mayer 2009).
Auch in der wahrgenommenen Altersdiskriminierung kann es Unterschiede zwischen einzelnen
Bevölkerungsgruppen geben: Bei Personen im mittleren Erwachsenenalter ist zu erwarten, dass
sie eher Altersdiskriminierung im Bereich Arbeit und Arbeitssuche berichten. Diese Form von
Diskriminierung ist im nachberuflichen Leben bei älteren Erwachsenen kaum zu erwarten. Auch
wenn, wie im Kapitel 3 beschrieben, ein deutlicher Anstieg von Personen zu verzeichnen ist, die
auch nach dem Übergang in den Ruhestand arbeiten, ist dieser Prozentsatz an Erwerbstätigen
im Ruhestand weiterhin sehr klein (Brenke 2013). Im höheren Lebensalter spielen
Diskriminierungserfahrungen in anderen Lebensbereichen potenziell eine größere Rolle: Hierzu
zählen beispielsweise Behördengänge, Erfahrungen im Alltag ganz allgemein oder im
medizinischen Bereich. Hinweise auf Altersdiskriminierung in diesen Bereichen geben Studien,
die auf eine schlechtere medizinische Versorgung älterer Menschen hinweisen (Bowling 2007;
Reiter-Theil & Albisser Schleger 2007), ebenso ist zumindest aus Fallbeispielen bekannt, dass
ältere Menschen über eine systematische Benachteiligung bei Banken und Versicherungen
berichten (Rothermund & Mayer 2009). Ähnliche Unterschiede sind auch bezüglich des
Geschlechts denkbar. Frauen nehmen womöglich häufiger Altersdiskriminierung wahr. Grund
dafür ist, dass sie häufiger eine Diskriminierung aufgrund des Geschlechts erfahren und sich

347

diese Erfahrungen mit zunehmendem Alter mit wahrgenommenen Diskriminierungen aufgrund
des Alters vermischen könnten (‚double standard of aging’; Sontag 1979).
Da Altersdiskriminierung 2008 erstmalig im DEAS erfragt wurde, soll nun untersucht werden, wie
hoch der Anteil von Personen ist, die 2014 Diskriminierungserfahrungen gemacht haben und wie
sich wahrgenommene Altersdiskriminierung in unterschiedlichen Lebensbereichen und für
verschiedene Bevölkerungsgruppen über einen Sechs-Jahres-Zeitraum verändert hat.
Altersbilder und wahrgenommene Altersdiskriminierung können sich zudem gegenseitig
beeinflussen. Zum einen können Diskriminierungserfahrungen zu einem verlustorientierteren
Altersbild beitragen, indem das durch die wahrgenommene Diskriminierung transportierte
negative Altersbild internalisiert wird (Wentura & Rothermund 2005). Andererseits könnte es auch
sein, dass Personen mit einer negativen Sichtweise auf das Älterwerden auch vermehrt das
Verhalten anderer als Altersdiskriminierung wahrnehmen. Daher soll der Zusammenhang von
wahrgenommener Altersdiskriminierung und Altersbildern untersucht und der Frage
nachgegangen werden, ob das Erleben beziehungsweise Nichterleben von Altersdiskriminierung
mit gewinn- beziehungsweise verlustorientierten individuellen Altersbildern zusammenhängt.
Zusammengefasst werden im vorliegenden Kapitel folgende Fragen untersucht:
1.		 Wie unterscheiden sich gewinnorientierte und verlustorientierte Altersbilder zwischen
verschiedenen Bevölkerungsgruppen?
2.		 Wie haben sich gewinn- und verlustorientierte Altersbilder von 1996 zu 2014 gewandelt?
3.		 Wie hoch ist der Anteil von Personen, die von Altersdiskriminierung berichten? In welchen
Bevölkerungsgruppen und Lebensbereichen wird Altersdiskriminierung am meisten
wahrgenommen?
4.		 Inwiefern hat sich wahrgenommene Altersdiskriminierung von 2008 zu 2014 verändert?
5.		 Inwiefern geht das Erleben beziehungsweise das Nichterleben von Altersdiskriminierung
mit gewinnorientierten und verlustorientieren Altersbildern einher?

22.2 Datengrundlage
Daten. Zur Beantwortung der Fragen wurden die DEAS-Daten der 40- bis 85-Jährigen der Jahre
1996, 2002, 2008 und 2014 verwendet (vgl. Kapitel 2). Für die Altersbilder liegen Informationen
aus dem schriftlichen Fragebogen zu allen Messzeitpunkten vor. Wahrgenommene
Altersdiskriminierung wird im schriftlichen Fragebogen seit 2008 erhoben.
Gewinnorientierte und verlustorientierte Altersbilder. Individuelle Altersbilder wurden seit 1996
mehrdimensional im schriftlichen Fragebogen erfragt, indem die Personen angeben sollten, was
für sie persönlich ihr Älterwerden bedeutet (Dittmann-Kohli, Kohli, Künemund, Motel, & Westerhof
1997). Vier Aussagen, die sich auf die verlustorientierte Sicht beziehen, Älterwerden gehe mit
körperlichen Verlusten einher (zum Beispiel „Älterwerden bedeutet für mich, dass ich nicht mehr
so belastbar bin“ oder „Älterwerden bedeutet für mich, weniger vital und fit zu sein“) sowie vier
Aussagen, die sich auf Möglichkeiten persönlicher Weiterentwicklung beziehen (zum Beispiel
„Älterwerden bedeutet für mich, dass ich weiterhin viele Pläne mache“ oder „Älterwerden
bedeutet für mich, dass ich weiterhin in der Lage bin, neue Dinge zu lernen“) konnten anhand der
möglichen Antwortkategorien ‚trifft gar nicht zu’, ‚trifft eher nicht zu’, ‚trifft eher zu’ und ‚trifft genau
zu’ beantwortet werden. Die vier Antworten wurden jeweils gemittelt und anschließend in zwei
348

Kategorien unterteilt (Werte > 2,5 auf der gemittelten Skala: Aussagen treffen eher
beziehungsweise genau zu; Werte < 2,5 auf der gemittelten Skala: Aussagen treffen eher nicht
beziehungsweise gar nicht zu). Berichtet wird im Folgenden immer der Anteil der Personen, für
die Älterwerden mit körperlichen Verlusten (verlustorientiertes Altersbild) beziehungsweise mit
persönlicher Weiterentwicklung (gewinnorientiertes Altersbild) einhergeht (Werte > 2,5).
Wahrgenommene Altersdiskriminierung. In den Jahren 2008 und 2014 beantworteten die
Personen im schriftlichen Fragebogen folgende Frage zur wahrgenommenen
Altersdiskriminierung: „Haben Sie in den vergangenen zwölf Monaten erlebt, dass Sie wegen
Ihres Alters durch andere benachteiligt wurden oder gegenüber anderen Menschen schlechter
gestellt wurden?“ Wenn diese Frage bejaht wurde, wurde ergänzend danach gefragt, in welchen
der folgenden fünf Lebensbereichen die Erfahrung mit Diskriminierung gemacht wurde: Arbeit
und Arbeitssuche, Behördengänge, medizinische Versorgung, im Alltag generell sowie
Geldangelegenheiten.
Gruppierungsvariablen. Für alle Fragestellungen wird die gesamte Stichprobe der 40- bis
85-Jährigen in den jeweiligen Erhebungsjahren herangezogen. Die Betrachtung von
Altersunterschieden erfolgt anhand von drei Altersgruppen analog zur Schichtung der Stichprobe
(40 bis 54 Jahre, 55 bis 69 Jahre und 70 bis 85 Jahre). Weiterhin werden für
Gruppenunterschiede das Geschlecht der Befragten und der Bildungsgrad, auf Grundlage einer
reduzierten ISCED-Klassifizierung unterteilt in drei Stufen (niedriges, mittleres und hohes
Bildungsniveau), genutzt. Die Betrachtung des Wandels erfolgt anhand von Sechs-JahresAltersgruppen, um Überschneidungen zwischen den Erhebungszeitpunkten und den
Altersgruppen zu vermeiden (42 bis 47 Jahre, 48 bis 53 Jahre, 54 bis 59 Jahre, 60 bis 65 Jahre,
66 bis 71 Jahre, 72 bis 77 Jahre, 78 bis 83 Jahre; vgl. Kapitel 2).
Analysen. Die Signifikanztestungen erfolgten für alle Fragestellungen über logistische
Regressionen, wobei für die Stratifizierungsvariablen Altersgruppe, Geschlecht und Region (Ost-/
Westdeutschland) kontrolliert wurde (vgl. Kapitel 2). In den Abbildungen und im Text werden
gewichtete prozentuale Verteilungen angegeben. Für Zusammenhänge zwischen
wahrgenommener Altersdiskriminierung und Altersbildern werden die errechneten Prozentwerte
aus den am Mikrozensus gewichteten logistischen Regressionen berichtet.

22.3 Gewinn- und verlustorientiertes Altersbild im Jahr 2014
Im Jahr 2014 stimmen 64,8 Prozent der 40- bis 85-Jährigen zu, dass das Älterwerden mit
körperlichen Verlusten einhergeht. 73,1 Prozent verbinden das eigene Älterwerden mit
persönlicher Weiterentwicklung (vgl. Tabellen A 22-1 und A 22-2 im Anhang). Bedeutsame
Unterschiede zwischen Männern und Frauen gibt es weder beim verlustorientierten Altersbild
(Männer 65,8 Prozent, Frauen 63,9 Prozent), noch beim gewinnorientierten Altersbild (Männer
74,5 Prozent, Frauen 71,9 Prozent; vgl. Tabellen A 22-1 und A 22-2 im Anhang).
Individuelle Altersbilder werden nicht nur durch das eigene Lebensalter, sondern auch
durch den Bildungshintergrund geprägt.
In Abhängigkeit vom eigenen Alter und Bildungshintergrund wird das eigene Älterwerden jedoch
in unterschiedlichem Ausmaß mit Verlusten und Gewinnen in Verbindung gebracht: Anhand von
Abbildung 22-1a wird ersichtlich, dass die 70- bis 85-Jährigen mit 73,5 Prozent deutlich häufiger
das Älterwerden mit körperlichen Verlusten verbinden als die beiden jüngeren Altersgruppen
349

(63,8 Prozent der 55- bis 69-Jährigen und 60,2 Prozent der 40- bis 54-Jährigen). Der Anteil von
Personen, die Älterwerden eher als Möglichkeit zur persönlichen Weiterentwicklung sehen, ist in
der jüngsten der drei Altersgruppen am größten und in der ältesten Altersgruppe am geringsten.
Bei den 40- bis 54-Jährigen wird mit 81,5 Prozent das eigene Älterwerden wesentlich häufiger als
persönliche Weiterentwicklung erlebt als bei den 55- bis 69-Jährigen (73,7 Prozent). Unter den
70- bis 85-Jährigen verbinden nur etwas mehr als die Hälfte der Personen (59,0 Prozent) das
eigene Älterwerden mit persönlicher Weiterentwicklung.
Außerdem ist im Jahr 2014 der Anteil der Personen, für die Älterwerden mit Verlusten
beziehungsweise Gewinnen einhergeht, vom Bildungshintergrund abhängig (Abbildung 22-1b).
Dabei unterscheiden sich hinsichtlich der körperlichen Verluste aber nur die Personen mit
mittlerem Bildungsniveau (65,5 Prozent) bedeutsam von den Hochgebildeten (62,9 Prozent), was
auf eine Abnahme des Anteils an Personen mit einer verlustorientierteren Sichtweise auf das
eigene Älterwerden mit steigendem Bildungsgrad verweist. Die gewinnorientierte Perspektive für
das eigene Älterwerden ist bei den Niedriggebildeten am geringsten (50,8 Prozent) und bei den
Personen mit mittlerer (70,9 Prozent) oder hoher Bildung (80,2 Prozent) zunehmend stärker
verbreitet.

350

Abbildung 22-1:	

Anteile von Personen mit verlustorientiertem bzw. gewinnorientiertem
Altersbild, nach Alter und Bildung, im Jahr 2014 (in Prozent)

a) Nach Alter
100

Prozent

80
60
40

73,5
60,2

81,5

63,8

73,7

40-54 Jahre
55-69 Jahre
70-85 Jahre
59,0

20
0
Verlustorientiertes
Altersbild

Gewinnorientiertes
Altersbild

b) Nach Bildung
100

Prozent

80
60
40

80,2
70,3

65,5

Niedrige Bildung
Mittlere Bildung
Hohe Bildung

70,9

62,9
50,8

20
0
Verlustorientiertes
Altersbild

Gewinnorientiertes
	
Altersbild
	

Quelle: DEAS 2014 (körperliche Verluste: n = 4.288; persönliche Weiterentwicklung: n = 4.287), gewichtet, gerundete Angaben;
	
(p < ,05).
	
a) Körperliche Verluste: Signifikante Unterschiede nur zwischen den 70- bis 85-Jährigen und den 55- bis 69-Jährigen bzw. 40bis 54-Jährigen. Persönliche Weiterentwicklung: Alle Altersgruppenunterschiede signifikant. b) Signifikante 

Bildungsunterschiede für beide Altersbilder.
	

22.4 Gewinn- und verlustorientiertes Altersbild im Wandel
In den bisherigen Befragungen des DEAS von 1996 bis 2008 zeigte sich zwischen 1996 und
2002 ein Wandel der Altersbilder hin zu mehr positiven und weniger negativen Altersbildern.
Zwischen 2002 und 2008 hat sich dieser Wandel stabilisiert. Das heißt, dass das eigene
Älterwerden über die Jahre hinweg weniger stark mit körperlichen Verlusten und mehr mit
persönlicher Weiterentwicklung verbunden wurde.
Zwischen 1996 und 2014 hat sich ein positiver Wandel der Altersbilder vollzogen.
Diese Stabilisierung des positiven Wandels der Altersbilder hin zu mehr gewinnorientierten und
weniger verlustorientierten Sichtweisen bezüglich des eigenen Älterwerdens setzt sich auch 2014
351

fort. Für das verlustorientierte Altersbild zeigt sich, dass der Wandel des Altersbildes in
Abhängigkeit von der betrachteten Altersgruppe variiert (Abbildung 22-2). Mit Ausnahme der
42- bis 47-Jährigen und der 48- bis 53-Jährigen ist bei allen Altersgruppen erkennbar, dass der
Anteil von Personen mit verlustorientiertem Altersbild im Jahr 2014 im Vergleich zu 1996 geringer
ist. Bei den 42- bis 47-Jährigen nahm dagegen der Anteil an Personen mit einem
verlustorientierten Altersbild von 1996 bis 2008 kontinuierlich zu und bleibt seitdem stabil. In der
Altersgruppe der 48- bis 53-Jährigen hat der Anteil von Personen mit einem verlustorientiertem
Altersbild von 1996 zu 2002 abgenommen, ist zu 2014 aber wieder auf einen vergleichbaren
Anteil zu 1996 gestiegen. Bei den über 65-Jährigen zeigt sich von 2008 zu 2014 sogar noch eine
Abnahme des Anteils von Personen mit verlustorientiertem Altersbild. Diese Abnahme ist für die
66- bis 71-Jährigen und auch für die älteste Altersgruppe der 78- bis 83-Jährigen statistisch
bedeutsam.

Abbildung 22-2:	
1996

Anteile der Personen mit verlustorientiertem Altersbild, nach Alter, in
den Jahren 1996, 2002, 2008 und 2014 (in Prozent)
2002

2008

2014

100

Prozent

80
60
40
20

61,8 59,2
52,3 53,8

60,7

59,9 61,2
52,3

69,9

59,6

63,1 64,0

77,1
58,5

61,1

65,3

78,7
66,2

67,7 63,6

82,7

70,8

76,5 74,0

84,0 82,3

84,5 77,2

0
42-47
Jahre

48-53
Jahre

54-59
Jahre

60-65
Jahre

66-71
Jahre

72-77
Jahre

78-83
Jahre

Quelle: DEAS 1996 (n = 3.986), 2002 (n = 2.782), 2008 (n = 4.429) und 2014 (n = 4.288) gewichtet, gerundete Angaben; 

(p < ,05).
	
Signifikante Abnahme von 1996 zu 2014 be