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Full text: Warum Industrie? Warum jetzt?

Warum Industrie? Warum jetzt?
Plädoyer für eine moderne Industriestadt Berlin

INHALT

Vorwort

5

Einleitung
Industrie im Wandel – Industrie erfindet sich neu

6

Top 10-Forderungen

9

Moderne Industrie ist mehr als Produktion – eine Definition

11

Warum Industrie in Berlin und warum jetzt? – Ein Plädoyer
1. Industrie als entscheidender Katalysator im Netzwerk der Wirtschaft
2. Die Industrie ist wie Berlin!

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13

Die Industrie in der Smart City Berlin 2030 – eine Vision

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Bestandsaufnahme: Gute Ansätze bleiben stecken

19

Best-Practice-Beispiele: Wie machen es die anderen? – Ein Exkurs

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Lessons learned

26

Leitlinien für eine Industriepolitik 4.0 in Berlin

26

Handlungsempfehlungen zur Umsetzung einer Industriepolitik 4.0

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Impressum

30

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WARUM INDUSTRIE? WARUM JETZT?

PLÄDOYER FÜR EINE MODERNE INDUSTRIESTADT BERLIN

Vorwort
Ist Google nun ein Autobauer aus der Industrie-Branche oder sind Audi, BMW und Daimler
mit ihrer Neuerwerbung „Here“ Softwaregiganten aus der IT-Branche?
Seit Jahrzehnten sprechen wir von den drei Wirtschaftsbereichen Industrie, Handel und
Dienstleistung doch wo ordnen wir diese Player noch ein? Sie wissen die Antwort nicht?
Vielleicht ist genau das die richtige Antwort!
Eine Zuordnung im klassischen Sinne lässt sich heute gar nicht mehr treffen. Zu sehr haben
die drei Bereiche sich gewandelt! Die Industrie erscheint uns längst in neuem Gewand:
Wo gestern rauchende Schlote standen, sind heute häufig hochspezialisierte Facharbeiter,
smarte Produktion und Services, IT, Roboter und ein Reinraum zu finden.
Abgeschlossen ist diese Entwicklung noch längst nicht, ich nenne nur das Trendthema
„Industrie 4.0“. Wohin die Reise führt, wissen wir noch nicht so genau. Fest steht aber, dass
einstmals eherne Gesetze ihre Gültigkeit verlieren, dass wir neu denken müssen. Auf jeden
Fall sollten wir neu nachdenken über den Satz: „Berlin ist keine Industriestadt.“ Wer hat
diese These eigentlich in jüngerer Zeit hinterfragt?
Nun – wir haben das gemacht! Unser Ergebnis: Berlin bietet beste Voraussetzungen für die
Entwicklung einer smarten, urbanen Industrie und ist deshalb eine moderne Industriestadt
par excellence!
In dem vorliegenden Plädoyer erklären wir, warum und unter welchen Voraussetzungen!
Dabei geht es uns nicht um einen neuen Masterplan – der Masterplan Industriestadt Berlin
2010–2020, im Jahre 2015 aktualisiert, umfasst die wesentlichen Themen in den Bereichen
Innovation, Fachkräftesicherung, Marketing sowie Rahmenbedingungen.

© Anika Krüger/design akademie berlin

Wir sehen aber dringenden Handlungsbedarf, wenn es darum geht, Politikmanagement und
Strukturen in Politik und Verwaltung den Erfordernissen moderner Industriepolitik anzupassen. Gerade in einer Zeit, wo die Fragen der wachsenden Stadt und der Flüchtlinge alle
anderen Themen auf der Tagesordnung überlagern, möchten wir auch ein Zeichen setzen,
dass wir neben den drängenden Alltagsproblemen die strategische Ausrichtung und Positionierung Berlins nicht aus den Augen verlieren dürfen.
Also, auch wenn sich sonst (fast) alles verändert – Industrie ist und bleibt in der IHK Berlin
Chefsache!
Ihr

Jan Eder
HAUPTGESCHÄFTSFÜHRER

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WARUM INDUSTRIE? WARUM JETZT?

Einleitung
Industrie im Wandel – Industrie erfindet sich neu
Die Industrie verändert sich – teils langsam, teils rasant mit völlig neuen Spielregeln und
Services. Treibende Kraft ist die Digitalisierung, die neue Dimensionen annimmt: Die Möglichkeiten, die sich aus dem Einsatz von cyberphysischen Systemen und der damit einhergehenden intelligenten Vernetzung ergeben, bewerten manche Experten als 4. Industrielle
Revolution, andere als evolutionäre Entwicklung.
Einig sind sich die Fachleute aber, dass sich die Möglichkeiten der Industrie gänzlich verändern: Produktion kann individuelle Wünsche flexibel bedienen. Fertigung und Logistik lassen
sich effizienter und mobiler steuern und alle Unternehmensebenen, von der Entwicklung bis
zum Service, intelligent miteinander koordinieren. Additive Fertigungsmethoden erfahren immer weitere Anwendungsmöglichkeiten. Durch die allgegenwärtige Vernetzung im
Internet of Things ergeben sich gänzlich neue Geschäftsmodelle. Innovationszyklen werden
deutlich kürzer. Forschung und Entwicklung gewinnen also immer stärker an Bedeutung. IT
und Automatisierung haben in der klassischen Produktion schon lange Einzug gehalten, die
Entwicklung zur Industrie 4.0 steht hingegen noch bevor und weist beträchtliche Unsicherheiten auf.
Im Zusammenhang damit verstärkt sich ein zweiter, schon länger andauernder Trend: Die
industrielle Wertschöpfung erfährt eine Hybridisierung, bei der die eigentliche Fertigung
und die produktionsnahen Dienstleistungen immer mehr zu einer Branche verschmelzen.
Gerade durch den Einsatz von IT werden neue Services und Geschäftsmodelle möglich. Als
Schlagworte seien hier nur kreative Leasing Modelle, Fernwartung und Predictive Maintenance genannt. Im Mittelpunkt stehen nicht die Produkte allein, sondern Lösungen, bei
denen der Hersteller die Kunden über den gesamten Produktlebenszyklus hinweg begleitet.
Darüber hinaus stellen sich durch die folgenden Megatrends und Entwicklungen weitere
Herausforderungen für die Industrie:

PLÄDOYER FÜR EINE MODERNE INDUSTRIESTADT BERLIN

•	 Urbanisierung
Der Anteil der Stadtbevölkerung an der Gesamtbevölkerung lag im Jahr 1950 noch bei
30 Prozent seit dem Jahre 2008 wohnt mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung in
Städten. Bis zum Jahr 2030 wird der Verstädterungsgrad Prognosen der UNO zufolge auf
über 60 Prozent steigen und ca. 70 Prozent im Jahr 2050 erreichen (UNO 2008)1. Dies
wirft Fragen der Mobilität, neuer Stadtkonzepte und des Zusammenlebens auf engem
Raum auf – die Industrie ist hier gefragt, smarte Lösungen anzubieten.
•	 Globalisierung
Die Globalisierung ist keine neue Entwicklung, gleichwohl aber eine mit sehr unterschiedlichen und immer neuen Facetten. Standortübergreifende Vernetzungsmöglichkeiten öffnen global tätigen Unternehmen neue Wege, bergen aber auch Risiken.
•	 Technologische Innovationen
Neben der Digitalisierung erfahren andere Entwicklungen wie z. B. Nanotechnologien,
Leichtbau, immer weitere Einsatzmöglichkeiten. Hier ist die Industrie gefragt, diese Optionen in smarte Produkte und Angebote umzuwandeln.
•	 Steigende CSR- und Umweltanforderungen
Verpflichtende Energieaudits, CSR-Berichtspflicht sowie der Wunsch nach Transparenz
und Partizipation stellen ständig steigende Ansprüche an Unternehmen, mit den Stakeholdern in einen Dialog zu treten.
Die globalen Trends bedeuten für Berlin Chance und Risiko zugleich. Wir als IHK beleuchten
mit unserer Initiative die berlinspezifische Situation und stellen vor, welche Rahmenbedingungen eine moderne Industriepolitik in Berlin setzen muss, um optimale Entwicklungsmöglichkeiten für die Industrie in Berlin anzubieten.

Was ist Industrie 4.0?
Automatisierung ist in der Industrie schon lange angekommen – neue Elemente der
Smart Factory sind hingegen die Übertragung riesiger Datenmengen in Echtzeit, der
Einsatz mobiler Geräte für die Steuerung und die intelligente Vernetzung teilweise über
Standort- und Unternehmensgrenzen hinweg. Die Vernetzung ermöglicht eine eigenständige Kommunikation von Maschinen und Werkstücken mit Hilfe von Sensoren
und anderen sog. „Cyberphysischen Systemen“ (CPS). Daraus resultieren neue Geschäftsmodelle, die Wünsche des Endkunden können schon in der Werkhalle individuell
berücksichtigt werden.

•	 Demographischer Wandel
Der demographische Wandel wirkt sich doppelt auf die Industrie aus – zum einen
ändern sich durch die älter werdende Gesellschaft die Anforderungen an Produkte sowie
produktbegleitende Services. Zum anderen stellt auch das wachsende Durchschnittsalter der Belegschaften sowie der Mangel an Fachkräften die Industrie vor wachsende
Herausforderungen.
•	 Wachsende Diversität der Mitarbeiter
Generation Y, kulturelle und ethnische Vielfalt, sinkende Zahl der Schulabgänger, die eine
berufliche Ausbildung anstreben – dies sind nur drei der vielen Facetten, die eine wachsende Rolle bei der Fachkräftesicherung spielen. Unternehmen müssen diese Herausforderungen gestalten.

6|

1  Economic & Social Affairs: United Nations Expert Group Meeting on Population Distribution, Urbanization,
Internal Migration and Development, New York, Jan. 21–23, 2008, abgerufen am 07.09.2015 unter http://www.
un.org/en/development/desa/population/publications/pdf/urbanization/population-distribution.pdf



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WARUM INDUSTRIE? WARUM JETZT?

PLÄDOYER FÜR EINE MODERNE INDUSTRIESTADT BERLIN

Top 10-Forderungen
1.	 Industriepolitik muss Chefsache bleiben!
2.	Industrie ist heute nicht mehr Produktion allein – Berlin muss ein neues Verständnis von
Industrie entwickeln.
3.	Berlin ist eine Stadt mit wachsenden Ansprüchen. Deshalb brauchen wir gerade jetzt
eine Industrie-Vision – partei-, personen- und legislaturübergreifend! Unsere Zielrichtung dürfen wir nicht nach jeder Wahl wieder in Frage stellen.
4.	Die Industrie braucht Raum zur Entwicklung – Berlin muss „seine“ Industrie als integralen Bestandteil der wachsenden Stadt begreifen.
5.	Berlin und moderne Industrie sind perfekte Partner – dieses Bild muss in allen Konzepten, im Marketing und bei Ansiedlungsbemühungen gezeichnet werden.
6.	Die Smart City Berlin ist eine Entwicklungschance für die Industrie – wenn die Stadt
diese Chance nutzen möchte, muss sie Akzeptanz und Commitment für die Industrie
schaffen.
7.	Mit dem Masterplan Industrie haben wir uns berlinweit auf die Schwerpunkte der
Industriepolitik verständigt – Dieses Konzept muss umgesetzt und immer neu mit Leben
gefüllt werden.
8.	Digitalisierung und Hybridisierung öffnen ein Fenster für eine smarte urbane Industrialisierung – Berlin muss seine Chance ergreifen, bevor andere Standorte einen uneinholbaren Vorsprung besitzen.
9.	Design Thinking, Messbarkeit und stringente Zielorientierung sind in der Wirtschaft etabliert – Politik muss die Dynamik, Flexibilität und Interdisziplinarität moderner Industrie
annehmen.
© Yeji Hong/design akademie berlin

10.	Die vorhandenen Fördermöglichkeiten müssen auf EU-, Bundes- und Länderebene
optimal für die Stärkung der Berliner Industrie genutzt werden.

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WARUM INDUSTRIE? WARUM JETZT?

PLÄDOYER FÜR EINE MODERNE INDUSTRIESTADT BERLIN

Moderne Industrie ist mehr als
Produktion – eine Definition
Als Folge der zuvor beschriebenen Entwicklungen ist die Definition der Industrie als „Verarbeitendes Gewerbe“ überholt. Moderne Industrie bezieht neben der eigentlichen Fertigung
die gesamte Wertschöpfungskette und den Produktlebenszyklus ein. Je nach Unternehmen
können dies folgende Bereiche sein:
•	 Instandhaltung und Reparaturen

THESE 1

•	 Großhandel

In der modernen Industrie
verschmelzen Fertigung
und produktionsnahe
Dienstleistungen zu einer
Branche, die die gesamte
Wertschöpfungskette in
den Blick nimmt. Im Zuge
der Digitalisierung werden
neue Geschäftsmodelle und
Services diese Entwicklung
weiter vorantreiben.

•	 Güterbeförderung und Logistik, Umzugstransporte, Lagerei
•	 Dienstleistungen der Informationstechnologie inkl. Datenverarbeitung und Hosting
•	 Rechts- und Steuerberatung, Wirtschaftsprüfung
•	 Verwaltung und Führung von Unternehmen
•	 Unternehmensberatung
•	 Ingenieurdienstleistungen
•	 technische, physikalische und chemische Untersuchungen
•	 Forschung und Entwicklung, Werbung und Marktforschung
•	 Gebäudebetreuung und Bautätigkeiten
•	 wirtschaftliche Dienstleistungen für Unternehmen.

© Laura Weisen/design akademie berlin

Es spielt dabei keine Rolle, ob diese Funktionen inhouse angesiedelt oder ausgelagert sind
(Outsourcing, Offshoring).

Herkömmliche Definition der Industrie
Die verschiedenen Bereiche der Wirtschaft sind in der Statistischen Systematik der
Wirtschaftszweige in der Europäischen Gemeinschaft (NACE 2008)2 abgebildet. Das
Verarbeitende Gewerbe ist in den 24 Wirtschaftszweigen des Abschnitts C erfasst,
die industrienahen Dienstleister in verschiedenen anderen Abschnitten. Dies hat zur
Folge, dass die Statistik heute nur einen kleinen Teil des Wertschöpfungsnetzwerkes als
Industrie definiert und in Zahlen abgebildet.

2  NACE Rev. 2: Statistische Systematik der Wirtschaftszweige in der Europäischen Gemeinschaft. Luxemburg:
Amt für amtliche Veröffentlichungen der Europäischen Gemeinschaften, abgerufen am 09.11.2015 unter: http://
ec.europa.eu/eurostat/documents/3859598/5902453/KS-RA-07-015-DE.PDF/680c5819-8a93-4c18-bea62e802379df86?version=1.0

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WARUM INDUSTRIE? WARUM JETZT?

Warum Industrie in Berlin und
warum jetzt? – Ein Plädoyer
Mit gutem Grund führt jede IHK die Industrie bereits im Namen, denn die Industrie
•	 treibt das Wirtschaftswachstum weit über die Grenzen der eigenen Branche hinaus
•	 gestaltet Lösungen für die Smart City und ist aber auch Bestandteil einer Smart City
•	 entwickelt neue Technologien und andere Innovationen
•	 stimuliert mit ihren Forschungsausgaben die Innovationstätigkeit
•	 zieht mit attraktiven Jobs Experten aus der ganzen Welt an

PLÄDOYER FÜR EINE MODERNE INDUSTRIESTADT BERLIN

den4. Angesichts dieser Effekte präsentiert sich die Industrie als Katalysator im Netzwerk
der Wirtschaft. Sie wirkt sich nachhaltig auf die Investitionstätigkeit aus und setzt sektorenübergreifende Wachstumsimpulse.

2. Die Industrie ist wie Berlin!
Das Image der Stadt als kreativ, jung und frisch bildet eine Symbiose mit der Welt der Dinge
und Dienste.
Berlin ist die Stadt der vielen Facetten: international und innovativ, umweltbewusste
Gründungshauptstadt, gleichzeitig Wissens- und Forschungsmetropole. Genauso ist die
Industrie! Die Stärken Berlins in der Digitalen Wirtschaft, in Wissenschaft und Forschung,
die Attraktivität für Wissenschaftler, Kreative und Top-Fachkräfte aus der Wirtschaft sind
Assets, die schon heute in der Industrie gefragt sind, und im Zuge der Digitalisierung und
Hybridisierung immer stärker an Bedeutung gewinnen werden.

THESE 3
Moderne Industrie ist wie
Berlin – die Stärken und
die Dynamik des jungen
Berlin zahlen genau auf die
Industrie der Zukunft ein.

•	 bildet vom Koch bis zum Mechatroniker in beinahe jedem IHK-Beruf aus und
•	 bezahlt überdurchschnittliche Löhne.

THESE 2
Moderne Industrie ist bis
heute Wohlstands- und
Innovationstreiber in
Deutschland und wird
diese Rolle auf absehbare
Zeit behalten.

Sie stellt damit bis heute die Basis für die Stärke der deutschen Wirtschaft. Diese Erkenntnis
hat sich auch in der EU durchgesetzt, die den Beitrag der Industrie zum BIP von derzeit 15,3
Prozent (2014) auf zwanzig Prozent bis 2020 erhöhen will.
Allen „Arm, aber sexy“-Bekenntnissen zum Trotz gilt dies auch immer noch in Berlin.
106.500 Arbeitsplätze direkt und viele weitere Arbeitsplätze indirekt, über 3.100 Ausbildungsplätze, ein hohes Lohnniveau im Vergleich zu anderen Branchen und viele weitere
Fakten sind deutliche Signale. Eine Stärkung der Industrie dient damit auch den Perspek­
tiven junger Menschen in der Stadt.

Schon heute ist die Industrie in Berlin exportorientiert: 2014 machten die Auslandsumsätze
mit 12,59 Milliarden Euro 56 Prozent des Gesamtumsatzes von 22,31 Milliarden Euro aus.
Auch kleine und mittelständische Unternehmen, die deutlich weniger als 100 Mitarbeiter
haben, sind weltweit tätig. In der Digitalisierung können Unternehmen durch die Möglichkeiten von standort- und unternehmensübergreifender Vernetzung sowie mobiler Steuerung die Vorteile verschiedener Standorte miteinander kombinieren. In diesem Findungsprozess muss sich jeder Standort neu beweisen.
Berlin hat in diesem globalen Wettbewerb viel zu bieten: Die Stadt wird in der ganzen
Welt als attraktive Metropole wahrgenommen und überzeugt nicht zuletzt durch ihre
vergleichsweise günstigen Lebenshaltungskosten. Gut ausgebildete Hochschulabsolventen
und Forscher, die Berlin bereits kennen und durch entsprechende berufliche Perspektiven
an den Standort gebunden werden können, stehen Unternehmen mit Ansiedlungs- oder
Wachstumsambitionen in großer Anzahl zur Verfügung. Doch auch internationale Fachleute
kommen heute gerne nach Berlin. Im War of talents ist das Image der Stadt ein Pfund, mit
dem Berlin wuchern muss.

Moderne Industrie steht im
globalen Wettbewerb –
dieser ist nur mit den besten
Mitarbeitern zu bestehen.

Ein ähnlicher Effekt besteht hinsichtlich der Investitionstätigkeit. In ihrer Halbjahresbilanz
für 2014 errechnet Berlin Partner für Wirtschaft und Technologie, dass in Berlin für jeden
neu angesiedelten Arbeitsplatz im Verarbeitenden Gewerbe 243.000 Euro investiert wur-

Durch die Digitalisierung und die wachsenden Möglichkeiten individualisierter Produktion
werden die Innovationszyklen immer kürzer. Für die moderne Industrie werden Innovationsund Forschungsstärke zu entscheidenden Standortfaktoren. Hier ist das Verarbeitende
Gewerbe in Berlin schon heute gut aufgestellt: Der Anteil neuer und verbesserte Produkte
(19,9 bzw. 25,7 Prozent im Jahre 2011) liegt deutlich über dem Bundesdurchschnitt

Das Rad dreht sich immer
schneller: Innovationszyklen
in der modernen Industrie
werden kürzer

3  DIW (2013): Edler, Dietmar und Eickelpasch, Alexander: Die Industrie – ein wichtiger Treiber der Nachfrage
nach Dienstleistungen, DIW Wochenbericht Nr.34 2013

4  Halbjahresbilanz Berlin Partner, abgerufen am 01.07.2015 unter http://www.berlin-partner.de/fileadmin/
user_upload/01_chefredaktion/02_pdf/03_meta/32/2014-07-11_PK-Halbjahresbilanz-2014_final.pdf

1. Industrie als entscheidender Katalysator im Netzwerk der Wirtschaft
Zahlreiche Studien identifizieren verschiedene positive Effekte des Verarbeitenden Gewerbes, die in andere Branchen hineinwirken. Eine Analyse des DIW zeigt für Deutschland, dass
2009 in produktionsnahen Dienstleistungen eine Beschäftigung von 3,8 Millionen Personen
durch die Industrie induziert wurde (DIW 2013)3, zusätzlich zu den 7,2 Millionen Beschäftigten direkt in der Branche. Je nach Breite der Berechnung kommen noch einmal zahlreiche
Arbeitsplätze in weiteren Branchen hinzu. Auf diese Weise wirkt die Industrie als sektorenübergreifender Beschäftigungsmultiplikator.

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Die Industrie ist wie Berlin – dieser Gedanke lohnt einen näheren Blick. Wir haben uns
deshalb verschiedene Facetten angeschaut, die das perfekte Matching zwischen Berlin und
der Industrie belegen.



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WARUM INDUSTRIE? WARUM JETZT?

(17,2 bzw. 23,3 Prozent). Auch bei der Innovatorenquote (Anteil der Unternehmen, die
neue Produkte oder neue Verfahren eingeführt haben) und dem Anteil der kontinuierlich
forschenden Unternehmen schneidet Berlin gut ab und liegt jeweils um sieben Prozent
über dem Durchschnitt in Deutschland. Die Industrie trägt mit 69 Prozent wesentlich die
F&E-Ausgaben der Wirtschaft (Innovationsbericht 2013)5. Der Berliner Gründungsboom hat
auch die Industrie erfasst: Die Zahl der Neugründungen hat sich von 570 im Jahre 2008 auf
knapp 1.200 im Jahre 2014 mehr als verdoppelt (Berliner Industrie in Zahlen 2015)6.

PLÄDOYER FÜR EINE MODERNE INDUSTRIESTADT BERLIN

Produktinnovationen geschont. Aus eins mach zwei – so lässt sich die Steigerung der Ressourcenproduktivität um 95 Prozent seit 1994 auf einen Nenner bringen. Und ein Ende der
Forschungsanstrengungen ist nicht in Sicht: Denn die Verfügbarkeit von seltenen Metallen
und seltenen Erden, die in der Elektronik eine entscheidende Rolle spielen, ist ungewiss, die
Anforderungen an die Umweltperformance von Unternehmen werden immer weiter steigen.
Durch die Implementierung von Industrie 4.0 erwarten Experten eine deutliche Steigerung
der Ressourceneffizienz. Damit wachsen die Möglichkeiten urbaner Produktion.

3.100 Ausbildungsplätze

4 Universitäten

7 Fachhochschulen

30 private Hochschulen

25,7 % verbesserte Produkte

Berlin bietet Freiräume!

106.500 Arbeitsplätze

19,9 % neue Produkte in 2011

Die Stadt Berlin kann hier ebenfalls punkten! Die Forschungs- und Hochschullandschaft
ist in Berlin auf Top-Niveau: Berlin verfügt mit vier Universitäten, sieben Fachhochschulen
und knapp dreißig Privathochschulen über eine breite wissenschaftliche Basis auf höchstem
Niveau, ergänzt von siebzig außeruniversitären Forschungseinrichtungen. Mit der starken
Digitalen Wirtschaft steht den Industrieunternehmen ein weiterer entscheidender Partner
für die Umsetzung von Digitalisierungstrends in Berlin zur Verfügung. Berlin weist in der
Digitalen Wirtschaft die höchste Dynamik bundesweit mit 2.8 neu gegründeten Betrieben
pro 10.000 Erwerbstätigen auf. Die Zahl der Beschäftigten wuchs zwischen 2008 und
2012 um 48,7 Prozent, auch dies ein Top-Wert in der digitalen Wirtschaft bundesweit
(IBB 2013)7. Auch andere Zukunftsbranchen, beispielsweise die Gesundheitswirtschaft, die
Verkehrswirtschaft inklusive Logistik, die Energietechnik und Optik erfahren im Rahmen
der Innovationsstrategie der Länder Berlin und Brandenburg besondere Förderung und
nehmen in Berlin eine sehr erfreuliche Entwicklung. Mit zahlreichen mittelständischen
Industrie­unternehmen in der gesamten Metropolregion existiert außerdem ein Netzwerk,
das effiziente und lokale Zulieferstrukturen, beispielsweise im Werkzeugbau oder in der
Automatisierung, gewährleistet.

22,31 Mrd. € Umsatz 2014
56 Prozent davon im Ausland

Innovatorenquote von

57 %

1.200 Gründungen in 2013
69 % der F&E-Ausgaben
der Wirtschaft

48,7 % Beschäftigungswachstum
in der Digitalen Wirtschaft seit 2012

Fertigungsstraßen werden zu Produktionsnetzwerken, der Service zieht neben der Herstellung ein – auch räumlich benötigt die Industrie neue Konzepte.
Wo andere Metropolen dicht besiedelt sind, bietet Berlin immer noch stadtnahe Freiräume,
auch wenn sich das in der wachsenden Stadt rasch ändert. Ein Schlüsselprojekt wird dabei
die Entwicklung der Urban Tech Republic auf dem Gelände des heutigen Flughafens Tegel
sein.

Das Internet der Dinge steigert
die Ressourceneffizienz

Moderne Industrie und Metropole sind unter Umweltgesichtspunkten kein Widerspruch! Die
Berliner Industrie hat in den vergangenen 15 Jahren dreistellige Millionenbeträge investiert,
um die Umweltbelastungen einzuschränken – mit Erfolg: Energieverbrauch, Wasseraufkommen, CO2-Emissionen und Abwassereinleitung sinken kontinuierlich. Gleichzeitig werden
Ressourcen durch den Einsatz von Leichtbau, Recycling, neue Produktionsverfahren und

5  Christian Rammer und Nellie Horn (2013): Innovationsbericht Berlin 2013. Innovationsverhalten der Unternehmen im Land Berlin im Vergleich zu anderen Metropolstädten in Deutschland. Dokumentation Nr. 13-02, S. 8
6  IHK Berlin: Berliner Industrie in Zahlen. Berlin 2015
7  Claus Pretzell: Digitale Wirtschaft – Standortanalyse im Städtevergleich. IBB, Berlin 2013. Am 05.10.2015
abgerufen unter http://www.ibb.de/PortalData/1/Resources/content/download/newsletter/berlin_aktuell/Berlinaktuell_Digitale_Wirtschaft.pdf

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WARUM INDUSTRIE? WARUM JETZT?

Die Industrie in der Smart City
Berlin 2030 – eine Vision
Im Jahre 2030 sieht Berlin smarter aus – dazu tragen auch Berliner Lösungen und Leuchttürme insbesondere in den Bereichen Mobilität, Gesundheit, Infrastruktur und Open Data
bei. Internationale Köpfe kommen nach Berlin, um hier gemeinsam mit starken Partnern
aus der Industrie zu forschen oder in einem dieser Unternehmen zu arbeiten. Ein intensiver
Wissens- und Technologietransfer, von dem auch die innovativen kleinen und mittelständischen Unternehmen immer stärker profitieren, legt die Basis dafür, dass die tollen Entwicklungsprojekte, die an den Hochschulen sowie den außeruniversitären Forschungseinrichtungen durchgeführt werden, in Innovationen aus Berlin für den Weltmarkt umgesetzt werden.

PLÄDOYER FÜR EINE MODERNE INDUSTRIESTADT BERLIN

lungsräume“. Adlershof hat es vorgemacht: Hier wurde der ehemalige DDR-Wissenschaftsstandort in den 25 Jahren nach der Wende konsequent weiterentwickelt. Heute sind dort
über 1.000 Unternehmen angesiedelt. Die nächste Nagelprobe kommt mit der Schließung
des Flughafens Tegel. Eine Analyse der Herausforderungen für die Industrieflächenpolitik wurde vom Steuerungskreis Industriepolitik (SKIP) am 5. Oktober 2015 verabschiedet.
Voraussetzung für eine positive Entwicklung ist gerade in der wachsenden Stadt Akzeptanz.
Berlin fehlen heute der Stolz auf und die Nähe zur Industrie. Folgerichtig mangelt es an
Durchdringung und Commitment im industriepolitischen Denken und Handeln.

Der industrielle Gründungsboom hält unvermindert an – als Mentoren fungieren Unternehmer, die hier zu Beginn des Jahrtausends gegründet und sich mittlerweile als gestandene
Mittelständler etabliert haben. Durch einen ausgewogenen Mix der verschiedenen Branchen, der sich mit dem Wiedererstarken der Industrie entwickelt hat, hat sich die Hauptstadt eine gewisse Unabhängigkeit von konjunkturellen Schwankungen und politischen
Krisen erlangt. Für Ansiedlungen und junge Unternehmen steht genügend bezahlbarer
Raum im Stadtgebiet zur Verfügung, damit diese Unternehmen von dem kreativen Spirit der
Stadt profitieren können.

THESE 4
Die Smart City Berlin geht
nur im Miteinander: Ein
smartes Berlin braucht
neue Lösungen ent­wickelt
durch die Industrie – gerade in einer wachsenden
Stadt. Umgekehrt ist es
auch im Interesse der
Berliner Industrie, seine
smarten Lösungen in Berlin
zu zeigen.

Diesem Bild einer starken Industrie schließt sich auch die Vision der Berlin Strategie an:
„Berlin 2030 ist ein florierender, breit aufgestellter internationaler Wirtschaftsstandort,
führende Smart City in Europa und eine der erfolgreichsten Wissenschafts-und Forschungsregionen der Welt. Neue Technologien und geistige Innovationen entstehen in
Berlin. Die Technologieorientierung, das Investitionsklima, das weltoffene Image der Stadt
zieht Menschen und Unternehmen von überall her an, die damit weiter zur Attraktivität der
Metropole beitragen.“8
Eines wird dabei klar: Für die Entwicklung Berlins zur Smart City bedarf es neuer Ideen und
Lösungen. Hier kann die Berliner Industrie eine große Rolle spielen – deshalb ist die Smart
City eine Chance für einzelne Unternehmen in Berlin, aber auch für eine gezielte, zukunftsorientierte Weiterentwicklung der Berliner Industrie insgesamt. Doch bis dahin ist es noch
ein langer Weg. Die oben aufgezeigten Entwicklungen in der Stadt und in der Industrie
weltweit signalisieren jedoch, dass es – allen drängenden Problemen unserer Zeit zum Trotz
– genau jetzt der richtige Zeitpunkt dafür ist, strategische Meilensteine zu setzen.
Eine Schlüsselrolle kommt dabei der Entwicklung und Qualifizierung von Industriegebieten
zu – Industrie braucht im engen Zusammenspiel mit Wissenschaft wortwörtlich „Entwick8  BerlinStrategie. Stadtentwicklungskonzept Berlin 2030. Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt.
Am 10.06.2015 heruntergeladen unter http://www.stadtentwicklung.berlin.de/planen/stadtentwicklungskonzept/
download/strategie/BerlinStrategie_de_PDF.pdf

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WARUM INDUSTRIE? WARUM JETZT?

PLÄDOYER FÜR EINE MODERNE INDUSTRIESTADT BERLIN

Bestandsaufnahme:
Gute Ansätze bleiben stecken
Zur Jahrtausendwende wurden Industriearbeitsplätze massenweise abgebaut, en vogue war
das Image „Arm, aber sexy“. In den Jahren danach trat ein Wandel ein, mit verschiedenen
Gremien und Initiativen wurden deutliche Signale für das Top-Thema Industrie gesetzt. Dieser Elan ist verraucht. Veränderungen der handelnden Personen sowie dringliche Probleme
haben die Industrie von den Spitzenplätzen der politischen Agenda verdrängt. Zwar gibt es
einzelne Projekte, Koordinierung und Umsetzungsdynamik jedoch fehlen. Industriepolitik
droht, in eine Sackgasse zu geraten.
Bestandsaufnahme – politische Konzepte mit Bezug zur Industrie

Steuerungskreis
Industriepolitik

Masterplan
Industrie

tagt nur noch einmal jährlich, fehlt ein
konkretes Programm, um messbare
Ergebnisse hervorzubringen

wurde nach zähen Verhandlungen weiterentwicklet, fehlen Messbarkeit, Zeitpläne,
Ressourcen, Durchschlagskraft

Transferallianz
im Dornröschenschlaf

Stadtentwicklungsplan
Industrie und Gewerbe

© Thomas Hiebert

wurde seit 2011 nicht weiterentwickelt,
fehlt an Verzahnung mit Wohnungspolitik,
an Übersetzung in Bebauungspläne und
bezirklichen Gewerbeflächenkonzepten

Smart City Strategie
ist noch nicht mit Leben gefüllt

18 | 



InnoBB
hat keine Dachstrategie, die die Cluster
miteinander verzahnt und die industriellen Kerne übergreifend weiterentwickelt

Berlin Strategie
(Stadtentwicklungskonzept 2030)
wurde als übergreifende Strategie
entwickelt, nur teilweise in den Senatsverwaltungen angekommen

Berliner Energie- und Klimaschutzprogramm (BEK)
gerade veröffentlicht,
Umsetzung steht aus

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WARUM INDUSTRIE? WARUM JETZT?

PLÄDOYER FÜR EINE MODERNE INDUSTRIESTADT BERLIN

Der Steuerungskreis Industriepolitik (SKIP) beim Regierenden Bürgermeister ist das Instrument, um der Industrie Sichtbarkeit und übergreifendes Commitment ausgehend von der
höchsten politischen Instanz zu verschaffen. Im SKIP sind neben dem Regierenden Bürgermeister sowie den Senatoren der für die Industrie relevanten Ressorts mit Gewerkschaften,
IBB, uvb, Handwerkskammer, Agentur für Arbeit, der Wirtschaftsförder- und Marketinggesellschaft Berlin Partner sowie der IHK weitere Partner engagiert, die das übergreifende
Element einer modernen Industriepolitik aufzeigen. Der SKIP ist in dieser Struktur besonders
geeignet, um dauerhaftes Commitment zu demonstrieren, um Signale sowie Leuchttürme
zu setzen und eine Knotenlöserfunktion auszuüben. In den vergangenen Jahren hat der
SKIP aber nur noch selten getagt und kaum Beschlüsse gefasst. Das Wirken des SKIP blieb
zu häufig in Spitzengremien stecken. Hier zeigt sich ein – von der IHK stets angemerkter
– Geburtsfehler des SKIP, dem ein gemeinsames Programm und eine klare Arbeitsstruktur
fehlen.

Der Masterplan wurde 2015 nach zähen Verhandlungen weiterentwickelt und um aktuelle
Themen wie z. B. Industrie 4.0 sowie Smart City erweitert. Doch die Kinderkrankheiten des
Masterplanes wurden nicht geheilt: Es mangelt an Messbarkeit, Ressourcenausstattung,
Zeitplänen und Controlling und vor allem an politischem Commitment. Dadurch bleibt die
Umsetzung vom zufälligen Engagement einzelner Beteiligter abhängig und wird damit
beliebig.
Bei den angesprochenen Konzepten fehlt häufig die Verzahnung, Schnittstellen sind zwar
bekannt, werden aber nicht abgearbeitet. Dies gilt auch für die Clusterstrategie InnoBB.
Die Fokussierung auf Wachstumsbranchen ist – ob der begrenzten Mittel – richtig, wie die
Beispiele New York und Irland zeigen. Sie muss aber ergänzt werden um industriepolitische
Komponenten, denn die industriellen Kerne inkl. der produktionsnahen Dienstleistungen
haben gemeinsame Bedarfe über die Clustergrenzen hinweg. Dem wird in der Umsetzung
der InnoBB keine Rechnung getragen.

THESE 5
Auch moderne Industrie­
politik benötigt eine
strategische Richtung
und langfristiges Commmitment – unabhängig
von Legislaturdenken und
Einzelpersonen. Diese muss
operationalisiert werden
durch flexible sowie kurzfristig anpassbare Instrumente und Konzepte.

Die Themenbereiche wurden im Masterplan Industriestadt Berlin 2010–2020 gesetzt:
Attraktive Flächen für Ansiedlungen
und Unternehmenswachstum
Bezahlbare und sichere Energieversorgung ohne Produktionsausfälle durch
Stromausfall
Modernisierung der Energie-, Verkehrs- und Kommunikationsinfrastruktur
Finanzierung
RahmenWirtschaftsfreundliche
bedingungen
Verwaltung
Gesamte Bildungsketten in den Blick
nehmen
MINT-Orientierung stärken
Duale Ausbildung stärken

Fachkräftesicherung

Gründungsgeschehen in nachhaltiges
Wachstum verwandeln, u. a. durch geeignete Finanzierungsmöglichkeiten
Wissens- und Technologietransfer für
organisches Wachstum von KMU
Unterstützung im Prozess der Digitalisierung und Hybridisierung
insbesondere für KMU
Innovation

Marketing

Smart City

Akzeptanz für
industrielle Projekte
Wertschätzung

Aktive Standortpolitik und
Marketing
Berlin als modernen Industriestandort
positionieren

Mit-Initiator des Masterplans Industrie war ein breites Netzwerk von Partnern aus Kammern, Verbänden, Gewerkschaften, Agentur für Arbeit, Wirtschaftsförderung und Investitionsbank. Damit legt der Masterplan auch eine breite institutionenübergreifende Basis. Das
Konzept trägt somit in seinem Grundgedanken den Elementen einer modernen Industriepolitik Rechnung.

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WARUM INDUSTRIE? WARUM JETZT?

PLÄDOYER FÜR EINE MODERNE INDUSTRIESTADT BERLIN

Best-Practice-Beispiele: Wie machen
es die anderen? – Ein Exkurs
Um die Effekte industriepolitischer Maßnahmen zu verdeutlichen, lohnt sich eine Betrachtung internationaler Best-Practice-Vergleiche. Die Vergangenheit hat in vielfältiger Weise
gezeigt, wie durch eine gezielte Industriepolitik äußerst positive Standortentwicklungen
erreicht werden können.

Irland
Vom Agrarstaat zum Zentrum der europäischen IT-Industrie
Die Republik Irland gilt als die ökonomische Erfolgsgeschichte Europas der jüngeren
Vergangenheit. Das Land hat sich innerhalb weniger Jahrzehnte von einem wirtschaftlich
isolierten Agrarstaat zum Hightech-Standort entwickelt. Bis zum Beginn der 1990er Jahre
war die Wirtschaft Irlands durch eine konstant hohe Arbeitslosigkeit von durchschnittlich
15 Prozent geprägt. Fehlende ökonomische Perspektiven führten zu einer kontinuierlichen
Emigration der Bevölkerung (Jacob et al., 2010)9. Ab Mitte der 90er Jahre wurde dieser
Entwicklung mit konsequenter Industriepolitik entgegengewirkt. Als potenzielle Zukunftsbranche wurden die Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) identifiziert.

© Louise Seidenstücker/design akademie berlin

Insbesondere während der 1990er Jahre gründeten nahezu alle bedeutenden HardwareHersteller, darunter IBM, Intel, Dell und Microsoft, Niederlassungen in Irland. Seit der
Jahrtausendwende folgten außerdem bekannte IT-Dienstleister wie Ebay, Amazon, PayPal
und Google. Dadurch erlebte Irland eine rasante Wohlstandssteigerung. Die Arbeitslosigkeit
sank zwischen 1993 und 2001 von rund 16 Prozent auf unter vier Prozent. Hinsichtlich des
BIP pro Kopf lag das Land trotz durchlaufener Wirtschaftskrise 2014 an vierter Stelle in der
EU (Eurostat 2015)10. Mit einem Anteil von 25 Prozent am gesamten Umsatz der irischen
Unternehmen leistete der IKT-Bereich 2010 einen bedeutenden Beitrag zur allgemeinen
Wirtschaftskraft. Er war im selben Jahr außerdem für ein Drittel der irischen Exporte verantwortlich und beschäftigte rund 74.000 Personen, was etwa vier Prozent aller Erwerbstätigen des Landes entspricht (ICT Ireland 2011)11.

9  Jacob, K. et al.: Ländervergleichende Analyse industriepolitischer Maßnahmen und Instrumente, Forschungsstelle für Umweltpolitik der FU Berlin, Januar 2010
10  Eurostat (2015): Tabelle tsdec100: Reales BIP pro Kopf, abgerufen am 15. Mai 2015
11  ICT Ireland (2011): The ICT Sector: Creating jobs and generating growth – Policy recommendations for the
next Government, Dublin, 2011

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WARUM INDUSTRIE? WARUM JETZT?

PLÄDOYER FÜR EINE MODERNE INDUSTRIESTADT BERLIN

60.000

24 %

mit rund 1.300 Biotech-Unternehmen eine global führende Rolle einnahm, in New York
State aber mit nur 175 Firmen im Jahr 1998 noch ein Schattendasein führte. Dies stand in
starkem Widerspruch zum Status New Yorks als Zentrum der US-amerikanischen Pharmaindustrie, welche eng mit der Biotechnologie verflochten ist.

50.000

20 %

Was brachte den Erfolg? Industriepolitische Instrumente in New York

40.000

16 %

30.000

12 %

20.000

8%

10.000

4%

Die Politik in New York verfolgte eine gezielte Innovationsförderung, die auf die Bedürfnisse der Biotech-Firmen in ihrer jeweiligen Entwicklungsphase angepasst wurde. Da New
York über zahlreiche hochkarätige Forschungseinrichtungen, beispielsweise der Columbia
University, verfügt, war eine solide Basis dafür bereits gegeben. Als besonders entscheidend wurden außerdem die Bereitstellung von Infrastrukturen sowie die Gewährleistung
von Flächenverfügbarkeit auch in dicht besiedelten Gebieten angesehen. Ein zentraler
Bestandteil des industriepolitischen Instrumentariums in New York waren aber auch Steuervergünstigungen und finanzielle Anreize, insbesondere in Form von erweiterten Abschreibungsmöglichkeiten auf Investitionen sowie steuerlichen Anrechnungsmöglichkeiten von
F&E-Aufwendungen.

Irland: Entwicklung zentraler volkswirtschaftlicher Indikatoren
Quelle: Weltbank World Development Indicators (2015)12

0
1985

1990

1995

2000

BIP pro Kopf (konstante 2005 US$)

2005
2010
Arbeitslosigkeit in %

0
2013

Was brachte den Erfolg? Industriepolitische Instrumente in Irland
Der irische Erfolg beruht auf einem breiten Spektrum industriepolitischer Maßnahmen,
welche Akteure aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft integrierte. Zentraler Bestandteil
war zunächst eine aktive Standortvermarktung, bei der die verantwortliche Institution, die
Industrial Development Authority, auch von Vertretungen in den USA aus agierte. Von dort
pflegte sie direkten Kontakt zu US-amerikanischen IT-Firmen. Die Politik sorgte ihrerseits durch eine äußerst niedrige Unternehmenssteuer (12,5Prozent), die Anpassung von
Bildungsangeboten sowie Lehrplänen von Hochschulen an die Bedürfnisse der IT-Branche
für ein investitionsfreundliches Klima. Neben diesen direkten Maßnahmen wurden verschiedene Netzwerkstrukturen errichtet wie beispielsweise regelmäßige Round Tables durch
Kooperationen des Wirtschaftsministeriums mit dem Interessenverband der IT-Branche (ICT
Ireland 2011), Social Partnerships, d. h. regelmäßige wirtschaftspolitische Gesprächsrunden
aller relevanten Akteure der Industriepolitik – auch der Gewerkschaften. Entscheidend war
auch der persönliche Einsatz verschiedener Politiker.

Beide Standorte zeichneten sich vor allem durch strategische Klarheit und Zielorientierung
aus, zu der sich alle Politikbereiche sowie ein breites Netzwerk weit darüber hinaus gemeinsam committet hatten.

Erfolgsfaktoren in Irland und New York
•	 Klare strategische Ziele
•	 Legislaturperiodenübergreifendes Commitment auf dieses Ziel
•	 Aufeinander abgestimmte Maßnahmen:
1.	 Aktive Standortvermarktung
2.	 Attraktives Steuersystem und finanzielle Anreize
3.	 Anpassung von Bildungsangeboten
4.	Netzwerkstrukturen zum Austausch zwischen Politik, Wirtschaft und Wissenschaft
5.	Persönlicher Einsatz politisch Verantwortlicher und Wertschätzung der Unternehmen
6.	 Bereitstellung von Infrastrukturen
7.	 Gewährleistung von Flächenverfügbarkeit

New York State
Entscheidender Auftrieb für eine wirtschaftliche Erfolgsgeschichte

THESE 6
Die Digitalisierung bewirkt
Umbrüche, die ein kurzes
Zeitfenster zu einer smarten urbanen Industrialisierung öffnen. Wenn Berlin
diese Chance ergreifen
möchte, muss in allen
Politikbereichen die Weiterentwicklung der Industrie
mitgedacht werden.

Die zweite Erfolgsstory stammt aus dem US-Bundesstaat New York. New York erlebte im
Laufe der 1990er Jahre einen Bedeutungsverlust des Verarbeitenden Gewerbes, die Indus­
triebeschäftigung sank zwischen 1988 und 1997 um rund 20 Prozent (Jacob et al. 2010).
Um diesem Trend entgegen zu wirken, entschloss sich die Politik für eine gezielte Ansiedlung von High-Tech-Industrien. Den Schwerpunkt bildete die Biotechnologie, die in den USA
12  Weltbank (2015): World Bank World Development Indicators, abgerufen am 27. Mai 2015 unter http://databank.worldbank.org/data/reports.aspx?source=World-Development-Indicators.

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Lessons learned

PLÄDOYER FÜR EINE MODERNE INDUSTRIESTADT BERLIN

Industriefreundliche Rahmenbedingungen

Standortvermarktung
Arbeitsmarktpolitik

Leitlinien für eine Industriepolitik 4.0 in Berlin
Die skizzierten Trends, insbesondere der Megatrend Digitalisierung, haben Bewegung in
die deutsche Wirtschaft gebracht. Die deutsche Industrie sucht nach vielversprechenden
Wegen in die Industrie 4.0. Deshalb ist jetzt genau der richtige Zeitpunkt, um einen neuen
Anlauf für eine moderne, zukunftsgerichtete und professionelle Industriepolitik zu nehmen.
Doch der Zeitraum ist kurz: Wenn Berlin seine Chancen nicht nutzt, füllen andere Standorte
entstehende Lücken.
Industriepolitik 4.0:
Strategischer Ansatz und
flexibles Handeln sind kein
Widerspruch

Industriepolitik 4.0 heißt:
Unternehmerisch denken und
handeln

Im schnellen digitalen Zeitalter, in dem die Nachricht schon getwittert ist, bevor das Ereignis stattgefunden hat, besteht eine industriepolitische Strategie nicht mehr darin, starre
Pläne für die nächsten 20 Jahre detailliert festzuschreiben. Es ist aber von entscheidender
Bedeutung, sich darauf zu einigen, wo man langfristig hin will und dies nicht der Beliebigkeit und dem ständigen Wandel oder Legislaturdenken zu unterwerfen. Prozesse sowie
Strukturen in Politik und Verwaltung müssen so aufgebaut werden, dass sie erfolgreiche Industriepolitik befördern. Industrie braucht mehr Zeit als eine Legislaturperiode – das zeigen
die Beispiele aus Irland und New York deutlich.
Die Operationalisierung strategischer Ansätze erfolgt in handhabbaren Projekten, die eines
professionellen Managements bedürfen. So kann sich moderne Industriepolitik der Schnelligkeit der digitalen Welt anpassen. Dies erfordert:
•	 Erfolgsmessung – Monitoring und Controlling

Technologiepolitik

Umwelt &
Energiepolitik
Standortpolitik

Innovationspolitik
Mittelstandspolitik

WARUM INDUSTRIE? WARUM JETZT?

Finanz- und
Förderpolitik
Bildungspolitik

Infrastrukturpolitik
Forschungs- und Wissenschaftspolitik

Der Querschnittsansatz erfordert interdisziplinäres Denken und Handeln und gilt konsequenterweise auch vertikal für die verschiedenen Ebenen der Politik im Zusammenspiel von
Bezirken und Senat, länderübergreifend mit Brandenburg im Sinne der Metropolregion Berlin-Brandenburg oder auch mit anderen Landesregierungen, national, auf EU-Ebene, aber
auch darüber hinaus mit Regionen und Ländern weltweit – die Welt ist politisch und in ihrer
Industrieentwicklung komplexer geworden. Insbesondere die Kooperation mit Brandenburg
sowie der Ausbau von bundeslandüberschreitenden Infrastrukturen im Sinne der Weiterentwicklung der Metropolregion Berlin-Brandenburg darf nicht aus dem Auge verloren werden.
Unternehmen sehen die Metropolregion als einen Wirtschaftsraum an.

THESE 7
Unternehmerisches Denken
und Handeln sind Voraussetzungen für den Erfolg
moderner Industriepolitik.

•	 Projektgerechter Ressourceneinsatz
•	 Zeit- und Maßnahmenpläne
•	 Entscheidungen statt Gießkanne
Industriepolitik 4.0
ist Querschnittspolitik

26 | 

Die Best Practices zeigen auf, dass nicht eine spezifische Maßnahme zum Erfolg führt,
sondern stets ein Bündel in ganz unterschiedlichen Politikfeldern. In Hinblick auf steuerliche Anreize beschränken sich die Maßnahmen nicht auf die Landesebene. Berlin muss
auf die Bundesebene einwirken. Notwendig ist in Berlin ein Zusammenspiel von Standortpolitik und Infrastrukturpolitik, Innovationspolitik, Forschungs- und Wissenschafts­
politik, Arbeitsmarktpolitik, Bildungspolitik, Umwelt- und Energiepolitik, Technologiepolitik,
Mittelstandspolitik, Finanz- und Förderpolitik sowie Standortvermarktung zur Schaffung
industriefreundlicher Rahmenbedingungen. Folgerichtig muss eine enge Verzahnung der
Politikbereiche sowie Konzepte stattfinden, die nicht in theoretischen Bekenntnissen hängenbleibt, sondern auch umgesetzt wird.



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WARUM INDUSTRIE? WARUM JETZT?

PLÄDOYER FÜR EINE MODERNE INDUSTRIESTADT BERLIN

Handlungsempfehlungen zur
Umsetzung einer Industriepolitik 4.0
Top 10-Forderungen
1. Industriepolitik muss Chefsache
bleiben!
2. Industrie ist heute nicht mehr Produktion allein – Berlin muss ein neues
Verständnis von Industrie entwickeln.
3. Berlin ist eine Stadt mit wachsenden
Ansprüchen. Deshalb brauchen wir gerade jetzt eine Industrie-Vision – partei-,
personen- und legislaturübergreifend!
Unsere Zielrichtung dürfen wir nicht
nach jeder Wahl wieder in Frage stellen.
4. Die Industrie braucht Raum zur
Entwicklung – Berlin muss „seine“
Industrie als integralen Bestandteil der
wachsenden Stadt begreifen.
5. Berlin und moderne Industrie sind
perfekte Partner – dieses Bild muss in
allen Konzepten, im Marketing und bei
Ansiedlungsbemühungen gezeichnet
werden.
6. Die Smart City Berlin ist eine Entwicklungschance für die Industrie – wenn
die Stadt diese Chance nutzen möchte,
muss sie Akzeptanz und Commitment
für die Industrie schaffen.
7. Mit dem Masterplan Industrie haben
wir uns berlinweit auf die Schwerpunkte
der Industriepolitik verständigt – Dieses
Konzept muss umgesetzt und immer
neu mit Leben gefüllt werden.
8. Digitalisierung und Hybridisierung
öffnen ein Fenster für eine smarte
urbane Industrialisierung – Berlin
muss seine Chance ergreifen, bevor
andere Standorte einen uneinholbaren
Vorsprung besitzen.
9. Design Thinking, Messbarkeit und
stringente Zielorientierung sind in der
Wirtschaft etabliert – Politik muss die
Dynamik, Flexibilität und Interdisziplinarität moderner Industrie annehmen.
10. Die vorhandenen Fördermöglichkeiten müssen auf EU-, Bundes- und
Länderebene optimal für die Stärkung
der Berliner Industrie genutzt werden.

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Verwaltung und Politik professionalisieren

Rahmenbedingungen gestalten und
unternehmerisches Engagement stärken

Industrie „made in Berlin“ vermarkten und Partizipation
gestalten

Commitment
•	 Industriepolitik ist Chefsache (Stärkung des SKIP)
•	 Masterplan Industrie als strategischen Rahmen für die relevanten Industrie­themenbereiche
setzen
•	 Politisches Spitzenpersonal muss sich regional, national und international
persönlich engagieren
•	 In der Strategie Unabhängigkeit von politischen Konstellationen und Legislatur­denken
erlangen: Vision mit klarer Zielstellung entwickeln
•	 Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten aller Senatoren für die Weiterentwicklung der
Industrie klären und monitoren

Zukunft im Blick
•	 Strategische Pläne, z. B. die Entwicklung des Flughafens
Tegel, nicht aufgrund kurzfristig drängender Probleme
gefährden
•	 Umsetzung der Smart City Strategie mit der Industriepolitik
sowie der InnoBB konsequent verfolgen
•	 Digitalisierung politisch begleiten
•	 Bei der Gestaltung von Rahmenbedingungen und Weiterentwicklung von Konzepten Industrie in allen Politikbereichen und Verwaltungen mitdenken

Marketing
•	 Industrie an herausgehobener Stellung in Hauptstadt­
marketing und Visit Berlin-Werbung positionieren
•	 Marke Industrie und Berlin: Hervorragenden Ruf der deutschen Industrie sowie attraktives Image der Stadt zur Markenbildung der Berliner Industrie nutzen und für nationale sowie
internationale Ansiedlungsbemühungen einsetzen

Management statt Verwaltung
•	 Einheitliches Verständnis von moderner Industrie (als Netzwerk aus Fertigung sowie produktionsnahen Dienstleistungen) in Politik und Verwaltung etablieren
•	 Professionelles Projektmanagement (Ressourcen, Ziele, KPI-Set, Controlling) im Masterplan
Industrie betreiben
•	 Verwaltungsübergreifende Task Force Industrie (für Querschnittsthemen, beispielsweise
Sicherung der Gewerbe- und Industrieflächen, Smart City, Bildung, Umwelt und Energie,
InnoBB etc.) schaffen und mit Design-Thinking-Ansätzen Nutzerorientierung, einheitliches
Problemverständnis, Innovationsoffenheit und Umsetzungsdynamik implementieren sowie
die Fachplanungen verzahnen
•	 Dynamik: Geschwindigkeit der Genehmigungsprozess erhöhen, Unternehmern Spielräume
lassen, Abläufe vereinfachen, Transparenz für Entscheidungen schaffen
•	 Bezirke einbeziehen

Fokus auf spezifische Berliner Herausforderungen
•	 KMU stärken und im Wachstum unterstützen
•	 Gründungsgeschehen auch im B2B-Bereich (Gründer von
heute als Mittelstand von morgen) stärker in den Blick nehmen und fördern (Themenbereiche insbesondere
Wissens- und Technologietransfer, Digitalisierung, Verbundausbildung)
•	 Nationale und EU-Politik in Hinblick auf Auswirkungen von
Gesetzesvorhaben auf die Berliner Industrie monitoren
•	 Industrielle Leuchttürme in Berlin (z. B. Urban Tech
Republic, Anwendungszentrum Industrie 4.0) entwickeln
und Kümmerer­strukturen für die Umsetzung aufbauen, die
die gesamten Wertschöpfungketten im Blick behalten und
Lücken schließen

Transparenz
•	 Moderne Industrie erklären
•	 Berlin als Standort für eine smarte, urbane Industrie
vermitteln

Externe Expertise und Know-how
•	 Bestehende Gremien aus Wissenschaft und Wirtschaft politisch einbinden
•	 Definition einer modernen Industrie mit Wissenschaft und Forschung gemeinsam bilden
•	 Indikatorenset zur Messung der Industrieentwicklung definieren

Förderung und Finanzierung
•	 Instrumente um Innovationsförderung im Bereich Industrie
4.0 und hybrider Industrieunternehmen erweitern
•	 Systematisches Monitoring von Ausschreibungen auf Bundes- und EU-Ebene und Koordinierung von Bewerbungen

Willkommenskultur
•	 Offenheit und Gesprächsbereitschaft für industrielle Vorhaben
signalisieren
•	 Genehmigungsverfahren für Bauvorhaben in der Industrie in
der Priorität dem Wohnungsbau gleichsetzen

Blick über den eigenen Tellerrand
•	 Kontinuierliches Standort-Benchmarking etablieren

Vernetzung
•	 Netzwerklandschaft (Politik, Wissenschaft, Unternehmen)
zu spezifischen Themen ausbauen
•	 Lokalen Austausch fördern
•	 Starke digitale Wirtschaft und Wissenschaft für eine smarte
urbane Industrialisierung nutzen

Partizipation
•	 Akzeptanz für Industrie durch Etablierung geeigneter Beteiligungsprozesse erhöhenn



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IMPRESSUM

Herausgeber
IHK Berlin
Fasanenstraße 85
10623 Berlin
Telefon: +49 30 31510–0
Telefax: +49 30 31510-166
E-Mail: service@berlin.ihk.de
www.ihk-berlin.de

Stand
November 2015

Titelbild
Franz Mattuschka

Fotos
Die hier verwendeten Fotos sind Teil des studentischen Projekts „Industrie findet Stadt“, das die IHK Berlin in Kooperation mit
der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Forschung sowie der Berlin Partner für Wirtschaft und Technologie
GmbH mit Berliner Bildungsinstitutionen aus Design und Gestaltung durchgeführt hat. Zahlreiche Berliner Industrieunternehmen haben ihre Werkshallen geöffnet und so spannende Fotografien und Filme von Studierenden und Auszubildenden der
design akademie berlin – SRH Hochschule für Kommunikation und Design, der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW)
sowie des Zentrums für fotografische Ausbildung (zffa) ermöglicht. Mitgetragen wurde das Projekt durch den Masterplan
Industrie 2.0.

Druck
Trend Point Marketing GmbH
Salzufer 15/16 (Gebäude D)
10587 Berlin

30 |

INDUSTRIE- UND HANDELSKAMMER ZU BERLIN
Fasanenstraße 85 | 10623 Berlin | Telefon: +49 30 31510 - 0 | Internet: www.ihk-berlin.de
        
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