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Volume XIII. Tiefbau

Full text: Verwaltungsbericht des Magistrats der Stadt Berlin-Schöneberg (Public Domain) Issue2.1899/1903 (Public Domain)

B. Ausbau der Straßen. 
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Die für die provisorische Pflasterung erforderlichen Kopfsteine werden 
den Interessenten seitens der Verwaltung gegen eine zu zahlende Geld 
entschädigung zur Verfügung gestellt. Bei den häufigen Umlegungen, 
welchen diese Pflastersteine ausgesetzt werden, sind naturgemäß Verluste 
durch Abnutzung nicht zu vermeiden. Die Entschädigung (Pflasterleihgeld) 
wurde früher für das erste Jahr auf 30 Pf., für jedes weitere Jahr auf 
10 Pf. pro qm festgesetzt. Neuerdings ist mit Rücksicht auf die einfachere 
Abrechnung sowie auf die erfahrungsgemäß 3 Jahre nicht übersteigende 
Dauer des Provisoriums beschlossen worden, eine einmalige Entschädigung 
von 50 Pf. pro qm zu verlangen. 
Die Lagerplatzbestände an Kopfsteinen waren zeitweise erheblich 
zurückgegangen, besonders nachdem ein Teil älterer, zur Wiederverwendung 
ungeeigneter Steine verkauft war und größere Mengen noch in verschiedenen 
Straßen unverfügbar festlagen. Da die vorhandenen Lagerbestände zur 
provisorischen Befestigung der im Westgelände im Winter 1901/02 neu 
geschütteten Straßen bei weitem nicht ausreichten, wurden neue Steine in 
einem Umfange von rund 12000 qm zum Preise von 3,25 bis 3,50 M. für 
das Quadratmeter beschafft. Die Steine stammen aus Berliner Straßen und 
sind durchschnittlich von guter Beschaffenheit. 
Ein erheblicher Teil der Straßen ist mit Reihensteinpflaster IV. Klasse 
befestigt. Diese Pflasterart übertrifft an Menge alle übrigen Befestigungs 
mittel auch heute noch. Sie hat bis zum Jahre 1899 fortgesetzt zugenommen 
und damals etwa den Stand erreicht, welchen das Kopfsteinpflaster im 
Jahre 1894 zeigte. Im Jahre 1899 kommt die Weiterverwendung von Reihen 
steinpflaster IV. Klasse gänzlich zum Stillstand, wie auch aus der 
graphischen Darstellung zu ersehen ist. Das Reihensteinpflaster IV. Klasse 
wird voraussichtlich bei Neupflasterungen wegen seiner Minderwertigkeit 
überhaupt nicht mehr zur Verwendung gelangen. Es erfordert häufige 
Ausbesserungen und wird deshalb in der Unterhaltung teurer als die 
besseren Sorten Reihensteinpflaster. An seine Stelle treten neuerdings 
Straßenbefestigungen, die den modernen großstädtischen Verhältnissen mehr 
entsprechen, insbesondere der Stampfasphalt, welcher mit Beginn des 
Jahres 1902 in stark aufsteigender Linie (vgl. graphische Darstellung) den 
Bestand des Reihensteinpflasters IV. Klasse von 1894 bereits überholt hat 
und bei gleichbleibender Entwickelung nach einigen Jahren sämtliche übrigen 
Pflasterarten voraussichtlich übertroffen haben wird. Gegenüber diesen drei 
genannten Pflasterarten, die fast 9 / I0 der gesamten Straßenflächen ausmachen, 
treten die sonstigen noch verwendeten Pflasterarten sehr zurück (vgl. 
graphische Darstellung). 
Von den letzteren steht seiner Menge nach das Reihensteinpflaster 
III. Klasse mit rd. 26000 qm Fläche im Vordergründe. Während noch im 
fahre 1898 kaum 3000 qm von diesem Pflaster vorhanden waren, nimmt es 
vom Jahre 1899 verhältnismäßig erheblich zu, bis in neuester Zeit wieder 
ein Stillstand eingetreten ist. Die Erklärung dafür ist in dem Bestreben 
zu finden, in Straßen mit größerem Verkehr und in Wohnstraßen der
	        
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