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Volume X. Steuerwesen

Full text: Verwaltungsbericht des Magistrats der Stadt Berlin-Schöneberg (Public Domain) Issue2.1899/1903 (Public Domain)

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I. Aus der Geschichte Schönebergs. 
Küstereivermögens noch jahrelang hin. 1 ) Erst 1886 kam ein Vergleich 
zustande, laut welchem sich die Kirchen- und die politische Gemeinde in das 
Vermögen teilten. An die Spitze des Schulwesens wurde 1879 Rektor 
Albrecht gestellt. 2 ) Bei seinem Amtsantritt waren zwei Schulgebäude vor 
handen, die sich beide auf dem Grundstück befanden, auf dem sich heute 
das Rathaus erhebt; das an der Straßenfront liegende Amtshaus wurde vor 
dem Rathausneubau abgerissen, in dem zweiten befinden sich jetzt die Steuer 
bureaus. Der Schulgarten dehnte sich bis zur heutigen Feurigstraße aus; 
auf diesem Terrain wurde bald ein drittes Gebäude errichtet, das noch heute 
Schulzwecken dient. Im Jahre 1880 trat eine Mittelschule für Knaben und 
Mädchen ins Leben; die Mädchenabteilung wurde wegen geringer Be 
teiligung bald wieder aufgelöst. Die Knaben-Mittelschule bezog im Jahre 
1887 das neue Gebäude in der Mühlenstraße, 3 ) das, vom Königlichen Baurat 
Schnitze entworfen, einen wesentlichen Fortschritt in den Schulbauten dar 
stellte, denn man verließ jetzt mit bewußter Absicht das frühere System, 
nach welchem auf beiden Seiten des Korridors Klassenräume angelegt 
wurden, und begnügte sich damit, nur auf einer Seite Klassenräume vor 
zusehen, so daß der Korridor durch Fenster auf der entgegengesetzten Seite 
Licht und Luft vom Hof her erhalten konnte. 
Wenn auch seit dem Jahre 1888 von Staats wegen jährliche Beihilfen 
von gegen 7000 M. für die ersten 25 Lehrerstellen geleistet wurden, 4 ) kraft 
des Volksschullastengesetzes vom 1. Januar 1888, so erwuchs der Gemeinde 
hieraus nur pekuniärer Nachteil, denn bekanntlich haben ja die größeren 
Städte und Vorortgemeinden verhältnismäßig sehr hohe Beiträge zu den für 
den ganzen Regierungsbezirk eingerichteten Alterszulagenkassen zu leisten, 
ein Umstand, der den kleineren, nicht leistungsfähigen Gemeinden des Bezirkes 
außerordentlich zugute kommt. Im Jahre 1892 wurde ein fakultativer Fort 
bildungsunterricht eingeführt 5 ); dagegen wagte sich die Gemeinde an die 
Errichtung höherer Schulen noch nicht heran, trotz einer schon Mitte der 
80 er Jahre vom Frovinzial-Schulkollegium gegebenen Anregung. Wohl aber 
stellte sie dem Königlichen Westgymnasium, dem heutigen Prinz Heinrich- 
Gymnasium, ein Grundstück zum Schulhausbau unentgeltlich zur Verfügung; 
bis zur Fertigstellung des Gymnasialgebäudes wurden die einzelnen Klassen 
in Schöneberger Gemeindeschulen untergebracht. 
] ) Die heutige Mittelschule und die ganze Koburgerstraße erhebt sich auf dem früheren 
Küstereiacker. An der vereinigten Küster- und Lehrerstelle haftete ein Einkommen von über 
0000 M., in dessen Genuß sich als letzter beatus possidens der jüngst im hohen Alter ver 
storbene wackere Kantor Scheffler befand. 
2 ) Albrecht war bis dahin Rektor in Pritzwalk. Seiner Güte verdankt Vers, manche 
das Schulwesen betreffende Mitteilungen. 
Die Einweihung des neuen Schulhauses fand am 2. Juni 1887 statt. 
4 ) Zu den Schulhausbaukosten zahlte die Regierung 5202.45 M. 
5 ) Die jährliche Remuneration der Lehrer betrug für i Stunde wöchentlich ioo M. 
pro Jahr.
	        
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