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Volume Erstes Kapitel. Aus der Geschichte Schönebergs

Full text: Verwaltungsbericht des Magistrats der Stadt Berlin-Schöneberg (Public Domain) Issue1.1899 (Public Domain)

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Erstes Kapitel. Aus der Geschichte Schönebergs. 
kannte Einrichtungen. Der Weg ist zuweilen eine Sandwüste, zuweilen ein 
Sumpf, zuweilen ein See. Die Besitzer der Grundstücke in der Lützowerweg- 
strasse mögen einen Verein zur Verschönerung der Strasse gründen! Ferner 
stellt sich als Bedürfniss in diesem Berlin jenseit des Landwehrgrabens 
heraus: Die Verdoppelung der Polizei für äussere Angelegenheiten, ein 
zweiter Nachtwächter und eine gute Schule für Knaben bis zum 9. Jahre. 
Eine Mädchen-Schule dieser Art erfreut sich zahlreichen Besuches. Es wäre 
eine Wohlthat (?) für die Bewohner dieses Theils von Berlin, wenn recht 
bald Schöneberg zu Berlin geschlagen würde. Ueber kurz oder lang wird 
es doch dahin kommen. Man giebt gern mehr Steuern, wenn dagegen alle 
Vortheile städtischer Einrichtung gewährt werden. Die Majorität der Be 
völkerung Schönebergs bilden Städter.“ 
Vierzehn Jahre später sollte dieser Wunsch in Erfüllung gehen. — 
Die eigentlichen Dörfer Alt- und Neu-Schöneberg haben in dieser Zeit 
durch die ländliche Reformgesetzgebung, welche im Jahre 1807 einsetzte 
und heute noch nicht endgültig abgeschlossen ist, mannigfache wirthschaft- 
liche Umgestaltungen erfahren. Die Edikte vom 9. Oktober 1807 und vom 
14. September 1811, welche die Aufhebung der Unterthänigkeit erklärten 
und die bisher nicht eigenthümlich verliehenen bäuerlichen Besitzungen in 
Eigenthum verwandelten, hatten freilich für Schöneberg keine Bedeutung 
mehr, denn die Segnungen der persönlichen Freiheit und des erb- und 
eigenthümlichen Besitzes, welche mehr als der Hälfte der Bevölkerung des 
Königreichs erst damals zu Theil wurden, genoss die Schöneberger Bauer 
schaft schon seit dem siebenjährigen Kriege. (Vgl. 16. Abschnitt.) 
Weitere Ziele der Gesetzgebung waren die Zusammenlegung der in 
Gemenglage über die Flur hin zerstreuten Ackerstücke [— die sogenannten 
Separationen —], die Beseitigung der Servituten, 1 ) die Auftheilung der Ge 
meinheiten, ferner die Verwandelung aller Naturalabgaben in Geldleistungen 
und endlich die Ablösung der Reallasten. Diese unendlich schwierige und 
zeitraubende Aufgabe, das Privateigenthum von den Fesseln, die es beengt 
hatten, zu befreien und es auf den bis dahin nur der Gemeinschaft der 
Bauern zustehenden Theil der Feldmark auszudehnen, ist in unserm Jahr 
hundert neugeschaffenen Behörden, den sogenannten Generalkommissionen, 
zugetheilt worden. 2 ) 
1819 hatten mehrere bäuerliche Besitzer die Separation des hohen 
Feldes — zwischen Schöneberg und Tempelhof — „auf welchem die Drei- 
felderwirthschaft mit allen ihren Gebrechen und den grössten Hütungsmiss 
bräuchen stattfindet“, beantragt. Von Seiten der Regierung ging man be 
reitwilligst hierauf ein; man machte die Bauern darauf aufmerksam, dass 
1) Servitut ist ein dingliches Recht an fremder Sache. Die Sache selbst dient dem Dienstbarkeitberech 
tigten, der Eigenthümer der dienenden Sache hat das zu dulden. Aber die Servitut verpflichtet den Eigenthümer 
der dienenden Sache nicht zu positiven Leistungen. Dies ist ein Unterschied der Servituten von den Reallasten. 
2) Vgl. Meitzen, Der Boden und die landwirtschaftlichen Verhältnisse des preussisc.hen Staats, I. Bd., 
S. 401. Der Sitz der für Schöneberg zuständigen Generalkommission ist Frankfurt a. O. Schon das Gewicht der 
unsern Ort betreffenden Akten, nämlich über 70 kg, giebt einen Begriff von der Langwierigkeit der Kommissions 
geschäfte. Das Aktenzeichen ist Lit. S., No. 263ff. — Vgl. auch Dönniges, Die Land-Kultur-Gesetzgebung 
Preussens, I. Bd.
	        
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