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Volume Elftes Kapitel. Bauwesen

Full text: Verwaltungsbericht des Magistrats der Stadt Berlin-Schöneberg (Public Domain) Issue1.1899 (Public Domain)

B. Tiefbau. 
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fertigt sich schon von diesem Gesichtspunkt aus, wenn der dem Verkehr 
dienende Theil der Strassenfläche gering bemessen wird. 
Es kommt hinzu, dass das Strassenpflaster, sei es Bürgersteig oder 
Fahrdamm, bei trockenem Wetter eine Quelle des Staubes, bei heissem 
Wetter ausserdem eine solche der Hitze ist. Ferner erscheint eine breite, 
aber wenig begangene oder befahrene Strassenfläche leer, erweckt daher 
den Eindruck der Zweck Widrigkeit und wirkt unschön. Für die Gemeinde 
verwaltung selbst kommt schliesslich die Thatsache in Betracht, dass die 
Strasse n - Unterhaltungskosten durch eine zu grosse Breite zwecklos 
gesteigert werden. Alle diese Erwägungen führen dazu, in Wohn-Strassen, 
ohne Rücksicht auf die Breite zwischen den Baufluchten, dem Fahrdamm 
und den Bürgersteigen eine Fläche einzuräumen, die für Beide kaum je 
das Maass von 17 m (10 m für den Fahrdamm und je 3 l / 2 m für die Bürger 
steige) wird überschreiten dürfen, wohl aber nicht selten darunter bleiben 
kann. Das trifft besonders für ganz kurze Strassen und für solche mit vor 
nehmerer Bebauung und entsprechend geringer Bevölkerung zu. Für den 
übrigen Theil der Strasse ist die Herstellung von gärtnerischen Anlagen 
(Vorgärten, Rasenstreifen, Promenaden oder dergleichen) ohne Weiteres 
gegeben, und die Möglichkeit, hierin eine reiche Abwechselung zu schaffen, 
wird dem äusseren Ansehen eines Stadttheils ganz besonders zum Vortheil 
gereichen. 
Bedenkt man endlich, dass die Grenze zwischen Wohn- und Verkehrs- 
Strassen auch nur eine fliessende is, so ergiebt sich eine derartige Vielseitig 
keit in den Forderungen, die beim Ausbau einer Strasse erhoben werden 
müssen, dass eine rein schematische, lediglich die Strassen-Br eite berück 
sichtigende Behandlung unmöglich ist. Die Verwaltung wird sich vielmehr 
in jedem einzelnen Falle der Verpflichtung, das Richtige zu suchen, nicht 
entziehen können. 
Diese Aufgabe wird in solchen Fällen noch schwieriger, wo damit zu 
rechnen ist, dass der Charakter der Strasse sich in absehbarer Zeit ändern 
wird. Beispielsweise wird eine Strasse, obwohl sie nach ihrer Lage im Be 
bauungspläne als Verkehrs - Strasse anzusehen ist, diese Eigenschaft so 
lange entbehren, bis die Bebauung weit genug über sie hinweg geschritten 
ist und eine zahlreichere Bevölkerung sich in der Gegend niedergelassen 
hat. Bis zu diesem Zeitpunkt wird sie als Wohn-Strasse zu behandeln sein; 
es ist aber Vorsorge zu treffen, dass ihre Umwandlung in eine Verkehrs- 
Strasse zu rechter Zeit ohne besondere Schwierigkeiten und Kosten für die 
Gemeinde erfolgen kann. Diesem Zwecke dient vornehmlich die Einrichtung 
provisorischer Vorgärten, deren Eigenthümlichkeit darin besteht, dass 
der Grundstücks-Eigenthümer grundbuchlich zur unentgeltlichen Freilegung 
und Auflassung des Vorgartens an die Gemeinde verpflichtet ist, sobald 
die Strasse der Verbreiterung bedarf. Provisorische Vorgärten 
bilden also für die bauliche Ausnutzung der Grundstücke kein Hinderniss, 
•definitive allerdings; denn die Baupolizei-Ordnung bemisst jetzt die zuläs
	        
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