Centralblatt der Bauverwaltung.
Nr. 45,
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An den Kreuzungen mit der Charlotten- und mit der Wilhelmstrafse
wurde die Ausschmückung durch Herrn Architekt W. Martens be
wirkt. Bei der Charlottenstrafse sind die Wegebreiten und Abstände
eiserne Klammern fest mit dem harten Erdboden verbunden war. Auf
diesen Kranz wurde der untere, 5 m hohe, aus schwachem Kreuzholz
gezimmerte Theil aufgesetzt und verbolzt, während die Aufbringung
Crcuicr u. tYolfl'ensteiu, Aich. ^bb. 7. Holzstiel! v. 0. Ebel in Berlin.
Ausscluüückung an der Kreuzung mit der Friedrichstrafse.
Feierschmuck der Trauerstrafse „Unter den Linden” in Berlin am 16. März 1888.
der Laternenpfosten nahezu dieselben wie bei der Friedrichstrafse, an
der Wilhelmstrafse dagegen wächst die Breite des kreuzenden Fahr
weges auf etwa das Doppelte. Wenn schon wegen dieser bedeutenden
Abmessungen, wenigstens an der letztgenannten Stelle, an einen ähn
lichen Aufbau, wie der vorbeschriebene, nicht zu denken war, so nahm
Herr Martens von umfangreicheren Herstellungen Abstand schon mit
Rücksicht auf die knappe Zeit, vornehmlich wohl aber auch, um der
Friedrichstrafsenkreuzung das erwünschte Uebergewicht nicht zu
schmälern. Er beschränkte sich auf die Errichtung von je vier Obe
lisken an jeder Kreuzung, wie sic Abbildung 3 darstellt; kostete es doch
anstrengendste und aufopfernde Thätigkeit des Einzelnen, selbst diese
Aufgabe glücklich und rechtzeitig durchzuführen.
Die Obelisken waren übereck gestellt, die Vorderseite nach innen
kehrend. Ein jeder wurde aus zwei Theilen gefertigt, um bei der be
deutenden Höhe von 10,5 m ohne allzugrofse Rüstungen aufgestellt
werden zu können. Zur Gewinnung einer sicheren Unterlage für den
Aufbau wurde ein starker Holzschwellenkranz hergerichtet, der durch
des oberen, 4 in hohen Theiles von einer leichten Bockrüstung aus
erfolgte.
Die glatten Flächen der Obelisken sind verschalt und mit
schwarzem Stoße benagelt. Die Auszierung besteht im wesentlichen
aus Kränzen und Gehängen, Auf der glatten Fläche des oberen
Haupttheiles das Eiserne Kreuz in einem schönen Kranze von ge
trockneten Palmenzweigen, Gräsern und sonstigem Blattwerk, unten
Kränze und Gewinde aus frischem Fichtengriin und grofse, mit Pal
menwedeln besteckte Schleifen: der Gurt darüber mit einer schwarz-
silbernen Borte geschmückt. Die Krönung bilden 1,50 m hohe, flor
umhüllte Urnen, die, in der kurzen Zeit vom Klempnermeister Peters
aus Zink neu angefertigt, erst in den letzten Stunden vor Beginn der
Trauerfeier von einer langen Leiter aus aufgesetzt werden konnten,
das Wagestück eines kühnen und geschickten Zimmermanns, dem der
ausführende Architekt hohe Anerkennung zollt, und welches deshalb
hier besondere Erwähnung verdient.
(Fortsetzung folgt.)
Naphtha-Gewerbe in Rufsland.
Die zu Anfang dieses Jahres in der russischen Hauptstadt ver
anstaltete allgemeine Ausstellung aus dem Gebiete des Beleuchtung^
wesens und des Naphtha-Gewerbes hat in weiteren Kreisen allgemeines,
wohlberechtigtes Interesse wachgerufen durch die Fülle des zur
Schaustellung gebrachten Stoßes, hauptsächlich aber durch die an
schauliche und in einer Reihe von Druckschriften erläuterte Vor-