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Periodical volume

Full text: Linksfraktion Issue 2015,1

inksfraktion

DIE LINKE. Fraktion
im Abgeordnetenhaus
von Berlin informiert
#1 2015

Ein Stückchen Alltag
geschenkt

Regina Kittler, bildungspolitische Sprecherin: Die CDU will den
Volksentscheid rückgängig machen, wonach der Religionsunterricht in Berlin weiterhin freiwillig
ist, Ethik aber von allen Kindern
gemeinsam besucht wird. Wir werden nicht zulassen, dass sich rückwärtsgewandte Bildungsvorstellungen durchsetzen.
kittler@linksfraktion.berlin

Klaus Lederer, rechtspolitischer
Sprecher: Der Senat findet Bürgerbeteiligung in den Bezirken nur
dann gut, wenn sie ihm selbst in
den Kram passt. Während laufender Bürgerbegehren zieht er die
Zuständigkeit für Areale an sich
und lässt die Begehren ins Leere
laufen. Per Gesetzesänderung wollen wir das künftig verhindern.
lederer@linksfraktion.berlin

Wolfgang Brauer, kulturpoliti-

scher Sprecher: München, Dortmund, Köln oder Halle haben das
besser hinbekommen – in Berlin
bleibt der ehemalige Reichspräsident Hindenburg Ehrenbürger
der Stadt. Unser Antrag auf Streichung dieses Wegbereiters der NSDiktatur in Deutschland wurde
von CDU und SPD abgelehnt.
brauer@linksfraktion.berlin

Elf Berliner Friseurinnen und Friseure
haben sich am 8. März im Salon
»VANITY« in der Meinekestraße
zusammengetan, um Flüchtlingen
aus umliegenden Unterkünften eine
neue Frisur und etwas Ablenkung zu
schenken.
Die Resonanz auf die Aktion, die
von unserem flüchtlingspolitischen
Sprecher Hakan Tas und seinem Reinickendorfer Bürgerbüro unterstützt
wurde, war riesig. Rund 100 Frauen,
Kinder und auch einige Männer ließen
sich voller Freude frisieren. Waschen,
schneiden, föhnen: In den Genuss
dieser Dienstleistung zu kommen,
ist im Flüchtlingsalltag leider keine
Selbstverständlichkeit.
Foto: Team Tas

DIE KOALITION MUSS
ENDLICH MAL LIEFERN
Etwa 500 Tage bleiben,
dann wird in Berlin wieder gewählt. Versprochen
haben SPD und CDU bislang so einiges, aber umgesetzt wurde nicht viel.

ne strategische Gemeinsamkeit mit
der CDU.
Bei der Bildung konnte man unlängst erleben, wie die CDU der SPD
in den Rücken fällt. Auch macht die
SPD aus allem, was sowieso getan
werden müsste, inzwischen »Sonder«Programme. Berliner Haushaltsüberschüsse wurden in einem »Sonder«Vermögen geparkt, aus dem nach
Gutsherrenart ein paar Löcher geBerlins Regierender Bürgermeis- stopft werden. Mit »Sonderprogrammen« sollen Schultoiletten repater Michael Müller steht in
riert und zwei neue »MulUmfragen derzeit gut
tifunktionsbäder« geda. Er ist mehr als 100
Für Olympia
baut werden. Was mit
Tage im Amt, seine
wollte der Senat
den vielen sanieArt passt in die Zeit.
2,4 Milliarden Euro inrungsbedürftigen
Doch jenseits der Bvestieren. Das erwarten
Schwimmbädern
Note ist die Bilanz
wir von ihm auch ohne die
eher dürftig.
Spiele. Es gibt vieles, was die passiert, steht in
den Sternen.
Der Versuch,
Stadt dringend braucht:
Auch auf die Permit Olympia noch
Schwimmbäder, Brücken,
sonalmisere in den
ein Großprojekt anbezahlbare Mieten,
Berliner Verwaltunzuschieben, scheiterPersonal.
gen wird lediglich mit
te. Müllers Koalition ist
ein paar zusätzlichen Stelbei allen wichtigen Fragen
blockiert. Ob Stadtwerk, Energienet- len reagiert. Doch eine gemeinsame
ze oder S-Bahn, selbst zur Förderung nachhaltige Strategie, die formuliert,
bezahlbarer Wohnungen gibt es kei- was die Stadt dringend braucht und

welche Investitionen in bauliche und
soziale Infrastruktur nötig sind, fehlt.
Und das nicht erst seit Müllers 100
Tagen.
Wichtige Themen der Stadt wie
die Zukunft des Öffentlichen Dienstes oder die bessere Einbeziehung
der Stadtgesellschaft im Vorfeld von
Entscheidungen für Großprojekte
sind zu Schiebeverfügungen geworden. Selbst das klein-kleine Abarbeiten von Problemen, wie es Michael
Müller in seiner ersten Regierungserklärung angekündigt hat, ist mit
der Hypothek belastet, dass sich die
CDU schon im Vorwahlkampf befindet und auch dort vieles blockiert.
2016 wird in Berlin wieder gewählt, die Koalition muss endlich
liefern und beweisen, dass sie von
ihren vielen Versprechungen auch
etwas umsetzen kann. Dass ihr das
gelingt, sehe ich nicht. Um erfolgreich zu sein, bräuchte Michael
Müller schlichtweg einen anderen
Koalitionspartner.
Udo Wolf
Fraktionsvorsitzender
wolf@linksfraktion.berlin

II

BÜRGERARBEIT
VOR DEM AUS
Anfang dieses Jahres fielen in
Berlin 2.215 Bürgerarbeitsplätze weg. Im Rahmen von Bürgerarbeit waren Langzeiterwerbslose
zum Beispiel als Stadtteilmütter,
bei Mobilitätshilfsdiensten oder in
Stadtteilzentren tätig. Nun werden
sie zurück in die Erwerbslosigkeit
geschickt und haben nur geringe
Chancen auf dem ersten Arbeitsmarkt. Auch ihre bisher geleistete Arbeit entfällt. Es gibt kein Ersatzprogramm und keine Kompensation. Dafür trägt die Bundesregierung zwar die Verantwortung,
aber auch der Berliner Senat hat
tatenlos zugesehen.
Der Öffentlich geförderte Beschäftigungssektor (ÖBS) war von
der rot-roten Regierung ins Leben gerufen worden und hat sich
als sehr erfolgreich erwiesen.
Langzeit erwerbslose erhielten
eine berufliche Perspektive, und
die Stadtgesellschaft wurde durch
ihre Arbeit gestärkt. Der Grundgedanke, Arbeit statt Arbeitslosigkeit zu finanzieren, trug das Programm. Seit Jahren setzen wir uns
für eine verlässliche finanzielle
Grundlage ein. Bereits 2011 hat
der SPD-CDU-Senat die Arbeitsbedingungen der ÖBS-Beschäftigten
erheblich verschlechtert, aber zumindest die Arbeitsplätze erhalten. Damit ist es nun in weiten Teilen vorbei.
Die Auswirkungen werden in
den nächsten Monaten deutlich,
denn viele Menschen sind auf die
Bürgerarbeit angewiesen. Wie die
alte Dame, die vor Kurzem in unserem Bürgerbüro anrief. Sie kann
ihre Wohnung ohne Hilfe nicht
verlassen, findet aber nun keinen
Mobilitätshelfer mehr und ist damit in die Isolation zurückgeworfen.
Elke Breitenbach
Arbeitsmarktpolitische Sprecherin
breitenbach@linksfraktion.berlin

Jede Woche neu
... gibt es den elektronischen
Newsletter der Fraktion. Er informiert über aktuelle linke Politik
und darüber, was wir im Berliner
Abgeordnetenhaus bewegen. Der
Newsletter wird in der Regel freitagnachmittags verschickt.
Er kann auf unserer Internetseite
www.linksfraktion.berlin
abonniert werden.

NAHVERKEHR FÜR ALLE

Foto: fotolia.de

Der Grundgedanke unseres Vorschlages ist einfach. Wir wollen,
dass alle Berlinerinnen und Berliner
einen Beitrag für den öffentlichen
Personennahverkehr (ÖPNV) entrichten. Als Gegenleistung bekommt
jeder ein »Berlinticket« und kann damit unbegrenzt die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen. Der Preis läge
nach einer ersten Modellrechnung
mit etwa 30 Euro pro Monat deutlich unter den gegenwärtigen Fahrpreisen. Für Hartz-IV- und Grundsicherungsempfangende, Kinder, Studierende sowie Rentnerinnen und
Rentner soll es darüber hinaus Ermäßigungen geben.
Nur der ÖPNV bietet ein Verkehrsangebot für alle. Weniger als
die Hälfte der Berliner Haushalte besitzt ein Auto. Der ÖPNV ist zudem
umweltschonend. Autoverkehr dage-

Endlich liegt der lange von uns
geforderte Nachtragshaushalt
vor – und enttäuscht. Der Regierende Bürgermeister Michael Müller
und der Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen (beide SPD) versprachen
mehr Investitionen in die wachsende Stadt, mehr Haushaltsklarheit
und -wahrheit. Doch leider ist keine
neue Zeit angebrochen. Noch immer
werden Einnahmen versteckt und
Ausgaben mal hochgerechnet, mal
geleugnet. Der Senat gesteht zwar
ein, dass Berlin in diesem Jahr 300
Millionen Euro mehr einnehmen
wird, als im Haushalt geplant, tatsächlich sind es aber 800 Millionen
Euro. Denn nicht nur, dass die Steuereinnahmen höher sind, auch für
die Zinsen muss Berlin gegenwärtig
mindestens 350 Millionen Euro weniger ausgeben als veranschlagt.
Gleichzeitig erwecken SPD und
CDU mit dem »Sondervermögen Infrastruktur und wachsende Stadt«
den Eindruck, als ob sie richtig ranklotzen wollten. Doch dabei handelt es sich nur um Überschüsse

»Abgefahrene Verkehrsidee« oder »Bevormundung« durch eine »U-BahnSteuer«? Berlin diskutiert
über einen solidarisch
finanzierten öffentlichen
Nahverkehr.

gen produziert Lärm, führt zu hoher
Schadstoffbelastung der Luft und
verbraucht allein durch den Parkraum viel Fläche in der Stadt. Die
Fahrt mit Bussen und Bahnen für
alle erschwinglich zu machen, ist
eine Grundfrage sozialer Gerechtigkeit.
Aber bereits heute sind die öffentlichen Verkehrsmittel zu Stoßzeiten

aus dem letzten Jahr. Im laufenden
Haushalt sind keine zusätzlichen Investitionen vorgesehen. Die Steuermehreinnahmen aus 2015 sollen 1:1
in die Schuldentilgung fließen. Über
die Vergabe der Mittel aus dem Sondervermögen soll nur der Hauptausschuss und nicht das Parlament als
Ganzes entscheiden. Was außerdem
noch völlig fehlt, ist das Personal,

VIEL LÄRM UM
NICHTS

überfüllt, können Fahrpläne nicht
eingehalten werden. Das Angebot
des ÖPNV muss deshalb verbessert
werden: kürzere Taktzeiten, mehr
Busspuren und Vorrangschaltung
bei Ampeln zur Stauvermeidung.
Deshalb fordern wir auch mehr Investitionen in den ÖPNV. Finanziert
werden könnte dies über eine Abgabe von Unternehmen, die von der Erschließung durch den ÖPNV profitieren. Städte wie Paris und Wien machen es vor.
Wir wollen diese Idee weiter diskutieren – mit Fahrgastverbänden,
Verkehrsinitiativen und den Verkehrsunternehmen und für Unterstützung bei den Berlinerinnen und
Berlinern werben.
Harald Wolf
Verkehrspolitischer Sprecher
h.wolf@linksfraktion.berlin

um diese Investitionen umzusetzen.
Würden Einnahmen und Ausgaben im Nachtragshaushalt vom Senat ehrlich geplant, stünde Berlin
über das Sondervermögen hinaus
mindestens eine halbe Milliarde
Euro zusätzlich zur Verfügung.
Manuela Schmidt
Haushaltspolitische Sprecherin
schmidt@linksfraktion.berlin
Foto: istockphoto.com

Linksfraktion

Linksfraktion

DURCHSCHAUBARE
TRICKS

Fotos: istockphoto.com (2)

Personal und Investitionen
im Land Berlin
Endlich will Berlin wieder kräftig investieren. Sagt der SPD-CDUSenat. Das klingt gut. Seit 2012 erwirtschaftet das Land schließlich
Überschüsse auf Grund der erfolgreichen Konsolidierungspolitik unter Rot-Rot. Investiert aber wurde
kaum.

Das soll sich nun ändern? Schauen wir etwas genauer hin, was wirklich passiert.
Die Bezirke haben im letzten Jahr
97 Millionen Euro für Bauinvestitionen bekommen und nur 49 Millionen Euro tatsächlich ausgegeben.
Woran das liegt, pfeifen die Spatzen
von den Dächern: zu wenig Personal
in den Bezirken und in der Genehmigungsbehörde für Bauinvestitionen.
Wären die Ankündigungen, jetzt
schnell und viel zu investieren, ernst

gemeint, hätte der Senat bei diesem
Problem ansetzen müssen. Das tut er
aber nicht. Er hält im Gegenteil an
seinen Konzepten, weiter Personal
abzubauen, fest und hat dies in einem aktuellen Haushaltsrundschreiben nochmals bekräftigt.
Öffentlichkeitswirksam verkündet der Senat, fast 500 Millionen
Euro in die marode Infrastruktur der
Stadt investieren zu wollen. Tatsächlich aber parkt er diese Summe in
einem SIWA genannten Sondervermögen und schafft nicht die geringsten Voraussetzungen dafür, dass das
dringend notwendige Geld in diesem
Jahr auch wirklich fließt. Qualifiziertes Personal ist nämlich nicht auf
Knopfdruck zu bekommen.
Also geht Rot-Schwarz vorsichtshalber schon selbst mal davon aus,
dass 2015 wohl nur 35 Millionen
Euro ausgegeben werden. Dann
kann man den Bezirken noch ein
Weilchen Unfähigkeit vorwerfen
und sich selbst im kommenden Jahr
ordentlich in Szene setzen. 2016 ist
Wahljahr in Berlin. Da kommt es gut
an, sich als Gönner zu präsentieren.
Das mag trickreich sein. Ist aber
durchschaubar. Und verantwortungslos sowieso.
Carola Bluhm
Mitglied im Hauptausschuss
bluhm@linksfraktion.berlin

STRATEGIE
FÜR SOZIALES
WOHNEN

Foto: Thomas Herbell

Seit 2008 steigen die Mieten in
Berlin rasant. Binnen weniger Jahre ist eine neue Wohnungsnot für
Menschen mit geringen Einkommen
entstanden. Die dramatische Veränderung der Wohnungssituation in
Berlin war schon unter Rot-Rot Gegenstand von Auseinandersetzungen. Wir haben früh vor diesen Problemen gewarnt, Vorschläge gemacht
und den Koalitionspartner SPD zu
einem Umsteuern in der Wohnungspolitik aufgefordert. Dass wir damit
keinen Erfolg hatten und bei den
Wahlen 2011 letztlich auch dafür die
Quittung erhalten haben, hat uns darin bestärkt, die Wohnungsfrage in
unserem landespolitischen Handeln
ins Zentrum zu stellen. Unsere seit-

dem ergriffenen parlamentarischen
Initiativen von Umwandlungsverbot
bis Mietermitbestimmung haben,
auch wenn sie ausnahmslos abgelehnt worden sind, die wohnungspolitische Debatte befeuert.
Seit 2011 wird eine neue soziale
Bewegung von Mieterinnen und Mietern stärker. Sie gründen Mieterinitiativen und fordern, an politischen
Entscheidungen beteiligt zu werden.
Oder sie unterbreiten konkrete eigene Vorschläge. Aktuell läuft das Berliner Mietenvolksbegehren, dessen
Anliegen wir unterstützen.
Für die Linksfraktion ist klar: Aus
der Opposition entwickeln wir eine
Strategie Soziales Wohnen für Berlin, die längerfristig angelegt ist und

über das Ende der Wahlperiode 2016
hinausreicht.
Dabei sehen wir sechs zentrale
Handlungsfelder: die soziale Wohnraumversorgung als staatliche Aufgabe, die Unterstützung der Bezirke
als lokale Ordnungs- und Aufsichtsbehörden, die soziale und demokratische Neuausrichtung und Stärkung
der städtischen Wohnungsbaugesellschaften, die Neuordnung der Wohnraumförderung, den Ausbau der
Rechte der Mieterinnen und Mieter
sowie die Verbindung von bezahlbarem Wohnen mit nachhaltiger Stadtentwicklung.
Katrin Lompscher
Bau- und wohnungspolitische Sprecherin
lompscher@linksfraktion.berlin

III

GEGEN
FEUCHTE
FÜSSE
Trinkwasser ist ein wichtiges
Lebensmittel. Es wird in Berliner
Wasserwerken nach Bedarf aus
dem Boden gefördert und aufbereitet. Rückläufiger Bedarf verringert
die Fördermengen und lässt Grundwasserstände bis auf ihr vor Jahrhunderten normales Maß ansteigen. Fakten, die auch 2012 am Run-

den Tisch »Grundwassermanagement« aufgezeigt wurden.
Seit Jahren streiten Hausbesitzerinnen und Hausbesitzer, die von
feuchten Kellern durch steigende
Grundwasserstände betroffen sind,
um eine Verbesserung ihrer Situation. Bisher zeichnet sich im Handeln des Senates aber keine Lösung
der Probleme ab, die auch bei über
50 älteren öffentlichen Gebäuden
vorhanden sind. Gelder für Konzepte bereitzustellen oder Grundwasserstände zu dokumentieren
und zu kartieren, ist aus Sicht der
Linksfraktion unzureichend und
unangemessen für eine historisch
gewachsene Stadt.
Wir wollen bereits vorhandene
Erfahrungen aus anderen Bundesländern aufgreifen. Und wir wollen, dass der nächste Landeshaushalt Mittel bereitstellt, mit denen
jeweils passende und nachhaltige
Maßnahmen eingeleitet werden
können – sowohl für die Sanierung
von einzelnen Gebäuden als auch
für die dezentrale Ableitung von
sogenanntem gestauten Schichtenwasser in ganzen Gebieten.
Marion Platta
Umweltpolitische Sprecherin
platta@linksfraktion.berlin

Miteinander.
Für Berlin

Linksfraktion

IV

VON DER
OPER
LERNEN

Foto: Clara Feld

Im September 2010 wurde die
Oper Unter den Linden zur Sanierung geschlossen. Sie sollte
für drei Jahre ins Schiller-Theater
ziehen. Aus drei werden sieben:
Vor Herbst 2017 ist mit einer Wiedereröffnung nicht zu rechnen.
Aus zwei wurden vier: Geplant
waren Baukosten in Höhe von 239
Millionen Euro. Wir sind jetzt bei
386 Millionen Euro angelangt, weitere Steigerungen sind sicher.
Die Sanierung des Hauses war
überfällig. Und wer ein altes Gebäude repariert, muss das so tun,
dass es für die nächsten Jahrzehnte nutzbar bleibt. Das kostet. Aber

es ist ein Unding, solche Bauvorhaben ohne geprüfte Bauplanungen
zu beginnen. Selbst der schwierige
Baugrund war bekannt. Übrigens
macht der nur vier Prozent der
Kostensteigerungen aus. Wir forderten schon im Mai 2011 einen
sofortigen Baustopp und die Vorlage einer soliden Bauplanung unter Verzicht auf bauliche Albernheiten wie das »unterirdische Bauwerk« . Die Oper wird übrigens so
gebaut, dass auch eine oberirdische Kulissenanlieferung möglich
ist. Unsere Vorstöße in Richtung
eines transparenteren Verfahrens
wurden immer wieder abgelehnt.
Das Abgeordnetenhaus hat
dazu jetzt einen Untersuchungsausschuss eingesetzt. Er wird die
Baukosten nicht minimieren können. Die Oper wird auch nicht
eher fertig. Wir wollen aber herausfinden, wer die politische Verantwortung für dieses Desaster
trägt. Wir möchten wissen, welche
entscheidenden Planungsfehler
zu diesen ungeheuren Mehrausgaben führten. Wir möchten herausfinden, wie bei künftigen Großbauten in Zukunft verantwortungsbewusster mit den öffentlichen Mitteln umgegangen werden kann.
Wolfgang Brauer
Kulturpolitischer Sprecher und Vorsitzender des Untersuchungsausschusses
brauer@linksfraktion.berlin

Foto: Linksfraktion Berlin

Wer Fragen stellt, will nach deren
Beantwortung mehr wissen als
zuvor. Wenn Abgeordnete dem Senat Fragen stellen, sind die Antworten nicht nur eine wichtige Grundlage für Anträge und Gesetzesinitiativen. Sie werden veröffentlicht und
sollen so auch die Arbeit des Senats
transparent machen.
Das parlamentarische Fragerecht
hat einen hohen Stellenwert. Zumindest auf dem Papier. »Schriftliche Anfragen sind durch den Senat
grundsätzlich innerhalb von drei
Wochen schriftlich zu beantworten
und dürfen nicht allein wegen ihres
Umfangs zurückgewiesen werden«,
so die Berliner Verfassung.
Der SPD-CDU-Senat entwickelt
indes viel Fantasie, um diese strengen Auflagen auszuhebeln. Entweder lägen die nötigen Informationen

BÄDERKONZEPT
LÄSST VIELE
FRAGEN OFFEN
Lange haben wir auf ein Zukunftskonzept für die landeseigenen Berliner Bäderbetriebe gewartet. Die Herausforderungen sind
groß: Trotz eines Sanierungsstaus
von 93 Millionen Euro sollen alle bestehenden Bäder erhalten bleiben.
Aufgrund der Personalsituation ist
die Einhaltung der Öffnungszeiten
oft schwierig. Schwimmen soll auch
für sozial schwache Menschen bezahlbar sein – die gegenwärtig geltenden Tarife grenzen jedoch Menschen mit geringem Einkommen aus.
Das endlich vorliegende Konzept
gibt aber keine Antworten auf diese
Probleme. Wirtschaftlichkeitsprognosen, Personal- und Investitionsansätze werden nur angedeutet. Konkrete Angaben fehlen. Zwei »Multi-

WIR FRAGEN,
SIE ANTWORTEN
NICHT
Senat missachtet
das Fragerecht der
Abgeordneten
angeblich nicht vor oder bestimmte
Angaben würden nicht erhoben. Oft
werden mehrere Fragen zusammengefasst und mit einem spärlichen
Satz »beantwortet«. Sehr beliebt sind
auch ausufernde Antworttexte ohne
jeden Informationsgehalt.
Skurril wird das, wenn wir beispielsweise nach der Zahl der Leiharbeiterinnen und Leiharbeiter im
Landesdienst – also in den Senatsund Bezirksverwaltungen – fragen,

Foto: pixabay

und in der Antwort kein einziger
Hinweis auf eine Senatsverwaltung
auftaucht. Wenn dann die Begründung lautet, die Schriftliche Anfrage betreffe »Sachverhalte, die der Senat nicht in eigener Zuständigkeit
und Kenntnis beantworten kann«,
fragt man sich, wer das für den Senat denn sonst können sollte?
Ernsthaftigkeit im Umgang mit
dem Fragerecht kann man dem Senat in solchen Fällen wahrlich nicht
unterstellen. Beschwerden über diese Ignoranz gegenüber verfassungsmäßig verbrieften Rechten der Abgeordneten stoßen auf taube Ohren.
Die Piraten haben jetzt einen konkreten Fall vor das Verfassungsgericht gebracht – und gewonnen.
Steffen Zillich
Parlamentarischer Geschäftsführer
zillich@linksfraktion.berlin

Hellersdorf ein Freibad entsteht. Zu
all dem gibt es bisher keine Lösungen. Vielleicht hat der Senat, nachdem seine Olympiaträume geplatzt
sind, nun wieder Zeit, sich um die
Alltagsprobleme der Berlinerinnen
und Berliner zu kümmern. Baden
und Schwimmen gehören dazu.
Gabriele Hiller
Sportpolitische Sprecherin
hiller@linksfraktion.berlin

funktionsbäder« für insgesamt 60
Millionen Euro sollen in Lichterfelde und Pankow gebaut werden. Eine
Neustrukturierung der Bäderlandschaft nach ihren Nutzergruppen
soll Personalentlastungen bringen,
wirft aber neue Fragen auf. Es bleibt
offen, wie der Senat die großen Erwartungen erfüllen will. Wie kann
wohnortnahes Baden erhalten bleiben? Wann wird welches Bad saniert
und welche Auswirkungen hat das?
Wir fordern, dass in den kommenden zehn Jahren auch in Marzahn-

Impressum: DIE LINKE. Fraktion im
Abgeordnetenhaus von Berlin
Niederkirchnerstraße 5, 10111 Berlin
fon: 030.23252510, fax: 030.23252515
V.i.S.d.P. Kathi Seefeld
Redaktion: Leonore Dietrich, Stefanie Graf
Layout: Thomas Herbell; Auflage: 5.000
März 2015
        
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