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Periodical volume

Full text: Spätlese Issue 2015,3/4

Ausgabe März-April 2015

SPÄTLESE

20
www.magazin-spätlese.net

DAS MAGAZIN FÜR AUFGEWECKTE SENIORINNEN UND SENIOREN
Inhalt der Ausgabe
Ein junges Team im
Aufwind

2

Botschafter(in) für Orientalischen Garten gesucht!

2

Das Märchen vom Auszug
aller Ausländer

3

Florence Hervé – eine
mutige Frau

4

Frauentag 2015

5

Der 80. „Grüne-WocheJahrgang“ wiederum großer
Publikumsmagnet

6

Frühlingsbräuche –
Der Winter wird vertrieben

8

Brücken in Berlin

8

Weihnachten am Meer - 2014 10
Bismark, BUGA und das
Altmärker Kulinarium

11

Zecken verbreiten sich

12

Die Ostereierei

14

Der kleine Frechdachs Funkgeräte

14

Frühlingsmorgen

15

Begegnungen

15

Gut vorbereitet in das
„3. Lebensalter“

16

Spätwinter

17

Schokoladenostereier

17

Wanderung im Vorfrühling

18

Für Sie gelesen:
Peter Scholl-Latour:
„Russland im Zangengriff „

19

BUGA 2015 Havelregion-Das
offizielle Buch zur Bundesgartenschau

19

WAS ERWARTET SIE IN DIESER AUSGABE?
Die neue Ausgabe des Senioren-Magazins „Spätlese” ist
online unter:
www.magazin-spätlese.net
verfügbar.
Die Leserinnen und Leser können sich auf interessante und
lesenswerte Themen freuen.
Die ehrenamtlichen Autoren
haben sich auch in dieser Ausgabe bemüht, für jeden Geschmack etwas anzubieten.
Waltraud Käß war Weihnachten am Meer, erzählt von einem
Märchen und aus einem Buch.

Barbara Ludwig stellt eine mutige Frau vor und schreibt ihre
Meinung zum Frauentag. Christa-Dorit Pohle hatte Begegnungen auf der Straße.
Ursula A. Kolbe berichtet von
der Grünen Woche, den Gärten
der Welt und de BUGA.
Rudolf Winterfeldt sprach mit
Frau Anja Schomann und stellt
ein junges Pflegeteam vor. Eine
Reihe anderer Autoren erfreuen
uns mit ihren Geschichten und
Gedichten zum Frühling, zum
Osterfest, über Zecken und den
Berliner Brücken.

www.magazin-spätlese.net

Seite 2

THEMA: AUS DEM BEZIRK
EIN

JUNGES

TEAM

IM

AUFWIND

von Rudolf Winterfeldt

Bild: Rudolf Winterfeldt

Als ich im „Corso“ in Hellersdorf einkaufen wollte, entdeckte ich eine neue
Schaufensterbeschriftung. Diese Räume standen schon lange leer und in der
Vergangenheit waren schon verschiedene Firmen ein- und wieder ausgezogen.
Nun las ich „Pflegeteam Sommerzeit Tag und Nacht erreichbar“ und wurde
neugierig, welche Leistungen hier angeboten werden. So verabredete ich mit
der Leiterin Frau Anja Schomann einen
Termin und sprach mit ihr über diese

GmbH. Das privatwirtschaftliche
Unternehmen orientiert sich auf
die Versorgung kranker und pflegebedürftiger Menschen jeden
Alters. Dabei liegt der Schwerpunkt auf das Verbleiben der
pflegebedürftigen Menschen in
ihrer gewohnten Umgebung. Es
ist also eine Pflege „zu Hause“,
wie sie ja auch von einigen Unternehmungen angeboten wird.
Das „Pflegeteam Sommerzeit“
geht aber wohl noch etwas weiter. Neben der Grundpflege, wie
Körperpflege und Essenversorgung, geht es auch um die Anleitung zur Selbsthilfe. Wenn notwendig, erfolgt die Haushaltshilfe so, dass der gesamte Haushalt, wie bisher, weitergeführt
werden kann. Die Familienpflege
ist ein weiteres Angebot. Hier
geht es um die Beaufsichtigung
von Kindern bis 12 Jahren bei

Erkrankung der Eltern. Das gilt
auch für „werdende Mütter“ und
junge Mütter, die Hilfe und Anleitung benötigen. Die Betreuung beinhaltet Beschäftigung
und Spaziergänge sowie Begleitung zum Arzt. Weiterhin werden
Beratungsleistungen zu allen
möglichen Fragen, die mit der
Pflege und der Gesundheit zusammenhängen angeboten. Der
Kreis schließt sich mit dem Angebot der Vermittlung und Organisation. Dabei geht es um Arztbesuche, Krankentransporte,
Friseurbesuche, Fußpflege und
Krankengymnastik. Wenn Sie
Interesse haben, können Sie
sich umfassend informieren lassen beim „Pflegeteam Sommerzeit GmbH“ in 12619 Berlin, Etkar-André-Str. 4, Telefon: 817
24 705 oder per E-Mail unter
pflegeteam-sommerzeit@gmx.de

THEMA: AUS DEM BEZIRK
BOTSCHAFTER(IN)
GARTEN GESUCHT!

FÜR

ORIENTALISCHEN

von Ursula A. Kolbe
Mit einem Besucherrekord von mehr als
800.000 Gästen in 2014 starteten die
Gärten der Welt in das neue Jahr. Auch
in diesem Jahr sind viele interessante
Veranstaltungen geplant. Der Orientalische „Garten der vier Ströme“ feiert
sein zehnjähriges Bestehen. Sein
„geistiger Vater“ ist der deutschalgerische Landschaftsarchitekt Kamel Louafi.
Der Orientalische Garten repräsentiert
Gärten der verschiedensten Kulturen
des Islam und entstand aus der Gartenkultur des alten Persiens. Bis heute
erfreut er sich einer außerordentlichen
Beliebtheit. Sein
10jähriges Jubiläums-Fest, Sultans Fest, findet am 9.
August statt.
Und wenn dieser Garten auch Ihr
„Lieblingsgarten“ ist,
nehmen Sie
doch an der Botschafterkampagne teil.
Sie lädt mit neuen Ideen zum Mitmachen ein. Eine der wichtigsten Fragen

lautet: „Ich mag den Orientalischen Garten, weil…“ Ausführliche Informationen erhalten Sie
auf der Webseite
w w w . g a e r t e n - d e r welt.de/botschafterkampagne.
Einsendeschluss:
30. April 2015.
Für den Gewinner(in) winken
zwei Jahreskarten der Grün Berlin GmbH und ein orientalisches
Abendessen im Cana Restaurant in Berlin-Mitte. An Neuem
gibt es u. a. die „Lesereise mit
Saitenblicken“, eine literarische Kulturreise durch den Chinesischen, Koreanischen
„Seouler“ und Orientalischen
Garten. Weitere Gartenfeste
sind u. a.: Das Kirschblütenfest
am 12. April, der fernöstliche
Blütenzauber im Frühling; das
Lotuslaternenfest am 9. Mai,

Bild: Grün Berlin

das koreanische Fest zu Ehren
Buddhas, dem „Erleuchteten“;
das Klang-Farben-Fest am 28.
Juni. Es erklingen inspirierende
Klänge und Worte rund um den
Christlichen Garten. Bei den beliebten Berliner HighlandGames
am 25./26. Juli erleben Sie wieder traditionelle schottische
Wettkämpfe und einen bunten
Mittelaltermarkt. Auch im fünften Jahr geht die Erfolgsgeschichte der Klassik Open Air
Reihe „Viva la musica“ am 5.
Mai weiter. Zum Abschluss ein
prächtiges Feuerwer k. Das
Mondfest am 19. September lädt

Seite 3
zum Familienfest zur Verehrung des
Mondes in der Tradition Chinas ein.
Mit der IGA geht’s voran
Die Vergrößerung der Gärten der Welt
um das Doppelte für die kommende
IGA 2017 wird den Magneten mit
Blick in die Zukunft weiter verändern.
Einladender der Kienberg, das neue
Besucherzentrum, der Englische Garten, die Tropenhalle, die Internationalen Gartenkabinette, ein Spielplatz, die Wassergärten „Promenade
Aquatica“ sind nur einige Stichworte
auf dem Weg dahin. Interessierte
können das
bei BaustellenFührungen
und insbesondere der
Neuauflage der IGA-Herbsttour verfolgen. Ab dem Frühjahr wird der Infopavillon „Naturschutz & Umweltbildung“ gemeinsam mit den Naturschutzverbänden sowie örtlichen Initiativen zur Umweltbildung bespielt.
Und am 31. Mai findet der 3. Mazda
IGA-Lauf durch die Gärten der Welt
statt. Eröffnet wird die Gartensaison
2015 am 28. März.
Mondfest und „1. Europäisches
Go Grand Slam Turnier“
Hier gleich an die diesjährigen Aktivitäten 2015 des Chinesischen Kulturzentrums Berlin anzuknüpfen, ist
naheliegend. Hatten doch erst im
vergangenen Jahr beide Einrichtungen mit Blick auf 20 Jahre Vertragsunterzeichnung für den Bau des Chi-

nesischen Gartens das internationale Veranstaltungsprogramm
für die Gärten der Welt präsentiert. Diese Zusammenarbeit
setzt sich auch in diesem Jahr
fort. Stichwort Mondfest, ein
Höhepunkt und chinesischer
Festtag. Vom 19. bis 25. September verzaubern aus der diesjährigen Partnerregion Guangdong,
bevölkerungsreichste und wirtschaftlich stärkste Provinz im
Süden Chinas, die Musiker des
Volksmusikensembles sowie Tänzerinnen der Stadt Zhuhai ihre
Gäste in den Gärten der Welt am
19. September und im Hilton Hotel am Gendarmenmarkt am 25.
September. Weitere hervorgehobene Veranstaltungen sind das
„Deutsch-Chinesische Guangdong-Kulturfestival 2015“ vom
10. - 12. April mit der weltweit
gefeierten Guangdong Modern
Dance Compagny, die „3. Chinesische Theaterwoche“ vom 13. 16. Oktober sowie die „2. Chinesische Kindertheaterwoche“ in
Zusammenarbeit mit dem FEZ
Berlin wie auch das „Fest der chinesischen Kultur“ gemeinsam mit
dem Filmmuseum Potsdam am
21. März. Go-Begeisterte dürfen
sich zu Ostern (3. – 6- April) auf
das „1. Europäische Go Grand
Slam Turnier“ freuen, bei dem
europäische Go-Profis um ein

Siegerpreisgeld von 10.000 Euro
spielen. Es wird von einem chinesischen Kulturprogramm umrahmt und findet parallel zum
„6. China-Cup Berlin“ statt.
Schon vor mehr als 2.400 Jahren
wurde in China das Brettspiel Go
(chin. Weiqi) erfunden. Das gewitzte Spiel mit den schwarzen
und weißen Steinen hat nur wenige, einfache Grundregeln und
fasziniert immer mehr Spieler in
Ost und West. Als ein Höhepunkt
des Jahres insbesondere für
Kunstliebhaber ragt die Skulpturenausstellung „Chubby Women“
des Ausna hmekünstlers XU
Hongfei heraus, die für Mai/Juni
in Berlin, München, Frankfurt/Main und Hamburg geplant
ist. Auch hier in Berlin ist das
„Jahr der Ziege 2015“ mit der
Veranstaltung „Happy Chinese
New Year“ traditionell im Roten
Rathaus und am Potsdamer Platz
im Februar begrüßt worden. Zum
Verständnis: Die Ziege gilt als
verständnisvoll und friedliebend,
besitzt eine gute Menschenkenntnis und eine kreative Ader.
Gute Sinnbilder verständnisvollen, freundschaftlichen Miteinanders. Die Kultur und Kenntnis
von Traditionen sprechen jede
Sprache.

THEMA: POLITIK, WIRTSCHAFT, SOZIALES
DAS MÄRCHEN
AUSLÄNDER

VOM

AUSZUG

ALLER

von Waltraud Käß
Die Feiertage des alten Jahres liegen
schon lange hinter uns. Sie waren
nicht nur fröhlich, sondern auch von
unguten Nachrichten begleitet. Flugzeugabsturz, Fährunglück, ein führerloses Schiff mit hunderten von
Flüchtlingen im Mittelmeer, Tote und
Verletzte bei Kriegshandlungen. Da
musste man schon über mangelnde,
ja fehlende, christliche Nächstenliebe nachdenken. In vielen Städten
Deutschlands gab es die so genannten „Pegida, Bärgida, Legida - oder
wie sie sonst noch heißen“Demonstrationen, der Aufruhr der

Straße gegen hilflose Flüchtlinge, Ausländer und den Islam.
Aber es gab auch die Solidarität
der Nachdenkenden mit den
Flüchtlingen, mit den Ausländern. Die Gegendemonstrationen
bringen immer mehr Menschen
auf die Straße. Das macht Hoffnung. Die ersten syrischen
Flüchtlinge sind in Berlin inzwischen in die „Containerdörfer“
eingezogen, das kann zwar nur
eine Notlösung sein, aber immerhin haben sie endlich wieder ein
Dach über dem Kopf und eine ge-

Bild: Erhard97 / pixelio.de

wisse Sicherheit. Die Nachbarn
bringen Decken, Kleider, Geschirr, Spielzeug für die Kinder…Ich war noch ein Kind, als
ich mich Anfang 1945 in der
gleichen Lage befand wie die
Flüchtlingskinder heute, und wir
waren damals dankbar für jede

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Zuwendung. Deshalb lässt mich das
Problem auch nicht zur Ruhe kommen.
Eigentlich wollte ich zu diesem Thema
einen ernsthaften, sachlichen Beitrag
schreiben.
Aber den kann man
(eventuell) auch in einer seriösen Zeitung lesen. Mitunter kommt es anders,
als man es sich vorgenommen hat. Da
bekommt eine Freundin ein Weihnachtspäckchen vom Bodensee. Ein Brief ist
darin – die eine Seite mit guten Wünschen versehen, die Sensation gibt es
auf der Rückseite. Eine Geschichte, zum
Thema passend, geschrieben von einem
Autor, den sie nicht kennt, den ich aber
mit seiner Geschichte hier in der
„Spätlese“ bekannt machen möchte:
Das Märchen vom Auszug aller
Ausländer - Von Helmut Wollenstein
Es war einmal- etwa drei Tage vor Weihnachten-spät abends. Über den Marktplatz der kleinen Stadt kamen ein paar
Männer gezogen. Sie blieben an der Kirche stehen und sprühten auf die Mauer
„Ausländer raus“ und „Deutschland den
Deutschen“. Steine flogen in das Fenster des türkischen Ladens gegenüber
der Kirche. Dann zog die Horde ab. Gespenstische Ruhe. Die Gardinen an den
Bürgerhäusern waren schnell wieder
zugefallen. Niemand hatte etwas gesehen. Plötzlich ertönten leise Stimmen.
„Los komm, es reicht, wir gehen.“ „Wo
denkst Du hin! Was sollen wir denn da
unten im Süden?“ „Das ist immerhin
unsere Heimat. Hier wird es immer
schlimmer. Wir tun einfach das, was an
der Wand geschrieben steht:
„Ausländer raus“. Tatsächlich: Mitten
in der Nacht kam Bewegung in die kleine Stadt. Die Türen der Geschäfte
sprangen auf. Zuerst kamen die Kakaopäckchen heraus mit den Schokoladen
und Pralinen in ihren Weihnachtsverkleidungen. Sie wollten nach Ghana und
Westafrika, denn da waren sie zu Hause. Dann kam der Kaffee, palettenweise, der Deutschen Lieblingsgetränk;
Uganda, Kenia und Lateinamerika waren seine Heimat. Ananas und Bananen

räumten ihre Kisten, auch die
Trauben und Erdbeeren aus Südafrika. Fast alle Weihnachtsleckereien brachen auf, Pfeffernüsse, Spekulatius und Zimtsterne,
denn die Gewürze in ihrem Inneren zog es nach Indien. Der Dresdner Christstollen zögerte. Man
sah Tränen in seinen Rosinenaugen, als er zugab: Mischlingen
wie mir geht’s besonders an den
Kragen. Mit ihm gingen Lübecker
Marzipan und der Nürnberger Lebkuchen. Nicht Qualität, nur Herkunft zählte jetzt. Es war schon in
der Morgendämmerung, als die
Schnittblumen nach Kolumbien
aufbrachen, und die echten Pelzmäntel mit Gold und Edelsteinen
an ihrer Seite in teuren Chartermaschinen in alle Welt starteten.
Der Verkehr brach an diesem Tag
zusammen. Lange Schlangen japanischer Autos, vollgestopft mit
Optik und Unterhaltungselektronik, krochen gen Osten. Am Himmel sah man Weihnachtsgänse
auf ihrer Bahn nach Polen fliegen,
gefolgt von den feinen Seidenhemden und den Teppichen aus
dem fernen Asien. Mit Krachen
lösten sich die tropischen Hölzer
aus den Fensterrahmen und
schwirrten zurück ins Amazonasbecken. Man musste sich auch
vorsehen, draußen nicht auszurutschen, denn von überall flossen Öl und Benzin hervor, flossen
zu Bächen zusammen und strömten in Richtung Naher Osten.
Doch man hatte bereits Vorsorge
getroffen. Stolz holten die großen, deutschen Autofirmen ihre
Krisenpläne aus Schubladen: Der
alte Holzvergaser war neu aufgelegt worden. Wozu ausländisches
Öl? Aber es half nichts. Die VW’s
und die BMW’S begannen sich
aufzulösen in ihre Einzelteile, das
Aluminium wanderte nach Jamai-

ka, das Kupfer nach Somalia, ein
Drittel der Einzelteile nach Brasilien, der Naturkautschuk nach
Zaire. Und die Straßendecke hatte mit dem ausländischen Asphalt im Verbund auch schon mal
ein besseres Bild abgegeben als
heute. Nach drei Tagen war der
Spuk vorbei, der Auszug geschafft, gerade rechtzeitig zum
Weihnachtsfest. Nichts Ausländisches war mehr im Land. Aber
Tannenbäume gab es noch, auch
Äpfel und Nüsse. Und „Stille
Nacht“ durfte gesungen werden –
wenn auch mit Extragenehmigung, das Lied kam immerhin aus
Österreich. Nur eines wollte nicht
so recht ins Bild passen: Maria,
Josef und das Kind waren geblieben. Drei Juden. Ausgerechnet.
„Wir bleiben“ sagte Maria,
„wenn wir aus diesem Land weggehen- wer will ihnen dann noch
den Weg zurück zeigen, den Weg
zurück zur Zukunft und zur
Menschlichkeit?“ Uns allen ein
gutes und friedliches Jahr 2015!
Soweit die Geschichte.
Nur: Gebete werden die Situation
nicht entschärfen. Hier ist die
Politik, hier sind wir alle gefordert. Ich entnehme der Geschichte, dass Maria, Josef und das
Kind symbolisch für uns Alle stehen. Es ist einfach das Gebot der
Menschlichkeit, Menschen in Not
zu helfen. Es darf nicht sein,
dass die ohnehin reichen Länder
von der Ausbeutung des Reichtums der armen Länder profitieren und gut leben können, doch
ihre Menschen sind nicht willkommen, jedenfalls nicht für Jeden in dieser Bundesrepublik.
Ich werde noch lange über diese
Geschichte nachdenken. Sie
auch?

THEMA: POLITIK, WIRTSCHAFT, SOZIALES
FLORENCE

HERVÉ

–

EINE

„Ich werde diese Auszeichnung nicht
annehmen“ titelte die „junge Welt“ am
3.7.2014. Der darin veröffentlichte
Brief der deutsch-französischen Feministin und Journalistin Florence Hervé

MUTIGE

F R A U von Barbara Ludwig

an den B undespräsidenten
Gauck erscheint mir als ein
Meisterwerk kritischen Denkens. Ihr wurde das Bundesverdienstkreuz am Bande zuer-

kannt. Sie lehnte ab und dokumentierte im genannten Brief ihre
Beweggründe: „Mit dieser Auszeichnung … soll meine langjährige ehrenamtliche Arbeit in Sa-

Seite 5
chen
Frauenpolitik, deutschfranzösische und internationale Zusammenarbeit anerkannt und gewürdigt werden – ein Engagement, das
sich häufig im Gegensatz zur Politik
der jeweiligen Bundesregierung befindet. Ich werde diese Auszeichnung
nicht annehmen.“ Immer wieder muss
sie feststellen, dass die von ihr angeprangerten Missstände, wie Diskriminierung, soziale Ungleichheit, Waffenexport und fehlende friedensfördernde Zusammenarbeit mit anderen
Staaten andauern und zu wenig Handlungsbedarf in der Politik besteht.
Zur noch immer nicht erfolgten
Gleichberechtigung der Frau schreibt
sie in diesem Brief: „Derzeit nimmt
…die Frauenarmut wieder zu, an Kindereinrichtungen … wird gespart, die
Sorgearbeit wird nach wie vor von
Frauen geleistet, oft unter prekären
Bedingungen und gering entlohnt.
Kinder werden so zum ‚Armutsrisiko‘
und Alter wird als ‚Problem‘ bezeichnet.“ Ein Ausweg allerdings, nicht in
die Armut zu gelangen, wurde von
Staat und Regierung geschaffen. Florence Hervè schreibt dazu:
„Inzwischen werden Frauen zum
Dienst in der Bundeswehr zugelassen,
mit dem fadenscheinigen Gleichstellungsargument.“ … Sie „werden als
Soldaten in Kriegsgebiete geschickt.
… Was haben Kampfeinsätze … zu tun
mit Emanzipation?“ Weiter schreibt
sie: „Wir brauchen keine Bundeswehrsoldaten … im Schulunterricht,
sondern eine konsequente Friedens-

erziehung“. Nur dann ist Solidarität von Mensch zu Mensch im eigenen Land und insbesondere mit
anderen Völkern praktizierbar.
Das reicht bis hin zum freundschaftlichen Verhalten eines jeden Menschen gegenüber dem
anderen.
„Sogenannte humanitäre Interventionen, an denen auch die
Bundeswehr beteiligt war und ist,
haben sich längst als inhuman
erwiesen“, ist im Brief zu lesen.
Aber die Rüstungsindustrie
bleibt, insbesondere aufgrund
der Waffenexporte, effizient. Der
Bundespräsident Gauck vertritt,
wie wir wissen, die Ansicht, dass
es `manchmal erforderlich ist, zu
den Waffen zu greifen`. Und
Deutschland brauche einen Mentalitätswechsel und solle die Zurückhaltung zu einer aktiven Außenpolitik aufgeben und diffamiert eine Gegenhaltung als weltabgewandt oder gar als bequem.
Herr Gauck betreibt eine Politik,
die gefährlich ist und Angst
macht. Vergangene Kriegsverbrechen blieben ungesühnt. Entschuldigungen nur symbolisch
und Mörder ungestraft. Unzureichende Aufarbeitung der Nazivergangenheit, keine konsequente
Bekämpfung des Neonazismus
sowie des Rassismus, klagt sie im
Brief. Dieses und noch viel mehr
veranlasst Florence Hervè, das
Bundesverdienstkreuz nicht an-

Foto: Tim Reckmann / pixelio.de

zunehmen. Sie schreibt: „Würde
ich die Auszeichnung annehmen,
befände ich mich zudem in einer
Reihe mit solchen früheren
Preisträgern, die Nazis bzw. Nazitäter waren. Soweit mir bekannt ist, wurde bis auf eine
Ausnahme keinem von ihnen
nachträglich das Verdienstkreuz
aberkannt. Das wäre im Übrigen
ein leicht machbares Unterfangen, das zudem der Geschichtsaufarbeitung diente.“ Zum
Schluss teilt sie mit: „Ich betrachte es als Ermutigung, auch
künftig einzutreten für ein menschenwürdiges, gleichberechtigtes Leben von Frauen und Männern, gegen die Tolerierung von
sexueller Ausbeutung und sozialer Ausgrenzung von Frauen.“
Ihre Einstellung ist die einzig
richtige, meine ich. Viel mehr
Menschen sollten ihr nacheifern, dann würde unser Dasein
menschenfreundlich und friedlich.

THEMA: POLITIK, WIRTSCHAFT, SOZIALES
FRAUENTAG

2015

von Barbara Ludwig
Internationaler Frauentag – ist er
noch in Erinnerung? Ein angenehmer
Tag war das. Wir Frauen wurden von
den Kollegen im Betrieb geehrt und
verwöhnt mit Blumen, Geschenken,
Kaffee und Kuchen. Davon können wir
Älteren zehren und mit Freude an diese Zeit denken. Unsere Nachkommen,
vor allem die Enkel wissen kaum
noch, dass es einen Internationalen
Frauentag gibt, der im Osten ab dem
vereinten Deutschland stark ins Hintertreffen geraten ist. Im Westen war
er noch nie präsent. Die Medien und
selbst die Kalendermacher meiden

möglichst die Kenntnisgabe.
Oder er tritt nur oberflächlich in
Erscheinung. So wird jedes ernst
zu nehmende Argument zur
Gleichstellung der Frau gar nicht
erst in die Öffentlichkeit gebracht. Die Politiker und selbst
die Politikerinnen orientieren
sich eher an den „Top-Frauen“,
als an der Masse der Frauen, die
tagtäglich aktiv ihren Pflichten
nachkommen. Die Frau als Arbeitskraft wird oft genug im Niedriglohnsektor beschäftigt und
meist schlechter als die Männer

bei gleicher Arbeitsleistung entlohnt. Die öffentliche Kinderbetreuung ist zwecks Sparmaßnahmen des Staates immer noch
stark eingeschränkt, so dass die
Mütter zu Hause bleiben müssen
oder nur stundenweise arbeiten
können. Gefördert wird diese
Situation durch das Erziehungsgeld, die sogenannte
„Herdprämie“. Im Alter dann geraten die Mütter in die Armutsfalle, weil ihre Rente extra niedrig ist oder sein wird. Da es zu
wenig politisches Bemühen gibt,

Seite 6

Foto: schubalu / pixelio.de

Kinderbetreuungseinrichtungen zu
schaffen, werden Kinder so zum ökonomischen Wagnis der Familien. Am
Ende leidet darunter die Bildung der
Kinder, weil sie zusätzliche Bildungseinrichtungen oder Lehrmaterial man-

gels Geld nicht in Anspruch nehmen können und im Ergebnis werden sie, insbesondere die Mädchen, wieder Geringverdienende
sein oder ein Leben als Arbeitslose führen. Ihre Abkehr und Gegnerschaft von Politik und Staat
sind somit vorprogrammiert. Doch
ein Ausweg wurde geschaffen: Im
Jahr 2011 entfiel die Wehrpflicht,
seitdem herrscht ein Mangel an
Soldaten. Unter dem Deckmantel
der Gleichstellung der Frau dürfen Frauen nunmehr als Soldatinnen ihren Mann stehen (und fallen). Welch eine Errungenschaft
für die Frau! Frauen schenken der
Welt Leben. Sie sind von Natur

aus verantwortlich, es zu erhalten. Aber als ausgebildete Soldatinnen werden sie in Kriegsgebiete entsendet, um zu töten
und werden es in jedem Fall tun,
wenn es die politische Lage erfordert. Die Emanzipation der
Frau beruht doch nicht im Nachahmen der Männer, was in der
Politik bekannt sein dürfte, sondern auf der Anerkennung ihrer
Werte als Frau, so wie sie ist.
Nur das macht eine gerechte
Gleichstellung der Frau in der
Gesellschaft aus.

THEMA: POLITIK, WIRTSCHAFT, SOZIALES
DER 80. „GRÜNE-WOCHE-JAHRGANG“
P U B L I K U M S M A G N E T von Ursula A. Kolbe
Sie war wieder ein weltumspannender
Schmaus für Gaumen und Sinne: Die
nunmehr 80. Internationale Grüne
Woche. Seit 1926 blickt sie auf eine
89jährige wechselvolle Geschichte
zurück; von einer lokalen Warenbörse
mit den inzwischen längst legendären
Lodenmänteln hin zur weltgrößten
Verbraucherschau für Landwirtschaft,
Ernährung und Gartenbau. Von Anbeginn bis zum letzten Messetag war
der Besucherstrom mit über 415.000
Gästen w ungebrochen und der Umsatz von rund 48 Millionen Euro leicht
gestiegen. Pro Kopf sind im Durchschnitt rund 117 Euro ausgegeben
worden. Agrarminister Christian
Schmidt hatte zur Eröffnung diese
Weltmesse in den Messehallen unter
dem Berliner Funkturm als die emotionale Herzkammer der Land- und Ernährungswirtschaft gewürdigt und
betont: „Hier wird der Takt vorgegeben, entstehen Emotionen und von
hier gehen Impulse aus.“
Partnerland Lettland mit agrarischer
Vielfalt
Unter dem Motto „Nimm dir die Zeit“
hatte das baltische Land zum 20. Mal
und in diesem Jahr als Partnerland an
die Messestände von 113 Firmen eingeladen. Eines der reinsten Länder
des Planeten stellte sich vor. 500 km
lange Sandstrände, weite Wälder, reine Seen und Flüsse, schöne Bauern-

WIEDERUM

höfe mit gesunden Produkten, all
das charakterisiert das Land, das
übrigens jetzt im ersten Halbjahr
die EU-Ratspräsidentenschaft
innehat. Drei Neuheiten weckten
das besondere Interesse: Eis aus
Bier oder Ziegenmilch und ein
Getränk mit dem Namen „Milch
des tollen Bullen“. Und natürlich
das lettische Roggenbrot, die
„Benchmark“ des Baltikums. Die
von der „Latviljas piens“ hergestellten „Trikata Schneebälle“,
ein einziartiger Frischkäse mit
verschiedenen Gewürzen, sind der
ganze Stolz der örtlichen Meister.
Klima und geografische Lage des
Landes eignen sich besonders
auch für den Obstanbau. Obwohl
traditionell kein Weinanbaugebiet, kann sich Lettland rühmen,
den nördlichsten Weinberg Europas zu besitzen und Wein aus
Beeren, Blüten und Früchten zu
erzeugen.
Eine symbolische Geste: Die lettische Staatssekretärin, Dace Lucaua, hat auf der Messe der polnischen Vizeministerin, Zofia
Krzyzanowska, das Europäische
FriedensBrot übergeben. Polen
wird Gastgeber des nächsten
FriedensBrot-Forums
„Landwirtschaft und Frieden“
sein.

GROßER

Foto: Messe Berlin GmbH

In den Länderhallen fast kein
Durchkommen
Unbestrittene Zugkraft hatten
wieder die Länderhallen mit ihren Spezialitäten. Da wurde gekostet – Handfestes wie Flüssiges und auch gekauft natürlich.
Zufriedene Gesichter vor und
hinter den Standtischen waren
wohl das beste Spiegelbild.
Denn ob die niedersächsische
Kartoffelplate und der Burger
vom Wagyu-Rind aus Deutschlands Agrarland Nummer 1, das
bayerische „Gesundheitselixier“
Aronia über die süßscharfe
Meerrettich-Soße zur Weißwurst,
hinüber zu den landestypischen
Badenwürttembergischen Spezialitäten wie schwäbische Maultaschen oder Schwarzwälder
Kirschtorte, ob der
„Maränenkaviar“, das Gold der

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Binnenseen“,
aus MecklenburgVorpommern - die Köstlichkeiten aus
allen Ländern waren schier unerschöpflich.. Etwas aus dem Rahmen
fiel Berlin, da es hier naturgemäß ja
nur wenige Agrarbetriebe gibt. Das
Hauptaugenmerk lag auf innovativen
Start-ups. Neben Traditionsmarken
wie Mampe, Pfennigs und Schilkin
gab es eine Vielzahl von Innovationen.
Handschellen und künstliche Hüftgelenke aus Schokolade für Polizisten
und Ärzte sind die neuesten Geschenkideen aus dem „Schoko-Engel“
von Christiane Müller. Die Firma Bonativo stellt den ersten OnlineWochenmarkt für frische Lebensmittel
aus der Region vor. Michael Schwab
hat in seiner Handwerksbrauerei
Brewbaker die traditionelle Berliner
Weiße in Flaschengärung wiederentdeckt. Auf die Grüne Woche schwört
Bilgec Serdaroglu, dessen Berliner
Manufaktur 44 verschiedene Sorten
produziert. Olaf Höhn will mit seinem
inzwischen weit bekannten Florida-Eis
aus Spandau jetzt auch die Märkte in
Bayern und Baden-Württemberg erobern und präsentierte in exklusiver
Namenslizenz des Bayerischen Könighauses die neue Edelmarke König
Ludwig Glace Royal. In Nachbarschaft
der Landesverbände Brandenburg und
Sachsen zeigte der Landesverband
Berlin der Gartenfreunde in der Blumenhalle 9 Aspekte der Gartengeschichte der Hauptstadt auf. Bereits
zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden Kleingärten angelegt, um Hunger
und Verarmung der Stadtbevölkerung
entgegenzuwirken. Während der Industrialisierung halfen sie, den Speisezettel der Armen günstig um frisches Obst und Gemüse zu erweitern.
Ob Schrebergarten, Laube oder Heimgarten: Knapp 1,2 Mio Menschen in
Deutschland haben heute ihr eigenes
grünes Idyll mitten in der Stadt. Rund
fünf Millionen Nutzer sind es insgesamt. Tendenz vor allem junger Familien wieder steigend.
Sauerkrautbrot und Erdbeer-SeccoEis
In der Brandenburg-Halle waren fast
alle der 200 Aussteller sozusagen
schon Stammgäste. Mit den Eisherstellern „Ice Guerilla“ aus Beeskow
und „Cadillac“ aus Templin sowie der
ODW Frischeprodukte Elsterwerda

waren drei Neulinge dabei. Auch
Bio war gefragt. Die Branche
wächst um jährlich acht bis zehn
Prozent. Das Biobackhaus Leib
aus Falkensee hat eigens für die
Messe Havelländer Sauerkrautbrot kreiert, das nunmehr schon
der Naturkostfachhandel geordert hat. Zum 16. Mal ist derpro agro-Marketingpreis in drei
Kategorien verliehen worden. Die
ersten Preise gingen an die Hoffnungstaler Werkstätten für ihren
„Lobetaler Bio Naturschutzbecher“
(Kat. Ernährungswirtschaft), die Klosterbrauerei Neuzelle für die „Neue Produktlinie
„UrCraft“ (Kat. Direktvermarktung) sowie die Christine Berger
GmbH & Co. KG fürs
„Tourismuskonzept rund um den
Sanddorn“ (Kat. Land- und Naturtourismus). Am Brandenburg-Tag
kam ich kurz mit dem Geschäftsführer der Klosterbrauerei ins
Gespräch, wollte mehr über das
neue Produkt erfahren:
Das
„UrCraft“ Pilsner, Bockbier und
Porter wird nach dem Reifeprozess direkt unfiltriert abgefüllt.
Es wird nicht pasteurisiert und
sollte deshalb möglichst frisch
genossen werden. In kleinen
Mengen einmal im Monat produziert, erfolgt der Vertrieb über
den online-Versand. Per Mail
wird dem Newsletter-Kunden die
Verfügbarkeit angekündigt und
nach dessen Bestellung kostenfrei bis an die Haustür geliefert.
Mein Urteil über das UrCraftBockbier: Es schmeckt.
Stichwort Landurlaub auf dem
Bauernhof. Ausgezeichnet wurden die zwölf beliebtesten Ferienbauernhöfe 2014. Kriterien waren Qualität der Unterkünfte, Service, Freizeitangebote und gastronomische Versorgung. Zu den
Geehrten im Land Brandenburg
gehört der „Rüsterhof“ 15848
Rietz-Neuendorf, Ortsteil Görzig.
(s.a. www.landreise.de).
Zu erfahren war auch, dass sich
zur alljährlich am zweiten Juniwochenende (13. und 14. Juni)
stattfindenden Brandenburger
Landpartie fast 200 Betriebe als
Gastgeber angemeldet haben.

Ausrichterbetrieb der zentralen
Eröffnungsveranstaltung ist der
Landwirtschaftsbetrieb Thomas
Richter aus dem Nennhausener
Ortsteil Damme im Havelland.
Das Dorf- und Erntefest 2015
findet am 12. September in der
Gemeinde Schönwalde-Glien,
Ortsteil Paaren, statt.
Und ein letzter Hinweis auf die
25. BraLa in Paaren-Glien: Die
Landwirtschaftsausstellung mit
Tierschau kann vom 14. -17. Mai
2015 besucht werden.
Wo Weltkultur und Weltnatur so
nah beieinander sind
Diese Region hat Einzigartiges
zu bewahren: In der Welterberegion Wartburg Hainich im Thüringischen trifft das Weltnaturerbe Nationalpark Hainich das
Weltkulturerbe Wartburg.
In der Blumenhalle 9 konnte
man beim Schlendern durch die
Imitation des naturbelassenen,
alten Buchenwaldes im 7.500
ha großen Naturpark vieles davon erahnen. Zu sehen war eine
beeindruckende Waldinszenierung mit Moosen und unzähligen
Farnen zwischen
den 160
Baumstämmen, um dem Charakter des echten Hainich möglichst nahe zu kommen.
Im Original: Nirgendwo ist der
Weg von einer Welterbestätte
zur anderen so beeindruckend
wie hier, darf die Natur wirken,
ohne dass der Mensch eingreift.
Zwar thronte die Miniatur der
Wartburg nicht in gewohnter
Höhe, rückte aber untrüglich
ihre 900 Jahre alte Geschichte
ins Auge: Leben und Wirken der
heiligen Elisabeth, Richard Wagners Oper „Tannhäuser“. Und
des großen Reformators Martin
Luthers Übersetzung des Neuen
Testaments natürlich. Mit Blick
auf 500 Jahre Reformation im
Jahre 2017 ganz besonders.
Ich bin neugierig geworden auf
diese Welterberegion, wo doch
Geschichte, Kultur und Natur so
nahe beieinander liegen. Deshalb in einem weiteren Beitrag
auch mehr.
SUISSE GARANTIE auf alle Produkte

Seite 8
Zum Selbstverständnis: Über 15 Mio
Tiere leben auf rund 56.000 Schweizer Bauernhöfen, die landwirtschaftlich genutzten Pflanzen wachsen auf
rund 1 Mio ha Nutzfläche. Und die
Produkte stehen für eine ökologische
und tierfreundliche Produktion. SUISSE GARANTIE inbegriffen. Der
schmackhafte und hochwertige Hartund Halbhartkäse ist mit 52.000 t
bleibt nach wie vor der Parade-Export
innerhalb Europas. Davon geht die
Hälfte nach Deutschland. Mit Blick
auf die Weltausstellung „Expo Milano
2015“ vom 1. Mai – 31. Oktober

sprach Urs Schneider, Präsident
der Agro-Marketing Suisse, u. a.
von einem Tablet-Projekt
als
Speisekarte im Restaurant, das
auch auf der Grünen Woche getestet wurde. Es enthält Informationen über Schweizer Spezialitäten und Kochrezepten, ebenso
über die Land- und Ernährungswirtschaft des Landes.
Für Allergiker, Vegetarier und
Veganer
Erstmals fanden zwei bereits mit
großem Erfolg in Großbritannien
durchgeführte Gastveranstaltun-

gen statt: Die „Allergy & Free
From Show“; eine Verbrauchermesse, die sich an Millionen
von Menschen richtet, die mit
Allergien, Zöliakie, Atemwegsbeschwerden, jeglichen Unverträglichkeiten, Hautproblemen
und Chemikaliensensibilitäten
leben. Die „V Delicious Show“
versteht sich als kulinarisches
Wunderland für Vegetarier, Veganer.

THEMA: KULTUR, KUNST, WISSENSCHAFT
FRÜHLINGSBRÄUCHE

–

DER

WINTER

WIRD

VERTRIEBEN

von Edelgard Richter
Nachdem der Winter zu Ende geht,
freuen sich die Menschen auf den
Frühling und begrüßen ihn mit traditionellen Bräuchen. Darin fließen heidnische und christliche Ursprünge ineinander. Das Feuer ist das Symbol
der Sonne, weshalb in einigen Gegenden Deutschlands das Scheibenschlagen noch üblich ist. Glühende Holzscheiben oder aus Stroh geflochtene
brennende Räder werden von einem
Hügel oder Berg ins Tal laufen gelassen. So soll der Winter verbrannt bzw.
vertrieben werden. Die Räder und
Scheiben gelten schon seit alters her
als Symbol der Sonne. Der Brauch der
Winterverbrennung findet heutzutage
noch vielfach im Südwesten Deutschlands statt, insbesondere im Schwarzwald. Viele Frühlingsbräuche sind eng
mit Laetare verknüpft. So wird seit
dem Mittelalter der vierte Fastensonntag nach Karneval genannt. An
diesem Tag beginnt das Gebet in den
Kirchen mit den Worten „Laetare, Jerusalem“, das heißt „Freue dich, Jerusalem“. Alle sollen sich auf den bevorstehenden Sommer freuen. Laetare
ist in diesem Jahr am 18. März. In
Rheinhessen und der Pfalz finden an
diesem Tag traditionell Sommertagsumzüge statt, um den Winter zu vertreiben. In Thüringen organisiert seit
1897 die „Sommergewinnzunft“ in
Eisenach in jedem Jahr wieder den
„Sommergewinn“. Es eines der größten Frühlingsfeste in Deutschland. In
diesem Jahr findet der Sommergewinn

am 14. März mit einem großen
Festumzug prächtig geschmückter Wagen statt. Er endet auf dem
Marktplatz, wo dann ein Streit
zwischen der warmen und der kalten Jahreszeit beginnt: Frau Sunna als Sonnengöttin und Herr
Winter als Eiskönig liefern sich
ein Streitgespräch, das Herr Winter verliert. Er wird anschließend
symbolisch als Strohpuppe verbrannt. Zehntausende von Besuchern kommen jedes Jahr zu der
Veranstaltung und verfolgen am
Straßenrand die mit Pferden bespannten Festwagen und Kutschen, die durch die historische
Altstadt von Eisenach zum Marktplatz rollen. Der 21. März wurde
bereits bei den alten Germanen
als Sonnenfest gefeiert. Es ist der
Tag der Tagundnachtgleiche, an
dem astronomisch der Frühling
beginnt. An diesem Tag sind Tag
und Nacht jeweils zwölf Stunden
lang. Danach beginnt die Osterzeit. Der Name Ostern soll von
einer germanischen Frühlingsgöttin namens Ostara hergeleitet
worden sein. Es bestehen allerdings Zweifel, ob es diese Ostara
überhaupt gab. Sei es, wie es sei.
Unzweifelhaft stammen Ostereier
und Osterhase ursprünglich ebenfalls aus heidnischer Zeit und
stehen für Frühling und Fruchtbarkeit. Beide sind Symbole der
Fruchtbarkeit. Schließlich ist be-

Foto: Khv24 / pixelio.de

kannt, dass sich der Hase insbesondere im Frühling stark vermehrt. Zu den Symbolen des
Frühlings gehören auch der
Hahn, der mit seinem Krähen den
Sonnenaufgang und damit das
Tageslicht verkündet, und die
Brezel, die ohne Ende und ohne
Anfang ist und für den unendlichen Wechsel der Jahreszeiten
steht. Zur Erneuerung im Frühling war es früher auch Sitte,
dass zu Ostern neue Kleidung
getragen wurde. Nach alten
Brauch sollte sich im Frühling
auch der Mensch erneuern und
nicht nur die Natur. Zu den Frühlingsbräuchen gehört auch das
Osterfeuer, das am Karsamstag
oder am Ostersonntag angezündet wird. Damit soll der Winter
ebenfalls vertrieben werden.
Höhepunkt der endgültigen Vertreibung des Winters ist die Walpurgisnacht am 30. April, benannt nach Walburga, einer eng-

Seite 9
lischen Äbtissin, die von 710 bis 779
gelebt hat. Für ihr Leben in Keuschheit und dem Wirken für die katholische Kirche wurde sie später durch
Papst Hadrian II. heiliggesprochen.
Ihr Namenstag ist der 30. April. Die
Feuer werden in dieser Nacht in vielen

Regionen Deutschlands auf Höhenzügen und Bergen angezündet
und sind weithin sichtbar. Auch
mit ihnen soll symbolisch der
Winter ausgetrieben werden. Dieser Brauch wird ebenfalls in der
Schweiz, in Schweden und Finn-

land gepflegt. Am nächsten Tag,
dem 1. Mai wird dann in vielen
Orten in Deutschland der Maibaum aufgestellt, der die
Fruchtbarkeit der Natur symbolisiert. Der Winter ist endgültig
vorbei.

THEMA: BERLINER ORTE
BRÜCKEN

IN

BERLIN

von Edelgard Richter
Berlin liegt an der Spree und fließt in
einer Länge von 44 km durch die
Stadt. Im Stadtteil Spandau mündet
sie in die Havel. Beide Flüsse bestimmen in weiten Teilen das Stadtbild von
Berlin. Hinzu kommen noch mehrere
Kanäle. Bekannt ist, dass Berlin mit
fast tausend Brücken mehr Wasserübergänge hat als Venedig. Eine der
schönsten Brücken in Berlin ist die
Oberbaumbrücke über die Spree, die
zwei Ortsteile Berlins miteinander
verbindet. Zwischen 1894 und 1896
wurde die Brücke in neugotischem Stil
mit zwei spitzen Türmen in der Mitte
und reichem Figurenschmuck erbaut.
Über sie führt nicht nur der Straßenverkehr, sondern auch eine Linie der
U-Bahn. Bis zum Bau der Zollmauer
1723 wurde hier Zoll von den Schiffen
erhoben, die durch einen mit Eisennägeln versehenen Baumstamm gestoppt wurden, dem Oberbaum.
Die Jungfernbrücke von 1798 ist die
älteste Berliner Brücke über die
Spree in der Mitte von Berlin. Sie ist
bis heute unverändert geblieben. Bis
1919 war sie als Klappbrücke in Betrieb. Ursprünglich war es eine Holzkonstruktion, die Anfang des 18. Jahrhunderts erbaut und 1798 durch das
jetzige Bauwerk ersetzt wurde. Für
ihren Namen „Jungfernbrücke“ gibt es
mehrere Erklärungen. Nach einem alten Hochzeitsbrauch musste die Braut
über die Brücke gehen. Knarrten die
Bohlen, war das Mädchen nicht mehr
Jungfrau. Aber die Bohlen knarrten
immer.
Die Schloss-Brücke, die im Verlauf der
berühmten Prachtstraße Unter den
Linden die Spree überquert, wurde
zwischen den Jahren 1821 und 1824
nach einem Entwurf von Karl Friedrich
Schinkel erbaut und ersetzte die hölzerne „Hundebrücke“ über die 1806

noch Napoleon Bonaparte 1806 in
Berlin einzog. König Friedrich Wilhelm III. von Preußen befand,
dass diese Brücke in der Nähe des
Schlosses „die Gegend verunziert“ und befahl einen repräsentativen Neubau. Als Brückenschmuck hatte Schinkel acht Figurengruppen entworfen, deren
Motive sich auf die Befreiungskriege 1813 bis 1815 gegen Napoleon bezogen. Schinkel starb
1842 und erlebte die Fertigstellung seiner Entwürfe von Helden
und Siegesgöttinnen aus weissem
Carrara-Marmor nicht mehr. Das
guss eiser n e B rück engelände r
zeigt mythologisch-maritime Motive (Seepferdchen und Tritone)
nach Entwürfen von Schinkel. Es
ist eine der schönsten Brücken
der Stadt.
Die Moltkebrücke in der Nähe des
Bundeskanzleramts wurde zwischen 1886 und 1891 errichtet
und mit rotem Sandstein verblendet. Sie ist mit reichem Bild- und
Skulpturenschmuck versehen und
nach Generalfeldmarschall Helmuth von Moltke benannt. Die
Brücke wurde während des Zweiten Weltkrieges stark zerstört und
von 1983 bis 1986 wieder aufgebaut und restauriert. Mit dem
Bild- und Skulpturenschmuck wurden die militärischen Leistungen
von Moltke gewürdigt. Auf beiden
Seiten der Brücke befinden sich
Porträts von Moltke sowie von Leberecht von Blücher und Georg
von Derfflinger sowie die Köpfe
von Caesar und Athene. Auf den
Sockeln an den Brückenenden
thronen große Greife, die die Brücke beschützen sollen. Sie tragen
Wappenschilder, die das Familien-

Foto: N-Schmitz / pixelio.de

wappen von Moltke und die
Wappen von Preußen, Berlin
und Parchim tragen. In Parchim
wurde Helmuth von Moltke geboren. Mit der Namensgebung
sollte Moltke geehrt werden,
verstarb jedoch kurz vor der Fertigstellung, so dass sie mit seinem Leichenzug eingeweiht wurde.
Der Urgroßenkel Helmuth Caspar von Moltke als einer der beiden Söhne des Widerstandskämpfers Helmuth James Graf
von Moltke und seiner Ehefrau
Freya 1937 in Kreisau geboren,
lebt in Kanada. Er hat das Buch
„Abschiedsbriefe Gefängnis
Tegel“ editiert, dass 2011 veröffentlicht wurde.
Die Freybrücke ist eine der vier
Brücken, die den Stadtteil
Spandau mit Berlin verbinden.
Zwischen 1908 und 1909 erbaut, führt sie über die Havel
und stellt die aus militärischen
Gründen in Verlängerung des
Kaiserdamms gebaute Heerstraße zum Truppenübungsplatz Döberitz her. 800 Meter dahinter
überspannt die zur gleichen Zeit
erbaute Stößenseebrücke die
Gewässer der Havelniederung.
Beide stehen unter Denkmal-

Seite 10
schutz, wie viele andere Brücken
auch. Spandau kam als selbständige
Stadt 1920 zu Berlin. Ein Bonmot be-

sagt, wenn ein Spandauer „in die
Stadt“ nach Berlin fährt und
macht vorher sein Testament.

THEMA: NATUR, TOURISMUS
WEIHNACHTEN

AM

MEER

-

2014

von Waltraud Käß
Weihnachten ist natürlich schon lange vorüber, wir freuen uns inzwischen
auf den Frühling, aber der Rückblick
auf positive Erlebnisse weckt vielleicht den Wunsch, sich wieder neue
zu organisieren. Wenn ich an diese
Tage und ihre kulinarischen Genüsse
im vergangenen Jahr denke, dann
kommt mir der Satz in den Sinn: „Es
ist nichts schwerer zu ertragen, als
eine Reihe von guten Tagen“. Menschen, die alleine leben, empfinden
ihre Einsamkeit vor den Feiertagen
besonders lästig und entfliehen ihr
gerne. Die Reiseveranstalter haben
sich mit einem abwechslungsreichen
Angebot von Reisen auf diese Gruppe
eingestellt. So machte sich kurz vor
Weihnachten eine muntere Rentnerschar vom Ostbahnhof aus auf den
Weg nach Boltenhagen. Weihnachten
an der Ostsee – das sollte ein besonderes Erlebnis werden. Erster Haltepunkt war der Zentrale Busbahnhof
(ZOB) in Berlin, an dem die restlichen
Gäste zustiegen, so dass sich 42 Pensionäre auf die Reise machten. Damit
floss wieder ein großer Teil der Renten in den Geldkreislauf zurück, eine
nicht zu unterschätzende Größe in der
Konsumtion. Am ZOB herrschte Hochbetrieb. Fern- und Linienbusse und
Busse der Reiseveranstalter wechselten in rascher Folge einander ab. Wie
einige Tage später zu lesen war, waren es die verkehrsreichsten Tage des
Jahres 2014 für den Bahnhof. Zwischen dem 23. und 28. Dezember, das
war auch unser Reisezeitraum, fanden
insgesamt 3911 An- und Abfahrten
statt, im ganzen Jahr 2014 waren es
175 000 An- und Abfahrten. Diesem
Andrang will man nun mit weiteren
Haltepunkten Rechnung tragen.
Ein 4-Sterne-Hotel war in Boltenhagen gebucht und versprach alle Annehmlichkeiten. Einschließlich
Schwimmbad und Sauna auf dem
Dach, von wo aus man einen wunderbaren Blick auf die Ostsee hatte,

konnten alle Einrichtungen genutzt werden. Doch zunächst gab
es einen Abstecher nach Lübeck,
der Stadt des Marzipans. Eine
Stadtführung war geplant, konnte
aber nur sehr verkürzt durchgeführt werden. Schon auf der Hinfahrt spürten wir es, das große
Regen- und Sturmgebiet über der
Ostsee. In der Stadt lagen überall
an den Straßenrändern beschädigte Schirme, es machte gar keinen Sinn, einen solchen aufzuspannen. Nass und sturmgepeitscht hingen den Damen die
frisch gewellten Weihnachtsfrisuren ins Gesicht. Die Verkäufer auf
dem Weihnachtsmarkt standen in
großen Pfützen, trotzdem hielten
sie genau wie wir tapfer durch.
Nach der Besichtigung des Rathauses mit seinen durchlöcherten
Giebelchen und dem Buddenbrooks-Haus, in dem Thomas
Mann geboren wurde, wollten alle
nur noch ins Warme. Die im Cafe
„Marzipanspeicher“ servierte,
wunderbare Marzipantorte, machte der Marzipanstadt alle Ehre.
Hosen, Jacken und Haare konnten
ein wenig trocknen. Doch das
Sturm- und Regengebiet sollte
uns noch bis zum 2. Feiertag begleiten. Boltenhagen – schon zu
DDR-Zeiten ein beliebtes Urlaubsparadies, ist auch in der Gegenwart sehr gefragt. Es liegt so im
Dreieck zwischen Wismar, Lübeck
und Travemünde. Wer nach Travemünde reisen will, tut das vielleicht durch den so genannten
Klützer Winkel, eine sehr fruchtbare Landschaft, und setzt dann
mit der Fähre nach Travemünde
über. Die Einwohnerzahl Boltenhagens beträgt ca. 2400 Menschen, in den Sommermonaten
werden es 30 000 mehr. Hotels
und weitere kleine Restaurants
haben sich auf diesen Ansturm

Foto: Waltraud Käß

eingestellt. Am langen und breiten Sandstrand fanden sich allerdings während der Feiertage
nicht so viele Spaziergänger ein.
Im Reiseprogramm waren Ausflüge zum Schloss Schwerin, nach
Wismar und zum Schloss Kalkhorst eingeplant. Letztgenanntes
Haus war uns allen unbekannt,
doch es stellte sich heraus, dass
es eine interessante, wechselvolle Geschichte hat. Es liegt im
Klützer Winkel inmitten eines
großen Parks, welcher etwa zwischen 1867 – 1889 nach dem
Vorbild englischer Landschaftsparks angelegt wurde. Bemerkenswert ist das dortige Arboretum, in dem sich u.a. Riesenmammut, Atlas-Zeder, Gingko,
verschiedene Zypressen- und
Lindenarten sowie Douglasien
befinden. Dorf und Gut, welche
auch dem Schloss den Namen
gaben, waren bereits im Jahre
1304 im Besitz der Ritter von
Both und blieben es bis zum Jahre 1849. Ihre Rechtsnachfolger
war die Familie von Biel. 1853
wurde der Grundstein für das
Schloss gelegt. Im Jahre 1930
starb der letzte adlige Sproß
Röttger von Biel bei einem Jagdunfall. 1933 wurde das Schloss
Stützpunkt der NSDAP, wurde
1935 zu einem Schulungs- und
Tagungsheim umgebaut, danach
als „Reichsführerschule I des

Seite 11
VDA“ u.a. auch als Sommerlager der
Hitlerjugend und des BDM genutzt.
Im Zuge der Bodenreform wurde das
Schloss 1945 enteignet, geeignet
schien es für die weitere Nutzung als
Typhus-Krankenhaus und später als
TBC-Heilstätte, weit verbreitete
Krankheiten nach dem 2. Weltkrieg.
Nach 1966 wurde es für viele Jahre
als psychiatrische Einrichtung des
Kreiskrankenhauses Grevesmühlen
betrieben. Seit 1999 wird es in privater Hand umfangreich saniert und instand gesetzt. Einige Räumlichkeiten
des Schlosses werden heute für Konzerte, Vorträge oder auch Trauungen
genutzt. Unter www.schlosskalkhorst.de kann man weitere Einzelheiten über Geschichte, Architektur,
Besitzverhältnisse usw. nachlesen.
Der Stadtrundgang durch Wismars
Innenstadt dauerte 1,5 Stunden bei 4° Celsius. Am Ausgangspunkt der
Führung standen 20 Reisende. Am
Endpunkt kamen vier sehr durchgefrorene Teilnehmer an, der Rest hatte
Schutz und Wärme in den am Wege
liegenden Cafe’s und Restaurants gesucht. Es fiel auf, dass die alten Han-

sehäuser inzwischen sehr gut restauriert sind, an einigen Kirchen
wird weiter gearbeitet. Nicht fehlen durfte in der Stadtführung der
Drehort der im ZDF laufenden
Vorabendserie „SOKO Wismar“.
Sie ist regelmäßig am Mittwoch
zu sehen. Ein Schild mit der Aufschrift POLIZEI an der Einfahrt
eines Klosterhofes angebracht,
und schon denkt der Fernsehzuschauer, dass das wirklich die
Polizeidienststelle von Wismar
ist. Aber weit gefehlt. Es ist der
Eingang zu einem ehemaligen
Kloster. So kann man die Zuschauer hinters Licht führen.
Unter den Hotelgästen in Boltenhagen hatten einige Unentwegte
einen einsamen Schwan am Ende
des Sandstrandes erspäht, das
sprach sich schnell herum. Und
so sah man einige Gäste trotz des
schlechten Wetters mit Brötchen
und Brot zum Strand laufen, um
den Schwan zu füttern. Einen Namen hatte man ihm zwischenzeitlich auch gegeben. Ein Scherzbold hatte eine beschriftete Pap-

pe, auf der in großen Buchstaben RUDI stand, mit einem
Stock im Sand verankert. Als am
2. Weihnachtsfeiertag wunderschönes Wetter zum Strandspaziergang lockte, führte der Weg
natürlich auch zu Rudi. Aber der
war nicht mehr alleine. Es hatte
sich wohl unter den Schwänen
herumgeschnattert, dass man
an diesem Platz Futter bekommt. Und so bevölkerte eine
ganz Schar von „Rudi’s“ den
Strand von Boltenhagen. Die
Mitarbeiter des Hotels taten
alles, um den Gästen ein schönes Fest zu bereiten. Eine Weihnachtsfeier mit Chor, dem Weihnachtsmann und der „HimmelsGroßmutter“ stimmten alle Gäste auf die Feiertage ein. Doch
alles Schöne geht einmal zu Ende. Als unsere Reisegruppe abreiste, kamen schon die ersten
Silvestergäste im Hotel an. Gut
so, das sichert wenigstens die
Arbeitsplätze der Mitarbeiter.
Diese Region lebt nun mal vom
Tourismus.

THEMA: NATUR, TOURISMUS
BISMARCK,

BUGA

UND

DAS

ALTMÄRKER

KULINARIUM

von Ursula A. Kolbe
zen hinweg bis zum 11. Oktober
vor allem im Zeichen dieser Jubiläen. Dazu werden viele Gäste
aus Nah und Fern erwartet. Sei es
für einen Tagesausflug, über mehrere Tage oder einen ganzen Urlaub hinweg. Die Gastgeber in der
Region fühlen sich gerüstet.

Foto: Hans-Jürgen Kolbe

Am 1. April wird das 200. Geburtstags-Jubiläum von Otto Eduard
Leopold Fürst von Bismarck begangen
– erster Reichskanzler Preußens und
auch kurz der „Eiserne“ Kanzler genannt. Nur wenige Tage später, am
18. April, öffnet die Bundesgartenschau (BUGA) 2015 ihre Pforten. Unter dem Motto „Von Dom zu Dom – das
blaue Band der Havel“ stehen dann
besonders das Havelland und die Altmark erstmals über zwei Ländergren-

Tangermünde – Historie, aber
auch Prosit Kuhschwanzbier
Nicht nur am Rande: Die einstigen
Hansestädte halten bis heute zusammen: 1998 hatten sich Tangermünde, Stendal, Gardelegen,
Salzwedel, Osterburg, Werben,
Seehausen und Havelberg nach
480 Jahren wieder zu einem neuzeitlichen „Altmärkischen Hansebund“ zusammengeschlossen.
Vereint wollen sie das gemeinsame Erbe der Hansezeit in der heutigen Gegenwart erlebbar machen. Solche Spuren finden sich

besonders in Tangermünde. Seit
1368 in diesem Bund, sind
mächtige Stadttore, die geschlossene Stadtmauer, das
beeindruckende spätgotische
Rathaus und Kirchen Zeugnisse
aus dieser Zeit. Beim abendlichen, fast romantischen Stadtrundgang mit Regine Schönberg
vom hiesigen Tourismusbüro
fallen bedeutsame Namen wie
der des Brandenburgischen
Herrschers Markgraf Albrecht
der Bär (12. Jh.),von Kaiser
Karl IV. (14.Jh.) oder Kurfürst
Friedrich I. aus dem Haus der
Hohenzollern (15.Jh.), die zu
ihren Zeiten die Geschichte der
Stadt prägten. Die wunderschönen Fachwerkhäuser aus dem
17. Jahrhundert bilden einen
reizvollen Kontrast beispielsweise zu den Denkmälern der
Backsteingotik. Ein Flair in der

Seite 12
Stadt an der Mündung des Flüsschens
Tanger in die Elbe, dem man sich einfach nicht entziehen kann. Ganz zu
schweigen von den vielen lukullischen
Köstlichkeiten der hiesigen Beherbergungs- und Gastronomie-Landschaft.
Das Hotel „Exempel Schlafstuben“ in
Tangermünde z. B., ein Gesamtkunstwerk. So hat jedes Zimmer sein eigenes Thema und damit Namen: Von Wallensteins Lager über Grete Mindes
Brandruine, die Pastorenkemenate
und Mannes Maleratelier bis zu Prinzessin Feodora Chambre und Königin
Luises Salon. Wir betteten unser
Haupt
im
sinnträchtigen
„Bauernalkoven“. Viele Gäste kommen
übrigens deshalb öfter her, um jeweils
in einem anderen Zimmer zu nächtigen, sagte uns Hotel-Chefin Stine
Pohl. Der Höhepunkt aber der Tagesausklang beim Mittelaltergelage
mit Kuhschwanzbier, der hiesigen Spezialität. (Und die gut mundete.) Die
„Zecherei St. Nikolai“, um das mal
kurz zu skizzieren, befindet sich in
einem über 800 Jahre alten Kirchengemäuer. Meterdicke Wände, Kerzenbeleuchtung, Bleiglasfenster, Chorgestühl, Kanzel, Beichtstuhl, Kamin und
vieles mehr bilden den perfekten Rahmen, um in das Mittelalter einzutauchen. Mit üppig eingedeckten Tischen,
reichlich Gesöff, Musik von Sackpfeife, Laute und Trommel oder auch ein
Bad im Badezuber. Das alles lässt den
Alltag vergessen. Auch die rustikalen
Gaststuben „Exempel“ sind originell
und unverwechselbar. Das Gasthaus in
der alten Schule atmet sprichwörtliche Geschichte aus der Zeit vor 100
Jahren: Auch hier Kuhschwanzbier. Es
wird dort serviert, wo einst der Kantor
wohnte und auch unterrichtete. Das
Schulheft, sprich Speisekarte, ist der
beste Kompass. Serviert, natürlich in
passendem Gewand. Und wenn die
Mamsell dann bei passendem Wetter
im Biergarten auftischt…
Havelbergs historische Stadtinsel eine
BUGA-Blumeninsel
Insel- und Domstadt im Grünen, auch
„Wiege der Prignitz“, nennt sich die
kleine Stadt am Zusammenfluss von
Havel und Elbe. Der knapp 7.000 Einwohner zählende Ort hat als Bischofssitz - die Kirche wurde 946 von Otto d.
Gr. gegründet, und 1170 als römische

Basilika geweiht – mit seiner
über 1.000jährigen Geschichte
eine große Vergangenheit und
eine interessante touristische
Zukunft. Zumal umgeben von Naturschutzgebieten in Urstromtälern zwischen Grund- und Endmoränenzügen, ein Wander-, Wasser- und Radlerparadies. Wo hier
an jedem erstem Wochenende im
September übrigens wahrlich
„das Pferd los“ ist. Denn dann
lockt der traditionsreiche Pferdemarkt noch heute Hunderttausende an, bietet neben Pferdehandel mit Handschlag wie vor
Jahrhunderten auch Westernreiten, Indianerspiele, Schausteller,
Ballonfahrertreffen, Riesenflohmarkt und und und….
Interessant ist das ringförmig
bebaute Altstadtgebiet, in einer
Mischung aus Giebel- und Traufhäusern historisch gewachsen.
Die Spülinsel dagegen gibt es
erst seit den 30er Jahren, entstanden als Kanal und Schleuse
im Mühlenholz. Insgesamt fünf
Brücken verbinden die City, den
Domberg und das „Havelberger
Wassertouristikzentrum“ miteinander. Und auch als Tagungsort
europäischer Diplomatie ist die
Stadt in die Geschichte eingegangen, u. a. als sich 1716
Friedrich Wilhelm II. und Zar Peter I. hier trafen. Ja, Havelberg
und Brandenburg a. d. Havel hatten einst die mächtigsten Bauwerke des Mittelalters östlich der
Elbe. Man kann den Beginn der
regionalen Verbundenheit suchen, die jetzt einen Höhepunkt
in der BUGA findet, dem Motto
„Von Dom zu Dom – das blaue
Band der Havel“ folgend. Schon
die eigens zu dieser Gartenschau
gestalteten Flächen rund um den
Dom St. Marien lohnt eine Reise
nach Havelberg. Insgesamt 3,9
ha allein im Dombezirk über der
Stadt plus 16 wechselnde Blumenhallenschauen in der Kirche
St. Laurentius auf der Stadtinsel
plus „Haus der Flüsse“ direkt
hinter der Altstadt. Übrigens erreichten wir hier in Havelberg unser Quartier, das ArtHotel Kiebitzberg, auf dem Wasserweg am

hoteleigenen Bootsanlegesteg –
und zwar per Bootscharter mit
dem PonTOM, dem Wassercabrio
für Bootstouren mit Skipper,
sozusagen eine schwimmende
Erholungsinsel. Gebucht wird
über das ArtHotel. Es war
schlicht ein kleines Naturerlebnis für sich. Das Hotel, am
Stadtrand gelegen und dennoch
zentrumsnah. Auch hier jedes
Zimmer mit individueller Note,
stilvollem Design, besonderen
Beleuchtungskonzepten und
künstlerischen Akzenten. Und
das Lukullische in Havelberg?
Das Stichwort Gasthaus „Zur
Güldenen Pfanne“ führte uns in
die Lehmkuhle 2 zu den heutigen Inhabern der Familie Hippeli. In ein altes Fachwerkhaus mit
über 250jähriger Tradition, in
der sich dank seiner Inhaber,
insbesondere seines umtriebigen Wirts Manfred Hippeli unter
Fachwerk wahrlich Gemütlichkeit mit Kochkunst vereint.
Wir haben das im wahrsten Sinne des Wortes genossen. Von
ihm übrigens auch in „würziger“
Sprache kommentiert. Hier werden phantasievolle Genüsse zubereitet, Hausmannskost wie
international. Nicht zu vergessen eine der umfangreichsten
Weinkarten mit rund 100 Sorten
von fünf Kontinenten. Die
„Güldene Pfanne“ serviert ebenso Wissenswertes und Unterhaltsames.
An „unserem“
Abend stand dafür das Bismarck-Jubiläum
mit auf der
Speisekarte. Kenner und Militärhistoriker Harald-Uwe Bossert sprach darüber kurzweilig,
mit vielen Zitaten des
„Eisernen“ Kanzlers garniert.
Eines z. B., aktuell heute noch:
„Es wird niemals so viel gelogen
wie vor der Wahl, während des
Krieges und nach der Jagd.“
Die Wahrheit auf jeden Fall aber
ist, dass die in diesem Beitrag
genannten Hotels und Gaststätten das Gütesiegel „Altmärker
Kulinarium“ tragen. Das heißt
Spitzenqualität in Küche und
Service, für Frische und regional
geprägte Produkte.

Seite 13
Die Altmark, doppelt so groß wie das
Saarland, steht für Natur pur, Historie
zum Anfassen, viel Genuss, üppige
Kultur; schlicht - ein Landstrich zum
Erholen und Entspannen.

(s. a. Beitrag „Auf den Spuren
Bismarcks und der BUGA durch
die Altmark“; Jan./Feb.„Spätlese“ –Ausgabe 2015).

THEMA: GESUNDHEIT
ZECKEN

VERBREITEN

SICH

von Tristan Micke

Foto: Jens Bredehorn / pixelio.de

Während in früheren Jahren die Zecken von November bis Ende Februar
Winterruhe hielten, ermöglichen ihnen die milden Winter der letzten Jahre eine ganzjährige Aktivität. Der Winter 2013/2014 sei ein Zeckenwinter
gewesen, gaben Wissenschaftler an.
Besonders zwei Krankheiten können
durch Zeckenbisse übertragen werden:
die
FrühsommerMeningoenzephalitis und die Borreliose.
Erste
FrühsommerMeningoenzephalitis-Fälle (FSME)
waren bereits im Januar 2014 zu verzeichnen. Die Krankheitserreger sind
Vieren bzw. Bakterien, die im Darm
oder in den Speicheldrüsen der Plagegeister sitzen. Mit 420 FSME-Fällen
ist 2013 in Deutschland ein bisheriger Höchststand erreicht worden.
Zecken sind weltweit verbreitete Parasiten, die zur Ordnung der Milben
gehören und sich seit 350 Millionen
Jahren kaum verändert haben. Sie ernähren sich vom Blut ihrer Wirte und
haben stechend-saugende Mundwerkzeuge, mit denen sie die Haut ihres
Opfers aufschneiden und sich mit ihrem stacheligen Saugorgan in der
Haut verankern. Durch die betäubende Wirkung des Zecken-Speichels wird
der Biss kaum wahrgenommen. Mit
einem Chemorezeptor, dem HallerOrgan, welches am ersten Beinpaar
sitzt und Ammoniak, Kohlendioxid,
Milch- und Buttersäure aufspürt, machen die Zecken ihr menschliches

oder tierisches Opfer aus. Sie reagierten aber auch auf Lichtveränderungen und Vibrationen und
hängen sich dann an alles, was
ihren Aufenthaltsort durchstreift.
Dabei lassen sich die Zecke auch
von Bäumen fallen. Die achtbeinigen Insekten sind sehr widerstandsfähig und werden bei Temperaturen von 5 bis 7° C aktiv. Bei
-8° C können sie 24 Stunden
überleben. Erst Temperaturen von
unter -20° C töten sie sicher. In
der Waschmaschine werden sie
bei Vollwaschgängen von mindestens 60° C abgetötet. Normalerweise sind ihre Bisse ungefährlich. Aber etwa 30 % der Zecken
sind infiziert. Vor allem in Bayern,
Baden-Württemberg und Osteuropa kommen infizierte Zecken vor,
während weiter nördlich (bisher)
meist nicht infizierte Zecken gefunden worden sind. In letzter Zeit
wurden infizierte Zecken auch im
Saarland und in Rheinland-Pfalz
nachgewiesen. FSME wird durch
Vieren hervorgerufen. Die Krankheit weist grippeähnliche Symptome wie Abgeschlagenheit, Kopfund Gliederschmerzen sowie Fieber auf. Bei einem Teil der Betroffenen kommt es zu Entzündungen
von Gehirn, Hirnhäuten und Rückenmark. Dann besteht Lebensgefahr. Bei anderen Infizierten
treten keine Krankheitszeichen
auf. Auch bei einem leichteren
Krankheitsverlauf kann es aber zu
Folgeschäden wie Lähmungen
kommen. Gegen FSME gibt es Impfungen, die zweimal aufgefrischt
werden müssen. Vier Wochen nach
der ersten Impfung erfolgt eine
zweite Impfung. Erst zwei Wochen
danach gibt es einen wirksamen
Schutz gegen die FrühsommerMeningoenzephalitis. Eine dritte
Impfung, die drei bis fünf Jahre

Schutz vor der Krankheit bieten
kann, muss 9 bis 12 Monate
nach der ersten Impfung folgen.
Eine weitere durch Zeckenbisse
übertragbare Krankheit ist die
Borreliose. Sie wird durch Borrelien, eine spiralförmige Bakterienart, verursacht und tritt
wesentlich häufiger als FSME
auf. Gegen Borreliose ist keine
Impfung möglich, jedoch eine
Behandlung mit Antibiotika.
Während FSME durch den Biss
einer infizierten Zecke sofort
auf den Menschen übertragen
wird, erfolgt die Übertragung
von Borreliose meist erst nach 8
bis 12 Stunden. Durch frühzeitiges und vorsichtiges Entfernen
der Zecke kann deshalb eine
Erkrankung noch verhindert
werden. Von Hausmitteln, wie
beträufeln der Zecke mit Öl oder
die Verwendung von Klebstoff
und Nagellack ist dingend abzuraten.
Durch solche „Gewaltaktionen“
kann der Darminhalt der Zecke
sofort in die Bisswunde und damit in die Blutbahn des Gebissenen gelangen. Das Entfernen
der Zecke sollte daher mit einer
s p i t z e n
P i n z e t t e
(Splitterpinzette) erfolgen, mit
der die Zecke so dicht wie möglich an der Hautoberfläche gegriffen wird, ohne sie zu quetschen. Dann ist sie langsam
mindestens eine Minute lang
von der Einstichstelle wegzuziehen. Die Zecke gibt dann meist
auf und löst sich selbst. Danach
ist die Einstichstelle mit einem
Desinfektionsmittel zu betupfen
und zu beobachten. Bei Rötung
ist ein Arzt aufzusuchen. Die
Wanderröte ist ein Symptom für
Borreliose. Sie tritt nach einigen Stunden bis zu mehreren

Seite 14
Wochen auf. Die Röte wandert, kann
größer, kleiner, dunkler oder heller
werden. Sie kann kreisrund sein oder
sich wie ein Insektenstich äußern.
Manchmal ist sie klar abgegrenzt,
manchmal diffus. Sie kann aber auch
ganz ausbleiben oder unter der Behaa-

rung nicht sichtbar sein. Um es
gar nicht erst zu einem Zeckenbiss kommen zu lassen, ist in
Wäldern lange, eng anliegende
Kleidung zu tragen, es sind die
Wege zu benutzen und nicht
durch das dichte Unterholz zu

laufen. Hilfreich kann auch das
Einreiben der Haut und der Kleidung mit Insektenmitteln sein.
Nach dem Aufenthalt im Wald
sollten Kleidung und Körper
nach Zecken abgesucht werden.

THEMA: KURZGESCHICHTEN, GEDICHTE
DIE

OSTEREIEREI

von Brigitte Foerster
Gibt es zu Ostern eine Feier,
dann fehlen keine Ostereier.
Sie werden ausgeblasen, bemalt an blühende Zweige gehangen,
nur so kann das kleine Kunstwerk zu Ruhm gelangen.
Auch als hartgekochte sind Ostereier sehr begehrt,
so schön gefärbt und bemalt werden sie am liebsten verzehrt.
Zuvor werden sie für uns reichlich versteckt,
Foto: BettinaF / pixelio.de

eine Aufgabe mit Spaß, die List und Freude weckt.
Der Vielfalt sind hier keine Grenzen gesetzt, sie sind nicht allein,
auch aus Schokolade, Nougat und Marzipan können sie lecker sein.
Manchmal werden wir durch den Inhalt der Eier überrascht
und anschließend wird leider nur noch die Hülle vernascht.
Verbleibt noch das Ei im XXL-Format,
ein Monster, wie es früher keine gab.
Der Inhalt eine kleine Vorratskammer,
aber auch der wird schrumpfen, welch ein Jammer!

THEMA: KURZGESCHICHTEN, GEDICHTE
DER

KLEINE

FRECHDACHS

-

FUNKGERÄTE

von Gabriele Lutzke
Als die Jungs größer wurden, suchten
wir uns eine größere Wohnung. Wir
fanden auch eine sehr schöne große
Wohnung und unsere Jungs konnten
nun ihre eigenen Zimmer beziehen.
Im Innenhof gab es einen wunderschönen Spielplatz, der fortan zu Chrissis
Lieblingsorten zählte. Hier lernte er
Björn kennen. Damals waren sie 7 Jahre alt. Björn besaß eine rege Fantasie
und passte ausgezeichnet zu Chrissi.
Oft trafen sie sich auf den Schaukeln
und überlegten, was sie denn spielen
könnten. An einem Sommerabend
schaukelten sie mal wieder vor sich
hin. Ich saß auf dem Balkon und las

ein Buch. Plötzlich hörte ich
Chrissi ganz traurig zu Björn sagen: “Ich finde es blöd, immer der
Kleinste zu sein.“ Einige Jahre
war er tatsächlich immer kleiner
als alle Kinder in seinem Alter.
Seine Freunde waren nicht selten
einen Kopf größer als er. Uns gegenüber hatte er jedoch nie erwähnt, dass er mit seiner Größe
ein Problem hat. Nun klagte er
also Björn sein Leid. Björn antwortete, und für diese Antwort war
ich ihm dankbar: „ Weißt du
Chrissi, auf die Größe kommt es
überhaupt nicht an.“ Björn ist

heute noch sein bester Freund.
Inzwischen sind sie über 20
Jahre alt. An einem anderen Tag
brachte Chrissi unsere Funkgeräte mit auf den Spielplatz. Diese hatten wir für unsere letzte
Urlaubsreise genutzt. Damals
besaßen wir noch keine Handys. Wir fuhren häufig mit dem
Bruder meines Mannes und deren Familie, also mit 2 Autos in
den Urlaub. Über die Funkgeräte konnten wir uns während der
Fahrt immer gut verständigen.
Chrissi sagte also zu Björn:“
Komm, lass uns Spione spie-

Seite 15
len!“ Sie probierten die Geräte aus
und versteckten sich in den Gebüschen. Dies sah mein Nachbar. Er holte ebenfalls ein Funkgerät auf den
Balkon heraus. Als er es ausprobierte,
hörte er die Stimmen von Chrissi und
Björn. Also beschloss er mitzuspielen.
Er sagte also zum Beispiel: „Pass
auf!“ oder „Hinter der Mauer“ oder
Ähnliches zu den beiden. Die beiden
Jungen waren verwirrt. Sie fragten
sich immer gegenseitig: „Was hast du

gerade gesagt?“ oder „Björn,
warst du das eben?“. Das machte
meinem Nachbarn richtig Spaß.
Zum Schluss sagte er: „Achtung!
Achtung! Alles zurück zur Zentrale!“ Chrissi brachte schnell die
Funkgeräte nach Hause und ging
ohne sie wieder nach Draußen.
Das war ihm wohl doch etwas unheimlich. Wir erzählten ihm erst
später am Abend, dass unser
Nachbar „mitspielen“ wollte.

Foto: Rudolf Winterfeldt

THEMA: KURZGESCHICHTEN, GEDICHTE
FRÜHLINGSMORGEN
von Wolfgang Prietsch

Foto: Petra Dirscherl / pixelio.de

Klarheit blau, Synonym Ferne.
Luftmeer, wie unberührt heut,
greif ich nach dir,
ich hab nichts in der Hand.
Kühl aber auf meiner Haut,
weicher und zarter als Wasser,
fühlbare Wirklichkeit.
Ich bin eingetaucht,
unabdingbar atmen,
erfrischend wie Wasser aus Dorfbrunnen,
tief aus der Erde, aus den Weiten des Landes.
Geht in mich ein,
was leicht, fast unwägbar ist.
Wie ein Sommertag
dieser Morgen, Aprilmitte,
wäre die Kühle nicht.
Lichtfülle.
Auf Dächern das Weiß von Tau:
Frostkalt noch des Frühlings Nächte.
Doch die Tage
hellgrün im Licht und jung.
Neu aufkommend: „Es werde“.

THEMA: VERMISCHTES
BEGEGNUNGEN
von Christa-Dorit Pohle
Das alte Jahr liegt nun hinter uns. Die
sehr milden Temperaturen haben ja
nicht so recht Winterstimmung aufkommen lassen. Ich nehme an, dass
die meisten Kinder sich Schneetreiben gewünscht hätten, während wir
Senioren doch eher froh sind über
jeden Wintertag, der uns nicht in
Rutschgefahr bringt. Aber einmal hat
uns Petrus ja noch im alten Jahr mit
einem Flockenwirbel überrascht und
sofort waren viele Kinder auf der Straße mit Schlitten unterwegs.

Am Heiligen Abend war sehr unangenehmes Wetter, alles grau in
grau, eisiger Wind und Regen.
Eigentlich wollte ich ja daheim
bleiben, aber Bewegung in frischer Luft tut doch auch gut und
so startete ich in Richtung SBahnhof Mahlsdorf, um einen
Karpfen zu kaufen. Ein Mann und
eine Frau hatten ihren Verkaufsstand in der Nähe der Bushaltestelle, die Karpfen schwammen
in einem Gefäß und ein großer

Schirm sollte die Verkäufer
vor dem Regen schützen. Aber
durch die Windböen wollte der
Schirm entfleuchen und musste von dem Mann festgehalten
werden. Für die Frau war es
auch nicht so einfach durchzuhalten, bis alle Karpfen verkauft waren. Ich wollte den
Karpfen zu meiner Freundin
bringen und während ich auf
den Bus wartete, stand neben
mir eine alte Dame, die ich

Seite 16
vom Sehen her kenne. Sie hatte keine
Kopfbedeckung auf, die weißen Haare
wurden vom Regen durchnässt, ein
langer seidiger Rock, ein kurzes Jäckchen und zarte Lederschuhe schützten
sie bestimmt nicht vor der Auskühlung. Das Gesicht war fast faltenlos,
der Blick gedankenverloren in die Ferne gerichtet. Sie spürte wohl Wind und
Regen nicht, schien glücklich in der
Erinnerung an frühere Zeiten. Nach
einigen Stationen mit dem Bus stieg
ich Riesaer Straße in die Straßenbahn
um. Mit mir stieg ein junges Mädchen
ein, 17 Jahr, langes, blondes Haar,
weißer, kurzer Anorak, ein hauchdünnes Sommerkleidchen mit Blumenmuster, dünne, weiße Strumpfhosen, rosa
Plateauschuhe mit Lackschleifen. Ich
dachte, Alice aus dem Wunderland
würde mir begegnen. Und einigen jungen Männern in der Straßenbahn sah
man auch an, dass sie erstaunt waren.
„Alice“ wollte am Fahrscheinautomaten ein Ticket kaufen. Sie hatte ihre
Geldbörse in der Hand, hielt diese
ganz dicht vor ihre Augen und steckte
nach und nach viele, kleine Münzen in
den Schlitz. Ich war in der Versuchung,
ihr ein Ticket zu kaufen, aber inzwischen hatte sie den Betrag zusammen.
Endlich kam das Ticket aus dem Automaten und sie musste schon wieder
aussteigen. Ich wünschte „Alice“,
dass jemand aus ihrem Bekanntenkreis erkennt, dass sie dringend eine
Brille braucht. Als ich den Karpfen bei
meiner Freundin abgegeben hatte und
noch in einem Einkaufszentrum vorbei
schaute, um Obst und Gemüse einzu-

kaufen, traf ich dort einen netten, älteren Herrn. Er stand vor
dem Regal mit den Prämien der
Treuepunkt-Sammelaktion. Er
suchte vielleicht noch nach einem Weihnachtsgeschenk. Eine
Karte mit aufgeklebten Treuepunkten hielt er in der Hand und
hatte auch schon eine Prämie
ausgewählt. Ich hatte das Gefühl,
er hätte gerne noch eine zweite
Prämie. Ich sprach ihn an und
fragte, ob er noch eine Karte
gebrauchen könne, ich könnte
ihm eine geben. Er hat sich sehr
gefreut über dieses Angebot,
aber wohl noch mehr über die Ansprache. Wir haben uns noch ein
Weilchen unterhalten und das tat
ihm sichtlich gut. Meine Einkaufstasche war dann doch wieder etwas schwerer als beabsichtigt. Ich kam aus dem Einkaufszentrum, der Regen setzte gerade
wieder ein. Ein junger Mann
sprach mich an und fragte, ob ich
in Richtung Bushaltestelle möchte, und ob er meine Tasche tragen
darf. Er war bei seinen Eltern eingeladen und musste in die gleiche Richtung wie ich. So konnte
ich kurz vorher etwas Freude bereiten, nun spürte ich die Hilfsbereitschaft des jungen Mannes.
Das sind die kleinen Lichtblicke
im Alltag, aber sehr wichtig für
uns Senioren, und das nicht nur
zur Weihnachtszeit. Vor uns liegt
nun das neue Jahr mit allen guten
Vorsätzen, die in den meisten Fäl-

Foto: Juergen Jotzo/www.pixelio.de

len schnell wieder vergessen werden. Herr Dr. Eckardt von Hirschhausen hat einen guten Ratschlag für uns. Er empfiehlt, dass
wir uns unsere Vernunft nicht als
einen großen Chef im Gehirn vorstellen sollen. Die Vernunft sollten wir wie einen schmächtigen
Reiter auf einem Elefanten des
Unterbewusstseins und automatischen Handelns sehen. Und da
sich ein Elefant nicht mit Gewalt
bewegen lässt, sondern mit kleinen Belohnungen für jede Bewegung in die richtige Richtung,
können wir Menschen daraus lernen, dass die kleinen Veränderungen langfristig große Wirkung
bringen. Mit Gewalt kommen
auch wir nicht zum Ziel. Wenn wir
uns aber zum liebevollen Dompteur unserer selbst entwickeln,
dann stärkt es uns als Reiter,
aber auch den Elefanten. Versuchen wir es doch mal mit diesem
Ratschlag, an unser Ziel zu kommen.

THEMA: VERMISCHTES
GUT

VORBEREITET

IN

DAS

„3.

LEBENSALTER“

von Ursula A. Kolbe
Auf dem Höhepunkt der Reife angekommen. Das hört sich hochtrabend
an, aber fest steht doch: Auf dem Höhepunkt der Reife angekommen, heißt
auch, sich einer neuen Herausforderung zu stellen: Die „3. Lebensphase“,
was eigentlich nichts anderes als den
Ausstieg aus dem Berufsleben heißt und dann vor allem die Zeit danach.
Und die Frage dann, wie sie gestalten,
was nun tun. Und da wir heute in aller
Regel auch länger leben, so finde ich,
haben wir auch höhere, sinnerfüllte

Erwartungen für neue geistig aktive und persönlich befriedigende
Ziele die durchaus in eine ganz
neue Richtung gehen können.
Das kann ein recht schmerzhafter
Prozess sein, der mit den Themen
„loslassen, Abschied nehmen und
akzeptieren von Endlichkeit“ zusammenhängt, wie das die Macher von HelfRecht für meine
Begriffe so treffend formulieren.
Mit anderen Worten: Sich für die
neue Wegstrecke neu definieren.

Deshalb durchaus mal ein Wort
zu
den
HelfRechtPlanungstagen zum Thema
„Rollenwechsel“. Und ein Tipp:
Die nächsten Termine für dieses
Jahr finden vom 24. bis 27.
März sowie vom 19. bis 22. Oktober im Golfhotel Fahrenbach
statt. Sicher mit vielen Antworten auf viele Fragen.
Bei Interesse: Weitere Infos
unter info@helfrecht.de oder
www.helfrecht.de.

Seite 17

THEMA: KURZGESCHICHTEN, GEDICHTE
SPÄTWINTER
von Wolfgang Prietsch

Dunkelheit noch, früh sechs Uhr zehn.
Muss zum Bahnhof geh´n.
In eine and´re Stadt
man mich gerufen hat.
An diesem Spätwintertag
ist die Dämmerung grau.
Schneegeruch in der Luft,
doch ich weiß genau:
Des Frühlings Blütenduft
ist nicht mehr weit.
Das weiße kahle Winterland
ist schon bereit
für erste frühe Blüten.
Vor des Spätwinters Kälte behüten
wird sie eine schon warme Sonne.

Foto: turtle78li / pixelio

Am D – Zug - Fenster Blumen aus Eis.
Eine rote Sonne steigt auf
und ich weiß,
die weiße Eisblumenpracht
muss vergeh´ n über Nacht.
Des Winters Lauf ist fast schon zu Ende –
Jahreszeitwende.
So wie dieses Jahr
der Frühling nicht oft erwartet war.
Mittagssonne auf dürrem Strauch,
drauf ein Vogelschwarm:
Wie wir genießen sie auch
erste Wärme.
Unter Spatzen und Meisen ein Starenpaar,
schon im Hochzeitskleid!
Um den Strauch herum noch alles verschneit.
Doch jetzt ist es endgültig wahr:
Der Frühling ist nicht mehr weit.

THEMA: KURZGESCHICHTEN, GEDICHTE
SCHOKOLADENOSTEREIER
von Hannelore Dehl

Foto: Gänseblümchen/www.pixelio.de

Der Osterhase Willy ächzte mit einem
Korb voller Ostereier durch die Gärten.
Es fiel ihm schwer, den prall gefüllten
Korb viele Kilometer zu tragen, um
jedem Kind ein Ei schenken zu können.
Er war schon ziemlich alt und musste

eine Brille mit dicken Gläsern auf
seine Nase setzen, damit er nicht
über Äste und Steine stolperte.
Denn sonst würde es passieren,
dass beim Hinfallen seine Ostereier aus dem Korb kullerten und
entzwei gingen. Das wäre fatal,
hatte sich doch Willy wochenlang
Mühe gegeben, die Eier mit Zuckerfarbe zu verzieren.
In diesem Jahr sollte es für die
Kinder etwas Besonderes, mal
etwas Anderes geben - Schokoladen- und Marzipan-Eier. Ihm war
zu Ohren gekommen, dass sie diese besonders gern mögen. Willy
war schon ziemlich weit gelaufen.
Jetzt wollte er sich eine kurze

Pause gönnen. Er nahm seinen
Korb von den Schultern, stellte
ihn vorsichtig ab und legte sich
unter einen Haselnussstrauch.
Wie er da so lag und von zuhause
träumte, stieg ihm der süße und
sahnige Schokoladenduft in die
Nase. Das Wasser lief ihm in seinem Maul zusammen. „Ich könnte wenigstens ein Ei kosten“,
flüsterte er sich zu und drehte
sich nach allen Seiten um, ob er
auch von keinem beobachtet
werde. Noch nie hatte er ein Ei
aus seinem Korb stiebitzt, all die
Jahre nicht. „Ein Ei wird ja nicht
auffallen und verdient habe ich
es allemal“, mümmelte er in sich

Seite 18
hinein. Gesagt, getan, schon war ein
buntes Ei in seinem Maul gelandet.
Ganz langsam, sozusagen genüsslich,
ließ er die Schokolade auf seiner Zunge zergehen, schloss dabei seine Augen und lächelte zufrieden vor sich
hin. Lecker! Doch er musste weiter.
Mit der Zunge leckte er die letzten
Krümel aus Schokolade und Marzipan
von seinem Maul, sprang entschlossen
auf und warf sich den Korb auf die
Schultern. Mit großen Schritten lief er
weiter, denn die Kinder warteten bereits ungeduldig auf ihre Ostereier. Er
sah sie schon über die Wiesen laufen
und unter den Bäumen suchen. Willy
verteilte alles, was er in seinem Korb
hatte – bis er leer war. Schon wollte er
den Rückweg nach Hause antreten, da
sah er in einem Garten den kleinen
Jonathan weinen. Seine Schultern
hüpften hoch und runter, die Tränen
kullerten die Wangen entlang. Obwohl
er unter den Sträuchern, Hecken und
zwischen den Blumen gesucht hatte,
fand er kein einziges Ei. „Der Osterhase hat mich vergessen!“ rief er laut.

Auch Mama und Papa konnten ihn
da nicht trösten. Als Willy das sah
und hörte, bekam er ein mächtig
schlechtes Gewissen. Er hatte das
Ei von Jonathan aufgegessen! Da
schämte er sich fürchterlich und
überlegte, wie er das wieder in
Ordnung bringen könne. Er flitzte
zurück in die Schokoladenfabrik,
doch alle Eier waren bereits ausgeliefert. Es gab keine Schokolade, alle Farbtöpfe waren leer. Willy suchte in allen Winkeln der Fabrik. Bis er etwas fand, das er nur
für Jonathan tat, zum ersten Mal
in seinem Hasenleben. Er knetete,
formte mit Geduld und all seiner
Phantasie, die ihm zur Verfügung
stand. Fertig! Schnell, schnell zu
Jonathan, damit er nicht weg
läuft, den ganzen Tag traurig ist.
Ganz vorsichtig nahm Willy sein
fertiges Stück in die Pfote und
rannte wie ein Kugelblitz zum kleinen Jonathan. Der saß immer noch
ganz traurig im Garten. Der Osterhase stellte sein Stück mitten auf

den Weg, damit der kleine Junge
bald die Überraschung erblickte.
Jonathan wollte gerade mit seinem leeren Körbchen wieder in
das Haus gehen, da wäre er doch
beinahe auf etwas getreten! Was
war das? Ein kleiner Hase, ein
Marzipanhase stand mitten auf
seinem Weg, lachte ihn an mit
hoch aufgerichteten, langen Ohren. So etwas Schönes hatte ihm
noch nie der Osterhase gebracht.
Überglücklich und ganz vorsichtig setzte er seinen kleinen Hasen in das Körbchen. Der Osterhase hatte ihn doch nicht vergessen! Willy ging zufrieden nach
Hause und beschloss: Nie, nie
wieder esse ich dem Jonathan ein
Osterei weg. Lieber esse ich im
nächsten Jahr in der Pause ein
Hasenbrot. Allen Lesern des Magazins „Spätlese“ wünsche ich
ein frühlingshaftes Osterfest.

THEMA: KURZGESCHICHTEN, GEDICHTE
WANDERUNG

IM

VORFRÜHLING

von Wolfgang Prietsch

Foto: I. Rasche / pixelio.de

Dein und mein Fuß
treten auf Sand, auf Gras und auf Steine,
die haben einen langen Weg
durch Raum und Zeit hinter sich.
Die liegen und können warten,
denen ist es recht so, wie es ist,
und unser Fuß stört sie nicht.
Wir können nicht warten,
wir haben nicht so viel Zeit.
Wir sind nur kurz da
und können uns
mit den Steinen nicht messen.
Ein Jahrhundert Leben –
das wäre schon das Maximum –
wenn die Zeit geologisch markiert wird.

So gehen wir,
bewusst der Endlichkeit unseres Gehens,
über das Land,
und lassen ein in uns
-das Licht, solange es da ist,
-die Wärme, die geht weit unter die Haut,
-die Töne, leise wahrnehmbar – differenzierte
und unhörbar – ahnbare,
-die Farben, Allweite Blau,
und Hoffnung Grün vor allem,
die Grundfarbe Sand, vorherrschend jetzt noch,
und den leichten Druck des Windes auf dem
Gesicht.
Nicht lassen wir ein
vergangene Schatten.

Seite 19

THEMA: LITERATUR, BUCHTIPPS
FÜR SIE
LATOUR:

GELESEN:
PETER SCHOLL„RUSSLAND IM ZANGENGRIFF

„

von Waltraud Käß
„Bei der aktuellen Bewertung der
Rußländischen Föderation unter Wladimir Putin wird jeder Beobachter, der
den Namen verdient, stets auf die Geschichte zurückgreifen und auf die
Geographie, die laut Napoleon die
politischen Abläufe bestimmt…“
Diesen Satz aus dem zu besprechenden Buch will ich doppelt unterstreichen. Zum einen verdient der Autor
Peter Scholl-Latour den Titel
„objektiver und genauer Beobachter“,
zum anderen lässt der Inhalt erkennen, dass es unerlässlich ist, bei der
Bewertung aktueller Geschehnisse
stets auch die Geschichte im Blick zu
behalten, nach historischen Ursachen
zu suchen. Wie sich die verschlungenen Wege zwischen dem Zarenreich
Russland, dem Kaiserreich China und
Japan kreuzten, durch welche Gebietsansprüche und Eroberungen die
verschiedenen Völker ihre Traditionen
und auch ihre Religion beibehielten
bzw. mischten, wie damit die Grundlage für die aktuellen Auseinandersetzungen und Beschwernisse entstanden, welche Rolle die USA aktuell in
diesem komplexen Geschehen spie-

len, das ist hoch brisante Geschichtsschreibung und nirgendwo so zu lesen. Peter SchollLatour hat das bravourös gemeistert. Er ist aber nicht nur in der
Geschichte geblieben. Er weiß
ganz genau, worüber er schreibt,
denn er kennt die Länder, hat sie
alle bereist, hat mit Menschen
verschiedener Volksgruppen und
Ethnien gesprochen, hat mächtige und weniger mächtige Herrscher getroffen. Die umfangreichen Informationen, die er dabei
gesammelt hat, versetzen ihn in
die Lage, im Zusammenhang mit
den historischen Prozessen die
aktuelle Situation scharf aber
objektiv zu analysieren und für
zukünftige Ereignisse zu bewerten. Welche Bedeutung die überlieferten Traditionen und die religiösen Riten im Leben dieser Völker auch heute noch haben, das
wird in diesem Buch auch besonders beleuchtet. Wohltuend hebt
sich das Buch von der oberflächlichen Berichterstattung der Medien zu gegenwärtigen Vorgängen

Foto: A.Dreher/www.pixelio.de

ab. Bereits im Jahre 2007 erschienen, jetzt in 12. Auflage,
hat es doch an Aktualität nichts
verloren, und es liest sich so
spannend wie ein Kriminalroman. Menschen, die an politischer Weiterbildung und historischer Wahrheit interessiert sind,
kann ich dieses Buch nur empfehlen. Der Autor: Peter SchollLatour (1924 – 2014), Journalist
und Publizist, Korrespondent in
der ganzen Welt, Fernsehdirektor
des WDR, Herausgeber des
Stern, viele TV-Sendungen über
die Brennpunkte des Weltgeschehens, Herausgeber weiterer
Bücher
Peter Scholl-Latour
Russland im Zangengriff
Putins Imperium zwischen NATO,
China und Islam
ISBN 978-3-548-36979-2

THEMA: LITERATUR, BUCHTIPPS
BUGA 2015 HAVELREGION-DAS
BUNDESGARTENSCHAU

OFFIZIELLE

BUCH

ZUR

von Ursula A. Kolbe

Foto: Schelfbuch Verlag

Alles rund um diese erlebnisreiche
Schau – übersichtlich, detailliert, das
praktische Taschenbuch eben für
neue, erholsame Ausflüge in der Re-

gion. Charakterisiert auch mit
dem inzwischen schon weit bekannten
Maskottchen WILMA
WELS, Sinnbild seiner vielen Artgenossen in der Havelregion und
wunderschöne Idee von der damals 13jährigen Bonny Luisa Donner; umgesetzt vom DesignAtelier Engelkamp/Kunz in Crevese. Der perfekte Reiseplaner und
somit ideale Begleiter für einen
BUGA-Bummel stellt das insgesamt 53 ha große Gelände an seinen fünf Standorten mit den Veranstaltungen vor.
Seine Geschichte, die Themengärten und

insgesamt 32 Blumenhallenschauen wecken Lust und Neugierde. Karten, Visualisierungen
und präzise Tipps zu An- und
Weiterreise, zu touristischen
Angeboten und Rahmenprogramm, zu Begleitprojekten und
Kooperationspartnern helfen
zudem bei der frühzeitigen Planung und Orientierung vor Ort.
Natürlich lädt auch jeder BUGABürgermeister mit einem originellen Willkommensgruß in seine Kommune ein. Herausgegeben und vertrieben vom Schelfbuch Verlag, Schwerin.

Seite 20
ISBN 97839416891169; EURO 6,95.
Erhältlich
in
den
BUGAVorverkaufsstellen der Havelregion
sowie im Buchhandel und in PresseShops. Nach BUGA-Start auch an den
Kassen und in den Souvenirpavillons.
Noch ein kurzes Wort zur BUGABroschüre „Grünes Klassenzimmer“ .
Darin werden in fünf Schwerpunkten
126 Themen und insgesamt 864 Veranstaltungen beim Wissen-undWachsen-Bildungsprojekt „Grünes
Klassenzimmer“ angeboten. Die 80

Partner dieses Projekts sind u. a.
Universitäten, Institute, Akademien und Schulen, ebenso Verbände, Vereine, Natur- und Umweltorganisationen, Künstler. Die Angebote richten sich an Schulklassen,
Jugendgruppen, Kindergärten, die
Familien, kurz, an alle Interessierte. Das Entdecken, Experimentieren, kreative Umsetzen sind
vielfach gute Schulergänzungen,
beleben die Feriengestaltung. Umfangreiche Anreiseübersichten,

BEZIRKSAMT MARZAHN-HELLERSDORF VON BERLIN
RIESAER STRAßE 94
12627 BERLIN
REDAKTION SPÄTLESE
Telefon: (030) 90293-4371
Telefax: (030) 90293-4355
E-Mail: magazin-spaetlese@gmx.de
Internet: www.magazin-spätlese.net
BISHERIGE ONLINE-AUSGABEN
AB JAHR 2008 FINDEN SIE IN UNSEREM ARCHIV UNTER:
WWW.MAGAZIN-SPAETLESE.NET

Geländepläne und Übernachtungsmöglichkeiten für Schulklassen erleichtern die Öffnung
des Unterrichts im Erlebnisraum
Havelland.
Infos: www.buga2015-havelregion.de/gruenesklassenzimmer.html;
www.bildungsserver.berlinb
r
a
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d
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