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Periodical volume

Full text: Spätlese Issue 2014,7/8

Ausgabe Juli—August 2014

20

SPÄTLESE

www.magazin-spätlese.net

DAS MAGAZIN FÜR AUFGEWECKTE SENIORINNEN UND SENIOREN
Inhalt der Ausgabe
Mit der Seilbahn auf den
"Wolkenhain"

2

In kleiner Runde regiert
sich's leichter

3

Nun auch auf grenzenloser
Odertour

3

Ist das Leben Freude?

4

Warum denn in die Ferne
schweifen…,

5

Auch im Harz die Natur Natur
sein lassen

7

Musikalische Gartenstunde

8

Von Dom zu Dom - Das blaue
Band der Havel

9

Schatzkammern der Kulturgeschichte aufgespürt

11

Grauer Star

12

Der Hundeflüsterer
auf "Forschungstour"

13

Die Flugreise

14

In Griechenland

15

Opas Abenteuer in der neuen
Uni-Bibliothek der Berliner
Humboldt-Uni

15

Enttäuschung

17

Gras - Urwald

17

Für Sie gelesen: Das Hohe
Haus Autor: Roger Willemsen

17

Wo Deutschland am
schönsten isst

18

Für Sie gelesen…. "Lies mir
vor von Mäuseken Wackelohr" - Klassische Kindergeschichten der DDR

18

Wegweiser durch die digitale
Welt

19

Veranstaltungstipp: Lesung
des Literarischen Frauenstammtisches BerlinMarzahn

19

Die Fahrausweise zur Kontrolle bitte!

20

WAS ERWARTET SIE IN DIESER AUSGABE?
Die neue Ausgabe des Senioren-Magazins „Spätlese” ist
online unter:
www.magazin-spätlese.net
verfügbar.
Die Leserinnen und Leser können sich auf interessante und
lesenswerte Themen freuen.
Die ehrenamtlichen Autoren
haben sich auch in dieser Ausgabe bemüht, für jeden Geschmack etwas anzubieten.
Barbara Ludwig beschäftigt
sich mit unserer Regierung
und dem Leben. Christa-Dorit
Pohle hat sich über den
„Hundeflüsterer“ belesen.

Ursula A. Kolbe berichtet über
den Harz, den Tourismus auf
der Oder, die BUGA 2015, der
IGA 2017 und gibt Buchtipps.
Waltraud Käß schreibt über
eine musikalische Gartenstunde, über das „Hohe
Haus“, über eine Fahrkartenkontrolle und erkundete das
Berliner Umland.
Weitere Autoren berichten
über eine Flugreise, den
„Grauen Star“, Urlaub in Griechenland und ein Erlebnis in
einer Bibliothek.

www.magazin-spätlese.net

Seite 2

THEMA: AUS DEM BEZIRK
MIT

DER

SEILBAHN

AUF

DEN

"WOLKENHAIN"

von Ursula A. Kolbe

Bild: Leitner ropeways, Kolb Ripke Architekten

Schritt für Schritt kann man sich vom
Fortgang der IGA-Aktivitäten 2017 in
Marzahn-Hellersdorf überzeugen. Sicher, bis 2017 ist es ja noch ein Stück,
könnte man meinen. Aber es ist ja auch
viel zu tun. Aber ein weiterer Schritt ist
nun besiegelt: Die Seilbahn für die IGA
kommt. Den Zuschlag hat die alteingesessene, in Südtirol beheimatete und
weltweit bekannte LEITNER AG erhalten. Nach Mexiko-City, Hongkong, auf
der EXPO 2000 in Hannover und weiteren Orten wird sie hier ihre Bahn quer
über das rund 100 Hektar große Areal
bauen und betreiben.
Kurz zur Erinnerung: Auf einer Länge
von rund 1,5 km werden die 65 barrierefreien Gondeln mit je zehn Personen
die Besucher von der U5-Station Neue
Grottkauer Straße über die Aussichtsplattform Wolkenhain auf dem 100 Meter hohen Gipfel des Kienbergs zum
künftigen Haupteingang der Gärten der
Welt am Blumberger Damm bringen.
Bis zu 3.000 Personen können pro
Stunde und Richtung in 30 Metern Höhe und einer Geschwindigkeit von etwa
21 km/h über das naturbelassene
Wuhletal schweben.
Die Kosten in Höhe von rund 14 Millionen Euro trägt das Unternehmen allein.
Betreiber, Bezirk und Senat haben sich
für das naturverträglichste und energieeffizienteste Verkehrsmittel entschieden.
IGA-Geschäftsführer Christoph
Schmidt: „Sie verkürzt die Wege und
erschließt Ausstellungsbereiche, die
für Familien mit kleinen Kindern, ältere
Gäste sowie Besuchern mit Handicup
sonst nicht zugänglich wären. Gleich-

Gesetz heute doch wohl als
zeitig ist eine Fahrt mit der
„vorausschauend“,
Seilbahn ein besonderes ErIn dem Zusammenhang: Berlin
lebnis, das in Erinnerung
hatte vor 50 Jahren durchaus
bleibt.“
schon mal eine Seilbahn. NämUnd ist zugleich auch ein
lich zur „Internationalen Baumögliches Modell für zukünftiausstellung“ im Jahre 1957
ge großstädtische Infrastrukauf dem Gelände des heutigen
turen stellte Staatssekretär
Hansaviertels. Sie war das
Christian Gaebler heraus.
„erste Bauwerk“, das auf der
Denn weltweit werde der EinInterbau von einem Allgäuer
satz von Seilbahnen hinsichtBergbahnbetrieb errichtet wurlich der Bewältigung städtide. Damals schwebten bis Sepscher Verkehrsprobleme zutember 1958 die Gondeln auf
nehmend diskutiert.
1,4 km zwischen Bahnhof Zoo
„Das ist kein Marketing-Gag“,
und dem Schloss
sagte Martin LeitBellevue.
ner bei der ProZurück ins Heute:
jektpräsentation.
zu
3 . 0 0 0 Für die neu entsteNatürlich
solle „ B i s
Seilbahn
Geld
v e r d i e n t , Personen können pro h e n d e
aber auch der Stunde und Richtung wünscht sich der
Nachweis erbracht über das Wuhletal M a r z a h n Hellersdorf Stadtrat
werden, dass Seil- schweben. “
für Stadtentwickbahnen auch in
lung Christian Gräff
Städten
neben
eine künftige Dauernutzung.
dem bestehenden öffentlichen
Seine Vision: Wenn dann die
Netz durchaus Sinn machen.
U5 ab 2019 vom Hauptbahnhof
Derzeit baue seine Firma z. B.
bis nach Hellersdorf fährt, sei
eine Stadtseilbahn in der türder Ausflugsort Gärten der
kischen Hauptstadt Ankara.
Welt auch für auswärtige BesuNun steht das Planfeststelcher noch schneller und belungsverfahren im Blick. Trotz
quemer erreichbar.
der überschaubaren Distanz
Und auch darauf verwies Gräff:
von 1,5 km sind dafür zwei
Nach der IGA werden das KienJahre angesetzt. Gebaut aber
berggelände und Wuhletal wiewerden soll in sechs bis neun
der unentgeltlich und öffentMonaten, so Christoph
lich zugänglich sein. Der beSchmidt. Der Fahrpreis werde
liebte Radweg durch das Wuhim Eintrittsticket enthalten
letal bleibe auch während der
sein.
IGA frei zugänglich.
Und nach der IGA 2017? Vertraglich sind weitere drei JahBrandenburg „schmückt“ das
re Nutzung festgelegt. Dann
IGA-Tor von Osten her
stehen neue Entscheidungen
an.
Das benachbarte Brandenburg
Zum Thema Planer fügte
will ebenfalls zum Gelingen der
Christian Gaebler noch hinzu,
Gartenschau, die sicher auch
dass Berlin auf Druck der EU
viele Besucher aus dem märkiim Jahre 2003 eine eigene
schen Land anlocken wird,
Seilbahnordnung erl assen
beitragen und richtet seinen
musste, weil sonst eine StrafBlick auf erste Projekte im Umzahlung in Höhe von 791.000
feld des IGA-Standortes. Nach
Euro gedroht hätte. Damals
den Worten von Infrastrukturbelächelt, erweise sich das

Seite 3
minister Jörg Vogelsänger in einer
Runde mit Berlins Staatssekretär
Christian Gäbler und Kommunalpolitikern aus dem IGA-Umfeld sollen
der Lenné-Park in Hoppegarten sowie das Schlossareal in Altlandsberg

aufgewertet werden. In Hönow,
von Osten her gewissermaßen das
Tor zum Gartenschaugelände,
könnten u. a. Besucherparkplätze
entstehen, von denen nach Abschluss der IGA vor allem Pendler

profitieren würden. Im Fokus
steht ebenso die Entwicklung
des Museumsparks Rüdersdorf.

THEMA: POLITIK, WIRTSCHAFT UND SOZIALES
IN

KLEINER

RUNDE

REGIERT

SICH'S

LEICHTER

von Barbara Ludwig
Viele Leser haben es einfach überlesen, was da in der „Berliner Zeitung“
am 19. März in diesem Jahr vermeldet wurde. Doch wer es gelesen hat,
dem sträubten sich die Haare.
Daniela Vates, Journalistin, teilte in
ihrem Artikel mit, dass die Kanzlerin
Merkel den Koalitionsausschuss, ins
Leben gerufen von Kohl, im bisher
üblichen Umfang nicht mehr benötigt. Dieser ist einer der wichtigsten
Regierungsinstrumente mit der Aufgabe, den Interessenausgleich in der
sozial und politisch heterogenen Gesellschaft zu vermitteln.
Es handelt sich dabei um so umstrittene Themen wie Mindestlohn, Rente
mit 63, Gesetz für Erneuerbare Energien, Mütterrente, Ausbau von Kitas,
Frauenquoten. Kurzerhand ergingen
die entsprechenden Einladungen nur
noch an Horst Seehofer (CSU) und
Sigmar Gabriel (SPD). Zu dritt also

wird nun über die Geschicke
unseres Landes beraten und
entschieden. Demokratieverlust? Und wenn schon.
Kanzlerin Merkel scheint
erst mal froh zu sein, den
„Kleinkram“, der bei Diskussionen auftritt, los zu sein
und außerdem Zeitersparnis
zu haben. Der Koalitionsausschuss war ehemals hochkarätig besetzt: die ParteiBild: Leitner ropeways, Kolb Ripke Architekten
und Fraktionschefs und die
Und die Qualität der EntscheiGeneralsekretäre der Regierungsdungen? Wir, das Volk, werden
partner. Diese trugen ihr Wissen,
sie zu spüren bekommen.
das für gesellschaftspolitische
Merkwürdig allerdings ist das
Entscheidungen nötig ist, zusamVerhalten der großen Koalitionsmen und konnten so, wie demorunde. Keiner spricht im Bundeskratisch üblich, die entsprechentag darüber, keiner begehrt auf.
den Entscheidungen gemeinsam
Unwichtig oder was? Wieder eine
treffen. Jetzt wird das in kleiner
kleine Amputation der DemokraRunde zu dritt erledigt. Weniger
tie. Wie viele noch?
Diskussionen, weniger Aufwand.

THEMA: POLITIK, WIRTSCHAFT UND SOZIALES
NUN

AUCH

AUF

GRENZENLOSER

ODERTOUR

von Ursula A. Kolbe
„In guter Nachbarschaft“ - und das
im besten Sinne des Wortes und im
Alltag längst verbürgte Realität. Polen, unser östlicher Nachbar jenseits der Oder, ist nunmehr seit zehn
Jahren Mitglied in der EU. Ganz in
diesem Sinne stand kürzlich die Veranstaltung der IHK Berlin, auf der
die Rolle der gewachsenen wirtschaftlichen Verflechtung zwischen
Polen und Berlin gewürdigt wurde.
Polnische bzw. polnischstämmige
Unternehmen stellen mit einem Anteil von knapp 20 Prozent aller hier
gemeldeten ausländischen Gewerbe
die bei weitem größte und gründungsfreudigste ausländische Business Community. Erinnern wir uns:
Vor zehn Jahren, am 1.Mai 2004,

wurden acht osteuropäische Länder und zwei Mittelmeerstaaten
Mitglieder der EU. Durch den Beitritt Estlands, Lettlands, Litauens,
Maltas, Polen, der Slowakei,
Tschechiens, Ungarns und Zyperns
wuchs die EU mit einem Mal um 75
Millionen Einwohner.
Aus diesem Anlass würdigten fünf
Außenminister, unter ihnen auch
Frank-Walter Steinmeier, in einem
gemeinsamen Brief diesen Schritt
und schreiben einleitend „In der
Nacht zum 1. Mai 2004 war Europa in Feststimmung. Als um Mitternacht die Feuerwerke zündeten,
reichten sich die Menschen auf
der Oderbrücke zwischen Frankfurt und Slubice die Hände, und

mit ihnen zwei lange getrennte
Hälften unseres Kontinents.“
(Nachzulesen im „Tagesspiegel
vom 30.04.2014.)
Die deutsch-polnischen Wirtschaftsbeziehungen waren in
den letzten zwei Jahrzehnten
durch eine erfolgreiche Kooperation geprägt, der deutschpolnische Nachbarschaftsvertrag hat es besiegelt. Allein der
deutsch-polnische Warenumsatz
ist in dieser Zeit fast um das
Siebenfache gestiegen. Kennzeichnend auch für Berlin sind
die ständig steigenden Ein- und
Ausfuhren, und diese Entwicklung verstärkte sich mit dem EUBeitritt noch einmal deutlich.

Seite 4

Foto: Hans-Jürgen Kolbe

So wuchsen die Ausfuhren z. B. zwischen 2004 und 2007 jährlich um
durchschnittlich 20,7 Prozent. Das Niveau der Einfuhren aus Polen nimmt
seit 1997 fast durchgängig zu und erreichte im Jahr 2011 seinen bisherigen
Höhepunkt.
Deutsch-polnische Partnerschaft mit
„Wasser unter dem Kiel“
Und in diesem Zusammenhang kann
man auch den Start der ersten gemeinsamen wassertouristischen Saison auf
der Oder sehen. Erstmals seit 70 Jahren legen zwei neu gebaute Ausflugsschiffe, die „Zefir“ und „Laguna“, diesseits und jenseits der Oder an. Bis auf
wenige Charterangebote war in den
Jahrzehnten zuvor dieses maritime Erlebnis zum Erliegen gekommen.
Seit wenigen Wochen nun pendeln die
beiden Kapitäne Tadeusz Raduchala
und Leon Cynk mit ihren Crews bis in
den Oktober hinein zwischen den Orten
Krosno Odrzanskie, Eisenhüttenstadt,
Slubice, Frankfurt/Oder und Kostrzyn

nad Odra nach einem festen
Tourenplan. Gebaut wurden die
Schiffe in den beiden polnischen Flusswerften Januszkowice und Kedzierzyn Kozle. Die
Vermarktung obliegt dem Verein „Oder für Touristen“. Wir
„enterten“ an der Anlegestelle
in Frankfurt/Oder am Holzmarkt die „Zefir“, um auf ihr
die grenzüberschreitende
Jungfernfahrt mitzuerleben,
die Natur dieser Region kennen zu lernen, hat sie sich
doch in den letzten Jahren zu
einem attraktiven Gebiet für
Naturliebhaber, Wasserfreunde überhaupt entwickelt. Dieses von der EU geförderte Projekt „Odra dla Turystow – die
Oder für Tourismus 2014“
trägt quasi im 10. EU-Sommer
erste Früchte und ist stolzes
Ergebnis drei Jahre langer Arbeit der in Frankfurt/Oder und
Poznan beheimateten deutschpolnischen Beratungsagentur,
die dieses Projekt im Auftrag
der federführenden polnischen
Stadt Nowa Sól koordiniert
hat. Im Ergebnis wurden u. a.
insgesamt auf 230 km Flusslänge zwischen Bytom
Odrzanski in der Wojewodschaft Lubuskie und Küstrin

eine Infrastruktur mit Häfen
und Sportboot-Marinas nach
dem Vorbild der Gelben Welle
geschaffen. Es gibt zweisprachiges Kartenmaterial und einen detaillierten Reiseführer,
erhältlich in allen beteiligten Städten. Frankfurt/Oder
erhält im Winterhafen einen
Schwimmsteg, und eine Marina
für Sportboote wird gebaut und
so die Möglichkeit erhalten,
Motoryachten eine Anlegestelle im Einklang mit den Anforderungen der WEP3 zu bieten.
Weitere Vorhaben sind für den
Ausbau der Infrastruktur, weitere Entwicklung der Gastronomie und Übernachtungsmöglichkeiten, zur Förderung des
Tourismus beiderseits der Oder
sind voll im Blick. Übrigens ist
„Oder für Touristen 2014“ die
Fortführung von Aktivitäten,
die im Jahre 2004 in Nowa Sól,
Bytom Odrzanski, Eisenhüttenstadt und Cigacice begonnen
wurden. Und jetzt laufen schon
neuen Gespräche der Projektpartner unter dem Titel „Oder
für Touristen 2020 – Lebuser
Anlegestellen“. Das soll insbesondere die Schifffahrt auf der
Mittleren Oder weiter voran
bringen.

THEMA: KULTUR, KUNST UND WISSENSCHAFT
IST

DAS

LEBEN

FREUDE?

von Barbara Ludwig und U. Raupach
Ich schlief und träumte,
das Leben wäre Freude.
Ich erwachte und sah:
Das Leben ist Pflicht!
Ich handelte und siehe,
die Pflicht ward zur Freude.
Dieses Gedicht von Rabindranath Tagore, indischer Nobelpreisträger für Literatur, regt zum Nachdenken an und
lässt letztendlich den Schluss zu, dass
diese Verse in sich die volle Wahrheit
bergen und lebendig in das Denken und
Handeln der Menschen dringen. Ja, wir
selbst haben die Pflicht, unsere Lebensumstände so zu gestalten, dass sie
sich auf uns günstig auswirken. Des-

halb ist es wichtig, die Pflicht
als notwendig zu erkennen.
Dann wird sie nicht zur Last.
Das jedoch ist ein ‚heißes Eisen‘, weil die Bewertung von
Mensch zu Mensch unterschiedlich erfolgt. Unter dem
Gesichtspunkt der körperlichen und geistigen Lage muss
jeder einzelne für sich selbst
diese Notwendigkeit bestimmen. Immer jedoch unter
Wahrnehmung des Höchstmöglichen. Das bedeutet, man
sollte stets etwas mehr tun,
als man sich eigentlich vornimmt. Die Pflichterledigung

Bild: Bredehorn Jens / pixelio.de

kostet oftmals Überwindung.
Wir müssen hin und wider den
‚inneren Schweinehund‘, der
uns ja doch nur Faulheit bestätigt, verdrängen. Aber haben
wir ihn vertrieben und den
schwierigen Anfang begonnen,
dann läuft alles wie von selbst.
Wir sind dann also mit der Er-

Seite 5
ledigung der Arbeit im Fluss des Lebens
und mit Recht stolz auf unsere Leistung.
Freude beflügelt und treibt zu weiterem
Handeln an. Auf universelle Notwendigkeiten sollte keiner verzichten. Das ist
zuvörderst die ganze Palette täglicher
Pflichten. So die umfassende Hygiene,
alle Aktivitäten zur Gesunderhaltung,
die stete geistige Weiterbildung oder
die ehrenamtliche Arbeit konsequent zu

erledigen, das freudige Zugehen auf andere Menschen und
das Entwickeln der Empfindungsfähigkeit, was ein anderer braucht und fühlt. Damit
verbunden ist unsere stete
Hilfsbereitschaft Menschen
gegenüber, die Hilfe benötigen.
Somit fördern wir trotz unseres
Alters gleichzeitig nicht nur

unsere geistige Bildung, sondern auch unsere Herzensbildung und Nächstenliebe. Ist
die Arbeit mit Erfolg getan,
tritt immer eine unglaubliche
innere Freude und Befriedigung auf, die ‚Berge versetzen‘
können. Mit diesem Glücksgefühl schließt sich der Kreis:
„Die Pflicht ward zur Freude.“

THEMA: BERLINER ORTE
WARUM

DENN

IN

DIE

FERNE

SCHWEIFEN…,

von Waltraud Käß
warum sich in vollen Zügen der Deutschen Bahn dem Osterreiseverkehr aussetzen? Warum nicht mit der S-Bahn
gemütlich das nahe liegende Berliner
Umland erkunden? Ich entschied mich
für letztere Variante. Mein Finger fuhr
in großem Bogen über das Verkehrsnetz
von S- und U-Bahn und blieb über einem
Namen hängen, der sofort mein Interesse weckte: Waidmannslust. Er klingt
nach Natur, Wald, Jagdgründen mit viel
Wild und der Freude des Jägers, wenn er
erfolgreich war, die ich übrigens nicht
teilen kann. Allerdings erachte ich die
pflegerische Arbeit des Jägers für notwendig.
Der Ortsteil liegt unweit von Birkenwerder, auch nicht weit entfernt von Oranienburg. Mit der
S 1 ab Friedrichstraße oder mit der S 85
ab Ostkreuz ist er gut und schnell zu
erreichen. Letztere Verbindung gibt es
aber nicht an Samstagen, Sonn- und
Feiertagen.
So machte ich mich am Vormittag des
Ostersamstag auf den Weg. Je mehr ich
mich dem Stadtzentrum näherte, wurde
deutlich, dass die Stadt voller Touristen
war. An jeder Station stiegen große und
kleine Gruppen ein und aus, viele Reisende mit Stadtplänen in den Händen,
das Sprachengewirr war international.
Vom Zug aus überblickte ich aus dem
Fenster den Alexanderplatz, der voller
Menschen war, die wie Ameisen durcheinander wuselten. Die Ziele ihres persönlichen Osterspaziergangs liegen eng
beieinander - Galeria Kaufhof, Saturn
und Alexa.
Ab Friedrichstraße führt die Strecke
über Nordbahnhof, Humboldthain, Bornholmer Brücke, die im Herbst 1989 eine

Rolle bei der Grenzöffnung
spielte, Wilhemsruh bis
nach Waidmannslust. Der
Zug nach Oranienburg war
in meiner näheren Umgebung nur mäßig besetzt.
Ich bemerkte einen Mann,
der sich sehr ungeniert,
mit der Bierflasche in der
Hand, in einer Ecke des
linken Abteils niedergelassen hatte. Dem Osterwasser
schien er schon reichlich zugesprochen zu haben, denn er
sprach mit seiner Bierflasche.
Ihm gegenüber befand sich ein
jüngerer Mann, den das nicht
zu stören schien. Aus den
Stöpseln in seinen Ohren führten weiße, dünne Kabel zu einem Smartphone, welches er
fleißig bediente.
Das nächste Abteil war mit einer Frau besetzt, die mit zwei
Einkaufsbeuteln am Bahnhof
Friedrichstraße zugestiegen
war. Nachdem sie saß, schien
der Griff zum Handy absolut
notwendig zu sein. Zwei Verbindungen kamen nicht zustande.
Das machte sie unwirsch. Bei
der dritten hatte sie Glück.
"Hast du schon den Hasen gefüttert?" hörte ich ihre Frage.
Die Antwort schien sie nicht zu
befriedigen. "Was, es sind keine Möhren mehr da. Darum
solltest du dich doch kümmern." Ich hörte mit, aber es
interessierte mich nicht. Wieder die schrille Stimme. die
sich zu steigern schien. "Aber

Foto: Helene Souza / pixelio.de

ich muss immer Zeit haben. Um
alles muss ich mich kümmern.
Hier stehen schon zwei volle
Einkaufsbeutel. Ach, wenn man
nicht alles alleine macht. Ja,
ich gehe noch am Gemüsemarkt vorbei. Aber das eine
sage ich dir, deine Eier kannst
du alleine färben." Mit zornrotem Gesicht schloss sie die
Klappe des Handys, meinem
Blick wich sie demonstrativ
aus,obwohl ich ihr mitleidsvoll
zunicken wollte.
Am Humboldthain stieg eine
junge Frau zu, die mir gegenüber Platz nahm. Was heißt
Platz nahm? Sie schmiss sich
auf den Sitz, knallte ihre große,
bunte Tasche neben sich,
drückte eine Blase Kaugummi
aus dem Mund, griff zum Handy, und wieder wurden anderer
Leute Sorgen meinem Ohr zugeführt. Ich entnahm den ersten
Worten, dass sie einen Stromanbieter suchte. "Wie ich auf
sie gekommen bin? Meine Mutter und meine Schwester sind
auch Kundinnen bei ihnen. Ich
habe eine Wohnung gemietet.

Seite 6
Bis jetzt habe ich in einer WG gewohnt, bin aber froh, da endlich
raus zu kommen." Stille, aber nicht
lange. "Den Vormieter? Kenne ich
nicht. Die Verwaltung hat mir nur
den Vertrag und den Schlüssel in die
Hand gedrückt." Stille. "Meine Adresse?" Sie nannte die volle Adresse
der neuen Wohnung und fügte noch
hinzu, dass die Straße in Spandau
läge. "Meine Handy-Nr.?" Sie nannte ihre Handynummer und bedankte
sich dafür, dass man ihr die Unterlagen zuschicken würde. Die Fassungslosigkeit in meinem Blick
nahm sie nicht wahr. Meine kriminelle Phantasie begann zu blühen.
Was, wenn ein Bösewicht diese Angaben mit gehört hätte? Ihr irgendwann auflauern würde?
Mein Blick ging zu dem jungen Mann
mit dem Smartphone, aber der
schien unbeeindruckt von seiner
Umgebung seine eigenen Recherchen anzustellen. Sein Gegenüber
unterhielt sich inzwischen mit der
zweiten Bierflasche. Reisen bildet
eben. Man lernt so interessante Typen kennen.
Der Bahnhof Waidmannslust und die
Brücken über den Waidmannsluster
Damm stehen unter Denkmalschutz.
So steht es in der Chronik des Ortsteils. Am 20. Mai 1884 wurde dieser
Haltepunkt an der Berliner Nordbahn eingerichtet. Die Strecke führte damals von Berlin über Neustrelitz und Neubrandenburg nach Stralsund und war eine wichtige Verbindung für die Berliner Wirtschaft.
Ausgetretene Treppenstufen führen
aus dem Bahnhofsgebäude, es ist,
als sei die Zeit stehen geblieben.
Ich überquere den Damm, sehe rechter Hand eine Buchhandlung/Cafe
mit dem Namen "Leselust", was natürlich meine Neugier weckt.
Hier kann man stöbern, Bücher kaufen, gemütlich einen Kaffee trinken,
ein Eldorado für Bücherfreunde. Ich
halte mich links, wo ich zwischen
hohen Bäumen villenartige Gebäude
entdecke.
Rechter Hand biege ich in die Artemisstraße ein - Artemis, die griechische Göttin der Jagd und des Wal-

des, aber auch Hüterin der Frauen und Kinder. Erster Hinweis
auf den Namen des Ortsteiles.
Ich bin auf der richtigen Spur.
Die Straße ist mit älteren und
neueren Stadtvillen bebaut, gut
erhalten und gepflegt, davor
kleinere oder größere Vorgärten.
Das größte Gebäude ist die
Münchhausen - Grundschule, die
im Jahre 1900 erbaut wurde.
Kaum ein Mensch auf der Straße, kein Wunder, soll es doch
nur rund 10.000 Menschen in
diesem Ortsteil geben.
Stille, Vogelzwitschern, das leise
Flüstern der Bäume, ich fühle
mich in eine andere Zeit versetzt. Hier lässt sich gut wohnen.
Durch die Halalistraße, ich entdecke an einem der Hauseingänge ein Hirschgeweih, stoße ich
auf die Hubertusstraße und gelange wieder auf den Waidmannsluster Damm, dem ich
nach rechts folge. Ich überquere
die Straße Am Dianaplatz - Diana, die römische Göttin der
Jagd- und folge dem Damm bis
zur Hochjagdstraße, die auf die
Bondickstraße mündet.
Ich sehe sie schon von weitem,
die evangelische Königin-LuiseKirche. An der höchsten Stelle
der Straße stehend, scheint sie
das Wahrzeichen des Ortteiles
zu sein. Erbaut ist sie im Stile
der Backsteingotik, weiße und
rote Steine. Als Vorbild des Portalgiebels soll das Tangemünder
Rathaus gelten. Leider ist die
Kirche an diesem Samstagvormittag verschlossen.
Ich durchlaufe noch manche
Straße und stelle fest, dass die
ursprünglichen Namen erhalten
geblieben sind - Am Ansitz, Am
Wechsel, Der Treiberpfad oder
die Florastraße - Flora, die römische Göttin der Blüte und des
Frühlings, der in diesem Jahr zu
Ostern seinem Namen alle Ehre
macht.
An der Ecke Waidmannsluster
Damm/ Nach der Höhe weckt ein
trutziges Gebäude mein Interes-

se. Es wirkt unbewohnt.
Ich umrunde es. Hohe Mauern,
blickdichte Zäune. Ich entdecke
Stacheldraht auf dem hohen
Zaun, eine Kamera, zwei Lautsprecher, Scheinwerfer.
Eine kleine verschlossene Tür
ohne Klingelknopf.
Kein Namensschild. Wer mag
sich hier noch verstecken? Oder
war es die Kommandozentrale
der französischen Besatzungsmacht in diesem Teil Westberlins?
Waidmannslust, erst am 1. Oktober 1920 eingemeindet, gehört zum Bezirk Reinickendorf.
Ein Förster und Gastwirt, Ernst
Bondick, erwarb im Jahre 1875
die dortigen Ländereien und er
gründete eine Villenkolonie,
durch die ich gerade gewandert
bin. Das Gasthaus, welches er
damals erbaute, führte den Namen "Waidmannslust".
Nicht geschafft habe ich an diesem Tag, mir auch die Parks anzusehen, z.B. den SteinbergPark oder den Albtalpark.
Auch auf die andere Seite des
Waidmannsluster Dammes, wo
sich die so genannte RollbergSiedlung befindet, eine Wohnhochhausgruppe, die zwischen
1969 und 1971 entstand, bin
ich nicht mehr gekommen.
Das wird einem weiteren Ausflug vorbehalten sein. Ich beendete die Suche nach Spuren der
Vergangenheit und ließ mich
ermattet im "Mühlencafe" in
der Artemisstraße auf einen
Stuhl sinken.
Dem Anlass Ostern angemessen, labte ich mich an einem
wohlschmeckenden Stück Eierlikörtorte und einem sehr guten
Latte Macchiato.Dann fuhr ich
zurück aus der Stille dieses
Ortsteils in die grelle, lärmende
Mitte der Stadt Berlin.

Seite 7

THEMA: NATUR UND TOURISMUS
AUCH

IM

HARZ

DIE

NATUR

NATUR

SEIN

LASSEN

von Ursula A. Kolbe
Schon die erste Stunde entlang des
Flüsschens Ilse in ihrem beschaulichen, unendliche Ruhe ausstrahlenden Tal zu wandern, ließen mich die
Schönheiten des Harzes erahnen. Warum bin ich nicht schon eher in diese
reizvolle, man nennt sie auch mythenund sagenumwobene Wildnis gekommen? Musste ich mich erst wieder
vom „Fahrtziel Natur“ anspornen lassen, jener Kooperation von BUND,
NABU, Verkehrsclub Deutschland und
der Deutschen Bahn AG, diesem guten Vielklang, der kostengünstiges
Reisen in die inzwischen 21 Nationalund Naturparke und Biosphärenreservate vom Wattenmeer bis in die Alpen
im Angebot hat
(www.fahrtzielnatur.de ). Ein umweltverträglicher
Tourismus in allen seinen Facetten.
Zurück zur Ilse und zum Harz,
Deutschlands nördlichstem Mittelgebirge. Insbesondere der Nationalpark
hat es mir angetan, übrigens seit
2006 der erste, länderübergreifend
fusionierte, Deutschlands. Wälder,
Moore und Fließgewässer, die anderswo selten gewordenen Tier- und
Pflanzenarten, und auch die im 19.
Jh. ausgerotteten Luchse sind dank
erfolgreicher Wiederansiedlung im
Harz zu erspähen. Das Motto „Natur
Natur sein lassen!“ ist buchstäblich
mit allen Sinnen zu fassen.
Auf hunderten von Kilometern Wegen
erschließt sich ein wahres Wanderparadies. So wie auf dem HeinrichHeine-Weg entlang der Ilse, der durch
das wildromantische Tal direkt zum
Brocken führt und dem der Dichter in
seiner „Harzreise“ ein noch heute
lebendiges Denkmal setzte.
Nationalpark-Ranger Eckhard Salz
weiß von rund 40 Vogelarten zu erzählen, wenn er über seine morgendlichen Wanderungen spricht und ihn
ihr Gezwitscher jedes Mal aufs Neue
begeistert. Wir kommen am KneippTretbecken vorbei, zögern aber doch
noch, selbst aktiv zu werden. Viele
Kleinigkeiten, die man eigentlich offenen Auges entdecken kann. So die

großen, mit Stein bewachsenen
Moose. Das heißt, hier im Ilsetal
muss es immer sehr feucht sein.
Ich hatte einfach nicht darauf
geachtet. So eine Wanderung
„erzieht“.
Auch die Legenden vom Rasselbock leben hier, und nicht erst
eine der Anschauungstafeln entlang des Weges muss uns darauf
stoßen. Und manch müder Wanderer lässt sich sicher zur gemütlichen Einkehr in das kleine
„Ilse-Stübchen“ bewegen. Wie
übrigens auch in der Alt Ilsenburger Nagelschmiede, wo man
gut essen und auch gut sitzen
kann, drinnen wie draußen.
Mit der Schmalspurbahn auf zum
Dampfabenteuer
Die Harzer Schmalspurbahnen –
man nennt sie die Größte unter
den Kleinen. Ja,
dieses Erlebnis kann man sich
einfach nicht entgehen lassen.
Also auf dem Bahnhof in Wernigerode rein in die Schmalspurbahn mit einer Spurweite von
1.000 mm und ab auf die Reise
in dem historischen NostalgieZug nach Drei Annen Hohne. Von
diesem Bahnhof übrigens fährt
die Brockenbahn auf den 1.125
Meter hohen sagenumwobenen
Brocken. In ca. 50 Minuten
Fahrzeit durchquert sie dabei
den Nationalpark Harz, der eine
Gesamtfläche von rund 24.700
ha umfasst und dem Fahrgast
ein einmaliges, herrliches Panorama erschließt.
Wir erfuhren noch während der
gemütlichen Fahrt aus berufenem Munde, dass die Harzer
Schmalspurbahnen mit 25
Dampflokomotiven eines der
letzten weltweit großen Dampfabenteuer anbieten. Als Harzquer-, Selke- und Brockenbahn
durchqueren sie auf insgesamt
140 Kilometern die zerklüftete

Foto: Hinze

Bergwelt zwischen Nordhausen,
Wernigerode und der Welterbestadt Quedlinburg. Und das seit
nunmehr 127 Jahren.
Lebendig werden Goethes Worte in seinem Faust: „Da steigt
ein Dampf, dort ziehen Schwaden. Hier leuchtet Glut aus
Dunst und Flor. Dann schleicht
sie wie ein zarter Faden. Dann
bricht sie wie ein Quell hervor.“
Unser Ziel nach der Ankunft in
Drei Annen Hohne war aber das
Natur-Erlebniszentrum HohneHof. Er ist Ausgangs- oder Endpunkt von Wanderungen (mit
und ohne Ranger), Familienausflügen, MountainbikeTouren, lädt zum Verweilen und
Genießen ein – einfach zum
Reinbeißen die großen
Schmalzstullen mit Harzer Käse
und Gurke z. B.
Anregungen für das Erleben,
Entdecken und Genießen in
unserer schönen Mutter Natur
überall. Spannend sind garantiert auch die Pferdewanderungen mit Max und Eros rund um
den HohneHof. Übrigens alle
Veranstaltungen unter
www.nationalpark-harz.de. Terminanfragen : Tel.: 03 94 55 /
86 40.
Mit „HATIX“ bequem auf Ausflugstour
Wernigerode –Die Bunte Stadt
am Harz nennen sie die Einheimischen. Bekannt auch als ma-

Seite 8
lerische Fachwerkstadt. Ihre ersten
Ursprünge gehen bis ins 9. Jahrhundert zurück. Entwickelt aus einem
Marktflecken, verliehen 1229 die Grafen von Wernigerode dem Ort nach
Goslarschem Vorbild das Stadtrecht.
Die Historie des einst mittelalterlichen Schlosses widerspiegelt über die
Jahrhunderte hinweg von Renaissanceburg über Zerstörung im 30jährigen Krieg, Wiederaufbau im 17. Jh. zu
einem romantischen Residenzschlosses und heutigem Spiegelbild des
norddeutschen Historismus auch die
Geschichte der Stadt.
Beeindruckend das wunderschöne
historische Rathaus, die Krelsche
Schmiede, das Schiefe Haus an der
Blumenuhr oder das Kleine Haus. Jedes eine Historie für sich. Und immer
gut belegt die Hotels, Pensionen, Herbergen.
Wir haben uns im Altwernigeröder
Aparthotel mitten im Ort wohl gefühlt.
Mit dem hier ausgefüllten Meldeschein hatten wir das Harzer Urlaubsticket , kurz HATIX genannt, in der
Hand. Kostenlos gültig für das gesamte öffentliche Bus- und Straßenbahnnetz im Landkreis Harz und auf ausgewählten Linien im Landkreis Mansfeld-Südharz. Mit anderen Worten bequeme, unbeschwerte Fortbewegung
von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit. (www.km@harz-ag.de).
Und die gibt es ja im Harz zuhauf.
Doch darüber in einem weiteren Beitrag mehr. Übrigens sind weitere Gespräche zur Ausdehnung der HATIXGeltung aktuell, wie z. B. die Einbin-

dung der Buslinie 875 vom niedersächsischen Bad Harzburg zu
den Rabenklippen nahe der Landesgrenze zu Sachsen-Anhalt.
Hier können Besucher einer der
größten Wildkatzen der Welt –
dem Luchs – beim Füttern im
Schaugehege zuschauen. Hoffen wir, dass auch solche Barrieren wie Bundesländergrenzen
zum Nutzen beider Seiten, wie z.
B. HATIX, unbürokratisch überwunden werden können.
Eines bleibt unbestritten: Immer
mehr Fahrtziel-Natur-Gebiete
erleichtern ihren Gästen im Urlaub den Umstieg auf Bus und
Bahn eben durch die Nutzung
öffentlicher Verkehrsmittel auf
Kur-, Gästekarte oder wie sie
andernorts genannt werden.
Bahnverbindungen am besten
unter www.fahrtzielnatur.de/mobil erkunden.
Von Berlin nach Wernigerode z.
B. mit dem RE nach Magdeburg,
weiter mit dem HEX zum Ziel.
Ohne lange Anschlusszeiten bin
ich bequem insgesamt rund drei
Stunden gefahren. Diese Verbindungen gibt’s mehrmals in der
Stunde. Mit dem ICE kommt man
bis Hildesheim und dann zum
gewünschten Ort.
114. Deutscher Wandertag und
18. Sachsen-Anhalt-Tag
Kurz noch ein Hinweis auf zwei
Großereignisse, die demnächst
im Harz stattfinden. So ist Wer-

nigerode in diesem Jahr Austragungsort des 18. SachsenAnhalt-Tages. Vom 18. bis 20.
Juli steht die Harzstadt unter
dem Motto „Bunte Stadt –
Buntes Land“ drei Tage lang im
kulturellen Mittelpunkt des
anhaltinischen Landes. In der
historischen Innenstadt z.B.
ziehen fünf Regionaldörfer das
Interesse auf sich. Höhepunkt
dann am Sonntag der traditionelle Festumzug. (s.a.
www.wernigerode.de;
www.sat2014.de)
Zum zweiten Höhepunkt werden rund 40.000 Gäste zum
114. Deutschen Wandertag
vom 13. bis 18. August unter
dem Motto „Weltkultur erwandern – Mythen erleben“ im
Harz erwartet. Ausrichter sind
die Stadt Harzburg und der
Harzklub e. V. In dieser Woche
werden dann rund 170 geführte Wanderungen angeboten.
Zahlreiche kulturelle Veranstaltungen mit dem Festumzug
als Höhepunkt stehen auf dem
Programm.
Allein der Harzklub betreut ein
Wanderwegenetz von insgesamt 10.000 km Länge. Rund
50.000 Wegeschilder sorgen
für eine gute Orientierung der
Wanderer. Hier ist wohl „Das
Wandern ist des Müllers
Lust…“ (www.deutscherwandertag-2014).

THEMA: NATUR UND TOURISMUS
MUSIKALISCHE

GARTENSTUNDE

von Barbara Sawal
Gitta sitzt mit ihrer Gitarre im Garten.
Die Sonne blinzelt durch kleine, weiße
Wolkenschäfchen hindurch. Wie unabsichtlich streicht sie über die Saiten
und schon verbinden sich die gefälligen Töne zu einer Melodie. Da antwortet ihr ein freundiges Türilü, tütü, Türila. Darauf hat Gitta gewartet. Sie
hat festgestellt, dass die Gitarrentöne
die heimische Vogelwelt in ihrem Garten zum musikalischen Wettstreit anregt. So auch heute. Ein schwarzes
Amselmännchen sitzt in der knorrigen

Kiefer unweit der Stufen vor der
Haustür, auf denen Gitta sitzt.
Es kam aus der nahen Hecke angeflogen und ist der erste gefiederte Sänger. Tirilü, tirilü trällert es munter von oben herunter. Die Sangeskunst des kleinen, schwarzen Vogels findet
nicht nur Gitta bemerkenswert,
auch Kompositeure waren schon
immer von ihr begeistert. Mühelos scheint er eine Terz und
selbst eine große Oktave zu pfei-

fen oder zu singen. Gitta sitzt
gern im Grünen, in ihrer kleinen
grünen Hölle, wie sie ihren Garten gern nennt und lauscht. Sie
spielt viel lieber im Freien, wo es
nach Flieder und gemähtem Gras
duftet, und wo sie sich so frei
wie ein Vogel fühlt. Vorbeigehende Leute auf der Straße können
sie zwar hören, aber nicht sehen.
Und das verleiht ihrem Spiel etwas Leichtes. Bei den Vögeln in
den Nachbargärten scheint es

Seite 9
sich fix herum "gepiepst" zu haben,
dass ein Platzkonzert im Vorgarten
stattfindet und ein neuer Solist sein
Können zeigt. Da muss man einfach mitmachen. Schon sitzt ein weiterer gefiederter Sangesbruder in einer schlanken
Thuja, die fast das Haus überragt und
stimmt keck und laut in den Gesang ein.
Bald ist ein meisterliches Konzert im
Gange. Alle singen um die Wette. Am
schönsten klingt für Gitta ein Amselsolo
am frühen Morgen oder am stillen
Abend. Da singt das Amselmännchen
entspannt, braucht keine Konkurrenz zu
fürchten. Vielleicht singen Amseln
auch, um sich zu bedanken, dass sie die
Vogelbadestellen im Garten benutzen
dürfen. Mit Sicherheit aber singen sie,
weil einfach jeder der beste Sänger sein
möchte, und keine Gelegenheit auslassen will, um die gefiederte Damenwelt
mit anspruchsvollem Gesang zu beeindrucken. Wahrscheinlich ist auch, dass
sie Gitta mit ihren Gitarrenklängen als
Konkurrenz empfinden, da heißt es ben
Mitsingen und Dazulernen. Tirili, tirila…Gittas Hände gleiten mühelos über
die Saiten. Es macht nichts, wenn sie
sich mal verspielt. Die meisten der kleinen, hübschen Stücke spielt Gitta immer wieder im Garten. Ihr Gitarrenlehrer
hat sie alle komponiert und Gitta kennt
sie inzwischen auswendig. So kann sie
ausdrucksvoller musizieren und braucht
nicht den Notenblättern nachzulaufen,
mit denen der Wind so oft seine Spiel-

chen treibt. Als Gitta aufhört
zu spielen, verstummt augenblicklich der Vogelgesang. Im
Garten ist es still. Vielleicht
sind die Solisten in ihre Nester geflogen, um auszuruhen.
Zu ihren grauen Amselweibchen, die alle Schnäbel voll zu
tun haben, sich von ihnen bewundern zu lassen. Am Abend
sieht Gitta bei ARTE zufällig
eine Dokumentation über das
Verhalten der Vögel in der
Großstadt. Ein Ornithologe
erzählt, dass der zunehmende
Lärm und die grellen Reklamen für die Vögel ein zunehmendes Problem darstellen,
und sie deswegen häufig erst
nachts singen können, wenn
Ruhe eingekehrt ist. Sie muss
sehr lachen, als sie sieht, wie
ein Amselmännchen, auf einem Straßenbaum sitzend,
permanent Handytöne nachsingt. Um Haaresbreite hätte
Gitta auf den grünen Knopf
ihres Handys gedrückt… Diese
Klingeltöne kennt sie doch.
Was für Nachahmungskünstler! Gitta hofft auf schönes
Gartenwetter am nächsten
Tag, damit sie wieder auf den
Stufen vor der Haustür Gitarre
spielen kann. Bei ihr auf dem
Land scheinen die gefiederten

Foto: Kurt F.Domnik/pixelio.de

Sänger noch ein Faible für echte
klassische Stücke zu haben. Das
wird Christian, ihr Berliner Gitarrenlehrer, der zum Kaffeeklatsch kommt, hoffentlich hören können. Wenn die Amseln
musikalisch wieder so gut drauf
sind, wird er vielleicht einer seiner Kompositionen wiederkennen können. Streng genommen
dürften die Amseln die Stücke
garnicht singen wegen des Copyrigths. Aber er wird ganz gewiss
ein Augen zu drücken und die
GEMA nicht informieren.
Übrigens: Vielleicht hören Sie
diese, ganz sicher aber andere
Kurzgeschichten, in einer Lesung des Literarischen Frauenstammtisches Berlin-Marzahn
am 9. Juli 2014. Näheres erfahren Sie dazu unter der Kategorie
Literatur und Buchtipps.

THEMA: NATUR UND TOURISMUS
VON

DOM

ZU

DOM

-

DAS

BLAUE

BAND

DER

HAVEL

von Ursula A. Kolbe
Die Bundesgartenschau (BUGA) 2015
wirft ihre Schatten voraus. Und ihre Vorbereitungen im Havelland sind längst in
vollem Gange. Unter dem Motto „Von
Dom zu Dom - Das blaue Band der Havel“ findet sie vom 18. April bis 11. Oktober 2015 im Havelland statt. Und das
ist das Besondere. „Wir machen eine,
die anders ist“, sagt Erhard Skupch, der
Geschäftsführer des Zweckverbandes
Bundesgartenschau Havelregion 2015.
Hier findet erstmals eine Länderübergreifende BUGA statt. Das „blaue Band
der Havel“ wird nämlich über 80 km hinweg Brandenburg an der Havel und das
sachsen-anhaltische Havelberg verbinden. Dazwischen präsentieren sich die

weiteren drei Standorte Premnitz, Rathenow und das Amt Rhinow/Stölln. Wir finden eine Region vor, reich an Geschichte
und Kultur, viel Wasser und Natur, Städte und Schlösser. Ob
Tagesausflügler oder Kanuurlauber, hier kann jeder, wie der
Alte Fritz schon sagte, nach
seiner Fasson selig werden. Der
südliche Ausgangspunkt, die
Stadt Brandenburg an der Havel
mit ihrer über 1.000jährigen
Geschichte z. B. mit dem Dom
St. Peter und Paul auf der Havelinsel gilt als die „Wiege der
Mark“ und Ursprung des Landes

Brandenburg. Sie wird in Brandenburg (wie auch in der Hansestadt Havelberg) mit der St.
Johanniskirche, eine ehemalige
Klosterkirche im 15. Jahrhundert, Ort einer der 36 Blumenhallenschauen sein. Jede von
ihnen verspricht Einmaligkeit,
jede absolut sehenswert, stellt
der Gärtnerische Ausstellungschef Rainer Berger heraus.
Aber auch Litauens Gartenkunst wird im BUGAPackhofgelände der Stadt zu
sehen sein. Vertraglich zwischen der litauischen Stadt
Anyksciai und der BUGA verein-

Seite 10

Bild: BUGA 2015 Havelregion

bart, wird hier auf 80 Quadratmetern
zeitgenössische Garten- und Handwerkskunst zu sehen sein. Mit Blick
auf Überlegungen einer eigenen Gartenschau hob Bürgermeister Sigutis
Obelevicius hervor, in Bezug auf das
städtebauliche Potential einer solchen Großveranstaltung viel dazulernen zu können. Premnitz feiert im BUGA-Jahr ihr 100jähriges Jubiläum als
Industriestandort, zeigt an der Uferpromenade und am Grünzug die Energie nachwachsender Rohstoffe und in
der Grünen Küche, was Impulse bewirken können. Als Wiege der Optik seit
Anfang des 19. Jahrhunderts gilt Rathenow. Heinrich August Duncker legte 1802 den Grundstock der deutschen optischen Industrie, übrigens
mit der Patentierung der von ihm erfundenen Linsen - Vielschleifmaschine. Der Optik-Park, schon 2006 Ort
einer Landesgartenschau, sorgt hier
für Weitsicht auf das farbenfrohe Leben für Blumen. Das Amt Rhinow/Stölln, wo einst Otto Lilienthal
seine Flugversuche startete, stellt im
Fliegerpark Wildrosen aus. Naturerlebnispfad, Drachenwerkstatt, Lilienthal-Ausstellung sind weitere Angebote. Die Hansestadt Havelberg schließlich, ebenfalls über 1.000 Jahre alt,
ist der nördliche Ausgangspunkt für
eine Reise durch die Havelregion. Allein schon der aufwendig sanierte, auf
einer Insel gelegene Stadtkern ist eine Reise wert. Als Pendant zur St. Johanneskirche in Brandenburg werden
hier in der Kirche St. Laurentius ebenfalls prächtige Hallenschauen das
Auge erfreuen. Nicht zu vergessen den
auf einer Anhöhe liegenden Dombezirk
mit seinem Klostergarten, Stauden
und Blühbeeten entlang des Prälatenweges, Pfingstrosen-Ausstellung, Terrassengarten und Weinverkos-

tung…eben die Seele baumeln
lassen. Mit Blick auf Grüngestaltung alles in allem: Auf insgesamt 57 Hektar kann sich das
Auge des Besuchers an Wechselflor, Stauden, Rosen, Gehölzen
und Rhododendron wie auch
700.000 Blumenzwiebeln erfreuen. Auch dass sei noch vermerkt:
Dass Hotelschiff MS Felicitas ist
kürzlich mit dem BUGA-Siegel
„VON DER BUGA EMPFOHLEN“
ausgezeichnet worden. Bereits
jetzt wird das knapp Schiff mit
Erfolg für den touristischen Service rund um die BUGA in der
Havelregion eingesetzt. Ursprünglich in Amsterdam unterwegs, waren die beiden Eignerinnen Johanna van Sonsbeek und
Sonni Würtenberg von der faszinierenden Naturlandschaft der
Region begeistert und wollen
nun ihr Augenmerk auf dieses
touristische Potential richten.
Sie bieten Reisen entlang der
Havel an – von Brandenburg an
der Havel bis zur Hansestadt Havelberg. Auch Berlin wird in die
Route eingebunden.
Kirchenwege im Havelland
Auch das ist die BUGA 2015: Der
„Verein Kirche und BUGA 2015“
lässt sich von dem Gedanken
leiten, dass die Dome in Brandenburg an der Havel und in Havelberg die Eckpunkte der Gartenschau sind, die auch mit den
beiden im 10. Jahrhundert gegründeten Bistümern von der
langen Kirchengeschichte in der
Region zeugen. So werden die
Evangelische Kirche BerlinBrandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) und ihre ökumenischen Partner an allen fünf
BUGA - Standorten geistliche
Angebote machen und in der Region 85 Kirchen über die
„Kirchenwege im Havelland“ verbinden. In Brandenburg - als
Ausgangspunkt der Christianisierung im Havelland - soll ein
Schiff den Aufbruch symbolisieren. Der erweiterte Kirchturm in
Premnitz dient als Uferkirche.
Auf dem Weinberg in Rathenow

wird der um einen Pavillon ergänzte Kirchturm in einem Labyrinth zum Andachts- und Aktionsraum. In Stölln findet der
Kirchturm seinen Platz am Gollenberg. Und Havelberg schließlich steht für das Ende der Reise, aber auch für Hoffnung, Gemeinschaft und Familie, die
durch eine Spielarche markiert
wird. Erste Eindrücke bei kurzen
Stippvisiten in der Pfarrkirche
Plaue, der Kirche St. Marien
Andreas in Rathenow, der Dorfkirche Ferchesar, der Wallfahrtskirche Buckow und nicht
zuletzt im brandenburgischen
Dom St. Peter und Paul und
überall die Begegnungen, wenn
auch leider nur kurzen, mit den
Bürgern waren toll. Sie machten
das große Engagement deutlich,
dieses Großereignis in ihrer Region zu erlebnisreichen Wochen
für alle Besucher werden zu lassen. Es wird ein LandesjugendPilgercamp mit 13 Übernachtungsstationen, das Regenbogenprojekt in Premnitz, Gottesdienste und Andachten geben,
über die man mehr erfahren
kann unter www.kirchenwegehavelland.de; BUGA-Pfarrer Thomas Zastrow, Tel: 033233.805
68 und natürlich www.buga2015-havelregion.de
Buchtipp: Havelland. Ein Wegbegleiter.
Passend zum Thema erschienen
ist dieser Band aus der EDITION
TERRA, eine Marke der terra
press GmbH, in Kooperation mit
dem Tourismusverband Havelland e. V. Ob Radfahrer, Kanuten, Reiter und Wanderer – das
Havelland ist ein ideales Revier.
Der Reiseführer folgt dem HavelRadweg, der Tour Brandenburg
und dem Havelland-Radweg, um
das Havelland einmal zu umrunden und seine Sehenswürdigkeiten zu entdecken. Zwischen der
westlichen Stadtgrenze von Berlin bis ins Vorland erstreckt sich
eine Landschaft, wo Natur und
Mensch in Einklang sein können,
man seltene Pflanzen und vom

Seite 11
Aussterben bedrohte Tiere erkunden
kann. Radtouren, Stadtrundgänge,
Naturerlebnisse oder Kulturtipps –
schlagen Sie einfach nach, und dann
geht’s los. Illustriert mit über 300 Fo-

tos, ebenso ausgerüstet mit
Wanderkarten, auch Anekdoten
fehlen nicht. Terra press GmbH,
Berlin, www.terra-press.de

THEMA: NATUR UND TOURISMUS
SCHATZKAMMERN

DER

KULTURGESCHICHTE

AUFGESPÜRT

von Ursula A. Kolbe
Es war wieder ein entdeckungsreicher,
interessanter Ausflug in die Reisewelt.
Und wer wollte, konnte durchaus mal
auf jedem Kontinent in die vielen Angebote schnuppern – bei der 48. Auflage der Internationalen TourismusBörse (ITB) in den Messenhallen unter
dem Berliner Funkturm kein Problem.
Die globale Reisewirtschaft ist mit Zuversicht in das neue Reisejahr gestartet. Hierzulande sorgen die Verbraucher für gute Stimmung; stabile Lage
am Arbeitsmarkt, günstige Prognosen
für das Wirtschaftswachstum versprechen, mehr Urlaubsgeld in die Hand zu
nehmen. Nur ein Fakt: Die ITB verzeichnete am Ende ein Plus von vier
Prozent bei den Fachbesuchern und
gestiegene Geschäftsabschlüsse von
ca. 6,5 Mrd. Euro. Schwerpunkt sind
Reisebuchungen über Smartphones
und Tablets sowie nachhaltiges Reisen. Fangen wir j.w.d., janz weit draußen“, an und richten unseren Fokus
auf Mexiko, das Partnerland der diesjährigen Messe, geografisch gelegen
in Mittelamerika. Mexiko zeigte sich in
seinem Pavillon als ein Land im Aufstieg und im permanenten Wandel,
widerspiegelte 3.000jährige Geschichte inmitten moderner Metropolen des
21. Jahrhunderts, Schätzen der Natur
und Kultur, atemberaubender Landschaften und packender Abenteuer. Es
begeisterte an allen Tagen mit seiner
unverwechselbaren Musik und Tänzen,
köstlichen Speisen und farbenfrohem
Kunsthandwerk, machte eben Lust auf
eine Reise in dieses aufregende, bewegende und wachsende Land. Wie sagte
doch Mexikos Tourismusministerin
Claudia Ruiz Massien: „Um Mexiko zu
erleben, müssen Sie Mexiko erleben!“
Baltikum hoch im Kurs
Mit Blick zurück nach Europa lockt das
Baltikum, vorneweg Rigas Kulturhauptstadt 2014. Nach Vilnius (2009) und

Tallinn (2011) trägt jetzt
Lettlands Metropole diesen
Titel, lädt herzlich seine Besucher willkommen. Schon
Richard Wagner ließ sich
von der Lebendigkeit der
Stadt inspirieren, wurde
auch der unvergessene Komiker Heinz Erhardt hier geboren. Lettland wie das Baltikum insgesamt liegen hoch
in der Gunst der deutschen Touristen. Wobei als Nr. 1 Litauen
gilt, das vor allem auf Wellnessund Familienurlaub setzt. Zu
den Lieblingszielen gehören die
ostpreußische Kurische Nehrung mit ihren riesigen, bewaldeten Wanderdünen und natürlich die Stadt Klaipeda
(Memel).
Estland wiederum hat Kultur
und Kulinarik im Blick. Highlights sicher das alle fünf Jahre
stattfindende Sänger- und Tanzfestival und das in diesem Jahr
25jährige Jazzfestival, beides in
Tallinn.
Ein Abstecher nach Slowenien
Mit einem Schlenker tauchen
wir in die Welt Sloweniens, das
bunte Land am Schnittpunkt von
Alpen, Adria – der Slowenischen
Riviera - und Pannonischer Ebene, ein. Die Messe macht’s mit
wenigen Schritten möglich.
Das Tourismusjahr in diesem
Jahr steht unter dem Motto
„Sagenumwobenes Slowenien“,
also ganz im Zeichen der Sagen
und Geschichten, die sich um
Land und Leute ranken.
Allen voran die Hauptstadt Ljubljana, wo sich alles um die Römische Vergangenheit dreht,
genauer gesagt um den nunmehr
2.000. Jahrestag der Errichtung

Bild: Hans-Jürgen Kolbe

des antiken EMONA im heutigen
Stadtzentrums Ljubljanas. Man
schrieb das Jahr 14 n. Chr., als
im Bereich dieses Stadtzentrums
die römische Kolonie Emona
stand, die mit einer großen
Schenkung der Kaiser Augustus
und Tiberius fertig gestellt und
mit einer Inschrift auf einer Marmorplatte verewigt wurde.
Emona war die erste Stadt im
Gebiet des heutigen Ljubljanas
und spielte aufgrund der strategischen Lage eine bedeutende
Rolle im Verteidigungssystem
des Römischen Reiches. Aufgeblüht ist sie im Zeitraum vom 1.
bis 5. Jh. n. Chr., ist bis heute
ein Teil der Identität des modernen Ljubljanas. Die verschiedenen Events drehen sich um dieses bedeutsame Ereignis. Das
wichtigste ist „Ave Emona!“ Vom
22. bis 24. August auf dem Kongressplatz (Kongresnitrg) stellen dann im Zvezda-Park römische Bürger, Legionäre und Urbewohner das Leben in römischen Zeiten dar, preisen Handwerker traditionsgemäß ihre Waren an und vermitteln ihr Können
auch weiter, gibt es in römischen Tavernen Speis und Trank
. Ausstellungen runden das Geschichtsbild ab. Mehr unter
www.visitljubljana.com;
www.slovenia.info.

Seite 12
Warum in die Ferne schweifen…
…sagt man oft so leicht dahin. Aber es
stimmt. Urlaub hierzulande, in welcher Form auch immer, erfreut sich
ungebrochener Beliebtheit. Nur wenige Beispiele: Sachsen-Anhalt ist
wahrlich eine Schatzkammer deutscher Kulturgeschichte. Es will in diesem Jahr vor allem mit seinen UNESCO-Welterbestätten punkten. Und die
gibt es reichlich: So die Luthergedenkstätten in Wittenberg und Eisleben, das Gartenreich Dessau-Wörlitz,
das Bauhaus und die Meisterhäuser in
Dessau sowie die Stiftskirche, das
Schloss und die Altstadt von Quedlinburg. Naturfreunde wird ebenso das
Biosphärenreservat
Mittelelbe als
Teil des UNESCO-Biosphärenreservats
Elbe und die Himmelsscheibe von
Nebra interessieren. Mit Blick auf

2015 steht das 500jährige Jubiläum von Lucas Cranach der Jüngere ins Haus. Lange im Schatten seines berühmten Vaters
stehend, wird ausschließlich
ihm, dem Multitalent, zu Ehren
in Wittenberg die weltweit erste
große Ausstellung gewidmet
werden.
Mehr unter www.sachsen-anhalttourismus.de. Auch Thüringen
hat sich der Thematik verschrieben und das „Welterbejahr Thüringen“ ausgerufen. Zumal es
ebenfalls mit beiden der von der
UNESCO weltweit ausgereichten
Gütesiegel geadelt wurde: Weltkulturerbe und Weltnaturerbe, d.
h. konkret die Weltkulturerbe
Wartburg bei Eisenach
(„hervorragendes Denkmal der

feudalen Epoche in Mitteleuropa“), Klassisches Weimar und
Bauhaus-Stätten Weimar sowie
das Weltnaturerbe Hainich. Letzteres und Thüringens jüngstes
Welterbe ist der 7.500 ha große
Nationalpark Hainich mit seinen
Buchenwäldern und dem Besuchermagneten
Baumkronenpfad. Im neuen – deutschlandweit einmaligen – Wildkatzendorf in Hütscheroda kann man
den scheuen Jäger aus vielen
überraschenden Blickwinkeln
gut betrachten.
Siehe auch www.unescothueringen-entdecken.de;
www.thueringen-entdecken.de.

THEMA: GESUNDHEIT
GRAUER

STAR

von Edelgard Richter
Während des 111. Kongresses der
Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) in Berlin wurde die
Fertigung neuartiger Kunstlinsen vorgestellt, die das manchmal auftretende verzerrte Sehen nach einer Operation beseitigt. Wie Professor Dr. hum.
biol. Achim Langenbucher, Leiter der
Experimentellen Ophthalmologie der
Universität des Saarlandes in Homburg/Saar, ausführte, bleiben bei 20
Prozent aller Patienten auch nach einer Operation des Grauen Stars Sehfehler zurück. Von der neuen Generation Kunstlinsen profitieren insbesondere Patienten, die auf eine exzellente Sehfähigkeit angewiesen sind, wie
beispielsweise Berufskraftfahrer.
In Deutschland leiden 90 Prozent aller
Menschen zwischen 65 und 75 Jahren
an trüben Augenlinsen, einem Grauen
Star. Sie verlieren ab dem 60. Lebensjahr zunehmend ihr Sehvermögen, sehen verschwommen und wie durch einen Schleier. Dagegen hilft eine kurze
Operation, bei der Augenärzte die körpereigenen Linsen gegen klare Kunstlinsen austauschen. Rund 600.000
solcher Katarakt-Operationen fanden
2012 in Deutschland statt. Bei 20
Prozent der Patienten kann der Linsenaustausch einen bestimmten Ab-

bildungsfehler, das verzerrte Sehen, bisher jedoch
nicht beseitigen. „Diese Patienten sehen wie durch ein
verkratztes Brillenglas oder
eine verbogene Glasscheibe.
Daran ändert auch die neue
Kunstlinse nichts“, erklärte
Professor Achim Langenbucher, Leiter der Experimentellen
Ophthalmologie der Universität
des Saarlandes in Homburg/Saar. Schuld daran ist eine
unebene Augenoberfläche. Jedoch auch Menschen, die auf
eine exzellente Sehfähigkeit angewiesen ist, wie beispielsweise
Berufskraftfahrer, kann durch
eine neue Generation Kunstlinsen profitieren. Um die beschriebenen Abbildungsfehler zu
beseitigen, hat ein Forscherteam unter der Leitung von Professor Langenbucher ein neues
mathematisches Verfahren entwickelt, das eine passgenaue
Fertigung der Kunstlinsen speziell für unebene Augenoberflächen ermöglicht. Dazu wird als
erstes gemessen, wie sich das
Licht im Patientenauge ausbreitet. Diese Messung kann jede

Foto: Dieter Schütz / pixelio.de

Klinik vornehmen, die KataraktOperationen durchführt. „Die
Kliniken schicken uns die Messdaten nach Homburg/Saar“, erläuterte Langenbucher. „Wir berechnen dann mit speziellen mathematischen Verfahren eine Linse, deren Oberfläche das Licht
ideal auf die Netzhaut dieses Patienten führen“, erklärte er.
„Damit gleichen wir die Unebenheiten der Augenoberfläche aus
und beseitigen optische Verzerrungen“. Zugleich bestimmen die
saarländischen Spezialisten
auch die Anfälligkeit der Linsen
für Verschiebungen im Auge während und nach der Operation. „Im
Endeffekt soll die Kunstlinse dem
Patienten das Optimum sowohl in
Bezug auf die Abbildungsqualität
als auch die Robustheit bieten“,
sagte Langenbucher.

Seite 13
Nachdem die Experten in Homburg/Saar
die Daten für die ideale Linsenoberfläche errechnet haben, schicken sie die
Messdaten an den Hersteller. Dort fertigen Dreh- und Fräsmaschinen die passgenauen Implantate aus dem üblichen
Standardmaterial für Intraokularlinsen.
Die Experten in Homburg/Saar prüfen
die fertigen Implantate und senden sie

anschließend an die behandelnde Klinik, wo sie dem Patienten
eingesetzt werden können. „Die
Ferti gung der indi viduellen
Kunstlinsen ist in naher Zukunft
möglich“, sagte Langenbucher.
Patienten sollten sich bei ihrem
behandelnden Arzt erkundigen,
ob sie für die Sonderanfertigun-

gen in Frage kommen und sich
gegebenenfalls auf einer Warteliste in Homburg/Saar vormerken
lassen. Die neuen Linsen gelten
als Premium-Produkt. Die Zusatzkosten hierfür müssen die Patienten jedoch selbst tragen.

THEMA: VERMISCHTES
DER

HUNDEFLÜSTERER

AUF

"FORSCHUNGSTOUR"

von Christa-Dorit Pohle

Foto: Renate Werz / pixelio.de

Wer meinen Beitrag über den Hundeprofi Martin Rütter gelesen hat, der weiß,
dass ich seine Bemühungen sehr schätze, die "Hundesprache" uns Menschen
verständlich zu machen. In der Zwischenzeit habe ich aus Fernsehsendungen mit Herrn Rütter viel lernen können.
Ich stellte fest, dass es ihm immer wieder gelingt, aus den verschiedenartigsten Situationen des Zusammenlebens
von Mensch und Hund neue Erkenntnisse zu gewinnen. Er begleitete für 24
Stunden einen Obdachlosen und liess
uns hautnah mit erleben, wie es sich
anfühlt, auf der Straße zu schlafen. Der
Obdachlose Rudi hat einen Schäferhund, der ihm Halt gibt, um den er sich
rührend kümmert. Herr Rütter war mit
einem Schlafsack ausgerüstet, als er
von Rudi zu dessen Übernachtungsplatz
(eine schmale Mauernische über einem
verkehrsstarken Tunneleingang) gebracht wurde. Diesen Unterschlupf teilten sich Rudi, sein Hund und Herr Rütter nun für eine Nacht, und Herr Rütter
lernte die Utensilien kennen, welche
Rudi zum Überleben auf der Straße
braucht. Wie kann ein Mensch überhaupt schlafen, wenn unter ihm ständig
Autos vorbei sausen, kaum einmal Ruhe
einkehrt? Rudi muss das einfach können, Herr Rütter war am nächsten Mor-

gen wie gerädert. Die Wärmestube (ein Zufluchtsort für Obdachlose) öffnet um 6.00 Uhr in der
Frühe. Dorthin gingen die Beiden, um sich frisch zu machen
und zu frühstücken. Sie gingen
auch Beide gemeinsam spät am
Abend Leergut sammeln. Vom
Erlös kauft Rudi Futter für seinen
Hund. Die Beiden sind unzertrennlich und Rudi hatte Herrn
Rütter verraten, dass durch das
Zusammenleben mit dem Hund er
nicht ganz abgerutscht ist vom
normalen Leben. Der Hund an
seiner Seite hat ihm viel Kraft
gegeben und Hoffnung, dass es
eines Tages wieder aufwärts
geht. Am meisten berührt hat
mich ein zweiter Film mit Herrn
Rütter im Fernsehen, als es um
einen Blindenführhund ging. Versuchen Sie sich vorzustellen, es
werden Ihnen für einen Tag lang
die Augen verbunden und Sie
müssen sich ganz und gar auf
einen Blindenführhund verlassen, wenn Sie unterwegs sind.
Herr Rütter hatte eine junge Frau
kennengelernt, welche vom 13.
Lebensjahr an blind ist. Er wollte
für einen Tag mit verbundenen
Augen, geleitet von einem Hund,
die junge Frau Ina durch die
Stadt begleiten. Außerdem war
noch eine sehende Frau dabei,
welche mit Blindenführhunden
vertraut ist. Herr Rütter schilderte in dem Film seine Empfindungen im Umgang mit dem Hund
Berni. Berni, ein erfahrener Führhund, spürte natürlich sofort die
große Unsicherheit bei Herrn
Rütter und war deshalb besonders behutsam im Führen. Zuerst

gingen sie auf einer sehr ruhigen
Straße, dann folgten Straßen mit
mehr Verkehr, Treppensteigen, in
eine U-Bahn einsteigen usw. Große Unsicherheit bei Herrn Rütter,
Ina machte ihm Mut und erklärte
ihm, wie wichtig die richtige Ansprache des Hundes ist. Zum Mittagessen gingen sie gemeinsam
in eine Gaststätte, wo Ina schon
bekannt ist. Herr Rütter bestellte
ein Nudelgericht, ein verständnisvoller Kellner brachte für ihn einen Latz. Alles ging gut, Herr Rütter atmete auf.
Zum Schluss gab es für ihn noch
ein Erlebnis, womit er überhaupt
nicht gerechnet hatte. Ina hatte
erzählt, dass sie sehr gerne
Schlittschuhe läuft und eine sehr
gute Trainerin sie dann regelmässig auf dem Eis betreut. Herr Rütter hatte seine Augenbinde schon
abgenommen. Seine Augen mussten sich erst langsam wieder an
die Helligkeit gewöhnen. Er hatte
Ina zum Eisstadion begleitet und
es schien ihm unglaublich, dass
sie sich auch noch auf das Eis
wagen würde. Herzliche Begrüßung mit der Trainerin. Herr Rütter meinte, er könne es sich nicht
vorstellen, mit verbundenen Augen Schlittschuh zu laufen. Die
Trainerin schlug vor, dass er das
gleich mal selbst probiert. Er gab
sich einen Ruck und war einverstanden. Seine Augen wurden wieder verbunden und die Trainerin
führte ihn. Nach einiger Zeit wagte er sogar eine Drehbewegung
ohne Führhand und siehe da, er
bekam ein Lob von der Trainerin.
Er hatte sich gut senkrecht gehalten auf dem Eis. Hut ab vor Ina,

Seite 14
die nun schon so viele Jahre blind die
Alltagsprobleme meistert. Und eine
tolle Leistung von Herrn Rütter, diese
Behinderung nachempfinden zu wollen. Das war bestimmt nicht leicht und
hat Überwindung und volle Konzentration gebraucht. Wir, die wir sehen
können, sollten durch das Anschauen
eines solchen Films dazu angeregt
werden, im Straßenverkehr darauf zu

achten, wo wir Hilfe leisten können. Auch mit Blindenführhund
kann es immer wieder Situationen geben, wo hilfreiches Eingreifen eines Sehenden Schaden
verhüten kann. Herr Rütter weiß
ja schon sehr viel über Hunde
und ihre Reaktionen. Ich kann
gut verstehen, dass es ihn immer
wieder reizt, zu erforschen, wie

sich der treueste Freund des
Menschen in außergewöhnlichen
Situationen im Zusammenleben
mit den Menschen verhält, und
zu welchen erstaunlichen Leistungen er dann fähig ist. Das
beste Beispiel dafür ist der Blindenführhund.

THEMA: KURZGESCHICHTEN UND GEDICHTE
DIE

FLUGREISE

von Brigitte Foerster
Vor dreihundert Jahren dachte noch niemand daran,
daß man einst sogar durch die Luft verreisen kann.
Heute war mein Ziel die Stadt Barcelona,
denn dort war schon das Kreuzfahrtschiff da.
In Berlin-Schönefeld sollte das Flugzeug starten,
und ich brauchte auch gar nicht lange warten,
Einchecken und Kontrolle schlossen sich an,
dann war der Einstieg ins Flugobjekt dran.
Eine Stewardess begrüßte mich an Bord,
erst dann flog der „Jet“ mit mir endlich fort.
Das Flugzeug rollte zur Startbahn hin,
man überzeugte sich, ob ich auch angeschnallt bin.
Der Riese erhob sich zum Himmel hinauf,
in zwölf Kilometer Höhe nahm er seinen Lauf.
Ich sah aus dem Fenster, eine Wolke zum Greifen nah,
als ich in der Ferne ein weiteres Flugzeug sah.
Der Traum vom selber fliegen hatte sich bereits erfüllt,
er wurde in Berlin in einem Flugsimulator gestillt.
Gelandet bin ich damit schon auf dem BER,
ach, wenn der doch endlich fertig wär.
Ich bemerkte bereits, dass das Flugzeug sinkt,
als die Stimme des Flugkapitän erklingt:
„Wir setzen bereits zur Landung an,
sie ist nicht mehr weit, die Landebahn.“
Eine weiche Landung, ein Applaus für den Kapitän
und für die Stewardess ein: „Auf Wiedersehn.“
Mein Ziel war erreicht und mir wurde klar,
dass dies die schnellste Art des Reisens war.

Foto: Joachim Reisig / pixelio.de

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THEMA: KURZGESCHICHTEN UND GEDICHTE
IN

GRIECHENLAND

von Gabriele Lutzke

Foto: Manfred Walker / pixelio.de

Im Sommer 1996 waren wir auf Kreta
im Urlaub. Das erste Mal sind wir mit
der Familie in den Urlaub geflogen. Die
Kinder waren ganz begeistert. Wir waren in einer wunderschönen Ferienanlage direkt am Meer untergebracht.
Am liebsten badeten wir den ganzen
Tag. Das Meer war herrlich, aber unsere Kinder zogen den Pool vor. Sie konnten dort Stunden zubringen, aber einer
von uns musste auch immer ein Auge
auf sie haben. Mario war 8 und Chrissi
6 Jahre alt. Vorher hatten wir die Jungs
zu Hause gerade beim Schwimmtraining angemeldet und dieses erst dreimal besucht. Mario konnte schon mühelos eine Bahn schwimmen und war
natürlich ganz stolz. Für Chrissi war
alles nur Spielerei. Furchtlos sprang er
einfach direkt neben der Leiter ins tiefe Wasser. Mit 2 bis 3 Zügen paddelte
er dann immer wie ein Hund zur Leiter.
Ich versuchte ihm das Brustschwimmen beizubringen. Unter Wasser konnte er dann die Bewegung richtig ausführen, über Wasser paddelte er. So
schwamm er 3 - 4 Züge unter Wasser,
schnappte nach Luft, tauchte wieder
unter und schwamm wieder 3 – 4 Züge.
Manchmal schaffte er auf diese Art

schon 30m. Oft wollten die Kinder nach dem Abendessen noch
einmal zum Pool. Dort tummelten
sich viele Kinder aus unterschiedlichen Ländern. Jeden
Abend saßen wir lange auf unserer Terrasse. Davor befand sich
eine Wiese, auf der die Kinder oft
Ball spielten. Chrissi spielte zu
dieser Zeit gern mit beweglichen
Figuren: Batman, Spiderman und
wie sie alle hießen. An einem
Abend standen 2 kleine Jungen
vor unserer Terrasse. Chrissi sagte, sie hätten sich am Pool verabredet. Zum Spielen sollte er auch
seine Figuren mitbringen. Wir
sahen uns verdutzt an, denn diese beiden polnischen Kinder
sprachen kein Wort deutsch.
Vorschuluntersuchung
Unser Sommerurlaub in Schweden war einfach fantastisch. Wir
hatten herrliches Wetter und
wirklich viele schöne Erlebnisse.
Ich ging gern reiten und so suchten wir einen Reiterhof. Wir fanden einen, auf dem Kinder ihre
Ferien verbrachten. So konnten
wir ungestört mit einer Reitlehrerin in den Wald reiten. Unsere
Kinder waren in guten Händen.
Um jedes unserer Kinder kümmerte sich ein größeres Kind vom
Reiterhof, während die Chefin
ihnen zusah. Als wir nach einer
Stunde aus dem Wald zurück kamen, waren unsere Kinder immer
noch mit ihren Ponys auf der Koppel. Die größeren Kinder liefen
neben den Ponys her. Unsere
Jungs ritten ganz allein im
Schritt und auch kurz im Trab.

Sie waren mächtig stolz und
wollten gar nicht mehr aufhören. Die Chefin hatte auch
nichts dagegen und sagte:“
Lasst doch, eure Kinder haben
doch viel Spaß.“ Das wäre uns
wohl in Deutschland nie passiert. So sahen wir ihnen noch
eine Weile zu und machten viele Erinnerungsfotos und kleine
Videos. Zum Schluss stiegen
sie glücklich und mit strahlenden Gesichtern ab. Chrissi gab
seinen viel zu großen Helm zurück und kratzte sich unaufhörlich den Rücken. Er war von Mücken völlig zerstochen. Beim
Reiten hatte er das gar nicht
gemerkt. Nach unserem Sommerurlaub stand für Chrissi die
Vorschuluntersuchung an. Also
gingen wir beide zu diesem Termin. Zuerst fragte die Ärztin
ihn, ob er ihr denn mal ein
schönes Haus malen würde.
Das verneinte Chrissi prompt.
Ich erkannte mein Kind nicht
wieder und dachte: „ Oh nein,
das wird wohl nichts.“ Aber
dann konnte er die Mengen vergleichen, zu Bildern erzählen
und andere Aufgaben sehr gut
lösen. So konnte ich wieder
aufatmen. Zum Schluss sollte
er dann Sammelbegriffe finden.
Die Ärztin sagte: „Hammer,
Zange, Säge, was sind das?“ Er
antwortete: „Das sind Werkzeuge.“ Die Ärzte sagte: „Hunde,
Katzen, Pferde...“ Darauf sagte
Chrissi: „Die haben alle Flöhe.“

THEMA: KURZGESCHICHTEN UND GEDICHTE
OPAS ABENTEUER IN DER NEUEN UNI-BIBLIOTHEK
B E R L I N E R H U M B O L D T - U N I von Wolfgang Prietsch
Im Grimm-Zentrum wollte ich aus einem Jahrbuch mal schnell eine Kopie
anfertigen. Von der Straße kommt man
in die gewaltig lange Lobby der Bibliothek. Bereits dort traf ich auf eine große Anzahl von Studentinnen und Stu-

denten, der Altersdurchschnitt
dürfte 25 Jahre betragen haben.
Zunächst ging ich zum Empfangsschalter, um einen neuen LeserAusweis zu beantragen. Dort bekam ich gleich einen kleinen

DER

Schreck: „Wo ist Ihr alter Bibliotheksausweis von vor 6 Jahren“, fragte die Bearbeiterin.
„Den habe ich nicht mehr gefunden, wohl verbummelt“, war
meine klein-laute Antwort.

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„Macht nichts“, sagte sie, „das kostet nur 6 € Gebühr“! Und sie fertigte
mir einen neuen Bibliotheksausweis
aus. Da ich nun schon im eigentlichen
Bibliotheksbereich war (im dicken
Mantel, draußen war es winterlich
kalt bei minus 18 Grad!), bin ich - eigentlich verbotenerweise - mit Mantel
per pedes drei Treppen hoch zur Regalreihe GN gestiegen, fand auch
gleich den Signaturbereich 21002200. Leider waren aber nur die Jahrgänge bis Band XIII da, nicht der gesuchte Band XIV! Eine junge Studentin
riet mir zur Nachfrage am Schalter
„Recherche/Suche/Ermittlungen“ im
Erdgeschoss. Ich also wieder runter.
Dort gab sich eine ältere Bibliothekarin richtig Mühe, den derzeitigen
Standort meines Bandes zu finden,
der aber eigentlich auch nach ihrer
Ansicht dort sein müsste, wo ich gesucht habe. Nach drei Tagen erfuhr
ich, dass das Buch jetzt am richtigen
Platz steht. Nun fuhr ich wieder hin,
wollte mit jetzt gültigem Ausweis
gleich in die Bibliothek (so schnell
mal mit Mantel, wie man das z. B. in
der Amerika-Gedenkbibliothek ohne
weiteres machen kann). Ging aber
nicht! Erst Mantel abgegeben! „Da
gehen Sie den langen Gang entlang,
dann die Treppen in den Keller runter,
dann sehen Sie schon“, sagte mir ein
Student. Dort kam ich in einen sehr
großer Raum mit Wandschränken, an
denen verschiedene kleine Schlösser
hingen. Alles war belegt, aber auch
ein offener Schrank hätte mir nichts
genützt, ich hatte ja natürlich kein
Schloss mitgebracht! Freundlicher
Hinweis einer ganz netten Studentin:
„Es gibt hier irgendwo( aber wo?)
auch Fächer, die man ohne Schloss
belegen kann, fragen Sie mal am Eingang“! Ich trabte also die Treppen
wieder hoch (immer noch im warmen
Mantel, durch die gut geheizten Räume!), und fragte erneut nach. „Ja, da
müssen Sie sich vor der Mantelabgabe
in der Cafeteria eine Service-Karte
gegen Geld leihen“. In der Cafeteria
standen viele Studenten. Schön warm
dort im Wintermantel! Für 1,55 € erwarb ich eine Service-Karte. „Die Garderobenfächer ohne Schloss befinden
sich im Gang rechts hinten“ ruft mir
jemand nach. Ich also wieder los,

nach wenigen Metern ruft
er mir hinterher: „Sie müssen aber die Service-Karte
erst aktivieren, hinten am
Automat neben dem Feuerlöscher“. Schnell gefunden!
Da befand sich eine Vorrichtung, in die man die
Karte reinstecken muss,
was man dann machen soll,
steht nirgends! Da half mir
wieder eine freundliche
Studentin. Dann – mir war
inzwischen richtig heiß – lief ich
wieder Treppchen für Treppchen
hinab in den Garderobenraum.
Dort sind Fächer mit Druckknöpfen, nur noch einige waren frei,
ich fand aber ein offenes Fach.
„Keinesfalls Mantel nur reinlegen ins Fach, und mit der Hand
den Knopf zudrücken: Dann haben Sie ein Problem (Öffnung
des Faches nur durch Bibliothekspersonal möglich, dauert
aber etwas)“, erfuhr ich von den
jungen Leuten. „Sie müssen den
Knopf mit der Service-Karte zudrücken, damit übernimmt die
Karte den Code des Faches, was
zum späteren öffnen unabdingbar ist“. Ein Glück, dass die jungen Leute hier sind, dachte ich.
So, jetzt endlich rein in die Bibliothek, wieder drei Treppen
hoch, aber jetzt leger ohne
Schwitz- Mantel. Und... Staunen! ..Buch war da! Jetzt kopieren, ich suchte also ein Kopiergerät. Gefunden! Dort standen
zwei Studentinnen beim kopieren. Freundliche Frage der einen
an mich: „Haben Sie viel zu kopieren? Bei uns dauert es nämlich lange“. „Nein, nur ein
Blatt“. „Na, dann können Sie
natürlich gleich mal ran“. Ich
legte also mein Buch auf die
Aufnahmefläche und fragte, wo
man das Geld einwerfen muss.
Lächeln! „Geht hier so nicht, Sie
müssen Ihre Service-Karte einführen“. Prima, die hatte ich ja!
Eingeführt, es kam bloß keine
Kopie! Es stellte sich heraus,
dass meine 1,55 € - Aufladung
nur für die Garderobe reicht, für
weitere Arbeiten muss man mehr

Foto: Rolf Handke / pixelio.de

aufladen. Was jetzt? Wieder Treppen runter? Wieder anstellen in
der Cafeteria? Die freundliche
Studentin hatte echt Mitleid mit
so einem Opa. Aber es ging immer
noch nicht! Es war nämlich – welche Tücke - inzwischen grade das
Papier verbraucht, wir mussten zu
einem anderen Kopierer gehen.
Hier half mir wieder die junge Studentin sofort mit ihrer Karte, und
sie wollte nicht mal mein Kleingeld annehmen! Selten war ich so
erleichtert, als ich die Kopie in
den Händen hatte und sogar meinen Mantel durch Anlegen der
Service-Karte an den Knopf des
Faches wieder herausbekam, und
– nach nochmaligem Anstehen am
Kaffeeschalter - auch meinen
Pfand von 1, 55 € wieder zurückbekam! Was würden Leute im späten Rentenalter wohl machen,
wenn ihnen nicht die mit der modernen Kommunikationstechnik
und der heutigen Recherchepraxis
einschließlich der zugehörigen
äußeren Umstände bestens vertrauten jungen Leute freundlich
zur Seite stehen würden? Im Stillen schickte ich gedanklich einen
herzlichen Dank an meine Enkeltöchter los, die mir immer wieder
bei der für die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben erforderlichen Arbeit mit modernen Kommunikationsmitteln aktiv helfen.
P.S. Der im 82. Lebensjahr stehende Autor erklärt hierdurch,
dass er die im vorstehenden Text
sichtbaren Abweichungen von den
Regeln der deutschen Sprache
,um lebensnah zu bleiben, als der
umgangssprachlichen Praxis zugehörig, in Kauf genommen hat.

Seite 17

THEMA: KURZGESCHICHTEN UND GEDICHTE
ENTTÄUSCHUNG
von Wolfgang Prietsch
Sprich mit mir, oder frage mich nicht.
Lies meine Zeilen, oder verzicht´.
Zuhören, zuwenden ist keine Pflicht.
Dein sei das Urteil und das Gericht.
Jeder lebe dem eigenen Gesicht.
Der Krug geht zum Brunnen, bis er bricht.
Was nicht mehr da ist, steht nicht mehr im Licht.
Zerbrechen werd´ ich daran nicht.
Foto: Thomas Max Müller / pixelio.de

THEMA: KURZGESCHICHTEN UND GEDICHTE
GRAS

-

URWALD

von Wolfgang Prietsch
Grasbäume bewegen sich leicht im Wind.
Der Wiese Kiefern sind
sie. Nachmittagslicht fällt
durch diese unscheinbare Welt.
Fluoresziert das Moos in seidigem Grün.
Waldameisen zieh´n
Ihren Weg.
Ich leg´
mich mitten hinein
in diese Sommerruh´
und sehe den Ameisen zu
und bin auf einmal
nicht mehr allein.

Foto: M. Großmann / pixelio.de

THEMA: LITERATUR UND BUCHTIPPS
FÜR

SIE

GELESEN:

DAS

HOHE

HAUS

AUTOR:

ROGER

WILLEMSEN

von Waltraud Käß

Foto: Andrea Damm/pixelio.de

Wer schon einmal den Wunsch hatte,
mehr über die Details der parlamentarischen Arbeit des Deutschen Bundestages zu erfahren, wer einmal hinter die
Kulissen schauen und das erfahren wollte, was nicht über den Fernsehschirm

flimmert, der sollte dieses
Buch lesen. Roger Willemsen,
ein bekannter Journalist und
Moderator, hat sich die Mühe
gemacht, und hat an jeder
Sitzung des Deutschen Bundestages des Jahres 2013
teilgenommen, egal, zu welcher Uhrzeit diese angesetzt
war. Beim Lesen seiner Berichte über die Sitzungstage
ist zu spüren, dass ihm das
mitunter sehr schwer gefallen
ist, dass ihn manchmal die
kalte Wut gepackt hat, wenn
er erle be n muss te, wie
"demokratisch" die Abgeordneten das Volk wirklich vertreten. Geht es ihnen immer um

die Sache? Nein. Mitunter
geht es nur noch um den Herrschaftsanspruch der Partei,
die gerade an der Macht ist, es
geht darum, an diesem Machtanspruch nicht rütteln zu lassen. Oder es geht um die
Durchsetzung wirtschaftlicher
Interessen der jeweiligen Lobbyisten-Gruppen. Das bestimmt den Umgang der Abgeordneten untereinander und
mit der Opposition. Ich biete
als Beispiel zwei Leseproben
aus diesem Buch:
Seite 111/112:"In kürzester
Zeit hat man sich des Unwissens, der Dummheit, der Dreistigkeit, der Schönfärberei, der

Seite 18
Täuschung, der Lüge, der Verlogenheit, des Unsinns, des Umfallens,der
Heuchelei, des Populismus, der ideologischen Borniertheit, des schlechten Charakters bezichtigt, und dabei
sind noch nicht einmal Stunden vergangen."
Oder Seite 112: "Die Reihen sind gerade dünn besetzt. Man stellt sich
immer vor, das Parlament nähme an
allem teil, es sei so etwas wie der geballte, gesunde Menschenverstand. In
der Annäherung merkt man, es sitzen
meist die Fachleute der Fraktionen
zusammen. Sie kommen aus den Aus-

schüssen, hauen sich das dort
Gesagte effekthascherisch noch
einmal um die Ohren und verlassen, kaum ist die Simulation einer entscheidenden Debatte vorbei, den Raum. Wenige Beschlüsse werden im ganzen Plenum getroffen, wenige Abgeordnete befinden sich auf dem Informationsniveau der Fachgruppen, wenige treten als Universalisten auf und können eine Vielzahl von Themen gleichermaßen
bearbeiten."
Für mich war das Lesen dieses

Buches sehr aufregend und verstörend. Es ist pointiert, scharfzüngig und detailgetreu geschrieben und stellt eine schonungslose Analyse der politischen Streitkultur der Abgeordneten des Deutschen Bundestages dar. Man kann dem Autor
nur gratulieren. Am Ende des
Buches hat man jede Illusion
verloren.
Roger Willemsen: Das Hohe Haus
ISBN 978--3-10-092109-3

THEMA: LITERATUR UND BUCHTIPPS
WO

DEUTSCHLAND

AM

SCHÖNSTEN

ISST

von Ursula A. Kolbe

Bild: Travel House Media GmbH

Von der „Aalkate“ auf Fehmarn in die
„Zimtzicke“ nach Osnabrück, von Aachen bis Zwickau – all diese Stichworte sind im neuen Genussband „Wo
Deutschland am schönsten isst“ zu
finden. Seit kurzem im Handel, verspricht er 1.000 Ideen rund ums Essen, drinnen wie draußen in der Natur. Denn ob Picknick oder Sternekü-

che, für jeden Geschmack ist
sicher das Passende dabei.
H a u p t s a c h e , d a s A m bi e nt e
stimmt. Es soll kein Gourmet im
klassischen Sinne sein. Wir finden unentdeckte Perlen der
Gastronomie, kuriose Wirte, traditionsreiche Imbissbuden, auch
idyllische Parkplätze. Wer weiß
z. B. bei längeren Reisen mit
dem Auto so etwas nicht zu
schätzen. Und erinnern Sie sich,
liebe Leser, pardon User, in der
November/Dezember„Spätlese“-Ausgabe des letzten
Jahres haben wir Sie in Sachen
„MERIAN live!“- Aktion aufgefordert, mit Ihren persönlichen
Tipps zum Entstehen dieses Werkes beizutragen. Ist nun auch Ihr
Favorit für gutes Speisen oder
einfach nur gemütliches Pickni-

cken dabei? Alle Leser-Tipps haben in diesen Band Eingang gefunden und sind auch extra gekennzeichnet. Das Berliner Kapitel leitet mit dem sinnigen und
für die Stadt so typischen Ausspruch von Georg Christoph Lichtenberg ein, dass der Duft eines
Pfannkuchens mehr ans Leben
bindet als alle philosophischen
Argumente. Wie wahr!
Doch lesen Sie und schlagen Sie
selbst nach. Mehr Infos unter
www.wo-deutschland-amschoensten-isst.de
MERIANlive! Im Verlag MEDIA
TRAVEL HOUSE MEDIA GmbH,
München www.merian.de

THEMA: LITERATUR UND BUCHTIPPS
FÜR SIE GELESEN…. "LIES MIR VOR VON MÄUSEKEN
- KLASSISCHE KINDERGESCHICHTEN DER DDR

WACKELOHR"

Verlag Beltz - Der Kinderbuchverlag in der Verlagsgruppe Beltz-Weinheim Basel
Was haben Mäuseken Wackelohr,
Adebar der Klapperstorch, das Känguru Konrad und Schnurzel, das
Neinchen miteinander zu tun? Sie
tummeln sich mit vielen anderen
Menschen und Tieren in einer reich
illustrierten Anthologie mit 21 lustigen Geschichten. Wackelohr z.B.
konnte ein Ohr nicht mehr spitzen,
weil die Katze sie gebissen hatte.

Trotzdem bekommt sie mit Hilfe
der Tauben und Ameisen doch
noch ihren Mäuserich. Adebar,
der übermütige Klapperstorch,
glaubt wirklich, dass es ihm gelingt, dem kleinen Tüdelmann
eine Schwester zu bringen. Känguru Konrad füllt sich im Supermarkt seinen Beutel mit allerlei
bunten Dingen und wird als Dieb

gejagt, und dem Schnurzel ist
eigentlich sowieso alles
"schnurzwurzpiepe". Sie alle
aber treffen sich vielleicht eines
Tages auf dem ABC-Stern im Bleistiftwald, welcher nahe am Dorf
der Buchstaben liegt.
Die Autoren dieser wunderbaren
Geschichten sind neben vielen

Seite 19
anderen z.B. Edith Bergner, Elizabeth Shaw, Wera und Klaus
Küchenmeister, Benno Pludra
und Friedrich Wolf. Jede Geschichte wird begleitet von hochwertigen Illustrationen solcher
Künstler wie Elizabeth Shaw, Jutta Kirschner, Gertrud Zucker oder
Werner Klemke.
Die Geschichten sind spannend
geschrieben und enthalten viele
Episoden des Kinderalltags.

Foto: www.Rudis-Fotoseite.de/www.pixelio.de

Es ist ein bezauberndes Buch und
empfiehlt sich, abgesehen von
den pädagogischen Inhalten,
schon allein durch seine Aufmachung als Geschenk für Kinder
oder Enkelkinder.
Der Preis: Hardcover - 14,95 €
ISBN: 978-3-407-77167-4
Waltraud Käß

THEMA: LITERATUR UND BUCHTIPPS
WEGWEISER

DURCH

DIE

DIGITALE

WELT

von Ursula A. Kolbe
Die inzwischen 7. Auflage dieser Broschüre zeigt die ungebrochene Aktualität
als sinnvolles Hilfsmittel in den eigentlich gar nicht so unüberwindlichen Einstieg ins Internet. Und darum geht es der
BAGSO, der Bundesarbeitsgemeinschaft
der Senioren-Organisationen des Landes,
alle Möglichkeiten zu nutzen und anzubieten, die das Internet als Informationsund Kommunikationsplattform bietet.
Wie fit und interessiert dabei oft auch
die über 70jährigen sind, hat mir so manche Stippvisite bei diesen viel besuchten
Kursen anschaulich verdeutlicht. Schritt
für Schritt wird man auf diesem Weg begleitet. Dabei werden in der 96 Seiten
umfassenden Broschüre alle Themen aufgegriffen, die den Neulingen im Internet
auf den Nägeln brennen.

Deutlich soll allen Interessierten klar werden, wie das Internet dem Einzelnen den Lebensalltag bereichern und erleichtern kann, über Rechte aufklärt, nützliche Tipps und Hinweise gibt. Wer einmal
„reingerochen“ hat, wie es so
schön heißt, wird seinen Com- Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenputer oder Laptop nicht mehr Organisationen e.V. (BAGSO)
missen wollen. Dank der finanOder:
ziellen Unterstützung des Bunpublikationen@bundes
desverbraucherschutzministeriu
regierung.de;
ms kann dieser „Wegweiser
Tel.: 030 / 182 72 27 21
durch die digitale Welt“ kostenfrei bezogen werden bei
Publikumsversand der Bundesregierung Postfach 48 10 09,
18132 Rostock

THEMA: LITERATUR UND BUCHTIPPS
VERANSTALTUNGSTIPP: LESUNG DES LITERARISCHEN
FRAUENSTAMMTISCHES BERLIN-MARZAHN
Waltraud Käß
Am 9. Juli 2014, zwischen 18.00 - 19.00
Uhr, präsentieren die Damen des Literarischen Frauenstammtisches BerlinMarzahn in einer Lesung eigene Kurzgeschichten und Gedichte. Der Ort der Veranstaltung befindet sich auf dem Gelände
der Wuhletal - Psychosoziales Zentrum
gGmbH im Dorfkern von Alt-Marzahn
(gegenüber der Kirche). Sie sind herzlich
dazu eingeladen. Da das Platzangebot begrenz ist, sichert rechtzeitiges Erscheinen
gute Plätze.

Bild: angieconscious

Seite 20

THEMA: VERMISCHTES
DIE

FAHRAUSWEISE

ZUR

KONTROLLE

BITTE!

von Waltraud Käß

Foto: beppo 1/pixelio.de

Ich kenne diesen Spruch zur Genüge.
Die S-Bahn-Linie, die ich benutzen
muss, um in die Stadt zu kommen,
scheint ein beliebtes Jagdrevier der
Kontrolleure zu sein. Jedes Mal, wenn
dieser Spruch ertönt, sich auffällige
Gestalten blitzartig durch den Wagen
bewegen, schrecke ich zusammen,
und nicht nur ich. Hastig werden Zeitungen beiseite gelegt, Bücher geschlossen, Stöpsel aus den Ohren genommen. Es beginnt ein aufgeregtes
kramen in den Taschen von Jacken
oder Hosen, oder in Rucksäcken und
Umhängetaschen. Ein erleichterter
Blick, wenn man fündig geworden ist.
Mitunter werden aber auch die Kontrolleure fündig. Dann richten sich die
Blicke der restlichen Fahrgäste mitleidig oder höhnisch auf den ertappten Sünder. Eigentlich kann ich bei
Kontrollen ganz ruhig sein. Ich habe
ein Monatsticket, welches immer am
gleichen Platz in meinem Rucksack
steckt. Doch an einem Nachmittag im
Frühjahr war alles anders. Am Vortag,

es war etwas kühler geworden,
war ich nicht nur mit der S-Bahn,
sondern auch mit dem Bus unterwegs, in dem der Fahrer ja bekanntlich das Ticket sehen will.
Raus aus dem Rücksack, den ich
mir wieder über den Rücken
warf, denn auf der Rückfahrt
musste ich die gleiche Prozedur
erledigen. Das Ticket wanderte
derweil in die Jackentasche. Der
nächste Tag, ein Freitag, brachte sommerliche Temperaturen.
Am Nachmittag auf dem Weg zu
einer Veranstaltung fuhr ich
frohgelaunt zum Ort des Geschehens, benutzte S-Bahn und UBahn, nicht ahnend, was mir
noch passieren würde. Auf dem
Rückweg, die Heimatstation war
schon in Sicht, ich war immer
noch ahnungslos, ertönte plötzlich der bekannte Ruf: Die Fahrausweise zur Kontrolle bitte!
Ruhig griff ich in das entsprechende Fach meines Rucksacks es war leer. Blitzartig schoss es
mir durch den Kopf, dass das
Ticket noch in der Jackentasche
steckte. Das Erschrecken muss
mir im Gesicht gestanden haben.
Erwischt! Ich war ein Opfer der
Kontrolleure! Peinlich! Am liebsten wäre ich im Wagenboden
versunken oder hätte mich unsichtbar gemacht, als mich die
Blicke der Mitreisenden trafen.
Doch tapfer trat ich zu den Kontrolleure und erklärte mein Miss-

geschick. Da kann natürlich Jeder kommen und eine Geschichte erzählen, sie dürfen es nicht
glauben. Sie sind schließlich
das Auge des Gesetzes. Ich bekam ein Kontrollticket, einen
Hinweiszettel mit einer Telefonnummer und die Mahnung mit
auf den Weg, mich am Montagnachmittag im Kundenbüro am
Ostbahnhof zu melden, um mein
Ticket vorzulegen. Dort würde
ich Weiteres erfahren. Das Problem war nur, dass ich am Nachmittag des Montag bereits außerhalb Berlins weilte und somit
die geforderte 7-Tage-Karenzzeit
nicht einhalten konnte. Also sofort das Kundenbüro anrufen.
Ich erhielt den Hinweis, falls ich
im Besitz eines PC wäre, eine EMail mit der Bitte um Fristverlängerung zu schreiben. Das tat
ich und bekam kurzfristig eine
automatische Eingangsbestätigung. Nach dem Abschluss meiner Reise legte ich am Ostbahnhof mein Ticket vor. Eine Strafe
wurde nicht fällig, ich wurde informiert, dass ich einmal im Jahr
das Ticket "vergessen" darf. In
den Geschäftsbedingungen des
Vertrages ist dieser Fakt natürlich auch aufgeführt. Aber wer
liest schon immer das Kleingedruckte? Fazit meiner Zitterpartie: Vor Fahrantritt prüfen, ob
das Ticket wirklich an seinem
Platz im Rucksack steckt.

BEZIRKSAMT MARZAHNHELLERSDORF VON BERLIN
RIESAER STRAßE 94
12627 BERLIN
REDAKTION SPÄTLESE
Telefon: (030) 90293-4371
Telefax: (030) 90293-4355
E-Mail: magazin-spaetlese@gmx.de
Internet: www.magazin-spätlese.net
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