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Periodical volume

Full text: Spätlese Issue 2013,5/6

DAS MAGAZIN FÜR AUFGEWECKTE
SENIORINNEN UND SENIOREN

SPÄTLESE
www.magazin-spätlese.net

Ausgabe Mai-Juni 2013

IN

DIESER

AUSGABE:

Politik

Natur

Europäische
Nachbarschaftstag

Ein kleiner Baumeister im
Garten

„ … nie vergessen:
Die Solidarität

Kurzgeschichten

13 Jahre Seniorengymnastik mit Musik
Kunst und Kultur

16

Großmutter Geburt

An einem dieser Tage oder warum Katzen beim
Kuchenbacken unerwünscht sind

Tourismus
ITB - das weltumspannende Reisebüro
Östereich-Idylle in
Charlottenburg

Humanität

Messe

Weltweit nur einmal
Gastfreundschaft im Visier

Das ist Credo: Selbstlos
und uneigennützig

Eine Reise in die Vergangenheit - die Jagiellonen

Gartenschau

Noch klein, aber schon
Spitze

Prenzlauer Blütenteppich und
Forster Rosenträume

WAS

ERWARTET

SIE

Die neue Ausgabe des
Senioren-Magazins
„Spätlese”
ist
unter:
www.magazin-spätlese.net
online verfügbar. Die Leserinnen und Leser können
sich auf interessante und
lesenswerte
Themen
freuen. Die ehrenamtlichen
Autoren haben sich auch in
dieser Ausgabe bemüht, für
jeden Geschmack etwas
anzubieten.
Waltraud Käß vertiefte sich
in
die
Vergangenheit,
schreibt über einen Helden
und übte sich im Beten.
www.magazin-spätlese.net

IN

DIESER

20

DER TRAUM VOM
SCHÖNEN WOHNEN

Der starke Aarne

Was soll das sein?

Sehnsucht (Über ein Bild
von Heinrich Vogeler)

20

Gedichte
Gebet eines Users

Ein Held

Seniorensport

19

igs hamburg auf Europas
größter bewohnter
Flussinsel

18

Vom Kopf-Airbag zum
„Lastenesel“
Geschichte
Wer war Ludwig
Leichhardt?

AUSGABE?

Ursula A. Kolbe berichtet
über
einen
AustralienForscher, war zu Besuch in
Hamburg, informiert über die
Landesgartenschau und das
DRK und schreibt über den
Östereich-Park in Berlin.
Barbara Ludwig beschäftigt
sich mit denn Nachbarn und
schreibt über die Armen und
Reichen.
Christa-Dorit Pohle war Gast
im Kulturforum Hellersdorf,
beobachtete einen Buntspecht und war in einem seltenen Museum. Rudolf Winterfeldt flog mit den Grau-

gänsen, kochte ein seltenes
Essen und besuchte eine
Sportgruppe. Weitere Autoren schreiben über einen
Maler und backten einen
Kuchen.

Redaktion Spätlese

www.magazin-spätlese.net
SPÄTLESE
THEMA:

Seite 2

POLITIK

EUROPÄISCHE

NACHBARSCHAFTSTAG

von Babara Ludwig
Der Europäische Nachbardas rechte Maß zu finden, um
schaftstag, der den solidarimit seinen Nachbarn in verschen Zusammenhalt und den
träglicher Weise auszukomsozialen Kontakt unter Europas
men. Wunderschöne nachbarBevölkerung
förschaftliche Begegnungen bedern soll, wurde
reichern uns, die bis zu einer
1999 in Frankreich
edlen Freundschaft führen
als Fest der Nachkönnen. Doch wir alle wissen,
barn ins Leben geNachbarn, wie zum Beispiel so
rufen und 2004 ist
manche Wohnungs- oder
daraus der EuropäGrundstücksnachbarn, können
ische
Nachbarsehr unliebsame Bürger sein,
schaftstag entstandie in Feindschaft ihr Vergnügen
Barbara Ludwig den. In den Folgesuchen. „Es kann der Frömmste
jahren beteinicht im Frieden
ligten sich bereits über
leben, wenn es
zehn Länder daran, unter
dem bösen Nach“Jegliches
anderem auch Deutschbarn nicht gefällt.“,
Leben, jegliche
land. In Berlin wurde er
prägte Schiller in
Existenz kommt
2012 besonders in Stegseinem „Tell“. Das
ohne sie nicht
litz gefeiert, (wie mir
ist wahr und gültig
Google verriet). Er findet
für alle Zeit. Aber
aus.“
an einem Tag, der von
wir selbst haben
der jeweiligen Bürgergees auch in der
meinschaft selbst beHand, den bösen
stimmt wird, in der Zeit von EnNachbarn in seinen Handlungen
de Mai bis Anfang Juni statt.
zu stoppen. Sich ihm mit
Nachbarschaft ist ein weites
Freundlichkeit zu nähern und
Feld. Jegliches Leben, jegliche
ihm klar machen, dass seine
Existenz kommt ohne sie nicht
Freiheit, die er sich rücksichtsaus. Begonnen mit der Nachlos nimmt, nicht zur Unfreiheit
barschaft unserer Erde mit andes Anderen führen darf.
deren Planeten, Sternen, dem
Aber auch Toleranz üben, wenn
Mond. Die Erdteile Europa und
nötig Hilfe anbieten und nicht
Asien grenzen unmittelbar angegeneinander, sondern miteineinander, haben also eine
ander handeln, sind einige der
nachbarschaftliche Beziehung,
grundlegenden Möglichkeiten
welcher Art auch immer. Eine
guten Einvernehmens. Vom Gefriedliche sollte es sein. Doch
setzesrecht Gebrauch zu mableiben wir dem Tag gemäß in
chen ist eine Maßnahme, die
Europa. Menschen der Länder,
bei Uneinsichtigkeit und grobem
Städte, Gemeinden und Dörfer
Fehlverhalten nützlich ist.
sind auf gute Nachbarschaft
Aber es sollte das letzte Mittel
angewiesen, um mit Freude
sein. Weitere Mittel für gute
schaffen und leben zu können.
Nachbarschaft sind, verschwieAuch die Pflanzen- und Tiergen zu sein, seine Kritiklust im
welt bemüht sich um gedeihliZaum zu halten, dafür in Güte
che Nachbarschaft, da ohne
auf Fehlverhalten aufmerksam
sie kaum Wachstum möglich
machen, sich selbst stets rückist. Dem Menschen obliegt es,
sichtsvoll zu benehmen und

Foto: Robert Babiak / pixelio.de

nicht, `wie du mir, so ich dir`.
Es ist aber auch ratsam, etwas Abstand zu halten, nicht
gleich zu „dicke Freunde“ zu
sein, denn oft bekommt das
gute Einvernehmen einen
Riss, nur weil man sich noch
nicht richtig kennt. Streit, Bevormundung, Willensaufdrängung sind Feinde guter Nachbarschaft. Und kein Freund
ist der, welcher hinter dem
Rücken des anderen seine
unliebsame Meinung über ihn
verbreitet. Der so behandelte
Nachbar fühlt sich schlecht
und in die Enge getrieben,
wo er doch ein gewisses Frei
sein, aber gleichzeitig auch
Verbundenheit braucht. Das
führt zu Ärger bis zur Verbitterung und Gefahr.
Gehen wir in Liebe auf die
Menschen, unsere Nachbarn
zu, dann werden alle gewinnen. Sie herauszuholen aus
der Isolation und der Anonymität ist das Ziel des Europäischen Tages der Nachbarschaft. Wie? Feste in der
Nachbarschaft könnten sehr
hilfreich sein. Man lernt sich
kennen, es werden Kontakte
geknüpft, bestehende freundschaftliche Beziehungen vertieft. Daraus ergeben sich oft
weitere Treffen. Keiner wird
allein sein bei einem Leben in
guter Nachbarschaft. Macht
mit!

Seite 3
THEMA:

„

…

www.magazin-spätlese.net
POLITIK

NIE

VERGESSEN:

DIE

SOLIDARITÄT

von Babara Ludwig
zu fatal zu sein. So stritt man
Kennen Sie jemand, der reich
sich um eine entsprechende
ist? So richtig reich? Nein?
Formulierung. Doch nach moIch auch nicht. Aber es gibt
natelangen Diskussionen und
sie, die oberen 10%, die über
Hin und Her, stand dann in
53%, das sind 5,3 Billionen
der Endfassung das peinliche
Euro des gesamten PrivatGeständnis: „Hinter diesen
vermögens verfügen – TenDurchschnittswerten steht
denz steigend. Die restlichen
eine sehr ungleiche Vertei90% aller Haushalte müssen
lung der Privatvermösich also mit 4,7 Bilgen.“ Eine andere Festlionen Euro begnügen. Damit ist klar,
“Bezahlbare stellung: „Eine solche
Einkommensentwickdass bei den meisMieten für
lung verletzt das Geten Menschen in
alle!“
rechtigkeitsempfinden
Deutschland
das
der Bevölkerung und
Privatvermögen gekann den gesellschaftlichen
ring mit sinkender Tendenz
Zusammenhalt gefährden“,
bis überhaupt nicht vorhanwurde ersatzlos gestrichen.
den ist. Weitere gravierende
Arbeitsministerin von der LeyUnterschiede bestehen zwien gab sich letzten Endes geschen Ost und West. Ostschlagen und erklärte, dass
deutsche Haushalte haben
trotzdem kritische Bemerkunim Schnitt ein Immobiliengen erhalten geblieben seien.
und Geldvermögen von
Das „Bündnis Umfairteilen“
55.000 Euro, westdeutsche
warnt: „Der Reichtum wird
dagegen von 132.000 Euro.
immer größer, konzentriert
64% der Bevölkerung sind
sich jedoch auf immer wenider Ansicht, dass die soziale
ger Menschen. Dem steht eiGerechtigkeit Jahr für Jahr
ne zunehmende soziale Spalgeringer geworden ist. Das
tung und öffentliche Armut
hat das Meinungsforschungsgegenüber.“ Die meisten
institut Allensbach aufgrund
Deutschen stellen schon laneiner repräsentativen Umfrage den Sozialstaat Deutschge jüngst festgestellt. Bedarf
land infrage. Sie verlangen
es da groß angelegter Stuendlich den Arbeitsmarkt in
dien? Die Bevölkerung weiß
ordentliche Bahnen zu lendas seit langem. Eben, die
ken. Das heißt in erster Linie
Bevölkerung. Der RegieAbschaffung der Massenarrungsbericht vom 6.3.13, Arbeitslosigkeit! Weg von nur
mut und Reichtum beinhalstundenweiser Beschäftigung,
tend, wurde vom FDPdafür „Umverteilung der Arbeit
Wirtschaftsminister Rösler
auf eine kollektive 30geschönt, um nicht zu sagen,
Stunden-Woche. Also eine
frisiert. Das weite Auseinankurze Vollzeit für alle. Und
dertriften der privaten Eigenzwar bei vollem Lohnaustumsverhältnisse, als ein
gleich“, fordert Dr. Heinz-J.
Punkt der Erkenntnisse,
Boutrup, Prof. f. Wirtschaftsschien den Verfassern des
wissenschaft. Genau diese
Regierungsberichtes für eine
Forderung wurde bereits AnVeröffentlichung wohl selbst

fang der 90er Jahre in der, vor
allem ostdeutschen, Bevölkerung
diskutiert. Weitere Forderungen:
Festsetzung eines zum Leben
ausreichenden Mindestlohnes!
Bezahlbare Mieten für alle! Obdachlosigkeit minimieren, statt sie
auszuweiten! Einrichtungen für
Kinder und Jugendliche schaffen,
um damit die Erziehungs- und
Bildungsmöglichkeiten zu erhöhen! Endlich, nach 23 Jahren

Foto: Peter Feldnick / pixelio.de

Einheit, die Lohn- und Rentenunterschiede zwischen Ost und
West auf Null bringen! Unentgeltliche Behandlung der Krankenversicherten bei medizinisch notwendigen Leistungen, zum Beispiel IGEL. Soziale Gerechtigkeit
durch Vermögens- und Erbschaftssteuern der „Überreichen“
herbeiführen! Das Volk schläft
nicht! Immer mehr Protestierende
füllen die Straßen unter klarer
Ansage ihrer Forderungen. Begleiten wir Älteren unsere Kinder
und Enkel, wenn sie um ihre
Existenz kämpfen. Jetzt zum 1.
Mai und bei weiteren Demonstrationen! Erinnern wir uns an das
Kampflied von Brecht und Eisler,
das Ernst Busch, alle mitreißend,
sang: „ . . . vorwärts nie vergessen, die Solidarität!“
Material: Berliner Zeitung v.
7.3.13; 9.9.12; 15.2.13; Neues
Deutschland v. 9.3.13

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THEMA:

13

Seite 4

SENIORENSPORT

JAHRE

SENIORENGYMNASTIK

MIT

MUSIK

von Rudolf Winterfeldt
klärte sich bereit dazu und
nun turnten wir jede Woche
einmal unter ihrer Anleitung.
Mit der Zeit kamen noch einige andere Sportbegeisterte hinzu und so füllte sich
der Raum und der Platz
reichte nicht mehr aus. Eine
zweite Gruppe musste gebildet werden.
Foto: Rudolf Winterfeldt

Nachdem meine Frau und ich
am 10. August 1999 die Seniorengruppe „An der Wuhle“ gegründet hatten, wurde von den
Mitgliedern der Wunsch geäußert, eine Möglichkeit zur sportlichen Ertüchtigung zu schaffen.
Mit Frau Rosemarie Eckhardt
vom damaligen Stadtteiltreff
Hellersdorf besprach ich das
Anliegen. Wir suchten nach einer kompetenten Person, die
fachlich diese Aufgabe übernehmen kann. Frau Schulteisz erTHEMA:

KUNST

SEHNSUCHT

/

und Sportler. Einige Damen
und Herren sind von der
Gründung an dabei und sorgen so für ihre Gesundheit.

Jeden Mittwoch treffen sich
die Sportbegeisterten im
Stadtteilzentrum HellersdorfSüd „Haus Kompass“, Kummerower Ring 42 in 12619
Berlin, zur „SeniorenGymnastik mit Musik“ um
Seit dieser Zeit sind nun viesich sportlich zu betätigen.
le Jahre ins Land gegangen
Die erste Gruppe trifft
und Veränderunsich von 08.30 - 09.30
gen gab es auch.
„Einige
Damen
Uhr und die zweite
Inzwischen hat
und Herren
Gruppe von 09.45 Frau Sigrid Jor10.45 Uhr. Wer Interesdan die Leitung
sind von der
se zur Teilnahme an
der GymnastikGründung an
diese Seniorengymnasgruppen
überdabei
tik hat kann sich Im
nommen.
Mit
„Kompass“ melden und
dem Umzug in
sich dort Informationen holen.
das neue Haus „Kompass“
Telefon: 030-56497401.
im Jahre 2009, haben sich
auch die Bedingungen verIch wünsche Ihnen viel Spaß
bessert. So gib es z.B. Umdabei und so tun Sie etwas
kleideräume und sogar Dufür Ihre Gesundheit.
schen für die Sportlerinnen

KULTUR

(ÜBER

EIN

BILD

VON

HEINRICH

VOGELER)

von Wolfgang Prietsch
Unter tiefblauem Himmel. Der Blick weit
über sattgrünes Land.
Dem Betrachter abgewandt,
vordergründig, in weit fließendem Kleid
Frauengestalt im Birkenhain.
Statisch, unwirklich entrückt, kein
Hauch in dieser Traumwelt.
Weiß Hals, Nacken und Hand, die hält
und stützt das Haupt. Sitzend seitlich geneigt.
Da ist kein Licht und es zeigt
sich kein Vogel. Über niedrigem Horizont Leere.
Freude weltenweit fern
Auf einem unbekannten Stern.
Stille ringsum, liedlose Schwere.
Nur weiße Blumen in niedrigem Gras.
Sehnsucht nach dem Land „Ich weiß nicht was“.

Original: Die Sammlung der Großen Kunstschau
Worpswede

Seite 5
Vor Jahren sah ich auf einer
Kunstpostkarte das obige
Bild „Sehnsucht“ des Malers
Heinrich Vogeler. Aus der
Betrachtung dieses empfindsamen Jugendstil-Bildes entstand das vorstehende Gedicht. Vor 70 Jahren, am
14.6. des vorigen Jahres verstarb dieser bedeutende Maler des Jugendstils und
(später) des sozialistischen
Realismus im Krankenhaus
Kolchos Kornejewa, Karaganda/Kasachstan. 70 Jahre
nach seinem Tode ist nunmehr die lizenzfreie Veröffentlichung seines Bildes
„Sehnsucht“ passend zu meinem Gedicht möglich. Wer
war Heinrich Vogeler?Am
12.12.1872 in Bremen als
Sohn eines dortigen Kaufmanns geboren, war der spätere Maler, Grafiker, Buchillustrator, Designer, Pädagoge und Architekt einer der im
deutschen Bürgertum beliebtesten Künstler des Symbolismus und des Jugendstils.
Nach ungeliebten Studienjahren (1890-95) an der damals
konservativen Kunstakademie in Düsseldorf war er die
herausragende Persönlichkeit der Künstlerkolonie in
Worpswede bei Bremen, wo
er mit den Künstlerfreunden
Otto Modersohn und Fritz
Mackensen in einer typischen
Moorlandschaft mit wenigen
alten Bauernhäusern zu arbeiten begann. Aus einem
alten Moorhaus baute er sich
nach und nach einen malerisch- architektonischen
Künstlersitz „Barkenhoff“ auf,
der heute eines der vier
Worpsweder Museen darstellt. Hier entstanden viele
seiner Bilder, darunter zahlreiche versonnene Frauenbildnisse im Jugendstil, meist
nach dem Modell seiner Muse und (seit 1901) Ehefrau,

www.magazin-spätlese.net
ne, Schule und später als
der Worpswederin Martha
Kinderheim. Unter dem EinSchröder. Aber auch Buchildruck der Revolution in
lustrationen, z. B. für den
Russland wandte sich VoInsel-Verlag, und Entwürfe
geler den Idealen des Sozifür Möbel und Gebrauchsgealismus zu und wanderte
genstände (z. B. Besteck)
1931 in die Sowjetunion
entstanden hier. Vogeler araus. Er hatte inzwischen
beitete (bis 1905) an der
seine zweite Frau, die RusAusgestaltung
der
sin Sonja Marschlewska
„Güldenkammer“ des Bregeheiratet.
mer Rathauses und war der
Wegen seiner sozialistischEinrichtungs-Künstler am
kommunistischen GesinWorpsweder Bahnhof. Im
nung stand er
Barkenhoff wabeim Vormarsch
ren so bedeuder
Deutschen
tende Künstler
„Wer war Heinrich
Wehrmacht im 2.
wie Rainer MaVogeler?“
Weltkrieg
auf
ria Rilke, ThoMoskau auf der
mas
Mann,
Todesliste
der
Gerhart HauptSS. In der Sowmann und die
jetunion entstanden Bilder
Malerin Paula Modersohnim
realistischBecker oft zu Gast. 1907 fiel
expressionistischen Stil und
nach dem Tode der lieben
später großformatige agitaFreundin Paula Modersohntorische Bilder zum Aufbau
Becker der Worpsweder
des Sozialismus im Stil des
Freundeskreis auseinander,
sozialistischen Realismus,
Rilke hatte sich schon vorher
sowie auch antifaschistizurückgezogen. Auch die
sche Plakate und FlugblätEhe mit Martha ging zu Enter. Einige dieser Bilder gede. 1914 meldete sich Vogehören zum Bestand der Naler als Kriegsfreiwilliger, und
tionalgalerie auf der Berliwird 1915 als Zeichner im
ner Museumsinsel. Im 2.
Auftrage der deutschen ArWeltkrieg wurde er als
mee an die Ostfront befohDeutscher im Rahmen der
len. Er kommt in Kontakt mit
Stalin´schen Deportationsden revolutionären russimaßnahmen aus Moskau
schen Bolschewiki. 1918
nach Kasachstan ausgesieverfasst er einen Friedensdelt, wo er ganz verarmt
appell an den Kaiser, der ihn
und unterernährt verstarb.
darauf hin in die Bremer IrBis zuletzt ist er seinem
renanstalt bringen lässt und
Ideal einer gerechten, friedaus der Armee ausschließt.
lichen und humanistischen
Die bitteren und schreckliWelt treu geblieben.
chen Jahre des 1. Weltkrieges blieben nicht ohne WirQuellen zum Leben von H.
kung auf den empfindsamen
Vogeler findet man u. a. im
Künstler: Er sehnte sich
I n t e r n e t
u n t e r
nach einer friedlichen, gewww.worpswederechten Welt, mit gleichen
museen.de/heinrich-vogeler
Lebenschancen für alle
und unter www.vogelerMenschen. Vogeler übergab
heinrich.de, diese Quellen
den Barkenhoff an die „Rote
wurden auch bei der AnferHilfe“, diese verwendete das
tigung des obigen Textes
Künstlerdomizil als Kommuverwendet

www.magazin-spätlese.net
THEMA:

KUNST

WELTWEIT

/

NUR

Seite 6

KULTUR

EINMAL

von Christa-Dorit Pohle
durch passende ObFür
die
meisten
jekte wie Plakat- und
Frauen wohl ein abKosmetikwerbung
solutes Muss: Der
und Kussabdrücken
Lippenstift.
Schon
von prominenten Lakleine
Mädchen
dys. Make-up und
möchten, dass ihnen
Styling sind Kochs
ihre Mama einen zart
Profession.
Sein
farbigen
LippenHandwerk beherrscht
Christa-Dorit Pohle Pflegestift
kauft
der einstige Chefvisagist von
(farblos ist einfach
Yves Saint Laurent Beauté
nicht cool), habe ich beim Einkaumit sehr viel Charme und
fen miterlebt. Vor knapp 40 Jahren
Können, so dass sich zahlfing der Star-Visagist René Koch
reiche Stars seinen Künsten
an, Lippenstifte zu sammeln. Zuerst
anvertrauten. Bei den Fühdachte er, dass diese erwachte
rungen durch seine PrivatSammel-Leidenschaft Teil seines
sammlung gibt Koch, neben
Berufes sei. Doch als die Lippenstifseinem umte immer kostbarer wurden und
fangreichen
seine Sammlung immer exquiFachwissen,
siter, da wurde ihm klar: „Je
spanmehr man besitzt, umso mehr
„Sein Handwerk viele
nende
Gewill man haben“. Heute führt
beherrscht der
schichten
und
der 66-jährige das einzige Lipeinstige
Promi-Storys
penstiftmuseum der Welt. Er
Chefvisagist “
zum Besten.
stellt dort seine Schätze aus
Etwa
jene
und erzählt mit rund 250 Expoüber
Hildenaten Lippenstiftgeschichte.
gard Knef, bei
Highlights wie alte japanische Silder er jeden Morgen zum
berdosen mit Lippenrot, Art déco
Schminken vorbei kam.
Lippenstifte in Schiebetechnik, ge„Mach mir mal’n bisschen
schnitzte Kriegsmodelle aus Holz,
Farbe ins Gesicht, damit ich
sowie Luxus-Hüllen mit wertvollen
weiß, wo vorne ist!“, lautete
Edelsteinen sind zu sehen. Noch
der flotte Begrüßungsspruch
interessanter wird die Ausstellung
THEMA:

KUNST

/

Foto: Ich-und-Du / pixelio.de

der alternden Filmdiva. René
Koch ist ständig unterwegs
auf Flohmärkten, im Internet,
recherchiert bei Freunden
und Bekannten, stets auf der
Suche nach neuen Stücken.
Er würde sich freuen, Gleichgesinnte zu finden, mit denen
er tauschen könnte. Trotz der
vielen Museumsbesucher
und Presseberichten hat sich
leider kein anderer Lippenstiftsammler gemeldet. Herr
Koch findet es fast tragisch,
dass es außer ihm keine Lippenstiftsammler auf der Welt
gibt. Sie sind neugierig geworden auf dieses Lippenstift-Museum? Dann bitte vorher anmelden unter: 10717
Berlin, Helmstedter Str. 16,
Telefon: 030-8542829.
Info unter:
www.lippenstiftmuseum.de

KULTUR

GASTFREUNDSCHAFT

IM

VISIER

von Christa-Dorit Pohle
Vermissten Sie die Sonne im letzten Winter auch so sehr wie ich?
Durch den Sonnenmangel sind wir
nicht immer in guter Stimmung.
Wenn wir uns aber auf etwas freuen können, kommen kleine Lichtblicke in unser Leben und das ist
dann wohltuend auch für unsere
Gesundheit. Meine Freundin und
ich haben schon einige Male Veranstaltungen im Kulturforum Hellers-

dorf besucht und waren immer begeistert von den Darbietungen. Die Atmosphäre
im Kulturforum ist sehr angenehm und die Mitarbeiter
bemühen sich sehr, dass die
Gäste sich wohlfühlen. Das
wissen wir Senioren auch zu
schätzen. Am 27.02.2013
waren wir wieder im Kulturforum zu der Vorstellung

„Schräge Gäste - wilde Feste“. Ich muss sagen, wir waren sehr neugierig auf die
Künstlerin Susann Kloss.
Nachdem wir Kaffee getrunken hatten, begann die Vorstellung. Susann Kloss, eine
junge Frau, sehr sympathisch
und von einer herzerfrischenden natürlichen Ausstrahlung, erzählte uns Geschich-

www.magazin-spätlese.net
ten über die Gastfreundschaft. Wir hörten etwas
über Sitten und Gebräuche
im Mittelalter bis hin zu den
modernen Geflogenheiten.
Wir hatten sehr viel zu lachen. Am tollsten fanden
wir, als Susann nach einer
überstandenen Party einen
Dialog mit ihrem, weder vor
noch hinter der vorhandenen, Partner führte, die Füße von den Schuhen befreite, in Pantoffel schlüpfte
und vorspielte, wie ein
Ehepaar in alkoholbeschwingter Stimmung den
Partyverlauf auswerten
könnte. Sie spielte das so
THEMA:

EINE

KUNST

REISE

/

IN

Seite 7

für uns Senioren zu planen und
vorzubereiten. Wir haben uns
gleich für die nächste Veranstaltung im Kulturforum angemeldet. „Masleniza“ ein kleines Fest
zur Verabschiedung des Winters nach russischem Brauch.
Wenn Sie noch nicht im Kulturforum Hellersdorf waren und
nun vielleicht neugierig geworden sind, unter der Telefon-Nr.:
5616170 und Kartentelefon:
5611153 gibt man Ihnen sehr
gerne Auskunft über die Veranstaltungen. Kulturforum Hellersdorf, Carola-Neher-Str. 1 in
12619 Berlin. Im Internet:
www.kulturring.org.

gut, dass wir uns fühlten, als
hätten wir auch an dieser
Party teilgenommen. Ein solcher Nachmittag lenkt uns
von den Problemen des Alltags ab, lässt uns heiter und
unbeschwert sein und solche Gelegenheiten sollten
wir nutzen, solange dies
möglich ist. Ich möchte an
dieser Stelle auch einmal ein
herzliches „Dankeschön“ an
Christine Döbrich, die Koordinatorin für regionale Seniorenarbeit, sagen. In Gesprächen mit Frau Döbrich spürt
man, dass sie mit dem Herzen dabei ist, wenn es darum geht, Veranstaltungen
KULTUR

DIE

VERGANGENHEIT

-

DIE

JAGIELLONEN

von Waltraud Käß

„Es
war
einmal …“.
Mit diesen
Worten
werden
viele Märchen einWaltraud Käß
geleitet,
die in hunderten von Jahren durch
die Dichter geschrieben
wurden. Mit diesen drei
Worten könnte man
auch in die Geschichte
einer
HerrscherDynastie
zwischen
1386 und 1572 einsteigen, die das wissenschaftliche und kulturelle Leben in Europa in
entscheidendem Maße
geprägt hat, heute aber
weitgehend unbekannt
ist. Es war einmal ein
litauischer Großfürst namens Jogaila, der durch
Heirat mit der polnischen
Königin Hedwig von Anjou
den polnischen Thron in
Krakau bestieg und dort als

Wladislaw II. Jagiello ab
1386 herrschte. Seine vierte
Ehefrau Sofia aus dem litauisch-ruthenischen Fürstenhaus gebar ihm zwei Söhne,
Wladislaw III. und Kasimir
IV. Den polnischen Thron
erbte Wladislaw, der auch
zum ungarischen König gekrönt wurde. Allerdings fiel
er in einer
Schlacht gegen die Türken, und so
„Diese
erbte sein BruLeihgaben
der Kasimir als
kommen aus
König Kasimir
Museen und
II. den polniSammlungen
schen Thron.
aus ganz
Verheiratet
Europa“
war dieser mit
Elisabeth von
Habsburg, der
Tochter
des
deutschen Königs Albrecht
II. Diese Ehe wurde mit dreizehn Kindern reich gesegnet. Die standesgemäße
Heirat war in der damaligen
Zeit ein wichtiger Bestandteil

Foto: Ursula Münch / pixelio.de

der herrschenden Politik, und so
gelang es dem polnischen König durch diese weitsichtige Heiratspolitik, Verbindungen mit
den mächtigsten europäischen
Fürstengeschlechtern einzugehen. Darunter befanden sich die
Habsburger in Österreich, die
Wittelsbacher in Bayern, die
Wettiner in Sachsen und die Hohenzollern in Franken und Brandenburg. Jagiellonische Prinzen
wurden zu Königen in Ungarn,
in Böhmen (einschließlich der
Nebenländer Mähren, Schlesien, auch der Nieder- und
Oberlausitz) sowie in Kroatien
gekrönt, wodurch ein mächtiger
Herrschaftsverbund entstand.

Seite 8

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Als Stammresidenzen wählte
man das litauische Vilnius,
das polnische Krakau, das
böhmische Prag und das ungarische Buda (der Teil des
heutigen Budapest auf dem
rechten Donauufer). Mächtige Bauwerke wie der Wawel
in Krakau oder auch der
Hradschin in Prag, und andere Burgen oder religiöse Bauwerke zeugen noch heute
von ihren damaligen Herrschern. Unter der Herrschaft
der Jagiellonen gelangten um
1500 die Künste und die Wissenschaften zu einer ungeahnten Blüte. Die unter ihrer
Herrschaft entstandenen
Bild- und Bauwerke gehören
mit zu den frühesten Kunstwerken der Renaissance.
Verkehrswege wurden über
lange Strecken ausgebaut,
Handels- und Wirtschaftsbeziehungen gefördert. Krakau
z.B. entwickelte sich in dieser
Zeit zur wichtigsten Universitätsstadt Mitteleuropas. Mit
einem der Nachfahren, Sigismund II. August, dem König
von Polen und Großfürst von
Litauen, starb das Geschlecht der Jagiellonen im
THEMA:

NOCH

KUNST

KLEIN,

/

Mannesstamm aus. Daraufhin
wurde in Polen und Litauen
das Erbkönigtum durch ein
Wahlkönigtum ersetzt. In der
Ausstellung „Europa Jagellonica“ im „Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte“ in Potsdam, Kutschstall, Am Neuen Markt 9, werden in einer einzigartigen
Schau etwa 100 ausgewählte
Werke wie gemalte und geschnitzte Altarretabel, Tafelbilder und Skulpturen, Goldschmiedearbeiten, Handschriften und vieles mehr aus
dieser Zeit präsentiert. Herausheben möchte ich die
Skulptur des heiligen Johannes des Täufers von Veit
Stoß, das dreiteilige Jerusalem-Tryptichon in Tempera
auf Eichenholz, ein Reliquiar
der heiligen Barbara – ein
Gefäß aus Silber, z.T. vergoldet, mit Edelsteinen besetzt
und mit Steinen aus dem heiligen Land gefüllt - oder auch
den Stammbaum der Jagiellonen, oder den WenzelsKodex – eines der großartigsten Chorbücher, die je gedruckt wurden. Einige Exponate werden zum ersten Mal

in einer Ausstellung gezeigt. Diese
Leihgaben kommen aus Museen
und Sammlungen aus ganz Europa,
aber auch aus kirchlichem und privatem Besitz u.a. aus Wien, Prag,
Krakau, Budapest, Warschau, Bratislava, Berlin, Nürnberg, München,
Oxford und London. Eine kleine,
aber feine Schau, die ich mit großem Interesse betrachtet habe, und
deshalb auch guten Gewissens
empfehlen kann. Entstanden ist sie
durch ein internationales Forschungsprojekt des Geisteswissenschaftlichen Zentrums Geschichte
und Kultur Ostmitteleuropas e.V. an
der Universität Leipzig. Geschichten
um die Stammsitze und andere
Bauwerke werden dem Besucher
im Kinosaal nebenan in einem halbstündigen Dokumentarfilm sehr anschaulich präsentiert. Man sollte
sich diesen jedoch erst nach dem
Rundgang mit den Eindrücken der
Ausstellung ansehen, um diese damit abzurunden. Bis zum 16. Juni
2013 haben Besucher noch die
Möglichkeit, diese exklusive Schau
in Augenschein zu nehmen.
Die Ausstellung ist Dienstag bis
Donnerstag von 10-17 Uhr, Freitag
bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

KULTUR

ABER

SCHON

SPITZE

von Christa-Dorit Pohle
Es war Ende März, der Winter wollte sich einfach nicht
verabschieden. Meine Freundin und ich waren auf dem
Wege zu einer Veranstaltung
im Kulturforum Hellersdorf.
Dieses Mal stand Kinderballett auf dem Programm. Zeitiges Kommen sicherte uns
Plätze in der ersten Reihe
und wir konnten nun sehr gut
beobachten, wie die kleinen
Kinder sich auf die Vorstellung vorbereiteten.
Einige der kleinen Mädchen
hatten schon das Tanzkos-

tüm an und flatterten nun wie
zarte Elfen durch den Saal,
fieberten ihrem ersten Auftritt
entgegen.
Betreut wird die Kindergruppe
von der Tanzpädagogin Frau
Sudnicovic (von T&T - Theater und Tanz) und wir als Zuschauer gewannen den Eindruck, dass die Kinder sich in
dieser Betreuung sehr wohlfühlen.
Der größte Anteil der Zuschauer bestand natürlich aus
den stolzen Eltern der kleinen
Stars. Überall wurden Kame-

Foto: Paul-Georg-Meister / pixelio.de

ras gezückt, um diese Vorstellung
zu filmen.

Seite 9

www.magazin-spätlese.net

Nachdem alle Zuschauer
Platz gefunden hatten, kehrte
Ruhe ein und die Vorstellung
konnte beginnen. Ob es nun
der Schmetterlingstanz, der
Gummibärchentanz oder
Puppentanz war, wir waren
alle begeistert von den Darbietungen. Einige der größer e n M ä d c h e n tan z t e n
Charleston, das war Spitze.
THEMA:

EIN

Die farbenprächtigen, zarten
Kostüme für die Jungen und
Mädchen und die anmutigen
oder auch temperamentvollen Bewegungen der Kinder,
alles fügte sich zu einem
harmonischen Ganzen und
brachte uns in frühlingshafte
Stimmung. Falls Sie auch
einmal eine Veranstaltung
im Kulturforum Hellersdorf

besuchen möchten, finden sie das
Kulturforum in 12619 Berlin, CarolaNeher-Str.1.
Kartenvorbestellung und Auskunft
unter Telefon: 030-5616170 oder
030-5611153. Im Internet finden sie
das Kulturforum unter:
www.kulturring.org.

NATUR

KLEINER

BAUMEISTER

IM

GARTEN

von Christa-Dorit Pohle
Inzwischen habe ich einen
Da hat Petrus jetzt im März
Artikel von der Diplomein kleines Verwirr-Spiel mit
Biologin Anne Hoppmann
uns gespielt. Drei Tage lang
vom Weltvogelpark in WalsFrühlingsahnen, viel Sonnenrode gelesen und daraus viel
schein und angenehme Temlernen können über den
peraturen. Seitdem wir wisBuntspecht. Ich hatte schon
sen, dass dieser Winter der
beobachtet, dass er einen
sonnenärmste Winter seit
langen, geraden und außer1953 ist, waren wir glücklich
gewöhnlich kräftigen Schnaüber dieses Sonnenangebot.
bel hat. Er kann damit bis zu
Ich fing mit der Gartenarbeit
30-mal in einer Sekunde auf
an und fühlte mich pudeldie Rinde von Baumstämwohl. Ein Meisenpärchen
men zuschlagen und dieses
machte sich an einem alten
Geräusch ist in ruhiger UmNistkasten zu schaffen. Ich
gebung bis zu 800 Meter
schaute ihnen zu und dachte
weit zu hören. Das ist doch
so bei mir, dass Schneefegen
eine tolle Leistung, finde ich.
wohl nun kein Thema mehr
Gut verständlich, dass der
wäre. Etwas später hörte ich
Specht oft ältere Bäume,
aus Nachbars Garten Klopfen
deren Holz schon
und
Hämmern
etwas morsch ist,
und
entdeckte
bevorzugt, um im
„Er kann damit bis
einen
BuntFrühjahr
durch
specht.
Das
zu 30-mal in einer
trommeln
gegen
konnte ja nur
Sekunde auf die
den
Baumstamm
bedeuten, dass
Rinde von
eine Nisthöhle zu
es mit dem WetBaumstämmen
bauen. In einer Höter keine bösen
zuschlagen“
he von ca. 3-8 MeÜberraschungen
ter wird die Brutmehr geben würhöhle
gezimmert
de. Aber das war ein Irrtum
und
mit
Holzspänen
ausgeauf der ganzen Linie. Erneulegt. Das Weibchen legt
ter Schneefall und Frosteindann dort die Eier ab. Diese
bruch sorgten dafür, dass wir
und später die Jungtiere sind
merkten, der Winter hat das
dort gut geschützt und könZepter noch in der Hand. Dienen nicht so leicht von andeses Frühlingsahnen war nur
ren Tieren entdeckt und geeine kleine Pause.
fressen werden. Ein sehr

Foto: Rudolpho Duba / pixelio.de

fürsorglicher Familienvater also.
Ansonsten klopft der Specht, um
nach Nahrung zu suchen oder
wenn er eine Schlafhöhle zimmern
möchte. Am liebsten frisst er Käferund Schmetterlingslarven, Raupen,
Ameisen und Schildläuse, die unter
der Baumrinde und tiefer im Holz
zu finden sind. Der Specht hat eine
lange, klebrige Zunge. Das erleichtert ihm die Nahrungssuche. Mit
dem lauten Trommeln auf Ästen
und an Baumstämmen kann er seine Reviergrenzen markieren und
Weibchen
anlocken.
Die Natur sorgt dafür, dass der
kleine Baumeister durch das viele
Klopfen keine Kopfschmerzen bekommt. Sein Schädel hat spezielle
Anpassungen, die dazu dienen, die
Erschütterungen beim Klopfen zu
dämpfen. Das Gehirn ist von sehr
starken Muskeln umgeben, welche
die Erschütterungen abfangen können. Und außerdem sitzt das Gehirn starr im Kopf und ist nur von
wenig Gehirnflüssigkeit umgeben,

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sodass es beim Aufprall des Schnabels nicht gegen die Schädeldecke
prallt. Kurz vor dem Aufprall des
Schnabels auf die Baumrinde schiebt
sich die sogenannte Nickhaut als
schützende Schicht über die Augen,
sodass umher fliegende Späne keiTHEMA:

EIN

nen Schaden anrichten können. Wir Menschen würden
sagen:
„Arbeitsschutzbestimmungen wurden eingehalten“.
Ich wünsche meinem gefiederten Freund, dass er den

Seite 10
nochmaligen Wintereinbruch
gut übersteht, ein Weibchen
findet und ich mich dann bald
an Familie Buntspecht mit
Nachwuchs erfreuen kann.

KURZGESCHICHTEN

HELD

von Waltraud Käß
Am 8. Mai 2013 jährt sich zum 68.
Mal die Befreiung vom Hitlerfaschismus durch die sowjetischen und die
Truppen der Alliierten. Auch im heutigen Berlin- Marzahn tobten damals
die Kämpfe. Wer von der Autobahn
kommend, Das Einkaufszentrum Eiche passiert, die Landsberger Allee
Richtung Stadt fährt, wird einen Hinweis darauf, nämlich die Inschrift „21.
April 1945“ an einem kleinen Haus
mit der Nummer 563, direkt an der
Straße liegend, entdecken. Außerdem leben in Berlin, vor allem auch
im Stadtbezirk Marzahn-Hellersdorf
zigtausende Bürger aus den ehemaligen Sowjetrepubliken. Im Erinnern an
die Beendigung des Krieges und als
Mahnung entstand diese Geschichte.
Ein Held
„Heute Nachmittag gehen wir zu deinem Urgroßvater.“ Wiktor glaubte
sich verhört zu haben. Er beobachtete, wie Papa den Blumenstrauß aus
dem Wasser der Vase nahm. Von
den Stängeln tropfte das Wasser auf
den Fußboden der engen Küche und
Mama rannte schimpfend mit einem
Lappen zu dem Wasserfleck, um den
Schaden zu beseitigen. Papa wickelte die Blumen in das bunte Papier,
welches zuvor zerknüllt auf dem kleinen Küchentisch gelegen hatte. „Nu
komm, Wiktor, S-Bahn fahren.“ Es
war immer wieder lustig zu hören, wie
Papa versuchte, mit seinem russischen Akzent die deutschen Wörter
zu sprechen und auch heute musste
Wiktor laut lachen. „Musst nich lachen, Wiktor, denk an dein letztes
Diktat“, brummelte Papa und Wiktor

senkte
seinen
Kopf. Er hatte ja
Recht.
„Ach
Wiktor“,
meinte die Lehrerin, „du musst
mehr üben. Wieder nur eine Vier
für dieses Diktat.
Wenn du in deinem
späteren
Leben ein angesehener
Mann werden willst, musst
du gut lesen und schreiben
können.“ Dabei hatte Wiktor
dieses Mal von seinem
Banknachbarn abgeschrieben. Der hatte sonst immer
eine Zwei. Aber das war
wohl nun gründlich daneben
gegangen. „Bleibt nicht zu
lange weg. Heute Abend koche ich Pelmeni mit saurer
Sahne“, rief Mama hinter
ihnen her, bevor sie die
Wohnungstür zuziehen
konnten. Sie wohnten nun
schon vier Jahre in diesem
Stadtbezirk im Osten Berlins. Aber noch nie in diesen
Jahren hatte Papa ihn mit
zum Urgroßvater genommen. Wiktor kannte den Urgroßvater nur von einem Foto. Ein großer Mann in Uniform mit einem kleinen
Schnauzbart unter der Nase
stand stolz vor einem Panzer. An seiner Uniform hatte
Wiktor zwei Reihen bunter
Medaillen entdeckt. Aber
Mama seufzte nur, wenn er

Foto: Tourismusverein Diehl / pixelio.de

danach fragte und putzte sich
die Nase. Ihre Augen schauten traurig und Wiktor fragte
nie mehr.
Während der Fahrt sah Wiktor die zwei gelb-roten Zelte
nicht weit vom S-Bahnhof.
Fuhr er mit Mama in die
Stadt, waren sie ihm jedes
Mal aufgefallen. Was war in
diesen Zelten? Er hätte es zu
gerne gewusst. „Aussteigen,
Wiktor, wir sind da“, sagte
Papa. Das ging aber schnell.
Nur eine Station waren sie
gefahren. Während sie die
Treppen am S-Bahnhof Raoul-Wallenberg-Straße empor
stiegen und auf den Weg
nach links einbogen, schaute
Papa stumm und mit ernstem
Gesicht vor sich hin. Wiktor
hätte zu gerne gefragt, ob
Papa irgendwann mal mit ihm
zu den gelb-roten Zelten gehen würde, doch er traute
sich nicht. Der Weg endete
vor einem Tor und Wiktor las
auf dem weißen Schild die
Worte Parkfriedhof Marzahn.

Seite 11
Das Tor quietschte in den Angeln und als sie eintraten, war
es mit einem Mal ganz still und
dunkel unter den hohen Bäumen und Büschen. Kein Sonnenstrahl drang hindurch. Wiktor war noch nie auf einem
Friedhof gewesen. Und wenn
hier sein Urgroßvater war,
dann war er wohl nicht mehr
am Leben. Der Gedanke
machte sich unangenehm im
Bauch breit und ihm wurde ein
bisschen schlecht. Schnell
schob er seine kleine Hand in
die große seines Vaters und
fühlte sich sicher. Irgendwo in
den Bäumen hörte er einen
Vogel zwitschern, der aber
gleich wieder mit seinem Gesang aufhörte. Der Lärm der
vorbei ratternden S-Bahn hatte
ihn wohl erschreckt. „Sieh mal
Papa, hier wächst ein Baum
mitten auf dem Weg.“ Ein hoch
gewachsener Baum versperrte
ihnen den Durchgang. „Papa,
was war zuerst da, der Baum
oder der Weg?“ fragte Wiktor
und Papa zuckte die Schultern.
Wiktor entschied sich dafür,
dass der Baum aus dem Weg
gewachsen war und die Menschen sich nicht getraut hatten,
ihn auf dem Friedhof abzusägen. Der Weg schwang sich in
eine Linkskurve und gab Wiktor
den Blick frei auf einen hohen
Turm mit einem fünfzackigen
Stern obendrauf. Diesen Stern
kannte er. Auf dem Foto des
Urgroßvaters steckte dieser
Stern an seiner Mütze. „Setz
dich Wiktor.“ Papa wies auf die
Bank am Rande der kurz geschnittenen grünen Hecke.
„Heute ist der Namenstag deines Urgroßvaters Wiktor Konstantinowitsch und ich möchte,
dass du für ihn die Blumen hier
an dieser Stätte hinlegst. Du
trägst seinen Namen und wir
wollen sein Andenken in Ehren
halten. Ich werde dir heute von
deinem Urgroßvater erzählen.

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Du bist jetzt alt genug mit
deinen zehn Jahren. Vor
über sechzig Jahren gab es
einen grausamen Krieg zwischen Deutschland und der
Sowjetunion. Die Sowjetunion war damals eine Verbindung vieler Republiken, zu
denen auch Russland gehörte. Millionen von Menschen
verloren in diesem Krieg ihr
Leben. Dein Urgroßvater
war ein junger Mann. Er ging
als Soldat zur Roten Armee,
um die Menschen und das
Land zu verteidigen, aus
dem du, deine Mama und
ich gekommen sind. Aber
viele hundert Jahre vor diesem Krieg, von dieser Geschichte wirst du vielleicht
noch in der Schule hören,
kamen die Vorfahren deiner
Mama genau aus diesem
Land, aus Deutschland.
Deshalb hat sie vor einigen
Jahren beschlossen, wieder
in dieses Land zurück zu
kommen. Und so leben wir
nun hier in Berlin, hier in
Marzahn. Na ja, das Leben
geht manchmal seltsame
Wege.
Dein Urgroßvater
also jagte die Angreifer mit
seinem Panzer Tausende
Kilometer bis nach Berlin.
Dann gab es diesen mörderischen Gegenangriff am 20.
April 1945. Sein Panzer wurde in Brand geschossen und
dein Urgroßvater starb danach an seinen schweren
Verletzungen. Er ist als Held
gestorben, weil er immer in
der ersten Reihe gekämpft
hat. Für seinen Heldenmut
erhielt er mehrere Tapferkeitsmedaillen. Das, was du
hier siehst, das Denkmal, die
Inschriften, das ist die Gedenkstätte für die Helden.
Und hier ist dein Urgroßvater
begraben.“ „Papa, wird man
nur im Krieg ein Held? Muss
jeder Held denn sterben?“

Wiktor dachte an den letzten Sportunterricht. Wieder und wieder hatte ihn
Herr Pabst vor die Matte geschickt,
um endlich die Rolle vorwärts zu
schaffen. Auch beim letzten Mal gelang sie ihm nicht. Waldemar, der eigentlich Wladimir hieß, sollte ihm Hilfestellung geben. Herr Pabst hatte es
nicht gesehen, aber Waldemar hatte
ihm dabei ein Bein gestellt. Wiktor
legte eine saubere Bauchlandung auf
der Matte hin. Die Jungs grölten.
„Wiktoria ist hingefallen, Wiktoria ist
hingefallen“, johlten sie so laut, dass
alle es hören mussten. Wiktor kamen
die Tränen. Sie hatten ihm diesen
Schimpfnamen gegeben, weil er ein
wenig dicklich war und oft bei den
Mädchen stand. Aber er war doch
kein Mädchen, auch wenn er sich
nicht mit den anderen Jungs prügeln
wollte. Er schielte zu Lisa hinüber und
auch Lisa lachte laut und tuschelte
mit den Mädchen. Also war sie doch
eine alte Zicke. Er würde nie wieder
mit ihr reden. „Du bist mir vielleicht
ein Held. Hast Angst vor diesem kleinen Überschlag. Was soll ich dir nur
für eine Zensur geben“, sagte Herr
Pabst und wandte sich den anderen
Kindern zu. Papa und Wiktor liefen
über den knirschenden Kies in den
hinteren Teil des Ehrenhains. Er
überlegte noch immer und sagte
dann „Ein Held, nu ja, ein Held kann
einfach alles. Er hat keine Angst. Er
ist tapfer. Ein Held weint nicht. Er
stellt sich immer vor die Schwachen
und beschützt sie. Er stürzt sich in
jede Gefahr. Er benimmt sich wie ein
Held, na ja, heldenmäßig eben. Und
man kann auch im einfachen Leben
ein Held sein. Und nicht jeder Held
stirbt. Die meisten Helden überleben.
Hast du das verstanden, Wiktor? Lese mir doch mal die Inschrift auf der
Platte vor.“ Wiktor legte den Blumenstrauß vor die große Urne und las
„Ewiger Ruhm den Helden, die für die
Freiheit und Unabhängigkeit der sozialistischen Heimat gefallen sind.“ Das
war der Moment, in dem Wiktor sich
entschloss, ein Held zu werden. Helden waren berühmte Männer und ihre
Namen standen auf einem Denkmal.

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hen, musterte Wiktor von
Er wollte auch berühmt werden.
oben bis unten „Wat
Wie er das anstellen sollte,
suchst’n? Wartste uff jewusste er noch nicht. Das ergab
mand?“ Wiktor schüttelte
sich. Und dann würde er es Lisa
den Kopf und zeigte mit dem
und diesem blöden Wladimir
Finger auf das Wort Cabuschon zeigen. Am Ausgang des
wazi an der Spitze des ZelFriedhofs traute er sich endlich.
tes. „Was heißt denn Cabu„Papa, was ist in diesen gelbwazi? Was ist das hier?“
roten Zelten? Da steht Cabuwazi
„Cabuwazi, weeß ick nich.
drauf.“ „Hört sich so spanisch
Das iss een Zirkus, een Ziroder italienisch an. Vielleicht ist
kus für Kinder, sieht ma
es ein Zirkus. Ach, ich weiß doch
doch, oder?“ „Kann man da
auch nicht“, murmelte Papa nach
reingehen und vielleicht
einer längeren Pause. Wiktor las
auch mitmachen?“ „Klar
das Wort Cabuwazi noch einmal
doch, musste Herrn Lindner
vor sich hin. Das war doch kein
frajen. Komm mit, ick bring
Wort. Das konnte man doch
dir hin.“ Sprach’s, nahm Wiknicht übersetzen. Also war es
tor an seinem kurzen Ärmel
wahrscheinlich ein Geheimnis.
und zog ihn Richtung Tür.
Er musste erforschen, was hinter
Die
große
diesem
Geheimnis
Turnhalle war
steckte.
voller Kinder,
Mama erlaubte ihm
an manchen Tagen, „Über einhundertachtzig Mädchen und
Kinder trainieren da
Jungen wirnach der Schule
kostenlos“
belten durchnoch ein wenig mit
einander. Er
dem Fahrrad zu fahsah Größere,
ren. Er besuchte sie
Kleinere und
ab und zu im Mixganz Kleine, die Küken oder
Markt an der Jan-PetersenMurkel genannt wurden, wie
Straße. Hier kauften seine
Wiktor später erfuhr. Alle
Landsleute, aber auch viele
waren beschäftigt und in Bedeutsche Kunden ein, und Wikwegung. Staunend und auch
tor hatte manchem schon geholein wenig ängstlich blieb er
fen, die russischen Begriffe auf
an der Tür stehen und sah
den Packungen zu übersetzen.
sich um. Die Halle war mit
Die Straße hinunter sausend sah
dicken Matten ausgelegt. An
er von weitem die Zelte leuchten.
den Wänden hingen große
Er schob sein Rad durch den SReifen, standen Leitern, laBahn-Tunnel die bekannte Trepgen große farbige Kugeln.
pe hinauf in ihre Richtung. Da
Im Hintergrund der Halle bestanden ja auch noch Zirkuswawegten sich zwei Mädchen
gen. Die kannte er aus dem
auf diesen Kugeln, drehten
Fernsehen. Die Zeltbahnen am
in schneller Bewegung ReiEingang der beiden Zelte waren
fen um ihren Körper und verzurück geschlagen. Aber er trausuchten dabei, die Balance
te sich nicht hinein, denn drin
zu halten. Andere warfen
war es stockdunkel.
sich Bälle zu. Wieder andere
Als Wiktor unschlüssig sein Rad
übten den Handstand oder
gerade Richtung Ausgang dreeinen Spagat auf der Matte.
hen wollte, rannte plötzlich ein
Von der Hallendecke herab
Junge in Strümpfen, Turnhose
baumelten dicke Seile. Zwiund Turnhemd aus der Tür des
schen zwei Seilen hing in
einzigen Gebäudes zu den Zireinem Gürtel ein großer Junkuswagen. Er stutzte, blieb ste-

Seite 12
ge, der von einem Schleuderbrett in die Luft geschleudert
wurde. Nach dem Absprung
hing er hilflos in den Seilen.
Wieder und wieder probte er
die Drehungen in der Luft
und der Trainer wurde schon
langsam ungeduldig. Wiktor
überlegte, wie viele blaue
Flecke er schon haben könnte. Dann sah er das doppelte
Trapez und er wünschte sich,
dort oben zu schaukeln und
Kunststücke vorzuführen.
Der Junge, der irgendwann
sein Freund Slava wurde,
rannte zu einem Mann, der
mitten in diesem Trubel stand
und sich gerade mit zwei
Jungen beschäftigte, die vergeblich versuchten, auf ihren
Einrädern das Gleichgewicht
zu halten. Sie fuhren umeinander. Dann krachte das Rad
des einen hart auf das Parkett. Der Junge saß verdutzt
auf dem Boden und rieb sich
den schmerzenden Knöchel.
„Verdammt, das ist aber auch
schwer“, dachte Wiktor und
litt mit ihm.
Der Mann drehte sich zu ihm
um und Wiktor dachte, dass
er fast genauso aussah wie
sein junger Urgroßvater daheim auf dem Foto.
Er winkte Wiktor zu sich heran. „Willst du hier bei uns mitmachen?“ Wiktor nickte kräftig. „Wozu hast du denn
Lust?“ Stumm zeigte Wiktor
auf das Doppeltrapez und
Herr Lindner lachte leise.
„Weißt du, wer hoch hinaus
will, der muss ganz unten anfangen auf der Matte. Wie
heißt du eigentlich? Erst
kommt die Pflicht und dann
die Kür. Wer bei uns kleine
Kunststücke erlernen will, der
muss in der Schule gut sein.
Und er muss üben, üben,
üben und viel Geduld haben.
Hast Du die?“
Von nun an fuhr Wiktor jeden

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Nachmittag, wenn er mit den
Hausaufgaben fertig war, zum Zirkus.
Er lernte die Rolle vorwärts, übte den
Handstand und lernte seine Stärken
und Schwächen kennen. Herr Lindner
führte ihn behutsam und erkannte
alsbald sein Talent. So war ein Jahr
vergangen. Wiktor war in der nächsten Klasse angekommen. Seine
schulischen Leistungen hatten sich
sehr verbessert. Im Sportunterricht
stellte ihm keiner mehr ein Bein und
die Mädchen bewunderten ihn sogar,
wenn er schnell mal im Sportunterricht aus dem Handstand heraus ein
Rad schlug. Und er hatte einen
Freund, Slava, der bereits ein echter
Berliner war. „Überlegt mal bis morgen, was wir an unserem Wandertag
machen könnten. Ich sammele die
Vorschläge, dann stimmen wir ab.“
Mit diesen Worten schickte die Lehrerin ihre Klasse in den Feierabend. Am
nächsten Morgen unterbreitete Wiktor
seinen Vorschlag. „Wie wäre es,
wenn wir den Zirkus Cabuwazi besuchen würden. Dort ist genau an unserem Wandertag ein Tag der Offenen
Tür.“ Die Klasse war Feuer und Flamme und so wurde abgestimmt. Am
Wandertag fehlte Wiktor unentschulTHEMA:

DER

Seite 13

digt. Frau Schneider war
enttäuscht. Das hatte sie
nicht von Wiktor erwartet.
Der Hof, die Zelte, die Turnhalle waren festlich geschmückt und voller Kinder.
Als das Zirkusprogramm begann, herrschte gespannte
Aufmerksamkeit. Dann wurde die Trapeznummer angekündigt. Die Lichtkegel der
Scheinwerfer richteten sich
auf das Doppeltrapez. Ein
Raunen ging durch Wiktors
Klasse. Auf dem Trapez
stand Wiktor in einem glänzenden Trikot und zeigte,
was er gelernt hatte.
„Für mich bist du ein Held,
Wiktor. Wie du die Schwünge und Drehungen gemeistert hast und dann an dem
dicken Seil auf den Boden
gerutscht bist, also mir wurde ganz schwindlig. Willst du
vielleicht mal Artist werden?“
fragte die Lehrerin. Verlegen
lächelnd nickte Wiktor und
schielte zu Lisa. Die lächelte
zurück. Am nächsten Tag
lag auf Wiktors Platz ein ge-

falteter Zettel. Von Lisa. „Ich
habe morgen Geburtstag und
darf Freunde einladen. Meine
Mutter hat gesagt, ich darf
dich auch einladen. Kommst
du?“ Der Name Lisa war von
einem Herz umrandet.
„Ist der Junge schon wieder
auf dem Friedhof?“ fragte
Wiktors Mutter ihren Mann.
„Nein, mach dir keine Sorgen. Der ist nicht nur beim
Urgroßvater. Er ist wieder
zum Zirkus gefahren, zum
Springling oder Cabuwazi, zu
diesem Chaotisch bunten
Wanderzirkus. Stell dir vor,
den gibt es dort schon seit
fast zwanzig Jahren. Das ist
wirklich eine gute Sache.
Über einhundertachtzig Kinder trainieren da kostenlos.
Ich habe mir schon einige
Proben angesehen. Tolle Arbeit. Aber sie brauchen
Spenden und Unterstützung.
Ich denke, wir sollten uns
auch als Fördermitglieder
einschreiben. Denn dort ist
Wiktor, unser kleiner Held,
wirklich gut aufgehoben.“

mecklenburgischen
Lewitz
wieder
allein.
Auch die letzten
Jungtiere waren
erwachsen und
lebten irgendwo
in dem großen
S c h w a r m .
Manchmal begegneten sie sich und begrüßten
einander, doch jeder lebte
sein eigenes Leben.
Aarne hing seinen Gedanken nach und war eigentlich
mit seinem Leben zufrieden.
Mit seiner Partnerin hatte er
eine gute Wahl getroffen.

Foto: M. Großmann / pixelio.de

KURZGESCHICHTEN

STARKE

AARNE

von Rudolf Winterfeldt
Aarne freute sich schon
auf den Abflug in die
sommerliche Heimat.
Seine Lebensgefährtin
Larin zupfte neben ihm
Saattriebe des Wintergetreides, um ihren Hunger
zu stillen. Ja, der Winter
Rudolf Winterfeldt
ist doch recht grausam
mit manchen Lebewesen, besonders mit den wild Lebenden. Wie gut hatten es da doch ihre
Verwandten bei den Menschen.
Aarne und Larin waren ein Grauganspaar. Fünf Jahre waren sie jetzt
schon zusammen und hatten in dieser Zeit für reichlich Nachwuchs gesorgt. Nun aber waren sie hier in der

Jedes Jahr legte sie sechs
Eier in das Nest und brütete
sie aus. Das war immer eine
lange Wartezeit, bis dann
endlich die Jungen aus den
Eiern schlüpften. Während
dieser Zeit musste Aarne
sehr wachsam sein. Zu viele

Seite 14

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Räuber waren unterwegs und
ausgestoßen. Sie hatte eine
begehrten die Eier für sich
Gefahr am Rande des Felals Nahrung. Aber Aarne war
des bemerkt. Der Warnruf
stark und seine Flügel konnwurde im Schwarm mehrten kräftig zuschlagen. Sein
fach wiederholt. Dann, wie
Schnabel war auch nicht zu
auf ein Kommando, erhoben
verachten. Das zwickte
sich alle in die Luft. Hier
schon recht schmerzhaft,
oben waren sie in Sicherheit.
wenn er zuschnappte. Ja. als
Sie flogen mit großem Gemännlicher
schnatter davon,
Partner nahm
natürlich in Keiler seine Pflichform. So konnte
„machten in der Nähe
ten sehr ernst
man seine Flügel
und Larin be- von Uppsala nochmals
gut bewegen, war
eine Rast.“
zeugte
ihm
nicht unmittelbar
auch
immer
im Luftwirbel des
ihre ZufriedenVordermannes
heit. Sie war
und konnte auch
ihm in den Jahren sehr ans
gut nach vorne sehen. Larin
Herz gewachsen. Gerne erinflog links hinter ihm. Sie achnerte sich Aarne an seine
teten beide immer darauf,
Kindheit und seine Jugend.
dass sie sich nicht verfehlAls er aus dem Ei schlüpfte,
ten. Wenn es doch einmal
sah er seine Mutter über sich
vorkam, erkannten sie sich
und sie begrüßte ihn mit liean der Stimme und fanden
bevollem Geschnatter. Es
sich so immer wieder. Da
war für Jungtiere wichtig, diegab es noch nie Probleme
se Reize zu spüren. Das was
und außerdem kannten sie
sie nach dem Schlüpfen zusich alle im Schwarm. Nach
erst sehen und hören, dem
einer Weile sahen sie unter
folgen sie und erkennen sie
sich wieder ein grünes Feld.
als Eltern an. Da muss man
Der Schwarm landete mit
schon aufpassen, wenn es
der Absicht, hier die Nacht
zum Schlüpfen kommt und
zu verbringen. Am anderen
beim Nest sein. Die Stimme
Morgen bemerkte Aarne eihören die Jungtiere ja schon
ne gewisse Unruhe im
im Ei und sie merken sich die
Schwarm. Auch seine Larin
Laute sehr gut. Plötzlich wurwar irgendwie aufgeregt. Ein
de Aarne aus seinen Gedanwildes Schnattern war schon
ken gerissen. Larin hatte den
seit Morgengrauen zu hören.
Kopf weit in die Höhe gerichDie Tage waren jetzt schon
tet und einen Warnschrei
wieder etwas länger und die
THEMA:

Sonne hatte die letzten Schneereste geschmolzen. Tief in seinem Inneren spürte auch Aarne
das Gefühl zum Aufbruch. Nun
sollte es dann wohl endlich aus
dem Überwinterungsgebiet zurück in die Brutheimat gehen.
Und dann war es so weit. Plötzlich erhob sich der Schwarm
und Aarne und Larin starteten
mit. Unter sich sahen sie Güstrow, dann Stralsund und mussten über der Insel Rügen mit
heftigem Wind kämpfen. Auf der
Insel Bornholm wurde kurze
Rast gemacht. Larin freute sich
auch auf den Sommer und zeigte das durch ihr heiteres Geschnatter. Nun aber ging es weiter. Karlskrona lag unter ihnen,
Schweden war erreicht. In der
Niederung von Smaland war die
nächste Rast angesagt. Geschlafen wurde jetzt nicht mehr,
es ging auch nachts weiter.
Stockholm ließen sie rechts liegen und machten in der Nähe
von Uppsala nochmals eine
Rast. Dann kam die schwerste
Strecke. Der Bottnische Meerbusen musste überquert werden, um nach Finnland zu kommen. Noch ein paar kräftige Flügelschläge, und Mikkeli war in
Sicht. Ab hier löste sich der
Schwarm allmählich auf. Aarne
und Larin waren wieder zu Hause. Sie kannten sich hier gut
aus. Mit großer Sicherheit steuerten sie ihren See an. Nun
konnte das normale Leben wieder seinen Lauf nehmen.

KURZGESCHICHTEN

AN EINEM DIESER TAGE - ODER WARUM
KUCHENBACKEN UNERWÜNSCHT SIND

KATZEN

BEIM

von Tina Gonschorek
Es war einer dieser Tage, die
jeder kennt. Man nimmt sich
unheimlich viel vor und dann
passieren seltsame Dinge,
die alles durcheinander wirbeln. Sophie erlebte gerade
einen solchen Tag. Es war

noch früh am Morgen. Sie
war energiegeladen aufgestanden, um am Vortag ihres
dreißigsten Geburtstages für
ihre Kollegen einen leckeren
Kuchen zu backen. Das Radio spielte ihren Lieblings-

song und sie tänzelte lauthals
mitsingend durch ihre Küche, um
sich alles was sie benötigte zusammen zu suchen. Dann vertiefte sie sich in das Rezept der
ziemlich aufwendigen Schokoladentorte. Dabei bemerkte sie gar

www.magazin-spätlese.net Seite 15
das Fensterbrett
nicht, dass ihre graue Waldkatze Mazu springen. So
ra auf leisen Pfoten herein schlich,
war der Plan.
mit einem Blick die Lage inspizierte
Leider
konnte
und dann auf den Küchenstuhl
sie nicht ahnen,
sprang, wo sie hoheitsvoll Platz
dass in genau
nahm. Mara war eine Katzenschöndiesem Moment
heit mit langem silbergrauen Fell und
Sophie das Katiefgrünen Augen. Sie wusste ganz
kaopulver in die
genau, wie sie Sophie um die Pfote
Teigschüssel
wickeln musste, damit diese ihren
geben
wollte.
bittenden Blicken und ihrem lauten
Diese erschrak
Schnurren nicht widerstehen konnte.
durch das plötzliAber nun schaute sie erst einmal
c h e
neugierig,
was
ihr
AuftauMensch
denn
dort
chen der Katze
machte. Sophie, die jeg„wie
es
in
so
kurzer
und riss, einen
liche Arbeit sehr ordentlich und planvoll anging, Zeit zu diesem Chaos spitzen Schrei auskommen konnte“
stoßend, die Arme
hatte alle Zutaten auf
hoch. Dann ging
dem Küchentisch aufgealles blitzschnell.
reiht und begann mit
Mara war durch
dem Einfetten der BackSophies Schrei irritiert und
form.
blieb wie angewurzelt mitten
Das Küchenfenster stand offen, die
auf dem Tisch sitzen, was
Sonne lachte herein, die Vögel zwitallerdings ein großer Fehler
scherten und Sophie ließ hin und wiewar. Denn nun wurde sie
der ihren Blick in den Garten schweiüber und über mit dem Kafen, um den Anblick der blühenden
kaopulver bestäubt, das von
Bäume zu genießen. Plötzlich flog ein
Sophie in die Luft geschleuvorwitziger Spatz herbei und setzte
dert worden war und nun
sich auf das Fensterbrett. Er beoleise wieder herunter
bachtete die Frau, die sich noch imschwebte. Durch den Satz
mer singend durch die Küche bewegauf den schon etwas betagte. Leider übersah er dabei die Katze,
ten Küchentisch kamen im
die still wie eine Statue auf ihrem Kügleichen Moment die sechs
chenstuhl thronte. Mara hingegen
Eier ins Rollen, die auf ihren
hatte den frechen kleinen Spatz naEinsatz wartend, brav neben
türlich gesehen und wartete nun geder Teigschüssel gelegen
duldig auf eine günstige Gelegenheit,
hatten. Sophie sah vier von
die sie auch alsbald bekommen sollihnen entgeistert nach, wie
te. Das Spätzlein hatte nämlich auf
sie eines nach dem anderen
dem inneren Fensterbrett einige intein Richtung Tischkante rollressant aussehende Krümel entdeckt
ten, darüber hinweg ins
und konnte der Verlockung, sie auf
Nichts stürzten und klatGenießbarkeit zu untersuchen nicht
schend auf dem Fußboden
widerstehen. Also hüpfte er durch das
zerbrachen. Als sie ihre
Fenster und pickte nach den KrüStarre überwunden hatte,
meln. Darauf hatte Mara nur gewarwollte sie wenigstens die
tet. Sie duckte sich auf dem Stuhl.
beiden letzten Eier retten
Ihre Augen verengten sich zu schmaund machte eine schnelle
len Schlitzen und mit vor Aufregung
Bewegung über den Tisch,
zuckender Schwanzspitze schätzte
wobei sie mit der Hüfte hefsie die Entfernung zu ihrer Beute ein.
tig dagegen stieß. Das nahm
Dann machte sie einen riesigen Satz
ihr der alte Tisch nun aber
auf den Tisch, um von dort aus auf

Foto: ADAC

Foto: Jörg Siebauer / pixelio.de

doch übel. Er kippelte ein wenig hin und her und entschloss sich dann, wie in
Zeitlupe, doch noch umzukippen. Sophie rieb sich die
schmerzende Hüfte und
blickte völlig konsterniert auf
das sich ausbreitende Chaos.
Mara, die noch immer ganz
still auf dem Tisch gesessen
hatte, und nicht verstand, warum sie auf einmal von seltsam schmeckendem braunen
Pulver bedeckt war, rutschte
beim Kippen langsam herunter und landete mitten in den
zerplatzten Eiern, wobei die
beiden Letzten sie nur um
Haaresbreite beim Herunterrollen verfehlten. Sie begriff
ihre Welt nicht mehr und
stieß ein klägliches Miauen
aus. Sophie eilte zu ihr und
wollte sie auf den Arm nehmen, um sie zu trösten. Aber
die Katze schämte sich ihres
verschmutzten Fells und
suchte sich beleidigt eine stille Ecke, um sich zu putzen.
Der freche kleine Spatz hatte
sich auch nicht an den Krümeln gütlich tun können,
denn als das Krachen und
Poltern in der Küche begann,
ergriff er rasch die Flucht und
saß nun in sicherer Entfernung auf einem Baum und
beäugte, ärgerlich tschilpend,
die Menschenfrau und ihre
Katze. Sophie stand noch

Seite 16

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immer in fassungslosem
Staunen in ihrer verwüsteten
Küche und sann darüber
nach, wie es in so kurzer Zeit
zu diesem Chaos kommen
konnte. Dann aber kam ihr
die Komik des Ganzen zu
Bewusstsein und sie brach in
schallendes Gelächter aus.
Sie sah vor ihrem geistigen
Auge, wie sie im HechtTHEMA:

WAS

sprung die Eier retten wollte,
wie der Kakao Mara bestäubt hatte und wie diese
dann aussah. Es war nur
Sophies sonnigem Gemüt zu
verdanken, dass sie eine
wundervolle Schokoladentorte zustande brachte und
am nächsten Tag damit nicht
nur die Gaumen ihrer Kollegen verwöhnte, sondern mit

der Schilderung ihrer Küchenkatastrophe auch deren Lachmuskeln strapazierte. Und auch Mara wunderte
sich nicht länger über die merkwürdigen Ereignisse des Tages. Nachdem
sie ihrem Fell wieder zu altem Glanz
verholfen hatte, machte sie es sich
auf Sophies Schoß gemütlich,
schloss die grünen Augen und
schnurrte sich in süße Katzenträume.

KURZGESCHICHTEN

SOLL

DAS

SEIN?

von Rudolf Winterfeldt
Bekanntlich bin ich ja in
Mecklenburg aufgewachsen
und habe folglich eine Reihe
von typisch mecklenburgischen Gerichten vorgesetzt
bekommen. Sie haben mir
auch alle geschmeckt, wobei
ich sagen muss, dass ich alles gegessen habe, was meinen ewigen Hunger stillen
konnte. Nach einigen Jahren
unserer Ehe, wir wohnten
bereits in Hoyerswerda, wollte ich meiner Familie beweisen, dass auch in der Lage
bin, ein vernünftiges Mittagessen zu kochen. Da ich auf
diesem Gebiet allerdings nur
ganz geringe Erfahrungen
besaß, wollte ich etwas kochen, von dem ich annahm,
dass ich das auch konnte.
Mir fiel nichts anderes ein, als
ein mecklenburgisches Gericht aus meiner Jugendzeit.
Meine Frau stammt aus Ostpreußen und kochte deshalb
auch die typische Kost aus
ihrem Zuhause. Meine Kinder
kannten also mecklenburgische Küche so gut wie gar
nicht. Das war für mich also
die Gelegenheit, mit meinem
ausgewählten Gericht unheimliche Sympathiepunkte
bei meiner Familie zu sammeln. Da ich im 24-StundenDienst tätig war, machte ich
mich an einem dienstfreien

schicht und für sie sollte es ja eine
Tag mutig ans Werk. In der
Überraschung werden. Nun kochte
Kaufhalle besorgte ich Pflaumein Topf bereits und ich rührte fleimen und Kartoffeln. Ein Reßig um, damit auch nichts anbrennen
zept zu meinem Gericht hakonnte. Irgendwie aber hatte ich das
be ich damals nicht gefunGefühl, dass diese Masse in meinem
den und so musste ich aus
Topf immer mehr und dicker wurde.
dem Gedächtnis das Mahl
Aber ich fand schnell eine Lösung,
zubereiten. Selbst hatte ich
ich schüttete etwas Wasser dazu.
es aber noch nie gekocht,
Nun allerdings machte das Umrühren
nur des Öfteren gegessen.
des sehr vollen Topfes einige
Wie war das damals, als ich
Schwierigkeiten. Kein Problem, ich
noch jung war und zur Schuschüttete alles in einen größeren Topf
le ging? Fest stand, es hanund ließ es weiter kochen. Mir kamen
delte sich um eine Art Supindes schon bald Bedenken, die
pe, in der sich auf jeden Fall
Pflaumen waren schon völlig zerkocht
Pflaumen und Kartoffeln beund die Kartoffeln noch hart. War das
fanden. Es musste also alles
so richtig, wie ich es machte? Ich bebeides gekocht werden. Mir
ruhigte mich und fand schon alles so
war in Erinnerung, dass diein Ordnung. Als die Kartoffeln dann
se Kartoffelsuppe mit Pflauauch weich waren, ich prüfte es so
men süß geschmeckt hat,
wie meine Frau es immer machte, ich
also musste Zucker mit hinstach mit einem kleinen Messer in die
ein. Ich schälte einen Topf
Kartoffeln, war die Masse in meinem
voll Kartoffeln, die wohl für
Topf doch recht ansehnlich geworvier Personen ausreichen
den. Ein richtiger Brei
würden. Eine Tüte
von einer Suppe, der
Pflaumen, so 500
aber nicht so richtig, wie
Gramm, entkernte
„Wie war das
damals bei mir zu Hauich und tat sie mit
damals, als ich noch
se, schmeckte. Es mussin den Topf. Wasjung war und zur
te bestimmt mehr Zucker
ser drauf und etSchule ging? “
hinein. Gedacht - getan.
was Salz und dann
Nach mehrmaligem Abbrachte ich diesen
schmecken war ich mit
Topf zum kochen.
meinem Werk zufrieden. Es war zwar
Alles sollte gegen 14.00 Uhr
nicht so wie damals, aber ich freute
auf dem Tisch stehen, denn
mich trotzdem auf die überraschten
dann kamen meine beiden
Gesichter meiner Familie. Den Tisch
Jungs aus der Schule und
hatte ich bereits gedeckt und da wameine Frau von der Früh-

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ren sie auch schon an der Tür. Meine
Frau war sehr verblüfft und schnüffelte in Richtung Küche, was hast du
denn gemacht? Ich antwortete stolz
wie ein Spanier, heute gibt es was
ganz besonderes zu Mittag, ich habe
etwas Mecklenburgisches gekocht.
Meine Frau und auch die Jungs
schauten etwas skeptisch und setzten sich mit erwartungsvollen Gesichtern an den Tisch. Ich trug nun die
große Schüssel mit meiner Suppe
aus Pflaumen und Kartoffeln auf, und
jeder bekam eine Portion auf seinen
Teller. Ich wünschte „Guten Appetit“
und die Mahlzeit begann.
Meine Frau sprach als erste: „Was
soll das sein?“ und unsere Jungs
gleich darauf: „Mutti, müssen wir das
essen?“ Ich war so schockiert und
enttäuscht, dass ich auch nicht weiter
THEMA:

DAS

essen
konnte.
Nun erklärte ich,
dass diese Speise sich „Plumm
und Tüffel“ nennt
und ein typisch
mecklenburgisches
Gericht
sei, welches ich
in meiner Jugendzeit
sehr
gerne gegessen
hätte.
Meine
Jungs
baten:
„Mutti, kochst du morgen
wieder?“ Die Suppe wanderte ungegessen in die BioTonne und ich habe mich für
die nächste Zeit der Küche
ferngehalten. Nachtrag: Zu
diesem Gericht gehören

Seite 17

Foto: SI-Medien Gestaltung / pixelio.de

Backpflaumen, Kartoffeln,
geräucherter Bauchspeck,
Zwiebeln und Gewürze. Die
Backpflaumen müssen eine
Nacht in Wasser eingelegt
werden.

HUMANITÄT

IST

CREDO:

SELBSTLOS

UND

UNEIGENNÜTZIG

von Ursula A. Kolbe

Foto: drk.de

/ nh

8. Mai - Weltrotkreuztag! 16. Juni -

Weltblutspendetag! In diesem Jahr
stehen beide Ehrentage in besonderem Licht: 150 Jahre Rotes Kreuz.
Damals gründete Henry Dunant,
Sohn einer calvinistischen, streng
protestantischen Schweizer Kaufmannsfamilie die Rotkreuzbewegung.
Seine Ideen sind noch heute ihr Leitbild und Vision. Tief geprägt wohl
durch seine Erlebnisse in den Wirren
der Schlacht um den kleinen norditalienischen Ort Solferino. Ein Blick zurück in die Geschichte. In der zweiten

Hälfte des 19. Jahrhunderts war Italien zersplittert. Der König von Piemont-Sardinien musste
sich die Herrschaft über
Italien mit dem Haus
Habsburg (LombardeiVenetien) sowie den
Bourbonen (Sizilien) teilen. 1859 kam es zur
Schlacht, in der die Truppen aus dem Haus Piemont-Sardinien durch die
Franzosen unter Kaiser
Napoleon III. unterstützt wurden. Auf beiden Seiten standen sich am Morgen des 24.
Juni über 100.000 Soldaten
gegenüber. Nach 15 Stunden Kampf lagen über 6.000
Tote auf dem Schlachtfeld,
Zehntausende waren verwundet oder vermisst, blieben unversorgt, starben.
In diese Wirren und Schrecken geraten, kümmerte sich
Dunant um die Opfer. Mit
dem Ruf „Tutti fratelli“ (Alle
sind Brüder) sammelte er

Ursula A. Kolbe

alle ein, egal ob Verbündete
oder Feinde. Die Zeit war reif
für Hilfe ohne Ansehen der
Person. So wie Mahatma
Gandhi zum gewaltfreien Widerstand aufrief und Martin
Luther King mit dem Ruf „I
have a dream“ (ich habe einen Traum) die Welt aufrüttelte, so tat es der Schweizer
Dunant mit seiner selbstlosen
Hilfe in Solferino. Dunant
zeigte die Schreckensseite
des Krieges, rief zur Gründung von Hilfsgesellschaften
für die Verwundeten auf, über
Landesgrenzen hinweg. Im
Ergebnis steht die Gründung
des Internationalen Komitees
vom Roten Kreuz in Genf
(IKRK) im Februar 1863. Im
November dann formierte
sich der „Württembergische

Seite 18

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Selbstverständnis heißt, sich
Sanitätsverein“ zur ersten
im Namen der MenschlichNationalen Rotkreuzgesellkeit für das Leben, die Geschaft. Das Deutsche Rote
sundheit, den Schutz, das
Kreuz (DRK) kann von sich
friedliche Zusagen, dass sie
sammenleben
die erste der heute
und die Würde
187
nationalen
„ 8. Mai aller
MenRotkreuzund
Weltrotkreuztag!
schen einzuRothalbmondge16. Juni setzen - ob im
sellschaften
der
Weltblutspendetag!
“
RettungsWelt ist. Von ihren
dienst
und
3,5 Millionen MitErster
Hilfe,
gliedern
sind
beim Blutspendedienst, in
400.000 Menschen aktiv und
der Alten- wie auch Kinder-,
engagiert in der Organisation
Jugend- und Familienhilfe,
tätig. Rotes Kreuz ist heute
dem Suchdienst und dem
weltweit ein Synonym für unJugendrotkreuz. Gut im Geschätzbare Hilfe in Konfliktsidächtnis sind noch die Fotos
tuationen, bei Katastrophen
vom 13. Januar am Branund Notlagen aller Art. Ihr
THEMA:

denburger Tor, als rund 1.800 engagierte DRKler aus ganz Deutschland
ein riesiges rotes Kreuz geformt und
damit eindrucksvoll den Auftakt zum
Jubiläumsjahr im Zeichen dieses Ehrenamtes dokumentiert haben. Weitere Würdigungen sind u. a. am 28. Mai
das Festkonzert am Berliner Gendarmenmarkt. Und Höhepunkt des Jubiläumsjahres wird zweifellos der zentrale Festakt mit dem Bundespräsidenten am 31. Oktober zum Gründungstag des DRK in Stuttgart sein.
Heute ist das Rote Kreuz eine der
größten und anerkanntesten Hilfsorganisationen weltweit. Dahinter steht
das unermüdliche Engagement der
ungezählten freiwilligen Helferinnen
und Helfer. Ihnen allen gebührt unsere Hochachtung und Anerkennung.

GARTENSCHAU

PRENZLAUER

BLÜTENTEPPICH

UND

FORSTER

ROSENTRÄUME

von Ursula A. Kolbe

Foto: LaGa Prenzlau

„Aufbrechen, ankommen, abschalten. Ein erster Blick
über den See, ein paar
Schritte hinein in die weite
Landschaft. Tief durchatmen.
Und plötzlich ist es da: das
Gefühl von Freiheit, von Ruhe und Gelassenheit. …“ Landlust verbreiten, so sehen
sich die Uckermärker, laden
ein zur Einkehr, zum Paddeln, Wandern, Beobachten
der Natur – und in diesem
Jahr auch zur fünften Brandenburger Landesgartenschau nach Prenzlau (nur
eine gute Autostunde von

Berlin entfernt. An der
Bahnstrecke
BerlinStralsund gelegen, ist
Prenzlau im Stundentakt,
mit Umsteigen in Angermünde, zu erreichen,
zweistündlich verkehrt
der Regionalexpress direkt). Den ganzen Sommer über bis zum 6. Oktober wird hier sinnbildlich die Hochzeit zwischen
der Stadt und dem Uckersee
gefeiert. Auf über 13 Hektar
zwischen der historischen
Stadtmauer Prenzlaus und
dem lange Jahre vernachlässigten, jetzt anziehenden
Uckersee sowie entlang der
alten Wehranlage entfaltet
sich das prächtige Band der
„Grünen Wonne“. Hehrer
Anspruch der Prenzlauer,
die „fröhlichste Gartenschau
aller Zeiten zu feiern“ (OTon Bürgermeister Hendrik
Sommer). Natürlich vereint
mit gärtnerischen Bestleistungen in Stadt- und Seepark, mit der landschaftlichen wie floralen Schönheit

der Uckermark, der Urbanität der von
jahrhundertealter Backsteingotik geprägten Stadt. Die kreisförmige Gestaltung der zwölf Themengärten erinnern mit ihrer Form zugleich an die
eiszeitlich geprägten Wasserlöcher in
den Senken der Äcker, die sogenannten Sölle. Die ungewöhnlich lange
Kälte im März hat den findigen Gärtnern dass Letzte abverlangt, aber mit
dem aktuell gepflanzten Frühligsflor
gesellten sich auch rechtzeitig die
über 560.000 Geophyten, wie die Blumenzwiebeln in der Fachsprache heißen, dazu und können bei den steigenden Temperaturen nun ihre volle
Pracht entfalten. In der Blumenhalle,
die - übrigens erstmals auf einer
brandenburgischen – auf zwei Etagen
begehbar ist, laden Über die Monateinsgesamt zehn wechselnde
Schauen ein. Man darf gespannt
sein. Apropos Blumenhalle. Sie gehört zum denkmalgeschützten Ensemble der ehemaligen Korregentenund Landarmenanstalt. Das Haus,
aus einer Ruine wieder auferstanden,
wird dann nach der Landesgartenschau künftig das Gymnasium beherbergen. Natur sehen, riechen, fühlen
und auch schmecken – besonders

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Kinder und Jugendliche sind im
„Grünen Klassenzimmer“ im Naturerlebnis Uckermark angesprochen, die
faszinierende Umwelt näher kennen
zu lernen. Der Regionalmarkt mit kulinarischen und künstlerischen Angeboten lädt zum Stöbern, entdecken
und Probieren ein. Überrascht wird
mancher über den Weinberg an der
Stadtmauer sein, aber er erinnert an
die einst von Mönchen im Mittelalter
begründete Tradition des Weinanbaus in Prenzlau, der größten Stadt
in der Uckermark. Wollen Sie auf weitere Bildungsreise gehen? Da lädt der
Lehrpfad zur Stadtmauergeschichte
ein. Per Webcam können Sie die geschützte Saatkrähenkolonie beobachten. Selbstredend ist für Gastronomie
gesorgt, so mit dem Prenzlauer Kurgarten an der Uckersee-Promenade
oder ein Biergarten unter uralten Kastanien mit Blick auf das Seeufer. Vorausgesetzt, Petrus spielt mit, können
Sie mit ihrer Eintrittskarte gleich noch
in das neben dem Gartenschaugelände gelegene Seebad ein- oder abtauchen. Bei all den floralen und Gaumenfreuden werden auch die kulturellen nicht zu kurz kommen:
Nur Stichworte: Uckermärkische Bühnen Schwedt, Prenzlauer Konzertchor, Prenzlauer Kammerorchester
mit Oerettenmelodien, Stettiner Kinderchor und Philharmonie… Erwartet
wird, dass die Attraktivität der Gartenschau auch ins Nachbarland Polen
ausstrahlen wird und manch Besucher aus dem Grenzgebiet jenseits
der Oder nach Prenzlau kommt.
Schon im letzten Jahr waren sie gemeinsam mit den Niederländern, Dänen und Briten die größte Gruppe der
ausländischen Touristen in Brandenburg. Mehr unter www.lagaprenzlau2013.de
„100 Jahre Rosenträume an der Neiße“
Die LaGa Prenzlau lädt auch dazu
ein, im Rosenrausch und im Rosengarten in die Welt der Rosen einzutauchen. Aber noch intensiver, denke
ich, kann man das vom 14. Juni bis
29.September auf der DEUTSCHEN
ROSENSCHAU 2013 im Ostdeutschen Rosengarten Forst (Lausitz)
tun. Unter dem Motto „Rosenträume

an der Neiße“ wird hier die
Tradition der Deutschen Rosenschauen wieder aufleben, soll sie ein passendes
Geburtstagsgeschenk für
den nunmehr 100jährigen
Rosengarten und ein Höhepunkt in der Geschichte des
Parks sein.
Übrigens wird damit eine
historische Tradition wieder
belebt, die so vor 75 Jahren
vorerst letztmalig in
Deutschland begangen wurde. Der denkmalgeschützte,
prachtvolle Landschaftspark
rund um die beliebteste aller
Blühpflanzen präsentiert sich
mit 13 Themengärten wie
dem Garten der Rosenstädte, Jubiläumsgarten, Hochstammgarten oder Garten
der Düfte sowie kunstvoll
gefertigten Skulpturen, Pergolenhöfen, romantischen
Wasserspielen. Und natürlich dürfen viele Rosenneuheiten nicht fehlen:
Die „Physis der Rose“ als
Kernstück im Rosengarten
(Wehrinselvorgelände), der
„Mythos der Rose“ (in Geschichte, Kultur und Gesellschaft) im Wehrinselpark,
„Die Rose in der Natur“ (Lebensräume und Bedeutung für den Artenschutz) auf der Reisigwehrinsel. Sinnen und Phantasie
ziehen zehntausende Rosenstöcke in weit über 900
Sorten in den Bann,
Augenfreuden garantieren
die traditionellen Rosengartenfesttage mit der Schnittrosenschau vom 28. bis 30.
Juni, darin eingeschlossen
die Krönung der Rosenkönigin und die „Nacht der 1000
Lichter“ mit grandiosem Feuerwerk. Musikalisch sind u.a.
Höhepunkte das 12. Brandenburgische Chorfest.
Mehr unter
www.rosengarten-forst.de
Einmal in Forst, lohnt sich
auch ein Besuch in der Stadt

Seite 19
selbst, hat sie doch viele Gesichter: So der Wasserturm
als das Wahrzeichen von
Forst wie auch das historische Rad- und Reitstadion.
Und natürlich ihre berühmten
Persönlichkeiten.
Das
Markgrafentum Niederlausitz
gehörte nämlich im 18. Jahrhundert zum Kurfürstentum
Sachsen. Und kein Geringerer als der sächsische Premierminister Heinrich Graf
von Brühl (übrigens Lieblingsfeind von Friedrich des
II.) fand in der Stadtkirche St,
Nikolai seine letzte Ruhestätte. Sein Todestag jährt sich in
diesem Jahr zum 250. Mal.
Noch ein kurzer Blick in die
Geschichte und zurück zum
Rosengarten: Ursprünglich
zum 25. Krönungsjubiläum
Kaiser Wilhelm II. anno 1913
als einmalige Rosen- und
Gartenbauausstellung geplant, entwickelte sich der
Park zu einem Kleinod der
Gartenkunst, genannt Ostdeutscher Rosengarten. 2009
wurde er als „Deutschlands
schönster Park“ ausgezeichnet. Er ist Mitglied im Europäischen Parkverbund Lausitz
„Von Graf Brühl bis Fürst
Pückler“. Zu diesem haben
sich 2010 die Lausitzer Parks
und Gärten von Heinrich Graf
von Brühl und Hermann Fürst
von Pückler-Muskau in
Deutschland und Polen zusammengeschlossen, zu
dem die Parks in Muskau und
Branitz, Forst und der
Schlosspark Brody in Polen
gehören.
Ein Wort zum zugehörigen
Bild: Ein ganz besonderer
Gruß: Schüler der Diesterweg-Grundschule haben über
80.000 Plastedeckel gesammelt und aus ihnen ein Relief
gefertigt, das die beiden LaGa-Maskottchen Fine und
Nemo zeigt, die nun auf dem
Weg zur Blumenhalle die Besucher begrüßen.

Seite 20
THEMA:

IGS

www.magazin-spätlese.net

TOURISMUS

HAMBURG

AUF

EUROPAS

GRÖßTER

BEWOHNTER

FLUSSINSEL

von Ursula A. Kolbe
Es war schon ein Erlebnis, im
Pressetross mit dem Ersten
Bürgermeister der Freien und
Hansestadt Hamburg, Olaf
Scholz, igs-Geschäftsführer
Heiner Baumgarten und Jochen Sandner, Geschäftsführer der Deutschen Bundesgartenschaugesellschaft,
kurz vor Eröffnung der Internationalen Gartenschau (igs)
Hamburg-Wilhelmsburg auf
die erste offizielle Fahrt mit
der Monorail, der Gartenschaubahn, zu gehen. Seit
wenigen Tagen nun sind die
Besucher aus Nah und Fern
eingeladen, bis zum 13. Oktober auf dieser Gartenschau
unter dem Motto „In 80 Tagen um die Welt“ in eine
kurzweilige Weltreise durch
sieben Erlebniswelten, ihren
Klima- und Vegetationszonen
einzutauchen. Stündlich können 2.000 Gäste in der Monorail mit 16 Stundenkilometern in vier bis sechs Metern
Höhe auf ihrem knapp 3,5 km
langen Rundkurs über ständig neue Perspektiven
schweben. Lautlos und umweltfreundlich vorbei an Teichen und Kanälen, Kletterhalle und Hochseilgarten, Kiosk
der Kulturen und Gartenrestaurant, die alle den Ideenreichtum der Gärtner, Züchter
und Landschaftsarchitekten
widerspiegeln. An drei Haltestellen kann ein- und ausgestiegen werden, Umsteigemöglichkeiten sind am Haupteingang in der Welt der Häfen. Während der rund 20minütigen Fahrt erfährt man Interessantes und Wissenswertes über das über 100 ha große Gelände und all die Anziehungspunkte für Groß und
Klein darauf. Ja, diese Bahn

ist Transportmittel und
Attraktion zugleich
Wichtig auch der Blick
auf möglichst große Barrierefreiheit, natürlich im
Park, an den Haltestellen, und in der Gartenschaubahn gibt es Abteile für Rollstuhlfahrer und
oder die Mitnahme von
Gehhilfen und Kinderwagen. Zudem können kostenlos E-Scooter, Rollstühle und Rollatoren
ausgeliehen werden.
80 Gärten und sieben Parkwelten erzählen von fernen
Gegenden und Bräuchen,
exotischen Pflanzen und Gewürzen, prachtvollen Blumen-, Pflanzen- und Sonderschauen, regional und national. Die Welt der Kontinente
in all ihrer natürlichen Vielfalt. (mehr auch März/AprilAusgabe des Magazins
„Spätlese“ unter dem Titel
„In 80 Gärten um die Welt“.)
Eine doppelte Gastgeberrolle
Wenn Bürgermeister Scholz
sagte, dass die igs Hamburgs Gartenschautradition
fortsetzt, schon 1869 fand
eine erste statt, und auch
Maßstäbe setzt, betonte er
zugleich: Noch nie habe eine
Gartenschau einen Stadtteil
so weiterentwickelt, wie es
jetzt
in
HamburgWilhelmsburg zu erleben sei,
auf der nach Manhattan
größten bewohnten Flussinsel der Welt. Hier leben übrigens rund 50.000 Menschen
aus mehr als 100 Nationen
zusammen, dort also, wo
Interessen, Bedürfnisse oft
nicht gegensätzlicher sein
können und das Miteinander

Foto: Salzburger Land / Franz Neumayr

doch unter einen Hut kommen soll.
Zudem entstehen in enger Kooperation mit der zeitgleich stattfindenden
Internationalen Bauausstellung (IBA)
Stadtlandschaften der Zukunft und
ein Park des 21. Jahrhunderts. Das
könne beispielgebend für andere
Metropolen weltweit sein, aber auch
für Parks und Grünanlagen in Hamburg selbst. Gemeinsam mit der IBA
ist die igs zentraler Motor für das
Hamburger Stadtentwicklungsprogramm „Sprung über die Elbe“. Mit
dem Ziel, die Attraktivität der stadtnahen Südquartiere Wilhelmsburg, Veddel und Harburger Binnenhafen über
innovative Architektur und Freiflächen
zu stärken. Wenn nach der Gartenschau die Zäune wieder fallen, kann
das Gelände kostenfrei genutzt werden. Der Wilhelmsburger Inselpark
verbindet bestehende Wohnquartiere,
ergänzt um zukunftsweisende Neubauten der IBA. Er ist ein Wohlfühlort,
nicht nur, um Vogelgezwitscher zu
hören, den Blumen- und Grünflor zu
genießen, er ist auch ein sozialkultureller Ort interkultureller Begegnung
und Kommunikation, wo sich Kleingärtner über den Gartenzaun grüßen,
Jugendliche aller Ethnien gemeinsam
skaten, Eltern mit ihren Kindern Kulturveranstaltungen lauschen. Joggen,
walken und radeln, auf Spielplätzen
toben. Apropos Joggen. Besonders
die Hamburger Kollegen horchten
auf, als Olaf Scholz noch bemerkte,

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im neuen Freizeitpark könne sich der
eine oder andere nun auch abends
unter den neuen, Strom sparenden
LED-Laternen entlang der Laufstrecken und Hauptwege (von der Hamburger Lichtplanerin Ulrike Brand für
den bisher größten zusammenhängenden Außenraum in Deutschland
entwickelt) verabreden. Wobei sein
Schmunzeln verriet, dass das aber
sicher nicht allzu wörtlich zu nehmen
sei. Übrigens: Schnell und bequem
(ich kann das nur bestätigen) kommen Sie auch mit dem BLBFernbusangebot auf die igs: 12mal
täglich, freitags und sonntags 14mal
mit Abfahrt ab Berlin ZOB (Zentraler
Omnibus-Bahnhof) am Funkturm
oder ab Ostbahnhof (InterCityHotel).
Der Aktionspreis kostet 9 Euro; Bedingung: Feste Buchung und Kauf
der Fahrkarte bis mindestens eine
Woche vorher bei begrenztem Platzkontinent. Ankunft Hamburg ZOB am
Hauptbahnhof. Von hier aus mit den
Linien S 3 und S 31 bis zur Station
Wilhelmsburg in acht Minuten. Vom
Bahnsteig über die Brücke direkt zum
Haupteingang der Gartenschau.
I n f o s
u n d
T i c k e t s :
www.berlinlinien.bus.de
„In 80 Gärten um die Welt“ heißt die
Broschüre, der ideale Begleiter und
Wegweiser beim Besuch der Gartenschau. Aber er ist mehr: Mit seinen
Infos rund um die Gartenschau, Erklärungen und Abbildungen zu den
einzelnen Gärten wird das Buch nicht

nur ein guter Leitfaden sein,
sondern interessant sein für
all jene, die sich besonders
für Pflanzen und neue
Trends in der Gartengestaltung interessieren. Schon
Mitte Juni wird es eine weitere, überarbeitete Fassung
inklusiver aktueller Fotos
geben. Eine dritte Mitte/
Ende August nimmt dann
auch die Spätsommerblüher
mit auf. Damit wird erstmals
eine Gartenschau mit einer
Publikation begleitet, die die
neuesten Entwicklungen der
Natur widerspiegelt.
Ellert&Richter Verlag, ISBN
978-3-8319-0490-7,Euro
5,95
Buchtipp: „Hamburg Eine Stadt in Biographien“
Viele, die die Gartenschau
besuchen, nutzen vielleicht
auch die Gelegenheit, die
Stadt Hamburg kennen zu lernen. Eine
andere Sicht, als die
herkömmlicher Reiseführer, bringt der vorliegende Band dafür
ins Gespräch. Wie
jede andere Metropole
wird auch Hamburg
nicht nur von seinen
Bauwerken und Straßenzügen
geprägt,
sondern vor allem

Seite 21
auch von Menschen, die hier
geboren und gestorben sind
oder entscheidende Jahre
verbracht haben. Die Autorin
Marina Bohlmann-Modersohn
führt auf den Spuren 20 prominenter Persönlichkeiten
durch die Stadt. Denn was
wäre z.B. Hamburg ohne
Störtebecker, Heidi Kabel
oder Helmut Schmidt. Geschichte und Gegenwart,
spannende Orte werden lebendig. Am Ende jeden Kapitels findet man konkrete Hinweise auf die Adressen, mit
Übersichtskarte. Auch dieses
Buch ist ein weiterer Lesegenuss aus der Reihe MERIAN
porträts „Eine Stadt in Biographien“, ausgezeichnet mit
dem ITB-BuchAward als „Die
Besondere ReiseführerReihe“. Verlag TRAVEL
HOUSE MEDIA, München

Foto: Verlag Travel House Media, München

THEMA:

GEBET

GEDICHTE

EINES

USERS

von Waltraud Käß
Oh Vater, Bill Gates,
der Du mir gegeben hast Deine Software Microsoft.
Berühmt ist Dein Name.
Gepriesen seien Deine Programme
Excel, Access, Powerpoint oder Word.
Auf Deinem Pfad führe mich durch Windows,
und erlöse mich bei Not,
denn müsste ich einen Absturz erleben,
das wäre mein Tod.

Seite 22

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Mach, dass mein Bildschirm nicht dunkel bleibt
und aus den Lautsprechern Musik ertönt.
Mach, dass mein Cursor die Symbole findet
und die Sanduhr unterm Mousklick endlich doch verschwindet.
Hilf, dass keine Würmer, Viren, Spams oder sonstiges Getier
Ihr Unwesen treiben in meinem Revier.
Bewahre mich vor Staatshackern und ihrer Online-Durchsuchung
Und schütze meine Festplatte vor den Trojanern.
Hilf, dass ich im Internet ungestört surfen kann und
Dealer mich nicht in ihre Fallen locken.
Mach, dass der Chatroom mir immer offen steht,
mach, dass keine E-Mails im Winde verweh‘n und
lustige Smilies sich nicht vor mir verstecken.

Foto: Rainer Sturm / pixelio.de

Hilf, dass ich bei Ebay die besten Schnäppchen ersteigern kann,
und beim Google - Klick die schönste Weltreise erlebe.
Stelle einen Schutzengel vor mein Online-Konto und veröffentliche
regelmäßig mein Web-Blog ( Internet-Tagebuch).
Oh Vater, Bill Gates, nun gib mir noch Microsoft - Vista,
und ich werde Deinen Namen lobpreisen
auf immer und ewig.
Dieses Gedicht entstand, nachdem ich mit manchen Unannehmlichkeiten meines Programms fertig werden musste, und schließlich mein Bildschirm ohne ersichtlichen Grund dunkel blieb. Für den Besitzer eines Computers der absolute GAU. Doch es ist wahr - seitdem mein PC dieses Gedicht gespeichert und
verinnerlicht hat, ist er handzahm geworden. Probieren sie es doch auch einmal.
THEMA:

DER

TRAUM

VOM

GEDICHTE

SCHÖNEN

WOHNEN

von Barbara Ludwig
Wir wollen leben, lachen, fröhlich sein
In einem hellen, fest gebauten Haus,
Das Kraft uns gibt, den Alltag zu besteh´n,
Wo drinnen Friede waltet immerdar
Und Zuversicht vor Leid und Übel schützt.
Wir wollen leben, lieben, glücklich sein
In einem Haus, das Heimat uns beschert
Und Nachbarn gute Kameraden sind,
Verbinden frohe Zeit mit Achtsamkeit,
Zu wandeln manchen trüben Sinn in Mut.
Wir wollen leben, schaffen, tätig sein
In einem schönen und gepflegten Haus.
Ein jeder dort für alle sorgt und hilft,
In Freude für einander da zu sein
Und Gutes fest im Haus verankert hält.

Foto: knipser5 / pixelio.de

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THEMA:

Seite 23

GEDICHTE

GROßMUTTER

GEBURT

von Hanna Scotti
In diesem Moment
ist das Leben nie da
gewesen warm
duftendes Bündel
zufrieden schnaufend
in meinen Armen

Foto: uschi dreiucker / pixelio.de

des Kindes Kind
in diesem Moment
überlebe ich mich
THEMA:

ITB

-

TOURISMUS

DAS

WELTUMSPANNENDE

REISEBÜRO

von Ursula A. Kolbe
Auch die diesjährige Internationale Tourismusbörse Berlin, kurz
ITB, hat ihrem Ruf als weltumspannendes Reisebüro alle Ehre
eingelegt. Sie weckte Neugier auf
Entdeckungen, gab Reiseimpulse
für nah und fern. Die Lust der Reisenden ist nach wie vor ungebrochen. Waren es 2012 über 1 Mrd.
Menschen, sollen es laut Prognosen innerhalb von sieben Jahren
bereits
1,7 Mrd. Reiselustige
sein.
Da ist natürlich Europa im Blick,
aber immer mehr auch Asien, wie
auch die größeren Standflächen
mit ihren Angeboten belegt haben. Das diesjährige Partnerland
Indonesien – den mit 14.000 Inseln größten Archipel der Welt war beredtes Beispiel dafür. Groß
sind die Ambitionen des Landes,
das fast dreimal so viele Einwohner hat wie Deutschland. Es will
im Tourismus bis 2014 zehn Millionen Arbeitsplätze schaffen. Und
nicht nur nebenbei: Komplett vertreten war Lateinamerika. Insgesamt haben 10.086 Aussteller aus
188 Ländern in den ausgebuchten
Hallen unter dem Funkturm ihre
Offerten unterbreitet – und den

170.000 Besuchern, sinnbildlich
gesagt, die Qual der Wahl mit
ins Gepäck gegeben.
Es hat sich aber auch wieder
gezeigt, wenngleich auch die
bequem zu nutzenden InternetAngebote stetig wachsen und
ständig ausgefeilt werden, der
persönliche Kontakt, das unmittelbare Gespräch ist bleibt der
entscheidende Impulsgeber, so
wie die viel gepriesene Mundzu-Mund-Propaganda oft der
stärkste Werbeträger ist.
Die BERLIN HIGHLIGHTS
Und wie immer die Frage: In die
ferne Weite schweifen oder in
heimischen Gefilden bleiben.
Der Trend der Deutschen geht
zunehmend zu Letzterem. In der
Halle 6.2 „vor der Haustür“ - hier
hatten Berlin und Brandenburg
ihre Offerten – herrschte, so
hatte ich den Eindruck, besonders großer Andrang. So bei der
noch jungen Interessengemeinschaft BERLIN HIGHLIGHTS.
Sie definiert sich über ihr Motto,
mit gemeinsam hohen Ansprüchen an Qualität und Service

auf der Basis gegenseitiger
Weiterempfehlung zusammenzuarbeiten. Die zehn Gründungspartner Berliner Residenz Konzerte, Dali - Die Ausstellung am Potsdamer Platz,
Deutsches Currywurst Museum Berlin, Exclusiv Yachtcharter Schifffahrtsgesellschaft,
Olympiastadion Berlin, Panoramapunkt, Reederei Riedel, Top
Tour Sightseeing, Velotaxi,
Verband der Berliner Stadtführer, konnten, durch ihr Engagement für den Tourismus in
der Stadt, bereits im Folgejahr
2012 mit Jochen Schweizer
und dem Wintergarten Varietè,
und ebenso 2013 mit den Gärten der Welt (Grün Berlin) und
dem Asisi – Panometer „Die
Mauer“, weitere renommierte
Partner begrüßen.
Das Motto „Raus aufs Land“
heißt es in Brandenburgs Fluren. Natur und Kultur in Hülle
und Fülle. Wasserwandertouren mit dem Kanu, Floßfahrten
a là Huckelberry Fin, die Naturparks, der Fläming-Skate, die
Lausitzer Seenlandschaft,
Radtouren auf den Deichen

Seite 24
oder durch historische Stadtkerne – klicken Sie einfach
an:
www.reiselandbrandenburg.de. 555 Familienangebote offeriert der
www.familienpassbrandenburg.de.
Neues war auch aus Mecklenburg-Vorpommern zu erfahren. So wird Jahresmitte
die Naturerbefläche in Prora
eröffnet. Hier windet sich der
Baumwipfelpfad bis auf eine
Höhe von 42 Metern über
dem Meeresspiegel hinauf.
Er schließt einen Turm mit
Aussicht auf die Naturerbefläche Prora, die Boddenlandschaft, das Ostseebad Binz
sowie das Biosphärenreservat Südostrügen und den Nationalpark Jasmund ein.
Zu
den Regensburger
Domspatzen
Wie heißt es doch, unverhoffte Einblicke sind oft die nachhaltigsten. Am Regensburger
Messestand ging mir das so.
Ich war beeindruckt schon
von einigen Fakten: Seit
2006 zählt die 2.000 Jahre
alte Stadt in Bayern mit ihren
knapp 1.000 Baudenkmälern
auf engstem Raum in der historischen Altstadt zum exklusiven „UNESCO Welterbe
der Menschheit“. Das Jubiläum „350 Jahre immerwährender Reichstag in Regensburg“ ist im Reichstagsmuseum ein Thema für alle, die
schon immer wissen wollten,
was „auf die lange Bank geschoben“ und „am grünen
Tisch entschieden wurde“.
Das Besucherzentrum Welterbe in original historischem
Ambiente – dem alten Salzstadel an der Steinernen Brücke – offeriert weitere Attraktionen.

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Hier sind die berühmten Regensburger Domspatzen, der
älteste Knabenchor der Welt
zu Hause, und auch Deutschlands erste Confiserie, die
älteste Zinngießerei. Meine
Neugier, das alles und viel
mehr in dieser wunderschönen Stadt an der Donau zu
sehen, ist geweckt….
Der musikalisch unsterbliche Wagner in Leipzig und
Dresden
Nahe Liegend, dass der diesjährige Messeauftritt Sachsens auch seinem berühmten
Sohn Richard Wagner galt. Er
wäre am 22. Mai 200 Jahre
alt geworden. Viele denken
bei Wagner zuerst an Bayreuth und seiner Geburtsstadt
Venedig. Weniger bekannt
dagegen ist, dass der musikalisch unsterbliche Wagner insgesamt 26 Jahre seines Lebens in seiner Geburtsstadt
Leipzig und Dresden verbracht hat.
Zu seinem jetzigen Jubiläum
haben beide Städte ein Festprogramm entwickelt, wie es
in der Verlagsbeilage der
Frankfurter Allgemeinen
Sonntagszeitung so treffend
heißt, das geeignet ist, Wagner dauerhaft als Fixpunkt im
Kulturleben beider Städte zu
etablieren.
In seiner Geburtsstadt Leipzig, der „Hauptstadt der Romantik“, erhielt Wagner seine
musikalische Ausbildung, hier
entstanden erste Kompositionen, hier reifte sein Entschluss, Musiker zu werden.
Wer ihn verstehen will, sagen
die Leipziger, muss hierher
kommen. Und insgesamt über
150 Veranstaltungen werden
dabei sicher hilfreich sein.
Wagner gilt als Erneuerer der

Foto: Messe Berlin

europäischen Musik im 19.
Jahrhundert und Wegbereiter
der Moderne. Überhaupt bildet
Leipzigs Musiktradition einen
Kanon der Musikgeschichte:
Bach, Mendelssohn Bartholdy,
Wagner, Clara und Robert
Schumann – sie alle prägten
den musikalischen Charakter
der Stadt mit.
Mit dem Stichwort „Lutherweg in
Sachsen“ lenkte die Geschäftsführerin des Tourismusverbandes „Sächsisches Burgen- und
Heideland“, Dr. Katharina Sparrer, die Aufmerksamkeit auf keinen Geringeren als Martin Luther und damit auf die Reformationsdekade „Luther2017 - 500
Jahre Reformation“.
Dieser Weg verbindet Wirkungsstätten Luthers und anderer Reformatoren, macht den Werdegang und die Auswirkungen der
Reformation in Sachsen erlebbar. Auf über 500 Kilometern
liegen 26 Kommunen und zahlreiche touristische Attraktionen.
Er ist übrigens Teil des Mitteldeutschen Lutherweges mit den
Strecken Sachsen-Anhalt und
Thüringen. Zugleich bestehen
über den Jakobsweg und den
Lutherweg in Bayern die Anschlüsse an das internationale
Netz der Wanderwege – und
damit ein Angebot zu den gesamteuropäischen des spirituellen Tourismus.

Seite 25
THEMA:

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TOURISMUS

ÖSTEREICH-IDYLLE

IN

CHARLOTTENBURG

von Ursula A. Kolbe
Das kommt auch in Berlin
nicht alle Tage vor. Zu einem
Wandertag besonderer Art
nämlich lädt die Österreich
Werbung Deutschland die
Berliner mit ihren Familien
und Freunden am Sonntag,
den 12. Mai, ein.
Nun hat ja keine andere deutsche Großstadt so viele
Grünflächen wie Berlin – fast
ein Fünftel des Stadtgebietes
ist öffentliches Grün. Aber
wer mit wachem Auge durch
die Stadt geht, sieht auch,
wie manches Kleinod zu verwahrlosen droht. Selbst prominente Anlagen am Potsdamer Platz sowie die Rasenfläche auf dem Platz der Republik vor dem Reichstag
werden unansehnlich, die
Pflege der Parks ist eine Frage von Arbeitskräften geworden - aber auch immer mehr
Berliner selbst engagieren
sich in ihrem Umfeld und darüber hinaus.
In Zusammenarbeit mit dem
Bezirksamt CharlottenburgWilmersdorf lässt nun die Österreich Werbung Deutschland in einem Park an der
Caprivibrücke in Charlottenburg eine österreichische
THEMA:

VOM

Parklandschaft entstehen, für
den sie zunächst für drei Jahre die Patenschaft und der österreichische Botschafter in
Berlin, Dr. Ralph Scheide, die
Schirmherrschaft für das Projekt übernehmen.
Geplant sind ein alpiner Steingarten, eine Allee steirischer
Apfelzierbäume, eine Blumenwiese und ein rot-weiß-roter
Rosengarten. Die alten Parkbänke werden durch Salzburger Almbänke ersetzt. Dazu
kommen Donauliegen am Ufer
der Spree und ein Fernrohr,
durch das man die Tiroler Alpen erblickt.
Ein kleines Stück mitten in
Berlin , das Lust machen soll
auf eines der beliebtesten Urlaubsländer der Deutschen.
Und zu dieser feierlichen Einweihung am 12. Mai lädt die
Österreich Werbung Deutschland zu einer Wanderung von
der Österreichischen Botschaft durch den Tiergarten
am Landwehrkanal entlang
zum „Österreich Park“ ein. Dazu können sich die interessierten
Wanderer
unter
www.austria.berlin/info anmelden. Sie erhalten übrigens eine Jausenbox (Picknickdose)

Foto: Salzburger Land / Franz Neumayr

mit österreichischen Schmankerln.
Jedes der neun österreichischen
Bundesländer - von Tirol bis Wien präsentiert sich mit einer Erlebnisstation: an einer wird zum Beispiel
gezeigt, wie man traditionelle Blaudruckkunsttücher aus dem Burgenland herstellt. Im Park selbst gibt
es ein großes Picknick mit Weinverkostungen, kulinarischen Spezialitäten wie Linzer Torte und Musik
von „Matakustix“, einer Kärntner
Akustik-Pop-Gruppe, und der
Street Art Künstler Mark Jenkins
will eine lebensechte Puppe zum
Thema „Süßes Wien“ installieren .
Der „Österreich Park“ ist dann für
alle Berliner eröffnet und macht
das beliebte Nachbarland mit allen
Sinnen erlebbar.

MESSE

KOPF-AIRBAG

ZUM

„LASTENESEL“

von Ursula A. Kolbe
Der Frühling hat ja in diesem
Jahr verdammt lange auf sich
warten lassen. Leidenschaftlichen Fahrrad-Fans drohten
schon Entzugserscheinungen. Zugegeben, das mag
ein wenig übertrieben klingen. Zumal die nun schon
dritte Frühlingsmesse, die
VELOBerlin2013, unter dem

Funkturm dann deren Herzen
wieder höher schlagen ließ:
Pedelecs, Mountainbikes mit
elektrisch gesteuerter Federung, Falträder (früher hießen
sie Klappräder), Bonanzaräder
aus den 70er, Transporträder
oder
salopp
gesagt
„Lastenesel“. Letztere mit rund
200 kg Gesamtgewicht, was,

wie Experten sagen, in etwa dem
Stauraum eines Auto-Kofferraums
entspricht, wohl gerade eine Alternative für Großstädter.
Und natürlich das Thema Helm.
Immer noch freiwillig, leider sage
ich. Aber neue Ideen machen das
Tragen zunehmend attraktiver. So
haben zwei Schwedinnen den ersten Airbag für den Kopf erfunden -

Seite 26

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km Radweg saniert werden. Der
neu herausgegebene BUNDFahrradplan zeigt übrigens
auch, wo es sich gut radeln
lässt und wo nicht.

„den „Hövding“. Wie ein
Schal wird er um den Hals
getragen.. Chic, kann ich nur
sagen. Aber mit rund 400 Euro hat er auch seinen Preis.
Neu sind ebenfalls Helme mit
Tweed-Optik oder ökologischem Innenleben aus Karton.

Radtouren in Brandenburgs
Natur
Naheliegend, dass sich auch in
diesem Jahr unser Nachbarland
Brandenburg als Radler- Paradies präsentiert hat. 13 Fernradwege
hat
der
ADFC
(Allgemeiner Deutscher Fahrradclub) im Rahmen der Qualitätsoffensive des Netzwerks Aktiv in der Natur im letzten Jahr
ausgezeichnet. Zur ITB sind der
Gurkenradweg im Spreewald,
die Seenlandroute (die im Lausitzer Seenland 16 Seen miteinander verbindet) sowie Route 1
und 2 der Radrouten Historische
Stadtkerne hinzugekommen.
Vieles könnte weiter aufgezählt
werden, die den dritten Platz der
beliebtesten Radreiseregionen
Deutschlands belegen. Doch
testen Sie selbst. Ausführliche
Infos und Bestellung der Übersichtskarte „Radland Brandenburg“ sowie der Broschüre „Die
schönsten Radpartien in Brandenburg“ unter www.radeln-inbrandenburg.de;
www.brandenburg-aktiv.de;
www.adfc.de

Rücksicht im Straßenverkehr
Jeder im Alltag sieht es: Immer mehr Menschen steigen
aufs Rad. Statistisch gesehen haben sieben von acht
eines und jeder vierte nutzt
es täglich. Allein in Berlin gibt
es 1,5 Millionen davon. Das
erfordert naturgemäß wachsende Rücksichtnahme. Halten wir es mit Botschafter
Christophorus, den Schutzpatron der Reisenden, der
seit 2012 dafür wirbt. Im Vorfeld der VELOBerlin hatte
auch Verkehrssenator
Michael Müller den Startschuss
für das zweite Kampagnejahr
zu mehr Rücksicht und fairem Miteinander im Berliner
Straßenverkehr geworben.
Vieles hat sich bereits getan.
Lassen wir auch hier die Statistik zu Wort kommen: 1.071
km Anlagen für den Radverkehr gibt es in Berlin. Dazu
zählen 175 km Radfahrstreifen auf der Fahrbahn sowie
gemeinsame Geh- und Radwege (100 km). In diesem
Jahr sollen 15,8 km Radfahrstreifen neu markiert und 5,7
THEMA:

WER

Eine Anmerkung
Beim Verfassen dieses Beitrages las ich in der Tagespresse,
dass die Nachfrage nach Elektrofahrrädern das Geschäft des

Foto: VELOBerlin / Michele Prinzigalli

Fahrradherstellers Mifa, SachsenAnhalt, weiter gestiegen ist. Sofort
wurden Kindheits- und Jugenderinnerungen wach. Mifa aus Sangerhausen, das war mein erstes
Rad. Es brachte mich u.a. vier
Jahre, natürlich dank Muskelkraft,
zuverlässig in die Kreisstadt in
das heutige Gymnasium, war später bei den Elternbesuchen, zugegeben nur noch gelegentlicher,
Begleiter. Der E-Bike-Anteil am
Gesamtumsatz der Mitteldeutschen Fahrradwerke AG Sangerhausen stieg 2012 auf 30 Prozent.
Ein Jahr zuvor noch lag er bei
12,5 Prozent. Für 2013 steht ein
Umsatz von 120 bis 130 Millionen
Euro im Plan. Ein kurzer Blick in
die Geschichte: Die Fahrradproduktion in Sangerhausen begann
im Jahre 1907. Heute hat das Unternehmen 770 Mitarbeiter. Ich
denke, für die Stadt am östlichen
Rand der Goldenen Aue, einem
fruchtbaren Tal zwischen Harz
und Kyffhäuser, schon eine Größenordnung.

GESCHICHTE

WAR

LUDWIG

LEICHHARDT?

von Ursula A. Kolbe
Vorweg: Es heißt, alle drei
gaben der Welt neue Horizonte: Was Alexander von
Humboldt für Südamerika
war, war der Schotte David
Livingstone für Südafrika und
Friedrich Ludwig Leichhardt

für Australien. Von letzterem soll
hier die Rede sein. Ludwig
Leichhardt wurde am 23. Oktober 1813 in Sabrodt /Trebatsch
am Schwielochsee im Land
Brandenburg geboren. Er besuchte das Gymnasium in Cott-

bus, studierte Naturwissenschaften in Berlin und Göttingen und
verließ später Deutschland in
Richtung England, von dort weiter
nach Australien. Nach rund fünf
Monaten Seereise kommt der
Preuße im Februar 1842 auf dem

Seite 27
Fünften Kontinent an. Gerade
mal fünf Jahre war dieser eine
englische Kolonie und das Landesinnere noch weitgehend
unerkannt und unerforscht.
Wer also war Ludwig Leichhardt? Auf seiner ersten Expedition erforschte der erste
Deutsche das Landesinnere.
Bei der Durchquerung des bisher unbekannten Nordteils entdeckte er das größte Kohlvorkommen des Landes. Dann
fand er einen Landweg von der
australischen Ost- zur Nordküste und dokumentierte detailliert den Weg zwischen den
heutigen Großstädten Brisbane
und Darwin. Er wurde zu einem
der bedeutendsten Entdecker
Down Under. Seit einer weiteren Ost-West-Expedition im
Jahre 1848 gilt er als verschollen. Neun Suchexpeditionen
blieben erfolglos, und bis heute
ist der Tod des brandenburgischen Pioniers ungeklärt.
Ehrungen zum 200. Jubiläum
Ja, auf dem Fünften Kontinent
hat sich Leichhardt tief in dass
kollektive Gedächtnis eingegraben. Er wird dort als Nationalheld verehrt. Zahlreiche Ortschaften, Stadtteile, Flüsse sogar eine Bergkette tragen seinen Namen. Zahlreiche Pflanzen- und Tierarten wurden
nach ihm benannt. Kurz, Leichhardt ist ein Mythos. Hierzulande dagegen war er bis dato seine Heimatregion um Lieberose ausgenommen - nahezu
unbekannt. Das soll sich nun
mit der Würdigung zu seinem
200. Geburtstag ändern, stehen Leben und Leistungen des
Australien-Forschers wie auch
die wachsenden australischdeutschen Beziehungen auf
Veranstaltungen, Symposien,
Kunstprojekten, touristischen
Angeboten im Blick. Wie kein
anderer symbolisiert er heute

www.magazin-spätlese.net
bilaterale Zusammenarbeit in
Wissenschaft und Forschung,
Gesundheit, Informationsund Kommunikationstechnologie.
Einige Veranstaltungen:
Wissenschaftlich wird es am
24. Mai beim Symposium
deutscher und australischer
Experten über das Wirken
Leichhardts in Australien an
der Technischen Universität
Cottbus zugehen. Der Bootskorso auf dem Schwielochsee
mit mehr als 400 Booten, angeführt vom Kaffenkahn, einem
nachgebauten historischen Binnenschiff, lädt am 3. August
ein. Zur Erinnerung: Der Kaffenkahn war vom 17. bis 19.
Jahrhundert in der Mark Brandenburg verbreitet und diente
bereits Leichhardts Vater zum
Torftransport. Wer aktiv sein
will, kann auf dem LeichardtTrail entlang der brandenburgischen Lebensstationen des
Forschers, von Trebatsch über
Zaue und Goaytz nach Cottbus,
wandern oder radeln, auch einen Abstecher in die Leichhardt-Ausstellung im Marstall
des Schlosses Branitz machen.
Am 22. September findet die
Internationale Bildungskonferenz zur Biodiversität im Rahmen einer LeichhardtProjektwoche in Goyatz an der
Ludwig-Leichhardt-Oberschule
statt.
Höhepunkte sind zweifellos am
22. Oktober die Liveschaltung
nach Australien im Weltspiegel
und am Tag darauf, dem Geburtstagstag, die Konferenz in
Goyatz mit Festrede und Aufführungen von Ausschnitten der
Oper Voss, Staatstheater Cottbus. Weitere Infos:
www.leichhardtland.de;
www.reiseland.brandenburg.de
A u f d e m P o r t a l h t tp : / /
koepfe.brandenburg.de ist der

Foto: Ludwig-Leichhardt-Museum

Pionier in der Rubrik Innovation
dargestellt.
Übrigens informierte Tourism
Australia, das staatliche Fremdenverkehrsamt des Landes, auf
der diesjährigen Internationalen
Tourismusbörse auch über die
Weiterführung der Kampagne
„The best Job in the World“, die
2009 nach ihren eigenen Worten
die Welt im Sturm erobert und
auch in Deutschland großes Interesse bei den 18-30jährigen gefunden hatte.
Sinn des sechsmonatigen Aufenthalts ist es, die atemberaubenden Landschaften, die einzigartige Tierwelt, die Gaumenfreuden
sowie den untrüglichen australischen Sinn für Humor und Lebensart zu entdecken, kurzum
ein Angebot für junge Reisende,
die das Land mit einem Working
Holiday Visum besuchen wollen.
Und sicher werden sie dabei,
egal in welchem der angebotenen spannenden Jobs, auch auf
ihren Landsmann Friedrich Ludwig Leichhardt stoßen und zu
Recht stolz auf ihn sein können.
Auch das am Rande noch: Die
deutsche Hauptstadt Berlin und
die australische Hauptstadt Canberra haben einen direkten Mauerdraht. Für 500 DM hat der deutsche Club Harmonie in Canberra
ein Mauersegment erworben, das
nun seit dem 3. Oktober 1992 auf
dem Vereinsgelände steht.

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Die Spätlese ist das erste Seniorenmagazin aus Marzahn-Hellersorf im Internet. Ehrenamtliche Autorinnen und
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