Path:
Periodical volume

Full text: Spätlese Issue 2013,11/12

DAS MAGAZIN FÜR AUFGEWECKTE
SENIORINNEN UND SENIOREN

SPÄTLESE
Ausgabe November/Dezember 2013

IN

DIESER

www.magazin-spätlese.net

AUSGABE:

Politik, Wirtschaft und
Soziales

Kurzgeschichten und
Gedichte

Natur und Tourismus
Die Geschichte der Laboer
Mühle

11

3

Erfurt: Einmal blumig, immer blumig!

12

Erst ins Wurstkino, dann in
den Speckhimmel

4

Kremserfahrt durch das
Wildgehege Glauer Tal

14

Der IFA-Blick auf die Best
Ager als eine Marktmacht

5

Schwarzwald: Freie Fahrt
mit dem KONUS-Ticket

14

Geprügelte Polizei

2

Idealisten mit Gewissen
und Mut

Kultur, Kunst und
Wissenschaft
8

Wenn abends wieder viele
Fenster leuchtselig den
Weg weisen …

8

Berliner Orte
Marzahn-Hellersdorf
schwebt auf der IGAWolke sieben

10

WAS

SIE

ERWARTET

Die neue Ausgabe des Senioren-Magazins „Spätlese” ist
online unter: www.magazinspätlese.net verfügbar.
Die Leserinnen und Leser
können sich auf interessante
und lesenswerte Themen,
insbesondere auch zur
Herbst- und Weihnachtszeit
freuen. Die ehrenamtlichen
Autoren haben sich auch in
dieser Ausgabe bemüht, für
jeden Geschmack etwas
anzubieten.

Sport? Nee, null Bock.

22

Der kleine Frechdachs

22

Vermischtes

Gesundheit

Der Martinstag

Fürchte Dich

17

Freitag der 13.- Frau Gläubig macht sich Gedanken

23

Was alles so im Flugzeug
vergessen wird

25

Bis zum 15. November
eigene Tipps gefragt - Lust
zum Mitmachen?

25

Kurzgeschichten und
Gedichte
Herbstgeflüster

17

Herbstgedanken

19

Guter Rat

19

Herbstspaziergang

20

Horizonte

21

IN

DIESER

AUSGABE?

Barbara Ludwig beleuchtet
das Kapitel Sport und berichtet über Bredley Manning. Christa-Dorit Pohle hat
eine Kremserfahrt gemacht
und war in Laboe. Ursula A.
Kolbe berichtet über die IFA,
die IGA und die EGA, war im
Wurstkino und im Schwarzwald. Waltraud Käß schreibt
über den Freitag den 13.
und flüstert über den Herbst.
Rudolf Winterfeldt beschäftigt sich mit unserer Polizei
und mit dem Martinstag.

Verschiedene Autoren berichten über den Herbst,
über ihre Kinder und schauen zum Horizont.

Redaktion Spätlese

www.magazin-spätlese.net

Seite 2

SPÄTLESE
THEMA:

POLITIK,

GEPRÜGELTE

WIRTSCHAFT

UND

SOZIALES

POLIZEI

von Rudolf Winterfeldt
Wenn es in Gesprächen um die Polizei
geht, dann hat jeder
seine eigene Meinung dazu. Selten
wohlwollend, meistens abwertend. Mit
Rudolf Winterfeldt der Polizei wollen
die meisten Menschen nichts zu tun haben. Da
stellt sich mir die Frage: Warum ist
das so? Wer ist schuld daran?
Schauen wir uns einmal an, wie
sich die Polizei bis heute entwickelt hat. In Deutschland taucht
der Begriff „Polizey“ erstmals 1476
in Würzburg auf. Darunter wurde
die gesamte Staatsverwaltung
verstanden. Im 17. / 18. Jahrhundert erfolgte eine Teilung der Aufgabenbereiche in Sicherheitspolizei und Wohlfahrtspolizei.
Die Sicherheitspolizei war für die
Ordnungsbewahrung und die
Wohlfahrtspolizei für das Gemeinwohl der Bürger zuständig. Immer
war also die Polizei das
„Ausführende Organ der Staatsmacht“, also die Exekutive. Entsprechend wurde sie auch vom
Staat bezahlt und geschützt.
Seitdem aber sind Jahrhunderte
vergangen und die gesellschaftlichen Verhältnisse und damit die
Staatsformen haben sich geändert. Zwangsläufig änderten sich
auch die Strukturen und Aufgaben
der Polizei. Geblieben ist aber,
dass die Polizei verantwortlich ist
für die Gewährleistung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit, der
Verfolgung von Straftaten und
Ordnungswidrigkeiten und die dazu notwendigen Ermittlungen sowie dem Schutz der privaten
Rechte.
Die heutige Vollzugspolizei hat die
gleichen Aufgaben und ist sichtlich
bemüht, diesen auch nachzukommen. Ist sie dazu aber auch in der
Lage? Erschafft der Staat, also die
Legislative, die notwendigen Ge-

setze und Voraussetzungen?
Wie schützt der Staat seine Polizei? Nach meiner Überzeugung
ist da vieles im Argen. Die personelle Stärke in den Direktionen in Berlin ist völlig unzureichend. Ebenso sieht es in den
Präsidien der Länder aus. Eine
„bürgernahe“ Arbeit, eine ausreichende Präsenz in der Öffentlichkeit ist nicht zu sichern. Es
bleibt bei der Verfolgung von
Straftaten und Ordnungswidrigkeiten. Wann bekommt also der
Bürger einen Polizisten zu Gesicht? Nur wenn er im Straßenverkehr kontrolliert wird oder
sich sonst gesetzwidrig verhalten hat. Der „gute“ Bürger hat
kaum Kontakt mit der Polizei.
Da nützt auch die moderne
technische Ausrüstung nichts.
Die Menschen haben nicht vorrangig das Gefühl der Verbundenheit mit der Polizei.
Auch ein anderer Aspekt spielt
noch eine große Rolle. Ich meine die Gewaltbereitschaft bei
einer ganzen Reihe von Menschen hat enorm zugenommen.
Die Ursache liegt, nach meiner
Meinung, in unzureichender
Konsequenz bei derartigen Vergehen. Schlechte Kindheit, zerrütte Familienverhältnisse und
vieles mehr geben dieser Tendenz Vorschub. Der Staat ist
unfähig, oder traut sich nicht,
nachhaltig durchzugreifen und
die bestehenden Gesetze auch
durchzusetzen. Die Polizisten
stehen aber vor Entscheidungen, die sie in kürzester Zeit
treffen müssen und sind sich
nicht sicher, ob das auch Wirkung hat. Ja, es geht soweit,
dass Polizisten zunehmend angegriffen und verletzt werden.
Dann werden sie auch noch allein gelassen und müssen sich
sogar noch verantworten oder
sich rechtfertigen. Bei tätlichen

Foto: Fion Große / pixelio.de

Angriffen auf Polizisten darf es
kein Pardon geben.
In den USA traut sich das kein
Bürger. Aber es gibt noch eine
andere Seite, die dazu führt,
dass die Polizei nicht den notwendigen Respekt bekommt.
Ich meine die Großeinsätze,
wo hunderte bis tausende Polizisten eingesetzt sind um Demonstrationen zu sichern oder
Ausschreitungen bei Fußballspielen zu verhindern. Aber
was passiert dann wirklich?
Es kommt zur Konfrontation
und die Gewaltbereitschaft auf
der einen Seite und die Aufgabe der Sicherheit auf der anderen Seite, begegnen sich.
Es ist nun die Frage: Wer verprügelt wen? Im vergangenen
Jahr wurden in Deutschland
ca. 60.300 Polizisten im Dienst
angegriffen und verletzt.
Allein in Berlin waren es über
3.000 Angriffe. Da ist die Antwort auf die Frage doch nicht
schwer.
Bei solchen Informationen ist
doch nicht verwunderlich,
wenn bei vielen Menschen die
Meinung herrscht, dass unsere
Polizei uns nicht richtig beschützen kann. Lenin sagte in
Bezug zur Polizei: „Jeder Staat
hat die Polizei, die er verdient“
und zur Frag der Durchsetzung
von Gesetzen und der angedrohten Strafe: „Jede Strafe ist
nur dann wirksam, wenn sie
unausbleiblich ist“.
Aber in Hellerdorf ist das nicht
so, da kann man in Helle Mitte
auf der Stendaler Str. unge-

Seite 3

www.magazin-spätlese.net

straft im Parkverbot und sogar
vor dem „CineStar“ im Halteverbot parken. Da rechnet keiner
mit einer Strafe, da kontrolliert
doch sowieso keiner, ist die Meinung. Allerdings ist dafür die Polizei nicht zuständig. Es geht mir
nur um das Problem der KontrolTHEMA:

POLITIK,

IDEALISTEN

MIT

le und Durchsetzung. Sollte
man da aber nicht trotzdem etwas ändern? Oder ist dafür
kein Geld vorhanden? Ich glaube, da gibt es noch viel zu tun.
Liebe Leserinnen und Leser,
denken Sie einmal über dieses
Thema nach, verhalten Sie sich

WIRTSCHAFT

GEWISSEN

UND

UND

vorbildlich, auch gegenüber
unseren Kindern und sehen
Sie den Polizisten einmal mit
anderen Augen an. Er hat
wirklich keine leichte Aufgabe
zu lösen.

SOZIALES

MUT

von Barbara Ludwig

Foto: Alexandra Bucurescu / pixelio.de

Wir erinnern uns mit Betroffenheit an den jungen US- Amerikaner Bradley Manning, der die
Wahrheit über die entsetzlichen
Kriegsverbrechen seines Landes
der ganzen Welt anzeigte. Die
Bilder im Fernsehen haben wir
noch vor Augen, die aus Bagdad, wo aus einem Hubschrauber heraus mit schweren Waffen
unschuldige, nicht am Krieg beteiligte Menschen, dabei sogar
Kinder, gezielt getötet wurden.
Bei diesem Angriff, den Manning
auf einem Video sah, „sei ihm
der Schütze vorgekommen, wie
ein Kind, das unter einem Vergrößerungsglas Ameisen quält“.
Andere Soldaten hätten die Toten als „tote Bastards“ beschimpft. Unter diesem Geschehen litt Manning. Deshalb und
weil ihm Depressionen plagten,
entschied er sich, dieses Video
und viele weitere äußerst brisante geheime Militärdokumente der
Internetplattform Wikileaks zu
übermitteln. So soll er vom Irak
aus, wo er stationiert war, hun-

derttausende Dokumente von
Militärrechnern heruntergeladen und ebenfalls an Wikileaks
übersandt haben. Es war sein
Anliegen, die Weltöffentlichkeit
von den Verbrechen unterrichtet zu wissen, verteidigte er
sich vor dem Militärgericht. Er
hat die Welt aufgerüttelt, ihr
schonungslos die Wahrheit
über die Kriegsverbrechen und
deren Vertuschung aufgezeigt.
Er habe sich wohl des Geheimnisverrats schuldig gemacht,
gestand er vor Gericht, aber
„nicht dem Feind geholfen“. Er
habe „eine Debatte in unserem
Land“ über die Kriegseinsätze
im Irak und in Afghanistan gewollt und bereue keineswegs
seine Taten.
Bradley Manning wurde zu 35
Jahren Haft verurteilt. Der Prozess sei nicht fair verlaufen,
vermeldeten die Medien, weil
nicht alle am Verfahren Beteiligten die erforderlichen Dokumente erhalten hätten. Der Regierung sei es um Abschreckung
gegen
andere
Whistleblower (Informant geheimer Sachen) gegangen. Dafür
muss Manning nun herhalten.
Er wurde als schuldig abgeurteilt. Wer noch? Diese Antwort
bleibt man schuldig.
Sie beginnt bei den Verantwortlichen, die die Nachlässigkeit in
der US-Armee hinsichtlich des
Umgangs mit geheimen Dokumenten nicht bemerkten, so
dass jeder Soldat, der einen

intelligenten
Kopf für die
Computerwelt
besitzt, an diese äußerst geheimen Doku- Barbara Ludwig
mente gelangen konnte und endet bei denen, die mit Willkür über Mord,
Totschlag, Folter, Missbrauch,
Verschwörungen entscheiden.
Aufgrund des Manning-Urteils
hat Edward Snowden, der die
Öffentlichkeit über den massiven Überwachungsapparat
informierte, absolut keinen
Grund mehr in die USA zurückzukehren. Er wird in Russland bleiben, solange ihm Asyl
gewährt wird. Der australische
Wikileaksgründer, Julian Assange, enthüllte brisantes Material über den Machtmissbrauch der USA, deshalb
droht auch ihm die Auslieferung. Er flüchtete in die ecuadorianische Botschaft in London, wo er politisches Asyl
beantragte. Der Ausgang ist
ungewiss.
Drei Menschen ließen sich
von ihrem Gewissen leiten,
wagen dafür ihr Leben, um der
Welt die Augen zu öffnen. Helden sind sie im wahrsten Sinne des Wortes und unsere
Freunde. Wohl wissend, dass
die Machthaber entscheiden,
wer Held oder Verräter,
Freund oder Feind ist.
Quellen: ND v. 24.8.13,
2.3.13, der Freitag v. 27.6.13

Seite 4

SPÄTLESE
THEMA:

ERST

POLITIK,

INS

WIRTSCHAFT

WURSTKINO,

DANN

UND

IN

SOZIALES

DEN

SPECKHIMMEL

von Ursula A. Kolbe
Ja, das klingt verlockend, und die Erwartungen
sind
hoch, die hier in der
Sonnberg Biofleisch
GmbH
geweckt
werden. Der Name
Sonnberg in UnterUrsula A.Kolbe
weißenbach, herrlich gelegen in der österreichischen
Region Mühlviertler Alm, steht für
Bio-Wursterzeugung pur. Nachvollzieh- und nacherlebbar. Denn Firmenchef Manfred Huber, einst Eisenbahner und Bio-Bauer im Nebenerwerb, hat sich der Idee verschrieben, dass Bio glaubwürdig,
Philosophie und Genuss sein soll,
eben schmecken „muass“.
Und wenn er sagt: „Bio-Region ist
für mich Lebensregion – wir müssen mit dem Verstand und mit dem
Herzen bei den Bauern, den Tieren
und bei den Menschen sein“,
schließt er seine gesamte Region
im Nordosten Oberösterreichs, abseits der großen Ballungszentren
mit ein, wo die Ruhe und Gelassenheit der Landschaft in den Menschen ruht, wo sich die Hügel und
Täler mit Wäldern, Wiesen,
Äckern, Bächen und Naturteichen
abwechseln, wo die Bewohner heiter und gelassen leben –
„Zsammenhalten“ heißt das Geheimnis der Einheimischen. Wie all
die Jahrhunderte zuvor. Um nun
seine Mitmenschen an 100prozentiger Bio-Fleisch- und Wursterzeugung teilhaben zu lassen, hatte der
überzeugte Bio-Pionier Huber auch
die Idee mit dem „Wurstkino“ und
dem „Speckhimmel“. In diese Welt
lädt dazu nun seit 2011 der moderne Schaubetrieb „Sonnberg Biowurst Erlebnis“ ein. Er ist inzwischen längst ein beliebtes Ausflugsziel geworden. Mit Spannung
bin ich in das „Wurstkino“ gegangen, wo mir, anschaulich und interessant gefilmt, Antwort auf Fragen wie zur artgerechten Tierhal-

tung, den Unterschied zur herkömmlichen Bewirtschaftung
und wie die Bauern hier leben
und arbeiten gegeben wurde.
Der Film zeigt den respektvollen Umgang mit Tieren und
Umwelt, er hilft anschaulich,
das eigene Bewusstsein für
den Wert biologisch und regional hergestellter Lebensmittel
zu stärken, die Arbeit der in
der Region Tätigen zu würdigen. Nur durch Glas getrennt,
konnte ich Einblick in das Gewürzlager nehmen, in die Kutterei, Füllerei und Selcherei
schauen, erhielt dazu per
Knopfdruck auch die passenden Informationen. Aber das
Highlight, das besonders Beeindruckende
ist
der
„Speckhimmel“. Hier duftet es
verlockend, wo zwischen
dunklem Granit und leuchtenden Sternen die prächtigen
Speckseiten reifen. Es ist ein
Genuss, die Scheiben, hauchzart geschnitten, dann auch zu
verkosten. Anschließend lädt,
wer will, das Kuhglockenrondell“ im gemütlichen Ambiente
zu einer Jause ein, kann natürlich auch eingekauft werden. Am liebsten, so erfuhr
ich, wird die Bio-Salami geordert, gefolgt von Bio-Käswurst
und Bio-Schinken. Meine erste
Wahl fiel auf den gekürten
„Speckkaiser“, die höchste
Produktauszeichnung auf der
alljährlichen Ab-Hof-Messe in
Wieselburg. Geschäftsführer
Manfred Huber und sein rund
50köpfiges Team sind ebenso
stolz darauf, dass ihr Betrieb
als erster Fleisch- und Wurstproduzent in Österreich mit
dem
Green
BrandtsGütesiegel ausgezeichnet
wurde. Große Aufmerksamkeit
schenkt Huber auch den Kindern. Er will ihnen noch stär-

Foto: Hans-Jürgen Kolbe

ker als bisher die Ethik gesund und nachhaltig erzeugter Lebensmittel näher bringen. Kinder- und Schulgruppen sind eingeladen, das
Thema Bio im Original-TipiZelt beim Würstlkochen und
mit spannenden Geschichten, Indianerspielen und Liedern nachzuvollzi ehen.
DIE
WAHRHEIT
LIEGT
AUF
DEM
TELLER
Die Sonnberger Erfolgsgeschichte begann 2003 in Unterweißenbach/Markt 168 mit
der
Übernahme
des
Schlachthofes Fürst, einer
der ersten EU-zertifizierten
Schlachthöfe Oberösterreichs. Auf dem weiteren
Standort Sonnbergstraße 1
mit Wurstverarbeitung und
Schaubetrieb richteten die
beiden Firmengründer Manfred Huber und Wolfgang
Fürst ihre Direktvermarktungsinitiativen dann auf die
Zukunft aus. Natürlich Bio mit
dem Credo: Die Wahrheit
liegt auf dem Teller. Weil gesunde Lebensmittel nur aus
einer reinen, intakten Natur
von kerngesunden, frei lebenden Tieren kommen. Es
ist unbestritten, dass Österreich gemessen am Anteil
der Anbaufläche für biologische Produkte das Bioland

Seite 5

www.magazin-spätlese.net

THEMA:

DER

POLITIK,

IFA-BLICK

Tischler gelernt, hat er seine weitere Ausbildung zum Stein- und
Holzbildhauer bei Veritas in Linz
absolviert und verwirklicht auch
heute noch als Pensionär in Familientradition mit wunderschönen figuralen Farbschnitzereien
und Restaurationen seinen Lebensinhalt. Aus Hobby sei Beruf
und Berufung geworden. Ein
Spruch in seiner Werkstatt verkündet: “Bildhauer, ein Künstler,
der mit dem, was er wegnimmt,
den Rest wertvoller macht.“ Beim
Besuch zeigt er auch eine 1,80
Meter hohe Baumkrippe, die
wohl mancher gern sein Eigen
nennen würde. Ein sprichwörtliches Beispiel. Manfred Huber
prägte den Satz “Wege entstehen, indem wir sie gehen.“ Der
Leitspruch des Tourismusverbandes heißt: “Tu was, dann tut
sich was!“ Der bisher zurück gelegte Weg verkörpert sichtbar
bereits umgesetzte Visionen der
Mühlviertler Bewohner.

und touristische Entwicklung der
Region beförderten, die Meilensteine setzten. So das Radwegenetz, die bäuerlichen Kooperationsprojekte, die Eröffnung des
Jagdmärchenparks, der Johannesweg, die Sozialprojekte
„Chiron“ und „Lebensqualität im
Alter“. Die regionale Agenda 21
wird auch weiterhin die Geschicke in der facettenreichen und
hügeligen Landschaft der Region
beflügeln. Neugierig geworden?
Dann bleiben Sie einfach ein
paar Tage in der Region Mühlviertler Alm. Im Unterweißenbacher Hotel Fürst habe ich wahrlich fürstlich gespeist und mein
Haupt gebettet, wie schon mancher festgestellt hat. Anregungen
für den Aufenthalt und KennlernTipps für die Region gibt es nur
ein paar Schritte weiter in der
Tourismus-Information Mühlviertler Alm. So lernte ich auch den
Holzbildhauer Felix Weiß in seinem Heimatort Liebenau kennen.

Nr. 1 in Europa ist. Mehr als
20.000 Landwirtschaftsbetriebe arbeiten bereits biologisch. Jeder fünfte Hektar
wird nach biologischen Richtlinien bewirtschaftet. Heute
betreibt das Unternehmen
fünf Fachgeschäfte in Wien,
eines in Linz, gibt es Fleisch
und Wurstwaren mit dem
Sonnberger Bio-Siegel auch
in Italien und Deutschland.
Schwerpunkt aber ist und
bleibt die regionale Nahversorgung. Die Sonnberg Biofleisch GmbH lebt eine Lebensweisheit, die schmeckt.
„Wege entstehen, indem wir
sie gehen“, sagt Manfred Huber. Und er gehört dabei
auch zu den Vorreitern, die
den Tourismusverband Mühlviertler Alm auf den Weg
brachten und jetzt bei der 20Jahr-Feier im Juli stolz auf
Initiativen und Projekte sein
konnte, die die wirtschaftliche

WIRTSCHAFT

AUF

DIE

UND

BEST

SOZIALES

AGER

ALS

EINE

MARKTMACHT

von Ursula A. Kolbe
Die Tage der Internationalen
Funkausstellung 2013 in den
Messehallen unter dem Berliner Funkturm sind Geschichte. Aber ihre Impulse für die
Märkte schlagen kraftvoll,
orderte der Elektronikhandel
Waren für die Rekordsumme
von knapp vier Mrd. Euro.
Hier auf der IFA, dem bedeutendsten Platz für Handel und
Industrie im Vorfeld des
Weihnachtsgeschäfts, der
wichtigsten Handels-Saison
des Jahres. Sie ist die globale Nummer 1 in diesem Metier. gfu-Aufsichtsratsvorsitzender Hans-Joachim
Kramp hat diese weltgrößte
Messe als Taktgeber für globale Innovationen aus der
Welt der Consumer Electronics und Hausgeräte bezeichnet, zugleich das 40jäh-

rige Jubiläum der Gesellschaft für
Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik (gfu) im Blick. Dies
seien vier erfolgreiche Jahrzehnte im Dienst der Branche, sie
stelle die Weichen für die neue,
vernetzte Zukunft. Das Zauberwort heißt Smarts, so nennt die
Industrie all die Geräte, die sich
vernetzen lassen. Smart TVs mit
immer neuen Möglichkeiten, Ultra
HD-Auflösung für überwältigende
Bildschärfen, neue Begriffe wie
„Smart Devices“, smarte Uhren
und Waschmaschinen. Es fällt
schon schwer, bei all dem den
Überblick zu behalten. Nachhaltig, innovativ, smart, exzellentes
Design, das trifft für die Trends
der Hausgeräte zu. Und die Feststellung von ZVEI-Vorstand Dr.
Reinhardt Zinkann, dass sich
nach sieben Jahren die Weiße
Ware auf der IFA mehr als etab-

liert habe. Die Energieeffizienz
der Geräte sei derzeit der absolute Megatrend. Eine gewichtige
Aussage, denn wenn ich die Zahl
richtig im Kopf habe, entfallen 50
Prozent des privaten Stromverbrauchs auf die Haushaltsgeräte. Mit atemberaubendem
Tempo hält die Vernetzung Einzug in nahezu alle Produktbereiche, verändert den Alltag von
Grund auf – und die Einstellungen der Verbraucher. Es geht
um Bedienungskomfort und Ergonomie, um die Sicherheit der
Geräte, z. B. nicht ausgeschaltete Herde. Hier rücken zunehmend die Induktionskochfelder
ins Bild. Sie „denken“ mit und
übertragen die Wärme nur, wenn
der dafür taugliche Topf darauf
steht. Praktisch sind die EinbauBacköfen auf Augenhöhe, aber
auch die Größe und Manövrierfä-

SPÄTLESE
higkeit bei Bodenpflegegeräten,
keine störenden Kabel. Industrie und Handel kommen auch
an einem Fakt nicht vorbei: An
der Marktmacht der Best Ager,
der Generation 50plus. Deren
Konsum-Anteil liegt heute bereits bei knapp 50 Prozent, und
er nimmt, demografisch bedingt, ständig zu. Laut einer Ministeriumsstudie „Wirtschaftsmotor Alter“ würden im Jahre
2035 die über 50jährigen schon
58 Prozent der Konsumausgaben bestreiten. Die nunmehr
zweite Auflage der Führungen
unter dem Motto „Reif für die
IFA – Guide Tour 60+“ fand
wiederum große Resonanz und
bestätigte meinen Eindruck vom
vergangenen Jahr,
mit zielgruppengerechter Ansprache,
wie es so schön heißt, auch
hier Geschmack auf Technik zu
wecken.
Generationenübergreifende
Kommunikation
Ja, die Menschen werden immer älter, aber auch länger
jung. Fakt ist ebenso auch der
sich wandelnde Lebensstil der
Familien hierzulande mit oft
weiträumigen Entfernungen
voneinander. Dadurch findet
zwangsläufig der soziale Kontakt immer mehr über Medien
statt. Die Bedürfnisse nach Verbundenheit, Sicherheit und
Kommunikation wachsen. In
Deutschland leben knapp 82
Millionen Menschen. Davon gehören schon 47 Millionen zur
Generation 55+. Und von diesen wiederum besitzen rund 26
Millionen mobile Endgeräte.
Eine Firma, die das in ihrem
besonderen Fokus hat, ist der
österreichische Hersteller emporia, inzwischen Marktführer in
Deutschland. Bereits seit 1991
entwickelt er Handys für die
Best Ager. Was hier als Nischenmarkt begann, erlebt jetzt
durch die Altersentwicklung ein
rasantes Wachstum. Seit mehr
als 20 Jahren steht emporia für

einfache Kommunikation.
Das hört sich im ersten
Moment wohl komisch
an, heißt aber für die Firma, mit neuen Geräten
vor allem für die Nutzer
da zu sein, die sich nach
Alternativlösungen in einer immer komplexer
und technologischer werdenden Welt umsehen.
So stellten sie in diesem
Jahr neben den neuesten Mobiltelefonen erstmals auch ihren perfekt abgestimmten Services vor – die Generationen nicht nur verbinden,
sondern unterstützen. Sprich einfache Mobiltelefone mit optimalen
Zusatzdiensten und zielgruppengerechter Ansprache. Natürlich
lenkte auch ich wieder meine
Schritte in Halle 9 zum emporia Stand, begrüßte inzwischen nun
schon bekannte Gesichter. Was
dann durchaus eigene Befangenheit nimmt, sich neue Horizonte
eröffnen und erweitern zu lassen.
Stand voriges Jahr das neu entwickelte emporiaclick - Seniorenhandy, übrigens das erste emporia - Handy mit eingebauter Kamera, im Blick, der Hingucker und
Handschmeichler, der Kleine mit
den großen Tasten, wurde dieses
Jahr erstmals live das neue smarte Designhandy emporiaCONNECT sowie die neue Service
App
emporiaME vorgestellt.
Das Telefonbuch pflegen, Kalendereinträge aktualisieren, Geburtstage und Arztbesuche planen oder den Akkustand prüfen,
ist eigentlich nichts Besonderes.
Doch wenn es von auch von unterwegs mit einem iPhone oder
Android - Modell gemacht werden
kann, etwa auf dem der Mutter
oder Großmutter, dann sicher
schon. Die App emporiaME baut
eine smarte Brücke zwischen
dem emporiaCONNECT und gängigen Smartphones. Unter einem
Dach werden hier nicht nur Generationen, sondern auch Nutzer
unterschiedlichster moderner
Endgeräte miteinander verbun-

Seite 6

Foto: Messe Berlin

den. In tollem Design und mit
allen Vorzügen intuitiver Bedienbarkeit. Ausführlich alles
aus dem Hause emporia Telecom, die ihre Handys selbst
entwickelt, produziert und
vertreibt,
unter
www.emporia.de.
Nur soviel noch: Im Angebot
auch die Marke Telme C155,
ein eher einfach gehaltenes
und dafür besonders preisgünstiges Seniorenhandy
(rund 60 Euro). Die wichtigsten Funktionen neben Telefonieren und SMS sind die eingebaute Kamera und ein
UKW-Radio. Außerdem verfügt das C155 über eine Notruftaste, die nacheinander
vier festgelegte Rufnummern
anwählt. Es gibt eine Freisprechfunktion, Taschenlampe, Wecker, Kalender, Taschenrechner.
Wie werden wir in Zukunft
fernsehen?
Das Verschmelzen von Fernsehen und Internet ist doch
längst Realität. Dank moderner Technologien können wir
an „Smart TVs“ Webinhalte
abrufen oder uns auf dem
Smartphone Fernsehsendungen ansehen. Auch das parallele Nutzen verschiedener
Bewegtbildmedien nimmt zu.
Auch wenn wir das Fernsehen mittlerweile in unsere
Hosentasche gesteckt haben
– nach wie vor noch die

SPÄTLESE
meiste Zeit verbringen wir vor
dem klassischen TV-Gerät.
Laut ARD/ZDF-Onlinestudie
2012 sitzen wir täglich über
vier Stunden vor der Flimmerkiste. Im Internet surfen rangiert mit knapp eineinhalb
Stunden erst auf dem dritten
Rang, noch hinter Radio hören. Doch das ist nur die eine
Seite. Die beiden Welten
Fernsehen und Internet verschmelzen zusehends. Lt.
Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation
und neue Medien (BITKOM)
werden 2013 nur noch 16
Prozent der verkauften Bildschirme TV-Geräte sein.
Smartphones kommen dagegen auf 56 und Tablets auf 15
Prozent. BITKOM -Bereichsleiter Michael Schidlack:
„Mittlerweile hat fast jeder dritte Deutsche mit seinem Fernseher Zugang zum Internet.
Viele verbinden ihren Flachbildschirm direkt mit dem Internet, andere nutzen SetTop-Boxen, Blu-ray-Player
oder ihre Spielkonsole, um
sich online Inhalte auf den
Fernseher zu holen.“ Fraunhofer-Forscher zeigten auf der
IFA TecWatch - Halle 11.1
neue Technologien für das
Fernsehen der Zukunft. Darunter ein TV-Portal, das es
Nutzern ermöglicht, Webinhalte einfach und komfortabel
über DVB - fähige Fernsehgeräte abzurufen. „Das Angebot
wird auf dem Fernseher als
regulärer Kanal angezeigt und
ist einfach über den Sendersuchlauf zu finden. Mittlerweile ist es in zehn verschiedenen Ballungsräumen kostenlos abrufbar“, präzisiert Sven
Eckoldt vom FraunhoferPartner MEDIA BROADCAST. Außerdem präsentierten die Wissenschaftler, wie
sich Inhalte zwischen verschiedenen Endgeräten noch
einfacher austauschen lassen
und gaben einen Vorge-

schmack darauf, wozu Parallelnutzung von TV und Web fähig
ist. Siehe auch
www.fokus.fraunhofer.de,
www.hhi.fraunhofer.de.
75 Jahre Qualität „Made in
Germany“
Eines der traditionsreichsten
Unternehmen der deutschen
Elektronik-Geschichte ist die
mittelständische
Firma Metz,
unabhängig und erfolgreich seit
nunmehr 75 Jahren, heute mit
weltweiter Bedeutung auf den
drei Geschäftsfeldern Unterhaltungs-Elektronik, FotoElektronik und Kunststofftechnik. Zahlreiche Innovationen
prägen Vergangenheit wie Gegenwart und schaffen ein viel
versprechendes Potential für die
Zukunft am inhabergeführten
Unternehmen mit Entwicklung
und Produktion am Zirndorfer
Standort von Anbeginn. Dies
garantiere einen gleichbleibend
hohen Qualitätsstandard „Made
in Germany“. Die 89jährige Inhaberin Helene Metz war sich
auf der IFA-Pressekonferenz
anlässlich des 75jährigen Firmen-Jubiläums ganz sicher,
dass das nächste Jubiläum der
100. Geburtstag sein werde.
Dafür stehen die 586 Mitarbeiter mit ihrer tagtäglich qualitätsgerechten Arbeit und ständig
neuen Innovationen ein. Stichwort Metz Blitzgeräte an Kameras aller gängigen Hersteller mit
einem Export in über 90 Länder
der Welt. Die neuesten Erfolgsmodelle wurden als „beste Blitzgeräte“ mit verschiedenen
Awards ausgezeichnet. Sie wurden als erste Blitzgeräte der
Welt mit USB -Schnittstelle ausgezeichnet. www.metz.de.
Küche schlägt Auto
Siemens Electrogeräte GmbH
wollte in einer Umfrage wissen,
ob der deutsche Verbraucher
sein Geld lieber für das Auto
oder die Küche ausgeben wolle,
und erfuhr, dass überwiegend

Seite 7
die Waage zur Küche neigte.
Die Firma präsentierte Hausgeräte, die mit komplexer Technologie ausgestattet, aber generationsübergreifend einfach zu bedienen sind, stellte Geschäftsführer Roland Hagenbucher heraus. Induktionsherde der Vario Serie, samt Energieverbrauchsanzeige, bieten 14 Prozent mehr
Kochfläche, die sich schnell nur
unter den Kochutensilien aufheizt. Die Speedmatic Geschirrspüler sind mit Hochgeschwindigkeits-Programmen ausgestattet, die 66 Prozent schneller als
herkömmliche Geräte spülen.
Mit Vakuumtechnologie arbeiten
die
neuen
SiemensKühlschränke, so dass empfindliche Lebensmittel bei fast null
Grad und reduzierter Luftzufuhr
länger frisch bleiben. „Waschen
zum halben Preis“ nennt es Hagenbucher, wenn man mit den
„A+++ -50 Prozent Waschmaschinen“ wäscht. www.siemenshome.de.
Gesundheitsmanagement
mobil
Im Rahmen der Linie Beurer
connect world stellte der innovationsreiche Ulmer Spezialist für
Gesundheit und Wohlbefinden
zwei neue Produkte vor, die per
Bluetooth ®smart schnell, sicher
und komfortabel die gemessenen Werte an die HealthManager App übertragen. Die Diagnosewaage BF800 ermittelt z. B.
neben Gewicht und BMI-Wert
auch zahlreiche weitere Gesundheitswerte. Das Blutdruckmessgerät BM85 bietet ein außergewöhnliches Design sowie
höchste Präzision und Messgenauigkeit. Beide Geräte können
die gemessenen Daten via Bluetooth®smart auf die kostenlose
HealthManager App übertragen,
so dass sich die Werte bequem
auf dem Smartphone darstellen
lassen. Die Daten lassen sich
auch auf die globale Website
HealthManager Web übertragen
und an die Software HealthMa-

Seite 8

www.magazin-spätlese.net

nager PC weiter leiten. Infos unter
www.beurer-medical.com
www.beurer.com .

bzw.

THEMA:

KUNST

DER

KULTUR,

Die ganze IFA-Welt in diesen
wenigen Zeilen auch nur annähernd zu beschreiben, ist schier
unmöglich. Man muss sie selbst
erleben. Die nächste IFA 2014
UND

findet vom 5. bis 10. September 2014 statt. Mit neuen Innovationen und Produkten für die
Märkte von heute und morgen

WISSENSCHAFT

MARTINSTAG

von Rudolf Winterfeldt
Am 11. November einen jeden
Jahres begehen wir den Martinstag. Dieser Tag wird zu Ehren des "Heiligen Martin" begangen und geht zurück bis ins 3.
Jahrhundert unserer Zeitrechnung. Martin von Tours, so sein
vollständiger Name, wurde im 3.
Jahrhundert in dem Gebiet des
heutigen Ungarn geboren. Sein
Vater war Offizier und diente in
Oberitalien, wo Martin auch aufwuchs. Wie es auch heute noch
oft üblich ist, wurde auch der
Sohn genötigt, in den Militärdienst zu treten. Aber er wurde
kein wirklich guter Soldat bzw.
Ritter. Sicherlich war er dazu
nicht hart genug. Überliefert ist
die Legende, dass er als Ritter
seinen Mantel mit seinem
Schwert teilte und die eine Hälfte
einem nackten Obdachlosen
überließ. Da ihm in der Nacht
darauf Jesus erschien und sich
bei ihm für diese Tat bedankte,
wurde er gläubig. Er verweigerte
den weiteren Militärdienst und
baute ein Kloster auf. Seine reliTHEMA:

KULTUR,

KUNST

giöse Tätigkeit führte
dazu, dass man ihn
zum Bischof weihen
wollte. Er selbst aber
fühlte sich aber für diese Funktion nicht geeignet und versteckte sich
in einem Gänsestall.
Die Gänse verrieten ihn
aber durch ihr Geschnatter. Daher ist
auch die Gans mit ihm
in Verbindung gebracht
worden. So kommt es
auch, dass noch heute am 11.
November das "Martingansessen" in vielen Regionen
Tradition ist. In der Folge wurden dem Sankt Martin "Wunder"
zugerechnet und er wurde für
die Menschen ein Heiliger. Sein
Leichnam wurde mit einem Lichterzug zur Beisetzung gebracht.
Daraus resultiert auch die Tradition, zum Martinstag mit den
Kindern ein Laternenfest zu begehen. Sankt Martin wird vor
allem im Frankenland verehrt
und ist Schutzpatron in FrankUND

Foto: Dieter Schütz / pixelio.de

reich und der Slowakei. Auch
ist er Schutzpatron vieler
Städte, der Armen und Bettler
sowie der Reiter, um nur Beispiele zu nennen. In vielen
Städten stehen deshalb auch
Statuen des St. Martin. Wenn
sie, liebe Leserinnen und Leser also am 11. November mit
unseren Kindern zum Laternenumzug gehen, dann denken Sie daran, wie alles einmal begann.

WISSENSCHAFT

WENN ABENDS WIEDER
W E I S E N … von Ursula A. Kolbe

VIELE

FENSTER

LEUCHTSELIG

Es lässt sich nicht verleugnen,
die Advents- und Weihnachtszeit
naht. Und ich freue mich schon
auf die dann erleuchteten, heimelige Wärme ausstrahlenden
Fenster mit den Schwibbögen
darin, habe die weihnachtlich
geschmückten Wohnstuben mit
den typischen Pyramiden, Räuchermännchen, Nussknackern
und schließlich liebevoll dekorier-

ten Weihnachtsbäumen vor Augen. All diese Dekorationen, die
alten Traditionen eben, leben
von Generation zu Generation
weiter. Viele dieser Wurzeln liegen im Erzgebirge. Gerade zu
typisch sind die Schwibbögen.
Sie verkörpern symbolisch den
Himmelsbogen mit den Motiven
Sonne, Mond und Sterne. Und
obwohl diese bis weit ins 20.

DEN

WEG

Jahrhundert meist aus Metall
gefertigt wurden, ist heute
Holz der verbreitetste Werkstoff. Die auf dem Bogen aufgesetzten Lichter waren früher
Ausdruck der Sehnsucht der
Bergleute nach Tageslicht.
Das bekamen sie ja in den
Wintermonaten oft über Wochen nicht zu Gesicht, wenn
sie abends nach langen

Seite 9
Schichten den Heimweg antraten. Der älteste bekannte
Schwibbogen – datiert auf das
Jahr 1740 – entstand in Johanngeorgenstadt. Und das
Schwarzenberger Exemplar
vom hiesigen Fabrikanten
Friedrich Emil Krauß aus dem
Jahre 1937 zählt noch heute zu
den bekanntesten Ausführungen.
Motive aus dem Alltag der
Bergleute
All die Motive spiegeln den Alltag der Bergleute und ihrer Familien wider. So zeigt eines der
bekanntesten Schöpfungen
zwei Bergleute, einen Schnitzer sowie eine Klöppnerin und
verkörpert damit drei der
Haupterwerbsquellen der erzgebirgischen Landbevölkerung
des 18. und 19. Jahrhunderts.
Weitere Varianten zeigen
christliche Motive aus der
Weihnachtsgeschichte oder
den Wald und seinen Tieren.
Der Phantasie waren keine
Grenzen gesetzt. Dass heute
zur Advents- und Weihnachtszeit die elektrisch beleuchteten
Bögen in den Fenstern, Sträuchern und Bäumen vor den
Häusern, auf den Märkten die
Regel sind, liegt in der Entwicklung unseres modernen
Lebens begründet, ist wichtig
aber auch für die Sicherheit
von Leib und Leben. Übrigens
steht seit 2009 der derzeit weltweit größte begehbare Außenschwibbogen mit seiner Höhe
von über sechs Metern, einer
Breite von 13 Metern und mit
19 Figuren verziert als Eingangstor an der Wilsdruffer
Straße auf dem in Nah und
Fern weithin bekannten Dresdner Striezelmarkt. Wie seine
große Schwester, die Stufenpyramide, wurde er in der Firma Erzgebirgische Holzkunst
Gahlenz nahe Freiberg hergestellt. Vor über 100 Jahren gegründet, ist diese heute einer
der größten Spezialanfertiger

www.magazin-spätlese.net
von Großfiguren und Pyramiden
weltweit.
Räucherwerk seit Menschengedenken
Unverzichtbar auch die berühmten Räuchermännchen. Das
Räucherwerk an sich wird ja
schon seit Menschengedenken
und in allen Religionen verwendet. Ob für rituelle Zwecke wie
dem Vertreiben böser Geister
oder heutzutage vielmehr für
eine beruhigende, stimulierende
Wirkung. Mir steigt schon der
Duft in die Nase, wenn ich nur
daran denke, an Lavendel, Jasmin, Myrrhe, Weihrauch, an
Sandelholz, Zimt oder Tannenduft. Seit 1750 ist die Herstellung von Räucherkerzen und –
kegeln im Erzgebirge historisch
verbürgt. Als „Urheber“ gilt der
Ort Crottendorf. Seine Produkte
gehören seit jeher auch in unsere Weihnachtsausstattung. Bekannt über die Region hinaus
wurde diese Tradition aber erst
mit der Verbreitung der Räuchermännchen. Die „Raachermannel“, wie sie im Erzgebirigschen liebevoll genannt werden,
ist eine Erfindung der dortigen
Spielzeugmacher und wurde
das erste Mal um 1830 erwähnt.
Hintergrund war die wirtschaftliche Lage des Bergbaus in der
zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Sie geriet in die Krise,
und die Bergleute sahen einen
Ausweg darin, ihre finanzielle
Lage durch heimische Drechselarbeiten aufzubessern. Auch
nach der wirtschaftlichen Erholung kehrten viele von ihnen
nicht wieder in die alten Berufe
zurück. Zunehmend bestimmten
das Holzdrechseln und die
Spielzeugherstellung das wirtschaftliche Leben gerade des
Seiffener Raumes. Als Motive
empfahlen sich anfangs Berufe
oder Motive des dörflichen Lebens. Die vielfältigsten Variationen lassen die schier unerschöpfliche Kreativität erahnen.

Foto: Rainer Kregovski / pixelio.de

Tradition und Gegenwart
Auf der Suche nach diesen Traditionen und der Gegenwart
heute, die uns die Advents- und
Weihnachtszeit jedes Jahr aufs
Neue den meist hektischen Alltag so anheimelnd und liebenswert macht, stieß ich auch auf
Wendt & Kühn aus Grünhainichen mit ihrer bemerkenswerten Firmengeschichte, steht sie
doch sprichwörtlich seit Jahrzehnten dafür. Im Jahre 1915
gründeten Margarete Wendt
und Margarete Kühn das Unternehmen direkt nach ihrem gemeinsam an der königlichen
Kunstgewerbe-Akademie in
Dresden abgeschlossenen Studium. Nicht nur dieser Mut fand
zu der damaligen Zeit großen
Respekt, auch ihre ersten Figuren – die Beerensammler – waren ein großer Triumph: Auf der
Leipziger Messe gewannen sie
dafür eine Goldmedaille. Diesen Erfolg wiederholten sie auf
der Pariser Weltausstellung im
Jahre 1937 und gewannen zudem den Grand Prix für die Figur „Madonna mit dem Engelberg“. Seit der Anfertigung der
heute international bekannten
Engelsfiguren im Jahre 1923
steht der Name Wendt & Kühn
für qualitativ besonders hochwertige und in Sammlerkreisen
sehr begehrte Holzkunst aus
dem Erzgebirge. Das Unternehmen hat alle Höhen und Tiefen
überwunden, Hürden und Klippen der einzelnen Zeitepochen
widerstanden, tief geprägt da-

Seite 10

SPÄTLESE
von, das Beste in ihrer traditionellen Handwerkskunst zu geben. Die Figuren aus dem Haus
Wendt & Kühn sind unverwechselbar und ihr Markenzeichen die
Grünhainicher Erzgebirge Engel
mit den charakteristischen grünen Flügeln und den elf weißen
Punkten. Ebenso die berühmten
Blumenkinder weltweit einzigartig durch ihren charakteristischen
Gesichtsausdruck.
Ich bin sicher, so manches gute
Stück a lá Erzgebirge wird die
Fenster erleuchten, die Räume
THEMA:

BERLINER

mit exotischen Düften verzaubern, auch auf Gabentischen
liegen, den Weg als Heimatund Weihnachtsgruß in andere
Länder antreten.
Abstecher in die Gläserhochburg Lauscha
Gestattet sei hier noch ein kurzer Abstecher in die thüringische Gläserhochburg Lauscha
in der Nähe von Neuhaus am
Rennsteig, den Vater aller Wanderwege. Dieser Ort gilt als eine
Wiege des Christbaumschmucks. Schon 1597 wurde

dort die erste Glashütte gegründet. Seit über 150 Jahren produziert die Farbglashütte nun schon in aufwendiger Handarbeit Farbglasröhren und –stäbe, aus denen
die Glasbläser dann ihre
Kunstwerke fertigen. Hier
kann den Arbeitern über die
Schulter geschaut werden,
oder man probiert es einfach
selbst mal und schafft es, eine Glückskugel als persönliche Erinnerung mit nach
Hause zu nehmen.

ORTE

MARZAHN-HELLERSDORF

SCHWEBT

AUF

DER

IGA-WOLKE

SIEBEN

von Ursula A. Kolbe
dam, das sich gegen 25 renommierte Büros aus aller Welt
durchsetzen konnte. Dieser
Hain, sagte Architekt Christof
Geskes bei der Präsentation im
Roten Rathaus, sei seinem Wissen nach weltweit einmalig. Das
markante, rund 20 Meter hohe
Bauwerk wird ein weithin sichtbarer Blickfang und Aussichtsturm mit Sicht weit über
Foto: iga-berlin-2017 Berlin werden und im Übrigen
nachts beleuchtet sein. Eine
Auf Wolke sieben schwebten vor
Ikone für den Bezirk, meint IGAnun schon über 30 Jahren zigChef Christoph Schmidt. Vor
tausende künftige Marzahner,
allem für Behinderte ist an einen
als sie rund um den Kienberg
Aufzug gedacht. Auch ein „Café
überglücklich eine der zigtausenin den Wolken“ soll es geben.
den Neubauwohnungen bezieDas Gebiet zwischen den
hen und damit ihre Lebens- und
„Gärten der Welt“, Kienberg und
Wohnverhältnisse entscheidend
Wuhletal lebt auf. Besondere
verbessern konnten. Mit dem
Würdigung fand die Gestaltung
Siegerentwurf der nächsten Ineines Panoramaweges über die
ternationalen GartenbauWuhle entlang der KienbergsohAusstellung (IGA) Berlin 2017
le bis in die „Gärten der Welt“.
können sie dann auch wahrhaftig
Die neue Wegeverbindung zwiauf den Wolken schweben. Es
schen Marzahn und Hellersdorf
soll nämlich ein „Wolkenhain“
führt an einem Seecafé sowie
entstehen, der auf dem 102 Mean abwechslungsreichen Hangter hohen Kienberg über die IGA
terrassen mit Obstbäumen und
schweben wird. Dieses futuristiatmosphärischen Wassergärten
sche Wahrzeichen in Marzahnvorbei. Auch die schon im VorHellersdorf ist eine Idee des
feld vieldiskutierte 1,2 km lange
Teams Geskes - Hack LandSeilbahn bleibt im Gespräch.
schaftsarchitekten Berlin/VIC
Sie soll die beiden HaupteingänBrücken- und Ingenieurbau Potsge am U-Bahnhof Neue Grott-

kauer Straße und den Parkplatz Blumberger Damm verbinden, die die Gäste dann –
mit Zwischenstopp auf dem
Kienberg – direkt in die
„Gärten der Welt“ bringen.
Noch aber laufen die Verhandlungen mit einem privaten Investor. Eine Entscheidung wird zum Jahresende
erwartet. Vor allem die Marzahn-Hellersdorfer wird aber
auch die Nutzung “danach“
interessieren. IGA-Chef
Schmidt dazu: Wir wollen
nicht nur 170 Tage IGA sein.
Wir wollen langfristig nachwirken. Der Campus für
Spiel, Sport, Naturschutz und
Umweltbildung bleibe eintrittsfrei. Dazu dürften die geplanten Spielplätze ebenso
gehören wie ein internationales Schulgartenzentrum. Die
neu entstehende Gastronomie am Rundweg und auf
dem Kienberg, am Wuhleteich wird zweifellos ihren
Reiz nicht verlieren.
Verwiesen sei auch darauf,
dass am neuen Haupteingang der „Gärten der Welt“
am Blumberger Damm ein
gläsernes Servicezentrum für
Besucher mit Gastronomie,
Souvenirshop und Tagungs-

Seite 11

www.magazin-spätlese.net

räumen entsteht. Eine Freilichtbühne wird 5.000 bis
8.000 Zuschauern Platz für
die vielfältigsten Veranstaltungen bieten. Die IGA 2017
stellt viele Weichen. Stadtentwicklungssenator Michael
Müller hat hierbei den Sieger-Entwurf als Verbindung
der besonderen Kunst der
„Gärten der Welt“ mit der Naturlandschaft des Wuhletals
und Kienbergs gewürdigt.
Die IGA vom Tempelhofer
Feld auf das rund 100 Hektar große Gelände rund um
die „Gärten der Welt“ zu verlegen, sei eine gute SenatsEntscheidung für Berlin und
Marzahn gewesen. Ein kraftvoller Impulsgeber in punkto
Stadtentwicklung für die Region und gesamte Stadt soll
sie sein. So wird auch der
äußere Parkring des Berliner
Freiraumsystems ergänzt
und nahtlos mit dem Stadtzentrum verbunden. Darüber
hinaus können die Qualitäten
des naturnahen Wohnens an
den Rändern einer Stadt modellhaft gezeigt werden.
THEMA:

DIE

NATUR

UND

GESCHICHTE

Denn angesichts eines in Berlin
gestiegenen Bevölkerungswachstums gewinnen Außenbezirke wie Marzahn-Hellersdorf
zunehmend an Bedeutung. Grüne Räume als tragende Säulen
einer innovativen Stadtentwicklung, Trends von heute und morgen aufzeigen, ebenso Referenzprojekte in der Innenstadt in den
Fokus der Öffentlichkeit bringen,
auch darum wird es gehen.
Mit der Jahreskarte 2014 auf
Park–Entdeckungen
An dieser Stelle sei zugleich darauf verwiesen, dass die Jahreskarten 2014 für die vier schönsten Parkanlagen der Grün Berlin
GmbH schon jetzt gültig sind. Ob
die wechselvolle Bahngeschichte
und wild gewachsene Natur im
Natur-Park Schöneberger Südgelände, die internationale Gartenkunst in den „Gärten der Welt“,
weitläufige Erholungsflächen,
gärtnerische Sonderschauen und
bunte Veranstaltungsprogramme
im Britzer Garten oder denkmalgeschützte Bau- und Gartenkunst
im Botanischen Volkspark Pankow-Blankenfelde, dass alles

ermöglicht die Jahreskarte für
20, ermäßigt für Kinder (bis 14
Jahre) und Schwerbehinderte
10 Euro, statt Eintrittspreisen
zwischen drei bis sechs Euro.
Höhepunkte 2014 im Britzer
Garten sind wieder die beliebte
Tulpenschau „Tulipan im Britzer
Garten“, die Rhododendronschau „Zauberblüten“, Familienveranstaltungen und Konzerte
wie das Sonnenwendfest mit
Höhenfeuerwerk am 21. Juni
sowie „Feuerblumen und Klassik Open Air“ am 23. August
2014 (50 % Ermäßigung auf die
Sondereintrittskarten für Jahreskarteninhaber. In den
„Gärten der Welt“ macht den
Anfang am 13. April das schon
legendäre Kirschblütenfest in
den asiatischen Gärten, findet
das große Klassikkonzert „Viva
la musica“ am 30. August 2014
(50 % Ermäßigung auf die Sondereintrittskarten für Jahreskarteninhaber) statt.
Karten erhältlich an allen Kassen oder im Internet unter
www.jahres-karte.de

TOURISMUS

DER

LABOER

MÜHLE

von Christa-Dorit Pohle
Einige Male habe ich schon
über meinen Lieblingsferienort Laboe (an der Kieler Förde) geschrieben. Dieses Mal
möchte ich über die Laboer
Mühle berichten. Immer wieder hatte ich mir vorgenommen, der Mühle einen Besuch abzustatten, aber am
Strand fühlte ich mich nun
mal am wohlsten. Bis es
dann an einem regnerischen
Tag endlich klappte und ich
vor der Mühle stand. Bei meinen Spaziergängen hatte ich
die Mühle auf der Anhöhe
schon oft bewundert und war
neugierig darauf, wie es innen ausschaut. Vor einigen

Jahren war in der Mühle noch
eine Gaststätte. Dann wurde dort
oben ein Senioren-Wohnheim
errichtet und die Mühle ist der
Mittelpunkt. Dort nämlich hat der
Heimleiter sein Arbeitszimmer,
und in ihr werden Festlichkeiten
für die Heimbewohner ausgerichtet. Auch Trauungen finden in
einem festlich hergerichteten
Raum der alten Windmühle statt.
In diesem Raum ist der alte Mühlencharakter noch erhalten. Nach
der Trauung haben das Brautpaar und die Gäste nach einem
Sektempfang noch einen traumhaften Blick über die Kieler Förde. Ich stand also vor der Tür mit
dem Schild „Geschlossen“. Eine

Foto: Jeger / pixelio.de

junge Frau stieg aus dem Auto
und sagte zu mir: "Klingeln Sie
ruhig, man macht ihnen bestimmt auf, denn die Leute dort
sind sehr nett." Ich folgte dem
Ratschlag und wurde sehr
freundlich vom Heimleiter in
Empfang genommen. Von ihm
hörte ich auch etwas über die
Geschichte der Mühle. Früher
gab es ja einige Windmühlen in

Seite 12

SPÄTLESE
der schleswig-holsteinischen
Landschaft, aber nach und nach
mussten diese modernen Betrieben weichen. Auch für die Laboer
Mühle bestand diese Gefahr, sie
konnte aber glücklicherweise erhalten werden. Herr Helmut Schlitt
schrieb darüber „So ist sie im Verlaufe der Jahrzehnte für viele ein
Stück Heimat geworden, das sie
hier nicht missen mögen, weil es
Kunde gibt von Zeiten, als es noch
geruhsamer zuging auf dieser
Welt und die Menschen von der
Natur abhängiger, vielleicht deswegen aber häufig auch glücklicher waren als heute.“ Damals
fuhren nach der Erntezeit unzählige Pferdefuhrwerke mit Kornsäcken beladen die Anhöhe zur
Mühle hinauf. Die kostbare Frucht
wurde abgeliefert und der Müller
übernahm dann die weitere Verarbeitung. Das war gar nicht so einfach, denn er musste nach günstigem Wind Ausschau halten und
dann bei gutem Wind notfalls
THEMA:

NATUR

ERFURT:

UND

EINMAL

nächtelang an den Mahlsteinen stehen und den ruhigen,
sicheren Lauf der Flügel überwachen. Später wurde der
Wind dann fast überflüssig,
weil Maschinenkraft für das
Drehen der Räder sorgte.
Heute ist alles anders und nur
noch in unserer Vorstellung
lebt die Romantik, die unsere
Gedanken mit kreisenden
Windmühlenflügeln beschäftigt. 1865 hat Hans Arp die
Mühlenstraße angelegt und
dort oben auf dem höchsten
Punkt steht nun schon über
100 Jahre die Laboer Mühle.
Der Heimleiter berichtete dann
noch über die Aktivitäten für
die Senioren. Sehr rüstige
Heimbewohner können an
Busfahrten nach Berlin oder in
andere Städte teilnehmen. Die
Inneneinrichtung der Mühle
gefiel mir sehr gut, alles strahlte Wärme und Geborgenheit
aus. Es gibt sogar eine techni-

sche Einrichtung, welche es
ermöglicht, Heimbewohner
nach oben zu bringen in den
Raum, in dem die Festlichkeiten stattfinden. Ohne Technik
wäre das nicht möglich. Der
Besuch in der Mühle und das
Gespräch mit dem Heimleiter
vermittelten mir den Eindruck,
dass die Senioren hier liebevoll
betreut werden. Dazu noch der
herrliche Ausblick auf die See.
Dieses alles trägt bestimmt
zum Wohlbefinden der Heimbewohner bei. Wenn ich jetzt
zu einem Strandspaziergang in
Laboe starte, dann grüßt mich
nicht nur das Wahrzeichen Laboer Mühle, dann sehe ich in
Gedanken auch den Mühlenbertrieb von damals vor mir. Es
war schon sehr interessant für
mich, diesen Einblick gewinnen
zu können.

TOURISMUS

BLUMIG,

IMMER

BLUMIG!

von Ursula A. Kolbe
Ja, ich war schon wieder in Erfurt.
Die grüne Stadt im Herzen Thüringens lässt mich einfach nicht mehr
los. Ihrer Altstadt, eine der am
besten erhaltenen mittelalterlichen
Zentren, überragt von Mariendom
und Severinkirche, geprägt von
der legendären Krämerbrücke
(Europas 120 Meter längste und
mit 32 komplett bebauten und
auch bewohnten Häusern), ihrer
1270jährigen Geschichte überhaupt – man kann sich ihrem
Charme nicht entziehen. Hier ist
die geistige Heimat des Reformators Martin Luther, hier wurde er
1507 im Erfurter Dom zum Priester
geweiht. Hier lassen sich die Spuren von Johann Sebastian Bach
und musikalischem Barock nachvollziehen, z. B. in guter Tradition
der jährlichen Thüringer Bachwochen. Auch ziehen die Domfestspiele in jedem Sommer die Besu-

cher aus Nah und Fern an.
Hier steht die wieder aufgebaute Alte Synagoge, eine der
ältesten Europas überhaupt,
mit einer Ausstellung zur Kultur und Geschichte der jüdischen Gemeinde der Stadt im
Mittelalter. Hier leben kunsthandwerkliche Traditionen,
wird seit Jahrhunderten geschnitzt und getöpfert, Glas
geblasen und Porzellan geformt. Allein die 300jährige
Tradition des Blaudrucks
macht neugierig.
Gartenbau und -tradition tief
verwurzelt
Mein Interesse galt dieses Mal
aber vor allem dem egapark,
dem Garten Thüringens. Gartenkultur mit allen Sinnen erlebbar zu machen, ist hier seit
den 60er Jahren Leitmotiv.

Foto: egapark Erfurt, Peter Grimm

Konkret, als 1961 erstmals im
Osten Deutschlands das Parkgelände zur Internationalen Gartenschau eingeweiht wurde. Jetzt
haben die Erfurter schon ihr Augenmerk in die nahe Zukunft auf
die Ausrichtung der Bundesgartenschau 2021 gerichtet. Das
hört sich noch nach weiter Ferne
an. Doch die Macher sind schon
intensiv bei der Arbeit. Aber werfen wir erst einmal einen kurzen
Blick in die Geschichte. Sie

SPÄTLESE
zeigt: Gartenbau hat in Erfurt eine tiefe Tradition. Schon im 8. Jahrhundert
beschäftigten sich Mönche, die mit
Bonifatius aus dem Rhein-MainGebiet hierher kamen, mit dem Garten- und Weinbau in den Klostergärten des Erfurter Petersberges. Was
im frühen Mittelalter mit dem Waidanbau und seiner Verarbeitung begann
– zu jener Zeit die wichtigste Farbstoff
liefernde Pflanze in Europa und der
Stadt großen Reichtum brachte setzte sich mit der äußerst schmackhaften Brunnenkresse fort, die auch
Napoleon als bekömmlich und vitaminreich zu schätzen wusste, die Erfurter Puffbohnen zu einer unverwechselbaren Spezialität wurden.
Apropos „Erfurter Puffbohnen“. Ich
machte mich erst mal kundig, was es
damit auf sich hat. Manche von den
Alteingessenen, so erzählt man sich,
hätten schon im Mittelalter dieses beliebte Nahrungsmittel bei sich, um sie
aus der Tasche heraus zu essen. Das
brachte ihnen den Spitznamen
„Erfurter Puffbohne“ ein. Heute bekannt und verschenkt als ein beliebtes
Souvenir. Für eine mehr als nette
Geste halte ich den Brauch in Erfurts
Krankenhäusern, als Willkommensgruß jedem neugeborenen Säugling
und je nach Geschlecht eine rosa
oder blaue Plüschbohne mit niedlichem Gesicht zu schenken. Aber: Nur
ein(e) gebürtige(r) Erfurter(in) darf
solch eine „Sonderbohne“ sein. Der
Gartenbau fand im 18. Jahrhundert
mit dem Begründer des Erwerbsgartenbaus, Ratsmeister Johann Christian Reichart, und seinen Bahn brechenden Neuerungen eine wichtige
Fortsetzung und reifte im 19. und 20.
Jahrhundert zur vollen Blüte. Unzählige Blumenfelder schon vor den Toren
der Stadt begrüßten den Besucher
mit ihren bunten Farbteppichen. Die
Gartenbaubetriebe schickten Pflanzen, Stauden und Sämereien in alle
Welt. Bald trug Erfurt den Beinamen
„Blumenstadt“, wurde ein Zentrum
des Gartenbaus. Auch Goethe kannte
schon Erfurt als Stadt des Gartenbaus, er verbrachte hier 88 Tage, traf
u. a. auch auf Napoleon, und übersandte mehrmals seiner Charlotte von
Stein Blumen und Geschenke aus

Früchten nach Weimar. Und
nicht zu vergessen: Im Jahre
1865 fand im thüringischen Erfurt die erste internationale Gartenbauausstellung statt. Kehren
wir zurück in die Gegenwart. Ich
denke nur an die interessanten
Besuche in der Traditionsfirma
N.L. Christensen und der ältesten Kakteenzucht der Welt, der
Firma Kakteen Haage. So hat
die Spezialversandhandlung
Christensen, die auf eine Tradition seit 1867 zurückblicken kann,
über 100 Beerenobst- bzw.
Obstgehölze, 150 Blumenzwiebeln oder 160 Stauden im aktuellen Angebot. Einschließlich
Pflanzenschutzartikel, Dünger &
Gartengeräte. Bestellung heutzutage alles möglich über Katalog per Post, Telefon, E-Mail,
Internet, Fax. Zu finden unter
www.gartenversandhaus.de.
Haages gärtnern schon seit
1685. Jede der zehn Generationen sammelte Erfahrungen,
wahrte und mehrte sie, trug Werte zusammen. Das konnte ich im
kleinen Kakteenmuseum in der
Gärtnerei bestaunen. Sie begannen sich früh zu spezialisieren.
Als Gemüsegärtner, in Brunnenkresse, Samenbau, als Schwerpunkt aber Kakteen. In den Gewächshäusern wachsen etwa
zwei Millionen Pflanzen in 6.000
verschiedenen Arten und Sorten.
Grundlage dafür ist die Mutterpflanzensammlung mit ca.
10.000 Exemplaren. Einige davon 100 Jahre und älter. Das
alles und viel mehr unter
www.kakteen-haage oder
www.kakteenforum.de.
Eine Chronik bis zur Gartenschau
Weiter auf dem Weg von Tradition und Moderne zu gehen, ist
ein Anspruch, der verpflichtet.
Die Erfurter richten dabei konkret
ihren
Blick
auf
die
„GartenKulturStadt“, exakt auf
die Bundesgartenschau 2021 mit
dem Kernstück egapark. Damit

Seite 13
findet erstmals eine solche
Schau partiell auf Flächen statt,
die bereits für eine Gartenschau genutzt wurden. Im Blick
steht ebenso die Einbeziehung
der Zitadelle Petersberg, die
einzige weitgehend erhaltene,
in den Jahren 1664 bis 1707
angelegte barocke Stadtfestung
Mitteleuropas. Sie ist noch heute beeindruckend in ihren Ausmaßen, ist ein Spiegelbild europäischer Festungsbaukunst und
hat einen weiträumigen, einmaligen Blick auf die Stadt. Geheimnisvolle Wege durch die
Unterwelt dieser alten Festung
machen neugierig auf die wichtigsten Fakten über die wechselvolle Geschichte, nachzuerleben auch im militärhistorischen Museum. Schließlich
wird ein weiterer BUGAStandort von Kilianipark/
Nördliche Gera-Aue in einem
Erfurter Neubaugebiet einschließlich angrenzender Flächen sein. Auch hier soll die
Brücke zwischen Vergangenheit und Zukunft lebendig werden. Nachvollziehbar, nacherlebbar. Vermerkt sei noch, gerichtet besonders an die Medaillen-Sammler: Die Erfurter
Bank bringt für die BUGA eine
eigens geprägte Kollektion heraus. Im Zwei-Jahres-Rhythmus
ab 2013 erscheinen insgesamt
fünf Motive in zwei Ausführungen, in Silber, auf 500 Stück
streng limitiert, und in versilbertes Kupfer. Zehn Euro je Medaille spendet die Bank an den
Förderverein „Freunde der Bundesgartenschau“. Alle Meilensteine des ambitionierten Vorhabens wird eine BUGAAusstellung bis zum bis zum
Start der Gartenschau 2021
fortschreiben. Eine Wanderausstellung gibt aktuelle Einblicke,
der BUGA-Dialog sammelt darüber hinaus alle guten Ideen
und Vorschläge für ein erfolgreiches Gelingen.

Seite 14
THEMA:

NATUR

KREMSERFAHRT
GLAUER TAL

www.magazin-spätlese.net
UND

TOURISMUS

DURCH

DAS

WILDGEHEGE

von Christa-Dorit Pohle
Ich
bekam
eine Einladung für eine
Kremserfahrt
durch
das
Wildgehege.
Dieses Gebiet kannte
Christa-Dorit Pohle ich
noch
nicht,
also
war die Vorfreude groß. Wir
fuhren mit dem Auto bis zum
Besucherzentrum. Nach einem kleinen Spaziergang erreichten wir den Kremser und
die Entdeckungsfahrt konnte
losgehen. Der Kutscher, ein
sehr sympathischer Naturbursche, erzählte während der
Fahrt viel Wissenswertes.
Wenn Wild vor uns zu sehen
war, verhielten wir uns ganz
still und konnten so in Ruhe
beobachten. Es war ein sonniger Tag und wir hatten
Glück und konnten Rotwild,
Damwild und Muffelwild beobachten. Die Tiere fühlten
sich offensichtlich nicht gestört, weil sie an die Kremser
schon gewöhnt sind. Für
Spaziergänger ist zu beachten, dass diese auf den ausgewiesenen Rundwegen bleiTHEMA:

NATUR

SCHWARZWALD:

UND

ben, da das Wild sonst beunruhigt wird und flüchtet.
Das Wildgehege Glauer Tal ist
ein Freigehege, 160 ha groß,
auf den Flächen eines ehemaligen Truppenübungsplatzes der
sowjetischen Streitkräfte angelegt worden. Durch die damalige militärische Nutzung ist eine
Gefährdung nicht auszuschließen, wenn Besucher nicht auf
den ausgewiesenen Wegen
bleiben. Durch die intensive
militärische Nutzung sind verschiedene wertvolle Lebensräume des Offenlandes entstanden. Diese Lebensräume
möchte man erhalten durch die
Beweidung mit Wildtieren. Ein
einzigartiges Konzept für dieses Gehege, und wenn es gelingt, Naturschutz, Landschaftspflege und Wildtierhaltung in
Einklang zu bringen, wäre das
Ziel erreicht und die Besucher
erwartet ein besonderes Erlebnis. Über 100 Tiere der Wildarten Rot-, Dam- und Muffelwild
leben in dem Wildgehege und
man kann sagen, dass sie dort
täglich als Landschaftspfleger
im Einsatz sind. Alle Wildtiere

Foto: Rita Köhler / pixelio.de

können sich im gesamten Areal
frei bewegen und dadurch ist es
möglich, dass wir Besucher sie
unter fast naturnahen Bedingungen beobachten können. Es wird
angestrebt, dass die Tiere sich
selbständig ernähren und ihr natürliches Verhalten, vor allem uns
Menschen gegenüber, beibehalten. Wenn die Wetterlage es erfordert, wird nur im Winter in den
Futterraufen Heu angeboten.
Nachdem wir uns in der Gaststätte gestärkt hatten, fuhren wir wieder heimwärts. Wenn Sie ein Naturfreund sind und das Wildgehege Glauer Tal noch nicht kennen,
werden Sie nach einem Besuch
dort genauso begeistert sein wie
ich und dieses Naturerlebnis der
besonderen Art lange in Erinnerung behalten.
Informationen dazu finden Sie unter www.naturpark-nuthenieplitz.de oder unter NaturparkZentrum, Glauer Tal 1, 14959
Trebbin/ OT Blankensee. Tel.
033731 700 460

TOURISMUS

FREIE

FAHRT

MIT

DEM

KONUS-TICKET

von Ursula A. Kolbe
Ob alter Hut oder nicht, aber
wenn ich an den Schwarzwald denke, fallen mir sofort
Torte, Kuckucksuhr, Bollenhut und jetzt noch eines das KONUS – Ticket - ein.
Doch dieser Flecken Erde im
Baden-Württembergischen im Westen an Frankreich gelegen, im Süden die Schweiz
vor Augen - ist mehr. Weil

man sofort an Natur und Erholung denkt, die zwei Naturparke
Schwarzwald Mitte/Nord und
Südschwarzwald vor Augen.
Diese, von einer einzigartigen
ursprünglichen Natur geprägten
touristisch attraktiven Region,
sind jetzt der 21. Partner von
Fahrtziel Natur - eine Kooperation vom Bund für Umwelt und
Naturschutz Deutschlands

(BUND), Naturschutz Deutschland
(NABU) Verkehrsclub Deutschland (VCD) und der Deutschen
Bahn AG. Diese Träger engagieren sich bereits seit 11 Jahren gemeinsam dafür, das Naturerbe
und die Artenvielfalt durch die aktive Förderung des umweltverträglichen Tourismus zu erhalten. Dabei vereinigt Fahrtziel Natur die
attraktivsten Reiseziele in ländli-

SPÄTLESE
chen Regionen unseres Landes.
Ob Niedersächsisches Wattenmeer, Harz, Sächsische Schweiz
oder Bayerischer Wald. Und jetzt
bin ich im Schwarzwald, im höchsten Mittelgebirge Deutschlands.
Mein Einfallstor mit dem ICE war
Karlsruhe. Erst 1715 von Markgraf
Wilhelm von Baden-Durlach gegründet, ist sie die jüngste Stadt
unseres Landes, mit ihren 800
Hektar öffentlichen Grünanlagen
eine bekannte „grüne Stadt“. Die
ehemalige badische Residenz gilt
durch ihre Lage in der oberrheinischen Tiefebene als eine der sonnigsten Gegenden hierzulande
überhaupt. Schon die Weiterfahrt
mit der S-Bahn nach Baiersbronn
ließ mich die Schönheit der
Schwarzwald-Natur erahnen: Dichte Wälder wechseln sich mit ausgedehnten Wiesen- und Weideflächen ab. In einer über Jahrhunderte gewachsenen Kulturlandschaft
sind wertvolle Lebensräume wie
Moore, Blockhalden, eiszeitlichen
Karseen und Bannwälder eingebettet – die Heimat für viele Tier- und
Pflanzenarten, darunter das legendäre Auerhuhn, der Charaktervogel
des Schwarzwaldes.
Ein Blick und ungewohnte Friedfertigkeit
Hier tut sich ein Refugium für
stressgeplagte Großstädter auf.
Spätestens im Hotel Schliffkopf
„1.025 Meter über dem Alltag“ an
der Schwarzwaldhochstraße, wie
die Besitzer, die Fahrner`s, ihr
Wellness & Natur Resort definieren, versetzt mich der sprichwörtliche Panoramablick in klarer Luft
ins weite Land mit seiner bizarren,
ursprünglichen Natur bis hinüber in
die nahe Rheinebene in ungewohnte Friedfertigkeit. Hier kann man im
wahrsten Sinne des Wortes die
Seele baumeln lassen. Das gelingt
auch bei schönen Wandertouren,
selbst gewählt oder mit einem
Schwarzwald - Guide. Der kennt
am besten die Schätze des mit
rund 375.000 ha größten Naturparks Schwarzwald Mitte/Nord. Wie
viel diesen die Bewahrung der Le-

bensräume vor allem seltener
Tier- und Pflanzenarten am
Herzen liegt, die Natur aber
gleichzeitig auch dem einzelnen erlebbar zu machen, rückte mir die NaturparkNaturpädagogin Dorothea
Schulze vom Naturpark-Haus
auf
dem
Ruhestein/
Baiersbronn an der Schwarzwaldhochstraße bei einer kleinen Tour mit den NaturparkEntdecker-Westen, die mit unterschiedlichen Exkursionsmaterialien ausgestattet sind, in
den Blick. Dazu und mehr
unter
www.naturparkschwarzwald.d
e. Wie sagte doch schon Galilei: „Man kann einen Menschen nichts lehren, man kann
ihm nur helfen, es in sich
selbst zu entdecken.“
Die Trümpfe der NaturparkWirte und der „Zibärtle“
Mit dem Schliffkopf „1.025 Meter über dem Alltag“ denke ich
künftig nicht nur an Ruhe und
Höhenluft, nein, auch an das
Essen aus frischen, heimischen Produkten, die familiäre
Atmosphäre des Vier-SterneSuperior-Hotel - wir hatten Unterkunft bei einem Hotelchef
und Naturpark-Wirt. Der hat
mindestens drei regionale Gerichte und ein Menü mit den
Hauptzutaten aus dem Naturpark im Angebot. Einfach köstlich. So wie auf den Naturmarkt-Märkten, beim Brunch
auf dem Bauernhof, den Naturpark-Wirten entlang der Käseroute oder bei den Messen
regionalen Geschmacks. Am
Rande: Abends beim Essen a
lá regional fiel das Wort
„Zibärtle“, was natürlich sofort
meine Neugierde weckte, und
ich erfuhr: Das ist eine Wildpflaume, die nicht genießbar
ist, aber geerntet wird, durch
Schütteln, und daraus gern
Schnaps gebrannt wird. Ihre
Besonderheit: Sie wächst nur
in dieser Region, wird übri-

Seite 15

Foto: Steffan Zoller / pixelio.de

gens auch im Haus als
„Fahner`s Gipfel-Zibärtle“ angeboten – die „Wildpflaume
aus dem Schwarzwald“. Als
wir auf unserer E - Bike Tour auf dem NaturparkRadweg im Kinzigtal auch an
Streuobstwiesen vorbei kamen, hat mich unsere Begleiterin, Schwarzwald-Guide
Billy Sun-Hermann, extra auf
diesen Baum aufmerksam
gemacht.
Und: Echt Schwarzwald
Brände und Liköre bekommen ihren einzigartigen Geschmack allein aus der reinen Frucht von vollreifem Naturpark-Streuobst und dem
aus alter Tradition entstandenen Wissen um besonders
schonende Herstellung.
Apropos Brunch auf dem
Bauernhof. Den hatten wir
auf Armbrusters Bauernhof
ganz lecker, wie mein Jüngster, aber längst Erwachsener
sagen würde, in Berghaupten
im Obertal, einem Seitental
des vorderen Kinzigtals. Werner und Ulrike Armbruster
handeln hier nach dem Motto: umschauen, Natur genießen, dann essen. Getreu ihrem Leitspruch, der auf dem
Hof zu lesen ist: „Die Welt
bleibt nicht stehen, wenn du
mal eine Pause machst.“
Stolz zeigte uns der Hof-Wirt
seine Streuobst-Wiesen, die
zugleich als Weide für die
Rinder und Schafe dienen,
die Rohstofflieferant für die
eigene Brennerei sind. Es
gibt Events mit Hausmacherwurst und frischem Bauern-

Seite 16
brot aus eigenem Steinbackofen, werden die selbstgebrannten Edelbrände und –
liköre serviert, finden Anklang
und Interesse das Kräuterbufett nach einer Kräuterführung - Leidenschaft und Steckenpferd von Ulrike, der
Frau des Hauses.
Im Hofladen gibt es darüber
hinaus selbst gemachte Konfitüren und Gelees, sind Präsentkörbe im Angebot, Floristik aus dem Bauerngarten,
Kirschkernsäckchen, Firmenpräsente und, und, und…
Nicht zu vergessen das neue
Kräuterkochbuch mit 34 Rezepten aus neun verschiedenen Wildkräutern. Jetzt in der
bevorstehenden Adventsund Weihnachtszeit sollen
natürlich nicht die Adventsdekorationen vom Armbruster
Hof unerwähnt bleiben, die
Weihnachtsbäume aus eigenen Kulturen, auch selbst zu
fällen, Adventsausstellung
und Adventskaffee. Gemütliches Ambiente drinnen wie
draußen, je nach Wetterlage,
inbegriffen. Landleben zum
Anbeißen. (mehr unter
www.ArmbrusterBerghaupten.de).
Nur wenige Kilometer weiter
wecken auch die Angebote
der Naturpark-Marktscheune,
ebenfalls in Berghaupten,
den Appetit auf regionale
Köstlichkeiten von rund 60
Lieferanten aus der Umgebung.
Die übrigens nicht nur eingekauft werden, sondern im
Bauern-Café auch gleich vor
Ort verkostet werden können.
Um hier der wachsenden
Nachfrage gerecht zu werden, soll das Café vergrößert
werden, sagt MarkscheunenChef Ulrich Ritter, selbst erfolgreicher und engagierter
Bergbauer von Hause aus.

www.magazin-spätlese.net
Kostenlose
ÖPNV

Nutzung

des

Das Zauberwort, die Schönheiten der gesamten Ferienregion
mobil mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erkunden,
heißt KONUS – Ticket: KONUS = Kostenlose Nutzung
des ÖPNV für Schwarzwaldurlauber. Diese einzigartige umweltfreundliche Gästekarte,
ausgestellt vom Hotel oder eines anderen Beherbergungsbetriebes, gilt zwischen Rhein
und Neckar, zwischen Karlsruhe bis nach Basel Badischer
Bahnhof in die Schweiz. Inbegriffen die Einfahrt auf der
Rheintalbahn und der Albtalbahn nach Karlsruhe sowie
freie Fahrt im gesamten Karlsruher Innenstadtgebiet. Angeschlossen dem System haben
sich inzwischen auch die Städte Lörrach und Breisach.
Fazit heute: KONUS hat
Durchschlagskraft, gilt inzwischen bundesweit als Vorbild
für ähnliche Projekte, passt wie
maßgeschneidert ins mobile
Nachhaltigkeitskonzept der
Fahrtziel-Idee. FahrtzielProjektleiterin Dr. Kathrin
Bürglen sagte dazu, dass der
Schwarzwald hier eine Vorreiterrolle habe und Impulsgeber
für andere sein kann. Sie hält
die touristische Nutzbarkeit des
ÖPNV für ein wichtiges Merkmal eines umweltfreundlichen
Verkehrskonzepts am Urlaubsort. Mehr unter www.konusschwarzwald.info.
Wenn ich also den Schwarzwald mit Kirschtorte, Kuckucksuhr und Bollenhut in Verbindung bringe, gehört jetzt unbedingt die KONUS-Karte dazu.
Inzwischen bieten 138 Ferienorte diesen umweltfreundlichen
Service für die Urlauber bei
mehr als 10.000 Gastgebern
an. Wie problemlos das Ticket

genutzt wird, machte mir eine
kurze Episode in der Ortenau- SBahn Richtung Freudenstadt
deutlich: Zwei Fahrgäste, die sich
als Bad Bramstedter aus Schleswig-Holstein entpuppten, mit dem
Pkw angereist waren und tags
zuvor ihr Quartier in Altpirsbach
genommen hatten, hatten sich
auf gut Glück in den Zug gesetzt
und fragten uns spontan, welchen Ort sie denn nun besuchen
könnten.
Ein Glück, wir hatten mit Gaby
Baur vom Schwarzwald Tourismus Freiburg im Breisgau, das
sachkundige, wandelnde
„Auskunfts-Lexikon“ an unserer
Seite. Voll in ihrem Element animierte sie die Beiden, einfach in
Freiburg Halt zu machen, sich
dort die sehenswerte Altstadt mit
ihren beiden Wahrzeichen Münster und Bächle anzuschauen, und
dann weiter an den nur 30 km
entfernten Titisee zu fahren und
sich dort zu entspannen, ist er
doch ein weithin bekanntes Paradies für Wasserfreunde, lädt
zum gemütlichen Flanieren an
der Uferpromenade ein. Ob die
„Nordlichter“ diesen Ausflug dann
gemacht haben, ist unbekannt
geblieben.
Mit der KONUS-Karte im Gepäck,
reisten wir am nächsten Tag in
den Südschwarzwald weiter. Wir
waren im Segelzentrum Schluchsee mit seinen barrierefreien Angeboten, schwebten mit der Feldberg-Bahn auf den Gipfel, besuchten am Fuße das interessante Haus der Natur, fuhren auf der
Käseroute mit der Pferdekutsche
zum Ospelehof, genossen die
Annehmlichkeiten beim Naturpark-Wirt Walter Wimmer, Chef
des Hotel Adler in Feldberg. Lesen Sie aber darüber mehr in der
nächsten „Spätlese“-Ausgabe.

Seite 17

SPÄTLESE
THEMA:

SPORT?

GESUNDHEIT

NEE,

NULL

BOCK.

von Ursula A. Kolbe
„Deutschland sitzt sich
krank“, so das alarmierende
Ergebnis einer Umfrage des
Forsa-Instituts, in Auftrag gegeben von der Techniker
Krankenkasse. Dabei handelt
es sich um die Frage, welchen
Platz körperliche Bewegung
im Alltag der Deutschen einnimmt. Die Ergebnisse sind
alarmierend! Ein Artikel der
„Berliner Zeitung“ vom 31.7.13
lautet: „Wenn Bewegung
zum Fremdwort wird“. Das
lässt aufhorchen! Im Schnitt
sitzt jeder Erwachsene täglich
sieben Stunden, ist zu lesen.
Aber im Einzelnen betrachtet
ist das Ergebnis viel schlimmer: Ein Drittel aller Berufstätigen sitzt auf Arbeit mehr als
neun Stunden, hinzu kommen
drei Stunden nach Arbeitsende vor dem Fernseher oder
dem Computer. Weiter zeigt
das Ergebnis deutlich, dass
60% aller Deutschen kaum
noch zu Fuß unterwegs sind.
„So kommen zwei Drittel nicht
einmal mehr auf eine Stunde
Bewegung am Tag …“. Erkrankungen des MuskelSkelett-Systems sind die Folge. Krankschreibungen bei
Arbeitnehmern eine weitere.
Ärztliche Hilfe, Arzneimittel,
physiotherapeutische Maßnahmen, Operationen, Krankenhausaufenthalte und Kuren das Nächste. Viel Leid
THEMA:

und Kosten, die sinnvoller verwendet werden könnten. Wenn,
ja wenn die Deutschen sich bewegen würden, meint TK-Chef
Jens Baas. Doch Bewegung
allein reicht nicht. Wenn sie
Sport trieben, wissen nicht nur
Orthopäden, Physiotherapeuten
und Sportärzte. Hausarbeit zu
verrichten, die ohne Bewegung
nicht geht oder an einer Maschine zu stehen, dabei einen
Schritt hin, einen Schritt her und
dazu die Arme bewegen, ist
ganz sicher nicht geeignet, um
gesund zu bleiben. So verläuft
das Leben vieler ohne den geringsten Sport. Weit über 50%
der
Deutschen
sind
„Sportmuffel“, insbesondere,
weil sie nicht fähig sind, den
„inneren Schweinehund“ zu
überwinden. Dabei gibt es so
viele Sportmöglichkeiten, die
genutzt werden wollen. Das gilt
auch ganz besonders für uns
Rentner. Wir sind, egal wie alt,
immer noch in der Lage, den
uns angemessenen Sport, und
sei es wegen körperlicher Beschwerden nur Stuhlgymnastik,
zu betreiben, denn wir haben
mehr körperliche Reserven als
wir glauben. Für uns gibt es
Sportkurse in Einrichtungen für
Senioren und darüber hinaus. In
Marzahn äußerst beliebt sind
die Gymnastikkurse im Freizeitforum. Selbst Krafttrainings –
und Fitnessstudios sind absolut

KURZGESCHICHTEN

UND

Foto: jürgen heimerl / pixelio.de

nicht nur für jüngere Menschen
geeignet. Siebzig- und Achtzigjährige nutzen bereits in beachtlicher
Anzahl diese Angebote. Aber auch
tägliches Laufen oder Spazierengehen sind gute Mittel. Dazu haben wir in Marzahn/Hellersdorf
doch alle Möglichkeiten. Viele
Wander- und Spazierwege entlang
der Wuhle, des Kienbergs, der Ahrensfelder Berge, der Biesdorfer
Höhe sind hervorragend geeignet.
Nicht zu vergessen der Bürgerpark, Hochzeitspark und die Gärten der Welt. Dabei frische Luft
genießen, Sonne tanken, Wind
und Wetter trotzen. Das alles hält
nicht nur körperlich fit, das ist auch
Medizin fürs Gemüt. Die Befriedigung über das Geleistete ist
enorm und veranlasst, weiter zu
machen, nicht aufzugeben. Man
fühlt sich verjüngt. Ist das nicht
richtig gut? Am Ende sei bemerkt:
Eine Studie, nur uns Ältere betreffend, wäre sicher sehr nützlich. Ich
weiß, wir sitzen oft viele Stunden
am Tag, weil körperliche Gebrechen Anlass dazu geben. Solch
eine Untersuchung müsste aber
auch körperliche Reserven aufzeigen, die wir haben und uns vor
Augen führen, was wir leisten können.

GEDICHTE

HERBSTGEFLÜSTER
von Waltraud Käß
Das Jahr neigt sich seinem
Ende entgegen. Ein Jahr, in
dem manches anders war als
sonst. Es konnte sich vom
Winter lange nicht verabschieden, die frost- und schneereichen Tage begleiteten uns bis

in den März. Später als sonst
öffneten sich die Kirschblüten.
Als der Frühling dann endlich
das Zepter übernehmen durfte,
kam er nicht etwa nur mit lauen
Lüften, nein, er brachte so im
Mai/Juni auch Regenfluten, die

sowohl in der
Natur als auch
bei den Menschen
großen
Schaden hinterWaltraud Käß
ließen. Der Sommer trocknete die Tränen und

Seite 18

www.magazin-spätlese.net

die Wasserlachen, denn er
kam mit großer Hitze so im
Juli/August, was einzelnen
große Freude machte, andere Menschen gesundheitlich
aber sehr belastete. Nun ist
der Herbst eingekehrt, und
wir werden zu beobachten
haben, wie er sich gebärdet,
ob er uns einen schönen Altweibersommer im Oktober
beschert oder vielleicht den
kommenden Winter schon
vorzieht. Die Ernte wird eingefahren, die Gartenstühle
werden vor undurchsichtigem
Nebel und den ersten Nacht-

frösten in Sicherheit gebracht,
die Gartenschläuche eingerollt.
Die Kraniche fliegen hoch oben
in Schwärmen dem warmen Süden entgegen, aber ihr Geschrei
und Geschnatter lässt uns den
Blick in den Himmel heben. Das
sicherste Zeichen, dass der
Winter naht, vielleicht mit viel
Kälte und Schnee, auf jeden
Fall mit langer Finsternis, die
uns die Sonne herbeisehnen
lässt. Und dann, am 31.12., haben wir es wieder geschafft und
werden das neue Jahr begrüßen. Was wird es uns bringen?
Das werden wir dann wieder am

Ende des kommenden Jahres
wissen. Alles hat seine Zeit. Jetzt
können wir uns wieder stärker
anderen Hobbys zuwenden, können den Bücherstapel in Angriff
nehmen, der sich im Laufe des
Jahres angesammelt hat, können
gemütlich bei den Dichtern stöbern. Z.B. bei Dichtern, die durch
ihr Werk zwar unsterblich wurden, vielleicht aber auch der Vergessenheit anheim gefallen sind.
Bei Theodor Storm habe ich für
Sie ein Gedicht in originaler
Schreibweise gefunden. Es trägt
den Titel:

Herbst
Schon ins Land der Pyramiden
Flohn die Störche übers Meer;
Schwalbenflug ist längst geschieden,
Auch die Lerche singt nicht mehr.
Seufzend in geheimer Klage
Streift der Wind das letzte Grün;
Und die süßen Sommertage,
Ach, sie sind dahin, dahin!

Foto: Essenia Deva / pixelio.de

Nebel hat den Wald verschlungen,
Der dein stillstes Glück gesehn;
Ganz in Duft und Dämmerungen
Will die schöne Welt vergehn.
Nur noch einmal bricht die Sonne
Unaufhaltsam durch den Duft,
Und ein Strahl der alten Wonne
Rieselt über Tal und Kluft.
Und es leuchten Wald und Heide,
Dass man sicher glauben mag,
Hinter allem Winterleide
Liegt ein ferner Frühlingstag.

Seite 19

SPÄTLESE
THEMA:

KURZGESCHICHTEN

UND

GEDICHTE

HERBSTGEDANKEN
von Tina Gonschorek
Der Tag ist grau und kühl. Die herrlich bunten Blätter fallen von den
Bäumen. Der Wind spielt mit ihnen,
lässt sie kreisen und kurz bevor sie
die Erde berühren, wirbelt er sie
wieder und wieder durch die Luft,
bis er des Spiels müde ist und sie
elegant zu Boden sinken lässt.
Ich sehe zu und gerate ins Träumen…
…ich bin eines dieser hübschen
rotgelb gefärbten Blätter und segle
durch die Lüfte. Die Sonne verleiht
mir ein wunderschönes Leuchten
und ich fühle mich frei. Der Baum
hat mich los gelassen, nachdem
ich den ganzen Sommer über mit
meinen Geschwistern für Schatten
gesorgt habe und ich weiß, dass
dies mein letzter Flug sein wird.
Aber das macht mir nichts aus. Ich
wünsche mir nur noch einige Tage
auf dem Boden liegen zu bleiben
und vielleicht noch ein wenig mit
dem Wind spielen zu dürfen.
Plötzlich kommt ein Mensch den
Weg entlang. Es ist eine alte Dame
in einem Rollstuhl, die aufmerksam
auf den Boden schaut und sich hin
und wieder bückt, um ein besonTHEMA:

GUTER

KURZGESCHICHTEN

ders schönes Blatt auf zu heben. Ich liege da, in freudiger
Erwartung, ob sie mich sehen
wird. Und tatsächlich. Sie murmelt vor sich hin: „Da ist ja ein
besonders schönes Exemplar“
und hebt mich auf.
Ich werde in einen Beutel gesteckt mit vielen anderen Blättern. Es befinden sich auch
Kastanien darin und Zweige
mit roten und orangefarbenen
Beeren.
Immer neue Herbstschönheiten in den buntesten Farben
landen in dem Beutel und irgendwann werden wir auf einen großen Tisch geschüttet.
Die alte Dame beginnt alles zu
sortieren und in Vasen zu stecken. Als sie bei den vielen
bunten Blättern angekommen
ist, bin ich sehr aufgeregt, was
nun mit mir passieren wird.
Die Frau nimmt mich vorsichtig in die Hände und schaut
mich liebevoll an. Sie sagt leise: „Du bist so schön gefärbt.
Es wäre schade, dich in der
UND

Foto: Essenia Deva / pixelio.de

Vase vertrocknen zu lassen.
Was mache ich bloß mit dir?“
Sie überlegt einen Moment
und dann zieht ein freudiges
Lächeln über ihr Gesicht. Sie
trägt mich zu einem Tisch
und legt mich unter eine
Glasplatte.
Nach einer Weile stehen einige Menschen um den Tisch
herum und bewundern mich.
Sie sagen, dass ich das
schönste Ahornblatt bin, dass
sie jemals gesehen haben.
Nun trockne ich so langsam
vor mich hin, sehe jeden Tag
ein bisschen weniger, bin
aber sehr stolz und glücklich,
dass ich so vielen Menschen
Freude bereitet habe und
denke, dass ich ein sehr erfülltes und besonders langes
Leben für ein Ahornblatt hatte.

GEDICHTE

RAT

von Barbara Ludwig

Verliere nie den Mut,
Verlerne nie das Hoffen,
Vergiss die schlechten Tage,
Dann steht die Welt dir offen.

Foto: Stephan Bratek/geralt / pixelio.de

Seite 20
THEMA:

www.magazin-spätlese.net

KURZGESCHICHTEN

UND

GEDICHTE

HERBSTSPAZIERGANG
von Tina Gonschorek
Es ist unübersehbar Herbst
geworden. Die Blätter an den
Bäumen prangen in den wunderschönsten Farbtönen zwischen gelb und rot. Die Sonne steht tiefer, die Tage werden kürzer und der mitunter
schon empfindlich kalte Wind
ist ein Vorbote für die kommenden Herbststürme. Aber
heute ist das Wetter so, wie
man sich einen Herbsttag
wünscht. Es herrschen milde
Temperaturen, die Morgensonne lacht vom blauen Himmel und ich beschließe in
den Wald zu fahren, um einen Spaziergang zu machen
und vielleicht ein paar Pilze
zu sammeln. Als ich mein
Auto auf einem kleinen Waldweg abstelle umfängt mich
zuerst einmal eine wohltuende Stille. Ich sehe mich um,
um mir zu merken, wo ich
geparkt habe, da mein Orientierungssinn leider nicht sehr
ausgeprägt ist und dann laufe
ich los. Vorsichtshalber halte
ich mich möglichst in der Nähe der Wege und schon entdecke ich einen wunderschönen Steinpilz. Vorsichtig
schneide ich ihn ab, um die
Wurzel im Waldboden zu lassen, und lege ihn stolz in
meinen Korb. Nach und nach
dringen die Laute des Waldes in mein Bewusstsein. Ich
stehe da, schließe die Augen
und versuche die Geräusche
zu filtern. Ich höre das emsige Klopfen eines Spechtes,
den Wind, der durch die Tannenwipfel streicht, das Fallen
der Kienäpfel und das Singen
der Waldvögel. Es ist wunderbar einfach nur dort zu
stehen und meine Gedanken
schweifen zu lassen. Als ich
langsam weitergehe und sich

einige vorwitzige Maronen zu
dem Steinpilz in meinen Korb
gesellen, entdecke ich plötzlich
ein Glitzern, das mich magisch
anzieht. Es sind Tautropfen in
einem perfekt geformten Spinnennetz. Jeder einzelne spiegelt
die Sonnenstrahlen wieder und
in ihnen leuchten alle Farben
des Regenbogens. Vorsichtig
schaue ich nach, ob die Bewohnerin des Netzes zu Hause ist,
denn bei allem Interesse für die
glitzernden Tropfen möchte ich
sie nicht unbedingt zu Gesicht
bekommen. Ich liebe Tiere sehr,
aber alle, die mehr als vier Beine besitzen, verursachen mir
ein mit starker Gänsehaut verbundenes Unbehagen. Glücklicherweise scheint sie unterwegs
zu sein und so kann ich die filigrane Struktur ihres Netzes in
aller Ruhe betrachten. Wieder
staune ich darüber, was die Natur für außergewöhnlich schöne
Dinge schafft. Als ich mich dann
weiter durch die Schonung
kämpfe, fällt mir auch wieder ein
was das Wort „Altweibersommer“ bedeutet, denn zwischen den eng stehenden Bäumen gibt es unzählige mehr
oder weniger intakte Netze, die
sich in meinen Haaren verfangen. So schnell es geht, verlasse ich die Schonung und gehe
auf meinen diesbezüglich ungefährlichen Waldweg zurück. Es
ist seltsam, so allein zu sein.
Kein Mensch ist in meiner Nähe.
Aber dafür entdecke ich eine
hübsche kleine Lichtung, in deren Mitte ein großer flacher
Stein liegt, auf dem ein Hase
sein Schläfchen macht. Ich bin
ganz verblüfft und schleiche
mich langsam näher, um ihn
besser sehen zu können. Als ob
er meine Anwesenheit spürt,
erwacht er. Und dann sehe ich

Foto: Bernd Kasper / pixelio.de

etwas, dass sich meinen Augen
noch nie bot. Der Hase gähnt
ausgiebig und beginnt sich zu recken. Erst genüsslich die Hinterpfoten, dann die Vorderen und
dann macht er einen regelrechten
Katzenbuckel. Nachdem er seinen Frühsport erledigt hat, beginnt er mit der Morgentoilette. Er
beleckt seine Vorderpfote und
streicht dann mit ihr über sein
niedliches Hasengesicht, um sie
danach wieder abzulecken. Dann
sind seine langen Ohren dran, mit
denen er genauso verfährt. Abschließend zieht er das linke Ohr
bis an sein Schnäuzchen und
knabbert daran herum. Ich stehe
da, habe ein Lächeln im Gesicht
und kann kaum glauben, was ich
da sehe. Es wundert mich schon,
dass der Hase mich bisher nicht
bemerkt hat, und wie ich noch
darüber nachdenke, knackt plötzlich ein kleiner Ast unter meinem
Fuß. Der Hase erstarrt in seiner
Bewegung, blickt in meine Richtung und mir geradewegs in die
Augen. Das ist einfach faszinierend. Dann springt er blitzschnell
auf und hoppelt Haken schlagend
in die Tiefen des Waldes davon.
Ich als Stadtmensch bin von kindlicher Freude durchdrungen, einem „wilden“ Tier so nahe gekommen zu sein. Da der flache Stein
nun verlassen ist, beschließe ich
eine Pause einzulegen und packe
Wasser und meine Brote aus. Als
ob die Waldvögel nur darauf gewartet haben, kommen sie zu mir
und wollen ihren Anteil an meiner
Mahlzeit haben. Natürlich lasse
ich mich nicht lange bitten und

Seite 21

SPÄTLESE
werfe ihnen kleine Brotkrumen zu.
Und schon beginnt die Schlacht
am kalten Buffet. Die Spatzen
zanken sich um jeden Brocken.
Einige Meisen sitzen auf einem
nahen Strauch und beäugen die
frechen Spatzen. Ich werfe ein
paar Krümel in ihre Richtung und
hoheitsvoll lassen sie sich nieder,
um sie sich zu holen. Ein Rotschwänzchen lässt sich blicken
und einige Grünfinken kommen
auch zum Festschmaus vorbei.
Leider erschöpfen sich damit auch
schon meine vogelkundlichen
Kenntnisse. Ich erfreue mich an
meinen gefiederten Freunden, die
sich inzwischen bis an meine Füße heran wagen. Als wir gemeinsam alles verputzt haben, bin ich
uninteressant geworden und sie
fliegen davon. Für mich wird es
nun auch langsam Zeit zurück zu
gehen. Ich habe zwar nicht den
ultimativen Pilzblick, aber trotzdem ist mein Körbchen halb gefüllt und da ich die Pilze sowieso
viel lieber suche als esse, reichen
sie mir völlig. Also gehe ich den
THEMA:

Weg zurück, den ich gekommen
bin, denke ich jedenfalls! Leider
steht an dessen Ende nicht wie
erwartet mein Auto, sondern
eine riesige Eiche. Ich bin von
diesem wunderschönen kraftvollen Baum beeindruckt, auch
wenn sich in mir ein leises
Angstgefühl ausbreitet, dass ich
mich doch verlaufen habe. Zuerst aber kann ich dem alten
Baum nicht widerstehen, der
mich förmlich zu rufen scheint
und lehne mich an seinen
Stamm. In mir breitet sich Ruhe
aus. Ich schließe die Augen und
genieße die raue Rinde des
Baumes unter meinen Händen.
Ich denke an den Weg, den ich
entlang gelaufen bin, und plötzlich sehe ich die Kreuzung vor
mir, an der ich falsch abgebogen bin und weiß, wie ich wieder zu meinem Auto komme.
Die Blätter rauschen und ich
spüre, wie mir etwas auf den
Kopf fällt. Als ich danach
schaue, entdecke ich eine große Eichel. Ich hebe sie auf und

KURZGESCHICHTEN

UND

stecke sie in meine Tasche.
Ich weiß ganz genau, was ich
damit machen werde. Leise
danke ich dem Baum und
nehme Abschied. Als ich
mich noch einmal zu ihm umdrehe sehe ich meinen kleinen Freund den Hasen, der
unter der Eiche sitzt und an
Gräsern knabbert. Schmunzelnd gehe ich zu meinem
Auto zurück und trete den
Weg in die laute und hektische Zivilisation an. Bevor ich
zum Abendessen meine Pilze
genieße, fülle ich erst Blumenerde in einen Topf und
lege die Eichel hinein, in der
Hoffnung, dass ein kleines
Bäumchen daraus wachsen
wird, welches vielleicht in einhundert Jahren wie seine
Mutter groß und stark im
Wald steht und einem Menschen, der ihn besucht Ruhe
und Zuversicht schenken
wird.

GEDICHTE

HORIZONTE
von Inge Daniel
Dem Menschen, seit er sehen konnte,
bot das Leben Horizonte.
Der eine nah und strahlend schön,
der andere trübe, kaum zu seh’n.
Das Kind träumt noch ganz unbefangen,
sieht sehnsuchtsvoll und mit Verlangen
nach Dingen, die‘s gern haben würde,
da ist das auch noch keine Hürde.

Foto: Ra Boe/Wikipedia

Als junger Mensch, voller Ideen,
ist der Horizont ein Abenteuer.
Er stürmt drauf los, erklimmt die Höhen,
Ihn treibt der Sehnsucht heißes Feuer.
Gereift sucht dann der Mensch gekonnt,
nach einem neuen Horizont.
Er erkennt ihn, ist begeistert.
plant, packt an, bis er es meistert.

Als er sich dann im Alter sonnt,
ist das der letzte Horizont.
Er schaut erstaunt und fragt sich dann:
Ob man‘s wohl besser machen kann?

Seite 22
THEMA:

www.magazin-spätlese.net

KURZGESCHICHTEN

FÜRCHTE

UND

GEDICHTE

DICH

von Hanna Scotti

Bequem hat er’s
abgewertet alles
Fremde grenzt er
aus schwitzt Neid

Foto: bredehorn jens / pixelio.de

riegelt Atem
Züge ab
ein Schlag
Baum fällt
Achtung
Mensch ohne
Achtung
THEMA:

DER

KURZGESCHICHTEN

KLEINE

UND

GEDICHTE

FRECHDACHS

von Gabriele Lutzke
Gedicht lernen
Mario ging gerade in die erste Klasse und musste ein Gedicht lernen. Wir lernten im
Kinderzimmer. Chrissi störte
uns nicht dabei. Er war wieder einmal vertieft in sein Autospiel.
Ich las also Mario mehrmals
das Gedicht vor. Dann las ich
ihm einzelne Zeilen vor und,
er sprach sie nach. Es klappte gut und er lernte es ziemlich schnell. Zum Schluss
sollte mir Mario dann das
ganze Gedicht aufsagen. In
der letzten Strophe stockte er
kurz. Ich wollte ihm gerade
sagen, wie es weiter ging. In
diesem Moment sagte uns
Chrissi, wie das Gedicht zu
Ende ging.
Das Experiment
Ich kam gerade mit Chrissi
vom Einkaufen, da traf ich
auf der Straße eine ehemalige Kollegin. Wir unterhielten
uns kurz wie es uns in der

letzten Zeit ergangen war. Dabei schaute ich laufend nach
meinem Sohn, der sich langsam
von uns entfernte. Es war ihm
zu langweilig geworden. Es hatte morgens stark geregnet und
überall standen große Pfützen.
So sagte ich ihm also: “Chrissi,
geh aber nicht in die Pfützen!“
Heute weiß ich, dass man niemals zu Kindern sagen soll,
dass sie etwas nicht tun sollen.
Denn das „Nicht“ verstehen sie
nicht. Es wirkt eher wie eine
Aufforderung. Während unseres
Gesprächs sagte meine Kollegin
auf einmal zu mir: „Dreh dich
mal ganz langsam um!“ Das tat
ich und was sah ich? Mein Kind
stand mitten in einer riesigen
Pfütze. Er stand ganz still und
sagte: „Ich wollte nur mal testen,
ob meine Schuhe wasserdicht
sind.“ Sie waren es nicht.
Der Straßenfeger
An einem schönen Herbsttag
kamen Chrissi und ich gerade
von der Ohrenärztin. Er lief an

Foto: Daniel Rennen

meiner Hand und stapfte mit seinen kleinen Füßen die ganze Zeit
mit dem größten Vergnügen durch
dichte Laubberge. Auf der Straße
war gerade ein Mann von der
Straßenreinigung damit beschäftigt, das Laub zusammen zu fegen. Chrissi blieb kurz stehen und
sagte laut zu mir: „Mama, der
Mann war schlecht in der Schule.“
Das war mir vielleicht peinlich. Mir
wurde gleich ganz warm. Ich spürte eine aufsteigende Hitze.
Schnell nahm ich seine Hand und
zog ihn weiter. Dabei sagte ich
ganz leise: „Psst, so etwas sagt
man aber nicht!“ Er sagte noch
einmal laut und deutlich: „ Doch,
Papa hat gesagt, wenn man
schlecht in der Schule ist, kann
man nur Straßenfeger werden.“

Seite 23

SPÄTLESE
THEMA:

VERMISCHTES

FREITAG

DER

13.-

FRAU

GLÄUBIG

MACHT

SICH

GEDANKEN

…

von Waltraud Käß
Frau Gläubig liebt diesen Moment
zwischen den Zeiten. Der Körper
noch schläfrig, das Gehirn schon ein
wenig aktiv und mit den notwendigen,
alltäglichen Aufgaben beschäftigt.
Doch an diesem Morgen wird sie
durch das Bellen ihres Weckers frühzeitig aus dem Schlaf gerissen. Dieser bellende Wecker ist der Schäferhund aus ihrem Nachbarhaus. Armer
Hund, denkt Frau Gläubig, hat dich
Herrchen schon wieder allein gelassen. Vielleicht sollte sie dem Nachbarn vorschlagen, für ihn täglich als
Hundesitterin zu arbeiten? Aber was
würde dann aus ihren anderen Aktivitäten werden? Vielleicht wäre es einfacher, dem Nachbarn einen bösen
Beschwerdebrief in den Briefkasten
zu werfen und Abhilfe zu verlangen?
Wieso eigentlich soll sie sich mit dem
Köter herumärgern? Aber dann
müsste der Hund vielleicht in ein Tierheim? Das kann sie dem Tier doch
auch nicht antun. Kein Wunder, denkt
sie, der Tag fängt schon so blöd an.
Schließlich ist heute der 13. Und dazu noch Freitag. Aber gestern hast du
dich doch auch schon darüber aufgeregt, hört sie ihre innere Stimme. Sie
wird wohl weiter über dieses Problem
nachdenken müssen. Während der
Kaffee durch die Maschine läuft,
schaltet sie wie immer das Radio an.
Es ist ihr Leib- und Magensender.
Heute ist der letzte Tag der Umfrage.
Die Hörer sollen raten, wie viele Musikstücke der 70-er oder 80-er Jahre
in einer Stunde gespielt werden. Das
Telefon hat sie schon bereit gelegt,
die Nummer ist eingespeichert, sie
muss nur auf die Taste drücken. Da,
jetzt, da war wieder dieser Sound.
Schnell einen Strich auf der Liste machen. Seit vier Tagen hat sie richtig
geraten und sofort angerufen Manchmal hat sie eine halbe Stunde in der
Warteschleife gehangen. Und dann
hat eine andere Hörerin das Rennen
gemacht. O geil, ach super, hört sie
die fremde Stimme freudig erregt aus
den Lautsprechern. Vielleicht war sie

ja eine Sekunde zu spät. Heute muss es klappen, denkt
sie. Schließlich geht es um
Alles oder Nichts. Eine 8tägige Reise zusammen mit
weiteren 3999 Passagieren
auf einem Kreuzfahrtschiff ist
im Spiel. Punkt acht Uhr
drückt sie auf die Taste. Eine
freundliche Stimme bittet sie,
sich zu gedulden. Verdammt,
denkt sie, warum haben die
keinen Anrufbeantworter? Da
könnte ich meine Antwort auf
Band sprechen und käme mit
in die Auslosung. Überhaupt:
Warum kommen alle anderen
durch, nur ich nicht? Geht das
überhaupt mit rechten Dingen
zu? Haben die vorher die Hörer schon bestimmt, die bei
ihnen anrufen sollen? Was
springt eigentlich für den Sender heraus, wenn viele Anrufer in der Warteschleife hängen? Ihr Widerspruchsgeist
erwacht. Sie wird sich beschweren. Und dann wird sie
den Sender wechseln.
Der Bissen bleibt ihr bald im
Hals stecken, als die erste
Nachricht um 8.00 Uhr über
den Sender kommt. Peer
Steinbrück hat den Stinkefinger gezeigt. Ja um Gottes
Willen, wem denn? Es soll in
allen Zeitungen stehen, es ist
die Nachricht des Tages. Ja
gibt es denn keine wichtigeren Themen, z.B. den Krieg in
Syrien? Der Mann ihrer Wahl
hat sich so gehen lassen? Ist
das nun peinlich oder mutig?
Nee, denkt sie, der ist doch
cool, sagt nicht nur, was er
denkt, sondern zeigt es auch
noch. Aber von alleine kommt
der doch nicht auf so eine
Idee. Sie haben ihn bestimmt
provoziert. Sie rennt zum
Computer. Na bitte, da steht
es doch im Internet. Das Foto

Foto: Uta Herbert / pixelio.de

wurde schon Ende Juli gemacht. Warum bringen sie das
gerade jetzt, grade mal eine
Woche vor der Wahl? Das wird
ihn doch Stimmen kosten, garantiert. Mein Gott, vielleicht
wusste er, dass er nicht gewinnen kann und hat noch einen
drauf gesetzt? Ihr ist ganz wirr
im Kopf. Sie will ihn ja immer
noch wählen. Er hat ihr
schließlich in seinen Wahlreden aus dem Herzen gesprochen. Obwohl: Neulich ist er
bei der Rente mit 67 schon einen Schritt zurück gegangen.
Er wolle sich, wenn er Kanzler
wäre, erst einmal die Entwicklung betrachten. Frau Gläubig
schüttelt den Kopf. Aber das
konnte er doch schon all die
Jahre tun, seitdem er im Bundestag ist, denkt sie. Aber vielleicht hat er sich überlegt, dass
er für seine Vorschläge keine
Unterstützer findet. Das wird
so sein. Was soll sie denn nun
machen? Wenn er sowieso
nicht gewinnt, braucht sie ihn
auch gar nicht zu wählen. Und
wenn er nicht gewählt wird, will
er ja auch nicht mit Frau Merkel. Das kann Frau Gläubig
verstehen. Sie möchte auch
nicht mit dieser Frau. Also diese schwarz-rot-goldene Halskette, das war ja nun wirklich
geschmacklos. Obwohl: Mutig
ist sie ja, muss sich in diesem
Männerverein behaupten,
denkt sie. Das ist bestimmt

Seite 24
nicht leicht. Und klug ist sie
auch. Und eine von uns, also
aus der DDR. Die hat doch in
diesem Staat ihre sozialen
Wurzeln gehabt. Das kann
sie doch nicht alles vergessen haben. Und gut gemacht
hat sie es die letzten vier
Jahre auch. Aber irgendwie
ist sie auch durchtrieben. Wie
viele Minister sind in ihrer
Amtszeit schon über die Klinge gesprungen? Aber sie hat
das Kapital hinter sich. Sollte
man sie bei diesem schweren
Job nicht doch unterstützen?
Natürlich hat sie auch nicht
alles gehalten, was sie vor
vier Jahren vor der Wahl versprochen hat. Trotzdem: Was
man hat, das hat man. Was
will man mit dem Spatz
Steinbrück in der Hand, wenn
die Taube Merkel schon auf
dem Dach sitzt? Aber was
danach kommt, steht sowieso
in den Sternen. Oder sollte
ich doch wieder die Partei
wählen, die ich vor vier Jahren schon ausgesucht hatte,
überlegt Frau Gläubig. Die
konnten zwar auch nicht viel
bewirken, aber als Stachel im
Bundestag waren sie gut geeignet. Und den braucht dieser Laden. Man kann sich ja
nicht alles gefallen lassen.
Ich habe ja noch eine gute
Woche Zeit zum Überlegen,
denkt sie. Denn heute, am
Freitag, dem 13. will sie so
eine schwere Entscheidung
nicht treffen. Schließlich ist
sie noch nach der Wahl mitverantwortlich für das Ergebnis. Aber danach will es sowieso keiner gewesen sein.
Das hat sie inzwischen auch
gelernt. Sie hört, dass Facebook an die Börse gehen will.
Frau Gläubig weiß nicht, was
sie davon halten soll. Womit
verdienen die eigentlich ihr
Geld? Na sicher doch mit der
Werbung. Sie hat gelesen,
dass die Werbung bei Facebook den Kunden auf den

www.magazin-spätlese.net
Leib geschneidert wird. Es soll
ja sogar eine Software geben,
die aus den Beiträgen der Nutzer deren Wünsche heraus filtert und sie dann ganz individuell bedient. Und das merken die
nicht einmal. Alle reden davon,
dass es ein soziales Netzwerk
ist, in dem man viele Freunde
finden und mit den Politikern
brisante Themen diskutieren
kann. Mit den Freunden kann
man dann über die eigenen Gefühle schreiben, über Freude,
über Trauer, über Wut, man
kann den ganzen persönlichen
Frust ablassen. Und dann bekommt man viele Antworten
von vielen, anonymen Freunden bei Facebook oder Twitter,
oder wie die Netzwerke alle
noch so heißen. Niemandem
kann man dabei in die Augen
sehen. Wäre es denn nicht besser, sich aktiv einzumischen, in
den Parteien, in den Vereinen,
auf der Straße, anstatt einen
anonymen Shitstorm loszutreten? Warum regen sich die
Menschen bei all diesem Tun
aber darüber auf, dass auch
andere, z.B. die Geheimdienste, ihre Mitteilungen lesen und
ihre Daten ausspähen? Daran
sind sie doch selbst schuld. Die
verraten doch Dinge von sich,
die eigentlich niemanden was
angehen. Sie z.B. macht kein
Online-Banking, da läuft sie lieber die 10 Minuten zur Sparkasse. Man soll ja im Alter auch
in Bewegung bleiben und nicht
dauernd vor dem Computer hocken. Sie weiß, dass auch
Bankdaten schon ausgespäht
wurden. Wo ist man denn überhaupt noch sicher? Sie hat
noch nie im Internet irgendwelche Waren bestellt, die sie
dann vielleicht wieder zurück
schicken muss. Denn sie hat
gehört, dass damit schon viel
Schindluder getrieben wurde.
Menschen, die da mitspielen,
machen sich doch selbst zum
gläsernen Objekt der Begierde.
Wer in dieser virtuellen Selbst-

hilfegruppe von Facebook oder
Twitter alles über sich verrät, aus
dem dieses Netzwerk auch noch
Gewinn schlägt, braucht sich doch
über nichts mehr zu wundern. Wie
arm sind doch die Menschen, die
ihre Freunde nur im Netz suchen,
denkt sie. Da lobt sie sich doch ihre
Freunde und Bekannten, mit denen
sie persönlich reden kann, die sie
anfassen kann, mit denen sie sich
treffen kann, die sie auch einmal in
den Arm nehmen, und von denen
sie weiß, dass sie ihnen vertrauen
kann. Aber von gestern ist sie auch
nicht. Sie weiß, dass die technische Entwicklung nicht aufzuhalten
ist. Aber sollten die Menschen nicht
achtsamer damit umgehen? Sie
hat da so ihre Zweifel. An diesem
Tag passiert noch eine ganze Menge. Es gibt keine guten Nachrichten, und manchmal hat sie keine
Lust mehr, sich über diese Meldungen ihren Kopf zu zerbrechen. Sie
kann es ohnehin nicht verhindern,
dass Menschen sich die Köpfe einschlagen. Alle lügen. Eine Seite
schiebt der anderen Seite die
Grausamkeiten zu. Die eine Seite
macht was dazu, die gegnerische
Seite lässt was weg. Das ist doch
auch Lüge. Und wen trifft es immer? Die schwächsten Glieder der
Gesellschaft. Manchmal wünscht
sie sich, dass die Politiker, die
Krieg befehlen, nur mal einen Tag
lang im Kriegsgetümmel zubringen
müssen, als einfache Soldaten,
oder gar als Flüchtlinge, und nicht
geschützt von ihren Bodyguards.
Der Krieg wäre sehr schnell zu Ende. Dann hört sie gespannt hin, als
die Moderatorin bekannt gibt, dass
heute ein Haufen Schnee auf dem
Alexanderplatz gelegen hat. Und
das soll sie nun glauben? Möglichst gleich wieder anrufen? Andererseits: In den Alpen ist auch
schon der erste Schnee gefallen.
Aber hier hat wohl ein Schelm einen kleinen Haufen Kunstschnee
auf dem Alex platziert, und niemand weiß, wer es gewesen ist.
Vielleicht wollte er darauf aufmerksam machen, dass es bald Winter
wird und dass Weihnachten vor der

Seite 25

SPÄTLESE
Tür steht. Aber das haben ja schon
die Supermärkte getan, denkt Frau
Gläubig. Schließlich stapeln sich
schon seit Wochen die Christstollen
und Pfefferkuchen und Spekulatius in
den Regalen. Sie lässt sich davon
nicht einfangen. Sie wird wie immer
THEMA:

WAS

doch ein Tag wie jeder andere in diesem Jahr, denkt
sie. Es war der ganz normale Wahnsinn, über den sie
sich Gedanken gemacht
hat.

erst zum Nikolaus die ersten
Dominosteine kaufen.
Am Abend überlegt sie, was all
die Nachrichten mit Freitag,
dem 13. zu tun hatten. Nichts ist
schlimmer geworden durch dieses Datum. Eigentlich war es

VERMISCHTES

ALLES

SO

IM

FLUGZEUG

VERGESSEN

WIRD

von Ursula A. Kolbe

Foto: Karl-Heinz Liebisch / pixelio.de

Es ist doch immer wieder erstaunlich,
was alles so vergessen wird. Ob
Bahn, Bus, Dampfer, öffentliche Einrichtungen – kein Fundbüro braucht
über mangelndes Interesse klagen,
bringt so manch Wichtiges zurück,
ruft aber auch manches Schmunzeln
hervor. Eine nicht alltägliche Frage
stellte kürzlich Skyscanner, Europas
THEMA:

führende Reisesuchmaschine, rund 700 internationalen
Flugbegleitern, was denn die
lustigsten und bizarrsten
Funde seien. Die Antworten
unter 700 internationalen
Flugbegleitern brachten Erstaunliches zutage. Ganz
oben auf der Liste der unglaublichsten Fundstücke im
Flugzeug standen lebende
Tiere. Gefunden wurden ein
herrenloser Papagei, ein
Falke, auch ein Frosch, eine
Schildkröte ebenso. Skurril
dagegen zeigten sich künstliche Zähne, eine Beinprothese, ein Glasauge gar. Perücken, Toupets, ein einzelner Schuh, ein Kontrabass
waren dagegen vergleichsweise harmlos. Aber auch je

ein Sack Zwiebeln bzw. Sand,
eine Schachtel mit Trockenfisch, was alles so als Handgepäck durchging, wurde als
„Luftfracht“ zurückgelassen.
Die Flugbegleiter „retteten“ ein
rohes Ei ohne Verpackung,
schmunzelten über Handschellen, nahmen einen schriftlichen
Heiratsantrag in Verwahrung.
Was aber wird der Besitzer einer Schachtel Diamanten gemacht haben, als er den Verlust bemerkte. Auch ein vergessenes Brautkleid hat hoffentlich den Weg zu der künftigen Besitzerin noch vor der
Trauung gefunden. An Regelmäßigkeit dagegen sind Funde
wie Pässe, Mobiltelefone, Bücher nicht zu toppen.

VERMISCHTES

BIS ZUM 15. NOVEMBER
M I T M A C H E N ? von Ursula A. Kolbe
Wenn auch die Frist ziemlich kurz ist,
machen Sie mit! Setzen Sie sich an
Ihren Computer oder Laptop und machen bei folgender Aktion von
„MERIAN live!“ mit: Die Redaktion hat
einen Sonderband „Wo Deutschland
am schönsten isst“ in Arbeit und wendet sich nun an alle Hobbygourmets
und Tischentdecker, die gerne in besonderer Atmosphäre weilen, ihre
persönlichen Orte rund ums Essen
vorzuschlagen.
Der perfekte Picknickplatz, die urigste
Eckkneipe oder das Restaurant mit
dem schönsten Weitblick, also alles
vom Picknick bis zur Sternenküche die besten Tipps werden im Blog vor-

EIGENE

TIPPS

GEFRAGT

gestellt und im Buch veröffentlicht.
Dabei baut die Redaktion
nicht nur auf die eigene Erfahrung in Sachen Reisen
und Genuss, sondern befragt
auch die Leser. Im Blog können die Leser zudem die Entstehungsgeschichte des
Buchs verfolgen, persönliche
Anekdoten lesen und die
schönsten Adressen ausfindig machen.
Das gedruckte Buch wird
dann im Frühjahr 2014 erscheinen und soll ab Mai im
Handel sein. Der Verlag

-

LUST

ZUM

TRAVEL HOUSE MEDIA,
München, verlost unter allen
Einsendungen bis zum 15. November 2013 einen Restaurantgutschein über 200 Euro
sowie 10 Bildbände MERIAN
„Einmal im Leben – 100 Abenteuer zu Wasser“.
Die große Aktion ist online.
Ganz einfach unter dem Link:
www.wo-deutschland-amschönsten-isst.de oder bei Facebook, Twitter und Pinterest

DAS MAGAZIN FÜR AUFGEWECKTE
SENIORINNEN UND SENIOREN
BISHERIGE ONLINE-AUSGABEN AB JAHR 2008 FINDEN SIE
IN UNSEREM ARCHIV UNTER:
WWW.MAGAZIN-SPAETLESE.NET

B E Z I R K S A M
M A R Z A H N
H E L L E R S D O R
VON BERLIN
R I E S A E
S T R A ß E
9
12627 BERLIN

T
F
R
4

R E D A K T I O N
SPÄTLESE
Telefon:

(030)

90293-4371

Telefax: (030) 90293-4355

S P R E C H Z E I T E N
SENIORENBÜRO
Mo

9-12

und

13-15

Uhr

Do 9-12 Uhr
E-Mail:
magazin-spaetlese@gmx.de
Internet:
www.magazin-spätlese.net

Die Spätlese ist das erste Seniorenmagazin aus Marzahn-Hellersorf im Internet. Ehrenamtliche Autorinnen und Autoren schreiben
lesenswerte Texte, die aus dem Leben gegriffen sind und persönliche Hintergründe haben. Ernste und auch humorvolle Geschichten,
Reiseberichte und Beschreibungen von Erlebnissen - für jeden ist etwas dabei. Seit Januar 2008 erschienen 20 Ausgaben des Online
Magazins unter der Homepage des Bezirksamtes Marzahn-Hellersdorf www.marzahn-hellersdorf.de.
Die

Spätlese

hat

sich

als

Online-Magazin

etabliert,

denn

die

Vorteile

liegen

auf

der

Hand:

• die Spätlese ist vernetzt - zu anderen Portalen und Projekten
• die Spätlese ist flexibel - bei Aktualisierungen und bei der Anzahl von Artikeln
• die Spätlese ist werbefrei - und ein zeitgemäßes Informationsmedium
Die sechs Mitglieder der ehrenamtlichen Redaktion Spätlese treffen sich monatlich und stellen die Texte zur Veröffentlichung zusammen. Bei den Texten legen Sie besonderes Augenmerk auf gute Qualität und entsprechende Aussagekraft für Seniorinnen und Senioren.
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.