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Periodical volume

Full text: Spätlese Issue 2011,7/8

DAS MAGAZIN FÜR AUFGEWECKTE
SENIORINNEN UND SENIOREN

IN DIESER
AUSGABE:
Viel Stein und Metall—

1

Christlicher Garten eröffnet
Musikgruppe „Fifty-

SPÄTLESE
www.magazin-spätlese.net

Ausgabe Juli/August 2011

3

Fifty“ spielt auf
Reisen im Nachkriegs-

3

deutschland
Sechs Kühe im Schau-

5

WAS

ERWARTET

SIE

IN

DIESER

AUSGABE?

fenster
Seniorenkino bald wieder 7
voll im Einsatz
So ein Kitsch

8

Wo schon Marlene Diet-

9

rich vor der Kamera
stand
Die Pferdekur

10

(Nacherzählt aus Reuters Sämtlichen Werken)
Das Urlaubsgespräch

11

Was uns ein kleines So-

12

larboot sagen will
Helfen oder Angst ma-

13

chen
Bei Familie Kühn in Nie-

14

derfinow
Pilottechnik fürs Leben

Die Leserinnen und
Leser können sich
auf
interessante
und
lesenswerte
Themen freuen. Die
ehrenamtlichen Autoren haben sich
auch in dieser Ausgabe bemüht, für
jeden Geschmack
etwas anzubieten.
Barbara Ludwig äußert ihre Meinung
ü b e r
d e n
„Christlichen Garten“
und
über
Kitsch. Christa-Dorit
Pohle war im Seniorenkino „Kiste“ und
schreibt
über
„Blüten“.
Gerhard
Kolberg
erinnert

sich an Reisen sowohl nach dem 2.
Weltkrieg als auch
heute. Ursula A.
Kolbe war in Dresden und hat dort
sechs Kühe gesehen, schreibt über
125 Jahre Autobau
und über andere
technische Errungenschaften. Rudolf
Winterfeldt besuchte eine Musikgrup-

pe, hat es mal wieder mit Fritz Reuter
und schreibt über
seine
Seniorengruppe. Ein Gedicht
von
Wolfgang
Prietsch rundet die
Ausgabe ab.

Redaktion Spätlese

15

im Alter
12 Jahre Seniorengruppe 16

THEMA:

„An der Wuhle“
Die Erfurter Krämerbrü-

17

cke—mittelalterlich an18

Ortsnamen
Als Carl und Bertha das

19

Auto laufen lehrten
Könnte ich malen

VIEL STEIN UND METALL—CHRISTLICHER
GARTEN ERÖFFNET
von Barbara Ludwig

heimelnd
Atlas der 999 seltsamen

ERHOLUNGSPARK

20

www.magazin-spätlese.net

Der aufwändig gestaltete
„Christliche
Garten“ im Erholungspark MarzahnHellersdorf von Berlin mit seinen Gärten
der Welt, dem leider
mindestens 16 sehr
schön gewachsene
Bäume und Sträu-

cher weichen mussten, erregt die Gemüter und weckt ihre
Neugier oder besser
die Wissbegier vieler
Besucher.
Christliche
Gärten
gibt es in der Geschichte der Gartenarchitektur nicht. Be-

trachten wir es als
einen
originellen
Einfall des Architekten.
Wir stehen in einem
Garten mit wenig
Grün, wobei die ihn
säumenden hohen
Buchenhecken dem
Metallgestell
und

Seite 2

SPÄTLESE

Barbara Ludwig

„irritiertes
Staunen beim
Betreten des
Wandelgangs“

den Gehwegplatten ein
wenig die Starre nehmen. Dieser Garten wirkt
eher wie ein Denkmal.
Wenden wir uns dem mittig liegenden Quadrat zu.
Weißblühende Pflanzen
und Boden deckendes
Strauchwerk in schlichter
Gestaltung beleben die
zwischen dem Wegkreuz
liegenden Flächen. Sehr
ansprechend und edel
wirkt das sanfte Wasserspiel über dunklem glattem Gestein. Es symbolisiert wohl das Gedeihen
des Lebens auf der Erde
in Harmonie und Frieden.
In diesem Mittelstück erkennen wir den eigentlichen Kern des Gartens:
Es ist ein Klostergarten.
Damit rückt er inhaltlich
in die Nähe der anderen
Gärten, wird dem Besucher verständlich und
erlaubt eine historische
Einordnung.
Dagegen gerät der Besucher in irritiertes Staunen
beim Betreten des Wandelgangs, denn dieser ist
beidseitig und oben,
gleich einer Überdachung, von großen metallenen, goldglänzenden,
übereinander bzw. nebeneinander gefügten
Buchstaben auf ca. vier
Metern Höhe eingerahmt.
Ein begrenzter Gang.
Aber durchflutendes Tageslicht lässt die Grenze
bisweilen transparenter
erscheinen. Der interessierte Besucher versucht
die Buchstaben zu entziffern. Hier stößt er auf
weitere Grenzen. Bibelzitate, Gedichte, Hymnen
und Volkslieder seien zu
lesen, entnimmt man den
Zeitungen. Aber es ist
schwierig, die Buchsta-

Foto: Ursula Maria Raupach

ben zu Worten und die
Worte zu Sätzen zusammenzufügen. Eine nicht
mehr ganz junge Frau
meint beim Versuch zu
lesen: „Mir ist, als hätte
ich Sand in den Augen.“
Ein älterer Herr gibt das
Lesen auf und äußert
höchst
unzufrieden:
„Das reinste Puzzlespiel.“
Schade. Enttäuscht verlassen sie diese Stätte,
wo man doch Erbauung
erwartet. Manch anderem Besucher gelingt es
dann mit Hilfe des
freundlichen Sicherheitsdiensthabenden einige
Zeilen zu entziffern. Die
„Berliner Woche“ vom
11.5.11 gibt im Artikel
„Bibelworte in Metall“
den Ausspruch des Architekten wieder: „Am
Anfang stand das Wort
im Zentrum des beginnenden Lebens. Deshalb haben wir die Anlage mit Buchstaben konzipiert.“ Weiß der Architekt, was er sagte?
Im Neuen Testament
steht geschrieben: „Im
Anfang war das WORT
“. Als Goethes Faust
sich anschickte das Original ins Deutsche zu
übersetzen, war es ihm
nicht möglich das WORT
so hoch zu schätzen. Er
übersetzte es letzten

Endes mit: „Im
Anfang war die
Tat!“. Das Wort
„Lògos“ lautet ins
Deutsche
übersetzt wohl Wort,
aber das deutsche
Wort „Wort“ sagt
nicht aus, was der
Urbegriff
meint.
Dem WORT werden verschiedene Bedeutungen zugemessen.
Es bezeichnet Sein,
Sinn, Kraft, Tat, Geist,
Lehre. In diese Auslegungsrichtung geht auch
Luther. Es ist also nicht
auf das deutsche Wort
„Wort“ reduzierbar.
Zum Schluss plagt mich
m
e
i
n
„Gerechtigkeitssinn“: Ist
es denn wirklich mit einer Religion, der ein
Garten erbaut wurde,
getan? Der Orientalische
Garten sollte ganz mutig
wieder in Islamischer
Garten umbenannt werden. Und hunderte von
Glaubensrichtungen haben vielleicht auch noch
Bedarf? Wenn der angrenzende, noch nicht
bebaute Platz des Erholungsparks für diese
Gartenvorschläge nicht
infrage käme, könnte
das derzeitige Areal weiter parzelliert werden.
Durch den Christlichen
Garten wird der ehemalige freie Blick zum Kienberg ohnehin stark eingeschränkt.
Liebe Leser, sind Sie
neugierig oder besser
wissbegierig geworden?
Dann urteilen Sie an Ort
und Stelle selbst.

Seite 3
THEMA:

www.magazin-spätlese.net

KULTUR

MUSIKGRUPPE

„FIFTY-FIFTY“

SPIELT

AUF

von Rudolf Winterfeldt
Einer Einladung folgend,
verbrachte ich ein paar
Stunden im Nachbarschaftshaus „Kiek in“ in
der Rosenbecker Str.
Meine Neugier war geweckt durch die Ankündigung einer Musikgruppe.
„Fifty-Fifty“ nennt sie sich
und das resultiert wohl
aus der Zusammensetzung der Gruppe, obwohl
es drei Frauen und zwei
Männer sind.
Im Gespräch erfuhr ich,
dass die Senior(innen)
seit vielen Jahren bei
Herrn Michael Stappenbeck Gitarrenunterricht
nehmen. Ihr Domizil war
und ist das Nachbarschaftshaus. Der Gedanke lag nahe, warum sie
nicht ihr Können auch in
diesem Hause zeigen
sollten. So entstand dieser gemütliche Nachmittag mit Musik und Rezitationen, der seit einiger
Zeit regelmäßig besucht
THEMA:

REISEN

REISEN

IM

UND

werden kann. Auf
dem Bild ist die
Gruppe zu sehen.
Von links beginn e n d:
M i c h ae l
Stappenbeck, EvaMaria Wolf, Carola
König, Ingrid Szage
und Erich Gutmann.
Frau Wolf organisiert
diese Veranstaltung, die
auch in anderen Einrichtungen möglich ist, und
eröffnete den musikalischen Nachmittag mit
dem gemeinsamen Singen des Liedes „Komm
lieber Mai und mache …“.
Gitarrenklänge, begleitet
von einem Akkordeon,
brachten unsere Gedanken auf den Frühling. Zwischen den musikalischen
Darbietungen rezitierte
Frau Wolf verschiedene
Verse zum Frühling. Nebenbei gab es eine Kaffeetafel, die allen Gästen
vorzüglich mundete.

Rudolf Winterfeldt

Foto: Rudolf Winterfeldt

„Komm lieber
Mai und
mache...“

Es war ein fröhlicher
Nachmittag, der besonders musikalisch in unsere Herzen drang. Das Repertoire umfasst Klassik
und auch Volksmusik.
Wer sich selbst mit einem
Instrument verwirklichen
will, sollte sich an das
Nachbarschaftshaus
„Kiek in“ wenden und in
dieser Gruppe mitmachen. Ich wünsche der
Gruppe weitere Erfolge in
ihrer Arbeit und das sie
weiterhin anderen Menschen mit ihrer Musik
Freude bereiten.

ERHOLUNG

NACHKRIEGSDEUTSCHLAND

von Gerhard Kolberg
Urlaub will ich hier gar
nicht berichten, sondern
von der Vorbereitung für
eine Reise im Sommer
1948 – also drei Jahre
nach dem Ende des
2.Weltkriegs,
der
Deutschland in Schutt
und Asche gelegt hatte.
Ich war gerade 18 Jahre
alt und hatte meine erste
feste Freundin. Sie war
im gleichen Alter wie ich.
Eines Tages bot uns eine

Foto: Gerhard Kolberg

Vom Kalender her gesehen stehen wir mitten in
der besten Reisezeit. Es
ist Sommer, die Sonne
steht hoch am Himmel
und die Urlaubsstimmung
ist entsprechend groß, so
groß, wie die Koffer und
Taschen, die gepackt
werden müssen, um all
die Dinge unterzubringen,
die man für einen zünftigen Urlaub zu benötigen
glaubt.
Doch von solch einem

meiner Tanten an: wenn
wir Lust hätten, könnten
wir drei Wochen zum
Lottschesee fahren, wo

SPÄTLESE
sie in einer alten Urlaubersiedlung mitten im Wald
eine kleine Hütte gepachtet hatte. Dieses kleine Paradies hätte zwei Räume –
einer würde als Küche dienen, der andere als kombin i e r t e s
W o h n /
Schlafzimmer.
Nach Rücksprache mit unseren besorgten Müttern
Gerhard Kolberg
war es schnell klar, dass
wir dieses Angebot annahmen. Was störten uns da
die Schwierigkeiten der
Organisation des Unternehmens? Schließlich war
3 Jahre nach dem Krieg
noch fast alles rationiert.
Lebensmittel mussten zudem dort gekauft werden,
wo man sich mit seinen
Lebensmittelkarten
„angemeldet“ hatte,
also im Tante-EmmaLaden gleich um die
Ecke. So war es er“Vorbereitung
klärlich, dass wir unfür eine Reise
seren Proviant für
im Sommer
zehn Tage im Reise1948“
gepäck unterbringen
mussten. Für die
nächsten zehn Tage
hatte man wieder
zum Laden zurückzufahren, denn es durfte nur
für die laufende Dekade
verkauft werden. Wer dagegen verstieß, musste mit
empfindlichen Strafen
rechnen.
Und so sah dann unser
Reisegepäck aus:
1 Rucksack, 2 Koffer, 2
Aktentaschen, die Lebensmittel für eine Dekade. Eine Kartoffelzulage für August war auch schon
vorfristig verkauft worden.
Unsere Mütter steuerten
aus ihren knappen Vorräten noch Gemüse, etwa 10
Pfund Kartoffeln, 1Pfund
Roggenmehl, 1 Pfund Gemüsemehl, 1 Büchse Brot-

aufstrich, 1 selbstgebackenen Kuchen und 12
Zigaretten bei (jawohl,
auch Zigaretten waren
rationiert und die Sache
mit dem Lungenkrebs hatte sich damals noch nicht
herumgesprochen). Außerdem gehörte zu unserem Gepäck: ein geliehener Petroleumkocher, 1
Flasche Petroleum und 1
Flasche Spiritus. Letztere
als Reserve, weil es am
Urlaubsort einen entsprechenden Spirituskocher
geben sollte. Heute würde
man für dieses Gepäck
einen mittleren Bus benötigen – damals ging das
alles mit der Bahn. Man
war ja auch jung, unternehmungslustig und durch
den vergangenen Krieg an
manche Schwierigkeiten
gewöhnt.
Wir erreichten unser Ziel
trotz der Enge im Zug
wohlbehalten und freuten
uns auf die nächsten drei
Wochen.
Pünktlich holte ich die uns
zustehenden Rationen für
die nächste Dekade aus
Berlin ab und konnte den
neugierigen Müttern versichern, der Urlaub sein bisher sehr schön gewesen,
wir würden uns gut verstehen und wir würden uns
an ihre mahnenden Worte
„Macht keine Dummheiten“ strikt halten.
Ein Jahr zuvor hatte ich
eine andere Reise unternommen. Initiator war
mein damaliger Schulfreund H. Er hatte erfahren, dass das evangelische Jungmännerwerk
einige junge Männer aus
der russischen Zone zu
einer Freizeit auf der Insel
Mainau im Bodensee einlud. Jung waren wir

Seite 4
(immerhin 17 Jahre alt) und
im sowjetischen Sektor von
Berlin wohnten wir auch. Und
so gelang es dem Organisationstalent H. die entsprechende Einladung für uns zu bekommen. Eine Bescheinigung
des Schwedischen Konsulats
wies uns als Teilnehmer des
Jungmännerwerks aus.
Was wir aus Gründen der politischen Teilung Deutschlands nicht bekommen konnten (aus dem Osten fährt kein
junger Mensch zu einer kirchlichen Veranstaltung in die
Westzonen), waren die damals notwendigen Reiseerlaubnisspapiere seitens der
staatlichen Stellen, wie Interzonenpass, Passierschein
und G-Bescheinigung (mit der
man seine Lebensmittelmarken für den jeweiligen Reiseort gültig machen lassen
konnte.) Und so beschlossen
wir, „schwarz“ zu fahren, d.h.,
ohne den „staatlichen Segen“.
Ganz wohl war es unseren
Eltern nicht, uns auf diese ungewisse Reise gehen zu lassen. Aber der Gedanke, dass
wir auf der Mainau im Gegensatz zu der mageren Kost, die
uns zuhause zustand, sicherlich besser verpflegt werden,
ließ sie letzten Endes zustimmen.
Die Reiseroute habe ich damals in meinem Reisetagebuch festgehalten:
Mit Koffer, Rucksack, eineinhalb Broten und 280 Reichsmark starteten wir am 14.Juli
1947 um 06:48 Uhr vom damaligen Schlesischen Bahnhof und fuhren bis Magdeburg. Dort setzten wir uns in
den Zug nach Eilsleben, wo
es eine Verbindung nach
Völpke geben sollte. „In den
Zug setzen“ ist eigentlich zu
viel gesagt. Wir saßen hinten
am letzten Wagen draußen
auf einem Brett und winkten

Seite 5

www.magazin-spätlese.net

beim Vorbeifahren dem
Bahnhofsvorsteher freundlich zu. Man glaubt heute
gar nicht, wie viele Plätze
es außerhalb des Wageninneren an und auf den
ständig überfüllten Zügen
geben konnte.
Der Zug nach Völpke, das
in der Nähe der Grenze
zur Britischen Zone lag,
war natürlich weg. Also
hieß es „LAUFEN“, um die
damals noch fast unbewachte und unbefestigte
Grenze zu überqueren.
Nach fast 6 Stunden Fußmarsch war der 25 bis 30
Kilometer lange Weg geschafft, Helmstedt erreicht.
Kontrolliert hatte uns unterwegs nur ein Polizist, dem
die Bescheinigung vom
Schwedischen Konsulat
als Legitimation genügte.Damit war der gefährlichste Teil der Reise überstanden. Für den Rest
brauchten wir nur noch viel
Zeit, gute Nerven und
pünktliche Anschlüsse.
Nach der Übernachtung
THEMA:

SECHS

DRESDEN

KÜHE

IM

und einem warmen Essen
bei der Bahnhofsmission
ging es von Helmstedt weiter nach Hannover.
Von dort fuhr ein Zug nach
Frankfurt, wo wir an der
Britisch-Amerikanischen
Zonengrenze eine Passkontrolle überstanden.
Heidelberg war der nächste Umsteigebahnhof. Hier
verpassten wir den Baseler
Express nach Konstanz.
Also ging es in Etappen
weiter: Offenbach - Karlsruhe. Im Zug erneute
Passkontrolle, denn wir
überrollten die Amerikanisch-Französische Zonengrenze. Um 2:30 Uhr fuhren wir in den Bahnhof ein
und suchten einen Zug in
Richtung Konstanz. Wir
fanden ihn und legten uns
auf die Holzbänke und
schliefen ein, bis wir um
5:40 Uhr durch das Rattern
der rollenden Räder geweckt wurden. Nach nochmaligem Umsteigen in Vitlingen (es war aber sicherlich Wittlingen), erreichten
MAL

GANZ

ANDERS

wir endlich Konstanz. Was
wir hier sahen, war schier
unglaublich: Die Fahrräder
standen unangeschlossen
auf der Straße und keiner
nahm sie weg!
Ein Bus brachte uns schließlich zur Insel Mainau. Das
war am 17.Juli 1947. Drei
Tage hatten wir von Berlin
bis hierher gebraucht.
Ähnlich abenteuerlich war
dann auch die Heimfahrt, die
gekrönt wurde von unserer
Festnahme durch die alliierte
Militärpolizei in Bad Oeynhausen. Nach eineinhalb
Stunden war der zuständige
R.T.O. (Bahnhofsoffizier)
aber von unserer Harmlosigkeit überzeugt und ließ uns
wieder frei. Mit einer „ganz
normalen“ letzten Etappe
beendeten wir unsere Reise,
nämlich am 19.August für 20
Reichspfennig mit der SBahn von BabelsbergUferstadt nach Warschauer
Brücke. Von dort waren es
nur noch 15 Minuten zu Fuß
nachhause.

GESEHEN

SCHAUFENSTER

von Ursula A. Kolbe
Die Gebrüder Pfund hatten
eine Pfundsidee. Sie konnten natürlich vor 100 Jahren nicht ahnen, einmal in

Foto: Stephan Kolbe

das Guiness-Buch der Rekorde einzugehen - Seit
1998 als „schönster Milchladen der Welt“. Das ist er
aber auch, ich bin
einfach fasziniert.
Was ist schon so
ein alter Laden,
denkt man. Aber
hier ist Geschichte bewahrt, hier
lebt sie. Hier in
Dresden, wo eigentlich Frauenkirche, Semperoper und Zwinger
den
Ruf
von

Elbflorenz begründeten
und in die Welt hinaustru- Ursula A.Kolbe
gen. Aber eben auch das
Kleinod „Pfunds Molkerei“
auf der anderen Elbseite,
im Herzen der Neustadt.
Beim Betreten des Geschäfts
in der Bautzener Straße
strahlt einem das original restaurierte Ambiente phantasievoll gestalteter Fliesen an
Wänden, Decke, Fußboden
und Verkaufstresen entgegen,
wunderschöne handgemalte
Darstellungen von Kindern,
Tieren, den Produkten überhaupt.

SPÄTLESE

„Wenn der
Kunde nicht
zum
Hersteller
kommt, geht
der
Hersteller
zum Kunden“

Wie alles begann
Angefangen hatte alles
ganz simpel. Mehr lapidar
stellt Geschäftsführer Dr.
Frank Zabel die Worte in
den Raum: „Wenn der Kunde nicht zum Hersteller
kommt, geht der Hersteller
zum Kunden. Und was wir
heute als Riesen-Gag bezeichnen würden, war vor
100 Jahren „das“ Ereignis.“
Das sich so beschreiben
lässt: Mit seiner Frau Mathilde, sechs Kühen, ebenso viel Schweinen und festen Vorstellungen kam der
Landwirt und spätere Geheimrat Paul Gustav Leander Pfund (1849 – 1923)
nach Dresden, stellte seine
Kühe in ein Schaufenster
und los ging’s. Er wollte
den Städtern, vor allem den
armen, bedürftigen, seine
Milch verkaufen.
Die Dresdner waren begeistert, konnten sie doch
durch das Schaufenster
beim Melken zusehen und
die frische Milch quasi vom
Kuheuter weg in ihre Kannen abfüllen lassen. Eine
Geschäftsidee, die wie ein
Feuerwerk losging. Bald
wurde der Laden zu eng,
der Umzug in einen größeren in die Bautzener Straße
die Konsequenz. Kurze Zeit
später zählte man schon 50
Filialen. Seinen Bruder
Friedrich konnte der zielstrebige Firmengründer als
Teilhaber gewinnen. Obwohl dessen Ambitionen
als Herzoglich - Weimarer
Hofschauspieler woanders
lagen, nutzte er sein Ansehen, wichtige Persönlichkeiten für die Idee des Unternehmens und als Kunden zu gewinnen.
Hygiene wurde ganz groß

geschrieben und die Gesundheit vor allem der Kinder im Blick. Was eignete
sich da besser als Milch
und ihre Produkte. Mit Geschäft und Mitarbeitern
wuchs auch das Angebot.
Hatte es mit 150 Liter frischer Milch am Tag begonnen, flossen in den 30er
Jahren bereits täglich bis
60 000 Liter in die Kannen.
Ob Sahne, Butter, Joghurt,
Käse, Kefir, Buttermilch,
Milchpulver, Kondensmilch
oder Milchseife, bei Pfunds
wurde alles selbst hergestellt.
Pfund „erfand“ die Kondensmilch
Als Erster in Deutschland
entwickelte der umtriebige
Geschäftsmann die Kondensmilch, womit der Erfolgsweg ins Ausland begann. Gegen heftige Widerstände führte er auch die
Pasteurisierung ein – das
Verfahren heute in den
Molkereien undenkbar. Kindernahrung mit Muttermilchqualität ist sein Siegel.
Ihm gebührt das Verdienst,
der Kindersterblichkeit erfolgreich den Kampf angesagt zu haben. Ebenso die
Milchseife für empfindliche
Haut, was dem damaligen
Schönheitsideal sehr entgegenkam. Auch das gehörte zur Pfundschen Philosophie: Dienstwohnungen,
Betriebskrankenkasse und
Kindergarten.
Wie durch ein Wunder
überstanden
Nur das Geschäft in der
Bautzener Straße hat wie
ein Wunder die Bombardements des Zweiten Weltkrieges überstanden. Aber
der Zahn der Zeit nagte in
den folgenden Jahrzehnten

Seite 6
an ihm. Trotz Enteignung
und Verstaatlichung 1972
blieb die Gründerfamilie mit
dem Unternehmen verbunden. Anfang der 90er Jahre
rückte der Laden wieder in
den Blickpunkt: Seit 1995
erstrahlt das Pfundsche
Herzstück in altem neuem
Glanz.
An der Theke lacht der Käse-Gaumen. 120 Sorten –
Frisch-, Weich-, Schnittund Hartkäse von Kuh,
Schaf oder Ziege – fordern
das Probieren geradezu
heraus. Neben zunehmend
heimischen Produkten locken eine Vielfalt aus der
Schweiz, Italien, Spanien
und natürlich Frankreich die
Kunden an. Und weil erst
mit einem guten Glas Wein
der Käse-Geschmack seine
Vollendung erhält, sagt der
Kenner, gehört dieser
ebenfalls zum Angebot, natürlich aus dem Elbtal zwischen Pillnitz und Meißen.
Übrigens findet auch der
originalgetreu nachgebildete historische Milchbrunnen, aus dem früher die
Milch abgefüllt wurde, an
jedem Tag seine Bewunderer Es kann dabei schon
mal Gedränge geben. An
Spitzentagen geben sich
(dank Halt bei Stadtrundfahrten) bis zu 2 000 Besucher die Klinke in die Hand.
Und dass im „schönsten
Milchladen der Welt“ das
Glas frische Milch oder Buttermilch
am
besten
schmeckt, kann ich bestätigen.

Seite 7
THEMA:

www.magazin-spätlese.net
REGIONALES

SENIORENKINO

BALD

WIEDER

VOLL

IM

EINSATZ

von Christa-Dorit Pohle
Wer das Seniorenkino
„Kiste“ in der Heidenauer
Str. in Hellersdorf schon
kennt, dem wird aufgefallen
sein, dass die Umbaumaßnahmen doch längere Zeit
in Anspruch genommen
haben, als dafür eingeplant
war. Darüber waren die
Stammbesucher traurig.
Wenn es auch für die Filmvorführungen ein Ausweichquartier gab, so
mussten doch alle anderen
beliebten Veranstaltungen
für Jung und Alt ausfallen.
Leider sind die Bauarbeiten
noch immer nicht ganz abgeschlossen, aber die Mitarbeiter wollen einfach
nicht das Angebot für ihre
treuen Besucher ausfallen
lassen. Bei meinem Kinobesuch am 3.Juni konnte
ich mich davon überzeugen, wie sehr sich die Mitarbeiter bemühten, dass
trotz der widrigen Umstände der Kinobesuch für uns
Gäste angenehm verlief.
Auch auf den Brunch nach
der Filmvorführung muss-

ten wir nicht verzichten. Sogar die freundlichen Handwerker packten mit an, um
Tische und Stühle für die
Gäste in den Saal zu tragen. Und dann wurden wir
mit Kaffee und belegten
Brötchen versorgt. Wenn
Sie den Wunsch haben,
das Senioren-Kino „Kiste“
zu besuchen, ist es sehr
wichtig für die Mitarbeiter,
dass Sie sich vorher telefonisch anmelden. Wie wir
uns vorstellen können, ist
nach der langen Schließzeit
die finanzielle Lage für die
Kiste nicht gerade rosig
und die Mitarbeiter möchten natürlich einplanen können, wie viele Besucher
den Wunsch haben, am
Brunch teilzunehmen, damit es mit der Betreuung
nach der Filmvorführung
gut klappt.
Das Bezirksamt MarzahnHellersdorf unterstützt die
„Kiste“ und hat schon sehr
viel dafür getan, dass die
Umbauten zügig voran gehen. Aber überall muss gespart werden und wenn
dann plötzlich mehr Unkosten entstehen als eingeplant waren, dann ist guter
Rat teuer.
Die Mitarbeiter strengen
sich sehr an, dass ab Juli
wieder das volle Programm
in der „Kiste“ angeboten
werden kann. Wir als Besucher können natürlich durch
unser Interesse an den

Foto: Dieter Schütz/Pixelio.de

Veranstaltungen dafür sorgen, dass wieder Geld in die Kasse
kommt und dass wir
den Einsatz der Mit- Christa-Dorit Pohle
arbeiter in der Durststreckenzeit zu schätzen
wissen.
Wer dieses Senioren-Kino
noch nicht kennt, dem kann
ich nur empfehlen, sich bei
einem Schnupperbesuch
davon zu überzeugen, dass
ein Kinobesuch im kleinen
Kreis mit anschließendem
Brunch schon geeignet ist,
um neue Kontakte zu knüpfen, Gedanken auszutauschen und wenn man Glück
hat, sogar neue Freundschaften zu schließen.
Sie erreichen das Senioren-Kino in der Heidenauer
Str. 10 vom U-Bahn-hof
Hellersdorf aus zu Fuß
über den U-Bahnausgang
in Richtung Hönow, über die
Brücke, links. An- „...nach der
meldung und In- langen
formationen unter Schließzeit
Telefon:
030- ist die
9987481.
finanzielle
Lage der
Kiste nicht
gerade
rosig“

Seite 8

SPÄTLESE
THEMA:

SO

EIN

GESCHMÄCKER

SIND

VERSCHIEDEN

KITSCH

von Barbara Ludwig
und ihre künstlerischen Eingebungen voll beherrschen,
die hoch talentiert sind, träfen bezüglich ihrer Themen
mitunter auf „Kitsch“. Wikipedia nennt als Beispiel
Ludwig Richters romantische Gemälde. Kitsch? Für
mich nicht. Für mich gehören sie unbedingt mit zu
den schönsten aller Bilder.

Foto: Klaus Rupp/Pixelio.de

Kitsch begleitet uns überall.
Oft erkennen wir ihn nicht
einmal, weil er uns am Herzen liegt, weil er uns die
Welt schöner und annehmbarer erscheinen lässt. So
gesehen ist er sogar notwendig. Es kommt vor,
dass Menschen, die jeglichen Kitsch ablehnen, auch
für Kunst kein Verständnis
aufbringen.
Gibt es einen Unterschied
zwischen
Kunst und Kitsch?
„Kitsch in der
Natürlich gibt es
Musik ist
ihn, aber die Frage
derart häufig
ist die: Wo liegt die
anzutreffen,
Grenze? Das zu
dass man
beantworten
ist
schon ins
schwer, wenn nicht
Grübeln
gar unmöglich. Um
kommen
Kitsch zu erkennen,
kann...“
ist es notwendig
Beispiele der Kunst
heranzuziehen, zu
vergleichen
und
sich von der Ästhetik leiten
zu lassen. Kunst bemüht
sich um Wahrheit und auch
um Schönheit. Kunst lässt
Raum zum Denken und zur
Interpretation. Großartige
Künstler, die ihr Handwerk

Bei Kitsch sei eine Deutung
nicht gegeben, ist in
„schlauen“ Büchern zu lesen. Es werde klar erkannt,
was gemeint ist. Kitsch täusche Schönheit, Originalität, unverbildete Gefühle
vor. Kitsch trüge der Neigung zur Sentimentalität
Rechnung. Kitsch bedeute
Minderwertiges, suggeriere
eine heile Welt. Merkmale,
wie kleinbürgerlich, Massenproduktion, Wirklichkeitsferne werden ihm zugewiesen.
Eigenartig: Keiner der Konsumenten des Kitsches
stimmt dem zu, sie meinen,
er lässt wohl Raum für
Empfindungen offen. Er
schafft Freude, gibt Denkanstöße, hält Erinnerungen
wach, vermittelt Wohlgefühl.
Oftmals setzen wir ganz
individuellen Kitsch gegen
Funktionalismus, der Gegensatz macht die reine
Zweckmäßigkeit erträglicher.
Kitsch offenbart sich oft in
Wohnungen oder Gärten.
Dort wo der Mensch sich
seine gemütliche, kuschelige Insel schafft zur Entspannung, um Kräfte zu
sammeln. Man denke nur

an künstliche Blumen. Ein
raffiniert gestaltetes Blumengesteck oder -strauß
wirkt belebend, ist manchmal der Punkt auf dem „i“.
Oder die Wohnung mit
Weihnachtsfiguren und schmuck ausgestattet, gibt
dieser Zeit den Glanz, der
in die Herzen strahlt.
Ich denke ebenso an Bilder, auf denen in romantischer Weise der Sonnenuntergang, Stillleben oder
gar der röhrende Hirsch
dargestellt sind, auch an
liebreizende Kindermotive.
Ob das als Kitsch empfunden wird, muss jeder für
sich selbst entscheiden.
Es gab eine Zeit, da zählten Bildernachdrucke zum
Kitsch. Originale sollten es
schon sein. Doch wer konnte sie sich leisten? Heute
sind Drucke in der öffentlichen Meinung voll akzeptiert. Durch solche Drucke
erlangt man Kenntnis und
ein Gefühl für die Kunst.
Denn Originale sieht man
viel zu selten.
Kitsch in der Musik ist derart häufig anzutreffen, dass
man schon ins Grübeln
kommen kann, wenn die
sogenannte Volksmusik
erklingt oder Schlager voll
Herzeleid und Liebelei. Jeder ist seines Geschmacks
Untertan. Und wenn es ihm
gefällt, ihm ein gutes Gefühl vermittelt, dann tut er
recht, sich das anzuhören.
Es entbindet jedoch nicht,
sich um Verständnis für die
echte Kunst zu bemühen.
Das gilt für Kunst jeder Art.

Seite 9

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Ganz ähnlich ist es mit der
Literatur. Viele erfahren Erbauung am Trivialen, an,
wie man früher sagte, Dreigroschenromanen. Dann
sollen sie diese lesen. Möglicherweise fördert es die
Rechtschreibung, den Satzbau und auch die Interpunktion.
Als des Kitsches Höhepunkt
werden meist die von manchen über alles geliebten
Gartenzwerge betrachtet.
Spott ist ihnen zumeist siTHEMA:

WO

POTSDAM

SCHON

cher. Aber wenn ein Kind
sich träumend in deren
Welt begibt, ist es dann
noch Kitsch für eben dieses
Kind?
Unter Kitsch verstehe ich
zum Beispiel auch den
Neubau eines abgerissenen Schlosses mit nachgeahmter historischer Außenfassade, innen hochmodern; Reiterstandbilder,
Playbacksingen, Arztserien
im Fernsehen, so manche
Accessoires in der Mode-

2011

MARLENE

—

DIE

STADT

DIETRICH

VOR

branche. Und doch ist es
jedem überlassen, sich für
oder gegen sogenannten
Kitsch zu entscheiden.
Wir brauchen sie, die heile
Welt. Damit zimmern wir
sie zurecht, wie sie uns gefällt und erfahren Erbauung. So lässt sich manches
Ungemach leichter ertragen. Mit Kitsch ist es wie
mit Anderem: Abstand halten, Nähe zulassen. Die
Mitte macht’s.

DES

FILMS

DER

KAMERA

STAND

von Ursula A. Kolbe
Das ganze Jahr über steht
Potsdam im Zeichen des
Films. Kein Wunder, wird
hier doch, genauer gesagt in
Babelsberg, Filmgeschichte
geschrieben. Und das seit
nunmehr 100 Jahren. Marlene Dietrich in „Der Blaue
Engel“ und Heinz Rühmann
in „Die Feuerzangenbowle“
standen hier vor der Kamera; Alfred Hitchcook und
Fritz Lang haben hier ihre
Filme gedreht. Die Prominentenliste nennt viele Namen.
Nicht zu vergessen die
UFA, eine der ältesten und
profiliertesten deutschen
Unterhaltungsmarken. Freuen wir uns auf die UFA Filmnächte vom 1. bis 3. September in der Parkanlage
Sanssouci vor der Kulisse
der Neuen Orangerie. Mit
„Der letzte Mann“ und
„Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens“ werden
zwei der wichtigsten Filme
des Weimarer Kinos sowie
mit „Das Flötenkonzert von
Sanssouci“, der erste Tonfilm um den Preußenkönig
Friedrich den Großen, ge-

zeigt. Das Deutsche Filmorchester Babelsberg begleitet die beiden Stummfilme
mit Originalpartituren live.
UFA-Chef Wolf Bauer:
„Deutschland war in den
zwanziger Jahren… weltweit Innovationsführer für
den Film und setzte kreative Maßstäbe, die bis heute
ihre Gültigkeit haben.“
Foto: Studio Babelsberg

Faszinierende Facetten
Die Kette der Highlights
reißt nicht ab. Fest im Plan
stehen Rundgänge zu
„Babelsberg – Facetten einer Filmstadt“ und die
„Villenkolonie Babelsberg“.
In diesem Zusammenhang:
Mehr als 500 Hektar Park
und über 150 Bauwerke der
Landeshauptstadt gehören
seit 1990 zum UNESC0Weltkulturerbe.
Und immer wieder ist das
Filmorchester dabei. Auf
den Schiffen der Weißen
Flotte bei den Fahrten auf
den umliegenden Gewässern gibt es unterhaltsame
Geschichten und Anekdoten über die Babelsberger
Traumfabrik und ihre Stars

und Sternchen. Wussten
sie, dass das Studio das
älteste Groß-Atelier der
Welt und das größte Filmstudio Deutschlands ist?
Wer die Lange Babelsberger Film-Nacht erleben will,
hat am 6. August die Gelegenheit dazu. Das Jubiläums-Bürgerfest lädt mit
großem Spektakel zum 24.
September ein, und gruselig wird es im Filmpark vom
29. bis 31. Oktober mit
„Monster, Movies & Mutanten“
Blick in die Geschichte
Für die neue Dauerausstellung über die wechselvolle
Potsdamer Geschichte des

Seite 10

SPÄTLESE
Films öffnet das älteste
Filmmuseum Deutschlands
im historischen Marstall am
3. November seine Pforten.
Der Besucher kann das
Filmemachen im Kontext
von fünf Gesellschaftssystemen, eine weltweit einzigartige Konstellation, erleben.
Oft wird salopp dahin gesagt, beim Film ist nichts
wie es scheint. Auf viele
Fragen bekommt man im
Filmpark, der auf sein
20jähriges Bestehen zurückblicken kann, oft verblüffende Antworten. Was
steckt hinter den Kulissen?
THEMA:

Wie wird der Schwerkraft
getrotzt? Wie entsteht der
Trickfilm? Wie „lernen“
Film-Tiere? Die Wissbegier und Neugier können
schier unerschöpflich
sein. Auch die Blaue Kugel. Sie ist ja bekanntlich
vom Berliner Breitscheidplatz, neben dem EuropaCenter, nach Potsdam
umgezogen. Das einstige
360 Grad-Kino und mediales Zentrum in Berlin
wird in Potsdam, hier
auch „Dom of Babelsberg“
genannt,
als
Deutschlands erstes interaktives Erlebnis-Kino

neu belebt. Mit mehrdimensionaler Panoramasicht. Mit
Windmaschinen und Laserpistolen…. Aber lassen Sie
sich überraschen.
Der Veranstaltungskalender
ist für dieses Film-Jahr prall
gefüllt. Selbstredend, dass
die beliebten und bekannten
Events wie die Lange Babelsberger Filmparknacht
oder das HalloweenSpektakel auch darin ihren
festen Platz haben. Mehr
u
n
t
e
r
:
www.potsdamtourismus.de,
www.filmpark.de.

UNTERHALTUNG

DIE PFERDEKUR (NACHERZÄHLT
REUTERS SÄMTLICHEN WERKEN)

AUS

von Rudolf Winterfeldt
Ich hatte einen guten
Freund, nun ist er tot. Er
war ein richtiger Schwerenöter, ein Doktor, wenn
auch kein zünftiger. Er dokterte nur die Unvernünftigen, Pferdedoktor war er
und Borchert hieß er. Nun
liegt er auf dem Friedhof
und soll dort auch friedlich
ruhen. Na, er hatte einmal
viel zu tun auf einem Gut,
wenn auch nicht dicht,
doch auch nicht weit von
Wahren. Auf diesem Gut
wohnt, für den der es wissen will, noch heute der
Herr von April. Herr von
April der hatte ein krankes
Pferd, einen Schimmelhengst, und tausend Taler
wert. Aber damit war er
nicht zu bezahlen, er war
das beste Pferd im Stall.
Herr von April ließ also
Borchert holen und sie besprechen den Fall und nebenbei auch noch andere.
Da kommt ein Mädchen
herein, die hat einen Teller
mit Schnaps und Butterbrot

in der Hand und
hält es dem Borchert hin. Das
macht sie aber
so, wie man einem Knecht etwas gibt, der gerade eine Fuhre
Kartoffeln
gebracht
hat. „Meine Tochter“, sagt
unser Borchert, „wenn der
Schnaps und das Butterbrot für mich sein soll,
dann nimm es man wieder
mit, ich bin heute Morgen
kein bisschen hungrig.“
Herr von April entschuldigt
sich gleich und sagt: „Ei
Borchert, nehmen Sie den
Teller, ich habe leider keinen Wein im Keller, sonst
würde ich sicher nicht verfehlen . . .“ „Herr von April,
was hilft das Quälen“, sagt
Borchert, „gefrühstückt habe ich schon, ich denke wir
gehen jetzt in den Stall um
uns den Kranken zu besehen!“ Na, das wird nun
auch geschehen. Der Doktor beguckt sich das Pferd

Foto: Carsten Grunwald/Pixelio.de

von unten und oben, von
vorn und hinten, befühlt es
gelernt von rechts und
links und als er alles begutachtet hat, denkt er eine
Weile darüber nach. „Je“,
sagt er endlich zu Herrn
von April, „der Hengst, der
hat sich stark erkältet, er
hat eine schreckliche Kolik
und mit ihm steht es gar zu
schlimm. Wenn sich nicht
augenblicklich Hilfe kommt,
dann sind Sie das Pferd
los.“ „Ich bitte Sie, Borchert, retten Sie das Pferd,
das Pferd ist tausend Taler
wert. Mein Pferd! Mein
Pferd! Mein schöner
Hengst! Sie glauben nicht
wie ich mich ängstige! Gibt
es denn nicht ein probates

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Mittel? Heraus damit! Ich
hab ja das nötige Geld!“ „Ein
Mittel? Ja! Ein Mittel gibt es,
doch bis wir uns das holen
lassen, wird der Hengst uns
unter den Fingern sterben.
Das ist aber auch zu
schlecht, dass kein Rotwein
im Keller ist!“ „Was? Rotwein? Wie? Ist es das bloß,
bloß Rotwein? Ih, den habe
ich ja. Sehr schönen Wein Schato la ros (Châteu La
Rose, französischer Rotwein). Ih, Borchert, Rotwein
ist ja da! Johann! Mach
schnell, laufe fix nach Hause zur Mamsell, sie soll dir
gleich und auf der Stelle, so
im Augenblick, eine gute
Flasche Rotwein geben.“
Als nun der Bengel mit der
Flasche kam, gibt er sie
dem Doktor. Dieser holte
aus seiner Tasche einen
Korkenzieher, ohne den er
nicht aus dem Hause ging.
Er machte die Flasche auf

und probierte erst einen
kleinen Tropfen. „Herr von
April, der Wein ist echt,
Herr von April, ja, wie gesagt, der Wein ist exzellent.“ Gluck, gluck, gluck,
gluck, und wieder nimmt er
einen Schluck. „Ja, Borchert, ja, der Wein ist gut.
Wollen wir denn nicht einmal probieren, was er dem
Hengst für Dienste tut?“
„Jawohl, wollen wir ihn mal
probieren“, sagt Borchert
und setzt mit einem Ruck
die Flasche wieder an und
gluck, gluck, gluck, gluck
nimmt er nochmals einen
Schluck. „Ja, Herr, das ist
ein schöner Wein, der kann
gar nicht besser sein.
Schato la ros! Jawohl, hier
steht es! Nie trank ich einen
besseren Wein als diesen.
Wie doch so ein Wein glatt
in einem herein geht! Herr
von April, ich merke schon,
der Wein ist wohl sehr

THEMA:

ERHOLUNG

DAS

REISE

UND

stark, der hat bestimmt so
seine Mucken?“ und wieder
fängt er an zu glucken. „Ei,
Borchert!“ ruft Herr von April, „ei Borchert, halten Sie doch still, Sie
haben ja die Flasche
fast geleert, ich denk,
der Wein soll für das
Pferd?“ „Für das
„Gluck, gluck,
Pferd? Den Wein fürs
gluck und wieder
Pferd? Den schönen
nimmt er einen
Wein fürs unvernünfSchluck.“
tige Tier? Herr von
April was denken
Sie! Schato la ros
fürs
unvernünftige
Vieh? Da denk ich
anders!“
Gluck,
gluck, gluck, und
trinkt die Flasche bis auf
den letzten Tropfen aus. Er
nimmt die Flasche vom
Mund, „Herr von April, Ihr
Hengst ist ganz gesund.“

URLAUBSGESPRÄCH

von Gerhard Kolberg
„Sie sehen gut aus, Herr Nachbar, waren sie krank?“
„Nee, ich hatte Urlaub, Gott sei Dank.“
„Waren sie in der Türkei oder auf den Balearen?
Oder sind sie, wie die meisten, ins Ausland gefahren?“
„Nee, ich war an der Mecklenburger Seenplatte,
die ich lange nicht gesehen hatte.“
„Was, in
Deutschland, bei
diesen Preisen?
Man kann doch
heute schon viel
billiger verreisen.“

„Was, in Deutschland, bei diesen Preisen?
Man kann doch heute schon viel billiger verreisen.
Kennen sie Rhodos, Kreta und Hawaii?
Waren sie schon am Kongo, Nil und River Kwai?
Von Paris und London, Singapur und Schweden,
von Südafrika gar nicht erst zu reden.
Aber Mecklenburg, das ist doch hier!
Nee, Herr Nachbar, das verkneif ich mir.
Ja, später, wenn ich nicht mehr kann,
sehe ich mir das vielleicht mal an.
Was findet man denn im eignen Land,
als ein paar Berge, Burgen, Wasser, Sand?“
„Stimmt, Kollege, das alles gibt es hier wie dort.

Seite 12

SPÄTLESE
Aber hier verstehe ich
jedes Wort.
Ich brauche keinen Dolmetscher um zu fragen
oder mal ein nettes Gespräch zu wagen.
Sie knipsen ganze Speicherkarten voll
und fragen später, wo das gewesen sein soll.
Kaum einer weiß etwas von deutschen Landen,
weil sie ihr Urlaubsglück zumeist im Ausland fanden.
Für mich jedenfalls war es interessant
In Mecklenburg mit Wäldern, Wasser, Sonne, Strand.
Dieser Urlaub war so richtig nett.
Aber im Vertrauen, ich freute mich auch aufs eigene Bett.

Foto: Gerhard Kolberg

THEMA:

ERNEUERBARE

WAS UNS EIN
von Ursula A. Kolbe

Foto: Bundesverband für
Solarwirtschaft e. V.

ENERGIEN

KLEINES

IM

SOLARBOOT

Auf der Spree mit
einem kleinen Solarboot schippern
ist nicht spektakulär,
wenngleich
interessant. Vom
Wasser aus das
Regierungsviertel
betrachten,
den
Reichstag mit seiner immer wieder
immer imposanten
Kuppel, die Abgeordneten-Bunker
Paul-Löbe-Haus, MarieElisabeth-Luise-Haus und
Jakob-Kaiser-Haus in den
Blick nehmen, mal kurz einen Hauch neuerer Geschichte beim Überqueren
der „Zonen“-Grenze ahnen,
und zurück zur Weidendammer Brücke. Der Anlass
aber verdient durchaus Aufmerksamkeit: Die bundesweite Aktion „Woche der
Sonne“. Solarbotschafter,
ob Pfarrer, radelnder Installateur, Sportler, Architekt
oder Lehrerin, sie alle standen für den Willen, erneuerbare Energien schneller
auszubauen, verstärkter zu
nutzen.
Die Politik, die Solarbranche, Verbände, die Wirtschaft, alle müssen mobil
machen. Den Blick für jegli-

BLICK

SAGEN

WILL

che Energie zu weiten –
gerade an diesem Tag hat
uns die Sonne fast verschwenderisch (und verschwörerisch?) den ganzen Tag über angelacht ist doch das Gebot der
Stunde. Hat es Tschernobyl noch nicht vermocht,
was soll nach Fukushima
noch passieren.
Konstatieren kann man,
dass gerade Sonnenenergie eine hohe Akzeptanz in
der Bevölkerung hat, laut
Umfrage 95 Prozent. Sich
mit Energie aus Sonne,
Wind, Wasser, Geothermie
und Biothermie weltweit zu
versorgen ist heute schon
möglich, weil reichlich vorhanden. Sie muss nur erschlossen werden. Die
Sonne z. B. strahlt in einer
Stunde so viel Energie auf
die Erde, wie die gesamte
Weltbevölkerung derzeit
pro Jahr verbraucht. Schier
unerschöpfliche Reserven,
die aber zu erschließen
sehr viele Investitionen
brauchen.
Die „grüne“ 63jährige Lehrerin Christine Lenz aus
d e m
B a d e n Württembergischen Mosbach z. B. war für ihren

„sun e.V.“ angereist. Engagiert vor allem seit Tschernobyl sei sie, die in der Nähe eines abgeschalteten
AKW wohnt. Fukushima
mahne erneut. Bis 2030
wollen sie einen 100prozentigen Energiewandel in
ihrem Ort haben.
Hierzulande nutzen mehr
als sechs Millionen Menschen die Kraft der Sonne,
nehmen ihre Strom- und
Wärmeversorgung selbst in
die Hand. Technisch ausgedrückt sind das rund 860
000 Solarstrom und ca. 1,5
Mio Solarwärmeanlagen.
Die jüngste Einschätzung
des Weltklimarates besagt,
dass der Großteil des weltweiten Bedarfs bis zum
Jahr 2050 aus erneuerbaren Quellen gespeist werden kann. Den politischen
Willen vorausgesetzt, davon drei Viertel aus Sonne,
Wind, Wasser und Biomasse. Als die größten Hindernisse nennt der Rat die
staatliche Förderung der
Energiegewinnung durch
fossile Brennstoffe und das
Fehlen von adäquaten
Strukturen zur Entwicklung
neuer Technologien.
Vergleiche hören sich ja
immer gut an. Aber sie sto-

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ßen auch zum Nachdenken an. Erst kürzlich stellte
die Deutsche Unternehmensinitiative Energieeffizienz (Deneff) in Wuppertal, erst 2010 gegründet,
die Behauptung in den
Raum, dass sich zehn
Atomkraftwerke ohne ein
einziges Ersatzkraftwerk
stilllegen ließen, wenn
Deutschland seine Energie
THEMA:

HELFEN

effizient verwenden würde.
Gäbe sie 19,3 Milliarden
Euro im Jahr für Energie
aus, könnte mit der Effizienzpolitik bis 2020 knapp
500 000 neue Jobs geschaffen werden. Dem stünden
11,8 Milliarden zusätzlicher
Investitionen im Jahr gegenüber, knapp sieben Mrd.
aus öffentlichen Mitteln.

Genug der Zahlen und Fakten. Unendlich
viel ist zum Thema Energie
zu sagen. Wichtig bei allem
ist, das Motto oben genannter Veranstaltung zu
verinnerlichen: „Unendlich.
Einfach. Solar!“ Eben alle
Möglichkeiten im Blick haben. Und den Willen (und
natürlich die Mittel) dazu.

„Vor
Nachtfrost
du nicht
sicher
bist, bis
Sophie
vorüber
ist.„

SICHERHEIT

ODER

ANGST

MACHEN

von Christa-Dorit Pohle
Wir alle werden immer
wieder in der Presse darüber informiert, was wir im
Umgang mit unserem Geld
zu beachten haben. Und
es müssen wohl Probleme
sein, die schwer in den
Griff zu bekommen sind.
Wir sollten uns einmal Gedanken darüber machen,
wie viele von den älteren
Bürgern
unsicher
sind, wenn
sie
Geld
von einem
Automaten
„Die Zahl der
h o l e n
Plünderung von
Konten ist ständig m ü s s e n .
Früher, als
steigend.„
die Banken noch
den Schalter hatten,
wo
man
v
o
n
freundlichen Angestellten
den gewünschten Betrag
ausgezahlt bekam, war es
leichter für uns Senioren.
Auch jetzt wird einem ja
noch geholfen in den Bankfilialen, wenn man sich unsicher fühlt beim Bedienen
des Automaten. Aber nicht
jeder ältere Mensch kann
sich überwinden und um
Hilfe bitten. Also Rücken

durchdrücken und ran an
die Technik, wenn es auch
schwer fällt. Denn da gibt es
ja die Stolpersteine, vor denen immer wieder gewarnt
wird. Geheimzahl nicht bei
sich tragen, sondern merken. Nicht immer einfach,
wenn das Gedächtnis nicht
so spurt wie es sollte. Aber
dann wird ja auch immer
wieder darauf hingewiesen,
sich vor Eingabe der Geheimzahl davon zu überzeugen, dass nichts manipuliert
worden ist von „bösen Buben“, um diese auszuspionieren. Die Zahl der Plünderung von Konten ist ständig
steigend. Aber was schützt
davor, einen großen finanziellen Verlust zu erleiden?
Wer nicht mehr jung und
dynamisch genug ist, um
solche technischen Gaunereien sofort zu durchschauen, sollte wohl lieber einen
Geldautomaten in einer
Bankfiliale aufsuchen als
einen Automaten, der irgendwo unbeaufsichtigt zur
Verfügung steht und Gaunereien erleichtert. Wenn wir
Glück haben, bleiben uns
solche Aufregungen und
Verluste erspart.
Aber da gibt es ja noch eine
Stolperfalle rund um unse-

Foto: mylance/Pixelio

ren Euro. Immer mehr gefälschte Geldscheine, sogenannte „Blüten“ gelangen in
den Umlauf. Das ist eine
schlimme Situation. Vor allem, wenn einem eine solche „Blüte“ angedreht wurde, diese dann beim Bezahlen entdeckt und eingezogen
wird. Da ist dann guter Rat
teuer, wenn die Rente nur
klein ist und jeder Euro gebraucht wird. Es wird ja in
den Zeitungen ausführlich
darüber berichtet, welche
Details man auf den Geldscheinen zu beachten hat,
um eine „Blüte“ zu erkennen.
Glauben Sie, dass es eine
leichte Übung für ältere Bürger ist, sich die Merkmale
einer „Blüte“ einzuprägen?
Also möchten die meisten
wohl am liebsten mit größeren Geldscheinen nichts zu
tun haben, um Schaden zu
vermeiden.

Seite 14

SPÄTLESE
Vielleicht gibt es Möglichkeiten, wenigstens die Angst
vor den „Blüten“ zu mildern.
Ich habe bei Aldi an der
Kasse beobachtet, dass die
Angestellten mit einem Spezialstift die Scheine ab
50,00 Euro auf die Echtheit
überprüfen können. Auf meine Frage, wo ich denn einen
solchen Stift kaufen könnte,
erhielt ich leider keine Auskunft.
Angst haben zu müssen vor
Verlusten dieser Art ist für

uns Senioren eine Stresssituation, also schädlich für
die Gesundheit. Wenn einem eine „Blüte“ angedreht
wurde, ist ja nichts mehr zu
retten. Aber Vorbeugen
können wäre doch gut,
oder? Wäre es nicht sinnvoll, wenn jemand eine solche Marktlücke entdecken
und diese Spezialstifte herstellen und anbieten würde? Ich muss sagen, ich
könnte mich daran gewöhnen, einen solchen Stift bei

mir zu haben, wenn ich
einkaufen gehe. Das wäre
doch ein beruhigendes Gefühl, vermeiden zu können,
dass einem eine „Blüte“
angedreht wird. Und wenn
dann viele Bürger solchen
Stift käuflich erwerben,
könnte es vielleicht sogar
das „In Umlauf bringen“
solcher „Blüten“ erschweren. Das wäre dann Schadensbegrenzung für Jung
und Alt.

THEMA:REISEN

BEI

FAMILIE

KÜHN

IN

NIEDERFINOW

von Rudolf Winterfeldt
Im September vergangenen
Jahres organisierte ich einen
Ausflug ins Oderbruch nach Niederfinow. Mit meiner Frau hatte
ich bei einer Fahrt „ins Blaue“
einen Abstecher zum Schiffshebewerk gemacht und dabei eine
kleine Gaststätte an der Schleusentreppe entdeckt. Von der
Wirtin, Frau Kühn, wurden wir
freundlich begrüßt und bewirtet.
Wir schauten uns im Lokal um
und waren erstaunt über die vielen handschriftlichen Danksagungen an den Wänden. Neben
lustigen Bildern haben sich hier
die Gäste, wie in einem Gästebuch, verewigt. Namhafte Persönlichkeiten und Vereine sowie
Gruppen aus Unternehmungen
und Institutionen waren vertreten und man konnte lesen, dass
es ihnen hier gefallen hatte. Wir
kamen zu der Auffassung, hier
könnten wir mit unserer Seniorengruppe auch einmal hinfahren. Der Gedanke war da und
wir setzten es gleich in die Tat
um. Mit Frau Kühn wurde ein
Termin festgelegt und weitere
Absprachen vereinbart.
Am Reisetag trafen wir uns alle
an der U-Bahn und fuhren ab
Lichtenberg mit dem Regional-

zug bis Niederfinow. Hier
wurden wir von zwei Kleinbussen abgeholt und zur
Gaststätte gefahren. Frau
Kühn begrüßte uns sehr
herzlich und wir ließen uns
das hausgemachte Mittagessen schmecken. Der
Koch war der Hausherr, der
gleichzeitig auch Tierarzt ist
und seine Praxis im Hause
hat. Die Busse brachten
uns nach dem Essen zur
Dampferanlegestelle und wir
fuhren mit der „Freiherr von
Münchhausen II“ durch das
alte Schiffshebewerk. Dabei
konnten wir die Baustelle für
das neue Schiffshebewerk
einsehen und der Kapitän
erläuterte uns den weiteren
Verlauf des Baugeschehens.
Als wir den Dampfer verließen begann die Fahrt in den
Oderbruch. Herr Kühn betätigte sich als Reiseführer und
erklärte uns die Natur an der
Oder. Besonders Interessant
waren die Geschichten um
das große Oderhochwasser.
Schwer vorstellbar für uns
wie das zu jener Zeit hier
ausgesehen hatte. Auch die
Trasse für die neue Erdgasleitung wurde uns gezeigt.

Foto: Rudolf WInterfeldt

Nach diesem lehrreichen
Trip saßen wir in gemütlicher Runde wieder bei Frau
Kühn am Kaffeetisch, aßen
genüsslich den frischen
Blechkuchen und plauderten über das Erlebte und die
Gemütlichkeit in diesem
kleinen Restaurant.
Die Heimfahrt beendete den
erlebnisreichen Tag und
noch heute wird in unserer
Seniorengruppe über diesen
Ausflug gesprochen. Wenn
Sie auch Lust verspüren
diese kleine Gaststube einmal zu besuchen, dann können Sie sich unter:
www.schleusentreppe.com
informieren. Sie haben sicher viel Spaß.

Seite 15
THEMA:

AUS

www.magazin-spätlese.net
DER

FORSCHUNG

PILOTTECHNIK FÜRS LEBEN
von Günter Knackfuß und Ursula A. Kolbe

IN

IM

DEN

MARKT

ALTER

Unbestritten ist: Wir werden imzur Verknüpfung der Technik
mer älter. Es steht die Frage im
mit Dienstleistungen und ServiRaum, wie auch im hohen Alter
ces unternommen. Ziel der Akdie Unabhängigkeit und Selbstteure und Investoren war, eine
bestimmtheit und somit der Leso ausgestattete Wohnung anbensstandard gesichert werden
zubieten, die sonst am Markt
kann. Der Deutsche AALnicht erhältlich ist, um sich damit
Kongress in Berlin, bereits zum
Alleinstellungsmerkmale und
vierten Mal gemeinsam von
letztlich eine wirtschaftlich erBMBF und VDE ausgerichtet,
folgreiche Vermietung zu sibot für 800 Forscher und Entchern.
wickler, Hersteller und Anwender sowie Vertreter aus Politik,
Nutzen und Bezahlbarkeit
Wirtschaft und Verbänden eine
perfekte Plattform für deren VerEs geht um einen erkennbaren
netzung. Zum SelbstverständNutzen bei den Mietern, die Benis: Unter AAL - „Ambient Aszahlbarkeit der Lösungen und
sisted Living“ werden KonGeschäftsmodelle, eine Installazepte, Produkte und Dienstleistion im Bestand und im bewohntungen verstanden, die neue
ten Zustand sowie die BedienTechnologien und
barkeit und
soziales Umfeld
Ausrichtung
miteinander verauf die realen
„...den Nutzern ein sicheres,
binden.
Bedürfnisse.
komfortables und gesundes
Bisherige ErLeben im gewohnten Umfeld zu
fahrungen
Wegweisende
ermöglichen.“
zeigen, dass
Anwendungen
Funktionen
Welche
techniaus dem Beschen Systeme prägen die Zureich „Sicherheit“ die größte
kunft des betreuten Wohnens
Zahlungsbereitschaft beim Nutund der Pflege? Wie unterstützer erzeugen; diese Bereitschaft
zen Serviceroboter künftig das
nimmt mit zunehmendem Alter
selbst bestimmte Leben im Alder Menschen zu.
ter? Welche speziellen Anforderungen muss man für Menschen
Fitness-Coach für Senioren
mit Demenz berücksichtigen?
Nur einige der aktuellen Fragen.
Lösungen, bei denen MikrosysÜber aktuelle Bezüge zur Wohtemtechnik eingesetzt wird, ernungswirtschaft referierte u. a.
läuterte Maik Hampicke vom
Dr. Armin Herrmann von der
Berliner Fraunhofer Institut IZM.
Smart Living GmbH & Co. KG,
Zu den realisierten ProduktentDortmund: „Bereits 2004 wurden
wicklungen gehören ein „Gürtel
erste Wohnprojekte unter Einmit Ortungssystem für an Desatz von Technologien initiiert,
menz erkrankte Personen“, ein
um den Nutzern ein sicheres,
„Low-Cost-Pflegearmband zur
komfortables und gesundes LeMessung von Vitalparametern“
ben im gewohnten häuslichen
und ein „Elektronischer VerUmfeld zu ermöglichen. Dabei
s c h l u s s f ü r Me d i k a me n wurden auch erste Gehversuche
te“ (www.izm.fraunhofer.de). Mit

Foto: adel/Pixelio.de

Pamap demonstrierte Daniel Steffen vom DFKI Kaiserslautern einen digitalen
Fitness-Coach für Senioren. Dieses Assistenzsystem überwacht und motiviert Senioren bei körperlichen Aktivitäten. Pamap
unterstützt beim Fitnesstraining oder auch bei Rehabilitationsmaßnahmen. Ein
mobiles Sensornetzwerk
erfasst dabei alle Bewegungen des Nutzers, analysiert
diese und macht sie auf
dem Fernseher mit Korrektur-Hinweisen sichtbar
(www.dfki.de).
Die
Systemlösung
„inKüche“ ist ein Unterstützungssystem in der Küche,
um älteren Menschen einen
höheren Lebenskomfort zu
bieten. Bekannte AudioVisuelle Medien wie Kochanleitungen und Kochvideos werden genauso zur
Verfügung gestellt wie
Funktionen zur Erinnerungsunterstützung sowie
Stärkung der sozialen Kontakte. So wird z.B. mit Hilfe
einer Videokonferenz auch
bei getrennten Örtlichkeiten
ein Mittel zum gemeinsamen Kochen geschaffen.
(www.inhaus.fraunhofer.de)

Seite 16

SPÄTLESE
„Der Smart-Senior“
Die Firma Siemens testet z. Zt.
ein digitales Sicherheitsnetz für
Senioren, das Smart Senior.
Dabei messen Sensoren am
Körper wichtige Parameter wie
Bewegung oder den Sauerstoffgehalt im Blut. Die Daten
werden an ein medizinisches
Zentrum weitergeleitet, das im
Notfall sofort Hilfe schickt. Mitte 2011 soll es erste Prototypen geben. In 25 Jahren werden mehr als die Hälfte der in
Deutschland lebenden Menschen über 50 Jahre, jeder
Dritte bereits älter als 60 sein.
Die meisten Senioren wollen möglichst lange in der
eigenen
Wohnung
leben,
doch
„...viele plagt
viele
plagt
die
die Angst, im
Angst,
im
Notfall
Notfall ohne
ohne Hilfe zu
Hilfe zu sein.“
sein.
Vernetzte
Sensoren,
die
eine
Ferndiagnostik erlauben,
können
ihnen
Sicherheit bieten.
Die Forscher arbeiten unter
anderem an einer Armbanduhr,
die auch Beschleunigungen
misst. Damit lässt sich beispielsweise eine Ohmacht daran erkennen, dass die für den
THEMA:

12

Schlaf typischen Mikrobewegungen fehlen. Schmerzpatienten bekommen zusätzlich ein
intelligentes Pflaster, das Temperatur, Puls und den Sauerstoffgehalt im Blut misst. Es
sitzt wie eine Bandage am
Oberarm und besteht aus einer
flexiblen Folie, in der Sender,
Empfänger, Auswerteelektronik
und eine Batterie integriert
sind. Ein Funkchip in der Armbanduhr sendet alle Daten an
einen Kommunikationsknoten,
der sie per Internet an ein medizinisches Zentrum weiterleitet. Eine spezielle Sicherheitsarchitektur gewährleistet den
Datenschutz auf der gesamten
Übertragungsstrecke. Auch der
Zugriff ist genau geregelt. Zudem sollen die Geräte intuitiv
zu bedienen sein. So können
die Senioren im Notfall zum
Beispiel über den Notfallknopf
am Armband Hilfe holen oder
direkt über ein Smartphone als
Freisprechanlage mit dem medizinischen Zentrum sprechen.
(www.siemens.com/innovation/
de/publ ikationen/
pof_herbst_2010).
Tag der Senioren-Technik
Unter dem Motto "Gib dem Alter eine Zukunft" organisierten
die Veranstalter einen speziellen Senioren-Technik-Tag. Im

Mittelpunkt
standen Assistenzsysteme, die
das Leben erleichtern sollen.
Dazu gehört beispielsweise die
Ausrüstung von Häusern und
Wohnungen mit "smarten" Assistenzsystemen und -geräten
(Ambient Assisted Living). So
kann ein intelligenter Fußboden automatisch das Licht einschalten, wenn man nachts ins
Bad will. Im Falle eines Sturzes
wird der Notruf automatisch
ausgelöst und Hilfe geholt.
Auch die Einnahme von Medikamenten kann mit Assistenzsystemen eingehalten werden.
Was bislang der Forschung
vorbehalten war, konnten die
Betroffenen selbst in Augenschein nehmen, testen und
ausprobieren. Johann Wolfgang von Goethe schrieb einmal: "Das Menschenleben ist
seltsam eingerichtet: Nach den
Jahren der Last hat man die
Last der Jahre." AAL ist kein
Wundermittel, aber kann dazu
beitragen, die Last der Jahre
leichter zu tragen. Eine intelligente Hausvernetzung kann
auch die Jahre der Last komfortabler gestalten.
Weitere Informationen:
www.vde.com/aal

SENIOREN

JAHRE

SENIORENGRUPPE

„AN

DER

WUHLE“

von Rudolf Winterfeldt
Im August 2011 besteht
unsere Seniorengruppe
nun schon 12 Jahre. Von
den derzeitigen 17 Mitgliedern sind neun von Anfang
an dabei. Leider haben
auch einige Mitglieder aus
verschiedenen Gründen
ihre Mitgliedschaft aufgekündigt. Daher würden wir
uns über neue Interessenten sehr freuen.

Was bieten wir unseren
Mitgliedern? Die Leitung
der Seniorengruppe plant in
der Regel monatlich drei
Veranstaltungen in unserem „Stammhaus“ im
„Kompass“ im Kummerower Ring 42 in HellersdorfSüd. Einmal monatlich haben wir zwei Bowlingbahnen reserviert und treiben
dort ein wenig Sport. Die

Foto: Rudolf Winterfeldt

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Veranstaltungen haben unterschiedliche Themen und reichen
vom Kabarett über Musik und
Gesang bis hin zu Buchlesungen, Filmvorführungen und Vorträgen verschiedenster Art. Kaffee und Kuchen dürfen natürlich
nicht fehlen und dafür sorgt das
Team vom Kompass. Bei jeder
Veranstaltung bleibt auch noch
THEMA:

DIE

genügend Zeit um persönliche
Gespräche mit dem Tischnachbarn zu führen. Bisher gab es
immer gute Stimmung, Abwechslung im Alltag und gute
Unterhaltung. Der Dienstagnachmittag ist bei unseren Mitgliedern schon zu einem festen
Termin geworden und keiner
möchte diese Veranstaltungen

BARRIEREFREIES

ERFURTER

REISEN

IN

missen. Wenn auch Sie einmal
bei uns hereinschauen wollen,
dann informieren Sie sich bitte
im Stadtteilzentrum „Kompass“
in 12619 Berlin, Kummerower
Ring 42 oder rufen mich persönlich unter 030-5617384 an. Wir
würden uns über Ihren Besuch
freuen.

DEUTSCHLAND

KRÄMERBRÜCKE—MITTELALTERLICH

ANHEIMELND

von Ursula A. Kolbe
Mobil mit Handicap – dieses
Thema steht nicht unbedingt im
Fokus der Öffentlichkeit. Doch
ist es allgegenwärtig, begegnet
uns jeden Tag. Zum Beispiel
beim Reisen. Jeder will wohl
seine eigenen vier Wände mal
verlassen, sich den Wind um die
Nase wehen lassen, Neues kennen lernen.

Köln, Rostock, München, Altenburg, Timmendorfer Strand und
Rösrath - ein, einen sprichwörtlichen Blick hinter die Kulissen
zu werfen, Kultur, Natur und
Reisen pur zu erleben. So trafen wir zuerst in der Blumenstadt Erfurt zusammen. Ihren
Bei-Namen verdankt sie der
„iga“ und heutigem „ega-Park“.
Das florale Spiegelbild von Blütenpracht und Gartenkunst, wie
es die Einheimischen und Besucher aus aller Welt zu Recht
sagen, begeht in diesem Jahr
übrigens sein 50jähriges Jubiläum.

Wir Deutschen sind Reiseweltmeister, sagen die Statistiker.
Und unter ihnen immer mehr
der mehr als neun Millionen
Bürger mit Behinderungen. Das
im Blick sind die AG
„Barrierefreies Reisen in
Deutschland“ und die Deutsche
Mit 1.200jähriger Tradition
Bahn eine Kooperation eingeDie Wurzeln der Stadt selbst
gangen. Ihr gemeinsames Crereichen bis 742 zurück. Mit dem
do „Mobil mit Handicap“. Ihr
barrierefreien „Altstadt-Tours“Ziel: sozusagen nach BaukasBus und per pedes unterwegs,
tenprinzip Reise, Unterkunft,
spürten wir im historiProgramm individuell
schen, liebevoll restauund möglichst barriererierten Altstadtkern der
frei zusammenzubrin1 200 Jahre alten Tradigen, die sprichwörtli- „Wir
tion vom Mittelalter bis in
chen Schranken abzu- Deutschen
die Gegenwart
nach,
bauen. Vorreiter sind sind
auch dank der Ein- und
hier die Eifel, die Stadt ReiseweltAusblicke unserer StadtErfurt, das Fränkische meister…“
führerin Sabine, studierSeenland, die Insel Lante Historikerin und gegeoog, die Niederlaubürtige Erfurterin. Sie
sitz, das Ruppiner Land
führte uns zum beeinund die Sächsische
druckenden Ensemble vom St.
Schweiz.
Marien-Dom und der SeveriKirche. Das Wahrzeichen unObengenannte Partner luden
bestritten aber ist die berühmte,
uns - Journalisten aus Berlin,

Foto: Städtereisen Erfurt

125 Meter lange Krämerbrücke
mit ihren alten, eng aneinander
geschmiegten Fachwerkhäusern und mutet wie eine enge
mittelalterliche Gasse an. Unsere Blicke suchen die gemächlich
fließende Gera und auch die
Brückenpfeiler. Eine Augenweide sind die kleinen Lädchen mit
Thüringer Blaudruckstoffen,
hand bemalter Keramik, Lauschaer Glas, Schmuck, Schnitzereien und natürlich Kulinarischem. Richtig wohltuend, mal
keine der Filialen von Handelsketten zu sehen. Im Munde zergeht der handgeschöpfte Krämerbrücken-Trüffel aus der
Goldhelm Schoko-Manufaktur
Bei der Jungfernbrezel aus reinem Natursauerteig, im Vorbeigehen feilgeboten vom urigen
Krämpfer, schmeckt man u.a.
Bärlauch und Thymian heraus.
Auch ein Blick in den Born-SenfLaden mit Museum darf nicht
fehlen. Und all das Kulinarische

Seite 18

SPÄTLESE
in den umliegenden, meist geschichtsträchtigen Restaurationen nicht zu vergessen.
Erst vor wenigen Jahren wurde
direkt an der Krämerbrücke
eine Mikwe, ein jüdisches
Tauchbad, freigelegt. Es diente
der rituellen Reinigung vor dem
Besuch der Synagoge. Nur
kaltes oder „lebendes“, d. h.
Quell- oder Grundwasser durfte dafür benutzt werden. Apropos Synagoge. Die Alte Synagoge in der Waagegasse
zählt zu den ältesten erhaltenen jüdischen Gebetshäusern
Europas. Nach dem schrecklichen Judenpogrom anno 1349
gab es die verschiedenartigsten Nutzungen.
Heute ist es ein viel besuchtes
Museum mit dem Erfurter
Schatz, erst 1998 bei Ausgrabungsarbeiten entdeckt. Das
Kleinod des Gold- und Silberschatzes aus dem 14. Jahrhundert ist ein wundervoller
jüdischer Hochzeitsring, von
denen es weltweit nur noch
drei gibt. Dieser Schatz, im
Keller aufbewahrt, ist auch mit
dem Fahrstuhl zu erreichen.
THEMA:

ATLAS

Mit Reiseplaner im Gepäck
Der Rundblick vom Petersberg
auf die Stadt und ins Umland,
der ega-Park (darüber demnächst mehr), der Wenigemarkt, Fischmarkt, Waidspeicher u.a. laden zum Wiederkommen ein. Längst haben wir
bei unserer Stippvisite nicht
alles sehen können. Der Reiseplaner „Erfurt – erlebbar für
alle“ mit Übersichtskarte für
Rollstuhlfahrer und Gehbehinderte ist jederzeit ein guter Begleiter.
Und da wir bei Handfestem
sind: Mit „Mobil mit Handicap“
gibt die Deutsche Bahn eine
Broschüre in die Hand, die Reise-Fragen beantwortet und
gezielte Unterstützung anbietet. Merke an: Mobilitätsservice-Zentrale, Tel.: 01805/99 66
33, Stichwort Betreuung oder
Tel.: 01805/ 512 512 oder
www.bahn.de/handicap
In diesem Zusammenhang: Auf
den rund 5.400 Bahnhöfen
sind derzeit 70 Prozent der
Bahnsteige und Zugänge stufenfrei erreichbar. Die Zahl der

bisher 900 mobilen Hubgeräte,
Rampen, Treppenlifte oder
Elektromobile soll wachsen.
Speziell geschulte ServiceMitarbeiter und zusätzlich mobile Trupps an bestimmten
Bahnhöfen stehen bereit. Auch
taktile Leitsysteme aus Bodenindikatoren bisher auf ca. 3
500 Bahnsteigen für Blinde
und Sehbehinderte, Handlaufbeschriftungen mit Prismenoder
Brailleschrift rücken
ebenso wie die über 400 Reisezentren weiter in den Blick.
Große Aufgaben auch für die
nächsten Jahre, aber erforderliche.
So viel zu unserem Trip in die
Thüringische Landeshauptstadt. Verbünden Sie sich mit
der Bahn, den Tourismuskundigen und erleben Sie alles
selbst. Unsere weitere Reise
führte uns in die Sächsische
Schweiz und zu einem ehemaligen Niederlausitzer Tagebau.
Darüber mehr in den nächsten
Ausgaben.

BUCHTIPP

DER

999

SELTSAMEN

ORTSNAMEN

Es ist vergnüglich, diesen
durchaus kuriosen „Atlas der
999 Seltsamen Ortsnamen“
aufzuschlagen. Vieles kann
man aus den Namen herauslesen oder auch hinein interpretieren: Gebrechen, Kulinarisches, Lebenswandel, Kleidung und Ausflug in die weite
Welt, Aberglaube oder Widrigkeiten – der Phantasie sind
schier keine Grenzen gesetzt.
Egal ob „Am Dreckmorgen“,
Ortsteil von Einbeck,
„Ellenbogen“, Weiler in Bodenkirchen, oder „Oschatz“ in
Sachsen, alle 999 aufgeführten

Ortsnamen existieren real und
wirklich. Bei Fahrten durch die
Lande sind so manche sicher
schon jedem von uns mal aufgefallen.
Man könnte sagen, passend
dazu bietet der Verlag Für BESONDERE Karten Kalimedia
auch „Die Frauenkarte“ und
„Die Männerkarte“ an. Je rund
400 Ziele verschiedenster Art
und Genres für sie und ihn
quer durch Deutschland werden hier kreiert: Vom FrauenNachttaxi in Jena oder Göttingen bis zu Smokers Corner

Zigarren und
Pfeifen
im
SchleswigHolsteinischen
Beckergrube.
Viel
überaus
interessante
Anlaufpunkte
haben die Autoren gesucht,
gefunden und
aufgelistet.
Im Buchhandel
oder direkt unter www.kalimedia.de

Foto: Kalimedia

von Ursula A. Kolbe

Seite 19
THEMA:

ALS

www.magazin-spätlese.net

REMINISENZ

CARL

UND

AN

BERTHA

125

DAS

JAHRE

AUTO

AUTOMOBILBAU

LAUFEN

LEHRTEN

von Ursula A. Kolbe
Es ist des Mannes liebstes
Kind und mit seinen 125
Jahren nun schon in die
Jahre gekommen. Und
doch immer wieder neu
und heiß begehrt: das Automobil.
Die Patentanmeldung am
29. Januar 1886 gilt als
sein Geburtstag, die Patentschrift Nr. 37435 als
seine Geburtsurkunde.
Carl Benz (1844 –
1929) heißt sein Erfinder. Sein späterer
Mitstreiter Gottlieb
„Heil am Ziel
Daimler hatte übriangekommen,
gens nur wenige
war die
Wochen später eiBegeisterung
nen Verbrennungsriesengroß....“
motor in eine Kutsche montiert und
damit ebenfalls Auto-Geschichte
geschrieben.
Die große Unerschrockenheit der Bertha
Aber vergessen wir eines
nicht: Den öffentlichen
Durchbruch verdankt der
badische Tüftler Carl Benz
und sein damals noch
knatterndes Ungetüm seiner Frau Bertha. Er war
zwar ein genialer Erfinder,
galt jedoch gemeinhin als
weltfremd und kaufmännisch unbedarft. Bertha,
die fünffache Mutter, dagegen war resolut, hatte
schon ihr ganzes Vermögen in die Firma ihres
Mannes gesteckt und
glaubte fest an den technischen Fortschritt. Das Auto
mit 0,9-PS-Motor und zehn
Liter Sprit pro 100 Kilometer musste Erfolg haben.
Diesen Beweis wollte sie

unbedingt liefern.
Ohne Wissen ihres
Mannes, aber mit
ihren beiden Jungs
Eugen und Richard,
es waren gerade
Schulferien,
setzte
sie sich Anfang August 1888 ins Auto
und los ging es auf
die mehr als 100 Kilometer lange Strecke
von Mannheim nach Pforzheim. Heil am Ziel angekommen, war die Begeisterung riesengroß - und der
große Durchbruch der ersten Langstreckenfahrt eines
Automobils gelungen. Für
die drei die beste Belohnung ihres Wagemutes.
Überliefert ist, dass sie auf
einem Zettel auf dem Küchentisch dem noch schlafenden Ehemann die eher
verschwommene Nachricht
hinterlassen hatte, sie seien auf dem Weg zu ihren
Eltern, in ihre Geburtsstadt.
Es wurde eine recht abenteuerliche Fahrt, kannte sie
doch den genauen Weg
nicht. Einen Tank gab es
auch noch nicht. Der Vorrat
an „Ligroin“, wie das Benzin
seinerzeit hieß, waren lediglich die 4,5 Liter im Vergaser. Der Ausweg hieß
Apotheke. Sie fand sich in
Wiesloch, die heute noch
existiert und die erste Tankstelle der Welt für sich reklamiert.
Wiege der „Kutsche ohne
Pferde“
Deutsche Autos sind weltberühmt, stehen für Tradition und Erfindergeist. Und
die Wiege der „Kutsche oh-

Foto: Daimler AG

ne Pferde“ steht im Bundesland
BadenWürttemberg und ganz im
Zeichen des Jubiläums
des „Automobilsommer
2011“. Noch bis zum 10.
September wird insgesamt
125 Tage lang gefeiert, in
Stuttgart natürlich, am Bodensee, in Pforzheim oder
Karlsruhe.
Die
„autosymphonic“ am 10.
September in Mannheim
läutet die große Abschlussveranstaltung ein.
(
M
e
h
r
:
www.automobilsommer20
11.de)
Und da just dasselbe Geburtstagsjubiläum auch
der Berliner Kurfürstendamm im Fokus steht, erwiesen rund 1.250 Oldtimer aus ganz Europa dem
berühmten Boulevard in
einer großen historischen
Kulisse die Ehre.
Das Kultvehikel Trabi
Apropos Oldtimer. Dazu
können wir ja inzwischen
unseren guten alten Trabi
rechnen. Vom ehemaligen
Volks-Wagen der DDR ist
er zum unverwüstlichen
Kultvehikel aufgestiegen.
Seine Liebhaber hat er in
Ost wie West.

Seite 20

SPÄTLESE
Die
„Geburtsstunde“
schlug 1954 im VEB Sachsenring Zwickau. Der Trabi
war durchaus nicht irgendein Auto, das Besondere
daran war seine Karosserie – aus Kunststoff. Dies
dem Blechmangel geschuldet, hieß er im Volksmund
liebevoll-spöttisch bald nur
noch „Rennpappe“. Erinnern Sie sich noch an den
P 50, das erste Modell des
Trabants? Trabant - ein
Name, der übrigens soviel
wie „Begleiter“ bedeutet
und eine Hommage an den
1957 ins All geschossenen
russischen Sputnik war.
Auf der Leipziger Messe
war er mit einem Durchschnittsverbrauch von 6,8
Liter und einem Preis von
8 360 Mark vorgestellt worden.
Zwischen 1957 und 1991
sind genau 3.051 385
Fahrzeuge vom Band gelaufen. Wie jeder weiß, hat
die Vereinigung sein Aus
gebracht. Aber das KultveTHEMA:

KÖNNTE

hikel lebt. Und man will es
nicht glauben: Noch immer
sind rund 52 000 „Pappen“
zugelassen. Es ist eine Trabi-Szene entstanden, die
ein Stück deutsche AutoGeschichte lebt. Wer sich
übrigens ein „historisches“
Fahrerlebnis z.B. durch
Berlin oder das Umland
gönnen will, kann Touren
unter www.trabi-safari.de
buchen. Erkundungsfahrten
im Trabi durch den Harz
sind unter www.harztour.com möglich.
Anziehungspunkt für jede
Generation
Einen tiefen Einblick in die
Faszination des Fahrens
und sicher Anziehungspunkt für jede Generation
geben in Stuttgart das Mercedes-Benz Museum und
das Porsche-Museum, die
Autostadt in Wolfsburg, Audi in Ingolstadt, BMW in
München, das Opel-Werk
in Eisenach oder die

„Gläserne Manufaktur“
von Volkswagen in Dresden mit modernster Architektur und interaktiven
Angeboten. Und schließlich wissen es die Autobegeisterten bestimmt, dass
unsere großen Rennstrecken wie der Nürburgring
oder der Hockenheimring
regelmäßig auch für das
ganz normale Alltagsauto
geöffnet werden. Wer es
dagegen ungebunden
und gemütlich mag, kann
auf einer der mehr als
150 Ferienstraßen wie
der Straße der Romanik
in Sachsen-Anhalt, der
Straße der Römer im
Saarland oder der Klassikerstraße in Thüringen
die schönsten Landschaften zwischen Ostsee und
Alpen für sich entdecken.

NATUR

ICH

MALEN

von Wolfgang Prietsch
Könnte ich malen:
Auf meinem Sommerbild wären
gelbe, schwere Brotfrüchte. Ähren,
die wogen im Wind.
Darüber Haufenwolken sind.
Weit in den Mittelgrund
reicht das Korn.
Ein Sandweg ist da
und noch weiter vorn
Maisfeld, sattes Grün.
Fließt ein diffuses Licht hin
über dies Kiefernland,
eine Stunde entfernt vom Rand
meiner großen Stadt.
Foto: Grace Winter/Pixelio.de

Könnte ich malen,
ließe zuerst ich ein in mich
Summe Impression:
Farbe und Form und den Grundton

Seite 21

www.magazin-spätlese.net
Rauschen von Wald und Feld,
das Licht auch, das dies Bild erhellt
und die Farben leuchten lässt.
Und wenn es möglich wär`, hielte ich fest
diesen süßen Geruch der Reife.
In das hohe Gras greife
ich hinein am Wegrand.
Da bleibt alles andere zurück
und dies Sommerstück
ist mir nah` und schon ein bisschen bekannt
Könnte ich malen,
Ölfarbe nähme ich nicht:
Zu karg, zu einfach, zu schlicht
meiner Heimat Angesicht.
Leicht und durchscheinend wäre mein Pinselstrich,
und helle Farben würde ich
wählen, Schulfarbe Aquarell.
Flächig das Grün, Gelb, Braun und Blau,
ohne Akribie und ein wenig ungenau
im Detail, wäre ich schnell
fertig. Flüchtig die Impression,
ein kleiner Lichtwechsel und schon
ist ein anderes Bild da,
„Zu karg, zu
und unwiederbringlich, was ich eben noch sah.
einfach, zu
schlicht…“
Könnte ich malen,
so wollt ich das Filigran
der Gräser aufzeichnen.
Eine Feder würde ich anwenden,
mit einem weichen
Strich, die der Feinheit des Grases
wenigstens in etwa genügt.
Was ich an Farbnuancen sah,
vielfältig und dicht,
ist unverfälscht abbildbar
und beschreibbar nicht.
Dies unnachahmliche Gedicht
Grashalme:
Mischung gelb, braun, grün, rot und blau.
Keinem Bild, meinen Augen nur trau`
ich. Schwarz – weiß nur wäre mein Bild und kein
unvollkommener Versuch der Imitation.
Übergenug schon
Schönheit Formensymetrie.
Selbst zweidimensional:
Ahnung vollkommener Harmonie.

DAS MAGAZIN FÜR AUFGEWECKTE
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Die Spätlese ist das erste Seniorenmagazin aus Marzahn-Hellersorf im Internet. Ehrenamtliche Autorinnen und Autoren schreiben
lesenswerte Texte, die aus dem Leben gegriffen sind und persönliche Hintergründe haben. Ernste und auch humorvolle Geschichten,
Reiseberichte und Beschreibungen von Erlebnissen - für jeden ist etwas dabei. Seit Januar 2008 erschienen 20 Ausgaben des Online
Magazins unter der Homepage des Bezirksamtes Marzahn-Hellersdorf www.marzahn-hellersdorf.de.
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