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Periodical volume

Full text: Spätlese Issue 2011,5/6

DAS MAGAZIN FÜR AUFGEWECKTE
SENIORINNEN UND SENIOREN

SPÄTLESE

IN DIESER
AUSGABE:
Das Europäisches Jahr

www.magazin-spätlese.net

Ausgabe Mai/Juni 2011

1

der Freiwilligentätigkeit
2011
Inferno

2

Reisen veredelt den

3

Geist, sagt Oscar Wilde
Sven-Egon trifft einen

5

Schulfreund
„Klub 74“ geht neue

7

Wege
Es ist ein Blühen

7

Vom Knüppeldamm zum

8

Boulevard
Die Wolkenbank

9

Die Sächsische Schweiz - 10
ein beliebtes Reiseziel
Wenn Hilfe notwendig

12

wird
Wann kommen die Eis-

12

WAS

ERWARTET

Die Leserinnen und
Leser können sich
auf
interessante
und
lesenswerte
Themen freuen. Die
ehrenamtlichen Autoren haben sich
auch in dieser Ausgabe bemüht, für
jeden Geschmack
etwas anzubieten.
Barbara Ludwig äußert ihre Meinung
über Atomkraftwerke und schildert ihre
Kindheitserinnerungen. Christa-Dorit
Pohle
beschreibt
einen Urlaub in Rathen und gibt Hinweise zur Gesundheit.

SIE

IN

DIESER

Gerhard
Kolberg
schildert dem Redefluss eines Schulfreundes und schildert
mit
einem
Schmunzeln
bestimmte Verhaltensweisen. Ursula A.
Kolbe berichtet über
die ITB in Berlin,
den
Kurfürstendamm, die Eisheilig e n ,
d e n
„Freischütz“
in

AUSGABE?

Schwerin und den
Tourismus in Berlin.
Rudolf Winterfeldt
berichtet über eine
Veranstaltung zum
Europäischen Jahr
der Freiwilligentätigkeit, über Veränderungen im „Klub 74“
in Hellersdorf und
informiert über Pflegestützpunkte.

Redaktion Spätlese

heiligen?
Biomineralien

13

THEMA:
Reiseführer für Stadt

14

und Kiez
Hässliche Stricke und

15

fliegende Ketten
„Der Freischütz“ - inmit-

16

ten barocker Natur
Im Christlichen Garten

16

wandeln und entspannen

www.magazin-spätlese.net

EUROPA

DAS EUROPÄISCHES JAHR
FREIWILLIGENTÄTIGKEIT

DER
2011

von Rudolf Winterfeldt
Aus Anlass des Europäischen Jahres
der Freiwilligentätigkeit veranstaltete die
Freiwilligenagentur
Marzahn-Hellersdorf
am 10.03.2011 eine
Zusammenkunft unter dem Thema:
„Freiwillig.
Etwas

bewegen in Marzahn
-Hellersdorf“.
Im
Rathaussaal in Helle
-Mitte fanden sich
zahlreiche
Gäste
ein, um über die
Thematik zu referieren und zu diskutieren. Unter den prominenten
Gästen

konnten u.a. die Bezirksbürgermeisterin
Frau Dagmar Pohle,
Frau Monika Helbig
von der Senatskanzlei, Frau Sabine
Amirdschanjan von
der Vertretung der
Europäischen Kommission in Berlin und

Seite 2

SPÄTLESE

Rudolf Winterfeldt

„Freiwillig.
Etwas bewegen
in MarzahnHellersdorf“

Herr Dr. Jochen Gollbach
von der Freiwilligenagentur begrüßt werden. Die
Redner brachten in ihren
Ausführungen zum Ausdruck, dass die freiwillige
Tätigkeit durch die Bürger unseres Landes und
insbesondere in unserem
Stadtbezirk, ein wichtiger
Bestandteil der Aufgabenerfüllung ist. Freiwillige lösen zusätzliche Aufgaben und schaffen somit ein zusätzliches Angebot für alle Bürger. In
Deutschland sind 30 bis
39 % der Erwachsenen
freiwillig tätig und schaffen ca. 1-2 % des Bruttoinnlandproduktes in
Deutschland. In Berlin
sind 850.000 Bürger freiwillig tätig. In unserem
Bezirk
MarzahnHellersdorf sind 30 % der
Bürger freiwillig aktiv tätig
THEMA:

Foto: Rudolf Winterfeldt

und das sind immerhin
74.333 Bürger. Dabei
sind die Bereiche Kultur,
Soziales und Sport vorwiegend besetzt. Schauen wir in die Zukunft, so
werden wir zunehmend
Ehrenamtliche benötigen. Das trifft auch besonders für die ältere
Generation zu. Gehen
wir älteren Bürger jetzt
schon mit gutem Beispiel voran, so

sollten wir auch
für den entsprec h e n d e n
„Nachwuchs“ für
uns sorgen, damit
keine bestehenden Projekte beendet
werden
müssen.
Angekündigt wurde auf dieser Veranstaltung eine Woche der
Freiwilligen im September 2011. Dieser Nachmittag war ein würdiger
Auftakt zum Jahr der
Freiwilligen und sollte
bei Ihnen das Interesse
dafür geweckt sein,
dann melden Sie sich
doch einmal bei einer
Freiwilligenagentur in
ihrer Nähe. Informationen finden Sie dazu unter:
www.aller-ehren-wert.de

POLITIK

INFERNO
von Barbara Ludwig
Denke ich
an Japan,
ergreift
mich
das
Entsetzen!
Keine Worte der Welt
können die
Not, die JaGrafik: Thomy Weiss/Pixelio
pans Menschen im Innersten trifft, beschreiben.
Die Katastrophe, ausgelöst am 11.3.2011, nahm
ihren Anfang mit einem
Erdbeben der Stärke
zehn um Sendai an der
Ostküste Japans. Das
stärkste Erdbeben seit
über einhundert Jahren!
Ihm folgte ein Tsunami,
der Dörfer und Städte hinwegspülte. Verwüstung

und Chaos und Tote in
Überzahl! Danach überzog Kälte und Schnee
dieses Gebiet und weitere
Beben folgten.
Über 30.000 Menschen
wurden in den Tod getrieben, erschlagen von einstürzenden Gebäuden,
weggespült vom Tsunami
und ertrunken im Meer.
Unfassbar ist das Elend
derer, die ihre Angehörigen, ihre Wohnung, alles
Hab und Gut verloren haben und nun von Lebensmittel- und Trinkwasserknappheit bedroht sind.
Doch damit nicht genug.
Das Erdbeben zerstörte
die Atomkraftwerke in Fukushima. Erbaut, in Kraft

gesetzt, aber niemand
weiß sie strahlenunschädlich zu machen.
Die Geister, die sie riefen, werden sie nicht
mehr los. Im Umkreis
von über 40 Kilometern
ist das Land nicht mehr
bewohnbar. Arbeiter,
Ingenieure, Techniker
leisten Übermenschliches, um die begonnene Kernschmelze zu
stoppen. Sie sind die
wahren Helden! Diese
überall nicht bis zum
Ende beherrschbare
Atomkraft trifft auf die
Unvernunft und Selbstzerstörung des Menschen angesichts der
von ihm in Gang ge-

Seite 3

www.magazin-spätlese.net

setzten Apokalypse. Es
bedarf gewaltiger Kräfte
der klarsichtigen Gegner,
unserer möglichen Vernichtung umgehend ein
Ende zu bereiten. Jedes
Atomkraftwerk ist ein
schlafendes Ungeheuer.
Dass es ja nicht aufwache oder geweckt werde!
Wer Atomkraft nutzt, begibt sich auf einen äußerst gefährlichen Irrweg.
Die durch die Naturkatastrophe ausgelöste
Nuklearkatastrophe in
Japan zeigt das deutlich.
Es ist allerhöchste Zeit,
die Atomkraftwerke auf
der ganzen Welt stillzulegen und andere Energiemöglichkeiten zu nutzen!
Deutschland allein betreibt 17 Atomkraftwerke.
In Deutschland lagern
Atombomben. In deutscher Erde ist Atommüll
vergraben. Deutschland
schafft sich nicht nur ab.
Deutschland bringt sich
um. Unser Schicksal
hängt am seidenen Faden! Deutschlands Atomkraftwerke seien sicher,
sogar die sichersten auf
INTERNATIONALE

REISEN

der Welt, wird verkündet,
und Erdbeben haben wir
ohnehin nicht zu befürchten. Die Frage ist nur, warum soll jetzt die Sicherheit überprüft werden?
Trauen die Politiker ihren
eigenen Worten nicht?
Längst ist doch bekannt,
dass es Mängel bei den
Reaktoren gibt, vor allem
bei den ältesten acht. Der
Greenpeace – Atomexperte Tobias Riedl erklärt:
„Es gab insgesamt bereits
über 5000 Pannen in
deutschen Atomkraftwerken.“ Nicht geschützt sind
sie vor Terrorangriffen
und Flugzeugabstürzen.
Wollen wir diese Risiken
weiterhin in Kauf nehmen? Wollen wir immer
mehr Erdinneres mit
Atommüll verseuchen?
Wollen wir weiterhin
Atomwaffen dulden? Von
den USA wurden im II.
Weltkrieg Kernwaffen eingesetzt. Hiroshima und
Nagasaki waren die Opfer. Solange auf Nuklearenergie gesetzt wird, ist
die Gefahr der militärischen Nutzung nicht aus-

TOURISMUS-BÖRSE

VEREDELT

DEN

GEIST,

geschlossen. Deshalb
Atomenergie weg, Sonnen-, Wind- und Wasserkraft her! Weltweites gemeinsames Handeln steht
an mit dem Ziel der Vermeidung von Kriegen jeder Art, dringendst eingeschlossen der Abwurf von
Atombomben!
Jupp Müller veröffentlichte bereits anlässlich der
Weltfestspiele 1973 zu
diesem Thema folgendes
Gedicht:

„Jedes
Atomkraftwerk
ist ein
schlafendes
Ungeheuer“

JEDER!
Keiner kann sich eine zweite
Erde irgendwo noch kaufen,
Keiner kann, wird sie zur Asche,
heimlich in das Weltall laufen!
JEDER muss drum diese Erde
durch die eignen Taten schützen.
Niemals darf aus Weißglutwolken
jener grelle Strahl aufblitzen
der die Taube jäh verascht im Flug.
JEDER warne, JEDER
handle früh genug!

UNTER

SAGT

Barbara Ludwig

DEM

OSCAR

BERLINER

FUNKTURM

WILDE

Solch eine TourismusBörse ist doch immer wieder auch eine IdeenBörse. Anstoß dafür, bekannte, aber auch neue
Naturschönheiten in seiner Heimat oder fernen
Landen zu erkunden.
Denn wie sagte schon der
irische Schriftsteller Oscar Wilde: „Reisen veredelt den Geist und räumt
mit allen unseren Vorurt e i l e n
a u f . “

Die diesjährige 45. Internationale TourismusBörse (ITB) lieferte wahrlich wieder reichlich Stoff
und Angebote. Genau 11
163 Aussteller aus 188
Ländern boten eine
Spritztour rund um die
Welt an. Das konnte ganz
schön anstrengend werden. Ob „janz dichte bei“
oder Urwald-Atmosphäre,
ein Hauch Karibik oder
Pharaonen-Erhabenheit,

Foto: Jezero Probarski

von Ursula A. Kolbe

Uta in Naumburg oder
Ötzi in der Arche Nebra,
Slavek und Slavko, die
Maskottchen der Fußball-

SPÄTLESE
Europameisterschaften in
Polen und der Ukraine
oder Norwegens FjordWelt – unvergessliche Eindrücke, exotische Momente haben all das und längst
nicht alles Gesehene hinterlassen.
2011 ist ein Polen-Jahr
Doch warum in die Ferne
schweifen, wenn das Gute
liegt so nah? Viel zitiert
Ursula A.Kolbe
und immer wieder zutreffend. Man kann durchaus
sagen, 2011 ist ein PolenJahr. Es war schon Partnerland auf der Grünen
Woche und jetzt auf der
ITB. Wie gesagt, Ausrichter der Fußball-EM und ab
J u l i
d i e
E U Ratspräsidentschaft.
Und noch einen guten Grund gibt es: 20
Jahre
Deutsch„..heute steht
Polnischer Nachbarunbestritten der schaftsvertrag. Dass
gesundheitser im Alltag lebt, zeigt
fördernde
auch die Statistik. Sie
Urlaub ganz
besagt, dass unser
vorn an.“
Nachbarland zu der
Gruppe der bei den
Deutschen zehn beliebtesten Urlaubsländern gehört. Adam Giersz,
der polnische Minister für
Sport und Tourismus,
konstatierte, dass sie gern
wiederkommen. 4,5 Millionen waren es im letzten
Jahr.
Was ich für mich durchaus
bestätigen kann. Erst vor
wenigen Tagen sind die
Nachbarn frühlings-erholt
aus der beliebten, über
tausendjährigen Ostseestadt Kolberg (Kolobrzeg)
zurückgekommen. Feinster
Sandstrand, Dom, Rathaus, Leuchtturm und die
vielen Bad- und Kureinrichtungen sowieso locken in
das Sole-, Moor- und See-

bad. Die über 50 000 Einwohner verweisen gern
auf die drei Siedlungsgründe ihr Vorfahren: Sie
haben einen natürlichen
Hafen an der langen,
pommerschen Ausgleichsküste, eine günstige Furt
über den Fluss Persante
(Parseta) und – hier war
Salz. Das heißt, Fischfang
wurde betrieben und konserviert, ein unschätzbarer
Vorteil im Mittelalter. Na,
und heute steht unbestritten der gesundheitsfördernde Urlaub ganz vorn
an. Erholung am Meer
pur.
Das Land der masurischen Seenplatte lockt
Überhaupt sind alle 16
Wojewodschaften reich an
Kultur und Kunst, Geschichte und Abenteuer.
Zum Beispiel die Masuren,
eine Traumlandschaft
schlechthin. Das Land der
masurischen Seenplatte
lockt, auch grüne Lunge
Europas genannt. Hier
lebt die Natur im Sinne
des Wortes, hier leben
Traditionen, hier ist Neugierde genug für jung und
alt. Oder die Polnische
Tatra, Krakow, Wroclaw…
Stichwort Nachbarn. Nach
fünf Jahren Oderpartnerschaft wurde auf der ITB
erstmals die Tourismuskooperation Berlin mit polnischen Regionen besiegelt.
Wirtschaftssenator Harald
Wolf: „Gemeinsam mit visitBerlin wollen wir durch
die internationale Strahlkraft der Hauptstadt touristische Dynamik in der
Oderregion stärken.“ Der
Flughafen Berlin Brandenburg International (BBI)
mache Berlin zum Eingangstor für Gäste aus
aller Welt, das weitere

Seite 4
Ausflugsziele der Oderregion
als attraktive Destinationen
etablieren solle.
Bereits vor fünf Jahren begannen wirtschaftspolitische Vertreter von Berlin, Brandenburg,
MecklenburgVorpommern und Sachsen
sowie der vier westpolnischen
Wojewodschaften Großpolen,
Lebuser Land, Niederschlesien und Westpommern den
Aufbau eines interregionalen
deutsch-polnischen Netzwerkes.
Und „Was Sie schon immer
über Polen wissen wollten,
aber bisher nicht zu fragen
wagten“, hat Ihnen die
Deutsch-Polnische Handelskammer, lustig illustriert, u.a.
aufgeschrieben:
Die Salzmine „Wieliczka“
bei Krakow ist das einzige
Bergwerk der Welt, das seit
dem Mittelalter bis heute in
Betrieb ist.
23 Nationalparks und 1.385
Naturreservate nehmen nahezu ein Drittel des polnischen Territoriums ein.
Hunderte Flüsse sind ein
Paradies besonders für Kanuten.
Europas einzige Naturwüste heißt Pustynia Biedowska und ist ein 32
Quadratkilometer großes
Treibsandgebiet.
Das größte Moorgebiet in
Europa Bagna Biebrzanskie
mit seinen 100 000 Hektar
ist ein Paradies für über
270 Wasser- und Sumpfvögel.
Ich muss Ihnen noch eines
verraten: Was war von meinem mir eingangs selbst gegebenen Versprechen, keine
überquellenden Beutel mit
Papier, Papier, Papier, Broschüren und Prospekten …
nach Hause mitzubringen,
geblieben? - Luft! Nur heiße
Luft!

Seite 5

www.magazin-spätlese.net

UNTERHALTUNG

SVEN-EGON

TRIFFT

EINEN

SCHULFREUND

von Gerhard Kolberg
Als Sven-Egon sich der
Food-Lounge – oder
„Fressmeile“, wie er diese
Abteilung des Einkaufscenters bezeichnete – näherte, teilte ihm sein Magen unmissverständlich
mit, dass er Appetit auf
etwas Süßes hätte. Nach
einem kurzen Kampf zwischen Gewicht und Genuss, bei dem der Genuss
Sieger blieb, packte SvenEgon ein großes Stück
Torte auf seinen Teller und
stellte einen Pott Kaffee
dazu, bezahlte an der Kasse und suchte einen freien
Platz. Da stutzte er. Saß
dort nicht Karlheinz Matsches? „Hering“ nannten
ihn seine Schulfreunde in
Abwandlung seines Familiennamens. Neben ihm war
sogar noch ein Stuhl unbesetzt. Sven-Egon trat von
hinten an den Tisch heran:
„Entschuldigen Sie, ist dieser Platz noch frei?“, fragte
er höflich. Der Mann blickte kaum von seinem Teller
hoch: „Sehn se doch!“
„Mensch, Hering, du warst
auch schon mal freundlicher.“ Jetzt erst blickte der
Angesprochene hoch und
erkannte seinen alten
Schulfreund: „Svenni, altes
Haus. Wo kommst du denn
her? Haben uns ja seit
Jahren nicht mehr gesehen.“
Und schon wurden die alten Geschichten aus der
Schulzeit aufgewärmt. Wie
man zum Beispiel Mozart,
den alten Musiklehrer,
durch Falschsingen geärgert hatte, oder in den Tafellappen Niespulver ge-

streut hatte, weil man
wusste, dass Balladenkrause, der Deutschlehrer,
immer die Tafel selbst abwischte und danach zum
Jubel der Klasse in wahre
Niesorgien gefallen war,
oder wie sie Iwan den
Schrecklichen, den Russischlehrer, zur Verzweiflung gebracht hatten, indem sie einen Radiergummi unten am Türrahmen
befestigt hatten und die
Tür dadurch immer wieder
aufsprang, wenn Iwan sie
schließen wollte. Sie genossen noch heute diese
Streiche von gestern.
Doch dann kam die obligatorische Frage: „Na,
und was machst du sonst
so?“
Darauf schien Hering
förmlich gewartet zu haben: „Ja, weißt du, mit den
Knien hatte ich ja schon
lange Probleme – und nun
kam die Wirbelsäule dazu
…“
„Hör auf mit deinen Krankheiten, Karlheinz, die haben wir alle. Ich wollte eigentlich wissen, was du so
im Alltag machst. Arbeitest
du kurz vor der Rente
noch? Hast du Familie,
Kinder, Enkel“?
Dieses Thema handelte
Matsches schnell ab, um
nahtlos zurückzufragen:
„Und du? Fühlst du dich
auch ständig beobachtet?
Wollen alles von einem
wissen, diese Bürokraten.
Die Krankheiten, den Kontostand, die Wohnungsgröße, die Mietshöhe, den
Beruf, das Einkommen ...“

Grafik: Gerhard Kolberg

Die Aufzählung dauerte eine
ganze Weile, Matsches fand
kaum ein Ende. Als er dann
bei der neuen Chipkarte und
dem Fingerabdruck auf Ausweisen und Pässen angelangt
war, musste er eine Pause
machen und einen Schluck
Bier trinken - der Mund war
vom vielen Reden trocken
geworden. Diese Pause nutzte Sven-Egon, auch einmal
das Wort zu ergreifen – er
versuchte es jedenfalls:
„Naja, Karlheinz, es ist
doch so ...“
Weiter kam er nicht. Matsches fiel ihm ins Wort:
„Nun sage bloß, du verteidigst die Bürokraten und
Gerhard Kolberg
die Ämter auch noch. Die
wissen doch alles von dir,
wahrscheinlich auch die
Schuhgröße und die Sorte
Dusch-Gel, die du benutzt, ob
du mal Flöhe und Läuse hattest oder wie dein Wellensittich heißt. Von deiner Kragenweite und der Liste deiner Bekannten will ich gar nicht erst
reden. Wahrscheinlich wissen
die jetzt schon, dass wir uns
hier getroffen haben und
schreiben mit, worüber wir
uns gerade unterhalten. Am
besten ist, man hält die
Schnauze. Überall wirst du

SPÄTLESE

„Ich wollte
eigentlich
wissen, was
du so im
Alltag
machst.
Arbeitest du
kurz vor der
Rente
noch?“

gefilmt und belauscht. Videokameras auf den Bahnsteigen, an den Hauswänden und in den Fahrstühlen. Selbst hier hängen diese Dinger rum, angeblich
um aufzupassen, dass keiner klaut. Nirgends bist du
unbeobachtet. Du kannst ja
nicht einmal ungesehen
aufs Klo gehen oder mit
einer Freundin in einer
dunklen Ecke knutschen,
ohne dass so ein VideoÜberwacher seine Kamera
draufhält um alles genau zu
sehen. Vielleicht will er
noch was lernen oder es
deiner Frau erzählen. Und
dann reden die von Datenschutz! Wo bleibt denn da
der freie Bürger, die persönliche Freiheit, das unverletzbare ICH?“
Langsam wurde Sven-Egon
dieses Gespräch zu viel.
Hätte er doch nur den Hering übersehen! Aber so
konnte er nur das weitere
Gespräch – den weiteren
Matsches-Monolog – unterbrechen, indem er kurz entschlossen verkündete:
„Mensch, Matsches, es ist
ja schon vier Uhr, da muss
ich jetzt leider weg. Muss
zur S-Bahn.“ „Zur S-Bahn
musste? Da kann ich mitkommen, wir fahren ja sicherlich die gleiche Strecke.“
Unterwegs setzte Matsches
sein Gespräch fort: „Noch
mal zurück zum Datenschutz. Ist das nicht eine
Katastrophe? Für die Behörden bis du durchsichtig
wie eine frisch geputzte
Fensterscheibe.“ Bei diesem Satz fuhr der Zug ein.
Obwohl der Wagen, in den
sie einstiegen, ziemlich voll
war, fanden sie noch einen
freien Platz. Karlheinz

machte es sich bequem
und holte tief Luft. SvenEgon befürchtete, dass
Matsches eine neue Runde
Datenschutz von sich geben würde, aber der meinte
nur, er müsse schnell mal
seinen alten Kumpel LutzPeter anrufen. Er hätte versprochen, das heute zu tun.
Der Anschluss klappte sofort. Hering versuchte, die
Fahrgeräusche durch eine
entsprechende Lautstärke
zu übertönen. Daher
verstand nicht nur LutzPeter jedes Wort, dass
Matsches in das Handy
brüllte, auch Sven-Egon
und die anderen Fahrgäste
im Wagen wurden ungewollt Ohrenzeuge der Unterhaltung des Karlheinz
mit seinem Freund LutzPeter. So erfuhren sie,
dass Frau Matsches mit
Vornamen Elke-Marie
heißt, mit welcher Krankheit
ihr 82-jähriger Vater im Bett
liegt und dass auf den Doktor Borstenmüller kein Verlass sei, was man wiederum der Krankenkasse
(Name wurde offen ausgesprochen) ankreiden müsse
– kein Wunder nach dieser
Gesundheitsreform. Wohin
die Matsches demnächst in
den Urlaub fahren würden,
hörten sie auch, und dass
das Geld dafür schon bei
der Sparkasse zusammengespart sei. Nur mit der Geheimnummer für den Automaten hätte er Schwierigkeiten. Aber er hätte die ja
unter seinem Geburtsdatum im Taschenkalender
notiert: „Sicher ist eben sicher!“
Nun erfuhr die Menschheit
etwas über die Erziehungsschwierigkeiten mit seinen
beiden Enkeln. Aufsässig

Seite 6
seien sie, faul und unzuverlässig. Und es gebe immer
wieder Streit, wer an den
Computer dürfe, seine Enkel oder er. Karlheinz Matsches fand kein Ende. Ja,
man müsste sich wieder
einmal treffen, hätte sich
lange nicht gesehen. Ort
und Zeitpunkt bekam die
mitfahrende Zuhörerschaft
mitgeteilt. In der Folgezeit
berichtete Matsches über
die Probleme, die er auf der
Arbeit mit dem jungen
Schnösel, seinem Chef,
hat. Den Namen des Betriebes konnte Sven-Egon
leider nicht verstehen, da
gerade ein Gegenzug vorbeidonnerte. Aber es ging
um seinen Lohn, der viel zu
niedrig sei.
In einer Atempause blickte
Hering auf und stellte fest,
dass der Zug an einem
Bahnhof hielt: „Wo sind wir
denn jetzt? Ach, ich sehe
schon, da habe ich ja noch
vier Stationen Zeit. – So, da
bin ich wieder, Lutz-Peter.
Wo war ich stehengeblieben? Richtig, bei meinem
zu niedrigen Lohn. Ich also
rüber zum Gewerkschaftsfritzen...“
Da tippte Sven-Egon entnervt Matsches auf die
Schulter: „Ich muss jetzt
raus, Hering. Tschüss, bis
zum näc hsten Mal.“
„Tschüss, Svenni – war
schön, sich mit dir wieder
mal zu unterhalten. Und
denk dran, halte unterwegs
am besten die Klappe! So, Lutzi, da bin ich wieder.
Hörst du mich noch?“
Sven-Egon sah dem abfahrenden Zug nach. In 10 Minuten würde der nächste
kommen, mit dem er ungestört nach Hause fahren
konnte.

Seite 7
THEMA:

„KLUB

www.magazin-spätlese.net
STADTTEILARBEIT

74“

GEHT

NEUE

WEGE

von Rudolf Winterfeldt
Der „Klub 74 - Nachbarschaftszentrum Hellersdorf
e.V.“ gründete sich im April
1992. In den vergangenen
Jahren profilierte er sich zu
einem wichtigen Faktor in
der Stadtteilarbeit in Hellersdorf-Süd. Die Projekte
am Baltenring 74 und im
Kompass-„Haus im Stadtteil“ sind Begegnungsstätten für alle Generationen.
Besonderes Augenmerk gilt
auch den Senioren und Seniorinnen in HellersdorfSüd. Sport, Kultur und Beratungen zu allen Themen
sind ständige Angebote in
diesen Einrichtungen. Um
den Anforderungen zukünftig gerecht zu werden, galt
es wichtige, zukunftsweisende Entscheidungen zu
treffen. Am 26.03.2011
fand aus diesem Grunde
eine Mitgliederversammlung des Klub 74 statt, in
der es um die Rechenschaftslegung zur vergan-

genen Arbeit, eine Satzungsänderung, die Zusammenarbeit mit dem
Pflegewohnzentrum Kaulsdorf-Nord gGmbH und die
Neuwahl des Vorstandes
des Klub 74 ging. Als neue
Vorsitzende wurde Frau S.
Schulz (siehe Bild) gewählt.
Die Ziele der Vereinsarbeit
des Klub 74 wurden mit
den Zielen des Pflegewohnzentrums vereint und
damit eine neue Dimension
der Zusammenarbeit beschlossen. So werden in
Zukunft die Erfahrungen
des Klub 74 in der Stadtteilarbeit und das „Know how“
des Pflegewohnzentrums
gemeinsam genutzt und
damit Voraussetzungen
geschaffen, den Bürgern
noch bessere Angebote
unterbreiten zu können.
Die wichtigste Aufgabe in
der nächsten Zeit ist die
Verbesserung der Leitungsarbeit des Vorstandes und

Foto: Rudolf Winterfeldt

die Gewinnung von neuen
Mitgliedern für den Klub 74.
Wenn Sie, liebe Leserinnen
und Leser, Interesse für
den Klub 74 haben und
sich informieren möchten, schauen Sie doch „Sport,
unter: www.klub74.de Kultur und
Beratungen
einfach einmal nach.
zu allen
Wir würden uns sehr Themen sind
freuen, wenn Sie die ständige
Projekte des Klub 74 Angebote.“
nutzen würden und
eventuell sogar Mitglied
werden.

POESIE

ES

IST

EIN

BLÜHEN

von Barbara Ludwig
Blütenfunkelnde Wiesen im strahlenden Sonnenschein,
Scheinen der Vorhof des Paradieses zu sein.
Selig empfängt mein von Unruh getrübtes Gemüt
Heiteren Frieden, der nun im Innern erblüht.

Freude durch Schönheit gewonnen, beflügelt mein Herz,
Unbeschwertes Sein vertreibt den weltlichen Schmerz.
Über meine Wiesen gehe ich im goldnen Licht allein,
Froh, mit mir selbst in stiller Harmonie zu sein.
Foto: Kurt F. Domnik/Pixelio

Seite 8

SPÄTLESE
THEMA:DER

VOM

BERLINER

KNÜPPELDAMM

KURFÜRSTENDAMM

ZUM

JUBILIERT

BOULEVARD

von Ursula A. Kolbe

Foto: Progblog

„Übrigens auch
mit der
beachtlichen
Breite von 53
Metern,
wenngleich nicht
das Pariser
Maß.“

3,5 Kilometer lang ist das
Geburtstagskind – 125 Jahre jung ist der berühmte, in
die Jahre gekommene, nun
wieder erwachende Berliner Kurfürstendamm, von
den meisten burschikos
kurz Ku’damm genannt. Er
lebt Berliner Geschichte, ist
Shopping-Meile und Schaufenster des Berliner Westens, zählt wie der Boulevard Unter den Linden zu
den imposantesten Prachtstraßen.
Die Stadtväter datieren den
Gründungstag auf den 5.
Mai 1886, jenes denkwürdigen Tages, an dem die erste Dampfstraßenbahn vom
Bahnhof Zoo nach Grunewald in Betrieb genommen
wurde. Ein Knüppeldamm
war der Ku’damm da schon
nicht mehr. Dieser war Mitte des 16. Jahrhunderts
angelegt worden, vermutlich für die kurfürstlichen
Reiter als Verbindungsweg
vom Berliner Schloss durch
den Tiergarten zum Jagdschloss Grunewald. Erstmals wurde er 1767 in einer
Karte verzeichnet und später auf einem Plan kühn als
„Churfürsten-Damm“ bezeichnet.
Mit der Reichsgründung
1871 und dem Wachstum

der Stadt rückte er wieder
in den Blickpunkt. Auf Anregung Otto von Bismarcks
wurde am 2. Juni 1875 per
Kabinettsorder der Ausbau
des Boulevards beschlossen. Übrigens auch mit der
beachtlichen Breite von 53
Metern, wenngleich nicht
das Pariser Maß. Den ersten Vorschlag des Charlottenburger Bauvereins von
30 Metern hatte Bismarck
als viel zu schmal befunden. Seine Meinung legte
er 1883 in einem Brief folgendermaßen dar: „Denkt
man sich Berlin so wie bisher fortwachsend, so wird
es die doppelte Volkszahl
noch schneller erreichen
als Paris, das von 800 000
auf 2 Millionen gewachsen
ist. Dann würde der Grunewald etwa für Berlin der
Bois de Bologne und die
Hauptader des Vergnügungsverkehrs dorthin in
einer Breite wie die Elysäischen Felder durchaus
nicht zu groß bemessen
sein.“ Auch Kaiser Wilhelm
I. hatte „eine Straße im
großartigen Stile“ gewünscht.
Man hat die Vorstellung
Bismarcks
vom
„Hauptspazierweg für Wagen und Reiter“ förmlich vor
Augen: In der Mitte eine
zehn Meter breite Promenade mit Reitweg, an beiden Seiten je zehn Meter
Fahrbahn, vier Meter Trottoir und 7,5 Meter Vorgarten, eben eine Prachtstraße
zwischen der Corneliusbrücke am Landwehrkanal bis
Halensee. Erst 1925 verkürzte sie sich auf das heutige Maß, beginnend am

Breitscheidplatz.
Geradezu legendär ist der
Ku’damm mit den 20er Jahren verbunden. Hier lebte
die
aristokratischgroßbürgerliche Welt,
tauchte man ein in das
Amüsement der Cafés, Lokale, Kabaretts, Theater
und Kinos. Der Ku’damm
ohne Kranzlereck – undenkbar. Das Hotel am
Zoo, die Straßenmusikanten…
Zahlreiche
Höhepunkte
zum Jubiläum
Sicherlich findet sich viel
Interessantes in den Vitrinen mit 125 Anekdoten –
Geschichte und Geschichten, Vergangenheit und Gegenwart – zwischen Breitscheidplatz und Lehniner
Platz wieder. Gehen Sie
zur Schaustelle am Breitscheidplatz. Sie informiert
über Bauprojekte in der City West wie die Sanierung
des Zoobogens mit dem
Kino Zoopalast und BikiniHaus oder das 118 MeterHochhaus Zoofenster. Von
Mai bis Oktober lädt das
Straßencafé an der Grohmann-/Ecke Uhlandstraße
zum Verweilen ein, zu Lesungen, zu Konzerten. All
das und vieles mehr umrahmt die große Jubiläumsparty. Der Startschuss fällt
am 5. Mai, und die vielen
Ereignisse verbreiten dann
über Monate zusätzliches
Flair.
Der nächste Paukenschlag:
Unter dem Motto „125 Jahre Automobil trifft 125 Jahre
Ku´damm“ verwandeln rund
1.250 Oldtimer aus ganz
Europa den Straßenzug am

Seite 9

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28. und 29. Mai in ein spektakuläres Automuseum, begleitet von Bühnenprogrammen,
Modeschauen und als Höhepunkt eine „Oldtimer-NightShow“. Ende Juli folgt u.a. das
ISAF-Showspringen auf dem
Breitscheidplatz.
Vom 6. bis 14. August feiern
beim „Summer of the City“ auf
dem Breitscheidplatz alle Partner-Boulevards
der
„Vereinigung weltbekannter
Einkaufsstraßen“ mit. Und es

MÄRCHENHAFTES

DIE

AUS

DEM

geht weiter: „42 Stunden Ku’damm“ heißt es am 3. und 4.
September. Dann ist der gesamte Boulevard gesperrt, 42Stunden-Shopping, Modenschauen, Musik-Acts, kulinarische Genüsse und die Präsentation der 13 internationalen Partner-Boulevards zeigen
den Ku’damm einmal mehr als
Amüsiermeile. Einen glanzvollen Abschluss schließlich soll
am 12. und 13. Oktober die
Illumination des Ku’damms in

LANDE

Kooperation mit dem Festival
of Lights setzen.
Urbane Qualität erhalten und
immer wieder Neues wagen,
dafür steht als Synonym der
Kurfürstendamm – sagen die
Macher und Mitglieder der AG
City, die traditionsreichste Interessenvertretung im westlichen Zentrum Berlins. Ob Berliner oder Besucher, alle sind
jeden Tag aufs Neue eingeladen.

IRGENDWO

WOLKENBANK

von Gerhard Kolberg
Im Lande Irgendwo lebte irgendwann ein kleines Getier,
das konnte denken und fühlen – so wie wir.
Was ihnen geschah, kann man hier lesen.
Es klingt, als sei es auf Erden gewesen:
Amännchen und Bemännchen bewohnten friedlich ihr Reich
inmitten von Wäldern, Wiesen, Flüssen und Teich.
Zu essen gab es genug und wer emsig jagte,
führte ein Leben, das ihm behagte.
Doch plötzlich zog herbei eine Wolkenbank,
die nach und nach die Sonne verschlang.
Und infolge dessen
wurde es knapp, das Essen.
Die Amännchen und Bemännchen setzten sich an einen Tisch,
debattierten erst friedlich, doch dann stritten sie sich,
ob und wie man die Wolkenbank vertreiben wolle
und wie lange das Ganze dauern solle.
Und sie stellten die Frage, nur so ganz nebenbei,
wer von ihnen der kompetentere Fachmann sei.
Die Antwort fiel erwartungsgemäß unentschieden aus
und so verließen sie getrennt das Große Haus.
Statt gemeinsam die Gefahren zu durchdenken
und die Wolkenbank auf den richtigen Kurs zu lenken,
versuchte nun jeder für sich die Situation zu ergründen
und einen Ausweg aus der Misere zu finden.
Dabei galt der Grundsatz - und zwar in jeder Partei dass der eigene Vorschlag konträr zu dem des Anderen sei.
Selbst wenn jener besser war, er wurde demontiert
und in Grund und Boden diskutiert.

Foto: Gerhard Kolberg

Seite 10

SPÄTLESE
Doch mitunter wurde es einem Streitenden klar,
dass die Idee des Gegners die Bessere war.
Dann gab er sie als eigenen Vorschlag aus,
strich aber ein Komma und ein „und“ heraus.
Kaum hatte die Gegenseite vom Ideenklau gehört,
wurde der vormals eigene Vorschlag abgewehrt,
weil er, obwohl einst gut durchdacht,
den Schaden mit Sicherheit noch viel größer macht.
So gab es ein Veto nach jeder Debatte
zum Vorschlag, den der Gegner entwickelt hatte.
Man begann um Wörter und Begriffe zu kämpfen
und keiner konnte die Streitlust dämpfen.
Indessen zog die Wolkenbank (die aus Strophe drei)
immer näher und dunkler herbei.
Sie schickte Blitze zur Erde, der Donner krachte,
was endlich A- und B-Hirne zum logischen Denken brachte.
Nach einem letzten Streit und Aufbegehren
konnte man sich nicht länger wehren
und man musste endlich eingestehen:
nur gemeinsam würde man die Sonne wieder sehen.
Man begriff, dass nicht die andere Partei
der Auslöser der Katastrophe sei,
sondern immer noch die Wolkenbank,
die weiterhin gierig die Sonne verschlang.
Das zwang die Männchen erneut an einen Tisch.
Sie wussten alle, es wird fürchterlich,
wenn sie jetzt wieder versagten
und nicht vereint zu denken wagten.
Nun konnten sie die Wolkenbank vertreiben
und gemeinschaftlicher Sieger bleiben,
Sieger in ihrem kleinen Reich.
Das ist im Kleinen wie im Großen gleich.
REISEERLEBNISSE

DIE

SÄCHSISCHE

SCHWEIZ

-

EIN

BELIEBTES

REISEZIEL

von Christa-Doris Pohle
Es muss so in den Fünfziger
Jahren gewesen sein. Im Betrieb wurdeEs muss so in den
Fünfziger Jahren gewesen sein.
Im Betrieb wurden die FDGBReisen verteilt. Als Jüngste in
der Abteilung wartete ich ab, bis
der Kampf um die OstseePlätze vorüber war und bekam
dann eine Reise nach Rathen,
welche mir niemand streitig
machte. Reisetermin war Mitte

Juli. Ich konnte meine Mutter
mitnehmen, also Freude auf
der ganzen Linie. Unser Quartier war in einem großen, alten, sehr renovierungsbedürftigen Haus in der Nähe der Elbe. Die Wirtin war 85 Jahre
alt, hatte mehrere Zimmer vermietet und wachte energisch
darüber, dass die Urlauber
ihren Anordnungen Folge leisteten. Unsere Anreise war an

einem sehr warmen Tag und als
wir unser Quartier erreicht hatten, hofften wir, uns etwas frisch
machen zu können. Aber daraus
wurde nichts. Unsere Wirtin erklärte uns, dass auf Grund der
lang anhaltenden Trockenheit,
Wasser nur für eine Stunde in
der Frühe und am Abend angestellt werden darf. Wenn man
tagsüber Wasser haben wollte,
müsste man Eimer füllen, die wir

Seite 11
uns aber erst noch kaufen
müssten. Ich muss ehrlich gestehen, ein kleiner Dämpfer
war das schon für uns. Aber
wir hofften, dieses Problem
irgendwie zu lösen. Bei unserem ersten Rundgang durch
Rathen kauften wir im Konsum
drei Wassereimer. Die Elbe
führte in diesen Tagen sehr
wenig Wasser und die Schifffahrt musste eingestellt werden. Zu den Mahlzeiten gingen wir zu einem FDGBFerienheim in der Nähe, wurden dort sehr gut versorgt,
lernten nette Urlauber kennen und
unternahmen gemeinsame Wanderungen, aber ohne
gewagte
Kletter„Es war eben
partien. Mit unseeine Sonderren
Vorratsvorstellung
Wassereimern
auf mehreren
Ebenen.“
klappte es gut. Nur
einmal hatte wohl
die Wirtin schlechte Laune und ließ
am Morgen, aber
auch am Abend,
das Wasser nur
tröpfchenweise laufen. Da
konnten wir an Bevorratung
nicht denken. Gerade an diesem Tag kamen wir besonders eingestaubt von einer
Wanderung zurück. Da haben
wir unsere Füße mit Gesichtswasser abgerieben, um bis
zum letzten Tag Freude an
unserer mitgebrachten Bettwäsche zu haben. Vom ersten
bis zum letzten Tag hatten wir
herrliches Urlaubswetter. Nur
die Einheimischen konnten
darüber keine Freude empfinden, das Wasser fehlte überall. Auf Plakaten wurde angekündigt, dass im Kino, als
Sondervorstellung nur an einem Tag, der westdeutsche
Film „Das Mädchen Rosemarie“ gezeigt wurde. Das war
schon ein Ereignis für die Einheimischen und auch für die

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Feriengäste, ein Film aus
der Bordell-Szene. Die Karten waren blitzschnell vergriffen. Ein Urlauber aus
unserem Haus hatte zwei
Karten für uns mitbesorgt.
Also auf zum Abendprogramm. In den Reihen vor
und hinter uns saßen viele
Jugendliche. Es knisterte
vor Spannung und dann, oh
Graus, ein Filmriss, und Foto: Heike Hering/Pixelio
das gerade bei den nackten
Tatsachen. Schrille Töne und
werden wohl ins Schwitzen
Getrampel in der Dunkelheit.
geraten sein. Die Vorstellung
Die Sitzreihen, welche nicht
war zu Ende und nun gab es
am Fußboden befestigt waren,
für die Zuschauer, welche auf
wurden fast auseinander geden
Sitzbänken
nommen. Wir suchten das
Platz
genommen
Weite, so wichtig war uns der
hatten, wo das neue
Film dann doch nicht. WähHolzschutzmittel
rend der 15 Minuten Dunkelausprobiert wurde,
heit, bis der Filmriss behoben
eine böse Überrawar, gab es dann noch eine
schung. So breit wie
Prügelei. Es war eben eine
die Rückenlehnen
Sondervorstellung auf mehrewaren, hatten die
ren Ebenen. In Rathen gibt es
Besucher auf den Christa-Dorit Pohle
eine Felsenbühne und auf
Blusen,
Kleidern
dem Programm stand
oder Hemden einen breiten,
„Wilhelm Tell“. Das wollten wir
braunen Farbabdruck. Sich
uns natürlich auch anschauen.
selbst konnte man ja beim
An diese Eintrittskarten kamen
Heimweg durch den Wald
wir leicht. Getränke und Sonnicht von hinten betrachten,
nenhut hatten wir mitgenomman sah ja nur den Vordermen, nun konnte Tell kommann. Da gab es eine Menge
men. Es wurde wirklich ein
Ärger für die Kurverwaltung,
Erlebnis der besonderen Art.
Schadensersatzansprüche,
Für die Zuschauer gab es vier
als sich herausstellte, dass
Blöcke mit Holzsitzbänken.
auch die Reinigung nicht helUnsere Wirtin hatte uns vorher
fen konnte. Wir hatten an dieerzählt, dass es im Winter für
sem Tag dunkelblaue Dirndldie Kurverwaltung immer
kleider an und ein kleines aufschwierig wird, die Sitzbänke
blasbares Kissen für den Rüso unterzubringen, dass diese
cken mitgenommen, blieben
nicht Schaden nehmen. Damit
also von den braunen Flecken
die Sitzbänke im Winter drauauf dem Rücken verschont.
ßen bleiben konnten, hatte ein
Wie sich herausstellte, hatte
Handwerker im Ort, ein von
das Holzschutzmittel den Witihm erfundenes Holzschutzterungseinflüssen des Winters
mittel zur Verfügung gestellt.
getrotzt, aber der Schweiß der
Zwei Blöcke wurden im Herbst
Zuschauer hatte die Farbe andamit gestrichen und hatten
gegriffen und für den Ärger
den Winter gut überstanden.
gesorgt. Aber der „Tell“ mir
Als wir den „Tell“ anschauten,
seinem Apfelschuss, dargebowaren es 33 Grad im Schatten
ten auf einer Felsenbühne,
und die meisten Zuschauer

SPÄTLESE

Seite 12

DIENSTLEISTUNG

WENN

HILFE

NOTWENDIG

WIRD

von Rudolf Winterfeldt
das bleibt in der Erinnerung
und die 13 Tage in Rathen
waren auf keinen Fall langweilig. Die Lebensjahre gehen dahin, der Mensch wird
älter und irgendwann stellt er
fest, er kann nicht mehr alles
so erledigen, wie er es früher
einmal konnte. Was nun?
Oftmals ist guter Rat nötig,
um die richtigen Entscheidungen treffen zu können.
Vielfach stehen die Kinder
einem zur Seite und beraten
uns. Oftmals sind sie damit
aber überfordert. Da braucht
es dann schon professionelle
Hilfe. Nun wollte ich es genauer wissen, wie es mit
solch einer Hilfe aussieht und
habe mich mit Frau B. Lehmann vom Pflegestützpunkt
Marzahn-Hellersdorf, Marzahner Promenade 49, verabredet. In einem sehr informativen Gespräch wurden
mir die Aufgaben und Mög-

lichkeiten eines Pflegestützpunktes erläutert.
Die wichtigste Information: Hier wird keine
Pflege angeboten. Die
B e z e i c h n u n g
„Pflegestützpunkt“ ist
vom Gesetzgeber doch
etwas unglücklich gewählt und verknüpft damit unweigerlich den Gedanken, hier wird mir erwünschte Pflege angeboten.
Aber so ist es nicht. Die Aufgaben der Pflegestützpunkte
sind in erster Linie Information
und Beratungen. Dabei geben
die Sozialarbeiter(innen) Hinweise zu den Leistungen, die
über die Pflegeversicherung
und Krankenkassen gezahlt
werden sowie Unterstützung
bei der Organisation von Maßnahmen und Durchsetzung
von Ansprüchen. Sie informieren aber auch über Angebote
im Bezirk, über Hilfsmittel,

SPRICHWÖRTLICHES

AUS

WANN KOMMEN
von Ursula A. Kolbe

EISHEILIGEN?

Foto: Deutschland-deluxe

DIE

DER

Grafik: Gerd Altmann/Pixelio

Wohnraumanpassungen, alle
Wohnformen, juristische Vorsorge und vieles andere mehr.
Einen wichtigen Hinweis bekam
ich noch, die Beratung gibt es
nicht nur für ältere Bürger, sondern auch für jüngere Menschen, die es brauchen oder die
sich dafür interessieren. Wenn
sie sich weiterhin informieren
möchten, können Sie es kostenfrei unter der TelefonNummer: 0800-59 500 59 erledigen oder unter: www.pflegestuetzpunkt-berlin.de

NATUR

Sagen wir es salomonisch:
Auf jeden Fall Mitte Mai. Als
Eisheilige – Bischöfe und Märtyrer aus dem 4. und 5. Jahrhundert – sind uns überliefert:
Mamertus (11.Mai), PankraPankratius (12. Mai), Servatius (13. Mai), Bonifatius (14.
Mai) und schließlich die „Kalte
Sophie“ (15. Mai). Meine Oma
sagte immer, pflanze oder säe
nie vor Mitte Mai. Früher sollen sogar Feuer entzündet
worden sein, um Gärten,
Äcker oder Weingärten durch
den Rauchnebel vor Frost zu
schützen.

Wetterfrösche machen durch
langjährige Wetterbeobachtungen darauf aufmerksam,
dass ein Temperatursturz
z.B. erst um den 20. Mai auftritt, und sie verweisen auf
die Geschichte unseres Kalendersystems. So hat 1582
Papst Gregor der VIII. eine
Kalenderreform veranlasst,
wodurch die Unterschiede
des Julianischen Kalenders
zum Sonnenjahr weitgehend
korrigiert werden konnten.
Der Tag der „Kalten Sophie“ (15. Mai) lag vor der
Reform auf dem Tag, der

Seite 13
heute dem 22. Mai entspricht.
Vertiefen wir das nicht weiter.
Halten wir es einfach mit der
alten Weisheit: „Vor Nachtfrost
du nicht sicher bist, bis Sophie
vorüber ist.“ Oder lassen wir
uns von Wilhelm Busch trösten, der resümierte: „So zum
Exempel hat uns der heurige

www.magazin-spätlese.net
Winter unter der Maske des
Frühlings mal wieder recht
gründlich zum besten gehabt.
Auch ich Trottel deckte natürlich die Rosen auf. Sofort über
Nacht kam der eisige Ostwind
daher und zerzauste sie dermaßen, dass ihnen die Ohren
herunter hingen wie alter To-

bak. Zum Glück besitzt all das Zeug
eine
notwendige
Hartnäckigkeit, die,
mit einigen wehleidigen Ausnahmen, auf
das Schlimmste gefasst und gerüstet
ist.“

„Vor
Nachtfrost
du nicht
sicher
bist, bis
Sophie
vorüber
ist.„

NATUR

BIOMINERALIEN
Wenn ich nun mit der Gartenarbeit beginne, finde ich leider
nicht mehr so viel Zeit, um
mich mit meinen Büchern zu
beschäftigen. Aber in den
Wintermonaten habe sehr viel
gelesen. Die wichtigsten Bücher sind für mich diese, aus
denen ich etwas für meine Gesunderhaltung lernen kann.
Die Gesundheit ist nun mal
mein wertvollstes Gut. Also
möchte ich alles tun, was in
meiner Macht steht, um
schädliche
Einflüsse von
mir fernzuhalten. Und ich
„Ich finde, jetzt
habe die Erist eine günstige
fahrung
geJahreszeit, um
unseren Körper
macht, dass
liebevoll dabei
es sehr hilfzu unterstützen,
reich
sein
gesund zu
kann, durch
bleiben.„
das
Lesen
eines Buches
zu
diesem
Thema Denkanstöße zu erhalten, um bestimmte Verhaltensweisen ändern zu können. Wir wissen,
dass die Natur unseren Körper
mit Selbstheilungskräften ausgestattet hat. Aber wir haben
vielleicht auch schon gehört,
dass es im Körper Blockaden
geben kann und die Selbstheilungskräfte dadurch geschwächt werden können. Je
besser wir über die Zusammenhänge Bescheid wissen,

desto besser können wir vielleicht auch verstehen, was
unsere innere Stimme uns mitteilen will.
Auch ich habe erst lernen
müssen, dass es nicht nur
wichtig ist für unseren Gesundheitszustand, dass unsere Organe gut funktionieren.
Ich habe gelesen, dass auch
Befindlichkeitsstörungen entstehen können, wenn Psyche
und Seele nicht im Gleichgewicht sind. Wer hat nicht
schon im Bekanntenkreis miterlebt, wie traurig es ist, wenn
jemand unter Depressionen
leidet. Ja, auch für dieses
Problem gibt es Medikamente.
Aber haben wir nicht auch
schon oft gehört, dass gerade
in solchen Situationen natürliche Heilmethoden und liebevoller Zuspruch wahre Wunder
wirken und vielleicht sogar
verhindern können, dass jemand erst in ein „tiefes Loch“
fällt.
Die Schüßler-Salze habe ich
schon vor einiger Zeit für mich
entdeckt und sehr gute Erfahrungen damit gemacht. Vor
einigen Tagen habe ich mir
ein Buch von Vistara H. Haiduck mit dem Titel „SchüßlerSalze für Psyche und Seele“ (ISBN 978-3-426-87305-2)
gekauft. Auch aus diesem
Buch habe ich wieder viel lernen können über die Zusam-

Foto: mylance/Pixelio

menhänge
zwischen
Schmerzempfinden und dem
inneren Gleichgewicht. Sollten
Sie auf der Suche sein nach
Denkanstößen und Ratschlägen, wie Sie ihre Lebensqualität im Alter recht lange erhalten können, so kann ich Ihnen
die Lektüre dieses Buches
sehr empfehlen.
Freud sagte einmal zum Thema Gesundheit: „Sie ist die
Fähigkeit, lieben und arbeiten
zu können. Mit „Fähigkeit zu
lieben“ ist nicht die Liebe zu
einer anderen Person gemeint. Ein Mensch kann nur
dann Liebe empfinden und
geben, wenn er sich selbst
liebt“. Ich finde, jetzt ist eine
günstige Jahreszeit, um unseren Körper liebevoll dabei zu
unterstützen, gesund zu bleiben.

Seite 14

SPÄTLESE
BUCHTIPP

REISEFÜHRER

FÜR

STADT

UND

KIEZ

von Ursula A. Kolbe
Berlin

–

Der

Stadtführer

Berlin im Kleinformat – handlich, respektive tragbar in der
Jackentasche – so liegt ein
neuer Stadtführer aus der Nicolaischen Verlagsbuchhandlung vor. Im Vergleich zu vielen anderen führt er uns nicht
nur durch das Zentrum unserer Hauptstadt, seine Insidertipps empfehlen uns auch die
anderen Stadtteile wie Spandau, Dahlem, die östlichen
Bezirke oder das nahe, ebenso Kultur und Geschichte lebende Potsdam.

Mit Öffnungszeiten, Eintrittspreisen und Anfahrtsbeschreibungen lassen sich Besichtigungstouren leichter planen.
Inklusive Empfehlungen zu
Restaurants und Geschäften
und natürlich nicht zu vergessen zum reichen Kulturangebot. Sie finden Berlin auf einen
Blick und zehn Sehenswürdigkeiten, die man nicht verpassen sollte. Es ist eine Stadt mit
vielen Gesichtern. Man liebt Schnelldurchlauf. Internet:
sie oder man hasst sie, in je- www.nicolai-verlag.de
dem Fall aber fasziniert sie.
Und so ganz nebenbei erfährt ISBN 978-3-89479-451-4
man ihre Geschichte im

„Aber auch die alten Stadtvillen
in Charlottenburg-Wilmersdorf,
die Gewässer in Treptow Köpenick oder die Gärten der
Welt in Marzahn-Hellersdorf?“

Kiez erleben Berlins 12 Bezirke
Kiez ist mein Viertel, in dem
ich mich wohl fühle, in dem ich
zu Hause bin. Der Begriff übrigens stammt aus dem Slawischen und bezieht sich auf die
den Slawenburgen vorgelagerten Siedlungen, sagt mir
die Broschüre. Bezirk bedeutet so viel wie Verwaltungseinheit. Gerade im Kiez lernen
wir all die liebenswerten, schönen, manchmal aber auch weniger sehenswerten Ecken
und Eigenheiten der Stadt
kennen. Meist besucht man
die klassischen Sehenswürdigkeiten. Spontan fällen ei-

nem das Brandenburger Tor,
der Alex, Fernsehturm, die
Museumsinsel oder der Potsdamer Platz ein. Aber auch
die alten Stadtvillen in Charlottenburg-Wilmersdorf, die Gewässer in Treptow - Köpenick
oder die Gärten der Welt in
Marzahn-Hellersdorf? Verlassen Sie die festgetretenen
Touristenpfade, tauchen Sie
ab – in den Kiez. So ganz nebenbei gibt’s ausgewählte
Veranstaltungstipps bis Februar 2012. Die kleine Broschüre
von visitBerlin ist ein guter Begleiter. Für 1,50 Euro erhältlich in den Berlin Tourist Infos
im Hauptbahnhof, Eingang
Europaplatz; Neues Kranzler

Eck, nahe Zoo/Ku’damm; im
Brandenburger Tor, südliches
Torhaus; Alexa Shopping
Center, nahe Alexanderplatz
oder
per
Internet:
www.visit.Berlin.de In diesem
Zusammenhang: Die Berlin
Welcome Card ist das ideale
Familienticket für eine Entdeckungstour durch unsere
Stadt: Je Erwachsener und bis
zu drei Kindern unter 15 Jahren können damit an bis zu
fünf Tagen alle öffentlichen
Verkehrsmittel nutzen. Zudem
gibt es attraktive Ermäßigungen bei mehr als 160 touristischen und kulturellen Veranstaltungen.

Seite 15

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EPISODE
HÄSSLICHE

STRICKE

UND

FLIEGENDE

KETTEN

von Barbara Ludwig

Meine Mutter brachte mich, als
ich ein Mädchen von acht Jahren war, mit dem Zug in ein Dorf
in Brandenburg, das der Krieg
verschont hatte. Dort sollte ich
mich bei einer Bauernfamilie
drei Wochen lang erholen, mich
satt essen und viel gute Landluft
schnuppern.
Für den Sonntag war im Dorf ein
Puppentheater angekündigt, für
das mir meine Mutter noch kurz
vor ihrer Abreise eine Eintrittskarte gekauft hatte. Puppentheater! Das muss doch etwas
ganz besonders Schönes sein.
Mit Puppen spielte ich so gerne,
vor allem, wenn sie hübsch anzusehen waren. Und in einem
Puppentheater, dachte ich, in so
etwas Besonderem, konnten sie
nur wunderschön sein.
Die Vorfreude war groß und
mischte sich mit Spannung. Am
Nachmittag dann saß ich mit
anderen Kindern und auch Erwachsenen erwartungsvoll auf
meinem Theatersitz. Der Vorhang ging auf und fast menschengroße, dunkel gekleidete
Puppen sprachen und agierten.
Doch
ich
bekam kaum
mit, um was
es sich han„Durch die
delte, denn
Lüfte fliegend
ich war nicht
und drehend
in der Lage,
kehrte
mich auf ihre
unverzüglich
Gespräche
meine gute
zu konzentLaune zurück.“
rieren. Warum?
Für meinen
Geschmack
waren
die
Puppen viel zu dunkel gekleidet,
ihre Gesichter kantig und fröhlich sahen sie auch nicht aus.

Dass die Marionetten sich nicht
von allein bewegen konnten,
war mir wohl klar, aber dass sie
wegen der Beweglichkeit ihrer
Glieder mit dicken Stricken versehen waren, die allzu auffällig
daher kamen, gefiel mir überhaupt nicht. Es hätten dünne,
kaum sichtbare Fäden sein
müssen!
Nein, solche hässlichen Puppen
hatte ich nicht sehen wollen,
diese beraubten mich meiner
Illusion.
Endlich, der letzte Satz des
Puppenspiels war gesprochen,
der Vorhang zugezogen,
schnellte ich von meinem Sitz
hoch und verkündete einigen
ebenfalls flink aufgestandenen
Kindern, ich kannte sie nicht
einmal: „Nie wieder gehe ich in
so ein komisches Puppentheater“ und eilte mit ihnen zu einem
in der Nähe stehenden kleinen
Kettenkarussell.
Durch die Lüfte fliegend und
drehend kehrte unverzüglich
meine gute Laune zurück. Da
ich noch Geld besaß, blieb ich
am Ende einer Fahrt zwei- oder
dreimal in meiner Gondel sitzen,
zahlte und flog weiter. Ich fühlte
mich wie ein Vogel in der Luft.
Als meine ‚Groschen’ aufgebraucht waren, stieg ich ab.
Doch da kam der Kassierer auf
mich zu und meinte, ich könne
weiter fahren. Verwundert stieg
ich wieder in die Gondel. Beim
nächsten Halt das Gleiche. Und
noch einmal und noch einmal.
Dann endlich fragte ich den
Mann, wieso er das erlaubt, ohne dass ich zahle?
„Die Kinder“ dabei zeigte er lachend auf ein Grüppchen, das
unweit des Karussells stand,
„haben für dich gezahlt.“

Foto: Kreuznacher Zeitung/Pixelio

Ich war sprachlos. Ich kannte
die Kinder doch gar nicht.
Warum zahlten sie für mich?
Nun war mir das Ganze peinlich. Verschämt stieg ich ab,
obwohl ein Junge mir zurief,
ich solle noch eine Runde
fahren. Nein, jetzt wollte ich
schnellstens in das Wohnhaus zurück, wollte auch
nicht fragen, wieso sie mir
diese Fahrten geschenkt hatten. Ich lief, die Kinder folgten
mir, holten mich ein und wollten wissen, wie lange ich im
Ort bleiben und ob ich morgen mit ihnen spielen würde.
Ich freute mich und sagte sofort zu.
So bescherte mir dieser
Sonntag kleine fröhliche Kinderfreundschaften, nach denen ich mich schon gesehnt
hatte.

Seite 16

SPÄTLESE
DAS

MECKLENBURGISCHE

„DER FREISCHÜTZ“
von Ursula A. Kolbe
Musikliebhaber aufgemerkt!
Das Mecklenburgische Staatstheater Schwerin lädt im Juni
seine Besucher zu einem besonderen Erlebnis ein: Erstund einmalig werden die
Schlossfestspiele Schwerin auf
der Freilichtbühne inmitten des
barocken Schweriner Schlossgartens, einer der schönsten
norddeutschen Parkanlagen,
präsentiert. Die wohl bekannteste Oper der deutschen Romantik – Der
Freischütz
von
Carl Maria von
„..inmitten des
Weber - steht ab
barocken
dem 17. Juni in
Schweriner
23 Vorstellungen
Schlossgartens,
auf dem
Proeiner der
gramm, eingebetschönsten
tet in eine wildronorddeutschen
mantische AtmoParkanlagen“
sphäre von Jagd,
Natur und Leidenschaft.
Und das I-Tüpfelchen zur Einstimmung dabei: Das Entreeprogramm: So lädt im Eingangsbereich zum SchlossgarDIE

„GÄRTEN

DER

-

STAATSTHEATER

INMITTEN

Seit dem 30. April sind die
„Gärten der Welt“ im Bezirk
Marzahn-Hellersdorf, übrigens
1987 aus der Berliner Gartenschau entstanden, um einen
weiteren Anziehungspunkt reicher: Der Christliche Garten
lädt seine Besucher zum
Schauen, Staunen und Verweilen ein. Sein Thema ist die
christliche Kultur, versinnbildlicht durch die Urform des Klostergartens, dessen zentrales
Leitbild der Kreuzgang war,

BAROCKER

ten vor jeder Aufführung
eine Ausstellung zum jetzigen Internationalen Jahr
der Wälder ein; mehrmals
wird Fritz Reuters plattdeutsche Kurzvariante
des
Freischütz aufgeführt, und
Jagdhornbläser stellen
ebenfalls an mehreren Tagen die alte Kunst der Verständigung durch musikalische Signale vor.
Mit einem Schützenfest beginnt die dramatische Geschichte um den jungen Jäger
Max, dessen Lebensglück bekanntlich an seiner Treffsicherheit beim Schießen hängt. Samiel, der schwarze Jäger, ist
der diabolische Spielmacher
und wird von Schauspieler
Peter Sodann, der sich als
Leipziger Tatort-Kommissar
Bruno Ehrlicher in die Herzen
der Zuschauer spielte, verkörpert.
Einmalig sind am Sonntag, den
19. Juni ab 12 Uhr, Freilichtbühne, das renommierte Deutsche Jagdhornensemble und
Jagdhornbläser aus Mecklen-

WELT“

IM CHRISTLICHEN
von Ursula A. Kolbe

SCHWERIN

UND

GARTEN

EIN

UND

dargestellt in einer modernen
Symbol-, Zeichen- und Formsprache. Ein quadratischer
Garten mit überquellendem
Wasserstein, immergrünen Gehölzen und weiß blühenden
Stauden ist entstanden, der
sich auf besondere Weise in
die natürlichen Gegebenheiten
einpasst. Begrenzt wird er von
einer vier Meter hohen Buchenhecke und einem goldfarben lackierten, aus einzelnen
horizontal angeordneten Me-

JUNI

NATUR

Foto: Mecklenburgisches Staatstheater Schwerin

burg-Vorpommern und Schleswig-Holstein zu Gast, die am
Tag des Jagdhorns die Atmosphäre einer historischen
Jagdszenerie mit Hunden, Falken und Jagdhornsignalen lebendig werden lassen.
Eintrittspreise: zw. 64 und 49
Euro; ermäßigt für Schüler,
Studenten, Grundwehr- und
Zivildienstleistende, Arbeitslose, Senioren ab 65. Lebensjahr
und Schwerbehinderte (min. 80
v. H.) gegen Vorlage des entsprechenden Nachweises.
Kartentelefon: 0385 / 5300
www.theater-schwerin.de

WEITERER

WANDELN

IM

ANZIEHUNGSPUNKT

ENTSPANNEN
tallzeilen bestehenden Wandelgang. Die zwischen den Zeilen
eingearbeiteten Texte entstammen dem Neuen und Alten
Testament, sind aus Philosophie und Kultur, so z. B. das
heute noch weit verbreitete ursprünglich kirchliche Weihnachtslied aus dem 16. Jahrhundert „Es ist ein Ros’ entsprungen“. Auch ich habe es in
meinen Kindertagen gesungen
und kenne den Text, na sagen
wir ehrlicherweise die erste

Seite 17
Strophe, noch.
Nun haben wir also einen neunten, ebenfalls wunderschönen
Magneten an diesem Ort. Der
Name „Gärten der Welt“ ist noch
fassbarer und sinnbildlicher geworden. Bekanntlich war der
Chinesische Garten der erste.
Er
entstand
im
Rahmen
der PartnerDer Name
schaft
zwi„Gärten der
schen Berlin
Welt“ ist noch
und
Peking
fassbarer und
und
erhielt
sinnbildlicher
den Namen
geworden.
„Garten des
wieder
gewonnenen
Mondes“.
Charakterisiert durch Schlichtheit und dezente Farben haben
chinesische Spezialisten diesen
größten Garten seiner Art Europas errichtet.
Es folgte der Japanische
„Garten des zusammenfließenden Wassers“ mit höchster Gar-

www.magazin-spätlese.net
tenkunst. Der erste Balinesische „Garten der drei Harmonien“ Deutschlands will
die immerwährende Harmonie zwischen Mensch, Gott
und die Natur herstellen.
Aber wenn das immer so
einfach wäre.
Gartentradition orientalischer Länder von Afrika bis
Indien verkörpert der Orientalische „Garten der vier
Ströme“. Seine Gestaltung entspricht symbolisch der Idee des
Paradieses, wie sie sich im Alten Testament oder im Koran
findet.
Der Koreanische Garten, genannt Seouler Garten, ist ein
Geschenk der Stadt an Berlin.
Beeindruckend hier der reiche
Figurenschmuck und ein landestypischer Pavillon. Im Italienischen Renaissancegarten entführen der Hauptgarten und der
tiefer gelegene „Giardino Segreto“ die Besucher auf eine gartenhistorische Zeitreise.

Foto: Günter Schneider

Und ebenfalls immer wieder
gern besucht sind der große
Karl – Foerster – Staudengarten
oder der Heckenirrgarten nach
englischem Vorbild. Und auch
das Bodenlabyrinth nach französischem Vorbild.
Für 3,00 / erm. 1,50 Euro
(Hauptsaison) bzw. 2,00 /
erm.1, 00 Euro (Nov. bis März)
täglich ab 9 Uhr bis Anbruch der
Dunkelheit geöffnet; Jahreskarten 20,00 / erm.10,00 Euro.

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R E D A K T I O N
SPÄTLESE
Telefon:

(030)

90293-4371

Telefax: (030) 90293-4355

S P R E C H Z E I T E N
SENIORENBÜRO
Mo

9-12

und

13-15

Uhr

Do 9-12 Uhr
E-Mail:
magazin-spaetlese@gmx.de
Internet:
www.magazin-spätlese.net

Die Spätlese ist das erste Seniorenmagazin aus Marzahn-Hellersorf im Internet. Ehrenamtliche Autorinnen und Autoren schreiben
lesenswerte Texte, die aus dem Leben gegriffen sind und persönliche Hintergründe haben. Ernste und auch humorvolle Geschichten,
Reiseberichte und Beschreibungen von Erlebnissen - für jeden ist etwas dabei. Seit Januar 2008 erschienen 20 Ausgaben des Online
Magazins unter der Homepage des Bezirksamtes Marzahn-Hellersdorf www.marzahn-hellersdorf.de.
Die

Spätlese

hat

sich

als

Online-Magazin

etabliert,

denn

die

Vorteile

liegen

auf

der

Hand:

 die Spätlese ist vernetzt - zu anderen Portalen und Projekten
 die Spätlese ist flexibel - bei Aktualisierungen und bei der Anzahl von Artikeln
 die Spätlese ist werbefrei - und ein zeitgemäßes Informationsmedium
Die sechs Mitglieder der ehrenamtlichen Redaktion Spätlese treffen sich monatlich und stellen die Texte zur Veröffentlichung zusammen. Bei den Texten legen Sie besonderes Augenmerk auf gute Qualität und entsprechende Aussagekraft für Seniorinnen und Senioren.
        
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