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Periodical volume

Full text: Spätlese Issue 2009,7/8

Spätlese Ausgabe Juli/August 2009

Die neue Ausgabe der Spätlese erscheint
wieder als Onlinemagazin in der
bewährten Mischung von Information und
Unterhaltung.
Die Sonder-Sozialkommission „Redaktion
Spätlese“ bietet Ihnen auf den folgenden
Seiten lesenswerte Texte, die aus dem
Leben gegriffen sind und persönliche
Hintergründe haben.
Inhaltlich haben sie ernste und auch
humorvolle Seiten vor sich.

Das Magazin für aufgeweckte Seniorinnen und Senioren

30 Jahre Bezirk Marzahn-Hellersdorf von Berlin Autorin: Barbara Ludwig
Von wegen „Schlafstadt oder Platte“ Autorin: Ursula Maria Raupach
Ruhig, schön und sehr fotogen Autorin: Ursula Maria Raupach
Wie die Gaslaternen Einzug hielten Autorin: Ursula A. Kolbe
Der Springpfuhlpark Autor: Gerhard Kolberg
Wo Glanz und Glamour die Herzen höher schlagen lassen Autorin: Ursula A. Kolbe
Kennen Sie Langeneß? Autor: Rudolf Winterfeldt
Langersehnte Begegnung mit Siegmund Jähn Autor: Dieter Lämpe
Dem Weltenbummler Adebar auf der Spur – Besuch im Storchendorf Autorin: Christa-Dorit Pohle
Die Löffelgeschichte vom Schlaraffenland Autor: Gerhard Kolberg
Wer hat die Fische gestohlen? Autor: Rudolf Winterfeldt
Heiraten oder Junggeselle bleiben Autorin: Ursula A. Kolbe
Der mit dem Leben spielte Autorin: Inge Daniel
Die „innere“ Uhr Autor: Gerhard Kolberg
Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an … Autorin: Ursula A. Kolbe
Unionhilfswerk Autor: Rudolf Winterfeldt
Die Alten und die Jungen Autor: Gerhard Kolberg
Natur und Wanderlust Autorin: Ursula A. Kolbe

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Spätlese Ausgabe Juli/August 2009

Thema: Geschichte Berlins

30 Jahre Bezirk
Marzahn-Hellersdorf
von Berlin
von Barbara Ludwig
Foto: Ina Lilie

Die Wohnungsnot in der DDR war erheblich. Deshalb beschloss der VIII. Parteitag 1971 ein
Wohnungsbauprogramm mit dem Ziel, jeder Familie angemessenen Wohnraum zur
Verfügung zu stellen. 1975 begannen in dem am Stadtrand Berlins gelegenen Dorf Marzahn
die Erschließungsarbeiten zum Bau der Großsiedlung. Rasch wuchsen die Bauten und 1977
zogen die ersten Mieter ein, ausgerüstet mit Gummistiefeln, da zu dieser Zeit weder Wege
noch Straßen befestigt waren.
Die Bildung des Bezirks Marzahn im Jahr 1979, eine Vergrößerung Berlins - „Hauptstadt
der DDR“, führte zu weiteren diplomatischen Spannungen im ohnehin ständigen Unfrieden
zwischen Ost und West und den Besatzungsmächten Großbritannien, Frankreich und USA.
Diese sahen in der Erweiterung der Berliner Bezirke eine Verletzung des Vier-MächteStatus. Die DDR ignorierte diese Proteste und schuf die größte Neubausiedlung Europas.
1981 waren dann auch die ersten Wohnungen der Großsiedlung im angrenzenden
Hellersdorf fertig gebaut. Dort, genau wie in Marzahn, entfaltete sich ein noch nie
dagewesenes imposantes Baugeschehen.
1986 erfolgte die Gründung des Bezirks Hellersdorf. Am 1. Januar 2001 fusionierten
beide und der Bezirk Marzahn-Hellersdorf war geboren.
Vom ersten Spatenstich an wuchsen die Gebäude wie Pilze aus der Erde. In der kurzen Zeit
von über zehn Jahren entstanden 91.400 Wohnungen in fünf bis 21 Stockwerken hohen
Häusern, zuzüglich der zum Leben notwendigen Einrichtungen, wie Schulen, Krippen,
Kindergärten, Schulhorte, Sportplätze, Schwimmhallen, Kaufhallen, Dienstleistungsbetriebe.
Das Beste für die Kinder war, dass ihr Schulweg kaum je über eine Verkehrsstraße führte,
da die Schulen direkt mitten in den Wohngebieten standen. Diese Bauweise lohnte sich, da
zu Zeiten der DDR sehr viele Kinder geboren wurden. Auch war man nicht knauserig mit
dem Bauland: Breit angelegte Straßen und Fußwege sowie Parkplätze, an den Rändern
versehen mit unzähligen Bäumen und Sträuchern, grüne Oasen und Parks versprachen ein
besseres Wohnumfeld und hielten es.
Wohnqualität sollte auch durch die Bildung von Hausgemeinschaften gefördert werden. Es
kam darauf an, alle Mieter in das sozialistische Leben einzubeziehen, die sich gegenseitig
unterstützten und halfen. Die Hausgemeinschaften, wenn auch mit politischem Gehalt,
hatten den Vorteil, dass tatsächlich echte, ehrliche Gemeinschaften entstanden. Die
Menschen lernten sich schnell kennen und profitierten in vielfältiger Weise voneinander.
Das Kennenlernen wurde forciert durch Hausversammlungen, Wohngebietsfeste, Schul- und
Sportfeste. Aber auch gemeinsame Arbeit verband sie, so bei der Vorgartenpflege oder der
Reinigung der Haustreppen und -flure. Das gehörte zum sozialen Aspekt, der andere
ermöglichte den Parteien und Stasileuten eine laufende Kontrolle des Verhaltens der Bürger.
Die Anbindung an den öffentlichen Verkehr Berlins geschah aufgrund des Baus der S-BahnStrecke von Lichtenberg über Marzahn bis Ahrensfelde im Jahr 1982, durch Busse sowie ein

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Spätlese Ausgabe Juli/August 2009

neu erbautes Straßenbahnnetz. Ab Juli 1989 führte eine U-Bahn-Linie vom Alexanderplatz
durch Hellersdorf bis nach Hönow.
Die Großsiedlungen Marzahn und Hellersdorf waren gerade fertig gebaut, da kam die
Wende. Es veränderte sich fast alles und zwar um 180° positiver wie auch negativer Art.
Tausende Bürger verließen Marzahn und Hellersdorf, um der horrenden Arbeitslosigkeit und
den Vorurteilen zu der von außen verspotteten Plattenbauweise zu entgehen. Denn wer in
Marzahn oder Hellersdorf wohnte, hatte nun (und z. T. noch jetzt) schlechte Karten,
anerkannt zu werden. Durch fehlende soziale Sicherheit war die Anzahl der Geburten sehr
stark rückläufig und leer gezogene Wohnhäuser, Schulen und Kindertagesstätten mussten
abgerissen werden.
Trotz allem wohnen immer noch 244.640 Bürger in unserem Stadtbezirk. Im Laufe der
letzten 20 Jahre geschah vieles, was die Lebensqualität erhöhte. Rasch wurden die
Gebäude saniert, innen und außen. Im Vergleich mit dem Standard des Westens konnten sie
nun nicht mehr mithalten. Farbvielfalt und kreative Malereien an den Wohngebäuden
erfreuten nun ebenso, wie formschöne Balkone.
Viele Einkaufszentren entstanden sowie das Freizeitforum mit seinen vielfältigen sportlichen
und kulturellen Möglichkeiten. Unsere ehemaligen Polykliniken, die nach der Wende
‘entsorgt’ werden sollten, hatten später wieder Aufwind. Man nannte sie nunmehr
Ärztehäuser. Das jetzt schon weit bekannte Unfallkrankenhaus entstand 1997 auf einem
bereits genutzten Krankenhausgelände und genießt hohe Anerkennung in ganz Deutschland
und darüber hinaus.
Nicht unerwähnt bleiben darf der wunderschöne Marzahner Erholungspark mit seinen Gärten
der Welt, der bereits zu DDR-Zeiten angelegt und seit der Wende einmalig attraktiv gestaltet
wurde. Und eine große Freude sind die seit 2002 sukzessiv angelegten Wanderwege um
das im Stadtbezirk eingebettete Wuhletal.
Im Stadtbezirk Marzahn-Hellersdorf zu wohnen lohnt sich. Wir Einwohner sollten das
Geschaffene im vollen Umfang genießen.

Im Museum, Alt-Marzahn, haben Sie Gelegenheit, sich zu weiterem Geschehen in
der Ausstellung ZEITBLICKE „30 Jahre Marzahn-Hellersdorf - 20 Jahre Wende“ zu
informieren. Geöffnet ist dienstags und donnerstags von 10 bis 17 Uhr, mittwochs 10
bis 19 Uhr und sonntags von 11 bis 17 Uhr. Fahrverbindung bis Alt-Marzahn: Bus
154, 192, 195, Straßenbahn M6, M8, 16, 18. Eintritt kostenlos.

Thema: Hommage für Marzahn-Hellersdorf

Von wegen „Schlafstadt
oder Platte“
von Ursula Maria Raupach

Theater am Park

Wenn in den bundesdeutschen Magazinen und den meisten Zeitungen des Westteils
unserer Republik von Marzahn-Hellersdorf die Rede ist, kann man, gelinde gesagt, wie ein

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HB-Männchen in die Luft gehen. Die Aussagen über diesen Bezirk Berlins, der so genannten
Platte, zeugen fast durch weg von haarsträubender Unkenntnis der Schreiberlinge.
Ein ungeschminktes Beispiel der „Wahrheitsliebe“ vieler Medien, wie ich als stolze
Marzahnerin immer wieder konstatieren muss.
Meine Besucher jedenfalls sind immer wieder begeistert von dem vielen Grün, den herrlichen
Gärten, Parkanlagen und Kulturstätten des Bezirkes.
Die „Platte“ versorgt ihre Bewohner mit preisgünstigen modernisierten Wohnungen und die
vielen erholsamen Grünflächen leisten durch ihre ständige Lufterneuerung einen großen
Beitrag zu deren Gesunderhaltung. Nebenbei gesagt wird Nachbarschaftshilfe hier noch
groß geschrieben.
Da die Neubaugebiete durch zahlreiche denkmalgeschützte Straßenzüge und Gebäude
unterbrochen werden, ergibt sich ein interessantes abwechslungsreiches Stadtbild.
Egal, in welche Richtung man im Bezirk die Schritte lenkt, immer kann man neue, sehr
fotogene Winkel entdecken.
An diesem Sonnentag im Juni lenkten wir unsere Schritte zwar in Richtung „Gärten der
Welt“, aber unser Ziel hieß: „TaP“, hieß -Theater am Park.
Dieses kleine Theater im Frankenholzerweg 4 bietet viele Veranstaltungen für Große und
Kleine.
Uns interessierte insbesondere die Fotografik-Ausstellung im Foyer des Theaters und
natürlich der, nur einen Steinwurf entfernte, Biesdorfer Schloss-Park.
Während wir uns die interessant bearbeiteten Fotos der Fotografin Margit Mach
betrachteten, füllte sich hinter uns der Saal mit tanzbegeisterten Seniorinnen und Senioren.
Wie gesagt: Für einen jeden etwas!!!

Thema: Hommage für Marzahn-Hellersdorf

Ruhig, schön und sehr
fotogen
von Ursula Maria Raupach

Turm vom Schloß Biesdorf

Der Blumberger Damm ist eine von den sehr stark frequentierten Straßen im Bezirk
Marzahn-Hellersdorf. Selbst an Wochenenden rollt der Verkehr ununterbrochen. Zum Glück
hat weise Verkehrsplanung das Überqueren am Schlosspark durch eine Ampelregelung
erleichtert.
Die flotten Melodien der Tanzband im TaP noch im Ohr, nutzten wir diese Möglichkeit die
andere Straßenseite zu erreichen und ließen uns, schon kurze Zeit nach Ausstellungs- und
Veranstaltungshektik, von der lebendigen Stille des Schloss-Parks einhüllen. Von uralten
Bäumen begrüßte uns lustiges Vogelgezwitscher. Motorenlärm und Autoabgase schienen
wie durch Zauberwort ausgegrenzt zu sein.

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Fröhliches Geplauder und herzliches Lachen in der Nähe des Springbrunnens im Zentrum
des Parks machte uns neugierig. Eine Gruppe junger Leute hatte sich im Modestil des
Spätklassizismus verkleidet und fotografierte oder filmte vor der ebenfalls im
spätklassizistischen Baustil errichteten Turmvilla.
Meine ebenfalls jungen Begleiter erklärten mir, dass diese Spielerei, Cosplay genannt,
gerade sehr aktuell unter den jungen Leuten sei.
Mir gefiel das gut. Es regte die Fantasie an und ich malte mir aus, wie es wohl vor ca. 150
Jahren hier ausgesehen haben mag und wie die Bewohner dieses schöne Gebäude erlebt
haben mögen. Einige Anhaltspunkte dazu hatte ich aus Informationsmaterial und früheren
Schlossbesuchen noch parat; hier eine kleine Kostprobe:
Ich hörte Pferdegetrappel und in meiner Vorstellung hielt ein offenes Pferdegespann direkt
vor dem Portal der Villa.
Begeisterte Ausrufe von den ankommenden Freunden des Freiherrn Hans Herrmann von
Rüxleben. Vornehmlich die hübsche, im Modestil des Biedermeier gekleidete junge Dame,
gab ihrem Entzücken über die Säulenhalle vor dem Eingang, die Balkone und die
angegliederten Pergolen Ausdruck durch die Bitte:
"Oh, Hans Hermann, wie wunder-, wunderschön! Mir kommt es vor wie ein richtiges Schloss.
Wollen wir es nicht Schloss von Biesdorf nennen, Cousin?"
"Nun ja", winkte der so überschwänglich Angesprochene leicht ab, "wenn du meinst,
Minchen, mir soll es recht sein. Aber da fehlt noch einiges! Insbesondere der Park verlangt
noch nach vollendeter Gestaltung. Neben einheimischen Gewächsen möchte ich hier auch
einige tropische ansiedeln.
Ich schlage vor, wir nehmen den Tee auf dem Balkon ein und besichtigen anschließend
Haus und Park!"
Und ich schlage vor: „Sie sollten sich das im alten Baustil wiederhergestellte Kleinod unseres
Bezirkes ansehen. Es lohnt sich, Sie finden Ruhe und Schönheit!“

Thema: Geschichte

Wie die Gaslaternen Einzug
hielten
von Ursula A. Kolbe

Foto: citysam
Laterne in der Spandauer Altstadt

Kürzlich hat mich eine Überschrift neugierig gemacht: Botschafter des goldgelben Lichts.
Von Gaslaternen in Berlin ist hier die Rede. Ein Blick in Geschichte und Gegenwart ist schon
interessant. Die ältesten Dauerbrenner sind sehr beliebt, ihr warmes Licht tut dem Gemüt
gut. Als Design im Öffentlichen – verschnörkelt, alt und schön - sind sie gefragt.
Straßenbeleuchtung in Berlin gibt es seit 1678 nach einer Anordnung des Großen Kurfürsten
Friedrich Wilhelm. Sein Befehl lautete, an jedem drittem Haus abends eine Laterne
anzuzünden. Anfangs waren es Öllampen, die seinerzeit im Hausgebrauch üblich waren.
Später ordnete er die Aufstellung fester Laternen an.

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Gaslaternen beleuchteten erstmals 1826 die Strasse Unter den Linden, damals von Hand.
Bereits 1829 konnten 1.800 Gaslaternen gezählt werden. Ständig wurden die Brenner für
eine höhere Leuchtkraft weiterentwickelt. So stellte Fritz Siemens den Regenativbrenner vor,
der die Luft und das Gas vor der Flamme durch die Verbrennungsabwärme erwärmte.
Revolutioniert wurde die Gasbeleuchtung anno 1871 durch die Erfindung der Glasglühkörper
des Chemikers Freiherr Carl Auer von Welsbach, die heute noch verwendet werden. 1892
dann ist die „Berliner Laterne“ entwickelt worden.
Noch heute stehen rund 44.000 Gaslaternen in Berlin, mehr als in allen Städten weltweit
zusammen. Die heutigen sind hochmodern. Die historischen Gehäuse zeichnen sich durch
energiesparende Technik aus: Sie verfügen über einen Lichtsensor und werden, je nach
Grad der Dunkelheit, einzeln nacheinander angezündet. So passen sie sich automatisch den
Lichtverhältnissen an. Die Batterien sind den Solarzellen gewichen. Diese laden sich mit
dem Licht auf, das die Laterne abgibt.
Ein Leser hatte an den Tagesspiegel geschrieben, dass er hoffe, dass das goldgelbe Licht
auch weiterhin leuchten möge, sonst würde ein Wahrzeichen Berlins als ein
unverwechselbares Stück Alltagskultur zerstört. Er wolle in einer Stadt leben, die ihre
Besonderheiten bewahrt.
Fahrtipp: Freilichtmuseum für Gaslaternen im Tiergarten: S-und U-Bahnhof Zoologischer
Garten, S-Bahnhof Tiergarten.

Thema: Aus dem Bezirk

Der Springpfuhlpark
von Gerhard Kolberg

Foto: Kolberg

Wenn Marzahn-Hellersdorf als drittgrünster Bezirk Berlins bezeichnet wird, ist damit nicht die
politische Landschaft gemeint, sondern das Grün der Bäume, Sträucher, Gärten, Wiesen
und Parks, die für diesen Bezirk so typisch sind.
Eine dieser grünen Oasen ist der Springpfuhlpark, direkt am S-Bahnhof Springpfuhl gelegen.
Reicher Baumbestand, Bänke und gut begehbare Wege laden zum Spazieren gehen und
Entspannen ein. Im Park verteilt stehen Steinskulpturen, die das Arbeitsergebnis einer
internationalen Künstlerwerkstatt des Jahres 1984 unter dem Thema „Poesie des Lebens“
sind.
Der Springpfuhlpark zieht Menschen aller Altersgruppen an. Auf einer der Bänke sitzend
oder im Grase liegend, genießen sie die Ruhe inmitten der Stadt. Sie lesen, plaudern
miteinander, flirten oder tauschen Neuigkeiten aus. Hobbyfotografen finden hier zu jeder
Jahreszeit reizvolle Motive.
Auch für die Hundefreunde ist der Springpfuhlpark ein beliebtes Ziel zum Ausführen ihrer
vierbeinigen Hausgenossen. Doch nicht alle beseitigen mittels Plastetüte die

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Hinterlassenschaften ihres Bello, Paul oder wie die Tiere sonst heißen. So muss der
Spaziergänger leider auch auf den Wegen auf unbeliebte Tretminen achten.
Außer den zumeist angeleinten Hunden gibt es zahlreiche andere freilebende Tiere in
diesem Stück Natur. Elstern, Krähen, Tauben und Spatzen sind wohl die Vogelarten, die
jeder kennt und die hier in größeren Mengen vertreten sind. Singvögel bezaubern besonders
im Frühjahr den Naturliebhaber durch ihren Gesang. Herrlich das Lied der Nachtigall, die
auch am Tage ihre Melodien hören lässt. Aber auch den Specht kann man hören und –
wenn man Glück hat - sogar sehen. Zu den Bewohnern des Parks und des nahegelegenen
Akazienwäldchens zählen auch die putzigen rotbraunen Eichhörnchen.
Den optischen Mittelpunkt des Springpfuhlparks bilden jedoch zwei Teiche. An ihren Ufern
und in ihrem Wasser hat sich ebenfalls ein reicher Tierbestand angesiedelt. Stockenten,
Blesshühner und Teichhühner brüten hier. In diesem Jahr hatten sich zeitweilig auch einige
Reiherenten eingefunden. Schwäne, die noch vor einigen Jahren hier anzutreffen waren, gibt
es heute auf dem Springpfuhl nicht mehr. War es ihnen hier zu unruhig geworden?
Schulkinder, und leider auch einige Erwachsene, haben nämlich diese Gewässer als ihr
Angelrevier entdeckt. Die Beute sind überwiegend kleine Fische, aber es wird erzählt, dass
es hier auch einen sehr großen Fisch geben soll. Nessie lässt grüßen? Und bis man den
gefangen hat, wird eben jeder noch so kleine Fang lauthals begrüßt und den Freunden
schreiend mitgeteilt.
Den Wunsch nach einem guten Fang hat sicherlich auch der Graureiher, der im Sommer
häufig den Springpfuhl anfliegt und auf der baumbestandenen Insel inmitten des großen
Teiches oder auf den Bäumen am kleinen Teich einen geschützten Standort findet.
Die Fauna im Springpfuhlpark wird ergänzt durch zahlreiches Kleingetier, von denen die
Ratten die unangenehmsten, die Frösche die springlebendigsten und die Libellen die
flinksten Vertreter sind. Zu den absoluten Raritäten zählen jedoch zwei Schildkröten.
Nachdem sie den Winter gut überstanden haben, tauchen sie im Frühjahr wieder an der
Wasseroberfläche auf. Sie wurden vermutlich vor Jahren hier ausgesetzt, weil ihr
einstmaliger Besitzer sie zu Hause nicht mehr halten konnte oder wollte.
Immerhin haben die Tiere bis jetzt überlebt und finden im Springpfuhl reichlich Nahrung und
viel Platz zum Schwimmen und zum Sonnenbaden. Wenn im Frühling die ersten wärmenden
Sonnenstrahlen auf die Wasseroberfläche scheinen, finden sich auch regelmäßig die ersten
interessierten Parkbesucher ein, die nach ihren tierischen Favoriten Ausschau halten.
Wer nach seinem Spaziergang durch den Park hungrig geworden ist, kann auf dem
nahegelegenen Wochenmarkt am Helene-Weigel-Platz seinen Appetit stillen.

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Thema: Eine moderne Legende

Wo Glanz und Glamour die
Herzen höher schlagen lassen
von Ursula A. Kolbe

Foto: BTM, Friedrichstadtpalast bei Nacht

Erinnern Sie sich noch an unseren guten alten Friedrichstadtpalast in der Berliner
Reinhardtstraße? Mein Büro lag genau gegenüber – im Deutschen Bauernverlag. Bis zur
Wende war dort mein Arbeitsplatz. Aber das soll hier nicht mein Thema sein.
Zurück zum Obengenannten. Seit dem 19. Jahrhundert war er ursprünglich eine große
Markthalle, auch eine bedeutende Wirkungsstätte vom Zirkus Renz. Entstand nach
wechselvoller Geschichte und vielen Umbauten, woraus d a s Revuetheater wurde. Wegen
verfaulter Fundamentpfeiler musste er 1985 geschlossen und letztendlich abgerissen
werden.
Neu erstanden ist er nur wenige Meter weiter in der Friedrichstraße 107. In diesem Jahr
feiert das Neue Haus sein 25jähriges Jubiläum; herausragend dabei die Erfolgs-Show Qui –
modern, hinreißend, enorm temporeich.
So wie der Palast der Republik war auch der Friedrichstadtpalast immer eine Stätte des
Volkes. Während der erstere aus politischem Kalkül der Abrissbirne weichen musste,
schaffte das Haus nach der Wiedervereinigung, sich als bekannteste Adresse für Glitzer und
Glamour fest zu etablieren. Allen Stürmen zum Trotz – bis heute ist dieser ostdeutsche
Leuchtturm eine technische Meisterleistung. Noch immer strotzt er vor Superlativen und
Weltrekorden: die größte überdachte Theaterbühne. Die längste Girlbühne. Die größte
fahrbare Eisfläche – weltweit. Mitarbeiter wie Mitwirkende geben ihr Bestes an Engagement
und Künstlervielfalt.
Intendant Dr. Berndt Schmidt tituliert den Begriff Revue als eine große Showunterhaltung.
Bezug nehmend auf Qui: „Wie in einem überdimensionalen Kaleidoskop entfalten sich
prachtvolle Bilderwelten und ziehen Sie in einen Strudel aus Farben, guter Laune,
mitreißender Musik, Tanz und Weltklasseartistik…. In der asiatischen Philosophie steht Qui
auch für Kraft und Energie, für das Temperament und die Emotionen des Menschen. Im
angelsächsischen Raum klingt Qui wie „key“ (zu Deutsch: Schlüssel). Und tatsächlich ist Qui
der magische Schlüssel zu einer phantastischen Welt.“
Diese Bilder werden lebendig, wenn man im Jubiläumsprachtband „STERNSTUNDEN – 25
Jahre Neuer Friedrichstadtpalast“ blättert. Als stellvertretender Kreativdirektor und
Dramaturg erzählt der Insider
Roland Welke die packende Geschichte des Hauses, umrahmt von hunderten bisher
unveröffentlichter Fotos und persönlichen Wortbeiträgen. Das Buch ist erhältlich in allen
Buchhandlungen, bei Amazon.de und an der Theaterkasse des Hauses. Gönnen Sie es sich.

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Thema: Reisen

Kennen Sie Langeneß?
von Rudolf Winterfeldt

Foto: Rudolf Winterfeldt
Warft mit Gehöft

Bis vor einiger Zeit hatte ich diesen Namen noch nie gehört. Das allerdings sollte sich
während unseres Urlaubs in Wyk auf Föhr ändern. Meine Frau und ich wollten mit unserem
jüngsten Sohn und seiner Frau gemeinsam ein paar Tage an der Nordsee verbringen.
Unsere Schwiegertochter Elvy nahm die Organisation in die Hand und kümmerte sich auch
um die Ausflüge vor Ort. So stachen wir also an einem Tag in See und landeten nach gut
einer Stunde Fahrt auf der Hallig Langeneß (Lange Nase).
Die Halligen sind Reste des Festlandes, die sich nach Sturmfluten und durch
Aufschwemmungen gebildet haben. Es handelt sich dabei um Marschland, das meist
torfhaltig ist. Im „Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer“ gibt es zehn solcher
Halligen.
Der Name „Hallig“ bedeutet „Land in dem Salz verborgen ist“ und leitet sich aus dem
keltischen „Hall“ ab, was „Salz“ bedeutet. Schon im 3.Jahrhundert v.Ch. haben sich die
Halligen gebildet und waren bewohnt. Lange Zeit unbewohnt, erfolgte eine Neubesiedlung im
7.Jahrhundert n.Ch. Eine erste Urkundliche Erwähnung der Halligen gibt es allerdings erst im
Jahre 1231.
Ich hatte mir unter einer Hallig immer etwas ganz anderes vorgestellt als das, was ich jetzt
erlebte. Von Föhr aus konnte man die kleinen Hügel erkennen und sie sahen wie
Maulwurfshügel im Wasser aus. Nie wäre ich auf den Gedanken gekommen, dass es sich
um eine so große Insel handelt. Am Anlegesteg erwartete uns ein Vertreter des
Nationalparks und teilte uns, während einer Führung, alles Wissenswerte über die Hallig und
seine Bewohner mit.
So erfuhren wir, dass die Hügel, auf denen die Wohnhäuser und andere Gebäude stehen,
Warften genannt werden. Warften sind künstlich geschaffene Hügel, die bei normalem
Hochwasser nicht überflutet werden. Bei „Landunter“ sind das dann Inseln im Meer. Gibt es
allerdings z.B. bei Sturmfluten „Warftunter“, sind auch diese Inseln überflutet. Auf der Hallig
Langeneß gibt es 18 Warften und es leben hier 110 Personen.
Sie ist 10 km lang und 1 km breit. Zum Festland wurde ein Damm gebaut, auf dem ein Gleis
verlegt ist, was es den Einwohnern ermöglicht, mit einer motorisierten Lore zum Festland zu
fahren. Das ist allerdings nur bei Niedrigwasser möglich. Damit sind die Einwohner von den
Fähren unabhängig.
Bei unserem Rundgang sahen wir grüne Wiesen auf denen Schafe weideten. An anderer
Stelle ein paar Kühe. Heute wird vornehmlich Viehwirtschaft auf der Hallig betrieben. In

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vergangenen Jahrhunderten war die Torf- und Salzgewinnung, später die Seefahrt und der
Fischfang die Erwerbstätigkeit der Einwohner.
Auf unserem Rundgang sahen wir auch Ringelgänse, die hier eine Zwischenrast auf ihrem
Weg nach Sibirien einlegen. Sie futtern sich hier die notwendigen Fettreserven an, um den
26-stündigen Non-Stop-Flug gut zu überstehen. Dabei fliegen sie mit einer Geschwindigkeit
von ca. 90 km/h. Sehr beeindruckend waren auch die Flugkünste der Meeresseeschwalben,
die wir hier beobachten konnten.
Mit dem „Langeness-Express“, einem „Unimog“ mit Anhänger, ging es weiter zur
Honkenswarft. Auf dieser Warft leben vier Haushalte mit zwölf Personen. Ein kleines
Museum, die „Friesenstube“, zeigte uns das Leben in früheren Jahren. Hier erfuhren wir
auch, dass erst 1954 ein Seekabel zur Hallig verlegt wurde und die Warften einen
Stromanschluss erhielten.
n der Mitte der Warft zeigte man uns einen Wasserteich, einen sogenannten „Fething“, der
die Form eines Kegels hat, den man in die Erde gedrückt hat. Hier wurde Regenwasser
aufgefangen und zur Tränkung des Viehs benutzt. Auf der Hallig gibt es kein Süßwasser.
Auch für die Menschen wurde in einem Extrabehälter Regenwasser aufgefangen. Seit 1964
gibt es eine Trinkwasserleitung zur Hallig.
Die große Sturmflut am 16.02.1962 mit einem Wasserstand von 4,50 m über Normal Null,
zerstörte 11 Häuser und beschädigte 84 Häuser schwer. 1963 wurde mit dem Neuaufbau
begonnen und dabei auf jeder Warft in einem Gebäude ein Fluchtraum eingebaut. Dieser
befindet sich im 1. Stock und steht auf sechs Meter hohen Betonpfeilern, die vier Meter in die
Erde gerammt wurden.
Außerdem wurde auf jeder Warft ein kleiner Deich angelegt, der die herankommenden
Wellen brechen soll. Denn die Schäden bei Sturmfluten werden nicht in erster Linie vom
Wasser verursacht, sondern durch die oftmals drei Meter hohen Wellen.
Tief beeindruckt von den Menschen, die in dieser Umwelt leben und bereichert mit einem
Wissen über eine Landschaft, der ich vorher keine Beachtung geschenkt habe, fuhren wir
wieder nach Föhr zurück. Es war ein Erlebnis, dass noch lange in meinen Erinnerungen
leben wird.
Wenn Sie, liebe Leserinnen und Leser, noch mehr über Langeneß erfahren möchten,
empfehle ich Ihnen auf www.langeness.de nachzuschauen.

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Thema: Weltraum

Langersehnte Begegnung
mit Sigmund Jähn
von Dieter Lämpe

D. Lämpe und S. Jähn mit Autogramm von s. Jähn

Mit der „Post aus Strausberg“ vom 17. November 1982 erreichte mich nach langer Wartezeit
ein Gruß von Sigmund Jähn mit einigen wunderschönen Autogrammfotos des „Ersten
Deutschen im All“. Seit diesem Zeitpunkt hoffe ich sehnlichst auf die Gelegenheit einer
unmittelbaren Begegnung mit ihm. Aber bisher immer vergebens.
Doch dann die Möglichkeit durch die Ankündigung einer Veranstaltung anlässlich des 75.
Geburtstages von Juri Gagarin in der einschlägigen Berliner Presse. Am 09. März 2009 in
der ‚Junge-Welt-Ladengalerie’ unter dem Motto „WELT(T)RAUM“ ein Gespräch zwischen
Sigmund Jähn und Walter Famler. Walter Famler – kein Begriff für mich. Aber das sollte sich
an diesem interessanten Abend neben dem lang ersehnten Zusammentreffen mit Siggi
schlagartig ändern.
Noch vor Beginn der offiziellen Veranstaltung Autogrammstunde mit Sigmund Jähn. Obwohl
ich schon einiges aufweisen konnte – u. a. eine Danksagung von ihm für meine an ihn
übermittelten Glückwünsche zum 70. Geburtstag – noch ein Autogramm in Horst Hoffmanns
Buch „Sigmund Jähn. Rückblick ins All“, das ich soeben erst spannungsgeladen gelesen
hatte.
Dabei ein kurzer Wortwechsel zwischen uns, wobei Sigmund der Auffassung war, wir waren
uns schon einmal begegnet. Ja, das waren wir tatsächlich schon. Nur eben nicht persönlich,
sondern nur durch mein Buch „Ein Laubegaster Arbeiterjunge erzählt“, das den Beitrag „Post
aus Strausberg“ und diverse Fotos von mir enthält. Offensichtlich dadurch war Siggi gewiss
der Meinung, wir waren uns schon einmal direkt begegnet. Aber nun hatte ich es ja
geschafft.
Der Abend wurde dann ebenfalls sehr interessant, denn es stellte sich als Gesprächspartner
von Sigmund Jähn der Wiener Walter Famler vor. Was hat es mit diesem Manne auf sich?
Im September 1997 wird er in Moskau Zeuge der Zerstörung der Weltraumausstellung auf
dem Gelände der ehemaligen Allunionsausstellung der Sowjetunion. Spontan möchte
Famler den Kopf Juri Gagarins, eine Aluminiumbüste des ersten Weltraumfliegers, aus dem
Pavillon KOCMOC retten. Das Unternehmen misslingt.
In Wien gründet Walter Famler – inspiriert durch seine unglaublichen Erlebnisse in der
Ausstellung in Moskau – die Bewegung KOCMOC/Gruppe Gagarin. Zehn Jahre später
besteht die Gruppe aus über 60 namhaften Spezialisten, die sich weltweit auf
unterschiedlichste Weise mit dem Mythos Gagarin beschäftigen.
Im Sommer 2007 begibt sich Famler als „Kommandant der Bewegung“ samt Crew in einem
roten Fiat Puch 500, das das offizielle polizeiliche Kennzeichen „W-OSTOK 1“ trägt, auf die

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Spurensuche nach dem ersten Menschen im Weltraum. Stationen der 18 Tage umfassenden
Reise, auf der das kleine rote „Raumschiff“ insgesamt 5.700 km zurücklegte, waren u. a.
Kiew, Kaluga mit dem großen Gagarindenkmal, Moskaus Roter Platz und die Kremlmauer
mit Kranzniederlegung an Gagarins Grab, ein Besuch des Koroljow-Museums und des
ehemaligen Pavillons „Kosmos“, das Sternenstädtchen mit der großen Gagarinstatue, an der
alle Kosmonauten vor ihrem Start in den Weltraum Blumen niederlegen, die Stadt Gagarin
und sein Geburtsort Kluschino sowie Minsk mit Besuch des Bildhauers Ivan Mirko, der u. a.
zahlreiche Weltraumflieger in Bronze gegossen hat.
Das Tagebuch dieser außergewöhnlichen Reise ist inzwischen im österreichischen
Sonderzahl-Verlag unter dem Titel „Wostok 1 landet auf dem Roten Platz und fliegt weiter
zum Sternenstädtchen. Auf den Spuren von Juri Gagarin“ erschienen. Ich konnte es an
diesem Abend erwerben. Versehen mit der Widmung „Für Dieter Lämpe mit Gagaringruß. W.
Famler. Berlin, 09.03.09“, hat es nun seinen Ehrenplatz in meinem Bücherregal neben der
Biografie des ersten deutschen Kosmonauten Sigmund Jähn.

Thema: Tierisches

Dem Weltenbummler Adebar
auf der Spur - Besuch im
Storchendorf
von Christa-Dorit Pohle

Foto: Janina Scholz/Pixelio

Wann kommt ein Großstadtmensch schon dazu, Störche in aller Ruhe zu beobachten? Weil
in meinem Freundeskreis bekannt ist, dass ich gerne in der Natur auf Entdeckungsreise
gehe, bekam ich vor einigen Tagen eine Einladung für eine Tagesfahrt zum Storchendorf
Linum. Das Dorf Linum liegt zwischen Rhin- und Havelluch auf dem Ländchen Bellin.
Ungefähr 700 Einwohner gibt es in Linum und eine imposante Kirche, welche von einer 1711
vom preußischen König gestifteten Krone geziert ist.
Früher war Linum ein wichtiges Leineweberdorf. Jetzt sorgen 15 bis 18 Storchenpaare, die
auf Giebeln, Masten und auf der Kirche jährlich ihre Jungen aufziehen, dafür, dass Linum
zum touristischen Anziehungspunkt und zum zweitgrößten Storchendorf Brandenburgs
wurde.
Die Umgebung von Linum mit ihren Naturschönheiten lockt Tausende von Besuchern an.
Um diese mit Sachverstand über Tiere, Pflanzen, Landschaft und Naturschutzprobleme
informieren zu können, gründete der Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU) - Berlin
1991 in Zusammenarbeit mit der Linumer Naturschutzgruppe ein Naturschutz-Zentrum,
welches in einer alten LPG-Schmiede untergebracht ist. Die Storchenschmiede habe ich
natürlich auch besucht und viel Interessantes über den Weltenbummler Adebar gehört und
gesehen.
Toll fand ich, dass die Besucher per Live-Übertragung auf dem Bildschirm verfolgen können,
wie sich das Storchenpaar auf dem Dach des Naturschutz-Zentrums verhält, weil dort eine

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Kamera angebracht wurde. Wenn der Nachwuchs erst geschlüpft ist, werden die Besucher
ob jung oder älter bestimmt noch länger in der Storchenschmiede verweilen.
Von größter Bedeutung für die Störche und ihre Jungen ist es natürlich, dass in der
Umgebung der Nester genügend Futter zur Verfügung steht. Wenn man bedenkt, dass ein
Storchenpaar 3-4 kg Futter pro Tag benötigt, um die Jungstörche versorgen zu können, da
müssen sich die Storchenpaare bestimmt sehr anstrengen, um genügend Feldgrillen,
Raupen, Käfer, Larven, Frösche, Schlangen, Mäuse, Ratten, Maulwürfe und Spitzmäuse zu
finden. Also verständlich, dass die Störche immer wieder nach Linum zurückkehren.
Das ca. 240 ha große Teichgebiet mit insgesamt 36 Teichen am Rand von Linum lockt sie
an. Es spielt aber auch eine Rolle, wenn es in einem Jahr wenig Niederschlag gibt. Es gibt
nicht nur für uns Menschen Krisenzeiten. Auch die Störche haben Probleme durch
Trockenheit, immer weniger zur Verfügung stehende Wiesen und fehlende Nahrung.
In diesem Jahr sind wohl überall weniger Störche angekommen, dadurch werden auch
weniger Jungstörche aufgezogen. In Linum waren auch erst zehn Nester besetzt. Ansonsten
bleibt der Storch treu, kommt Jahr für Jahr zurück in den Ort, wenn er nicht bei seinem
Langstreckenflug zu Schaden kommt.
Nach Ostern beginnt meistens ein reges Liebesleben bei Familie Storch. Jetzt muss gebrütet
werden, wenn die Jungen bis Herbst für die lange Flugreise bereit sein sollen. Ein
Storchennest kann ein Gewicht von 600 kg erreichen. Beim Bau am Nest stibitzt Vater
Storch auch gerne mal einige Zweige aus einem Nachbar-Nest, wenn er diese gerade gut
gebrauchen kann. In den meisten Fällen bleibt das Storchenpaar zusammen. Es kommt aber
auch vor, dass Vater Storch eine neue Partnerin sucht. Wenn die Erstfrau in der Nähe ist
und dieses beobachtet, kann es Ärger geben. Es soll schon vorgekommen sein, dass sie
dann versucht, die „Neue“ aus dem Nest zu werfen.
Bis zu 5 Junge werden aufgezogen und ein Junges ist zuerst nicht größer als eine
Kinderhand. Ein Storch wiegt ca. 3,5 kg und hat eine Flügelspanne von 2,20 m.
Es gibt Störche, die fliegen immer nach Osten, andere immer in Richtung Westen ins
Winterquartier. Bei den Jungstörchen wird die Flugrichtung dadurch bestimmt, welche Gene
sie geerbt haben. Wenn Jungstörche beringt werden sollen, so ist dieses nicht schwierig. Die
Beringung erfolgt von unten, Gefahr erwarten sie aber nur von oben kommend. Bei der
Beringung stellen sich die Jungstörche tot und wehren sich nicht.
Mitte August rüstet Familie Storch zum Abflug und kommt im Dezember im Winterquartier
an. Die älteste Störchin mit 22 Jahren hat man jetzt in Brandenburg beobachtet. Ehrlich
gesagt, ich wusste vorher nicht, dass Störche ein solches Alter erreichen können.
Linum hat wirklich sehr viel für Naturfreunde zu bieten. Sehr schöne Wanderwege und es
können auch Boote gemietet werden, um die Teiche zu befahren. In der Storchenschmiede
können die Besucher Ferngläser und Bestimmungsbücher ausleihen, auch vogelkundliche
Exkursionen werden durchgeführt.
Wer sich auch für Kraniche interessiert, den erwartet im Herbst ein weiteres besonderes
Erlebnis in Linum. Dort versammeln sich dann Tausende von Kranichen zum Abflug und
dieses können die Besucher von Kranich-Kanzeln aus beobachten.
Wenn der Besucher sich stärken will, ist er in der Gaststätte „Storchenklause“ herzlich
willkommen. Diese ist urgemütlich eingerichtet, der Gast wird sehr gut betreut, das PreisLeistungsverhältnis ist auch sehr gut. Übernachtungsmöglichkeiten hat die „Storchenklause“
auch zu bieten.

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Es gibt in Linum auch einen Landleben-Laden mit verlockenden Angeboten. Die köstliche
Landleberwurst, welche ich in der Gaststätte auf Brötchen verzehrt hatte, konnte ich in dem
Laden in Gläsern finden und einkaufen.
Es wird bestimmt nicht bei meinem ersten Besuch im Storchendorf bleiben. Es hat mir sehr
gut gefallen dort. Und vielleicht haben Sie, lieber Leser, auch einmal Lust, in Linum auf
Natur-Entdeckungsreise zu gehen.

Thema: Unterhaltung

Die Löffelgeschichte vom
Schlaraffenland
von Gerhard Kolberg

Foto: Kolberg

Vor vielen, vielen Jahren lebten die Menschen im Schlaraffenland glücklich und zufrieden,
ging es ihnen doch gut und sie wurden immer satt. Der große Grießbreiberg, der sie alle
ernährte, wurde nicht kleiner, denn aus seiner scheinbar unerschöpflichen Quelle quoll
immer neuer Grießbrei.
Doch das sollte nicht so bleiben. Der Grießbreiberg begann eines Tages zusammen zu
schrumpfen und die Menschen standen mit ihren Löffeln ratlos davor. Was war nur
geschehen, dass der Berg sie nicht mehr nährte?
Nun erst begannen sie zu überlegen und sie bemerkten erstens, dass es Leute gab, die
einen so großen Löffel hatten, dass mehr Brei darauf Platz hatte, als sie in ihren Mund
schieben konnten.
Zweitens entdeckte man, dass einige ihrer Mitbürger sich an den Grießbreiquellen zu
schaffen gemacht und Brei in ihre eigenen Hütten umgelenkt hatten.
Drittens war man plötzlich der Ansicht, dass man das doch hätte viel früher erkennen
müssen und nicht erst jetzt, wo es kaum noch Grieß zu verzehren gab.
Diese Meinung vertrat auch der Weise Rat des Landes Schlaraffia und er suchte zunächst
einen Schuldigen. Er fand ihn auch in seinem Vorgänger. Der wiederum fühlte sich nicht
mehr zuständig und gab die Schuldzuweisungen zurück mit dem Bemerken, dass der Weise
Rat eben doch nicht so weise sei, das Problem zu erkennen und zu lösen.
So ging das hin und her und her und hin und der Grießbreiberg wurde immer kleiner.
Schließlich fasste der Weise Rat einen Beschluss und ordnete an, dass alle Einwohner
künftig kleinere Löffel verwenden sollten, damit der Grießbrei länger reiche. Aber statt
dankbar diese weise Entscheidung in die Tat umzusetzen, schrien die Leute: „Warum sollen
wir alle kleinere Löffel nehmen? Sollen doch die mit den größeren Löffeln erst einmal damit
anfangen.“
Und die mit den größeren Löffeln kannten wieder welche, die noch größere Löffel besaßen
und die wiederum kannten Leute mit noch viel größeren Löffeln. Jeder schaute auf den

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anderen und keiner wollte als Erster einen kleineren Löffel benutzen. Man fand viele Gründe,
warum man selbst eigentlich einen größeren Löffel als bisher gehabt bekommen müsse.
Und jeder schimpfte auf den Weisen Rat des Landes Schlaraffia, der nicht in der Lage war,
genügend Grießbrei nachfließen zu lassen.
Und der Weise Rat wiederum schimpfte auf alle, die sich über ihre Löffelgröße beschwerten.
So schimpfte jeder auf jeden.
Wie das Märchen zu Ende geht?
Ich weiß es nicht, sie schimpfen und reden ja noch immer.

Thema: Unterhaltung

Wer hat die Fische
gestohlen?
von Rudolf Winterfeldt
(Nacherzählt aus Fitz Reuters Sämtlichen
Werken)
Foto: später/Pixelio

Aus unserem Teich wurden einst Fische gestohlen. Ein Junge, der abends spät die Fohlen in
ihre Koppel brachte, hat zufällig drei Kerle gesehen, die mit einem Zugnetz am Fischloch
waren. Er hatte auch gehört, wie sie sich bei ihren Namen nannten. Doch „Korl“ und
„Krischan“ und „Jehann“, dass sind ja nun mal Namen, die führt ein jedermann. Indessen, es
war ja schon mal etwas. Dazu kam heraus, dass sie alle drei aus unserem Dorf waren. Nun
hieß es, keine Zeit verlieren.
Alle „Korls“, alle „Krischans“ und alle „Jehanns“ wurden eingesperrt. Na, das war gut. Der
Amtmann nahm sie sich alle vor und fragte sie in die Kreuz und Quere aus. Doch die Kerle
logen wie gedruckt. Nun wurde ihnen gehörig der Kopf gewaschen und als der Amtmann
glaubt sie wären mürbe, da nahm er sie sich von vorne vor. Aber die Kerle logen weiter, dass
sich die Balken bogen. Der Amtmann lief die Stube auf und nieder, kratzte sich hinter den
Ohren, die Sache wurde ihm doch zu fatal. Er konnte die Kerle nicht erwischen. Er schob
seine Brille auf und nieder, guckte in seine Akten und in die dicksten Bücher und wurde nicht
ein bisschen klüger.
Es wollte ihm nicht gelingen von ihnen die Wahrheit heraus zu bringen. „Hol euch verfluchten
Kerle doch der Teufel!“ fuhr es aus ihm heraus und in seiner Not blieb ihm nur, seinen
Vorgesetzten um Rat zu fragen. „Mein lieber Freund, Sie haben Ihre Sache nicht gut
gemacht, Sie müssen es anders machen.“ „Geht mal hin und ruft die Kerle zu mir herein“
sagte der Amtshauptmann.
Die Kerle traten ein und er sagte zu ihnen: „So, hört mal zu, ich bin der Amtshauptmann hier,
ihr kennt mich wohl. Ihr Schlingel steht hier vor Gericht, ihr steht hier vor Amtshauptmann
Weber!“ Dabei machte er ein verbissenes Gesicht, dass die Kerle schon an zu zittern
anfingen. „Nun passt mal auf und hört gut zu und tut was ich euch sage: Die gestohlen
haben, bleiben stehen, die andern können gehen.“ Zwei gingen raus, drei blieben stehen.
„Ja, Herr Amtshauptmann, ja, wir drei, wir haben es getan!“

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(Fritz Reuter ist am 12.07.1874 im Alter von 64 Jahren in Eisenach verstorben. In diesem
Jahr jährt sich sein Todestag zum 135. Mal).

Thema: Geschichte

Heiraten oder Junggeselle
bleiben?
von Ursula A. Kolbe

Charles Darwin im Jahre 1821

Ihm haben wir Vieles zu verdanken, dem herausragenden englischen Wissenschaftler
Charles Darwin – Begründer der Evolutionstheorie. Im 19. Jahrhundert erforschte er, wie in
der Natur Arten entstehen und vergehen. Mit seiner These von der natürlichen Auslese
markierte er den entscheidenden Punkt in der Geschichte der modernen Biologie.
Aber in vielen Fragen des Lebens war er unentschlossen: Theologie studieren oder nicht?
Heiraten oder nicht? Doch seine Thesen über die Entstehung der Arten verfolgte er
entschlossen und gründlich, setzte sich damit ein geschichtliches Denkmal. Mit einer
Veröffentlichung wiederum ließ er sich Zeit, Es entsprach jedoch seinem Wesen. In der
Ausstellung im Berliner Naturkundemuseum, die noch bis zum 12. August Interessierte
einlädt, lässt sich all dies nachvollziehen.
Korrekt am 12. Februar wäre er 200 Jahre alt geworden. Das fünfte von sechs Kindern,
aufgewachsen in einer wohlhabenden Familie in Shrewsbury, war viel in der Natur
unterwegs, sammelte Muscheln, Vogeleier, Insekten, Steine, verbrachte Stunden mit dem
Beobachten von Vögeln. Die Schule langweilte ihn. Das Internat, auf das der Neunjährige
nach dem Tod seiner Mutter geschickt wurde, hasste er noch als Erwachsener. Ich müsste
ihm aus meiner Sicht, selbst „Internatszögling“, widersprechen. Aber es waren ja auch
verschiedene Zeiten.
Vater Darwin also nahm seinen Sohn von der Schule und schickte ihn nach Edinburgh zum
Medizinstudium. Dort hörte Charles von einer Theorie über die Entwicklung der Arten, die
der Franzose Jean-Baptiste de Lamarck Anfang des 19. Jahrhunderts entwickelt hatte.
Auf der Suche nach Alternativen
Aber das Studium behagte Charles gar nicht. Er suchte nach einer Alternative, die er im
Theologiestudium in Cambridge zu finden dachte. Bei allem jedoch, was er tat und dachte,
stand immer die Naturkunde. Er lernte bekannte Wissenschaftler wie den Botaniker John
Steven Henslow und den Geologen Adam Sedgwick kennen.
1831 machte Charles sein Theologie-Examen und wäre wohl Geistlicher geworden, wäre
nicht Unvorhersehbares passiert: Ein junger Kapitän namens Robert Fitzroy nämlich suchte
einen Gesellschafter und Naturforscher, der ihn auf einer langen Schiffsreise begleiten sollte.
Dafür vorgeschlagen hatte dem Kapitän, der die Küsten Südamerikas kartonieren sollte, ein
Professor von Darwin. Der ging darauf ein, wurde aber immer wieder seekrank, jedoch
begeistert von dem, was er sah und erlebte.

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Mit Akribie für das Für und Wider
Nach der fünf Jahre dauernden Reise ließ sich Darwin in London nieder, wertete seine
Notizen und Fundstücke aus, suchte immer nach Antworten. Mit wissenschaftlicher Akribie
stellte er das Für und Wider zusammen. Und dann die Frage: Heiraten oder nicht? Die Liebe
war stärker. 1839 ehelichte Charles seine Cousine Emma Wedgwood, mit der er zehn Kinder
gezeugt hat.
Einen wichtigen Anstoß zur Entstehung der Theorie von den Arten gab der Wissenschaftler
Thomas Malthus. Dieser rechnete vor, dass die Menschheit rasch nicht mehr mit
Nahrungsmitteln versorgt werden könne, wenn sie sich ungehindert vermehrte. Durch
Krankheiten, Hungersnöte und Kriege aber würde die Bevölkerung immer wieder dezimiert.
Darwin erkannte, dass sich dieses Prinzip auf die Natur übertragen ließ, schlussfolgerte
Parallelen, eine „natürliche Selektion“, die nur die Tauglichsten überlebten. 1842 brachte er
die Grundzüge seiner Überlegungen zu Papier. Zwei Jahre später hatte er eine
ausführlichere Beschreibung in der Schublade, die aber 15 Jahre dort liegen blieb. Das war
Darwin.
Nach einem Disput mit dem Naturforscher Alfred Russell Wallace entschloss sich der
Wissenschaftler, seine Thesen endlich zu veröffentlichen. Sein Buch „Die Entstehung der
Arten durch natürliche Selektion“ war innerhalb eines Tages ausverkauft. Es gab Ablehnung,
aber auch viel Zustimmung.
Fazit: Mit seiner Evolutionstheorie bleibt Charles Darwin für immer in Erinnerung. Seine
Worte: „Zu denken, dass ich überhaupt die Gedankenwelt von fähigen Menschen
beeinflussen konnte, ist die größte Befriedigung, die ich mir wünschen kann.“
Wissenschaftler mit weltweiten Projekten
Zu aller letzt noch ein Zitat aus seinem Tagebuch der fünf Jahre währenden Weltumseglung:
„Auf See, im Januar 1832: Vor der Abfahrt habe ich oft gesagt, dass ich keinen Zweifel hätte,
dass ich dieses gesamte Unternehmen häufig bereuen würde, aber ich dachte kaum, mit
welcher Inbrunst ich das einmal tun würde. Mir war so schlecht, dass ich nicht einmal
aufstehen konnte, um Madeira zu sehen.“ Und als überzeugter Brite schrieb er über Sydney,
Australien am 12. Januar 1836: „Am Abend spazierte ich durch die Stadt und kehrte voller
Bewunderung für den ganzen Ort zurück. Er ist ein ganz außerordentliches Zeugnis für die
Kraft der britischen Nation. Meine erste Regung war, mich dazu zu beglückwünschen, dass
ich als Engländer geboren wurde.“
Übrigens haben im vergangenen Jahr Wissenschaftler in weltweiten Projekten Darwins
Erkenntnisse um immer neue Befunde aus Genetik, Paläontologie und Verhaltensforschung
erweitert. Heute weiß man, dass es für Variationen einer Art verschiedene Auslöser gibt. So
auch durch Mechanismen, so genannte Schalter, die während der Entwicklung eines
Lebewesens, Menschen inbegriffen, Gene ein- und ausschalten. Wir so genannte Homo
sapiens sollten dies tief verinnerlichen. Aber darauf will ich hier nicht weiter eingehen.

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Thema: Tragik

Der mit dem Leben spielte
von Inge Daniel

Foto: Kay Bengelsdorf/Pixelio

Jung war er und voller Kraft,
einer, der noch alles schafft.
Kaum Ahnung hatte er vom Leben,
war stets der Größte, wollte alles geben.
Doch leider fehlte ihm die Reife,
dass er nicht tollkühn nach den Sternen greife.
Mut zu beweisen ist sehr gut,
wenn er auf Sinn in der Sache beruht.
Sollte sich aber die Geltungssucht regen,
führt das zu lebensgefährlichem Streben.
Er raste von dannen, vergaß Zeit und Raum.
Sein Auto fand man an einem Baum
Ein Grabstein blieb, war das sein Ziel?
Für ihn war das Leben nur ein Spiel.

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Thema: Unterhaltung

Die „innere“ Uhr
von Gerhard Kolberg

Foto: Gerhard Kolberg

Ich bin immer noch etwas müde vom letzten Wochenende. Das liegt daran, dass ich eine
sehr zuverlässig funktionierende innere Uhr in mir trage, die, wenn in meinem Tagesablauf
etwas durcheinander gerät, sofort Alarm schlägt. Das gilt besonders für die Zeit des
Schlafengehens. So gegen 22 Uhr beginne ich langsam mit den Vorbereitungen, liege dann
etwa eine halbe Stunde später im Bett, lese noch ein paar Seiten, drehe mich um und
schlafe meistens sofort ein. Wenn ich diesen eingetakteten Rhythmus nicht einhalte, habe
ich Schwierigkeiten, zur Ruhe zu kommen. Für diesen Fall habe ich ein bewährtes Rezept:
Ich nehme ein halbe Tablette, deren Namen ich hier nicht verraten will, lese wiederum einige
Seiten und habe dann wieder den Zustand erreicht, um einschlafen zu können.
Am letzten Wochenende kam diese innere Uhr kräftig durcheinander. Mein Schwiegersohn
hatte in der Woche zuvor Geburtstag, war aber in dieser Zeit mit seiner Frau, meiner
Tochter, im Urlaub an der Ostsee. Nun hatte er meine beiden Enkel und mich am
Sonnabend zu einer kleinen Nachfeier in Form eines Grillabends auf dem Balkon
eingeladen. Und wie das so ist, unterhält man sich viel, redet vom Urlaub, von den Hunden,
von Autos und über Computerprobleme. Und darüber vergeht die Zeit.
Meine innere Uhr meldete sich: wo bleibt mein Bett? Nun hätte ich ja mit U-Bahn und
Straßenbahn nach Hause fahren können, aber mein Enkel, der mit mir im gleichen Hause
wohnt, hatte mich mit dem Auto zur Mauerstraße, in der Tochter und Schwiegersohn
wohnen, gefahren und wollte mich auch anschließend wieder zurück nach Marzahn bringen.
Aber junge Leute haben heute ein anderes Zeitgefühl als wir Rentner. Also wartete ich als
braver Opa, bis alle zum Aufbruch bliesen und war folglich erst einige Zeit nach Mitternacht
zu Hause.
Einen Tag später, also am Sonntag, waren wir in Fürstenwalde. Dort wohnen die Eltern der
Lebensgefährtin meines Enkels. Sie hatten uns zu einem Grillabend eingeladen. Es
wiederholte sich das gleiche Spiel wie einen Tag zuvor. Allerdings wurde schon zwei
Stunden früher die Heimreise angetreten, denn die Werktätigen der Familie mussten ja am
Montag wieder ausgeruht auf der Arbeit erscheinen. Bei mir jedoch begann die innere Uhr
wieder mahnend zu ticken, denn der längere Heimweg glich die frühere Abfahrtzeit nahezu
aus.
Am Montagabend dachte ich: nun kannst du endlich mal zur gewohnten Zeit ins Bett gehen,
noch einige Seiten lesen, dich dann umdrehen und ruhig schlafen.
Denkste! Eine Viertelstunde vor Mitternacht klingelte das Telefon. Ich sprang aus dem Bett.
Wenn um diese Zeit ein Anruf kommt, denkt man ja immer, es sei in der Familie irgendetwas
Schreckliches passiert. Aber es war mein Cousin, von dem ich seit Jahren nichts mehr
gehört hatte.

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Auf mein empörtes: „Sage mal, du musst doch wohl spinnen mich um diese Zeit anzurufen.
Ich habe schon geschlafen!“ fragte er nur ganz erstaunt: „Was denn, um diese Zeit schläfst
du schon? Entschuldige vielmals, das wusste ich nicht. Entschuldige, soll nicht wieder
vorkommen, entschuldige!“
Kennen sie den alten Witz, in dem mitten in der Nacht das Telefon klingelt?
Anrufer: „Entschuldigen Sie, ist dort die Nummer eins-zwei-eins-zwei?“
„Nein, hier ist die Nummer zwölf-zwölf.“
„Verzeihung, dann habe ich falsch gewählt.“
„Macht nichts, ich hätte sowieso aufstehen müssen, mein Telefon hatte nämlich geklingelt.“
So fühlte ich mich auch, und da ich einmal wach war, unterhielten wir uns noch ein paar
Sätze und schließlich lud er mich ein, ihn einmal zu besuchen. Nach abermaligen
Entschuldigungen seinerseits beendeten wir dann unser Gespräch. Nach dieser
Unterbrechung schlief ich zum Glück schnell wieder ein.
Übrigens: In der Nacht vom Montag zum Dienstag schlief ich, wie man so sagt, wie ein Toter.

Thema: Buchtipp

Mit 66 Jahren, da fängt das
Leben an . . .
von Ursula A. Kolbe

Titelbild des Buches vom Knesebeck-Verlag

So hat es Udo Jürgens als 44jähriger in den 70er Jahren musikalisch beschrieben. Das Lied
wurde ein Erfolgshit. Aber es ist so: Viele Seniorinnen und Senioren sagen heute
schmunzelnd: Keine Zeit zum Älter werden – Titel eines Buches übrigens, in dem in 16
Porträts aktive Menschen vorgestellt werden. Für mich, die noch nicht zu jenen gehört, eine
wohl sehr lehrreiche Lektüre. Wie heißt es doch so schön, man lernt nie aus… Und ich bin
durchaus gewillt, immer weiter dazu zu lernen. Auch der Geist muss ständig trainiert werden.
Die Autoren Andreas Wirthensohn und Sonja Panthöfer, Fotos von Peter von Felbert und
Anne Eickenberg, deren vorliegendes Werk im Knesebeck-Verlag, München,
herausgegeben wurde, wollen zum Ausdruck bringen, dass mit Mut und Neugier auch in den
so genannten späten Jahren das Glück zu finden ist. Es sind unterschiedliche Lebenswege.
Sie sind interessant, überraschend, ja unentbehrlich, meine ich. Bekannte wie Unbekannte
kommen zu Wort. Doch jede(r) für sich eine Persönlichkeit. Aber sind wir das nicht alle?
Da ist die renommierte Theaterschauspielerin Ursula Werner, die sich nicht scheut zu
bekennen: Liebe kennt kein Alter. Mit 65 Jahren hat sie dies in einem Film – weltweit
erfolgreich – zum Ausdruck gebracht. Edzard Reuter, einst mächtiger Wirtschaftsboss
(vielleicht heute noch?) - spricht von Verantwortung und Glaubwürdigkeit. Annemarie Dose
gründete die Hamburger Tafel. Dankmar Scheuchl erlangte mit 66 Jahren nach einer
Weltreise auf dem Motorrad einen völlig neuen Blick auf die Welt. Oder der 71jährige

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Gerhard Görlitz. Er steht Bauern in Weißrussland und China mit Rat für den Obstanbau zur
Seite.
Sicher, es sind ausgesuchte Beispiele. Doch nicht nur in der Ferne werden Träume wahr.
Auch in dem, wie man manchmal meint, so biederen Alltag. Neues wagen, Denkanstösse
vermitteln, dazu will diese Lektüre beitragen. Der beste Lohn: eine erfüllte Lebenszeit.
Christa Höhs aus München erlebte den Jugendwahn am eigenen Leib. Ihr Rat heißt denn:
Generationen gehören zusammen. (Auch wenn das nicht immer leicht zu bewältigen ist. In
unserer jetzigen Zeit gelingt das weniger denn je.) Aber ihre Erkenntnis lautet: „Ich habe
einfach Schwein gehabt.“ Sie war, wie mir auch eine Bekannte bestätigte, zum richtigen
Zeitpunkt am richtigen Ort. Dieses Glück hatten leider nicht alle, wurden mal so kurzerhand
abgewickelt.
Die Porträts, die millionenfaches Engagement und Bewältigung des Alltags widerspiegeln,
ermuntern, ermutigen, stärken das Selbstbewusstsein. Setzen oft ungeahnte Kräfte frei.
Neugierig zu bleiben ist ein Lebenselixier.

Thema: Wohlfahrtspflege

Unionhilfswerk
von Rudolf Winterfeldt

Eckhard Laßmann, Dieter Krebs, Christian Gräff

Der Vorsitzende des Bezirksverbandes Marzahn-Hellersdorf des Unionhilfswerkes hatte
Anfang Juni zu einer Informationsveranstaltung eingeladen. In Anwesenheit des
Bezirksstadtrates Christian Gräff, erläuterte des Landesvorsitzende Dieter krebs die Ziele
und aufgaben des Unionhilfswerkes in Berlin. Vielseitige Angebote können von Bürgerinnen
und Bürgern genutzt werden und reichen von der Betreuung und Pflege bedürftiger
Menschen bis hin zu Beratungen zu den unterschiedlichsten Themen. Wer sich näher
informieren möchte, hat die Möglichkeit unter www.unionhilfswerk.de oder im Kieztreff „Kieke
mal“ in 12623 Berlin, Hultschiner Damm 84 A.

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Thema: Wandlungen

Die Alten und die Jungen
von Gerhard Kolberg

Bild: Gerhard Kolberg

Die älteren Leute haben stets seit Jahren
viel Gutes und Böses im Leben erfahren.
Und damit man keine Fehler doppelt macht,
haben die Alten mit Bedacht
Posi- und Negatives aus ihrem Leben
an Kinder und Enkel übergeben.
Die nahmen nicht immer die Lehren an,
wie man am Beispiel der Geschichte sehen kann.
Doch vieles, was man sie gelehrt,
hat sich in ihrem Leben sehr bewährt.
Heute erleben wir, dass manche Alten
sich an die Vorbilder der Kinder halten.
Wenn sie an einer Kreuzung stehen
und sich das Ampellicht besehen,
dann trottet Jung und Alt bei Rot
über die Straße – trotz Verbot.
Nicht immer ist es gut durchdacht,
was ein Veteran so macht.
Und schnell wandelt sich der Mensch zuweil
vom Vorbild in das Gegenteil.

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Spätlese Ausgabe Juli/August 2009

Thema: Immer wieder neu entdeckt

Natur und Wanderlust
von Ursula A. Kolbe

Foto: Marco Barnebeck / Pixelio

Meine Schwägerin aus Dresden hatte eine super Idee. Zum 60. Geburtstag ihres Mannes
Bernd lud sie ihre Kinder, Enkel, Geschwister, Onkel und Tanten nach Gohrisch im
Elbsandsteingebirge ein. Dort feierten und übernachteten wir im Margaretenhof, der
gediegen, aber nicht abgehoben ist.
Vielleicht erst einmal ein paar Sätze zu dessen Geschichte. Schon 1869 hat Adelbert Haufe
in der ruhigen, waldreichen und klimatisch günstigen Lage die ersten Sommerurlauber auf
seinem Gut, dem Margaretenhof, empfangen. Damit wurde der Ort als älteste
Sommerfrische in der Sächsischen Schweiz geboren. Das auf der Hochebene, links der Elbe
zu Füßen des gleichnamigen Felsens liegende und rund 980 Einwohner zählende Dorf
wurde erstmals 1437 als dorffe Gornsch erwähnt, erfuhr ich von Katrin Levin, die gemeinsam
mit ihrem Mann das gemütliche Hotel betreibt, das übrigens am höchsten Punkt des staatlich
anerkannten Luftkurortes liegt.
Der slawische Ortsname leitet sich von Gora (windig Berg oder Stein) ab und bedeutet soviel
wie Dorf am Stein. Eine Sage berichtet, dass eine ursprüngliche Dorfgründung im Forstort
„Balz“ aufgegeben wurde. Gegründet wurde es, wie in anderen linkselbischen Dörfern, im
12. oder 13. Jahrhundert durch mainfränkische Bauern, die der deutsche Ritterorden in das
Gebiet geholt hatte. Als 1437 der Raubritter Siegmund von Wartenberg auf Tetschen
(Böhmen) mit seinen Gefolgsleuten die Königsteiner Gegend brandschatzte, wird auch
Gohrisch erstmals erwähnt. Soviel zum geschichtlichen Ausflug.
Neuanfang mit vielen Unbekannten
Katrin Levin: „Wir fanden, verliebten und pachteten das Haus von der Treuhand und konnten
es im August 1992 erwerben. Es war für uns ein Neuanfang mit vielen Unbekannten.“ Den
sie wohl gut mit ihren heute 14 Mitarbeitern geschultert haben. Ich nenne nur Gästegarten,
finnische Dampf- und Bio-Sauna, Infrarotkabine, physiotherapeutische Abteilung, Friseur und
Kosmetik.
Wer hier Gast ist, will natürlich in erster Linie die Natur und Sehenswürdigkeiten erleben. Wir
hatten mit dem Wetter leider kein Glück. Aber nichts desto trotz. Ich wollte wissen, was man
alles so unternehmen kann. Schließlich ist Berlin ja fast nur einen Katzensprung entfernt.
Dresden, Meißen, die Moritzburg sowie Stolpen, Wesenstein, Lauenstein und und und…
sind Sinnbild. Ebenso ein Bustransfer nach Prag. Oder der Barockgarten in Großsedlitz, die
Parkanlagen in Pillnitz, die große Kamelienschau in Zuschendorf, Schippern auf der Elbe,
über Viadukte in die Kunstblumenstadt Sebnitz – die Aufzählung ist nur unvollkommen.

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Einige Tipps
Und erst die Wanderrouten. Wieder einmal im wunderschönen Landschaftsschutzgebiet
Sächsische Schweiz zu sein, lag es natürlich nahe, sich auch über interessante
Wanderwege zu informieren. Ausgangspunkt immer Gohrisch.
Ostrau: Per Bus oder Pkw nach Bad Schandau, weiter zu Fuß von der Badallee über den
Lutherweg oder Fahren mit dem hohen freistehenden Personenaufzug. Sie haben, oben
angekommen, eine herrliche Aussicht auf Bad Schandau und die Elbe bis hin zum
Lilienstein, einen guten Blick auf die Schrammsteine und die Felsenwelt des
Elbsandsteingebirges. Rückweg über den Lutherweg zur Stadt, über den Wolfsgraben nach
Postelwitz oder den Ostrauer Berg ins Kirnitzschtal (ca. 2,5 Std.)
Falkenstein: Von Bad Schandau aus mit der Kirnitzschtalbahn zum Beutenfall, Wandern
über den Dietrichsgrund, das Affensteinmassiv, mit „Bloßstock“, „Kreuzturm“, „Brosinnadel“,
„Amboß“ und „Wilden Kopf“ über die Untere Affensteinpromenade bis zum Zeughausweg
zum Wahrzeichen Falkenstein (ca. 3 Std.)
Pfaffenstein: 425 Meter hoch und wild zerklüftet mit Barberine. Von Gohrisch nach
Pfaffendorf, Aufstieg über das Nadelöhr – die über 100 Stufen und Leitersprossen erfordern
gute Kondition. Die Sage deutet die 35 Meter hohe freistehende Felsnadel - die berühmte
Barbarine – als eine ungehorsame Jungfrau, durch den Fluch der Mutter in Stein verwandelt
(ca.3 Std.)
Kahnfahrt auf der Oberen Schleuse in Hinterhermsdorf: Per Bus oder Pkw nach
Hinterhermsdorf zum Parkplatz Buchenparkhalle, dann auf dem Hohlweg zur Bootsstation
der Oberen Schleuse in etwa 20 min., idyllische Bootsfahrt bis zur Sperrmauer, Wandern
durch die Wolfsschlucht, Hermannseck, zurück nach Hinterhermsdorf (ca. 4 Std.)
Wie gesagt: Noch vieles wäre zu erwähnen. Aber eines beeindruckt auf jeden Fall immer
wieder, die Naturbildungen des sächsischen Elbsandsteingebirges mit seinen hohen Felsen
und tiefen Schluchten, den bizarren Geländeformen und die botanische Vielfalt. Die
Sächsische Schweiz insgesamt bietet Erholung und nie versiegende Inspirationen. Unser
Kurzaufenthalt in Gohrisch ließ es erahnen.
Danke Monika und Bernd.

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Kontakt

Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf von Berlin
Riesaer Straße 94
12627 Berlin
Redaktion Spätlese
Telefon: (030) 90293-4371
Telefax: (030) 90293-4355
E-Mail: chris.hobusch@ba-mh.verwalt-berlin.de
Sprechzeiten Seniorenbüro
Mo 9-12 und 13-15 Uhr
Do 9-12 Uhr
Internet
http://www.berlin.de/ba-marzahn-hellersdorf/verwaltung/soziales/spaetlese.html

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