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Periodical volume

Full text: Spätlese Issue 2009,5/6

Spätlese Ausgabe Mai/Juni 2009

Die neue Ausgabe der Spätlese erscheint
wieder als Onlinemagazin in der bewährten
Mischung von Information und
Unterhaltung.
Die Sonder-Sozialkommission „Redaktion
Spätlese“ bietet Ihnen auf den folgenden
Seiten lesenswerte Texte, die aus dem
Leben gegriffen sind und persönliche
Hintergründe haben.
Inhaltlich haben sie ernste und auch
humorvolle Seiten vor sich.

Das Magazin für aufgeweckte Seniorinnen und Senioren

Ehre, wem Ehre gebührt Autor: Rudolf Winterfeldt
Raserei beginnt vor der Tat Autorin: Barbara Ludwig
Was bietet uns das „Mosaik“? Autor: Joachim Adam
Niedergang und Auferstehung Autorin: Barbara Ludwig
An einem Tag rund um die Welt Autorin: Ursula A. Kolbe
Johannpeter Autor: Gerhard Kolberg
Mann! Autor: Dieter Pfusch

400 Jahre Weitblick Autorin: Ursula A. Kolbe
Tino, du bist der Klügste! Autorin: Ursula Maria Raupach
„Meine Idee von Weimar ist keine kleine…“ Autorin: Ursula A. Kolbe
Schnee im Mai Autor: Gerhard Kolberg
Regentropfen in Bad Schandau Autor: Dieter Lämpe
Sven-Egons Sparprogramm Autor: Gerhard Kolberg
Ruck zuck nach Schwerin oder Oranienburg Autorin: Ursula A. Kolbe
Karl’s Erlebnis-Dorf Autorin: Christa Dorit-Pohle

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Spätlese Ausgabe Mai/Juni 2009

Thema: Ehrenamt

Ehre, wem Ehre gebührt
von Rudolf Winterfeldt

Dagmar Pohle und Petra Wermke

Der Saal im „Theater am Park“ füllte sich langsam. Die Bezirksbürgermeisterin von
Marzahn-Hellersdorf, Frau Dagmar Pohle, hatte ihre 225 ehrenamtlichen Mitarbeiter,
die in 39 Sozialkommissionen wirken, zum 12.03.2009 eingeladen.
Es sollte ein „Dankeschön“ für die geleistete Arbeit sein und gleichzeitig ein
vergnüglicher Nachmittag werden. Dankesworte von Dagmar Pohle und Petra
Wermke, der Vorsteherin der BVV unseres Stadtbezirkes, zeigten den Gästen die
hohe Wertschätzung ihrer ehrenamtlichen Arbeit von Amts wegen.
Eine gemütliche Kaffeetafel war liebevoll gedeckt und die musikalische Begleitung
ließ keine Wünsche offen. Mit einem Glas Sekt wurde gemeinsam angestoßen und
dabei der Wunsch auf weitere Erfolge in der ehrenamtlichen Arbeit zum Ausdruck
gebracht.
Der Sänger und Kabarettist Donato Plögert brachte Stimmung in den Saal und
begeisterte sein Publikum mit seinen Liedern und Versen. Auch ein Tänzchen wurde
gewagt und leitete den Abschluss dieser Veranstaltung ein. Eine begrüßenswerte
Idee des Amtes und ein Danke für die Organisatoren Herrn Nätke, Frau Hobusch und
Frau Döbrich für diesen schönen Nachmittag.
Thema: Verbrechen

Raserei beginnt vor der Tat
von Barbara Ludwig

Fotograf Gerd Altmann (geralt)/Pixelio

Unendliche Traurigkeit und ein Nichtverstehen können waren in den Gesichtern der
Menschen zu lesen. Schockiert und fassungslos verharrten Betroffene und
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Mitfühlende. Es waren Menschen, die vor Ort mit der furchtbaren Nachricht des
Amoklaufs konfrontiert wurden. Die Kamera des Fernsehens fing diese Situationen
ein. Unvorstellbares Leid müssen nun viele von ihnen ertragen, weil der
Todesschütze das Leben Angehöriger auslöschte. Leid, das nicht enden wird, nicht
bis zu ihrem eigenen Ende.
Hoffnungsvolle Kinder und gestandene Erwachsene wurden getötet von einem
Wahnsinnigen. Was trieb diesen, einen Jugendlichen, dazu, ein 15facher Mörder und
am Ende ein Selbstmörder zu werden? Rachsüchtiger Hass scheint ihn geprägt zu
haben. Was aber ist die Basis dafür? Viele Vermutungen, viele Fragen, kaum
Antworten. Niemand wird es je erfahren.
Statt zu lernen und nach Tugend und Wahrhaftigkeit zu streben, lebte er offenbar in
einer realitätsfremden, von Hass und Rache überzogenen Welt. Als Vorbild taugten
wohl Gewalt verherrlichende Computerspiele? Lernte er dabei das Verachten und
Töten bis zur Raserei?
Die Schusswaffe war das Mittel, diesen, seinen Vorbildern nachzueifern und dem
aufgestauten Hass Rechnung zu tragen. Die Waffe in seine Hand zu bekommen war
das Leichteste vom Leichten. Achtlos lag sie in einem leicht zugänglichen Schrank
der Wohnung und ordentlich Schießunterricht ist dem 17jährigen auch erteilt worden.
War es Verantwortungslosigkeit, verbunden mit Gedankenlosigkeit, nicht nur seiner
Eltern?
Es ist ein Unding, dass legale Waffenbesitzer hinsichtlich sicherer Aufbewahrung nur
ungenügend, meist gar nicht, kontrolliert werden. Und im freien Handel werden
nachgemachte Waffen oder Werkzeuge, die zum Verletzen oder sogar Töten
geeignet sind, angeboten.
Was ist los in Deutschland? Wie tief ist der Morast? Die Gesellschaft braucht feste
Normen und Spielregeln, die streng eingefordert werden müssen. Fehlen sie oder
fehlt allseits der Durchsetzungswille, sind die Folgen Brutalität, Korruption,
Verwahrlosung, Heuchelei. Solange diese Folgen vorgelebt werden, solange gibt es
keine Chance Blutbäder zu verhindern.
Denken wir nur an die Kriegseinsätze, bei denen junge Menschen zum Töten
ausgesendet werden, oder an die widerwärtigen Finanz- und Wirtschaftsskandale,
bei denen betrogen und gelogen wird, dass ‘sich die Balken biegen’.
Die Ursachen liegen nicht nur beim Täter. Die gesellschaftliche Seite muss
beleuchtet werden und zwar gründlich. Vorbildwirkung, Solidarität und Friedfertigkeit
müssen wieder einen hohen Stellenwert genießen und nicht zweifelhafte
Idealisierungen.
Bundespräsident Köhler fordert Debatten über den Zusammenhalt in der
Gesellschaft. Das könnte ein guter Anfang sein.
Jetzt aber rätseln Politiker noch, was zu tun wäre. Neue Gesetze, Kontrollen, hartes
Durchgreifen? Man kommt nicht weiter, weil alles zerredet wird, statt zu diskutieren,
was möglich ist und dringend getan werden muss, auch wenn es gelegentlich gegen
demokratische Gepflogenheiten gehen würde.
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„Wir sind machtlos. Es gibt Grenzen der Politik.“, äußerte Innenminister Schäuble im
ZDF am 15.3. zur Problematik der Amokläufe. So herrscht weiterhin Ratlosigkeit
allerorten, hoffentlich nicht bis zur nächsten Katastrophe.
Ich halte es mit dem Liedermacher Gerhard Schöne, der öffentlich protestiert: „Keine
Mordwaffen als Sportwaffen“ und füge hinzu, geben wir der Demokratie Gelegenheit
sich zu wandeln zum Guten in allen Belangen!

Thema: Seniorentreff

Was bietet uns das
„Mosaik“?
von Joachim Adam

In unmittelbarer Nähe, der weit über die Stadtgrenzen Berlins hinaus bekannten
„Gärten der Welt“ in Marzahn-Hellersdorf, befindet sich am Altlandsberger Platz das
Stadtteilzentrum „Mosaik“. Seit nunmehr über 8 Jahren ist es Anlaufpunkt für viele
Bewohner des Stadtteils Marzahn-Süd. Ziel ist die Förderung des
generationsübergreifenden Miteinanders und der Nachbarschaftshilfe.
Zahlreiche Kurse, Gruppen und andere Freizeitaktivitäten haben im Stadtteilzentrum
„Mosaik“ ihren Raum gefunden. Zu nennen sind vorallem, die Klöppel-, Kreativ- und
Handarbeitsgruppen, Gymnastik- und Tanzgruppen, Mal- und Englischkurse,
Gesundheitsspezifische- und Selbsthilfegruppen, der Chor, sowie verschiedene
Freizeitgruppen.
Sehr beliebt sind auch die kostenlosen Beratungsangebote. Ob Renten- und
Rechtsberatung oder Beratungen und Vorträge zu Pflege- und gesundheitlichen
Fragen, es wird rege davon Gebrauch gemacht. Ebenso nutzen mehrere Verbände
und Vereine regelmäßig das Stadtteilzentrum.
Die Arbeit des Bürgerhaushalts Marzahn-Hellersdorf wird vom „Mosaik“ aktiv
unterstützt. Die Besucher des Stadtteilzentrums zeigen, dass man unabhängig von
Alter und Geldbeutel eine erfüllte Freizeit haben kann. Die Besucher und
ehrenamtlich Engagierten haben einen Beirat gegründet, der das Leben des
Stadtteilzentrums aktiv mitgestaltet.
Regelmäßig finden Kulturveranstaltungen, Ausstellungen und Skatturniere statt. Die
gastronomische Betreuung ist auf hohem Niveau. Besonders der monatliche Brunch
und die kleinen Feste zu besonderen Anlässen (Stadtteiljubiläum, Frauentag, Ostern

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und Weihnachten), sind erwähnenswert. Auch eine Nutzung der Räumlichkeiten zu
Familienfeiern sind an den Wochenenden möglich.
Wenn Sie neugierig geworden sind, dann besuchen Sie uns am Alt-Landsberger
Platz. Wir laden Sie ein unser Haus kennen zu lernen und bei Kaffee und Kuchen
aus unserem Veranstaltungsprogramm oder den 25 Gruppenangeboten das
passende für Sie zu finden.
Am 28. Mai 2009 um 15.00 Uhr ist das Kabarett „Die Weisetreter“ mit dem Programm
„Spitzensalat – Alte Drosseln spötteln gut“ bei uns zu Gast. Einlass ist 14.30 Uhr, der
Eintritt beträgt 6,00 €, Voranmeldung ist erwünscht.
Die aktuelle Ausstellung im Mosaik zeigt eine kleine Auswahl von künstlerischen
Aktfotografien von Joachim G. Adam.
Sie erreichen uns mit den Bus-Linien 154, 195, 197, X54, X69 und den Tram-Linien
M6, M8 und 18. Telefonische Auskünfte erhalten Sie unter der Nummer
030/54988183.
Wir freuen uns auf Ihren Besuch!
Thema: Kultur

Niedergang und
Auferstehung
von Barbara Ludwig

Foto: G. Kolberg

Es ist kaum zu glauben, das Neue Museum, von 1841-1859 nach den Entwürfen
Friedrich August Stülers erbaut, ist wieder hergestellt. Grandios! Darauf habe ich
lange warten müssen, nicht nur ich, versteht sich. Vor siebzig Jahren wurde es
wegen des Krieges geschlossen, dann bombardiert, später notgesichert über sechzig
Jahre lang unter enorm hohem Kostenaufwand.
Oft stand ich vor der Ruine und hegte den dringenden Wunsch, das alles wieder so
aufgebaut sei wie früher. Ich würde die ausgestellten Schätze betrachten und die
Innenarchitektur bewundern mit den Wand- und Säulenmalereien.
Jetzt, ich selbst so alt wie die Schließung dauerte, ist dieser Wunsch in Erfüllung
gegangen. Gleich am Morgen des ersten Tages, es war der 6.März 09, der vorerst
dreitägigen Öffnung, noch ohne museale Gegenstände, begab ich mich dorthin. Ich
gebe es zu, die Neugierde (oder Wissensbegierde?) trieb mich an. Schließlich hatte
ich fast ein Leben lang auf diesen Tag gewartet.
Vom S-Bahnhof Hackescher Markt kommend, sah ich bereits viele Menschen
stehen. Dann kam der Schock: Etwa 500m lang war die Schlange! Sie reichte
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entlang des Lustgartens bis zur Karl-Liebknecht-Straße. Ich haderte mit mir. Stehen
oder gehen, war hier die Frage? Dann entschied ich tapfer: Ich bleibe stehen.
Die Warterei redete ich mir schön: Andere warten auch, noch regnet es nicht, trotz
entsprechender Wettervorhersage, etwas zu essen hatte ich mit und warm
angezogen war ich auch. Also, was soll’s! Nach einer Stunde und fünfzig Minuten
war ich endlich drinnen! Der 1956ste Besucher war ich, erfuhr ich von einem
Mitarbeiter des Einlassdienstes.
Wie am Gebäude außen zu sehen, sind auch innen die Kriegsschäden deutlich
erkennbar. Ich war irritiert und enttäuscht darüber. Die vollständige Restaurierung
des Originals hatte ich erwartet, nicht die konservierte Zerstörung. Ich sah mich um,
lief einige Schritte weiter und nahm dabei die hohen Putz-, Stuck- und
Malschichtverluste an den Wänden, Decken und Säulen zur Kenntnis.
Auf einmal, es war unbeschreiblich, erfasste mich ein Schaudern. Mit aller Macht
wurde ich an den Krieg erinnert! Unverzüglich konzentrierte ich mich auf die
Besucher, um diese Kriegsgedanken ganz schnell wieder zu vergessen, ansonsten
hätte sich vielleicht so mancher gewundert, warum mir die Tränen gekommen wären.
Der mit dem Wiederaufbau beauftragte Architekt David Chipperfield hat also seine
gedachte Wirkung erreicht.
Trotzdem bin ich der Meinung, nicht alle Säle hätten dieser Konservierung bedurft.
Auch nicht einer total neuzeitlichen, ‘kalten’ Architektur ohne Malerei und Stuck der
völlig zerbombten Säle oder des Treppenhauses. Ganz abgesehen davon, dass das
neu gestaltete Treppenhaus doch etwas Faszinierendes hat.
Würde ich gefragt, fiele es mir schwer, mich für das alte, das auf Fotos zu sehen ist,
oder für das neue zu entscheiden. Beide sind einmalig. Im Grunde aber hänge ich an
der würdevollen, erhabenen, farbenprächtigen Schönheit alter Architektur und
Malerei. Ein derartiger Museumsbesuch sollte doch auch ein Fest für die Augen sein!
Im Laufe der nächsten Monate wird das Neue Museum mit den Sammlungen des
Ägyptischen Museums, des Museums für Vor- und Frühgeschichte, mit Teilen der
Antikensammlung sowie der Papyrussammlung bestückt und dieses Jahr im Oktober
eröffnet. Weltberühmte Exponate werden zu sehen sein, wie der Schädel des
Neandertalers oder Heinrich Schliemanns Sammlung Trojanischer Altertümer und
natürlich die Büste der Nofretete.
Sie wird dann im Nordkuppelsaal, direkt unter der lichtdurchlässigen Öffnung, dem
‘Lichtauge’, thronen und ihre Gäste empfangen. Ihr majestätischer Blick wird
gerichtet sein auf den Sonnengott Helios. Dieser Kuppelsaal birgt ebenfalls die
bereits erwähnten Schäden, doch hier wirkt diese ‘historische Ehrlichkeit’ im Verbund
mit der antiken Königin wie eine Symbiose. Besser geht es nicht.
Ein Besuch des Neuen Museums, zum Weltkulturerbe gehörend, lohnt und bildet.
Vielleicht haben Sie ja eine ganz andere Meinung zur jetzigen architektonischen
Gestaltung? Sehen und urteilen Sie selbst. Ab Mitte Oktober haben Sie die
Möglichkeit.

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Thema: ITB-Nachbetrachtung

An einem Tag rund um die
Welt
von Ursula A. Kolbe

Foto: Frank Warmbrodt/MFA
Der norwegische Pavillon auf der ITB 2009

Einmal am Tag rund um die Welt! Wer will das wohl nicht. Und wie und wo gelingt
das? Nun auf der ITB, der Internationalen Tourismus-Börse! In den 26 Messehallen
unter dem Berliner Funkturm ging es auch in diesem Jahr wieder interessant und
lebhaft zu. Vor allem festes und bequemes Schuhwerk war angesagt. Für mich
hatten vier Tage gereicht.
Sicher waren auch viele unserer Leser „auf Reisen“, haben sich Informationen
eingeholt und den Charme und Esprit auf sich wirken lassen. Ich möchte ein paar
persönliche Eindrücke wiedergeben, hatte ich doch Gelegenheit, auch hinter die
Kulissen zu schauen.
Zugegeben, von den 11.000 Ausstellern aus 180 Ländern hatte ich längst nicht alle
und alles gesehen. Geht ja auch nicht. Aber Tänze der Ureinwohner Alaskas waren
schon super. Oder Sri Lanka. Oder Japan, wo eine Trommelgruppe mit ihren
traditionellen Taiko-Trommeln die Besucher begeisterte. Und haben Sie sich in
einem echten Wiener Fiaker eine Runde durch den Sommergarten gestattet?
Trennend und doch verbindend
Vielleicht einige Worte über Istanbul. Eine faszinierende Stadt. Noch heute, nach
rund 20 Jahren, sehe ich mich an der Grenze zwischen Europa und Asien stehen.
Diese zwei Kontinente trennt vieles und verbindet doch. Beeindruckend das
pulsierende Leben in der beiderseits am Südausgang des Bosporus zum
Marmarameer auf sieben Hügeln gelegenen türkischen Stadt. Und das beileibe nicht
nur auf dem beeindruckenden, sehr bekannten Gewürzbasar. Er ist sozusagen ein
Muss.
Junge Frauen und Mädchen in Mini, Maxi oder verhüllt beleben die Straßen. Die
Fremdenführerin unserer Delegation, das kam mir wieder auf der ITB und der
Istanbuler Pressekonferenz vor Augen, versuchte uns damals zu erklären, warum
Istanbul so weltoffen sei, aber ihre Landsleute sich in Deutschland weitgehend
abkapseln.
Özgül Özkan Yavuz, Direktorin für Tourismus und Marketing, verwies darauf, dass
Istanbul für 2010 vom Europäischen Parlament und Europäischen Ministerrat –
genau wie RUHR. 2010 - zur Kulturhauptstadt Europas ernannt wurde. Seitdem
seien viele Initiativen und Aktivitäten auf den Weg gebracht worden, so z. B. die
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Renovierung des Atatürk Kulturzentrums am Taksim-Platz als eines der Denkmale
der modernen Türkei mit Platz für die Oper und die Ballett-Akademien wie auch das
Staatstheater.
Idyllisches Landleben
Das wird auch in Slowenien geboten. Die wunderschöne Landschaft, die es natürlich
ebenso in anderen Landstrichen gibt, die so selbstverständliche Gastfreundschaft
ließ uns immer wieder dorthin fahren und immer wieder zur selben Familie, wo wir
per Katalog „Urlaub auf dem Bauernhof“ Unterkunft fanden.
Ihr Garten wurde der unsrige, ihre Familienfeiern schlossen uns mit ein. Auch hatten
sie uns ein Interview mit dem Direktor des nahe gelegenen Lipiza-Gestüts
organisiert. Diese Lipizianer haben mich sehr fasziniert.
Auf der ITB war zu erfahren, dass heute 400 Bauernhöfe erholsame Tage anbieten.
Überhaupt wird die große Vielfalt auf kleinem Raum gepriesen. Majda Dolenc,
Direktorin des Slowenischen Fremdenverkehrsamtes, verwies darauf, dass
nirgendwo sonst in Europa Alpen und Meer so nah beieinander liegen, dass ihr Land
am Schnittpunkt von Alpen, Adria und Pannonischer Tiefebene liegt. Erstklassige
Kulturveranstaltungen, sportliche Aktivitäten, regenerierende Entspannung und
kulinarische Köstlichkeiten werden angeboten. Man muss es einfach erleben.
Regione Piemonte – Träume waren noch nie so königlich
Es waren wieder unvergessliche Eindrücke. Ich will nur einige wiedergeben. Das
Piemont präsentiert sich als eine der interessantesten und am stärksten wachsenden
Regionen der italienischen Tourismus-Branche.
Im Frühjahr 2010 wird Turin erneut zum größten religiösen Ereignis für gläubige
Christen aus aller Welt einladen: Zur Ausstellung des Heiligen Grabtuchs vom
Herzen Turins aus kann eine Reise entlang alter und faszinierender heiliger Wege
unternommen werden – vom historischen Frankenweg zu den sieben Sacri Monti, die
von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt worden sind. Der 150. Jahrestag der
Einheit Italiens im Jahre 2011 bietet Gelegenheit zu einer beeindruckenden
Erfahrung im „Belpaese“.
Und wie gesagt, nur wenige Eindrücke konnten an dieser Stelle wiedergegeben
werden. Aber die ITB 2010 kommt bestimmt.

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Thema: Nörgelei

Johannpeter
von Gerhard Kolberg

Foto: G. Kolberg

Johannpeter nörgelte über alles und das jeden Tag.
Und unentwegt rief er: „Was ich überhaupt nicht mag,
ist, wenn nichts so bleibt, wie ich´s gewöhnt.
Ich fühle mich vom Supermarkt verhöhnt,
wenn ich alle vier Wochen mit Verdruss
die Ware woanders suchen muss.
Und wo gestern noch Wiese war, steht heute ein Haus
und die Radios sahen früher ganz anders aus.
Die ganze Welt verändert sich so sehr
und mein Doktor Krause lebt auch nicht mehr.
Gemütlich konnte ich früher über den Fahrdamm gehen.
Heute kann ich das Pflaster unter den Autos nicht sehen.
Und dann schau dir mal die Mädchen an.
Wie man so überhaupt rumlaufen kann!
Und statt Guten Tag sagt man heute Hallo
Und warum zahlt man Cents statt Pfennig für´s Klo?
Und so frage ich jetzt und immerdar:
Kann nicht alles so bleiben, wie es war?“
Da kam eine Fee des Wegs und hörte das Gezeter
des nörgelnden unzufriedenen Johannpeter.
„Hei“, sagte sie, „es müsste mir doch gelingen,
dem Manne Zufriedenheit zu bringen.
Wie sich´s für eine gute Fee gehört,
schicke ich ihn dahin, wo ihn kein Fortschritt stört.“
Und sie schwebte unsichtbar in seine Nähe.
Er spürte nur eines leichten Windes Wehe
und im nächsten Augenblick, man glaubt es kaum,
saß er als Affe auf einem Baum
und kaute, Sie werden es schon ahnen,
Bananen.
Zugegeben, dieser Zauber war etwas übertrieben,
aber die Fee war neu und musste erst noch üben.

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Thema: Selbstbetrachtung

Mann!
von Dieter Pfusch

Foto: ds / Pixelio

Mann müsste noch mal zwanzig sein,
wie vor fünfzig Jahren:
Ganz, ganz ohne Zipperlein
Und vielen, vielen Haaren!
Man hätte leider keinen Mac
und keinen Speck im Nacken.
Ach der dicke Bauch wär’ weg
und so manche Macken!
Man riefe mich: He, junger Mann!
Ich hätte viele Zähne,
Zeit, bis man mich Alter nennen kann,
mit Rheuma und Migräne.
Man hätte nicht die Ohren zu
und könnte ewig laufen.
Man nippte nicht an einem Bier
und tät’ sich zweie kaufen!
Man hätte selbst zwar wenig Geld,
müsst’ warten auf die Rente.
Trampte fröhlich um die Welt
und pfiff auf Alimente.
Man ist schon lang ein alter Mann
mit einem Haufen Schulden.
Es tut weh, wo’s weh tun kann:
Man hat es zu erdulden!
Zwanzig ist man für’n Moment.
Mann, bedenke immer:
Dass man nicht den Moment verpennt,
danach wird’s immer schlimmer!

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Thema: Wissenschaft

400 Jahre Weitblick
2009 – das Internationale
Jahr der Astronomie
von Ursula A. Kolbe

Vor 400 Jahren wurde das Fernrohr von einem holländischen Brillenmacher
erfunden, aber der Italiener Galileo Galilei war der erste, der damit die Sterne
erkundete. Er richtete sein astronomisches Teleskop gen Himmel und machte eine
Reihe aufregender Entdeckungen. So sah er, dass der Mond Krater hat, erspähte
vier Monde des Jupiters und erkannte die Lichtphasen der Venus.
Das 400jährige Jubiläum haben die Vereinten Unionen zum Anlass genommen,
2009 zum „Jahr der Astronomie“ zu erklären. In 135 Ländern werden Sternwarten,
Planetarien und Museen Sonderschauen, Mitmach-Aktionen anbieten und über die
Geschichte der Astronomie informieren.
Erfinder Hans Lipperhey guckte in die Röhre – und Galileo ins Weltall
Zur Legende: In der Werkstatt von Hans Lipperhey spielten seine beiden Kinder mit
zwei Linsen, die eigentlich für Brillen geschliffen worden waren. Die eine konvex,
dickbauchig nach außen gewölbt, die andere konkav, nach innen gewölbt. Sie hielten
die Linsen hintereinander und stellten fest, dass ein ferner Kirchturm plötzlich zum
Greifen nah ist. Also baute er die zwei Linsen an je ein Ende eines Rohres – und
fertig war das erste Fernrohr.
Galilei probierte dieses System gleich selbst aus und bastelte aus gekauften Linsen
sein erstes Fernrohr. Das immer hin schon eine dreifache Vergrößerung schaffte.
Später schliff er sich die Linsen selbst und erzielte bis zu 33-fache Vergrößerungen.
Das Fernrohr zeigte ihm die Unebenheiten des Mondes und die vier größten Monde
des Planeten Jupiter, die seitdem Galileische Monde heißen. Außerdem sah er durch
die zwei Linsen erstmals, dass unsere Milchstraße nicht ein dichter Nebel ist,
sondern aus unzähligen einzelnen Sternen besteht.
Im Laufe der Jahrzehnte sind die einfachen Linsenfernrohre durch Spiegelteleskope
ersetzt worden. Ein Meilenstein war die Anlage auf dem Mount Wilson in Kalifornien.
1917 ging hier ein Teleskop in Betrieb, dessen Spiegel einen Durchmesser von 2,5
Metern hatte. Damit entdeckte der Astronom Edwin Hubble, dass sich das Universum
ständig ausdehnt. Bis dahin war der Glaube verbreitet, dass die Sterne immer die
gleichen Bahnen ziehen.
Heute betreibt das größte Observatorium die Europäische Sternwarte Eso in Chile,
das „Very Large Telescope“ mit vier zusammenschaltbaren Spiegeln mit je 8,2
Metern Durchmesser. Die beste Sicht hat man natürlich im All: Seit 18 Jahren liefert
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das Weltraumteleskop „Hubble“ atemberaubende Bilder aus dem Universum. Bis zu
66 Millionen Lichtjahre reicht „Hubbles“ Auge ins All. Davon hätten wohl der
Brillenmacher und auch Galilei damals nicht zu träumen gewagt.

Thema: Tierisches

Tino, du bist der Klügste!
von Ursula Maria Raupach

Foto: Domino/Pixelio

Unruhig hüpft das schwarze Federknäuel im Käfig hin und her. Kaum hat sich Tino
auf der Stange neben seinem Vogelpüppchen niedergelassen, flattert er auch schon
schwungvoll wieder auf die Schaukel. Unentwegt schrille Pfiffe ausstoßend, lässt er
die Käfigtür nicht aus den Augen. Diese scheint nur angelehnt zu sein. „Ob ich mal
versuche, sie zu öffnen?“ kaum hat sich dieser Gedanke in seinem Köpfchen manifestiert, versucht Tinos rotgelb gezeichnetes Schnäbelchen, die Tür aufzuschubsen.
„Da ist sie ja, die große Freiheit!“ aufgeregt stolziert der Beo aus dem Käfig. Mit
jauchzendem Schreien, die einem „Lebewohl, Lebewohl“ sehr ähnlich sind, breitet er
auf dem Sims des geöffneten Wohnzimmerfensters seine Flügel aus und startet in
die duftenden Frühlingslüfte.
Den großen Kirschbaum direkt vorm Haus hat Tino schon immer bewundert, wenn er
aus dem Fenster sehen durfte. Jetzt aber, wo er seine Äste, geschmückt mit
wunderschönen weiß-rosa Blüten, in den azurblauen Himmel streckt, erscheint er
Tino geradezu märchenhaft.
Er umkreist den Baum und trillert jubelnd eine Frühlingsmelodie. Auf dem obersten
Ast aber, dort, von wo aus man weit in das Tal blicken kann, lässt er sich nieder.
„Erst mal etwas ausruhen und die Welt beschauen“, denkt er bei sich. Ganz in seiner
Nähe ist ein Amselpaar beim Nestbauen. Er lauscht auf ihre Unterhaltung. „Weißt
du“, meint der Amselvater zu seiner Frau, „hier auf diesem Baum werden unsere
Jungen bestens aufgehoben sein. Und Futter für sie werden wir unten am See in
Hülle und Fülle finden!“
"Einen See gibt es hier auch!" freut sich der Beo, der leidenschaftlich gern badet. „Da
werde ich gleich einen Erkundungsflug starten.“ Er schwingt sich hinauf in den
Himmel und entfernt sich, immer größere Kreise beschreibend, in Richtung Tal. Mit
wachen Augen betrachtet er die Landschaft, die unter ihm vorbeizieht.
Da, ganz weit weg, dort, wo der Himmel fast schon die Erde berührt, sieht er eine
blaugrüne, gekräuselte Fläche liegen. „Das ist der See, das ist er!“ pfeift Tino
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ausgelassen und bemüht sich, seine ungeübten Flügel geschwinder zu bewegen. Es
fällt ihm sehr schwer und er muss alle seine Kräfte aufwenden, um bis zum See zu
kommen. Aber er schafft es. Glücklich lässt er sich auf einem morschen
Baumstumpf, der beinahe schon im Wasser steht, nieder.
"Was willst du denn hier?" hört Tino eine zeternde Stimme vom Wasser her.
Neugierig beugt er sein Köpfchen über den Rand des Baumstumpfes und zieht es
gleich darauf ängstlich wieder zurück Aus dem Wasser funkeln ihm zwei böse
blickende Augen entgegen.
Sie gehören zu einer Wasserratte Diese hat bereits eine große Familie gegründet
und ist nun besorgt, dass man ihren noch unbekleideten Jungen zu nahe kommen
könnte. „Einen schönen Tag wünsche ich euch!“ erinnert sich Tino an seine gute
Erziehung. „Ich fliege nur etwas spazieren und möchte mir Flügel und Füßchen ein
bisschen abkühlen. Habt Ihr etwas dagegen?“ fragt Tino ganz höflich und macht sich
zitternd zum schnellen Abflug bereit.
„Kannst dich woanders abkühlen“, brummelt die hässliche Ratte und verschwindet
unter der Wasseroberfläche. „Sicher wird sie jetzt nach Nahrung suchen und dann
ihre Jungen füttern, es ist also keine Gefahr für mich“, beruhigt sich Tino. „Ich werde
mir aber trotzdem ein anderes Plätzchen zum Baden suchen!“ Etwas müde flattert er
zum Ufer. „Ich will versuchen, möglichst weit weg zu kommen von der unfreundlichen
Rattenmutter!“ denkt er immer noch erschrocken.
„Hallo, hallo, wer bist denn du?“ piepst ein dünnes Stimmchen ganz in seiner Nähe.
Tino sieht sich um, kann aber niemanden entdecken. „Wo ist denn der, der mich
angesprochen hat?“ fragt er deshalb. „Ich bin Tino, der Beo von Tante Charlotte. Und
wer bist du?“ „Schau mal unter dem Ast nach, dann wirst du mich sehen“, schilpt es
leise als Antwort.
Tino folgt dem Klang des Stimmchens und entdeckt in einer Mulde unter einem
dicken Ast ein flauschiges kleines Entenküken. „Du bist aber niedlich“, meint Tino,
„wo hast du denn deine Mama gelassen? So alleine kannst du doch hier nicht sitzen
bleiben!“ „Mama wollte Futter holen“, klagt das Entlein, „sie ist aber schon sehr sehr
lange weg, und ich habe großen Hunger!“
Der Beo überlegt nur einen kurzen Moment, dann macht er sich entschlossen auf die
Suche nach Futter für das kleine Entenkind. Emsig fängt er Fliegen und Mücken und
stopft sie in den unersättlichen Schnabel des Küchleins. Es ist ungeheuer
anstrengend. Und weil es so anstrengend ist, und er das bestimmt nicht mehr lange
durchhält, hat Tino eine großartige Idee. Er wird für das Entenjunge eine neue Mama
suchen. Flugs fliegt er auf einen Baum und lässt seine Blicke schweifen.
Nicht lange muss er sich so umsehen, genau in Sichtweite nistet ein Entenpaar. Tino
nähert sich dem Nest und sieht, wie die Kleinen gerade dabei sind, die Eierschale
aufzubrechen. „Es ist höchste Zeit“, denkt er, „dass ich dem Paar das fremde Junge
ins Nest setze!“ Eilig lockt er das Küken aus der Mulde unter dem Ast hervor und
dirigiert es, vor ihm fliegend und hüpfend, in die Nachbarschaft des Entenpaares.
Dann fliegt er auf einen Baum. Er sieht zu, wie der Entenpapa aufmerksam das
Junge betrachtet und es dann zu den eben geschlüpften Entenkindern ins Nest
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scheucht. „Das wäre geschafft“, freut sich Tino über seine ungewöhnliche Leistung.
„Jetzt werde ich mal sehen, wie ich wieder nach Hause komme! Blühende Bäume
habe ich nur dort gesehen, wo ich herkomme“, überlegt er, „also kann ich mich nicht
verirren, wenn ich dorthin fliege!“
Er breitet seine Flügel weit aus, und wie eine kleine schwarze Wolke hebt sich das
ganze Federbällchen in die Lüfte empor. Noch einmal kreist der Beo über dem See,
nimmt Abschied, dann fliegt er in die Richtung, aus der ihm ein weißes Blütenmeer
entgegenleuchtet.
Die Sonne bereitet sich gerade in purpurner Farbenpracht auf ihren Untergang vor,
als Tino auf das Fensterbrett seines Wohnzimmers flattert und der traurigen Tante
Charlotte fröhlich seine Rückkehr meldet. Schade, dass Tante Charlotte nicht
verstehen kann, was der kluge Beo von seiner Reise in die große Freiheit berichtet.

Thema: Auf Entdeckungstour

„Meine Idee von Weimar ist
keine kleine…“
von Ursula A. Kolbe

Foto: Thüringer Tourismus GmbH
Bauhausmuseum mit Goethe- und Schillerdenkmal

Eigentlich ist für uns der Name Bauhaus mit der Stadt Dessau im SachsenAnhaltinischen verbunden, und wir sehen dort den Ursprung. Doch weit gefehlt.
Seine Geburtsstunde schlug vor 90 Jahren in Weimar, Thüringen. Und dabei denken
wir zuerst an die Großen Klassiker Goethe und Schiller, die übrigens genau von
ihrem Sockel auf das Bauhaus-Museum schauen, ebenso an Herder oder die
Herzogin Amalia.
Der Präsident der Klassik Stiftung Weimar, Hellmut Seemann, konstatierte das
Jubiläum mit den Worten: „Die Welt hat vergessen, dass das Bauhaus aus Weimar
und nicht aus Dessau und Berlin kommt.“ Die Klassikerstadt und ihre Region
erinnern unter dem Motto „Das Bauhaus kommt 2009“ daran.
Der berühmte Architekt Walter Gropius brachte es auf den Punkt, als er 1919
schrieb: „Meine Idee von Weimar ist keine kleine… Ich glaube bestimmt, dass
Weimar gerade um seiner Weltbekanntheit willen der geeignetste Boden ist, um dort
den Grundstein einer Republik der Geister zu legen.“
Die Revolution der Designlehre nahm seinen Lauf, entwickelte sich doch das
Bauhaus zur wichtigsten und einflussreichsten Gestaltungsschule des 20.
Jahrhunderts und erlangte Weltruhm. Nach einem Rechtsruck im Thüringischen
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Landtag aber wurde 1925 das Bauhaus nach Dessau umgesiedelt und machte noch
mehr von sich reden.
Dann kam es nach Berlin, wo es aber 1933 von den Nazis geschlossen wurde. Die
großen Köpfe emigrierten in die USA: Walter Gropius, Ludwig Mies van der Rohe
und Marcel Breuel. Dort bauten sie Häuser, die auch Europa gut zu Gesicht
gestanden hätten. Sie machten die Einrichtung weltberühmt und prägten das Bild der
amerikanischen Großstädte des 20. Jahrhunderts.
Zur Ausbildung sei vermerkt, dass sie alle Gebiete der Bildenden Kunst und
handwerklichen Fähigkeiten umfasste. Als Resultat entstanden im Kampf gegen den
Historismus eine zweckmäßige, materialgerechte Architektur und neue
Formgebungen für Gebrauchsgegenstände, die von der industriellen Produktion
weiterentwickelt worden sind.
Fortschrittliche architektonische Ideen
Die im Kern fortschrittlichen Ideen befruchteten neben der modernen Baukunst den
Erhalt der bestehenden Bausubstanz als das große Zukunftsthema der Architektur.
Ihre Sensation ist klein und schnörkellos: Quadratischer Grundriss, kein Balkon, ein
Flachdach. Die heutigen Macher stellen sich den Fragen :“Wie wollen wir in Zukunft
leben? Was verbessert die Lebensbedingungen? Unabdingbar, dass ästhetische und
ethische Fragen als zusammengehörend diskutiert werden.
Geben wir das letzte Wort Bärbel Grönegres, Geschäftsführerin der Thüringer
Tourismus GmbH. Sie verdeutlichte, für 2009 seien Weimar, das Weimarer Land,
Jena und Erfurt Mittelpunkt des Jubiläums. Mit beeindruckenden Ausstellungen und
exzellenten Veranstaltungen werde hier an die Geburt der Avantgardeschule
erinnert.

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Thema: Wetter

Schnee im Mai
von Gerhard Kolberg

Foto: Lordsilver / Pixelio

Ich schaue aus dem Fenster und denke es schneit.
Aber keine Wolke macht sich am Himmel breit
und der Kalender sagt: MAI.
Dennoch tanzen weiße Flocken vorbei.
Sie kommen von den Pappeln gleich hinterm Haus
und es sieht fast weihnachtlich aus,
wenn der weiße Flockensamen dicht gedrängt
an den belaubten Zweigen hängt.
Und der Wind ergreift ihn und trägt ihn fort,
und wo er niedergeht, dort
lagert er als flauschige weiße Schicht.
Pappelsamen – Schnee im Mai ist es nicht!

Thema: Gemeinsamkeiten

Regentropfen in Bad
Schandau
von Dieter Lämpe

Foto: Dieter Lämpe

Regentropfen können mitunter Wunderbares bewirken. Und so trug es sich zu an
einem meteorologisch durchschnittlichen Tag mit Hang zu Schönwetter. Es war Anfang Juli des Jahres 2008. Bad Schandau in der Sächsischen Schweiz – der Dachverband Altenkultur e. V. hatte zum 11. Brückenschlag schreibender und malender
Senioren eingeladen.
Die diesmalige Planung war dankenswerterweise so ausgelegt, dass die meisten
Teilnehmer – so sie es mochten – Zeit dafür hatten, die Stadt und ihre Umgebung,
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insbesondere lohnende Wanderziele anzusteuern. Dafür bot einer der Tage
genügend Gelegenheit.
Über den bizarren Berggipfeln erhebt sich leuchtend der Morgen. Er verspricht einen
schönen Tag. Nach einem üppigen Frühstück schlenderte ich auf der Elbpromenade
so vor mich hin. An nichts zu denken als mein Nahziel Kirnitzschtalbahn war mein
Sinn.
Plötzlich – inzwischen am Kurpark angelangt – aus einer nichts sagenden kleinen
Wolke ein paar Regentropfen. Glück für mich, denn ich erspähte eine Bank, die
außer den anderen vorhandenen unter einem dicht mit Blättern bewachsenen Baum
stand. Ich steuerte mit etwas schnelleren Schritten auf sie zu, als ich einen Herrn in
ebensolchem Gang in die gleiche Richtung erblickte.
Er hatte offensichtlich gleiches vor wie ich. So erreichten wir auch beinahe
gleichzeitig diese rettende Bank. Rettend ist eigentlich zu viel gesagt, denn die
wenigen Tropfen Regen waren schon die einzigen. Bald schein wieder die Sonne.
Da wir aber nun einmal auf besagter Bank saßen, blieben wir es noch einen Moment
lang.
Wie es im Leben mitunter so ist: Nach wenigen Augenblicken die Frage meines
Banknachbarn: „Sie sind wohl auch nicht von hier?“ Und das sollte dann schon der
Beginn einer wunderbaren Unterhaltung sein. Eingangs erzählte ich ihm in Beantwortung seiner Frage von unseren Brückenschlägen, insbesondere von dem derzeitigen in Bad Schandau. Dann stellte er sich vor. Und es sollte sehr interessant werden.
Joachim Voß, wohnhaft in Hamburg, autorisierter Tiroler Bergwanderführer, zurzeit in
gleicher Mission in der Sächsischen Schweiz. Außerdem KriminalromanSchriftsteller. Also eine Begegnung mit einem Krimi schreibenden Bergwanderführer.
Er hatte gerade eine kleine Verschnaufpause. Eine von ihm zu betreuende Wandergruppe war am Morgen abgereist, die nächste käme bereits am Abend im Hotel Erbgericht in Krippen an.
Zur Untermalung des bereits Gesagten überreichte er mir einen Zettel, auf dem die
Titel und eine knappe Inhaltsangabe seiner bisher veröffentlichten drei Kurzkrimis
vermerkt sind. Ein weiterer längerer Roman „Riecher gegen den Strom“ sei bereits
fertig. Geschildert wird – entsprechend der Ankündigung – eine mysteriöse Entführung in der Umgebung der wunderschönen bizarren Landschaft der Sächsischen
Schweiz.
So fand an diesem Tag unverhofft mein ganz persönlicher Brückenschlag am Rande
des offiziellen statt. Und dieser gleich vierfach. Erstens der zwischen Ost und West,
zwischen einem Hamburger und einem inzwischen bei Berlin wohnenden Sachsen.
Zweitens der zwischen dem von ihm bewohnten linkselbisch liegenden Hotel Erbgericht in Krippen und dem von uns genutzten auf der rechten Seite liegenden Hotel
Elbpromenade in Postelwitz.
Wenn wir gewollt hätte, so hätten wir uns am Abend noch über die Elbe hinweg
zuwinken und – wenn man so will - eine Luftbrücke schlagen können. Drittens der
Brückenschlag zwischen einem schreibenden Profi und einem diesbezüglich sich
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redlich mühenden Laien. Und schließlich viertens der zwischen einem profilierten
Bergwanderführer und einem einsamen Wanderer. Ein wunderbarer Beginn eines
schönen Tages.
Zwischenzeitlich tauschten wir je eines unserer Bücher aus. Joachim Voß hält nun
meinen „Laubegaster Arbeiterjungen“ in den Händen, ich seinen dritten Krimi „Zufall
oder Riecher“, in dem er seine Erlebnisse bei einer Bank und als Bergwanderführer
schildert. Jedes unserer Bücher ist versehen mit einer Widmung, die uns an diese
interessante zufällige Begegnung erinnert.
Es ist erstaunlich, was ein paar Regentropfen alles bewirken können.

Thema: Finanzen

Sven-Egons Sparprogramm
von Gerhard Kolberg

Foto: tommyS/Pixelio

„Bitte, steigen Sie aus!“
So sprach der junge Mann Sven-Egon in der U-Bahn an, nachdem er seinen
Fahrschein kontrolliert und festgestellt hatte, dass Sven-Egon mit seinem
Kurzstreckenticket eine Station zu weit gefahren war. Sven-Egon tat dem Kontrolleur
den Gefallen. Er wollte ohnehin gerade aussteigen und er hatte ein reines Gewissen.
Draußen begann der Kontrolleur das Gespräch: „Sie wissen, dass Sie eine Station zu
weit gefahren sind? Also vier Stationen statt der mit diesem Ticket zugelassenen
drei.“ Sven-Egon lächelte und sagte: „Ja, das weiß ich. Und ich finde es sehr gut, wie
gewissenhaft sie die Fahrscheine kontrollieren, um Schwarzfahrer zu erwischen.“
„Danke für die Blumen. Das macht die Sache einfacher.“ erwiderte der Kontrolleur.
„Dann kann ich Sie also zur Kasse bitten. Macht 40 Euro.“ „Nein“, entgegnete SvenEgon, „so einfach ist die Sache nun auch wieder nicht. Sie müssen sich erst einmal
meine Version anhören. Sie werden mir dann recht geben.“ „Wollen Sie etwa damit
sagen, dass Sie nicht zu weit gefahren sind?“
„Jein“, sagte Sven-Egon, „ich bin tatsächlich vier statt drei Station gefahren, und das
ist, mathematisch gesehen, rund 33,3% weiter als bezahlt. Aber gestern fuhr ich
eine längere Strecke und habe dafür ein Ticket für die Fahrzeit von zwei Stunden
gekauft. Benutzt habe ich die Bahn tatsächlich aber nur 1 Stunde. Das ist nach Adam
Riese 50% der bezahlten Zeit. Merken Sie was?“

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„Was soll ich denn merken? Sie sind entweder ein mathematischer Spinner oder Sie
wollen mich auf den Arm nehmen?“ antwortete etwas unsicher der Kontrolleur.
„Weder noch“, sagte Sven-Egon, „ich wende nur mein Sparprogramm an, das allen
gerecht wird und keinem schadet. Nur der tatsächliche Verbrauch wird berechnet und
bezahlt. Denken Sie doch mal mit: heute habe ich mein Ticket um circa 33,3 Prozent
überzogen, gestern dagegen habe ich der Bahn 50 Prozent geschenkt. Das ist eine
Differenz von etwa 16,6 Prozent, und das zu Gunsten Ihrer Gesellschaft. Wäre ich
dagegen 2 Stationen, also 66,6%, zu weit gefahren, würde der Schaden bei Ihnen
liegen. Dann könnten Sie von mir mit Recht die 40 Euro verlangen.“
Je länger Sven-Egon sprach, desto unsicherer wurde der Kontrolleur. Schließlich
meinte er entnervt: „Also, der Fall ist mir aus den Beförderungsbedingungen nicht
bekannt. Da muss ich erst mal bei meinem Chef nachfragen und das kann dauern.
Wissen Sie was, nehmen Sie Ihren Fahrschein und gehen Sie. Ich will sie ja nicht zu
unrecht abkassieren. Und Rückzahlungen machen alles nur noch komplizierter.“
Sven-Egon fühlte sich mit seinem Persönlichen Sozialgerechten Sparprogramm voll
bestätigt. Es schien zu funktionieren.
Die nächste Aktion startete er bei seiner Wohnungsgesellschaft. Er informierte sie,
für den kommenden Monat nur die halbe Miete zu überweisen, da er zwei Wochen
im Urlaub wäre und daher in dieser Zeit seine Räume nicht bewohnen würde. Die
zuständige Sachbearbeiterin fragte nach, ob er sich einen Scherz mit ihr erlauben
wolle, der 1.April sei bereits vorbei.
Sven-Egon beteuerte die Ernsthaftigkeit seiner Mitteilung: „Sehen Sie, ich
verbrauche zum Beispiel in diesen 14 Tagen auch kein Wasser. Und da ist es
selbstverständlich, dass ich für die nichtverbrauchte Wassermenge nichts bezahle.
Und der monatliche Stromverbrauch ist auch halbiert, was sich ebenfalls in den
Energiekosten niederschlagen würde. Warum soll es denn bei der Miete anders
sein?“
Die Sachbearbeiterin schüttelte den Kopf: „Das ist wohl das seltsamste Ansinnen,
von dem ich bisher gehört habe. Lesen Sie mal Ihren Mietvertrag durch, in dem ist
alles klar geregelt. Die Wohnung gehört uns und wir haben sie Ihnen gegen eine
entsprechende Miete zur persönlichen Nutzung überlassen. Wie oft und wann Sie
sich darin aufhalten, ist Ihre Sache.“
Sven-Egon spürte das Unverständnis für sein Sparprogramm: „Können wir da nicht
zu einem heute selbst bei Gerichten üblichen Deal kommen? Sie akzeptieren die
Kürzung der Grundmiete und ich zahle im Gegenzug die Betriebskosten für den
vollen Monat.“
Die Sachbearbeiterin erklärte immer noch freundlich, aber direkt: „Ich habe Ihnen
meinen Standpunkt dargelegt. Da gibt es nichts weiter zu sagen.“
Sven-Egon gab noch keine Ruhe: „Das verstehe ich nicht. Soll ich Ihnen das Wesen
des Deals ...“ Sehr energisch wurde Sven-Egon jetzt unterbrochen: „Wenn Sie lieber
ausziehen möchten, Herr Sven-Egon, ein formloser Antrag genügt.“ Da wusste
Sven-Egon, dass die Sachbearbeiterin sein sozialgerechtes Sparprogramm nicht
verstanden hatte.

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Tage später aß er in einem Restaurant zu Mittag. Die Riesenportion war unmöglich
zu schaffen. Das ist ein Fall für mein Sparprogramm, dachte Sven-Egon und begann
zu essen. Als der Teller zur Hälfte leer war, legte er das Besteck zur Seite und den
halben Preis für das Menü daneben. Dann stand er auf und wollte das Restaurant
verlassen. Aber bevor er die Tür erreichen konnte, stellte sich ihm der Kellner in den
Weg und meinte sehr höflich: „Mein Herr, Sie müssen sich wohl im Preis geirrt
haben. Es lag zu wenig Geld auf dem Tisch.“
Sven-Egon antwortete ebenso höflich: „Nein, Herr Ober, es ist schon alles in
Ordnung. Es ist der halbe Kartenpreis plus 50 Cent Trinkgeld für Sie. Ich habe ja
schließlich auch nur die halbe Portion gegessen.“
Der Kellner bat Sven-Egon zur Klärung des Sachverhalts ins Büro. Dort begründete
Sven-Egon noch einmal seinen Standpunkt: wenn er nur die halbe Portion äße,
brauchte er auch nur den halben Preis zu bezahlen. Der Geschäftsführer hatte für
das Sparverhalten seines Gastes kein Verständnis und stellte Sven-Egon vor die
Wahl: „Ich biete Ihnen einen Deal an.“ „Aha, Deal klingt gut“, dachte Sven-Egon.
Aber der Geschäftsleiter fuhr fort: „ Entweder Sie zahlen den vollen Preis für das
Essen und lassen sich hier nie wieder blicken oder ich beschuldige Sie der
Zechprellerei und rufe die Polizei. Entscheiden Sie sich.“ Sven-Egon sah, dass sein
Sozialgerechtes Sparprogramm gescheitert war - vorerst gescheitert. Er wird wohl
noch daran arbeiten müssen - oder war die Welt noch nicht reif dafür?
Aber er hatte immerhin schon zwei Erkenntnisse gewonnen:
1. Alles Neue wird zunächst einmal abgelehnt
2. selbst beim Deal sind nicht alle gleich.

Thema: Information auf einen Blick

Ruck zuck nach Schwerin
oder Oranienburg
von Ursula A. Kolbe

Foto: Landesgartenschau Oranienburg
Schloss Oranienburg

Wie schon berichtet, findet die diesjährige Bundesgartenschau vom 23. April bis 11.
Oktober mit all ihren Höhepunkten in der kleinsten Landeshauptstadt – in Schwerin –
statt. Sieben unterschiedliche Gärten werden ihre Gäste erwarten und auf kurzen
Wegen die Entwicklung der Gartenbaukunst über die Jahrhunderte hinweg
verdeutlichen.

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Wie nun am besten und ohne Stress dorthin kommen? Ich bin sicher kein Fan der
Deutschen Bundesbahn, muss aber der Schweriner Oberbürgermeisterin Angelika
Gramkow Recht geben, die, mit Blick auf die abgeschlossene
Kooperationsvereinbarung, feststellte, dass Schwerin mit der Bahn schnell aus den
Metropolen Berlin und Hamburg erreichbar ist. Regionen, aus denen besonders viele
Besucher erwartet werden.
BUGA-Geschäftsführer Jochen Sandner:“ Der Verkauf von Gutscheinen, den so
genannten Vouchern, in allen 3.500 Reisezentren und Agenturen deutschlandweit ist
eine deutliche Erleichterung für die Gartenschau-Besucher. Mit dem Shuttle vom
Hauptbahnhof erreicht man bequem das Gelände.

Traumlandschaften einer Kurfürstin
Fast zum selben Zeitpunkt öffnet am 25. April die Landesgartenschau Brandenburg
ihre Pforten. Für Berlin-Besucher ja nur einen Steinwurf entfernt. Bis zum 18.
Oktober heißt das Motto „Traumlandschaften einer Kurfürstin“, Bezug nehmend auf
die Namenspatronin Louise Henriette von Oranien (1627 – 1667). Sie heiratete den
Großen Kurfürsten, Friedrich Wilhelm I. von Brandenburg.
Das ihr zu Ehren errichtete Schloss galt als das prachtvollste im Land. Der
umgestaltete Schlosspark, die Grachten- und Polderlandschaft wie auch der neue
Hafen sind Ausdruck des Lebens und der Träume der früh verstorbenen
Niederländerin. Als eine der besonderen Attraktionen kann eine holländische
Staatsyacht aus dem 17. Jahrhundert bewundert werden.
Galt Oranienburg vor der Wende als trist und grau, war sie danach eine Stadt des
„Bombenterrors“, Überreste der Angriffe der Alliierten am Ende des Zweiten
Weltkrieges, aufgespürt durch den neuen Bau-Boom. Bürgermeister Hans-Joachim
Laesicke mit Blick auf die LAGA kurz und knapp dazu: Blumen statt Bomben.

Thema: Reisebericht

Karl’s Erlebnis-Dorf
von Christa Dorit-Pohle

Foto: G. Kolberg

Sie werden vielleicht fragen, was verbirgt sich hinter diesem Namen.
Es geht um das beliebteste Ausflugsziel in Mecklenburg-Vorpommern und man findet
dieses in Rövershagen (in der Nähe von Rostock).

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Können Sie sich noch an die kleinen roten Verkaufshäuschen im Straßenbild
erinnern? In der Erdbeer-Erntezeit wurden dort schon in der Frühe die köstlichen,
frisch geernteten Erdbeeren von Karl’s Erdbeerhof angeboten und nach kurzer Zeit
waren die Früchte stets vergriffen.
Um die Kunden auf Karl’s Erlebnis-Dorf aufmerksam zu machen, wurden
Sammelkarten angeboten. Für jedes Kilogramm Erdbeeren gab es einen Stempel auf
die Karte und hatte der Kunde 10 Stempel zusammen, dann konnte er ein
Scheckheft mit vielen Vergünstigungen für einen Besuch in Karl’s Erlebnis-Dorf
erhalten. Auf diese Weise bin ich neugierig geworden und wollte auf jeden Fall mal
nach Rövershagen fahren, um all die Attraktionen dort kennen zu lernen.
Aber leider verging das Jahr 2008, ohne dass ich Gelegenheit fand, diesen Ausflug
zu unternehmen. Aber nach dem Motto: „aufgeschoben ist nicht aufgehoben“, plante
ich die Fahrt für die nächste Erdbeer-Saison.
Im Februar 2009 bekam ich eine Einladung zu einer Fahrt vom Reisebüro. Und nun
war meine Überraschung groß, denn diese Fahrt sollte mich zu Karl’s Erdbeerhof
bringen. Aber was sollte da bei winterlichem Wetter reizvoll sein, fragte ich mich. Ich
erfuhr, dass es dort eine Winter-Attraktion gibt unter dem Namen „Die 6. Eiszeit“ (die
geheimnisvolle Galaxie).
Es war Ende Februar, der letzte Tag mit winterlichem Wetter. Ich musste in der
Frühe durch den Eismatsch bis zur S-Bahn laufen und war sehr froh, dass ich ohne
Ausrutscher am Alexanderplatz landete, um dort in den Reisebus einsteigen zu
können.
Nach ca. 4 Stunden erreichten wir unser Ziel in Rövershagen. Petrus sorgte auch für
eine Überraschung. Er spendierte eine frische Brise, aber blauen Himmel und
Sonnenschein.
Als Erstes bekamen wir „Die 6. Eiszeit“ zu sehen. In dem Gebäude ist es dunkel. Die
aus Eis gefertigten Figuren sind groß, werden durch Lichteinstrahlung und
außerirdische Klänge zur Geltung gebracht.
Grandkhaan Eisbär - Aliens - Mondkugelfisch - Kopernikus - Ankunft in Cizipanien
- Starrider & Ziggy Stardust - Challenger - Patagonische Base mit Kinderrutsche Am Anfang - 5 Elemente - Cockpit - Eisbahn mit Schlittschuhverleih - Snackpoint.
Dieses alles wurde von Künstlern geschaffen und wir konnten nahe heran gehen, um
diese Werke zu bewundern. Das war schon ein Erlebnis der besonderen Art für mich.
Nach der eisigen Attraktion konnte jeder der Besucher auf dem sehr großen ErlebnisHof auf Entdeckungsreise gehen und beispielsweise eine sehr umfangreiche
Kaffeekannen-Sammlung bewundern.
Der Bauernmarkt, ein sehr großes Areal mit Angeboten aller Art, kann mit dem
Einkaufswagen durchschlendert werden.
1921 begann das Treiben auf Karl’s Hof mit dem Anbau von Obst und Gemüse. Es
war ein landwirtschaftlicher Familienbetrieb, später spezialisiert auf den ErdbeerAnbau. Aber bereits in den 80er Jahren wurde neben den leckeren Früchten
ländliche Köstlichkeiten wie Wurst, Eier, Butter und Käse angeboten. Und damit
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wurde der Grundstein gelegt für den heute größten Bauernmarkt Deutschlands.
Heute sind die Mitarbeiter stolz auf ihre eigene Holzofen-Bäckerei und eine HofKüche mit deftigen, herzhaften und hausgemachten Spezialitäten.
Für die ganze Familie wird nützliches und Schönes geboten. Auch für die Kleinsten
gibt es Riesenspaß auf den Spielplätzen, welche durch den Ponyhof, die Bobby-CarBahn und die Hoppelburg ergänzt wurden.
So ist in 87 Jahren aus dem Erdbeerhof ein Erlebnis-Dorf entstanden, mit vielen
neuen Attraktionen für Groß und Klein. Sogar eine Ballonfahrt mit dem ErdbeerBallon kann unternommen werden.
Es gibt einen Schmetterlings-Garten mit über 200 lebenden tropischen
Schmetterlingen aus über 40 Arten. Und ein „Am-Vieh“-Theater mit täglicher
Tiershow kann besucht werden.
Und nun möchten Sie vielleicht noch erfahren, warum die Erdbeeren aus
Rövershagen besonders gut schmecken. Im Sommer dreht sich auf Karl’s Hof alles
rund um die Erdbeere. Als einzige Erdbeer-Bauern pflanzen und ernten sie am
Rande des Landschaftsschutzgebietes „Rostocker Heide“ ihre Erdbeeren.
Die Felder mit eine Gesamtfläche von über 100 ha liegen ganz nah an der
mecklenburgischen Ostseeküste. Das Meeresklima, die vielen Sonnenstunden und
der fürsorgliche Umgang mit den Früchten verleihen ihnen einen ganz besonderen
Geschmack.
Sofort nach dem Pflanzen werden die Reihen mit einer dicken goldgelben
Strohschicht bedeckt. So kommt die Erdbeere dann nicht mit dem Erdboden in
Berührung und Schimmelbildung wird auch vermieden. Seit Jahren gilt das Motto auf
den Feldern: „Pflücken und nicht reißen, legen und nicht Schmeißen“. Über 1000
geschulte Pflücker beherzigen dieses Motto und behandeln die Erdbeere wie die
„Prinzessin auf der Erbse“.
Sie sind neugierig geworden auf Karl’s Erlebnis-Dorf, haben Fragen zu den
Öffnungszeiten usw., dann wäre Ihre Ansprechpartnerin: Christin Tramm, Telefon:
038202-405446 oder Sie schauen bei www.bauernmarkt.de hinein.
Ich würde mich freuen, wenn wir uns im Sommer dort begegnen würden.

Kontakt

Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf von Berlin
Riesaer Straße 94
12627 Berlin
Seniorenbüro
Telefon: (030) 90293-4352
Telefax: (030) 90293-4355
E-Mail: mario.naetke@ba-mh.verwalt-berlin.de

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Redaktion Spätlese
Telefon: (030) 90293-4371
Telefax: (030) 90293-4355
E-Mail: chris.hobusch@ba-mh.verwalt-berlin.de
Sprechzeiten Seniorenbüro
Mo 9-12 und 13-15 Uhr
Do 9-12 Uhr
Internet
http://www.berlin.de/ba-marzahn-hellersdorf/verwaltung/soziales/spaetlese.html
Bisherige Online-Ausgaben 2008:

Bisherige Online-Ausgaben 2009:

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