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Periodical volume

Full text: Tätigkeitsbericht Issue 6.2011/2012

6. Tätigkeitsbericht (2011/2012)

Herausgegeben von der Stiftung Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen

Vorab

Inhalt
Vorab									7
Geleitwort von Klaus Wowereit				
7
Geleitwort von Bernd Neumann					7
Vorwort von Hubertus Knabe					8
Besucherbetreuung							11
Besucherdienst							14
Prominente Besucher						17
Buchhandlung							18
Besucherreaktionen						19
Besucherforschung						21
Ausstellungen							28
Musealer Rundgang						28
Sonderführungen							32
Dauerausstellung							33
Wechselausstellungen						35
Veranstaltungen							39
Ausstellungseröffnungen					40
Sonderveranstaltungen						42
Podiumsdiskussionen und Vorträge				45
Film- und Buchvorstellungen					49
Opfergedenken							52
Gedenkstättenpädagogik						53
Seminare und Projekttage					53
Mobiles Learning Center					55
Projekt „Alles Geschichte?“ 					56
Zeitzeugenbörse/Koordinierendes Zeitzeugenbüro		
58
Lehrerfortbildung						60
Pädagogische Kooperationen					60
Forschung								61
Zeitzeugenbüro							61
Drittmittelprojekte						65

5

6

Vorab

Sammlungen								67
Objektsammlung							67
Fotoarchiv								68
Zeitzeugenarchiv							69
Dokumentenarchiv							71
Bibliothek								71
Mediathek								72
Öffentlichkeitsarbeit						73
Medienbetreuung							74
Publikationen							77
Werbung								79
Internationale Kooperationen					80
Bautätigkeit							85
Bauunterhaltsmaßnahmen						85
Investive Baumaßnahmen						88
Haushalt								90
Personal								92
Stiftungsorgane							94
Förderverein							95
Anhang								97
Chronik 2011/12							97
Stiftungsgesetz							99
Gremienmitglieder						102
Mitarbeiter							103
Besucherreferenten						104
Besucherstimmen							105

Vorab

7

Vorab
Geleitwort von
Klaus Wowereit
„Was man hier sieht, das geht einem lange nicht aus dem Kopf.“ Solche Sätze hört
man von vielen Menschen, die die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen besucht
haben. Was sie tief berührt, sind die Schilderungen der ehemaligen Häftlinge über ihr
persönliches Schicksal, die Berichte von Folter und Isolation im sogenannten U-Boot. Im
Stasi-Gefängnis Hohenschönhausen wurden Menschen eingesperrt, deren Vergehen
vor allem darin bestand, auf ihre Freiheitsrechte zu pochen. Sie sollten gebrochen
werden. Daran zu erinnern, ist eine zentrale
Aufgabe der Gedenkstätte, der sie auch im
Berichtszeitraum dieses Tätigkeitsberichtes
mit Erfolg nachgekommen ist.
Die befasst sich wie kaum ein anderer
Gedenkort mit der politischen Justiz und der
Verfolgung Andersdenkender in der DDR.
Der vorliegende Bericht zeigt eindrucksvoll,
dass es gelungen ist, die Gedenkstätte Hohenschönhausen in der Berliner, aber auch
in der bundesweiten und internationalen
Erinnerungskultur zu etablieren. Besonders
hervorzuheben ist das umfangreiche Ausbauprogramm, welches das Land Berlin
gemeinsam mit dem Bund ermöglicht hat.
Im Zentrum stehen dabei die neue Dauerausstellung sowie eine bessere räumliche
Ausstattung, die es ermöglicht, künftig noch
mehr Besucherinnen und Besucher angemessen zu betreuen.
Aus verschiedenen Studien ist bekannt:
Das Wissen über die SED-Diktatur und die
Repressionen gegenüber politisch Andersdenkenden in der DDR ist erschreckend gering. Umso erfreulicher ist das – trotz ihrer
Lage außerhalb des Stadtzentrums – stetig
wachsende Interesse an der Gedenkstätte
Berlin-Hohenschönhausen und insbesondere die steigende Zahl von Schülerinnen und
Schülern, die hier einen besonders intensiven und lebensnahen Zugang zu diesem
wichtigen Teil der DDR-Geschichte erhalten.
Das Gedenkstättenteam setzt auf Aufklärung und Empathie. Einblicke in das System der politischen Justiz der DDR werden
mit konkreten Geschichten von Opfern verwoben. So trägt die Gedenkstätte zum Verständnis der Geschichte bei und tritt allen
Versuchen der Schönfärberei entschieden
entgegen.

Mein herzlicher Dank gilt Dr. Hubertus
Knabe und seinen engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie den vielen
ehrenamtlichen Unterstützern, die sich für
die lebendige Auseinandersetzung mit der
SED-Diktatur sowie für das Gedenken der
Opfer einsetzen.

Klaus Wowereit
Regierender Bürgermeister von Berlin

Geleitwort von
Bernd Neumann
Mit der Eröffnung der neuen Dauerausstellung im ehemaligen zentralen Untersuchungsgefängnis des Ministeriums für
Staatssicherheit der DDR am 4. Oktober
2013 beginnt für die Stiftung Gedenkstätte
Berlin-Hohenschönhausen ein neuer Abschnitt ihrer Entwicklung. Erstmals haben
die Besucherinnen und Besucher die Möglichkeit, sich über die sachkundige Führung
durch die früheren Zellentrakte hinaus vertieft mit der Geschichte des Haftortes zwischen 1945 und 1989 auseinanderzusetzen.
Über 40.000 Menschen waren dort während
der kommunistischen Diktatur in der SBZ
und in der DDR in verschiedenen Lagern und
Gefängnissen inhaftiert. Die neue Dauerausstellung erzählt ihr bewegendes Schicksal.
Bund und Land Berlin haben gemeinsam die
erforderlichen Mittel für die notwendigen
Umbau- und Sanierungsmaßnahmen sowie
die neue Präsentation zur Verfügung gestellt. Die enorme Summe von über 16 Millionen Euro unterstreicht den entschiedenen
Willen der beiden Zuwendungsgeber, das
Leid der Opfer in Hohenschönhausen nicht
in Vergessenheit geraten zu lassen.
Die Bilanz der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen im Zeitraum 2011/2012
kann sich einmal mehr sehen lassen. Die Besucherzahlen sind erneut gestiegen: Im Jahr
2012 waren es 354 000 gegenüber 342 000
im Vorjahr. Am 13. September 2013 konnte
insgesamt bereits der Dreimillionste Besucher begrüßt werden – eine stolze Zahl und
zugleich ein außerordentlich gutes Zeichen
für die Aufarbeitung der SED-Diktatur.

Klaus Wowereit
Regierender Bürgermeister von
Berlin

Bernd Neumann
Staatsminister für Kultur und
Medien

8

Dr. Hubertus Knabe
Direktor der Gedenkstätte
Berlin-Hohenschönhausen

Vorab
Aus den vielfältigen Aktivitäten der Gedenkstätte möchte ich die Erfolgsgeschichte des Koordinierenden Zeitzeugenbüros
besonders erwähnen, eine gemeinsame
Servicestelle der Gedenkstätte Hohenschönhausen, der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und der Stiftung
Berliner Mauer. Seit 2011 konnten die Projektmitarbeiter eine Vielzahl von Zeitzeugen
an Schulen und andere Bildungseinrichtungen in ganz Deutschland vermitteln. In mehr
als 1 000 Veranstaltungen wurden auf diese
Weise über 60 000 Schülerinnen und Schüler erreicht. Die persönliche Begegnung mit
einem Zeitzeugen ist für die Jugendlichen
ein bedeutendes Erlebnis, das Geschichte
nachvollziehbar macht.
Der oft erschreckende Mangel an Wissen
über die in der SED-Diktatur herrschenden
Ver-hältnisse macht die Vermittlungsarbeit
zu einer zentralen Aufgabe. Die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen nimmt dabei
einen wichtigen Platz ein. Hier wird gezeigt,
wie brutal der real existierende Sozialismus
gerade auch junge Menschen behandelte,
die ihren Weg frei von staatlicher Bevormundung gehen wollten.
Für den Bund ist es von zentraler Bedeutung, die Gefängnisse des Staatsicherheitsdienstes der DDR dort, wo dies möglich ist,
als Mahnung für die Zukunft und als Ort der
historischen Auseinandersetzung zu erhalten. Von besonderer Signalwirkung ist in
diesem Zusammenhang, dass der Deutsche
Bundestag fast 2 Millionen Euro bereitgestellt hat, um die ehemalige Stasi-Untersuchungshaftanstalt in Rostock zu sanieren,
in der sich heute eine Dokumentations- und
Gedenkstätte der Stasi-Unterlagenbehörde
befindet. In der Erfurter Andreasstraße unterstützt der Bund darüber hinaus die Entstehung einer neuen Dauerausstellung am
Ort der Stasi-Untersuchungshaftanstalt in
der ehemaligen Bezirkshauptstadt.
Die konsequente und differenzierte Aufarbeitung des SED-Unrechts ist auch bald
25 Jahre nach der Friedlichen Revolution
und der Wiedervereinigung nicht beendet.
Sie bleibt eine dauerhafte Aufgabe im vereinten Deutschland, auch um Tendenzen zur
Verharmlosung der Diktatur in der DDR entschieden entgegenzutreten. In den bevorstehenden Erinnerungsjahren 2014 und 2015
erinnern wir insbesondere an den Mut derjenigen, die mit ihrem friedlichen Widerstand
entscheidend dazu beigetragen haben, das
Ende der SED-Diktatur herbeizuführen. Zu-

gleich denken wir dankbar daran zurück,
dass ohne Solidarnosc in Polen, ohne die
Treue der Vereinigten Staaten und auch
ohne den Reformkurs von Michail Gorbatschow der Weg zur Deutschen Einheit nicht
möglich gewesen wäre. Das beherzte und
politisch kluge Handeln von Bundeskanzler
Helmut Kohl und das Vertrauen, das er in Ost
und West genoss, machte dann die Wiedervereinigung zur Wirklichkeit.
Herrn Dr. Hubertus Knabe, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie insbesondere auch den vielen ehrenamtlichen
Unterstützern der Gedenkstätte BerlinHohenschönhausen gilt mein Dank für die
eindrucksvolle und erfolgreiche Arbeit in den
vergangenen beiden Jahren.

Bernd Neumann
Staatsminister für Kultur und Medien

Vorwort von Hubertus Knabe
Der vorliegende Bericht über die Arbeit
der Stiftung „Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen“ behandelt eine Zeit großer
Veränderungen: Nach jahrelangen Diskussionen über die Planung, Finanzierung und
Realisierung einer großen Dauerausstellung
auf dem Gelände der ehemaligen Haftanstalt des Ministeriums für Staatssicherheit
(MfS) begannen im August 2011 die notwendigen Umbauarbeiten. Fast alle Mitarbeiter
mussten dafür ihre Büros räumen und in
ein Gebäude auf der gegenüberliegenden
Straßenseite umziehen. Baufahrzeuge fuhren nun regelmäßig durch das Gefängnistor,
Wände wurden eingerissen, Versorgungsleitungen verlegt – und Stück für Stück wurden
die Umrisse neuer, moderner Räumlichkeiten sichtbar.
Anders als auf normalen Baustellen
fanden die Arbeiten bei vollem Besucherverkehr statt. Die Gedenkstätte hatte sich
frühzeitig dafür entschieden, dass wegen
des Umbaus keine Besucher zurückgewiesen werden sollten. Das verlangte von den
Mitarbeitern einen regelrechten Kraftakt,
weil zum Gedenkstättenbetrieb mit seinen
zahllosen Aufgaben nun umfangreiche neue
Probleme hinzukamen, die Bauplanung,
Umzug und Umbau betrafen. Die Situation
wurde dadurch noch verschärft, dass parallel

Vorab
zum Umbau auch noch umfangreiche Sanierungsarbeiten stattfanden, so dass zeitweise auf dem gesamten Gelände Handwerker
arbeiteten – und natürlich Baufreiheit verlangten.
Dass es trotzdem gelungen ist, den
Besucherbetrieb ohne größere Störungen
weiterzuführen und sogar auszuweiten, war
eine enorme Leistung. Allen Mitarbeitern,
insbesondere den Haustechnikern, den Besucherreferenten, den Beschäftigten des
Besucherdienstes sowie der „Baubeauftragten“ der Gedenkstätte, Christiane Rudolph,
sei dafür herzlich gedankt.
Der Dank gilt aber auch den externen
Partnern bei den Bauvorhaben, den Architekten, Bauleitern, Handwerkern und dem Projektsteuerer, die in ihrem Verantwortungsbereich dazu beitrugen, dass die Besucher
trotz des Umbaus das ehemalige zentrale
Stasi-Gefängnis weitgehend ungehindert
besichtigen konnten.
Wenn man sich die Ergebnisse der umfangreichen Bauarbeiten anschaut, so muss
man feststellen, dass sich die Anstrengungen gelohnt haben: In den heruntergekommenen Garagen des Staatssicherheitsdienstes entstanden neue Seminarräume
mit moderner Technik sowie ein heller, einladender Besucherempfang mit Buchladen
und Café. Das frühere Materiallager mit
schäbigen Regalen, in denen sich vor allem
Häftlingskleidung befand, verwandelte sich
in eine imposante Ausstellungshalle. In den
ehemaligen Gebäuden des Haftkrankenhauses und der neuen Untersuchungshaftanstalt, in denen die elektrischen Anlagen seit
Jahren stillgelegt waren, lassen sich nun die
Originallampen und -schalter wieder wie früher bedienen. Es gibt zwar immer noch viel
zu tun, um das denkmalgeschützte Areal für
die Zukunft zu bewahren, doch auf dem Weg
dahin ist die Stiftung im Berichtszeitraum einen großen Schritt vorangekommen.
Dies verdient umso größere Anerkennung, als die Gedenkstätte auch in der Zeit
des Umbaus wieder neue Besucherrekorde
erzielte. Während 2010 noch 331 000 Besucher kamen, waren es 2011 schon 342 000
und 2012 sogar 354 000. Insgesamt hatten
bis Ende 2012 mehr als 2,7 Millionen Menschen das ehemalige Stasi-Gefängnis besucht. Das abgelegene Gefängnis im früher
hermetisch abgeriegelten Sperrgebiet wurde von den Besuchern regelrecht überrannt
– was sich bei Gründung der Gedenkstätte
wohl niemand hätte träumen lassen. Die

zahlreichen Reisebusse, die vor der Gefängnismauer parken, sind mittlerweile ein ebenso alltäglicher Anblick wie die Schulklassen,
die aus allen Himmelsrichtungen in die Gedenkstätte strömen – und in seltsamem
Kontrast zur bedrückenden Architektur der
ehemaligen Haftanstalt stehen.
Der große Zuspruch der Besucher hat allerdings auch Probleme nach sich gezogen:
Die Ausgaben für die Gedenkstättenführer
sind weiter angestiegen und haben 2012
eine Rekordhöhe von 757 500 Euro erreicht.
Die Einführung eines Führungsentgeltes und
seine Ausweitung auf Schüler, die für den
Rundgang seit 2010 jeweils einen Euro bezahlen, haben einen enormen Verwaltungsaufwand nach sich gezogen. Der erneut gestiegene Besucherstrom hat zudem diverse
praktische Konsequenzen zur Folge – wie
volle Flure und Zellen, ein erhöhter Reinigungsbedarf, ein gestiegener Verbrauch an
Seife, Papierhandtüchern und Toilettenpapier
oder auch Beschwerden von Nachbarn über
laufende Busmotoren.
Gleichwohl sind die vielen Besucher für
die Stiftung ein Grund zu großer Freude.
Wenn man weiß, wie wenig die meisten
Deutschen über das kommunistische Regime in der DDR heute noch wissen, dann
freut man sich über jeden, der sich das ehemalige Stasi-Gefängnis anschauen möchte
– und anschließend meist sehr beklommen
das Gelände verlässt. Besonders wichtig ist,
dass so viele junge Menschen kommen,
186 000 allein im Jahr 2012, und in der Gedenkstätte oft zum ersten Mal etwas vom
DDR-Staatssicherheitsdienst hören. Einen
besonderen Dank verdienen deshalb die pädagogischen Mitarbeiter der Stiftung, die im
Berichtszeitraum – zusätzlich zu den Führungen – mehr als 18 000 Schüler in Seminaren
und Projekttagen über die frühere Haftanstalt und das System des Kommunismus
informiert haben.
Für alle diese Besucher steht ab Herbst
2013 neben den Rundgängen durch das Gefängnis noch ein neues Informationsangebot
zur Verfügung: die 700 Quadratmeter große
Dauerausstellung, die die Geschichte des
Haftortes ausführlich erzählt. Fast 500 seltene Exponate, über 300 historische Fotos und
100 Medienstationen mit Zeitzeugenaussagen und originalen Filmausschnitten vermitteln ein anschauliches Bild der Entwicklung
der Haftanstalt, der leidvollen Erfahrungen
der Opfer und des bürokratischen Alltags der
hier tätigen Stasi-Mitarbeiter.

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10

Vorab
Die Ausstellung ist das Ergebnis mehrjähriger Recherchen, konzeptioneller Diskussionen und redaktioneller Arbeiten. Ende
2008 wurde für diesen Zweck ein Projektteam mit den Historikern Andrea Moll, Andreas Engwert und Tobias Voigt gebildet. Mit
Rat und Tat stand außerdem der langjährige
Präsident der Stiftung Haus der Geschichte
der Bundesrepublik Deutschland in Bonn,
Prof. Hermann Schäfer, zur Verfügung. Alle
Beteiligten haben im Berichtszeitraum Enormes geleistet. Denn anders als bei den
meisten historischen Ausstellungen wollte
sich die Gedenkstätte nicht damit zufrieden
geben, bereits bekannte Fakten für ein breites Publikum aufzubereiten. Stattdessen
betrieb sie einen intensiven ortsbezogenen
Forschungsprozess. Im Ergebnis gelang es
ihr nicht nur, zahlreiche bis dahin unbekannte
Exponate und Fotos aufzuspüren, sondern
auch für die Geschichte des Ortes so wichtige Fragen zu beantworten wie die Lage der
Stehkarzer im sowjetischen Kellergefängnis
oder die namentliche Belegung einzelner
Zellen.
Als wäre das alles nicht genug, so ist
im Berichtszeitraum noch ein weiterer Bereich neu hinzugekommen: die zunehmend
intensive Kooperation mit Partnern in der
ganzen Welt. Während die Gedenkstätte früher vor allem für die Aufarbeitungsdebatte
in Deutschland von Bedeutung war, ist sie
mittlerweile auch international immer mehr
in den Fokus gerückt. Delegationen aus allen
Kontinenten haben sich in den vergangenen
zwei Jahren immer wieder das ehemalige
Stasi-Gefängnis angesehen – und die Gedenkstätte dabei oftmals als Vorbild für ihre
eigenen Bemühungen zur Vergangenheitsbewältigung gesehen. Ein wichtiger Schritt
auf dem Weg zur Internationalisierung der
Gedenkstättenarbeit war die Gründung der
Plattform des Europäischen Gedenkens und
Gewissens im Oktober 2011, der 19 Aufarbeitungseinrichtungen aus 13 europäischen
Ländern angehören, und deren Jahrestagung im November 2012 in den Räumen der
Stiftung stattfand. Ein anderer, nicht weniger
wichtiger Schritt war der Start eines Projektes zur Unterstützung der Vergangenheitsbewältigung in Tunesien. Es wurde in enger
Abstimmung mit dem Auswärtigen Amt
entwickelt und ist auch für andere Staaten,
die ihre Diktaturen abschütteln konnten, von
Bedeutung.

So ließen sich aus diesem Bericht noch
viele weitere Punkte aufgreifen, die die Arbeit der Stiftung in den vergangenen beiden
Jahren vorangebracht haben. Ob Ausstellungen oder Veranstaltungen, ob Gedenkstättenpädagogik oder Forschung, ob Sammlungen oder Öffentlichkeitsarbeit – zu all diesen
Arbeitsbereichen finden sich auf den folgenden Seiten nähere Informationen.
Ermöglicht wurde diese Arbeit in erster
Linie durch das große Engagement der Mitarbeiter der Stiftung, von Praktikanten, Volontären, Studenten oder Absolventen eines
Freiwilligen kulturellen Jahres. Insbesondere den über 80 Besucherreferenten, darunter mehr als 40 ehemalige Häftlinge, sei an
dieser Stelle gedankt, weil sie die Besucher
mit großem Engagement und hohem Fachwissen durch das einstige Gefängnis geführt
haben – und ihnen dabei eine vielen völlig
unbekannte Seite der SED-Diktatur gezeigt
haben.
Dank gilt last but not least den beiden
Zuwendungsgebern, dem Regierenden Bürgermeister und Kultursenator von Berlin,
Klaus Wowereit, sowie dem Staatsminister
für Kultur und Medien, Bernd Neumann,
ohne deren finanzielle Unterstützung die Gedenkstätte nicht hätte arbeiten können. Gedankt werden soll aber auch den „kleineren“
Finanziers wie der hessischen Landeszentrale für politische Bildung, der Bundeszentrale für politische Bildung, der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, der
Konrad-Adenauer-Stiftung, dem Auswärtigen Amt, dem Förderverein Gedenkstätte
Berlin-Hohenschönhausen und nicht zuletzt
den vielen privaten Spendern. Dank gilt auch
den Mitgliedern des Beirates und des Stiftungsrates für ihren meist ehrenamtlichen
Einsatz zum Wohle der Stiftung.
Dass die Gedenkstätte zu dem geworden ist, was sie heute ist, hat sie vor allem
ihren zahlreichen Unterstützern in Politik und
Medien, in Wissenschaft und Gesellschaft
zu verdanken – den Menschen, die gemeinsam mit der Stiftung dafür eintreten, dass
das Unrecht der kommunistischen Diktatur
in Ostdeutschland nicht in Vergessenheit gerät.

Dr. Hubertus Knabe
Direktor

Besucherbetreuung

11

Der Zeitzeuge Andreas
Mehlstäubl (Mitte) bei einer
Führung durch die Gedenkstätte

Besucherbetreuung
Die Stiftung Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen hat den gesetzlichen Auftrag, am
Beispiel der ehemaligen zentralen Untersuchungshaftanstalt des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) über das System der politischen Justiz in der DDR zu informieren. Im Mittelpunkt der Arbeit steht daher die Betreuung der Besucher, die das frühere Stasi-Gefängnis
besichtigen und sich über seine Funktion in der DDR informieren wollen.
Das Interesse an dem weitgehend authentisch erhaltenen Haftort war auch in den Jahren
2011 und 2012 ungebrochen sehr groß. Für viele Lehrer, die eine Klassenfahrt nach Berlin
organisiert haben, ist die Gedenkstätte zu einem festen Programmpunkt geworden. Auch
Touristen aus dem In- und Ausland besichtigen immer häufiger das ehemalige Stasi-Gefängnis. Die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen konnte deshalb den positiven Trend der letzten Jahre fortsetzen und erneut steigende Besucherzahlen verbuchen. Kamen 2010 knapp
332 000 Besucher, so stieg ihre Zahl 2011 auf rund 342 000 Menschen und 2012 auf nahezu
354 000 – ein neuer absoluter Besucherrekord. Im Berichtszeitraum kamen damit insgesamt
696 000 Interessierte in die Gedenkstätte, was gegenüber dem Zeitraum 2009/2010 einen
Zuwachs von 51 000 oder rund acht Prozent bedeutet. Seit Gründung der Gedenkstätte 1994
hatten damit zum Jahresende 2012 mehr als 2,7 Millionen Menschen das ehemalige StasiGefängnis besichtigt.
Allerdings sind die Grenzen des langjährigen Wachstums zunehmend erreicht. Im Berichtszeitraum mussten Besucheranfragen immer häufiger abgelehnt werden, weil die räumlichen Kapazitäten der Gedenkstätte ausgeschöpft waren. Allein im Jahr 2012 lag die Zahl
der (registrierten) Zurückweisungen bei über 17 500 Personen. Das entspricht nahezu 550
Gruppen. Besonders im Frühjahr und im Herbst kam es immer wieder zu Engpässen. Die
Gedenkstätte hat deshalb im Jahr 2013 die Öffnungszeiten für zwei Monate probeweise bis
20 Uhr ausgedehnt, um festzustellen, ob dies die Situation entspannen kann.
Aus rechtlichen und organisatorischen Gründen können die Besucher nicht ohne Begleitung durch die Zellen und Vernehmerräume gehen. Die Besichtigung erfolgt deshalb im Rahmen geführter Rundgänge. Diese dauern in der Regel 90 Minuten. Davor sehen die Besucher
normalerweise einen 30-minütigen Einführungsfilm, sodass sie meist an einem zweistündigen Informationsprogramm teilnehmen. Häufig werden die Besucher dabei von ehemaligen
politischen Häftlingen durch das Gefängnis geführt. Diese Möglichkeit zur direkten Begeg-

12

Besucherbetreuung

nung mit einem Menschen, der selbst in der DDR inhaftiert war, macht den Besuch für viele
zu einem ganz besonderen Erlebnis.
Die Führungen folgen einem Curriculum, in dem die wichtigsten Stationen des Rundgangs
erläutert werden. Diese „Leitlinien über Inhalt und Form geführter Rundgänge durch die ehemalige Untersuchungshaftanstalt des Ministeriums für Staatssicherheit“ wurden vom Beirat
der Gedenkstätte im April 2004 beschlossen und im Dezember 2012 bestätigt.
Das große Besucherinteresse hatte naturgemäß eine außerordentlich hohe Zahl von Führungen zur Folge. Da die Gruppen ab einer Stärke von 26 Personen geteilt werden, erhöhte
sich ihre Zahl noch mehr. Während sie 2010 bei rund 16 100 lag, stieg sie 2011 auf 17 800 und
2012 sogar auf 18 500 – eine Zahl, die selbst sehr große Museen selten erreichen. Sie zu
planen und zu organisieren war eine große logistische Leistung, die der Besucherdienst der
Gedenkstätte sehr erfolgreich bewältigte.
Der Großteil der Gäste – 268 000 Personen oder gut 75 Prozent der Besucher im Jahr
2012 – kam im Rahmen eines angemeldeten Gruppenbesuches. Führungen fanden jeden Tag
zwischen 9 und 18 Uhr statt, in besonders stark frequentierten Monaten auch zwischen 8.45
Uhr und 19 Uhr. Um die große Nachfrage befriedigen zu können, starteten die Führungen in
diesen Zeiten im 15-Minuten- statt wie sonst im 30-Minuten-Takt.
Die übrigen Besucher waren Einzelgäste. 76 000 Interessierte oder 22 Prozent der Gäste
erschienen im Jahr 2012 ohne Voranmeldung (2011: 75 000). Damit hat die Zahl der Einzelbesucher gegenüber dem vorangegangenen Berichtszeitraum erneut zugenommen (2010:
71 000). Innerhalb von fünf Jahren hat sich die Zahl der Individualbesucher sogar mehr als
verdoppelt (2007: 36 000). Offensichtlich ist die Gedenkstätte inzwischen bei vielen Berlinern und einer wachsenden Zahl von Berlin-Besuchern als lohnenswerter Besichtigungsort
bekannt. Diese Entwicklung ist umso bemerkenswerter, als die Gedenkstätte relativ weit weg
von der Innenstadt liegt und die Anbindung an öffentliche Nahverkehrsmittel nicht optimal ist.
Besonders an Wochenenden standen oftmals über 100 Menschen plötzlich unangemeldet vor dem Gefängnistor, um die Gedenkstätte zu besichtigen. Um dem großen Interesse
gerecht zu werden, wurden deshalb an Werktagen täglich drei Rundgänge für Einzelbesucher
angeboten (11 Uhr, 13 Uhr und 15 Uhr), von März bis Oktober fünf (zwischen 11 und 15 Uhr
zu jeder vollen Stunde). Am Samstag und am Sonntag wurden täglich sogar sieben öffentliche
Rundgänge durchgeführt (zwischen 10 und 16 Uhr zu jeder vollen Stunde), wobei wegen des
großen Besucherandrangs manchmal jeweils bis zu vier getrennte Gruppen gebildet werden
mussten. Da die Zahl der Einzelbesucher im Voraus nicht bekannt ist, hat die Gedenkstätte
einen Bereitschaftsdienst eingerichtet, sodass von Montag bis Freitag auch die vor Ort befindlichen festen Mitarbeiter bei unerwartet hohem Andrang Führungen übernehmen können.
Neben den Führungen durch die Untersuchungshaftanstalt fanden einmal in der Woche
auch Besichtigungen des ehemaligen DDR-Gefangenentransportwaggons (jeden Donnerstag um 13 Uhr) sowie des früheren Haftkrankenhauses des Staatssicherheitsdienstes (jeden
Mittwoch um 13 Uhr) statt, die sich ebenfalls auf dem Gelände der Gedenkstätte befinden.
Das Krankengefängnis wurde nach fast zweijährigen Instandsetzungsarbeiten im Mai 2011
erstmals wieder für Besucher zugänglich gemacht (siehe Bautätigkeit). Zur Langen Nacht der
Museen und zum Tag des offenen Denkmals wurden zudem Sonderführungen durch die ehemalige Gefängnisküche, die Unterkünfte für die weiblichen Strafgefangenen und das frühere
Sperrgebiet angeboten. Für nichtdeutschsprachige Einzelbesucher fanden außerdem dreimal
in der Woche (Samstag, Sonntag und Mittwoch um 14.30 Uhr) englischsprachige Rundgänge
statt, von März bis Oktober auch täglich (jeweils um 14.30 Uhr).
Der ehemalige politische
Häftling Hartmut Richter mit
einer Schülergruppe

Besucherbetreuung

13

Führung mit dem Zeitzeugen
Dieter Walter (links) durch den
früheren Gefängnisneubau

Neben dem zweistündigen Führungsprogramm für Gruppen- und Einzelbesucher bot die
Gedenkstätte auch längere Seminare oder Projekttage an, die eine intensivere Auseinandersetzung mit dem Thema DDR erlaubten. Sie wurden fachlich und organisatorisch von der
Pädagogischen Arbeitsstelle (PAS) betreut. Etwa 8 400 Besucher, die meisten von ihnen Jugendliche, machten jeweils 2011 und 2012 von diesem Angebot Gebrauch (siehe Gedenkstättenpädagogik).
Eine besondere Betreuung erfuhren ehemalige politische Häftlinge, wenn sie – häufig
in Begleitung von Angehörigen – an den Ort ihres Leidens zurückkehrten. In der Regel kümmert sich das Zeitzeugenbüro oder ein anderer Mitarbeiter der Gedenkstätte um sie (siehe
Forschung). Oftmals wollten sie ihre ehemalige Zelle oder das Zimmer, in dem sie verhört
wurden, wiedersehen, ohne sich einer Besuchergruppe anzuschließen. Manche hatten auch
spezielle Fragen zur Geschichte des Ortes oder zur Gedenkstätte. Mitarbeiter der Gedenkstätte standen ihnen dabei als einfühlsame Ansprechpartner zur Seite.
Die Besucher der Gedenkstätte hatten darüber hinaus die Möglichkeit, sich in einem provisorischen Informationszentrum über die Geschichte der Haftanstalt zu informieren (siehe
Ausstellungen). Aufgrund des Umbaus der Gedenkstätte zog das Infocenter – wie der gesamte Besucherdienst – allerdings im August 2011 in ein Gebäude auf der gegenüberliegenden
Straßenseite (siehe Bautätigkeit). Neun Wechselausstellungen sowie zehn Informationstafeln
im Umfeld der Gedenkstätte komplettierten das Informationsangebot für die Besucher (siehe
Ausstellungen).
Um auch körperlich beeinträchtigten Personen den Besuch der Gedenkstätte zu ermöglichen, hat die Stiftung im Berichtszeitraum erstmals eine Führung entwickelt, die speziell auf
die Bedürfnisse blinder und sehbehinderter Menschen ausgerichtet ist. Im Rahmen eines
90-minütigen Rundgangs können diese an verschiedenen Stationen Gegenstände ertasten
und Zusammenhänge „erhören“. Seit April 2011 wurden diese Führungen regelmäßig angeboten, seit März 2012 finden sie jeden dritten Mittwoch im Monat statt. Der Allgemeine Blindenund Sehbehindertenverband e.V. Berlin bewirbt die Führungen. Der Förderverein der Gedenkstätte unterstützte das Vorhaben finanziell, sodass den Teilnehmern keine Kosten entstanden.
Im März 2012 fand zudem das erste Seminar für blinde und sehbehinderte Schüler statt (siehe
Gedenkstättenpädagogik). Um das Angebot für Besucher mit Beeinträchtigungen noch weiter
zu verbessern, wurde die künftige Dauerausstellung der Gedenkstätte weitgehend barrierefrei geplant – für ein ehemaliges Stasi-Gefängnis ein ebenso ambitioniertes wie vorbildhaftes
Projekt (siehe Ausstellungen und Bautätigkeit).

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Die Zeitzeugin Edda Schönherz
(links) mit Besuchern in einem
ehemaligen Vernehmerzimmer
des Gefängnisses

Besucherbetreuung

Besucherdienst
Für die Betreuung der Gäste ist der Besucherdienst der Gedenkstätte verantwortlich. Im
Berichtszeitraum bestand er aus zwei fest angestellten Mitarbeitern, einer studentischen
Hilfskraft und elf externen Mitarbeitern. Für den Umbau der Gedenkstätte musste der Besucherdienst im August 2011 vorübergehend in ein Gebäude in der Genslerstraße 13a umziehen. Entgegen erster Vorschläge, den Gedenkort während der Zeit des Umbaus zu schließen
oder die Zahl der Besucher zumindest stark zu reduzieren, arbeitete die Stiftung während der
Bauarbeiten im „Volllastbetrieb“ weiter – ohne einen einzigen Tag Pause zu machen. Grund
dafür war der Wunsch, möglichst keinen Interessierten abzuweisen und die in langer Arbeit
aufgebaute Kooperation mit den Organisatoren von Gruppenbesuchen nicht zu beeinträchtigen. Denn hat sich ein Veranstalter erst einmal umorientiert, ist es naturgemäß schwer, ihn
als „Kunden“ zurückzugewinnen.
Dass die Verlegung der gesamten Logistik des Besucherdienstes wie Telefonzentrale, Besucherdatenbank, Empfangstresen etc. ohne größere Komplikationen bewerkstelligt wurde,
war eine enorme Leistung. Auch bei den Führungen gab es keine größeren Störungen – obwohl sich die Besucher nun zuerst in einem anderen Gebäude anmelden und dann einen
längeren Weg über die Straße zum früheren Gefängniseingang zurücklegen mussten. Da der
Besucherdienst nicht mehr direkt vor Ort saß, konnte er bei Problemen auch nicht mehr sofort eingreifen. Dem Engagement der Haustechniker, des Besucherdienstes, der Referenten
sowie des zusätzlich eingesetzten Wachpersonals am Gedenkstätteneingang war es zu verdanken, dass die Zeit des Umbaus weitgehend reibungslos bewältigt werden konnte.
Zu den Aufgaben des Besucherdienstes zählt ein ganzes Bündel an Tätigkeiten – von telefonischen Auskünften über die Anmeldung von Gruppen bis hin zur Organisation der zahlreichen Führungen. Normalerweise melden sich die Besuchergruppen telefonisch, per Fax oder
über ein Anmeldeformular auf der Website der Gedenkstätte an. Der Besucherdienst prüft
dann die Anfragen, bestätigt sie und teilt einen oder mehrere Referenten für die Führung ein.
Alle Anfragen, Anmeldungen und Buchungen werden in einer zentralen Datenbank festgehalten, ebenso Vermerke über die Bezahlung.
Zur Tätigkeit des Besucherdienstes gehört auch die Betreuung der Besucher vor Ort. Gruppen und Einzelbesucher werden von ihm in Empfang genommen und an den jeweiligen Ort
geführt, wo die Führung beginnt. Meist war dies ein großer Seminarraum, in dem zunächst
der Einführungsfilm gezeigt wurde. Die Mitarbeiter übernahmen auch das Kassieren des Führungsentgeltes bzw. die Rechnungslegung. Für alle sonstigen Probleme – vom Anruf einer im

Besucherbetreuung

Stau stehenden Gruppe über die Beschreibung des Weges zur Toilette bis hin zu Literaturempfehlungen – standen sie den Besuchern ebenfalls zur Verfügung.
Während die organisatorische Betreuung der Besucher an eine externe Firma ausgelagert
wurde, erfolgte die Einteilung der verschiedenen Referenten durch fest angestellte Mitarbeiter der Gedenkstätte. Bei der Führungsaufteilung handelt es sich um einen sensiblen Vorgang,
der möglichst in den Händen der Stiftung liegen sollte. So bedarf es eines gewissen Fingerspitzengefühls, den unterschiedlichen Gruppen den „passenden“ Referenten zuzuweisen.
Zu Beginn des Berichtszeitraums sah sich die Gedenkstätte allerdings vor erhebliche Probleme gestellt, weil die Firma, die den Besucherdienst bis dahin organisiert hatte, überraschend den Vertrag kündigte. Um den Betrieb aufrecht erhalten zu können, wurde seit Januar
2011 händeringend nach einem Unternehmen gesucht, das kurzfristig den Besucherdienst
– und möglichst auch die bisher eingesetzten Mitarbeiter – übernehmen könnte. Zum Glück
wurde mit der Firma WWS Strube ein qualifizierter Dienstleister gefunden, der ab Mai 2011
zunächst im Wege der Arbeitnehmerüberlassung das bisherige Personal weiter beschäftigte.
Ab Oktober 2011 wurde dann mit dem Unternehmen ein Dienstleistungsvertrag abgeschlossen, weil dies für die Gedenkstätte kostengünstiger war. Die Kosten lagen dennoch bei über
130 000 Euro pro Jahr. Wie das positive Feedback vieler Besucher zeigt, funktionierte der Besucherdienst aber – trotz der höheren Belastungen durch Umzug und des weiteren Anstiegs
der Besucherzahlen – mit dem neuen Dienstleister ganz hervorragend.
Um der gestiegenen Nachfrage nach Führungen gerecht zu werden, mussten in den Jahren 2011 und 2012 weitere Besucherreferenten hinzugewonnen werden. Vor ihrem ersten Einsatz müssen diese zunächst eine Zeit lang hospitieren und dann eine Probeführung absolvieren. Auf diese Weise – sowie durch regelmäßige Hospitationen – soll garantiert werden, dass
die fachlichen und methodischen Qualitätsstandards bei den Führungen eingehalten werden.
Ende 2012 waren insgesamt 80 Referenten für die Gedenkstätte tätig (2010: 71). 42 von
ihnen (2010: 45) verfügten über eigene Hafterfahrungen in der DDR. Trotz des Ausscheidens
einiger älterer Referenten konnte die Stiftung im Berichtszeitraum weiterhin keinen Mangel
an geeigneten Zeitzeugen verzeichnen – dazu hat die SED zu viele Menschen aus politischen
Gründen eingesperrt.
Für die meisten ehemals Verfolgten ist die Arbeit in der Gedenkstätte keine Belastung,
sondern eine außerordentlich befriedigende Tätigkeit. Die Zeit ihrer Verfolgung erhält dadurch
im Nachhinein einen neuen, positiven Sinn. In Hohenschönhausen bekommen sie täglich ein
ungewöhnlich hohes Maß an Interesse und Anerkennung. Die Arbeit in der Gedenkstätte hilft
ihnen auch, die durch die Haft verursachten Verletzungen zu verarbeiten. Die meisten haben
sich so zu rhetorisch und fachlich überaus qualifizierten Geschichtsvermittlern entwickelt und
verfügen über eine große persönliche Ausstrahlung.
Da in der DDR kaum westliche Fremdsprachen gelehrt wurden, kann die Gedenkstätte
allerdings kaum auf Zeitzeugen zurückgreifen, die Englisch, Französisch oder Spanisch sprechen. Um dennoch der steigenden Nachfrage nach fremdsprachigen Führungen nachkommen
zu können, hat die Stiftung im Berichtszeitraum deshalb verstärkt jüngere Historiker und Politikwissenschaftler eingesetzt. Dadurch konnten Rundgänge auf Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch, Norwegisch, Dänisch, Niederländisch, Portugiesisch und erstmals auch auf
Ungarisch angeboten werden.
Im Vergleich zu früheren Jahren ist der Anteil der Einsätze von Historikern bei den Führungen deutlich gestiegen – von 3 795 (2010) auf 7 100 (2012). Dies hängt vor allem mit der
Zunahme ausländischer Besuchergruppen zusammen, aber auch mit gesundheitlichen Prob-

15

16

Dr. Dietmar Woidke (rechts), SPD,
brandenburgischer Innenminister und heutiger
Ministerpräsident des Landes Brandenburg, mit
Gedenkstättendirektor Dr. Hubertus Knabe

Andreas Geisel, SPD-Bezirksbürgermeister von
Berlin-Lichtenberg (Mitte), und die frühere DDROppositionelle Vera Lengsfeld

Ralf Wieland, Präsident des Berliner
Abgeordnetenhauses (rechts), SPD, und der
Zeitzeuge Michael Lotsch

Besucherbetreuung

lemen einzelner Zeitzeugen. Die Zahl der Führungen durch ehemals Verfolgte
hat sich demgegenüber von 12 250 (2010) auf 11 400 (2012) leicht verringert.
Mit etwa 62 Prozent übernahmen sie aber nach wie vor den größeren Teil der
Rundgänge. Weitere 19 Führungen – sowie eine Reihe von Rundgängen mit
Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens – wurden 2012 von Angestellten der
Gedenkstätte absolviert.
Die Besucherreferenten erhielten für eine 90-minütige Führung in deutscher Sprache 39 Euro. Für einen fremdsprachigen Rundgang zahlte ihnen die
Gedenkstätte 42 Euro. Durch die große Zahl an Führungen summierten sich die
Ausgaben für die Honorare im Berichtszeitraum auf einen Gesamtbetrag von
fast 1,5 Millionen Euro. Sie überstiegen damit um mehr als 200 000 Euro die
bereits sehr hohen Kosten im Zeitraum 2009/2010 (knapp 1,3 Millionen Euro).
Durch die moderate Anhebung der Führungsentgelte für Erwachsene von
vier auf fünf Euro (ermäßigt 2,50 Euro) sowie durch die Einführung eines Unkostenbeitrages von einem Euro für Schüler im Jahr 2010 kam es im Berichtszeitraum aber glücklicherweise nicht mehr zu Zahlungsproblemen aufgrund der
gestiegenen Besucherzahlen (siehe Haushalt). Allerdings sind die Honorarsätze
– wie auch die Gehälter der fest angestellten Mitarbeiter – seit Jahren unverändert geblieben, was bei einer Reihe von Referenten Unzufriedenheit ausgelöst
hat. Verstärkt wurde diese durch die saisonalen Schwankungen der Besucherzahlen, wodurch sich die Einnahmen der Referenten in den besucherarmen
Wintermonaten stark verringern. Für Verdruss sorgte auch, dass die Referenten
nicht nur Einkommenssteuer, sondern auch 19 Prozent Umsatzsteuer auf ihre
Einnahmen abführen müssen, sofern diese 17 500 Euro pro Jahr übersteigen.
Um die Besucherreferenten fortzubilden, wurden regelmäßig spezielle Veranstaltungen angeboten. Im Berichtszeitraum organisierte die Gedenkstätte
zum Beispiel Besichtigungen der Justizvollzugsanstalt Moabit und des Justizvollzugskrankenhauses Berlin. Ziel war es, einen Eindruck vom Umgang mit
Häftlingen in der heutigen Bundesrepublik zu bekommen. Der direkte Vergleich
ließ die Besonderheiten der Stasi-Untersuchungshaft besonders scharf hervortreten, sodass den Besuchern der Unterschied zwischen Diktatur und Demokratie noch besser deutlich gemacht werden konnte. Eine weitere Besichtigung
führte in die Russische Botschaft, die zu DDR-Zeiten das heimliche Machtzentrum der SED-Diktatur war.
Die Referenten wurden auch methodisch und psychologisch weitergebildet. So ging es in einer Veranstaltung mit dem Berliner Psychotherapeuten Dr.
Stefan Trobisch-Lütge von der Beratungsstelle für politisch Traumatisierte der
SED-Diktatur „Gegenwind“ um emotionale Belastungen, die die Rundgänge
durch die ehemalige Haftanstalt verursachen können – insbesondere wenn die
Referenten unerwartet auf schwierige Gruppen oder Personen stoßen. Dreibis viermal im Jahr fanden zudem allgemeine Treffen der Besucherreferenten
statt, bei denen über aktuelle Entwicklungen und Probleme gesprochen wurde.
Seit 2011 wurden diese durch einen alle zwei Monate stattfindenden Erfahrungsaustausch mit der Pädagogischen Arbeitsstelle ergänzt. Dabei ging es vor
allem um Probleme beim Umgang mit schwierigen Schülern oder Besuchern,
die über keinerlei Vorwissen verfügen.

Besucherbetreuung

17

Prominente Besucher
Im Berichtszeitraum haben auch zahlreiche Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens die Gedenkstätte aufgesucht. Mit ihrem Besuch wollten sie sich in
der Regel nicht nur ein Bild vom System politischer Verfolgung in der DDR verschaffen, sondern auch die Bedeutung der Gedenkstätte und ihrer Aufklärungsarbeit unterstreichen. Hinzu kam eine deutlich gewachsene Zahl hochrangiger
Gäste aus dem Ausland, die sich das ehemalige Stasi-Gefängnis anschauen
wollten, um sich Anregungen für die Aufarbeitung ihrer eigenen Vergangenheit
zu holen (siehe Internationale Kooperationen).
Unter den prominenten Besuchern aus Deutschland machte im Januar 2011
eine Delegation der hessischen und bayerischen Staatskanzlei den Anfang. Am
13. April folgte CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe, dessen Eltern selbst aus
der DDR geflüchtet waren. Am 6. Juli besuchte die deutsch-maltesische Parlamentariergruppe des Bundestages die Gedenkstätte. Am 17. August ließ sich
Brandenburgs Innenminister Dr. Dietmar Woidke (SPD), der heutige Ministerpräsident, durch die ehemalige Haftanstalt führen – und setzte damit auch ein
Zeichen in der Debatte um stasibelastete Polizisten in seinem Bundesland. Am
16. Februar 2012 kam die hessische Kultusministerin Dorothea Henzler (FDP)
in die Gedenkstätte. Hessen ist bislang das einzige Bundesland, das Schülerfahrten in die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen finanziell fördert. Wenig
später, am 24. Februar, absolvierte der neu gewählte Bezirksbürgermeister von
Berlin-Lichtenberg, Andreas Geisel (SPD), seinen Antrittsbesuch. Nach jahrelangen Schwierigkeiten mit dem bis dahin von der Linkspartei geführten Bezirk war dies ein wichtiges Signal, dass die Repräsentanten des Stadtbezirks
mit seinen fast 270 000 Einwohnern die Arbeit der Gedenkstätte respektieren
und unterstützen. Im Mai kam der neu gewählte Präsident des Berliner Abgeordnetenhauses, Ralf Wieland (SPD), um an die gute Zusammenarbeit der
Gedenkstätte mit seinem Vorgänger Walter Momper (SPD) anzuknüpfen. Im
selben Monat erschien auch der neue kulturpolitische Sprecher der CDU im
Berliner Abgeordnetenhaus, Stefan Schlede. Als Anschauungsobjekt für den
Überwachungsstaat diente das ehemalige Stasi-Gefängnis wenig später dem
Bundesbeauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit, Peter Schaar,
mit seinen Mitarbeitern. Am 21. November stattete schließlich der Präsident
des Landtages von Schleswig-Holstein, Klaus Schlie (CDU), der Gedenkstätte
einen Besuch ab.
Noch länger ist die Liste der prominenten Besucher aus dem Ausland. Den
Auftakt machte am 15. März 2011 der Präsident des Oberösterreichischen
Landtages, Friedrich Bernhofer. Am 12. Juli folgte der Innenminister der tunesischen Übergangsregierung, Habib Essid. Am Folgetag ließ sich der Innenminister des Baskenlandes, Rodolfo Ares, mit einer Parlamentarierdelegation das
frühere Stasi-Gefängnis zeigen. Am 28. November besuchte der Justizminister
Dänemarks, Morten Bødskov, die Gedenkstätte. Darüber hinaus kamen 2011
die Botschafter Italiens, Kanadas und der Vereinigten Staaten von Amerika in
den ehemaligen Haftort. Ein besonderes Ereignis war der Besuch des Präsidenten des polnischen Instituts für Nationales Gedenken, Lukasz Kaminski. In

Jean-Claude Mignon, Präsident der Parlamentarischen Versammlung des Europarates (2. von
rechts) mit Vertretern der Gedenkstätte

Dr. Lukasz Kaminski, Leiter des polnischen
Instituts für Nationales Gedenken (rechts), in
Begleitung des Bundesbeauftragten für die
Stasi-Unterlagen, Roland Jahn (links)

Hermann Gröhe, Generalsekretär der CDU
(rechts), mit Direktor Dr. Hubertus Knabe

18

Saïd Mechichi, Staatssekretär für Reformen
beim tunesischen Innenminister (rechts) mit
Gedenkstättendirektor Dr. Hubertus Knabe
(links) und Projektleiter Hamza Chourabi

Ridha Ibn Mahmoud, tunesischer
Staatssekretär für Justiz

Besucherbetreuung

Begleitung des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn, und
des polnischen Botschafters, Marek Prawda, legte er am 1. Dezember 2011 am
Gedenkstein für die Opfer kommunistischer Gewaltherrschaft im Innenhof der
Gedenkstätte einen Kranz nieder. Ins Gästebuch schrieb er anschließend: „Ich
bin sehr beeindruckt von dem, was ich hier gesehen habe. Es geht mir sehr
nahe. Und mir tut es leid, dass wir in Polen keine solche Einrichtung haben, in
der man Geschichte so emotional erzählen kann. Ich werde mich dafür einsetzen, dass auch in Polen solch eine Gedenkstätte entsteht.“
Mit Unterstützung des Auswärtigen Amtes konnte die Gedenkstätte 2012
ihr Engagement für eine Aufarbeitung der Diktaturvergangenheit in Tunesien
weiter intensivieren. Im Rahmen eines Drittmittelprojektes besichtigten im Februar und im Oktober zwei Delegationen mit Menschenrechtsvertretern und
Regierungsmitgliedern das ehemalige Stasi-Gefängnis. Am 7. Juni kam auch
der tunesische Staatssekretär für Justiz, Ridha Ibn Mahmoud, mit seinen engsten Mitarbeitern. Der Staatssekretär für Reformen beim Innenminister der Tunesischen Republik, Saïd Mechichi, ließ sich am 13. September die einstige
Haftanstalt zeigen. Anders als bei normalen Führungen wurden den Gästen
auch die im Umbau befindlichen Teile der Gedenkstätte gezeigt, um ihnen einen Eindruck vom geplanten Ausbau zu verschaffen. Vor einem ähnlichen Hintergrund besichtigte am 26. Juni 2012 der stellvertretende Innenminister Bulgariens, Veselin Vuchkov, die Gedenkstätte. Protokollarischer Höhepunkt war
schließlich der Besuch des Präsidenten der Parlamentarischen Versammlung
des Europarates, Jean-Claude Mignon, der am 21. November 2012 die ehemalige Stasi-Haftanstalt besichtigte. Das von ihm repräsentierte europäische
Gremium, in dem auch Nicht-EU-Staaten vertreten sind, hat im Gegensatz zum
EU-Parlament schon vor vielen Jahren zwei wegweisende Resolutionen zur
Aufarbeitung des Kommunismus verabschiedet.
Zu den genannten internationalen VIP-Besuchern kamen noch viele ausländische Wissenschaftler, Experten, Diplomaten oder Journalisten, die hier
nicht alle namentlich aufgezählt werden können. Für Institutionen wie das Auswärtige Amt, das Goethe-Institut, die Konrad-Adenauer-Stiftung, die HeinrichBöll-Stiftung, die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) oder
die Deutsche Stiftung für Internationale Rechtliche Zusammenarbeit (IRZ), die
derartige Delegationen oftmals betreuen, ist die Gedenkstätte fast immer ein
wichtiger Programmpunkt.

Buchhandlung
Für die Besucher der Gedenkstätte steht auf dem Gelände der ehemaligen Haftanstalt seit mehreren Jahren die „Buchhandlung ´89“ zur Verfügung.
Das wirtschaftlich unabhängige Unternehmen erinnert nicht nur mit seinem
Namen an die Friedliche Revolution von 1989, sondern bietet den Besuchern
eine umfangreiche Auswahl an Veröffentlichungen zur DDR-Geschichte, zum
Kommunismus und zu ähnlichen Themen. Das Angebot reicht von biografischer
Literatur über populärwissenschaftliche Darstellungen zum Staatssicherheitsdienst und zur SED bis hin zu Fachbüchern mit speziellen Fragestellungen. Die

Besucherbetreuung

19

Blick in die Buchhandlung
´89 im Interimsquartier
Genslerstraße 13a

Besucher können hier auch die Publikationen der Stiftung erwerben, was für die Gedenkstätte
den Vorteil hat, dass sie nicht selbst mit dem personalintensiven Verkauf belastet ist. Vor allem Einzelbesucher nutzen die Gelegenheit, in dem umfangreichen Angebot zu stöbern und
durch Bücher das Gehörte zu Hause zu vertiefen. Dem Buchladen ist ein Café angegliedert,
das nach dem Faschismus- und Kommunismuskritiker Arthur Koestler benannt ist. Es bietet
den Besuchern die Möglichkeit, nach oder vor der Führung in der Gedenkstätte noch etwas
zu verweilen. Nach den Rundgängen durch die frühere Haftanstalt entstanden hier oft noch
anregende Gespräche. Außerdem konnten Gäste und Besucherreferenten Wartezeiten überbrücken. Der Buchladen übernahm auch den Verkauf der Eintrittskarten an Einzelbesucher,
was für die Gedenkstätte eine erhebliche Entlastung bedeutete. Bei Veranstaltungen stellte
die Buchhandlung zudem oft themenbezogene Büchertische zusammen.
Wegen des Umbaus der Gedenkstätte musste die Buchhandlung im August 2011 ebenfalls in das Interimsquartier in der Genslerstraße 13a umziehen. Für die Besucher hatte das
den Vorteil, dass Empfang, Informationszentrum, Buchladen und Café nun in unmittelbarer
räumlicher Nähe zueinander untergebracht waren. Die Buchhandlung erlitt durch den Umzug allerdings erhebliche Umsatzeinbußen, da deutlich weniger Besucher als früher nach der
Führung in den nun weit entfernten Buchladen gingen. Während vor dem Umzug die Zahl der
verkauften Bücher in den besucherstarken Monaten bei über 500 pro Monat lag, sanken die
Verkaufszahlen in den neuen Räumlichkeiten um über 50 Prozent.

Besucherreaktionen
Für die meisten Menschen ist der Besuch im ehemaligen Stasi-Gefängnis ein besonderes
und teilweise sogar prägendes Erlebnis. Viele von ihnen haben deshalb das Bedürfnis, ihre
Betroffenheit mitzuteilen. In zahlreichen Briefen, E-Mails und Gästebucheinträgen dankten sie
„ihrem“ Referenten oder der Gedenkstätte und beschrieben, wie sehr sie der Besuch berührt
oder nachdenklich gemacht habe. Oftmals schrieben Besucher auch persönlich an den Refe-

20

Besucherbetreuung

renten, der sie durch die ehemalige Haftanstalt geführt hatte. Nur in seltenen Fällen wollten
sie auch Kritik loswerden (siehe Anhang: Besucherstimmen).
Die Besucherreaktionen wurden alle in einer Datenbank erfasst. Demnach gingen im Berichtszeitraum mehr als 1 600 Äußerungen ein, die zum allergrößten Teil ausgesprochen positiv gehalten waren. Wenn Kritik geäußert wurde, dann betraf dies in der Regel technische
oder organisatorische Probleme, manchmal vertraten Besucher auch abweichende politische
Meinungen zur DDR. Briefe von Besuchern wurden, wann immer möglich, an den jeweiligen Besucherreferenten weitergeleitet und individuell beantwortet. Besonders gewissenhaft wurde Kritik und Beschwerden nachgegangen, um eventuell bestehende Probleme oder
Missstände zu beseitigen. Obwohl die Mitarbeiter der Gedenkstätte manchmal an die Grenze
ihrer Belastbarkeit gelangten, sollten die Besucher – wie alle anderen, die sich an die Stiftung
wandten – immer das Gefühl haben, dass ihre Überlegungen und Anliegen
ernst genommen werden.
Die meisten Besucher zeigten sich von der Führung außerordentlich beeindruckt. Vor allem die Begegnung mit einem Zeitzeugen beschäftigte sie
noch lange. „Es war bewegend, schockierend, informativ, offen, persönlich“,
heißt es zum Beispiel in einer typischen Besucherreaktion. „Ich hätte ihm noch
stundenlang zuhören können.“ Oft brachten die Besucher zum Ausdruck, wie
nachdenklich sie der Besuch im ehemaligen Stasi-Gefängnis gemacht hätte
und dass sie nun „den Wert der freiheitlichen Demokratie nach dieser Führung
mehr als zuvor“ zu schätzen wüssten. Erst durch den Besuch hätten sie wirklich begriffen, „welch wahrhaftig hohe Werte Freiheit, Menschenwürde und
Rechtsstaatlichkeit darstellen. Und dass diese Werte nicht selbstverständlich,
sondern schutzbedürftig sind“. Viele Besucher zeigten sich auch schockiert, so
wenig über die Zustände in der DDR gewusst zu haben. „Ich […] bin schwer
beeindruckt. Nicht nur, weil er die Führung ganz toll, lehrsam gestaltet hat, sondern weil ich Ihre Arbeit ganz toll und wichtig finde. An den Fragen der Teilnehmer der Gruppe hat man feststellen können, wie wenig Ahnung die Menschen
doch von der eigenen Geschichte haben.“
Die positive Resonanz auf die Führungen und der Wunsch, die Arbeit der
Gedenkstätte zu unterstützen, spiegelten sich auch in der Spendenbereitschaft
der Besucher wider. Während 2010 gut 40 000 Euro an Spenden eingingen,
sank der Betrag 2011 auf knapp 29 000 Euro und stieg 2012 wiederum auf
mehr als 33 000 Euro an (siehe Haushalt). Weitere Spenden und Mitgliedsbeiträge erreichten den Förderverein der Gedenkstätte (siehe Förderverein).
Gästebucheinträge von
Besuchern

21

Besucherbetreuung

Anfragen erhielt die Gedenkstätte nicht nur vonseiten der Besucher, sondern auch von
vielen anderen Menschen. Insbesondere ehemals politisch Verfolgte baten die Stiftung häufig
um Informationen oder um Unterstützung. Kritiker der SED-Diktatur wiesen auf Missstände
bei der Aufarbeitung der Vergangenheit hin. Viele Journalisten suchten Hilfe bei Recherchen.
Die Gedenkstätte ist für viele zu einer der wichtigsten Anlaufstationen geworden, wenn es
um die Opfer des Kommunismus in Deutschland geht.

Besucherforschung
Um mehr über ihre Besucher zu erfahren, betreibt die Gedenkstätte seit Jahren eine intensive Besucherforschung. Dafür wird vor allem die zentrale Datenbank des Besucherdienstes systematisch ausgewertet. Sie erfasst neben den absoluten Besucherzahlen auch Alter,
Wohnort und den organisatorischen Hintergrund der Gruppenbesucher. Individualbesucher,
die in der Regel keine näheren Angaben hinterlassen, können dagegen nur als Gesamtzahl
registriert werden.
Seit Gründung der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen sind die Besucherzahlen kontinuierlich gestiegen (Abb. 1) – von anfangs 3 000 (1994) auf inzwischen fast 354 000 (2012)
pro Jahr. Im Vergleich zu den Besucherzahlen im Jahr 2000, als die Stiftung gegründet wurde
und weniger als 68 000 Menschen die Gedenkstätte besuchten, ist das ein enormer An400.000

350.000

300.000

250.000

200.000

150.000

100.000

50.000

0
1994

1995

1996

1997

1998

1999

2000

2001

2002

2003

2004

2005

2006

2007

2008

2009

2010

2011

2012

Abb. 1: Jährliche
Besucherzahlen
(1994-2012)

22

Besucherbetreuung

stieg und ein unerwarteter Erfolg. Während im Jahr 2011 exakt 342 408 Besucher kamen,
erhöhte sich ihre Zahl 2012 noch einmal um mehr als 10 000 auf 353 828. Seit Beginn der
Zählungen 1994 haben damit 2 740 231 Interessierte das ehemalige Stasi-Gefängnis besucht.
Unübersehbar ist allerdings, dass die jährlichen Zuwachsraten seit 2010 abflachen. In absoluten Zahlen ist das Wachstum mit rund 11 000 zusätzlichen Besuchern pro Jahr zwar immer
noch beeindruckend, doch in Relation zur Gesamtzahl ist die Steigerung seit 2010 nur noch
gering. Während sie 2009 – dem 20. Jahrestag der Friedlichen Revolution – bei 26,3 Prozent
lag, schrumpfte sie 2010 auf 5,5 Prozent; 2011 und 2012 betrug sie jeweils nur noch rund 3,3
Prozent. Ursache dafür ist vor allem, dass die Kapazitätsgrenzen der Gedenkstätte erreicht
sind. Immer früher sind ganze Tage ausgebucht, immer häufiger können Besucherwünsche
nicht erfüllt werden, weil das ehemalige Gefängnis nur eine begrenzte Anzahl von Personen
aufnehmen kann. Das Problem konnte auch durch die in den besucherstarken Monaten um
eine Stunde verlängerten Öffnungszeiten nicht beseitigt werden.
Besonders bedeutsam ist die Zahl der Einzelbesucher, da diese jeweils individuell entscheiden, ob sie die Gedenkstätte aufsuchen. Auch hier zeigt sich eine Abflachung der
Zuwachsraten, wobei die Jahre 2009/2010 mit ihren zahlreichen Feierlichkeiten und Medienberichten zum 20. Jahrestag von Friedlicher Revolution und Wiedervereinigung eine Art
Ausreißer darstellen. Lag die Zahl der Einzelbesucher 2008 noch bei 48 500, stieg sie bis 2010
auf mehr als 71 000, was einen Zuwachs von 47 Prozent bedeutete. 2011 erhöhte sie sich
dann noch einmal auf über 75 000 (plus 5,7 Prozent), während 2012 mehr als 76 000 Spontanbesucher kamen (plus 1,3 Prozent). Dass der Anteil der Individualbesucher in den letzten drei
Jahren mit rund 22 Prozent des Gesamtbesucheraufkommens in etwa gleich geblieben ist,
50.000

45.000

40.000

35.000

30.000

2010
2011

25.000

2012
20.000

15.000

10.000

5.000

Abb. 2: Besucherzahlen im
Jahresverlauf (2010-2012)

0
Jan

Feb

März

April

Mai

Juni

Juli

Aug

Sep

Okt

Nov

Dez

23

Besucherbetreuung

könnte ein Indiz dafür sein, dass die Abflachung der allgemeinen Steigerungsraten nicht nur
an den ausgebuchten Gruppenführungen liegt. Möglicherweise ist langsam auch eine natürliche „Sättigungsgrenze“ erreicht, zum Beispiel weil ein Großteil der potentiell interessierten
Berliner die Gedenkstätte bereits besucht hat.
Das Besucheraufkommen unterlag, wie schon in den Vorjahren, starken saisonalen
Schwankungen. Von Mai bis Oktober konnten sowohl 2011 als auch 2012 erneut Rekordzahlen
verzeichnet werden. Einzige Ausnahme bildete der Monat August, der aufgrund der Schulferien und der damit ausbleibenden Schulklassen eher schwach besucht war. Auch die traditionell
besucherschwachen Wintermonate wiesen im Berichtszeitraum ein nicht unerhebliches Besucheraufkommen auf, sodass selbst im Dezember noch mehr als 11 000 Besucher gezählt
wurden. Der absolute Monatsrekord aller Zeiten wurde mit 45 158 Besuchern im Oktober
2012 verzeichnet (Abb. 2).
Nicht nur während des Jahres, sondern auch im Wochenverlauf wies das Besucheraufkommen starke Schwankungen auf. Wie schon in den Vorjahren verzeichnete die Gedenkstätte zur Wochenmitte die meisten Besucher, während am Sonntag vergleichsweise wenige
Besucher kamen (Abb. 3). Die meisten Gruppen bevorzugen den Dienstag, Mittwoch oder
Donnerstag, während es relativ wenige Gruppenanmeldungen für Samstag oder Sonntag
gibt. Vor allem Schulklassen besuchten die Gedenkstätte am liebsten in der Wochenmitte.
Am Wochenende kamen dagegen vor allem Einzelbesucher, sodass, wie erwähnt, an diesen
Tagen stündlich öffentliche Rundgänge angeboten wurden.
Während die Herkunft der Einzelbesucher nicht erfragt wird, lässt sich aus den Daten der
Gruppen auch die regionale Zusammensetzung eines Großteils der Besucher feststellen. Im
80.000

70.000

60.000

50.000

40.000

30.000

20.000

10.000

0
Montag

Dienstag

Mittwoch

Donnerstag

Freitag

Samstag

Sonntag

Abb. 3: Verteilung
der Besucher auf die
Wochentage (2012)

24

Besucherbetreuung

Berichtszeitraum setzte sich der seit Längerem zu beobachtende Trend fort, dass die deutschen Gruppenbesucher zu einem großen Teil aus den alten Bundesländern stammten: 85
Prozent im Jahr 2011 und 87 Prozent im Jahr 2012 (ohne Berücksichtigung der Einzelbesucher
und der ausländischen Besucher). Absoluter Spitzenreiter war dabei Nordrhein-Westfalen mit
rund 44 000 Besuchern im Jahr 2012, gefolgt von Bayern (40 000) und Baden-Württemberg
(36 000) (Abb. 4). Aus Berlin stammten nur etwa neun (2011) bzw. 8,6 Prozent (2012). Aus den
neuen Bundesländern waren es noch weniger, nämlich sechs Prozent (2011) bzw. 4,4 Prozent
(2012).
Auch wenn man diese Zahlen in Relation zur Gesamtbevölkerung stellt, hat sich im Berichtszeitraum die paradoxe Entwicklung weiter verstärkt, dass sich vor allem Westdeutsche
für die Gedenkstätte im ehemaligen zentralen Stasi-Gefängnis interessieren. Berücksichtigt
man die Bevölkerungsgröße der Bundesländer, steht Berlin allerdings mit 6,1 Besuchern pro
1 000 Einwohner an der Spitze der Tabelle; es folgen Baden-Württemberg (4,1), Bayern (3,9)
sowie Niedersachsen und Schleswig-Holstein (jeweils 3,8). Schlusslichter sind die Länder
Mecklenburg-Vorpommern (1), Sachsen (0,9) und Sachsen-Anhalt (0,6) (Abb. 5). Ostdeutsche
Besuchergruppen ziehen bei Berlin-Fahrten offenbar andere Ziele als das ehemalige StasiGefängnis vor – was damit zusammenhängen könnte, dass sie beim Thema DDR befangener
sind als die mehr oder weniger unbeteiligten Westdeutschen oder dass sie bereits ähnliche
Orte in ihrer eigenen Region besucht haben.
Interessant ist auch eine Analyse der Gruppenbesucher auf ihre altersmäßige Zusammensetzung. Nach wie vor stellen junge Leute die Mehrheit der Gedenkstättenbesucher (Abb. 6)
– eine Entwicklung, von der andere Einrichtungen der historisch-politischen Bildung nur träumen können. So besuchten 2011 mehr als 197 000 Schüler das ehemalige Stasi-Gefängnis,
während es 2012 über 186 000 waren. Der Anteil der Schüler an der Gesamtbesucherzahl
80.000

70.000

60.000

50.000

40.000

30.000

20.000

10.000

0

Abb. 4: Besucher nach
Bundesland in absoluten
Zahlen (2012)

25

Besucherbetreuung

7,0

6,0

5,0

4,0

3,0

2,0

1,0

0,0

Abb. 5: Besucher nach Bundesland pro 1000 Einwohner
(2012)

(ohne Schüler, die als Einzelbesucher kamen) lag damit 2011 bei 57,6 Prozent und 2012 bei
52,7 Prozent. Die Tatsache, dass er auch schon in den Vorjahren zwischen 54 Prozent (2008),
50 Prozent (2009) und 56 Prozent (2010) schwankte, deutet darauf hin, dass der Rückgang im
Jahr 2012 keinen Trend markiert, sondern eher durch zufällige Faktoren wie die jeweilige zeitliche Lage der Schulferien ausgelöst wurde. Auf der anderen Seite liegt auf der Hand, dass der
relative Anteil der Schüler zurückgehen muss, wenn die von den Schulklassen bevorzugten
Tage immer öfter ausgebucht sind, während im von den Touristen bevorzugten Hochsommer
noch Kapazitäten frei sind.
Was zuvor über die regionale Zusammensetzung der Gruppenbesucher insgesamt gesagt wurde, zeigte sich auch bei der Herkunft der Schüler: Der Großteil der Schüler reiste
im Berichtszeitraum 2011/12 aus Westdeutschland an. Spitzenreiter war hier erneut Nordrhein-Westfalen mit zusammengerechnet fast 59 000 Jugendlichen, dicht gefolgt von Bayern
(58 000) und Baden-Württemberg (58 000). Aus Berlin kamen im Zeitraum 2011/12 dagegen
nur knapp 19 000 Schüler. Aus den ostdeutschen Ländern erschienen noch weniger – selbst

167.466
47,3%

Schüler allgemeinbildender
Schulen
Teilnehmer sonstiger
Besuchergruppen
186.362
52,7%

Abb. 6: Anteil der Schüler an
der Gesamtbesucherzahl,
ohne Einzelbesucher (2012)

26

Besucherbetreuung

wenn man die Zahlen ins Verhältnis zur Bevölkerungsgröße setzt: An der Spitze bei den Schülern standen bei dieser Berechnung Berlin (5,44 Schüler je 1000 Einwohner), Baden-Württemberg (5,40) und Niedersachen (4,95), wohingegen die Länder Mecklenburg-Vorpommern
(1,32), Sachsen-Anhalt (0,77) und Sachsen (0,57) weit abgeschlagen blieben.
Die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen zog freilich nicht nur zahlreiche inländische
Besucher an, sondern auch viele internationale Gäste. Da die Einzelbesucher nicht nach ihrer
Herkunft erfasst werden, liegen über sie leider keine Angaben vor. Allein die Zahl der ausländischen Gruppenbesucher stieg jedoch steil an – von knapp 29 000 im Jahr 2008 auf fast
46 000 im Jahr 2010 auf mehr als 69 000 Besucher im Jahr 2012. Das bedeutet einen Zuwachs im Berichtszeitraum um über 50 Prozent. Die ausländischen Gruppenbesucher liegen
damit nach den Schülern (2012: 186 000) und den Einzelbesuchern (2012: 76 000) auf Platz
3 der Besucherstatistik. Spitzenreiter unter den ausländischen Gruppenbesuchern waren im
Berichtszeitraum die skandinavischen Staaten Dänemark und Norwegen, gefolgt mit einigem
Abstand von den Niederlanden (Abb. 7). Erst dahinter kamen die großen EU-Staaten Großbritannien und Frankreich. Damit setzte sich der Trend der Vorjahre fort. Diese Zahlen deuten
darauf hin, dass Gruppen und Veranstalter, die einmal die Gedenkstätte für sich „entdeckt“
haben, weitere Besucher nach sich ziehen, während Länder, zu denen es wenige direkte Beziehungen gibt, auch weiterhin schwach vertreten bleiben.
18.000

16.000

14.000

12.000

10.000

8.000

6.000

4.000

2.000

Abb. 7: Herkunftsländer
ausländischer Gruppenbesucher (2012)

0
DK

N

NL

UK

F

CH

USA

B

S

A

27

Besucherbetreuung

An vierter Stelle der Besucherstatistik folgten die Gruppenbesucher aus Politik und Medien. Im Jahr 2011 ließen sich 32 500 Besucher dieser Kategorie zuordnen (9,5 Prozent), 2012
waren es 31 800 (9 Prozent). Wie in den vergangenen Jahren kamen viele auf Einladung ihres
örtlichen Bundestagsabgeordneten, die mit Unterstützung des Deutschen Bundestags eine
bestimmte Anzahl an Besuchergruppen nach Berlin einladen können. Für viele ist die Besichtigung der Gedenkstätte dabei ein unverzichtbarer Programmpunkt. Im Berichtszeitraum kamen insgesamt 1 387 Gruppen aus dem Bereich Politik in die Gedenkstätte. Die mit Abstand
meisten Gruppen kamen aus dem Umfeld der CDU/CSU (818), gefolgt von SPD (269), FDP
(184) und Bündnis90/Die Grünen (98); Schlusslicht bildeten die Partei Die Linke (17) und die
Piratenpartei (eine Gruppe). Vergleicht man die Anzahl der Gruppen mit der Sitzverteilung im
Bundestag, so ergibt sich ein interessantes Bild: Die CDU/CSU liegt mit 52,26 Prozent der
entsandten Gruppen deutlich über ihrer Fraktionsstärke im Bundestag (38,4 Prozent), während SPD und FDP mit 22,5 bzw. 15,5 Prozent in etwa auf ihre jeweilige Fraktionsstärke
kamen (23,5 bzw. 15 Prozent). Bündnis 90/Die Grünen und Die Linke lagen hingegen zum Teil
weit unter ihrem Anteil im Bundestag.
Die restlichen Gruppenbesucher verteilten sich auf mehrere quantitativ weniger bedeutsame Kategorien. So blieb der Anteil privater Reiseveranstalter gleichbleibend bei einem Wert
von drei Prozent (Abb. 8). Dagegen ist der Anteil der Gruppen aus Militär, Polizei, Justiz und
Feuerwehr im Jahr 2012 auf zwei Prozent zurückgegangen (2011: 6 749 Besucher; 2012: 6 216
Besucher), ohne dass dafür eine eindeutige Ursache auszumachen ist.

Bildungseinrichtungen
61%

Polizei, Justiz und Feuerwehr
Gewerkschaften, Verbände, Vereine
Politik und Medien
Kirche
Militär

22%

Reiseveranstalter und private
Reisegruppen
2%

1%
3%

1%

0%

9%

1%

Sonstige
Öffentliche Rundgänge
Abb. 8: Herkunft der
Gruppenbesucher (2012)

28

Ausstellungen

Ausstellung „Der weiße Strich“
über eine Kunstaktion WestBerliner Jugendlicher

Ausstellungen
Es gehört zu den gesetzlichen Aufgaben der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen,
auch mit Ausstellungen zur kritischen Auseinandersetzung mit der SED-Diktatur anzuregen.
Im Berichtszeitraum war die Stiftung vor allem mit der Planung und Realisierung der neuen
Dauerausstellung befasst. Ab Oktober 2013 steht diese den Besuchern als zusätzliches Informationsangebot neben den Führungen zur Verfügung. Um dies zu ermöglichen, mussten
zunächst umfangreiche Umbauten vorgenommen werden, was den vorübergehenden Auszug der Gedenkstätte in ein Ausweichquartier erforderlich machte. Ab August 2011 gab es
deshalb nur noch in begrenztem Maße Räume für Wechselausstellungen und die bis dahin
gezeigten ständigen Ausstellungen. Das größte und wichtigste Ausstellungsobjekt bildete
allerdings weiterhin die ehemalige Untersuchungshaftanstalt. Die weitgehend unverändert
erhaltene und vollständig unter Denkmalschutz stehende Anlage wurde im Berichtszeitraum
von fast 700 000 Menschen besichtigt.

Musealer Rundgang
Die Besucher der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen kommen in der Regel, um in
erster Linie das ehemalige Stasi-Gefängnis zu besichtigen. Das Areal mit den einschüchternden Außenmauern, den typischen DDR-Fußbodenbelägen, den grau gestrichenen Zellen, den
vergitterten Zellenfluren und den spießbürgerlichen Vernehmerbüros hat die Atmosphäre der
SED-Diktatur auf besondere Weise konserviert. Da das Gebäude nicht den baurechtlichen
Vorschriften für ein Museum entspricht, kann es jedoch nur im Rahmen von Führungen besichtigt werden.
Der museale Rundgang durch das Gefängnis, dessen Grundzüge bereits in den 1990erJahren durch eine Expertenkommission festgelegt wurden, folgt einer doppelten Dramaturgie. Zum einen beschreibt er anhand der Baulichkeiten die zeitlichen Phasen des Haftortes
Berlin-Hohenschönhausen: das Speziallager Nr. 3, das die sowjetische Geheimpolizei 1945
in dem leer stehenden Backsteingebäude einrichtete; die zentrale Untersuchungshaftanstalt
des sowjetischen Ministeriums für Staatssicherheit (MGB), die ab 1947 nach dem Einbau eines Zellentraktes hier existierte; und die zentrale Untersuchungshaftanstalt des DDR-Staatssicherheitsdienstes, der das Gebäude 1951 übernahm und es 1960 um einen vierstöckigen

Ausstellungen

29

Neubau ergänzte. Daneben zeigt der Rundgang den Besuchern aber auch die typischen Stationen eines Stasi-Gefangenen: von der Einlieferung in einem fensterlosen Transporter über
das spartanische Leben in der Zelle und die Dauerverhöre im Vernehmertrakt bis zum Abtransport nach der Verurteilung.
Um die authentische Atmosphäre zu erhalten, erfolgt die Information der Besucher nicht,
wie in anderen Gedenkstätten, durch Ausstellungen in den Zellen und Vernehmerräumen.
Nur an wenigen, unauffälligen Stellen wurde der Rundgang um einige Informationen ergänzt:
Auf zweisprachigen Tafeln (Deutsch und Englisch) werden an wichtigen Stationen wesentliche Fakten schriftlich zusammengefasst; Biografie-Stelen machen auf bedeutende Häftlingsschicksale aufmerksam. Textfahnen an den Außenfassaden geben den Besuchern zudem
Auskunft über die frühere Nutzung der Gebäude, und in der Umgebung der Gedenkstätte
befinden sich Tafeln, die die umliegenden Gebäude im ehemaligen Sperrgebiet Berlin-Hohenschönhausen erläutern.
Die eigentliche Informationsvermittlung erfolgt jedoch im Rahmen von Führungen. Der
Rundgang umfasste im Regelfall folgende Stationen, wobei einige Bereiche aufgrund der Sanierungsarbeiten im Berichtszeitraum zeitweise nicht zugänglich waren (siehe Bautätigkeit):

Einführung
Da das Vorwissen der Besucher, insbesondere von Jugendlichen, meist sehr gering ist,
erhalten sie vor Beginn der Führung normalerweise eine kurze Einführung in den Ort und seine Geschichte. Im Regelfall geschieht dies durch einen Einführungsfilm, in Ausnahmefällen
durch einen Vortrag. Dazu standen auch in der Zeit des Umbaus mehrere bestuhlte und mit
Beamern ausgestattete Vortragssäle zur Verfügung.

Eingangstor
Nach dem vorübergehenden Auszug der Gedenkstätte in ein Interimsquartier begann der
Rundgang in der Regel in dem gegenüberliegenden Gebäude mit einem kurzen Fußweg entlang der mächtigen Gefängnismauer. Die Besucher durchschritten dann gemeinsam das Eingangstor mit der alten Fahrzeugschleuse und erlebten zum ersten Mal bewusst, dass sie sich
in ein Gefängnis begeben. Das schwere Eisentor, die Gitterstäbe und der einschüchternde
funktionale Baukörper vermittelten einen ersten Eindruck von der Situation der Gefangenschaft.

Eingangstor des Gefängnisses
und Blick auf den Altbau aus
rotem Backstein

30

Ausstellungen

Speziallager
Der Rundgang führt danach normalerweise an dem großen, roten Backsteingebäude vorbei, in dem sich 1945/46 das sowjetische Speziallager Nr. 3
befand. Die Überreste des Lagers, in dem zeitweise über 4 200 Menschen
eingepfercht waren, sind nur noch von außen zu sehen. Der Innenbereich
wurde vom DDR-Staatssicherheitsdienst komplett umgebaut.

Kellergefängnis („U-Boot“)
Über eine Treppe gelangen die Besucher dann in den Keller des Gebäudes. Dort können sie das sowjetische Kellergefängnis besichtigen, das der
DDR-Staatssicherheitsdienst 1951 übernahm und bis 1960 als seine zentrale
Untersuchungshaftanstalt weiterführte. Insbesondere der Blick in den ersten
Zellengang mit der langen Reihe verschlossener Eisentüren macht die Situation der hier gefangenen Menschen sinnlich erfahrbar. Die Führung führt an
verschiedenen Zellen vorbei, die teilweise mit Pritschen, Kübeln und rekonstruierten Anlagen zur Geständniserzwingung ausgestattet sind.

Schleuse (Neubau)
Aus dem Kellergefängnis im Altbau werden die Besucher dann in das
Nachbargebäude geführt, ein Gefängnisneubau, den Häftlinge des benachbarten Arbeitslagers Ende der 1950er-Jahre errichten mussten. Bis Anfang 1990
diente das Gebäude dem Staatssicherheitsdienst als zentrale Untersuchungshaftanstalt. Bevor die Besucher die Fahrzeugschleuse betreten, können sie
durch einen Blick auf den sogenannten Rosenhof die Dimensionen der Haftanlage erfassen. Zugleich sehen sie den Gedenkstein für die Opfer der kommunistischen Gewaltherrschaft. Anschließend betreten sie die Schleuse, in
der die Inhaftierten früher ausgeladen wurden und in der heute ein OriginalDDR-Gefangenentransporter zu sehen ist.

Gummizellen
Über einen Treppenabgang können im Neubau die ehemaligen Gummizellen im Keller besichtigt werden, die der Staatssicherheitsdienst hier einbauen
ließ. Eine im Original erhaltene Zelle strömt bis heute den penetranten Geruch der schwarzen Gummiummantelung aus. Die Besucher erfahren hier,
wie das MfS die sogenannten Beruhigungsverwahrräume nutzte, um Gefangene ruhigzustellen oder zu disziplinieren.

Wachzentrale
Im Erdgeschoss führt der Rundgang zunächst an der ehemaligen Wachzentrale des Gefängnisses vorbei. Durch ein Fenster können die Besucher
einen Blick auf die Kontrollmonitore werfen, mit denen die Haftanstalt überwacht wurde. Auf dem Flur ist die primitive Alarmanlage aus Klingeldraht zu

Von oben nach unten: Mehrpersonenzelle im
Kellergefängnis, Fahrzeugschleuse, Gummizelle,
Überwachungsraum

Ausstellungen

31

sehen. Die Besucher nehmen nun denselben Weg, den auch die Untersuchungsgefangenen
bei ihrer Einlieferung durchliefen: Entkleidung, Durchsuchung, erkennungsdienstliche Behandlung und schließlich das erstmalige Betreten der Zelle.

Entkleidungsraum
Unmittelbar vor dem Zellentrakt befindet sich ein vergitterter Entkleidungsraum mit angeschlossener Kleiderausgabe. Hier mussten sich die Gefangenen vollständig ausziehen, einer Körperdurchsuchung unterziehen und alle persönlichen Gegenstände abgeben. An dieser
Stelle wird demonstriert, wie aus der Zivilperson ein Untersuchungshäftling wurde.

Zellentrakt
Im Zellentrakt können die Besucher in originale Zellen hineinschauen oder -gehen. Die
Zellen sind zum Teil mit Hocker, Tisch, Wandschrank, Pritschen, Decken und Bettzeug ausgestattet. Auf dem Flur sieht man die Ampelanlage und die Markierungen am Fußboden, mit
denen verhindert wurde, dass sich Häftlinge auf dem Weg zum Verhör begegneten.

Fotoraum
In diesem Raum wird das Prozedere der erkennungsdienstlichen Behandlung gezeigt:
Abnahme von Fingerabdrücken, Anfertigen eines „Verbrecherfotos“ und gegebenenfalls die
Erfassung von Tätowierungen.

Haftrichterraum
In dem original eingerichteten Raum saß ein DDR-Richter, der die Haftbefehle unterschrieb. Die Besucher können auch in einen kleinen Nebenraum gehen, in dem der Häftling
während der Prozedur hinter einem Gitter Platz nehmen musste.

Vernehmertrakt
In diesem Gebäudeteil, das direkt mit dem Zellentrakt verbunden ist, sind als Erstes die
Schreibzimmer zu sehen, in denen Zelleninformanten Spitzelberichte über Mithäftlinge schrieben. Anschließend stößt der Besucher auf die lange Flucht der Vernehmerräume. Die vielen
Türen versinnbildlichen die frühere Funktion der Haftanstalt als Ort „industriemäßiger“ Geständnisproduktion. Die Vernehmerräume sind mit historischem Mobiliar ausgestattet wie
Schreibtisch, Vernehmersessel, Beistelltisch, Büroschrank, Aktenpanzerschrank und Telefon.

Hofgangzellen
Am Ende des Rundgangs werden die Hofgangzellen des ehemaligen Haftkrankenhauses
besichtigt – im Häftlingsjargon „Tigerkäfige“. Da die Hofgangzellen der Untersuchungshaftanstalt 1990 stark vergrößert wurden, werden in der Regel die des Krankengefängnisses
gezeigt. Nur bei besonders starkem Besucherbetrieb werden auch die 1990 veränderten geöffnet. Nach längerer Sanierung sind sie seit April 2011 wieder zugänglich. In den Hofgangzellen des Haftkrankenhauses ist selbst der Himmel noch mit Maschendraht vergittert. Die
Beobachtungsbrücke, auf der früher ein bewaffneter Wachmann stand, ist im Original noch

Von oben nach unten: Ampelsystem im Zellentrakt, Zelle mit
Essensluke, Zelleninneres

32

Operationssaal und
Direktorenzimmer (rechts) im
Haftkrankenhaus

Ausstellungen

erhalten. Die unwirtliche Situation zwischen den grauen Mauern bildet den Schlusspunkt des
Rundgangs durch die frühere Haftanstalt.
Der ausgedehnte museale Rundgang muss von der Gedenkstätte täglich inspiziert werden. Durch die Besucher sowie aufgrund der schlechten Qualität des Bauwerkes und der
Möbel kommt es immer wieder zu Schäden. Kleinere Mängel wurden von der Gedenkstätte selbst repariert, größere der Senatsbauverwaltung und ab 2012 der seitdem zuständigen
Berliner Immobilien GmbH (BIM) gemeldet. Diese beauftragten dann entsprechende Handwerksunternehmen mit der Reparatur. Alle im Rundgang gezeigten Originalobjekte sind in
einer speziellen Datenbank erfasst und beschrieben (siehe Sammlungen).

Sonderführungen
Neben dem musealen Rundgang durch die ehemalige Untersuchungshaftanstalt hat die
Gedenkstätte auch Sonderführungen durch andere Bereiche angeboten. Insbesondere das
frühere Haftkrankenhaus und ein Original-DDR-Gefangenenwaggon können jeweils einmal in
der Woche besichtigt werden.

Gefangenenwaggon
Auf dem Gelände der Gedenkstätte steht der letzte existierende Gefangenensammeltransportwaggon (GSTW) der DDR. Der sogenannte Grotewohl-Express wurde für Gefangenenverlegungen zwischen verschiedenen Haftanstalten verwendet. Der Waggon, der durch
ein Dach geschützt und durch eine Rampe von außen erschlossen ist, zeigt, dass die Untersuchungshaftanstalt für die hier Inhaftierten keine „Endstation“ war. Nach ihrer Verurteilung
wurden sie vielmehr von hier aus in das ausgedehnte System des DDR-Strafvollzugs verbracht. Eine Erläuterungstafel mit Dokumenten, Fotos und Ansichten aus dem Wageninneren erschließt das Ausstellungsobjekt auch außerhalb der jeden Donnerstag angebotenen
Führungen.

Haftkrankenhaus
Nach längeren Sanierungsarbeiten konnte seit Mai 2011 auch das ehemalige Haftkrankenhaus des Staatssicherheitsdienstes wieder besichtigt werden. In dem Krankengefängnis
waren Häftlinge aus allen 17 Untersuchungshaftanstalten des MfS inhaftiert: angeschossene
Flüchtlinge, schwer erkrankte Häftlinge, Inhaftierte, die in den Hungerstreik getreten waren
oder unter einer Haftpsychose litten. Das Personal bestand aus MfS-Mitarbeitern, die eng
mit der Vernehmerabteilung zusammenarbeiteten. Das Gebäude, das ebenfalls unter Denkmalschutz steht, enthält zahlreiche historisch bedeutsame Räume wie Krankenzellen, Rönt-

Ausstellungen

genstation, Operationssaal, Behandlungsräume und Chefzimmer, die größtenteils original
eingerichtet sind.
Für die Führungen durch das Haftkrankenhaus wurde ein eigenes Curriculum entwickelt.
Das Gebäude wurde zudem mit einem Leitsystem versehen, das aus einer Orientierungstafel
im Eingangsbereich, diversen Raumbeschilderungen und Fototafeln besteht.

Küchentrakt und Sauna
Bei besonderen Anlässen wie der Langen Nacht der Museen oder dem Tag des offenen
Denkmals öffnete die Gedenkstätte auch Bereiche, die normalerweise für Besucher nicht
zugänglich sind. Dazu zählen insbesondere die Sauna für das MfS-Personal, die Gefängnisküchen und die Unterkünfte für männliche und weibliche Strafgefangene. Da diese Räume
über keine Fluchtwege verfügen, können sie nur im Rahmen von Sonderführungen gezeigt
werden.

Dauerausstellung
Wichtigstes Projekt der Gedenkstätte im Berichtszeitraum war die Erarbeitung einer
großen Dauerausstellung. Diese soll den Besuchern zusätzliche Informationen zum Haftort
Hohenschönhausen vermitteln. Die Projektgruppe unter Leitung von Gedenkstättendirektor
Dr. Hubertus Knabe bestand aus zwei wissenschaftlichen Mitarbeitern, einer Museologin und
zwei Hilfskräften. Eine weitere Mitarbeiterin wurde halbtags mit der Verwaltung des aufwändigen Projekts beschäftigt. Insgesamt stellten Bund und Land 3,29 Millionen Euro für die
Realisierung der Ausstellung zur Verfügung
2011 wurde das Ausstellungsdrehbuch weiter verfeinert und im Mai und November ausführlich im Beirat diskutiert. Zudem wurde der Gestaltungsentwurf des Architekturbüros HG
Merz debattiert, weiterentwickelt und schließlich ebenfalls dem Beirat vorgestellt. Im Dezember 2011 wurde der Entwurf freigegeben, sodass in den folgenden Monaten mit der Ausführungsplanung begonnen werden konnte.
Parallel dazu wurde intensiv nach aussagekräftigen Objekten, Fotos und Schlüsseldokumenten recherchiert. Sie wurden alle in einer Datenbank erfasst. Allein im Jahr 2011 wurden nahezu 1 200 neue Einträge vorgenommen oder bisherige Datensätze überarbeitet. Im
gleichen Zeitraum erwarb die Gedenkstätte 478 neue Exponate, darunter ein Konvolut zur
Nahkampfausbildung der Stasi, ein Original-Bandoneon des SED-kritischen Liedermachers
Stephan Krawczyk sowie einen Schießstand und zahlreiche Laborutensilien aus dem ehemaligen Kriminaltechnischen Institut des MfS.
Im Laufe des Jahres 2012 wurde das Drehbuch fertiggestellt und mit dem Abfassen der
Texte begonnen. In mehreren Beiratssitzungen wurden sie intensiv diskutiert und anschließend überarbeitet. In der Ausstellung werden rund 500 Exponate, über 300 historische Fotos

33

Strafgefangenenunterkünfte
der Frauen mit Küchenbereich
im Keller des Gefängnisneubaus

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Ausstellungen

Selbstgenähtes Briefkästchen von Renate Apel, Strafgefangene im Arbeitskommando der Frauen

Mantel des Schauspielers Heinrich George aus
dessen Haftzeit im Speziallager Nr. 3

Im Gulag Workuta selbst gefertigtes Besteck
des liberalen Politikers Hermann Becker
Röntgenaufnahme des Flüchtlings Dieter
Hötger nach einem Lungensteckschuss

Verbotsschilder aus Holz

Überwachungskamera

Porträt von Feliks Dzierzynski, Gründer der
sowjetischen Tscheka

Geruchsproben des Ministeriums für Staatssicherheit mit dazugehöriger Tasche

Ausstellungen

35

und zahlreiche Dokumente gezeigt. Darüber hinaus gibt es 100 Medienstationen. Zu den 2012
neu hinzugekommenen Exponaten zählt ein Transparent der Bürgerrechtlerin Vera Lengsfeld,
das das MfS 1988 auf der sogenannten Liebknecht-Luxemburg-Demonstration beschlagnahmt hatte. Darüber hinaus wurden Briefe, Fotografien und andere Gegenstände ehemaliger Gefangener beschafft, die in Zusammenhang mit ihrer Haft stehen. Durch langwierige
Recherchen in den Beständen der Stasi-Unterlagen-Behörde wurden zudem neue, aussagekräftige Dokumente ausfindig gemacht, die den Alltag in der Untersuchungshaftanstalt illustrieren. Dabei konnten auch zahlreiche neue Erkenntnisse über den praktischen Betrieb der
Haftanstalt und die Funktion des Kellergefängnisses gewonnen werden.
Die recherchierten Informationen wurden didaktisch aufbereitet, wofür entsprechende
Info-Terminals konzipiert wurden. Mediengestalter haben daraus besucherfreundliche, interaktive Medienstationen entwickelt. Auch für Grafiken, Statistiken und Organigramme entwarf
die Gedenkstätte Vorlagen. Da aus Lichtschutzgründen nicht alle Exponate im Original gezeigt
werden können, wurden von diesen Objekten Reproduktionen hergestellt bzw. in Auftrag
gegeben. Dasselbe gilt für zahlreiche Originaldokumente
Da in der Ausstellung vor allem Zeitzeugen zu Wort kommen sollen, wurden circa 20 Interviews mit ausgewählten Zeitzeugen und Persönlichkeiten der DDR-Oppositionsbewegung
geführt. Ausschnitte daraus sollen auf den zahlreichen Ausstellungsmonitoren gezeigt werden. Für fremdsprachige Besucher ist zudem eine „Highlight“-Audioguideführung konzipiert
worden.

Wechselausstellungen
Wie in den Vorjahren hat die Gedenkstätte verschiedene ständige und temporäre Ausstellungen gezeigt. Allerdings waren die räumlichen Möglichkeiten wegen des Umzugs in
das Ausweichquartier ab August 2011 noch begrenzter als zuvor. Für die Präsentation von
Wechselausstellungen wurden insbesondere Wandflächen im Eingangsbereich hergerichtet.
Trotz der beengten Verhältnisse konnten 2011 und 2012 sechs Wechselausstellungen gezeigt
werden. Sie waren in der Regel bei freiem Eintritt täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet.
Gesichter der Friedlichen Revolution
Fotoausstellung der Robert-Havemann-Gesellschaft e.V.
17. März bis 15. Mai 2011
Kaum ein anderes Ereignis hat Deutschland so verändert wie die Friedliche Revolution im
Herbst 1989. Wer waren die Männer und Frauen, die die Diktatur der SED beseitigt haben?
In der Ausstellung und einem dazugehörenden Bildband der Robert-Havemann-Gesellschaft
wurden 63 von ihnen vorgestellt. Die Schwarzweiß-Aufnahmen des Fotografen Dirk Vogel, die
mit Kurzbiografien prominenter Autoren versehen waren, gaben der Friedlichen Revolution
ein persönliches Gesicht. Die Fotografien wurden in Hohenschönhausen zum ersten Mal der
Öffentlichkeit vorgestellt.

Fotos der Ausstellung „Gesichter der Friedlichen Revolution“:
Dr. Karl Wilhelm Fricke und
Stephan Krawczyk (von links
nach rechts)

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Fotos der Ausstellung
„Die Mauer – eine Grenze
durch Deutschland“

Ausstellungen

Die Mauer – eine Grenze durch Deutschland
Ausstellung der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und der Tageszeitungen
Bild und Die Welt
11. April bis 16. Juni 2011
Am 13. August 2011 jährte sich der Bau der Berliner Mauer zum 50. Mal. Aus diesem
Anlass präsentierte die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen die Ausstellung „Die Mauer
– eine Grenze durch Deutschland“. Die 20 großformatigen Plakate erzählten die Geschichte
der innerdeutschen Grenze und der Mauer in Berlin. Sie zeigten seltene Fotos und Dokumente aus den Archiven der beiden beteiligten Zeitungen. Die Autoren Sven Felix Kellerhoff (Die
Welt) und Ralf-Georg Reuth (Bild) beschrieben auf verständliche Weise das SED-Grenzregime
und seine Opfer, die Haltung der Westmächte zum Mauerbau, die zahlreichen Fluchten und
den Alltag entlang der innerdeutschen Grenze und im geteilten Berlin. Die Ausstellung behandelte aber auch die Überwindung der deutschen Teilung und die strafrechtliche Aufarbeitung
der Tötung hunderter Flüchtlinge.
Ein Volk hinter Gittern – Das Elend in den Arbeitslagern Nordkoreas
Ausstellung der südkoreanischen NGO „Free the NK Gulag“
23. Juni bis 26. Juni 2011
Nordkorea ist eines der letzten kommunistischen Regime der Welt alter Prägung. Bittere
Armut, vollkommene Überwachung und ein maßloser Personenkult um den Diktator Kim
Jong-un prägen den Alltag der 24 Millionen Einwohner. Gleichzeitig verfügt das Land über
eine der größten Armeen der Welt, die mit dem Bau von Atombomben und militärischen Provokationen die Nachbarstaaten in Unruhe versetzt. Über die nordkoreanischen Arbeitslager ist
in Deutschland nur wenig bekannt. Schätzungsweise 200 000 Menschen werden dort unter
unvorstellbaren Bedingungen gefangen gehalten. Die Ausstellung zeigte zahlreiche Zeichnungen über den bedrückenden Lageralltag, die von geflüchteten Häftlingen angefertigt wurden.

Ausstellungen

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Revolution auf Tunesisch – Der rote Faden
Ausstellung des Goethe-Instituts Tunis
24. Oktober bis 31. Dezember 2011
„Niemals zuvor habe ich so viel fotografiert, niemals Geschichte beim Entstehen zugesehen, nie hatte ich solche Angst, nie war ich so mitgerissen. Niemals war ich lebendiger!!!“ So
bloggte der tunesische Fotograf Hamideddine Bouali am 22. Februar 2011, als er über seine
Arbeit während der arabischen Revolution berichtete. Seit Beginn der Unruhen in Tunesien
und der Flucht des Diktators Ben Ali hatte er täglich die Proteste auf den Straßen mit seiner Kamera festgehalten. In mehr als zweimonatiger Arbeit entstanden Aufnahmen aus der
Hauptstadt Tunis und aus Sidi Bouzid, die eine Gesellschaft im Umbruch zeigen. Dank Facebook, Twitter und Youtube wurden die Bilder rasend schnell in der ganzen Welt bekannt. Eine
Auswahl davon zeigte die Ausstellung, die zuvor in Tunis zu sehen war.
Bilder des Lager X
Ausstellung mit Fotografien von Myriam Ceglarek
Myriam Ceglarek, eine in Schottland lebende Fotografin und Doktorandin an der Freien
Universität Berlin, thematisierte in der kleinen Ausstellung das Lager X – ein Arbeitslager
des Staatssicherheitsdienstes für Strafgefangene, das direkt an das Untersuchungsgefängnis
Hohenschönhausen angrenzte. Ihr Motiv war, dass ihr Vater als Fahnenflüchtling früher selbst
mehr als ein Jahr hier in Haft war. Auf dem nicht unter Denkmalschutz stehenden Gelände
befinden sich heute verschiedene Unternehmen und Firmen. Lediglich Eingeweihte können
die Spuren der Vergangenheit lesen. Um daran zu erinnern, hat die Fotografin den Ort fotografiert und mit Originalaufnahmen aus dem Gedenkstättenarchiv kombiniert. Zitate ihres Vaters
ergänzten die Ausstellung.
Der Mut der Wenigen: Protest – Repression – Solidarität. Folgen einer Ausbürgerung
Fotoausstellung der Robert-Havemann-Gesellschaft e.V.
27. Februar bis 31. Mai 2012
Die Ausstellung war ein Kooperationsprojekt des Berliner Matthias-Domaschk-Archivs mit
der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. Sie erinnerte an die zahlreichen Proteste vor allem junger Menschen gegen die Ausbürgerung des kritischen Liedermachers Wolf
Biermann 1976. Ihr couragiertes Eintreten in Schule und Universität, im Betrieb, in der Kirche
und beim Militär kann gerade für junge Menschen auch heute ein Vorbild sein.

Fotos der Ausstellung
„Revolution auf Tunesisch – Der
rote Faden“

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Fotos der Ausstellung
„Schwarze Pfingsten –
Die Deportationen in die
rumänische Baragan-Steppe“

Ausstellungen

„Schwarze Pfingsten“ – Die Deportationen in die rumänische Baragan-Steppe
Ausstellung der Gedenkstätte Sighet
20. Juni bis 30. September 2012
1951 wurden in Rumänien am orthodoxen Pfingstfest mehr als 40 000 Menschen, darunter Alte, Kleinkinder und komplette Familien, aus ihrer Heimat, dem Banat, verschleppt. Nach
dem Bruch zwischen den kommunistischen Diktatoren Tito und Stalin sollte die rumänische
Grenze zu Jugoslawien von „unsicheren Elementen“ gesäubert werden. Die verschleppten Deutschen, Serben, Ungarn, Bulgaren und Rumänen galten als politisch unzuverlässig.
Sie wurden in der sogenannten Baragan-Ebene auf offenem Feld ausgesetzt. Unter freiem
Himmel und bei glühendem Sonnenschein mussten sie sich im Erdreich neue Behausungen
bauen. Ihr Zwangsaufenthalt dauerte fünf Jahre. Die vom Rumänischen Kulturinstitut nach
Berlin geholte Ausstellung erinnerte an ein kaum bekanntes Kapitel europäischer Nachkriegsgeschichte.
Menschenrechte und Zivilgesellschaft in Belarus
Ausstellung von amnesty international
12. Oktober 2012 bis 7. Januar 2013
Zivilgesellschaftliches Engagement in Belarus erfordert großen Mut. Wer sich in dem seit
1994 von Alexander Lukaschenko beherrschten Staat politisch oder zivilgesellschaftlich engagiert, muss mit Einschüchterungen, Schikanen und Verfolgung rechnen. Was geht in dem
Land vor, das oft als letzte Diktatur Europas bezeichnet wird? Unter welchen Bedingungen
kann sich dort überhaupt eine Zivilgesellschaft artikulieren? Wie steht es um die Lage der
Menschenrechte? Die Ausstellung vermittelte einen Eindruck von den Repressionen, denen
engagierte Menschen in Belarus ausgesetzt sind – aber auch von der Kreativität der Zivilgesellschaft und ihren Formen des Protestes.
Der weiße Strich – Vorgeschichte und Folgen einer Kunstaktion an der Berliner Mauer
Ausstellung der Gedenkstätte Bautzen und der Gedenkstätte Berliner Mauer
19. November 2012 bis 28. Februar 2013
Die Ausstellung „Der weiße Strich“ dokumentierte eine Kunstaktion der besonderen Art:
Mit einem langen weißen Strich auf der Westseite der Berliner Mauer machten 1986 fünf
junge Leute auf die absurde Grenze mitten durch eine Großstadt aufmerksam. Einer der Beteiligten wurde dabei verhaftet und durch eine versteckte Mauertür nach Ost-Berlin gebracht.
Später kam er in die berüchtigte Haftanstalt Bautzen II. Die Ausstellung zeigte zahlreiche
Fotografien, Dokumente, Fernsehberichte und Interviews mit den Malern. Alle fünf hatten
sich als jugendliche Punks in Weimar kennengelernt. Es folgten Verhaftung und Freikauf oder
Ausreise nach West-Berlin – und schließlich der weiße Strich auf dem vordersten Bollwerk
der DDR-Grenze.

Veranstaltungen

39

Vorstellung des Buches „Abgehauen“ mit der Autorin Grit
Poppe und dem ehemaligen
deutschen Botschafter in Prag,
Hermann Huber

Veranstaltungen
Gemäß ihrem gesetzlichen Auftrag führte die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen im
Berichtszeitraum zahlreiche Veranstaltungen durch, die sich mit den Formen und Folgen politischer Unterdrückung im Kommunismus beschäftigten. Im Schnitt fanden pro Monat fast
zwei Veranstaltungen statt; insgesamt waren es 42. Das Spektrum reichte von Ausstellungseröffnungen und Podiumsdiskussionen über Filmvorführungen und Buchvorstellungen bis hin
zu Gedenkfeiern für die Opfer der SED-Diktatur. Erinnert wurde oftmals auch an bestimmte
historische Ereignisse wie den Bau der Berliner Mauer am 13. August 1961 oder den Volksaufstand vom 17. Juni 1953 an den entsprechenden Jahrestagen dieser Daten. Darüber hinaus
referierten Mitarbeiter der Stiftung häufig auch bei Veranstaltungen anderer Institutionen.
Einen Teil der Veranstaltungen führte die Gedenkstätte wegen ihrer ungünstigen geografischen Lage nicht in Berlin-Hohenschönhausen, sondern im Zentrum der Stadt durch. Die Gedenkstätte kooperierte dabei unter anderem mit der Landesvertretung Thüringens, der Deutschen Kinemathek und dem Deutschen Historischen Museum, die ihre Räumlichkeiten und
Logistik oft kostenlos zur Verfügung stellten. Auch bei Veranstaltungen auf dem Gelände der
Gedenkstätte arbeitete sie meist mit anderen Institutionen zusammen. Die Stiftung konnte
dadurch nicht nur Kosten und Arbeit mit den Partnern teilen, sondern auch neue Zielgruppen
ansprechen. Mitveranstalter waren unter anderem die Konrad-Adenauer-Stiftung, die RobertHavemann-Gesellschaft, das Rumänische Kulturinstitut in Berlin, die Gedenkstätte Berliner
Mauer, die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, das Internationale Literaturfestival Berlin sowie der Deutschlandfunk.
Für die Veranstaltungen hat die Gedenkstätte Einladungen gestaltet, von denen zwischen
500 und 2 000 Exemplare gedruckt wurden. Zusätzlich erfolgte ein E-Mail-Versand. Weil die
Kooperationspartner auch ihre eigenen Verteiler bedienten, erreichten die Einladungen mehrere tausend Personen. Im Vorfeld der Veranstaltungen versandte die Stiftung auch Informationen an die Medien, die diese in Veranstaltungskalendern oder im redaktionellen Teil veröffentlichten. Die Homepage der Gedenkstätte wurde mit Vor- und Nachberichten bestückt, die
Informationen sind dort ab dem Jahr 2003 nachzulesen. Zu den Veranstaltungen der Gedenkstätte kamen 2011 und 2012 insgesamt etwa 7 700 Menschen. Je nach Anlass bewegten sich
die Teilnehmerzahlen zwischen 50 und 850 Besuchern pro Veranstaltung. Die Adressdatenbank der Stiftung wuchs um knapp sechs Prozent auf mehr als 10 400 Adressen.

40

Die ehemalige nordkoreanische
Lagerinsassin Kim Hye-Sook
(links), der stellvertretende
Gedenkstättendirektor Helmuth
Frauendorfer (Mitte) und der
Menschenrechtsaktivist Ha
Tae-Keung bei der Eröffnung
der Ausstellung „Ein Volk hinter
Gittern“

Veranstaltungen

Ausstellungseröffnungen
2011 und 2012 fanden insgesamt fünf Ausstellungseröffnungen statt. Neben Politikern
und anderen prominenten Gästen sprachen dabei meist auch Betroffene politischer Verfolgung. Aus finanziellen Gründen war es aber leider nicht möglich, jede Wechselausstellung mit
einer eigenen Veranstaltung zu eröffnen.
Am 16. März 2011 wurde in Kooperation mit der Robert-Havemann-Gesellschaft die
Fotoausstellung „Gesichter der Friedlichen Revolution“ eröffnet. Die 30 von insgesamt 63
Portraits des Fotografen Dirk Vogel zeigten die Menschen, die den politischen Umbruch im
Herbst 1989 maßgeblich befördert hatten – darunter Ulrike Poppe, Stephan Krawczyk oder
Karl Wilhelm Fricke, die alle in Hohenschönhausen inhaftiert waren. Mehr als 160 Menschen
nahmen an der Eröffnungsveranstaltung in der Gedenkstätte teil. Zu den Anwesenden sprach
unter anderem der frisch gewählte Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn,
der nicht nur über seine eigene Rolle während der Friedlichen Revolution Auskunft gab, sondern erstmals auch über seine künftigen Aufgaben als Verwalter der Stasi-Akten.
Am 23. Juni 2011 wurde die Ausstellung „Ein Volk hinter Gittern – Das Elend in den Arbeitslagern Nordkoreas“ eröffnet. Sie zeigte – erstmals in Berlin – Zeichnungen und Exponate freigelassener oder geflohener Häftlinge aus Nordkorea. Die Bilder gaben, zum Teil auf
schockierende Weise, Einblick in das Leben und Sterben in den kommunistischen Arbeitslagern. Nach der Präsentation eines Kurzfilms über das Regime des verstorbenen Diktators Kim
Jong-Il führte der südkoreanische Journalist und Menschenrechtsaktivist Ha Tae-Keung die
über 120 Gäste durch die Ausstellung. Kim Hye-Sook, eine geflohene Lagerinsassin, berichtete anschließend von ihrer 28 Jahre dauernden Gefangenschaft in einem Zwangsarbeiterlager.
In der anschließenden Diskussion fragten ehemalige SED-Opfer Frau Kim unter anderem, wie
sie reagieren würde, wenn sie – wie in Deutschland – in einem wiedervereinigten Korea ihre
unbestraft gebliebenen Folterer auf der Straße wiederträfe.
Am 24. Oktober 2011 eröffnete die Gedenkstätte, zusammen mit dem Goethe-Institut in
Tunis, die Ausstellung „Revolution auf Tunesisch – der rote Faden“. 50 Interessierte kamen zur
Vernissage, um sich die beeindruckenden Fotografien über den politischen Umbruch in Tunesien anzusehen. Der vielfach ausgezeichnete Fotograf Hamideddine Bouali präsentierte eine
Auswahl seiner Bilder, die er während der sogenannten Jasmin-Revolution aufgenommen
hatte. Bei der Eröffnung sprachen der tunesische Botschafter in Deutschland, Elyes Ghariani, der Vorsitzende des Vereins zur Förderung der Demokratie in Tunesien, Hamza Chourabi,
sowie Gedenkstättendirektor Dr. Hubertus Knabe. Die Beiträge kreisten dabei vor allem um
die aktuelle Lage in dem nordafrikanischen Land und um die künftige Aufarbeitung seiner
Vergangenheit.
Am 19. Juni 2012 wurde in Kooperation mit dem Rumänischen Kulturinstitut die Ausstellung „Schwarze Pfingsten – Die Deportationen in die rumänische Baragan-Steppe“ eröffnet.

Veranstaltungen

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Eröffnung der Ausstellung „Schwarze Pfingsten“ mit der rumänischen Schriftstellerin Ana Blandiana (linkes Foto, stehend)

Ausstellungseröffnung „Der weiße Strich“ mit Roland Jahn, Bundesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen, dem Autor Frank Willmann, dem
stellvertretenden Gedenkstättendirektor Helmuth Frauendorfer und der Autorin Anne Hahn (von links nach rechts)

Die Gedenkstätte erinnerte damit an die über 40 000 Menschen, die 1951 aus der Grenzregion zu Jugoslawien in die Baragan-Ebene verschleppt worden waren – wo sie auf offenem
Feld abgeladen und ihrem Schicksal überlassen wurden. In Gegenwart von über 130 Gästen
berichteten die Initiatorin der Ausstellung, Ana Blandiana, und der Schriftsteller Hans Bergel
über die damaligen Ereignisse und lasen Texte. Der ehemalige Herausgeber der Frankfurter
Allgemeinen Zeitung, Dr. Georg Paul Hefty, stellte einen Band mit Essays von Ana Blandiana
vor, der gerade auf Deutsch erschienen war.
Am 11. Dezember 2012 wurde die von der Gedenkstätte Berliner Mauer, der Gedenkstätte Bautzen und der Bundesstiftung Aufarbeitung realisierte Ausstellung „Der weiße Strich“
eröffnet. Mehr als 45 Besucher kamen, um sich über die spektakuläre Protestaktion fünf
junger Künstler in West-Berlin zu informieren. 1986 malten die ehemaligen DDR-Bürger von
Kreuzberg bis zum Potsdamer Platz einen langen weißen Strich auf die Westseite der Berliner
Mauer – bis einer von ihnen von DDR-Grenzsoldaten verhaftet und ins Stasi-Gefängnis Hohenschönhausen gebracht wurde. Die Initiatoren der Ausstellung Anne Hahn und Frank Willmann, der selbst zu der betroffenen Künstlergruppe gehörte, diskutierten auf dem Podium
mit dem Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn, über das politische Klima

42

Veranstaltungen

Ende der 80er-Jahre in der DDR und West-Berlin. Zwei weitere Mitglieder der Protestgruppe
berichteten aus dem Publikum über die Aktion und was sie damit bezwecken wollten.

Sonderveranstaltungen

Sonderführungen durch die Gedenkstätte während der Langen
Nacht der Museen und des
Tags des offenen Denkmals

Wie in den vergangenen Jahren hat die Gedenkstätte auch 2011/2012 eine Reihe größerer Sonderveranstaltungen durchgeführt. Dazu gehörten insbesondere die Lange Nacht der
Museen und der Tag des offenen Denkmals sowie das jährliche Hohenschönhausen-Forum.
Zur 29. Langen Nacht der Museen am 27. August 2011 kamen mehr als 815 Menschen in
die Gedenkstätte. Das frühere Stasi-Gefängnis hatte an diesem Tag bis weit nach Mitternacht
geöffnet. Die Besucher konnten dabei auch solche Räumlichkeiten ansehen, die normalerweise nicht bei den Führungen gezeigt werden – wie die Unterkünfte des einstigen Strafgefangenenarbeitskommandos der Frauen sowie die frühere Gefängnisküche, in der weibliche
Häftlinge für den Staatssicherheitsdienst kochen mussten. Im Folgejahr, am 25. August 2012,
kamen etwa 430 Besucher, um sich im Rahmen der 31. Langen Nacht der Museen das ehemalige Stasi-Gefängnis anzusehen. Zeitzeugen führten Interessierte diesmal auch durch das
einstige Sperrgebiet des Staatssicherheitsdienstes und über das Gelände des früheren Lagers X sowie durch das ehemalige Haftkrankenhaus, das nach längeren Sanierungsarbeiten
wieder zugänglich war. Eine Gruppe von Besuchern nahm auch an einer speziellen Blindenführung teil, die die Gedenkstätte 2012 erstmals anbot.
Die Stiftung beteiligte sich auch am deutschlandweiten Tag des offenen Denkmals, der
jedes Jahr am zweiten Wochenende im September stattfindet. 2011 kamen dabei rund 350
Besucher in das frühere Stasi-Gefängnis, um an Sonderführungen durch das Haftkrankenhaus
und die im Keller untergebrachten Gefängnisküchen teilzunehmen. Im Folgejahr erschienen
sogar 680 Interessierte. Sie konnten sich unter anderem den Original-DDR-Gefangenentrans-

Veranstaltungen

43

4. Hohenschönhausen-Forum:
Podiumsdiskussion mit Dr.
Gerd Koenen, Dr. Hubertus
Knabe, Dr. Norbert Seitz, Freya
Klier und Prof. em. Hans Dieter
Zimmermann (von links nach
rechts)

5. Hohenschönhausen-Forum:
Dr. Hans-Jürgen Grasemann,
Prof. Dr. Frank Meyer, Sven
Felix Kellerhoff, Dr. Pavel Zácek
und Christoph Schaefgen (von
links nach rechts)

portwaggon, den sogenannten Grotewohl-Express, anschauen sowie bei einer speziellen
Führung Einblicke in die laufenden Sanierungs- und Restaurierungsarbeiten bekommen.
Einen besonderen Höhepunkt im Veranstaltungsprogramm stellte im Berichtszeitraum
das Hohenschönhausen-Forum dar, das die Gedenkstätte seit 2008 jedes Jahr im Herbst
zusammen mit der Konrad-Adenauer-Stiftung durchführt. Wissenschaftler und andere hochkarätige Referenten aus dem In- und Ausland diskutieren dabei über aktuelle Themen der
Aufarbeitung.
Das 4. Hohenschönhausen-Forum fand am 7. November 2011 statt. Es behandelte das
Thema „Vom Verrat der Intellektuellen – Diktaturverklärung gestern und heute“. Experten diskutierten dabei über das oftmals opportunistische Verhalten von Künstlern, Journalisten und
Juristen im Nationalsozialismus, im Kommunismus und in der Gegenwart. Zum Auftakt der
Konferenz sprach der Schriftsteller Richard Wagner über das Thema „Zwischen Meinungsfreiheit und Selbstzensur – die Diskursgrenzen in Deutschland“. In der ersten Diskussionsrunde
ging es anschließend um die intellektuellen Unterstützer des NS-Regimes. Das zweite Panel widmete sich den intellektuellen Fürsprechern des Kommunismus. In der letzten Runde
mit dem Titel „Selbstkritiker oder Schönredner? Intellektuelle als Diktaturverteidiger in der
Gegenwart“ wurde vor allem über die Ursachen der heutigen DDR-Nostalgie debattiert. Zu
den Referenten des Forums gehörten unter anderem der Leiter des Forschungsverbundes
SED-Staat, Prof. Dr. Klaus Schroeder, der künstlerische Direktor der Deutschen Kinemathek,
Dr. Rainer Rother, die frühere DDR-Bürgerrechtlerin Freya Klier sowie der Moskauer „Focus“Korrespondent Boris Reitschuster. Insgesamt nahmen etwa 240 Menschen an der eintägigen
Konferenz in der Gedenkstätte teil.
Das 5. Hohenschönhausen-Forum fand am 7. November 2012 statt. Es trug den Titel „Die
Aufarbeitung des Kommunismus als europäische Aufgabe“. Politologen, Historiker, Juristen
und Journalisten diskutierten über den Stand der Vergangenheitsbewältigung in Europa nach
dem Ende des Sowjetsystems. Eröffnet wurde die Konferenz mit einer Rede des prominen-

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Protest am Internationalen
Tag der Menschenrechte 2011
mit Literaturnobelpreisträgerin
Herta Müller (rechts)

Lesung aus Werken des
inhaftierten chinesischen
Dissidenten Liu Xiaobo mit dem
Schauspieler Udo Schenk

Veranstaltungen

ten französischen Historikers Prof. Dr. Stéphane Courtois. Dieser skizzierte den Umgang mit
dem Kommunismus in verschiedenen Ländern, wobei er Deutschland und Tschechien eine
relativ gute Bilanz ausstellte. Allerdings sei auf europäischer Ebene versäumt worden, ein Gericht für die Ahndung der kommunistischen Massenverbrechen einzurichten, sodass in vielen
Ländern das begangene Unrecht ungesühnt geblieben sei. Das erste Panel ging der Frage
nach den Möglichkeiten einer juristischen Aufarbeitung anschließend genauer nach. Das zweite Podium diskutierte dann die mehr oder weniger intensiven Bemühungen um eine personelle Erneuerung der Eliten und des Staatsapparates in den post-kommunistischen Staaten.
In der abschließenden Diskussionsrunde über die „Entwicklung einer gesamteuropäischen
Erinnerungskultur“ machten die Teilnehmer schließlich Vorschläge, wie ein öffentliches Geschichtsverständnis aussehen könnte, das sich sowohl der Verbrechen des Nationalsozialismus als auch der des Kommunismus bewusst ist. Das Panel wurde vom Deutschlandfunk
aufgezeichnet und später in der Reihe „Das Kulturgespräch“ ausgestrahlt. Zu den Referenten des Forums zählten unter anderem der frühere Leiter der Erfassungsstelle Salzgitter,
Dr. Hans-Jürgen Grasemann, die thüringische Landesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen,
Hildigund Neubert, die frühere CDU-Landesvorsitzende von Brandenburg, Dr. Saskia Ludwig,
sowie der Präsident der Platform of European Memory and Conscience, Göran Lindblad. Insgesamt nahmen rund 160 Interessierte an der Tagung teil.
Unmittelbar im Anschluss an das 5. Hohenschönhausen-Forum fand die Jahresmitgliederversammlung der Platform of European Memory and Conscience statt. Dem Verbund gehören 37 Aufarbeitungseinrichtungen wie Museen, Forschungsinstitute und Gedenkstätten aus
16 europäischen und außereuropäischen Ländern an. Die Teilnehmer forderten von der Europäischen Union größere Unterstützung bei der Aufarbeitung des Kommunismus. Vor allem
die Öffentlichkeit müsse stärker über die Natur totalitärer Regime aufgeklärt werden, hieß es.
Am Ende der Konferenz stellten sich die anwesenden Vertreter der deutschen Öffentlichkeit
vor und berichteten von ihrer Arbeit. Dabei fiel auf, dass in vielen Staaten Nationalsozialismus
und Kommunismus zusammengedacht werden, während sie in Deutschland oft getrennt und
unterschiedlich bewertet werden. Die seltene Möglichkeit, sich aus erster Hand über Aufarbeitungsaktivitäten in so vielen Ländern zu informieren, nutzten mehr als 50 Gäste.
Um die Erfahrungen der SED-Diktatur für die Gegenwart fruchtbar zu machen, hat die
Gedenkstätte auch auf aktuelle Menschenrechtsverletzungen Bezug genommen. So beteiligte sie sich am 20. März 2011 an einer weltweiten Lesung für den inhaftierten Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo. Auf Initiative des Internationalen Literaturfestivals wirkten daran
mehr als 115 Institutionen aus 73 Städten und 30 Ländern auf allen Kontinenten mit. In einer
früheren Zelle des einstigen Kellergefängnisses („U-Boot“) trug der Schauspieler Udo Schenk
Texte des chinesischen Menschenrechtlers vor. Mehr als 410 Besucher waren während der
Führungen Zeuge dieser Aktion. Eine Videoaufzeichnung wurde anschließend bei Youtube
hochgeladen.
Am 10. Dezember 2011, dem internationalen Tag der Menschenrechte, beteiligten sich
Mitarbeiter der Stiftung an einer weiteren Aktion für Liu Xiaobo. Auf Initiative des Fördervereins der Gedenkstätte stellten an diesem Tag Menschenrechtsaktivisten in Rom, Brüssel,
Washington und Berlin symbolisch leere Stühle vor chinesische Botschaften und ähnliche
Institutionen. Sie wollten auf diese Weise daran erinnern, dass der inhaftierte Dissident den
Friedensnobelpreis im Jahr zuvor nicht persönlich annehmen durfte und deshalb sein Stuhl
leer blieb. An der Aktion in Berlin nahmen rund 50 Menschen teil, darunter die Schriftstellerin
und Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller.

Veranstaltungen

In eine ähnliche Richtung ging eine Lesung, die am 23. April 2012 durchgeführt wurde. Anlässlich des Welttags des Buches hatte das Internationale Literaturfestival Berlin Intellektuelle,
Schriftsteller, Künstler und Kultureinrichtungen dazu aufgerufen, mit Veranstaltungen gegen
die brutale Unterdrückungspolitik des Assad-Regimes zu protestieren. In einer ehemaligen
Gefängniszelle las deshalb die frühere TV-Ansagerin Edda Schönherz, die in der DDR aus
politischen Gründen in Haft saß, aus dem Buch „Schrei nach Freiheit“ der syrischen Regimekritikerin Samar Yazbek. Mehr als 620 Besucher wurden dadurch während der Führungen auf
die Zustände in Syrien aufmerksam gemacht.
Anlässlich des ersten Todestages von Bärbel Bohley erinnerte die Gedenkstätte am 11.
September 2011 auch an die im Alter von 65 Jahren verstorbene frühere DDR-Bürgerrechtlerin. Zu diesem Zweck wurden während des gesamten Tages vor ihrer früheren Gefängniszelle
Karten mit Zitaten von ihr an die Besucher ausgegeben. Auch die Referenten wiesen in ihren
Führungen auf die zentrale Rolle der DDR-Oppositionellen beim Sturz der SED-Diktatur hin.
Mit der Aktion wollte die Gedenkstätte einen Beitrag dazu leisten, dass ihr Beitrag zur Friedlichen Revolution 1989 nicht in Vergessenheit gerät.
Um der Verklärung der SED-Diktatur entgegenzutreten, beteiligten sich viele Mitarbeiter
und Besucherreferenten der Gedenkstätte auch an einem Protest gegen die Vorstellung des
Buches „Drachentöter. Die ‚Stasi-Gedenkstätten‘ rüsten auf“, in dem der ehemalige StasiVernehmer Herbert Kierstein gegen die Arbeit von Erinnerungsstätten für Stasi-Opfer zu Felde
zieht. Sie folgten damit einem Aufruf der Vereinigung der Opfer des Stalinismus (VOS), dem
Geschichtsrevisionismus ehemaliger Stasi-Mitarbeiter entgegenzutreten. Auf der Veranstaltung in den Räumen der Tageszeitung „Junge Welt“ am 23. August 2012 kam es zu teils
heftigen Diskussionen, als der Vernehmer, der 25 Jahre lang im Untersuchungsgefängnis Hohenschönhausen gearbeitet hatte, seine Thesen vortrug. Paroli bot ihm unter anderem die
Schauspielerin Katrin Sass, die in dem Film „Good bye, Lenin!“ mitspielte und die Arbeit der
Gedenkstätte seit Jahren unterstützt.

Podiumsdiskussionen und Vorträge
Im Berichtszeitraum war die Stiftung darüber hinaus Initiator und Veranstalter einer Vielzahl
von Podiumsdiskussionen und Vorträgen zu historischen oder aktuellen Themen. Die Gedenkstätte organisierte am 6. Februar 2011 im ehemaligen Stasi-Gefängnis eine Veranstaltung über
das politische Wirken des früheren US-Präsidenten Ronald Reagan anlässlich dessen 100. Geburtstags. Unter dem Titel „Mr. Gorbachev, tear down this wall! Ronald Reagans Beitrag zur
Befreiung vom Kommunismus“ erinnerten die Referenten dabei vor allem an Reagans Verdienste für die Freiheit Berlins, Deutschlands und Europas. In einer Rede würdigte der damalige Bundesverteidigungsminister Karl Theodor zu Guttenberg Reagans Politik gegenüber der
Sowjetunion und seine berühmte Rede vor dem Brandenburger Tor, als er 1987 die Öffnung
der Berliner Mauer forderte. Im Anschluss diskutierten der ehemalige Berliner Bürgermeister

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Veranstaltung zum 100.
Geburtstag des früheren USPräsidenten Ronald Reagan mit
dem damaligen Bundesverteidigungsminister Karl Theodor zu
Guttenberg (oben links)
Auf dem Podium: Georg
Gafron, Dr. Eberhard Diepgen,
Helmuth Frauendorfer, John C.
Kornblum und Mario Röllig (von
links nach rechts)

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Veranstaltungen

Diskussion zum OnlineComputerspiel „1378 km“ mit
Helmut Preller, Prof. Heiner
Mühlmann, Dr. Hubertus Knabe
und Rainer Wagner (von links
nach rechts)

50 Jahre Mauerbau
Relativierung eines Traumas?

Podiumsdiskussion
26. Juli 2011, 18.30 Uhr
Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen
Genslerstr. 66, 13055 Berlin

Einladungskarte zur
Podiumsveranstaltung
„50 Jahre Mauerbau“

Eberhard Diepgen, der frühere stellvertretende amerikanische Stadtkommandant von Berlin,
John Christian Kornblum, der DDR-Flüchtling und Journalist Georg Gafron sowie der einstige
Stasi-Häftling Mario Röllig über Reagans Rolle bei der Überwindung des Kommunismus. Zu
der in Kooperation mit dem Berliner Alliierten-Museum durchgeführten Veranstaltung kamen
mehr als 180 Gäste.
Eine weitere Podiumsdiskussion widmete sich am 22. Februar 2011 dem Thema „Tote an
Mauer und innerdeutscher Grenze: Alles nur ein Spiel?“. Hintergrund waren Presseberichte,
dass ein Student der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe ein Computerspiel mit
dem Namen „1378 km“ entwickelt hätte, bei dem man – angeblich zur Aufklärung über das
DDR-Grenzregime – virtuell auf DDR-Flüchtlinge schießen könne. Auf dem Podium saßen
Gedenkstättendirektor Dr. Hubertus Knabe, der Bundesvorsitzende der UOKG, Rainer Wagner, der Designer Helmut Preller sowie Prof. Dr. Heiner Mühlmann, Dozent an der Staatlichen
Hochschule für Gestaltung Karlsruhe. Das Gespräch kreiste vor allem um die Frage, wie ein
Computerspiel zur historischen Aufklärung gestaltet sein muss, damit es nicht die Gefühle der
Opfer und ihrer Angehörigen verletzt. Die Veranstaltung, zu der rund 60 Gäste kamen, wurde
zusammen mit der Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG) und
der Stiftung Berliner Mauer durchgeführt.
Der 50. Jahrestag des Baus der Berliner Mauer war Anlass für eine Veranstaltung besonderer Art: Am 15. Juni 1961 hatte SED-Chef Walter Ulbricht bekanntlich eine Pressekonferenz
gegeben, auf der er den viel zitierten Satz sagte: „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu
errichten.“ 50 Jahre später organisierte die Gedenkstätte zusammen mit dem Bundesinnenministerium und dem Bundesfinanzministerium eine Veranstaltung in genau jenem Saal, in
dem Ulbricht damals gesprochen hatte. Er befindet sich im Bundesfinanzministerium, einst
Haus der Ministerien der DDR. Bundesinnenminister Dr. Hans-Peter Friedrich und Bundesfinanzminister Dr. Wolfgang Schäuble erinnerten in ihren Ansprachen an die weitreichenden
Folgen der Grenzschließung, aber auch an ihre glückliche Überwindung 1989. In der anschließenden Podiumsdiskussion beleuchteten der Politikwissenschaftler Prof. em. Arnulf Baring,
der ehemalige DDR-Bürgerrechtler Ehrhart Neubert, der DDR-Flüchtling und spätere Fluchthelfer Hartmut Richter sowie der Bruder des ersten Mauertoten, Jürgen Litfin, die damaligen
Ereignisse. Mehr als 200 Menschen nahmen an der Veranstaltung teil.
In Zusammenarbeit mit dem Deutschlandfunk veranstaltete die Gedenkstätte am 26. Juli
2011 noch eine weitere Podiumsdiskussion zum Jahrestag des Mauerbaus. Die Veranstaltung
trug den Titel „50 Jahre Mauerbau – Relativierung eines Traumas?“. Sie kreiste um die eher
selten diskutierte Frage, wie der zunehmende zeitliche Abstand zu diesem einschneidenden
historischen Ereignis dessen traumatische Folgen langsam verblassen lässt. Auf dem Podium
saßen der ostdeutsche Schriftsteller Joachim Walter, die frühere DDR-Spitzensportlerin und
heutige Hochschullehrerin Prof. Ines Geipel sowie die Mauer-Expertin und Dozentin der George Washington University Prof. Dr. Hope M. Harrison. Sie reflektierten gemeinsam, wie das

Veranstaltungen

Falsche, nämlich die Abriegelung eines halben Landes und einer halben Stadt, schrittweise
zum Richtigen, nämlich zur allseits akzeptierten Wirklichkeit, werden konnte, und wie diese
Gewöhnung bis in die Gegenwart fortwirkt. An der Veranstaltung nahmen über 50 Besucher
teil.
In den Räumen der Landesvertretung Thüringens beim Bund fand am 21. September
2011 eine weitere Podiumsdiskussion statt. Die kurzfristig anberaumte Veranstaltung widmete sich dem Thema „Die Kommunisten und der Papst – Katholiken in der SED-Diktatur“.
Anlass war der Besuch von Papst Benedikt XVI. in Deutschland. Inhaltlich ging es – erstmals
bei einer Veranstaltung der Gedenkstätte – um Verfolgung, Rückzug und Selbstbehauptung
der katholischen Kirche in der DDR. Auf dem Podium diskutierten darüber der Theologe und
DDR-Bürgerrechtler Dr. Ehrhart Neubert sowie mehrere Zeitzeugen aus dem Bereich des
Katholizismus, darunter der frühere Hohenschönhausen-Häftling Johannes Swiatek. Über 40
Interessierte folgten der Einladung.
Am 14. Februar 2012 organisierte die Gedenkstätte erstmals eine Veranstaltung über die
generationenübergreifenden Auswirkungen politischer Verfolgung in der DDR. Anlass war die
Veröffentlichung einer Studie, in der Wissenschaftler der Universität Leipzig untersucht hatten, wie sich die Erfahrungen politischer Verfolgung auf die Kinder von Inhaftierten auswirken.
Der Titel „Trauma der zweiten Generation – Erfahrungen von Kindern politischer Häftlinge aus
der DDR“ löste so großes Interesse aus, dass der Saal der Bundesstiftung zur Aufarbeitung
der SED-Diktatur mit mehr als 190 Besuchern bis zum letzten Platz gefüllt war. Nach der
Vorstellung der Forschungsergebnisse diskutierten der Psychologe Dr. Stefan Trobisch-Lütge
und der Schriftsteller Ulrich Schacht – der selbst als Sohn einer politischen Gefangenen im
DDR-Gefängnis Hoheneck geboren wurde – mit den Verfassern der Studie und weiteren Betroffenen.
An ein ganz anderes – nämlich englischsprachiges – Publikum richtete sich eine Veranstaltung am 16. Februar 2012 in der American Academy. Das Thema lautete: „Dictatorship
and Information“. Im Anschluss an einen Vortrag des US-Politikwissenschaftlers Dr. Martin K.
Dimitrov über „Autocratic Regime – Resilience in Communist Europe and China“ diskutierte Gedenkstättendirektor Dr. Hubertus Knabe mit ihm über seine These, dass die Stabilität
autokratischer Systeme entscheidend davon abhinge, ob sie in der Lage seien, aktuelle und
zutreffende Informationen über den Zustand der Gesellschaft zusammenzutragen und den
Herrschenden zugänglich zu machen. Zu der Veranstaltung kamen mehr als 60 Interessierte.
Als Gastveranstaltung der FDP-Bundestagsfraktion richtete die Gedenkstätte am 14. September 2011 eine Diskussion mit dem Titel „22 Jahre nach dem Fall der Mauer – Schlussstrich
versus Erinnerungskultur?“ aus. Anlass waren die aktuellen Debatten über eine Verlängerung
der Möglichkeit, herausgehobene Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes und andere Funktionsträger weiterhin auf eine mögliche frühere Stasi-Tätigkeit überprüfen zu können. Die bis
dahin geltende Regelung sollte ursprünglich zum Jahresende auslaufen. Auf dem Podium

47

Diskussion zur Studie „Trauma der zweiten Generation“
mit Dr. Stefan Trobisch-Lütge,
Helmuth Frauendorfer, Myriam
Ceglarek, Ulrich Schacht und
Dr. Anna Kaminsky (von links
nach rechts)

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Die Zeitzeugin Uta Franke bei
der Vorstellung des Buches
„Freigekauft – Der DDRMenschenhandel“ im AxelSpringer-Verlag

Veranstaltungen

diskutierten die FDP-Bundestagsabgeordneten Lars Lindemann und Patrick Kurth mit Gedenkstättendirektor Dr. Hubertus Knabe, dem Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen,
Roland Jahn, und Dr. Bertram Nickolay vom Fraunhofer-Institut für Produktionsanlagen und
Konstruktionstechnik. Dieser setzt sich seit Jahren für eine computergestützte Rekonstruktion von Stasi-Akten ein. Zu der Veranstaltung erschienen über 80 Gäste.
Gedenkstättenmitarbeiter traten im Berichtszeitraum auch wiederholt mit Vorträgen
in Erscheinung. So lud die Stiftung am 4. Mai 2011 zu einem Abend über das Thema „Verdrängter Terror – Das sowjetische Speziallager Nr. 3“ in die Gedenkstätte ein. Der Historiker
Peter Erler präsentierte dabei seine Forschungsergebnisse zum ehemaligen Sowjetlager in
Berlin-Hohenschönhausen. Im Gegensatz zum gut dokumentierten Forschungsstand über
das Stasi-Untersuchungsgefängnis ist immer noch wenig bekannt über dieses Lager, das
die sowjetische Besatzungsmacht von Mai 1945 bis Oktober 1946 betrieb. Nach ihm sprach
Dr. Bettina Greiner, Historikerin und Autorin des Buches „Verdrängter Terror. Geschichte und
Wahrnehmung sowjetischer Speziallager in Deutschland“. Im Anschluss berichtete der ehemalige Lagerhäftling Horst Jänichen von seiner Inhaftierung als 15-jähriger Jugendlicher und
seinen Erfahrungen mit der sowjetischen Geheimpolizei. Mehr als 30 Gäste nahmen an der
Fachveranstaltung teil.
Am 6. Oktober 2012 hielt Gedenkstättendirektor Dr. Hubertus Knabe auf dem Jahreskongress der Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG) einen Vortrag
über Opfer politischer Schauprozesse in der DDR. Der Kongress war dem Thema gewidmet
„Politische Schauprozesse als Mittel kommunistischer Herrschaftstechnik“. Anlass war der 60.
Jahrestag des Slánský-Prozesses in der Tschechoslowakei, bei dem wegen „Bildung eines
staatsfeindlichen Verschwörungszentrums“ elf Todesurteile gefällt wurden. Im Rahmen des
Kongresses diskutierten Historiker, Juristen, Zeitzeugen und UOKG-Mitglieder über die politische Instrumentalisierung der Justiz in der frühen DDR. Etwa 100 Gäste nahmen an dem
Kongress in den Räumen der Stiftung Berliner Mauer teil.
Einen weiteren Vortrag hielt Gedenkstättendirektor Dr. Hubertus Knabe am 13. November
2012 im Axel Springer Verlag. Anlass war die Veröffentlichung des Buches „Freigekauft – Der
DDR-Menschenhandel“ von Bild-Chefredakteur Kai Diekmann. In den Räumen des Journalistenclubs stellte er das Werk über eines der letzten Geheimnisse der deutschen Teilung vor
und setzte sich für die Freigabe der zum Teil noch immer gesperrten Akten über den Freikauf
von DDR-Häftlingen ein. Nach ihm sprach der frühere Staatssekretär im Ministerium für innerdeutsche Beziehungen, Ludwig Rehlinger (CDU), der die Häftlingsfreikäufe auf bundesdeutscher Seite jahrelang betreute. Schließlich schilderte die ehemalige politische Gefangene
Uta Franke, die 1981 von der Bundesregierung freigekauft wurde, ihre Erfahrungen mit dem
umstrittenen Menschenhandel der DDR. Zu der ausschließlich für Journalisten durchgeführten Veranstaltung erschienen 30 geladene Gäste.

Veranstaltungen

Film- und Buchvorstellungen
Im Berichtszeitraum organisierte die Gedenkstätte auch zahlreiche Film- und Buchvorstellungen. Insbesondere für Verlage und Autoren ist die Stiftung eine attraktive Adresse, um
Neuerscheinungen zu präsentieren. So stellte die Gedenkstätte am 29. Juni 2011 zusammen
mit dem Berlin Story Verlag das Buch „Fluchthelfer – Die Gruppe um Wolfgang Fuchs“ vor.
An der Lesung im Zeughauskino des Deutschen Historischen Museums nahmen über 140
Interessierte teil. Die Autoren Klaus-M. von Keussler und Peter Schulenburg berichteten dabei
über ihre Erfahrungen als Fluchthelfer im geteilten Berlin. Als junge Leute waren sie 1964 am
Bau eines Tunnels unterhalb der Bernauer Straße beteiligt, durch den 57 Menschen flüchten
konnten. Die spektakuläre Aktion ging als „Tunnel 57“ in die Geschichte ein.
Zusammen mit der Stiftung Topographie des Terrors stellte die Gedenkstätte am 18. August 2011 auch eine neue Biografie des früheren KPD-Vorsitzenden Ernst Thälmann vor. Anlass war der 67. Todestag des von den Nationalsozialisten ermordeten und in der DDR zum
Märtyrer erhobenen Kommunistenführers. Das Buch des Focus-Redakteurs Armin Fuhrer mit
dem Titel „Ernst Thälmann – Soldat des Proletariats“ widmet sich erstmals aus unvoreingenommener Perspektive seinem Leben. Nach der Lesung diskutierte der Direktor des Museums auf dem Gelände der früheren Gestapo-Zentrale, Prof. Dr. Andreas Nachama, mit dem
Autor und dem Direktor der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, Dr. Hubertus Knabe,
über Thälmanns politische Rolle. Da der KPD-Vorsitzende in Berlin von der Gestapo verhört
und später im sogenannten Traditionskabinett des Stasi-Gefängnisses in Hohenschönhausen
als Vorbild verehrt wurde, ergaben sich interessante Bezugspunkte und Sichtweisen auf eine
zentrale Figur in der Geschichte des deutschen Kommunismus. Lesung und Diskussion im
Gebäude der Stiftung Topographie des Terrors verfolgten über 140 Gäste.
In den Räumen der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur präsentierte die Gedenkstätte am 28. November 2011 das neue, von ihr herausgegebene Buch der Historiker Tobias Voigt und Peter Erler „Medizin hinter Gittern – Das Stasi-Haftkrankenhaus Berlin-Hohenschönhausen“. Während Voigt die Funktion des Krankengefängnisses auf dem Gelände der
Stasi-Haftanstalt erläuterte, berichtete der Direktor des Berliner Justizvollzugskrankenhauses
Dr. Marc Lehmann, wie Gefangene heutzutage medizinisch versorgt werden. Der Zeitzeuge
und ehemalige Stasi-Häftling Dieter Hötger, der wegen eines Lungensteckschusses in das
Haftkrankenhaus Hohenschönhausen eingeliefert wurde, erzählte, wie ihn der DDR-Staatssicherheitsdienst dort trotz schwerster Verletzungen gnadenlos verhörte. Über 190 Interessierte kamen, um mehr über das bisher kaum erforschte Thema zu erfahren. Am 16. März
2012 stellten Voigt und der Direktor der Gedenkstätte, Dr. Hubertus Knabe, das Buch auch auf
der Leipziger Buchmesse vor. Zusammen mit der Zeitzeugin Brigitte Bielke präsentierten sie
das Buch in der ehemaligen Stasi-Bezirksverwaltung „Runde Ecke“ im Rahmen des größten
europäischen Lesefests „Leipzig liest“.

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Vorstellung des Buches
„Ernst Thälmann – Soldat des
Proletariats“ mit Dr. Hubertus
Knabe, dem Journalisten Armin
Fuhrer sowie dem Direktor der
Topographie des Terrors, Prof.
Andreas Nachama (von links
nach rechts)

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Cover der Bücher „StasiKinder“ und „Abgehauen“

Veranstaltungen

Am 19. April 2012 veranstaltete die Gedenkstätte eine Lesung mit dem chinesischen
Regimekritiker Bei Ling. In seiner Autobiografie „Ausgewiesen. Über China“ schildert der
Schriftsteller, wie er in seiner Heimat von der Zensurbehörde verfolgt und schließlich verhaftet
wurde. Moderiert vom stellvertretenden Direktor der Gedenkstätte, Helmuth Frauendorfer,
erzählte Ling zudem vom Alltag als Verleger in China, von seinem Kampf mit der Zensur und
vom Leben als Exilautor. Auch seine Erfahrungen im westlichen Ausland kamen zur Sprache,
wurde er doch 2012 von der Londoner Buchmesse, bei der China Gastland war, als Diskutant
ausgeschlossen, ebenso wie zuvor in Frankfurt am Main. Bei Ling zufolge arbeiteten beide
Messen bei der Veranstaltungsplanung eng mit der chinesischen Zensurbehörde zusammen,
die auf den Ausschluss des Dissidenten bestanden hätte. Die Lesung, an der über 50 Menschen teilnahmen, fand in den Räumen der Buchhandlung ‘89 statt, die ebenso wie der Suhrkamp Verlag Mitveranstalter war.
In Zusammenarbeit mit dem Propyläen Verlag präsentierte die Gedenkstätte am 15. Mai
2012 das neue Buch „Stasi-Kinder – Aufwachsen im Überwachungsstaat“ der Journalistin
Ruth Hoffmann. Nach der Vorführung einer TV-Dokumentation zum Thema diskutierten die
Podiumsgäste im Literaturhaus Berlin, in welchem Maße Misstrauen, Angst und Kontrolle
auch die Familien von Stasi-Mitarbeitern beherrschten. Die Autorin berichtete von ihren Recherchen und warum der Staatssicherheitsdienst auch seine eigenen Mitarbeiter überwachte. Die Zeitzeugen Edina Gade, Tochter des früheren Stasi-Hauptamtlichen Werner Stiller, und
Thomas Raufeisen, Sohn eines ehemaligen West-Agenten, erzählten, was sie als Kinder und
Jugendliche von der Tätigkeit ihrer Väter gewusst hatten und wie sich die Atmosphäre der
Überwachung auf ihre Familien und ihr Leben auswirkte. Der Einladung zur Lesung waren
über 130 Interessierte gefolgt.
In Zusammenarbeit mit der Tschechischen Botschaft und der Buchhandlung ´89 veranstaltete die Gedenkstätte am 17. Oktober 2012 eine Lesung mit der Autorin Grit Poppe, die
ihr neues Buch „Abgehauen“ vorstellte. Hintergrund des Jugendromans sind die Ereignisse
in der Prager Botschaft im Herbst 1989. Die 16-jährige Protagonistin nimmt nach ihrer Flucht
aus dem Geschlossenen Jugendwerkhof Torgau an der Besetzung des Botschaftsgeländes
teil, durch die zahlreiche DDR-Flüchtlinge ihre Ausreise in die Bundesrepublik Deutschland
erzwingen wollten. Im Anschluss an die Lesung sprach die Schriftstellerin mit dem damaligen
deutschen Botschafter in Prag, Hermann Huber, über die angespannte Situation im Garten der
Botschaft, wo Hunderte DDR-Bürger wochenlang in völliger Ungewissheit über ihre Zukunft
in Zelten kampieren mussten. Mehr als 70 Interessierte nahmen an der Veranstaltung teil.
Ein wichtiges Medium bei der Aufklärung über die kommunistische Vergangenheit ist auch
der Film. Wiederholt lud die Gedenkstätte daher zu themenbezogenen Filmvorführungen ein.
So fand am 21. Juni 2011 im Berliner Kino Babylon Mitte die Premiere des Dokumentarfilms
„One Germany – The other side of the Wall“ statt. Mit Interviews, Meinungsumfragen und
historischen Filmaufnahmen gingen die Autoren Gabriele und Mark Hayes der Frage nach,
welche Rolle die Mauer heute noch spielt. Sie befragten dazu Politiker, Kirchenvertreter, Musiker, ehemalige Häftlinge, Psychotherapeuten und Kabarettisten. Frühere politische Gefangene
wie Hans-Eberhard Zahn, Vera Lengsfeld und Stephan Krawczyk kommen ebenso zu Wort wie
der langjährige Chef des Stasi-Gefängnisses Berlin-Hohenschönhausen, Siegfried Rataizick,
der die Haftanstalt in dem Film zynisch als „Sanatorium“ bezeichnet. Im anschließenden Podiumsgespräch diskutierte Gedenkstättendirektor Dr. Hubertus Knabe mit den Filmemachern
und der Psychotherapeutin Annette Simon über den Umgang mit der DDR im wiedervereinigten Deutschland. Der Einladung zur Filmvorführung waren über 200 Menschen gefolgt.

Veranstaltungen

Ebenfalls im Kino Babylon veranstaltete die Gedenkstätte vom 8. bis zum 12. Juli 2011
eine ganze Filmreihe aus Anlass des Baus der Berliner Mauer vor 50 Jahren. Unter der Überschrift „Grenzverletzer haben keine Chance – Bewegte Bilder zum Mauerbau“ wurden dabei
fünf Tage lang Spiel- und Dokumentarfilme aus Ost und West gezeigt. Sie berichteten von
Schock und Gewöhnung, von Propaganda und Wirklichkeit, vom Flüchten und vom Standhalten – und von der unstillbaren Sehnsucht nach Freiheit nach dem Mauerbau 1961. Den Auftakt
der Reihe bildete der Film „Deutschland – Endstation Ost“ des belgischen Dokumentaristen
Frans Buyes von 1964. Wenige Jahre nach der Abriegelung der Sektorengrenzen hatte er in
der DDR Grenzsoldaten, Passanten, Arbeiter und Studenten interviewt. Unter der Überschrift
„Das erste Jahr“ wurden am zweiten Tag die Filme „Der Augenzeuge Nr. 35“ und „Die Mauer“ von 1961 gezeigt; ergänzend gab es den Film „Die Mauer – Berlin ´61“ aus dem Jahr
2006. Unter dem Titel „Propaganda und Wirklichkeit“ kamen am dritten Tag Filme an die Reihe wie „Grenzverletzer haben keine Chance“ aus dem Jahr 1964, „Die Aussicht“ von 1965,
„Sprung in die Freiheit“ aus dem Jahr 2000 sowie „Der Kinnhaken“ von 1962. Am vierten
Tag wurden unter dem Titel „Flüchten oder Standhalten“ die Filme „Die Flucht“ von 1976/77
und „Der Mann auf der Mauer“ aus dem Jahr 1982 gezeigt. Am letzten Tag folgten unter der
Überschrift „Wege in die Freiheit“ der Film „Der Tunnel“ aus dem Jahr 2001 sowie eine Abschlussdiskussion. Mehr als 150 Menschen schauten sich die Filme an.
Im Kino Arsenal präsentierte die Gedenkstätte am 24. Februar 2012 den tunesischen Dokumentarfilm „Memory at Risk“ von Kerim Bouzouita und Themeur Mekki. Er zeichnet ein
Bild der tunesischen Geheimpolizei, die bis zu ihrer Auflösung im März 2011 für zahlreiche Verhaftungen, Folterungen und Morde in Tunesien verantwortlich war. Menschenrechtsaktivisten
und politisch Verfolgte berichten in dem Film über ihre Erfahrungen mit der politischen Polizei
des Ben-Ali-Regimes. In einer anschließenden Podiumsdiskussion mit den Bürgerrechtlern
Farah Hached, Mokthar Trifi und Radhia Nasraoui ging es auch um die aktuelle Debatte in
Tunesien, wie mit den Verantwortlichen des Sicherheitsapparates umgegangen werden soll.
Mehr als 45 Besucher nahmen an der Filmvorführung teil.
Am 7. März 2012 lud die Gedenkstätte anlässlich der russischen Präsidentschaftswahlen
zu einer Filmvorführung in die Deutsche Kinemathek ein. Über 80 Interessierte sahen sich
die Dokumentation „Der Fall Chodorkowski“ von Cyril Tuschi an. Fünf Jahre lang hatte der
Berliner Filmemacher in Russland, Deutschland, Israel und den USA recherchiert und Zeitzeugen, Freunde, Kritiker und Familienmitglieder des inhaftierten Ex-Oligarchen aus Russland
interviewt. In einer anschließenden Diskussion, die zusammen mit dem Deutschlandfunk
durchgeführt und später im Radio ausgestrahlt wurde, sprachen der Filmemacher, die russische Menschenrechtlerin Prof. Irina Scherbakowa und der Gründungsdirektor der Forschungsstelle Osteuropa der Universität Bremen, Prof. Wolfgang Eichwede, über die politische Lage
in Russland. Drei Tage nach den Präsidentschaftswahlen ging es dabei vor allem um deren
Folgen für die Zukunft der politischen Kultur in Russland und um die anhaltenden Proteste der
Bevölkerung nach den manipulierten Parlamentswahlen Ende 2011.

51

Bilder aus der Filmreihe zum
50. Jahrestag des Mauerbaus:
Der Kinnhaken (1962), Der
Tunnel (2001), Deutschland
– Endstation Ost (1964), Die
Flucht (1976/77) (von links nach
rechts)

52

Veranstaltungen

„Umerziehung durch Folter“ –
Filmvorführung und Diskussion
in der Deutschen Kinemathek

Ebenfalls in der Deutschen Kinemathek präsentierte die Gedenkstätte zusammen mit
dem Rumänischen Kulturinstitut in Berlin am 30. Mai 2012 den Film „Demascarea – Die Entlarvung“. Die Filmemacher Alin Muresan und Nicolae Margineanu erzählen darin von den grausamen Umerziehungsmaßnahmen des rumänischen Geheimdienstes im Gefängnis von Pistesti in den 50er-Jahren. Um die Inhaftierten, meist kritische Studenten, zu Kommunisten zu
machen, mussten diese ihre Mithäftlinge foltern. Zeitzeugen berichten in dem Film, wie dies
vonstatten ging und wer dafür verantwortlich war. In der anschließenden Diskussion kamen
unter der Moderation des stellvertretenden Gedenkstättendirektors Helmuth Frauendorfer
Drehbuchautor, Regisseur und der ehemalige Häftling Petru Cojocaru zu Wort. Mehr als 120
Besucher nahmen an der beklemmenden Veranstaltung teil, die den Titel trug: „Umerziehung
durch Folter – Das Experiment von Pistesti“.

Opfergedenken
Die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen ist nicht nur ein Ort der Information, sondern
auch des Gedenkens und der Trauer. Aus diesem Grund fanden im Berichtszeitraum wiederholt spezielle Veranstaltungen statt, bei denen der Opfer des SED-Regimes gedacht wurde.
So wurden 2011 und 2012 am Gedenkstein für die Opfer der kommunistischen Gewaltherrschaft im früheren Gefängnishof mehrfach Kränze niedergelegt. Jedes Jahr am 24. Oktober
wurde außerdem der Toten des sowjetischen Speziallagers Nr. 3 gedacht.
Auf einem nahe gelegenen Friedhof an der Berliner Gärtnerstraße befindet sich seit 1998
ein sogenannter DenkOrt, der an die rund 800 Menschen erinnert, die 1945/46 in dem Lager
gestorben sind. Die sowjetische Geheimpolizei ließ ihre Leichen seinerzeit in Massengräbern
in der Umgebung verscharren. Die sterblichen Überreste von 259 Inhaftierten konnten erst
1995 – eben am 24. Oktober – sowie 1999 geborgen und auf dem Friedhof in der Gärtnerstraße
bestattet werden. Wie in den Jahren zuvor organisierte die Gedenkstätte in Zusammenarbeit
mit dem Stadtbezirk Lichtenberg am 24. Oktober 2011 und 2012 eine Gedenkveranstaltung,
an der Angehörige der Toten, ehemalige Lagerhäftlinge sowie Vertreter des Bezirksamtes, der
Bezirksverordnetenversammlung und von Opferverbänden teilnahmen. 2011 wurde in diesem Rahmen auch ein Totenbuch vorgestellt, das die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen
erarbeitet hat (siehe Forschung). In seiner Ansprache erinnerte der stellvertretende Direktor
der Gedenkstätte, Helmuth Frauendorfer, an die unvorstellbaren Leiden der Opfer. Er unterstrich die Bedeutung des Totenbuches für die Hinterbliebenen, da sie dadurch erstmals Klarheit über das Schicksal ihrer Verwandten erhielten. An der Veranstaltung auf dem Friedhof in
der Gärtnerstraße nahmen mehr als 50 Menschen teil. Auch im darauffolgenden Jahr gedachten über 70 Angehörige, ehemalige Häftlinge, Schüler sowie Vertreter des Stadtbezirks und
der Gedenkstätte der Toten des Speziallagers. Diesmal erinnerte Lichtenbergs Bürgermeister
Andreas Geisel (SPD) zusammen mit Gedenkstättendirektor Dr. Hubertus Knabe an das traurige Schicksal der Häftlinge. Vertreter von Parteien und Aufarbeitungsinstitutionen legten am
Gedenkstein Kränze nieder, so etwa die SPD-Fraktion der Bezirksverordnetenversammlung
Berlin-Lichtenberg und der Berliner Landesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen.

Gedenkstättenpädagogik

53

Schüler des Gabriele-vonBülow-Gymnasiums in BerlinTegel bei der Vorstellung der
Ausstellung „Jungsein in der
DDR“, August 2012

Gedenkstättenpädagogik
Die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen hat ein überwiegend junges Publikum (siehe
Besucherforschung). Die fast 200 000 Jugendlichen, die das ehemalige Stasi-Gefängnis jedes
Jahr besuchen, wissen oftmals jedoch sehr wenig oder gar nichts über die kommunistische
Diktatur in Ostdeutschland. Daher bietet die Stiftung auch längere Seminare und Projekttage
an. Zu deren Planung und Betreuung wurde 2004 eine Pädagogische Arbeitsstelle (PAS) eingerichtet. Die Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft hat an sie drei
Lehrer mit der Hälfte ihrer wöchentlichen Arbeitszeit abgeordnet. Sie werden von mehreren
von der Gedenkstätte bezahlten studentischen Hilfskräften unterstützt. Darüber hinaus bietet
die Stiftung seit 2011 im Rahmen eines vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen
und Jugend finanzierten Projektes Seminare zu aktuellen Erscheinungen des Linksextremismus an. Schließlich organisierte das bei der Gedenkstätte angesiedelte Koordinierende Zeitzeugenbüro Schulveranstaltungen mit Zeitzeugen in ganz Deutschland. Insgesamt führte die
Stiftung im Berichtszeitraum 459 Seminare und Projekttage durch. 345 davon wurden von der
Pädagogische Arbeitsstelle und 114 durch das Projekt „Alles Geschichte. Linksextremismus in
Deutschland heute“ durchgeführt. Hinzu kamen 717 Zeitzeugengespräche in Schulen. Durch
die pädagogischen Angebote der Gedenkstätte konnten damit Zehntausende Schüler über
Geschichte, Ideologie und Praxis des Kommunismus erreicht werden.
Allein die Projekttage und Seminare der Pädagogischen Arbeitsstelle wurden im Berichtszeitraum von fast 17 000 Schülern besucht – 8 364 im Jahr 2011 und 8 410 im Jahr 2012. An
den Seminaren des Projektes gegen Linksextremismus nahmen im Berichtszeitraum 1 234
Schüler teil (2011: 39; 2012: 1 195 Teilnehmer). Die Veranstaltungen des Koordinierenden Zeitzeugenbüros besuchten im selben Zeitraum sogar mehr als 35 000 Schüler (2011: 13 000;
2012: 22 365 Teilnehmer). Die gedenkstättenpädagogische Arbeit der Stiftung, die 2009 von
Bundespräsident Horst Köhler im Rahmen der Aktion „Land der Ideen“ ausgezeichnet wurde,
erreichte damit insgesamt 53 373 Schüler – so viele wie nie zuvor.

Seminare und Projekttage
Mehr als 20 Jahre nach dem Ende der SED-Diktatur ist das Wissen junger Menschen über
die DDR sehr gering. Mehrere wissenschaftliche Studien haben zum Teil erschreckende Er-

54

Pädagogische Angebote

Flyer der Pädagogischen Arbeitsstelle der Gedenkstätte

Gedenkstättenpädagogik

gebnisse zutage gefördert. Umso wichtiger ist es, Jugendlichen im Rahmen der schulischen
und außerschulischen Bildung das nötige Wissen zu vermitteln, damit sie sich ein eigenes
Urteil über Idee und Praxis des Kommunismus bilden können.
Die entsprechenden Lerninhalte haben in den Rahmenlehrplänen der Fächer zur politischhistorischen Bildung inzwischen in allen Bundesländern einen festen Platz. Oft fehlt es aber
an Zeit, um das Thema DDR mit der notwendigen Gründlichkeit zu behandeln. Aus diesem
Grund ist der Besuch eines außerschulischen Lernortes wie der Gedenkstätte im ehemaligen
Stasi-Gefängnis Berlin-Hohenschönhausen ein wichtiges Element, um die Schüler aufzuklären und für die Geschichte zu interessieren.
Die Gedenkstätte bietet zu diesem Zweck verschiedene Seminartypen an, die auf der
Website der Stiftung und mit einem speziellen Flyer beworben werden (siehe Öffentlichkeitsarbeit). Das Spektrum reicht dabei von relativ kurzen Seminaren für Gruppen, die nur wenig
Zeit haben, bis hin zu ganzen Projekttagen. Zu allen Angeboten gehört ein Rundgang durch
das ehemalige Stasi-Gefängnis.
In dem dreistündigen Seminartyp „Politische Verfolgung in der DDR“ führt die Gruppe
nach dem Rundgang ein Gespräch mit einem Zeitzeugen, um die Hintergründe seiner Inhaftierung herauszuarbeiten. In dem vierstündigen Seminar „Politische Justiz im SED-Staat“
wird ausführlicher auf die Unterschiede zwischen Diktatur und Demokratie eingegangen.
Beim fünfstündigen Projekttag stehen unterschiedliche Themen zur Auswahl, zu denen die
Schüler eigene Arbeitsergebnisse präsentieren. Im Wege des forschenden Lernens haben sie
die Möglichkeit, sich eigenständig mit der SED-Diktatur auseinanderzusetzen.
Im Berichtszeitraum hat die Pädagogische Arbeitsstelle neue Konzepte für die Durchführung der Seminare zur DDR erarbeitet. Dies war erforderlich, weil es in der deutschen Bildungslandschaft in den letzten Jahren zu zum Teil tiefgreifenden Veränderungen gekommen
ist. Da viele Bundesländer die Schultypen Haupt-, Mittel- bzw. Real- oder auch Gesamtschule
aufgelöst und zusammengelegt haben, ergeben sich in den Klassenstufen 9 und 10 wesentlich heterogenere Lerngruppen als früher. Aus diesem Grunde muss stärker binnendifferenziert vorgegangen, das heißt, ein und derselben Gruppe müssen Lernangebote von unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad gemacht werden. In Berlin wurde zudem die Möglichkeit für
das Schuleintrittsalter um ein Jahr abgesenkt, so dass die Schüler, wenn sie das Thema DDR
im Unterricht behandeln, zukünftig jünger sind als bisher.
Auch im Bereich der gymnasialen Oberstufen ist es zu Veränderungen gekommen, da
einige Bundesländer die Schulzeit von 13 auf 12 Jahre verkürzt haben. Die neueste deutsche
Geschichte wird deshalb – mit dem Schwerpunkt auf gymnasialer Kompetenzvermittlung –
bereits in jüngeren Jahrgangsstufen abgehandelt. Diese Umstände müssen in der Planung
von zeitgemäßen Bildungsangeboten Berücksichtigung finden. Dabei war es von Vorteil, dass
die drei an die Gedenkstätte abgeordneten Lehrer aus drei unterschiedlichen Schultypen kommen: Integrierte Sekundarschule, Gymnasium und Oberstufenzentrum.
Um die Schüler stärker bei ihren eigenen Lebenserfahrungen abzuholen, liegt der Schwerpunkt der Seminare nunmehr beim Thema „Erwachsenwerden in der DDR“. Anhand unterschiedlicher Materialien, zu denen auch moderne Medien (Tablets) gehören, arbeiten Schülerinnen und Schüler die Kennzeichen der SED-Diktatur heraus. Sie vergleichen dazu ihren
Alltag mit denen von Kindern und Jugendlichen in der DDR, zum Beispiel im Kindergarten, in
der Schule oder in der Berufsausbildung. In allen Angeboten kommen auch Zeitzeugen zum
Einsatz. Die Seminare sind dabei so angelegt, dass die Schüler dazu befähigt werden, eigenständig Schlussfolgerungen aus der Geschichte zu ziehen.

Gedenkstättenpädagogik

Die Mitarbeiter der Pädagogischen Arbeitsstelle standen Schülern auch bei Haus- oder
Prüfungsarbeiten beratend zur Seite. So begleiteten sie eine Reihe von Schülern bei der Anfertigung ihrer Präsentationsprüfung, die am Ende der 10. Klasse und im Abitur vorgeschrieben ist. Sie bot ihnen dazu Arbeitsmöglichkeiten in der Gedenkstätte.
Im März 2012 fand zudem das erste Seminar für blinde und sehbehinderte Schüler statt.
Teil des vierstündigen Seminars war ein 90-minütiger Rundgang durch die Gedenkstätte, der
speziell für sehbehinderte Besucher entwickelt wurde. Unter Anleitung von zwei Besucherreferenten sowie Mitarbeitern der Pädagogischen Arbeitsstelle beschäftigten sich die Schüler
anschließend intensiver mit der DDR. Statt schriftlicher Quellen kamen vor allem Audiodateien zum Einsatz, auf deren Grundlage die Schüler verschiedene Aufgabenstellungen bearbeiten konnten. Die Entwicklung solcher Formate ist wichtig, da es das Prinzip der Inklusion
künftig noch öfter notwendig machen wird, auf Schüler mit unterschiedlichen Behinderungen
einzugehen.
Die Nachfrage nach den Seminaren und Projekttagen der Gedenkstätte war – trotz eines
dafür erhobenen Kostenbeitrages – im Berichtszeitraum außerordentlich groß. Die Schüler
müssen für ein dreistündiges Seminar mit bis zu 25 Teilnehmern jeweils 50 Euro zahlen, für
längere Angebote sind es 75 Euro. Nur das Land Hessen finanziert über seine Landeszentrale für politische Bildung seinen Schülern die Teilnahme an den Gedenkstättenseminaren zur
DDR-Geschichte.
Der Großteil der Schüler – knapp 90 Prozent – kommt aus allgemeinbildenden Schulen,
annähernd 10 Prozent besuchen Berufsschulen. Die meisten entschieden sich für ein dreistündiges Seminar (2011: 4 703 Schüler; 2012: 4 246 Schüler). An zweiter Stelle kamen die
fünfstündigen Projekttage (2011: 1 367 Schüler; 2012: 2 094 Schüler), an dritter die vierstündigen Seminare (2011: 192 Schüler; 2012: 282 Schüler). Obwohl die Schulklassen häufig nicht
allzu viel Zeit haben, hat sich damit der Anteil der längeren Formate deutlich erhöht, was mehr
Raum für eine inhaltliche Vertiefung bietet. Besonders ins Auge sticht zudem die große Zahl
von Seminarteilnehmern aus Hessen (2011: 1 210 Schüler; 2012: 1 050 Schüler). Sie zeigt,
welche positiven Auswirkungen die finanzielle Unterstützung durch die dortige Landeszentrale für politische Bildung hat.

Mobiles Learning Center
2012 wurde das gedenkstättenpädagogische Angebot der Stiftung um ein neues Element
erweitert. Ein ehemaliger Gefangenentransporter des Staatssicherheitsdienstes wurde zu ei-

55

Führung für blinde und sehbehinderte Schüler mit Objekten
politischer Haft, März 2012

56

Vorstellung des Mobilen Learning Centers an einer Berliner
Schule mit Berlins Bildungsstaatssekretär Mark Rackles
(rechts oben), August 2012

Gedenkstättenpädagogik

nem Mobilen Learning Center umgebaut. Das originalgetreu rekonstruierte Fahrzeug wurde
dazu mit Hörstationen, einem Monitor und einer Ausstellung ausgestattet, die in der Schule
oder – bei gutem Wetter – auf dem Schulhof aufgebaut werden kann. Das Fahrzeug führt
zudem Tablet-PCs mit, auf denen sich Unterrichtsmaterialien und Aufgaben befinden, die die
Schüler selbständig lösen können. Das Konzept wurde zusammen mit der Berliner Firma
beier+wellach entwickelt und vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien
finanziert.
Das Fahrzeug wurde am 13. August 2012 – dem 51. Jahrestag des Mauerbaus – im Beisein des Berliner Bildungsstaatssekretärs Mark Rackles am Gabriele-von-Bülow-Gymnasium
in Berlin-Tegel der Öffentlichkeit vorgestellt. Seither kommt es vorrangig bei Projekttagen
zum Einsatz. Mitarbeiter der Pädagogischen Arbeitsstelle fahren dazu in der Regel mit einem
Zeitzeugen an eine Schule. Dort können die Schüler das Fahrzeug besichtigen, mit dem Zeitzeugen sprechen und mit den Tablet-PCs arbeiten. Da das Mobile Learning Center speziell
für junge Menschen entwickelt wurde, kam es auch an Grundschulen zum Einsatz, wo in
Zusammenarbeit mit der Pädagogischen Arbeitsstelle ein Projekttag der 5. und 6. Klasse zum
Thema „Grundschule in der DDR“ durchgeführt wurde.

Projekt „Alles Geschichte?“
Eine zusätzliche Erweiterung des pädagogischen Angebotes der Gedenkstätte erfolgte
durch das seit September 2011 vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und
Jugend (BMFSFJ) geförderte Projekt „Alles Geschichte? Linksextremismus in Deutschland
heute“. Ziel des Vorhabens war es, die Auseinandersetzung mit dem Kommunismus auch am
Beispiel aktueller Erscheinungsformen zu führen. Zu diesem Zweck wurde das Modellprojekt
„Präventive Seminararbeit mit Jugendlichen gegen Linksextremismus“ entwickelt. Es wurde

Gedenkstättenpädagogik

im Rahmen des Programms „Initiative Demokratie Stärken“ gefördert und von der Regiestelle des Bundesamts für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) betreut. In dem
Projekt arbeiteten drei Mitarbeiter, die von mehreren studentischen Hilfskräften unterstützt
wurden.
Das Projekt bietet spezielle Seminarangebote für Jugendliche an, um sie über linksextremistische Bestrebungen in Deutschland zu informieren. In Kooperation mit der Firma
beier+wellach wurden zu diesem Zweck verschiedene Unterrichtsmodule entwickelt, bei denen die Schüler weitgehend eigenständig bestimmte Fragestellungen beantworten konnten.
Dazu standen ihnen wie beim Mobilen Learning Center Originalquellen wie Fotos, Videos
oder Dokumente sowie Sachtexte und Expertenaussagen auf Tablet-PCs zur Verfügung.
Das Seminarangebot setzt sich aus einem Grundlagenmodul und sechs frei auswählbaren Vertiefungsmodulen zusammen. Im Grundlagenmodul setzen sich die Teilnehmer mit
wesentlichen historischen Vorläufern des heutigen Linksextremismus auseinander: die Russische Revolution 1917, der Spartakusaufstand 1919, die DDR, die Terrorgruppe Rote Armee
Fraktion (RAF) und die Autonomen in der Bundesrepublik. Unter Anleitung eines Seminarleiters erarbeiten sich die Jugendlichen mit Hilfe der Tablet-PCs wesentliche Merkmale des
(Links-)Extremismus.
In den Vertiefungsmodulen geht es um speziellere Fragestellungen wie „Der Kommunismus – eine gute Idee?“, „‘Fight capitalism‘ – Leben ohne Marktwirtschaft?“ oder „‘Revolutionäre Gewalt‘ – ein Weg zu einer besseren Gesellschaft?“. Die Schüler können sich auch
mit der Frage „DIE LINKE – eine extremistische Partei?“ oder „‘Antifa heißt Angriff‘ – mit
Gewalt gegen Rechtsextremismus?“ beschäftigen. Eine weiteres Modul zielt auf die Auseinandersetzung mit linksextremistischen Inhalten in der Unterhaltungsmusik und trägt den Titel
„‘Bomben bauen, Waffen klauen‘ – mit Musik gegen die Demokratie?“. Das Konzept sieht
vor, dass sich die Gruppen selbständig mit der jeweiligen Fragestellung beschäftigen und ihre
Arbeitsergebnisse anschließend dem Plenum präsentieren.
Die Seminare und Workshops wenden sich vor allem an Jugendliche der Sekundarstufe
II und werden sowohl in der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen als auch an Schulen in
ganz Deutschland durchgeführt. Die Kosten übernimmt das BMFSFJ. Das Projekt wurde mittels Anschreiben und Flyer beworben, über 2 700 Schulen wurden von der Stiftung direkt angeschrieben. Verschiedene Bildungseinrichtungen weisen auf ihren Internetseiten darauf hin.
Nach Fertigstellung der Tablet-PCs wurden 2012 insgesamt 110 Seminare durchgeführt,
an denen 1 195 Schüler teilnahmen. Die meisten von ihnen kamen aus Berlin (300), BadenWürttemberg (163), Brandenburg (159) und NRW (150). Weitaus weniger kamen aus Bremen
(12) und Schleswig-Holstein (22). Teilnehmer aus den ostdeutschen Bundesländern Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt sowie den westdeutschen Ländern Hamburg, Hessen und
Saarland wurden nicht verzeichnet. Alle Seminaranfragen und -buchungen werden über eine
spezielle Datenbank verwaltet.
Da die Beschäftigung mit aktuellen Formen des Linksextremismus in Deutschland noch
Neuland ist, haben die Mitarbeiter des Projektes auch gezielt Multiplikatorengespräche geführt. So wurde das Projekt bei drei Lehrerfachkonferenzen in Berlin vorgestellt. Lehrer und
Institutionen, die von dem neuen Angebot der Gedenkstätte Gebrauch gemacht haben, haben
darauf durchweg positiv reagiert. Die Jugendlichen, die an den Seminaren teilnahmen, erklärten häufig, dass sie bislang kaum etwas über Ideologie und Praxis des Linksextremismus
erfahren hätten, was die Bedeutung des Modellprojektes unterstreicht.

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Broschüre der Gedenkstätte
zum Thema „Linksextremismus
heute“

58

Gedenkstättenpädagogik

Der Zeitzeuge Burkhard
Seeberg (links) mit Schülern
der Hauptschule Damme in Niedersachsen

Zeitzeugenbörse/Koordinierendes Zeitzeugenbüro
Seit mehreren Jahren verfolgt die Gedenkstätte das Ziel, nicht nur ihren Besuchern die
Möglichkeit zu geben, sich von Zeitzeugen aus erster Hand über die kommunistische Diktatur
in Ostdeutschland informieren zu lassen. Aufgrund ihres besonderen Zugangs zu Schulen
und ehemaligen politischen Gefangenen lag es nahe, diese auch außerhalb der Gedenkstätte
zusammenzubringen. Die Stiftung unterhält über ihr Zeitzeugenbüro persönlichen Kontakt zu
Hunderten ehemals Inhaftierten in ganz Deutschland. Zugleich ist sie Ansprechpartner für
Tausende Schulen und Lehrer, die die Gedenkstätte besucht haben oder besuchen wollen.
Daraus entstand die Idee, interessierte Bildungseinrichtungen in Kontakt zu einem Zeitzeugen in ihrer Region zu bringen. Um die junge Generation besser über die SED-Diktatur zu informieren, sollten DDR-Zeitzeugen deutschlandweit in den Schulunterricht entsandt werden.
Bei der Umsetzung dieser Idee ergaben sich in der Praxis jedoch verschiedene Probleme: Um Zeitzeugen nicht nur vereinzelt an Schulen vermitteln zu können, bedarf es einer
Erfassung und Betreuung möglichst vieler dafür in Frage kommender Persönlichkeiten. Die
Erfahrung anderer Zeitzeugenportale hat außerdem gezeigt, dass es wenig Sinn macht, potentiell Interessierten nur passiv ein Angebot zu machen. Vielmehr kommt es darauf an, Lehrer gezielt darauf anzusprechen und sie persönlich vom Sinn eines Zeitzeugeneinsatzes zu
überzeugen. Um die Einsätze verbindlich zu gestalten und das Engagement der beteiligten
SED-Opfer zu würdigen, sollte diesen zudem eine Aufwandsentschädigung gezahlt und etwaige Reisekosten erstattet werden. Für all diese Dinge bedarf es entsprechender personeller
und finanzieller Ressourcen.
Nach den Bundestagswahlen 2009 hat sich die Gedenkstätte deshalb bei den Regierungsparteien dafür eingesetzt, für die Vermittlung von Zeitzeugen zusätzliche Mittel bereitzustellen.
Diesem Anliegen wurde im Koalitionsvertrag und später auch im Bundeshaushalt Rechnung
getragen. Bereits 2010 konnte die Gedenkstätte deshalb mit Unterstützung des Beauftragten
der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) damit beginnen, im Rahmen einer „Zeitzeugenbörse“ ehemalige politische Häftlinge aus der DDR an Schulen in ganz Deutschland zu
entsenden. Pro Einsatz erhielten die Zeitzeugen eine symbolische Aufwandsentschädigung
von 50 Euro, bei Veranstaltungen, die länger als 90 Minuten dauerten, 100 Euro. Die Reisekosten wurden ebenfalls erstattet.
In Abstimmung mit dem BKM, der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und
der Stiftung Berliner Mauer erarbeitete die Gedenkstätte Anfang 2011 das Konzept eines Koordinierenden Zeitzeugenbüros (KZB). Es nahm am 1. Juni 2011 seine Arbeit auf und ermöglicht Lehrern und Schulen, auf derselben Grundlage wie bei der Zeitzeugenbörse ehemalige
SED-Verfolgte kostenlos in den Schulunterricht einzuladen. Insbesondere Jugendliche, die

Gedenkstättenpädagogik

59

„Seine bewegenden Erfahrungen, die Herr Schneider sehr
mitreißend schilderte, stießen bei unseren Studenten auf sehr
großes Interesse und bereicherten außerordentlich unsere
Lehrveranstaltung!“
„Herr Rehbein verstand es ausgezeichnet, den Schülern diese
Thematik nahe zu bringen.“
bisher noch keine Gelegenheit hatten, die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen oder andere ehemalige Haftorte der DDR zu besuchen, sollen auf diese Weise besser über das kommunistische Unrecht informiert werden.
2012 arbeiteten im KZB eine Vollzeit- und eine Teilzeitkraft. Sie betreuten die Einsätze von
der Akquise bis zur Auswertung. Der BKM unterstützte das Projekt mit 120 000 Euro pro Jahr.
Im Oktober 2011 wurde für das KZB ein neues Internetportal (www.ddr-zeitzeuge.de) freigeschaltet. Interessierte können dort – wie vorher bei der „Zeitzeugenbörse“ – nach Zeitzeugen in ihrer Umgebung suchen und Buchungsanfragen stellen. Die Zeitzeugen sind nach Bundesländern geordnet und werden jeweils mit einer Kurzbiografie und einem Foto vorgestellt.
Das Portal informiert auch über die Organisation und die finanzielle Abwicklung der Zeitzeugengespräche. Über ein Online-Formular, per Brief oder per Telefon kann jeder Interessierte
eine Anfrage nach einem Zeitzeugen stellen. Das Büro leitet den Wunsch an den Zeitzeugen
weiter und koordiniert die weitere Durchführung seines Einsatzes. Die Zeitzeugen werden
ebenso wie die einladenden Schulen eingehend darauf vorbereitet; danach findet eine Auswertung und Nachbereitung statt.
Auf der Website können sich Interessierte auch vorbereitendes Unterrichtsmaterial zur
DDR und zum Staatssicherheitsdienst herunterladen. Außerdem stehen Muster für eine
Pressemitteilung und ein Veranstaltungsplakat zum Download bereit, bei denen die Veranstaltungsdaten und Informationen über den Zeitzeugen nur noch eingefügt werden müssen.
Im Vorfeld eines jeden Einsatzes werden diese Tools gezielt zur Verfügung gestellt. Auf diese
Weise konnte erreicht werden, dass auch zahlreiche Lokalzeitungen und Online-Medien über
die Zeitzeugengespräche berichtet haben.
Durch gezielte Suche hat sich die Zahl der angebotenen Zeitzeugen im Berichtszeitraum
kontinuierlich erhöht. Standen 2011 noch 128 Zeitzeugen zur Verfügung, waren es im Folgejahr bereits 160. In den meisten Teilen Deutschlands gibt es dadurch inzwischen ehemalige
politische Häftlinge, die bereit sind, ihre Erfahrungen an die junge Generation weiterzugeben.
Hinzu kommen einige nichtinhaftierte DDR-Oppositionelle sowie Opfer des DDR-Grenzregimes. Alle Zeitzeugen wurden vor ihrer Aufnahme sorgfältig auf ihre Eignung geprüft.
Das Angebot der Gedenkstätte stieß auf ein geradezu überwältigendes Echo. Allein von
Juni bis Dezember 2011 wurden 204 Zeitzeugenveranstaltungen mit fast 13 000 Teilnehmern
durchgeführt. 2012 fanden sogar 513 Einsätze an Schulen und anderen Bildungseinrichtungen
statt. Im Schnitt hat das KZB damit jeden Werktag zwei Gespräche organisiert. Die bereits
sehr ehrgeizige Zielvorgabe von 500 Veranstaltungen pro Jahr wurde damit deutlich übertroffen. 2012 wurden insgesamt 22 365 Teilnehmer erreicht. Insbesondere Gymnasien und Oberschulen griffen im Berichtszeitraum auf die Zeitzeugenvermittlung zurück. Mit insgesamt 87
bzw. 73 Veranstaltungen waren die Bundesländer Nordrhein-Westfalen und Bayern 2012 dabei Spitzenreiter. Besonders hervorzuheben ist, dass es dem KZB gelungen ist, verstärkt auch
ostdeutsche Schüler anzusprechen. So fanden nicht nur in den alten Bundesländern, sondern
auch in Thüringen und Brandenburg zahlreiche Zeitzeugengespräche (jeweils 40) statt.
Die positive Resonanz auf das Angebot äußerte sich nicht nur in der hohen Zahl von Buchungen. Auch die große Zahl eingehender Telefonate, E-Mails und persönlicher Briefe von
Lehrern und Schülern belegen den Erfolg. Die persönliche Begegnung mit einem Zeitzeugen
wurde von den Beteiligten durchgehend als ein bedeutendes Erlebnis empfunden, das Geschichte hautnah erlebbar machte. Die Zeitzeugenveranstaltungen erwiesen sich deshalb als
überaus gut geeignet, um junge Menschen für das SED-Unrecht zu sensibilisieren und der
Verharmlosung der DDR-Diktatur entgegenzuwirken. Auch die Zeitzeugen zogen nach ihren

Reaktionen von Schülern und
Lehrern zu den Zeitzeugeneinsätzen an Schulen

„Der Besuch von Frau Große war in meinen Klassen ein echter Erfolg,
die Schüler sind gerührt, bewegt und geschockt aus der Veranstaltung
gegangen.“
„ ... sehr informativ und gewinnbringend“

60

Gedenkstättenpädagogik

Gesprächen ein positives Fazit und betonten das große Interesse der Schülerinnen und Schüler an ihren Erlebnissen in der DDR.

Lehrerfortbildung
Die Gedenkstätte hat sich auch mit der Aus- und Fortbildung von Lehrern zum Thema SEDDiktatur befasst. Ihre Pädagogische Arbeitsstelle hat im Berichtszeitraum 21 derartige Veranstaltungen mit insgesamt 315 Teilnehmern durchgeführt. Vorrangig handelte es sich dabei um
Fachseminare historisch-politisch bildender Fächer. Dabei ging es um gedenkstättenpädagogische Überlegungen zur Arbeit mit Schülern, wobei die besondere Bedeutung der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen als außerschulischer Lernort herausgearbeitet wurde.
Eine Lehrerfortbildung besonderer Art stellte eine Veranstaltung dar, die in Kooperation
mit dem Goethe-Institut durchgeführt wurde. Dieses hatte im Jahr 2012 30 Schulinspekteure aus Ägypten eingeladen, die nach der Absetzung des Diktators Husni Mubarak die
Rahmenpläne für die historischen und gesellschaftswissenschaftlichen Fächer neu gestalten
und deren Umsetzung in den Schulen begleiten sollten (siehe Internationale Kooperationen).
Den ägyptischen Gästen ging es vor allem darum, von den Erfahrungen der Gedenkstätte im
Hinblick auf die Einbindung individueller und kollektiver Diktaturerfahrungen in Unterrichtskonzepte zu profitieren.

Pädagogische Kooperationen

Cover einer Broschüre der
Hessischen Landeszentrale
für politische Bildung über die
Gedenkstätte

Bei der pädagogischen Arbeit ist die Kooperation mit anderen Institutionen für die Gedenkstätte von besonderer Bedeutung. Dazu zählen nicht nur Schulen und Bildungseinrichtungen, sondern auch zivilgesellschaftliche Organisationen wie Amnesty International. Denn
für eine erfolgreiche Demokratieerziehung – das Ziel jeder Gedenkstättenpädagogik – ist es
notwendig, auch den Bezug zur Gegenwart herzustellen.
Die Zusammenarbeit mit Amnesty International bot vielfältige Möglichkeiten, den Schülern die Bedeutung der Menschen- und Bürgerrechte auch in der Gegenwart zu vermitteln.
Zugleich bekamen sie vermittelt, wie wichtig die Kontrollfunktion einer funktionierenden Zivilgesellschaft ist. Die Auseinandersetzung mit der DDR-Geschichte konnte so zum Anlass
genommen werden, sich auch mit aktuellen Diktaturen und Machtstrukturen auseinanderzusetzen. Zu diesem Zweck wurden unterschiedliche Materialien wie Plakate, Wechselausstellungen oder die Homepage von Amnesty International in die Seminare
eingebunden. Auf der Website der Gedenkstätte wurde zudem regelmäßig auf einen
„Gefangenen des Monats“ aufmerksam gemacht.
Auch mit der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung gibt es eine enge
Kooperation. Ein jährlich abgeschlossener Kooperationsvertrag sah vor, dass jedes Jahr
mindestens 75 Seminare mit hessischen Schülern durchgeführt werden sollten. In diesem Rahmen kamen im Berichtszeitraum 2 260 Schüler aus Hessen zu Projekttagen in
die Gedenkstätte. Unterstützt wurde die Seminararbeit auch von der Bundeszentrale
für politische Bildung. Mit einer Reihe von Schulen hat die Gedenkstätte seit 2010
zudem direkte Kooperationsvereinbarungen abgeschlossen. Im Zuge der Zusammenarbeit mit der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung wurde auch die im vorangegangenen Berichtszeitraum in Kooperation mit dem Landesinstitut für Schule und
Medien Berlin-Brandenburg (LISUM) verfasste Broschüre überarbeitet und verbreitet.

Forschung

Forschung
Die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen hat den gesetzlichen Auftrag, die Geschichte der Haftanstalt in den Jahren 1945 bis 1989 zu erforschen. Der Stiftung stehen dafür
jedoch nur begrenzte personelle und finanzielle Mittel zur Verfügung. Im Mittelpunkt ihrer
Forschungsarbeit stand deshalb die Dokumentation der zahlreichen Häftlingsschicksale, um
die sich vornehmlich das Zeitzeugenbüro der Gedenkstätte kümmert. Darüber hinaus hat
die Gedenkstätte eine Reihe von Drittmittelprojekten initiiert und durchgeführt sowie Forschungsarbeiten externer Wissenschaftler fachlich unterstützt. Durch die Sondermittel für die
Erarbeitung der Dauerausstellung konnten zudem erstmals mehrere Werkaufträge vergeben
werden, um offene Fragestellungen gezielt zu erforschen.

Zeitzeugenbüro
Eine der ersten Maßnahmen bei Gründung der Gedenkstätte war die Einrichtung eines
Zeitzeugenbüros. Dieses dient als Anlaufstelle für alle ehemaligen Häftlinge, die Kontakt zur
Gedenkstätte suchen. Zugleich recherchiert es selbständig nach Zeitzeugen und ihren Angehörigen, um Erinnerungen, Dokumente, Fotos oder dreidimensionale Gegenstände über die
Geschichte der Haftanstalt zusammenzutragen. Entsprechenden Hinweisen von Besuchern
in Veröffentlichungen oder bei Veranstaltungen wird jeweils genau nachgegangen. Da die Gedenkstätte nach aufwändigen Forschungen inzwischen die Namen aller in Hohenschönhausen inhaftierten Stasi-Untersuchungshäftlinge herausfinden konnte, ergeben sich zusätzliche
Recherchemöglichkeiten. Im Jahresdurchschnitt konnten so etwa 80 neue Erstkontakte zu
Zeitzeugen hergestellt werden.
Die Erforschung der Häftlingsschicksale erfolgt in der Regel nach folgendem Muster: Das
Zeitzeugenbüro bittet die ihm bekannt gewordenen Inhaftierten zunächst, einen Fragebogen
mit den wichtigsten Angaben zu ihrer Haft auszufüllen. Wenn sie dazu bereit sind, werden
mit ihnen später mehrstündige leitfadengestützte Videointerviews geführt. Dazu verfügt das
Zeitzeugenbüro über eine entsprechende technische Ausrüstung (Kamera, Beleuchtung, Mikrofon) sowie über einen speziell hergerichteten Studioraum. Anschließend werden die Interviews von professionellen Schreibbüros abgeschrieben und von den Betroffenen korrigiert.
Parallel dazu werden sämtliche zugängliche Veröffentlichungen und Dokumente zu den in Ho-

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Forschung

Prof. Dr. Karin Sorger, verhaftet wegen Fluchtversuchs

Standbilder aus Videointerviews
mit Prof. Dr. Karin Sorger und
Dr. Karl Wilhelm Fricke

Dr. h.c. Karl Wilhelm Fricke, entführt aus West-Berlin wegen Mitarbeit im Untersuchungsausschuss Freiheitlicher Juristen

henschönhausen Inhaftierten gesammelt. Die so zusammengetragenen Unterlagen werden
personenbezogen im Zeitzeugenarchiv abgelegt, wo sie als Quelle für Forschungen sowie
als Material für Ausstellungen und Publikationen zur Verfügung stehen (siehe Sammlungen).
Bevor die Zeitzeugen interviewt werden können, müssen die Mitarbeiter der Gedenkstätte erst mühsam deren Kontaktdaten recherchieren. Dann müssen sie motiviert werden, einer
Dokumentation ihrer Haftgeschichte zuzustimmen. Diese zeitaufwändige Vorarbeit macht einen Großteil der Arbeit des Zeitzeugenbüros aus. Als Hindernis erweist sich immer häufiger
das hohe Alter und die schlechte gesundheitliche Verfassung vieler Zeitzeugen. Einigen ist es
deshalb nicht mehr möglich, in die Gedenkstätte zu kommen. Angesichts der beschränkten
finanziellen Mittel der Stiftung ist auch die Erstattung von Fahrt- oder Übernachtungskosten
ein Problem. Immer häufiger sind auch Todesfälle zu beklagen. So verstarben zwischen 1995
und 2012 allein 170 der registrierten Zeitzeugen, darunter mehrere langjährige Besucherreferenten wie Hans-Joachim Helwig-Wilson, Sigrid Paul oder Gerhard „Charly“ Rau.
Seit 1995 konnte die Gedenkstätte insgesamt 1 130 ehemalige Häftlinge des Haftortes
Hohenschönhausen kontaktieren. Gegenüber dem letzten Tätigkeitsbericht ist das ein Zuwachs von 182 Personen oder knapp 20 Prozent. Rund die Hälfte dieser Zeitzeugen wurde
auch befragt. Im Berichtszeitraum führte das Zeitzeugenbüro 135 Interviews durch – gut 17
Prozent mehr als im Zeitraum 2009/2010 (115). Die Gesamtzahl der vorliegenden Zeitzeugeninterviews liegt damit bei über 550. Trotz der erheblichen Kosten hat die Gedenkstätte im
Berichtszeitraum 166 davon transkribieren lassen (2009/2010: 154). Ohne außerordentliche
Projektmittel des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) wäre dies
nicht möglich gewesen.
Die Sicherung der Häftlingserinnerungen wurde durch die möglichst umfassende Dokumentation weiterer relevanter Unterlagen ergänzt. Neben amtlichen Papieren, Briefen, persönlichen Berichten, Veröffentlichungen oder Fotos gehören dazu vor allem die Dokumente
des DDR-Staatssicherheitsdienstes. Um eine Kopie dieser Unterlagen zu erhalten, ist eine
persönliche Einwilligungserklärung der Betroffenen erforderlich. Lediglich bei seit Längerem
Verstorbenen oder Personen der Zeitgeschichte kann davon Abstand genommen werden.
Da in den Unterlagen die Namen Dritter geschwärzt werden müssen, ist die Recherche
oft außerordentlich zeitaufwändig, zumal der Staatssicherheitsdienst zu jedem Betroffenen
meist mehrere Aktenbände angelegt hat. So hat die Gedenkstätte im Berichtszeitraum beim
Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR
(BStU) zwar 171 Anträge auf Akteneinsicht gestellt, doch nur 59 konnten in 2012 abschließend
bearbeitet werden. Insgesamt hat die Behörde des Stasi-Akten-Beauftragten 2011 und 2012
16 500 Blatt Kopien von Unterlagen ehemaliger Häftlinge übergeben.
Bei den Recherchen im Stasi-Unterlagen-Archiv lag der Schwerpunkt auf der Durchsicht
personenbezogener Haftakten aus dem Gefängnis in Berlin-Hohenschönhausen und seiner
Vorgängereinrichtung in der Berliner Albrechtstraße. Dieser außerordentlich wichtige Quellenbestand aus dem Zeitraum 1950 bis 1989 lag vorher nicht im Blickfeld, da er im Findbuch des

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Forschung

Prof. Dr. Barbara Einhorn, verhaftet wegen Kontakten zu den DDROppositionellen Ulrike Poppe und Bärbel Bohley

Matthias Melster, verhaftet wegen Fluchtversuchs

BStU unter einer anderen Bezeichnung („Gefangenenakten der Abteilung Haftkrankenhaus
des Zentralen Medizinischen Dienstes des MfS“) erfasst war. Die Akten enthalten zahlreiche,
bisher unbekannte biografische Angaben zu den Inhaftierten, beispielsweise zum Wohnort,
zum erlernten bzw. ausgeübten Beruf, zur Staatsbürgerschaft oder zur Parteizugehörigkeit.
Darüber hinaus dokumentieren sie wichtige Sachverhalte während der Untersuchungshaft
wie die Zellennummer der Häftlinge, deren Gesundheitszustand, die ihnen weggenommenen
Gegenstände (Effekten), die Namen ihrer Vernehmer, die Uhrzeiten ihrer Vernehmungen oder
die gegen sie verhängten Strafmaßnahmen (zum Beispiel „Matratzenentzug“).
Im Berichtszeitraum wurde damit begonnen, die wichtigsten Daten aus dem neu entdeckten Bestand im Word-Format zu erfassen. Von ausgewählten Schriftstücken – zum Beispiel
über den Gesundheitszustand der Häftlinge oder über besondere Vorkommnisse während der
Untersuchungshaft – wurden auch längere Textauszüge angefertigt bzw. Kopien bestellt. Aus
dem Bestand wurden bisher 1 594 Akten aus dem Zeitraum 1950 bis Januar 1954 ausgewertet und ca. 700 Kopien bestellt.
Weitere Recherchen beim BStU betrafen die Geschichte des Stasi-Dienstkomplexes Freienwalder Straße und seine Entwicklung ab 1990. Ferner sichteten die Mitarbeiter Dokumente
über die Anfänge der Stasi-Untersuchungshaft in der ersten Hälfte der 1950er Jahre. Aus der
Auswertung von rund 200 Akteneinheiten erfuhr die Gedenkstätte zum Beispiel das genaue
Datum, wann das sowjetische Kellergefängnis („U-Boot“) nach der Übernahme durch das
MfS wieder in Betrieb genommen wurde. Auch über den ersten Leiter des Zentralgefängnisses und über den Standort der fast unbekannten Ermittlungsabteilung der Hauptabteilung I
konnten wichtige neue Erkenntnisse gewonnen werden.
Neue Informationen ergab auch die Auswertung von MfS-Unterlagen zum Spionagering
um Gerhard Raue. Der Zahnarzt, der unter anderem in der Poliklinik des ZK der SED praktizierte, war für die CIA tätig, ebenso seine Ehefrau, seine Mutter und seine Sekretärin. Zeitweise
betätigte er sich auch als Zuträger für das MfS. Während des Strafvollzugs standen Gerhard
und Olga Raue unter besonderer Kontrolle des Staatssicherheitsdienstes. Sie blieben deshalb
in Hohenschönhausen und mussten im Lager X, im Haftkrankenhaus und im Strafgefangenenarbeitskommando der Untersuchungshaftanstalt arbeiten. Allein in diesem Fall stellte der
BStU über 1 000 Blatt Kopien zur Verfügung.
Darüber hinaus fanden Aktenrecherchen in anderen historischen Archiven statt. So wurde im Diözesan-Archiv Berlin das 1 023 Seiten umfassende Tagebuch des Juristen Dr. Werner Pünder aus seiner Zeit in sowjetischer Haft (1945 bis 1950) gesichtet. Der Hitler-Gegner
durchlief mehrere GPU-Keller in Berlin und war unter anderem auch in der „Heike-Villa“ in
der Freienwalder Straße inhaftiert. Im Landesarchiv Berlin forschte die Gedenkstätte nach
Bittgesuchen von Angehörigen vermisster Personen, die 1947 und 1948 an die Berliner Oberbürgermeister Ostrowski und Schröder gerichtet wurden.
Im Berichtszeitraum wurden erstmals auch Dokumente im Archiv des Diakonischen Werkes (ADW) in Berlin-Dahlem gesichtet. Die Suche konzentrierte sich auf die Überlieferung des

Standbilder aus Videointerviews
mit Prof. Dr. Barbara Einhorn
und Matthias Melster

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Forschung

Rainer Eppelmann, verhaftet wegen Wehrdienstverweigerung und
Aktivitäten in Kirchen- und Menschenrechtsgruppen
Standbilder aus Videointerviews
mit Rainer Eppelmann und
Gerda Böttcher

Gerda Böttcher, verhaftet wegen Kontakten zum britischen
Geheimdienst

ehemaligen Suchdienstes der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Aus Anzeigen über
Vermisste, Suchmeldungen, Bittgesuchen und anderen Unterlagen ermittelte die Gedenkstätte Namen verschiedener Personen, die ab 1945 in Berlin-Hohenschönhausen inhaftiert
waren bzw. dort umgekommen sind. Von großem Interesse waren auch Sachakten über die
Waldheimer Prozesse, über die Gefangenenseelsorge, über den kirchlichen Paketdienst, über
die Haftlager in der Sowjetunion und über Kontakte von Kirchenvertretern zu deutschen und
sowjetischen Dienststellen. Insgesamt wurden 105 Akten und Kisten mit Karteikarten durchforstet, umfangreiche Aufzeichnungen über Personen angefertigt und 553 Kopien bestellt.
Die so recherchierten Namen und Unterlagen aller ehemaligen Häftlinge wurden von der
Gedenkstätte in einer speziellen Personendatenbank erfasst (siehe Sammlungen: Zeitzeugenarchiv). Durch umfangreiche Nachforschungen konnten mittlerweile 10 800 Stasi-Gefangene
aus Hohenschönhausen namentlich identifiziert werden. Sie waren in den Ein- und Abgangsbüchern des Untersuchungsgefängnisses und seiner Vorgängereinrichtung in der Berliner Albrechtstraße aufgelistet; aufgrund der Bestimmungen des Stasi-Unterlagen-Gesetzes mussten sie von der Gedenkstätte mühevoll per Hand abgeschrieben werden. Darüber hinaus
konnte im Berichtszeitraum die namentliche Erfassung der Häftlinge im zweiten zentralen
Stasi-Untersuchungsgefängnis in der Berliner Magdalenenstraße abgeschlossen werden. Insgesamt wurden 8 477 Fälle im Zeitraum 1953 bis 1989 ausfindig gemacht.
Eine weitere Datenbank („Prozessdatenbank“) dokumentiert alle wichtigen politischen
Prozesse. Die Gedenkstätte geht davon aus, dass sie bis auf wenige Sonderfälle mittlerweile
alle in Hohenschönhausen inhaftierten Untersuchungsgefangenen aus dem Zeitraum April
1951 bis Oktober 1990 registriert hat. Von den geschätzt 8 000 Häftlingen des Arbeitslagers X
konnten immerhin 1 008 namentlich identifiziert werden, von den Gefangenen des Speziallagers 1 681. Weiterhin wurden alle Einlieferungen in das Haftkrankenhaus des MfS (3 174 Fälle)
dokumentiert. Zusätzlich finden sich in der Personendatenbank auch Informationen zu 1 144
MfS-Mitarbeitern, die zum überwiegenden Teil im Sperrgebiet Hohenschönhausen beschäftigt waren.
Eine weitere Datenbank („Speziallager-Quellendatenbank“) widmet sich Personen, die ab
1945 in sowjetische Speziallager verschleppt wurden. Mit ihrer Hilfe soll der Leidensweg der
über 17 000 Insassen des Speziallagers Nr. 3 und des kleineren Haftarbeitslagers in Berlin-Hohenschönhausen rekonstruiert werden. Zudem werden darin russische Vermerke über Internierte aus dem Großraum Berlin erfasst. Außerdem enthält die Datenbank Angaben über alle
Personen, die im Lager Ketschendorf und in den Speziallagern Weesow und Sachsenhausen
verstorben sind. Mit ihrer Hilfe kann jetzt nicht nur die Verlegung von HohenschönhausenHäftlingen in die Lager Fünfeichen, Ketschendorf und Sachsenhausen nachverfolgt werden,
sondern auch der Weg über die Lager Weesow und Landsberg (heute Polen) bis ins ehemalige KZ Buchenwald. Auf diese Weise sind sogar Nachforschungen zu solchen Inhaftierten
möglich, die von Hohenschönhausen über verschiedene Stationen ins Zuchthaus Waldheim
kamen und dort 1950 zu langjährigen Haftstrafen verurteilt wurden (bislang 95 Fälle). Auf

Forschung

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Grundlage dieser Forschung kann die Gedenkstätte mittlerweile oft detaillierter als der DRKSuchdienst oder die Dokumentationsstelle in Dresden Auskunft über den Transport von Personen geben, die im Großraum Berlin und in der Umgebung der sächsischen Städte Meißen
und Radebeul ab Mai 1945 gefangen gehalten wurden.
Die Gedenkstätte hat auch nach Richtern und Staatsanwälten recherchiert, die an politischen Strafverfahren beteiligt waren. Sie werden in einer gesonderten Datenbank („Prozessdatenbank“) erfasst, die Angaben zu über 3 370 politischen Prozessen zwischen Oktober
1949 und Oktober 1989 enthält. In der Datenbank kann nach Gerichtsterminen, Gerichtsstandorten, Gerichtsarten, Angeklagten, Richtern, Anklägern und Verteidigern recherchiert
werden. Auch Anklagepunkte, Verurteilungsparagraphen und Strafhöhen können als Suchkriterium eingegeben werden. Registriert sind ferner Hinweise auf den Haftort, Einflussnahmen
oberster SED-Gremien sowie Veröffentlichungen. Die Datenbank ist mit der Personendatenbank so verknüpft, dass die Bestände des Zeitzeugenarchivs mit abgefragt werden können.
Nach heutigem Kenntnisstand sind in der Datenbank sämtliche Prozesse mit prominenten
Angeklagten, nahezu alle erstinstanzlichen Verfahren vor dem Obersten Gericht sowie jeder
Prozess, der mit einem Todesurteil endete, verzeichnet. Weitere Schwerpunkte bilden Prozesse gegen Teilnehmer des Volksaufstandes 1953, Mitglieder der CDU, Studenten, Zeugen
Jehovas, vermeintliche und tatsächliche Spione, Bürgerrechtler, Fluchtwillige, kriminalisierte Ausreisewillige sowie Mitarbeiter des Ostbüros der SPD, der Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit (KgU) und des Untersuchungsausschusses freiheitlicher Juristen (UfJ). Auch
Prozesse gegen NS-Täter, die ab etwa 1965 nur noch in Hohenschönhausen einsaßen, sind in
der Datenbank verzeichnet.
Durch all diese Untersuchungen näherte sich die Gedenkstätte weiter ihrem selbstgesteckten Ziel, die Namen aller in Hohenschönhausen Inhaftierten festzustellen. Die größte
Lücke klafft derzeit im Bereich der sowjetischen Untersuchungshaftanstalt (1947 bis 1951),
deren Häftlinge bisher nur zu einem kleinen Teil namentlich bekannt sind. Langfristig steht
darüber hinaus aber auch die Aufgabe, die Namen der politischen Häftlinge in weiteren ostdeutschen Haftanstalten festzustellen. Über die Inhaftierten der Haftanstalt der Stasi-Bezirksverwaltung in Berlin-Pankow liegen zum Beispiel kaum Erkenntnisse vor. Bis alle der schätzungsweise 250 000 politischen Gefangenen in der DDR namentlich bekannt sind, bedarf es
noch umfangreicher Recherchen.

Drittmittelprojekte
Wie bereits in der Vergangenheit hat sich die Gedenkstätte darum bemüht, für die zeitaufwändige Erforschung der Geschichte der Haftanstalt auch Drittmittel einzuwerben. So konnte
Screenshot der Website
„Totenbuch des Sowjetischen
Speziallagers Nr. 3“

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Medizinische Apparaturen im
Haftkrankenhaus Berlin-Hohenschönhausen

Forschung

das von der Bundesstiftung Aufarbeitung mitfinanzierte Projekt „Totenbuch für die Opfer des
sowjetischen Lagerstandortes Berlin-Hohenschönhausen 1945-1949“ im Oktober 2011 nach
mehrjährigen Recherchen zu einem vorläufigen Abschluss gebracht werden. Auf der Website
der Gedenkstätte (totenbuch.stiftung-hsh.de) können Angehörige und andere Interessierte
seitdem selbständig nach Personen suchen, die 1945/46 in Hohenschönhausen ums Leben
gekommen sind. Ihre Leichen wurden damals von der sowjetischen Geheimpolizei auf einem
Schuttabladeplatz in der Nähe des Lagers verscharrt und erst nach dem Ende der DDR nachbestattet.
Die Recherchen zu den Toten des sowjetischen Lagerstandortes wurden auch 2012 fortgesetzt. Insbesondere durch Unterstützung der Dokumentationsstelle bei der Stiftung Sächsische Gedenkstätten konnten weitere Betroffene ermittelt werden. Gegenwärtig enthält das
elektronische Totenbuch die Namen von 701 verstorbenen Gefangenen aus dem Speziallager
Nr. 3 und dem kleineren Haftarbeitslager. Die Namen der zweifelsfrei identifizierten Verstorbenen werden nunmehr vom Suchdienst des DRK in München auch dem zuständigen Standesamt in Berlin-Lichtenberg zur Verfügung gestellt. Sie bilden die Grundlage für die offizielle
und rechtsverbindliche Beurkundung ihres Todes.
Mit Finanzmitteln der Bundesstiftung Aufarbeitung konnte 2011 auch ein Publikationsvorhaben über das bis dahin kaum erforschte Haftkrankenhaus des DDR-Staatssicherheitsdienstes abgeschlossen werden. Im Auftrag der Gedenkstätte verfassten der Politikwissenschaftler
Tobias Voigt und der Historiker Peter Erler das im Berliner Jaron Verlag erschienene Buch
„Medizin hinter Gittern. Das Stasi-Haftkrankenhaus Berlin-Hohenschönhausen“. Es dokumentiert erstmals die Geschichte dieses Krankengefängnisses auf dem Gelände der ehemaligen
zentralen Untersuchungshaftanstalt. Von 1960 bis 1989/90 wurden hier vor allem schwer kranke Häftlinge, angeschossene Flüchtlinge und Inhaftierte nach Suizidversuchen oder während
eines Hungerstreiks eingeliefert. Das Buch enthält auch genauere Angaben über das leitende
Personal des Haftkrankenhauses sowie über die medizinische Betreuung einzelner Insassen. Es fußt auf der Auswertung umfangreicher Sachaktenbestände und Personalunterlagen
ehemaliger MfS-Mediziner sowie auf Opferakten und Interviews mit ehemaligen Untersuchungshäftlingen. Die Erforschung dieses Ortes wurde auch 2012 fortgesetzt, insbesondere
die forensisch-psychiatrische Gutachtertätigkeit der dort tätigen Stasi-Ärzte.
Zur Vorbereitung der Dauerausstellung wurden mehrere Forschungsaufträge vergeben,
die bislang offene Fragen gezielt beantworten sollten. Bereits im vorangegangenen Berichtszeitraum war dazu eine Reihe von Expertisen zu den Transportfahrzeugen des MfS, den Strafgefangenenarbeitskommandos und dem Haftkrankenhaus erstellt worden. 2012 folgte dann
eine umfangreiche Untersuchung über das Personal der Untersuchungshaftanstalt. Aus den
Mitteln für den Umbau der Gedenkstätte wurden zudem ein Raumbuch und ein detailliertes
Gutachten zweier Bauarchäologen finanziert. Letztere hatten den Auftrag, die Baugeschichte des Kellergefängnisses und insbesondere die Existenz möglicher Arrestzellen zu klären.
Durch intensive Recherchen konnten sie den Standort zweier Stehzellen rekonstruieren, die
heute nicht mehr vorhanden sind. Darüber hinaus identifizierten sie einen Verschlag am Ende
eines Ganges als Lagerplatz für den Chlorkalk, der für die Desinfizierung der Toilettenkübel
genutzt wurde.

Sammlungen

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DDR-Gefangenentransporter
W 50

Sammlungen
Zur Arbeit der Gedenkstätte gehört es auch, Materialien, die die Geschichte des Haftortes
Berlin-Hohenschönhausen und das System der politischen Justiz in der DDR dokumentieren,
zu sammeln und zu verwalten. In der Objektsammlung werden Exponate unterschiedlicher
Art aufbewahrt, im Fotoarchiv historische und aktuelle Fotografien. Im Zeitzeugenarchiv werden personenbezogene Dokumente zu früheren Häftlingen gesammelt, im Dokumentenarchiv weitere Unterlagen zum Haftort Hohenschönhausen. Darüber hinaus gehören eine Bibliothek und eine Mediathek zur Ausstattung der Stiftung. Sämtliche Sammlungen sind über
Datenbanken erschlossen.

Objektsammlung
Das größte Exponat der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen ist zweifellos das denkmalgeschützte Gebäudeensemble der ehemaligen Untersuchungshaftanstalt. Dazu gehören
vor allem der sogenannte Altbau mit dem früheren Kellergefängnis, der Neubau mit dem
bis 1990 genutzten Zellen- und Vernehmertrakt, das Haftkrankenhaus mit den angrenzenden Hofgangzellen sowie der sogenannte Werkstatthof mit Tischlerei und Aufenthaltsräumen
für das männliche Strafgefangenenarbeitskommando. Seit der Schließung des Gefängnisses
sind diese Gebäude praktisch nicht mehr verändert worden. Auch im Inneren sind sie mit dem
vom DDR-Staatssicherheitsdienst hinterlassenen Originalmobiliar ausgestattet.
Der Erhalt dieses Großobjektes ist mit erheblichem Aufwand verbunden. Die historischen
Oberflächen weisen durch Alterung, Witterungseinflüsse und den Besucherbetrieb zum Teil
erhebliche Schäden auf. Auch die Möbel unterliegen, vor allem durch unsachgemäße Berührungen durch Besucher, einer deutlichen Abnutzung. Mitarbeiter der Gedenkstätte müssen
daher täglich den musealen Rundgang inspizieren und dafür sorgen, dass Schäden zeitnah beseitigt werden. Für kleinere Mängel sind die Haustechniker der Stiftung zuständig, für größere
die Senatsbauverwaltung bzw. seit dem 1. Januar 2012 die Berliner Immobilien Management
GmbH (BIM). Diese beauftragen wiederum externe Handwerker mit der Reparatur.
Die Gedenkstätte verfügt aber noch über zahlreiche weitere Objekte, die den Besuchern
nicht gezeigt werden. Dazu gehören zum Beispiel Uniformen, Telefone, Häftlingskleidung, Dokumente aus Opposition und Widerstand oder Erinnerungsstücke früherer Häftlinge. Sie alle

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Tür der Zelle 123 mit Spion und
Essensluke

Sammlungen

werden in der Objektsammlung der Stiftung verwahrt. Ein erheblicher Teil der Gegenstände
wurde bereits bei Übernahme der Haftanstalt durch die Gedenkstätte vorgefunden. Andere
Objekte sind durch Schenkungen, Ankäufe oder Leihgaben im Laufe der Zeit dazugekommen.
Im Zuge der Realisierung der neuen Dauerausstellung wurde zudem intensiv nach neuen Objekten wie zum Beispiel Überwachungstechnik des Staatssicherheitsdienstes recherchiert.
Die Stiftung verfügt dadurch über die deutschlandweit größte Sammlung von Objekten aus
dem DDR-Haftbetrieb.
Seit 2009 werden die Objekte in einem neu hergerichteten Depot im Keller des Neubaus
gelagert. Es besteht aus 32 Räumen, von denen 21 mit Regaleinheiten, und vier mit Schränken für Textilien ausgestattet sind. Ein Raum verfügt über Grafikschränke für Flachware, vier
Räume stehen zum Bearbeiten der Exponate zur Verfügung. In den Fluren befinden sich zudem 15 Gitter zur Aufbewahrung von Bildmaterial. Die Objekte werden in den Räumen nach
Sach- und Materialgruppen gelagert, zum Beispiel in säurefreien Kartons für Papier, in Pergaminhüllen für Fotos oder in speziellen Schränken für Orden, Münzen und Schulterklappen.
Das Raumklima wird durch Klimalogger gemessen.
2009 kamen elf LKW-Ladungen mit Gegenständen zurück, die zur Schaffung von Baufreiheit jahrelang ausgelagert worden waren. Seitdem werden die zahlreichen Objekte sukzessiv
inventarisiert und in die Sammlung aufgenommen. Diese Arbeit wurde im Berichtszeitraum
durch den Umbau der Gedenkstätte erschwert, da die bislang zur Lagerung der Großobjekte
dienenden Garagen im Juli 2011 beräumt werden mussten. Die Objekte zogen in ein Interimsquartier auf der anderen Straßenseite um, was erheblichen Aufwand verursachte. Als
dauerhaftes Depot für Großobjekte soll die ehemalige Tischlerei im Werkstatthof dienen.
Bei der Inventarisierung der Objekte werden in einer speziellen Datenbank Maße, Farbe und Material sowie Herkunft und Bedeutung des Exponats erfasst. Außerdem wird ein
Foto eingestellt. Die Objektdatenbank umfasst mittlerweile 8 263 Datensätze, ein Zuwachs
von 679 oder acht Prozent gegenüber dem vorangegangenen Berichtszeitraum. Zu den neu
aufgenommenen Objekten gehören zum Beispiel Kassiber, Uniformen aus dem Strafvollzug,
MfS-Propagandaobjekte, Funktechnik, Fotozubehör, technisches Gerät aus dem ehemaligen
Operativ-Technischen Sektor sowie Papierobjekte aus der früheren Haftanstalt. Die Objektdatenbank ist das wichtigste Hilfsmittel, wenn nach Exponaten recherchiert werden muss.
Über die Datenbank wird auch der Leihverkehr der Gedenkstätte abgewickelt. Zu den
Leihnehmern gehörten auch einige ehemalige Häftlinge, die in Schulen auftraten und dabei
Originalobjekte zeigen wollten. Darüber hinaus wurde eine Reihe von Filmproduktionen wie
die TV-Produktionen „Deckname Luna“ und „Weißensee“ unterstützt. Manche Leihanfragen,
zum Beispiel nach Möbeln, mussten aber negativ beschieden werden, weil die Gedenkstätte
die Objekte selbst benötigte. Alle Leihanfragen wurden sorgfältig geprüft und bei positivem
Ergebnis mit einem entsprechenden Leihvertrag abgeschlossen. Die Stiftung profitiert zwar
nicht direkt von diesen Leihgaben, doch die Herkunftshinweise der Nutzer stellen auch eine
gewisse Werbung dar.

Fotoarchiv
Das Fotoarchiv besteht aus einem physischen und einem elektronischen Archiv. Es enthält
historische Aufnahmen der früheren Haftanstalt, aber auch Bilder aus der Arbeit der Gedenkstätte. Ein großer Bestand zeigt zudem zahlreiche Objekte, die die Gedenkstätte gesammelt
hat (siehe Objektsammlung).
Rote Fahne mit Bildnis von Wilhelm Pieck und Otto Grotewohl
mit der goldenen Aufschrift
„Ehrenbanner der SED“

69

Sammlungen

Foto des letzten Leiters der Stasi-Untersuchungshaftanstalt BerlinHohenschönhausen, Siegfried Rataizick (1979)

Im Berichtszeitraum ist der Bestand des Fotoarchivs stark gewachsen. Allein durch die
regelmäßige Bilddokumentation bei Veranstaltungen, VIP-Besuchen und Ausstellungen sind
hunderte digitale Fotografien hinzugekommen. Bei der Erteilung von Fotografiergenehmigungen macht es die Gedenkstätte außerdem zur Auflage, dass sie von den Aufnahmen Belegexemplare erhält und diese kostenlos für Bildungszwecke nutzen darf. Im Berichtszeitraum hat
die Stiftung 43 solcher Genehmigungen erteilt.
Auch durch die Vorbereitung der Dauerausstellung hat sich der Fotobestand weiter vergrößert. Unter anderem wurde in der Stasi-Unterlagen-Behörde systematisch nach Fotografien
der Gefängnismitarbeiter recherchiert. Dabei wurden nicht nur Passfotos aus den Personalakten zahlreicher Mitarbeiter ausfindig gemacht, sondern auch Bilder von Feiern und offiziellen
Zusammenkünften. Zudem fanden sich Abbildungen von besonderen Vorkommnissen in der
Haftanstalt, beispielsweise von Selbstmordversuchen. Auch von früheren politischen Häftlingen wurden Fotos recherchiert, neben Aufnahmen aus der erkennungsdienstlichen Behandlung auch vom Staatssicherheitsdienst nachgestellte Szenen, zum Beispiel von Fluchtversuchen. Das Bildmaterial, das im Zeitzeugenarchiv gelagert ist, wurde ebenfalls digital erfasst.
Der Bestand des elektronischen Archivs vergrößerte sich dadurch im Berichtszeitraum von
17 000 auf 23 000 digitale Fotos – ein Zuwachs von 6 000 Bildern oder 26,5 Prozent. Im physischen Archiv kamen rund 100 neue Aufnahmen hinzu. Finanzielle Probleme und fehlende
personelle Kapazitäten führten dazu, dass die Erschließung mit einer Fotoarchivierungssoftware noch nicht abgeschlossen werden konnte.
Das Fotoarchiv steht nicht nur den Mitarbeitern der Gedenkstätte, sondern auch Außenstehenden zur Verfügung. Insbesondere bei Recherchen für Presseveröffentlichungen, Bildvorträgen, Publikationen und Forschungsvorhaben leistete es hilfreiche Dienste. Bilddateien
wurden in den gängigen Formaten häufig auch elektronisch versandt.

Zeitzeugenarchiv
Im Zeitzeugenarchiv sammelt die Gedenkstätte die personenbezogenen Unterlagen zu
allen ehemaligen Häftlingen, die ihr bisher bekannt geworden sind. Zu jedem Zeitzeugen wird
eine Akte geführt, in der neben historischen Unterlagen auch der Kontakt zur Gedenkstätte
sowie eventuelle Veröffentlichungen dokumentiert werden. Sofern vorliegend, werden insbesondere der ausgefüllte Fragebogen mit den Grunddaten zur Haft, das Zeitzeugeninterview,
Kopien amtlicher Akten (insbesondere des MfS), Rehabilitierungsunterlagen, Erinnerungsberichte, Briefe, Fotos und andere relevante Dokumente archiviert. Die Materialien dienen als
Grundlage für Recherchen, Publikationen und Ausstellungen. Im Berichtszeitraum spielten sie
insbesondere für die Vorbereitung der neuen Dauerausstellung (siehe Ausstellungen) sowie
für die Erarbeitung der Publikation zum Haftkrankenhaus eine Rolle (siehe Forschung). Unter

70

Sammlungen

Blick ins Zeitzeugenarchiv der
Gedenkstätte

Berücksichtigung des Datenschutzes wurden sie aber auch externen Wissenschaftlern, Journalisten oder anderen Interessierten zur Verfügung gestellt.
Um die Verfolgungsgeschichte der Häftlinge zu dokumentieren, hat sich die Gedenkstätte
auch im Berichtszeitraum darum bemüht, beim Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen
die personenbezogenen MfS-Akten einzusehen und Kopien davon zu erhalten. Der physische
Bestand des Zeitzeugenarchivs umfasst gegenwärtig etwa 90 Regalmeter an Unterlagen zu
Einzelpersonen. Diese haben jeweils einen sehr unterschiedlichen Umfang: von einer Zeitungsnotiz bis hin zu einem kompletten Nachlass, der der Gedenkstätte überlassen worden
ist. Mittlerweile befinden sich Unterlagen zu etwa 2 200 ehemaligen Häftlingen im physischen Archiv.
Im Zeitzeugenarchiv werden auch Videointerviews mit ehemaligen Häftlingen und sonstigen Zeitzeugen abgelegt. Der Bestand an audio- und audiovisuellen Materialien beträgt nunmehr rund 900 Aufnahmestunden. Die Sammlung besteht aus analogen Audioaufnahmen
aus den Anfangsjahren der Gedenkstätte sowie aus digitalem Videomaterial aus der Zeit nach
2000. Letzteres besteht wiederum – der technischen Entwicklung geschuldet – aus unterschiedlichen Aufnahmeformaten. Seit dem Jahr 2011 wird nur noch digital auf Chip aufgenommen und das Material anschließend auf Festplatten gespeichert.
Die Unterlagen und die wichtigsten Daten der ehemaligen Häftlinge sind zudem in einer
Datenbank („Personendatenbank“) erfasst. Mit ihrer Hilfe kann die Gedenkstätte von jedem
Intranet-Arbeitsplatz schnell nach einzelnen Gefangenen recherchieren – zum Beispiel zur
Beantwortung von Anfragen durch Medien, Versorgungsämter, Betroffene oder deren Angehörige. Sofern bekannt bzw. vorhanden, sind dort auch Haftzeiten und -orte, Tatvorwurf, Angaben aus dem Fragebogen, das transkribierte Zeitzeugeninterview sowie Hinweise auf andere
Materialien und Quellen gespeichert. Außerdem wird dort die Korrespondenz mit Zeitzeugen
oder ihren Angehörigen überblicksartig registriert.
Die Datenbank enthält auch Angaben zu anderen politisch Verfolgten aus Ostdeutschland
sowie zu früheren Gefängnismitarbeitern und anderen MfS-Verantwortlichen. Im Berichtszeitraum wurden zu 3 626 Personen neue Datensätze angelegt und Einträge vorgenommen.
1 093 von ihnen waren ehemalige Gefangene des Haftortes Berlin-Hohenschönhausen. Im
Dezember 2012 umfasste die Personendatenbank insgesamt 22 938 Datensätze, was gegenüber 2010 einem Zuwachs von nahezu 19 Prozent entspricht.
In der Speziallager-Quellendatenbank, die sowjetische Lagerhäftlinge in Deutschland erfasst, wurden 2011 14 898 Neueinträge vorgenommen; weitere 4 002 folgten im Jahr 2012.
Die Gesamtzahl der Datensätze beträgt mittlerweile 59 207.
Durch den stetig wachsenden Daten- und Archivbestand des Zeitzeugenarchivs nehmen
die Aktualisierung der Daten und Akten zunehmend viel Zeit in Anspruch. Hinzu kommen
die aufwändigen Recherchen beim Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen. Ein eigener
Arbeitsbereich ist mittlerweile auch die technische Aufbereitung, Duplizierung, Verzeichnung
und Archivierung der Zeitzeugeninterviews sowie das Digitalisieren zweidimensionaler Leih-

Sammlungen

gaben wie Dokumente oder Fotos. Die personellen Ressourcen der Gedenkstätte reichen für
diese Arbeiten nicht mehr aus.

Dokumentenarchiv
Neben den personenbezogenen Unterlagen hat sich die Gedenkstätte auch um Sachakten über den Haftort Hohenschönhausen bemüht. Diese werden im Dokumentenarchiv der
Gedenkstätte gesammelt. Der Bestand setzt sich überwiegend aus Kopien von Akten des
Ministeriums für Staatssicherheit zusammen, die bei der BStU gelagert werden. Allein im
Berichtszeitraum wurden im Rahmen der Recherchen für die neue Dauerausstellung mehr
als 18 000 Seiten Sachakten angefordert und der Gesamtbestand umfasst mehrere Regalmeter. Hier findet man zum Beispiel Richtlinien zum Untersuchungshaftvollzug, Berichte über
außerordentliche Vorkommnisse, Statistiken oder Kaderakten bzw. Diplomarbeiten der in Hohenschönhausen beschäftigten MfS-Mitarbeiter. In geringerem Umfang sind auch Kopien aus
anderen Archiven abgelegt, etwa aus dem Bundesarchiv, dem Berliner Landesarchiv, dem Archiv für soziale Demokratie, dem Archiv des Diakonischen Werkes (ADW) der Evangelischen
Kirche in Deutschland (EKD), dem Archiv der Vereinigung der Opfer des Stalinismus e. V. oder
dem Bauarchiv des Bezirks Lichtenberg. Das Dokumentenarchiv ist über eine eigene Datenbank („MfS-Datenbank“) erschlossen, die von jedem wichtigen Arbeitsplatz abrufbar ist und
auch von externen Wissenschaftlern für Recherchen genutzt werden kann.

Bibliothek
Gemäß ihrer Satzung verfügt die Gedenkstätte auch über eine Bibliothek. Als Präsenzbibliothek dient diese vor allem der Arbeit und Qualifizierung der festen und freien Mitarbeiter.
Sie kann aber auch von Schülern, Studenten, Doktoranden, Journalisten und anderen Interessierten genutzt werden. Außerdem kommt sie bei Seminaren und Projekttagen zum Einsatz.
Ihr thematischer Schwerpunkt liegt auf Darstellungen zum Haftort Hohenschönhausen,
zur politischen Justiz in der DDR, zum Ministerium für Staatssicherheit sowie zu Opposition
und Widerstand in Ostdeutschland. Ein besonderer Stellenwert kommt dabei biografischen
und autobiografischen Schriften ehemaliger Häftlinge zu. Darüber hinaus zählen Darstellungen zur DDR-Geschichte, zur Nachkriegsentwicklung in Deutschland sowie zu den Ost-WestBeziehungen zum Bestand. Schließlich sammelt die Bibliothek grundlegende Werke über das
Phänomen politischer Verfolgung in anderen Diktaturen, insbesondere in der Sowjetunion,
in Osteuropa und im Nationalsozialismus. Fachliteratur zur Gedenkstättenarbeit, allgemeine
Nachschlagewerke und Bibliografien zu den oben genannten Themen vervollständigen den
Bestand.
Nach Maßgabe ihrer finanziellen Möglichkeiten hat die Stiftung den Bestand der Bibliothek
im Berichtszeitraum kontinuierlich erweitert. 2011 und 2012 wurden für rund 61 000 Euro Bücher und Zeitschriften angeschafft – ein Anstieg von rund 5 000 Euro gegenüber 2009/2010.
Die Gedenkstätte hat dabei nicht nur Neuerscheinungen, sondern auch ältere, nur noch antiquarisch verfügbare Bücher erworben. Zudem konnten kostenlose Dubletten aus anderen
Bibliotheken übernommen werden. Weitere Schenkungen erfolgten durch Privatpersonen,
meist durch ehemalige politische Häftlinge. Insgesamt wurden in den Jahren 2011 und 2012
fast 700 Titel neu verzeichnet, was einem Zuwachs von 10 Prozent entspricht. Mangels einschlägiger Personalstellen arbeitet die Bibliothek nicht als Leihbibliothek. Interessierte kön-

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72

Sammlungen

nen sie jedoch von Montag bis Freitag zwischen 9 und 17 Uhr nutzen. Neuerscheinungen
und aktuelle Zeitschriften werden an exponierter Stelle präsentiert. Ein Computerarbeitsplatz
und ein Besprechungstisch erlauben weitergehende Nutzungen, zum Beispiel für die Arbeit
in Kleingruppen. Interessierte können dort nicht nur in der Bibliotheks- und Mediatheksdatenbank der Gedenkstätte, sondern auch im Internet recherchieren oder Film- und Tondokumente
abspielen.
Der gesamte Buchbestand ist in einer elektronischen Datenbank erfasst („Bibliotheksdatenbank“). Die Bücher werden dort nicht nur mit Autor und Titel verzeichnet, sondern auch
verschlagwortet; zudem wird die Ausleihe von Publikationen an Gedenkstättenmitarbeiter
vermerkt. Mittels einer Suchmaske können die Nutzer den Buchbestand durchsuchen. Die
Datenbank ist von allen vernetzten Arbeitsplätzen in der Gedenkstätte aus nutzbar, was bei
Recherchen eine erhebliche Zeitersparnis bedeutet. Im Berichtszeitraum stieg die Zahl der
Datensätze von 7 301 auf 7 997.
Infolge des Umbaus der Gedenkstätte musste die Bibliothek im August 2011 ebenfalls
in das Interimsquartier umziehen. Das Verpacken, Ordnen und Wiederaufstellen der damals
knapp 7 500 Bücher bedeutete angesichts der dünnen Personaldecke einen erheblichen Kraftaufwand für die Mitarbeiter.

Mediathek
Die Gedenkstätte unterhält darüber hinaus eine eigene Mediathek. Zu ihrem Bestand gehören unter anderem TV-Dokumentationen über wichtige historische Ereignisse, Zeitzeugenporträts, themenbezogene Spielfilme und Diskussionsrunden sowie Fernsehberichte über
das MfS und die SED-Diktatur. Im Berichtszeitraum wurden mehr als 300 Medieneinheiten
neu aufgenommen, was einer Steigerung von 25 Prozent entspricht. Der Gesamtbestand
umfasste Ende 2012 etwa 1 500 Ton- und Bildträger zum Themenkreis DDR-Geschichte und
politische Verfolgung in der kommunistischen Diktatur.
Ein wesentlicher Teil der Neuzugänge basierte auf der Ablieferungspflicht von Fernsehsendern und Produktionsfirmen, die in der Gedenkstätte Dreharbeiten durchgeführt hatten.
Im Berichtszeitraum fanden in der Gedenkstätte 88 Film- und TV-Aufnahmen statt. Zudem
wurden durch eigene Medienbeobachtung einschlägige Filme im Fernsehen aufgezeichnet.
Darüber hinaus hat die Gedenkstätte Mitschnitte ihrer Veranstaltungen auf DVD gebrannt.
Die in der Mediathek aufbewahrten Fernseh-, Film- und Hörfunkproduktionen belegen
nicht nur die vielfältige Arbeit der Stiftung, sondern stellen auch für die Zukunft wichtige Zeitzeugnisse dar. Häufig berichten darin Verfolgte über ihre Hafterfahrungen in Hohenschönhausen. Zugleich dokumentieren sie den Prozess der öffentlichen Aufarbeitung nach dem Ende
der SED-Diktatur. Sie stehen aber auch für Seminare, Veranstaltungen und Recherchen nach
Bild- und Tonmaterial, beispielsweise für Ausstellungszwecke, zur Verfügung.
Die Ton- und Bildträger bestehen aus den gängigen Formaten DVD, CD-ROM, VHS und Audio-Kassetten. Um die Aufnahmen vor dem Verfall zu schützen, wurden im Berichtszeitraum
zahlreiche VHS-Videos auf DVD kopiert. Sämtliche Medien sind in einer elektronischen Datenbank („Mediatheksdatenbank“) erfasst, sodass Recherchen von allen Intranet-Arbeitsplätzen
der Gedenkstätte aus möglich sind. In der Mediathek steht auch die erforderliche Technik zur
Verfügung, damit Mitarbeiter und Außenstehende die Beiträge auswerten oder Veranstaltungen und Seminare vorbereiten können. Interessierte können die Mediathek nach vorheriger
Terminabsprache von Montag bis Freitag zwischen 10 und 16 Uhr nutzen.

Öffentlichkeitsarbeit

73

Filmaufnahmen bei der Eröffnung der Ausstellung „Der
weiße Strich“, Dezember 2012

Öffentlichkeitsarbeit
Eine wichtige Rolle in der Tätigkeit der Gedenkstätte spielt die Öffentlichkeitsarbeit. Ein
Beitrag in einem populären Fernsehprogramm oder ein Artikel in einer führenden Tageszeitung erreicht oft mehr Menschen, als in einem Jahr das ehemalige Stasi-Gefängnis besuchen.
Die Stiftung hat sich deshalb intensiv darum bemüht, die Öffentlichkeit durch gezielte Medienarbeit über die SED-Diktatur zu informieren und das Interesse an der DDR-Vergangenheit
wachzuhalten. Die Gedenkstätte hat zu diesem Zweck die Medien durch Presseerklärungen,
Themenhinweise, Rechercheunterstützung oder Statements zu aktuellen Themen immer
wieder zur Berichterstattung angeregt. Viele Journalisten sind aber auch von sich aus auf die
Stiftung und ihre Mitarbeiter zugekommen. Auch international stieß die Gedenkstätte auf ein
großes Medieninteresse.
Die öffentliche Resonanz auf die Arbeit der Stiftung war überwältigend. Zwischen Januar
2011 und Dezember 2012 erschienen mehr als 1 800 Medienberichte, in denen die ehemalige Untersuchungshaftanstalt, die Gedenkstätte oder ihre Mitarbeiter Erwähnung fanden.
Im Durchschnitt kam die Stiftung damit mehr als zwei Mal täglich in den Medien vor. Die
Berichte wurden von der Gedenkstätte durch eigene Medienbeobachtung identifiziert und
in einem monatlichen Pressespiegel dokumentiert. Im Einzelnen sind im Berichtszeitraum
rund 90 Fernseh- und Radiobeiträge ausgestrahlt worden. Darüber hinaus erschienen Hunderte Artikel in Print- und Onlinemedien. Zudem war die Gedenkstätte auf etwa 90 Websites
vertreten, wobei die Veranstaltungs- und Programmhinweise in den Berliner Tages- und Wochenzeitungen, den Wochenendbeilagen oder den Stadtillustrierten Tip und Zitty noch nicht
mitgezählt sind. Auch die in der Gedenkstätte entstandenen Dokumentarfilme und Fotoserien
sind in diesen Zahlen noch nicht enthalten.
Trotz der umfangreichen Berichterstattung ist die Zahl der Erwähnungen in den Medien
gegenüber dem vorangegangenen Berichtszeitraum allerdings um etwa elf Prozent zurückgegangen; 2009/2010 erschienen nämlich mehr als 2 000 Berichte. Vermutlich ist der Rückgang
darauf zurückzuführen, dass in der vergangenen Berichtsperiode das Medieninteresse am
Thema DDR ganz besonders groß war – denn damals wurden der 20. Jahrestag von Mauerfall
(2009) und Wiedervereinigung (2010) begangen. Im Vergleich zu den Jahren 2007/2008 (gut
1 700 Berichte) stellen die hier vorgelegten Zahlen jedenfalls eine deutliche Steigerung dar.
Möglicherweise hat der Rückgang aber noch andere Ursachen. Denn 2011 gab es ebenfalls

74

Öffentlichkeitsarbeit

Presseartikel über die
Gedenkstätte aus den Jahren
2011 und 2012

ein DDR-Thema, das die Medien sehr beschäftigte: der 60. Jahrestag des Mauerbaus. Der
Rückgang könnte deshalb auch damit zu tun haben, dass das Thema Staatssicherheitsdienst
für die aktuelle Berichterstattung an Bedeutung verloren hat – und daher auch die Stiftung
seltener im Fokus stand. Vor diesem Hintergrund ist es als besonderer Erfolg zu werten, dass
die Gedenkstätte dennoch so oft in den Medien Erwähnung fand.

Medienbetreuung
Zu einer professionellen Öffentlichkeitsarbeit gehört es, Anfragen von Journalisten zeitnah
und qualifiziert zu beantworten. Vor allem bei tagesaktueller Berichterstattung werden Informationen oder Statements oftmals binnen weniger Stunden benötigt. Schnelle Hilfe bei der
Recherche, die Vermittlung kompetenter Gesprächspartner und sachkundige Einschätzungen
zu historischen Sachverhalten waren ein wesentliches Element der Medienbetreuung durch
die Gedenkstätte. Ihre starke Präsenz in der Öffentlichkeit resultierte auch daraus, dass viele
Journalisten wissen, dass sie in Hohenschönhausen zuverlässige und informierte Ansprechpartner finden, wenn es um die Geschichte der DDR oder den Staatssicherheitsdienst geht.
Ein wichtiger Anlaufpunkt ist die Gedenkstätte besonders dann, wenn es um die Vermittlung von Zeitzeugen geht. Schon auf der Website der Stiftung können Journalisten unter den
Besucherreferenten nach interessanten Gesprächspartnern suchen. Nach Rücksprache mit
den Betroffenen wird der gewünschte Kontakt vermittelt. Die Stiftung erhielt zudem zahlreiche Anfragen, bei denen der historische Ort im Mittelpunkt stand. Vielfach baten Journalisten
auch um eine Bewertung aktueller Vorgänge, bei denen es um die Folgen des SED-Unrechts
für die Gegenwart ging. Neben einer fachlichen Einschätzung bestimmter Sachverhalte – zum
Beispiel von Stasi-Verstrickungen einzelner Personen oder Defiziten im Geschichtsunterricht –
ging es den Medien dabei oftmals auch um ein Urteil aus der Perspektive der einst Verfolgten.
Ein Thema waren zum Beispiel die Äußerungen der damaligen Linken-Vorsitzenden Gesine
Lötzsch, die Anfang 2011 auf einer Konferenz in Berlin über mögliche „Wege zum Kommunismus“ gesprochen hatte. Ein anderes Thema waren die Ernennung Roland Jahns zum neuen
Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen und sein Vorstoß, ehemalige Stasi-Mitarbeiter
aus der Behörde zu entfernen. Auch die Bewertung der Probleme bei der Aufarbeitung der
Stasi-Vergangenheit im Land Brandenburg interessierte die Journalisten. Ein bedeutendes

Öffentlichkeitsarbeit

Thema war auch die Nutzung von Zwangsarbeitern in DDR-Gefängnissen durch westliche
Firmen, zum Beispiel durch den schwedischen Möbelkonzern IKEA. Aufmerksamkeit erregte
nicht zuletzt der Vorstoß des Direktors der Gedenkstätte, die inhaftierten Mitglieder der russischen Punk-Band „Pussy Riot“ im Gefängnis zu besuchen.
Insgesamt wurden im Berichtszeitraum mehr als 220 Film-, Hörfunk-, Fotografen- und
Interviewanfragen gezählt. Die direkten telefonischen Anfragen, zum Beispiel an den Direktor
der Gedenkstätte, sind in dieser Zahl noch nicht enthalten. Die meisten Anfragen kamen von
den großen Berliner Medien wie dem Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb), dem Privatsender
TV Berlin, der Berliner Morgenpost, dem Tagesspiegel, der B.Z. oder der Berliner Zeitung. Es
wandten sich aber auch viele überregionale Fernsehsender (ARD, ZDF, MDR, WDR, Sat.1,
N-TV, Pro Sieben, DW-TV etc.), Printmedien (Spiegel, Focus, Die Zeit, Die Welt, FAZ, FAS, Bild
etc.) und große Online-Portale (unter anderem Spiegel-Online, Focus-Online, Welt-Online,
tagesschau.de) an die Stiftung. Weiter zugenommen haben zudem die internationalen Anfragen. Im Schnitt kamen einmal pro Woche ausländische Journalisten in die Gedenkstätte –
zum Beispiel aus Bulgarien, Dänemark, Frankreich, Großbritannien, Japan, den Niederlanden,
Norwegen, Polen, Russland, Spanien oder Uruguay.
Bei der Gedenkstätte gingen im Berichtszeitraum allein 170 Anträge auf eine Genehmigung von Dreharbeiten oder Fotoaufnahmen ein. Auf der Website der Stiftung steht dazu ein
Antragsformular zum Download bereit. Auch die Kriterien, nach denen eine Drehgenehmigung erteilt wird, können dort in Deutsch und Englisch nachgelesen werden. Die eingegangenen Anträge mussten jeweils genau geprüft werden, um einen Missbrauch der ehemaligen
Untersuchungshaftanstalt als bloße Kulisse, etwa für Krimis oder Musikvideos, auszuschließen. Anfragen, die keinen Bezug zur politischen Verfolgung in der DDR erkennen ließen oder
die die Gefühle ehemaliger Häftlinge verletzen könnten, wurden abgelehnt.
Im Berichtszeitraum wurden knapp 140 Aufnahmegenehmigungen erteilt. Während der
Dreharbeiten war es in der Regel erforderlich, dass ein Mitarbeiter die Filmteams begleitete.
In den meisten Fällen vereinbarte die Gedenkstätte mit den Produzenten deshalb die Zahlung
einer Drehgebühr sowie die Erstattung der Personalkosten. Auf diese Weise konnte die Gedenkstätte in den Jahren 2011/2012 rund 4 800 Euro zusätzlich einnehmen. Die Stiftung erhielt
zudem Kopien der Filme für ihre Mediathek bzw. der Fotoaufnahmen für ihr Fotoarchiv.
Das Spektrum der Berichterstattung reichte von Berichten zu Veranstaltungen oder Ausstellungseröffnungen über Reportagen zur ehemaligen Untersuchungshaftanstalt bis hin zu
aktuellen Interviews und Stellungnahmen von Mitarbeitern der Gedenkstätte. Immer wieder
wurden auch einzelne in Hohenschönhausen Inhaftierte porträtiert, darunter eine Reihe von
Besucherreferenten. Ein wichtiges Thema war der Beginn der Umbauarbeiten im Sommer
2011 und das ein Jahr später begangene Richtfest. Die Neueröffnung des Haftkrankenhauses
und die immer neuen Besucherrekorde waren ebenfalls Gegenstand der Berichterstattung.

75

Aufnahmen des Fotografen
Norbert Wiesneth im
ehemaligen Vernehmertrakt
des Gefängnisses und im
Haftkrankenhaus

76

Dreharbeiten zum ZDFZweiteiler „Deckname Luna“
(links) und Pressetermin zum
Richtfest in der Gedenkstätte
am 14. Mai 2012

Öffentlichkeitsarbeit

Zum Ende 2011 publizierten Buch „Medizin hinter Gittern“ erschienen zahlreiche Rezensionen. Berichtet wurde auch über das von der Gedenkstätte erarbeitete Totenbuch, das erstmals die Namen der im sowjetischen Speziallager Nr. 3 verstorbenen Häftlinge enthielt. Diverse Print- und Rundfunk-Medien berichteten zudem über das neue Mobile Learning Center
der Gedenkstätte (siehe Gedenkstättenpädagogik).
Bei den Filmvorhaben handelte es sich meist um Dokumentationen oder Magazinbeiträge. Die Wissenssendung „X:enius“ des deutsch-französischen Kultursenders Arte beschäftigte sich zum Beispiel ausführlich mit dem Thema Isolation. Ein weiteres Arte-Magazin – Metropolis – widmete sich dem Haftkrankenhaus Berlin-Hohenschönhausen. Der rbb beschäftigte
sich in verschiedenen Dokumentationen unter anderem mit Lesben und Schwulen in der
DDR, mit dem Tod des Flüchtlings Peter Fechter und mit der früheren DDR-Oppositionellen
Bärbel Bohley. Für die Reihe „Geheime Orte“ porträtierte der Sender erstmals ausführlich das
Sperrgebiet Berlin-Hohenschönhausen. Das rbb-Kulturmagazin „Stilbruch“ berichtete über die
Neueröffnung des Stasi-Haftkrankenhauses. Das Magazin „Sehen statt Hören“ des Bayerischen Rundfunks widmete sich dem Thema Gehörlose und DDR-Staatssicherheitsdienst. Im
Wissensmagazin „Galileo“ des privaten Senders Pro Sieben ging es um das Thema Folter von
politischen Gefangenen. Der französische TV-Sender M6 drehte in der Gedenkstätte für eine
Dokumentation über junge Franzosen in Berlin.
Normalerweise erteilt die Gedenkstätte, wie in vergleichbaren Orten üblich, für Spielfilme und Serien keine Drehgenehmigungen. Eine Ausnahme bildete der zweiteilige ZDF-Film
„Deckname Luna“ mit Anna Maria Mühe und Götz George. Das Spionagedrama, das Anfang
der 1960er-Jahre spielt, setzte sich auf sehr authentische Weise mit der SED-Diktatur auseinander und lief im November 2012 im Fernsehen. Auch der Mehrteiler „Weissensee” mit Katrin
Sass, Hannah Herzsprung, Anna Loos und Uwe Kockisch wurde teilweise im ehemaligen
Stasi-Gefängnis gedreht. Die erste Staffel lief bereits im Herbst 2010 im Ersten Deutschen
Fernsehen und war überaus erfolgreich. Auch für die zweite Staffel fanden im Dezember 2011
in der Gedenkstätte Dreharbeiten statt.
Die Stiftung hat auch selbst aktiv zur Berichterstattung beigetragen. Durch Presseeinladungen und -informationen machte sie regelmäßig auf Ereignisse, Veranstaltungen oder prominente Besucher aufmerksam. Im Berichtszeitraum wurden insgesamt 68 Pressemitteilungen
verschickt. Die Gedenkstätte verfügt zu diesem Zweck über verschiedene Presseverteiler, mit
deren Hilfe die Journalisten gezielt angesprochen werden können. Sie unterteilen sich in die

Öffentlichkeitsarbeit

Bereiche Lokales, Politik und Feuilleton. Berlin- und Auslandskorrespondenten sind gesondert
aufgeführt. Spezialverteiler (zum Beispiel zu den Themen Medizin, Sport oder Justiz) können
im Bedarfsfall ebenfalls eingesetzt werden. Insgesamt sind in den E-Mail-Verteilern rund 650
ausgewählte Medienadressaten enthalten. Fast alle Pressemitteilungen wurden von den großen Nachrichtenagenturen (dpa, dapd, epd) aufgegriffen. Meist stießen die daraus gefertigten
Meldungen auf eine gute bis sehr gute Resonanz. Der Schwerpunkt der Berichterstattung lag
allerdings bei den Berliner Medien, wobei die Unterschiede zwischen regionaler und überregionaler Verbreitung aufgrund der Online-Verfügbarkeit nicht mehr so groß sind.
Bei besonderen Anlässen hat die Gedenkstätte auch zu Pressekonferenzen und Fototerminen eingeladen. Das Totenbuch mit den Namen der Verstorbenen des sowjetischen Speziallagers wurde zum Beispiel im Rahmen der Gedenkfeierlichkeiten am 24. Oktober 2011
vorgestellt. Zahlreiche Fotografen und Fernsehjournalisten berichteten auch vom Richtfest
der Gedenkstätte im Mai 2012. Einen speziellen Pressetermin gab es im August 2012, als das
neue Mobile Learning Center in einer Berliner Schule der Öffentlichkeit vorgestellt wurde.
Auch bei Ausstellungseröffnungen und Veranstaltungen kam es teilweise schon im Vorfeld
zu Anfragen oder Vorberichten. Mit dem Deutschlandfunk ging die Gedenkstätte mehrfach
Medienkooperationen ein, sodass herausgehobene Podiumsdiskussionen wie die zur europäischen Erinnerungspolitik oder zur Lage in Russland deutschlandweit Verbreitung fanden
(siehe Veranstaltungen).

77

Peter Erler • Tobias Vogt
Mit einem Vorwort von Hubertus Knabe

Medizin
hinter Gittern
Das Stasi-Haftkrankenhaus
in Berlin-Hohenschönhausen

Jaron Verlag

Publikationen
Der Bereich der Eigenpublikationen wurde nach Maßgabe der personellen und finanziellen
Möglichkeiten der Gedenkstätte weiter ausgebaut. Im Oktober 2011 veröffentlichte die Gedenkstätte eine Online-Publikation mit den Namen von knapp 700 Menschen, die zwischen
1945 und 1949 im sowjetischen Speziallager Nr. 3 oder im benachbarten Haftarbeitslager
ums Leben gekommen sind. Unter totenbuch.stiftung-hsh.de können Angehörige und andere
Interessierte nun erstmals selbst prüfen, wer dort in sowjetischer Haft gestorben ist. Neben
Namen kann auch nach dem Geburts- und Sterbedatum, dem Geburtsort und dem letzten
Wohnort gesucht werden. Um die Namen der Toten herauszufinden, waren mehrjährige Recherchen notwendig (siehe Forschung).
Im November 2011 erschien das Buch „Medizin hinter Gittern. Das Stasi-Haftkrankenhaus
in Berlin-Hohenschönhausen“. Die im Jaron Verlag herausgegebene Publikation von Tobias
Voigt und Peter Erler beschäftigt sich mit dem einzigen Haftkrankenhaus des DDR-Ministeriums für Staatssicherheit. In dem Spezialgefängnis auf dem Gelände der Stasi-Untersuchungshaftanstalt in Berlin-Hohenschönhausen waren schwer erkrankte politische Häftlinge
untergebracht, darunter angeschossene Flüchtlinge und Inhaftierte, die in den Hungerstreik
getreten waren. Der Erfolg des Buches war so groß, dass innerhalb weniger Wochen eine
zweite Auflage gedruckt werden musste. Insgesamt sind seit Erscheinen mehr als 5 600
Exemplare verkauft worden.
Als besonders erfolgreich erwies sich ein Sammelband mit Haftberichten aus der Zeit
von 1945 bis 1988, den Dr. Hubertus Knabe im Sommer 2007 im List Verlag herausgegeben
hatte („Gefangen in Hohenschönhausen. Stasi-Häftlinge berichten“). Von dem Taschenbuch
wurden bis Ende 2012 rund 32 000 Exemplare verkauft. Ein Nachfolge-Band mit weiteren
Haftberichten erschien im August 2009 unter dem Titel „Die vergessenen Opfer der Mauer“.
Von diesem wurden bis Ende 2012 knapp 10 000 Exemplare abgesetzt. Weiterhin stark nach-

Cover von Publikationen der
Gedenkstätte

78

Gedenkstättenflyer

Öffentlichkeitsarbeit

gefragt war auch das von Dr. Hubertus Knabe und Peter Erler 2005 im Jaron Verlag veröffentlichte Buch „Der verbotene Stadtteil. Stasi-Sperrgebiet Berlin-Hohenschönhausen“. Allein im
Berichtszeitraum wurden davon über 3 700 Exemplare verkauft. Damit sind seit dem Erscheinen mehr als 20 000 Exemplare verkauft worden. Die 2008 erschienene englische Ausgabe
des Buches („The prohibited district“) ging bis Ende 2012 immerhin mehr als 3 200 Mal über
die Ladentheke.
Für die Besucher stellte die Gedenkstätte einen Flyer mit wesentlichen Informationen zum
Haftort Berlin-Hohenschönhausen zur Verfügung. Um der wachsenden Zahl ausländischer
Gäste Rechnung zu tragen, wurde er auch auf Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch,
Dänisch, Niederländisch sowie erstmals auch auf Norwegisch und Schwedisch gedruckt. Die
Besucher können den Flyer am Eingang der Gedenkstätte und beim Besucherdienst kostenlos mitnehmen. Allein in den Jahren 2011 und 2012 wurden davon rund 500 000 Exemplare
ausgegeben. Im Jahr 2012 erfolgte ein Relaunch des Gedenkstättenflyers. Außerdem druckte
die Gedenkstätte ein Faltblatt mit den Angeboten der Pädagogischen Arbeitsstelle sowie des
Koordinierenden Zeitzeugenbüros. Des Weiteren veröffentlichte die Stiftung ihren fünften Tätigkeitsbericht. Er erschien in einer Auflage von 1 500 Stück und legte Rechenschaft ab über
die Aktivitäten in den Jahren 2009 und 2010. Aus Kostengründen wurde er von der Gedenkstätte selbst gestaltet. Dies galt auch für sämtliche Einladungskarten, die die Stiftung zu ihren
Veranstaltungen versandte.
Ein wichtiges – und verhältnismäßig kostengünstiges – Medium stellt der zweisprachige
Internet-Auftritt der Gedenkstätte (Deutsch und Englisch) dar. Die Website www.stiftung-hsh.
de enthält alle wesentlichen Informationen zum historischen Ort, zum Aufbau der Stiftung und
zur Arbeit der Gedenkstätte. Im PDF-Format findet sich hier auch der Flyer der Gedenkstätte
in weiteren, seltener nachgefragten Sprachen wie Bulgarisch, Estnisch, Lettisch, Litauisch,
Polnisch, Russisch, Slowenisch, Tschechisch und Türkisch. Ein Content-Management-System
ermöglicht das schnelle Hochladen von Texten und Bildern auf die Website durch Mitarbeiter
der Gedenkstätte. An hervorgehobener Stelle wird auf laufende Ausstellungen, aktuelle Veranstaltungen und prominente Gäste aufmerksam gemacht. Außerdem findet man Pressemitteilungen, Veranstaltungsberichte, Fotos aus der Gedenkstättenarbeit und alle praktischen Informationen für einen Besuch des ehemaligen Haftortes. Für Lehrer und Journalisten hat die
Stiftung jeweils eigene Nutzerbereiche eingerichtet, die sich an den besonderen Interessen
dieser Zielgruppen orientieren. Die Website wurde im Berichtszeitraum laufend mit aktuellen
Informationen, neuen Häftlingsbiografien und anderen Texten bestückt. Im Verlauf des Jahres
2012 erfolgten umfangreiche Arbeiten für einen Relaunch.
Zahlreiche Besucher, Journalisten, Schüler und andere Interessierte nutzten die Website,
um sich zu informieren oder mit der Gedenkstätte in Kontakt zu treten. So registrierte die
Stiftung 2011 rund 1,9 Millionen Seitenaufrufe von 323 000 Besuchern. 2012 steigerte sich
die Zahl auf 2 Millionen Seitenaufrufe und 365 000 Besucher. Gegenüber 2008 (161 000 Besucher) und 2009 (298 000 Besucher) ist dies ein deutlicher Zuwachs. Im Vergleich zu 2010
(335 000 Besucher) brachte das Jahr 2011 allerdings einen vorübergehenden Rückgang, während 2012 das Jahr mit den bisher meisten Besuchern der Website war. Bei den Downloads
gab es gegenüber den Vorjahren eine deutliche Rückentwicklung auf 75 Gigabyte pro Jahr
(2008: 148 Gigabyte, 2009: 229 Gigabyte, 2010: 266 Gigabyte), was möglicherweise damit
zusammenhängt, dass das auf der Website angebotene Unterrichtsmaterial inzwischen rund
zehn Jahre alt ist. Besonders frequentiert waren die praktischen Besucherinformationen auf
der Website. Aber auch die News-Seite und die Darstellungen zur Geschichte des Haftortes

Öffentlichkeitsarbeit

79

wurden häufig genutzt. Die virtuellen Besucher kamen dabei nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus vielen anderen Ländern – zum Beispiel aus Irland, den USA, den Niederlanden,
Großbritannien, Dänemark, der Schweiz, Italien, Frankreich, Österreich und Schweden.
Mitarbeiter der Gedenkstätte publizierten auch in anderen Medien. So veröffentlichte
der Historiker Peter Erler verschiedene Artikel und Rezensionen zur sowjetischen Repressionspolitik in Fachzeitschriften wie der Zeitschrift des Forschungsverbundes SED-Staat, dem
Deutschland Archiv und dem Online-Rezensionsjournal sehepunkte. Auch Gedenkstättendirektor Dr. Hubertus Knabe veröffentlichte zahlreiche Artikel und Aufsätze, unter anderem in
der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und in der Bild-Zeitung.

Werbung
Aus Kostengründen hat die Stiftung auf den Einsatz kommerzieller Werbemittel weitgehend verzichtet. Angesichts des stark gewachsenen Bekanntheitsgrades der Gedenkstätte
und der ständig steigenden Besucherzahlen sind zusätzliche Werbemaßnahmen auch nicht
unbedingt erforderlich. Zudem ist die ehemalige Haftanstalt in vielen deutschen und englischsprachigen Reiseführern sowie Online-Portalen kostenfrei vermerkt. Vor allem aber ist die
Weiterempfehlung durch zufriedene Besucher die effektivste Werbung.
Mit verschiedenen Medien ist die Gedenkstätte spezielle Kooperationen eingegangen. So
war das ehemalige Stasi-Gefängnis im November 2012 eine Woche lang Thema in der Berliner
Morgenpost und im Rundfunksender Spreeradio. Im Gegenzug stellte die Gedenkstätte kostenlos Eintrittskarten zur Verfügung, die die Leser und Hörer in der Reihe „Berliner Schätze“
in einer Verlosungsaktion gewinnen konnten.
In anderen Museen und Gedenkstätten wurden außerdem Flyer, Plakate und Veranstaltungshinweise ausgelegt bzw. angebracht. Darüber hinaus wurden Hotels, Hostels und Reiseveranstalter mit Informationsmaterial versorgt. An den Außenmauern wiesen wetterbeständige Banner auf aktuelle Ausstellungen und die Öffnungszeiten hin. Als die Gedenkstätte im
August 2011 in ein Interimsquartier auf der gegenüberliegenden Straßenseite umzog, wurde
auch der neue Standort mit großflächigen Bannern kenntlich gemacht. Weitere Werbemittel
waren transportable Aufsteller (Kunden-Stopper) mit Kurzinformationen, die bei Veranstaltungen oder in der Besucherbetreuung zum Einsatz kamen. Ein dreiteiliger Roll-up-Ständer zeigte
bei Veranstaltungen das Logo der Gedenkstätte.
Die Gedenkstätte nutzte auch externe Veranstaltungen, um auf ihre Arbeit aufmerksam
zu machen. Am 13. August 2011, dem 50. Jahrestag des Mauerbaus, beteiligte sich die Stiftung beispielsweise an der „Infomeile Zeitgeschichte“ in der Bernauer Straße in Berlin. Dort
fanden die Gedenkveranstaltungen der Bundesregierung zum 50. Jahrestag des Mauerbaus
statt. Auch beim Bürgertag des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen, der jährlich an
die Erstürmung der Stasi-Zentrale in der Berliner Normannenstraße am 15. Januar 1990 erinnert, war die Gedenkstätte im Jahr 2012 vertreten. Mit einem Info-Stand präsentierte sich die
Stiftung zudem im Juni 2012 bei einer wissenschaftlichen Tagung in der Gedenkstätte Leistikowstraße. Viele Besucher nutzen diese Gelegenheiten, um mit Mitarbeitern der Stiftung ins
Gespräch zu kommen oder einen Blick in die neuesten Publikationen zu werfen.

Broschüren von Kooperationspartnern der Gedenkstätte

80

Internationale Kooperationen

Besuch einer tunesischen
Delegation mit Historikern,
Journalisten und Vertretern von
Menschenrechtsorganisationen
in Berlin im Februar 2012

Internationale Kooperationen
Die internationale Bedeutung der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen hat in den vergangenen Jahren erheblich zugenommen. Das ehemalige Stasi-Gefängnis ist längst nicht
mehr nur in Deutschland bekannt, sondern auch in vielen anderen Ländern. Im Berichtszeitraum spiegelte sich diese Entwicklung nicht nur in der großen Anzahl ausländischer Besucher
wider, sondern auch in zahlreichen Anfragen internationaler Delegationen, die Gedenkstätte
zu besichtigen. Vielfach erhofften sie sich Anregungen und Ratschläge für die eigene Arbeit
und suchten deshalb das Gespräch mit dem Direktor oder anderen Mitarbeitern der Gedenkstätte. Zum Teil baten sie auch um Unterstützung bei der Einrichtung eigener Gedenkorte oder
machten Vorschläge für längerfristige Kooperationen.
Die Gedenkstätte hat sich bemüht, ihrer gewachsenen internationalen Bedeutung Rechnung zu tragen. Als serviceorientierte, weltoffene Einrichtung muss sich die Stiftung naturgemäß um ausländische Besucher genauso wie um einheimische kümmern. Im Kontakt mit Touristen und Delegationen aus anderen Ländern fällt ihr sogar eine besondere Verantwortung
zu, da deren Deutschlandbild oft stark durch die persönlichen Erfahrungen bei einem Besuch
in der Bundesrepublik geprägt wird. Im Zuge fortschreitender Europäisierung und Globalisierung gehören internationale Offenheit und Kooperationsbereitschaft inzwischen zum Profil
jeder größeren Kultureinrichtung.
Die Gedenkstätte profitiert dabei auch selbst von dem Austausch. Zum einen erscheinen die Probleme bei der Aufarbeitung der SED-Diktatur in einem anderen Licht, wenn man
sie mit denen in anderen Ländern vergleicht – zum Beispiel in Russland, Kambodscha oder
Ägypten. Zum anderen wird die eigene Arbeit durch den Blick von außen auf neue Weise
hinterfragt – etwa beim Thema Versöhnung, das in vielen Ländern eine deutlich größere Rolle
als in Deutschland spielt. Außerdem geht es um fachliche Anregungen im engeren Sinne, sei
es durch besonders gelungene, sei es durch eher problematische Beispiele der Aufarbeitung.
Nicht zuletzt ergeben sich aus der internationalen Zusammenarbeit Ansätze für gemeinsame
Projekte und für neue Finanzierungsmöglichkeiten.
Die Zahl der Fachbesucher aus dem Ausland stieg im Berichtszeitraum stark an. Unter
anderem besichtigten Delegationen aus Tunesien, Ägypten, Marokko, Lybien, Irak, Kambodscha, Taiwan, Südkorea, China, Kolumbien, Kuba, Slowenien, Bulgarien, Polen und Weißrussland die Gedenkstätte. Zahlreiche Institutionen wie das Goethe-Institut, das Auswärtige Amt,

Internationale Kooperationen

die parteinahen Stiftungen oder die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM)
wenden sich regelmäßig an die Stiftung, um ihren internationalen Gästen das ehemalige Stasi-Gefängnis zu zeigen. Meist bitten sie dabei auch um ein Gespräch mit dem Direktor der Gedenkstätte, um sich ausführlicher über die Praxis der Erinnerungsarbeit in Deutschland zu informieren. Das Spektrum der Delegationsmitglieder reicht dabei von Absolventen und jungen
Diplomaten über Journalisten, Historiker und Menschenrechtsaktivisten bis hin zu Politikern
oder hohen Regierungsbeamten. Auch der Präsident des polnischen Instituts für Nationales
Gedenken (IPN), Lukasz Kaminski, und die Direktorin des slowenischen Center for National
Reconciliation, Andreja Valic, besichtigten in diesem Zusammenhang die Gedenkstätte (siehe
Besucherbetreuung).
Eine besondere Rolle spielten dabei die politischen Veränderungen in den arabischen Ländern. Durch den Sturz der Diktaturen in Tunesien und Ägypten erhöhte sich schlagartig auch
das Interesse an der Aufarbeitung der Vergangenheit in dieser Region. Auf der Suche nach
diesbezüglichen Erfahrungen und Vorbildern war Deutschland ein gefragtes Beispiel.
Durch Vermittlung von Bundesaußenminister Dr. Guido Westerwelle wurde Gedenkstättendirektor Dr. Hubertus Knabe bereits drei Monate nach dem Sturz der Ben-Ali-Diktatur nach
Tunesien eingeladen. Ziel der im April 2011 stattgefundenen Reise war es, die neu eingerichteten Kommissionen zur Aufarbeitung der Korruption sowie der tödlichen Übergriffe während
der Revolution zu beraten. Im Juni kam dann der tunesische Innenminister Habib Essid nach
Hohenschönhausen und informierte sich über die Methoden der Vergangenheitsbewältigung
in Deutschland. Auf seine Einladung hin reiste Gedenkstättendirektor Dr. Hubertus Knabe im
Oktober 2011 erneut nach Tunis, um als erster Außenstehender das Untersuchungsgefängnis
des tunesischen Staatssicherheitsdienstes zu besichtigen, dessen Umwandlung in einen Erinnerungsort er vorschlug.
Vor diesem Hintergrund entwickelte die Gedenkstätte auf Anregung des Auswärtigen Amtes Ende 2011 ein auf zwei Jahre angelegtes Projekt zur Unterstützung der Aufarbeitung in
Tunesien. Unter dem Titel „Contre l‘oubli“ (Gegen das Vergessen) konzipierte die Stiftung in
Zusammenarbeit mit dem Verein zur Förderung der Demokratie in Tunesien und der Firma
beier+wellach Maßnahmen, die den Prozess der Vergangenheitsbewältigung in dem nordafrikanischen Land befördern sollten. Ein spezielles Projektbüro an der Gedenkstätte sollte

81

Screenshot der Homepage
des Tunesien-Projekts „Contre
l‘oubli“

82

Internationale Kooperationen

Führung des Zeitzeugen Gilbert Furian (links) in der Gedenkstätte mit einer
tunesischen Delegation

die Aktivitäten koordinieren, für deren Realisierung
das Auswärtige Amt mehr als 600 000 Euro zur Verfügung stellte.
Im Januar 2012 nahm das Team unter Projektleiter
Hamza Chourabi seine Arbeit auf. Zum Auftakt seiner
Aktivitäten lud es im Februar 2012 eine neunköpfige
Delegation aus Vertretern tunesischer Menschenrechtsorganisationen, Historiker, Journalisten und
Bildungsexperten in die Gedenkstätte ein. Im Juni
besichtigte dann der Justizstaatssekretär Ridha Ibn
Mahmoud das ehemalige Stasi-Gefängnis. Der tunesische Justizminister hatte zuvor angekündigt, ein
Gefängnis nördlich von Tunis in eine Gedenkstätte umzuwandeln. Im September kam schließlich der Staatssekretär für Reformen beim Innenminister der Tunesischen Republik, Saïd Mechichi, mit einer Delegation
nach Hohenschönhausen. Und im Dezember organisierte die Gedenkstätte zusammen mit dem Verein
„Labo‘ démocratique“ eine internationale Konferenz
in Tunis, auf der hochkarätige Vertreter aus Deutschland und Tunesien über Strategien der Aufarbeitung
diskutierten.
Bei dem Projekt ging es nicht nur um Beratung,
sondern auch um die Realisierung praktischer Maßnahmen zur Aufarbeitung der Vergangenheit. So initiierte die Gedenkstätte die Durchführung von Videointerviews mit tunesischen Folteropfern, um deren
Erinnerungen – wie im Zeitzeugenbüro der Gedenkstätte – dauerhaft zu dokumentieren. In Zusammenarbeit mit der Temimi-Stiftung fand zu diesem Zweck im
Mai 2012 eine Konferenz in Tunis statt, bei der über 20
Betroffene – in der Regel zum ersten Mal – öffentlich
über ihre traumatischen Erfahrungen in tunesischen
Gefängnissen sprachen. Eröffnet wurde die Konferenz vom tunesischen Minister für Menschenrechte
und Übergangsjustiz, Samir Dilou.
Ein weiteres Vorhaben war die Erarbeitung eines
mehrsprachigen „Handbuchs Aufarbeitung“. Es sollte
die Erfahrungen Deutschlands beim Umgang mit seinen beiden Diktaturen skizzieren und insbesondere
gelungene Beispiele der Aufarbeitung – etwa die rasche Zugänglichmachung der Stasi-Akten – schildern.
Aus den Zeitzeugenberichten und dem Handbuch
sollten überdies zwei Wanderausstellungen entstehen, die in verschiedenen Orten Tunesiens gezeigt
werden sollen. Weitere Aktivitäten zur Unterstützung

Historiker, Journalisten und Vertreter von Menschenrechtsorganisationen aus Tunesien bei
ihrem Besuch im Stasi-Unterlagen-Archiv

Internationale Kooperationen

der Aufarbeitung in dem nordafrikanischen Land waren die Auslobung eines Stipendiums für angehende
tunesische Wissenschaftler, die sich mit der jüngsten
Vergangenheit beschäftigen wollten, sowie die Ausschreibung eines Wettbewerbs für Design-Studenten,
die Plakate zur Aufarbeitung und Demokratisierung
entwerfen.
Die Erfahrungen der Stiftung waren aber nicht nur
in Tunesien gefragt. So lud die Konrad-Adenauer-Stiftung Gedenkstättendirektor Dr. Hubertus Knabe im
November 2011 nach Peru ein, um beim Aufbau einer
Gedenkstätte in Lima beratend tätig zu werden. Mit
dem bereits im Bau befindlichen und von Deutschland
mitfinanzierten Erinnerungsort soll der etwa 70 000
Opfer gedacht werden, die bei den Auseinandersetzungen zwischen der maoistischen Terrororganisation
„Leuchtender Pfad“ und dem peruanischen Militär
ums Leben kamen.
Um einen ähnlichen Dialog bat die Regierung des
Baskenlandes, die in Bilbao eine Gedenkstätte für die
Opfer der Terrororganisation ETA errichten will. Der
baskische Innenminister Rodolfo Ares besuchte im
Juli 2011 mit Abgeordneten aller Fraktionen das ehemalige Stasi-Gefängnis in Hohenschönhausen. Einige
Monate später bat er Gedenkstättendirektor Dr. Hubertus Knabe, an einer Konferenz im Mai 2012 zum
Thema „Gedenken und Zusammenleben“ in Bilbao
teilzunehmen, auf der das Konzept weiter ausgearbeitet werden sollte.
Vor einem ähnlichen Hintergrund lud die KonradAdenauer-Stiftung Gedenkstättendirektor Dr. Hubertus Knabe im Februar 2012 auch nach Kambodscha
ein, wo von 1976 bis 1979 das wohl blutigste kommunistische Regime der Weltgeschichte herrschte.
Das bettelarme Land, in dem bis heute die einst von
vietnamesischen Truppen an die Macht gebrachte Partei regiert, ist in hohem Maße von internationaler Unterstützung abhängig. Aus diesem Grunde kam es zu
Gesprächen mit Verantwortlichen der Gedenkstätten
im berüchtigten Tuol-Sleng-Gefängnis in Phnom Penh
und in der einstigen zentralen Hinrichtungsstätte der
Roten Khmer, den sogenannten Killing fields. Auch
mit Vertretern des von der UN unterstützten Strafgerichtshofes in Kambodscha sowie mit dem Documentation Center of Cambodia (DCCOM) fand ein Erfahrungsaustausch statt. Die Gedenkstätte bemühte sich

83

Das ehemalige Gefängnis S-21 der Roten Khmer in Kambodscha, heute
Gedenkstätte und Museum

84

Logo der Plattform des Europäischen Gedenkens und
Gewissens, gegründet im
Herbst 2011

Internationale Kooperationen

anschließend um Hilfe aus Deutschland bei der Konservierung der aufgebahrten Gebeine in
der Hinrichtungsstätte am Rande der kambodschanischen Hauptstadt.
Erheblich intensiviert hat sich im Berichtszeitraum auch die Zusammenarbeit mit Gedenkstätten und Aufarbeitungseinrichtungen in anderen post-kommunistischen Staaten. Fast überall in Ost- und Mitteleuropa haben sich mittlerweile Museen, Erinnerungsorte, Forschungsinstitute und Archive gegründet, die ähnliche Ziele wie die Stiftung verfolgen. Zu vielen von
ihnen hat sich inzwischen eine enge Partnerschaft entwickelt, sodass Kooperationen – etwa
zur Beantragung von EU-Mitteln – sehr unkompliziert funktionieren.
Möglich wurde dies vor allem durch den Aufbau persönlicher Kontakte bei Konferenzen
und anderen Zusammenkünften. Gerade im internationalen Bereich kann nur so das für eine
Zusammenarbeit notwendige Vertrauen wachsen. Gedenkstättendirektor Dr. Hubertus Knabe
und sein Stellvertreter Helmuth Frauendorfer referierten im Juli 2011 auf einer Sommerschule im rumänischen Sighet. Dort befindet sich eines der bedeutendsten Gefängnismuseen
Europas mit einer umfangreichen Ausstellung über die Zeit der kommunistischen Diktatur.
Im August beteiligten sie sich an der Sommeruniversität des rumänischen Instituts für die
Erforschung der Verbrechen des Kommunismus in Ramnicul Sarat. Auch hier befindet sich ein
ehemaliges Gefängnis aus der kommunistischen Zeit, das zu einer Gedenkstätte umgebaut
werden soll. Im Oktober reiste Gedenkstättendirektor Dr. Hubertus Knabe auf Einladung des
Museums im ehemaligen KGB-Gefängnis in Tartu nach Estland, um über die Arbeit in Hohenschönhausen zu berichten.
Im Oktober 2011 beteiligte sich die Stiftung auch an der Gründung einer Plattform des
Europäischen Gedenkens und Gewissens in Prag. Dabei handelt es sich um einen Zusammenschluss von 19 Gedenkstätten und Aufarbeitungsinstitutionen aus 13 EU-Staaten, die der
Erinnerungsarbeit auf europäischer Ebene mehr Gehör verschaffen wollen. Die Zusammenkunft war auch mit einer Besichtigung des Archivs im tschechischen Institut für das Studium
totalitärer Regime verbunden. Dieses verwahrt die Akten der früheren kommunistischen Geheimpolizei und ist so offen und benutzerfreundlich wie kein anderes Geheimdienstarchiv der
Welt.
Die zweite Jahrestagung der Plattform fand im November 2012 in der Gedenkstätte BerlinHohenschönhausen statt. An ihr nahmen über 40 Gäste aus dem Ausland teil. In einer Erklärung unterstrichen die Mitglieder der Plattform die Bedeutung der Vergangenheitsaufarbeitung
und forderten von der Europäischen Union (EU) mehr Unterstützung für ihre Arbeit. Einige von
ihnen traten am darauffolgenden Tag auch als Referenten beim jährlichen HohenschönhausenForum auf, das sich diesmal dem Thema widmete: „Die Aufarbeitung des Kommunismus als
europäische Aufgabe“ (siehe Veranstaltungen).
Aus der Zusammenarbeit im Rahmen der Plattform entstand 2012 die Idee, bei der EU
Mittel für ein Projekt zu beantragen, das die Lage der Opfer des Kommunismus in Europa
untersuchen soll. Ziel sollte nicht nur eine Bestandsaufnahme sein, sondern auch die Formulierung konkreter Verbesserungsvorschläge, die über die EU an die betroffenen Länder herangetragen werden sollen. Zu diesem Zweck sollten neben den Problemen und Defiziten auch
besonders vorbildliche Lösungen im Bereich der Opferentschädigung herausgestellt werden.
Für das auf zwei Jahre angelegte Projekt mit dem Titel „Zivilcourage würdigen. Erarbeitung
von Vorschlägen zur Verbesserung der Situation von Opfern kommunistischen Systemunrechts in Europa“ stellte das Ressort „Justiz, Grundrechte und Bürgerschaft“ der Europäischen Kommission Ende 2012 rund 187 000 Euro zur Verfügung.

Bautätigkeit

85

André Schmitz, Berlins
Kulturstaatssekretär und
Vorsitzender des Stiftungsrats
der Gedenkstätte, beim
Richtfest anlässlich der
Umbaumaßnahmen

Bautätigkeit
Die Grundstücke und Gebäude der ehemaligen Stasi-Haftanstalt in Berlin-Hohenschönhausen sind mit dem Beitritt der DDR zur Bundesrepublik 1990 in den Besitz des Landes Berlin gelangt. Laut Stiftungsgesetz hat es die Immobilie der Stiftung unentgeltlich zur Nutzung
überlassen. Während für den Erhalt der Gebäude bis zum 31. Dezember 2012 die Berliner
Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt zuständig war, ging die Verwaltung am
1. Januar 2012 in die Hände der Berliner Immobilien Management GmbH (BIM) über.
Der Erhalt der denkmalgeschützten Gefängnisanlage ist mit erheblichem Aufwand verbunden. Gravierende Baumängel bei der Errichtung, unterbliebene Reparaturarbeiten während der Nutzung und der Leerstand nach Schließung der Haftanstalt machten vor allem in
den ersten Jahren grundlegende Sanierungsmaßnahmen notwendig. Nach der äußeren Abdichtung der Gebäude durch die Reparatur von Dächern, Fenstern und Fundamenten rückten
im Berichtszeitraum die denkmalgerechte Erneuerung von Elektrik und der Heizung in den
Mittelpunkt. Während diese Arbeiten im Rahmen des Bauunterhalts durchgeführt und finanziert wurden, begann im August 2011 zusätzlich eine umfangreiche Investitionsmaßnahme.
Sie hatte das Ziel, durch entsprechende Umbauten zeitgemäße Räumlichkeiten für den Gedenkstättenbetrieb zu schaffen. Da die Stiftung über keinen eigenen Bauetat verfügt, war sie
als Nutzer an all diesen Baumaßnahmen unmittelbar beteiligt, hatte aber selbst keine Anordnungsbefugnis gegenüber den beteiligten Firmen.

Bauunterhaltsmaßnahmen
Da die elektrische Anlage des ehemaligen Stasi-Gefängnisses nicht mehr den Sicherheitsvorschriften entsprach, wurde sie nach der Schließung der Haftanstalt stillgelegt und
durch eine Notversorgung ersetzt. Dadurch waren insbesondere im Gefängnisneubau und im
Haftkrankenhaus die historischen Schalter und Lampen nicht mehr benutzbar. Erneuerungsbedürftig war auch die Heizungsanlage. Da das Haftkrankenhaus über Jahre hinweg nicht
mehr beheizt wurde, waren die Heizkörper dort größtenteils nicht mehr funktionsfähig. Im
Gefängnisneubau, in dem nur noch jeder zweite Heizkörper in Betrieb war, war die Heizungsanlage teilweise defekt, sodass bei starkem Frost Schäden durch eingefrorene Heizleitungen
auftraten.

86

Sanierung der historischen
Oberflächen im Vernehmertrakt
des Gefängnisneubaus

Bautätigkeit

Unter der Leitung des Architekturbüros Schornberg wurde deshalb 2010 – bei vollem Besucherbetrieb – mit der schrittweisen Sanierung der Technik begonnen. Mit dem Wechsel
zur BIM übernahm im Januar 2012 das Büro Legge/Sauerzapfe die Bauleitung. In der ersten Bauphase wurden Elektrik und Heizung im Haftkrankenhaus erneuert. Die vorhandenen
Heizkörper mussten dazu demontiert, gereinigt, teilweise neu zusammengesetzt, gestrichen
und wieder eingesetzt werden. Auch die Heizungsverkleidungen mussten wieder eingebaut
werden.
Noch schwieriger gestaltete sich die Sanierung der Elektrik. Einerseits sollten die ursprünglichen elektrischen Anlagen wieder funktionsfähig gemacht, andererseits aber die historischen Oberflächen dabei möglichst wenig verletzt werden. Ein bloßes Herausreißen und
Erneuern der Leitungen und Schalter schied deshalb aus. In ausführlichen Abstimmungsrunden mit dem Denkmalschutz, dem Architekten und der Senatsverwaltung wurde stattdessen
ein aufwändiges denkmalgerechtes Sanierungskonzept entwickelt.
Im Mittelpunkt des Konzeptes stand die Idee, die historischen Lampen und Schalter mit
Niedrigspannung zu versorgen, was genehmigungsrechtlich unproblematisch ist. In jedem
Stockwerk mussten dazu – für den Besucher nicht sichtbar – moderne Elektroverteilungen
installiert werden. Anders als üblich wurden die Kabel und Brandschutzkanäle zudem nicht
einfach auf der Wand oder hinter Putz verlegt, sondern größtenteils über das Dachgeschoss
geführt. Um den „Schwesternruf“, die „Ampeln“ in den Fluren oder die Alarmanlage wieder
funktionsfähig zu machen, mussten dazu auf wöchentlichen Baubesprechungen etliche Detaillösungen entwickelt werden. Die im Juni 2010 begonnene Sanierung dauerte fast zwei
Jahre und war erst im Mai 2012 abgeschlossen.
Nach Abschluss der Arbeiten im Haftkrankenhaus wurde mit der Sanierung im Gefängnisneubau begonnen. Die Erfahrungen aus der Sanierung von Elektro- und Heizungsanlage aus
dem Haftkrankenhaus konnten für den ungleich größeren Baukörper im Neubau eingesetzt
werden. Diese gestaltete sich besonders kompliziert, da sich in dem Gebäude tagsüber permanent Besucher aufhielten. Aus diesem Grunde konnten die Bauarbeiten nur abschnittsweise erledigt werden, wobei sie aus technischen Gründen jeweils in allen Etagen gleichzeitig
erfolgen mussten.
Der erste und zweite Abschnitt umfasste jeweils einen Teil des Zellentraktes und wurde
bis Ende 2011 zu Ende geführt. Der dritte Abschnitt, der sich über alle Etagen der Vernehmerabteilung erstreckte, wurde im Januar 2012 begonnen und im August beendet. Die Sanierung
der Elektrik und der Heizung erfolgten jeweils parallel und machten umfangreiche Sperrungen
für die Besucher notwendig. Sämtliches Mobiliar musste während der Arbeiten ausgelagert,
die Böden und Wände fachmännisch geschützt werden.
Auch hier erfolgte die Sanierung in enger Abstimmung mit den Denkmalschutzbehörden.
Um die historischen Oberflächen möglichst wenig zu beschädigen, wurden die erforderlichen
neuen Elektrokabel im Zellentrakt nicht unter Putz, sondern in den Hohlräumen der nicht
mehr benötigten Steigleitungen für die Toilettenspülung in den Zellen verlegt. Dazu wurden
die Abdeckung und die alten Leitungen entfernt, sodass die Kabel senkrecht durch das Gebäude geführt werden konnten, ohne Spuren zu hinterlassen. Bei der Öffnung der Hohlräume
wurden Teile eines selbstangefertigten Kartenspiels auf den Rückseiten von DDR-Zigarettenschachteln und Zeitungen aus der Entstehungszeit gefunden und für die Sammlung geborgen.
Die vertikalen Kabeltrassen wurden dagegen größtenteils in der Decke des Erdgeschosses verlegt. Diese war vor einigen Jahren erneuert worden und daher historisch wertlos.

Bautätigkeit

Neue Anschlüsse, zum Beispiel für moderne Reinigungsgeräte, wurden in Nischen oder hinter Klappen angebracht, sodass die Besucher sie nicht sehen können.
Als besonders schwierig erwies sich die Sanierung des Heizsystems, da die Rohre der
zeitgenössischen Heizkörper unter Putz verlegt waren. Um zu vermeiden, dass in sämtlichen
Zellen und Vernehmerräumen die Wände aufgestemmt werden mussten und die aufwendig dokumentierten Häftlingsinschriften beschädigt werden, kam ein neuartiges Konzept der
Bauteiltemperierung zur Anwendung. Ziel der Maßnahme war es, die Temperatur- und Luftfeuchteschwankungen zu minimieren, um so die historischen Oberflächen besser erhalten
zu können. Dabei wird nicht mehr die Innenluft, sondern die Wand eines Gebäudes erwärmt.
Die Erwärmung der Wand erfolgt durch Zu- und Ablaufrohre, die hinter einer neu aufgebauten Fußleiste aus wärmeleitendem Zement verlaufen. Diese Fußleiste ist für die Besucher
sichtbar, nimmt sich aber hinter der erhaltenden Bausubstanz zurück, sodass ein Großteil der
Besucher sie kaum bemerkt. Die Temperatur ist darauf ausgelegt, eine Taupunktunterschreitung zu verhindern, sodass kein Kondenswasser den historischen Oberflächen schaden kann.
Damit das sonst in alten Kirchen angewandte System der Bauteiltemperierung in der
Gedenkstätte funktioniert, war es erforderlich, gleichzeitig das ehemalige Gefängnisgebäude besser zu isolieren. Zu diesem Zweck wurden auf dem Dach des Vernehmertraktes die
Dämmung und der Blitzschutz erneuert. In die Fensterrahmen wurde ein besonders dünnes Isolierglas – sogenanntes Histoglas – eingebaut. Die KfZ-Schleuse wurde zudem durch
eine neue Glasfaltwand abgedichtet, sodass sie als eine Art Windfang fungiert. Während die
Glaswand und das Rolltor im Winter geschlossen bleiben, können sie im Sommer geöffnet
werden. Da sich im Keller des Vernehmertraktes auch das Depot befindet, musste die dort
befindliche Heizung an das neue Heizsystem angepasst werden.
Die Bauarbeiten waren im August 2012 abgeschlossen. Seitdem ist die historische Elektroanlage der ehemaligen Haftanstalt wieder voll funktionsfähig. Nicht nur die „Ampeln“ auf
den Fluren, sondern auch die Alarmanlage und die Rufanlage in den Vernehmerräumen können wieder benutzt werden. Eine Sanierung der historischen Tapeten, Anstriche, Fußbodenbeläge und Holzverkleidungen steht noch aus.
Im Rahmen des Bauunterhalts wurde 2011 auch die lange geplante Rampe für die äußere
Erschließung des Gefangenentransportwaggons („Grotewohl-Express“) realisiert. Die Rampe steigt auf der Rückseite des Gefangenenwaggons langsam an und mündet auf einem Podest, von dem aus man in den Waggon blicken kann. Die Besucher können dort nun nicht nur
die außerordentlich beengten Gefangenenzellen, sondern auch die großzügigen Schlaf- und
Sanitärbereiche des Transportbegleitpersonals sehen.

87

Fußbodenheizung in den neuen
Seminarräumen (links) und
Auftrag der Bodenbeschichtung
in den Wechselausstellungsräumen (rechts)

88

Bautätigkeit

Investive Baumaßnahmen

Einbau des Fahrstuhlschachts
im Bereich der künftigen Dauerausstellung

Nach jahrelanger Planung konnte im Berichtszeitraum die Schaffung moderner Räumlichkeiten für den Museumsbetrieb in Angriff genommen werden. Laut Bedarfsprogramm sollten
neben Seminar- und Veranstaltungsräumen, einem Buchladen mit Café sowie Garderoben
und WCs erstmals zusammenhängende Ausstellungsflächen für eine Dauerausstellung geschaffen werden. Bund und Land haben für den Umbau und die Realisierung der Ausstellung
zusammen 16,23 Millionen Euro bereitgestellt (Umbau: 12,94 Mio. Euro; Ausstellung: 3,29
Mio. Euro).
Nach der Durchführung eines Wettbewerbs erhielt 2008 das renommierte Architekturbüro
hg merz den Auftrag für die Realisierung. In der Folgezeit wurde die Planung in zahlreichen
Sitzungen konkretisiert. Grundidee war es, die zusätzlich benötigten Räumlichkeiten für den
Museumsbetrieb nicht neu zu errichten, sondern in den bestehenden Gebäuden gleichsam zu
„verstecken“. Die Eingriffe in die Bausubstanz sollten dabei möglichst gering gehalten werden
und sich auf historisch weniger bedeutende Teile beschränken.
So sollten in einer ehemaligen Materialhalle im Altbau eine etwa 400 Quadratmeter große
Fläche für eine Dauerausstellung und eine etwas kleinere Fläche für Wechselausstellungen
entstehen. Darüber sollte im 1. Obergeschoss ein Lern- und Informationszentrum (LIZ) für
die Bildungsarbeit Platz finden. Die anderen Räumlichkeiten für die Besucherbetreuung wie
Empfang, Bookshop, Café und Seminarräume sollten dagegen größtenteils in den Garagen
untergebracht werden. Sämtliche neuen Funktionsbereiche sollten barrierefrei hergerichtet
und jeder Eingriff eng mit der Denkmalschutzbehörde abgestimmt werden.
Nach langen Beratungen wurde 2010 die Bauplanungsunterlage (BPU) aufgestellt und
direkt im Anschluss daran der Bauantrag eingereicht. Dieser wurde im Frühjahr 2011 von
der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung geprüft und genehmigt. Anschließend fand eine
Prüfung durch die Senatsverwaltung für Finanzen statt. Der Planungsbegleitende Ausschuss
(PBA), in dem alle Beteiligten in regelmäßigen Abständen zusammenkamen, wurde in einen
Baubegleitenden Ausschuss (BBA) umgewandelt, der die weiteren Arbeiten koordinierte. Vor
dem eigentlichen Baubeginn wurde der Zustand sämtlicher Räume im Altbau durch ein denkmalpflegerisches Raumbuch dokumentiert.
Um Baufreiheit zu schaffen, zog im August 2011 nahezu die gesamte Gedenkstätte in ein
Interimsquartier in der Genslerstraße 13 und 13a. Dazu bedurfte es umfangreicher Vorbereitungen. So musste der Raumbedarf für alle Arbeitsbereiche genau erfasst werden. Anschließend wurde ein Belegungsplan entworfen, der nicht nur die Büros der Mitarbeiter sowie die
Arbeitsbereiche für Besucherdienst und Buchladen umfasste, sondern auch die Großobjekte,
deren bisherige Standorte im Zuge des Umbaus aufgegeben werden mussten.
Am neuen Standort mussten die seit mehr als 20 Jahren leer stehenden Büros größtenteils völlig neu hergerichtet und mit moderner Kommunikationstechnik ausgestattet werden.
Erst danach konnte der eigentliche Umzug stattfinden. Während die Großobjekte, darunter
mehrere historische Fahrzeuge, ein Fernschreiber, ein Aktenrevolverschrank und ein Schießstand des MfS, im Juli 2011 umzogen, bezogen die Mitarbeiter der Gedenkstätte Anfang
August das neue Quartier. Nur dem großen Engagement aller Beteiligten ist es zu verdanken,
dass die Verlegung der Gedenkstätte ohne einen einzigen Schließtag erfolgen konnte.
Der eigentliche Umbau gliederte sich in drei Abschnitte: das Hauptgebäude (Altbau), die
Garagen-Süd mit den künftigen Seminarräumen sowie die Garagen-Nord mit Besucherempfang, Bookshop und Café. Am 1. August 2011 wurde mit den notwendigen Abrissarbeiten im

Bautätigkeit

89

Umbau der künftigen Ausstellungshalle im Altbau

Innern der Gebäude begonnen. Zum „ersten Spatenstich“, der in diesem Fall ein Hammerschlag gegen eine abzureißende Wand war, wurden auch die Medien eingeladen.
Um die ehemalige Großküche in einen Ausstellungsbereich umzubauen, mussten im
Altbau zahlreiche Wände abgetragen werden. Aufgrund der Lärmbelastungen mussten die
Rundgänge durch das ehemalige Kellergefängnis („U-Boot“) während der Abrissarbeiten zeitweise ausgesetzt werden. Anschließend wurde die neu entstandene Halle durch rund 40
Tonnen schwere Stahlträger statisch ertüchtigt. Durch einen ehemaligen Lüftungskanal wurden Lüftungselemente sowie große Kabelbündel für die Elektrik verlegt. Danach begann der
Aufbau der Ausstellungsmöbel, der Vitrinen und der Medientechnik, für die ebenfalls das Büro
hg merz verantwortlich zeichnete.
In den Garagen entstanden innerhalb der vorgegebenen baulich heterogenen Hülle neue
barrierefreie moderne Funktionseinheiten. Bei diesen Baumaßnahmen waren erhebliche
Schutz- und Sicherungsmaßnahmen für die marode Außenfassade nötig. Hier mussten zunächst Zwischenwände entfernt werden. Darüber hinaus wurden die Dächer mit neuen Fenstern zur Entlüftung versehen. Schließlich musste ein neuer Boden mit Fußbodenheizung eingezogen werden. Über dreißig Garagentore wurden tischlermäßig aufgearbeitet und mit einer
offenporigen Farbe mehrmals gestrichen. Hinter den Garagentoren wurde eine Glasfassade
eingezogen, um Tageslicht in die dahinterliegenden Film- und Seminarräume und die Caféteria zu leiten. Anschließend wurden die Licht- und Medientechnik sowie das Mobiliar für den
Besucherdienst und den Buchladen verbaut.
Wie bei den meisten größeren Bauvorhaben kam es während des Umbaus zu einer Reihe
unvorhergesehener Probleme. So wurde bei den Bauarbeiten für den künftigen Ausstellungsbereich ein asbestbelastetes Rohr entdeckt, das fachgerecht entfernt werden musste. Auch
an anderen Stellen des Baus, z.B. im Dachstuhl des Langbaus wurden unerwartet Schadstoffe gefunden, die untersucht und unter Aufsicht eines Spezialisten entsorgt werden mussten.
Nach rund siebenmonatiger Bauzeit konnte die Gedenkstätte am 14. Mai 2012 zum Richtfest einladen. Bei der von zahlreichen Medienvertretern und anderen Interessierten besuchten Veranstaltung auf dem ehemaligen Gefängnishof sprachen die Berliner Senatsbaudirektorin Regula Lüscher, der Vorsitzende des Stiftungsrats, Staatssekretär Dr. h.c. André Schmitz,
Frau Dr. Ingeborg Bergreen-Merkel als Vertreterin des Bundes sowie der Direktor der Gedenkstätte, Dr. Hubertus Knabe. Den Richtspruch formulierte der Polier Andreas Börner von der
Firma Bauer.
Parallel zu diesen Bauarbeiten begannen 2012 die Planungen für die Realisierung weiterer
Bauabschnitte. Vor allem der Innenbereich der ehemaligen Haftanstalt muss dringend denkmalgerecht wiederhergestellt werden. Unsaniert blieben bisher auch der frühere Unterbringungsort für die männlichen Strafgefangenen sowie der ehemalige Gefängnishof. Um den
Finanzbedarf zu berechnen, wurde vereinbart, dass das Land Berlin eine Unterlage erstellt,
die die notwendigen Sanierungsarbeiten erfasst und ihre Kosten berechnet. Anschließend soll
der Bund dafür gewonnen werden, sich an den Ausgaben hälftig zu beteiligen.

Senatsbaudirektorin Regula
Lüscher beim Richtfest in der
Gedenkstätte am 14. Mai 2012

90

Haushalt

Haushalt
Die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen ist eine Stiftung öffentlichen Rechts des Landes Berlin. Damit ist sie eine selbstständige juristische Person. Als Zuwendungsempfänger
unterliegt sie jedoch den haushaltsrechtlichen Bestimmungen der Berliner Landesverwaltung
und des Bundes.
Zur Finanzierung ihrer Arbeit erhält die Stiftung Mittel des Landes und des Bundes. Während Berlin einen Zuschuss zahlt, stellt der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und
Medien (BKM) im Wege der sogenannten Fehlbedarfsfinanzierung eine Zuwendung von normalerweise bis zu 50 Prozent der Landesmittel zur Verfügung. Die Mittel können nur gezahlt
werden, wenn sie im jeweiligen Bundes- und Landeshaushalt eingestellt wurden.
Der Haushalt der Stiftung Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen wird nach kameralistischen Grundsätzen geführt. Jeder Jahresabschluss muss laut Stiftungsgesetz von einem
externen Wirtschaftsprüfer geprüft werden.
2011 betrug die institutionelle Förderung durch Bund und Land knapp 1,33 Millionen Euro.
Aus dem Berliner Landeshaushalt bekam sie Mittel in Höhe von 550 000 Euro. Die Abordnung
von drei Lehrern mit 50 Prozent ihrer Arbeitskraft (siehe Gedenkstättenpädagogik) schlug mit
weiteren 75 000 Euro zu Buche. Der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien
(BKM) unterstützte die Gedenkstätte 2011 mit einer institutionellen Zuwendung in Höhe von
700 000 Euro.
2012 erhöhte sich die institutionelle Förderung auf 2,45 Millionen Euro. Während der Beitrag des Bundes mit 700 000 Euro gleich blieb, hob das Land seinen Zuschuss auf rund 1,675
Millionen Euro (ohne die investive Zuwendung von 3 473 000 Euro für die Dauerausstellung)
an, zuzüglich der 75 000 Euro für die Abordnung von 1,5 Lehrerkräften. Der sprunghafte Zuwachs hing damit zusammen, dass die Grundstücke und Gebäude der ehemaligen StasiHaftanstalt zu Jahresbeginn an das Sondervermögen Immobilien des Landes Berlin (SILB)
übertragen wurden und seitdem von der Berliner Immobilienmanagment GmbH (BIM) bewirtschaftet werden. Für Miet- und Betriebskosten muss die Stiftung knapp eine Million Euro
an die BIM zahlen. Diese Mehrkosten werden durch eine zweckgebundene Zuwendung des
Landes in Höhe von 941 000 Euro ausgeglichen. Zieht man diesen durchlaufenden Posten
wieder ab, betrug die Förderung des laufenden Betriebes 2012 insgesamt 1,509 Millionen
Euro. Im Berichtszeitraum erhielt die Stiftung von den Zuwendungsgebern darüber hinaus ver-

Haushalt

schiedene Projektmittel – insbesondere für die Realisierung der Dauerausstellung. Zu diesem
Zweck stellte das Land Berlin der Gedenkstätte 2011 zusätzliche 2,06 Millionen Euro zur Verfügung. Insgesamt wurden für das Projekt Dauerausstellung 3,29 Millionen Euro bewilligt, die
zu gleichen Teilen von Bund und Land getragen werden. Der BKM unterstützte die Arbeit der
Gedenkstätte mit weiteren Projektmitteln, insbesondere für die Vermittlung von Zeitzeugen
an Schulen durch das sogenannte Koordinierende Zeitzeugenbüro. Für dessen Arbeit wurden
2011 rund 137 000 Euro bereitgestellt und 2012 rund 120 000 Euro.
Die Gedenkstätte hat sich noch um weitere Drittmittel zur Finanzierung ihrer Arbeit bemüht. So unterstützte das Bundesministerium für Familie, Senioren und Jugend die Arbeit
der Stiftung im Berichtszeitraum mit einem Betrag von 115 000 Euro (2011) bzw. 150 000 Euro
(2012). Mit diesen Mitteln wurde ein neues Bildungsprogramm entwickelt und durchgeführt,
das Schüler über aktuelle Formen des Linksextremismus informiert (siehe Gedenkstättenpädagogik). 2012 beteiligte sich auch das Auswärtige Amt an der Finanzierung der Gedenkstättenarbeit, in dem es 297 505 Euro für die Unterstützung der Diktaturaufarbeitung in Tunesien zur
Verfügung stellte (siehe Internationale Kooperationen). Weitere Mittel stellten die Hessische
Landeszentrale für politische Bildung, die Bundeszentrale für politische Bildung, die Bundesstiftung Aufarbeitung und der Förderverein der Gedenkstätte zur Verfügung.
Die Stiftung erwirtschaftete aber auch Eigenmittel in erheblichem Umfang. Allein die Einnahmen aus den Führungsentgelten betrugen 2011 rund 799 000 Euro (2010: 741 000 Euro).
2012 lagen sie sogar bei 826 159 Euro. Weitere Einnahmen erzielte die Stiftung durch Erlöse
aus Veröffentlichungen, Drehgenehmigungsgebühren, Mietverträge und Spenden. Die Spenden gingen gegenüber 2010 (39 728 Euro) auf 28 883 (2011) bzw. 33 394 Euro (2012) zurück,
was vermutlich mit den Bauarbeiten in der Gedenkstätte zusammenhängt. Diese hatten nämlich zur Folge, dass die Besucher häufig nicht mehr wie früher an der Spendenbox am Ausgang vorbeigeführt werden konnten. Insgesamt betrugen die Eigeneinnahmen rund 853 000
Euro in 2011 und 876 274 in 2012. Die Gedenkstätte hat sich damit in ungewöhnlich starkem
Maße an der Finanzierung ihrer Kosten beteiligt. Stellt man die selbst erwirtschafteten Einnahmen den staatlichen Zuwendungen für den laufenden Stiftungsbetrieb gegenüber, hat die
Gedenkstätte mehr als ein Drittel ihres Budgets selber finanziert.
Die Ausgaben der Stiftung gliedern sich im Haushalt in Personalausgaben, sächliche Verwaltungsausgaben, Zweckausgaben und sonstige Bewirtschaftungskosten für Grundstück
und Gebäude. Den größten Teil machten die Personalkosten aus. Diese betrugen allein 2,19
Millionen Euro in 2011 und 2,77 Millionen Euro in 2012.
Den größten Anteil an den Personalausgaben machten die Gehälter der fest angestellten
Mitarbeiter aus. Diese betrugen in 2011 rund 512 000 Euro und in 2012 rund 569 000 Euro.
Weitere 152 000 Euro entfielen in 2012 auf Hilfskräfte im allgemeinen Stiftungsbetrieb.
Auch bei den Projekten schlugen vor allem die Personalausgaben zu Buche. 2012 lagen
sie für die befristet beschäftigten Projektmitarbeiter bei 452 000 Euro. Weitere 504 000 Euro
Projektmittel flossen 2012 in Honorare für die Realisierung der Dauerausstellung. Insgesamt
betrugen in 2011 die Ausgaben für Aushilfskräfte und Honorare 1,67 Millionen Euro und in
2012 2,2 Millionen Euro.
Die Größe der Gedenkstättenanlage und die zahlreichen Besucher hatten naturgemäß
auch erhebliche Bewirtschaftungskosten zur Folge. An erster Stelle standen hier die Honorare für die Besucherreferenten, die sich aufgrund des Besucherzuwachses weiter erhöhten.
Gegenüber 2010 (700 000 Euro) stiegen sie in 2011 auf 727 000 Euro und in 2012 auf fast
757 500 Euro an. Kräftig gestiegen sind im Berichtszeitraum aber auch die Kosten für Strom,

91

92

Haushalt

2011 (Euro)

2012 (Euro)

Zuschuss Bund

700 000,00

700 000,00

Zuschuss Land

2 612 371,00

2 148 218,35

(davon PAS)

75.000,00

75.000,00

565 505,55

826 159,00

28 883,36

33 394,07

623 753,79

795 606,40

–

7 735,00

4 530 513,70

4 511 112,82

2011 (Euro)

2012 (Euro)

2 189 756,22

2 770 057,61

726 666,25

757 454,89

330 641,06

1 160 026,49

–

890 893,56

Zweckausgaben

113 265,56

163 544,15

Sonstige Bewirtschaftungskosten

292 140,95

467 095,76

680,39

9 714,51

Summe

2 926 484,18

4 570 388,52

Kassenmäßiges Ergebnis

1 604 029,52

-59 275,70

Übertragbarer Haushaltsrest

1 902 523,45

1 843 247,75

Einnahmen

Besuchergruppenerlöse
Spenden
Drittmittel und sonstige Einnahmen
Verbrauch Rücklage
Summe
Ausgaben
Personalausgaben
(davon Honorare für Führungen)
Sächliche Verwaltungsausgaben
(davon Facilitymanagement BIM)

Sonstige Ausgaben

Abb. 9: Aufstellung der Einnahmen und Ausgaben in den Haushaltsjahren 2011 und
2012 im Vergleich

Heizung, Reinigung und Bewachung. Allein
die Stromrechnung betrug 37 145 Euro pro
Jahr. Insgesamt lagen die Bewirtschaftungskosten 2011 bei rund 292 000 Euro und 2012
bei 467 095 Euro. Während die Verwaltungsausgaben 2011 rund 331 000 Euro betrugen,
stiegen sie 2012 aufgrund der seitdem fälligen Miet- und Betriebskosten auf 1,16 Millionen Euro an. Die Zweckausgaben erhöhten
sich vor allem aufgrund der Vermittlung zahlreicher Zeitzeugen an Schulen von 113 000
Euro in 2011 auf rund 164 000 Euro.
Addiert man alle Einnahmen (ohne Überschuss aus dem Vorjahr), kam die Stiftung
auf einen Gesamtbetrag von 4,83 Millionen
Euro in 2011 und 4,5 Millionen Euro in 2012.
Diesem standen Gesamtausausgaben von
2,93 Millionen in 2011 und 4,57 Millionen
Euro in 2012 gegenüber. Die Differenz zwischen Einnahmen und Ausgaben in 2011 erklärt sich vor allem aus den Verzögerungen
beim Umbau und bei der Realisierung der
Dauerausstellung. Diese führten dazu, dass
die vereinnahmten Mittel nicht wie geplant
verausgabt werden konnten, sondern auf
das Folgejahr übertragen werden mussten.
Auch bei anderen Projekten gab es Übertragungen. Das Haushaltsjahr 2011 schloss
dadurch – vorbehaltlich einer abschließenden Prüfung – mit einem Überschuss von
1,9 Millionen Euro. Das Haushaltsjahr 2012
wurde mit einem Finanzierungssaldo (=Ausgabenüberhang) von -59.275,70 Euro abgeschlossen, der mit den Haushaltsresten aus
dem Vorjahr ausgeglichen werden konnte.
Der übertragbare Haushaltsrest beträgt zum
31.12.2012 insgesamt 1 843 247,75 Euro.

Personal
Zur Erfüllung ihrer gesetzlichen Aufgaben steht der Gedenkstätte nur ein relativ
kleiner Stamm an festen Mitarbeitern zur
Verfügung. Trotz stark gestiegener Aufgaben
sind im Stellenplan der Stiftung seit ihrer
Gründung im Jahr 2000 insgesamt nur zwölf

93

Haushalt

Mitarbeiter ausgewiesen. Erst 2012 kam eine neue Stelle hinzu: Ein Registrar
sollte sich um die immer größer werdende Exponatsammlung der Gedenkstätte
kümmern. Die Stelle wurde im ersten Quartal des Jahres besetzt. Das Land Berlin hat ab 2012 zudem zwei weitere Stellen genehmigt, die jedoch nicht Teil des
Stellenplanes werden konnten, da der Bund dazu keine Genehmigung erteilte.
Insgesamt umfasste der Stellenplan der Stiftung am Ende des Berichtszeitraums
13 Stellen.
Die erhebliche Mehrbelastung des Personals wurde im Berichtszeitraum nicht
durch einen entsprechenden Mehrverdienst ausgeglichen, im Gegenteil: Da laut
Gesetz die Anwendung des öffentlichen Tarifrechtes ausgeschlossen ist, sind die
Stiftungsmitarbeiter von den Tariferhöhungen im öffentlichen Dienst ausgeschlossen. Ihre Gehälter sind – zum Teil seit über zehn Jahren – unverändert geblieben
und zwar in der Höhe, wie ein vergleichbarer Angestellter des Landes Berlin zum
Zeitpunkt des Vertragsabschlusses verdiente. Die Lücke zwischen dem Gehaltsniveau des öffentlichen Dienstes und der Gedenkstättenmitarbeiter ist mittlerweile
so groß geworden, dass ihre Schließung erheblich höhere Einnahmen zur Voraussetzung hätte. Trotz intensiver Bemühungen ist es bisher nicht gelungen, die für
die festangestellten Mitarbeiter unbefriedigende Situation zu verändern.
Um dennoch die umfangreichen Aufgaben bewältigen zu können, musste
die Stiftung auf eine große Zahl externer und interner Hilfskräfte zurückgreifen.
Eine große Unterstützung im Bereich der pädagogischen Arbeit waren die drei
Lehrer, die die Senatsbildungsverwaltung mit 50 Prozent ihrer Arbeitskraft an die
Gedenkstätte abordnete (siehe Gedenkstättenpädagogik). Außerhalb des Stellenplans arbeitete zudem ein Historiker mit einer halben Stelle für die Gedenkstätte.
Hinzu kamen rund 80 Honorarkräfte, die die Besucher durch das Gelände führten.
Darüber hinaus musste die Stiftung in starkem Maße auf studentische Hilfskräfte,
Volontäre, Praktikanten und Kräfte mit geringfügiger Beschäftigung zurückgreifen.
Der gesamte Besucherdienst mit 11 Mitarbeitern sowie die Bewachung der Anlage wurden outgesourct.
Eine Verstärkung der Personaldecke konnte durch verschiedene Projekte erreicht werden. So umfasste allein das Team zur Planung und Realisierung der Dauerausstellung sechs Mitarbeiter. Über das vom Bundesministerium für Familie,
Senioren und Jugend finanzierte Projekt konnten drei Mitarbeiter, über das vom
BKM unterstützte Koordinierende Zeitzeugenbüro zwei Mitarbeiter und über das
vom Auswärtigen Amt geförderte Tunesien-Projekt 1,5 Mitarbeiter finanziert werden. In allen Projekten wurden auch noch studentische Hilfskräfte eingesetzt.
Um jungen Menschen Einblicke in die Gedenkstättentätigkeit zu geben, schuf
die Stiftung darüber hinaus bis zu zwei Stellen im Rahmen des Programms „Freiwilliges Soziales Jahr“ (FSJ) bzw. des Bundesfreiwilligendienstes (BFD). Außerdem erhielt sie seit Dezember 2010 vom Regierenden Bürgermeister von Berlin,
Abteilung Kultur erstmals einen Volontär finanziert. Aufgrund der guten Erfahrungen richtete die Gedenkstätte im August 2011 noch eine eigenfinanzierte Volontärsstelle ein. Über den Verein „Förderband“ Berlin erhielt sie zudem Unterstützung durch sogenannte Mehraufwandsentschädigung (MAE)-Kräfte sowie eine
Bürgerarbeitsstelle im Bereich Haustechnik. Insgesamt waren damit bis zu 150
Mitarbeiter in der Gedenkstätte zu betreuen.

Funktion
1

Wissenschaftlicher Direktor

1

Referent für politische
Bildungsarbeit

1

Verwaltungsleiter

1

Wissenschaftliche Mitarbeiterin

1

Fremdsprachensekretärin

1

Personal- und
Haushaltssachbearbeiterin

1

Wissenschaftliche Assistentin

1

Mitarbeiter für Bibliothek/
Archiv/Öffentlichkeitsarbeit

1

Registrar (seit 2012)

1

Hausmeister/Handwerker

3

Mitarbeiter im Besucherdienst

13

Gesamt

Abb. 10: Stellenplan der Gedenkstätte

94

Stiftungsorgane

Mitglieder des Stiftungsrats (2012): Dr. h.c.
André Schmitz, Dr. Ingeborg BerggreenMerkel und Alexander Straßmeir (von links
nach rechts)

Stiftungsorgane

Mitglieder des wissenschaftlichen Beirats (2012)

Gesetzliche Organe der Stiftung sind der Stiftungsrat, der Vorstand und der Beirat. Der
Stiftungsrat beschließt alle Angelegenheiten von grundsätzlicher oder besonderer Bedeutung
und den Haushaltsplan. Vorsitzender ist laut Gesetz das für kulturelle Angelegenheiten zuständige Mitglied des Berliner Senats. Zudem gehören ihm ein Vertreter der Senatsverwaltung für Justiz, ein Vertreter des für Angelegenheiten der Kultur zuständigen Mitglieds der
Bundesregierung sowie der Vorsitzende und ein weiteres Mitglied des Beirats der Stiftung an
(siehe Anhang: Gremienmitglieder).
Der Vorstand ist der Direktor der Gedenkstätte und wird vom Stiftungsrat bestellt. Er
führt die laufenden Geschäfte der Stiftung und ist dabei an die Beschlüsse und Weisungen
des Stiftungsrats gebunden. Seit Dezember 2000 ist dies der Historiker Dr. Hubertus Knabe.
Der Beirat berät den Stiftungsrat sowie den Vorstand in allen inhaltlichen und gestalterischen Fragen. Ihm gehören Vertreter von Gedenkstätten, Einrichtungen, Gruppen und Initiativen, Wissenschaftler sowie sonstige qualifizierte Persönlichkeiten an, die mit dem Stiftungszweck befasst sind. Die Mitglieder werden vom Vorsitzenden des Stiftungsrates im
Einvernehmen mit dem für Angelegenheiten der Kultur zuständigen Mitglied der Bundesregierung für die Dauer von drei Jahren berufen (siehe Anhang: Gremienmitglieder).

Rainer Wagner
(Vorsitzender)

Ulrike Poppe
(Stellv. Vorsitzende)

Heidi Bohley

Dr. Jens Gieseke

Roland Jahn

Dr. Anna Kaminsky

Siegfried Reiprich

Edda Schönherz

Prof. Dr. Rainer Eckert

Dr. Jörg Kürschner

Dr. Regine Falkenberg

Dr. Peter März

Prof. Dr. Hermann Wentker Prof. Dr. Manfred Wilke Hans-Eberhard Zahn †

Förderverein

Förderverein
Um die Arbeit der Stiftung zu unterstützen, gründeten Persönlichkeiten des öffentlichen
Lebens bereits 2003 den „Förderverein Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen“. Zu den 19
Gründungsmitgliedern zählten unter anderem Altkanzler Dr. Helmut Kohl (CDU), der frühere
Bundeswirtschaftminister Michael Glos (CSU), die Bundestagsabgeordneten Stephan Hilsberg (SPD), Wolfgang Wieland (Bündnis 90/Die Grünen) und Holger Krestel (FDP) sowie der
damalige Bundestagsvizepräsident Hermann Otto Solms (FDP). Vorsitzender des als gemeinnützig anerkannten Vereins ist der MDR-Parlamentskorrespondent in Berlin, Dr. Jörg Kürschner, der selbst in Hohenschönhausen inhaftiert war. Dem Verein gehören inzwischen 180
Mitglieder an (Stand: Dezember 2012).
Der Förderverein hat im Berichtszeitraum verschiedene Projekte der Gedenkstätte finanziell unterstützt. Gefördert wurde unter anderem das „Pädagogische Konzept für geführte
Rundgänge mit blinden und sehbehinderten Besuchern“. Dadurch können seit Mai 2011 regelmäßig Führungen für blinde und sehbehinderte Menschen angeboten werden. Im Rahmen
eines 90-minütigen Rundgangs können die Teilnehmer durch Ertasten und Zuhören an verschiedenen Stationen das System der politischen Justiz in der DDR und die Auswirkungen politischer Verfolgung kennenlernen (siehe Besucherbetreuung). Der Verein unterstützte zudem
die Durchführung einer Filmreihe der Gedenkstätte, die 2011 aus Anlass des 60. Jahrestags
des Mauerbaus stattfand (siehe Veranstaltungen).
Der ehrenamtlich tätige Verein hat auch dazu beigetragen, die Arbeit der Gedenkstätte
weiter bekannt zu machen. Zu diesem Zweck betreibt er eine eigene Website (www.foerderverein-hsh.de) sowie eine Seite im sozialen Netzwerk Facebook, über die regelmäßig Informationen versandt werden. Mehrfach präsentierte er sich und die Gedenkstätte auch in
Wahlkreisen von Bundestagsabgeordneten, die dem Verein angehören.
Seit 2005 gibt der Verein zudem ein eigenes „Nachrichteninfo“ heraus. Es erscheint dreimal im Jahr und versorgt Mitglieder und Freunde des Vereins mit Hintergrundmaterial zur
Arbeit der Gedenkstätte. Das Heft mit einem Umfang von bis zu 46 Seiten erscheint in einer
Druckauflage von 700 Exemplaren. Darüber hinaus wird es elektronisch an 1 000 Einzelpersonen und Institutionen verschickt. Das „Nachrichteninfo“ liegt auch in der Buchhandlung der
Gedenkstätte aus, wo es gegen eine Spende erhältlich ist.

95

Die Preisträger des 3. Hohenschönhausen-Preises: der
Journalist Sven Felix Kellerhoff
(links) und der 2013 verstorbene
Schriftsteller Erich Loest

96

Förderverein

Wie in der Vergangenheit trug der gut vernetzte Verein auch im Berichtszeitraum dazu
bei, Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens auf die Arbeit der Gedenkstätte aufmerksam
zu machen. Vor allem durch das Engagement seines Vorsitzenden wurden zahlreiche Politiker
motiviert, das ehemalige Stasi-Gefängnis zu besuchen. Bei diesen Besuchen beteiligte er sich
oft auch selbst an der Führung. Eine Reihe von Entscheidungsträgern trat anschließend dem
Verein bei oder unterstützte seine Arbeit durch eine Spende. Einmal im Jahr lädt der Vorstand
darüber hinaus die Mitglieder und Freunde des Vereins zu einem informellen Treffen ein, um
in ungezwungener Atmosphäre aktuelle Themen der Arbeit zu besprechen.
Der Förderverein beteiligte sich am 10. Dezember 2011 auch an der Protestaktion „Leerer
Stuhl“. Am Internationalen Tag der Menschenrechte protestierten damit Menschenrechtsaktivisten weltweit gegen die Inhaftierung des Bürgerrechtlers und Friedensnobelpreisträgers Liu
Xiaobo in China. Symbolisch wurden dazu leere Stühle vor chinesische Botschaften und ähnliche Institutionen gestellt. In Berlin beteiligte sich unter anderem Literaturnobelpreisträgerin
Herta Müller an der Aktion. Der Schauspieler Udo Schenk las vor der Botschaft Gedichte des
inhaftierten Dissidenten. Ähnliche Protestaktionen fanden auch vor den Botschaften in Rom,
Brüssel und Washington statt.
Höhepunkt der Vereinsaktivitäten war 2012 die Verleihung des vier Jahre zuvor geschaffenen „Hohenschönhausen-Preises“. Die vom Förderverein berufene Jury entschied sich für den
Schriftsteller Erich Loest; der Journalist und Historiker Sven Felix Kellerhoff erhielt zusätzlich
einen Ehrenpreis. Im November 2012 fand in der Berliner Landesvertretung des Saarlandes
die feierliche Preisverleihung statt, an der über 100 Politiker, ehemalige Inhaftierte, Interessierte und Freunde der Gedenkstätte teilnahmen. Die Laudatio hielt Bundestagsvizepräsident
Hermann Otto Solms (FDP).
Nach Ansicht der Jury hat der 1926 im sächsischen Mittweida geborene Loest maßgeblich
zu einer kritischen Auseinandersetzung mit der SED-Diktatur beigetragen. In seinen Werken
wie „Durch die Erde ein Riß“ oder „Nikolaikirche“ habe er zahlreichen Menschen in ganz
Deutschland ein realistisches Bild der DDR als menschenfeindliche Diktatur vermittelt. Auch
mit seinem Kampf gegen Überbleibsel kommunistischer Propaganda wie das Bronze-Relief
„Aufbruch“ der Universität Leipzig habe er sich in besonderer Weise gegen einen unkritischen und nachlässigen Umgang mit der SED-Diktatur gewandt. Als vorbildlich würdigte die
Jury zudem, dass sich Loest, der in der DDR sieben Jahre im Gefängnis war, auch mit seinen
eigenen politischen Irrtümern offen und kritisch auseinandergesetzt habe.
Der 1971 geborene Journalist Sven Felix Kellerhoff wurde von der Jury ausgezeichnet,
weil er durch seine hartnäckigen Recherchen und kontinuierliche Berichterstattung einen maßgeblichen Beitrag zur Aufarbeitung der SED-Diktatur geleistet habe. Neben seiner Tätigkeit als
leitender Redakteur für Zeitgeschichte bei den Zeitungen „Welt“ und „Berliner Morgenpost“
habe er sich auch in zahlreichen Büchern kritisch mit der DDR auseinandergesetzt und ihre
Opfer gewürdigt. Ein Beispiel sei das zusammen mit seinem Kollegen Lars Broder-Keil im
Jahr 2012 veröffentliche Buch „Mord an der Mauer. Der Fall Peter Fechter“.

Spendenkonto des Fördervereins
Commerzbank Berlin
IBAN: DE11120400000622622900
BIC: COBADEBBXXX

Anhang

Anhang
Chronik 2011/12
6. Februar 2011
“Mr. Gorbachev, tear down this wall” –
Ronald Reagans Beitrag zur Befreiung
vom Kommunismus
Vortrag und Diskussion mit dem
damaligen Bundesverteidigungsminister
Karl-Theodor zu Guttenberg
22. Februar 2011
Tote an Mauer und innerdeutscher
Grenze. Alles nur ein Spiel?
Podiumsdiskussion in der Gedenkstätte
Berliner Mauer
16. März 2011
Gesichter der Friedlichen Revolution
Ausstellungseröffnung und Diskussion mit
dem Bundesbeauftragten für die StasiUnterlagen Roland Jahn
20. März 2011
Freiheit für Liu Xiaobo!
Lesung von Texten des inhaftierten
chinesischen Friedensnobelpreisträgers
4. Mai 2011
Verdrängter Terror – Das sowjetische
Speziallager Nr. 3 in BerlinHohenschönhausen
Vortrag und Diskussion
15. Mai 2011
Das Haftkrankenhaus BerlinHohenschönhausen
Sonderführungen zum Internationalen
Museumstag in der Gedenkstätte Berlin
Hohenschönhausen
15. Juni 2011
50 Jahre Mauerbau
Podiumsdiskussion im historischen Saal
der Pressekonferenz von Walter Ulbricht
im heutigen Bundesministerium der
Finanzen
21. Juni 2012
One Germany – The other side of the
Wall
Filmvorführung mit Podiumsgespräch im
Kino Babylon Mitte

23. Juni 2011
Ein Volk hinter Gittern – Das Elend in
den Arbeitslagern Nordkoreas
Ausstellungseröffnung und
Gespräch in der Gedenkstätte BerlinHohenschönhausen
29. Juni 2011
Fluchthelfer – Die Gruppe um Wolfgang
Fuchs
Lesung und Diskussion im Zeughauskino
des Deutsch Historischen Museums
08. bis 12. Juli 2011
„Grenzverletzer haben keine Chance“ –
Bewegte Bilder zum Mauerbau
Filmreihe im Kino Babylon Mitte
26. Juli 2011
50 Jahre Mauerbau – Relativierung
eines Traumas?
Podiumsgespräch in der Gedenkstätte
Berlin-Hohenschönhausen
18. August 2011
Ernst Thälmann – Legende und
Wirklichkeit
Buchvorstellung in der Stiftung
Topographie des Terrors
27. August 2011
29. Lange Nacht der Museen
Führungen durch das ehemalige
Untersuchungsgefängnis und andere
Örtlichkeiten
10. und 11. September 2011
Tag des offenen Denkmals
Führungen durch das ehemalige
Untersuchungsgefängnis und andere
Örtlichkeiten
14. September 2011
22 Jahre nach dem Fall der Mauer –
Schlussstrich versus Erinnerungskultur
Gastveranstaltung der FDPBundestagsfraktion
21. September 2011
Die Kommunisten und der Papst –
Katholiken in der SED-Diktatur
Podiumsdiskussion in der
Landesvertretung des Freistaates
Thüringen beim Bund

97

98

Anhang

24. Oktober 2011
Gedenkveranstaltung für die Toten des
Speziallagers Nr. 3
DenkOrt Friedhof Gärtnerstraße
24. Oktober 2011
Revolution auf Tunesisch – Fotos von
Hamideddine Bouali
Ausstellungseröffnung in der
Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen
7. November 2011
4. Hohenschönhausen-Forum:
Vom Verrat der Intellektuellen –
Diktaturverklärung gestern und heute
Tagung in Kooperation mit der KonradAdenauer-Stiftung in der Gedenkstätte
Berlin-Hohenschönhausen

16. März 2012
Medizin hinter Gittern – Das
Stasi-Haftkrankenhaus BerlinHohenschönhausen
Buchvorstellung mit Peter Erler und
Tobias Voigt im Rahmen der Leipziger
Buchmesse
19. April 2012
Ausgewiesen: Über China
Buchvorstellung und Gespräch mit Bei
Ling in der Buchhandlung ´89
23. April 2012
Welttag des Buches: Lesung für
Demokratie in Syrien
Lesung mit Edda Schönherz in der
Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen

28. November 2011
Medizin hinter Gittern – Das
Stasi-Haftkrankenhaus BerlinHohenschönhausen
Buchvorstellung und Diskussion in der
Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur

7. Mai 2012
Richtfest im Stasi-Gefängnis
Veranstaltung mit Staatssekretär André
Schmitz und Senatsbaudirektorin Regula
Lüscher in der Gedenkstätte BerlinHohenschönhausen

14. Januar 2012
Bürgerfest des BStU
Info-Stand

15. Mai 2012
Stasi-Kinder – Aufwachsen im
Überwachungsstaat
Buchvorstellung und Zeitzeugengespräch
im Literaturhaus Berlin

14. Februar 2012
Trauma der zweiten Generation –
Erfahrungen von Kindern politischer
Häftlinge aus der DDR
Podiumsgespräch mit Dr. Stefan TrobischLütge und Ulrich Schacht in der Stiftung
zur Aufarbeitung der SED-Diktatur
16. Februar 2012
Dictatorship and Information
Podiumsgespräch mit Dr. Hubertus Knabe
und Martin K. Dimitrov in der American
Academy
24. Februar 2012
Memory at Risk
Vorführung des Films von Kerim Bouzouita
und Themeur Mekki im Kino Arsenal
7. März 2012
Der Fall Chodorkowski
Filmvorführung und Diskussion mit Cyril
Tuschi in der Deutschen Kinemathek

30. Mai 2012
Demascarea – Die Entlarvung
Filmvorführung und Zeitzeugengespräch
in Kooperation mit dem Rumänischen
Kulturinstitut in der Deutschen
Kinemathek
19. Juni 2012
Schwarze Pfingsten – Die
Deportationen in die rumänische
Baragan-Steppe
Ausstellungseröffnung in Kooperation mit
dem Rumänischen Kulturinstitut in der
Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen
25. August 2012
31. Lange Nacht der Museen
Führungen durch das ehemalige
Untersuchungsgefängnis und andere
Örtlichkeiten

Anhang

8. und 9. September 2012
Tag des offenen Denkmals
Führungen durch das ehemalige
Untersuchungsgefängnis und andere
Örtlichkeiten

Stiftungsgesetz

6. Oktober 2012
Politische Schauprozesse als Mittel
kommunistischer Herrschaftstechnik
Rede von Dr. Hubertus Knabe auf dem
UOKG-Kongress in der Gedenkstätte
Berliner Mauer

§ 1 Errichtung
Unter dem Namen „Gedenkstätte BerlinHohenschönhausen“ wird eine rechtsfähige Stiftung des öffentlichen Rechts mit Sitz
in Berlin errichtet. Die Stiftung entsteht mit
dem Inkrafttreten dieses Gesetzes.

17. Oktober 2012
Abgehauen
Lesung mit Grit Poppe in der
Tschechischen Botschaft

§ 2 Aufgaben und Zweck der Stiftung
(1) Zweck der Stiftung ist es, in der Gedenkstätte, die zugleich die Funktion eines
Dokumentations- und Begegnungszentrums hat, die Geschichte der Haftanstalt
Hohenschönhausen in den Jahren 1945 bis
1989 zu erforschen, über Ausstellungen,
Veranstaltungen und Publikationen zu informieren und zur Auseinandersetzung mit
den Formen und Folgen politischer Verfolgung und Unterdrückung in der kommunistischen Diktatur anzuregen. Am Beispiel
dieses Gefängnisses ist zugleich über das
System der politischen Justiz in der Deutschen Demokratischen Republik zu informieren. Die Stiftung soll das Land Berlin in
allen einschlägigen Angelegenheiten beraten und unterstützen.
(2) Die Stiftung verfolgt ausschließlich und
unmittelbar gemeinnützige Zwecke im
Sinne des Abschnitts „Steuerbegünstigte
Zwecke“ der Abgabenordnung.
(3) Näheres regelt die Satzung.

24. Oktober 2012
Gedenkveranstaltung für die Toten
des Speziallagers Nr. 3 BerlinHohenschönhausen
DenkOrt Friedhof Gärtnerstraße
7. November 2012
5. Hohenschönhausen-Forum:
Die Aufarbeitung des Kommunismus
als europäische Aufgabe
Tagung in Kooperation mit der KonradAdenauer-Stiftung in der Gedenkstätte
Berlin-Hohenschönhausen
9. November 2012
Dealing with the communist past – a
European exchange of experiences
Konferenz der Platform of European
Memory and Conscience in der
Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen
11. Dezember 2012
Der weiße Strich
Ausstellungseröffnung in Kooperation
mit der Stiftung Berliner Mauer und der
Gedenkstätte Bautzen in der Gedenkstätte
Berlin-Hohenschönhausen

Gesetz über die Errichtung der Stiftung
„Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen“ vom 21. Juni 2000

§ 3 Stiftungsvermögen
(1) Die vom Land Berlin für die Stiftung
„Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen“
erworbenen beweglichen und unbeweglichen Vermögensgegenstände werden auf
die Stiftung übertragen.
(2) Der Stiftung werden zur Wahrnehmung
des in § 2 genannten Zwecks die Grundstücke und Gebäude in der ehemaligen Untersuchungshaftanstalt Hohenschönhausen,
Genslerstraße 66 einschließlich ihres Inventars zur Nutzung überlassen, und zwar
unentgeltlich bis zur Einführung einer generellen Vergütungsregelung für die Nutzung
landeseigener Flächen. Die Stiftung ist verpflichtet, die Nutzung dieser Gebäude und
Grundstücke aufzugeben, wenn sie diese

99

100

Anhang

für ihre Aufgaben nicht mehr benötigt.
(3) Zur Erfüllung des Stiftungszwecks erhält die Stiftung einen jährlichen Zuschuss
des Bundes und des Landes Berlin nach
Maßgabe des jeweiligen Bundes- und Landeshaushalts.
(4) Die Mittel der Stiftung sind nur im Sinne des Stiftungszwecks zu verwenden. Die
Stiftung ist selbstlos tätig; sie verfolgt nicht
in erster Linie eigenwirtschaftliche Zwecke.
Es darf keine Person durch Ausgaben, die
dem Zweck der Stiftung fremd sind, oder
durch unverhältnismäßig hohe Vergütungen begünstigt werden.
(5) Die Stiftung ist berechtigt, Zuwendungen von dritter Seite anzunehmen. Diese
Leistungen sind unter Berücksichtigung
etwaiger vom Zuwendungsgeber getroffener Zweckbestimmungen zur Erfüllung des
Stiftungszwecks zu verwenden.
(6) Bei ersatzloser Aufhebung oder bei
Wegfall des bisherigen Zwecks der durch
dieses Gesetz errichteten Stiftung fällt deren Vermögen dem Land Berlin zu, das es
unmittelbar und ausschließlich für gemeinnützige Zwecke im Sinne des Abschnitts
„Steuerbegünstigte Zwecke“ der Abgabenordnung und in einer dem Stiftungszweck möglichst nahe kommenden Weise
zu verwenden hat.
§ 4 Organe der Stiftung
(1) Die Organe der Stiftung sind
1. der Stiftungsrat,
2. der Vorstand und
3. der Beirat.
(2) Die ehrenamtlich tätigen Mitglieder des
Stiftungsrats und des Beirats haben einen
Anspruch auf die Erstattung von Reisekosten und sonstigen Auslagen nach den für
die Berliner Verwaltung geltenden Bestimmungen.
§ 5 Stiftungsrat
(1) Der Stiftungsrat besteht aus fünf Mitgliedern. Ihm gehören an:
1. das für kulturelle Angelegenheiten zuständige Mitglied des Senats,
2. eine Vertreterin oder ein Vertreter der
Senatsverwaltung für Justiz,
3. eine Vertreterin oder ein Vertreter des für
Angelegenheiten der Kultur zuständigen
Mitglieds der Bundesregierung,

4. die oder der Vorsitzende des Beirats,
5. ein weiteres Mitglied des Beirats.
(2) Für jedes Mitglied ist für den Fall der
Verhinderung ein stellvertretendes Mitglied zu benennen. Das für kulturelle Angelegenheiten zuständige Mitglied des Senats wird durch die Staatssekretärin oder
den Staatssekretär vertreten.
(3) Die entsendungsberechtigten Stellen
können jedes von ihnen entsandte Mitglied abberufen, sofern die Mitgliedschaft
nicht an eine bestimmte Funktion gebunden ist. Scheidet ein Mitglied oder ein stellvertretendes Mitglied aus, so ist ein neues
Mitglied oder ein neues stellvertretendes
Mitglied zu entsenden.
(4) Den Vorsitz führt das für kulturelle Angelegenheiten zuständige Mitglied des
Senats. Jedes Mitglied hat eine Stimme
im Stiftungsrat. Im Falle der Verhinderung
kann die Stimmausübung einem anderen
Mitglied des Stiftungsrats übertragen werden. Der Stiftungsrat ist beschlussfähig,
wenn mehr als die Hälfte seiner Mitglieder
anwesend ist. Er fasst seine Beschlüsse
mit einfacher Mehrheit. Die Stimme der
oder des Vorsitzenden gibt bei Stimmengleichheit den Ausschlag.
(5) Der Stiftungsrat beschließt alle Angelegenheiten von grundsätzlicher oder besonderer Bedeutung sowie den Haushaltsplan.
(6) Die oder der Vorsitzende des Stiftungsrats hat das Recht, die Prozessführung in
Rechtsstreitigkeiten an sich zu ziehen. Der
Stiftungsrat ist über anhängige Rechtsstreitigkeiten unverzüglich zu unterrichten.
(7) Der Stiftungsrat ist Personalstelle und
Personalwirtschaftsstelle. Er kann diese
Befugnisse auf die Vorsitzende oder den
Vorsitzenden des Stiftungsrats übertragen.
Personalstelle für den Vorstand ist die oder
der Vorsitzende des Stiftungsrats.
(8) Näheres regelt die Satzung.
§ 6 Vorstand
(1) Der Vorstand führt die laufenden Geschäfte der Stiftung. Er ist dabei an die Beschlüsse und Weisungen des Stiftungsrats
gebunden.
(2) Der Vorstand vertritt die Stiftung gerichtlich und außergerichtlich.
(3) Der Vorstand ist die Direktorin oder der
Direktor der Gedenkstätte. Sie oder er wird

Anhang

vom Stiftungsrat bestellt und kann nicht
dessen Mitglied sein. Der Stiftungsrat bestimmt auch die Vertretung des Vorstands.
(4) Näheres regelt die Satzung.
§ 7 Beirat
(1) Der Beirat berät den Stiftungsrat sowie
den Vorstand in allen inhaltlichen und gestalterischen Fragen.
(2) Der Beirat besteht aus mindestens
zehn und höchstens 15 sachverständigen
Mitgliedern; die gleichberechtigte Teilhabe
von Frauen und Männern soll dabei sichergestellt werden. Ihm gehören an:
1. Vertreterinnen und Vertreter von Gedenkstätten,
2. Vertreterinnen und Vertreter von Einrichtungen, Gruppen und Initiativen, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie
sonstige qualifizierte Persönlichkeiten, die
mit dem Stiftungszweck befasst sind.
(3) Die Mitglieder des Beirats werden von
der oder dem Vorsitzenden des Stiftungsrats im Einvernehmen mit dem für Angelegenheiten der Kultur zuständigen Mitglied
der Bundesregierung für die Dauer von drei
Jahren berufen. Die Wiederberufung ist zulässig.
(4) Der Beirat wählt aus seiner Mitte eine
Vorsitzende oder einen Vorsitzenden sowie
eine stellvertretende Vorsitzende oder einen stellvertretenden Vorsitzenden. Er benennt das weitere Mitglied des Stiftungsrats (§ 5 Abs. 1 Satz 2 Nr. 5).
(5) Näheres regelt die Satzung.
§ 8 Personal
Für die Stiftung ist die Anwendung des Tarifrechts des öffentlichen Dienstes ausgeschlossen.
§ 9 Satzung
(1) Die Stiftung gibt sich eine Satzung, die
vom Stiftungsrat mit der einfachen Mehrheit seiner Mitglieder beschlossen wird.
Das Gleiche gilt für Änderungen der Satzung.
(2) Die Satzung trifft nähere Bestimmungen über Organisation und Verwaltung der
Stiftung.
§ 10 Berichterstattung
Der Vorstand legt alle zwei Jahre einen öf-

fentlich zugänglichen Bericht über die Tätigkeit der Stiftung vor.
§ 11 Aufsicht, Rechnungsprüfung
(1) Die Staatsaufsicht über die Stiftung
führt die für kulturelle Angelegenheiten zuständige Senatsverwaltung.
(2) Für das Haushalts-, Kassen- und Rechnungswesen sowie für die Rechnungslegung der Stiftung gelten die für die unmittelbare Landesverwaltung maßgeblichen
Bestimmungen. Der Vorstand veranlasst
die Prüfung der Rechnungslegung durch
eine Wirtschaftsprüferin oder einen Wirtschaftsprüfer, die oder der im Einvernehmen mit der Aufsichtsbehörde und dem
Rechnungshof von Berlin bestellt wird.
Das Prüfungsrecht des Rechnungshofs
von Berlin bleibt hiervon unberührt.
(3) Näheres regelt die Satzung.
§ 12 Übergang von Rechten und Pflichten
(1) Sämtliche Rechte und Pflichten, die das
Land Berlin für die „Gedenkstätte BerlinHohenschönhausen“ übernommen hat,
werden auf die Stiftung übergeleitet.
(2) Bis zur Bestellung des ersten Vorstands
wird die bisherige kommissarische Direktorin der Gedenkstätte von der oder dem Vorsitzenden des Stiftungsrats mit der Wahrnehmung der in § 6 genannten Aufgaben
beauftragt.
§ 13 Inkrafttreten
Dieses Gesetz tritt am 1. Juli 2000 in Kraft.

101

102

Anhang

Gremienmitglieder
(Stand: 31.12.2012)

Stiftungsrat
Mitglieder
Dr. h. c. André Schmitz (Vorsitzender)
Staatssekretär für kulturelle
Angelegenheiten in der Senatskanzlei
Berlin

Vertreter
Volker Heller
Abteilungsleiter in der Senatskanzlei
Berlin, Kulturelle Angelegenheiten

Dr. Ingeborg Berggreen-Merkel
Ministerialdirektorin beim Beauftragten
der Bundesregierung für Kultur und
Medien

Dr. Michael Roik
Gruppenleiter beim Beauftragten der
Bundesregierung für Kultur und Medien

Alexander Straßmeir
Staatssekretär der Senatsverwaltung für
Justiz des Landes Berlin

Dr. Joachim Vetter
Senatsdirigent der Senatsverwaltung für
Justiz des Landes Berlin

Rainer Wagner
Beiratsvorsitzender

Ulrike Poppe
Stellvertretende Beiratsvorsitzende

Siegfried Reiprich
Beiratsmitglied

N.N.

Beirat
Vorsitzender
Rainer Wagner
Union der Opferverbände
kommunistischer Gewaltherrschaft
(UOKG)
Mitglieder
Heidi Bohley
Verein Zeit-Geschichte(n) e. V.
Prof. Dr. Rainer Eckert
Direktor des Zeitgeschichtlichen Forums
Leipzig
Dr. Regine Falkenberg
Deutsches Historisches Museum
Dr. Jens Gieseke
Zentrum für zeithistorische Forschung
Potsdam
Roland Jahn
Bundesbeauftragter für die Unterlagen
des Staatssicherheitsdienstes der
ehemaligen DDR
Dr. Anna Kaminsky
Geschäftsführerin der Bundesstiftung zur
Aufarbeitung der SED-Diktatur
Dr. Jörg Kürschner
Journalist und Vorsitzender des
Fördervereins Gedenkstätte BerlinHohenschönhausen

Stellvertretende Vorsitzende
Ulrike Poppe
Beauftragte des Landes Brandenburg zur
Aufarbeitung der Folgen der
kommunistischen Diktatur
Dr. Peter März
Direktor der Bayerischen Landeszentrale
für politische Bildung
Siegfried Reiprich
Geschäftsführer der Stiftung Sächsische
Gedenkstätten zur Erinnerung an die
Opfer politischer Gewalt
Edda Schönherz
Stellv. Landesvorsitzende der
Vereinigung der Opfer des Stalinismus
(VOS) Berlin-Brandenburg
Prof. Dr. Hermann Wentker
Leiter der Außenstelle Berlin des
Instituts für Zeitgeschichte
Prof. Dr. Manfred Wilke
Politikwissenschaftler
Hans-Eberhard Zahn
Psychologe

Anhang

Mitarbeiter
(Stand: 31.12.2012)

Leitung
Dr. Hubertus Knabe
Direktor
Helmuth Frauendorfer
Stellvertretender Direktor
Referent für politische Bildung

André Kockisch
Referent für Presse- und
Öffentlichkeitsarbeit/Bibliothek
Eva Langhals
Mitarbeiterin Dauerausstellung
Michael Lotsch
Projektmitarbeiter Koordinierendes
Zeitzeugenbüro

Mitarbeiter

Elisabeth Martin
Projektmitarbeiterin Linksextremismus

Andreas Borsch
Rechercheur Dauerausstellung

Daniela Martinowa
Museologin Dauerausstellung

Hamza Chourabi
Projektmitarbeiter Tunesien

Steffen Noack
Lehrer Pädagogische Arbeitsstelle

Andreas Engwert
Wissenschaftlicher Mitarbeiter
Dauerausstellung

Jessica Piwecki
Sachbearbeiterin Haushalt und Personal

Peter Erler
Pädagogische Fachkraft, Historiker
Mechthild Günther
Wissenschaftliche Mitarbeiterin
Zeitzeugenbüro, -archiv
Karsten Harfst
Lehrer Pädagogische Arbeitsstelle
Gerold Hildebrandt
Projektmitarbeiter Linksextremismus
Wolfgang Hoffmann
Mitarbeiter Hausorganisation
Maren Hüttig
Verwaltungsleiterin
Enrico Jähn
Mitarbeiter Besucherdienst
Ute Kietzmann
Lehrerin Pädagogische Arbeitsstelle
Jörn Kleinhardt
Museologe Sammlung

Simone Rösner
Direktionsassistenz
Sonja Rosenstiel
Wissenschaftliche Volontärin
Christiane Rudolph
Wissenschaftliche Assistentin Sammlung
Friedemann Seidel
Mitarbeiter Besucherdienst
Hartwig Sprotte
Mitarbeiter Hausorganisation
Jessica Steckel
Projektmitarbeiterin Koordinierendes
Zeitzeugenbüro
Carolin Thieke
Projektmitarbeiterin Linksextremismus
Tobias Voigt
Wissenschaftlicher Mitarbeiter
Dauerausstellung
Julia Wegener
Projektmitarbeiterin Dauerausstellung/
Tunesien

103

104

Anhang

Besucherreferenten
(Stand: 31.12.2012)

Daniel Krausz
Norbert Krebs
Dr. Jörg Kürschner

Jessica Alcazar

Eva Langhals

Wolfgang Arndt

Lutz „Ret“ Langmeier

Reinhard Bernauer

Vera Lengsfeld

Michael Bradler

Jonas Lengsfeld

Kristen Brand

Michael Lotsch

Hans-Jürgen Breitbarth

Andreas Mehlstäubl

Mirna Campanella

Philip Milek

Sandra Czech

Katalin Nagy-György

Rainer Dellmuth

Ehrhard Neubert

Hansjürg Deschner

Laure Palmier

Anette Detering

Marco Pöhls

Melanie Dore

Philip Priebe

Arno Drefke

Gisela Quasdorf

Dieter Drewitz

Thomas Raufeisen

Ulrich Ebert

Bärbel Richter

Gerhard Ehlert

Hartmut Richter

Rainer Ehrlich

Karl-Heinz Richter

Gianluca Falanga

Mario Röllig

Siegmar Faust

Sonja Rosenstiel

Robert Fissenewert

Wolfgang Rüddenklau

Astrid Fritz

Peter Rüegg

Mike Fröhnel

Harry Santos

Reinhard Fuhrmann

Hans-Jochen Scheidler

Gilbert Furian

Monika Schneider

Jorge L. García Vázquez

Edda Schönherz

Katrin Grajetzki

Dietmar Serafin

Franziska Groszer

Andrew Smith

Siggi Grünewald

Jessica Steckel

Anne Hesse

Hardburg Stolle

Lutz Hildebrandt

Mario Thom

Gritt Hoffmann

Marita Ulbricht

Stephan Horn

Marijke van der Ploeg

Horst Jänichen

Marcel van Hamersveld

Carlo Jordan

Dieter Walter

Johannes Jünemann

Wolfgang Warnke

Cliewe Juritza

Sarah Wessel

Eberhard Kaduk

Dieter von Wichmann

Kristin Kallweit

Peter Wulkau

Franziska Kelch

Anhang

Besucherstimmen
Schüler und Jugendliche
Der Schrecken dieses Ortes muss jedem
Menschen im Gedächtnis bleiben! Danke,
dass Sie uns den Wert der Demokratie
gezeigt haben!
Schüler des OHG-Geesthacht
Gästebucheintrag vom 7. März 2011
Mit den Augen eines Zeitzeugen! Vielen
herzlichen Dank für den historischen
Einblick in die Zeit des Stasi-Regimes.
Besonderer Dank an Herrn Walther für die
ergreifenden Einblicke bei der Führung.
Schüler der Berufsoberschule Hof
Gästebucheintrag vom 5. April 2011
Ein absolut überwältigendes Erlebnis!
Vielen Dank! Erschreckend, zu was Menschen fähig sind. Allergrößten Respekt an
die Zeitzeugen, die sich dieser Aufgabe
stellen und diese außerordentlich wichtige
Aufgabe übernehmen.
Studenten der Pädagogischen Hochschule
Weingarten
Gästebucheintrag vom 6. April 2011
Bedrückender Ort mit vielen Eindrücken,
eine sehr interessante Führung. Es ist
eine tolle Idee, die Geschichte der DDR
auch jungen Leuten so zu vermitteln, wie
es hier passiert ist. Wir denken an die
Menschen, die unschuldig hier gefoltert
und gestorben sind.
9. Klasse der Pestalozzischule Deggendorf
Gästebucheintrag vom 7. Mai 2011
Eine der bemerkenswertesten Führungen,
die wir erlebt haben.
Schüler der Offenen Schule Kassel-Waldau
Gästebucheintrag vom 5. Juni 2011
Vielen Dank für die Führung von Karl-Heinz
Richter! Unsere Gedanken sind bei ihm
und seiner Familie. Es ist schwierig in
Worte zu fassen, was in uns vorgeht. Wir
bewundern Ihre Kraft und uns ist unser
tolles Leben bewusst geworden! Er ist für
uns zum Held geworden!
Schüler der St. Angela Schule Königstein
Gästebucheintrag vom 18. Juni 2011

Es ist kaum zu glauben, dass das alles
erst 20 Jahre her ist. Sehr viel Respekt
an die Zeitzeugen, die die Führungen
durchführen. Wieder an diesen Ort zurück
zu kommen, der teilweise nur von innen
bekannt gewesen ist, ist bestimmt nicht
einfach. Es lässt mich sehr sprachlos und
schockiert und nachdenklich zurück. Heutzutage ärgert es uns, wenn wir wenig
Handyempfang haben oder 10 Minuten
auf die Bahn warten müssen, während
auf anderen Teilen der Welt immer noch
solche Ungerechtigkeiten geschehen. Ich
hoffe, dass noch mehr Menschen – so wie
sie – sich mit echten Problemen auseinandersetzen.
Eleanor T. und Vanessa S., Königswinter
Gästebucheintrag vom 19. Juli 2011
Vielen Dank für diese eindrucksvollen
Erfahrungen, die sie unserer Klasse
weitergegeben haben. Keiner von uns
hätte sich vorstellen können, wie genau es
damals abgelaufen ist. Durch Sie und Ihre
lebhaften und gut vorstellbaren Erzählungen werden wir den heutigen Tag nie
vergessen.
Klasse 10D der Alfred-Delp-Schule
Hargesheim
Gästebucheintrag vom 18. August 2011
Die Würde des Menschen ist unantastbar
(Artikel 1, deutsches Grundgesetz). Danke
Herr Scheidler für die tolle und interessante Führung. Diese Einblicke werden wir
nie vergessen und wir werden aus diesen
Eindrücken unser Leben gestalten und
genießen.
Klasse 10a und 10c der Geschwister Scholl
Realschule Nürtingen
Gästebucheintrag vom 10. November 2011
Wie traurig es ist, dass die Freiluftzelle
„Tigerkäfig“ das Highlight eines Lebensabschnittes werden konnte.
Kendra T.
Gästebucheintrag vom 19. Januar 2012
Die Führung hat große Betroffenheit in
unserer Klasse ausgelöst! Uns fehlten die
Worte!
Schüler einer 12. Klasse aus Saarbrücken
Gästebucheintrag vom 2. Februar 2012

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Anhang

Wir danken Herrn Walter für die Führung
durch das Stasi-Gefängnis – es ging uns
unter die Haut.
Schüler der Brühlwiesenschule Hofheim
Gästebucheintrag vom 19. April 2012
Danke. Wir und alle weiteren Generationen müssen über die Vergangenheit Bescheid wissen. Nicht einschlafen, sondern
wachsam sein. Vielen Dank für die tolle
und eindrucksvolle Führung.
Schüler der Realschule in Gosheim-Wehingen
Gästebucheintrag vom 8. Mai 2012
Hochinteressante Führung, die mich/uns
zum Nachdenken angeregt hat. Wir hingen
an den Lippen des Referenten.
Schulklassen 10 aus der Sophie-SchollSchule Schöneberg
Gästebucheintrag vom 5. Juni 2012
Sie beneiden unsere Jugend, wir beneiden ihre Stärke! Danke Herr Ebert und
ebenso großer Respekt! Vielen Dank für
die ergreifende Führung, die Sie den Schülern ermöglicht haben.
Schüler des Lise-Meitner-Gymnasiums
Gästebucheintrag vom 20. Juni 2012
Vielen Dank für diese sehr reale und beeindruckende Führung. Ich habe noch nie
annähernd etwas so unglaublich Interessantes erlebt. Ein riesen Dankeschön an
Wolfgang Warnke. Es war ein unvergessliches Erlebnis.
Nicole B. und Klasse 9a aus Herlbolzheim
Gästebucheintrag vom 8. Juli 2012
Das dritte Mal Mauern und Gitter, Beklemmung im Keller, Kälte und Angst.
Das dritte Mal gefüllt mit verschwendeten
Leben, mit Kopfschmerzen, weil Demokratie nur ein Wort war damals. Und doch
– wir kommen wieder, denn wenn wir
gehen mit unseren Schülern, haben sie
Freiheit verstanden. Danke, dass Sie uns
so sachlich-eindrücklich eine Vorstellung
von diesem Gefängnis gegeben haben.
Der Geist der Vergangenheit sollte die Zukunft formen, aber nicht beeinflussen. Ihr
beweist eine Stärke, die andere nicht aufbringen. Weiter so! Vielen Dank für diese

Führung. Ich hoffe, dass die Menschheit
aus diesen schrecklichen Zeiten lernt und
diese Konflikte verhindert.
Schüler und Lehrer der Freien Schule
Hitzacker
Gästebucheintrag vom 10. September
2012
Dieser Ort muss erhalten bleiben, damit
das System, welches hier herrschte, und
die Verbrechen an der Menschlichkeit
niemals vergessen werden!
Daniel aus Leverkusen
Gästebucheintrag vom 4. Oktober 2012

Erwachsene
Möge die Freiheit auf immer unser aller
Gut bleiben. Die Führung von Herrn Rüegg
hat mich tief berührt und ich werde alles
dafür tun, Meinung, Freiheit und Vielfalt
aufrecht zu erhalten. Vielen Dank.
B. H.
Gästebucheintrag vom 8. Februar 2011
Bedrückende Führung und sehr lehrreich.
Gut, dass es solche Gedenkstätten noch
gibt! Danke.
Patrick und Sabine P. aus Kaste
Gästebucheintrag vom 20. April 2011
Eine großartige Führung und eine sehr
interessante Gedenkstätte. Vielen Dank!
Benedikt E.
Gästebucheintrag vom 25. April 2011
Wir schätzen den Wert der freiheitlichen
Demokratie nach dieser Führung mehr als
zuvor.
Familie S. aus Baden-Württemberg
Gästebucheintrag vom 26. April 2011
Kritisches Denken lehren heißt auch, die
Vergangenheit nicht zu vergessen. Danke
dafür.
Gästebucheintrag vom 4. Mai 2011
So hautnah habe ich die sozialistische
Herrschaft noch nicht kennengelernt.
Respekt – ein Eindruck fürs Leben. Vielen
Dank.
Antonia U. aus Plohn
Gästebucheintrag vom 27. Juni 2011

Anhang

Meine Frau und ich haben im vergangenen
Monat die Gedenkstätte besucht. Vielen
Dank für die eindrucksvolle Führung. Wir
waren sehr bewegt! Alles Gute weiterhin
für Ihre wichtige Arbeit!
Gabi und Dieter K.
Email vom 7. Juli 2011
All jenen möchten wir danken, die es sich
zur Aufgabe gemacht haben, Unrecht und
Unfassbares anderen bewusst zu machen
und es nicht in Vergessenheit geraten zu
lassen. Wir sollten lernen, zufriedener zu
sein und die Freiheit (geistig wie körperlich) zu schätzen! Vielen Dank!
Andreas und Charina
Gästebucheintrag vom 17. August 2011
Man betritt das Gelände und sofort läuft
es einem eiskalt den Rücken runter.
Die Führung mit dem Zeitzeugen Herrn
Scheidler war sehr ergreifend. Wir sind
sehr froh, die Geschichte aus seinem
Mund gehört zu haben. Es ist bis heute
unfassbar, besonders für Leute unserer
Jahrgänge (‘86/ ‘87), die diese Grausamkeiten glücklicherweise nicht miterleben
mussten. Weiter so und vielen Dank!
Conni & Steven
Gästebucheintrag vom 25. Oktober 2011
Herzlichen Dank dem Zeitzeugen Thomas Raufeisen für seine Führung. Der
eigene Augenschein und die fast schon
betont emotionslose Nüchternheit seiner
detailreichen Erläuterungen verschmolzen
zu einem unauslöschlich beklemmenden
Gesamteindruck. An diesem Platz systematischen Zermürbens von Menschen ist
zu erfahren, welch wahrhaftig hohe Werte
Freiheit, Menschenwürde und Rechtsstaatlichkeit darstellen. Und, dass diese
Werte nicht selbstverständlich, sondern
schutzbedürftig sind.
Hans H.
Email vom 13. Februar 2012
Es reicht nicht aus, der NS-Vergangenheit
zu gedenken. Für viele Menschen hat sich
die Diktatur bis 1989 fortgesetzt. Einrichtungen wie diese erinnern und ermahnen
uns daran, unsere heutige Demokratie als
ein kostbares Gut zu betrachten, das es zu

erhalten gilt.
Gästebucheintrag vom 7. März 2012
Frau Schönherz hat uns sehr lebhaft, eindrucksvoll und nachhaltig die Geschichte
der DDR nahegebracht. Weiter so, es ist
wichtig für alle Generationen!
Familie R./N. aus Leipzig/Berlin
Gästebucheintrag vom 20. Mai 2012
Liebes Team der Gedenkstätte Hohenschönhausen, ich habe gestern Ihre
Führung besucht und möchte auf diesem
Weg noch einmal Herrn Warnke für eine
ergreifende Führung und seinen Einsatz
danken – es war bewegend, schockierend,
informativ, offen, persönlich. Ich hätte
ihm noch Stunden lang zuhören können.
[…] Herzlichen Dank für Ihr aller Engagement!!!
Hendrik D. aus Duisburg
Email vom 23. Juni 2012
Eine sehr beeindruckende Führung an
einem sehr wichtigen Ort, der hoffentlich
lange erhalten bleibt! Danke!
Mitarbeiterinnen der Kita Rathenower
Straße Berlin
Gästebucheintrag vom 23. November
2012

Zeitzeugen und Angehörige
Nach 27 Jahren im Grotewohl-Express,
es war deprimierend und hat mich mein
Schicksal erneut durchleben lassen.
H. K.
Gästebucheintrag vom 21. Juli 2011
Gut, dass ich als Fluchthelfer die letzten 10
Jahre der DDR kein Einreisevisum mehr
bekam.
H.V. Henschel
Gästebucheintrag vom 29. Juli 2011
Sehr interessant – aber schockierend.
Meine Mutter war im Alter von 21 Jahren
politische Gefangene der DDR. Muss sie
gleich erst mal ganz lange in den Arm nehmen und ihr sagen, dass ich sie liebe.
Julia W.
Gästebucheintrag vom 21. Dezember 2011

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108

Anhang

Ich fand die Führung sehr interessant. Es
war gut zu erfahren, was mein Opa „nur“
ein halbes Jahr erlebt hat.
Gästebucheintrag vom 19. Januar 2012

das Schreckliche zu bekommen. Speziellen Dank an Herrn Richter.
Richard und Marie, Wien/Österreich
Gästebucheintrag vom 17. August 2011

Ausländische Besucher

Impressionnée par la visite, le récit et le
courage de la guide.
Nathalie, Frankreich
Gästebucheintrag vom 20. August 2011

Very impressive tour! Probably the most
impressive in Berlin!
Vincent, Belgien
Gästebucheintrag vom 8. Februar 2011
Ceux qui ont fait ça ne peuvent pas, ne
doivent pas le justifier. Plus jamais ça!
Franklin N., Kamerun
Gästebucheintrag vom 19. März 2011
May we forget those who suffered and
died within these walls. I will never forget
what I saw here today.
Christina C., USA
Gästebucheintrag vom 17. Juni 2011
Thanks for keeping this place for the world
to remember.
Gästebucheintrag vom 25. Juni 2011
Mr. Juritza gave an inspiring tour of what
life during the stasi regime was like. We
learned a lot and can only imagine what
it must feel like to have seen a change to
freedom. Thank you.
Debora & Noermi I. R., Santiago de Compostela/Spanien
Gästebucheintrag 21. Juli 2011
Gardez vivant le lieu de memoire.
L. L., Frankreich
Gästebucheintrag vom 28. Juli 2011
Es war äußerst interessant ... und auch
erschütternd. Vielen Dank für die sehr
informative Führung, Mario! Das ist zum
Teil auch unsere Geschichte, da die Sicherheitsdienste in dem Ostblock mit ganz
ähnlichen (oder genau mit den gleichen?)
Methoden gearbeitet haben.
Greti und Mariann, Ungarn
Gästebucheintrag vom 6. August 2011
Vielen Dank für die Möglichkeit, die einem
an diesem Ort geboten wird, Einblicke in

Thank you for the tour – I‘d read a bit
about this period before but I was still
amazed by the appalling things that were
done by the Stasi. All such actions of
state-sponsored terrorism of people – including today by free nations – should be
a concern for all of us. Really moving.
Liz M., Australien
Gästebucheintrag vom 12. Oktober 2011
Wir sind eine internationale Schülergruppe mit jungen Menschen aus der
ganzen Welt. Vielen, vielen Dank für diese
unglaublich beeindruckende Zeitzeugenführung! Es ist so wahnsinnig wichtig,
dass wir von Menschen wie euch erfahren
dürfen, was war und wie es war. Zugleich
ist es schwierig, überhaupt Worte zu finden, so kurz nachdem man das persönliche Schicksal des Zeitzeugen erfahren hat.
DANKE
Anna aus Deutschland, Meni aus Finnland,
Soledad aus Spanien, Shao aus Brasilien
Gästebucheintrag vom 19. Januar 2012
Democracy is only as strong as the people
who hold it up. Let this never happen
again.
D´Over Broecks College, Norwegen
Gästebucheintrag vom 20. Februar 2012
Inspirational. “Don´t sleep in a democracy,
because you will wake up in a dictatorship.” Thank you.
Francesca N., Großbritannien
Gästebucheintrag vom 10. März 2012
This was an amazing, eye-opening tour!
Thank you so much for all the unpleasant
but very interesting facts.
Samantha G., New Hampshire/USA
Gästebucheintrag vom 27. Juni 2012

Anhang

109

110

Anhang

Bildnachweise
Peter Bandermann: S. 13 – BKM: S. 94 – Heidi Bohley: S. 94 – Hamideddine Bouali: S. 37
– BStU: S. 69, 94 – Bundesregierung/Presse- und Informationsamt: S. 7 – Bundesstiftung
zur Aufarbeitung der SED-Diktatur: S. 94 – Ludolf Dahmen: S. 12, 14, 94 – DEFA-Stiftung:
S. 51 – Rainer Eckert: S. 94 – Regina Falkenberg: S. 94 – Förderverein Gedenkstätte
Berlin-Hohenschönhausen: S. 94, 95 – Gedenkstätte Bautzen: S. 28 – Gedenkstätte BerlinHohenschönhausen: S. 16-18, 39-47, 49, 52, 53, 55, 56, 62-64, 67, 73, 76, 80, 82, 83,
85-89, 94 – Gedenkstätte Sighet: S. 38 – Bernd Hiepe: S. 89 – IfZ: S. 94 – Peter März: S.
94 – Norbert Mispelbaum: Titelbild – Peter Müller: S. 48 – Ulrike Poppe: S. 94 – Progress
Filmverleih: S. 51 – Dirk Rotermundt: S. 30 – Arthur Schmidt: S. 8, 11, 19, 61, 70 – Georg
Sehrbrock: S. 29 – Senatskanzlei Berlin: S. 7, 94 – Senatsverwaltung für Justiz Berlin: S. 94
– Ruth Stoltenberg: S. 30-33 – Topham Picturepoint: S. 36 – Ullstein Bild/Hilde: S. 36 – Dirk
Vogel: S. 35 – Heinrich Vollmer: S. 58 – Luise Wagener: S. 34, 68 – Rainer Wagner: S. 94 –
Thomas Weber: S. 29, 66 – Norbert Wiesneth: S. 75 – Manfred Wilke: S. 94 – ZZF Potsdam:
S. 94

Impressum
Herausgeber
Stiftung Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen
Genslerstraße 66
13055 Berlin
Telefon	 +49 (0)30 - 98 60 82 401
Telefax	 +49 (0)30 - 98 60 82 464
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www.stiftung-hsh.de
Redaktion und Herstellung
André Kockisch, Katharina Concu, Ulrike Freybe
Bildbearbeitung
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Druck
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