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Full text: Tätigkeitsbericht Issue 5.2009/2010

5. Tätigkeitsbericht (2009-2010)

Herausgegeben von der Stiftung Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen

5

Inhalt
Vorab

7

Geleitwort von Klaus Wowereit

7

Geleitwort von Bernd Neumann

8

Vorwort von Hubertus Knabe

9

Besucherbetreuung

11

Besucherdienst

12

Prominente Besucher

13

Buchhandlung

15

Besucherreaktionen

15

Besucherforschung

16

Ausstellungen

20

Musealer Rundgang	

20

Sonderführungen

22

Zentrale Dauerausstellung

23

Ständige Ausstellungen

24

Wechselausstellungen

25

Veranstaltungen

30

Ausstellungseröffnungen

30

Sonderveranstaltungen

32

Vorträge und Buchvorstellungen

35

Literatur, Film und Theater

37

Opfergedenken

38

Gedenkstättenpädagogik

40

Seminare und Projekttage

40

Mobiles Learning Center

41

Lehrerfortbildung

41

Kooperationspartner

42

Zeitzeugenbörse

42

Forschung

44

6

Sammlungen

48

Objektsammlung

48

Fotoarchiv

50

Zeitzeugenarchiv

50

Dokumentenarchiv

52

Bibliothek

53

Mediathek

53

Öffentlichkeitsarbeit

55

Medienbetreuung

56

Publikationen

58

Werbung

59

Bautätigkeit

60

Investive Maßnahmen

60

Unterhaltsmaßnahmen

61

Haushalt

63

Personal

65

Stiftungsorgane

66

Förderverein

67

Anhang

69

Chronik 2009/10

69

Stiftungsgesetz

71

Gremienmitglieder

73

Mitarbeiter

74

Besucherreferenten

74

Besucherstimmen

76

7

Vorab
Geleitwort von Klaus Wowereit
Die Gedenkstätte Berlin Hohenschönhausen befasst sich wie kaum ein anderer
Gedenkort mit der politischen Justiz und der
Verfolgung politisch Andersdenkender in der
DDR. Die alltäglichen, immer ausgefeilteren
Techniken psychischer Folter der Gefangenen
stehen dabei ebenso im Vordergrund wie die
Schicksale der Opfer, deren Vergehen vor allem darin bestand, auf ihre Freiheitsrechte zu
pochen. Im Stasi-Gefängnis Hohenschönhausen wurden Menschen eingesperrt, um sie zu
brechen. Daran zu erinnern, ist eine zentrale
Aufgabe der Gedenkstätte, der sie auch im
Berichtszeitraum dieses 5. Tätigkeitsberichts
erfolgreich nachgekommen ist.
Zwei Jahrestage fanden im Programm der
Stiftung ihren besonderen Niederschlag: der
10. Jahrestag ihrer Gründung sowie der 20.
Jahrestag der Schließung des Stasi-Gefängnisses. Beide Anlässe hat die Stiftung mit besonderen Veranstaltungen gewürdigt und dabei Bilanz gezogen. Wurde der Stiftungszweck
erreicht? Gelang es, diesen außergewöhnlichen Tat-Ort des DDR-Unrechtsregimes im öffentlichen Bewusstsein weiter zu verankern?
Die Antwort ist positiv: Mehr als zwei Millionen Menschen haben mittlerweile diesen Ort
und seine dunkle Geschichte besucht. Dabei
setzt das Team um Direktor Hubertus Knabe
auf Aufklärung und Empathie. Einblicke in das
System der politischen Justiz der DDR werden
mit konkreten Opfergeschichten verwoben.
So tritt die Gedenkstätte allen Versuchen der
Schönfärberei entschieden entgegen. Wie ergriffen die Besucherinnen und Besucher nach
einem Besuch sind, machen die eindrucksvollen Bekundungen im Besucherbuch immer
wieder deutlich.
Der 5. Tätigkeitsbericht für die Jahre 2009
und 2010 zeigt eindrucksvoll, dass es gelungen
ist, die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen im Kontext der Berliner, der nationalen wie
auch der internationalen Erinnerungskultur zu
etablieren und zu profilieren. Besonders hervorzuheben ist das gemeinsam mit dem Bund
vorangetriebene, umfangreiche Ausbauprogramm, mit dem sich die Gedenkstätte für die
Zukunft rüstet. Im Zentrum steht eine Dauerausstellung und eine bessere räumliche Aus-

stattung, dank der künftig noch mehr Besucher
angemessen betreut werden können.
Im breiten Angebot Berlins an historischen
Erinnerungsorten beider Diktaturen findet die
Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen trotz
ihrer dezentralen Lage weiterhin wachsendes
Interesse beim Publikum. Das Jahr 2010 war
mit 332 000 Besucherinnen und Besuchern
das erfolgreichste in der Geschichte dieser Gedenkstätte. Besonders positiv ist die steigende
Zahl von Schülerinnen und Schülern, die hier
einen besonders intensiven und lebensnahen
Zugang zur DDR-Geschichte bekommen.
So hält ein Besuch der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen die Erinnerung an die
Opfer der SED-Diktatur wach und mahnt, allen
gegen Freiheit und Demokratie gerichteten
Bestrebungen entgegenzutreten sowie unsere freiheitlichen Werte zu schätzen und zu
verteidigen. Nicht zufällig stößt die Arbeit der
Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen und
anderer Berliner Einrichtungen, die sich mit
der Aufarbeitung deutscher Diktaturgeschichte befassen, in jenen arabischen Ländern auf
großes Interesse, die sich gerade aus den Fesseln jahrzehntelanger Diktatur befreit haben.
Bei der Aufarbeitung der eigenen Geschichte
sind Berliner Gedenkeinrichtungen in den Ländern des arabischen Frühlings als Ratgeber
und praktische Unterstützer sehr gefragt. Nach
Phasen einer innerdeutschen Auseinandersetzung mit der SED-Diktatur und einem europäischen Abgleich kommunistischer Diktaturerfahrungen erfährt dieser Diskurs – so scheint
es – nun eine globalere Dimension.
Auch für diese Debatten rüstet sich die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, indem
der Bund und das Land Berlin diese Bildungseinrichtung weiter ausbauen.
Mein Dank gilt Dr. Hubertus Knabe und seinen engagierten Mitstreitern, die sich für die
lebendige Auseinandersetzung mit der SEDDiktatur sowie für das Gedenken der Opfer
von Diktatur und Unterdrückung einsetzen.

Klaus Wowereit
Regierender Bürgermeister von Berlin

Klaus Wowereit (SPD)
Regierender Bürgermeister von Berlin

8

Geleitwort von Bernd Neumann

Bernd Neumann (CDU)
Staatsminister bei der Bundeskanzlerin
und Beauftragter der Bundesregierung
für Kultur und Medien

Die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen zeigt das Unrecht des SED-Staates am
authentischen Ort auf besonders eindringliche
Art und Weise. Der historische Ort vermittelt
dem Besucher noch heute einen erschütternden Eindruck davon, welche Qualen und Nöte
die hier eingesperrten Menschen erlitten haben. Die Führungen durch ehemalige Häftlinge machen den Schrecken der Haft erlebbar
und regen zur Auseinandersetzung mit dem
Schicksal der Inhaftierten an. Die von Jahr zu
Jahr steigenden Besucherzahlen sind Beleg
für eine eindrucksvolle und erfolgreiche Arbeit
der Gedenkstätte in den vergangenen Jahren.
Sie war im Berichtszeitraum 2009/2010 eingebettet in das Gedenken an 20 Jahre Mauerfall
und 20 Jahre Deutsche Einheit. Bund und Länder sowie eine Vielzahl von Aufarbeitungseinrichtungen haben in verschiedenen Veranstaltungen an die Überwindung der SED-Diktatur
erinnert. Vor 50 Jahren, am 13. August 1961,
dokumentierte das Regime mit dem Bau der
Berliner Mauer, der sich gegen die eigene Bevölkerung richtete, endgültig, dass das DDRRegime nur mit Gewaltmaßnahmen seine
Herrschaft stabilisieren konnte. Nach der friedlichen Revolution von 1989 brach es wie ein
Kartenhaus zusammen.
Die wissenschaftliche Erforschung der
SED-Diktatur, das Erinnern an die Opfer und
die Würdigung der Rolle der Opposition sind
auch eine nationale Aufgabe. Die Regierungsparteien haben darum im Koalitionsvertrag
vereinbart, die Maßnahmen zur geschichtlichen Aufarbeitung der SED-Diktatur weiter
zu verstärken. Dazu gehört unter anderem
die Einrichtung eines koordinierenden Zeitzeugenbüros. Ich habe mit der Federführung
die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen
beauftragt. Sie ist nicht nur eine der bedeutendsten Einrichtungen bei der Aufarbeitung
der Diktatur und des Unrechts in der SBZ und
in der DDR. Sie hat darüber hinaus bereits in
der Vergangenheit umfangreiche Erfahrungen
bei der Vermittlung von Zeitzeugen gesam-

Vorab

melt. Zeitzeugen sind es, die unmittelbar Erlebtes weitergeben, den Austausch zwischen
den Generationen fördern und so Geschichte
direkt erfahrbar machen. Dabei wirken gerade
die Schicksalsberichte ehemaliger Häftlinge
besonders eindringlich.
Unter Beteiligung der Bundesstiftung zur
Aufarbeitung der SED-Diktatur und der Stiftung Berliner Mauer wird das koordinierende
Zeitzeugenbüro Kontakte zu ehemaligen Oppositionellen und politisch Verfolgten aus der
DDR knüpfen, ihr Schicksal durch Interviews
und Unterlagen dokumentieren sowie geeignete Zeitzeugen auswählen, die zu Veranstaltungen, insbesondere in Schulen, vermittelt
werden können.
Ich bin überzeugt: Wir müssen noch mehr
Aufklärung leisten, damit vor allem Jugendliche lernen, dass extremistische Ideologien
von Links wie von Rechts – wenn sie sich verbreiten – nur zu Unfreiheit und Unterdrückung
führen. Tendenzen zur Verharmlosung der Diktatur in der DDR und der oft erschreckende
Mangel an Wissen über deren Geschichte und
die dort herrschenden Verhältnisse machen die
konsequente und differenzierte Aufarbeitung
zu einer dauerhaften Gemeinschaftsaufgabe
im vereinten Deutschland. Einen wichtigen
Beitrag hierzu wird die neue Dauerausstellung
in Hohenschönhausen leisten. Die von Bund
und Land Berlin finanzierten Umbau- und Renovierungsmaßnahmen haben bereits begonnen und bieten die Gewähr dafür, dass die Gedenkstätte den wachsenden Besucherzahlen
weiterhin gerecht werden kann.
Ich danke Herrn Dr. Hubertus Knabe und
seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie vor allem auch den vielen ehrenamtlich
Engagierten in der Gedenkstätte für ihr tatkräftiges Wirken.

Bernd Neumann
Beauftragter der Bundesregierung für
Kultur und Medien

Vorab

Vorwort von Hubertus Knabe
Die Stiftung Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen legt hiermit ihren fünften Tätigkeitsbericht vor. Entsprechend ihrem gesetzlichen Auftrag legt sie darin Rechenschaft über
ihre Arbeit in den vergangenen zwei Jahren
ab. Fast ein wenig erschrocken haben ihre Mitarbeiter dabei festgestellt, dass die Stiftung
inzwischen selbst schon eine Geschichte hat:
Vor über zehn Jahren, am 1. Juli 2000, wurde
sie durch ein Gesetz des Berliner Abgeordnetenhauses gegründet. Im Juni 2010 wurde ihr
zehnjähriges Bestehen und ihre erfolgreiche
Arbeit bei einem Festakt im Maxim-Gorki-Theater vom Regierenden Bürgermeister Berlins
Klaus Wowereit gewürdigt.
Noch ein zweites Jubiläum war 2010 zu feiern: Am 3. Oktober 1990, als Deutschland nach
jahrzehntelanger Teilung wieder eins wurde,
wurde das Untersuchungsgefängnis in BerlinHohenschönhausen für immer geschlossen.
Für viele SED-Opfer und ihre Angehörigen
war der 20. Jahrestag der Wiedervereinigung
deshalb ein doppelter Grund zur Freude. Die
Gedenkstätte lud aus diesem Anlass 100 frühere Häftlinge – stellvertretend für alle politischen Gefangenen der DDR – im September
2010 zu einem Festakt ein. Am nächsten Tag
führte jeder von ihnen einen einzelnen Schüler
durch das Gefängnis des DDR-Ministeriums
für Staatssicherheit (MfS). Für alle, die dabei
waren, war dies eine sehr bewegende und
persönliche Form der Weitergabe von Diktaturerfahrungen an die nachwachsenden Generationen. In den letzten Jahren ist sie angesichts immer weiter steigender Schülerzahlen
unter den Besuchern zu einer Art Markenzeichen der Gedenkstätte geworden.
Ein bedeutender Höhepunkt in der Arbeit
der Stiftung war auch der Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel in der Gedenkstätte
im Mai 2009. Nach einem Rundgang durch das
ehemalige Stasi-Gefängnis diskutierte sie mit
Schülern und Zeitzeugen über die SED-Diktatur. Es war das erste Mal, dass ein deutscher
Regierungschef die Gedenkstätte besuchte.
Neben diesen Ereignissen bestimmte ein
stetig wachsender Besucherstrom die Arbeit.
Mit 332 000 Besuchern wurde im Jahr 2010
ein neuer Jahresrekord erreicht – ein Zuwachs
von 83 000 Personen gegenüber den Besucherzahlen am Ende des letzten Berichtszeitraumes (2008: 249 000 Besucher). Insgesamt
kamen 2009 und 2010 mehr als 645 000 Interessierte. Und im Beisein des Regierenden
Bürgermeisters konnte die Gedenkstätte im

9

November 2010 die zweimillionste Besucherin
seit der Gründung 1994 begrüßen.
Diese erfreuliche Entwicklung lässt sich
vor allem auf zwei Ursachen zurückführen:
Je länger die DDR Vergangenheit ist, desto
beeindruckender ist für viele ein Besuch der
Gedenkstätte. Das bedrückende Gefängnisinnere wirkt, als hätte man die SED-Diktatur an
dieser Stelle eingefroren. Zudem werden die
Besucher meist von ehemaligen Gefangenen
durch die Haftanstalt geführt. Sie referieren
dabei nicht nur abstrakte Geschichte, sondern
können auch aus eigener Anschauung berichten, wie sie von Wärtern und Vernehmern des
Staatssicherheitsdienstes behandelt wurden.
Der zweite Grund ist die intensive Berichterstattung der Medien, wobei der 20. Jahrestag von Friedlicher Revolution und Wiedervereinigung im Berichtszeitraum für besondere
Aufmerksamkeit gesorgt haben. Zwischen Januar 2009 und Dezember 2010 erschienen
mehr als 2 000 Berichte, in denen die Haftanstalt, die Gedenkstätte oder ihre Mitarbeiter
Erwähnung fanden. Im Durchschnitt war die
Stiftung damit fast dreimal täglich in irgendeinem Medium präsent. Hohenschönhausen ist
zu einem der bekanntesten Symbole für das
SED-Unrecht geworden, von dem sich viele
auch einen persönlichen Eindruck verschaffen
wollen.
Aufgabe der Gedenkstätte ist es, „die Geschichte der Haftanstalt Hohenschönhausen in
den Jahren 1945 bis 1989 zu erforschen, über
Ausstellungen, Veranstaltungen und Publikationen zu informieren und zur Auseinandersetzung mit den Formen und Folgen politischer
Verfolgung und Unterdrückung in der kommunistischen Diktatur anzuregen. Am Beispiel
dieses Gefängnisses ist zugleich über das System der politischen Justiz in der Deutschen
Demokratischen Republik zu informieren” (§ 2
Stiftungserrichtungsgesetz).
Die Gedenkstätte hat viel getan, um diesem Auftrag gerecht zu werden. Die qualifizierte Betreuung der Besucher gehörte ebenso
dazu wie die Organisation von Ausstellungen
und Veranstaltungen. Historische Forschung,
die Befragung von Zeitzeugen, der Ausbau der
Sammlungen und Archive und eine effektive
Öffentlichkeitsarbeit bildeten weitere Arbeitsbereiche, über die in diesem Bericht informiert
wird. Im Anhang findet sich eine Zusammenstellung von Besucherreaktionen, wie sehr der
Besuch des ehemaligen Haftortes die Menschen zum Nachdenken angeregt hat.
Ab 2013 erhält die Gedenkstätte auch eine
umfangreiche Dauerausstellung. Teile der ehemaligen Haftanstalt müssen dazu aufwändig

Dr. Hubertus Knabe
Direktor der Gedenkstätte BerlinHohenschönhausen

10

umgebaut werden. Die Planung des Umbaus
und der Ausstellung haben die Gedenkstätte
im Berichtszeitraum sehr in Anspruch genommen. Archivrecherchen, die Entwicklung des
Ausstellungsdrehbuches, die Exponatbeschaffung, Diskussion der baulichen und gestalterischen Entwürfe waren nur einige der damit
zusammenhängenden Aufgaben. Im Juni 2010
verabschiedete der Stiftungsrat schließlich den
Vorentwurf der Planung, der von dem renommierten Architekturbüro hg merz stammt.
Die Gedenkstätte wurde in den vergangenen beiden Jahren aber auch vor manche
Herausforderungen gestellt. Die starke Zunahme der Besucherzahlen bei unverändertem
Stellenplan hat die Mitarbeiter – und die finanziellen Ressourcen der Stiftung – sehr beansprucht. Auch die Flut der Anfragen von Medienvertretern, Politikern, Verfolgten, Besuchern
und anderen Interessierten war manchmal
kaum noch zu bewältigen. Dass es dennoch
zu keinen größeren Pannen kam, ist vor allem
dem persönlichen Engagement der Mitarbeiter zu verdanken, denen an dieser Stelle für
ihre Arbeit sehr herzlich gedankt wird.
Ein großer Dank geht auch an das Land
Berlin und die Bundesregierung, die die Arbeit
der Stiftung jährlich mit zusammen gut einer
Million Euro gefördert haben. Der zuständige
Berliner Kulturstaatssekretär André Schmitz
und der Beauftragte der Bundesregierung für
Kultur und Medien (BKM), Kulturstaatsminister
Bernd Neumann, haben sich auch persönlich
sehr für die Gedenkstätte eingesetzt. Dasselbe gilt für eine Reihe von Bundestagsabgeordneten, insbesondere die FDP-Abgeordneten
Hans-Joachim Otto, Patrick Kurth und Reiner
Deutschmann. Zu danken ist zudem der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur,

Vorab

der Bundeszentrale für politische Bildung, dem
Bundesinnenministerium, der EU-Kommission
und abermals dem BKM, die die Gedenkstätte
mit zusätzlichen Drittmitteln ausgestattet haben. Ein besonderer Dank für die engagierte
Unterstützung gilt schließlich dem Förderverein der Gedenkstätte unter seinem Vorsitzenden Dr. Jörg Kürschner – und den zahlreichen
Besuchern, die die Arbeit der Gedenkstätte
mit einer Spende, Zuspruch oder begeisterten
Berichten gegenüber Freunden und Verwandten gefördert haben.
Maßgebliche Unterstützung erhielt die
Stiftung auch von zahlreichen Kooperationspartnern: die Landesvertretungen Thüringens,
Hessens und des Saarlandes, die Konrad-Adenauer-Stiftung, das Berliner Theater Strahl und
das Potsdamer Hans-Otto-Theater, der Eichborn, der List und der Jaron Verlag, die Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen und
ihre Außenstellen, die Gedenkstätte Deutsche
Teilung in Marienborn, die Robert-HavemannGesellschaft, der Berliner Landesbeauftragte
für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes und weitere Einrichtungen und Personen,
die die Gedenkstätte mit Rat und Tat unterstützt haben. Ihnen sowie dem Beirat der Gedenkstätte, der die Arbeit stets engagiert mit
seinem fachlichen Rat begleitet hat, ebenfalls
ein herzliches Dankeschön. Der Erfolg der Gedenkstätte in den zurückliegenden beiden Jahren ist auch und vor allem ihr Erfolg!

Dr. Hubertus Knabe
Direktor der Gedenkstätte BerlinHohenschönhausen

11

Besucherbetreuung
Die Stiftung Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen hat den gesetzlichen Auftrag,
am Beispiel der ehemaligen zentralen Untersuchungshaftanstalt des Ministeriums für
Staatssicherheit (MfS) über das System der
politischen Justiz in der DDR zu informieren.
Dies geschieht in erster Linie mit Hilfe von
Führungen durch das ehemalige Stasi-Gefängnis, die überwiegend durch frühere Inhaftierte
übernommen werden. Sie und weitere qualifizierte Referenten führen interessierte Gäste das ganze Jahr über durch das ehemalige
Stasi-Gefängnis und informieren sie über das
DDR-Justizsystem und die Haftbedingungen.
Die Gedenkstätte ist für sie – bis auf ganz wenige Ausnahmen wie Weihnachten oder Neujahr – an sieben Tagen pro Woche von 9 bis 18
Uhr geöffnet, bei Abendveranstaltungen auch
noch länger.
Das Interesse am ehemaligen Stasi-Gefängnis ist in den letzten Jahren kontinuierlich
gewachsen. Seit Öffnung der Gedenkstätte hat
sich die Zahl der Besucher mehr als verhundertfacht. Während 1994 rund 3 100 Besucher
gezählt wurden, waren es 2010 fast 332 000
Gäste. Im Berichtszeitraum 2009/2010 kamen
insgesamt rund 645 000 Interessierte. Damit
wurden alle früheren Rekorde gebrochen. Im
November 2010 konnte die Stiftung ihre zweimillionste Besucherin begrüßen.
Die Besucher nehmen in der Regel an einem intensiven zweistündigen Programm teil,
das aus einem Einführungsfilm (30 Minuten)
und einem geführten Rundgang (90 Minuten) besteht. Aus Sicherheitsgründen ist die
Besichtigung des Gefängnisgeländes nur im
Rahmen einer Führung möglich. Wie in den
vergangenen Jahren nahm der Großteil der
Besucher, insgesamt mehr als 97 Prozent, an
der erwähnten Standardführung teil. Etwas
weniger als zwei Prozent meldeten sich für
Seminare oder Projekttage an. Um dem wachsenden Besucheraufkommen gerecht zu wer-

Gruppe junger Besucher aus
Südkorea

den, wurde die Anzahl der Rundgänge über die
letzten Jahre stark erhöht. Während 2006 noch
8 300 Führungen stattfanden, stieg ihre Zahl
2009 auf 14 760 und 2010 auf 16 123. Die Anzahl der geführten Rundgänge hat sich in den
letzten vier Jahren also nahezu verdoppelt. Die
Betreuung dieses Besucherstroms stellte die
Gedenkstätte oft vor große logistische Herausforderungen. Ein besonderes Verdienst ist es
daher, dass sie diesen mit derselben Zahl an
fest angestellten Mitarbeitern ohne gravierende Qualitätseinschränkungen bewältigt hat.
Die meisten Gäste – 74 Prozent – besuchten die Gedenkstätte im Rahmen einer angemeldeten Gruppenführung. Der Anteil der
Einzelbesucher lag bei rund 22 Prozent (siehe Besucherforschung). Dass der Anteil der
Einzelbesucher seit Jahren steigt – ihre Zahl
erhöhte sich allein von 2008 bis 2010 um 47
Prozent (2008: 48 500; 2009: 71 001; 2010:
71 257) –, zeigt das wachsende öffentliche Interesse am ehemaligen Stasi-Gefängnis.
Um der großen Nachfrage von Einzelbesuchern nachzukommen, bot die Gedenkstätte
an Wochenenden von 10 bis 16 Uhr stündlich
öffentliche Führungen an. An Werktagen wurden drei Rundgänge für Einzelbesucher angeboten (11 Uhr, 13 Uhr und 15 Uhr). In den
besucherstarken Monaten März bis Oktober
erhöhte die Stiftung die Zahl der Rundgänge,
sodass nun stündlich Führungen zwischen 11
und 15 Uhr stattfanden. Zusätzlich zur bisher
bestehenden englischsprachigen öffentlichen
Führung jeden Samstag um 14.30 Uhr wurde eine weitere öffentliche englische Führung
jeden Mittwoch um 14.30 Uhr angeboten. In
touristisch stark frequentierten Wochen wurde
die englische Führung sogar täglich um 14.30
Uhr angeboten.
Führungen für Gruppen wurden an sieben
Tagen in der Woche zwischen 9 und 16 Uhr im
Stunden- oder im 30-Minuten-Takt durchgeführt. Im besucherstarken Zeitraum März bis

12

Besucher in der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen Oktober wurden die Führungs-

zeiten (nicht Öffnungszeiten!) für
Gruppen sogar bis 19 Uhr verlängert und viertelstündlich Führungen angeboten, um die Nachfrage
befriedigen zu können. Die Stärke
der Gruppen lag im Schnitt bei 21
Personen, größere Gruppen ab 26
Personen wurden aufgeteilt.
Zusätzlich zu den Standardführungen fanden auch zahlreiche Kurzführungen (60 Minuten),
thematische
Sonderführungen,
Seminare und Projekttage statt.
So konnten Einzelbesucher jeden Donnerstag im Anschluss
an die 13-Uhr-Führung den sogenannten Grotewohl-Express, also
den letzten existierenden DDRGefangenenwaggon, besichtigen.
Außerdem gab es Führungen
durch das frühere Sperrgebiet.
Bis Oktober 2009 wurden zudem
einmal pro Woche Führungen
durch das ehemalige MfS-Haftkrankenhaus angeboten. Wegen
Instandsetzungsarbeiten musste
das Haftkrankenhaus allerdings im
November 2009 vorübergehend
geschlossen werden. Bei besonderen Anlässen wie der Langen
Nacht der Museen oder dem Tag
des offenen Denkmals öffnete die
Gedenkstätte für Besucher auch
Bereiche, die normalerweise nicht
öffentlich zugänglich sind – zum
Beispiel die Sauna für das MfSPersonal, die Gefängnisküchen
oder die Unterkünfte für die Strafgefangenen.
Neben den Führungen hatten
die Besucher verschiedene Möglichkeiten, sich noch intensiver
mit der ehemaligen Haftanstalt zu
beschäftigen. So ist seit 2007 eine
provisorische
Dauerausstellung
zur Geschichte der Haftanstalt,
das sogenannte Infocenter, geöffnet. Ergänzend dazu konnten im
Berichtszeitraum drei Dauerausstellungen und zwölf Wechselaus-

Besucherbetreuung

stellungen besichtigt werden (siehe Ausstellungen). Informationstafeln in der Umgebung
der Gedenkstätte erläutern die Funktion wichtiger Gebäude im früheren MfS-Sperrgebiet.
Die Buchhandlung mit angeschlossenem Café
komplettiert das Besucherangebot.
Eine besondere Betreuung erfuhren jene
Besucher, die selbst in Haft waren. Immer
wieder kam es vor, dass ehemalige politische
Gefangene die Gedenkstätte aufsuchten.
Manche kehrten erstmals wieder an den Ort
ihrer Verfolgung zurück, andere wollten diesen
ihren Angehörigen zeigen. Insofern es möglich
war, wurde jeder ehemalige Häftling individuell durch die frühere Haftanstalt geführt, denn
oft wollten sie verständlicherweise vor allem
ihre einstige Zelle wiedersehen. Normalerweise vermittelte der Besucherdienst auch den
Kontakt zum Zeitzeugenbüro, das sich in angemessener Weise direkt um die Betroffenen
kümmerte.
Der Besucherzuwachs hatte leider auch
seine Schattenseiten: Vor allem führte er zu
einer enormen Steigerung der Ausgaben für
die Honorare der Gedenkstättenreferenten
(siehe Haushalt), da diese für eine 90-minütige
Führung 39 Euro erhalten. Die dadurch entstehenden Ausgaben erhöhten sich im Berichtszeitraum 2009/2010 auf 1 273 781 Euro, was
die Gedenkstätte zeitweise an den Rand der
Zahlungsunfähigkeit brachte. Der Stiftungsrat
beschloss deshalb 2010, das Führungsentgelt
für Erwachsene von vier auf fünf Euro (ermäßigt 2,50 Euro) zu erhöhen und eine Kostenbeteiligung von einem Euro für Schüler einzuführen. Nur so konnten die enormen Belastungen
des Haushalts, vor allem durch die bis dahin
kostenfreien Schülerführungen, einigermaßen
aufgefangen werden.

Besucherdienst
Für die Betreuung der Besucher ist der Besucherdienst verantwortlich. Er empfängt die
Gäste am Eingang, nimmt telefonische oder
schriftliche Anmeldungen entgegen, teilt die
Referenten für die Führungen ein und koordiniert die Termin- und Raumplanung. Außerdem
bestätigt er Besuchstermine und übernimmt
bei Gruppenbesuchen die Rechnungslegung.

Besucherbetreuung

Der Besucherdienst ist überwiegend im
Eingangsbereich der Gedenkstätte, der ehemaligen Gefängnispforte, untergebracht. Als
direkter Ansprechpartner steht er den Besuchern bei Fragen, Wünschen und Problemen
zur Verfügung. Er informiert beispielsweise
unangemeldete Besucher über den Zeitpunkt
der nächsten öffentlichen Führung oder leitet Gäste nachträglich zum Einführungsfilm.
Zusammen mit der Haustechnik hält er das
Gelände der Gedenkstätte zudem in einem ordentlichen Zustand.
Der Besucherdienst besteht aus zwei festangestellten und elf externen Mitarbeitern, bei
denen es sich vorwiegend um studentische
Hilfskräfte handelt. Sämtliche Besucheranfragen, Termine und Referenteneinsätze werden über eine zentrale Datenbank verwaltet,
mit deren Hilfe auch statistische Analysen
durchgeführt werden. Der Besucherdienst
bemüht sich, ausgehend von den Interessen
und Bedürfnissen einer Gruppe, die jeweils
passenden Referenten auszuwählen. Einer
Besuchergruppe der Partei Die Grünen würde
beispielsweise ein Vertreter der DDR-Umweltbewegung zugeteilt, während für eine christliche Gruppe ein ehemaliger Kirchenmitarbeiter
ausgewählt würde. Schülergruppen werden
generell möglichst von jüngeren Referenten
geführt.
Um dem wachsenden Besucherstrom gerecht zu werden, wurden 2010 zahlreiche neue
Besucherreferenten eingestellt. Insgesamt 71
Referenten führten die Besucher durch das
ehemalige Stasi-Gefängnis und das frühere
Sperrgebiet. Mehr als die Hälfte der Referenten, insgesamt 45, verfügt über persönliche
Hafterfahrungen und konnte aus eigener Anschauung über die politische Verfolgung in der
DDR und das SED-Justizsystem berichten.
Da die Referenten zu unterschiedlichen Zeiten und aus verschiedenen Gründen in Haft
gekommen sind, decken sie ein breites Spektrum an Lebens-, Haft- und Widerstandserfahrungen in der DDR ab.
Neben den Zeitzeugen übernahmen auch
zahlreiche Historiker und Politikwissenschaftler Führungen. Sie werden insbesondere
zur Befriedigung der großen Nachfrage nach
fremdsprachigen Rundgängen benötigt. Mittlerweile kann die Gedenkstätte Führungen auf
Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch,
Norwegisch, Dänisch, Niederländisch und Portugiesisch anbieten. Während die Zeitzeugen
2010 insgesamt 12 250 Führungen durchführten, übernahmen die überwiegend jüngeren
Wissenschaftler 3 795 Rundgänge.
Alle neuen Besucherreferenten durchlaufen vor ihrem ersten Einsatz eine intensive
Schulung. Sie eignen sich dabei fundierte

13

Kenntnisse über die Geschichte der Haftanstalt
an, da sie über alle Perioden Bescheid wissen
müssen. Die Gedenkstätte hat dazu ein spezielles Curriculum entwickelt. Die neuen Kräfte
hospitieren zunächst bei erfahrenen Referenten und machen mehrere Probeführungen.
Erst nach einer förmlichen Abnahme werden
sie eingesetzt. Um die Qualität der Führungen
zu gewährleisten, finden regelmäßig stichprobenartige Hospitationen statt.
Die Gedenkstätte bot zudem regelmäßig
Fortbildungsveranstaltungen für die Besucherreferenten an. Bei einem Besuch im Landeskriminalamt wurden die Referenten zum Beispiel aus erster Hand darüber informiert, wie
Vernehmungen unter rechtsstaatlichen Bedingungen durchgeführt werden. Eine andere
Veranstaltung vermittelte neueste Erkenntnisse über das Haftkrankenhaus des MfS. Um
die Referenten inhaltlich auf dem Laufenden
zu halten, stellte ihnen die Gedenkstätte auch
regelmäßig aktuelle Artikel und Buchhinweise zur Verfügung. Einmal pro Quartal fand
schließlich ein Treffen der Besucherreferenten
statt, um sie über aktuelle Entwicklungen zu
informieren, Erfahrungen auszutauschen und
Probleme zu diskutieren.
Für die meisten Referenten ist die Tätigkeit
in der Gedenkstätte mehr als ein Broterwerb.
Viele sind auch darüber hinaus für die Aufarbeitung des SED-Unrechts aktiv. Sie halten
Vorträge an Schulen und anderen öffentlichen
Einrichtungen oder arbeiten ehrenamtlich in
der Opferberatung. Außerdem engagieren sich
nicht wenige auf Veranstaltungen, in der Politik
und in Verbänden für die Opfer kommunistischer Verfolgung.

Prominente Besucher
Im Berichtszeitraum haben auch zahlreiche
Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens die
Gedenkstätte besucht, darunter viele Politiker.
Mit ihrem Besuch wollten sie sich in der Regel
nicht nur ein Bild vom System politischer Verfolgung in der DDR verschaffen, sondern auch
die Bedeutung der Gedenkstätte und ihrer Aufklärungsarbeit unterstreichen.
Ranghöchste Besucherin war am 5. Mai
2009 Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel

Junge Besucher in der Gedenkstätte

14

Von links nach rechts: Bundeskanzlerin
Dr. Angela Merkel (CDU), der damalige
CSU-Landesgruppenchef im Bundestag
und heutige Bundesinnenminister Dr.
Hans-Peter Friedrich (CSU), der österreichische Botschafter S.E. Dr. Ralph
Scheide und Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD)

Von links nach rechts: S.E. Mohamed
Nasheed, Staatspräsident der Malediven, die dänische Kulturministerin
Carina Christensen und Abgeordnete
der EVP im Europäischen Parlament

(CDU), die nach einem Rundgang durch das
ehemalige Gefängnis auch einen Kranz am
Gedenkstein für die Opfer kommunistischer
Gewaltherrschaft niederlegte. Dort traf sie
auf drei der letzten politischen Häftlinge aus
Berlin-Hohenschönhausen, die dank der Friedlichen Revolution im Herbst 1989 ihre Freiheit
wiedererlangten. Anschließend stellte sie sich
den neugierigen Fragen einer Gymnasialklasse
aus dem rheinland-pfälzischen Neuwied. Ins
Gästebuch schrieb sie abschließend: „Es ist
wichtig, dass möglichst viele Menschen – gerade auch junge – diese Zeit in der Geschichte
unseres Landes kennenlernen. Den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ein herzliches Dankeschön für Ihre Arbeit.“
2009 besuchten noch weitere prominente Politiker die Gedenkstätte. Am 25. Februar
besichtigten 25 Vertreter der SPD-Fraktion im
Berliner Abgeordnetenhaus die Gedenkstätte.
Am 18. März ließ sich die damalige Kulturministerin Dänemarks Carina Christensen das
frühere Untersuchungsgefängnis zeigen. Am
2. September kam der brandenburgische Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) und
diskutierte nach einem Rundgang mit Zehntklässlern aus dem brandenburgischen Angermünde. Anschließend bedankte er sich für die
„engagierte Erinnerungs- und Aufklärungsarbeit“ der Gedenkstätte. Am 13. November
besichtigten 75 Mitglieder der Fraktion der Europäischen Volkspartei (EVP) im Europäischen
Parlament die Gedenkstätte und legten einen
Kranz im Rosenhof nieder.
2010 erhielt die Gedenkstätte zum ersten
Mal Besuch von einem ausländischen Präsidenten – wenn auch aus einem eher kleinen
Land. Am 8. März besichtigte der Staatspräsident der Malediven, Mohamed Nasheed, die
einstige Haftanstalt. Der frühere Journalist
befand sich unter seinem Vorgänger selbst
mehrere Monate in politischer Haft und war
als Mitbegründer einer Oppositionspartei bis

Besucherbetreuung

zu seiner Wahl 2008 staatlichen Repressionen
ausgesetzt. Mehr als anderthalb Stunden besichtigte der Staatschef die ehemaligen Zellen
und Vernehmerräume in Berlin-Hohenschönhausen.
Am 7. Mai 2010 besichtigte auch der damalige Vorsitzende der CSU-Landesgruppe im
Deutschen Bundestag und heutige Bundesinnenminister Dr. Hans-Peter Friedrich (CSU) die
ehemalige Haftanstalt. Der bayerische Ministerpräsident und CSU-Vorsitzende Horst Seehofer, der eigentlich ebenfalls kommen wollte,
musste wegen einer Abstimmung im Bundesrat zur Griechenland-Hilfe kurzfristig absagen.
Am 11. Mai besuchte dann die Grünen-Fraktion
des niedersächsischen Landtags die Gedenkstätte. Am 18. August kamen Abgeordnete
des hessischen Landtags und am 29. Oktober konnte der Präsident des Schleswig-Holsteinischen Landtags Torsten Geerdts (CDU)
begrüßt werden. Hermann Otto Solms (FDP),
Vizepräsident des Deutschen Bundestags und
Gründungsmitglied des Fördervereins der Gedenkstätte, besuchte am 10. November das
ehemalige Stasi-Gefängnis.
Darüber hinaus kamen 2010 zahlreiche
ausländische Gäste, da die Gedenkstätte auch
international immer bekannter geworden ist.
So besichtigte am 4. März der österreichische
Botschafter Dr. Ralph Scheide die ehemalige
Haftanstalt. Am 23. April kam die Geschäftsleitung des Jingmei-Museums – eines ehemaligen Gefängnisses in Taipeh, in dem bis 1987
Oppositionelle und andere Kritiker der taiwanesischen Militärdiktatur eingesperrt waren –,
um sich über das Vermittlungskonzept der Gedenkstätte zu informieren. Am 16. Juli besichtigte dann der österreichische Bundesratspräsident a. D. Prof. Dr. Herbert Schambeck das
frühere Stasi-Gefängnis und am 1. Dezember
informierten sich die Leiter des irakischen Nationalarchivs sowie des Instituts für GenozidStudien, Saad Bashir Eskander und Chnar Saad

Besucherbetreuung

Abdullah, über die Diktaturaufarbeitung in
Deutschland. Am Folgetag besichtigten Mitarbeiter der koreanischen Menschenrechtskommission die Gedenkstätte und am 6. Dezember kamen sechs kubanische Dissidenten nach
Hohenschönhausen, die nach jahrelanger politischer Haft vom Castro-Regime abgeschoben
worden waren. Die Liste der ausländischen
Wissenschaftler und Journalisten, die vielfach
auf Initiative des Goethe-Instituts, des Auswärtigen Amtes, der Robert Bosch Stiftung oder
der Berlin Tourismus Marketing GmbH kamen,
ist damit noch nicht zu Ende. Oft suchten sie
dabei nach Anregungen zur Diktaturbewältigung in ihren eigenen Ländern.

Buchhandlung
Für die Besucher der Gedenkstätte steht
auf dem Gelände der ehemaligen Haftanstalt
seit mehreren Jahren die „Buchhandlung ´89“
zur Verfügung. Das wirtschaftlich unabhängige
Unternehmen erinnert nicht nur mit seinem
Namen an die Friedliche Revolution von 1989,
sondern bietet den Besuchern eine umfangreiche Auswahl an Veröffentlichungen zur DDRGeschichte und verwandten Themen. Das
Angebot reicht von biografischer Literatur über
populärwissenschaftliche Darstellungen zum
Staatssicherheitsdienst und zur SED bis hin
zu Fachbüchern mit speziellen Fragestellungen. Die Besucher können hier auch die Publikationen der Stiftung erwerben, wodurch die
Gedenkstätte nicht selbst mit dem personalintensiven Verkauf belastet ist. Vor allem Einzelbesucher nutzen die Gelegenheit, im umfangreichen Angebot zu stöbern und durch Bücher
das Gehörte zu Hause weiter zu vertiefen.
In den besucherstarken Zeiten verkaufte
der Buchladen pro Monat über 500 Bücher.
Etwa zwei Drittel des Umsatzes wurden durch
Veröffentlichungen von und über Zeitzeugen erzielt, zum Beispiel das Buch „Mit dem
Moskau-Paris-Express in die Freiheit“ von KarlHeinz Richter. Er war in den 1960er Jahren als
Jugendlicher nach einem gescheiterten Fluchtversuch verhaftet worden und führt heute Besuchergruppen durch die Gedenkstätte. Auch
das „Buch zum Ort“ von Peter Erler und Hubertus Knabe („Der verbotene Stadtteil. StasiSperrbezirk Berlin-Hohenschönhausen“) wurde stark nachgefragt. Von ihm konnten jährlich
etwa 2 800 Exemplare verkauft werden. Etwa
600 Exemplare pro Jahr wurden von dem Taschenbuch „Gefangen in Hohenschönhausen.
Stasi-Häftlinge berichten“ verkauft, das von
Hubertus Knabe herausgegeben wurde.
Dem Buchladen ist ein Café angegliedert
– benannt nach dem Faschismus- und Kommu-

15

nismuskritiker Arthur Koestler –, das den Besuchern
die Möglichkeit bietet, noch
etwas in der Gedenkstätte zu verweilen. Nach den
Rundgängen durch die frühere Haftanstalt entstehen
hier oft noch angeregte Gespräche. Außerdem können
Gäste und Besucherreferenten eventuelle Wartezeiten
überbrücken. Der Buchladen
übernimmt für die Gedenkstätte auch den Verkauf der
Eintrittskarten an Einzelbesucher, was den
Besucherdienst erheblich entlastet. Bei Veranstaltungen stellt die Buchhandlung zudem oft
themenbezogene Büchertische zusammen.

Buchladen auf dem
Gelände der Gedenkstätte

Besucherreaktionen
Für die meisten Besucher ist die Besichtigung der ehemaligen Haftanstalt ein ganz
besonderes Erlebnis. Insbesondere die persönliche Begegnung mit einem ehemaligen
Gefangenen ist für viele sehr beeindruckend.
Fast nach jeder Führung klatschen sie – durchaus ungewöhnlich an einem Ort wie diesem
– demonstrativ Beifall oder bedanken sich persönlich bei „ihrem“ Referenten. Nicht selten
kommt es auch vor, dass sie ihn später zu einem Vortrag in ihre Heimat einladen.
Viele Besucher schrieben ihre Eindrücke
ins Gästebuch am Gedenkstättenausgang
oder schickten nach ihrem Besuch noch Briefe
oder E-Mails. Insgesamt gingen im Berichtszeitraum mehr als 850 derartige Besucherreaktionen ein, von denen die allermeisten positiv waren. Negative Rückmeldungen bezogen
sich in der Regel auf technische Probleme
oder auf abweichende politische Meinungen
zur DDR. Alle Besucherreaktionen werden in
einer Datenbank erfasst und ausgewertet, den
Beschwerden ging die Stiftung jeweils gewissenhaft nach.

Berlins Regierender Bürgermeister
Klaus Wowereit und Hubertus Knabe
bei der Begrüßung der zweimillionsten
Besucherin

16

Die meisten Gäste schrieben der Gedenkstätte, weil sie sich bei ihrem Referenten noch
einmal für die Führung
„Sehr beeindruckend, da werde ich bedanken wollten. Sie
zeigten sich oft tief
noch lange drüber nachdenken!“
berührt von den SchilJulius, 13 Jahre derungen, die – so
eine immer wiederkehrende Formulierung – „besser als jedes
Geschichtsbuch“ das SED-Unrecht vermittelt
hätten. Viele hoben auch hervor, dass sie den
Wert von Demokratie und
Menschenrechte nach ihrem
„Bewegend! Besser als jeder
Besuch besser zu schätzen
Geschichtsunterricht!“
wüssten. Besucher aus WestBeisenkamp-Gymnasium, Hamm deutschland betonten oft,
wie erleichtert sie seien, dass
sie in einer Demokratie aufwachsen durften.
Ostdeutsche Besucher meinten häufig, dass
ihnen die in der Gedenkstätte geschilderten
Sachverhalte nur unzureichend oder gar nicht
bekannt gewesen seien. Einig waren sich die
meisten Besucher darin, dass derartiges Unrecht „nie wieder“ – so eine weitere Standardformulierung – geschehen dürfe und die Gedenkstätte als wichtiges Mahnmal für Freiheit
und Demokratie erhalten bleiben solle (siehe
Anhang: Besucherstimmen).
Die positive Resonanz der Besucher drückte sich auch in einer hohen Spendenbereitschaft aus. 2009 erreichte das Spendenaufkommen die Rekordsumme von 181 000 Euro.
Dass es 2010 auf rund 40 000 Euro sank, lag
daran, dass Schüler ab Herbst 2009 ein Führungsentgelt von einem Euro zu entrichten hatten, was vorher oftmals freiwillig gezahlt und
folgerichtig als Spende verbucht wurde.
Zu den Besucherreaktionen im weiteren
Sinne gehört auch, dass die Gedenkstätte immer wieder von früher politisch Verfolgten angerufen, angeschrieben oder aufgesucht wird.

Abb. 1: Jährliche Besucherzahlen (1994-2010)

Besucherbetreuung

Insbesondere der Direktor der Gedenkstätte
ist vielen bekannt und wird regelmäßig um
Unterstützung in zahllosen Angelegenheiten
gebeten. Durch ihr Engagement für die Opfer
des SED-Regimes hat die Stiftung für viele einen hohen symbolischen Wert in einer sonst
ihrem Schicksal eher gleichgültig gegenüberstehenden Umgebung. Eine psychosoziale
Betreuung oder eine Beratung in Rehabilitierungs- und Entschädigungsfragen kann die
Gedenkstätte mangels entsprechenden Personals jedoch ebenso wenig leisten wie eine
Aufklärung der Machenschaften des Staatssicherheitsdienstes in jedem Einzelfall.

Besucherforschung
Um mehr über ihre Besucher zu erfahren,
bemüht sich die Gedenkstätte seit Jahren um
eine intensive Besucherforschung. Dafür wird
vor allem die Datenbank des Besucherdienstes systematisch ausgewertet. Dabei geht es
nicht nur um die Erfassung der absoluten Besucherzahlen, sondern auch um Alter, Wohnort und Gruppenzugehörigkeit der Gäste. Die
Individualbesucher können allerdings nur zahlenmäßig erfasst werden, da sie nicht einzeln
befragt werden. Durch ihre Untersuchungen
kommt die Gedenkstätte oft zu Erkenntnissen,
die für ihre strategische Ausrichtung und Zukunftsfähigkeit von großer Bedeutung sind.
Wie in den vorangegangenen Jahren ist die
Zahl der Besucher im Berichtszeitraum erneut
stark gestiegen. Gemessen am Jahr 2008
wuchs sie bis 2010 um fast 83 000 Personen
(siehe Abbildung 1). Mit 26,3 Prozent war die
Zuwachsrate 2009 besonders hoch, doch auch
dieses Niveau wurde 2010 noch einmal um
5,5 Prozent übertroffen. Im Berichtszeitraum
haben damit mehr als 645 000 Interessierte
das ehemalige Stasi-Gefängnis besucht. Die
Abflachung des Wachstums deutet daraufhin,
dass die Kapazitäten der Gedenkstätte allmählich erschöpft sind, was sich auch in der praktischen Arbeit des Besucherdienstes wiederholt
gezeigt hat: In bestimmten Monaten passen
einfach nicht mehr Menschen in das Gebäude.
Um der Nachfrage der Besucher gerecht
zu werden, musste die Zahl der Führungen im
Berichtszeitraum massiv erhöht werden. Während 2008 noch 8 200 Führungen durchgeführt wurden, stieg ihre Zahl 2009 auf 14 800
und 2010 auf mehr als 16 000 Führungen. Die
Anzahl der Rundgänge hat sich damit in zwei
Jahren nahezu verdoppelt. Dieser überproportionale Anstieg der Führungen hatte vermutlich
damit zu tun, dass strikter darauf geachtet
wurde, dass die Gruppen nicht zu groß wurden. Ab einer Größe von 26 Personen werden

Besucherbetreuung

die Gruppen geteilt, damit auch alle der Führung tatsächlich folgen können. Im Schnitt umfassten sie 20 bis 21 Personen.
Der größte Teil der Führungen – rund 78
Prozent – wurde von Zeitzeugen wahrgenommen: 11 500 im Jahr 2009 und 12 250 im Jahr
2010. Historiker hingegen übernahmen 2009
rund 3 200 und 2010 etwa 3 800 Führungen;
ihr Anteil stieg damit leicht von 21,6 (2009) auf
23,4 Prozent (2010). Die übrigen Führungen
wurden von festangestellten Stiftungsmitarbeitern übernommen.
Das Besucheraufkommen wies erneut
starke saisonale Schwankungen auf. Während
in den Vorjahren in der Regel in den Monaten
Mai und Oktober Rekordwerte verzeichnet
wurden, kam es 2010 mit rund 31 000 Besuchern bereits im März zu einem Spitzenwert.
Mit 38 500 Gästen im September und mehr
als 40 000 Besuchern im Oktober wurden
dann alle früheren Monatsrekorde gebrochen.
Selbst in den traditionell besucherschwachen
Monaten Januar und Februar kamen mehr Besucher als je zuvor (siehe Abbildung 2).
Auch im Wochenverlauf schwankten die
Besucherzahlen. Das größte Besucheraufkommen verzeichnete die Gedenkstätte zur Wochenmitte, das geringste am Sonntag. Schaut
man jedoch genauer hin, stellt man fest, dass
angemeldete Gruppen den Dienstag, Mittwoch und Donnerstag bevorzugten, während
Einzelbesucher vor allem am Samstag und
Sonntag in die Gedenkstätte kamen (siehe Abbildung 3). Um der großen Nachfrage gerecht
zu werden, wurden deswegen, wie erwähnt,
am Wochenende stündlich Rundgänge für Einzelbesucher angeboten, für ausländische Besucher zum Teil auch mehrmals in der Woche
englische Führungen. Von März bis November
finden diese täglich statt.
Die Zahl der Einzelbesucher hat im Berichtszeitraum erneut zugenommen. Sie stieg
von 48 500 im Jahr 2008 auf 71 257 im Jahr
2010 – ein Zuwachs von 47 Prozent! Dies ist
ein deutlicher Indikator für das weiter gewachsene Interesse an der Gedenkstätte, da Einzelbesucher im Gegensatz zu Gruppenbesuchern
in der Regel selbständig über ihr Programm
entscheiden. Gleichwohl lag der Anteil der Einzelbesucher mit rund 21 Prozent immer noch
weit hinter dem der angemeldeten Gruppenbesucher.
Den größten Anteil bei den Gruppenbesuchern hatten – wie in den Vorjahren – junge
Menschen. Mehr als die Hälfte der angemeldeten Besuchergruppen bestand aus Schülern
und Studenten (siehe Abbildung 4). Ihr Anteil
am gesamten Besucheraufkommen lag 2008
bei 54 Prozent, sank 2009 vorübergehend auf
50 Prozent, um 2010 wieder auf 56 Prozent zu

17

Abb. 2: Besucherzahlen im Jahresverlauf (2008-2010)

Abb. 3: Verteilung der Besucher auf die Wochentage (2010)

Abb. 4: Zusammensetzung der Gruppen nach gesellschaftlichen
Bereichen (2010)

18

steigen. Auch die Auswertung der Altersstruktur belegt, dass die Gedenkstätte ein sehr junges Publikum hat. Im Berichtszeitraum waren
372 000 Besucher bis 25 Jahre alt, 253 000
zwischen 26 und 60 Jahre und 5 000 über 60
Jahre alt (siehe Abbildung 5). Diese Einstufung, die der Besucherdienst beim Eintreffen
der Gruppen vornimmt, liefert allerdings nur
eine relativ grobe Orientierung. Die lebhaften
Schulklassen, die das Gefängnisareal bevölkern und den ehemaligen Häftlingen lauschen,
sind aus dem Alltag der Gedenkstätte jedoch
nicht mehr wegzudenken.
Unter den erwachsenen Gruppenbesuchern stechen vor allem die aus dem Bereich

Abb. 5: Altersverteilung der Besucher (2010)

Abb. 6: Schülerbesuche im Ost-West-Vergleich (2003-2010)

Besucherbetreuung

Politik und Medien hervor. Ihr Anteil lag im Berichtszeitraum bei 11,2 Prozent und blieb damit in etwa auf dem Niveau von 2008 (siehe
Abbildung 4). Hauptsächlich handelt es sich
dabei um Gruppen, die von ihrem örtlichen
Bundestagsabgeordneten nach Berlin eingeladen wurden und dabei meistens auch die Gedenkstätte besuchen. Nicht zuletzt wegen des
positiven Feedbacks aus den Besuchergruppen ist es für die meisten Abgeordneten – bis
auf die der Linken – geradezu selbstverständlich, diese nach Berlin-Hohenschönhausen zu
schicken. Im Berichtszeitraum besuchten über
1 300 derartige Bundestagsgruppen das ehemalige Stasi-Gefängnis. Während Politiker der
CDU/CSU-Fraktion, gemessen an ihrer Stärke
im Bundestag, mit 58,2 Prozent überproportional viele Gruppen schickten, lag die SPD mit
22,3 Prozent leicht darunter. Die FDP traf mit
12,4 Prozent fast genau ihr Wahlergebnis, wohingegen die Grünen mit 6,6 Prozent ebenfalls
deutlich unter ihrer Fraktionsstärke blieben.
Die Linke fiel mit lediglich 0,5 Prozent nahezu
gar nicht ins Gewicht.
Der Anteil der Besuchergruppen aus den
Bereichen Militär, Polizei, Justiz und Feuerwehr war im Berichtszeitraum leicht rückläufig:
Er sank von 4,3 Prozent (2008) auf 3 Prozent
(2009) und schließlich auf 2,6 Prozent (2010).
Während die absolute Zahl dieser Besucher
anfangs noch leicht anstieg, und zwar von
9 600 (2008) auf 9 800 (2009), gingen sie 2010
auf 6 700 Personen zurück. Warum dies so ist,
konnte bisher nicht festgestellt werden. Der
Anteil der Reise- und Privatgruppen blieb dagegen mit rund 3 Prozent konstant auf dem
Niveau von 2008 (siehe Abbildung 4).
Des Weiteren hat die Gedenkstätte die
regionale Herkunft der Besucher untersucht.
Dabei zeigte sich vor allem bei den Schülern
eine merkwürdige Scherenbewegung: Während aus den westdeutschen Bundesländern
immer mehr kamen, blieb die Zahl der Schüler
aus Berlin und den neuen Ländern in den vergangenen acht Jahren mehr oder weniger konstant (siehe Abbildung 6). Allein im Berichtszeitraum stieg die Zahl der westdeutschen
Schüler um mehr als 35 000 – von 96 000
(2008) auf 131 100; die Zahl der ostdeutschen
Schüler stagnierte hingegen bei durchschnittlich 9 000.
Absoluter Spitzenreiter bei den jugendlichen Besuchern war 2010 Bayern mit knapp
29 000 Schülern, dicht gefolgt von NordrheinWestfalen mit rund 28 000 und Baden-Württemberg mit etwa 27 000. Berlin war dagegen
nur mit rund 10 200 Schülern vertreten. Noch
viel weniger Schüler kamen aus den ostdeutschen Ländern, die Zahlen lagen hier zwischen
1 000 und 3 000 Jugendlichen pro Bundes-

Besucherbetreuung

land. Das Schlusslicht bildete MecklenburgVorpommern mit knapp 1 050 Schülern.
Diese Ost-West-Differenz zeigt sich nicht
nur bei den Schülergruppen: 2010 kamen 84
Prozent aller Gruppenbesucher aus den alten
Bundesländern. Ihr Anteil ist damit seit 2008
noch weiter gestiegen (2008: 80,4 Prozent,
2009: 81,1 Prozent). Lediglich sechs Prozent
stammte 2010 dagegen aus den neuen Ländern. Der rückläufige Trend der Vorjahre setzte
sich damit weiter fort (2008: 8,9 Prozent; 2009:
7,7 Prozent). Der Anteil der Berliner Gruppenbesucher zeigte keine klare Richtung: Er stieg
zunächst von 10,7 Prozent (2008) auf 11,2 Prozent (2009), um dann auf 9 Prozent (2010) zu
fallen. In absoluten Zahlen zeigte sich die OstWest-Differenz noch viel stärker: So stieg die
Zahl der westdeutschen Besucher von 134 000
(2008) auf 241 000 (2010) – ein Zuwachs von
107 000. Im Vergleich dazu erhöhten sich die
Besucherzahlen aus Ostdeutschland eher geringfügig von 15 000 (2008) auf 20 000 (2010).
Die Anzahl der Berliner wuchs in ähnlicher Weise von 18 000 (2008) auf 24 000 (2010). Der
enorme Besucherzuwachs der letzten Jahre ist
demnach vor allem auf westdeutsche Gruppen
zurückzuführen.
Diese Zahlen relativieren sich etwas, wenn
man sie in Relation zur Bevölkerungsgröße der
Bundesländer stellt. Mit sieben Besuchern pro
1 000 Einwohner stand dann nämlich 2010
Berlin an der Spitze, gefolgt von Niedersachsen (4,6), Baden-Württemberg (4,3) und Bayern (4,1). Die Schlusslichter bildeten erneut die
ostdeutschen Länder Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern (je 1,5), Sachsen (1,2) und
Sachsen-Anhalt (1,1) (siehe Abbildung 7). Auch
hier ist also immer noch eine deutliche OstWest-Differenz zu erkennen. Abgesehen vom
nahe gelegenen Land Brandenburg kamen nur
wenige Besuchergruppen aus den neuen Bundesländern.
Auch ausländische Besucher interessieren
sich in zunehmendem Maße für die Gedenkstätte. Ihre Zahl stieg von 28 900 (2008) und
38 000 (2009) auf schließlich 45 900 Personen
(2010) – ein Anstieg um 17 000 oder 59 Prozent. In diesen Zahlen sind dabei nur die Gruppenbesucher erfasst, da Einzelbesucher nicht
nach ihrer Nationalität befragt werden. Wegen
der zahlreichen Touristen werden jedoch im
Sommer meist mehrsprachige Referenten eingesetzt, damit auch ausländische Einzelbesucher optimal betreut werden können.
An der Spitze der ausländischen Gruppenbesucher lag 2010 erneut Dänemark mit knapp
12 000 Besuchern, dicht gefolgt von Norwegen mit rund 11 500 Besuchern. Dies ist unter anderem auf den Besucherreferenten und
ehemaligen Häftling Mike Fröhnel zurückzu-

19

führen, der fließend Dänisch und Norwegisch
spricht und bei skandinavischen Besuchern
geradezu Kultstatus genießt. Wegen der übergroßen Nachfrage müssen aber zahlreiche
skandinavische Gruppen auch auf Englisch geführt werden. Auf dem nächsten Platz liegen
die Niederlande, gefolgt von Großbritannien,
Frankreich, der Schweiz, Belgien, den USA, Italien und Schweden (siehe Abbildung 8). Diese
Länder sind es auch, die hauptsächlich für den
Anstieg der ausländischen Besucher gesorgt
haben. Das deutet darauf hin, dass Mund-zuMund-Propaganda immer noch die wirksamste Werbung ist.

Abb. 7: Anzahl der Besucher nach Bundesländern in Relation zur
Bevölkerungszahl (2010)

Abb. 8: Hauptherkunftsländer ausländischer Gruppen (2010)

20

Wechselausstellung
„2 000 Zeichnungen – inhaftiert“

Ausstellungen
Die Stiftung Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen hat den gesetzlichen Auftrag,
auch mit Ausstellungen zur kritischen Auseinandersetzung mit den Formen und Folgen
politischer Verfolgung in der kommunistischen
Diktatur anzuregen. Das größte und wichtigste
Ausstellungsobjekt bildet dabei die ehemalige Untersuchungshaftanstalt, die im Rahmen
eines ausgedehnten musealen Rundgangs
besichtigt werden kann. Darüber hinaus wurden regelmäßig Sonderführungen durch das
frühere Haftkrankenhaus des MfS und durch
einen originalen DDR-Gefangenenwaggon
angeboten. Zudem zeigte die Gedenkstätte
im Berichtszeitraum drei ständige und zwölf
Wechselausstellungen zu unterschiedlichen
Aspekten der SED-Diktatur. Vor allem aber war
die Stiftung damit beschäftigt, die Vorbereitung
der zentralen Dauerausstellung voranzutreiben.

Musealer Rundgang
Die Besucher der Gedenkstätte BerlinHohenschönhausen interessieren sich in der
Regel am meisten für das ehemalige Gefängnis des Staatssicherheitsdienstes. Da das Gebäude nicht den baurechtlichen Vorschriften für
ein Museum entspricht, kann es nur im Rahmen von Führungen besichtigt werden. Wie
dargestellt, bietet die Gedenkstätte in großer
Zahl sowohl deutsche als auch fremdsprachige
Führungen an, von denen die überwiegende
Mehrheit von Zeitzeugen durchgeführt wird.
Die Führungen durch das ehemalige Untersuchungsgefängnis folgen einem unter historischen und didaktischen Kriterien konzipierten
Curriculum. Ein wissenschaftlicher Arbeitsausschuss hat die Grundzüge davon bereits
1995 festgelegt. In der Folgezeit wurde es von
der Gedenkstätte unter Berücksichtigung der
praktischen Erfahrungen weiterentwickelt. In

Zusammenarbeit mit den Besucherreferenten
entstand das Modell einer Standardführung,
die in 90 Minuten alle wichtigen Stationen und
Sachverhalte berücksichtigt. In den vom Beirat
der Gedenkstätte bestätigten Leitlinien über
Form und Inhalt geführter Rundgänge ist dargestellt, welche Inhalte an welcher Stelle vermittelt werden sollen.
Der museale Rundgang folgt dabei einer
doppelten Dramaturgie. Zum einen beschreibt
er die verschiedenen Entwicklungsetappen
des Haftortes Berlin-Hohenschönhausen, die
für die Besucher auch baulich sichtbar werden:
vom sowjetischen Speziallager Nr. 3 1945/46
über die zentrale Untersuchungshaftanstalt
des sowjetischen Ministeriums für Staatssicherheit (MGB) und deren Übernahme und
Erweiterung durch den DDR-Staatssicherheitsdienst bis zur Schließung der Haftanstalt
im Oktober 1990. Zum anderen vermittelt er
den Besuchern die typischen Stationen eines
Gefangenen nach seiner Festnahme: von der
Einlieferung in einem fensterlosen Gefangenentransporter über das strenge Haftregime
in der Zelle und die Aussageerzwingung im
Vernehmertrakt bis zum Abtransport nach der
Verurteilung.
Im Regelfall umfasste der Rundgang im
Berichtszeitraum folgende Stationen, wobei
einige Bereiche wegen Sanierungsarbeiten
zeitweise nicht zugänglich waren (siehe Bautätigkeit):
Eingangstor
Beim Durchschreiten des Eingangstores
erlebt der Besucher zum ersten Mal bewusst,
dass er sich in ein Gefängnis begibt. Das
schwere Eisentor, die Gitterstäbe und der einschüchternde funktionale Baukörper vermitteln
einen ersten Eindruck von der Situation der
Gefangenschaft. Der Besucherdienst nimmt
die Besucher an dieser Stelle in Empfang und
leitet sie zur nächsten Station weiter.

Ausstellungen

Einführung
Das Vorwissen der Besucher über das System der politischen Justiz in der DDR ist gewöhnlich sehr gering. Jugendlichen sind häufig
selbst Grundbegriffe wie SED, Stasi oder DDR
nicht bekannt. Deshalb ist es erforderlich, vor
dem Rundgang wichtige historische Grundinformationen über die DDR, den Staatssicherheitsdienst und den Haftort Hohenschönhausen zu geben. Dies geschieht im Regelfall
durch einen Einführungsfilm, in Ausnahmefällen auch durch einen Vortrag. Die Einführung
findet teilweise in ehemaligen Versammlungsräumen des Gefängnispersonals statt.
Speziallager
Der anschließende Rundgang führt normalerweise an dem roten Backsteingebäude
vorbei, in dem sich 1945/46 das sowjetische
Speziallager Nr. 3 befand. Die Überreste des
Lagers, in dem zeitweise über 4 200 Menschen eingepfercht waren, sind nur von außen
zu sehen. Der Innenbereich wurde vom Staatssicherheitsdienst später komplett umgebaut.
Kellergefängnis („U-Boot“)
Im Keller des Gebäudes kann der Besucher
die Reste des sowjetischen Kellergefängnisses besichtigen, das das MfS 1951 übernahm
und als zentrale Untersuchungshaftanstalt
weiterführte. Insbesondere der Blick in den
ersten Zellengang mit der langen Reihe verschlossener Eisentüren macht die Situation der
hier gefangenen Menschen sinnlich erfahrbar.
Verschiedene Zellen werden gezeigt, teilweise
ausgestattet mit Pritschen, Kübeln und rekonstruierten Anlagen zur Geständniserzwingung.
Schleuse (Neubau)
Aus dem Kellergefängnis im Altbau werden die Besucher in den Neubau geführt, den
Häftlinge des benachbarten Arbeitslagers seit
Ende der 1950er Jahre errichten mussten. Bis
1990 diente das Gebäude dem Staatssicherheitsdienst als zentrales Untersuchungsgefängnis. Im sogenannten Rosenhof können die
Besucher die Dimensionen dieser Haftanlage
erfassen. Zugleich sehen sie in der Mitte den
Gedenkstein für die Opfer der kommunistischen Gewaltherrschaft. Anschließend betreten sie die frühere Schleuse des Gefängnisses, in der die Inhaftierten ausgeladen wurden
und in der ein Original-DDR-Gefangenentransporter zu sehen ist.
Gummizellen
Über einen Treppenabgang können auch
die ehemaligen Gummizellen im Keller besichtigt werden. Eine im Original erhaltene Zelle
strömt bis heute den dumpfen Geruch der

21

schwarzen Gummiummantelung aus. Die Besucher erfahren, wie das MfS die sogenannten
Beruhigungsverwahrräume nutzte, um Gefangene ruhigzustellen oder zu disziplinieren.
Wachzentrale
Im Erdgeschoss führt der Rundgang an der
ehemaligen Wachzentrale des Gefängnisses
vorbei. Durch ein Fenster können die Besucher
einen Blick auf die dort aufgestellten Kontrollmonitore werfen, mit denen die Haftanstalt
überwacht wurde. Auf dem Flur ist die primitive Alarmanlage aus Klingeldraht zu sehen.
Die Besucher nehmen nun denselben Weg,
den auch die Untersuchungsgefangenen bei
ihrer Einlieferung früher durchliefen: Entkleidung, Durchsuchung, erkennungsdienstliche
Behandlung und schließlich das erstmalige Betreten der Zelle.
Entkleidungsraum
Unmittelbar vor dem Zellentrakt befindet
sich ein vergitterter Entkleidungsraum mit
angeschlossener Kleiderausgabe, wo sich die
Gefangenen vollständig ausziehen, einer Körperdurchsuchung unterziehen und alle persönlichen Gegenstände abgeben mussten. Hier
wird demonstriert, wie aus der Zivilperson ein
Untersuchungshäftling wurde.
Zellentrakt
Im Zellentrakt können die Besucher in originale Zellen hineinschauen oder -gehen. Die
Zellen sind zum Teil mit Hocker, Tisch, Wandschrank, Pritschen, Decken und Bettzeug
ausgestattet. Auf dem Flur sieht man die Ampelanlage und die Balkenmarkierung am Fußboden, mit denen verhindert wurde, dass sich
Häftlinge auf dem Weg zum Verhör begegnen
konnten.

Kellergefängnis („U-Boot“)

Schleuse (Neubau)

Zellentrakt (Neubau)

Fotoraum
In diesem Raum wird das Prozedere der
erkennungsdienstlichen Behandlung gezeigt:
Abnahme von Fingerabdrücken, Anfertigen eines „Verbrecherfotos“, Erfassung von Tätowierungen.
Fotoraum

Haftrichterraum
In dem original eingerichteten Raum sanktionierte ein Richter die Verhaftungen des
Staatssicherheitsdienstes.
Vernehmertrakt
In diesem Trakt sind zunächst die Schreibzimmer zu sehen, in denen die Zelleninformanten ihre Spitzelberichte schrieben. Anschließend stößt der Besucher auf die lange
Flucht der Vernehmerräume. Die etwa 40 Türen versinnbildlichen die frühere Funktion der

Vernehmertrakt

22

Haftanstalt als Ort „industriemäßiger Geständnisproduktion“. Die Vernehmerräume sind mit
historischem Mobiliar ausgestattet: unter
anderem Schreibtisch, Vernehmersessel, Beistelltisch, Büroschrank, Aktenpanzerschrank
und Telefon.
Hofgangzellen
Am Ende des Rundgangs werden die
Freiganghöfe besichtigt, im Häftlingsjargon
„Tigerkäfige“. Selbst der Himmel ist hier mit
Maschendraht vergittert. Das bewaffnete
Wachpersonal auf der Beobachtungsbrücke
demonstrierte die Allmacht des Staates. Die
unwirtliche Situation zwischen den grauen
Mauern bildet den Schlusspunkt des Rundgangs durch die frühere Haftanstalt.
Der hier beschriebene Rundgang wird um
eine zweite Informationsebene ergänzt. Auf
zweisprachigen Tafeln (Deutsch und Englisch)
werden an den wichtigsten Stationen die wesentlichen Fakten noch einmal schriftlich zusammengefasst. Biografie-Stelen machen auf
bedeutende Häftlingsschicksale aufmerksam.
Die Stelen korrespondieren mit Textfahnen an
den Außenfassaden, die den Besuchern Auskunft über die frühere Nutzung der Gebäude
geben. Auch in der Umgebung, dem ehemaligen Sperrgebiet Berlin-Hohenschönhausen,
hat die Gedenkstätte entsprechende Erläuterungstafeln aufgestellt.

Sonderführungen

Aufnahmen vom Haftkrankenhaus
Berlin-Hohenschönhausen: OP-Saal,
Freiganghof, Krankenzelle, Gynäkologie
und Außenansicht

Neben dem so beschriebenen Rundgang
hat die Gedenkstätte Sonderführungen durch
weitere Bereiche der ehemaligen Untersuchungshaftanstalt angeboten. Insbesondere
das frühere Haftkrankenhaus des MfS und
ein Original-DDR-Gefangenenwaggon wurden
auf diese Weise zugänglich gemacht. Bei besonderen Anlässen waren auch die Gefängnisküchen und die Sauna der MfS-Mitarbeiter zu
besichtigen.

Ausstellungen

Gefangenenwaggon
Einzelbesucher konnten jeden Donnerstag
im Anschluss an die öffentliche Führung um
13 Uhr den sogenannten Grotewohl-Express,
den letzten existierenden Gefangenensammeltransportwaggon (GSTW) der DDR besichtigen. Derartige Fahrzeuge kamen in der Regel
bei Gefangenenverlegungen zum Einsatz. Der
Waggon zeigt, dass die Untersuchungshaftanstalt für die Inhaftierten keine „Endstation“
war, sondern dass sie nach ihrer Verurteilung
von Hohenschönhausen in das ausgedehnte
System des DDR-Strafvollzugs verbracht wurden. Eine Erläuterungstafel mit Dokumenten,
Fotos und Ansichten aus dem Wageninneren
erschließt das Ausstellungsobjekt auch außerhalb der Führungen.
Haftkrankenhaus
Bis Oktober 2009 wurden auch einmal
pro Woche Führungen durch das ehemalige
MfS-Haftkrankenhaus angeboten. In dem Bau
waren Gefangene aus allen 17 Untersuchungshaftanstalten des MfS inhaftiert: angeschossene Flüchtlinge, schwer erkrankte Häftlinge,
Inhaftierte, die in den Hungerstreik getreten
waren oder unter einer Haftpsychose litten.
Das Personal bestand aus MfS-Mitarbeitern,
die eng mit der Vernehmerabteilung zusammenarbeiteten. Das Gebäude steht ebenfalls
unter Denkmalschutz, konnte aber erst nach
aufwändigen Sanierungsarbeiten wieder zugänglich gemacht werden.
Für die Führungen, die an Krankenzellen,
einem Operationssaal sowie den Behandlungsräumen vorbeiführen, wurde ein eigenes
Curriculum entwickelt, das ebenfalls vom Beirat der Stiftung beraten und bestätigt wurde.
Das Gebäude wurde zusätzlich mit einem Wegeleitsystem versehen, das aus einer Orientierungstafel im Eingangsbereich, Bildtafeln mit
Fotografien des früheren Zustands, Standortinformationen und erklärenden Raumabsperrungen besteht. Wegen weiterer Instandsetzungsarbeiten musste das Haftkrankenhaus

Ausstellungen

23

im November 2009 erneut für Besucher geschlossen werden (siehe Bautätigkeit).
Küchentrakt und Sauna
Bei besonderen Anlässen wie der Langen
Nacht der Museen oder dem Tag des offenen
Denkmals öffnete die Gedenkstätte für Besucher auch Bereiche, die normalerweise nicht
öffentlich zugänglich sind, wie zum Beispiel die
Sauna für das MfS-Personal, die Gefängnisküchen oder die Strafgefangenenunterkünfte.
Die Räume verfügen jedoch über keine Fluchtwege und können deshalb nur im Rahmen von
Sonderführungen gezeigt werden.

Zentrale Dauerausstellung
Die Vorbereitung der künftigen zentralen
Dauerausstellung der Gedenkstätte war ein
zentrales Projekt im Berichtszeitraum. Bund
und Land stellen dafür insgesamt 3,1 Millionen Euro zur Verfügung. Die Projektgruppe
unter Leitung des Direktors bestand aus zwei
wissenschaftlichen Mitarbeitern, einer Museologin, weiteren Hilfskräften und seit Februar
2010 einer Volontärin. Beraten wurde sie von
Prof. Hermann Schäfer, dem ehemaligen Präsidenten der Stiftung Haus der Geschichte in
Bonn. Das Team befasste sich vor allem mit
der Weiterentwicklung des Drehbuches, mit
speziellen Recherchen zu einzelnen Themen
und mit der Beschaffung von aussagekräftigen
Exponaten. Das Drehbuch wurde auch im Beirat wiederholt diskutiert und vom Stiftungsrat
bestätigt.
In enger Zusammenarbeit mit der Projektgruppe entwickelte das renommierte Architekturbüro hg merz auf der Grundlage des Drehbuchs ab Herbst 2009 einen Vorentwurf für die
Gestaltung der Ausstellung. Zugleich fertigte
es Pläne für den dazu erforderlichen Umbau
der Gedenkstätte an (siehe Bautätigkeit). In einer ehemaligen Materiallagerhalle in der Mitte
des Altbaus soll eine etwa 500 Quadratmeter
große Ausstellungsfläche entstehen, die sich
in fünf Themeninseln der Erfahrungswelt der
Häftlinge und in einem umlaufenden Vitrinenband der Geschichte des Ortes widmet. Über
einen sogenannten Steg können die Besucher
von hier aus in zwei historische Bereiche der
Haftanstalt gelangen – in den ehemaligen Bürotrakt der Gefängnisleitung im Erdgeschoss
und in einen vom Besucherrundgang abgetrennten Teil des Kellergefängnisses (U-Boot)
im Untergeschoss. Darüber hinaus gibt es im
Erdgeschoss einen Nebenbereich der Ausstellung, der über die Beschäftigten der Haftanstalt
informiert. Die einzelnen Ausstellungsbereiche
sollen auch über einen Audioguide erschlos-

Aktenvernichter der Hauptabteilung IX

sen werden. Der Stiftungsrat bestätigte im
Juni 2010 den Vorentwurf, sodass das Büro hg
merz an die Ausarbeitung des endgültigen Entwurfs gehen konnte.
Parallel zur Planung des Umbaus und der
Ausstellungsarchitektur befasste sich die Projektgruppe mit zahlreichen Recherchen zur
Geschichte der Haftanstalt und zu einzelnen
Exponaten. So führten zwei Bauarchäologen,
finanziert von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, erstmals genaue bauhistorische
Untersuchungen im ehemaligen Kellergefängnis durch und konnten die Spuren von zwei
Stehzellen aus der Frühzeit der Haftanstalt
nachweisen. Für das Erdgeschoss waren diese Untersuchungen bis Ende 2010 noch nicht
abgeschlossen. Über Werkverträge wurden
darüber hinaus genauere Erkenntnisse über
die in der Haftanstalt eingesetzten Strafgefangenenarbeitskommandos und über die
Nutzung des Haftkrankenhauses erarbeitet.
Weitere Arbeiten befassten sich mit den vor
Ort tätigen Angehörigen des sowjetischen
Geheimdienstes sowie mit den Angehörigen
der in Hohenschönhausen ansässigen MfSAbteilungen und ihrem persönlichem Umfeld.
Intensive Recherchen fanden auch in den Beständen der Stasi-Unterlagen-Behörde statt,
bei der sich sämtliche MfS-Dokumente aus der
Zeit der Haftanstalt befinden. Dabei stieß die
Projektgruppe unter anderem auf mehrere Fotoserien aus dem Dienstzimmer des Gefängnischefs, mittels derer die historische Einrichtung und die Herkunft einiger in der Haftanstalt
gefundener Gegenstände rekonstruiert werden konnte. Weitere Exponate wurden durch
Recherchen in Museen, Sammlungen oder bei

Polizeihelm (Tschako) des Polizisten
Paul Anlauf, der 1931 von Erich Mielke
erschossen wurde

24

Ausstellungen

dell einer Gefängnisschließanlage. Die Datenbank mit allen für die Dauerausstellung vorgesehenen Fotos, Dokumenten und Exponaten
umfasst mittlerweile rund 5 000 Datensätze.

Ständige Ausstellungen

Exponate der Ausstellung „Inhaftiert in Hohenschönhausen“ im Info-Center

Entsprechend ihrem gesetzlichen Auftrag
hat die Gedenkstätte im Berichtszeitraum auch
drei kleinere ständige Ausstellungen gezeigt.
Stark frequentiert, vor allem von Einzelbesuchern, war insbesondere das Info-Center, das
im März 2007 eröffnet wurde. Die dort gezeigte Ausstellung „Inhaftiert in Hohenschönhausen. Zeugnisse politischer Verfolgung
1945-1989“ dient als Zwischenlösung bis zur
Fertigstellung der zentralen Dauerausstellung.
In verschiedenen Räumen wurden zudem Einzelvitrinen mit Objekten zum Haftalltag (Raum
C), zur Satirezeitschrift „Die Tarantel“ (Raum
D) und zum Thema „Hygiene im Strafvollzug“
(Raum 37/38) gezeigt. Im Berichtszeitraum hat
die Stiftung folgende ständige Ausstellungen
gezeigt:
Inhaftiert in Hohenschönhausen –
Zeugnisse politischer Verfolgung 1945-1989
Ausstellung der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen
Seit März 2007

Ausstellungvitrine in der Ausstellung „Inhaftiert in Hohenschönhausen“

Privatpersonen beschafft (siehe Sammlung).
Dabei ist es beispielsweise gelungen, den
Original-Helm (Tschako) des Polizisten Paul Anlauf zu erwerben, der vom späteren Minister
für Staatssicherheit Erich Mielke 1931 auf dem
Berliner Bülowplatz erschossen wurde und in
dem immer noch das entsprechende Durchschussloch zu sehen ist. Zu den weiteren
Exponaten, die in der Dauerausstellung zu sehen sein werden, zählt ein Gemälde von Bärbel Bohley von 1978, ein Aktenvernichter der
Hauptabteilung IX sowie ein von Mitarbeitern
des Staatssicherheitsdienstes gefertigtes Mo-

Die Ausstellung im Info-Center der Gedenkstätte gliedert sich in fünf Themenbereiche, die der Abfolge des Rundgangs durch die
frühere Haftanstalt entsprechen. Nach einer
Einführung in die Geschichte des Haftortes
wird der Weg beschrieben, den die Häftlinge
von ihrer Verhaftung und Einlieferung bis zur
Verurteilung nahmen. Ausgewählte Häftlingsbiografien ergänzen die Schau. Ein dreidimensionales Modell im Maßstab 1:200 zeigt die
Gefängnisanlage zum Zeitpunkt der Friedlichen Revolution im Herbst 1989.
Über 120 Exponate, Fotos und Dokumente
veranschaulichen den Alltag der Häftlinge. Neben Objekten zum Haftregime – Handtücher,
Waschlappen, Plastikgeschirr, Überwachungsapparate oder Instrumente aus der erkennungsdienstlichen Behandlung – werden auch
einige seltene persönliche Gegenstände von
Verfolgten gezeigt. Dazu gehören zum Beispiel
ein selbstgefertigtes Besteck des ehemaligen
thüringischen LDPD-Fraktionschefs Hermann
Becker aus seiner Haft im sowjetischen Arbeitslager Workuta, kleine Schmuckgegenstände aus dem sowjetischen Haftarbeitslager
in Hohenschönhausen oder ein umgebauter
Rasierer zum Transport von Kassibern, den ein
Häftling in der Strafvollzugseinrichtung Wald-

Ausstellungen

heim heimlich anfertigte. Auch Bücher aus
der einstigen Gefängnisbibliothek von Hohenschönhausen werden gezeigt. Sie tragen kaum
sichtbare Fingernagelmarkierungen, mit denen
Häftlinge Nachrichten an ihre Mitgefangenen
zu übermitteln versuchten. In einem Nachbarraum haben die Besucher die Möglichkeit, sich
anschließend an Medienterminals vertiefend
über die Haftanstalt und die Gedenkstätte zu
informieren.
Zeit meines Lebens
Ausstellung der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen
Seit November 2000
Die Ausstellung im ersten Stock des
Hauptgebäudes zeigt fotografische Porträts
ehemaliger Häftlinge aus dem Gefängnis Berlin-Hohenschönhausen, die in der Gedenkstätte Besuchergruppen führen. Der Berliner Fotograf André Kaiser, der selbst als 18-Jähriger in
dem Gefängnis inhaftiert war, hat die Serie im
Herbst 2000 angefertigt. Die Porträts wurden
in der Gedenkstätte jeweils an Orten aufgenommen, die die ehemaligen Häftlinge sich
selbst ausgesucht hatten, und mit einer ebenfalls selbst gewählten Aussage unterstrichen.
Auf diese Weise sind ausdrucksstarke Aufnahmen entstanden, die weit mehr erzählen als
eine Galerie mit Fotografien von Gedenkstättenmitarbeitern. Für die Besucher, die in der
Regel einen der hier Gezeigten in der Führung
auch persönlich erlebt haben, bieten sie die
Möglichkeit zur individuellen Begegnung mit
unterschiedlichen Haftschicksalen und Persönlichkeiten.
Die Kinder von Hoheneck
Ausstellung des Frauenkreises der ehemaligen Hoheneckerinnen
Seit März 2003
Die kleine, im Eingangsbereich der Gedenkstätte gezeigte Ausstellung ist einem
der traurigsten Kapitel politischer Verfolgung
in der kommunistischen Diktatur gewidmet.
Anhand von vier Einzelschicksalen erinnert sie
an die Geschichte der Kinder und Mütter aus
dem ehemaligen Frauenzuchthaus Hoheneck.
Nach Auflösung der sowjetischen Speziallager in Deutschland wurde ein Teil der dort inhaftierten Frauen 1950 an die DDR-Behörden
übergeben. Zum Zwecke der weiteren Strafverbüßung mussten sie in die Strafvollzugsanstalt Hoheneck. Einige Frauen brachten in den
Lagern oder im Zuchthaus Hoheneck Kinder
zur Welt, die ihnen nach kurzer Zeit weggenommen wurden. Als namenlose „Kinder der
Landesregierung” kamen sie in Kinderheime

25

und sahen ihre Mütter meist erst Jahre später
wieder. Die Ausstellung informiert über diese
Praxis der Kindesenteignungen, die für die
Betroffenen oft nachhaltige seelische Folgen
hatte.

Wechselausstellungen
Neben dem musealen Rundgang und den
ständigen Ausstellungen hat die Gedenkstätte auch verschiedene Wechselausstellungen
gezeigt, die unterschiedliche Aspekte des
kommunistischen Systems beleuchteten.
Die Ausstellungen waren täglich von 9 bis 18
Uhr geöffnet, der Besuch war kostenfrei. Aufgrund der begrenzten finanziellen und personellen Ressourcen der Gedenkstätte wurden
sie nicht selbst erstellt, sondern bei anderen
Einrichtungen ausgeliehen. Kooperationspartner waren unter anderem die Bundesstiftung
zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, die Zentral- und Außenstellen der Bundesbeauftragten
für die Stasi-Unterlagen, Gedenkstätten sowie
verschiedene Vereine und Initiativen. Da die
Stiftung bislang über keine größere Fläche für
Wechselausstellungen verfügt, konnten sie
nur in den ehemaligen Fluren und Versammlungsräumen sowie in einer umgebauten Garage gezeigt werden. Im Berichtszeitraum hat
die Gedenkstätte folgende Wechselausstellungen gezeigt:

Plakat zur Ausstellung über die Jugendorganisation Die Falken

Selbstbehauptung, Widerstand und Verfolgung. Die Sozialistische Jugend Deutschlands – Die Falken in Berlin 1945 bis 1961
Ausstellung des Berliner Landesbeauftragten
für die Stasi-Unterlagen
10. November 2008 bis 20. Februar 2009
Die Ausstellung des Berliner Landesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes beschäftigte sich mit der
Vereinigung „Sozialistische Jugend Deutschland (SJD) – Die Falken“, die bis zum Bau der
Mauer 1961 in beiden Teilen Berlins aktiv war.
Die SPD-nahe Organisation kämpfte gegen den Weg in eine
neue Diktatur und
hatte Kontakt zu Jugendlichen in Dresden, Ilmenau, Leipzig
und Frankfurt (Oder).
Viele ihrer Mitglieder
wurden vom DDRSt aatssicherheitsdienst verhaftet und
zu langen Haftstrafen
verurteilt.

Foto aus der Ausstellung
„Gewendet – vor und nach dem
Mauerfall“

26

Gewendet – vor und nach dem Mauerfall
Fotoausstellung von Harald Hauswald
17. März bis 31. August 2009
In der Ausstellung zeigte der ostdeutsche
Fotograf Harald Hauswald Bilder aus der DDR
der 1980er Jahre jenseits von Propaganda und
offiziellen Losungen: bröckelnde Altbaufassaden, den beschwerlichen Alltag der Menschen
und die allgegenwärtige Mauer. Nach dem
Ende der SED-Diktatur suchte der Künstler dieselben Orte wieder auf, um sie erneut zu fotografieren. Mit Anteilnahme und Distanz näherte er sich in seinen Schwarz-Weiß-Motiven der
neuen bunten Warenwelt. Mit seinen Fotografien versuchte der Künstler den Fragen nachzugehen, was sich in zwei Jahrzehnten verändert
hat. Wie viel Ost-Berlin steckt noch in Berlin
und wie viel DDR ist im Osten Deutschlands
noch präsent?

Ausstellung „Unüberwindbar?“über die
innerdeutsche Grenze 1945-90

Unüberwindbar? Die innerdeutsche Grenze
und ihre Wahrnehmung 1945-1990
Ausstellung der Gedenkstätte Deutsche
Teilung Marienborn
9. April bis 21. Juni 2009

Ausstellungen

Eine Wende auf Wänden – Unabhängige
Generation
Deutsch-Ukrainische Ausstellung zu Wendefamilien
24. April bis 27. Mai 2009
Die Ausstellung „Eine Wende auf Wänden
– Unabhängige Generation“ war das Ergebnis
eines Studentenprojektes, das durch das Theodor-Heuss-Kolleg der Robert Bosch Stiftung
und den Verein MitOst e.V. gefördert wurde.
Im Vorfeld des 20. Jahrestags der Friedlichen
Revolution wurden Interviews und Fotos von
Kindern und Eltern aus Deutschland und der
Ukraine gezeigt, deren Leben sich durch das
Ende des Kommunismus stark veränderte.
Während in Ostdeutschland durch den Beitritt
der DDR zur Bundesrepublik sehr rasch westliche marktwirtschaftliche Strukturen Einzug
hielten, war für die Ukraine vor allem die neu
gewonnene politische Unabhängig von Russland von Bedeutung. Die Ausstellung ermöglichte es, unterschiedliche und ähnliche Entwicklungen in Deutschland und der Ukraine
miteinander zu vergleichen.

Diktat und Erfolg – Das Sportforum HohenDie Wanderausstellung der Gedenkstätte
schönhausen 1954 bis 1990
Deutsche Teilung Marienborn erinnerte an die
Ausstellung von Hans-Michael Schulze
Opfer des Grenzregimes der DDR und ver20. August 2009 bis 15. Februar 2010
mittelte die Bedeutung der innerdeutschen
Grenze für die Geschichte Deutschlands und
Die Ausstellung des freiberuflichen KuEuropas. Sperrgebiete, Mauern, Streckmetall
rators Hans-Michael Schulze zeigte anhand
und Stacheldraht, Schießbefehl für die Grenzzahlreicher Bilder und Tonaufnahmen die über
soldaten und moderne Technik, Minen und
35-jährige Geschichte der wichtigsten TraiSelbstschussanlanings- und Wettgen dienten dazu,
kampfstätte
der
die Bevölkerung an
DDR im Berliner
einer Flucht aus der
Bezirk Lichtenberg.
DDR zu hindern.
Träger des sogeHunderte
Mennannten
Sportfoschen fielen dem
rums HohenschönGrenzregime der
hausen war die
DDR zum Opfer,
Sportorganisation
noch mehr wurden
„Dynamo“, in der
verletzt. ZehntauMitarbeiter
der
sende wurden bei
St aatssicherheit,
der Polizei und des
der Flucht festgenommen und inhaftiert, HundertZolls trainierten. Mit allen Mitteln
versuchte die DDR, über die sporttausende mussten erniedrigende
lichen Erfolge ihrer Athleten, die
Kontrollen an den Grenzübergänals „Diplomaten im Trainingsangen über sich ergehen lassen.
Mehr als 11 000 Menschen wurzug“ den SED-Staat repräsentieden aus ihren Heimatorten an der
ren sollten, die angebliche ÜberGrenze in das Innere der DDR
legenheit des Sozialismus unter
zwangsumgesiedelt. Mit der
Beweis zu stellen. Insbesondere
Exponate aus der AusFriedlichen Revolution von 1989
bei der Nachwuchsförderung setzund der Einheit Deutschlands ein stellung zum Sportforum ten Trainer und Sportmediziner
Jahr später wurde diese Grenze Hohenschönhausen: Glück- dazu systematisch leistungssteiwunschkarte und Aufnäher
Geschichte.
gernde Dopingmittel ein, worunter
des Dynamo-Sportclubs

Ausstellungen

die Betroffenen zum Teil noch
heute leiden. Das Sportforum
Hohenschönhausen steht damit auch für den skrupellosen
Missbrauch Schutzbefohlener.
Chronik der Gewalt – Litauen 1939-1941 / Der baltische Weg
Ausstellung des litauischen
Zentrums zur Erforschung
von Genozid und Widerstand
22. Oktober 2009 bis
15. Januar 2010
70 Jahre nach dem
Hitler-Stalin-Pakt, in dem
Deutschland und die Sowjetunion einen Nichtangriffspakt
schlossen und den Osten
Europas unter sich aufteilten,
schilderten die beiden Ausstellungen des litauischen
Zentrums zur Erforschung
von Genozid und Widerstand
und des litauischen Außenministeriums das tragische
Schicksal der drei baltischen
Staaten und ihre späte Befreiung. Nach dem Einmarsch
deutscher und sowjetischer
Truppen im September 1939
in Polen ließ Stalin 1940 auch
Estland, Lettland und Litauen
besetzen. Tausende Balten wurden in sibirische Arbeitslager verschleppt, ihre Staaten
der Sowjetunion einverleibt. Fünfzig Jahre später, am 23. August 1989, bildeten über eine
Million Esten, Letten und Litauer die längste
Menschenkette aller Zeiten, um für ein Ende
der Fremdherrschaft zu demonstrieren. Wenig
später erklärten die baltischen Staaten ihre Unabhängigkeit.
MfS und Schule – Jugendliche im Fokus
der Stasi
Ausstellung der Bundesbeauftragten für die
Stasi-Unterlagen, Außenstelle Erfurt
14. Februar bis 31. Mai 2010
Im Mittelpunkt der Ausstellung der Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen,
Außenstelle Erfurt, stand das Schul- und Erziehungssystem der DDR, insbesondere die
Erziehung der Kinder und Jugendlichen „zu
sozialistischen Persönlichkeiten“. Anhand von
authentischen Schriftstücken und Überwachungsfotos von Jugendveranstaltungen zeigte sie, wie der Staatssicherheitsdienst half,

27

die von der SED verordnete
Jugendpolitik durchzusetzen.
Beispiele wie die Werbung
der Inoffiziellen Mitarbeiter
„Anne“ und „Maximilian“ illustrierten die Strategie des
MfS, Lehrer und Schüler dabei
als Zuträger zu benutzen und
zur Bindung der Jugendlichen
an den Führungsoffizier auch
jugendpsychologische
Erkenntnisse einzusetzen. Die
Ausstellung
dokumentierte
aber auch die Folgen für die
Betroffenen, wenn diese die
Zusammenarbeit verweigerten.

Foto aus der Ausstellung „Chronik der
Gewalt – Litauen 1939-1941“

„Das war’s“ – Die Untersuchungshaftanstalt der
Bezirksverwaltung für
Staatssicherheit Suhl
Ausstellung der Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen, Außenstelle Suhl
16. Juni bis 30. August 2010
Die Ausstellung der Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen,
Außenstelle
Suhl, wurde anlässlich des
20. Jahrestags der Schließung
der Stasi-Haftanstalt in Suhl
in Zusammenarbeit mit dem
Thüringischen
Staatsarchiv
Meinigen erstellt. Sie erzählte die Geschichte
des Gebäudes, das 1860 als Königlich-Preußisches Kreisgerichtsgefängnis erbaut worden
war. Im Mittelpunkt stand dabei die Nutzung
als Untersuchungsgefängnis der Staatssicherheit von 1952 bis 1989. Anhand von Einzelschicksalen bot die Ausstellung einen Einblick
in den Haftalltag, der geprägt war von unsäglichen Haftbedingungen, Repressalien und
Isolation. Als die Haftanstalt am 13. Dezember
1989 geschlossen wurde, beendete der letzte
Wachhabende die Aufzeichnungen in seinem
Dienstbuch mit der viel sagenden Notiz: „Das
war‘s“.
Gewalt hinter Gittern – Gefangenenmisshandlungen in der DDR
Ausstellung der Gedenkstätten Bautzen und
Berlin-Hohenschönhausen
16. Juni bis 27. August 2010
Prügel, Schlafentzug, Isolationshaft – physische und psychische Misshandlungen gehörten in den Gefängnissen der DDR zum Alltag.
Ob Untersuchungshaft oder Strafvollzug, der

Foto aus der Ausstellung über das
Untersuchungsgefängnis der Staatssicherheit in Suhl

28

Ausstellungen

Ausstellung „Gewalt hinter Gittern“

Allmacht des Gefängnispersonals waren kaum
Grenzen gesetzt. Nach dem Ende der DDR
wurden zwar Tausende Ermittlungsverfahren
eingeleitet, doch nur zwei Gefängniswärter
mussten ins Gefängnis. Die aufwändig hergestellte Wanderausstellung der Gedenkstätten
Berlin-Hohenschönhausen und Bautzen dokumentierte erstmals die brutale Gewalt in DDRGefängnissen. Anhand zahlreicher Fallbeispiele und aussagekräftiger Fotos, Dokumente
und Exponate gab sie Tätern und Opfern ein
Gesicht und zeigte auch das Versagen des
Rechtsstaates bei der Aufarbeitung. Die Erarbeitung der Ausstellung, die anschließend in
der Gedenkstätte Bautzen und weiteren Orten
zu sehen war, wurde von der Bundesstiftung
Aufarbeitung finanziell unterstützt.

Foto aus der Ausstellung
„Die heile Welt der Diktatur?“
Foto mit DDR-Jugendlichen in der Ausstellung „Von Liebe und Zorn“

Von Liebe und Zorn – Jungsein in der
Diktatur
Ausstellung des Freiheit e. V. / Förderverein
Gedenkstätte Andreasstraße
6. Juli bis 26. August 2010
Die Ausstellung des Fördervereins für eine
Gedenkstätte in der ehemaligen MfS-Untersuchungsanstalt in Erfurt,
Freiheit e.V., dokumentierte die Geschichte(n)
eines Erfurter Freundeskreises.
„Barry“,
„Fetzer“ und ihre Erfurter Freundinnen und
Freunde
wünschten
sich eine bessere Welt
in Liebe und Toleranz.
Sie träumten von San
Francisco und Paris und
von Pink-Floyd-Konzerten. Doch in der DDR

waren diese Dinge unerreichbar, denn es gab
eine Mauer, die sie von all dem trennte. Hinter
dieser Mauer waren Hippie-Träume verdächtig
und der Mut, anders zu sein, gefährlich. Der Erfurter Freundeskreis lebte in einer Diktatur, die
die Jugendlichen zu „sozialistischen Persönlichkeiten“ erziehen wollte. Aber die offiziellen
Helden konnten sie ebenso wenig begeistern
wie die vom Staat vorgegebene Lebensweise.
Die Ausstellung berichtete von ihrem Leben in
der DDR, das rasch zu Einschränkungen und
Repressionen führte.
Die heile Welt der Diktatur? Herrschaft und
Alltag in der DDR
Eine Ausstellung der Bundesstiftung zur
Aufarbeitung der SED-Diktatur und des stern
mit Fotos von Harald Schmitt und Texten von
Stefan Wolle
1. September bis 30. Oktober 2010
Was war die DDR? 1989 schien die Antwort
auf diese Frage eindeutig: Hunderttausende
gingen damals auf die Straße, um gegen die
Diktatur der SED, für Reisefreiheit und bessere Lebensverhältnisse zu demonstrieren. Heute wird der Alltag in der DDR häufig verklärt.
Gab es tatsächlich so etwas wie eine „heile
Welt“ inmitten der Diktatur? Oder waren SEDHerrschaft und Alltag letztlich untrennbar miteinander verbunden? Die Ausstellung der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur
und des Magazins stern wollte Antworten auf
diese Fragen geben und zur Diskussion einladen. Die Bilder des Hamburger Fotografen Harald Schmitt, langjähriger stern-Korrespondent
in der DDR, und die Texte des in Halle (Saale)
geborenen Historikers Stefan Wolle luden zu
einer Zeitreise in eine immer fremder anmutende Lebenswirklichkeit ein.

Ausstellungen

29

Kunstprojekt zu 20 Jahren Wiedervereinigung: „2 000 Zeichnungen – inhaftiert“

2 000 Zeichnungen – inhaftiert
Kunstprojekt von Gvoon alias Arthur Schmidt
in Kooperation mit Epicentro Art
13. September bis 3. Oktober 2010

All you need is beat
Eine Ausstellung des Archivs der Bürgerbewegung Leipzig e.V.
1. November 2010 bis 31. Januar 2011

Das ambitionierte Ausstellungsprojekt
wurde von dem Hamburger Künstler Gvoon
alias Arthur Schmidt initiiert, der zu DDR-Zeiten wegen einer geplanten Flucht im Gefängnis war. Am 10. September 2010 präsentierte
er in der renommierten Berliner Galerie Epicentro art 2 000 seiner Zeichnungen „in Freiheit“, bevor er sie in einer Performance symbolisch verhaften und in die ehemalige zentrale
Stasi-Untersuchungshaftanstalt Berlin-Hohenschönhausen abtransportieren ließ. In einer
aufwändigen „Totalinstallation“ wurden die
Zeichnungen dort in sechs Räumen des ehemaligen Vernehmertraktes ausgestellt. Jeder
Besucher konnte gegen die Hinterlegung seines Namens eine Zeichnung mitnehmen und
diese damit „befreien“. Am 3. Oktober, dem
20. Jahrestag der Schließung der Haftanstalt
Berlin-Hohenschönhausen, wurde die inzwischen geleerte Ausstellung geschlossen und
symbolisierte damit auch das Ende des hier
begangenen Unrechts.

Die Ausstellung widmete sich dem wechselvollen Verhältnis von Jugend, Musik und
Politik in der DDR. Das Archiv der Bürgerbewegung Leipzig e.V. schilderte darin, wie sich
die ostdeutsche Jugendkultur um Rock‘n‘Roll
und Beat unter den Bedingungen des „real
existierenden Sozialismus“ der Ulbricht-Ära
zwischen partieller Förderung, Zensur und
Repression entwickelte. Am Beispiel der Leipziger Beatband „The Butlers“ stellte sie die
frühen sechziger Jahre zwischen Mauerbau,
kulturpolitischem Aufbruch und kulturellem
„Kahlschlag“ nach dem berüchtigten 11. Plenum des SED-Zentralkomitees dar. Im Mittelpunkt stand vor allem die inoffizielle „Beatdemonstration“ von 500 bis 800 „Beatniks“ in
Leipzig im Jahr 1965, der die SED fast doppelt
so viele Polizei- und zivile Sicherheitskräfte entgegenstellte.

30

Szene aus dem Theaterstück
„Staatssicherheiten“

Veranstaltungen
Entsprechend ihrem gesetzlichen Auftrag
hat die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen regelmäßig Veranstaltungen durchgeführt,
um zur Auseinandersetzung mit den Formen
und Folgen politischer Unterdrückung in der
kommunistischen Diktatur anzuregen. Insgesamt fanden in den beiden letzten Jahren 36
Veranstaltungen statt, im Schnitt also mehr als
eine pro Monat. Das Angebot umfasste Ausstellungseröffnungen, Buchvorstellungen und
wissenschaftliche Vorträge bis hin zu kulturell
orientierten Theater-, Film- oder Literaturveranstaltungen. Große Bedeutung hatte auch das
Opfergedenken, namentlich an historischen
Jahrestagen wie dem 17. Juni 1953 (Volksaufstand in der DDR), dem 13. August 1961 (Bau
der Berliner Mauer) oder dem 9. November
1989 (Mauerfall). Am 24. Oktober fand wie in
den Vorjahren eine Gedenkfeier für die Toten
des sowjetischen Speziallagers Nr. 3 in Hohenschönhausen statt. Darüber hinaus nahmen
Mitarbeiter der Stiftung, auch außerdienstlich,
als Referenten häufig an Veranstaltungen anderer Institutionen teil.
Wegen der ungünstigen Lage der Gedenkstätte im Nordosten Berlins wurde ein Teil der
Veranstaltungen nicht in Hohenschönhausen,
sondern im Stadtzentrum durchgeführt. Insbesondere die Landesvertretungen Thüringens
und Hessens sowie das Literaturhaus Berlin
kooperierten mit der Gedenkstätte und stellten zumeist kostenlos ihre Räumlichkeiten und
Logistik zur Verfügung. Auch bei Veranstaltungen auf dem Gelände der Gedenkstätte wurde
meist mit anderen Partnern kooperiert. Dadurch konnten nicht nur Finanzmittel gespart
und die Lasten der Vorbereitungsarbeit geteilt,
sondern zugleich neue Zielgruppen angesprochen werden. Zu nennen sind hier insbesondere die Konrad-Adenauer-Stiftung, die Gedenkstätte Bautzen, die Internationale Gesellschaft
für Menschenrechte, das Theater Strahl sowie
die Galerie Epicentro Art.

Für die Veranstaltungen wurden größtenteils speziell gestaltete Einladungen gedruckt, für deren Gestaltung die Pressestelle
verantwortlich zeichnete. Je nach Bedeutung
und Zielgruppe wurden zwischen 600 und
1 500 Exemplare gedruckt. Zusätzlich wurde
in elektronischer Form eingeladen. Da die Kooperationspartner auch ihre eigenen Verteiler
bedienten, erreichten die Einladungen meist
mehrere tausend Personen. Der Adressverteiler der Gedenkstätte wuchs im Berichtszeitraum um knapp 30 Prozent auf mehr als 9 800
Adressen. Im Vorfeld aller Veranstaltungen
versandte die Gedenkstätte außerdem Presse­
informationen und bestückte ihre Homepage
mit Vor- und Nachberichten. Entsprechende
Kurzinformationen sind dort seit dem Jahr
2003 nachzulesen.
Insgesamt nahmen 2009/2010 etwa 6 500
Menschen an den Veranstaltungen teil, zwei
Drittel mehr als in den Vorjahren. Je nach Anlass bewegten sich die Teilnehmerzahlen zwischen 40 und 1 000 Besuchern. Auch die Medien haben vielfach vor der Veranstaltung oder
im Anschluss daran berichtet.

Ausstellungseröffnungen
Im Berichtszeitraum fanden insgesamt vier
Ausstellungseröffnungen statt. Dabei waren
neben prominenten Gästen und hochrangigen
Politikern meist auch Betroffene politischer
Verfolgung anwesend. Aus finanziellen und
organisatorischen Gründen war es leider nicht
möglich, jede Wechselausstellung mit einer
gesonderten Veranstaltung zu eröffnen.
Am 17. März 2009 wurde in der Gedenkstätte die Ausstellung des Fotografen Harald
Hauswald „Gewendet – vor und nach dem
Mauerfall“ eröffnet. Mehr als 100 Besucher
begutachteten bei der Vernissage die SchwarzWeiß-Aufnahmen, die den Alltag der DDR in

Veranstaltungen

den 1980er Jahren dokumentierten. Der Liedermacher Stephan Krawczyk begleitete den
Abend musikalisch. Nach der Eröffnung wurde der Film „Radfahrer“ von Marc Thümmler
gezeigt, ein dokumentarischer Fotofilm über
Harald Hauswald mit Fotografien aus dem
Ost-Berlin der 1980er Jahre, unterlegt mit von
der Staatssicherheit verfassten Texten. Die aus
dem Off gesprochenen Passagen belegen,
wie das „Subjekt Hauswald“ der Stasi aus deren Kontrolle geriet.
Am 22. Oktober 2009 wurden zwei Ausstellungen des litauischen Zentrums zur Erforschung von Genozid und Widerstand im
Beisein des Botschafters der Republik Litauen, Mindaugas Butkus, sowie der litauischen
Kulturattachée, Rasa Balcikonyte, eröffnet. Die
beiden Ausstellungen „Chronik der Gewalt –
Litauen 1939-1941“ und „Der baltische Weg
– Das Baltikum 1989“ schilderten den Beginn
der sowjetischen Okkupation 1939 und den
mutigen Versuch, diese 1989 zu überwinden.
Höhepunkt des Abends war die Vorführung
des Dokumentarfilms „The Soviet Story“ aus
dem Jahr 2008 über den sowjetischen Kommunismus und die deutsch-sowjetischen Beziehungen zwischen Hitler und Stalin bis 1941.
Mehr als 80 Menschen kamen zu der Abendveranstaltung.
Am 15. Juni 2010 wurde die Ausstellung
„Gewalt hinter Gittern – Gefangenenmisshandlungen in der DDR“ eröffnet, die in Kooperation mit der Gedenkstätte Bautzen entstanden ist. Bundesjustizministerin Sabine
Leutheusser-Schnarrenberger führte in die
Exposition ein, die sich erstmals systematisch
mit der Gewalt in DDR-Gefängnissen beschäftigte. Bei einem anschließenden Gespräch
berichteten die beiden ehemaligen politischen
Gefangenen Tatjana Sterneberg und Siegmar
Faust über ihre Gewalterfahrungen in StasiGefängnissen und im Strafvollzug der DDR.
Zur Eröffnung der Ausstellung erschienen
mehr als 150 Personen.
Eine ungewöhnliche Ausstellung wurde
am 10. September 2010 in der Galerie Epicentro art eröffnet und nach einer spektakulären
Performance in die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen überführt: Der Künstler Arthur Schmidt alias Gvoon hängte im ehemaligen Vernehmertrakt des Gefängnisses 2 000
Zeichnungen auf, die von den Besuchern der
Gedenkstätte gegen Hinterlegung einer Nachricht, eines Fotos oder einer anderen persönlichen Botschaft wieder „befreit“ werden konnten. Bei der „Inhaftierung“ der Bilder in der
Kunstgalerie an der Berliner Karl-Marx-Allee
waren etwa 60 Kunstinteressierte zugegen,
die oftmals zum ersten Mal mit der Stasi-Pro­
blematik in Berührung kamen.

31

Harald Hauswald (rechts) mit dem ehemaligen Bundeswirtschaftsminister Michael
Glos (CSU); links der Liedermacher Stephan Krawczyk

Litauens Botschafter Mindaugas Butkus (links) bei der Eröffnung der Ausstellungen
„Chronik der Gewalt / Der baltische Weg“

Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) mit Gedenkstättendirektor
Hubertus Knabe bei der Eröffnung der Ausstellung „Gewalt hinter Gittern“

32

Einladungskarten der Gedenkstätte

Sonderveranstaltungen
Wie in den vergangenen Jahren hat sich
die Gedenkstätte auch 2009/2010 an einer Reihe größerer Veranstaltungen beteiligt. Von Bedeutung war dabei insbesondere die zweimal
im Jahr stattfindende Lange Nacht der Museen. Die Stiftung verzichtete 2010 allerdings
auf eine Teilnahme, da die Gedenkstätte nicht
direkt von dem eingesetzten Shuttle-Bus vom
Alexanderplatz angefahren wurde und Kosten
relativ hoch gewesen wären.
Bei der 25. Langen Nacht der Museen am
29. August 2009 strömten bis weit nach Mitternacht mehr als 1 000 Besucher in die Gedenkstätte, um sich im Rahmen von Sonderführungen auch Räumlichkeiten anzusehen,
die normalerweise nicht zugänglich sind. Den
Besuchern wurde beispielsweise ein großer
Küchenkomplex im Keller des Hauptgebäudes
gezeigt, in dem Strafgefangene für die Gefängnismitarbeiter das Essen zubereiteten. Eine
weitere Station war die noch erhaltene Mitarbeitersauna, die sich Wand an Wand mit den
ehemaligen Zellen im Kellergefängnis befand.
Außerdem wurde der Dokumentarfilm „Gesicht zur Wand“ im Beisein des Regisseurs
Stefan Weinert gezeigt. Fünf ehemalige politische Häftlinge berichten in dem 90-minütigen
Film über ihre Hafterfahrungen im früheren
Gefängnis Berlin-Hohenschönhausen.

Veranstaltungen

Die Gedenkstätte beteiligte sich auch am
jährlich in ganz Deutschland durchgeführten
Tag des offenen Denkmals. Am Wochenende
des 12. und 13. September 2009 kamen dazu
Hunderte Besucher in die Gedenkstätte, um
sich bei Sonderführungen das Haftkrankenhaus, den ehemaligen Gefangenenwaggon
und die unterirdischen Küchenanlagen anzuschauen. Im Gefängnisneubau wurden aus
diesem Anlass Songs des DDR-Liedermachers
Gerulf Pannach abgespielt, der selber in Hohenschönhausen inhaftiert war.
2010 stand der Tag des offenen Denkmals unter dem Motto „Kultur in Bewegung
– Reisen, Handel und Verkehr“. In diesem Zusammenhang konnten Besucher zum ersten
Mal bei einer Führung durch das ehemalige
Sperrgebiet des MfS das frühere Bahngelände der Industriebahn Tegel-Friedrichsfelde besichtigen. Der Historiker Peter Erler erläuterte
dabei, wie bis in die frühen 1950er Jahre von
diesem Ort Verurteilte in die sowjetischen Lager des GULAG abtransportiert worden waren.
Später stellte der DDR-Staatssicherheitsdienst
über den Gleisanschluss die Belieferung des
Sperrgebiets mit Baumaterialien und anderen
Gütern sicher. Auch Sonderführungen durch
den authentisch erhaltenen Gefangenentransportwaggon der Deutschen Reichsbahn, den
sogenannten Grotewohl-Express, waren Teil
des Programms. Insgesamt nahmen mehr als
800 Menschen an den Führungen teil.

Veranstaltungen

Zusammen mit der Konrad-Adenauer-Stiftung hat die Gedenkstätte seit 2008 eine neue
Veranstaltungsreihe etabliert: das jährlich stattfindende Hohenschönhausen-Forum. Hochkarätige Referenten aus dem In- und Ausland
referierten dabei über aktuelle Themen der
Aufarbeitung.
Der Titel des 2. 
Hohenschönhausen-Forums am 26. November 2009 lautete „Auferstanden aus Ruinen – Droht eine Renaissance
des Kommunismus?“. Politologen, Historiker
und Journalisten diskutierten über den Zustand der Demokratie in den postkommunistischen Staaten, die Strategien früherer Diktaturparteien, ihr Überleben zu sichern, und die
immer noch vorhandene Verführungskraft der
marxistischen Utopie. Den Auftakt der Konferenz bildete ein Vortrag des französischen
Historikers Prof. Dr. Stéphane Courtois zu den
Ursachen der Diktaturverklärung in Europa,
gefolgt von einer Diskussion zum Thema „Demokratie ohne Demokraten? Die Verankerung
der demokratischen Kultur nach dem Ende des
Kommunismus“. Die Themen der weiteren Panels waren „Zurück an die Macht? Ziele und
Strategien postkommunistischer Parteien in
Europa“ sowie „Verführungskraft einer Utopie.
Die Renaissance der kommunistischen Ideologie in Europa“. Höhepunkt des Forums war
die Hohenschönhauser Rede des Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt, Prof. Dr. Wolfgang Böhmer, der betonte, wie irreführend der
Traum von sozialer Gleichheit sei. Die eigentliche Frage sei nicht die Herstellung sozialer
Gleichheit, sondern wie die Gesellschaft mit
der Unterschiedlichkeit der Menschen umgehe. Weitere Referenten waren unter anderem
der französische Politologe Prof. Dr. Patrick
Moreau, der tschechische Politikwissenschaftler Dr. Vlastimil Havlík, der Bürgermeister von
Werder, Werner Große, die Publizistin Sonja
Margolina, der Kultursoziologe Dr. Gert Pickel,
der Journalist Dr. Richard Herzinger sowie der
Schriftsteller Richard Wagner. An der ganztägigen Konferenz nahmen etwa 160 Menschen
teil.

33

Das 3. Hohenschönhausen-Forum am 8.
November 2010 trug den Titel „Unvergleichbar? Nationalsozialismus und Kommunismus
im 20. Jahrhundert“. Den ganzen Tag diskutierten Wissenschaftler und Journalisten über
Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Ideologie und Praxis beider Spielarten totalitärer
Herrschaft in Deutschland und Europa. Das
erste Panel widmete sich dem Thema „Die
Ideologie – Kommunistische und nationalsozialistische Politikvorstellungen im Vergleich“.
Das zweite Panel, das vom Deutschlandfunk
aufgezeichnet und am 10. November 2010 in
der Sendung „Zur Diskussion“ ausgestrahlt
wurde, beschäftigte sich mit der Fragestellung „Die Praxis – Kommunistische und nationalsozialistische Herrschaftsmethoden im
Vergleich“. Im dritten Panel wurde schließlich
unter der Überschrift „Das Erbe – Der Umgang
mit Nationalsozialismus und Kommunismus in
der Gegenwart“ über die Schlussfolgerungen
für die heutige politische Kultur diskutiert. Die
Hohenschönhauser Rede hielt diesmal Vaira
Vīķe-Freiberga, von 1999 bis 2007 Präsidentin
der Republik Lettland. Weiterhin referierten
unter anderem der Erfurter Theologe Dr. Ehrhart Neubert, die Politikwissenschaftler Prof.
Dr. Eckhard Jesse, Prof. Dr. Klaus Schroeder
und Prof. Dr. Barbara Zehnpfennig, die Historiker Prof. Dr. Jörg Baberowski, Prof. Dr. Andreas Nachama und Prof. Dr. Horst Möller, der
polnische Philosoph Prof. Dr. Karol
Sauerland sowie der lettische Historiker Prof. Dr. Valters Nollendorfs.
Insgesamt kamen 200 Menschen zu
der Konferenz.
Eine Veranstaltung zu einem
ähnlichen Thema fand bereits Anfang des Jahres statt. Aus Anlass
der Berufung des stellvertretenden
Direktors Siegfried Reiprich zum
Geschäftsführer der Stiftung Sächsische Gedenkstätten zur Erinnerung
an die Opfer politischer Gewaltherrschaft wurden Experten, Weggefährten und Freunde gebeten,

Rechts: Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (CDU) beim
2. Hohenschönhausen-Forum; links:
Podiumsdiskussion

Andreas Nachama, geschäftsführender
Direktor der Stiftung Topographie des
Terrors, beim 3. HohenschönhausenForum

34

Abschiedsveranstaltung für den stellvertretenden Gedenkstättendirektor
Siegfried Reiprich (oben links) mit Ulrike
Poppe (oben rechts), Lea Rosh und
Ehrhart Neubert

Klaus Wowereit (SPD) beim Festakt
zum 10-jährigen Bestehen der Stiftung
Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen

gemeinsam über den Umgang mit Deutschlands doppelter Vergangenheit nachzudenken.
Neben dem Münchener Historiker Prof. Dr.
Michael Wolffsohn sprachen der Schriftsteller
Lutz Rathenow, der Publizist Dr. Ehrhart Neubert, die Beauftragte des Landes Brandenburg
zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur Ulrike Poppe, der Vizepräsident
des Berliner Abgeordnetenhauses Dr. Uwe
Lehmann-Brauns, die Journalistin Lea Rosh

Veranstaltungen

sowie der langjährige Weggefährte und heutige Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen
Roland Jahn. Das Thema der Veranstaltung
„Feindliche Brüder? Die Aufarbeitung von
Nationalsozialismus und Kommunismus als
Gegenwartsaufgabe“ lockte 160 Interessierte
nach Hohenschönhausen.
Wie eingangs erwähnt, wurde am 23. Juni
2010 mit einem Festakt im Maxim-Gorki-Theater die Gründung der Stiftung am 1. Juli 2000
gefeiert. Eröffnet wurde die Veranstaltung von
Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus
Wowereit. Nach ihm sprachen der Vorstandsvorsitzende der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Rainer Eppelmann, der
Vorsitzende des Fördervereins Gedenkstätte
Berlin-Hohenschönhausen, Dr. Jörg Kürschner, sowie Gedenkstättendirektor Dr. Hubertus Knabe. Im Anschluss fand eine von der
Bundesstiftung Aufarbeitung mitfinanzierte
Sonderaufführung des preisgekrönten Theaterstücks „Staats-Sicherheiten“ statt. 15 ehemalige Häftlinge – die meisten saßen im Gefängnis
Hohenschönhausen ein – berichten darin von
ihren Hafterfahrungen. Mit Unterstützung der
Gedenkstätte hatten die Journalistin Lea Rosh
und die Psychologin Renate Kreibich-Fischer
das Stück im Jahr 2008 initiiert und konzipiert,
Regie führte der Theaterregisseur Clemens
Bechtel. Im Vorfeld der Festveranstaltung fand
eine Pressekonferenz mit Klaus Wowereit und
Dr. Hubertus Knabe zum zehnjährigen Bestehen der Stiftung statt.
Wenig später, am 27. und 28. September
2010, wurde der Schließung des Gefängnisses
vor 20 Jahren gedacht. Mit dem Beitritt der
DDR zur Bundesrepublik am 3. Oktober 1990
wurde das zentrale Untersuchungsgefängnis
des Staatssicherheitsdienstes für immer geschlossen. Mit finanzieller Unterstützung des
Bundesinnenministeriums lud die Gedenkstätte aus diesem Anlass 100 frühere Häftlinge
zu einem Festakt nach Hohenschönhausen
ein – stellvertretend für alle politischen Gefangenen der DDR. Bei der Abendveranstaltung sprachen Bundestagspräsident Prof. Dr.
Norbert Lammert, der Münchener Historiker
Prof. Dr. Michael Wolffsohn und Horst Schüler, Ehrenvorsitzender der Union der Opferverbände kommunistischer Gewaltherrschaft
(UOKG). Um den Bogen zur jungen Generation
zu spannen, kamen am Folgetag 100 Berliner
Schüler in die Gedenkstätte, die jeweils von
einem Häftling persönlich durch das einstige
Stasi-Gefängnis geführt wurden. Insgesamt
nahmen mehr als 350 Menschen an der zweitägigen Veranstaltung teil.
Zusammen mit dem Literaturhaus Berlin und der Robert Bosch Stiftung organisierte die Gedenkstätte vom 27. bis 29. Oktober

Veranstaltungen

2010 eine internationale Konferenz zum Thema
„Verbrechen der Diktaturen in Osteuropa“. Ort
der Veranstaltung, die von der Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller eröffnet wurde, war
das Käthe-Kollwitz-Museum in direkter Nachbarschaft zum Literaturhaus. Im Rahmen der
Konferenz referierten Archivare und Historiker,
Museologen, Rechtswissenschaftler, Medienleute und Filmschaffende aus verschiedenen
ex-kommunistischen Ländern über den Stand
der Aufarbeitung in ihrer Heimat und suchten
nach effektiveren Handlungsmöglichkeiten.
Das Spektrum der behandelten Themen reichte von der schwierigen Arbeit der Archive über
die Lage der ehemals Verfolgten bis zur Rolle
der Medien bei der Aufklärung über die Vergangenheit. Rund 150 Menschen nahmen an der
mehrtägigen Veranstaltung teil.

Buchvorstellungen und Vorträge
Im Rahmen ihres Veranstaltungsprogramms führte die Gedenkstätte auch verschiedene Vorträge und Buchvorstellungen
durch. Meist fanden die Veranstaltungen in Kooperation mit anderen Institutionen statt. Vor
allem für Verlage und Autoren ist die Stiftung
eine attraktive Adresse, um Neuerscheinungen vorzustellen. Allerdings übertraf die Zahl
entsprechender Anfragen bei weitem die organisatorischen Möglichkeiten.
Anlässlich des zehnten Todestags des
Schriftstellers und Psychologen Jürgen Fuchs,
der 1976/77 in der Untersuchungshaftanstalt
Berlin-Hohenschönhausen inhaftiert war und
später von West-Berlin aus die DDR-Opposition unterstützte, gab die Gedenkstätte dessen
Buch „Vernehmungsprotokolle“ neu heraus.
Vorgestellt wurde das im Jaron Verlag publizierte Werk am 29. April 2009 in der Landesvertretung des Freistaats Thüringen beim Bund.
Der Autor beschreibt darin in beklemmender
Weise seine neunmonatige Haftzeit und analysiert das Funktionieren des DDR-Verfolgungsapparates. Bei der Abendveranstaltung trug

35

der Schauspieler Udo Schenk Ausschnitte des
Textes vor, bevor Literaturnobelpreisträgerin
Herta Müller Jürgen Fuchs literarisch würdigte. Dessen Witwe, Lilo Fuchs, diskutierte im
Anschluss mit Dr. Hubertus Knabe, der sich im
Nachwort erstmals den tatsächlichen
Vernehmungsprotokollen der Stasi
widmete. Mit 230 Menschen war die
Veranstaltung komplett ausgebucht.
Eine weitere Publikation der
Gedenkstätte „Die vergessenen
Opfer der Mauer – Inhaftierte DDRFlüchtlinge berichten“ wurde am 29.
Juli 2009 in der Hessischen Landesvertretung vorgestellt. In dem von
Hubertus Knabe herausgegebenen
Buch kommen frühere DDR-Bürger
zu Wort, die wegen eines Fluchtversuches verhaftet wurden. Die Schilderungen ihrer gescheiterten Fluchtversuche und ihrer Hafterfahrungen
illustrieren auf eindringliche Weise
die Ohnmacht des Bürgers in einem totalitären Staat. Das Buch wurde im Vorfeld des 20.
Jahrestages des Mauerfalls herausgegeben.
Bei der Vorstellung lasen mehrere Inhaftierte
aus ihren Berichten. Der damalige
hessische Innenminister und heutige Ministerpräsident Volker Bouffier
und Dr. Hubertus Knabe führten in
die Veranstaltung ein. Auch diese Veranstaltung war mit 240 Teilnehmern
restlos ausgebucht.
Am 1. Dezember 2009 stellte
der Historiker Mike Schmeitzner in
der Gedenkstätte seine Biografie
„Doppelt verfolgt – Das widerständige Leben des Arno Wend“ vor.
Das Schicksal des 1906 geborenen
Sozialdemokraten steht beispielhaft
für die Unterdrückung der SPD im
DDR-Sozialismus. Von den Nationalsozialisten verfolgt, kam Wend
nach dem Krieg zurück in seine Heimatstadt
Dresden, wo er einer der führenden Köpfe der
sächsischen SPD wurde. 1948 verhaftete ihn

Internationale Konferenz im Literaturhaus Berlin über die „Verbrechen der
Diktaturen in Europa“

Der Schauspieler Udo Schenk liest aus
den „Vernehmungsprotokollen“ von
Jürgen Fuchs

Buchvorstellung „Die vergessenen
Opfer der Mauer“ mit dem ehemaligen
Häftling Karl-Heinz Richter

36

Arno Wend, Sozialdemokrat und Häftling in Hohenschönhausen,
Podiumsdiskussion zur Situation der
Menschenrechte in Kuba mit dem Menschenrechtsbeauftragten der Bundesregierung Markus Löning (rechts)

die sowjetische Geheimpolizei und brachte ihn
in ihre zentrale Untersuchungshaftanstalt nach
Berlin-Hohenschönhausen. Ein Jahr saß er unter unsäglichen Bedingungen in dem dunklen
Kellergefängnis. 1950 wurde er zu 25 Jahren
Arbeitslager verurteilt. Als man ihn fünf Jahre
später begnadigte, siedelte er in die Bundesrepublik über, wo er 1980 verstarb. Die Veranstaltung wurde vom damaligen Berliner Staatssekretär für Justiz, Hasso Lieber, eröffnet.
Das auf dem Gelände der Gedenkstätte liegende Haftkrankenhaus war am 2. Juni 2010
Thema eines Vortrags von Tobias Voigt. Unter
dem Titel „Medizin hinter Stacheldraht – Das
Haftkrankenhaus des Ministeriums für Staatssicherheit“ beschrieb der Berliner Politikwissenschaftler erstmals Gründung, Struktur und
Arbeitsweise des Haftkrankenhauses. Dafür
hatte er systematisch Dienstanweisungen,
Kaderakten und Einlieferungsbücher ausgewertet und ehemalige Mitarbeiter befragt.
In der geheimen Einrichtung waren zu DDRZeiten mehr als 3 000 Menschen aus allen 17
MfS-Untersuchungshaftanstalten eingesperrt,
unter ihnen, wie erwähnt, angeschossene
Flüchtlinge, schwerkranke Häftlinge oder Gefangene, die an einer Haftpsychose litten.
Einen weiteren Vortrag hielt Tobias Voigt
gemeinsam mit Peter Erler am 25. November
2010 zum Thema „Bastille ohne Sturm – Das
letzte Jahr des MfSUntersuchungsge fängnisses Berlin-Hohenschönhausen“. In
der Veranstaltung aus
Anlass von 20 Jahren
Wieder vereinigung
ging es um die Frage,
was beim Zusammenbruch des SEDSystems mit dem
zentralen
Untersuchungsgefängnis der
Stasi genau geschah.
Der Ort wurde, so die
beiden Referenten,
von den Ereignissen
der Friedlichen Revolution 1989/90 kaum
berührt und war niemals
Gegenstand
zentraler
Debatten
in Politik und Medien. Das Gefängnis
arbeitete
vielmehr
nach dem Mauerfall
und nach den ersten
freien Wahlen in der
DDR im März 1990
kaum verändert wei-

Veranstaltungen

ter. Selbst im wiedervereinigten Deutschland
sollte es zunächst als Haftanstalt weiterbetrieben und für den offenen Vollzug umgebaut
werden – bis die Forderungen nach Einrichtung
einer Gedenkstätte immer lauter wurden.
Zum Internationalen Tag der Menschenrechte veranstaltete die Gedenkstätte am 7.
Dezember 2010 zusammen mit der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte
(IGFM) im Abgeordnetenhaus von Berlin eine
Podiumsdiskussion über die Lage in dem sozialistischen Inselstaat Kuba. Wie einst die DDR
steht auch Kuba vor dem wirtschaftlichen Kollaps und muss, um seine Bevölkerung ernähren zu können, 80 Prozent seiner Grundnahrungsmittel einführen. Die Auslandsschulden
betragen mindestens 20 Milliarden US-Dollar,
das Sechsfache seiner jährlichen Exporterlöse.
Politische Opposition gegen die kommunistische Diktatur wird massiv verfolgt und zahlreiche Kritiker sitzen im Gefängnis. 39 von ihnen
wurden im Sommer 2010 zwangsweise nach
Spanien abgeschoben. Auf der Veranstaltung,
die den Titel trug „Was kommt nach Castro?
Menschenrechte und Demokratiebewegung in
Kuba“, berichtete ein kurz zuvor freigelassener
Häftling über die Lage auf Kuba und die der
dortigen Gefangenen. Auf dem Podium diskutierte er mit dem Beauftragten der Bundesregierung für Menschenrechte und Humanitäre
Hilfe, Markus Löning, dem Brandenburger
Landtagsabgeordneten Dieter Dombrowski,
und dem spanischen Botschafter in Deutschland, S. E. Rafael Dezcallar de Mazarredo, wie
der Demokratie auch in Kuba zum Durchbruch
verholfen werden kann. Für viele Teilnehmer
schockierend war das massive Auftreten von
Mitgliedern der Arbeitsgruppe „Cuba sí“ der
Partei Die Linke, die in der anschließenden
Diskussion unter anderem das Wahlsystem in
Kuba rühmten.
Eine weitere Podiumsdiskussion aus Anlass des Tags der Menschenrechte fand zwei
Tage später, am 9. Dezember 2010, in der
Gedenkstätte statt. Unter dem Titel „Was will
die chinesische Opposition? Der Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo und die Demokratiebewegung in China“ machte die Gedenkstätte
auf die geplante Verleihung des Friedensnobelpreises an den chinesischen Dissidenten Liu
Xiaobo am nachfolgenden Tag aufmerksam.
Sein Biograf Bei Ling und der 13 Jahre in psychiatrischer Haft eingesperrte Wang Wanxing
diskutierten mit der Grünen-Bundestagsabgeordneten Viola von Cramon und dem tschechischen Dissidenten Jiří Vančura. Liu Xiaobo gilt
als Hauptverfasser der Charta 08, in der über
300 Intellektuelle in Anlehnung an die tschechoslowakische Charta 77 eine Demokratisierung Chinas forderten. Wegen „Untergrabung

Veranstaltungen

37

der Staatsgewalt“ wurde er deshalb zu elf
Jahren Haft verurteilt. Mit massivem Druck
versuchte China zudem, seine Auszeichnung
zu torpedieren und ließ ihn nicht zur Preisverleihung ausreisen.

verlassen. Im wiedervereinigten Deutschland trifft
er 1999 seinen früheren
Vernehmer wieder. Das
Stück basiert auf den Erlebnissen des ehemaligen
DDR-Häftlings Mario RölLiteratur, Film und Theater
lig. Seine Geschichte wird
vom Autor, Regisseur und
Schauspieler Mirko BöttEine wichtige Ergänzung zu den eher fakcher in eindringlichen Biltenorientierten Vortrags- und Diskussionsverdern und Dialogen unter
anstaltungen bildeten kulturelle Angebote.
Verwendung von OriginalZiel war es, die für Nicht-Betroffene manchmal
Requisiten erzählt. Im Anschluss an die Aufkaum nachvollziehbare Erfahrung politischer
führungen stand Mario Röllig für ein Gespräch
Verfolgung besser zu veranschaulichen und zuzur Verfügung. Mit knapp 1 100 Besuchern bei
gleich neue Zielgruppen anzusprechen. Zu dieinsgesamt 13 Aufführungen war das Stück gesem Zweck fanden verschiedene Lesungen,
radezu ein Publikumsmagnet.
Filmvorführungen und Theateraufführungen
Am 16. September 2009 las der Autor und
statt.
frühere Hohenschönhausen-Häftling Klaus
Am 8. Februar 2009 wurde in der VolksKordon in der Gedenkstätte aus seinem neuen
bühne am Rosa-Luxemburg-Platz zur PremieRoman „Auf der Sonnenre des Dokumentarfilms
seite“. In dem Buch fängt
„Gesicht zur Wand“ von
Manfred Lenz, Kordons
Stefan Weinert eingelaAlter Ego, nach seiner
den. Der teilweise in der
Entlassung aus der StaGedenkstätte gedrehte
si-Haft im Westen ein
Film erzählt die Schickneues Leben an. 20 Jahsale von fünf Menschen,
re nach dem Mauerfall
die jeweils nach einem
und 35 Jahre nach seimissglückten Fluchtverner missglückten Repu­
such nach Berlin-Hohenblikflucht, seiner Haft in
schönhausen eingeliefert
Hohenschönhausen und
wurden. Eindringlich beCottbus und schließlich
richten die ehemaligen
seinem Freikauf durch die
Inhaftierten über ihre
Bundesrepublik DeutschHafterfahrungen und die
land blickt Kordon in dem
bis heute andauernden
Buch als einer zurück, der
seelischen Folgen. Einer
beide deutschen Staader Protagonisten, Mario
ten kennt. Mit feinem
Röllig, führt heute BesuGespür für historische
chergruppen durch die
Momente, soziale und
Gedenkstätte.
politische (Miss-)VerhältIn Kooperation mit
nisse in Ost und West
dem Berliner Theater
setzt er seine mit „KroStrahl wurde in den Jahkodil im Nacken“ begonren 2009/2010, wie beSzene aus dem Theaterstück „Akte R“ über das
nene deutsch-deutsche
reits im Jahr zuvor, mehrSchicksal eines ehemaligen DDR-Häftlings
Lebensgeschichte
mit
mals das preisgekrönte
einem sehr persönlichen
Theaterstück „Akte R – ein deutsch-deutscher
Buch fort. Das anschließende Gespräch vor
Krimi“ aufgeführt. Es erzählt die Geschichte
130 Gästen moderierte die Rundfunkjournalisdes 17-jährigen Marko aus der DDR, der sich
tin Shelly Kupferberg.
1985 in Budapest in einen West-Berliner PolitiIn Kooperation mit der Robert-Havemannker verliebt. Als ihn der Staatssicherheitsdienst
Gesellschaft und der Kulturprojekte GmbH
zwingen will, seinen Freund zu bespitzeln, befand am 4. Juli 2010 auf dem Berliner Alexanschließt er zu fliehen, wird aber an der Grenderplatz ein sogenannter Lesemarathon statt.
ze zu Jugoslawien gefasst. Er kommt in das
Den ganzen Tag über lasen Schriftsteller und
Untersuchungsgefängnis Berlin-HohenschönHistoriker, darunter Gedenkstättendirektor Huhausen, wo er wochenlang verhört wird. Nach
bertus Knabe, aus ihren Büchern. Im Fokus
seiner Freilassung stellt er einen Ausreiseanstanden Werke, die seit der Friedlichen Revotrag und darf die DDR einige Monate später

Der Schriftsteller Klaus Kordon bei der
Vorstellung seines Buches „Auf der
Sonnenseite“

Buchcover des neuen Romans von
Klaus Kordon

38

Veranstaltungen

Bundeskanzlerin Angela Merkel am
Gedenkstein für die Opfer der kommunistischen Gewaltherrschaft

DVD-Cover und Protagonisten des
Films „An den Rand geschrieben“: die
Schriftsteller Herta Müller, Johann Lippet, William Totok und Richard Wagner

lution und der Deutschen Einheit erschienen
sind. Zu den Autoren zählten Anne Voorhoeve,
Dr. Bettina Greiner, Lutz Rathenow, Marko
Martin, Richard Wagner, Helmuth Frauendorfer und Moritz von Rappard. Zwischen den
Lesungen wurden Sonderführungen durch die
Open-Air-Ausstellung „Friedliche Revolution
1989/1990“ angeboten.
Am 5. Oktober 2010 lud die Gedenkstätte
im Berliner Hackesche Höfe Kino zur Premiere
des Films „An den Rand geschrieben – Rumäniendeutsche Schriftsteller im Fadenkreuz
der Securitate“ ein. Die Dokumentation des
Fernsehjournalisten und stellvertretenden
Gedenkstättendirektors Helmuth Frauendorfer erzählt die Geschichte und Verfolgung
der rumäniendeutschen Schriftstellergruppe
um Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller,
der er selbst angehörte. Am Beispiel seiner
Schriftstellerkollegen Herta Müller, Gerhardt
Csejka, Johann Lippet, Horst Samson, William
Totok und Richard Wagner beschreibt er, wie
die jungen Autoren in den 1970er und 1980er
Jahren selbstbewusst nach neuen literarischen Wegen suchten und dadurch ins Visier
des rumänischen Geheimdienstes unter dem
Diktator Nicolae Ceauşescu kamen. Erst nach
Öffnung der Geheimdienstakten erfuhren die
Autoren, wie hartnäckig sie nicht nur in Rumänien, sondern auch nach ihrer Ausreise in die

Bundesrepublik verfolgt wurden. Im Anschluss
an den Film gab es ein Podiumsgespräch mit
den Protagonisten, das von rund 300 Personen
besucht wurde.

Opfergedenken
Die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen ist nicht nur ein Ort der Information,
sondern auch des Gedenkens und der Trauer.
Wiederholt fanden deshalb Gedenkveranstaltungen statt. Im früheren Gefängnishof wurde
nach der Schließung des Gefängnisses ein Gedenkstein für die Opfer der kommunistischen
Gewaltherrschaft errichtet, an dem regelmäßig
hochrangige Politiker, darunter 2009 auch Bundeskanzlerin Angela Merkel, Kränze niedergelegt haben. Auf einem nahe gelegenen Friedhof an der Berliner Gärtnerstraße befindet sich
seit 1998 zudem ein sogenannter DenkOrt, der
an die Toten des sowjetischen Speziallagers
Nr. 3 in Berlin-Hohenschönhausen erinnert.
Am 24. Oktober 2009 – dem Jahrestag
der Umbettung der ersten aufgefundenen Gebeine – wurde auf dem Friedhof wie in den
Vorjahren mit einer Veranstaltung der mindestens 700 Menschen gedacht, die in dem
Lager 1945/46 ums Leben gekommen waren.
Ihre Leichen waren seinerzeit von den sowjetischen Verantwortlichen in Massengräbern in
der Umgebung verscharrt worden. Erst 1995
und 1999 konnten die sterblichen Überreste
von 259 Inhaftierten geborgen und auf dem
Friedhof Gärtnerstraße bestattet werden. An
der vom Stadtbezirk Lichtenberg in Zusammenarbeit mit der Gedenkstätte organisierten
Gedenkveranstaltung nahmen Angehörige,
Vertreter des Bezirksamtes und der Bezirks-

Veranstaltungen

verordnetenversammlung sowie Opferverbände teil. Zu den Rednern gehörte der Zeitzeuge Heinz-Joachim Schmidtchen, der 1946 als
18-Jähriger in dem Lager in Haft saß, weil er
gegen die Zwangsvereinigung von SPD und
KPD protestiert hatte. Auch im darauf folgenden Jahr, am 24. Oktober 2010, wurde der
Opfer des Lagers gedacht. Diesmal sprachen
die damalige Bezirksbürgermeisterin von Berlin-Lichtenberg, Christina Emmrich (Die Linke),
sowie Reinhard Fuhrmann, früherer Insasse
des Stasi-Untersuchungsgefängnisses und
heutiger Besucherreferent der Gedenkstätte.
Vertreter einschlägiger Institutionen – von der
Bundesstiftung Aufarbeitung bis zum Berliner
Landesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen –
legten am Gedenkstein Kränze nieder.
Am 16. Juni 2010 übergab die Gedenkstätte dem Vivantes Klinikum im Friedrichshain eine Gedenktafel, die an den Beginn des
Volksaufstands vom 17. Juni 1953 erinnert. Die
Enthüllung fand am Vortag des 57. Jahrestages der Erhebung statt. Von der Baustelle am
Friedrichshainer Klinikum hatte 1953 der Aufstand in der DDR seinen Ausgang genommen.
Bauarbeiter, die gerade ein neues Bettenhaus
errichteten, forderten damals in einem Protestbrief an den DDR-Ministerpräsidenten
Otto Grotewohl die Rücknahme einer Erhöhung ihrer Arbeitsnormen. Gemeinsam mit
Kollegen aus der nahegelegenen Stalinallee,
der heutigen Frankfurter Allee, zogen sie am
Morgen des 16. Juni 1953 zum Sitz der DDRRegierung, um den Brief dort abzugeben. Unterwegs schlossen sich ihnen tausende Berliner an und forderten freie Wahlen in der DDR.
Für den nächsten Morgen riefen sie schließlich
zum Generalstreik auf. In 560 Orten kam es
daraufhin zu Protesten, 600 Betriebe traten
in den Streik. Nach der Niederschlagung des
Aufstands durch sowjetische Truppen wurde
der Unterzeichner des Briefes Max Fettling,
Gewerkschaftschef der Baustelle, verhaftet.
Er wurde in das Stasi-Gefängnis Berlin-Hohenschönhausen gebracht und später zu zehn
Jahren Zuchthaus verurteilt. Bei der Übergabe
der Gedenktafel sprachen der Regionaldirektor
Mitte/Ost des Klinikums Vivantes Dr. Detlev
Corsepius, Gedenkstättendirektor Hubertus
Knabe und der Zeitzeuge Herbert Buley, der
in seinem Betrieb in Berlin-Köpenick 1953 zum
Streik aufgerufen hatte.

39

Der Zeitzeuge Herbert Buley (links) bei der Enthüllung einer Gedenktafel zum 17. Juni 1953

Gedenkveranstaltung für die Toten des sowjetischen Speziallagers Nr. 3 mit
Bezirksbürgermeisterin Christina Emmrich (Die Linke)

40

Zeitzeugengespräch mit Schülern

Gedenkstättenpädagogik
Die Gedenkstätte hat in den letzten Jahren ihr pädagogisches Angebot kontinuierlich
ausgebaut. Schüler und Auszubildende sollen
nicht nur mittels Führungen durch die Haftanstalt über das SED-Unrecht informiert werden,
sondern sich nachhaltiger damit beschäftigen
können. Zu diesem Zweck wurde 2004 eine
Pädagogische Arbeitsstelle (PAS) eingerichtet.
Der Berliner Bildungssenator hat an sie zwei
– seit dem Schuljahr 2009/2010 drei – Lehrer
mit 50 Prozent ihrer Arbeitskraft abgeordnet,
die von mehreren studentischen Hilfskräften
unterstützt werden.
2009 wurde die Pädagogische Arbeit der
Gedenkstätte vom damaligen Bundespräsidenten Horst Köhler im Rahmen der Initiative
„Land der Ideen“ als „Ausgewählter Ort“ ausgezeichnet. Damit wurde gewürdigt, dass sie
in ganz besonderer Weise dazu beiträgt, junge
Menschen über den menschenunwürdigen
Charakter der SED-Diktatur aufzuklären.

Seminare und Projekttage

Auszeichnung der Gedenkstätte als
„Ausgewählter Ort im Land der
Ideen 2009“

Das Interesse junger Leute – und ihrer Lehrer – an der Gedenkstätte ist enorm. Nicht nur
absolut ist die Anzahl der Schüler im Berichtszeitraum rasant gestiegen, auch relativ hat ihr
Anteil am Besucheraufkommen beständig zugenommen (siehe Abbildung 9). 2010 lag die
Zahl der Schüler erstmals über der der erwachsenen Besucher.
Die Masse der Schüler absolvierte ein
zweistündiges Programm aus Einführungsfilm
(30 Minuten) und Führung durch die ehemalige
Haftanstalt (90 Minuten). Eine wachsende Zahl
nahm aber auch an längeren gedenkstättenpädagogischen Formaten teil. Die Anzahl der
Seminare und Projekttage stieg im Berichtszeitraum von 76 (2008) auf 120 (2009) und
schließlich auf 215 (2010) massiv an, sodass,
abzüglich der Ferienzeiten, in der Gedenkstätte

durchschnittlich alle ein bis zwei Tage ein Intensivprogramm für Schüler stattfand. Ein Drittel
der insgesamt 335 Seminare und Projekttage
im Berichtszeitraum wurde für Schulklassen
aus Berlin durchgeführt (108).
Die Seminare und Projekttage bestanden
normalerweise aus einer Führung durch die
Haftanstalt und einem ausführlichen Zeitzeugengespräch sowie aus der Erarbeitung des
historischen Kontextes anhand schriftlicher
Quellen. Eine Reihe von Seminaren wurde speziell auf einzelne Zeitzeugen und deren Vita zugeschnitten („Gelebte Geschichte“). Auf diese
Weise war es möglich, die Schüler einerseits
an das für sie eher fern liegende Thema heranzuführen und andererseits ihre unmittelbaren
Eindrücke in der Gedenkstätte zu untermauern und zu festigen. Die positive Resonanz bei
Schülern und Lehrern hat gezeigt, dass diese
Mischung sehr gut angenommen wird.
2010 organisierte die Gedenkstätte zwei
besondere Projekttage: Anlässlich der Schließung des Stasi-Gefängnisses 20 Jahre zuvor
kamen im September, wie erwähnt, über 100
Schüler aus verschiedenen Berliner Schulen
mit einer ebenso großen Anzahl von Zeitzeugen zu einer mehrstündigen Begegnung
zusammen. Außerdem fand im Dezember
anlässlich des Tages der Menschenrechte ein
Projekttag zu Kuba statt, bei dem das häufig romantisierte Bild der „Kubanischen Revolution“
in Deutschland kritisch hinterfragt wurde. Besonders beeindruckend für die Schüler waren
die Schilderungen von Jorge García Vázquez,
der zu DDR-Zeiten als Dolmetscher für die
kubanische Botschaft in Ost-Berlin arbeitete,
vom Staatssicherheitsdienst festgenommen,
in Hohenschönhausen inhaftiert und anschließend an die kubanische Geheimpolizei ausgeliefert wurde.
Auch bei Haus- oder Prüfungsarbeiten hat
die Gedenkstätte beraten und geholfen. So unterstützte sie eine Reihe von Schülern bei der

41

Gedenkstättenpädagogik

Anfertigung der am Ende der 10. Klasse und
im Abitur geforderten Präsentationsprüfung
und bot ihnen dazu Arbeitsmöglichkeiten in
der Gedenkstätte. Besonders interessant war
auch für sie, die Geschichte der SED-Diktatur
anhand von Lebensläufen ehemaliger Häftlinge aufzuarbeiten. Wie in den Vorjahren wurden im Berichtszeitraum außerdem zwei Seminarkurse zur DDR-Geschichte mit Schülern
aus drei Berliner Schulen durchgeführt. Diese
Kurse ergaben sich aus dem neuen Prüfungskonzept für das Abitur und bezogen noch weitere Gedenkstätten der Stadt ein. Die daraus
hervorgegangenen Seminararbeiten und Kolloquien sind bereits in die Abiturprüfungen der
letzten beiden Jahre eingegangen.

Mobiles Learning Center
Mit finanzieller Unterstützung des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und
Medien (BKM) hat die Gedenkstätte Ende 2010
ein neues Projekt entwickelt, um Schülern
DDR-Geschichte nahezubringen. Angesichts
der Tatsache, dass ostdeutsche Schüler vergleichsweise selten nach Berlin-Hohenschönhausen kommen, wurde nach Möglichkeiten
gesucht, sie im wahrsten Sinne des Wortes
dort abzuholen, wo sie sich befinden – in ihrer
eigenen Schule. Zu diesem Zweck wurde ein
ehemaliger Gefangenentransporter des MfS
zu einem mobilen Learning Center umgebaut,
mit dem die Schulen der Region gezielt angefahren werden können. Das Fahrzeug wurde
mit Hörstationen, einem Monitor, einer mobilen Ausstellung und weiteren Materialien für
die Durchführung von Projekttagen ausgestattet. Um das Thema möglichst jugendgerecht
zu vermitteln, liegt der Schwerpunkt auf der
Situation junger Menschen in der DDR.

Lehrerfortbildung
Die Gedenkstätte hat sich auch um die
Fortbildung von Lehrern und Referendaren
bemüht. So fanden im Berichtszeitraum 25
Fachseminare für Studienreferendare, Fachkonferenzen Berliner Schulen und Informationsveranstaltungen über die Arbeit der Pädagogischen Arbeitsstelle statt. Neun weitere
Fortbildungsveranstaltungen führte die Gedenkstätte für Mitarbeiter des Auswärtigen
Amtes und für Studenten verschiedener deutscher Universitäten durch. Die Pädagogische
Arbeitsstelle entwickelte unter anderem ein
speziell auf die Einbeziehung von Zeitzeugen
ausgerichtetes Fortbildungsangebot für Lehrer, bei dem eine begleitende Unterrichtsreihe

Jahr

Schüler

Besucheranteil (%) Seminare / Projekttage

2003

40 743

33,2

–

2004

50 702

39,5

15

2005

59 469

42,2

45

2006

70 341

40,7

54

2007

82 883

39,7

57

2008

98 328

39,5

76

2009

137 340

43,7

120

2010

188 926

56,9

215

Abb. 9: Entwicklung der Schülerzahlen sowie der Seminare und Projekttage
pro Jahr

zum Einsatz eines Zeitzeugen erarbeitet wurde. Im Dezember 2010 wurde es bei einem
Projekttag mit vier Berliner Schulen, die sich zu
einem Reformbündnis zusammengeschlossen
haben, erprobt.
Zur Unterstützung der Lehrer entwickelte
die Gedenkstätte zudem eine Reihe neuer Materialien für den Schulunterricht. Für die neue
Berliner Schulform – die gemeinsame Sekundarschule – wurden spezielle Unterrichtsreihen
erarbeitet, die dem Aspekt der Binnendifferenzierung besondere Rechnung tragen. Dazu
gehören zum Beispiel Materialien, die auf einem Comic zur DDR-Geschichte aufbauen.

Veranstaltung zum 20. Jahrestag der
Schließung des Gefängnisses mit 100
Zeitzeugen und 100 Schülern

42

Um Schülern das Thema „Haftbedingungen im
ehemaligen Untersuchungsgefängnis“ besser
zu vermitteln, wurden auch Methoden des
szenischen Spiels erprobt, um daraus ebenfalls entsprechende Materialien zu erarbeiten.
Das in den Räumen der Gedenkstätte aufgeführte Theaterstück „Akte R“ wurde mehrfach
in pädagogische Projekte integriert. Auf ihre
vielfältigen Angebote – darunter auch die seit
2010 verstärkte Zeitzeugenvermittlung (siehe
Zeitzeugenbörse) – machte die Gedenkstätte
unter anderem in den sogenannten Handreichungen für Berliner Lehrer, auf ihrer Website
und in einem Pädagogikflyer aufmerksam (siehe Öffentlichkeitsarbeit).
Kooperationspartner der Gedenkstätte

Kooperationspartner

Unterzeichnung des Kooperationsvertrages mit dem Berliner Oberstufenzentrum TIEM

Projekttag mit italienischen
Gymnasiasten

Bei ihrer Arbeit konnte sich die Pädagogische Arbeitsstelle auf viele Kooperationspartner stützen. Bei der Durchführung der Seminare arbeitete sie unter anderem mit dem Verein
Spurensuche e. V. zusammen, der von ehemaligen politischen Häftlingen zur Verbesserung
der historischen Bildungsarbeit an Schulen
gegründet wurde. Zwei internationale Schülerseminare – eines zur Friedlichen Revolution in
Europa (2009) und eines zu Fragen von Identität und Kultur (2010) – wurden in Kooperation
mit den deutschen UNESCO-Projektschulen
durchgeführt. Zeitzeugen der Gedenkstätte
wirkten auch in der Arbeitsgruppe „Menschenrechte“ bei den jährlichen Fachtagungen der
UNESCO-Projektschulen mit.
2010 schloss die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen erstmals Kooperationsverträge mit zwei Berliner Schulen – dem Carl-vonOssietzky-Gymnasium in Pankow und dem
Oberstufenzentrum TIEM in Spandau (Technische Informatik, Industrie, Elektronik, Energie,
Management). Die Kooperation umfasst regelmäßige Veranstaltungen in verschiedenen
Klassenstufen, feste Seminare und Projekttage
in der Gedenkstätte sowie Fortbildungsangebote für die Lehrer beider Schulen. Die Schulen setzten damit im gesellschaftspolitischen
Bereich ausdrücklich einen Schwerpunkt auf
die Aufarbeitung der SED-Diktatur und verankerten dies in ihrem Schulprofil.
Eine enge Zusammenarbeit vereinbarte die
Gedenkstätte 2010 auch mit der Landeszentrale für politische Bildung in Hessen. Per Vertrag
wurde die Durchführung – und Finanzierung –
von bis zu 75 Schülerseminaren pro Jahr sowie
eine Beratung des Schwerpunktprojekts „Politisch-Historische Aufarbeitung der SED-Diktatur“ bei der Landeszentrale festgelegt. Hessische Schüler- und Jugendgruppen können
seitdem aufwändig vorbereitete Bildungsan-

Gedenkstättenpädagogik

gebote in Anspruch nehmen und erhalten die
Fahrt nach Berlin bezuschusst. Ein vergleichbares Förderprogramm zur DDR-Geschichte gibt
es in keinem anderen Bundesland.
Ein weiterer Kooperationspartner war das
Landesinstitut für Schule und Medien BerlinBrandenburg (LISUM). Allein die von beiden
Institutionen erstellte Broschüre mit Unterrichtsmaterialien wurde im Berichtszeitraum
über fünfhundertmal von der Website der
Gedenkstätte heruntergeladen und weitere
dreihundertmal als CD an interessierte Lehrer weitergegeben. Im März 2009 wirkte die
Pädagogische Arbeitsstelle auch an einer Tagung des LISUM zur SED-Diktatur mit. Des
Weiteren beteiligte sie sich im Juni 2009 mit
einem Workshop am jährlichen Forum zur Zeitgeschichtlichen Bildung im Haus der Wannseekonferenz. Schließlich nahm die Pädagogische
Arbeitsstelle 2010 erstmals am Jahrestreffen
von „Schule ohne Rassismus“ teil und organisierte dort eine gut besuchte Arbeitsgruppe
„SED-Diktatur und Menschenrechte“.
Weil die Gedenkstätte die Auseinandersetzung mit der DDR-Vergangenheit als einen Beitrag zur politischen Bildung betrachtet („Geschichte ist Gegenwartskunde“), wurde auch
die Kooperation mit den Menschenrechtsorganisationen Amnesty International und Human Rights Watch vertieft. Für die Arbeit mit
Schülern stehen eine kleine Menschenrechtsbibliothek und ein von beiden Organisationen
bestückter Ausstellungsraum zur Verfügung.
Artikel über Menschenrechtsverletzungen in
kommunistischen und postkommunistischen
Ländern sowie über Oppositionsbewegungen
können für die Seminar- und Projektarbeit genutzt werden. Auch Erinnerungstage wie der
20. Jahrestag der Friedlichen Revolution, aktuelle Ereignisse wie die Olympischen Spiele
in Peking, die Verleihung des Friedensnobelpreises 2010 an den chinesischen Dissidenten
Liu Xiaobo, die Proteste der Demokratiebewegung im Iran oder die Verleihung des Literaturnobelpreises 2009 an die Schriftstellerin Herta
Müller wurden in die pädagogische Arbeit einbezogen.

Zeitzeugenbörse
Zur Verbesserung der Bildungsarbeit mit
Schülern gibt es seit 2010 die Möglichkeit, Zeitzeugen nicht nur in Hohenschönhausen zu treffen, sondern auch in den Schulunterricht einzuladen. Während dies vorher in der Regel nur
dann möglich war, wenn eine andere Institution die Kosten übernahm, wurde im Frühjahr
2010 mit dem Aufbau einer Zeitzeugenbörse
begonnen, die kostenlos ehemalige politische

Gedenkstättenpädagogik

Häftlinge aus ganz Deutschland an interessierte Schulen in ihrer Umgebung vermittelt. Insbesondere Jugendliche, die bisher noch keine
Gelegenheit hatten, die Gedenkstätte zu besuchen, sollen auf diese Weise besser über das
SED-Unrecht informiert werden.
Aus den zahlreichen Kontakten der Gedenkstätte wurden deshalb für Unterrichtsgespräche mit Schülern geeignete Zeitzeugen
ausgewählt. Zu den Auswahlkriterien zählten
insbesondere Alter, Gesundheit, Mobilität, historisches Wissen, didaktische Fähigkeiten und
ein sicheres Auftreten. Mit den Teilnehmern
wurde eine Rahmenvereinbarung geschlossen, in der die Bedingungen ihrer Einsätze
fixiert wurden. Ihre Kontaktdaten, Angaben
zu ihrer Biografie, ihre thematischen Schwerpunkte und ihre zeitlichen und geografischen
Einsatzmöglichkeiten wurden in einer eigenen
Datenbank erfasst. Am 27. September und am
3. Oktober 2010 wurden sie zu einer Schulungsveranstaltung und einem Erfahrungsaustausch nach Berlin eingeladen. Pro Zeitzeugengespräch erhalten die Zeitzeugen eine
symbolische Aufwandsentschädigung von 50
Euro, bei Einsätzen, die länger als 90 Minuten
dauern, auch 100 Euro. Ihre Reisekosten werden ebenfalls erstattet.
Im August 2010 stellte die Gedenkstätte
das Angebot auf ihrer Website online. Zu diesem Zeitpunkt waren 83 ehemalige politische
Häftlinge verfügbar, deren Zahl bis zum 31. Dezember 2010 auf 99 stieg. Ziel ist es, so viele
Zeitzeugen zu gewinnen, dass in jeder Region
mindestens eine Person zur Verfügung steht.
Unter der Adresse www.ddr-zeitzeugenboerse.de können Schulen und andere Bildungseinrichtungen seitdem selbständig Zeitzeugen
für Gespräche und Veranstaltungen aussuchen
und einladen. Die Zeitzeugen sind dort nach
Bundesländern geordnet und werden mit einer Kurzbiografie und einem Foto vorgestellt.
Interessierte können sich zusätzlich vorbereitendes Unterrichtsmaterial zur DDR und zum
Staatssicherheitsdienst herunterladen. Zudem
stehen Muster für eine Pressemitteilung und
ein Veranstaltungsplakat zum Download bereit, die nur noch um den Namen des Zeitzeugen und die jeweiligen Veranstaltungsdaten

43

ergänzt werden müssen. Das Portal informiert
auch über die Organisation und die finanzielle
Abwicklung des Zeitzeugengesprächs.
Über ein Online-Formular, per Brief oder
per Telefon kann jeder Interessierte eine Anfrage nach einem Zeitzeugen stellen. Die Gedenkstätte leitet den Wunsch weiter und koordiniert die weitere Abwicklung des Einsatzes.
Zeitzeugen und einladende Schulen werden
eingehend vorbereitet, danach findet eine Auswertung und Nachbereitung statt. Im November 2010 wurde zusätzlich eine studentische
Hilfskraft eingestellt, die sich vorrangig um die
Akquise neuer Zeitzeugen kümmerte.
Zu Beginn des Schuljahres 2010/2011 wurde die Zeitzeugenbörse erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Zu diesem Zweck fand ein
Pressegespräch statt und eine Pressemitteilung wurde versandt. Außerdem wurden ca.
4 500 Schulen und Lehrer direkt per E-Mail
informiert. Darüber hinaus wandte sich die
Gedenkstätte an die Schulaufsichtsbehörden
aller 16 Bundesländer, von denen Bayern,
Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Sachsen ihre Schulen noch einmal selbst auf die
Zeitzeugenbörse aufmerksam machten.
Das Angebot stieß auf eine geradezu überwältigende Resonanz. Vom 27. August bis zum
31. Dezember 2010 wurden insgesamt 96
Einsätze gebucht. Abzüglich der Wochenenden und Feiertage fand damit durchschnittlich
jeden Tag eine Zeitzeugenveranstaltung statt.
Möglich war dies nur durch außerordentliche
Projektmittel des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM). Das
größte Interesse zeigten Schulen aus Berlin
(24 Buchungen), Niedersachsen (20 Buchungen) und Bayern (16 Buchungen). Nach dem
Einsatz äußerten sich zahlreiche Lehrer und
Schüler in E-Mails und Briefen geradezu begeistert von der Begegnung mit „ihrem“ Zeitzeugen. Die Lokalpresse berichtete ebenfalls
oft über die Veranstaltungen, was das Angebot
– und die Gedenkstätte – auch in entlegenen
Regionen bekannt machte. Ausschließlich positiv äußerten sich auch die Zeitzeugen, weil
ihre schmerzlichen Erinnerungen durch das
Gespräch mit jungen Menschen plötzlich einen
positiven Sinn bekamen.

Medienresonanz zu von der Gedenkstätte organisierten Zeitzeugeneinsätzen in ganz Deutschland

44

Dokumentation von Wandeinritzungen
im Gefängnisneubau: Mit Strichen
gezählte Hafttage

Forschung
Die Gedenkstätte hat den gesetzlichen
Auftrag, die Geschichte der Haftanstalt Hohenschönhausen zu erforschen. Da es ihr dafür an ausreichendem qualifizierten Personal
fehlt, hat sich die Forschungsarbeit weiterhin
vor allem darauf konzentriert, zentrale Quellen
ausfindig zu machen, zu sichern und zu erschließen, um die Voraussetzungen für künftige Forschungen zu verbessern. Lediglich durch
die Sondermittel für die Erstellung der zentralen Dauerausstellung (siehe Haushalt) konnte
sie erstmals eine Reihe von grundlegenden
Fragen systematischer untersuchen. Einige
kleinere Forschungsprojekte konnten auch mit
Hilfe anderer Mittelgeber realisiert werden.
Eine zentrale Rolle bei der Erschließung
historischer Quellen zum Haftort Hohenschönhausen spielt die Sicherung der Häftlingserinnerungen. Dafür ist das Zeitzeugenbüro
der Gedenkstätte zuständig. Für ehemalige
Häftlinge oder deren Angehörige, die sich mit
Fragen, Hinweisen oder Wünschen an die
Gedenkstätte wenden, fungiert das Büro als
wichtige Anlaufstelle. Jedes Jahr melden sich
in der Gedenkstätte über 100 ehemalige Häftlinge zum Teil vor Ort, über Briefe oder über die
Website der Gedenkstätte. Das Büro nimmt
darüber hinaus von sich aus Kontakt zu ehemals Inhaftierten auf. Entsprechenden Hinweisen in Veröffentlichungen, bei Veranstaltungen,
von Besuchern oder bei Vorträgen des Gedenkstättendirektors wird jeweils genau nachgegangen. Da der Gedenkstätte mittlerweile
die Namen aller in Hohenschönhausen inhaftierten MfS-Untersuchungshäftlinge bekannt
sind, ergeben sich zusätzliche Recherchemöglichkeiten, die allerdings sehr aufwändig und
kompliziert sind.
Insgesamt konnte die Gedenkstätte bislang 1 263 Zeitzeugen ausfindig machen, von
denen 948 direkt dem Haftort Berlin-Hohenschönhausen zuzuordnen sind. Der größte
Teil von ihnen (695) war in der zentralen Un-

tersuchungshaftanstalt des MfS inhaftiert, 68
waren im sowjetischen Speziallager, 45 in der
zentralen sowjetischen Untersuchungshaftanstalt, weitere 60 im Haftkrankenhaus des MfS
gefangen. Die Namen und Unterlagen aller
ehemaligen Häftlinge werden in einer speziellen Personendatenbank der Stiftung erfasst
(siehe Sammlungen: Zeitzeugenarchiv).
Das Zeitzeugenbüro bittet alle ihm bekannt gewordenen Inhaftierten, einen Fragebogen mit den wichtigsten Angaben zu ihrer
Haft auszufüllen. Später werden mit ihnen
nach Möglichkeit mehrstündige leitfadengestützte Videointerviews geführt. Dazu verfügt
das Zeitzeugenbüro über eine entsprechende
technische Ausrüstung (Kamera, Beleuchtung,
Mikrofon). Die Interviews werden transkribiert
und im Zeitzeugenarchiv archiviert, wo sie als
Quelle für Forschungen sowie als Material für
Ausstellungen und Publikationen zur Verfügung stehen. Die Zeitzeugeninterviews sind
oft die einzige Möglichkeit, die Erinnerungen
der Häftlinge dauerhaft aufzubewahren. Die
teilweise hochbetagten Interviewten bedürfen dabei vielfach auch professioneller Hilfe
in Form von Beratungen zu gesundheitlichen
Haftfolgeschäden, zur Geltendmachung von
Leistungsansprüchen sowie zu speziellen therapeutischen Hilfen. Viele ehemalige Häftlinge
sehen dafür in der Gedenkstätte eine erste
Anlaufstelle.
Die Interviews werden nach Maßgabe
der finanziellen Möglichkeiten durch externe
Schreibbüros transkribiert und von wissenschaftlichen Hilfskräften der Gedenkstätte
verschlagwortet. Mit Hilfe des EU-Programms
„Aktive Europäische Erinnerung“ wurde seit
Herbst 2008 erstmals eine größere Zahl von
Interviews in dieser Weise aufbereitet und
analysiert. Im Rahmen des Projektes „Das
zentrale Untersuchungsgefängnis des kommunistischen Staatssicherheitsdienstes in
Deutschland im Spiegel von Opferberichten“

Forschung

wurde zu diesem Zweck eine Suchmaske
entwickelt, die es ermöglicht, zu einzelnen
Aspekten (z. B. Ernährung, Sexualität oder Hygiene) alle relevanten Häftlingsaussagen per
Knopfdruck ausfindig zu machen. Das Projekt
konnte im September 2009 mit einem online
gestellten Bericht, der das Haftregime in den
verschiedenen Phasen genau beschreibt, beendet werden.
Im Berichtszeitraum führte das Zeitzeugenbüro insgesamt 115 Zeitzeugeninterviews
durch – ein deutlicher Anstieg zum Berichtszeitraum 2007/2008 mit insgesamt 90 geführten
Interviews. 2009 wurden 75 Videointerviews,
2010 weitere 40 Videointerviews gemacht. Die
durchschnittliche Länge eines Zeitzeugeninterviews lag bei 90 Minuten. Die Gesamtzahl der
Zeitzeugeninterviews, einschließlich der Audiointerviews aus den 1990er Jahren, ist damit
auf 446 angewachsen. Die Zahl der Transkriptionen ging im Berichtszeitraum hingegen leicht
zurück. Wurden 2007/2008 noch von 196 Interviews Abschriften angefertigt, so wurden im
Jahr 2009 84 und im Jahr 2010 70 Interviews
transkribiert, zusammen 154. Die Ursachen
dafür sind finanzieller Natur, da die Kosten für
die Anfertigung der Abschriften erheblich sind.
Ohne außerordentliche Projektmittel des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und
Medien (BKM) wäre die Zahl noch niedriger
gewesen.
Die Gedenkstätte bemühte sich weiterhin
darum, von den ehemaligen Häftlingen amtliche Unterlagen, persönliche Berichte, Veröffentlichungen, Fotos und Gegenstände, die
mit ihrer Haftgeschichte im Zusammenhang
stehen, zusammenzutragen. Nach Maßgabe
der Kräfte wertete die Gedenkstätte auch Bücher, Artikel und andere Publikationen aus. Da
sich die MfS-Akten im Archiv der Stasi-Unterlagen-Behörde befinden, ist die Gedenkstätte in
der Regel auf deren Unterstützung angewiesen. Wegen der komplizierten Schwärzungsvorschriften und der extrem langen Wartezeiten wurde mit der Behörde vereinbart, aus
den beantragten Untersuchungsvorgängen
zunächst nur die wichtigsten Dokumente in
Kopie herauszugeben. Bis Februar 2009 lieferte die Behörde zu 255 ehemaligen Untersuchungshäftlingen ca. 39 000 Kopien sowie
zu 83 ehemaligen Mitarbeitern der beiden auf
dem Gelände ansässigen MfS-Diensteinheiten (Hauptabteilung IX und Abteilung XIV) ca.
8 400 Kopien.
Parallel dazu fanden aber noch andere Archivrecherchen bei der Behörde statt. Durchgesehen wurden 2009 zum Beispiel die Unterlagen des Untersuchungsvorgangs zu Jürgen
Fuchs (21 Akten) und zu Georg und Maria
Dertinger, Heinz Brandt, Eberhard Plewe, Ilse-

45

Ruth Bubner und deren Mitangeklagte (39
Akten). Die angeforderten Kopien hat die Stasi-Unterlagen-Behörde jedoch im Berichtszeitraum nicht bereitgestellt. Auf der Grundlage
persönlicher Einwilligungen von ehemaligen
Häftlingen wurden 2009 45 neue Anträge auf
Akteneinsicht gestellt. Die Stasi-Akten-Behörde bearbeitete davon 18 und lieferte 2 403
Blatt Kopien. 2010 wurden weitere 34 Anträge gestellt, von denen bisher zehn bearbeitet
wurden mit insgesamt 1 200 Blatt Kopien. Ein
anderer Rechercheschwerpunkt bezog sich auf
den Volksaufstand am 17. Juni 1953. Im Zuge
der damaligen Massenverhaftungen brachte
das MfS auch zahlreiche Demonstranten und
Streikende in das Kellergefängnis in BerlinHohenschönhausen. Um mehr Informationen
über diese Häftlingsgruppe zu erhalten, wurde
bei der BStU ein Forschungsantrag gestellt,
der 2009 von der BStU abgeschlossen wurde.
Seit 2002 gingen dazu insgesamt 47 103 Blatt
Kopien ein.
Das Zeitzeugenbüro ist nicht nur Anlaufstelle für frühere Häftlinge und verantwortlich
für die Archivierung ihrer Unterlagen, sondern
ist mit seiner Arbeit auch für andere Arbeitsbereiche der Gedenkstätte von Bedeutung.
So unterstützte es etwa 2010 die Recherchen
nach ehemaligen Häftlingen, die für den Einsatz in Schulen geeignet sind (siehe Zeitzeugenbörse). Die Projektgruppe, die die Dauerausstellung erarbeitet, konnte ebenfalls auf die
Kontakte zu den ehemaligen Häftlingen, die
vorliegenden Dokumente und die von ihnen
zum Teil übergebenen Gegenstände zurückgreifen. Für die Ausstellung wurden zudem
Unterlagen im MfS-Bestand „Verwaltung Rückwärtige Dienste“ in der Stasi-Akten-Behörde
gesichtet und insgesamt 2 054 Blatt Duplikate
aus 96 Akten in Empfang genommen. Bei Anfragen von Wissenschaftlern und Journalisten
hilft das Zeitzeugenbüro ebenfalls weiter.
Um mehr über den Haftort Hohenschönhausen herauszufinden, fanden auch umfangreiche Recherchen in anderen Archiven statt.
So wurde im Bauarchiv Berlin-Mitte zu den
Haftorten „Kleine Alexanderstraße“, „Marienstraße“, „Luisenstraße“, „Elsässer Straße“
und „Albrechtstraße“ recherchiert, bei denen
es sich um Vorgängereinrichtungen des
Untersuchungsge fängnisses in BerlinHohenschönhausen
handelt. Im Archiv
der Akademie der
Künste wurde der
Bestand
„Heinrich
George“ untersucht.
Zusammen mit des-

Abschlussbericht des EU-geförderten
Forschungsprojektes zur Auswertung
von Zeitzeugeninterviews

Studio der Gedenkstätte für
Zeitzeugeninterviews

46

Original-Ordnungs- und Verhaltensregeln für Inhaftierte in den
Untersuchungs­haftanstalten des MfS

sen Sohn Jan George wurden im November
2009 die vorhandenen Kopien und die Übersetzung der sowjetischen Haftakte seines
Vaters durchgesehen. Im Landesarchiv Berlin
wurde der Bestand „Hohenschönhausen“ und „Rummelsburg“ geprüft, der ebenfalls
Sach- und Häftlingsakten umfasst, die für die Gedenkstätte
relevant sind. Zur Recherche
nach ehemaligen Häftlingen
wurde zudem das historische
Archiv der Vereinigung der Opfer des Stalinismus (VOS) e. V.
in der Gedenkstätte Bautzener
Straße in Dresden aufgesucht.
Um weitere Erkenntnisse über
das Sperrgebiet in Berlin-Hohenschönhausen zu gewinnen,
wurde das Archiv der Niederbarnimer Eisenbahn-Aktiengesellschaft in Berlin-Mitte geprüft. Im Landesarchiv Berlin
und im Bundesarchiv fanden
schließlich Recherchen zu dem
Landwirt Hermann Wegener
sowie zum Maschinenfabrikanten Richard Heike statt, denen
das Gelände der Haftanstalt
und des Sperrgebiets BerlinHohenschönhausen ursprünglich gehörte. Die Gedenkstätte hat auch nach
Richtern und Staatsanwälten recherchiert, die
an politischen Strafverfahren beteiligt waren
(siehe Sammlungen: Zeitzeugenarchiv).
Einen Schwerpunkt bei den Nachforschungen bildete die namentliche Erfassung der
ehemaligen Gefangenen aus Berlin-Hohenschönhausen. Nach der Identifizierung sämtlicher Untersuchungshäftlinge des MfS – rund
11 000 in der Zeit von 1950 bis 1989 – konnten nunmehr auch die Namen der Häftlinge
des Haftkrankenhauses vollständig erfasst
werden. In dem Krankengefängnis wurden für
den Zeitraum 1959 bis 1989 insgesamt 3 187
Durchgänge auf den Ein- und Abgangslisten
festgestellt, wobei einige Untersuchungsgefangene auch mehrfach eingeliefert wurden.
Die Gesamtzahl der dort Inhaftierten betrug
3 174 Personen. Von den geschätzten 8 000
Insassen des Lagers X konnten bisher 1 002
Gefangene und von den ca. 16 000 bis 17 000
Insassen des sowjetischen Speziallagers Nr. 3
insgesamt 1 275 Gefangene namentlich ermittelt werden. Bei Recherchen zur Vorgängereinrichtung des zentralen MfS-Untersuchungsgefängnisses in der Berliner Albrechtstraße sowie
zu den Strafgefangenenarbeitskommandos in
Berlin-Hohenschönhausen wurden etwa 300
weitere Häftlinge identifiziert. Erfasst wurden

Forschung

auch 139 Häftlinge, darunter über 20 führende Partei- und Staatsfunktionäre der DDR, die
nach der Friedlichen Revolution in die Untersuchungshaftanstalt Berlin-Hohenschönhausen
kamen, nachdem diese am 15. Januar 1990
dem Innenministerium der DDR unterstellt
worden war. Durch all diese Untersuchungen
kam die Gedenkstätte ihrem selbstgesteckten
Ziel, die Namen aller in Hohenschönhausen Inhaftierten festzustellen, ein erhebliches Stück
näher.
Erstmals begann die Gedenkstätte
auch damit, die Ein- und Abgangslisten des
„Schwester-Gefängnisses“ in der Magdalenenstraße in Berlin-Lichtenberg auszuwerten.
Diese als UHA II bezeichnete zweite zentrale
Hafteinrichtung des MfS durchlief schätzungsweise jeder zweite Gefangene aus der UHA I
in Berlin-Hohenschönhausen. Beginnend mit
dem Zeitraum 1953 bis 1960 konnten die Daten von 5 400 Durchgängen erfasst werden.
Langfristig steht darüber hinaus die Aufgabe,
die Namen der Häftlinge in weiteren MfSHaftanstalten festzustellen. Über die Inhaftierten der Haftanstalt der Berliner Bezirksverwaltung in Pankow liegen zum Beispiel kaum
Erkenntnisse vor. Ehe alle der rund 250 000
politischen Gefangenen der DDR namentlich
bekannt sind, bedarf es noch zahlreicher mühseliger Recherchen.
Die Gedenkstätte hat sich auch bemüht,
die Untersuchungen zu den in Hohenschönhausen Verstorbenen weiterzuführen. Im Zusammenhang mit dem Projekt „Tote am MfSHaftort Berlin-Hohenschönhausen 1951-1989“
wurden Unterlagen im Krematorium BerlinBaumschulenweg (Einäscherungsregister) und
im Institut für Rechtsmedizin der Berliner Humboldt-Universität (Bestand „Obduktionen“)
recherchiert und Kopien davon angefertigt.
Im Berichtszeitraum wurden zudem alle 166
Personen erfasst, die in den Haftstätten Waldheim, Frankfurt (Oder), Dresden und Leipzig
hingerichtet wurden; 60 von ihnen durchliefen
zuvor den Haftort Berlin-Hohenschönhausen.
Im Berichtszeitraum führte die Gedenkstätte auch die aufwändige Anfertigung eines
Totenbuches fort. Ziel des Vorhabens ist es,
die Namen und Daten aller in Hohenschönhausen verstorbenen Lagerinsassen zu recherchieren und zu veröffentlichen. Aufgrund
personeller Veränderungen beim Suchdienst
des DRK in München, wo wichtige Unterlagen lagern, konnte das von der Bundesstiftung
Aufarbeitung geförderte Vorhaben erst 2008
breiter anlaufen. Bisher konnten Angaben
von 690 Personen ermittelt werden, deren
Tod im Speziallager Nr. 3 und in einigen Fällen
auch im kleinen Haftarbeitslager des Berliner
NKWD/MGB-Opersektors durch russisch-

Forschung

47

NSDAP und NSDAP-Mitgliedsnummer, versprachige Karteikarten des Ministeriums für
haftende Diensteinheit, Anlass der Verhaftung
Staatssicherheit der UdSSR (MGB) und durch
nach russischen Unterlagen, Sterbedatum) in
Beurkundungen des DRK-Suchdienstes in
eine Datenbank übertraMünchen belegt sind. Der
gen, die Grundlage der im
Schwerpunkt der RecherOktober 2011 erfolgten Verchen lag bei der Ermittlung
öffentlichung ist.
von weiteren Toten, der
Im Zusammenhang mit
eindeutigen Identifizierung
der Vorbereitung der Dauder Verstorbenen sowie bei
erausstellung wurden mehder Verifizierung ihrer biorere Werkverträge für kleigrafischen Grunddaten wie
nere Forschungsvorhaben
Geburtsdatum,
Geburtsvergeben, die größtenteils
ort, letzter Wohnort, Beruf,
bereits abgeschlossen wurgegebenenfalls
NSDAPRussische Karteikarte zu einem im
den.
Neben den vorstehend
Mitgliedschaft und Einsatz
sowjetischen Speziallager Nr. 3
erwähnten Recherchen zu
der Betroffenen während
Verstorbenen (Friedrich Bechler)
den in Hohenschönhausen
des Zweiten Weltkrieges.
Verstorbenen und den erwähnten bauarchäoIn diesem Kontext wurden komplizierte und
logischen Untersuchungen wurden unter anzeitaufwändige Recherchen in der historischen
derem zu den Transportfahrzeugen des MfS,
Berliner Einwohnermeldekartei im Landesden
Strafgefangenenararchiv Berlin, im ehemabeitskommandos,
dem
ligen Bestand Document
Haftkrankenhaus
sowie
Center des Bundesarchivs
den Mitarbeitern der HaftBerlin, in den Materialien
anstalt Analysen angeferder Wehrmachtsauskunftstigt. Mit eigenen Kräften
stelle (WASt), bei der
wurde auch nach der HerStasi-Unterlagen-Behörde,
kunft eines im Besitz der
in den Sammlungen der
Gedenkstätte befindlichen
Dokumentationsstelle WiWartburgs und nach der
derstands- und RepressiNutzung der Sauna für das
onsgeschichte in der NSMfS-Personal recherchiert.
Zeit und der SBZ/DDR bei
Um externe Wissender Stiftung Sächsische
schaftler zu motivieren,
Gedenkstätten in Dresden
sich mit der Geschichte
und im siebenbändigen
des Haftortes zu befassen,
Berliner Adressbuch von
hat die Gedenkstätte auf
1943 durchgeführt. Umihrer Website einen Aufruf
fangreiche Unterlagen stellten auch das Standesamt I
veröffentlicht, in dem sie
beim Landesamt für Büreinschlägigen Forschungsger- und Ordnungsangevorhaben ihre Unterstütlegenheiten in Berlin, das
zung zusichert. Aus diesem
Standesamt
Berlin-LichGrunde hat sich im Betenberg sowie die Lagerrichtszeitraum erneut eine
Transportliste des sowjetischen
gemeinschaft Ketschendorf
Reihe
junger Wissenschaftler
Speziallagers Nr. 3
und die Gedenkstätte Buan die Stiftung gewandt. Die
chenwald zur Verfügung. Zahlreiche Anfragen
Gedenkstätte unterstützte in diesem Zusamgingen weiterhin an Standesämter, Meldemenhang ein Dissertationsvorhaben über die
stellen, Heimatarchive und Regionalarchive in
Inhaftierten und ein zweites über das Personal
der Bundesrepublik. Wenig kooperativ verhielt
der Untersuchungshaftanstalt Berlin-Hohensich dagegen die Leitung der Gedenkstätte
schönhausen. Eine Diplomarbeit zur GeschichSachsenhausen. Mit Verweis auf den Persote der Strafvollzugsanstalt Rummelsburg, für
nen- und Datenschutz – welcher eigentlich nur
die unter Vermittlung der Gedenkstätte der
in wenigen Ausnahmefällen relevant ist – verunbearbeitete Bestand im Berliner Landesarweigerte sie die Arbeit mit Kopien aus dem
chiv erstmals ausgewertet wurde, wurde im
Moskauer Staatsarchiv und den Unterlagen ihBerichtszeitraum abgeschlossen. Eine andere
res Zeitzeugenarchivs. Seit Oktober 2009 wurzum Thema „Menschenrechtsverletzungen in
den ausgewählte biografische Daten (Name,
Berlin-Hohenschönhausen“ konnte aus privaVorname, Geburtsdatum, Geburtsort, letzter
ten Gründen bisher noch nicht fertiggestellt
Wohnort, gegebenenfalls Eintrittsdatum in die
werden.

48

Monitore und Scheinwerfer aus der
Sammlung der Gedenkstätte

Sammlungen
Die Gedenkstätte unterhält eine Reihe von
Sammlungen und Archiven mit Materialien zur
Geschichte des Haftortes Berlin-Hohenschönhausen und zum System der politischen Justiz in der DDR. In der Objektsammlung werden dreidimensionale Gegenstände aus der
ehemaligen Untersuchungshaftanstalt und
angrenzenden Themenbereichen aufbewahrt.
Daneben verfügt die Gedenkstätte über ein
Fotoarchiv, ein Zeitzeugenarchiv und ein Dokumentenarchiv. Außerdem gehören eine Bibliothek und eine Mediathek zur Ausstattung.
Sämtliche Sammlungen sind über Datenbanken erschlossen.

Objektsammlung
Das größte Objekt der Gedenkstätte
Berlin-Hohenschönhausen ist das denkmalgeschützte Gebäudeensemble mit seinen
authentischen Räumen. Dazu gehören nicht
nur die typischen PVC-Fußbodenbeläge, der
schlichte Anstrich der Zellen und Zellenflure,
die gemusterten Tapeten in den Vernehmerbüros und den Fluren, sondern auch das gesamte
Mobiliar aus der Haftanstalt.
Der Erhalt dieses Großobjektes ist mit
erheblichem Aufwand verbunden. Die historischen Oberflächen weisen durch Alterung,
Witterungseinflüsse und den Besucherbetrieb
zum Teil starke Schäden auf. Auch die Möbel
unterliegen, vor allem durch unsachgemäße
Berührungen der Besucher, einer massiven
Abnutzung. Mitarbeiter der Gedenkstätte inspizieren täglich den musealen Rundgang und
sorgen dafür, dass kleinere Mängel und Schäden von der Haustechnik repariert werden.
Größere Schäden werden der Senatsbauverwaltung gemeldet, damit sie durch externe
Handwerker behoben werden.
Darüber hinaus verfügt die Gedenkstätte
über zahlreiche weitere Objekte, die nicht ge-

zeigt werden. Dieser Bestand aus Uniformen,
Gegenständen aus dem Gefängnisbetrieb,
Dokumenten von Opposition und Widerstand
oder Erinnerungsstücken früherer Häftlinge ist
in den letzten Jahren sukzessive angewachsen. Ein Teil der Neuzugänge stammt aus den
Recherchen für die zentrale Dauerausstellung.
Noch viel größer ist ein Bestand, der im Jahr
2001 wegen bevorstehender Bauarbeiten
ausgelagert wurde und erst im Jahr 2009
zurückgeführt werden konnte. Insgesamt elf
LKW-Ladungen mit Gegenständen kamen in
zum Teil sehr schlechten Zustand zurück in
die Gedenkstätte. Ein ähnlich umfangreiches
Konvolut kam im Februar 2010 in Form der
Gefängnisbibliotheken der Haftanstalten Hohenschönhausen, Pankow, Rummelsburg und
Köpenick, die der Verein Help e. V. der Gedenkstätte überließ. Die Stiftung verfügt damit über
die größte Sammlung an Objekten aus DDRHaftanstalten.
Angesichts der Dimensionen der Neuzugänge konnten diese zunächst nur provisorisch
eingelagert werden. Wegen des vermuteten
Schädlingsbefalls war eine Quarantänelagerung aber ohnehin unumgänglich. Erwartungsgemäß waren Schädlingsbekämpfungsmaßnahmen an den Textilien notwendig. Da es sich
bei den zurückgeführten Gegenständen zum
Teil um demontierte Möbel aus der Haftanstalt
handelte, mussten die Schrankteile anhand
von Fotos herausgesucht und aufwändig zusammengebaut werden. Diese Arbeiten konnten im 1. Quartal 2010 abgeschlossen werden.
Umfangreiche Umräumarbeiten wurden auch
durch den geplanten Umbau der Gedenkstätte
erforderlich. Für die Bauarbeiten in den Garagen musste für die dort gelagerten Großobjekte ein neuer Standort gefunden werden. Als
Außendepot für Großobjekte soll künftig die
ehemalige Tischlerei im Werkstatthof dienen.
Langfristig sollen die rückgeführten Objekte, wie alle Exponate, im Zentraldepot der

Sammlungen

Gedenkstätte untergebracht werden. Nach
Abschluss der Baumaßnahme „Depot“ stehen der Stiftung dort insgesamt 32 Räume
für die Objektsammlung zur Verfügung, davon
vier Räume mit Schränken für Textilien, ein
Raum mit Grafikschränken für Flachware, vier
Arbeitsräume, sowie 21 Räume mit Regaleinheiten. In den Fluren befinden sich zusätzlich
15 Gitter zur Installation von Bildmaterial. Eine
Langzeitklimamessung im Zentraldepot soll
die Lagerungsbedingungen der Objekte langfristig dokumentieren. Über Klimalogger werden regelmäßig Daten erhoben, ausgelesen
und dokumentiert. Die Ergebnisse der Klimamessungen ergaben, dass für die Be- oder
Entfeuchtung einzelner Depots spezielle Klimageräte angeschafft werden mussten.
Im Zentraldepot werden die Objekte nach
Sach- und Materialgruppen fachgerecht gelagert, zum Beispiel in säurefreien Kartons für
Papieraufbewahrung, Pergaminhüllen für Fotos und in der Größe nach angepassten Aufbewahrungsmöglichkeiten für Orden, Münzen
und Schulterklappen. Die Notdepots der Gedenkstätte wurden sukzessive aufgelöst und
die Objekte nach einer Quarantänephase in das
Zentraldepot umgelagert. Ohne die Unterstützung zweier befristet eingestellter Museologen wäre diese umfangreiche Arbeit, die noch
lange nicht abgeschlossen ist, nicht zu leisten
gewesen. Dennoch bietet die Objektsammlung bereits heute eine wesentliche Grundlage
für die Erarbeitung der Dauerausstellung und
für die Ausstattung des Rundgangs.
Die eingelagerten Objekte werden alle
inventarisiert. In einer speziellen Objektdatenbank werden nicht nur Maße, Farbe und
Material erfasst, sondern auch ein Foto und
alle Angaben zur Herkunft und Bedeutung des
Exponats. Die Datenbank umfasst mittlerweile
7 584 Datensätze mit schätzungsweise 10 000
bis 15 000 Objekten. Allein im Jahr 2010 wurden 625 neue Datensätze angelegt. Darunter
befanden sich Objekte wie Kalender, Postkarten, Broschüren und Zeitschriften, aber auch
Observationsgeräte, Büromöbel, Büsten und
Baustellenfunde. Die Datenbank wird regelmäßig für Objektrecherchen herangezogen.
Die Inventarisierung der erwähnten umfangreichen Neuzugänge wird sicherlich noch einige Jahre in Anspruch nehmen und ist ohne
zusätzliche personelle Unterstützung kaum zu
schaffen.
Über die Datenbank wird auch der Leihverkehr der Gedenkstätte abgewickelt. Leihnehmer waren unter anderem die Frankfurter
Außenstelle der Stasi-Unterlagen-Behörde,
das inzwischen neu eröffnete Militärhistorische Museum der Bundeswehr in Dresden
und das Goethe-Institut in Kiew. Eine Buch-

49

Sammlungsgegenstände: Bildnisse des Vorsitzenden des Ministerrats,
Willi Stoph, (links) und des Staatsratsvorsitzenden Walter Ulbricht

Unterschiedliche Tapeten im Vernehmertrakt des Gefängnisses und im Haftkrankenhaus

Heimlich von einem Häftling angefertigtes Kartenspiel, gefunden bei Bauarbeiten in Zelle 313

50

Historisches MfS-Foto der Einfahrt ins
Sperrgebiet Hohenschönhausen in der
Freienwalder Straße (1988)

vorstellung mit Preisverleihung zum Thema Jugendwerkhof Torgau und eine Ausstellung im
ehemaligen MfS-Gefängnis in Cottbus wurden
ebenfalls mit Leihgaben unterstützt. Objekte
wurden zudem für verschiedene Filmproduktionen verliehen. So stellte die Gedenkstätte für
die Ausstattung eines Films zum Strafvollzug
in Cottbus Schlüssel, Handschellen, Geschirr
und Besteck sowie Toilettenkübel bereit. Die
Stiftung profitiert zwar nicht direkt von diesen
Leihgaben, doch die Herkunftshinweise der
verschiedenen Nutzer stellen eine gute Werbung dar.

Fotoarchiv
Im Fotoarchiv, das aus einem physischen
und einem elektronischen Archiv besteht, werden Fotografien unterschiedlicher Herkunft
gesammelt. Es enthält vor allem historische
Aufnahmen sowie Bilder, die die Tätigkeit
der Gedenkstätte dokumentieren. Ein großer
Bestand an Fotografien existiert zudem über
Objekte, die von der Gedenkstätte gesammelt
und inventarisiert wurden (siehe Objektsammlung).
Das Fotoarchiv wurde im Berichtszeitraum
weiter ausgebaut. Allein durch die regelmäßige Bilddokumentation bei Veranstaltungen,
VIP-Besuchen und Ausstellungen sind Hunderte digitale Fotografien hinzugekommen. Bei
der Erteilung von Fotografiergenehmigungen
hat es die Gedenkstätte außerdem zur Auflage
gemacht, dass sie von den Aufnahmen Beleg-

Sammlungen

exemplare erhält und diese kostenlos für Bildungszwecke nutzen darf. Im Berichtszeitraum
wurden 33 solcher Genehmigungen erteilt.
Der Bestand des physischen Archivs vergrößerte sich in den letzten beiden Jahren um
50 Prozent – von 1 400 auf 2 100 Fotografien;
hinzu kamen etwa 300 Diapositive. Zu den
Fotoabzügen gehören seltene historische Innen- und Außenaufnahmen des Haftortes mit
diversen Ansichten und Details. Die meisten
dieser Fotografien stammen allerdings aus der
Zeit unmittelbar nach Schließung der Haftanstalt, während aus dem eigentlichen Gefängnisbetrieb so gut wie keine Bilder vorliegen.
Das elektronische Archiv vergrößerte sich im
Berichtszeitraum von 9 100 auf 16 600 Bildmedien – ein Zuwachs von 82 Prozent. Bei den
Neuzugängen handelte es sich vor allem um
Fotografien von Veranstaltungen, Ausstellungen und prominenten Besuchern. Auch das
Bildmaterial, das im Zeitzeugenarchiv bei den
Unterlagen ehemaliger Häftlinge gelagert ist,
wurde digital erfasst. Technische Probleme
und fehlende personelle Kapazitäten führten
dazu, dass die geplante Erschließung mit einer
Fotoarchivierungssoftware noch immer nicht
abgeschlossen werden konnte.
Das Fotoarchiv steht nicht nur den Mitarbeitern, sondern auch Außenstehenden zur
Verfügung. Insbesondere bei Recherchen für
Presseveröffentlichungen, Bildvorträge, Publikationen und Forschungsvorhaben leistete es
hilfreiche Dienste. Bilddateien wurden in den
gängigen Formaten häufig auch elektronisch
versandt.

Zeitzeugenarchiv
Im Zeitzeugenarchiv werden die personenbezogenen Unterlagen zu allen ehemaligen
Häftlingen gesammelt, die der Gedenkstätte
bisher bekannt geworden sind. Zu jedem Zeitzeugen wird eine Akte geführt, in der neben
historischen Unterlagen auch der Kontakt zur
Gedenkstätte sowie eventuelle Veröffentlichungen dokumentiert werden. Sofern vorliegend, werden insbesondere der ausgefüllte
Fragebogen mit den Grunddaten zur Haft, das
Zeitzeugeninterview, vorhandene amtliche Akten (insbesondere des MfS), Rehabilitierungsunterlagen, Erinnerungsberichte, Briefe, Fotos
und andere relevante Dokumente archiviert.
Bei den MfS-Akten handelt es sich meist um
Kopien, bei den übrigen Unterlagen teilweise
um Originale.
Das physische Zeitzeugenarchiv umfasst
derzeit etwa 85 laufende Regalmeter. Zu ca.
2 000 ehemaligen Häftlingen sind dort Akten
angelegt. Die Materialien dienen als Grundlage

Sammlungen

für Recherchen, Publikationen und Ausstellungen. Besonders im Zuge der Vorarbeiten zur
neuen Dauerausstellung der Gedenkstätte ist
dieser Aktenbestand von Bedeutung. Unter
Berücksichtigung des Datenschutzes wurden
sie aber auch externen Wissenschaftlern, Journalisten oder anderen Interessierten zur Verfügung gestellt. Ein mit der Fachhochschule
Potsdam durchgeführtes Projekt „Überarbeitung/Neuordnung des Zeitzeugenarchivs“, das
im Juni 2008 begann, lief im Berichtszeitraum
aus. Neben der einheitlichen Verzeichnung aller schriftlichen Unterlagen wurden auch die
dazugehörigen Datensätze vereinheitlicht bzw.
nach Sichtung des physischen Archivs korrigiert und ergänzt.
Daran angelehnt erfolgt der Aufbau einer
physischen Ablage für die verschiedenen Haftanstalten bzw. Haftorte in der SBZ/DDR.
Außer im physischen Archiv werden die
Häftlinge auch in einer Datenbank („Perso­
nendatenbank“) erfasst. So können die Mitarbeiter der Gedenkstätte von jedem Intranet-Arbeitsplatz selbständig und schnell nach
einzelnen Gefangenen recherchieren – zum
Beispiel zur Beantwortung von Anfragen durch
Medien, Versorgungsämter, Betroffene oder
deren Angehörige. Wenn vorhanden, sind dort
auch die Haftzeiten und -orte, der Tatvorwurf,
weitere Angaben aus dem Fragebogen, das
transkribierte Zeitzeugeninterview sowie Hinweise auf andere Materialien und Quellen gespeichert.
Die Personendatenbank verzeichnet gegenwärtig mehr als 1 400 der Gedenkstätte
persönlich bekannte ehemalige Häftlinge.
Darin enthalten sind auch inzwischen verstorbene Häftlinge sowie solche, die in anderen
MfS-Haftanstalten, vorwiegend in der Berliner
Magdalenenstraße, in Berlin-Pankow oder in
anderen Bezirksgefängnissen des MfS inhaftiert waren. Die Angaben in der Datenbank
wurden mit den physischen Unterlagen regelmäßig abgeglichen und gegebenenfalls berichtigt, ergänzt oder aktualisiert. In der Datenbank
werden auch andere relevante Personen, insbesondere Mitarbeiter des Gefängnisses, erfasst.
Die Struktur der Personendatenbank wurde 2009 dahingehend verändert, dass unter einem Namen auch Mehrfachverhaftungen und
die zeitliche Abfolge verschiedener Haftaufenthalte dokumentiert werden können. Zudem
wurde eine Verknüpfung zwischen der Eingabemaske für Gefangene und für MfS-Mitarbeiter installiert, sodass bei entsprechender
Ausfüllung der Datenfelder angezeigt werden
kann, welche Untersuchungsgefangenen von
welchem Vernehmer verhört wurden. Auch
die Zellennummer kann, soweit bekannt, zu

51

jedem Gefangenen erfasst werden. Die bereinigte Datenbank enthält gegenwärtig 19 321
Einträge zu unterschiedlichen Personen. Davon beziehen sich etwa 10 800 Datensätze
auf Frauen und Männer, die in den komplett
überlieferten Ein- und Abgangsbüchern des
ehemaligen MfS-Untersuchungsgefängnisses
Berlin-Hohenschönhausen und deren Vorgängereinrichtung in der Albrechtstraße in BerlinMitte aufgelistet sind.
Darüber hinaus lassen
sich über die Perso­
nendatenbank Informationen zu 1 046 MfSMitarbeitern abrufen,
die zum überwiegenden Teil im Sperrgebiet
H o h e n s ch ö n h a u s e n
beschäftigt waren.
Die
Forschungsdatenbanken der Gedenkstätte wurden im
Berichtszeitraum noch
in anderer Hinsicht
überarbeitet. So war es
notwendig, alle Datensätze, die im Zusammenhang mit der Speziallagerthematik stehen,
aus der Personendatenbank herauszunehmen
und in eine gesonderte
Speziallager-Datenbank
zu überführen. Wegen
der russischen Quellen sind die Personen
oftmals nicht eindeutig
zu identifizieren,
außerdem kann es zu
Mehrfachnennungen
von Namen kommen,
so dass mögliche statistische
Auswertungen verfälscht würden.
Erst wenn eine Person
aus der SpeziallagerQuellendatenbank mit
Hilfe deutschsprachiger
Unterlagen eindeutig
identifiziert wurde, wird
für sie ein Datensatz in
der
Personendatenbank angelegt bzw. ein
vorhandener ergänzt.
Die neue SpeziallagerDatenbank enthält gegenwärtig 40 307 Datensätze mit transkribierten Häftlingsnamen.
Darunter befinden sich Angaben über alle im
Lager Ketschendorf Verstorbenen (4 621 Per-

Eindrücke aus dem Zeitzeugenarchiv
der Gedenkstätte

52

Plan der sowjetischen Untersuchungshaftanstalt und des Lagers, 1950

Sammlungen

sonen) und 6 284 Informationseinheiten über
Internierte aus den Transporten nach Weesow/
Landsberg.
In einer weiteren Datenbank werden
Richter und Staatsanwälte, die an politischen
Strafverfahren beteiligt waren, registriert
(„Prozessdatenbank“). Sie enthält Angaben
zu insgesamt 3 370 politischen Prozessen zwischen Oktober 1949 und Oktober 1989. In der
Datenbank kann nach Gerichtsterminen, Gerichtsstandorten, Gerichtsarten, Angeklagten,
Richtern, Anklägern und Verteidigern recherchiert werden. Auch Anklagepunkte, Verurteilungsparagraphen und Strafhöhen werden angegeben. Registriert sind ferner Hinweise auf
den Haftort, Einflussnahmen oberster SEDGremien sowie Veröffentlichungen. Die Datenbank ist mit der Personendatenbank verknüpft,
sodass die Bestände des Zeitzeugenarchivs
mit abgefragt werden können.
Nach heutigem Kenntnisstand sind in der
Datenbank sämtliche Prozesse mit prominenten Angeklagten, nahezu alle erstinstanzlichen
Verfahren vor dem Obersten Gericht sowie
jeder Prozess, der mit einem Todesurteil endete, verzeichnet. Weitere Schwerpunkte bilden
Prozesse gegen Teilnehmer des Volksaufstandes 1953, Mitglieder der CDU, Studenten,
Zeugen Jehovas, vermeintliche und tatsächliche Spione, Bürgerrechtler, Fluchtwillige, kriminalisierte Ausreisewillige sowie Mitarbeiter
des Ostbüros der SPD, der Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit (KgU) und des Untersuchungsausschusses freiheitlicher Juristen
(UfJ). Auch Prozesse gegen NS-Täter, die ab
etwa 1965 nur noch in Hohenschönhausen
einsaßen, sind in der Datenbank verzeichnet.

Dokumentenarchiv
Plan der Untersuchungshaftanstalt und des Lagers X, April 1959

Plan des Sperrgebiets Hohenschönhausen, Ende der 80er Jahre

Neben dem Zeitzeugenarchiv führt die
Gedenkstätte ein Dokumentenarchiv, in dem
Sachakten über den Haftort Hohenschönhausen gesammelt und erschlossen werden. Das
Spektrum der hier archivierten Dokumente
reicht von der sogenannten Haftraumordnung
mit genauen Verhaltensregeln für Inhaftierte
über Schulungsmaterial für Gefängnisbedienstete bis hin zu Unterlagen über Baumaßnahmen in der Haftanstalt. Der Bestand setzt sich
überwiegend aus Kopien von Akten des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) zusammen,
die die Stasi-Unterlagen-Behörde zur Verfügung gestellt hat. In geringerem Umfang sind
auch Kopien aus anderen Archiven abgelegt,
etwa aus dem Bundesarchiv, dem Berliner
Landesarchiv, dem Archiv für soziale Demokratie und dem Bauarchiv des Bezirks Lichtenberg. Im Berichtszeitraum konnte dieses

Sammlungen

Archiv um mehrere hundert Blatt Kopien aus
Akten des Staatssicherheitsdienstes erweitert werden. Neu hinzu kamen insbesondere
Kader- und Gerichtsakten ehemals in Hohenschönhausen beschäftigter MfS-Mitarbeiter
sowie Dienstanweisungen und Schulungsmaterial für Mitarbeiter der Hauptabteilung XIV.
Der Aktenbestand ist dadurch auf etwa 16 laufende Regalmeter angewachsen.
Das Dokumentenarchiv ist über eine Datenbank („MfS-Datenbank“) erschlossen. Die
Unterlagen werden darin von Hilfskräften erfasst und nach Personen, Sachverhalten und
Institutionen verschlagwortet. Aufgrund personeller und räumlicher Engpässe konnten jedoch im Berichtszeitraum nur wenige Einträge
vorgenommen werden. Ihre Zahl stieg von
1 330 (2008) auf 1 365 (2010). Die Dokumentendatenbank ist von jedem Arbeitsplatz abrufbar und kann auch von externen Wissenschaftlern für Recherchen genutzt werden.

Bibliothek
Im Hauptgebäude verfügt die Gedenkstätte
über eine eigene Fachbibliothek. Schwerpunkte bilden Darstellungen zum Haftort Hohenschönhausen, zur Geschichte der politischen
Justiz in der DDR, zu Opposition und Widerstand sowie zum Ministerium für Staatssicherheit. Ein besonderer Stellenwert kommt dabei
biografischen oder autobiografischen Schriften
über ehemalige Häftlinge zu. Darüber hinaus
zählen Darstellungen zur DDR-Geschichte, zur
Nachkriegsentwicklung in Deutschland sowie
zu den Ost-West-Beziehungen zum Bestand.
Schließlich sammelt die Bibliothek grundlegende Werke über das Phänomen politischer Verfolgung in anderen Diktaturen, insbesondere
in der Sowjetunion, in Osteuropa und im Nationalsozialismus. Fachliteratur zur Gedenkstättenarbeit, allgemeine Nachschlagewerke und
Bibliografien zu den oben genannten Themen
vervollständigen den Bestand.
Nach Maßgabe ihrer finanziellen Möglichkeiten hat die Stiftung den Bestand der Bibliothek kontinuierlich erweitert. Im Berichtszeitraum wurden für mehr als 56 331 Euro
Bücher und Zeitschriften angeschafft. Dabei
wurden nicht nur Neuerscheinungen, sondern
auch ältere, nur noch antiquarisch verfügbare
Bücher erworben. Zudem konnten kostenlose
Dubletten aus anderen Bibliotheken übernommen werden. Weitere Schenkungen erfolgten
durch Privatpersonen, meist durch ehemalige
politische Häftlinge. Insgesamt wurden in den
Jahren 2009/2010 mehr als 1 200 Titel neu verzeichnet, was einem Zuwachs von 20 Prozent
entspricht.

53

Mangels entsprechenden Personals arbeitet die Bibliothek nicht als Leih-, sondern als
Präsenzbibliothek. Sie dient vor allem der Arbeit und der Qualifizierung der festen und freien Mitarbeiter, kann aber auch von Schülern,
Studenten, Doktoranden, Journalisten und anderen Interessierten sowie bei Seminaren und
Projekttagen genutzt werden. Die Bibliothek
steht den Nutzern von Montag bis Freitag zwischen 9 und 17 Uhr zur Verfügung. Neuerscheinungen und aktuelle Zeitschriften werden an
exponierter Stelle präsentiert. Ein Computerarbeitsplatz und ein Besprechungstisch erlauben
weitergehende Nutzungen, zum Beispiel für
die Arbeit in Kleingruppen. Interessierte können dort nicht nur in der Bibliotheks- und Mediatheksdatenbank der Gedenkstätte suchen,
sondern auch im Internet recherchieren oder
Film- und Tondokumente abspielen.
Der gesamte Buchbestand ist in einer elektronischen Datenbank erfasst („Bibliotheksdatenbank“). Die Bücher werden dort nicht nur
mit Autor und Titel verzeichnet, sondern auch
verschlagwortet; zudem wird hier die Ausleihe für die Gedenkstättenmitarbeiter vermerkt.
Mittels einer Eingabemaske können die Nutzer
den Buchbestand durchsuchen. Die Datenbank
ist von allen vernetzten Arbeitsplätzen in der
Gedenkstätte aus nutzbar, was bei Recherchen
eine erhebliche Zeitersparnis bedeutet. Im Berichtszeitraum stieg die Zahl der Datensätze
von 6 079 auf 7 301, was einem Zuwachs von
20 Prozent entspricht.

Mediathek
Entsprechend ihrer Satzung unterhält die
Gedenkstätte auch eine eigene Mediathek.
Zum Bestand gehören unter anderem TV-

Bibliothek der Gedenkstätte BerlinHohenschönhausen

54

Cover des Einführungsfilms der
Gedenkstätte

Dokumentationen über wichtige historische
Ereignisse, Zeitzeugenporträts, themenbezogene Spielfilme und Diskussionsrunden sowie
Fernsehberichte über das MfS und die SEDDiktatur. Im Berichtszeitraum wurden mehr als
200 Medieneinheiten neu aufgenommen, was
einer Steigerung von 20 Prozent entspricht.
Der Gesamtbestand umfasste Ende 2010 etwa
1 200 Ton- und Bildträger zum Themenkreis
DDR-Geschichte und politische Verfolgung in
der kommunistischen Diktatur.
Ein erheblicher Teil der Neuzugänge basierte auf der Ablieferungspflicht von Fernsehsendern und Produktionsfirmen, die in der Gedenkstätte Dreharbeiten durchgeführt hatten.
Zudem wurden durch eigene Medienbeobachtung einschlägige Filme im Fernsehen aufgezeichnet. Darüber hinaus hat die Gedenkstätte Mitschnitte ihrer Veranstaltungen auf DVD
gebrannt. Die in der Mediathek aufbewahrten
Fernseh-, Film- und Hörfunkproduktionen belegen nicht nur die vielfältige Arbeit der Stiftung,
sondern stellen auch für die Zukunft wichtige
Zeitzeugnisse dar. Häufig berichten darin Ver-

Blick in die Mediathek der Gedenkstätte

Sammlungen

folgte über ihre Hafterfahrungen in Hohenschönhausen. Zugleich dokumentieren sie den
Prozess der öffentlichen Aufarbeitung nach
dem Ende der SED-Diktatur. Sie stehen aber
auch für Seminare, Veranstaltungen und Recherchen nach Bild- und Tonmaterial, beispielsweise für Ausstellungszwecke, zur Verfügung.
Die Ton- und Bildträger bestehen aus den
gängigen Formaten DVD, CD-ROM, VHS und
Audio-Kassetten. Um die Aufnahmen vor dem
Verfall zu schützen, wurden im Berichtszeitraum zahlreiche VHS-Videos auf DVD kopiert.
Sämtliche Medien sind in einer elektronischen
Datenbank („Mediatheksdatenbank“) erfasst,
so dass Recherchen leicht von allen IntranetArbeitsplätzen der Gedenkstätte aus möglich
sind. In der Mediathek steht auch die erforderliche Technik zur Verfügung, damit Mitarbeiter
und Außenstehende die Beiträge auswerten
oder Veranstaltungen und Seminare vorbereiten können. Interessierte können die Mediathek nach vorheriger Terminabsprache von
Montag bis Freitag zwischen 10 und 16 Uhr
nutzen.

55

Öffentlichkeitsarbeit
Eine wichtige Rolle in der Arbeit der Gedenkstätte spielt die Öffentlichkeitsarbeit. Ein
Beitrag in einem populären Fernsehprogramm
oder ein Artikel in einer führenden Tageszeitung erreicht oft mehr Menschen, als es in
einem Jahr als Besucher im ehemaligen StasiGefängnis gibt. Die Stiftung war im Berichtszeitraum Gegenstand eines außerordentlich
großen Medieninteresses, was unter anderem
mit dem 20. Jahrestag von Mauerfall und Wiedervereinigung zusammenhing. Durch intensive Öffentlichkeitsarbeit hat die Gedenkstätte
aber auch selbst immer wieder Journalisten
zur Berichterstattung angeregt.
Zwischen Januar 2009 und Dezember 2010
erschienen mehr als 2 000 Medienberichte, in
denen die ehemalige Untersuchungshaftanstalt, die Gedenkstätte oder ihre Mitarbeiter
Erwähnung fanden. Gegenüber den Jahren
2007/2008 (gut 1 700 Berichte) bedeutet dies
einen Zuwachs von rund 18 Prozent. Im Durchschnitt wurde die Stiftung damit fast dreimal
täglich in den Medien erwähnt. Neben 97
Fernseh- und Radiobeiträgen waren es vor allem zahlreiche Artikel in Print- und Onlinemedien, die die Gedenkstätte durch eigene Medienbeobachtung (Pressespiegel) erfasst hat. Im
Internet war sie auf etwa 80 Websites mit Informationen und Programmkalender vertreten.
In diesen Zahlen sind die Veranstaltungs- und
Programmhinweise in den Berliner Tages- und
Wochenzeitungen, den Wochenendbeilagen
oder den Stadtillustrierten Tip und Zitty ebenso
wenig enthalten wie die in der Gedenkstätte
entstandenen Dokumentarfilme oder Fotoserien.
Das Spektrum der Berichterstattung reichte von Artikeln über Veranstaltungen oder
Ausstellungseröffnungen über Reportagen
bis hin zu aktuellen Interviews und Stellungnahmen von Mitarbeitern der Gedenkstätte.
Immer wieder wurden auch einzelne in Hohenschönhausen Inhaftierte porträtiert, da-

runter eine Reihe von Besucherreferenten.
Große Aufmerksamkeit fanden zum Beispiel
der Besuch der Bundeskanzlerin, das zehnjährige Bestehen der Stiftung Gedenkstätte
Berlin-Hohenschönhausen, die Kunstaktion
„Stasi-Live-Haft“, die zweimillionste Besucherin sowie die Ausstellung „Gewalt hinter Gittern“. Einen regelrechten Medienansturm erlebte die Gedenkstätte zum 20. Jahrestag des
Mauerfalls am 9. November 2009: 15 verschiedene Fernseh- und vier Hörfunkteams, unter
anderem aus Frankreich, Spanien, Großbritannien, Portugal und Polen, waren vor Ort, um
ihre Beiträge aufzuzeichnen. CNN berichtete
am 5. November live aus dem früheren StasiGefängnis. Bei öffentlichen Debatten zur DDRVergangenheit – etwa über die sogenannte
Kurras-Affäre, über Stasi-belastete Abgeordnete in Brandenburg oder über das Videospiel
1 378 (km) – war häufig auch die Meinung des
Gedenkstättendirektors gefragt.
Für viele Journalisten ist die Gedenkstätte
ein bedeutender Ansprechpartner, wenn es
um die Geschichte der DDR oder den Staatssicherheitsdienst geht. Neben den großen Berliner Medien (unter anderem rbb, TV-Berlin, Berliner Morgenpost, Der Tagesspiegel, Berliner
Zeitung, B.Z.) wandten sich auch viele überregionale Fernsehsender (unter anderem ARD,
ZDF, MDR, WDR, Sat.1, N-TV, N24, DW-TV),
Printmedien (unter anderem Spiegel, Focus,
Die Zeit, Die Welt, FAZ, FAS, Bild) und große
Online-Portale (unter anderem Spiegel-Online,
Focus-Online, Welt-Online, www.tagesschau.
de, www.heute.de) immer wieder an die Stiftung.
Auch international stieß die Gedenkstätte auf ein erstaunliches Medieninteresse. Im
Schnitt kamen einmal pro Woche ausländische
Journalisten in die Gedenkstätte (beispielsweise aus Großbritannien, Frankreich, Finnland,
Serbien, Japan, Schweden, Russland und den
USA) und veröffentlichten vielfach Reportagen

Pressestatement beim Besuch von
Bundeskanzlerin Angela Merkel,
Mai 2009

56

Öffentlichkeitsarbeit

über die ehemalige Untersuchungshaftanstalt
oder führten Interviews mit ehemaligen Inhaftierten.

Medienbetreuung

Pressekonferenz zur Internet-Kunstaktion „Stasi-Live-Haft“, 29. Oktober 2009

Presserundgang zum Umbau der Gedenkstätte, 12. August 2010

Schlagzeilen von Zeitungsberichten zur Gedenkstätte

Zu einer professionellen Öffentlichkeitsarbeit gehört es, Anfragen von Journalisten zeitnah und qualifiziert zu beantworten. Vor allem
bei tagesaktueller Berichterstattung werden
Informationen oftmals binnen kurzer Zeit benötigt. Schnelle Hilfe bei der Recherche, die Vermittlung kompetenter Gesprächspartner und
sachkundige Einschätzungen zu historischen
Sachverhalten waren ein wesentliches Element der Medienbetreuung durch die Gedenkstätte. Ihre starke Präsenz in der Öffentlichkeit
resultierte auch daraus, dass viele Journalisten wissen, dass sie in Hohenschönhausen
zuverlässige und informierte Ansprechpartner
finden.
Ein wichtiger Anlaufpunkt ist die Gedenkstätte besonders, wenn es um die Vermittlung
von Zeitzeugen geht. Schon auf der Website
der Stiftung können Journalisten unter den
Besucherreferenten nach interessanten Gesprächspartnern suchen. Nach Rücksprache
mit den Betroffenen wird der Kontakt vermittelt. Die Stiftung erhielt zudem zahlreiche Anfragen, bei denen der historische Ort im Mittelpunkt stand. Im Berichtszeitraum wurden
mehr als 200 Film-, Hörfunk- und Fotoanfragen
gezählt. In vielen Fällen baten Journalisten
auch um eine Bewertung aktueller Vorgänge,
bei denen es um die Folgen des SED-Unrechts
ging. Neben einer fachlichen Einschätzung
bestimmter Sachverhalte – zum Beispiel von
Stasi-Verstrickungen einzelner Personen oder
Defiziten im Geschichtsunterricht – ging es ihnen dabei oftmals auch um ein Urteil aus der
Perspektive der einst Verfolgten.
Einen wichtigen Bereich der Medienbetreuung bildete auch die Bearbeitung von
Dreh- oder Fotoanfragen. Die über 100 im
Berichtszeitraum eingegangenen Anträge
mussten jeweils genau geprüft werden, um
einen Missbrauch der ehemaligen Untersuchungshaftanstalt als Kulisse, etwa für Krimis

Öffentlichkeitsarbeit

oder Musikvideos, auszuschließen. Anfragen,
die keinen Bezug zur politischen Verfolgung in
der DDR erkennen ließen oder die die Gefühle
ehemaliger Häftlinge verletzen könnten, wurden abgelehnt. Die Kriterien, nach denen eine
Drehgenehmigung erteilt wird, können auf
der Website der Gedenkstätte in Deutsch und
Englisch nachgelesen werden.
Im Berichtszeitraum wurden mehr als 90
Drehgenehmigungen erteilt. Während der
Dreharbeiten begleitete in der Regel ein Mitarbeiter die Filmteams. In den meisten Fällen
vereinbarte sie mit den Produzenten zudem
die Zahlung einer Drehgebühr sowie die Erstattung der Personalkosten. Auf diese Weise konnte die Gedenkstätte in den Jahren
2009/2010 rund 12 000 Euro zusätzlich einnehmen. Die Stiftung erhielt auch Kopien der
Filme für ihre Mediathek.
Bei den Filmvorhaben handelte es sich
teilweise um sehr aufwendige Projekte. So
produzierte die ARD unter anderem für die
Magazine „W wie Wissen“ und „Panorama“
Beiträge in der Gedenkstätte. Die Stasi-Unterlagen-Behörde fertigte 2009 die Dokumentation „Ein Volk unter Verdacht: Die Staatssicherheit der DDR“ teilweise im früheren zentralen
Stasi-Untersuchungsgefängnis. Der Film soll
vor allem an Schulen zum Einsatz kommen.
Einen ebenfalls für die Schule bestimmten
Film drehte im November 2009 die britische
BBC. Unter dem Titel „Democracy in Action“
thematisierte die Doku den Umgang mit Diktaturerfahrungen heute und die Frage, wie man
Schülern das Unrecht der kommunistischen
Regime näher bringen kann. Selten werden
Drehgenehmigungen für fiktionale Produktionen erteilt, in denen das Gefängnis in erster
Linie als historische Kulisse dienen soll. Eine
Ausnahme stellte der Fernseh-Mehrteiler
„Weissensee” dar. Die ARD-Produktion, die
im Herbst 2010 sehr erfolgreich im öffentlichrechtlichen Fernsehen lief, wurde teilweise
im Gefängnisneubau mit hochkarätigen Darstellern wie Katrin Sass, Hannah Herzsprung,
Anna Loos und Uwe Kockisch gedreht. Im Juli
2010 produzierte das Deutschlandradio ein Radio-Porträt über die Gedenkstätte, in dem vor
allem das Haftkrankenhaus und die Sanierungen im Gefängnisneubau Thema waren.
Zur Medienbetreuung gehörte auch, dass
die Vertreter von Presse, Hörfunk oder Fernsehen in der Regel eine Pressemappe mit
thematisch abgestimmtem Informationsmaterial erhielten. Bei Bedarf vermittelte ihnen
die Stiftung auch Interview­partner oder stellte
Dokumente und Fotos bereit. Auf diese Weise
wurde immer wieder auf das Schicksal früher
in Hohenschönhausen Inhaftierter hingewiesen. So erschienen im Berichtszeitraum mehr

57

als 160 Beiträge, in denen ehemalige Häftlinge
interviewt oder porträtiert wurden. Auch bei
Besuchen prominenter Gäste sorgte die Gedenkstätte für eine professionelle Medienbetreuung (siehe Besucherbetreuung).
Die Stiftung regte die Medien auch selbst
zur Berichterstattung an. So machte sie durch
Presseeinladungen und -informationen regelmäßig auf Ereignisse, Veranstaltungen oder
prominente Besucher aufmerksam. Hervorzuheben sind besonders die Besuche von Bundeskanzlerin Angela Merkel, des brandenburgischen Ministerpräsidenten Matthias Platzeck,
Vernissagen von Ausstellungen wie „Gewalt
hinter Gittern“, „Gewendet – vor und nach dem
Mauerfall“, „2 000 Zeichnungen – inhaftiert“
oder die Meldung von Besucherrekorden, der
zweimillionsten Besucherin sowie der Auszeichnung der Gedenkstätte als „Ausgewählter Ort“ im Rahmen der Kampagne „Land der
Ideen“. Die Presseinformationen wurden in der
Regel von allen großen Nachrichtenagenturen
(dpa, dapd, epd, Reuters) weiterverbreitet und
stießen auf eine gute bis sehr gute Resonanz.
2009 wurden die Presseverteiler der Gedenkstätte komplett neu strukturiert. Je nach
Thema können Presseinformationen den
Redaktionen Lokales, Politik oder Feuilleton
zugeordnet werden. Berlin- und Auslandskorrespondenten sind gesondert aufgeführt.
Spezialverteiler (zum Beispiel Medizin, Sport,
Justiz) können im Bedarfsfall ebenfalls eingesetzt werden. Insgesamt sind in den E-MailVerteilern mehr als 600 ausgewählte Medienadressaten enthalten.
Bei Möglichkeiten zu Bildaufnahmen, zum
Beispiel beim Besuch von Angela Merkel im
Mai 2009, wurden die Medien auch gezielt in
die Gedenkstätte eingeladen. Annähernd 60 akkreditierte Journalisten verfolgten den Besuch
der Bundeskanzlerin. Zum Start der Kunstaktion „Stasi-Live-Haft“ im Oktober 2009 waren
50 Journalisten, ein Großteil davon TV-Teams,
anwesend. Auch bei Ausstellungseröffnungen
und Veranstaltungen kam es teilweise schon
im Vorfeld zu Anfragen oder Vorberichten. Im
Rahmen einer Pressekonferenz stellten der
Stiftungsratsvorsitzende André Schmitz, der
Architekt hg merz und der Direktor der Gedenkstätte Hubertus Knabe im August 2010 die
Pläne zum Umbau der Gedenkstätte und der
Einrichtung einer Dauerausstellung vor. Eine
weitere Pressekonferenz fand im September
2010 mit dem Regierenden Bürgermeister von
Berlin, Klaus Wowereit, aus Anlass des zehnjährigen Bestehens der Stiftung statt. Auch
vom Pressetermin bei der Enthüllung einer
Gedenktafel zum Aufstand am 17. Juni 1953
im Berliner Klinikum Friedrichshain berichteten
verschiedene Medien.

DVD-Cover der ARD-Serie „Weissensee“

DVD-Cover des Dokumentarfilms
„Gesicht zur Wand“

58

Publikationen

Neuausgabe des Buches „Vernehmungsprotokolle“ von Jürgen Fuchs

Cover des Buches zum
20. Jahrestag des Mauerfalls

Der Bereich der Eigenpublikationen wurde
im Berichtszeitraum weiter ausgebaut. Im April 2009 erschien die Neuauflage des Buches
„Vernehmungsprotokolle“ von Jürgen Fuchs.
Der 1999 verstorbene Psychologe und Schriftsteller war 1976/77 neun Monate im zentralen
Stasi-Gefängnis in Berlin-Hohenschönhausen
den Verhörspezialisten des DDR-Staatssicherheitsdienstes ausgeliefert. Nach seiner Freilassung schrieb er einen beklemmenden Text
über den DDR-Verfolgungsapparat. Fast 20
Jahre lang war das einzigartige literarische Dokument, das 1978 erstmals als Buch veröffentlicht wurde, nicht mehr erhältlich. Aus Anlass
des zehnten Todestages von Jürgen Fuchs hat
es die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen im Jaron Verlag neu herausgegeben. Der
Text wurde ergänzt durch Aufnahmen des Fotografen Tim Deussen und durch ein Nachwort
von Hubertus Knabe, der erstmals einen Blick
in die tatsächlichen Vernehmungsprotokolle
des Staatssicherheitsdienstes warf. Bis Ende
2010 wurden mehr als 2 000 Exemplare des
Buches verkauft.
Ende Juli 2009 stellte die Gedenkstätte
kurz vor dem Jahrestag des Mauerbaus das
Buch „Die vergessenen Opfer der Mauer. Inhaftierte DDR-Flüchtlinge berichten“ vor. 15
ehemalige DDR-Flüchtlinge berichten in dem
im List Verlag erschienenen Buch über ihre gescheiterte Flucht und ihre anschließende Haftzeit. Inhaftierte DDR-Flüchtlinge stellten die
weitaus größte Gruppe der Maueropfer. Mehrere Tausend waren auch im ehemaligen StasiGefängnis Berlin-Hohenschönhausen inhaftiert. 20 Jahre nach dem Mauerfall wollte die
Gedenkstätte mit dem Buch deutlich machen,
wie einschneidend sich die innerdeutsche
Grenze auf das Leben zahlreicher DDR-Bürger
auswirkte. Seit seinem Erscheinen wurden
8 000 Exemplare des Buches verkauft. Im November 2009 konnte zudem durch eine großzügige Spende ein Sonderdruck von 10 000
Exemplaren finanziert werden. Diese wurden
kostenlos an Schulen in ganz Deutschland verteilt. Die Aktion wurde mit einer Zeitzeugenlesung am Carl-von-Ossietzky-Gymnasium in
Berlin-Pankow eingeleitet.
Als besonders erfolgreich erwies sich ein
Sammelband mit Haftberichten aus der Zeit
von 1945 bis 1988, den Hubertus Knabe im
Sommer 2007 im List Verlag herausgegeben
hatte („Gefangen in Hohenschönhausen. Stasi-Häftlinge berichten“). Von dem Taschenbuch
wurden bis Ende 2010 rund 32 000 Exemplare verkauft. Die Bundeszentrale und mehrere
Landeszentralen für politische Bildung druck-

Öffentlichkeitsarbeit

ten 2009 Sonderauflagen in einer Höhe von
weiteren 10 000 Exemplaren. Stark nachgefragt war auch das von Hubertus Knabe und
Peter Erler 2005 im Jaron Verlag veröffentlichte Buch „Der verbotene Stadtteil. StasiSperrgebiet Berlin-Hohenschönhausen“. Allein
im Berichtszeitraum wurden davon über 5 000
Exemplare verkauft, von der im Jahr 2008 erschienenen englischen Ausgabe des Buches
(„The prohibited district“) bis Ende 2010 über
3 000 Stück.
Im Eigenverlag veröffentlichte die Gedenkstätte im Juni 2010 ihren 4. Tätigkeitsbericht. Er
erschien in einer Auflage von 1 900 Exemplaren und wurde an etwa 800 Institutionen und
Einzelpersonen verschickt. Aus Kostengründen
wurde er von der Gedenkstätte selbst gestaltet. Dies galt auch für sämtliche Einladungskarten, die die Stiftung zu ihren Veranstaltungen
drucken ließ.
Für die Besucher stellte die Gedenkstätte
zudem einen kostenlosen Flyer mit Grundinformationen zur Geschichte des Haftortes zur Verfügung. In den Jahren 2009 und 2010 wurden
davon knapp 380 000 Exemplare abgegeben.
Um der wachsenden Zahl ausländischer Gäste
Rechnung zu tragen, wurde er auch auf Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch, Dänisch sowie erstmals auch auf Niederländisch
gedruckt. Auf der Internetseite der Gedenkstätte wurden darüber hinaus eine bulgarische,
estnische, lettische, litauische, polnische, russische, slowenische, tschechische und türkische Ausgabe im PDF-Format eingestellt. Außerdem druckte die Gedenkstätte ein Faltblatt
mit den Angeboten zur politischen Bildung. Zur
Feststellung der Medienresonanz erstellte die
Stiftung jeden Monat einen eigenen internen
Pressespiegel.
Ein wichtiges – und verhältnismäßig kostengünstiges – Medium stellt der zweisprachige Internet-Auftritt der Gedenkstätte (Deutsch
und Englisch) dar. Die Website www.stiftunghsh.de enthält alle wesentlichen Informationen
zum historischen Ort, zum Aufbau der Stiftung
und zur Arbeit der Gedenkstätte. Ein ContentManagement-System ermöglicht die schnelle Eingabe von Texten und Bildern durch die
Mitarbeiter. An hervorgehobener Stelle wird
auf laufende Ausstellungen, aktuelle Veranstaltungen und prominente Gäste aufmerksam
gemacht. Außerdem findet man Pressemitteilungen, Veranstaltungsberichte, Fotos aus der
Gedenkstättenarbeit und alle praktischen Informationen für einen Besuch des ehemaligen
Haftortes. Für Lehrer und Journalisten hat die
Stiftung jeweils eigene Nutzerbereiche eingerichtet, die sich an den spezifischen Interessen
dieser Zielgruppen orientieren. Die Website
wurde im Berichtszeitraum laufend mit aktu-

Öffentlichkeitsarbeit

ellen Informationen, neuen Häftlingsbiografien
und anderen Texten bestückt.
Zahlreiche Besucher, Journalisten, Schüler
und andere Interessierte nutzten die Website,
um sich zu informieren oder mit der Gedenkstätte in Kontakt zu treten. 2009 registrierte
die Stiftung rund 1,88 Millionen Seitenaufrufe
von 298 000 Besuchern. 2010 steigerte sich
die Zahl auf 2,6 Millionen Seitenaufrufe und
335 000 Besucher. Auch die Höhe des Datenverkehrs stieg an: So betrug das Transfervolumen 2009 insgesamt 229 Gigabyte, was
einer Steigerung von 54 Prozent gegenüber
2008 (148 Gigabyte) entspricht. 2010 betrug
das Transfervolumen 266 Gigabyte, eine weitere Steigerung um 16 Prozent. Besonders frequentiert waren praktische Besucherinformationen, die News-Seite sowie die Darstellungen
zur Geschichte des Haftortes.
Die virtuellen Besucher kamen nicht nur
aus Deutschland, sondern auch aus Ländern
wie den USA, Großbritannien, den Niederlanden, Dänemark, der Schweiz und Italien. Auffällig ist ein rasanter Anstieg der Zugriffszahlen
aus China ab November 2010. Während bis Oktober 2010 die Besucherzahlen aus China kontinuierlich bei 2 500 pro Monat lagen, verzeichnete die Gedenkstätte im November plötzlich
75 500 Besucher, das Dreißigfache der Vormonate. Im Dezember lag die Zahl der Seitenaufrufe sogar bei 93 000. Vermutlich hing dieser
starke Anstieg mit der Veranstaltung „Was will
die chinesische Opposition?“ am 9. Dezember
zusammen.
Die Gedenkstätte hat sich ebenfalls darum
bemüht, einzelne Forschungsergebnisse einer
breiten Öffentlichkeit oder einem Fachpublikum zur Verfügung zu stellen. Der Historiker
Peter Erler veröffentlichte zahlreiche Artikel
und Rezensionen zu verschiedenen Aspekten
der sowjetischen Repressionspolitik in der
SBZ/DDR. Dazu gehörten beispielsweise Publikationen in der Zeitschrift des Forschungsverbundes SED-Staat, im Deutschland Archiv, in
der Zeitschrift für Geschichtswissenschaft, auf
Spiegel-Online und in sehepunkte sowie im
Rezensionsjournal für die Geschichtswissenschaften und im „Stacheldraht“. Gedenkstättendirektor Hubertus Knabe veröffentlichte,
zum Teil außerdienstlich, eine umfangreiche
Monographie über die Linkspartei („Honeckers
Erben. Die Wahrheit über die Linke“) sowie
zahlreiche Zeitschriften- und Zeitungsaufsätze.

Werbung
Aus Kostengründen hat die Stiftung auf
den Einsatz kommerzieller Werbemittel weitgehend verzichtet. Angesichts der ständig

59

steigenden Besucherzahlen und des stark
gewachsenen Bekanntheitsgrades der Gedenkstätte erschien diese Zurückhaltung vernünftig. Zudem ist die ehemalige Haftanstalt
inzwischen in vielen deutschen und englischsprachigen Reiseführern kostenfrei vermerkt.
Vor allem aber ist die Weiterempfehlung durch
zufriedene Besucher die effektivste Werbung
für die Gedenkstätte.
Die Stiftung hat vorrangig kostenlose Möglichkeiten genutzt, um auf die Arbeit der Gedenkstätte hinzuweisen. Neben der
thematischen Öffentlichkeitsarbeit hat
sie Terminzeitschriften und tagesaktuelle Medien frühzeitig über Veranstaltungen, Ausstellungen und Sonderführungen informiert. Bei
themenverwandten Institutionen wurden Flyer, Plakate
und Veranstaltungshinweise
ausgelegt oder angebracht.
Zudem wurden bei ausgewählten
Veranstaltungen
Informationsblätter verteilt,
in den (besucherschwachen)
Sommermonaten auch probeweise Berliner Hotels
damit bestückt. An den Außenmauern wiesen zwei
wetterbeständige Banner auf aktuelle Ausstellungen und die Öffnungszeiten hin. Weitere
Werbemittel waren transportable Aufsteller
(Kunden-Stopper) mit Kurzinformationen, die
bei Veranstaltungen oder zur Besucherbetreuung zum Einsatz kamen. Ein dreiteiliger Rollup-Ständer zeigte bei allen Veranstaltungen
das Logo der Gedenkstätte.
Die Gedenkstätte nutzte auch externe Veranstaltungen, um auf ihre Arbeit aufmerksam
zu machen. Auf dem Bürgerfest der Bundesregierung am 23. Mai 2009 war die Gedenkstätte
mit einem historischen Häftlingstransportwagen vertreten. 750 000 Menschen feierten auf
der Straße des 17. Juni im Zentrum Berlins den
60. Geburtstag der Bundesrepublik Deutschland. Zeitzeugen beantworteten viele Fragen
zu ihren Erfahrungen als politische Häftlinge.
Auf dem jährlich stattfindenden Tag der offenen
Tür der Bundesregierung im Presse- und Informationsamt nimmt
die Gedenkstätte seit
2008 ebenfalls regelmäßig teil. Viele Besucher nutzen diese
Gelegenheit, um mit
Mitarbeitern ins Gespräch zu kommen
oder einen Blick in die
neuesten Publikationen zu werfen.

Fremdsprachige Flyer der Gedenkstätte

Informationsstand beim Bürgerfest
auf der Straße des 17. Juni zum 60.
Geburtstag der Bundesrepublik

60

Baustellenschild der Gedenkstätte

Bautätigkeit
Zur Wahrnehmung ihrer Aufgaben hat das
Land Berlin der Stiftung Gedenkstätte BerlinHohenschönhausen die Grundstücke und Gebäude der ehemaligen Untersuchungshaftanstalt in der Genslerstraße 66 bis Ende 2011
unentgeltlich zur Nutzung überlassen. Für die
Gedenkstätte ergibt sich daraus die Verpflichtung, die denkmalgeschützte Gefängnisanlage
in ihrer Gänze zu erhalten und behutsam an die
Erfordernisse eines Museums anzupassen.
Verantwortlich für die Planung, Durchführung
und Finanzierung aller dafür erforderlichen
Baumaßnahmen war die Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Da die Stiftung
über keinen eigenen Bauetat verfügt, fungierte
sie gegenüber den Baufirmen nicht als Auftraggeber, sondern nur als Nutzer.
Aufgrund des langen Leerstands der 1990
geschlossenen Haftanstalt befanden sich die
Gebäude bei ihrer Übernahme durch die Gedenkstätte vielfach in einem maroden Zustand.
Wasser- und Abwasserleitungen waren meist
nicht mehr funktionsfähig, Heizkörper zerborsten, Dächer und Fenster dringend reparaturbedürftig. Hinzu kamen gravierende Mängel bei
der Bauausführung. Es gab weder Fluchtwege
für den Gefahrenfall, noch existierten ausreichende Vorkehrungen für den Brandschutz.
Auch die gesamte Elektrik des Gefängnisses
musste außer Betrieb genommen werden,
weil sie nicht den bundesdeutschen Vorschriften entsprach. Aus der neuen Funktion als
Gedenkstätte resultierte schließlich ein völlig
anderer Raumbedarf. Statt Zellen und Vernehmerräume waren nun Besuchertoiletten, Seminar- und Filmräume oder Räumlichkeiten für
Buchhandlung und Cafeteria erforderlich. Auch
Veranstaltungsräume waren jetzt nötig geworden. Bei einem Teil der Bauarbeiten handelte
es sich um sogenannte Unterhaltsmaßnahmen, größere Eingriffe wurden als investive
Maßnahmen betrachtet.

Investive Maßnahmen
Für die geplante Dauerausstellung der Gedenkstätte sind umfangreiche Baumaßnahmen
erforderlich. Ergebnis eines Architektenwettbewerbs war es, dass die zusätzlichen Räumlichkeiten nicht neu errichtet, sondern behutsam in das alte Gebäude integriert werden. Im
Erdgeschoss des Altbaus werden eine etwa
500 Quadratmeter große Ausstellungsfläche
sowie eine kleinere Wechselausstellungsfläche geschaffen. Im 1. Obergeschoss ist ein
Lern- und Infozentrum geplant. Besucherempfang, Seminar- und Veranstaltungsräume, ein
Kinoraum, Buchladen, Café, Garderoben und
WCs werden in den Garagen untergebracht.
Aus statischen Gründen wird die Bibliothek in
das Erdgeschoss des Hauptgebäudes verlegt,
und das Zeitzeugenbüro sowie ein vorhandener Seminarraum statisch ertüchtigt. Die
Dauerausstellung und die Funktionsbereiche
werden barrierefrei hergerichtet. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 13,1 Millionen Euro,
die vom Bund und vom Land Berlin hälftig finanziert werden.
Die Baumaßnahmen betreut das renommierte Architekturbüro hg merz, das 2008 den
Wettbewerb zum Umbau der Gedenkstätte
gewann. Bauherr ist die Senatsverwaltung für
Stadtentwicklung (SenBau). Alle Baumaßnahmen müssen zuvor mit der Denkmalschutzbehörde abgestimmt werden. Vor Beginn der
Bauarbeiten wurde zudem ein sogenanntes
Raumbuch erstellt, in dem sämtliche Zimmer
des Altbaus fotografisch dokumentiert werden.
Im Berichtszeitraum ging es vor allem darum,
die Bauplanungsunterlage (BPU) aufzustellen,
die Voraussetzung für die Baugenehmigung
war. Zudem musste der Auszug aller Gedenkstättenmitarbeiter vorbereitet werden, damit
während der Bauphase Baufreiheit herrscht.
Zu diesem Zweck wurde der Raumbedarf für

Bautätigkeit

alle Arbeitsbereiche genau aufgelistet und
auch für die Unterbringung der Großobjekte
wie die Gefangentransportwagen W 50 und
B 1000 gesorgt. Ausgewählt als Interimsquartier wurde das gegenüberliegende Gebäude in
der Genslerstraße 13/13a. Zu beiden Vorgängen fanden im Berichtszeitraum vielfältige Besprechungen und Begehungen statt, um zahllose Details zu klären und mit allen Beteiligten
abzustimmen. Die Koordination übernahm ein
von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung beauftragter Projektsteuerer.

Unterhaltsmaßnahmen
Im Berichtszeitraum 2009/2010 wurde
auch eine Reihe von Baumaßnahmen zum Erhalt der historischen Gebäude durchgeführt.
Dazu gehörte insbesondere die Sanierung der
Elektrik im Haftkrankenhaus, für die das Architekturbüro Schornberg verantwortlich zeichnete. Bauherr ist auch hier die Senatsverwaltung
für Stadtentwicklung (SenBau). Den Bauarbeiten gingen ausführliche Abstimmungen zum
Schutz der historischen Bausubstanz zwischen
Bauherr, Nutzer und Auftragnehmer voraus.
Außerdem wurde ebenfalls ein denkmalpflegerisches Raumbuch erstellt. Der eigentliche
Bau startete im Juni 2010.
Um die historische Anmutung zu erhalten,
sieht das Sanierungskonzept vor, dass die
stillgelegten elektrischen Anlagen wieder in
Betrieb genommen werden sollen – allerdings
unter völlig neuen Bedingungen. Da die historischen Bauteile nicht mehr zugelassen waren,
mussten sie mit einer neuen genehmigungsfähigen Elektroanlage verknüpft werden. Zu diesem Zweck arbeitet im Hintergrund ein hochmodernes System, das über Niedrigspannung
die alten Anlagen ansteuert und mit einer zeitgemäßen und VDE-konformen Elektroinstallation verbindet. Für jedes Stockwerk wurden
Standorte für die modernen Elektroverteilungen definiert und an einer für die Rundgänge

61

nicht einsehbaren Stelle eingerichtet. Die Verkabelung und die Brandabschottung wurden
über das Dach gezogen, so dass die Eingriffe
in die historische Substanz minimiert wurden.
Während der Baumaßnahmen wurden die
historischen Schalter, Relais und Lampenkörper ausgebaut, beschriftet und aufgearbeitet.
Etliche Detaillösungen, zum Beispiel für den
„Schwesternruf“, die Alarmanlagen (Reißleinen) oder Lichtfarbe und Typ der Leuchtmittel,
wurden auf wöchentlich stattfindenden Baubesprechungen mit der Vertreterin der Denkmalpflege genau erörtert und abgestimmt. Für
den Anstrich von Wänden und Decken wurden Farb- oder Putzproben angelegt, die vom
Denkmalschutz und der Gedenkstätte geprüft
wurden. Der Leimfarbenanstrich im Haftkrankenhaus wurde von Restauratoren angeleitet,
um die alten Farbtöne wieder anzumischen
und zu verarbeiten. Weitere Bemusterungen
gab es für Elektrobauteile, zum Beispiel für Kabelkanäle, aber auch für Heizungsventile und
andere technisch notwendige Bauteile. Die
Milchglaskugeln für die Alarmanlage wurden,
analog zu noch vorhandenen DDR-Leuchten,
mit roter Farbe ausgeschwenkt, um die historischen „Ampeln“ in dem Krankengefängnis
wieder herzustellen. Zu DDR-Zeiten dienten
sie dazu, dass kein Häftling auf dem Weg zur
Behandlung einem anderen begegnete.
Für den Gefängnisneubau wurden ähnlich aufwändige Sanierungsarbeiten geplant.
Da die Heizung in kalten Wintern nicht mehr
funktionstüchtig war, ist ein neues Heizsystem
erforderlich gewesen. Das ursprüngliche Konzept einer konventionellen Heizungssanierung
sah Schlitze in jedem zweiten Raum vor, um
die alten Heizungsleitungen zu demontieren
und die neuen Bauteile einzubringen. Die Gedenkstätte hatte gegenüber diesem Konzept
große Bedenken, da ein nicht zu kompensierender Verlust von historischen Oberflächen
wie Tapeten, Einbauten und Anstrichen zu
befürchten war. Mit Unterstützung des Landesamtes für Denkmalpflege und der unteren

Blick in die zukünftigen Servicebereiche
der Gedenkstätte (Computeranimation)

62

Bautätigkeit

Heizungs- und Elektrosanierung im
Neubau der ehemaligen Haftanstalt;
rechts: Verlegung brandgesicherter
Kabeltrassen

Denkmalschutzbehörde wurde das konventionelle Sanierungskonzept verworfen und eine
Sanierung mittels einer Bauteilaktivierung geplant. Bei diesem Verfahren werden Heizungsleitungen im oder auf dem Sockelbereich der
Wände geführt, die für eine gleichbleibende
Temperierung des Baukörpers sorgen. Dieses Heizsystem ist verzahnt mit Maßnahmen
zur Wärmedämmung an den Dächern, Fenstern, Türen und an der KfZ-Schleuse. So wird
in der KfZ-Schleuse eine Glasfaltwand hinter
dem Schleusentor installiert, die im Winter als
Windfang fungiert. Darüber hinaus muss die
gesamte Elektrik erneuert werden.
Um die Schließung des Rundgangs auf ein
Minimum zu begrenzen, hat die Gedenkstätte
darauf gedrängt, beide Sanierungsvorhaben
(Elektrik und Heizung) parallel durchzuführen.
Auch dieser Maßnahme war eine Raumbuchdokumentation nach denkmalrechtlichen Kriterien vorgeschaltet. Der Bau wurde in drei Abschnitte aufgeteilt, damit die Rundgänge auch
während der Bauarbeiten stattfinden können.
Die erste Phase, die im September 2010, begann, betraf alle Etagen des Nordflügels. Für
den Besucherbetrieb während der Bauzeit
wurde ein Übersichtsblatt entwickelt, das
an alle Besucherreferenten und Mitarbeiter
verteilt und ausgehängt wurde. Als Trennung
zwischen Baustelle und Rundgang wurden
Staubwände aufgestellt, die den Baustaub zurückhalten sollen.

Um die historischen Oberflächen möglichst
wenig zu verletzen, werden die neuen Elektro­
kabel in den Nischen der nicht mehr benötigten Steigleitungen für die Toilettenspülung
verlegt. Zu diesem Zweck wurden die Nischen
geöffnet und die alten Steigleitungen entfernt.
Dabei wurden auch historische Zeitungen aus
der Bauzeit gefunden, die für die Objektsammlung der Gedenkstätte geborgen wurden.
Auf wöchentlichen Baubesprechungen
wurden alle baulichen Schritte mit den Vertretern der Gewerke wie Heizungsbau, Maurer,
Elektrik oder Tischler abgestimmt und mit dem
Denkmalschutz und der Gedenkstätte rückgekoppelt. Im 2. Obergeschoss des Neubaus
wurde dazu ein Baubüro eingerichtet, in dem
auch die jeweils aktuellen Pläne aushängen.
Zum Erhalt der ehemaligen Haftanstalt haben das Land Berlin und die Bundesregierung
seit 1995 insgesamt mehr als 15 Millionen
Euro ausgegeben. Damit wurden vor allem
Baumaßnahmen zur Sanierung der Außenhülle
des Altbaus und des Neubaus finanziert. Zudem wurden bereits Ende der 1990er Jahre
Büros für den Gedenkstättenbetrieb geschaffen. Ein Ende der Sanierungsmaßnahmen ist
bisher nicht in Sicht. Ohne diese wären die
bedrückenden Räumlichkeiten des Stasi-Gefängnisses aber schon längst nicht mehr zu
betreten und vermutlich weitgehend verfallen.

63

Haushalt
Die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen ist eine Stiftung öffentlichen Rechts des
Landes Berlin und damit eine selbstständige
juristische Person. Als institutioneller Zuwendungsempfänger unterliegt sie aber den maßgeblichen Bestimmungen der Landesverwaltung Berlin sowie des Bundes. Der Haushalt
der Stiftung richtet sich nach kameralistischen
Grundsätzen und muss gemäß Stiftungsgesetz jährlich von einem Wirtschaftsprüfer geprüft werden.
Die Stiftung erhält einen jährlichen Zuschuss des Landes Berlin und des Bundes
nach Maßgabe des jeweiligen Bundes- und
Landeshaushalts. Diese institutionelle Förderung betrug 2009 1 160 000 Euro und 2010
1 250 000 Euro; sie wird durch Eigenmittel,
Projektmittel, Drittmittel und Spenden ergänzt.
Für die Einrichtung einer Dauerausstellung
erhielt die Gedenkstätte im Jahr 2009 ca.
227 700 Euro, im Jahr 2010 standen ihr dafür
insgesamt 426 529 EUR zur Verfügung.
Die Ausgaben der Stiftung gliedern sich
in Personalausgaben, sächliche Verwaltungsausgaben sowie Zweckausgaben und sonstige Bewirtschaftungskosten für Grundstück
und Gebäude. Den größten Teil der Ausgaben
machten dabei die Personalkosten aus. Sie
setzten sich aus den Gehältern der fest angestellten Mitarbeiter, den Löhnen der Honorarkräfte, Zeitarbeitskräfte und Aushilfen sowie
den Honoraren für die Besucherreferenten
zusammen.
Im Berichtszeitraum 2009 ist die Gedenkstätte vorübergehend in wirtschaftliche Probleme geraten. Durch den starken Anstieg der
Besucherzahlen zeichnete sich Mitte 2009 ein
Finanzdefizit von ca. 70 000 Euro ab. Allein
die Ausgaben für die Führungshonorare der
Besucherreferenten erhöhten sich von knapp
478 000 Euro im Jahr 2008 auf fast 580 000
Euro im Jahr 2009. Die Stiftung war deshalb
in der zweiten Jahreshälfte gezwungen, den

Unkostenbeitrag für die Führungen anzuheben. Ab September stieg er für Erwachsene
von vier auf fünf Euro (ermäßigt 2,50 Euro),
während Schüler erstmals einen Euro zahlen mussten. Nur so und durch eine schnelle
Sonderzahlung von je 35 000 Euro von Bund
und Land Berlin gelang es, am Ende des Jahres das Defizit auf ein Finanzierungssaldo von
8 000 Euro zu verringern.
Insgesamt wurden im Haushaltsjahr 2009
Einnahmen von mehr als 2,3 Millionen Euro
erzielt. 1 385 000 Euro davon waren Zuwendungen des Bundes (605 000 Euro) und Zuschüsse des Landes Berlin (783 000 Euro),
720 000 Euro wurden durch Besucherentgelte, Spenden, Mieteinnahmen, Erlöse aus Veröffentlichungen sowie Drehgenehmigungsgebühren erzielt. Das bedeutet, dass ein Drittel
der Haushaltseinnahmen der Stiftung durch
die Gedenkstätte selbst erwirtschaftet wurde. Nicht berücksichtigt in dieser Rechnung
sind die erwähnten abgeordneten Lehrer, die
kostenlosen MAE-Kräfte sowie die zahlreichen
unentgeltlich arbeitenden Praktikanten.
Den Einnahmen standen Ausgaben von
2,3 Millionen Euro gegenüber. Der größte Posten waren mit gut 1,6 Millionen Euro die Personalausgaben. An zweiter Stelle standen mit
rund 280 000 Euro die Bewirtschaftungskosten für Grundstück und Gebäude. Die materiellen Verwaltungsausgaben betrugen 175 000
Euro, die Zweckausgaben mehr als 40 000
Euro. Weitere 40 000 Euro wurden im Zusammenhang mit Spenden und zweckgebundenen
Zuschüssen verausgabt. Insgesamt ergab sich
somit zum Jahresende ein Habensaldo von
169 000 Euro. Dieser Überschuss resultierte
aus zweckgebundenen, nicht ausgegebenen
Mitteln aus Spenden und aus Projektmitteln,
vor allem für die Dauerausstellung, die in das
Folgejahr übertragen wurden.
Im Haushaltsjahr 2010 stiegen die Gesamteinnahmen der Stiftung auf fast 2,9 Millionen

64

Haushalt

Abb. 10: Anstieg der Einnahmen aus dem Führungsentgelt 2008-2010

2009 (Euro)

2010 (Euro)

Zuschuss Bund

605 000,00

700 000,00

Zuschuss Land

782 700,00

976 529,82

Besuchergruppenerlöse

483 712,02

741 582,21

Spenden

184 991,82

39 728,66

Sonstige Einnahmen

244 480,39

438 428,35

Einnahmen

Verbrauch Rücklage

7 093,10

Summe

2 307 977,33

2 896 269,04

1 593 520,15

1 908 942,39

(davon Honorare für Führungen)

577 148,17

696 633,09

(davon Planstellen)

464 190,46

513 725,75

175 636,19

289 214,70

42 023,72

107 542,70

328 249,15

292 023,32

2 139 429,21

2 597 723,11

168 548,12

298 545,93

Ausgaben
Personalausgaben

Sächliche Verwaltungsausgaben
Zweckausgaben
Sonstige Ausgaben
Summe
Übertragbarer Haushaltsrest

Abb. 11: Haushaltszahlen der Jahre 2009 und 2010 im Vergleich

Euro. Hauptfaktoren waren eine um 100 000
Euro erhöhte Bundesunterstützung, die Zuwendungen für die Dauerausstellung, die
gestiegenen Einnahmen aus den Eintrittsgeldern, die von 484 000 auf 741 000 Euro zunahmen (siehe Abbildung 10), sowie Drittmittel in
Höhe von über 240 000 Euro, die vor allem
aus dem Haushalt des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM),
dem Bundesinnenministerium (BMI) und der
Bundesstiftung Aufarbeitung kamen. Weil die
Schüler seit Einführung des Führungsentgelts
für Jugendliche nicht mehr zu einem freiwilligen Unkostenbeitrag aufgefordert wurden,
sank allerdings auch die Höhe der Spenden
in diesem Jahr erheblich. Dennoch konnte die
Gedenkstätte den selbst erwirtschafteten Anteil ihrer Haushaltsmittel weiter von 33 auf 38
Prozent erhöhen.
Die Ausgaben stiegen im Jahr 2010 von 2,3
Millionen auf mehr als 2,9 Millionen Euro. Dies
ist vor allem auf die Erhöhung der Personalkosten von 1,6 Millionen Euro (2009) auf 1,9 Millionen Euro (2010) zurückzuführen. Dafür wiederum waren vor allem die höheren Ausgaben
für die Führungshonorare sowie der erhöhte
Personalbedarf im Besucherdienst und die Personalkosten für die drittmittelfinanzierten Projekte verantwortlich. Allein die Ausgaben für
die Honorare der Besucherreferenten stiegen
um über 120 000 Euro von 577 000 Euro auf
fast 697 000 Euro, was einem Anstieg von 20
Prozent entspricht. Auch die sächlichen Verwaltungsausgaben und die Zweckausgaben stiegen erheblich an. Die Bewirtschaftungskosten
blieben demgegenüber nach der Umstellung
der Heizung auf Gas annähernd konstant (siehe Abbildung 11).
In den Haushalt der Stiftung flossen auch
die von Bund und Land zur Verfügung gestellten Projektmittel für die Dauerausstellung
ein. Nach Anweisung einer dritten Rate über
426 000 Euro erhöhte sich dadurch die Zuwendung des Landes Berlin für das Projekt Dauerausstellung bis 2010 auf fast 855 000 Euro. Da
die Mittel wegen verschiedener Verzögerungen nicht voll verausgabt wurden, aber später
benötigt werden, wurden sie auf das Folgejahr
übertragen.

65
Personal
Die Personalsituation der Gedenkstätte ist
seit mehreren Jahren sehr angespannt. Der
seit Gründung der Stiftung im Jahre 2000 bestehende Stellenplan von zwölf festen Mitarbeitern blieb trotz stetig zunehmender Besucherzahlen und ansteigender Nachfrage nach
Seminaren und Projekten auch in den Jahren
2009 und 2010 unverändert (siehe Abbildung
12). Die starke Mehrbelastung des Personals
wird durch die seit Jahren anhaltende Stagnation der Bruttogehälter noch verschlimmert.
Lediglich für 2010 beschloss der Stiftungsrat
– wie schon 2008 – eine einmalige Sonderzahlung für die Mitarbeiter. Die Erledigung der
Aufgaben muss weiterhin im Wesentlichen
vom Stammpersonal erfüllt werden.
Dieses Stammpersonal wird von verschiedenen anderen Mitarbeitern und Hilfskräften
flankiert. Zur Unterstützung der Pädagogischen
Arbeitsstelle ordnete der Berliner Bildungssenator zwei, ab dem Schuljahr 2009/2010 drei
Lehrer mit 50 Prozent ihrer Arbeitskraft an die
Gedenkstätte ab. Der Bund finanzierte eine
weitere halbe Stelle, die mit einem Historiker
besetzt ist. Im Dauerausstellungsprojekt arbeiten zwei wissenschaftliche Mitarbeiter, eine
Museologin, mehrere Hilfskräfte sowie seit
2010 auch eine Volontärin.
Um die angespannte Personalsituation der
Gedenkstätte zu verbessern, wurden zahlrei-

che Honorarkräfte, studentische Aushilfskräfte
und zwei sogenannte MAE-Kräfte für Hilfsarbeiten in Anspruch genommen. Im Bereich der
Haustechnik kamen mehrere geringfügig Beschäftigte und zwei Zivildienstleistende zum
Einsatz. Zudem wurden mehrere Praktikanten
– darunter auch Schülerpraktikanten – in der
Gedenkstätte beschäftigt. Ohne diese vielen
Hilfskräfte wäre die Arbeit der Stiftung nicht
zu bewältigen gewesen. Durch die häufige
Fluktuation und den erheblichen Verwaltungsaufwand, auch wenn sie nur zeitweise eingesetzt werden, ziehen sie aber selbst wieder
zusätzliche Arbeit nach sich. Auch die mehr
als 60 Besucherreferenten, deren Honorarsatz
von 26 Euro pro Stunde ebenfalls seit Jahren
nicht mehr erhöht wurde, verlangen eine umfangreiche inhaltliche und verwaltungstechnische Betreuung. Hinzu kamen über acht studentische Hilfskräfte im Besucherdienst und
die Beschäftigung einer Fremdfirma, ohne die
eine angemessene Besucherbetreuung nicht
möglich gewesen wäre. Zum Schutz der unter
Denkmalschutz stehenden Anlage vor Beschädigungen wurde zudem ein externer Wachmann eingesetzt, die nächtliche Bewachung
der Anlage wurde ebenfalls von einer externen
Sicherheitsfirma übernommen. Alles in allem
sind in der Gedenkstätte weit über 100 Personen tätig.

Funktion

Stellenanzahl

Wissenschaftlicher Direktor

1

Referent für politische Bildungsarbeit

1

Verwaltungsleiterin

1

Wissenschaftliche Mitarbeiterin

1

Fremdsprachensekretärin

1

Personal- und Haushaltssachbearbeiterin

1

Wissenschaftliche Assistentin

1

Mitarbeiter für Bibliothek/Archiv/Öffentlichkeitsarbeit

1

Hausmeister/Handwerker

1

Mitarbeiter im Besucherdienst

3

Gesamt

12

Abb. 12: Stellenplan der Gedenkstätte

66

Die Mitglieder des Stiftungsrats:
Staatssekretär Dr. h.c. André Schmitz,
Ministerialdirektorin Dr. Ingeborg
Berggreen-Merkel, Staatssekretär
Hasso Lieber (2010)

Die Mitglieder des Beirats

Stiftungsorgane
Gesetzliche Organe der Stiftung sind der
Stiftungsrat, der Vorstand und der Beirat. Der
Stiftungsrat beschließt alle Angelegenheiten
von grundsätzlicher oder besonderer Bedeutung und den Haushaltsplan. Vorsitzender ist
laut Gesetz das für kulturelle Angelegenheit
zuständige Mitglied des Berliner Senats. Zudem gehören ihm ein Vertreter der Senatsverwaltung für Justiz, ein Vertreter des für Angelegenheiten der Kultur zuständigen Mitglieds der
Bundesregierung sowie der Vorsitzende und
ein weiteres Mitglied des Beirats der Stiftung
an (siehe Anhang: Gremienmitglieder).
Der Vorstand ist der Direktor der Gedenkstätte und wird vom Stiftungsrat bestellt. Er
führt die laufenden Geschäfte der Stiftung und
ist dabei an die Beschlüsse und Weisungen

des Stiftungsrats gebunden. Seit Dezember
2000 ist dies der Historiker Dr. Hubertus Knabe.
Der Beirat berät den Stiftungsrat sowie
den Vorstand in allen inhaltlichen und gestalterischen Fragen. Ihm gehören Vertreter von
Gedenkstätten, Einrichtungen, Gruppen und
Initiativen, Wissenschaftler sowie sonstige
qualifizierte Persönlichkeiten an, die mit dem
Stiftungszweck befasst sind. Die Mitglieder
werden vom Vorsitzenden des Stiftungsrates
im Einvernehmen mit dem für Angelegenheiten der Kultur zuständigen Mitglied der Bundesregierung für die Dauer von drei Jahren
berufen. Im Jahr 2010 konstituierte sich der
Beirat zum nunmehr vierten Mal neu (siehe
Anhang: Gremienmitglieder).

Rainer Wagner

Ulrike Poppe

Marianne Birthler

Heidi Bohley

Prof. Dr. Rainer Eckert

Dr. Regine Falkenberg

Dr. Jens Gieseke

Dr. Anna Kaminsky

Dr. Jörg Kürschner

Dr. Peter März

Edda Schönherz

Prof. Dr. Hermann Wentker

Prof. Dr. Manfred Wilke

Hans-Eberhard Zahn

Siegfried Reiprich

67

Verleihung des 2. HohenschönhausenPreises an Karl Wilhelm Fricke (links)
durch den Fördervereinsvorsitzenden
Jörg Kürschner

Förderverein
Zur Unterstützung der Stiftung gründeten
Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens 2003
den „Förderverein Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen“. Zu den 19 Gründungsmitgliedern zählten unter anderem Bundeskanzler a. D. Dr. Helmut Kohl (CDU), der frühere
Bundeswirtschaftminister Michael Glos (CSU),
der langjährige SPD-Bundestagsabgeordnete
Stephan Hilsberg, Bundestagsvizepräsident
Hermann Otto Solms (FDP) sowie die Bundestagsabgeordneten Wolfgang Wieland (Bündnis
90/Die Grünen) und Holger Krestel (FDP). Vorsitzender des als gemeinnützig anerkannten
Vereins ist der MDR-Parlamentskorrespondent
Dr. Jörg Kürschner, der selbst in Hohenschönhausen inhaftiert war.
Der Verein hat im Berichtszeitraum verschiedene Projekte der Stiftung finanziell unterstützt. Dazu gehörte die Förderung von
mehreren Schülerwettbewerben und Schülerseminaren, die von der Pädagogischen
Arbeitsstelle der Gedenkstätte durchgeführt
wurden. Er unterstützte auch die Inszenierung
eines Theaterstücks, das den Lebensweg eines früheren Hohenschönhausen-Häftlings
nachzeichnet und sich besonders an Jugendliche wendet. Gefördert wurde auch das „Pädagogische Konzept für geführte Rundgänge
mit blinden und sehbehinderten Besuchern
durch die Gedenkstätte“. Der Förderverein trug
zudem zur Finanzierung der Wiederveröffentlichung des Buches „Vernehmungsprotokolle“
des Schriftstellers und HohenschönhausenHäftlings Jürgen Fuchs bei. Des Weiteren beteiligte sich der Förderverein im Berichtszeitraum an der Finanzierung des Kunstprojekts
„Stasi-Live-Haft“.
Höhepunkt seiner Aktivitäten war 2010 die
Verleihung des „Hohenschönhausen-Preises“
an den Publizisten und Autor Karl Wilhelm Fricke, der lange Jahre dem Beirat der Gedenkstätte vorstand. Nach Ansicht der Jury hat der
Preisträger in vorbildlicher Weise zur Aufarbei-

tung der SED-Diktatur beigetragen. Als freier
Journalist wurde er 1955 durch den DDRStaatssicherheitsdienst von West- nach OstBerlin entführt. 15 Monate wurde er im Untersuchungsgefängnis Berlin-Hohenschönhausen
verhört und schließlich in einem Geheimprozess wegen „Kriegs- und Boykotthetze“ zu
vier Jahren Zuchthaus verurteilt. Nach seiner
Entlassung 1959 arbeitete Fricke als Publizist,
freier Autor und Leitender Redakteur beim
Deutschlandfunk. Seine zahlreichen Bücher zur
politischen Verfolgung und zum Widerstand in
der DDR – in der Zeit der Entspannungspolitik
politisch oft unerwünscht – gelten
Spendenkonto
heute als Standardwerke. In den
1990er Jahren war er SachverstänKt.-Nr.: 622 622 900
diger zweier EnquetekommissioBLZ: 120 400 00
nen des Bundestages und bekam
für seine Aufklärungsarbeit über
Commerzbank Berlin
die SED-Diktatur von der Freien
Universität Berlin die Ehrendoktorwürde verliehen. Die Preisverleihung fand in
Anwesenheit zahlreicher Politiker in der Berliner Landesvertretung des Saarlands statt,
Festredner war Bundesminister a. D. Wolfgang
Tiefensee.
Der ehrenamtlich tätige Förderverein engagiert sich auch
dafür, die Arbeit der Gedenkstätte weiter bekannt zu machen. Zu diesem Zweck betreibt
er eine eigene Website (www.
foerderverein-hsh.de).
Mehrfach beteiligte er sich auch mit
Informationsständen an Veranstaltungen wie der Langen
Nacht der Museen oder dem
Tag der offenen Tür der Bundesregierung. Darüber hinaus
präsentierte er sich und die Gedenkstätte in
Wahlkreisen von Bundestagsabgeordneten,
die dem Verein angehören. Vereinsmitglieder
nahmen auch an der jährlichen Gedenkfeier für

68

die Toten des sowjetischen Speziallagers Nr. 3
in Hohenschönhausen teil.
In besonderer Weise trug der gut vernetzte
Verein dazu bei, Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens auf die Arbeit der Gedenkstätte
aufmerksam zu machen. Vor allem durch das
Engagement seines Vorsitzenden wurden
zahlreiche führende Politiker motiviert, das
ehemalige MfS-Gefängnis persönlich zu besuchen. Bei Besuchen von Bundesministern
und Abgeordneten des Deutschen Bundestages und verschiedener Landtage beteiligte er
sich oft auch selbst an der Führung. Viele Entscheidungsträger traten daraufhin dem Verein
bei oder unterstützten seine Arbeit durch eine
Spende. Inzwischen gehören dem Verein 160
Mitglieder an.
Aufgrund seiner gewachsenen Bedeutung
und der stetig steigenden Zahl seiner Mitglie-

Förderverein

der gibt der Förderverein seit Ende 2005 ein
vierteljährliches „Nachrichteninfo“ heraus. Es
informiert Mitglieder und Freunde des Vereins
über die Arbeit der Gedenkstätte und des Vorstands. Das Heft mit einem Umfang von bis
zu 36 Seiten erscheint in einer Druckauflage
von 700 Exemplaren; elektronisch wird es an
1 000 Einzelpersonen und Institutionen verschickt. Das „Nachrichteninfo“ liegt auch in
der Buchhandlung der Gedenkstätte aus und
ist dort gegen eine Spende zu erhalten. Zur
Herstellung der Hefte arbeitet der Vorstand mit
einer Grafikerin und einer Grafikdesignerin zusammen, die auch den Webauftritt des Vereins
betreuen. Einmal im Jahr lädt der Vorstand die
Mitglieder und Freunde des Vereins zu einem
informellen Treffen ein, um in ungezwungener
Atmosphäre aktuelle Themen der Arbeit zu besprechen.

Von links nach rechts: Der Laudator des 2. Hohenschönhausen-Preises, Bundesminister a. D. Wolfgang
Tiefensee (SPD), Gedenkstättendirektor Hubertus Knabe, der Leiter der saarländischen Landesvertetung,
Henry Bren d‘Amour, und der Fördervereinsvorsitzende Jörg Kürschner

69
Anhang
Chronik 2009/10
16. Januar 2009
Verleihung der Auszeichnung
„Ausgewählter Ort im Land der Ideen
2009“
Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen
8. Februar 2009
Gesicht zur Wand
Premiere des Dokumentarfilms von Stefan
Weinert in der Volksbühne Berlin
17. März 2009
Gewendet – vor und nach dem Mauerfall
Ausstellungseröffnung in der Gedenkstätte
Berlin-Hohenschönhausen
29. April 2009
Jürgen Fuchs – Vernehmungsprotokolle
Buchvorstellung und Diskussion in der Vertretung des Landes Thüringen beim Bund
5. Mai 2009
Besuch der Bundeskanzlerin
Dr. Angela Merkel
Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen
6. Mai 2009
Vorwärts und vergessen
Buchvorstellung und Diskussion in der Vertretung des Landes Sachsen-Anhalt beim Bund
23. Mai 2009
Bürgerfest der Bundesregierung
Straße des 17. Juni, Berlin-Mitte
29. Juni bis 3. Juli 2009
Akte R – ein deutsch-deutscher Krimi
Theaterstück in Koop. mit dem Theater Strahl,
Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen
29. Juli 2009
Vergessene Opfer der Mauer
Buchvorstellung und Lesung in der Vertretung
des Landes Hessen beim Bund
22. und 23. August 2009
Tag der offenen Tür der Bundesregierung
Infostand im Presse- und Informationsamt der
Bundesregierung, Berlin-Mitte
29. August 2009
25. Lange Nacht der Museen
Sonderführungen und Filmvorführungen in
der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen

12. und 13. September 2009
Tag des offenen Denkmals
Sonderführungen in der Gedenkstätte BerlinHohenschönhausen
16. September 2009
Klaus Kordon – Auf der Sonnenseite
Buchvorstellung und Gespräch mit dem Autor
in der Gedenkstätte Berlin-Hohenschön­
hausen
22. Oktober 2009
Chronik der Gewalt / Der baltische Weg
Eröffnung der litauischen Doppelausstellung
in der Gedenkstätte Berlin-Hohenschön­
hausen
24. Oktober 2009
Gedenkfeier für die Toten des sowjetischen
Speziallagers Nr. 3
DenkOrt auf dem Städtischen Friedhof Gärtnerstraße, Berlin-Lichtenberg
29. Oktober 2009
Stasi-Live-Haft – Internet-Kunstaktion
Pressekonferenz in der Gedenkstätte BerlinHohenschönhausen
5. November 2009
Die vergessenen Opfer der Mauer
Lesung mit dem Zeitzeugen Karl-Heinz
Richter am Carl-von-Ossietzky-Gymnasium,
Berlin-Pankow
26. November 2009
2. Hohenschönhausen-Forum:
Auferstanden aus Ruinen – Droht eine
Renaissance des Kommunismus?
Tagung in Koop. mit der Konrad-Adenauer-Stiftung, Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen
1. Dezember 2009
Doppelt verfolgt – das widerständige Leben des Arno Wend
Buchvorstellung und Diskussion mit Mike
Schmeitzner in der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen
16. Januar 2010
Bürgerfest im Archiv der BStU
Infostand
19. Februar 2010
Feindliche Brüder? Die Aufarbeitung von
Nationalsozialismus und Kommunismus
als Gegenwartsaufgabe
Vortrag und Diskussion zum Abschied des
stellvertretenden Direktors Siegfried Reiprich

70

14. bis 16. April 2010
Akte R – ein deutsch-deutscher Krimi
Theaterstück in Koop. mit dem Theater Strahl,
Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen
2. Juni 2010
Medizin hinter Stacheldraht – Das
Haftkrankenhaus des MfS
Vortrag und Diskussion mit Tobias Voigt und
Peter Erler, Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen
15. Juni 2010
Gewalt hinter Gittern – Gefangenenmisshandlungen in der DDR
Ausstellungseröffnung mit der Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen
16. Juni 2010
Enthüllung einer Gedenktafel anlässlich
des 17. Juni 1953
Vivantes-Klinikum, Berlin-Friedrichshain
23. Juni 2010
10 Jahre Stiftung Gedenkstätte BerlinHohenschönhausen
Pressekonferenz und Festakt mit Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit,
Maxim-Gorki-Theater, Berlin-Mitte
4. Juli 2010
Open-Air-Lesemarathon auf dem
Alexanderplatz
Lesung u. a. mit Lutz Rathenow, Dr. Bettina
Greiner, Dr. Hubertus Knabe und Helmuth
Frauendorfer
12. August 2010
Umbaumaßnahmen und Dauerausstellung
Pressekonferenz in der Gedenkstätte BerlinHohenschönhausen
21. und 22. August 2010
Tag der offenen Tür der Bundesregierung
Infostand im Presse- und Informationsamt der
Bundesregierung, Berlin-Mitte
10. September 2010
2000 Zeichnungen – inhaftiert
Ausstellungeröffnung und Performance in der
Galerie Epicentro art
11. und 12. September 2010
Tag des offenen Denkmals
Sonderführungen in der Gedenkstätte BerlinHohenschönhausen
13. September 2010
2000 Zeichnungen – inhaftiert

Anhang

Ausstellungseröffnung in der Gedenkstätte
Berlin-Hohenschönhausen
27. und 28. September 2010
20 Jahre Schließung des Stasi-Gefängnisses Berlin-Hohenschönhausen
Festakt und Schüler-Zeitzeugen-Begegnung,
Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen
5. Oktober 2010
An den Rand geschrieben – Rumäniendeutsche Schriftsteller im Fadenkreuz der
Securitate
Dokumentarfilmpremiere im Hackesche Höfe
Kino, Berlin-Mitte
24. Oktober 2010
Gedenkfeier für die Toten des sowjetischen
Speziallagers Nr. 3
DenkOrt auf dem Städtischen Friedhof Gärtnerstraße, Berlin-Lichtenberg
27. bis 29. Oktober 2010
Verbrechen der Diktaturen in Osteuropa
Internationale Konferenz des Literaturhauses
Berlin, der Robert Bosch Stiftung und der
Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen,
Berlin-Charlottenburg
8. November 2010
3. Hohenschönhausen-Forum:
Unvergleichbar? Nationalsozialismus und
Kommunismus im 20. Jahrhundert
Tagung in Koop. mit der Konrad-Adenauer-Stiftung, Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen
17. und 18. November 2010
Akte R – ein deutsch-deutscher Krimi
Theaterstück in Koop. mit dem Theater Strahl,
Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen
25. November 2010
Das letzte Jahr der Untersuchungshaftanstalt Berlin-Hohenschönhausen
Vortrag von Tobias Voigt und Peter Erler, Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen
7. Dezember 2010
Was kommt nach Castro? Menschenrechte
und Demokratiebewegung in Kuba
Diskussionsveranstaltung in Koop. mit der
Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte im Abgeordnetenhaus von Berlin
9. Dezember 2010
Was will die chinesische Opposition? Der
Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo und
die Demokratiebewegung in China
Diskussionsveranstaltung in der Gedenkstätte
Berlin-Hohenschönhausen

Anhang

Stiftungsgesetz
Gesetz über die Errichtung der Stiftung
„Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen“
vom 21. Juni 2000
§ 1 Errichtung
Unter dem Namen „Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen“ wird eine rechtsfähige Stiftung des öffentlichen Rechts mit Sitz in Berlin
errichtet. Die Stiftung entsteht mit dem Inkrafttreten dieses Gesetzes.
§ 2 Aufgaben und Zweck der Stiftung
(1) Zweck der Stiftung ist es, in der Gedenkstätte, die zugleich die Funktion eines Dokumentations- und Begegnungszentrums hat,
die Geschichte der Haftanstalt Hohenschönhausen in den Jahren 1945 bis 1989 zu erforschen, über Ausstellungen, Veranstaltungen
und Publikationen zu informieren und zur Auseinandersetzung mit den Formen und Folgen
politischer Verfolgung und Unterdrückung in
der kommunistischen Diktatur anzuregen. Am
Beispiel dieses Gefängnisses ist zugleich über
das System der politischen Justiz in der Deutschen Demokratischen Republik zu informieren. Die Stiftung soll das Land Berlin in allen
einschlägigen Angelegenheiten beraten und
unterstützen.
(2) Die Stiftung verfolgt ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige Zwecke im Sinne des
Abschnitts „Steuerbegünstigte Zwecke“ der
Abgabenordnung.
(3) Näheres regelt die Satzung.
§ 3 Stiftungsvermögen
(1) Die vom Land Berlin für die Stiftung „Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen“ erworbenen beweglichen und unbeweglichen Vermögensgegenstände werden auf die Stiftung
übertragen.
(2) Der Stiftung werden zur Wahrnehmung des
in § 2 genannten Zwecks die Grundstücke und
Gebäude in der ehemaligen Untersuchungshaftanstalt Hohenschönhausen, Genslerstraße
66 einschließlich ihres Inventars zur Nutzung
überlassen, und zwar unentgeltlich bis zur Einführung einer generellen Vergütungsregelung
für die Nutzung landeseigener Flächen. Die
Stiftung ist verpflichtet, die Nutzung dieser Gebäude und Grundstücke aufzugeben, wenn sie
diese für ihre Aufgaben nicht mehr benötigt.
(3) Zur Erfüllung des Stiftungszwecks erhält die
Stiftung einen jährlichen Zuschuss des Bundes
und des Landes Berlin nach Maßgabe des jeweiligen Bundes- und Landeshaushalts.
(4) Die Mittel der Stiftung sind nur im Sinne
des Stiftungszwecks zu verwenden. Die Stif-

71

tung ist selbstlos tätig; sie verfolgt nicht in
erster Linie eigenwirtschaftliche Zwecke. Es
darf keine Person durch Ausgaben, die dem
Zweck der Stiftung fremd sind, oder durch unverhältnismäßig hohe Vergütungen begünstigt
werden.
(5) Die Stiftung ist berechtigt, Zuwendungen
von dritter Seite anzunehmen. Diese Leistungen sind unter Berücksichtigung etwaiger vom
Zuwendungsgeber getroffener Zweckbestimmungen zur Erfüllung des Stiftungszwecks zu
verwenden.
(6) Bei ersatzloser Aufhebung oder bei Wegfall des bisherigen Zwecks der durch dieses
Gesetz errichteten Stiftung fällt deren Vermögen dem Land Berlin zu, das es unmittelbar
und ausschließlich für gemeinnützige Zwecke
im Sinne des Abschnitts „Steuerbegünstigte
Zwecke“ der Abgabenordnung und in einer
dem Stiftungszweck möglichst nahe kommenden Weise zu verwenden hat.
§ 4 Organe der Stiftung
(1) Die Organe der Stiftung sind
1. der Stiftungsrat,
2. der Vorstand und
3. der Beirat.
(2) Die ehrenamtlich tätigen Mitglieder des
Stiftungsrats und des Beirats haben einen Anspruch auf die Erstattung von Reisekosten und
sonstigen Auslagen nach den für die Berliner
Verwaltung geltenden Bestimmungen.
§ 5 Stiftungsrat
(1) Der Stiftungsrat besteht aus fünf Mitgliedern. Ihm gehören an:
1. das für kulturelle Angelegenheiten zuständige Mitglied des Senats,
2. eine Vertreterin oder ein Vertreter der Senatsverwaltung für Justiz,
3. eine Vertreterin oder ein Vertreter des für
Angelegenheiten der Kultur zuständigen Mitglieds der Bundesregierung,
4. die oder der Vorsitzende des Beirats,
5. ein weiteres Mitglied des Beirats.
(2) Für jedes Mitglied ist für den Fall der Verhinderung ein stellvertretendes Mitglied zu
benennen. Das für kulturelle Angelegenheiten
zuständige Mitglied des Senats wird durch die
Staatssekretärin oder den Staatssekretär vertreten.
(3) Die entsendungsberechtigten Stellen können jedes von ihnen entsandte Mitglied abberufen, sofern die Mitgliedschaft nicht an eine
bestimmte Funktion gebunden ist. Scheidet
ein Mitglied oder ein stellvertretendes Mitglied
aus, so ist ein neues Mitglied oder ein neues
stellvertretendes Mitglied zu entsenden.
(4) Den Vorsitz führt das für kulturelle Angelegenheiten zuständige Mitglied des Senats.

72

Jedes Mitglied hat eine Stimme im Stiftungsrat. Im Falle der Verhinderung kann die Stimmausübung einem anderen Mitglied des Stiftungsrats übertragen werden. Der Stiftungsrat
ist beschlussfähig, wenn mehr als die Hälfte
seiner Mitglieder anwesend ist. Er fasst seine
Beschlüsse mit einfacher Mehrheit. Die Stimme der oder des Vorsitzenden gibt bei Stimmengleichheit den Ausschlag.
(5) Der Stiftungsrat beschließt alle Angelegenheiten von grundsätzlicher oder besonderer
Bedeutung sowie den Haushaltsplan.
(6) Die oder der Vorsitzende des Stiftungsrats
hat das Recht, die Prozessführung in Rechtsstreitigkeiten an sich zu ziehen. Der Stiftungsrat ist über anhängige Rechtsstreitigkeiten unverzüglich zu unterrichten.
(7) Der Stiftungsrat ist Personalstelle und Personalwirtschaftsstelle. Er kann diese Befugnisse auf die Vorsitzende oder den Vorsitzenden
des Stiftungsrats übertragen. Personalstelle
für den Vorstand ist die oder der Vorsitzende
des Stiftungsrats.
(8) Näheres regelt die Satzung.
§ 6 Vorstand
(1) Der Vorstand führt die laufenden Geschäfte
der Stiftung. Er ist dabei an die Beschlüsse und
Weisungen des Stiftungsrats gebunden.
(2) Der Vorstand vertritt die Stiftung gerichtlich
und außergerichtlich.
(3) Der Vorstand ist die Direktorin oder der Direktor der Gedenkstätte. Sie oder er wird vom
Stiftungsrat bestellt und kann nicht dessen
Mitglied sein. Der Stiftungsrat bestimmt auch
die Vertretung des Vorstands.
(4) Näheres regelt die Satzung.
§ 7 Beirat
(1) Der Beirat berät den Stiftungsrat sowie den
Vorstand in allen inhaltlichen und gestalterischen Fragen.
(2) Der Beirat besteht aus mindestens zehn
und höchstens 15 sachverständigen Mitgliedern; die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen
und Männern soll dabei sichergestellt werden.
Ihm gehören an:
1. Vertreterinnen und Vertreter von Gedenkstätten,
2. Vertreterinnen und Vertreter von Einrichtungen, Gruppen und Initiativen, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie sonstige
qualifizierte Persönlichkeiten, die mit dem Stiftungszweck befasst sind.
(3) Die Mitglieder des Beirats werden von der
oder dem Vorsitzenden des Stiftungsrats im
Einvernehmen mit dem für Angelegenheiten
der Kultur zuständigen Mitglied der Bundesre-

Anhang

gierung für die Dauer von drei Jahren berufen.
Die Wiederberufung ist zulässig.
(4) Der Beirat wählt aus seiner Mitte eine Vorsitzende oder einen Vorsitzenden sowie eine
stellvertretende Vorsitzende oder einen stellvertretenden Vorsitzenden. Er benennt das
weitere Mitglied des Stiftungsrats (§ 5 Abs. 1
Satz 2 Nr. 5).
(5) Näheres regelt die Satzung.
§ 8 Personal
Für die Stiftung ist die Anwendung des Tarifrechts des öffentlichen Dienstes ausgeschlossen.
§ 9 Satzung
(1) Die Stiftung gibt sich eine Satzung, die vom
Stiftungsrat mit der einfachen Mehrheit seiner
Mitglieder beschlossen wird. Das Gleiche gilt
für Änderungen der Satzung.
(2) Die Satzung trifft nähere Bestimmungen
über Organisation und Verwaltung der Stiftung.
§ 10 Berichterstattung
Der Vorstand legt alle zwei Jahre einen öffentlich zugänglichen Bericht über die Tätigkeit der
Stiftung vor.
§ 11 Aufsicht, Rechnungsprüfung
(1) Die Staatsaufsicht über die Stiftung führt
die für kulturelle Angelegenheiten zuständige
Senatsverwaltung.
(2) Für das Haushalts-, Kassen- und Rechnungswesen sowie für die Rechnungslegung
der Stiftung gelten die für die unmittelbare
Landesverwaltung maßgeblichen Bestimmungen. Der Vorstand veranlasst die Prüfung der
Rechnungslegung durch eine Wirtschaftsprüferin oder einen Wirtschaftsprüfer, die oder der
im Einvernehmen mit der Aufsichtsbehörde
und dem Rechnungshof von Berlin bestellt
wird. Das Prüfungsrecht des Rechnungshofs
von Berlin bleibt hiervon unberührt.
(3) Näheres regelt die Satzung.
§ 12 Übergang von Rechten und Pflichten
(1) Sämtliche Rechte und Pflichten, die das
Land Berlin für die „Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen“ übernommen hat, werden
auf die Stiftung übergeleitet.
(2) Bis zur Bestellung des ersten Vorstands
wird die bisherige kommissarische Direktorin
der Gedenkstätte von der oder dem Vorsitzenden des Stiftungsrats mit der Wahrnehmung
der in § 6 genannten Aufgaben beauftragt.
§ 13 Inkrafttreten
Dieses Gesetz tritt am 1. Juli 2000 in Kraft.

73

Anhang

Gremienmitglieder
(Stand: 31.12.2010)

Stiftungsrat
Mitglieder
Dr. h. c. André Schmitz (Vorsitzender)
Staatssekretär für kulturelle Angelegenheiten in der Senatskanzlei Berlin

Vertreter
Volker Heller
Abteilungsleiter in der Senatskanzlei Berlin,
Kulturelle Angelegenheiten

Dr. Ingeborg Berggreen-Merkel
Ministerialdirektorin beim Beauftragten der
Bundesregierung für Kultur und Medien

Dr. Michael Roik
Gruppenleiter beim Beauftragten der
Bundesregierung für Kultur und Medien

Hasso Lieber
Staatssekretär der Senatsverwaltung für
Justiz des Landes Berlin

Dr. Joachim Vetter
Senatsdirigent der Senatsverwaltung für
Justiz des Landes Berlin

Rainer Wagner
Beiratsvorsitzender

Ulrike Poppe
Stellvertretende Beiratsvorsitzende

Siegfried Reiprich
Beiratsmitglied

N.N.

Beirat
Vorsitzender
Rainer Wagner
Union der Opferverbände kommunistischer
Gewaltherrschaft (UOKG)
Mitglieder
Marianne Birthler
Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen
Heidi Bohley
Verein Zeit-Geschichte(n) e. V.
Prof. Dr. Rainer Eckert
Direktor des Zeitgeschichtlichen Forums in
Leipzig
Dr. Regine Falkenberg
Stiftung Deutsches Historisches Museum
Dr. Jens Gieseke
Zentrum für zeithistorische Forschung,
Potsdam
Dr. Anna Kaminsky
Geschäftsführerin der Bundesstiftung zur
Aufarbeitung der SED-Diktatur
Dr. Jörg Kürschner
Journalist und Vorsitzender des
Fördervereins Gedenkstätte BerlinHohenschönhausen

Stellvertretende Vorsitzende
Ulrike Poppe
Beauftragte des Landes Brandenburg zur
Aufarbeitung der Folgen der
kommunistischen Diktatur
Dr. Peter März
Direktor der Bayerischen Landeszentrale für
politische Bildung
Siegfried Reiprich
Geschäftsführer der Stiftung Sächsische
Gedenkstätten zur Erinnerung an die Opfer
politischer Gewalt
Edda Schönherz
Stellv. Landesvorsitzende der Vereinigung
der Opfer des Stalinismus (VOS) BerlinBrandenburg
Prof. Dr. Hermann Wentker
Leiter der Außenstelle Berlin des Instituts
für Zeitgeschichte
Prof. Dr. Manfred Wilke
Politikwissenschaftler
Hans-Eberhard Zahn
Psychologe

74

Anhang

(Stand: 31.12.2010)

Andrea Moll
Wissenschaftliche Mitarbeiterin
Dauerausstellung

Dr. Hubertus Knabe
Direktor

Steffen Noack
Lehrer Pädagogische Arbeitsstelle

Helmuth Frauendorfer
Stellvertretender Direktor
Referent für politische Bildung

Jessica Piwecki
Sachbearbeiterin Haushalt und Personal

Mitarbeiter

Andreas Borsch
Rechercheur Dauerausstellung
Andreas Engwert
Wissenschaftlicher Mitarbeiter
Dauerausstellung
Kathleen Erdmann
Museologin Sammlung
Peter Erler
Pädagogische Fachkraft, Historiker
Katrin Grajetzki
Wissenschaftliche Volontärin
Mechthild Günther
Wissenschaftliche Mitarbeiterin
Zeitzeugenarchiv
Karsten Harfst
Lehrer Pädagogische Arbeitsstelle
Wolfgang Hoffmann
Mitarbeiter Hausorganisation

Christiane Rudolph
Wissenschaftliche Assistentin Sammlung
Alena Salsa
Verwaltungsleiterin
Hartwig Sprotte
Mitarbeiter Hausorganisation
Jessica Steckel
Projektmitarbeiterin Zeitzeugenbörse
Hardburg Stolle
Mitarbeiterin Besucherdienst

Besucherreferenten
(Stand: 31.12.2010)

Wolfgang Arndt
Reinhard Bernauer
Michael Bradler
Hans-Jürgen Breitbarth
Mirna Campanella
Sandra Czech

Enrico Jähn
Mitarbeiter Besucherdienst

Kristal Davidson

Ute Kietzmann
Lehrerin Pädagogische Arbeitsstelle

Hansjürg Deschner

Jörn Kleinhardt
Museologe Sammlung

Rainer Dellmuth
Anette Detering
Arno Drefke
Dieter Drewitz
Gerhard Ehlert

André Kockisch
Referent für Öffentlichkeitsarbeit/
Bibliothek/Archiv

Rainer Ehrlich

Michaele Lampe
Chefsekretärin
Direktionsassistenz

Mike Fröhnel

Eva Langhals
Wissenschaftliche Volontärin
Daniela Martinowa
Museologin Dauerausstellung

Siegmar Faust
Robert Fissenewert
Reinhard Fuhrmann
Gilbert Furian
Maria Luise Gäde
Jorge L. García Vázquez
Juliana Gralak
Bettina Greiner
Franziska Groszer

Anhang

75

Anne Hesse

Gerhard „Charly“ Rau († 23.09.2011)

Lutz Hildebrandt

Thomas Raufeisen

Stephan Horn

Friedhelm Reis

Horst Jänichen

Bärbel Richter

Cliewe Juritza

Hartmut Richter

Eberhard Kaduk

Karl-Heinz Richter

Kristin Kallweit

Mario Röllig

Franziska Kelch

Wolfgang Rüddenklau

Daniel Krausz

Peter Rüegg

Norbert Krebs

Hartmut Rührdanz

Dr. Jörg Kürschner

Harry Santos

Eva Langhals

Hans-Jochen Scheidler

Lutz „Ret“ Langmeier

Constance Schlösser

Christina Lazai

Edda Schönherz

Vera Lengsfeld

Andrew Smith

Andreas Mehlstäubl

Jessica Steckel

Matthias Melster

Mario Thom

Philip Milek

Edgar Voß

Ehrhard Neubert

Dieter Walter

Sigrid Paul († 19.06.2011)

Wolfgang Warnke

Herbert Pfaff

Dieter von Wichmann

Sören Priebe

Peter Wulkau

Gisela Quasdorf

Hans-Eberhard Zahn

Elisabeth Quast

76

Besucherstimmen
Schüler und Jugendliche
Danke für die wichtigen Informationen über
die Stasi, sehr informativ und interessant.
Ein Teil der deutschen Geschichte, man sollte
nicht schweigen und darüber hinwegschauen!
Christina K. und Kai G.
Gästebucheintrag vom 4. Januar 2009
Vielen Dank für diesen schockierenden
Besuch. Wir haben wirklich etwas fürs Leben
mitgenommen.
11. Klasse der Freien Waldorfschule Heidelberg
Gästebucheintrag vom 13. März 2009
Sehr beeindruckend, da werde ich noch lange
drüber nachdenken!
Julius (13 J.)
Gästebucheintrag vom 9. April 2009
Eine sehr beeindruckende Führung, die die
eigentlichen Vorstellungen über diese Zeit
bei Weitem auf brutalste Art und Weise
übertrifft… Mit Abstand die bis jetzt beeindruckendste Führung meines Lebens, sehr gut.
Vielen Dank!
Abschlussklassen 2009 der Kooperative Gesamtschule Norderney
Gästebucheintrag vom 17. Juni 2009

Anhang

Eine beeindruckende, unglaublich erschreckende Reise in die (noch nahe) Vergangenheit Berlins.
Theresa
Gästebucheintrag vom 22. Februar 2010
Die Führung am 3. März 2010 war sehr
eindrucksvoll, erschütternd, gut dass es
Menschen gibt, die aus dieser Zeit berichten
können! Hochachtung vor dem Zeitzeugen
Matthias Melster (super Führung).
Altenpflegeschule Arnsberg
Gästebucheintrag vom 3. März 2010
Lieber Herr Krebs, (…) Ich möchte Ihnen mit
diesem Brief nur kurz sagen, wie sehr Ihre
Führung und Ihre eindringlichen Worte am
Ende des Besuches alle Schülerinnen und
Schüler beeindruckt haben. Sie haben es
geschafft, in den Köpfen der Schüler einen
Denkprozess anzustoßen, der mit Sicherheit
dazu führt, dass sie die heute manchmal allzu
selbstverständlich und gleichgültig zur Kenntnis genommenen Rechte und persönlichen
Freiheiten bewusster wahrnehmen und aktiv
in ihrem Leben dafür eintreten werden.
Hubert F., Lehrer, Gymnasium St. Konrad
Ravensburg
E-Mail vom 7. März 2010

Unglaublich, unbegreiflich und sehr bewegend.
Gästebucheintrag vom 3. Juli 2009

Für Frau Lengsfeld,
vielen Dank für Ihre herzliche und informative
Führung! Danke, dass Sie Ihre persönlichen
Erlebnisse so offen mit uns geteilt haben. Wir
fanden es alle sehr, sehr interessant!!!
Robert-Blum-Gymnasium Berlin
Gästebucheintrag vom 29. März 2010

Ein bewegendes Denkmal gegen Unterdrückung und Gewaltherrschaft. Gerade die Tatsache, dass Zeitzeugen als Besucherreferenten
fungieren, beeindruckt! Ein Mahnmal, dessen
Erhaltung oberste Priorität haben muss.
Jahrgang 11, Willigis-Gymnasium Mainz
Gästebucheintrag vom 8. Juli 2009

Vielen Dank an die Gedenkstätte und vor
allem an Herrn Warnke für die Möglichkeit
und die unglaublich interessante Führung. Ich
finde Ihre Einstellung gegenüber Ihrer Vergangenheit bewundernswert.
Ulrike V.
Gästebucheintrag vom 25. Juni 2010

Wir bedanken uns für die hervorragende
Führung. Es war interessant für uns, diese
Seite der „DDR“-Politik kennen zu lernen und
gehen mit nachdenklichen Schritten. Wir können unsere „Freiheit“ im Westen nun noch
besser schätzen.
Gästebucheintrag vom 20. September 2009

Bewegend!
Besser als jeder Geschichtsunterricht!
Beisenkamp-Gymnasium Hamm
Gästebucheintrag vom 10. Juli 2010

Es war eine unglaubliche Führung, die uns
sehr gefallen hat. Vor allem deswegen, weil
wir einen Zeitzeugen als Führer hatten. Sehr
empfehlenswert!
Gymnasium Grimmen
Gästebucheintrag vom 9. November 2009

Heute haben wir viel über die deutsche
Vergangenheit gelernt, dies hat manche von
uns sehr geschockt und uns zum Nachdenken gebracht, ich bin froh, heute mit meiner
Abschlussklasse hier gewesen zu sein.
Tim (16 J.), Würmtalschule Merklingen
Gästebucheintrag vom 13. Juli 2010

Anhang

Wir haben in zwei Stunden hier mehr gelernt
als in ein paar Wochen Schule. Vielen Dank!
Immanuel-Kant-Gymnasium Leinfelden-Echterdingen
Gästebucheintrag vom 21. Juli 2010
Wir bewundern euch für eure Kraft.
Emmy-Noether-Gymnasium Erlangen
Gästebucheintrag vom 22. Juli 2010
Ich danke für die sehr interessante Führung.
Ich habe den tiefsten Respekt vor allen, die
hier gefangen waren und nun hier arbeiten.
Meik
Gästebucheintrag vom 9. September 2010
Erwachsene
Es war der eindrucksvollste und ergreifendste
Besuch eines DDR-(Relikts)Mahnmals, den
man sich vorstellen kann.
S., Wien
Gästebucheintrag vom 2. Januar 2009
Wir sind beeindruckt und aufs Tiefste berührt – vielen Dank für die Eindrücke, die wir
sammeln durften, wir nehmen viel mit!
Gästebucheintrag vom 12. Februar 2009
Für uns war es eine Ehre, einen lebendigen
Widerstandskämpfer kennenlernen zu dürfen.
Gästebucheintrag vom 10. März 2009
Nach dem Vortrag fällt es uns schwer, einfach
wieder in die Normalität überzugehen. Wir
sind tief betroffen.
Sylvia M. und Andreas G.
Gästebucheintrag vom 9. April 2009
Eine unvergessliche Reise zurück in die DDR!
Unfassbar, schockierend und so authentisch.
Danke für diese Eindrücke!
Fachakademiker für Sozialpädagogik Zwiesel
Gästebucheintrag vom 14. April 2009
Ja, schämen, da ist irgendwie schon was
dran. Allerdings: Dafür, dass ich mich jetzt
schäme, kann sich keiner von denen was
kaufen, die ich damals verhört habe. Es ist
eine schlimme Situation, denn ich habe ja
echt schuld, weil ich Dinge mitgemacht habe,
die in die Persönlichkeit desjenigen so scharf
eingegriffen haben, dass sein persönliches
Fortkommen völlig zu Bruch ging. Eigentlich
spricht man nicht mehr gerne darüber. Man
würde es doch lieber ganz vergessen.
Eingeschweißtes Papier, gefunden in der
Besuchertoilette am 29. April 2009

77

Herzlichen Dank an Initiatoren und Wirkende
für die Aufklärung.
Reiner K. und Bettina B.
Gästebucheintrag vom 4. Mai 2009
Die Führung war sehr sperrig, anstrengend,
schwer einzuordnen. Aber eines hat sie
bewirkt: Ich kann danach nicht gedankenlos
weitergehen. Respekt, Herr Deschner.
Gästebucheintrag vom 19. Mai 2009
Die Führung durch Herrn Deschner hat mir
wertvolle Impulse für mein gesellschaftliches
und politisches Denken und Handeln gegeben.
Klaus W.
Gästebucheintrag vom 23. Mai 2009
Sehr geehrter Herr Rüegg,
als mein Mann und ich am 16. Oktober 2008
an Ihrer Führung teilnahmen, konnten wir
nicht ahnen, dass uns das so beeindrucken
würde. Zwar war uns die Stasi natürlich
bekannt, wussten wir, glaubten wir, was die
DDR ihren Bürgern zumuten konnte, aber
dass es so schlimm war, konnten wir im
Traum nicht ahnen. Uns wurde ein historischer Einblick vermittelt, und zwar auf eine
Art und Weise, wie ihn das beste Lehrbuch
nicht bieten kann.
Familie Z.
Brief vom 10. Juni 2009
Es war für mich sehr interessant. Ich muss
politisch umdenken lernen.
Peter L. ( 54 J.), Pforzheim
Gästebucheintrag vom 4. Juli 2009
Es ist ein großes Glück für uns alle, dass es
Menschen gibt, die gegen das Vergessen dieser unglaublichen Verbrechen an Menschen
wirken. Danke dafür!
Familie H.
Gästebucheintrag vom 17. August 2009
Ich möchte die Gelegenheit nutzen, Ihnen und
Ihren Mitarbeitern für Ihre Arbeit zu danken.
Ich beobachte immer wieder, wie von interessierter Seite versucht wird, das DDR-Unrecht
zu verharmlosen. Die von Ihnen geleitete
Gedenkstätte kann dazu beitragen, diesen
dreisten Versuch der Geschichtsklitterung zu
vereiteln.
Jörg E.
E-Mail vom 15. Oktober 2009
Jedem, der heute noch versucht, der „Demokratischen Republik“ Positives abzugewinnen,
sollte man diese grauenvolle Haftanstalt vor
Augen führen.

78

Günter und Gertrud L.
E-Mail vom 15. Oktober 2009
Aufschlussreich und schockierend zugleich.
Die Mitarbeiter der Gedenkstätte leisten
einen beeindruckenden und unverzichtbaren
Beitrag zur Aufklärung und Vergangenheitsbewältigung.
Gästebucheintrag vom 16. Oktober 2009
Obwohl unsere Besuchergruppe mit 80
Personen sehr groß war, ist es Ihnen gelungen, drei leidenschaftliche „Führer“ für uns zu
gewinnen, die die Teilnehmer haben erschaudern lassen, über die geschilderten Ereignisse, die sich vor der Wende im Stasi-Gefängnis
abgespielt haben. Auch mir, der schon zum
dritten Mal die Gedenkstätte besuchte, blieb
wieder ein beklemmender Kloß im Hals stecken. Ich bin mir sicher, dass die Geschichten
der Menschen, die das Stasi-Gefängnis selbst
erlebt haben, uns jeden Tag aufs Neue antreiben sollten, um unsere Demokratie noch ein
Stück lebenswerter zu machen, getreu der
Verpflichtung: „Freiheit ist immer eine Freiheit in Verantwortung. Frieden, Freiheit und
Rechtsstaatlichkeit sind ohne persönliches
Engagement und persönlichen Einsatz nicht
zu haben.“
Manfred S.
Gästebucheintrag vom 16. November 2009
Tief beeindruckt und erschüttert verlasse ich
dieses Gebäude. Vielen Dank an alle, die hier
Geschichte aufarbeiten. Unser Streben gilt
dem Fortbestand der Demokratie!
A. R.
Gästebucheintrag vom 14. Januar 2010
Ich habe vergangenen Dienstag die Gedenkstätte besucht. Ihre Führung hat mich nachhaltig beeindruckt. Es war bis jetzt mit Abstand
die Beste, die ich durch eine Gedenkstätte
gemacht habe.
Mona G.
E-Mail vom 31. Januar 2010
Gestern haben meine Frau und ich die Gedenkstätte besichtigt und waren danach tief
erschüttert. Auch wenn wir schon viel über
die Verhältnisse dort und anderen Gefängnissen in der ehemaligen DDR gelesen haben –
eine Besichtigung sagt mehr als 1000 Worte!
Helmut v. D.
Brief vom 10. Februar 2010
Tragt das Erzählte, Geschehene und Empfundene raus aus diesen Mauern!
M. B.
Gästebucheintrag vom 13. Mai 2010

Anhang

Sehr beeindruckend, fast so schlimm wie die
NS-Verbrechen! Anerkennungswürdige, beeindruckende, informative Arbeit! Man sollte
das hier nicht verschweigen.
Gästebucheintrag vom 24. Mai 2010
Die Führung hat mich gelehrt, den Wert meiner Menschenrechte wertzuschätzen. Dank
der Führung empfinde ich Mitleid für die Fälle
in Guantanamo. Vielen Dank.
Hatice S. D.
Gästebucheintrag vom 25. Juni 2010
Nach 21 Jahren bringe ich es endlich fertig,
meine Vergangenheit (d.h. einen Teil) aufzuarbeiten. Und ich darf meine Hochachtung über
diese kompetente Führung ausdrücken. Ich
persönlich und auch meine Familie wünschen,
dass diese Stätte erhalten bleibt.
Katrin G. mit Familie
Gästebucheintrag vom 7. Juli 2010
Hier muss jeder Deutsche gewesen sein.
D. und F. L.
Gästebucheintrag vom 15. Juli 2010
Führung durch Mike:
Wir werden die Begegnung mit Ihnen, Ihre
inspirierenden Worte und die große Menschlichkeit nie vergessen.
M. B.
Gästebucheintrag vom 21. Juli 2010
Wir danken für die Information – es ist erfreulich, dass viele junge Menschen Interesse
haben. Klären Sie weiter auf. Es lohnt sich!
Gästebucheintrag vom 18. August 2010
Vielen Dank, Herr Walter, für Ihre informative
und emotionale Führung. Manches hat man
auch als ehemaliger DDR-Bewohner gar
nicht geahnt. Meine Hochachtung vor Ihrem
Engagement. Ich wünsche Ihnen weiterhin
Kraft dafür.
R. D. und C. B.
Gästebucheintrag vom 15. September 2010
Zeitzeugen und Angehörige
1983/84 hier gelitten! 18 Monate, dann Bautzen II!
Jürgen G.
Gästebucheintrag vom 9. Mai 2009
Ich war hier, Zelle 217, ein bewegender
Moment als ich sie nach 21 Jahren als freier
Mann betreten habe! Macht weiter so und
erhaltet diese Gedenkstätte.
Gästebucheintrag vom 8. Dezember 2009

Anhang

Ehemaliger Häftling von 1962: Es hat sich viel
verändert in den Zellen, Fenster, Anordnung
von Stühlen und Tischen. In den Gängen fehlt
der Teppich. Die Freizellen zu klein. Danke
schön!
S. S.
Gästebucheintrag vom 2. Juli 2009
Genau an dem denkwürdigen 15.01.10
unternahm ich eine Reise nach Berlin. Im
Rahmen dieser Tour besichtigte ich auch den
Nobelknast der Stasi. Nobelknast, ja, weil
andere UHAs viel schlechter ausgestattet
waren. In Dresden in der Bautzner Str. gab es
keine Fenster (Glasbausteine) nur Neonlicht
und mit einer Belegung der Zelle (Verwahrräume) zu zweit in etwa der gleichen Größe.
Der Tisch war zum Klappen und die Hocker
festgeschraubt. Die Erinnerungen waren
sofort wieder da. Ein großes Lob, denn es
wird in etwa genau erklärt, wie alles ablief,
bis zur Kriminalisierung und Verbüßen der
Haftstrafe dann in irgendeinem allg. Vollzug
der DDR. Eine Aufarbeitung der Geschichte,
die nicht jedem passen wird, dafür aber umso
wichtiger für nachfolgende Generationen. Ich
wünsche allen viel Erfolg bei dieser so wichtigen Aufgabe.
Jens Z.
E-Mail vom 21. Januar 2010
Wir sind tief bewegt, sind wir doch selbst
betroffen gewesen.
Chr. und Rolf G.
Gästebucheintrag vom 6. März 2010
Mein Eindruck von den Führungen (ich habe
an mehreren teilgenommen) ist ausgesprochen positiv. Die Aussagen treffen durchweg
zu und sind ein unerlässlicher Beitrag zur
politischen Bildung. Herzlichen Dank!
Edgar G., im „U-Boot“ inhaftiert gewesen
vom 14.12.57 bis etwa Mitte April 58. Verurteilt zu 9 Jahren Zuchthaus wegen „Staatsverrats“
Gästebucheintrag vom 15. April 2010
Wir bedanken uns für die informative Führung, da eine familiäre Geschichte hier gehandelt hat.
Carina, Sandra und Salin aus Darmstadt
Gästebucheintrag vom 14. Juli 2010
Im Andenken an meinen Großvater, der trotz
dieser Vergangenheit jeden Tag glücklich sein
kann!
Joachim S.
Gästebucheintrag vom 14. Juli 2010

79

Ausländische Besucher
Danke für die interessante Geschichte, die
uns der ehemalige Häftling erzählt hat. Aber
es wäre besser, wenn die Führungen auch auf
Russisch wären! Die jugendliche russische
Generation würde sich sehr für die andere
Geschichte (Stalin-Zeit, Kommunismus, DDR)
interessieren!
Schülergruppe aus St. Petersburg
Gästebucheintrag vom 19. Januar 2009
Thank you for sharing this very important
history with us.
Robert, USA/Canada
Gästebucheintrag vom 22. März 2009
Pour nous Suisses, il est souvent difficile de
constater que de telles horreurs ont existées!
Un grand merci à notre guide qui nous a fait
partager sa vie dans cette prison.
Chantal, Charly, Thibaud, Geoffroy, Schweiz
Gästebucheintrag vom 10. April 2009
Je fais hommage à mon père qui a toujours
volu que je rende visite à cette prison et aux
autres monuments historiques de Berlin. Il a
fait ses études à Reutlingen en Allemagne.
Il est décédé le 27.01.2009. Mon passage à
cette prison est un hommage à lui. Je rends
aussi hommage à tous les prisonniers vivants
[...] de cette prison.
Gästebucheintrag vom 28. Juni 2009
Erschütternd!
K. H. aus Brixen/Italien
Gästebucheintrag vom 3. Juli 2009
It was so good. I‘m lost for words! Thank you
for letting me see and hear about your history.
K. S., Dänemark
Gästebucheintrag vom 4. Juli 2009
Amazing eye-opening experience. Glad that
this part of history is being kept alive.
Well Done!
Lyle, São Paulo/Brazil
Gästebucheintrag vom 4. Juli 2009
I was able to participate on a tour on Saturday
by Jenny with Danish students. I appreciate
your letting me join the tour. Jenny was fantastic. This is one of the most interesting and
best done museums that I have ever seen.
You are all to be congratulated. I have told
friends and family this is a „must see“ when
they come to Berlin. Thanks again and please
keep up this important work.
David W.
Gästebucheintrag vom 26. September 2009

80

Dear Hans-Eberhard Zahn,
the most memorable part of my 1st visit to
Berlin was meeting you. Your generous and
gracious tour of the Stasi prison and hospital
was so thoughtful. You gave so much of yourself…. . What you said was so eloquent and
so straight from the heart. „Every suppressed
individual was an instrument to suppress everyone else.“ And isn‘t that true today, too?
Louis P., USA
Brief vom 25. Oktober 2009
Very interesting and eye-opening.
Gästebucheintrag vom 13. Februar 2010
Unheimlich bewegend und interessant; wir,
die Studenten von Sciences Po werden versuchen, die „Message“ von Herrn Scheidler
weiterzutragen und nicht zu vergessen. Vielen
herzlichen Dank!
Studenten der Sciences Po, Paris
Gästebucheintrag vom 12. März 2010
This was a big and important experience. Big
thanks to Hans-Jochen Scheidler for sharing
his story. We are glad we came!
Gästebucheintrag vom 18. März 2010
As Americans who have witnessed the discourses and justifications about Guantanamo
Bay, we feel that this site has contemporary
significance and enormous lessons to remind
us of that remain unlearned.
Laura, Melissa und Brian T.
Gästebucheintrag vom 6. Juli 2010

Anhang

I was very moved by the tour. I come from
Pakistan and this is as far removed from what
I have even known or experienced as possible. The tour-guide was not only informative, he
gave a personal well-informed view-point to
what people had to go through here.
This place has left a lasting impression and I
wish Germany best for the future.
Javaria, Princeton
Gästebucheintrag vom 10. Juli 2010
Vielen Dank, das war ein unvergesslicher Tag
für mich. Ich werde immer an diese Erfahrung
erinnern.
Stephan, Uganda
Gästebucheintrag vom 19. Juli 2010
Ich verstehe jetzt viel besser, dass es hier
noch viele viele Leute gibt, die noch sehr viel
zu verarbeiten haben...
Joan, Niederlande
Gästebucheintrag vom 1. August 2010
Ich bin während der Führung von der Grausamkeit der Menschen bzw. der Stasi
schockiert worden. Diktatur war immer die
schlechteste Politik. Danke für die Führung!
Lena, Russland (FU Sommerkurse)
Gästebucheintrag vom 21. August 2010
Eine sehr interessante Führung in einer Stätte
des Grauens! Mögen derartige „Auswüchse“
nie mehr stattfinden!
Hilde und Rudolf, Wien
Gästebucheintrag vom 9. September 2010

Anhang

81

Prominente
Die Gedenkstätte hat mir noch einmal vor Augen
geführt, in welcher Art und Weise die Würde der
Menschen mit Füßen getreten wurde. Es ist wichtig,
dass möglichst viele Menschen – gerade auch junge
– diese Zeit in der Geschichte unseres Landes kennenlernen. Den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern
ein herzliches Dankeschön für ihre Arbeit.
Dr. Angela Merkel, Bundeskanzlerin
5. Mai 2009

Dr. Angela Merkel (CDU)
Bundeskanzlerin

Mit einem großen Dankeschön für die engagierte
Erinnerungs- und Aufklärungsarbeit in Ihrem Hause
mit guten Wünschen.
Matthias Platzeck, Ministerpräsident des Landes
Brandenburg
2. September 2009

Matthias Platzeck (SPD)
Ministerpräsident des
Landes Brandenburg

Die Gedenkstätte ist ein wichtiges Beispiel für die
Unmenschlichkeit von Diktaturen – es ist wichtig, vor
allem jungen Menschen Gelegenheit zu geben, sich
mit diesen traurigen Fakten der Geschichte vertraut
zu machen.
S. E. Ralph Scheide, Botschafter der Republik Österreich
4. März 2010
Pls. never again; not here or any other place.
S. E. Mohamed Nasheed, Staatspräsident der Malediven
8. März 2010

S.E. Mohamed Nasheed
Staatspräsident der Malediven

Herzlichen Dank für Ihre Arbeit. Sie ist unendlich
wichtig, um die Erinnerung an das Unrecht, das ein
unmenschliches Regime geschaffen hat, wach zu
erhalten. Für diesen Auftrag haben Sie die Unterstützung der gesamten Abgeordneten der CSU-Landesgruppe im Deutschen Bundestag!
Dr. Hans-Peter Friedrich, Vorsitzender der CSU-Landesgruppe im Deutschen Bundestag
7. Mai 2010

Dr. Hans-Peter Friedrich (CSU)
Vorsitzender der CSU-Landesgruppe im
Deutschen Bundestag

Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im niedersächsischen Landtag dankt sehr herzlich für diese
außerordentlich beeindruckende Führung durch die
Gedenkstätte, die an ein menschenverachtendes
Regime erinnert!
Stefan Wenzel, Ina Korter, Ursula Helmhold, Miriam
Staudte, Christian Meyer, Helge Limburg, Filiz Polat,
Ralf Briese, Enno Hagenah
Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im niedersächsischen Landtag
11. Mai 2010
S.E. Ralph Scheide,
Botschafter der Republik Österreich

Die Ausstellung ist ein wichtiger weiterer Schritt, die
Erinnerung an den Unrechtsstaat DDR aufrecht zu
erhalten. Widerstand, der brutal unterdrückt wurde,
machte viele Menschen, die Freiheit wollten, zu
Opfern. Das darf nicht vergessen werden.
Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, Bundesjustizministerin, über die Ausstellung „Gewalt hinter
Gittern“
15. Juni 2010

Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP)
Bundesministerin der Justiz

82

Bildnachweise
BKM: S. 66 — Heidi Bohley/Privat: S. 66 — BStU: 27, 66 — Bundesregierung/Presse- und Informationsamt: S. 8, 81 — Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur: S. 28, 66 — Ludolf
Dahmen: S. 66 — Tim Deussen: S. 38 — Rainer Eckert/Privat: S. 66 — Regina Falkenberg/
Privat: S. 66 — Freiheit e.V.: S. 28 — Förderverein Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen: S.
66-68 — Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen: S. 11, 14, 15, 26, 28, 29, 31-42, 49, 55, 56,
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50 — Litauisches Zentrum zur Erforschung von Genozid und Widerstand: S. 27 — LKA Berlin: S.
44 — Peter März/Privat: S. 66 — hg merz: S. 61 — Robert Mispelbaum: S. 23 — Ulrike Poppe/
Privat: S. 66 — Dirk Rotermundt: S. 21, 22 — Henning Schacht: S. 81 — Arthur Schmidt/Gvoon:
S. 9, 12, 13, 20, 24, 45, 48, 49, 51, 53, 54 — Senatskanzlei Berlin: S. 7, 66 — Senatsverwaltung
für Justiz Berlin: S. 66 — Staatskanzlei Brandenburg: S. 81 — Theater Strahl: S. 37 — Rainer
Wagner/Privat: S. 66 — Manfred Wilke/Privat: S. 66 — ZZF: S. 66
Impressum
Herausgeber
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Bildbearbeitung
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