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Periodical volume

Full text: Tätigkeitsbericht Issue 4.2007/2008

4. Tätigkeitsbericht (2007-2008)

Stiftung Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen

Stiftung Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen

4. Tätigkeitsbericht (2007-2008)

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Inhalt
Vorab							7
Geleitwort von Klaus Wowereit		
7
Geleitwort von Bernd Neumann		
8
Vorwort						9
Besucherbetreuung					12
Besucherdienst					14
Prominente Besucher				15
Gedenkstättenpädagogik			 16
Buchhandlung					19
Besucherreaktionen				20
Besucherforschung				21
Ausstellungen					26
Musealer Rundgang				26
Sonderführungen					29
Zentrale Dauerausstellung			
30
Ständige Ausstellungen			
31
Wechselausstellungen				33
Veranstaltungen					37
Ausstellungseröffnungen			 38
Sonderveranstaltungen				39
Vorträge und Buchvorstellungen		
42
Literatur, Film und Theater			
44
Opfergedenken					45
Forschung						46
Sammlungen						51
Objektsammlung					51
Fotoarchiv					53
Zeitzeugenarchiv				54
Dokumentenarchiv				56
Bibliothek					56
Mediathek						58
Öffentlichkeitsarbeit				59
Medienbetreuung					60
Publikationen					62
Werbung						63
Bautätigkeit					64
Investive Maßnahmen				65
Unterhaltsmaßnahmen				65

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Inhalt

Haushalt						67
Personal						72
Stiftungsorgane					74
Förderverein					74
Anhang						76
Chronologie					76
Stiftungsgesetz					78
Gremienmitglieder				80
Mitarbeiter					81
Besucherreferenten				82
Besucherstimmen					83

7

Vorab
Geleitwort von Klaus Wowereit
Wenn die Stiftung Gedenkstätte BerlinHohenschönhausen ihren Tätigkeitsbericht für die Jahre 2007/2008 vorlegt,
dann geschieht dies in einer erinnerungspolitisch höchst empfänglichen Zeit: Mit
dem 20. Jahrestag von Friedlicher Revolution und Mauerfall, dem 20. Jahrestag der
deutschen Wiedervereinigung sowie dem
50. Jahrestag des Mauerbaus stehen zwischen 2009 und 2011 gleich drei Anlässe
auf der Agenda, um der systematischen
Unterdrückung und Verfolgung in der
DDR zu gedenken, sich aber auch dankbar jener Menschen zu erinnern, die sich
auf jede Gefahr hin für Freiheit und Menschenrechte in der DDR engagiert haben.
Dass die Ballung dieser Gedenkanlässe
lebendige, mitunter auch leidenschaftliche, zeitgeschichtliche und politische Diskussionen fördert, ist zu einem großen
Teil auch der Arbeit dieser Gedenkstätte
zu verdanken. Mit ihren Veranstaltungen,
Ausstellungen, Führungen und Publikationen hält sie nicht nur die Erinnerung an
Diktatur und Unterdrückung wach, sondern bezieht auch streitbar Position gegenüber jenen, die den Mantel des Schweigens über die systematische Verletzung
der Menschenrechte ausbreiten oder die
SED-Diktatur schönfärben wollen.
Der Berliner Senat tritt solchen Geschichtsklitterungen mit einer aktiven Erinnerungskultur entgegen. Dazu gehört der
Auf- und Ausbau von Gedenkstätten und
Erinnerungsorten sowie die Förderung
von Veranstaltungen, Ausstellungen und
pädagogischer Aufklärungsarbeit. Ziel ist
es, nachdrücklich das Bewusstsein für
die Werte unseres freiheitlich-demokratischen und solidarischen Gemeinwesens
zu fördern. Insofern sind die steigenden
Besucherzahlen der Gedenkstätte auch
Bestätigung für das erinnerungspolitische
Konzept des Landes Berlin.
Besonders zu danken ist den engagierten
Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der

Gedenkstätte, seinen Besucherreferenten sowie den Zeitzeugen, die aus ihrer
eigenen, oft leidvollen Lebensgeschichte
heraus erlebte Zeitgeschichte vermitteln:
Sie alle haben die Gedenkstätte zu einem herausragenden Berliner Gedenkort
gemacht. Die Erinnerung, die von dieser
Gedenkstätte ausgeht, beeinflusst die öffentliche Diskussion und ermöglicht eine
klare Positionierung zum SED-Unrecht.
So erfreulich die stetig steigenden Besucherzahlen der Gedenkstätte sind: Die
Zusammensetzung der Besuchergruppen muss zu denken geben. Wenn mehr
Besucher aus Skandinavien als aus den
neuen Bundesländern nach Hohenschönhausen kommen, wenn Schüler und Jugendliche aus den alten Bundesländern
weit zahlreicher diese Gedenkstätte besuchen als ihre Altersgenossen aus den
neuen Ländern, dann muss dies allen Beteiligten Ansporn sein, die Auseinandersetzung mit dem SED-Unrecht aktiv weiterzuführen und auch jene Gruppen mehr
als bisher zu erreichen, deren Eltern in der
DDR aufgewachsen sind. Ziel muss sein,
deutlich heraus zu stellen, dass Freiheit
und Bürgerrechte, für die die Menschen
in der DDR erfolgreich gekämpft haben,
alles andere als selbstverständlich sind,
sondern aktiver Demokratinnen und Demokraten bedürfen – auch und besonders
in den neuen Ländern.
Berlin möchte die Gedenkstätte Hohenschönhausen noch besser für ihre zeitgeschichtliche Bildungsarbeit rüsten und
hat mit Unterstützung des Bundes ein
Sanierungs- und Umbaukonzept auf den
Weg gebracht, das den Erlebniswert für
künftige Besucher deutlich steigern und
die pädagogische Arbeit vor Ort nachhaltig
verbessern soll.
Dazu gehört eine große zentrale Dauerausstellung zur Geschichte des Ortes und
zur DDR-Justiz. Ihre Gestaltung wird die
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Gedenkstätte in den kommenden Jahren in
besonderer Weise fordern. Ich freue mich

Klaus Wowereit, Regierender
Bürgermeister von Berlin

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auf das Ergebnis und gehe davon aus,
dass Hohenschönhausen seine Botschaft
dann noch attraktiver und nachhaltiger
wird vermitteln können.
Ich danke dem Leiter der Gedenkstätte Dr.
Hubertus Knabe und seinen Mitstreitern,
dass sie sich dieser großen Aufgabe stellen und damit eine herausragende Rolle
im Zusammenspiel der Berliner Gedenkstätten und für unser Land wahrnehmen.

Bernd Neumann, Staatsminister bei
der Bundeskanzlerin und Beauftragter der Bundesregierung für Kultur
und Medien

Klaus Wowereit
Regierender Bürgermeister von Berlin
Geleitwort von Bernd Neumann
Im Jahr 2010 erinnern wir uns an die Wiedervereinigung des geteilten Deutschlands, die unser Volk in Frieden und Freiheit zusammengeführt hat. Die Friedliche
Revolution verdanken wir auch den vielen
mutigen Bürgerinnen und Bürgern, die
gegen das SED-Regime aufgestanden
sind, und das nicht nur in der Endphase
der DDR, sondern während ihrer gesamten Geschichte. Die Stiftung Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen belegt sehr
eindrücklich, wie mit den Menschen umgegangen wurde, die sich mit Unfreiheit
und Unterdrückung nicht abfinden wollten. Sie wurden von einem gnadenlosen
Machtapparat bespitzelt, verhaftet und
ohne rechtsstaatliches Verfahren eingesperrt, unter anderem im Stasi-Untersuchungsgefängnis Berlin-Hohenschönhausen.
Die Arbeit der Gedenkstätte richtet sich
dezidiert gegen Schönfärberei und die
Verharmlosung der SED-Diktatur, die leider immer mehr um sich greifen. Wichtige Beispiele sind etwa der Versuch der
Gleichsetzung des Staatssicherheitsdienstes mit Verfassungsschutzeinrichtungen demokratischer Staaten oder die
Scheindebatte zur „Frage“, ob die DDR
wirklich ein Unrechtsstaat war. Wer die
Zellen und Vernehmungstrakte in der

Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen
gesehen hat, wer dort ehemaligen Häftlingen zuhört, wenn sie bei einer Führung
über die Verhörmethoden und ihre gebrochenen Lebensläufe berichten, wird diese
„Frage“ eindeutig beantworten können.
Es ist das erklärte Ziel der Bundesregierung, dem Verklären, aber auch dem
Vergessen entgegenzuwirken und eine
möglichst breite, gesamtgesellschaftliche
Auseinandersetzung mit der kommunistischen Diktatur in Deutschland zu fördern.
Das ehemals zentrale Untersuchungsgefängnis des Staatssicherheitsdienstes
Berlin-Hohenschönhausen wird bereits
seit dem Jahr 2000 vom Bund institutionell gefördert. Zusätzlich finanziert der
Bund derzeit zusammen mit dem Land
Berlin die umfängliche Sanierung der Gedenkstätte und die Einrichtung einer Dauerausstellung. Die wachsende Zahl der
Besucher, vor allem Schüler und Jugendliche, beweist, dass die Gedenkstätte in
ihrer Arbeit auf dem richtigen Weg ist.
Den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern
und allen ehrenamtlich Engagierten in der
Gedenkstätte danke ich für ihr tatkräftiges Wirken. Die Kenntnis von Willkür und
Unfreiheit festigt unsere Demokratie und
damit unser Leben in Frieden und Freiheit.

Bernd Neumann, MdB
Staatsminister bei der Bundeskanzlerin

9
Vorwort
Die Stiftung Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen legt hiermit ihren vierten
Tätigkeitsbericht vor. Entsprechend ihrem
gesetzlichen Auftrag gibt sie darin Rechenschaft über ihre Arbeit in den Jahren
2007 und 2008.
In dieser Zeit hat die Gedenkstätte im
ehemaligen zentralen Untersuchungsgefängnis des DDR-Ministeriums für
Staatssicherheit (MfS) eine stürmische
Aufwärtsentwicklung erlebt. Die Zahl der
Besucher steigerte sich in zwei Jahren um
76 000 Menschen. 2008 wurde erstmals
der Spitzenwert von knapp einer Viertelmillion Interessierter pro Jahr erreicht.
Überall in Deutschland trifft man inzwischen auf Menschen, die das ehemalige
Stasi-Gefängnis besucht haben und oft
tief beeindruckt davon berichten.
Mehr denn je war die Gedenkstätte auch
in den Medien präsent. Im Durchschnitt
erschienen über sie oder ihre Mitarbeiter
jeden Tag mehr als zwei Zeitungs-, Fernseh- oder Radioberichte. Die Gedenkstätte dürfte damit zu den bekanntesten historischen Erinnerungsorten Deutschlands
zählen. Die rege Berichterstattung trug
wesentlich dazu bei, zur Auseinandersetzung mit den Formen und Folgen politischer Verfolgung in der kommunistischen
Diktatur anzuregen und damit den Stiftungszweck mit Leben zu füllen.
Die Erfolge der zurückliegenden beiden
Jahre haben sich nicht von allein eingestellt. Zwei Gründe sind dafür besonders
verantwortlich: Die Besichtigung der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen ist
für viele ein besonderes Erlebnis; jeder
Besucher zieht in einer Art Schneeballeffekt neue Interessierte nach. Hinzu kommt
die intensive Öffentlichkeitsarbeit der Gedenkstätte, die den einstigen Haftort nicht
nur bundesweit, sondern auch international zunehmend bekannt gemacht hat. Hohenschönhausen ist zu einem Symbol für
das politische Unrecht in der ehemaligen
DDR geworden, von dem sich viele auch
einen persönlichen Eindruck verschaffen
wollen.

Tatsächlich steht das Gelände der Gedenkstätte wie kaum ein anderer Ort in
Deutschland für die Geschichte politischer
Verfolgung in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) und der DDR. Nach dem
Ende des Zweiten Weltkrieges richtete
hier die sowjetische Geheimpolizei ein
„Speziallager“ ein, in dem rund 20 000
Menschen inhaftiert waren. Als das Lager 1946 geschlossen wurde, mussten
Häftlinge im Keller des Gebäudes einen
unterirdischen Zellentrakt errichten, der
der Besatzungsmacht als zentrales Untersuchungsgefängnis für Ostdeutschland diente. Anfang der fünfziger Jahre
übernahm das Ministerium für Staatssicherheit den Bau, erweiterte ihn um
einen neuen Zellen- und Vernehmertrakt
und nutzte diesen bis 1990 als zentrale
Untersuchungshaftanstalt in der DDR.
Tausende Unschuldige, darunter fast alle
prominenten politischen Gefangenen,
saßen hier unter menschenunwürdigen
Bedingungen in Haft. Darüber hinaus wurden von diesem Ort auch die 16 anderen
Untersuchungshaftanstalten des MfS
angeleitet und kontrolliert – eine wahre
Schaltzentrale des Terrors.
Nach dem Ende der SED-Herrschaft wurde das Gefängnis geschlossen und auf
Initiative ehemaliger Häftlinge unter
Denkmalschutz gestellt. Im Dezember
1995 nahm die Gedenkstätte provisorisch
ihre Arbeit auf. Im Juni 2000 beschloss
das Abgeordnetenhaus von Berlin die Errichtung der selbstständigen Stiftung “Gedenkstätte
Berlin-Hohenschönhausen”.
Deren Aufgabe ist es, ”die Geschichte
der Haftanstalt Hohenschönhausen in den
Jahren 1945 bis 1989 zu erforschen, über
Ausstellungen, Veranstaltungen und Publikationen zu informieren und zur Auseinandersetzung mit den Formen und Folgen
politischer Verfolgung und Unterdrückung
in der kommunistischen Diktatur anzuregen. Am Beispiel dieses Gefängnisses ist
zugleich über das System der politischen
Justiz in der Deutschen Demokratischen
Republik zu informieren” (§ 2 Stiftungserrichtungsgesetz).
In den vergangenen beiden Jahren hat die
Gedenkstätte viel getan, um diesen Auf-

Dr. Hubertus Knabe, Direktor der
Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen

10

Vorwort
trag mit Leben zu füllen. Die qualifizierte
Betreuung der zahlreichen Besucher, die
das Gefängnis besichtigen wollten, gehörte ebenso dazu wie die Organisation von
Ausstellungen und Veranstaltungen. Historische Forschungen, die Befragung von
Zeitzeugen, der Ausbau der Sammlungen
und Archive und eine effektive Öffentlichkeitsarbeit bildeten weitere Arbeitsbereiche, über die in diesem Bericht informiert
wird. Im Anhang findet sich eine Zusammenstellung von Besucherreaktionen, die
zeigt, wie sehr die Besichtigung der Gedenkstätte die Besucher zum Nachdenken angeregt hat.
Die Wirkung der Gedenkstätte, das geht
aus vielen Reaktionen der Besucher hervor, beruht vor allem auf zwei Aspekten:
der bedrückenden Architektur des Gefängnisbaus, einschließlich seiner weitgehend unveränderten Einrichtung, und dem
besonderen Konzept der Gedenkstätte.
Ähnlich wie auf der ehemaligen Gefangeneninsel Robben Island in Südafrika oder
auf dem Gelände des zerstörten World
Trade Centers in New York führen zumeist
persönlich Betroffene die Besucher durch
das Gelände. Sie informieren dabei nicht
nur über die Geschichte der Haftanstalt
und das System der politischen Justiz in
der DDR, sondern berichten auch aus eigener Anschauung, wie sie von Wärtern
und Vernehmern des Staatssicherheitsdienstes behandelt wurden. Die direkte
Begegnung mit einem ehemaligen Häftling ist für viele das Wichtigste, wenn sie
an den Besuch in Hohenschönhausen zurückdenken.
Als Ergänzung zu den Führungen soll die
Gedenkstätte in Zukunft auch eine große
Dauerausstellung erhalten. Die Pläne dafür sind im Berichtszeitraum einen großen
Schritt vorangekommen. Bund und Land
haben für den erforderlichen Umbau der
Gebäude und die Erarbeitung der Ausstellung mehr als 16 Millionen Euro in Aussicht
gestellt. Im Rahmen eines Wettbewerbes
wurde mit dem Büro hg merz einer der
angesehensten
Museumsarchitekten
Deutschlands für den Umbau gewonnen.
Zugleich konnten für die inhaltliche Planung zwei erfahrene Ausstellungsmacher

gefunden werden. Damit bestehen gute
Voraussetzungen, eine Ausstellung von
internationaler Ausstrahlung zu schaffen.
Die Gedenkstätte wurde in den vergangenen beiden Jahren aber auch vor erhebliche Herausforderungen gestellt. Der
steile Anstieg der Besucherzahlen bedeutete nicht nur beträchtlich größere Anstrengungen für die unveränderte Anzahl
von Mitarbeitern. Die zunehmende Zahl
der Führungen durch die ehemalige Haftanstalt hatte angesichts gleich bleibender Haushaltszuschüsse auch massive
Finanzprobleme zur Folge, die nur durch
eine Anhebung der Besucherentgelte entschärft werden konnten.
Zugleich stieß die Gedenkstätte immer
mehr an ihre räumlichen Grenzen, weil
das Gefängnis nur eine bestimmte Zahl
von Menschen aufnehmen kann. Der Bekanntheitsgrad der Stiftung zog zudem
immer mehr Anfragen von Medienvertretern, Politikern, Verfolgten, Besuchern und
anderen Interessierten nach sich, deren
zeitnahe und qualifizierte Beantwortung
manchmal eine kaum noch zu bewältigende Arbeitsbelastung bedeutete.
Die Gedenkstätte hat es dennoch geschafft, den zahlreichen Anforderungen
gerecht zu werden, ohne dass es zu größeren Problemen kam. Besonders hervorzuheben ist, dass es ihr weiterhin gelang,
praktisch allen Interessierten einen Besuch des ehemaligen Stasi-Gefängnisses
zu ermöglichen. Diese Bilanz ist vor allem
dem großen Engagement der Mitarbeiter zu verdanken, für das an dieser Stelle
noch einmal herzlich gedankt werden soll.
Ein großer Dank geht auch an das Land
Berlin und die Bundesregierung, die die
Arbeit der Stiftung jährlich mit zusammen
gut einer Million Euro unterstützt haben.
Zuständig waren der Berliner Kulturstaatssekretär André Schmitz und der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und
Medien, Kulturstaatsminister Bernd Neumann. Beide haben sich auch persönlich
sehr für die Gedenkstätte eingesetzt.
Finanzielle Hilfe bekam sie darüber hinaus
von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung

Vorwort
der SED-Diktatur und dem Förderverein der Gedenkstätte, der sich unter
seinem Vorsitzenden Dr. Jörg Kürschner seit Jahren ehrenamtlich engagiert. Schließlich haben auch viele Besucher mit einer Spende maßgeblich
zum Erfolg der Arbeit beigetragen. Besonders hervorzuheben ist ein ehemaliger
DDR-Flüchtling, der nach der Lektüre des
Buches „Die Täter sind unter uns. Über
das Schönreden der SED-Diktatur“ der
Gedenkstätte 30 000 Euro überwiesen
hat.
Gedankt werden soll schließlich auch den
Landesvertretungen Thüringens, Hessens
und des Saarlandes, der Konrad-Adenauer-Stiftung, der Berliner Jüdischen Gemeinde, dem Theater Strahl sowie dem
Eichborn, dem List und dem Jaron Verlag,
mit denen die Stiftung bei Veranstaltungen kooperieren konnte; der Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen, der
Gedenkstätte Deutsche Teilung in Marienborn, der Robert-Havemann-Gesellschaft,
dem Berliner Landesbeauftragten für die
Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes
und weiteren Einrichtungen, die Wechselausstellungen zur Verfügung stellten;
dem Beirat der Gedenkstätte, der die Arbeit mit seinem fachlichen Rat begleitet
hat; zahlreichen Einzelpersonen, die hier
nicht alle namentlich genannt werden
können, die Gedenkstätte aber mit Rat
und Tat unterstützt haben. Auch in Zukunft
bleibt die Stiftung auf die Hilfe jener angewiesen, denen die Aufklärung über das
SED-Unrecht am Herzen liegt!

Dr. Hubertus Knabe
Direktor

11

12

Hubertus Knabe mit dem einemillionsten Besucher seit Eröffnung der
Gedenkstätte, Mai 2007

Besucherbetreuung
Die Stiftung Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen hat den gesetzlichen
Auftrag, am Beispiel der ehemaligen
zentralen Untersuchungshaftanstalt des
Ministeriums für Staatssicherheit (MfS)
über das System der politischen Justiz in
der DDR zu informieren. Im Mittelpunkt
der Arbeit steht daher die qualifizierte Betreuung der Besucher, die das Gefängnis
besichtigen und sich über seine Funktion
in der DDR informieren wollen. Zu diesem
Zweck war die Gedenkstätte bis auf Weihnachten, Silvester und Neujahr jeden Tag
von 9 bis 18 Uhr geöffnet, bei Abendveranstaltungen oder gegen Erstattung der
Personalkosten auch länger.
Seit Gründung der Stiftung hat sich
die Zahl der Besucher beinahe vervierfacht. Kamen im Jahr 2000 weniger als
68 000 Interessierte, waren es 2008
fast 250 000. Jedes Jahr schloss mit einem neuen Besucherrekord ab. Allein
im Berichtszeitraum 2007/2008 stieg die
Zahl der Besucher um 44 Prozent oder
76 000 Menschen. Im Mai 2007 konnte

die Gedenkstätte deshalb den einemillionsten Besucher seit Beginn der Zählungen im Jahr 1994 begrüßen. Bis Ende
2008 steigerte sich die Zahl auf annähernd
1,4 Millionen. Dass der ständig wachsende Besucherstrom mit einer unverändert
kleinen Zahl an festangestellten Mitarbeitern ohne Qualitätsverlust und größere
Zwischenfälle bewältigt werden konnte,
ist ein besonders hervorzuhebendes Verdienst der Stiftung.
Die Betreuung der zahlreichen Besucher
ist für die Gedenkstätte inzwischen eine
erhebliche logistische Herausforderung.
Alle in den vorgenannten Zahlen erfassten
Personen nahmen an einem mindestens
zweistündigen Programm aus Einführung
und gesprächsorientiertem Rundgang teil.
Aus Sicherheitsgründen und wegen baurechtlicher Auflagen ist eine Besichtigung
der weitläufigen Gefängnisanlage nur im
Rahmen einer Führung möglich (siehe Musealer Rundgang). Die meisten Besucher
– über 97 Prozent – nahmen an einer so
genannten Standardführung (90 Minuten

Führung plus 30 Minuten Einführungsfilm) teil. Nur weniger als zwei Prozent
besuchten längere Seminare und Projekttage. Fanden 2006 bereits 8300 Führungen statt, stieg ihre Zahl 2007 auf 9818
und 2008 auf 11 725 an – eine Zahl, wie
sie nur von wenigen anderen Museen in
Deutschland erreicht wird.
Der Großteil der Besucher – knapp 80 Prozent – kam im Rahmen einer angemeldeten Gruppenführung. Meldeten sich 2006
noch 6100 Gruppen an, waren es 2007
bereits 7047 und 2008 sogar 8177. Allerdings hat sich auch die Zahl der Einzelbesucher in den letzten Jahren beständig
vergrößert und erreichte 2008 den Spitzenwert von 46 000 (siehe Besucherforschung).
Die Führungen begannen normalerweise
zwischen 9 und 16 Uhr zu jeder vollen
oder halben Stunde. In Spitzenzeiten fanden die Rundgänge auch zwischen 8.30
und 17.30 Uhr zum Teil im Viertelstundentakt statt. Für Einzelbesucher wurden
am Samstag und Sonntag zu jeder vollen
Stunde öffentliche Rundgänge angeboten,
an Werktagen um 11, 13 und 15 Uhr. Die
Größe der Gruppen lag im Durchschnitt
bei 21 Teilnehmern, größere Gruppen
wurden aufgeteilt.
Neben den Standardführungen wurden
auch Kurzführungen von 60 Minuten,
thematische Sonderführungen, Seminare
und Projekttage angeboten. Jeden Donnerstag war am Ende der 13-Uhr-Führung

Besucherbetreuung

13

für Einzelbesucher auch der letzte existierende Original-DDR-Gefangenenwaggon
zu besichtigen. Seit September 2008 fanden zudem jeden Mittwoch Führungen
durch das ehemalige MfS-Haftkrankenhaus statt. Zu besonderen Anlässen wie
dem Tag des offenen Denkmals zeigte die
Gedenkstätte auch Bereiche, die die Besucher normalerweise nicht besichtigen
können – zum Beispiel die Sauna für das
MfS-Personal, die Gefängnisküchen oder
die Strafgefangenenunterkünfte auf dem
Gelände.

„Erfolg für die Zukunft“ wünscht
Niedersachsens Ministerpräsident
Christian Wulff der Gedenkstätte
nach einer Führung, März 2007

Für die Besucher standen auch verschiedene Angebote zur individuellen Nutzung
zur Verfügung. Im März 2007 eröffnete
die Gedenkstätte ein provisorisches Informationszentrum mit einer ständigen
Ausstellung zur Geschichte der Haftanstalt. Zudem konnten die Besucher drei
kleinere Dauerausstellungen sowie elf
Wechselausstellungen besichtigen (siehe
Ausstellungen). Außerhalb des Gedenkstättengeländes sind darüber hinaus seit
Juli 2006 verschiedene Informationstafeln
zu sehen, die die Funktion wichtiger Gebäude im früheren Sperrgebiet des MfS
erklären. Eine gut ausgestattete Buchhandlung mit angeschlossenem Café
komplettierte das Besucherangebot.
Die stark gewachsene Besucherzahl führte leider auch zu einem massiven Anstieg
der Kosten für die Führungen (siehe Haushalt). Da die Gedenkstätte den Referenten
für eine 90-minütige Führung ein Honorar
von 39 Euro zahlt, erhöhten sich die Aus-

Wijdan M. Salim, irakische Menschenrechtsministerin, im Gespräch
mit dem Historiker Reinhard
Bernauer (M.) und dem Direktor
Hubertus Knabe, Juli 2008

14

Bundesverteidigungsminister Franz
Josef Jung (r.) mit dem ehemaligen
Häftling Reinhard Fuhrmann,
März 2008

Besucherbetreuung
gaben für die Honorare auf fast 480 000
Euro im Jahr 2008. Die Gedenkstätte hat
deshalb schon vor Jahren für erwachsene Besucher eine Kostenbeteiligung in
Höhe von drei Euro (ermäßigt 1,50 Euro)
eingeführt; 2007 wurde der Satz auf vier
Euro (ermäßigt zwei Euro) angehoben.
Nur Schüler und Auszubildende wurden
grundsätzlich kostenlos geführt. Um auch
sozial Schwachen die Möglichkeit zur Besichtigung zu geben, mussten erwachsene Einzelbesucher am Montag keinen Eintritt bezahlen. Vor allem die kostenlosen
Führungen für Schüler haben den Haushalt der Gedenkstätte stark belastet und
mussten durch Mittel aus anderen Bereichen aufgefangen werden.
Besucherdienst
Zuständig für die Betreuung der Besucher
ist der Besucherdienst. Er empfängt nicht
nur die Gäste am Eingang, sondern nimmt
auch telefonische oder schriftliche Anmeldungen entgegen, teilt die Referenten
für die Führungen ein und koordiniert die
Terminplanung. Er bestätigt schriftlich die
vereinbarten Besuchstermine und sorgt
für die Rechnungslegung bei kostenpflichtigen Besuchen.

Bundestagspräsident Norbert Lammert in einer Zelle, August 2008

Brandenburgs Sozialministerin Dagmar Ziegler mit dem ehemaligen
Häftling Mario Röllig, August 2008

Der Besucherdienst steht den Besuchern
auch als Ansprechpartner für spezielle
Wünsche oder Fragen zur Verfügung.
Spontanbesucher erhalten Auskunft,
wann und wo die nächste Führung stattfindet, oder werden auf die aktuellen Ausstellungen hingewiesen. Gruppen oder
Einzelbesucher, die den Einführungsfilm
sehen möchten, werden in die entsprechenden Räume geleitet. In Zusammenarbeit mit der Haustechnik achtet er schließlich darauf, dass sich die Anlage in einem
sauberen und ordentlichen Zustand befindet.
Der Besucherdienst hat seinen Sitz im
Eingangsbereich der Gedenkstätte, von
wo aus er den Besucherstrom kontrolliert
und das Gelände überwacht. Bei der Verwaltung und Koordination der zahlreichen
Besucheranfragen, Termine und Referenteneinsätze stützt er sich auf ein Daten-

banksystem, das auch für statistische
Analysen genutzt wird. Zum Besucherdienst gehören zwei fest angestellte
Mitarbeiter sowie ein knappes Dutzend
Honorarkräfte, bei denen es sich überwiegend um studentische Hilfskräfte handelt. Die Fachaufsicht übt der Referent für
politische Bildung und stellvertretende
Direktor der Gedenkstätte aus. Der starke Anstieg der Besucherzahlen führte zu
einer erheblichen Mehrbelastung des Besucherdienstes.
Die Führungen wurden von rund 45 Honorarreferenten durchgeführt. Grundlage
dafür waren die vom Beirat der Gedenkstätte verabschiedeten Leitlinien über
Form und Inhalt geführter Rundgänge. Bei
etwa 80 Prozent der Referenten handelt
es sich um ehemalige politische Häftlinge,
die aus eigenem Erleben über das System der politischen Verfolgung in der DDR
berichten können; die meisten von ihnen
waren früher selbst in Hohenschönhausen inhaftiert. Da sie ganz unterschiedliche Verfolgungsperioden und Haftgründe
repräsentieren, können sie authentisch
über die verschiedenen Formen und Ursachen der politischen Repression in der
DDR Auskunft geben. Diejenigen, die aus
eigener Anschauung über die Frühzeit des
Haftortes berichten können, werden allerdings immer weniger.
Zum Stamm der Referenten gehören auch
Historiker und Politologen. Von den Besuchern können sie ebenso als Führer angefordert werden. In der Praxis kommen sie
vor allem bei fremdsprachigen Führungen
zum Einsatz. Insgesamt führten ehemalige Häftlinge im Jahr 2008 etwa 81 Prozent der Rundgänge durch. In absoluten
Zahlen waren dies fast 9500 Rundgänge,
während junge Wissenschaftler gut 1900
absolvierten.
Der Besucherdienst sucht die Führer in
der Regel nach den Bedürfnissen der
Gruppen aus. Schülergruppen werden beispielsweise meist von jüngeren Referenten geführt, Erwachsene eher von älteren.
Zu einer grünen Jugendgruppe „passt“
am besten ein früherer Aktivist der DDRUmweltbewegung, zu einer christlichen

Besucherbetreuung
ein ehemaliger Kirchenmitarbeiter. Sämtliche Referenten haben sich intensiv mit
der Geschichte der Haftanstalt beschäftigt und werden von der Gedenkstätte
kontinuierlich weitergebildet. Die meisten
verfügen über eine hohes Maß an Professionalität und Routine, sodass Besuche hochrangiger Politiker für sie ebenso
selbstverständlich sind wie Interviews vor
laufenden Fernsehkameras.
Um der gestiegenen Nachfrage Rechnung zu tragen, hat die Gedenkstätte im
Berichtszeitraum eine Reihe neuer Besucherreferenten hinzugewonnen. Aufgrund
der zunehmenden Zahl ausländischer Besucher wurden vor allem Historiker für
fremdsprachige Führungen neu in das
Team aufgenommen. Die Gedenkstätte kann dadurch mittlerweile Gruppen in
englischer, französischer, spanischer, dänischer, norwegischer, holländischer, portugiesischer, polnischer und tschechischer
Sprache betreuen. Die neuen Besucherreferenten durchliefen vor ihrem ersten
Einsatz durchweg eine intensive Schulung
mit Hospitationen und Probe-Führungen.
Zur Weiterbildung der Besucherreferenten fanden regelmäßig Fortbildungsveranstaltungen statt. Darüber hinaus stellte
ihnen die Gedenkstätte aktuelle Artikel
und Buchhinweise zum Thema politische
Verfolgung, Haft und Menschenrechtsverletzungen in der DDR zur Verfügung.
Etwa jedes Vierteljahr kamen sie zu einer Art Dienstversammlung zusammen.
Diese Besucherreferententreffen dienten
dem Erfahrungsaustausch und der Besprechung aktueller Probleme. Als Bindeglied zwischen Besucherreferenten und
Gedenkstätte wählten sich die Referenten
einen Sprecher und einen Stellvertreter.
Die Qualität der Führungen wurde durch
eine Vielzahl von Stichproben und Hospitationen überprüft. Für die Hospitationen
wurden oft junge Historikerinnen und Historiker eingesetzt, die die Führungen aus
der Perspektive eines Außenstehenden
beobachteten. Die meisten Referenten
verstehen es ausgesprochen gut, den
Besuchern Formen und Folgen politischer
Verfolgung in der DDR am Beispiel der Un-

15

tersuchungshaftanstalt nahe zu bringen.
Als vorteilhaft hat sich dabei erwiesen,
die eigenen Hafterfahrungen eher zurückhaltend einzubringen und das Gewicht vor
allem auf die objektiven Fakten zu legen.
Für die meisten Führer ist die Gedenkstätte nicht nur eine Arbeitsstelle, sondern
eine Institution, in der sie aus Überzeugung mitarbeiten. Viele engagieren sich
deshalb auch außerhalb. Einige gründeten
zum Beispiel den Arbeitskreis „Spurensuche“, der Kontakt zu Schulen und Lehrern
aufnahm und Unterrichtsmaterial erstellte. Andere organisierten Vorträge an Schulen oder in öffentlichen Einrichtungen.
Wieder andere arbeiteten ehrenamtlich in
der Opferberatung. Nicht selten zog eine
Führung auch eine Einladung zu einem
Vortrag in die Heimatstadt der Besucher
nach sich. Viele Referenten setzten sich
zudem bei Veranstaltungen, in Briefen, in
Gesprächen mit Politikern oder in Opferverbänden aktiv für die Belange der kommunistisch Verfolgten ein.

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück in einer Kellerzelle, April 2008

Prominente Besucher
In den Jahren 2007/08 haben auch zahlreiche Persönlichkeiten des öffentlichen
Lebens die Gedenkstätte besucht, darunter viele hochrangige Politiker. Mit ihrem
Besuch wollten sie sich in der Regel nicht
nur ein eigenes Bild vom System politischer Verfolgung in der DDR verschaffen,

Gedenkstättendirektor Hubertus Knabe und die thüringische CDU-Landtagsfraktion mit der
damaligen Fraktionsvorsitzenden und heutigen Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht
(5.v.r.), Juni 2007

16

Besucherbetreuung
sondern auch die Bedeutung der Gedenkstätte und ihrer Aufklärungsarbeit unterstreichen. Die hochrangigen VIP-Besuche
wurden von der Gedenkstätte jeweils mit
Ablaufplan, Bewirtung, Presseinformation
sowie Berichten auf der Homepage vorund nachbereitet.

Berlins Kulturstaatssekretär und
Stiftungsratsvorsitzender der
Gedenkstätte André Schmitz (r.) in
einer Freigangzelle, Februar 2007

Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (r.) nach dem
Besuch des Kellergefängnisses,
März 2007

Der thüringische Ministerpräsident
Dieter Althaus (M.) im Info-Center
der Gedenkstätte, Juli 2007

Am 22. Februar 2007 besuchte der Berliner Staatssekretär für Kultur André
Schmitz – zugleich Vorsitzender des Stiftungsrats der Gedenkstätte – das ehemalige Stasi-Gefängnis. Am 12. März nahm
der niedersächsische Ministerpräsident
Christian Wulff mit Schülern aus seinem
Bundesland an einer Führung teil und diskutierte anschließend mit ihnen über die
DDR-Vergangenheit. Am 16. April besichtigte Henry Tesch, Minister für Bildung,
Wissenschaft und Kultur des Landes
Mecklenburg-Vorpommern, die Haftanstalt. Am 29. August stattete er, zusammen mit der Bundesbeauftragten für die
Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes
Marianne Birthler der Gedenkstätte noch
einmal einen Besuch ab. Am 5. Mai besichtigte Dagmar Schipanski, Präsidentin
des thüringischen Landtags, mit Mitgliedern der CDU-Landtagsfraktion den früheren Haftort und legte einen Kranz für die
Opfer der kommunistischen Gewaltherrschaft nieder. Am 30. Juli nahm der damalige Ministerpräsident von Thüringen Dieter Althaus an einer Besichtigung teil. Am
2. August kam der seinerzeitige Berliner
Bildungsstaatssekretär Eckart Schlemm
in die Gedenkstätte. Am 23. August ließ
sich auch FDP-Generalsekretär Dirk Niebel das MfS-Gefängnis zeigen. Am 12.
November informierte sich schließlich der
Wehrbeauftragte des Bundestages Reinhold Robbe über die ehemalige Haftanstalt des MfS.
Auch im Jahr 2008 kamen zahlreiche Prominente. Am 19. März besuchte der damalige Bundesverteidigungsminister Franz
Josef Jung die Gedenkstätte. Am 20. März
kam der ehemalige DDR-Bürgerrechtler
und heutige Vorsitzende der Bundesstiftung Aufarbeitung Rainer Eppelmann. Am
19. April ließ sich der damalige Bundesfinanzminister Peer Steinbrück durch das
Gefängnis führen; bei einer Sitzung des

Bundeskabinetts legte er wenig später
auch seinen Ministerkollegen eine Besichtigung dringend ans Herz. Am 22. Mai
kam die damalige Bundesjustizministerin
Brigitte Zypries mit ihren Mitarbeitern in
die Gedenkstätte. Am 14. Mai besichtigte
US-Botschafter William Timken den ehemaligen Haftort. Am 11. Juni ließ sich der
hessische Staatsminister für Bundes- und
Europaangelegenheiten Volker Hoff die
Einrichtung zeigen. Der frühere Innenminister und damalige SPD-Fraktionschef in
Schleswig-Holstein Ralf Stegner kam am
1. Juli mit Teilen der SPD-Landtagsfraktion
zu einem Besuch.
Am 7. Juli 2008 besichtigte die irakische
Menschenrechtsministerin Wijdan M. Salim das frühere Gefängnis. Am 13. August,
dem Jahrestag des Mauerbaus, besuchte
Bundestagspräsident Norbert Lammert
die Gedenkstätte und bezeichnete ihre
Arbeit als „wichtigen und unverzichtbaren Beitrag zum nationalen Gedächtnis“.
Am 28. August informierte sich auch die
damalige brandenburgische Sozialministerin Dagmar Ziegler über das ehemalige
Gefängnis. Am 7. Oktober erschien ARDModeratorin Anne Will mit ihren Eltern,
um an einer Führung teilzunehmen. Am
selben Tag kam auch der damalige Bundesumweltminister Sigmar Gabriel zu
einem unangemeldeten Privatbesuch.
Begleitet wurde er von seiner Tochter –
sie wollte ihm unbedingt die Haftanstalt
zeigen, die sie zuvor mit ihrer Schulklasse
besichtigt hatte. Am 8. Oktober ließ sich
Kulturstaatsminister Bernd Neumann zusammen mit Freunden durch die von ihm
geförderte Gedenkstätte führen. Immer
wieder besuchten auch Bundestagsabgeordnete unterschiedlicher Parteien die
Gedenkstätte.
Gedenkstättenpädagogik
Besonders intensiv widmete sich die Gedenkstätte der Arbeit mit Schülern. Viele
Lehrer kommen inzwischen regelmäßig
mit ihren Klassen. Sie haben die Erfahrung
gemacht, dass der Besuch des ehemaligen Stasi-Gefängnisses ihren Schülern ein
ebenso lebendiges wie beeindruckendes

Besucherbetreuung
Bild der jüngsten deutschen Geschichte
vermittelt. In Berlin machen die Rahmenlehrpläne für Geschichte und Politische
Wissenschaft die Einbeziehung außerschulischer Lernorte in den Unterricht
sogar zur Pflicht. Im Rahmen der „Handreichungen“, die den Lehrern in diesen Fächern zur Verfügung stehen, wird auf die
pädagogischen Angebote der Gedenkstätte aufmerksam gemacht. Darüber hinaus
wurden sie mit einem speziellen Flyer beworben.
Die bereits in den Vorjahren stark gestiegene Zahl an Schülern nahm im Berichtszeitraum weiter zu. So betreute
die Gedenkstätte 2007 über 83 000 und
2008 sogar über 98 000 Schüler aus ganz
Deutschland. An manchen Tagen besuchten mehr als 20 Schulklassen das frühere Stasi-Gefängnis. Insgesamt fanden
2007/2008 mehr als 5600 Führungen
sowie 133 Seminare und Projekttage für
Schüler statt. Im Jahresdurchschnitt wurde damit – unter Berücksichtigung von Ferien- und Feiertagen – an jedem zweiten
Tag ein Projekttag oder ein Seminar durchgeführt.
Da viele Schüler nur über geringes oder
gar kein Vorwissen verfügen, bedarf
es besonderer pädagogischer Anstrengungen, das System politischer Verfolgung in der kommunistischen Diktatur
verständlich zu machen. Die Betreuung
der Schüler erfolgt deshalb nach einem
abgestimmten didaktischen Konzept. Je
nachdem, wie viel Zeit die Gruppen mitbringen, können sie zwischen Führungen,
Seminaren oder Projekttagen wählen. Da
die Schülergruppen in der Regel über ein
verhältnismäßig geringes Zeitkontingent
verfügen, entscheiden sich die meisten
für die so genannte Standardführung. Dabei lernen sie sowohl die verschiedenen
Haftepochen seit 1945 als auch die wichtigsten Stationen eines politischen Gefangenen in der DDR kennen (siehe Musealer
Rundgang). In der Regel werden sie von
einem ehemaligen Häftling durch das Gefängnis geführt, wodurch der Rundgang
besonders anschaulich und nachvollziehbar wird. Davon zeugen auch die vielen
Briefe und Emails, die Schüler nach ihrem

17

Besuch an die Gedenkstätte richteten
(siehe Anhang: Besucherstimmen).
Außer den Führungen hat die Gedenkstätte verschiedene Seminartypen entwickelt, die Schülern eine weitergehende
Beschäftigung mit dem Thema erlauben.
In der Regel gehört dazu ein ausführliches
Gespräch mit einem Zeitzeugen, der über
seine Erfahrungen in der DDR, die Gründe seiner Verhaftung und seinen weiteren
Lebensweg berichtet. Darüber hinaus
werden Kontextinformationen vermittelt
und, je nach Aufbau des Seminars, auch
Texte und Medien eingesetzt. Auf besonderes Interesse stieß das Seminar „Politische Verfolgung in der DDR“. Neben einer
Einführung und dem Rundgang durch das
Gefängnis beinhaltet es ein ausführliches
Seminargespräch mit einem Zeitzeugen
oder Historiker, bei dem das Erfahrene
vertieft wird. Das Seminar „Politische
Justiz im Staat der SED“ soll vornehmlich jugendliche Besucher aus den alten
und neuen Bundesländern zu einem OstWest-Erfahrungsaustausch über den Umgang mit der SED-Diktatur anregen.
Für die Betreuung von Schülern und Lehrern betreibt die Gedenkstätte eine eigene
Pädagogische Arbeitsstelle. Zwei Berliner
Lehrer wurden dazu mit 50 Prozent ihrer
Arbeitszeit abgeordnet. Die Arbeitsstelle
bietet nicht nur speziell vorbereitete Seminare und Projekttage an, sondern betreut
auch Schüler, die sich über einen längeren
Zeitraum mit der SED-Diktatur und dem
Staatssicherheitsdienst beschäftigen. Außerdem führt sie Fortbildungsveranstaltungen für Lehrer durch. Im Berichtszeitraum organisierte die Arbeitsstelle 133
Seminare, davon 62 für Schüler aus Berlin
und Brandenburg. Ferner betreute sie 22
Fachseminare und Fachkonferenzen sowie sechs Fortbildungsveranstaltungen
mit Berliner Lehrern. Durch die Fülle der
Veranstaltungen war die Arbeitsstelle
meist mehr als ausgelastet.
Im Juli 2007 fand zum Beispiel mit Schülern des Werner-von-Siemens-Gymnasiums aus Berlin-Zehlendorf eine Projektwoche unter dem Titel „Film und
Wirklichkeit“ statt. Ausgehend von dem

Dirk Niebel (r.), Generalsekretär der
FDP, und der FDP-Fraktionsvorsitzende im Berliner Abgeordnetenhaus, Martin Lindner, August 2007

Bundesjustizministerin Brigitte
Zypries mit Familienmitgliedern,
Mai 2008

Kulturstaatsminister Bernd Neumann (r.) und Hubertus Knabe,
Oktober 2008

18

Schüler aus Berlin-Pankow beim
Projekttag „Gelebte Geschichte“,
November 2007

Besucherbetreuung
Film „Das Leben der Anderen“ beschäftigten sich die Schüler mit der Realität in
der DDR und entwickelten eigene szenische Beiträge, die abschließend präsentiert wurden. Eine ähnliche Projektwoche
wurde auch im Juli 2008 durchgeführt. In
Kooperation mit den deutschen UNESCOProjektschulen veranstaltete die Gedenkstätte im November 2007 zudem ein internationales Schülerseminar zur Charta
77, an dem Schüler aus Berlin und fünf
osteuropäischen Ländern teilnahmen.
2008 fand ein vergleichbares Seminar
zum Prager Frühling statt.
In den Schuljahren 2007/2008 und
2008/2009 organisierte die Arbeitsstelle für angehende Abiturienten aus Berlin
jeweils einen einjährigen Seminarkurs,
mit dem sie die Leistungen für die so genannte 5. Prüfungskomponente erbringen
konnten. Auch für die Präsentationsprüfung am Ende der 10. Klasse und im Abitur sowie bei Seminararbeiten unterstützte die Gedenkstätte etwa 40 Schüler mit
Ratschlägen, Materialien und Kontakten
zu Zeitzeugen. Die Geschichte der SEDDiktatur anhand der Lebensläufe ehemaliger Häftlinge aufzuarbeiten, wurde dabei
am häufigsten nachgefragt.

Plakat zum Schülerwettbewerb
„Zeugen des Unrechts“,
September 2007

Welt-Redakteur Uwe Müller mit
Berlins Bildungssenator Jürgen Zöllner bei der Schülerpressekonferenz,
September 2008

Zusammen mit der Senatsverwaltung
für Bildung und Wissenschaft lobte die
Gedenkstätte im September 2007 einen
Schülerwettbewerb unter dem Titel „Zeugen des Unrechts – politische Gefangene
nach 1945“ aus. Auf diese Weise sollten
Schüler motiviert werden, eigenständig
das Schicksal politischer Gefangener in
der SBZ und der DDR zu erforschen. Die
Preise für die teilweise sehr anrührenden
Arbeiten wurden vom Förderverein der
Gedenkstätte gestiftet und den Schülern
im Rahmen einer Feier mit dem damaligen Berliner Staatssekretär für Bildung,
Jugend und Familie, Eckart Schlemm, am
2. April 2008 übergeben.
Ein weiterer Höhepunkt der Arbeit mit
Schülern war eine Veranstaltung im September 2008 mit Schülerzeitungsredakteuren aus ganz Deutschland. Mit Unterstützung der Deutschen Bahn AG wurden
diese nach Berlin eingeladen, um sich

unter Leitung des Welt-Redakteurs und
Stasi-Experten Uwe Müller mit Recherchen zur Haftanstalt Hohenschönhausen
zu beschäftigten. Unter anderem sollten
sie die Nachbarn des Gefängnisses befragen, sich mit den Biografien der Gefängnismitarbeiter beschäftigen oder sich
in eine Zelle einschließen lassen und ihre
Gedanken dabei notieren. Die Ergebnisse
wurden anschließend in einer „Redaktionskonferenz“ zusammengetragen. Im
Rahmen einer „Pressekonferenz“ konnten die Schüler zudem den Berliner Bildungssenator Jürgen Zöllner und den Direktor der Gedenkstätte Hubertus Knabe
befragen. Unter dem Motto „Freiheit wird
volljährig“ wurde bei dieser Gelegenheit
ein neuer, bundesweiter Schülerwettbewerb ausgerufen, der an die Schließung
des Gefängnisses und an die Wiedervereinigung vor 18 Jahren erinnern sollte.
Die Gedenkstätte hat wie in den Vorjahren auch eng mit dem Berlin-Brandenburgischen Landesinstitut für Schule und
Medien (LISUM) zusammengearbeitet.
Bereits 2004 erarbeiteten beide Institutionen Unterrichtsmaterialien zur politischen
Verfolgung in der DDR, die im Internet heruntergeladen werden können. Allein über
die Website der Gedenkstätte wurden im
Berichtszeitraum über 6700 Downloads
registriert. Auf CD wurden weitere 275 Exemplare an pädagogische Multiplikatoren
abgegeben. In Zusammenarbeit mit dem
von ehemaligen Häftlingen gegründeten
Verein „Spurensuche“ wurden Schautafeln
zur Herrschaftsstruktur der DDR erarbeitet.
Die Auseinandersetzung mit der Geschichte ist gerade bei der Arbeit mit
Schülern kein Selbstzweck, sondern ein
Beitrag zur Demokratieerziehung. In Kooperation mit den Menschenrechtsorganisationen amnesty international und
Human Rights Watch hat die Arbeitsstelle
deshalb eine kleine Bibliothek und einen
Ausstellungsraum aufgebaut, der von beiden Organisationen bestückt wird. Auf
diese Weise fließen auch aktuelle Berichte über Menschenrechtsverletzungen und
Demokratiebewegungen in kommunistischen Ländern wie zum Beispiel China in
die pädagogische Arbeit ein.

Besucherbetreuung

Eine wichtige Bedeutung für die Besucher hat die „Buchhandlung ‘89“. Mit ihrem Namen erinnert sie an die friedliche
Revolution von 1989. Das wirtschaftlich
selbstständige Unternehmen bietet den
Besuchern eine umfangreiche Auswahl an
Veröffentlichungen zur DDR-Geschichte
und zu verwandten Fragestellungen. Das
Angebot reicht von biographischer Literatur über populärwissenschaftliche Darstellungen zum Staatssicherheitsdienst
und zur SED bis hin zu Fachbüchern mit
speziellen Fragestellungen. Besucher
können hier auch die Publikationen der
Stiftung erwerben. Dem Laden ist ein
Café angegliedert, das den Namen des
Faschismus- und Kommunismuskritikers
Arthur Koestler trägt.

In den besucherstarken Zeiten verkaufte
der Buchladen pro Monat über 1500 Bücher. Etwa ein Drittel des Umsatzes wurde mit Veröffentlichungen von oder über
Zeitzeugen gemacht. Besonders gefragt
war das „Buch zum Ort“ von Peter Erler und Hubertus Knabe („Der verbotene
Stadtteil. Stasi-Sperrbezirk Berlin-Hohenschönhausen“), von dem allein jährlich
etwa 2500 Exemplare verkauft wurden.
Ähnlich hohe Verkaufszahlen erreichte
das von Hubertus Knabe herausgegebene Taschenbuch „Gefangen in Hohenschönhausen. Stasi-Häftlinge berichten“.
Weitere Spitzentitel waren u.a. „Ich war
Staatsfeind Nr. 1“ von Wolfgang Welsch,
„Die Schleife an Stalins Bart“ von Erika
Riemann oder der im Stasi-Gefängnis Hohenschönhausen spielende Roman „Krokodil im Nacken“ von Klaus Kordon.

Buchladen und Café sind ein beliebter
Anlaufpunkt für die Besucher. Viele haben den Wunsch, sich nach dem Rundgang noch genauer zu informieren oder
bestimmte Sachverhalte zu Hause nachzulesen. Vor allem Einzelbesucher sind
an weiterführender Literatur interessiert,
während Gruppenbesucher wegen ihres engen Terminplans oft weniger Zeit
für einen Besuch haben. Schülergruppen
wollen dagegen nach der Führung häufig
noch Snacks oder Erfrischungsgetränke
kaufen. Der Laden, der die Funktion eines
Museumsshops und eines Museumscafés wahrnimmt, wird auch von den Besucherreferenten gerne als Warte- und Aufenthaltsraum genutzt.

Der Laden verkaufte auch die Eintrittskarten für Einzelbesucher und entlastete
dadurch erheblich den Besucherdienst.
Für die meisten Veranstaltungen stellte
er zudem themenbezogene Büchertische zusammen. Im Gegensatz zu anderen Gedenkstätten, die den Buchverkauf
in Eigenregie durchführen, war die Stiftung durch die Zusammenarbeit mit der
„Buchhandlung ´89“ nicht selbst mit dem
personalintensiven Verkauf von Informationsmaterial belastet. Zudem erfüllte der
Laden eine wichtige kommunikative Funktion. Allerdings waren die Räumlichkeiten,
die sich in einer umgebauten Garage im
ehemaligen Werkstatthof befinden, viel
zu klein.

Buchhandlung

19

„Gefangen in Hohenschönhausen“,
einer der erfolgreichsten Buchtitel
der Gedenkstätte

Buchhandlung ‘89 mit angeschlossenem Café

20

Besucherbetreuung
Besucherreaktionen

Eintrag im Gästebuch der Gedenkstätte: „Vielen Dank für den
Einblick, der durch Ihre ZeitzeugenPerspektive besonders lebendig
und bewegend wurde“, März 2007

Gästebucheintrag: „Meine Schüler
waren alle tief beeindruckt und
teilweise sehr betroffen von der
geplanten und menschenverachtenden Methode dieses Staates“,
Juni 2008

Die übergroße Mehrheit der Besucher
zeigte sich von dem Besuch des ehemaligen MfS-Gefängnisses sehr berührt. Fast
immer endete der Rundgang damit, dass
die Besucher am Schluss Beifall klatschten. Tausende bedankten sich persönlich
bei dem Referenten und entwickelten nach
der Führung noch ein starkes Gesprächsbedürfnis. Ihre Empathie mit den Opfern
drückte sich nicht zuletzt in einer bemerkenswerten Spendenbereitschaft aus. Die
Summe der Spenden war mit 48 000 Euro
bereits 2006 gegenüber dem Vorjahr um
37 Prozent angestiegen. 2007 erhöhte sie
sich weiter auf nunmehr 85 600 Euro, was
einer erneuten Steigerung um 78 Prozent
entspricht. 2008 erreichten die Spenden
schließlich die Rekordsumme von 114 500
Euro. 30 000 Euro überwies ein ehemaliger DDR-Flüchtling, nachdem er das Buch
„Die Täter sind unter uns“ von Hubertus
Knabe gelesen hatte. In Kooperation mit
der Gedenkstätte führte eine Gruppe von
Studenten der Humboldt-Universität 2007
eine Besucherbefragung durch, die der
Arbeit der Referenten eine hohe Qualität
bescheinigte.
Die Gedenkstätte registrierte zudem eine
ungewöhnlich hohe Anzahl schriftlicher
Reaktionen. Viele Besucher trugen sich
nicht nur in das am Ausgang liegende
Gästebuch ein, sondern schrieben auch
von zu Hause noch Emails oder Briefe,
die in einer Datenbank erfasst wurden. Im
Berichtszeitraum wurden darin über 1800
Besucherreaktionen (Briefe, Emails und
Gästebuch-Eintragungen) vermerkt. Die
Besucherstimmen aus allen Bundesländern, Gesellschaftsschichten und Altersgruppen waren zu 99 Prozent positiv. Nur
sehr vereinzelt wurden ablehnende Äußerungen registriert, meist wegen technischorganisatorischer Probleme oder wegen
einer anderen politischen Meinung über
die DDR-Vergangenheit. Alle schriftlichen
Anfragen wurden individuell beantwortet,
einzelnen Beschwerden jeweils gewissenhaft nachgegangen.
Anlass für viele schriftliche Äußerungen
war, dass sich die Besucher bei „ihrem“

Besucherreferenten noch einmal für die
Führung bedanken wollten. Offenbar wirkte die Besichtigung lange nach. So berichteten viele, dass sie oft noch tagelang in
der Familie oder mit Freunden über den
Besuch in der Gedenkstätte gesprochen
hätten. Viele bedankten sich dafür, einen
Einblick in das Innere eines menschenunwürdigen Systems erhalten zu haben.
Andere zogen Parallelen zur NS-Diktatur
und plädierten dafür, sich auch der Geschichte nach 1945 zu stellen. Die Opfer
der SED-Herrschaft dürften nicht in Vergessenheit geraten. Ost- wie Westdeutsche betonten zudem häufig, dass ihnen
durch den Besuch in der Gedenkstätte
Hohenschönhausen der Wert der Freiheit
wieder bewusst geworden sei. Viele AltBundesbürger zeigten sich erleichtert,
dass sie in einer Demokratie aufwachsen durften, während ehemalige DDRBürger bekannten, dass ihnen die in der
Gedenkstätte geschilderten Sachverhalte
nur unzureichend oder gar nicht bekannt
gewesen seien. Mitunter erinnerten auch
Zeitzeugen oder deren Angehörige an vergangenes Unrecht und Leid. Auch viele
ausländische Besucher zeigten sich von
der Besichtigung beeindruckt und bedankten sich für den Erhalt des Stasi-Gefängnisses als Lehrstück über die Bedeutung
von Freiheit und Demokratie (siehe Anhang: Besucherstimmen).
Zu den Besuchern gehörte auch eine
Reihe ehemaliger politischer Häftlinge.
Manchmal kamen sie nach Jahren oder
Jahrzehnten zum ersten Mal an den Ort ihrer Haft zurück oder wollten ihren Angehörigen zeigen, was ihnen hier widerfahren
war. Vielfach kamen auch Menschen, die
auf andere Weise vom Staatssicherheitsdienst geschädigt wurden. Zahlreiche früher Verfolgte nahmen zudem regelmäßig
an Veranstaltungen der Gedenkstätte teil.
Die Stiftung ist für sie ein bedeutender
Anlaufpunkt, wo Themen behandelt werden, die ihnen wichtig sind. Zahlreiche Betroffene wandten sich auch schriftlich an
die Gedenkstätte und baten um Rat. Insbesondere der Direktor der Gedenkstätte,
der durch die Medien besonders bekannt
ist, erhielt fast täglich Briefe von Geschädigten des SED-Regimes.

Besucherbetreuung
Es versteht sich von selbst, dass die Opfer der SED-Diktatur von den Mitarbeitern
der Stiftung mit besonderem Respekt behandelt werden. So werden sie bei einem
Besuch nach Möglichkeit individuell geführt und betreut. Alle ehemaligen Häftlinge werden zudem auf das Zeitzeugenbüro
aufmerksam gemacht und zur Kontaktaufnahme ermutigt (siehe Forschung). Eine
psychosoziale Betreuung oder eine Beratung in Rehabilitierungs- und Entschädigungsfragen kann die Gedenkstätte
mangels entsprechenden Personals jedoch ebenso wenig leisten wie eine Aufklärung der individuellen Verfolgung durch
den Staatssicherheitsdienst. Gleichwohl
genießt die Gedenkstätte bei den SEDVerfolgten besonderes Vertrauen.
Besucherforschung
Die Gedenkstätte erhebt seit mehreren
Jahren umfangreiche soziodemografische
Daten über die Zusammensetzung der
Besuchergruppen. In einer zentralen Datenbank werden Angaben über die Größe
der Gruppen, das Alter der Teilnehmer,
ihre regionale Herkunft und den Anmelder der Gruppe gespeichert. Nur bei den
Rundgängen für Einzelbesucher wird lediglich die Anzahl der Teilnehmer erfasst,
da diese nicht näher befragt werden können.

21

Die Zahl der Besucher ist im Berichtszeitraum stark angewachsen. Während im
Jahr 2006 knapp 173 000 Menschen kamen, waren es im Jahr 2007 bereits annähernd 209 000. Das entspricht einem
Zuwachs von 36 000 oder 21 Prozent.
2008 stieg die Zahl dann weiter auf fast
249 000, was eine erneute Erhöhung von
41 000 oder 19 Prozent bedeutet. Der
exponentielle Wachstumstrend mit jährlichen Steigerungsraten von rund 20 Prozent hält damit seit Beginn der Zählungen
1994 ununterbrochen an (siehe Abbildung
1). Insgesamt haben dadurch bis Ende
2008 knapp 1,4 Millionen Menschen das
ehemalige Stasi-Gefängnis besichtigt.
Mit dem Anstieg der Besucherzahlen hat
sich auch die Zahl der Führungen stark erhöht. Meldeten sich 2006 noch 6100 Gruppen an, waren es 2007 bereits mehr als
7000. Im Jahr 2008 lag die Zahl sogar bei
annähernd 8200. Da größere Gruppen geteilt werden, stieg die Zahl der organisierten Führungen von etwa 8300 (2006) auf
über 9800 (2007) und weiter auf mehr als
11 700 (2008). Die Zahl der Teilnehmer pro
Führung lag im Durchschnitt zwischen 20
und 21. Der überwiegende Teil der Gruppen wurde durch ehemalige Häftlinge geführt (2007: 82 Prozent; 2008: 81 Prozent).
Der Anteil der Führungen mit Historikern
betrug 16 (2007) bzw. 17 Prozent (2008).
Gelegentlich führten auch Hausmitarbei-

Abb. 1: Besucherentwicklung der
Gedenkstätte 1994 bis 2008

22

Besucherbetreuung
ter. Die meisten Besucher nahmen an
einer so genannten Standardführung (90
Minuten Führung plus 30 Minuten Einführungsfilm) teil. Dass 2008 weniger als
zwei Prozent der Besucher an Seminaren
und Projekttagen teilnahmen (2005: vier
Prozent) zeigt nicht nur, dass die meisten Besucher eine ein- bis zweistündige
Besichtigung des Gefängnisbaus bevorzugten, sondern war auch eine Folge von
Mittelkürzungen durch die Bundeszentrale für politische Bildung.
Wie in den vergangenen Jahren wies das
Besucheraufkommen erhebliche saisonale Schwankungen auf. Während früher
nur im Frühjahr und Herbst Spitzenwerte erzielt wurden, gilt dies jetzt auch für
viele andere Monate. So kam es im April
2008 mit über 27 000 Interessierten zu
einem Besucherrekord, wie er im Vorjahr
nur im Oktober erreicht worden war. Bis
zum Herbst blieb die Zahl der Besucher
mehr oder weniger auf diesem Niveau;
nur im August fiel sie vorübergehend auf
„nur“ 15 200 Besucher ab. Mit 29 000
bzw. mehr als 32 000 Besuchern wurden
im September und Oktober 2008 dann
alle früheren Monatsrekorde gebrochen.
In sämtlichen Monaten des Jahres 2008
außer Januar überschritt die Besucherzahl
die Grenze von 10 000. Allein im Dezember nahm sie um fast 50 Prozent gegenüber dem vorherigen Berichtszeitraum zu
(siehe Abbildung 2).

Abb. 2: Monatliche Entwicklung der Besucherzahlen der Gedenkstätte 2007 und 2008

Zu Schwankungen kam es auch im Wochenverlauf. Die meisten Besucher kamen zur Wochenmitte, doch auch die Wochenenden sind mittlerweile gut besucht
– wenngleich von unterschiedlichen Zielgruppen: Während angemeldete Gruppen
den Dienstag, Mittwoch und Donnerstag
bevorzugten, kamen Spontanbesucher
vor allem am Samstag und Sonntag (siehe Abbildung 3). Am Sonntag überstieg
die Zahl der Einzelbesucher sogar die der
Gruppenbesucher. Die Gedenkstätte bietet deshalb schon seit längerem am Wochenende stündlich Rundgänge für Privatpersonen an. Weil zu dieser Zeit auch
immer mehr Besucher aus dem Ausland
erschienen, wurde zugleich das Angebot
an fremdsprachigen Führungen ausgebaut.

Abb. 3: Besucherzahlen nach Wochentagen 2008

Die zunehmende Zahl an Einzelbesuchern
ist ein wichtiger Indikator für das wachsende Interesse an der Gedenkstätte, denn
diese müssen jeweils selbst entscheiden,
ob sie das abgelegene Stasi-Gefängnis in
Berlin besuchen wollen oder nicht. Ihr Anteil am gesamten Besucheraufkommen
ist in den letzten Jahren beständig gewachsen: von 13,8 (2005) auf 18,5 (2006)
auf 19,5 (2007) auf 21,5 Prozent (2008).
In absoluten Zahlen erhöhte sich die Zahl
der Spontanbesucher von 19 500 (2005)
auf fast 32 000 (2006), dann auf 36 000
(2007) und schließlich auf 46 000 (2008).
Eine bedeutende Besuchergruppe bildeten auch – wie bereits in der Vergangenheit – Menschen, die von Abgeordneten
des Deutschen Bundestages nach Berlin
eingeladen wurden. Viele Parlamentarier
betrachteten es geradezu als „Ehrensache“, Besuchergruppen aus ihren Wahl-

Besucherbetreuung
kreisen in das ehemalige Stasi-Gefängnis
zu schicken. Von den 616 Abgeordneten
der 16. Legislaturperiode (2005-2009)
machten 473 – das sind 77 Prozent – von
dieser Möglichkeit Gebrauch; manche ließen es sich auch nicht nehmen, persönlich an dem Besuch teilzunehmen. Durch
die positive Resonanz der Besucher ist die
Gedenkstätte bei den Abgeordneten in
unmittelbarer Weise präsent und genießt
bei vielen große Sympathien. Nur die Mitglieder der Linksfraktion verzichteten fast
durchgängig darauf, Besucher nach Hohenschönhausen zu senden. Wenn dennoch der Anteil der organisierten Besucher aus dem politischen Raum von 17,4
(2006) auf 13,3 Prozent (2007) auf 11,9
Prozent (2008) sank, dann lag das allein
daran, dass die Zahl der übrigen Besucher
extrem zunahm (siehe Abbildung 4). Die
absolute Zahl (rund 30 000) blieb nahezu
unverändert.
Auch der Anteil von Besuchergruppen aus
dem Bereich Militär, Polizei, Feuerwehr
und Justiz ging im Berichtszeitraum leicht
zurück: von fünf Prozent (2006) auf 4,4
(2007) auf 4,3 Prozent (2008). In absoluten Zahlen stieg die Zahl dieser Besucher
jedoch von 7500 (2006) auf 8400 (2007)
auf 9600 (2008). Die Ursache dieses Widerspruchs liegt darin, dass die Zahl der
anderen Besucher noch rasanter stieg.
Ähnliches gilt für Gruppen aus den Bereichen Gewerkschaften, Bildungsträger
sowie Reise- und Privatgruppen, deren
Anteil mit zwei bis drei Prozent ungefähr
konstant blieb (siehe Abbildung 4).
Die Mehrheit der angemeldeten Besuchergruppen bestand aus Schülern und
Studenten; zuletzt (2008) stellten sie
mehr als 54 Prozent (siehe Abbildung
4). Insbesondere die Zahl der Schüler ist
in den letzten Jahren massiv gestiegen.
Kamen 2003 bereits gut 40 000 Schüler in die Gedenkstätte, stieg ihre Zahl
bis 2006 auf mehr als 70 000. Im Jahr
2007 waren es dann, wie erwähnt, schon
84 000 und 2008 sogar über 98 000.
Hinzuaddieren muss man noch zahlreiche junge Einzelbesucher, die nicht als
Schüler registriert werden, sowie Dutzende Jugendgruppen aus dem Ausland.

Abb. 4:	

Besucherverteilung nach gesellschaftlichen Gruppen 2008

Schulklassen, die sich im ehemaligen Gefängnishof um einen ehemaligen Häftling
scharen und ihm gebannt zuhören, gehören seit langem zum Alltag der Gedenkstätte. Die Gedenkstätte ist dadurch die
wohl bedeutendste Bildungseinrichtung
in Deutschland, in der junge Menschen
über den Unrechtscharakter des SEDStaates aufgeklärt werden.
Dass die Gedenkstätte ein ausgesprochen junges Publikum hat, geht auch aus
einer anderen Statistik hervor: Um das
Alter der Besuchergruppen abzuschätzen,
werden diese beim Eintreffen in drei Altersgruppen eingestuft: unter 26 Jahre,
26 bis 60 Jahre und über 60 Jahre (da
die altersmäßige Zusammensetzung der
Gruppen oft nicht homogen ist, wird die
Einteilung lediglich in diesen groben Intervallen vorgenommen). Den Erhebungen
zufolge stieg der Anteil junger Leute von
55 (2006) auf 58 (2007) auf 60,3 Prozent
(2008). In absoluten Zahlen steigerte sich
ihre Zahl auf 157 000 pro Jahr. Auch der
Anteil der 26- bis 60-Jährigen erhöhte sich
von 37 (2007) auf 39 Prozent (2008). Der
der Älteren verringerte sich entsprechend
und lag 2008 unter einem Prozent.
Bei den Schulklassen bereitete allerdings
eine zunehmende Auseinanderentwick-

23

24

Besucherbetreuung
lung zwischen Ost und West Sorge: Während die Zahl der Schüler aus den alten
Bundesländern in den letzten fünf Jahren
von 26 000 (2003) auf 72 000 (2007) bzw.
84 000 (2008) massiv anstieg, kamen
im selben Zeitraum aus Ostdeutschland
durchgehend nur zwischen 5000 und
7000 Schüler. Die Zahl der Schüler aus
Berlin ging sogar von 9000 auf weniger
als 7000 zurück (siehe Abbildung 5). Wie
groß die Unterschiede ausfallen, zeigt das
Beispiel Bayern, von wo fast 21 000 Schüler kamen, während es aus MecklenburgVorpommern oder Sachsen-Anhalt nur
wenige Hundert waren.
Auch bei den erwachsenen Besuchern ist
eine – wenngleich weniger ausgeprägte –
Ost-West-Differenz zu erkennen. Der Anstieg der Besucherzahlen der Gedenkstätte beruhte vor allem auf westdeutschen
und internationalen Gruppen, während
aus Berlin und Ostdeutschland sogar relativ weniger Menschen kamen. So erhöhte
sich der Anteil der Gruppen aus den alten
Bundesländern von 78,8 (2006) auf 80,4
Prozent (2008), während der aus den neuen Bundesländern von 9,1 (2006) auf 8,9
Prozent (2008) fiel. Auch der Anteil der
Berliner Gruppen sank von 12,1 (2006) auf
10,7 Prozent (2008). In absoluten Zahlen
nahm die Zahl der Besucher aus Westdeutschland um 41 000 von 93 000 (2006)
auf 134 000 (2008) stark zu, während die

Abb. 5: Schüleraufkommen 2003
bis 2008 im Ost-West-Vergleich

aus dem Osten von gut 10 000 auf nur
knapp 15 000 anstieg. Die aus Berlin
erhöhte sich lediglich von 14 000 auf
18 000. Auch im Vergleich zu den ausländischen Besuchern hält sich die Zahl der
ostdeutschen Besucher in Grenzen: So
kamen zum Beispiel 2008 mit rund 7900
Besuchern wesentlich mehr Menschen
aus Dänemark als aus Brandenburg in die
Gedenkstätte. Selbst Großbritannien lag
mit mehr als 2200 Besuchern deutlich vor
Mecklenburg-Vorpommern und SachsenAnhalt, aber auch vor dem Saarland und
Bremen.
Wenn man die Zahlen ins Verhältnis zur Bevölkerungsgröße der Bundesländer setzt,
relativieren sie sich allerdings etwas: Berlin stand danach 2008 mit 5,27 Besuchern
pro 1000 Einwohner an der Spitze aller Regionen, gefolgt von Bayern (2,72 auf 1000
Einwohner), Niedersachsen (2,45) und Baden-Württemberg (2,41). Das Schlusslicht
bildeten die Länder Sachsen (0,92), Saarland (0,82) und Sachsen-Anhalt (0,52) (siehe Abbildung 6). Die Unterschiede bleiben
dennoch erheblich: So kamen aus Bayern
pro Kopf der Bevölkerung etwa dreimal
so viele Besucher wie aus Sachsen, aus
Niedersachsen mehr als viermal so viele
wie aus Sachsen-Anhalt. Abgesehen von
Berlin und dem nahegelegenen Brandenburg liegen die neuen Bundesländer weit
hinter den alten zurück.

25

Besucherbetreuung

Abb. 6: Besucher nach Bundesländern pro 1000 Einwohner, 2008

Wie das Beispiel Dänemark zeigt, wird die
Gedenkstätte in wachsendem Maße von
ausländischen Gruppen besucht. Meldeten sich 2006 noch rund 19 400 Besucher
aus dem Ausland an, so stieg ihre Zahl
2007 auf 25 500 und 2008 erneut auf
28 900. Prozentual betrug der Zuwachs
von 2006 zu 2007 31,4 Prozent und von
2007 zu 2008 weitere 13,3 Prozent, zusammen also fast 45 Prozent. Mit fast
8000 Besuchern liegen die Dänen an der
Spitze, gefolgt von Norwegern (6500)
und Niederländern (5600). Auf den nächsten Plätzen lagen Großbritannien, die
Schweiz, Frankreich, die USA, Schweden
und Belgien (siehe Abbildung 7).
Die auffallend große Zahl von Skandinaviern ist wahrscheinlich dadurch verursacht,
dass ein ehemaliger Häftling – Mike Fröhnel – Dänisch und Norwegisch spricht und
sie deshalb in ihrer Muttersprache durch
das Gefängnis führen kann. Er war nach
seiner Haftentlassung Ende 1989 für ein
Jahr nach Dänemark gegangen, wo er Dänisch lernte; später eignete er sich auch
noch Norwegisch an. Mittlerweile ist er
so bekannt, dass die Gedenkstätte nicht
einmal ansatzweise alle Wünsche nach
Führungen mit ihm befriedigen kann. Die
übrigen skandinavischen Gruppen wurden
deshalb meist von jungen Historikern inenglischer Sprache geführt. Seitdem die
Gedenkstätte auch muttersprachliche Führungen für Niederländer und Franzosen

anbietet, ist deren Zahl ebenfalls deutlich
angestiegen.
Neben den angemeldeten Gruppen kamen zudem immer mehr Einzelbesucher
aus dem Ausland. Besonders an Wochenenden erschienen zahlreiche Spontanbesucher aus allen Ländern Europas und aus
Übersee. Angaben zu ihrer Anzahl und
Herkunft liegen allerdings nicht vor, da sie
am Eingang nicht nach ihrer Herkunft befragt werden. Um auch Touristen mit geringen Deutschkenntnissen eine Besichtigung des Gefängnisses zu ermöglichen,
wurden insbesondere in den Sommermonaten oft mehrsprachige Referenten eingesetzt.

Der ehemalige Häftling Mike Fröhnel (l.) mit Schülern in einer Zelle,
September 2008

Abb. 7: Ausländische Besucher der Gedenkstätte sortiert nach Ländern, 2008

26

Informationstafeln im früheren
Sperrgebiet um die ehemalige
Haftanstalt

Ausstellungen
Die Stiftung Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen hat den gesetzlichen Auftrag, mit Ausstellungen zur kritischen
Auseinandersetzung mit den Formen und
Folgen politischer Verfolgung in der kommunistischen Diktatur anzuregen. Das
größte und wichtigste Ausstellungsobjekt bildet dabei die ehemalige Untersuchungshaftanstalt selbst, die im Rahmen
eines ausgedehnten musealen Rundgangs besichtigt werden kann. Außerdem
wurden regelmäßig Sonderführungen
durch das frühere Haftkrankenhaus des
MfS und durch einen Original-DDR-Gefangenenwaggon angeboten.
Darüber hinaus zeigte die Gedenkstätte
Hohenschönhausen im Berichtszeitraum
vier ständige und elf Wechselausstellungen zu unterschiedlichen Themen. Durch
die Bewilligung entsprechender Haushaltsmittel konnte außerdem die Einrichtung der schon lange geplanten zentralen
Dauerausstellung in Angriff genommen
werden.

Musealer Rundgang
Die Mehrheit der Besucher will in erster
Linie das ehemalige Gefängnis des DDRStaatssicherheitsdienstes besichtigen. Da
das Gebäude nicht den baurechtlichen Vorschriften für ein Museum entspricht, kann
es nur im Rahmen von Führungen angesehen werden. Diese werden regelmäßig
angeboten (siehe Besucherbetreuung).
Angemeldete Gruppen können in der Regel wählen, ob sie von einem Zeitzeugen
oder einem Historiker geführt werden
wollen. Da sich die überwiegende Mehrheit für einen Zeitzeugen entscheidet,
ist die Führung über die reine Faktenvermittlung hinaus für die meisten Besucher
auch ein starkes emotionales Erlebnis.
Die Rundgänge durch das ehemalige
Untersuchungsgefängnis folgen einem
nach historischen und didaktischen Kriterien konzipierten Curriculum. Ein wissenschaftlicher Arbeitsausschuss hat die
Grundzüge davon bereits 1995 festgelegt.

Ausstellungen
In Zusammenarbeit mit den Referenten
der Gedenkstätte entstand das Modell
einer so genannten Standardführung, die
in 90 Minuten die wichtigsten Stationen
und Sachverhalte berücksichtigt. In den
Leitlinien über Form und Inhalt geführter
Rundgänge, die der Beirat der Gedenkstätte 2004 bestätigt hat, ist festgelegt,
welche Inhalte wo zu vermitteln sind. Die
Einhaltung des Curriculums wurde durch
Hospitationen und Auswertung der Besucherreaktionen überprüft.
Der Rundgang durch die Haftanstalt folgt
einer doppelten Dramaturgie. Zum einen
beschreibt er die Entwicklungsphasen
des Haftortes Hohenschönhausen, die
für die Besucher auch baulich sichtbar
werden: vom sowjetischen Speziallager
1945/46 über die zentrale Untersuchungshaftanstalt des sowjetischen Ministeriums für Staatssicherheit (MGB), die 1951
vom DDR-Staatssicherheitsdienst übernommen und erweitert wurde, bis zur
Gefängnisschließung im Oktober 1990.
Zum anderen vermittelt er im so genannten Neubau die typischen Stationen eines
Gefangenen nach der Festnahme: von der
Einlieferung in einem fensterlosen Gefangenentransporter über die ständigen Verhöre bis zum Abtransport nach der Verurteilung.
Im Einzelnen umfasst der Rundgang folgende Stationen:
A. Eingangstor
Beim Durchschreiten des Eingangstores erlebt der Besucher zum ersten Mal
bewusst, dass er sich in ein Gefängnis
begibt. Das schwere Eisentor, die Gitterstäbe, der einschüchternde funktionale
Baukörper vermitteln einen ersten Eindruck von der Situation der Gefangenschaft. Der Besucherdienst nimmt die
Besucher an dieser Stelle in Empfang und
leitet sie zur nächsten Station weiter.
B. Einführung
Da das Vorwissen der Besucher über
das System der politischen Justiz in der
DDR meist gering ist, werden vor der
Besichtigung der Haftanstalt historische
Grundinformationen über die DDR, den

27

Staatssicherheitsdienst und den Haftort Hohenschönhausen vermittelt. Dies geschieht
im Regelfall durch einen Einführungsfilm, in
Ausnahmefällen durch einen Vortrag.
C. Speziallager
Der anschließende Rundgang führt im
Regelfall an dem roten Backsteingebäude
vorbei, in dem sich 1945/46 das sowjetische Speziallager Nr. 3 befand. Die Überreste des Lagers, in dem zeitweise mehr
als 4000 Menschen eingepfercht waren,
sind nur noch von außen zu sehen. Der Innenbereich wurde vom Staatssicherheitsdienst später komplett umgebaut.
D. Kellergefängnis („U-Boot“)
Im Keller des Gebäudes kann der Besucher die Reste des sowjetischen Kellergefängnisses besichtigen, das das MfS
1951 übernahm und als zentrale Untersuchungshaftanstalt weiterführte. Insbesondere der Blick in den Zellengang mit
der langen Reihe verschlossener Eisentüren macht die Situation der hier gefangen
gehaltenen Menschen anschaulich. Auch
verschiedene Zellen werden gezeigt, die
teilweise mit Pritschen, Kübeln und rekonstruierten Anlagen zur Geständniserzwingung ausgestattet sind.
E. Schleuse
Aus dem Kellergefängnis werden die
Besucher zum benachbarten Neubau geführt, der dem MfS von 1961 bis 1990 als
zentrales Untersuchungsgefängnis diente. Im so genannten Rosenhof können die
Besucher die Dimensionen dieser Haftanlage erfassen. Anschließend betreten sie
die frühere Schleuse, in der die Inhaftierten ausgeladen wurden und in der noch
ein originaler DDR-Gefangenentransporter zu sehen ist.
F. Gummizellen
Über einen Treppenabgang können auch
die ehemaligen Gummizellen im Keller
besichtigt werden. Eine im Original erhaltene Zelle strömt bis heute den dumpfen
Geruch der schwarzen Gummi-Ummantelung aus. Die Besucher erfahren, wie das
MfS die so genannten Beruhigungsverwahrräume nutzte, um Gefangene ruhig
zu stellen oder zu disziplinieren.

Wachturm der früheren Haftanstalt

Eingangstor zum ehemaligen StasiGefängnis

Gefangenentransporter „Barkas
1000“ in der früheren Gefängnisschleuse

28

Teil der Ampelanlage in der ehemaligen Haftanstalt

Ausstellungen
G. Wachzentrale
Im Erdgeschoss führt der Rundgang an
der ehemaligen Wachzentrale vorbei.
Durch ein Fenster können die Besucher
einen Blick auf die Kontrollmonitore werfen. Auf dem Flur ist eine primitive Alarmanlage aus Klingeldraht zu sehen. Die
Besucher nehmen nun denselben Weg,
den auch die Untersuchungsgefangenen
bei ihrer Einlieferung durchliefen: Entkleidung, Durchsuchung, erkennungsdienstliche Behandlung und erstmaliges Betreten
der Zelle.
H. Entkleidungsraum
Unmittelbar vor dem Zellentrakt befindet
sich ein vergitterter Entkleidungsraum mit
angeschlossener Kleiderausgabe, wo sich
die Gefangenen vollständig ausziehen, einer Körperdurchsuchung unterziehen und
alle persönlichen Gegenstände abgeben
mussten. Hier wird demonstriert, wie aus
der Zivilperson ein Untersuchungshäftling
wurde.

Zelle mit Tisch, Hocker, Pritsche und
Wandschrank sowie Glausbausteinen anstelle eines Fensters

I. Zellentrakt
Im Zellentrakt können die Besucher in originale Zellen hineinschauen oder hineingehen. Sie sind zum Teil mit Hocker, Tisch,
Wandschrank, Pritschen, Decken, Bettzeug und der früheren Anstaltskleidung
ausgestattet. Auf dem Flur sieht man die
Ampelanlage und die Balkenmarkierungen am Fußboden, mit denen verhindert
wurde, dass sich Häftlinge auf dem Weg
zum Verhör begegnen konnten.
J. Fotoraum
In diesem Raum wird das Prozedere der
erkennungsdienstlichen Behandlung gezeigt: Abnahme von Fingerabdrücken,
Anfertigen eines „Verbrecherfotos“, Erfassung von Tätowierungen.
K. Haftrichterraum
In diesem original eingerichteten Raum
sanktionierte ein Richter die Verhaftungen
des Staatssicherheitsdienstes.

Fotoraum für die erkennungsdienstliche Behandlung

L. Vernehmertrakt
In diesem Trakt sind zunächst die Schreibzimmer zu sehen, in denen die Zelleninformanten ihre Spitzelberichte schrieben.
Anschließend stößt der Besucher auf die

Gummizelle im Keller des Neubaus

lange Flucht der Vernehmerräume. Die
etwa 40 Türen versinnbildlichen die frühere Funktion der Haftanstalt als Ort “industriemäßiger
Geständnisproduktion”.
Die Vernehmerräume sind mit OriginalMobiliar ausgestattet: Schreibtisch, Vernehmersessel, Beistelltisch, Büroschrank,
Aktenpanzerschrank, Telefon etc.
M. Hofgangzellen
Am Ende des Rundgangs werden die so
genannten Freiganghöfe besichtigt, im
Häftlingsjargon „Tigerkäfige“. Selbst der
Himmel ist hier mit Maschendraht vergittert. Das bewaffnete Wachpersonal auf
der Beobachtungsbrücke demonstrierte
die Allmacht des Staates. Die unwirtliche
Situation zwischen den grauen Mauern
bildet den Schlusspunkt des Rundgangs
durch die frühere Haftanstalt.
Der hier beschriebene Rundgang wurde im Berichtszeitraum um eine zweite
Informationsebene ergänzt. Auf zweisprachigen Tafeln (Deutsch und Englisch)
werden an den wichtigsten Stationen die
wesentlichen Fakten noch einmal schriftlich zusammengefasst. Biografie-Stelen
machen auf bedeutende Häftlingsschicksale aufmerksam. Die Stelen korrespondieren mit Textfahnen an den Außenfassaden, die den Besuchern Auskunft über
die frühere Nutzung der Gebäude geben.
Auch in der Umgebung, dem ehemaligen
Sperrgebiet Berlin-Hohenschönhausen,
hat die Gedenkstätte entsprechende Erläuterungstafeln aufgestellt. Sie wurden
im April 2008 vom Bezirk Lichtenberg erneuert, erweitert und um eine in den Boden eingelassene Karte des Sperrgebiets
ergänzt.

Ausstellungen
Sonderführungen
Neben dem Rundgang durch die ehemalige Untersuchungshaftanstalt hat die
Gedenkstätte Sonderführungen durch
weitere historische Bereiche angeboten.
Insbesondere das ehemalige Haftkrankenhaus des MfS und ein DDR-Gefangenenwaggon wurden auf diese Weise
zugänglich gemacht. Bei besonderen Anlässen waren auch die Gefängnisküchen
und die Sauna der MfS-Mitarbeiter zu besichtigen.
A. Gefangenenwaggon
Im Rahmen der öffentlichen Führung hatten die Besucher jeden Donnerstag um
13 Uhr die Möglichkeit, das letzte Exemplar eines DDR-Gefangensammeltransportwaggons (GSTW) anzusehen, mit
dem das Ministerium des Innern bis zu
70 Häftlinge transportieren konnte. Die
Fahrzeuge, die von Häftlingen nach dem
früheren DDR-Ministerpräsidenten Otto
Grotewohl als „Grotewohl-Express” bezeichnet wurden, kamen vor allem bei Verlegungen zum Einsatz. Der Waggon zeigt,
dass die Untersuchungshaftanstalt für
die Inhaftierten keine „Endstation” war,
sondern dass sie nach ihrer Verurteilung
von hier in das ausgedehnte System des
DDR-Strafvollzugs verbracht wurden. Eine
Erläuterungstafel mit Dokumenten, Fotos
und Ansichten aus dem Wageninneren erschließt das Ausstellungsobjekt auch außerhalb der Führungen.
B. Haftkrankenhaus
Im Berichtszeitraum hat die Gedenkstätte
erstmals das ehemalige Haftkrankenhaus
des MfS für eine museale Nutzung erschlossen. In dem Bau waren unter anderem angeschossene Flüchtlinge, schwer
erkrankte Häftlinge oder Inhaftierte, die in
Hungerstreik getreten waren, in Haft. Sie
kamen nicht nur aus der Untersuchungshaftanstalt
Berlin-Hohenschönhausen,
sondern auch aus den anderen 16 Untersuchungshaftanstalten der Staatssicherheit.
Das Personal bestand aus MfS-Mitarbeitern, die eng mit der Vernehmerabteilung
zusammenarbeiteten. Seit 1992 steht
das Gebäude unter Denkmalschutz. Nach
jahrelangem Verfall konnte es erst nach

29

aufwändigen Sanierungsarbeiten wieder
zugänglich gemacht werden (siehe Bautätigkeit). Seit September 2008 wird jeden
Mittwoch um 13 Uhr im Rahmen der öffentlichen Führung ein musealer Rundgang angeboten, der an Krankenzellen,
Operationssaal, Behandlungsräumen und
Leichenkammer vorbeiführt. Er basiert auf
einem Curriculum, das vom Beirat diskutiert und verabschiedet wurde. Zusätzlich
wurde das Gebäude mit einem Wegeleitsystem versehen, das aus einer Orientierungstafel im Eingangsbereich, Bildtafeln
mit Fotografien des früheren Zustands,
Standortinformationen und erklärenden
Raumabsperrungen besteht.
C. Küchentrakt und Sauna
Am Tag des offenen Denkmals wurden
auch Bereiche geöffnet, die normalerweise nicht für Besucher zugänglich sind. Insbesondere die beiden im Originalzustand
erhaltenen Gefängnisküchen und die ehemalige Sauna für das MfS-Personal wurden bei Sonderführungen gezeigt.

Der frühere Stasi-Häftling Wolfgang Hinkeldey im
ehemaligen Operationssaal des Haftkrankenhauses,
September 2008

Innenansicht des Gefangenenwaggons, im Häftlingsjargon „Grotewohl-Express“

30

Ausstellungen
Zentrale Dauerausstellung
Nach jahrelangem Stillstand ist im Berichtszeitraum auch die Planung der seit
2001 konzipierten zentralen Dauerausstellung vorangekommen. Für die Realisierung sind umfangreiche Umbauten,
qualifiziertes Personal sowie erhebliche
Finanzmittel für die Ausstellungsgestaltung erforderlich. Im Frühjahr 2007 bewilligten dafür der Bundesbeauftragte für
Kultur und Medien (BKM) und das Land
Berlin Sondermittel in Höhe von 16,2 Millionen Euro. 3,1 Millionen Euro sind davon für die Ausstellung, der Rest für den
Umbau bestimmt. Im September 2007
verständigte sich der Stiftungsrat darauf,
die Gedenkstätte mit der Realisierung des
umfangreichen Ausstellungsprojektes zu
beauftragen.
Nachdem die zuständigen Parlamente
von Bund und Land die ersten sechs Millionen Euro für den Zeitraum 2008/2009
bewilligt hatten, organisierte die Berliner
Senatsverwaltung für Stadtentwicklung
einen Realisierungswettbewerb zum Umbau der ehemaligen Haftanstalt. Im Juni
2008 gewann ihn das renommierte Architektenbüro hg merz aus Stuttgart (siehe
Bautätigkeit). Ab dem dritten Quartal 2008
standen auch der Gedenkstätte die ersten
Haushaltsmittel für die Ausstellungsplanung zur Verfügung. Bereits ab Sommer
2008 begann die Stiftung mit dem Aufbau

Ausstellung der Wettbewerbsergebnisse zum Umbau der Gedenkstätte
mit dem Gedenkstättenbeauftragten des Berliner Senats Rainer
Klemke (3.v.l.), Juli 2008

einer Projektgruppe, die aus zwei Ausstellungsmachern und einer Museologin
für die Exponatbeschaffung besteht. Für
spezielle wissenschaftliche Recherchen
wurden zudem erste Werk- bzw. Hilfskraftverträge vergeben. Als Berater konnte der langjährige Präsident der Stiftung
Haus der Geschichte der Bundesrepublik
Deutschland, Hermann Schäfer, gewonnen werden.
Die Projektgruppe, die unter der Leitung
von Gedenkstättendirektor Hubertus
Knabe steht, beschäftigte sich vor allem
mit der Weiterentwicklung des Präsentations- und Ausstellungskonzepts aus dem
Jahr 2001. Dazu begannen die Arbeiten
an einer Zielplanung, einem Betriebskonzept, einem Finanzierungsplan und einem
Drehbuch. Vorgesehen ist, die ehemalige
Großküche, die vom MfS in ein Materiallager umgebaut wurde, zu einer großen
neutralen Ausstellungsfläche umzugestalten.
Für die Erfassung und Verwaltung der Exponate entwickelte die Gedenkstätte eine
Datenbank, in die ca. 2000 Datensätze
eingearbeitet wurden. Parallel dazu wurden Objekte recherchiert und erste Neuanschaffungen getätigt. Unter anderem
erwarb die Gedenkstätte vier Segmente
der Berliner Mauer sowie Überwachungsgeräte des MfS, die im Sperrgebiet Hohenschönhausen entstanden sind. Im Ok-

Ausstellungen
tober 2008 lief außerdem ein Projekt an,
die zahlreichen Berichte von Zeitzeugen
systematisch auszuwerten (siehe Forschung). Die Eröffnung der Ausstellung
ist für 2012 vorgesehen.
Ständige Ausstellungen
Entsprechend ihrem gesetzlichen Auftrag, durch Ausstellungen zur Auseinandersetzung mit den Formen und Folgen
politischer Verfolgung und Unterdrückung
in der kommunistischen Diktatur anzuregen, hat die Gedenkstätte vier ständige
Ausstellungen gezeigt, die insbesondere
für Einzelbesucher von Interesse waren.
Stark frequentiert war vor allem das InfoCenter, das im März 2007 eröffnet wurde.
Die dort gezeigte Ausstellung „Inhaftiert
in Hohenschönhausen. Zeugnisse politischer Verfolgung 1945-1989“ dient als
Zwischenlösung bis zur Fertigstellung
der zentralen Dauerausstellung. In einem
Nachbarraum können sich Besucher an
Medienterminals vertiefend über die Haftanstalt und die Gedenkstätte informieren.
In verschiedenen Räumen wurden außerdem Einzelvitrinen mit Objekten zum
Haftalltag (Raum C), zur Satirezeitschrift
„Die Tarantel“ (Raum D) und zum Thema
„Hygiene im Strafvollzug“ (Raum 37/38)
gezeigt.

31

Im Berichtszeitraum hat die Stiftung folgende ständige Ausstellungen gezeigt:
Inhaftiert in Hohenschönhausen.
Zeugnisse politischer Verfolgung 1945-1989
Ausstellung
der
Gedenkstätte
Berlin-Hohenschönhausen
(seit März 2007)
Die Ausstellung im so genannten InfoCenter der Gedenkstätte gliedert sich in
fünf Themenbereiche, die der Abfolge des
Rundgangs durch die frühere Haftanstalt
entsprechen. Nach einer Einführung in die
Geschichte des Haftortes wird der Weg
beschrieben, den die Häftlinge von ihrer
Verhaftung und Einlieferung bis zur Verurteilung nahmen. Ausgewählte Häftlingsbiografien ergänzen die Schau. Ein dreidimensionales Modell im Maßstab 1:200
zeigt die Gefängnisanlage zum Zeitpunkt
der friedlichen Revolution im Herbst 1989.
Über 120 Exponate, Fotos und Dokumente veranschaulichen den Alltag der Häftlinge. Neben Exponaten zum Haftregime wie
Handtücher, Waschlappen, Plastikgeschirr,
Überwachungsapparate oder Instrumente
aus der erkennungsdienstlichen Behandlung werden auch einige seltene persönliche Gegenstände von Verfolgten gezeigt.
Dazu gehören zum Beispiel ein selbstge-

Exponate der Ausstellung
„Inhaftiert in Hohenschönhausen“
im Info-Center

32

Porträts früherer Stasi-Häftlinge
in der Ausstellung „Zeit meines
Lebens“

Ausstellungen
fertigtes Besteck des ehemaligen thüringischen LDPD-Fraktionschefs Hermann
Becker aus seiner Haft im sowjetischen
Arbeitslager Workuta, kleine Schmuckgegenstände aus dem sowjetischen Haftarbeitslager in Hohenschönhausen oder ein
umgebauter Rasierer zum Transport von
Kassibern, den ein Häftling in der Strafvollzugseinrichtung Waldheim heimlich
anfertigte. Auch Bücher aus der einstigen
Gefängnisbibliothek von Hohenschönhausen werden gezeigt, die kaum sichtbare
Fingernagelmarkierungen tragen, mit denen Häftlinge Nachrichten an ihre Mitgefangenen zu übermitteln versuchten.
Zeit meines Lebens
Ausstellung der Gedenkstätte
Berlin-Hohenschönhausen
(seit November 2000)

Die Ausstellung „Die Kinder von
Hoheneck“ im Eingangsbereich der
Gedenkstätte

Foto aus der Ausstellung „Bilder
einer Seele“ von Matthias Melster

Die Ausstellung im ersten Stock des
Hauptgebäudes zeigt fotografische Porträts ehemaliger Häftlinge aus Berlin-Hohenschönhausen, die in der Gedenkstätte Besuchergruppen führen. Der Berliner
Fotograf André Kaiser, der selbst als Achtzehnjähriger in dem Gefängnis inhaftiert
war, hat die Serie im Herbst 2000 angefertigt. Die Porträts wurden in der Gedenkstätte jeweils an Orten aufgenommen, die
die ehemaligen Häftlinge sich selbst ausgesucht hatten, und mit einer ebenfalls
selbst gewählten Aussage unterstrichen.
Auf diese Weise sind ausdrucksstarke
Aufnahmen entstanden, die weit mehr
darstellen als eine Galerie mit Fotografien
von Gedenkstättenmitarbeitern. Für die

Besucher, die in der Regel einen der hier
Gezeigten in der Führung auch persönlich
erlebt haben, bieten sie die Möglichkeit
zur individuellen Begegnung mit unterschiedlichen Haftschicksalen und Persönlichkeiten.
Die Kinder von Hoheneck
Ausstellung des Frauenkreises
der ehemaligen Hoheneckerinnen
(seit März 2003)
Die kleine, im Eingangsbereich der Gedenkstätte gezeigte Ausstellung ist einem
der traurigsten Kapitel politischer Verfolgung in der kommunistischen Diktatur
gewidmet. Anhand von vier Einzelschicksalen erinnert sie an die Geschichte der
Kinder und Mütter aus dem ehemaligen
Frauenzuchthaus Hoheneck. Nach Auflösung der sowjetischen Speziallager in
Deutschland wurde ein Teil der dort inhaftierten Frauen 1950 an die DDR-Behörden
übergeben. Zum Zwecke der weiteren
Strafverbüßung mussten sie in die Strafvollzugsanstalt Hoheneck. Einige Frauen
brachten in den Lagern oder im Zuchthaus
Hoheneck Kinder zur Welt, die ihnen nach
kurzer Zeit weggenommen wurden. Als
namenlose „Kinder der Landesregierung”
kamen sie in Kinderheime und sahen ihre
Mütter meist erst Jahre später wieder.
Die Ausstellung informiert über diese Praxis der Kindesenteignungen, die für die
Betroffenen oft nachhaltige seelische Folgen hatte.
Bilder einer Seele
Ausstellung der Gedenkstätte
Berlin-Hohenschönhausen
(seit August 2005)
Die Ausstellung im neu hergerichteten
Raum 37/38 zeigt Fotografien des ehemaligen Gefangenen Matthias Melster, auf
denen er sich mit der Haftanstalt BerlinHohenschönhausen
auseinandersetzt.
Die Bilder bieten eine ungewohnte Sichtweise auf das schon oft dokumentierte
zentrale Untersuchungsgefängnis des
MfS. Sie spielen mit Kontrasten, Schärfe
und Unschärfe, Schwarz-Weiß-Motiven
und ausgesuchter Farbigkeit. Sie lenken
den Blick des Besuchers auf die Objekte

33

Ausstellungen
persönlicher Demütigung, existentiellen
Ausgeliefertseins und strikter Isolation.
Sie ist als Wanderausstellung einsetzbar
und wurde 2008 auch außerhalb gezeigt
(siehe Wechselausstellungen).

Im Berichtszeitraum hat die Gedenkstätte
folgende Wechselausstellungen gezeigt:

Wechselausstellungen

Die Ausstellung widmete sich der Arbeit
der Gefangenenhilfsorganisation amnesty
international (ai) für die Durchsetzung der
Menschenrechte in der DDR. Von 1961
bis 1989 „adoptierten“ ai-Gruppen aus 30
Ländern mehr als 2000 politische Gefangene in der DDR. Mit Briefen, Kampagnen
und Appellen aus dem Ausland sowie mit
Lobbyarbeit bei den Vereinten Nationen
und der Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) setzten
sie sich für ihre Freilassung ein. Für den
Staatssicherheitsdienst und das Politbüro
der SED war amnesty international deshalb eine „Feindorganisation“, die sich in
die „inneren Angelegenheiten der DDR“
einmischte. Vertretern und Mitarbeitern
von amnesty international wurde die Einreise in die DDR verweigert, ihre Tätigkeit
im westlichen Ausland vom MfS beobachtet. Die Ausstellung zeigte Möglichkeiten
und Grenzen der Menschenrechtsorganisation, die SED-Führung zur Einhaltung
jener Prinzipien zu bewegen, zu denen
sie sich in internationalen Verträgen selbst
verpflichtet hatte.

Neben dem musealen Rundgang und den
ständigen Ausstellungen hat die Gedenkstätte auch verschiedene Wechselausstellungen gezeigt, die unterschiedliche
Aspekte des kommunistischen Systems
beleuchteten. Die Ausstellungen waren
täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet, der
Besuch war kostenfrei. Aufgrund der begrenzten finanziellen und personellen
Ressourcen der Gedenkstätte konnten
sie allerdings nicht selbst erstellt werden,
sondern wurden bei anderen Einrichtungen ausgeliehen. Kooperationspartner
waren unter anderem die Bundesstiftung
zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, die
Zentral- und Außenstellen der Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen, Gedenkstätten sowie verschiedene Vereine
und Initiativen. Da die Stiftung bislang
über keine Fläche für Wechselausstellungen verfügt, konnten sie nur in den ehemaligen Fluren und Versammlungsräumen sowie in einer umgebauten Garage
gezeigt werden.

ai und die DDR
Ausstellung von amnesty international
12. Oktober 2006 bis 31. Januar 2007

Ausstellung „ai und die DDR“,
Oktober 2006 bis Januar 2007

34

Ausstellungen

Politische Justiz im Film - Foto aus
der Ausstellung „Inszenierung des
Rechts“

Was Krieg anrichtet. Kinder
aus Tschetschenien zeichnen
ihre Erlebnisse
14. Februar bis 31. März 2007
Die Ausstellung zeigte Zeichnungen
tschetschenischer Kinder, die in Grosny
oder als Flüchtlinge in Inguschetien leben
und ihre Heimatstädte oder -dörfer oft nur
im Bombenhagel und als Trümmerwüsten
kennen. Viele von ihnen gehen seit Jahren
nicht mehr zur Schule oder haben noch
nie eine Schule besucht, Schaukeln oder
Karussells sahen sie zum ersten Mal in
Inguschetien. Die Bilder, die die Schweizerin Elisabeth Petersen während ihrer
Reisen in den Nordkaukasus sammelte
und durch Fotografien aus dem zerstörten
Grosny und den Flüchtlingslagern in Inguschetien ergänzte, sind kleine Mahnmale
gegen Krieg und Zerstörung. In ihrer naiven Darstellung spiegeln sie die brutale
Realität des Krieges und die zahlreichen
Opfer der Zivilbevölkerung wider.
Von Deutschland nach Deutschland. Flucht und Ausreise aus
der SBZ/DDR 1945–1989
14. Juni bis 31. August 2007
Die von verschiedenen Gedenkstätten in
Sachsen-Anhalt konzipierte Ausstellung
zeigte anhand von Fotos, Dokumenten
und Schautafeln die Geschichte der deutschen Teilung von den Anfängen bis zur
Friedlichen Revolution im Herbst 1989.
Sie dokumentierte, wie seit dem Ende
des Zweiten Weltkrieges Hunderttausende aus der Sowjetischen Besatzungszone
(SBZ) in die Westzonen flüchteten – und
wie die Besatzungsmacht und die DDRFührung schrittweise die innerdeutschen

Grenzanlagen ausbauten. Sie widmete
sich nicht nur der Situation vor und nach
dem Bau der Berliner Mauer, sondern
auch den zahlreichen Fluchtversuchen
danach sowie der anschwellenden Ausreisebewegung in den 1970er und 1980er
Jahren. Seit 1961 kamen mehr als 72 000
Menschen aufgrund des DDR-Grenzregimes in Haft, viele von ihnen wurden
in Hohenschönhausen festgehalten. Die
Ausstellung stellte deshalb eine gute Ergänzung zu den Führungen dar.
Inszenierungen des Rechts.
Schauprozesse, Medienprozesse
und Prozessfilme in der DDR
24. August 2007 bis 31. Januar 2008
Die Ausstellung, die vom Lehrstuhl für
Strafrecht, Strafprozessrecht und Rechtsphilosophie an der Berliner HumboldtUniversität erarbeitet wurde, widmete
sich dem Zusammenspiel von Recht und
Medien in der SED-Diktatur. Anhand zahlreicher Beispiele zeigte sie, wie das öffentliche Auftreten der Justiz und deren
Wahrnehmung durch die Gesellschaft in
der DDR auseinanderfielen: Die offizielle
Propaganda präsentierte die sozialistische
Justiz als staatlichen Garanten für die öffentliche Sicherheit. Große Teile der Bevölkerung wurden jedoch von den Erfahrungen des stalinistischen Justizterrors der
frühen fünfziger Jahre und der späteren
Verfolgung von Andersdenkenden, nichtkonformen Jugendlichen oder Fluchtwilligen geprägt. Die Ausstellung, die von
der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der
SED-Diktatur gefördert worden war, zeigte auch Original-Filme aus der DDR über
verschiedene Schauprozesse.
Ganz normale Helden. Einzelschicksale inhaftierter Oppositioneller in der DDR und der
Volksrepublik Polen zu Zeiten
des Kalten Krieges
30. November 2007 bis 31. Juli 2008
Die Ausstellung war Ergebnis eines umfangreichen deutsch-polnischen Schülerprojektes, bei dem sich Jugendliche aus
Berlin und Warschau mit den Schicksalen
inhaftierter Oppositioneller aus der DDR

Ausstellungen
und der Volksrepublik Polen auseinander
setzten. Durch Interviews und Quellenstudien erarbeiteten sie sich Kenntnisse
über Familie und Jugend der ausgewählten Zeitzeugen, über deren politisches
Wirken, ihre Verhaftung sowie ihre Haftzeit im Gefängnis Bialoleka in Warschau
bzw. in Berlin-Hohenschönhausen. Die
Ergebnisse wurden in einer Ausstellung
und einem Interviewfilm präsentiert, die
sowohl in polnischer als auch in deutscher
Sprache produziert wurden. Gefördert
wurde das Projekt von verschiedenen Institutionen wie der Stiftung Erinnerung,
Verantwortung und Zukunft, der Aktion
Mensch und dem Volksbund Deutsche
Kriegsgräberfürsorge e.V. Die Ausstellung
wurde von den beteiligten Schülern am
30. November 2007 zunächst in der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen und
wenig später in Warschau eröffnet.
Gegen den Strom. Ein Stück originärer Leipziger Literaturgeschichte aus dem Jahre 1968
4. Februar bis 30. April 2008
Die von Ralph Grüneberger zusammengestellte Ausstellung beschäftigte sich mit
einer ungenehmigten Lyriklesung in der
DDR, die am 26. Juni 1968 auf einem Fahrgastschiff auf dem Elsterstausee stattfand.

Organisator war der Schriftsteller Siegmar
Faust, der wegen „politischer und literarischer Unreife“ als Student am Literaturinstitut in Leipzig exmatrikuliert worden
war. Zu den Teilnehmern gehörten u.a.
der spätere Kabarettist Bernd Lutz Lange sowie die Lyriker Wolfgang Hilbig und
Andreas Reimann. Die Lesung gilt als Beispiel, dass im Unruhejahr 1968 auch in der
DDR manches in Bewegung geriet.
Verdeckt und getarnt. Technik
und Methoden der geheimen Beobachtung der Stasi
5. Mai bis 27. Juli 2008
Die Ausstellung der Bundesbeauftragten
für die Stasi-Unterlagen zeigte, mit welchem „Einfallsreichtum“ das Ministerium
für Staatssicherheit (MfS) die DDR-Bevölkerung überwachte. Die Methoden reichten von heimlichen Telefonmitschnitten
über konspirative Wohnungsdurchsuchungen bis hin zu so genannten Sonderleerungen öffentlicher Briefkästen. Ein Großteil der Überwachungsgeräte wurde vom
Operativ-Technischen Sektor (OTS) des
MfS in Berlin-Hohenschönhausen entwickelt. Aus der Fülle der Observationstechnik war unter anderem eine „Gießkannen-Kamera“ und ein „Wanzen-Füller“ zu
sehen.

35

„Ganz normale Helden“ - Ergebnis
eines deutsch-polnischen Schülerprojekts, November 2007 bis
Juli 2008

Gießkannen-Kamera aus der Ausstellung „Verdeckt und getarnt“,
Mai bis Juli 2007

Ausstellung „Gegen den Strom“,
Februar bis April 2008

36

Ausstellungen
Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen. Ergebnisse des
begrenzt offenen Realisierungswettbewerbs
7. bis 18. Juli 2008

Plakat zur Ausstellung über die
Geschichte der „Falken“ in Berlin,
November 2008 bis Februar 2009

Die Ausstellung der Senatsverwaltung
für Stadtentwicklung präsentierte die 20
eingereichten Entwürfe für den Realisierungswettbewerb zur Erweiterung der
Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen.
Mit einem Sonderpreis in Höhe von
19 000 Euro wurde das Büro hg merz gewürdigt. Mit einem 2. Preis in Höhe von
14 000 Euro zeichnete die Jury das Büro
Klaus Block aus. Den 3. Preis in Höhe
von 11 000 Euro erhielt das Büro Martin
Froh, den 4. Preis (8000 Euro) bekamen
die Architekten Thomas Müller und Ivan
Reimann.
Robert Havemann 1910-1982
28. Juli bis 2. November 2008
In fünf Kapiteln stellte die Ausstellung der
Robert-Havemann-Gesellschaft e.V. die
wichtigsten Phasen aus der Biographie
des bekannten DDR-Dissidenten Robert
Havemann vor: sein Weg zum Wissenschaftler und politisch denkenden Menschen; sein Widerstand gegen den Nationalsozialismus und seine Unterstützung
für Verfolgte; seine Tätigkeit als Repräsentant der DDR nach 1949; sein Wandel vom
begeisterten SED-Genossen zum Kritiker;
seine Rolle als Leitfigur der DDR-Opposition und Impulsgeber für die unabhängige
Friedensbewegung.

an diesem Ort der Demütigung zu sehen
gibt. Melsters Fotografien geben Einblicke in das Gefühlsleben eines unschuldig
Inhaftierten (siehe Ständige Ausstellungen). Mit der Präsentation im Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg wurden
die Bilder bewusst an einem Ort gezeigt,
an dem heute Recht gesprochen wird.
Selbstbehauptung, Widerstand
und Verfolgung. Die sozialistische Jugend Deutschlands – Die
Falken in Berlin 1945 bis 1961
10. November 2008 bis 20. Februar 2009
Die Ausstellung des Berliner Landesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes beschäftigte sich mit
der Vereinigung „Sozialistische Jugend
Deutschland (SJD) – Die Falken“, die bis
zum Bau der Mauer 1961 in beiden Teilen
Berlins aktiv war. Sie kämpfte gegen den
Weg in eine neue Diktatur und hatte Kontakt zu Jugendlichen in Dresden, Ilmenau,
Leipzig und Frankfurt (Oder). Viele ihrer
Mitglieder wurden vom DDR-Staatssicherheitsdienst verhaftet und zu langen
Haftstrafen verurteilt.

Bilder einer Seele. Fotografien von Matthias Melster
3. Juni bis 15. Oktober 2008
(Oberverwaltungsgericht BerlinBrandenburg)
Die Ausstellung der Gedenkstätte BerlinHohenschönhausen vereint die Bildserien
des Fotografen Matthias Melster über die
ehemalige zentrale Untersuchungshaftanstalt des Ministeriums für Staatssicherheit
(MfS). Nach einer gescheiterten Flucht aus
der DDR war er 1987 fünf Monate selber
in diesem Gefängnis. Fast 20 Jahre später bewegte ihn die Frage, was es heute

Tafel aus der Ausstellung „Robert Havemann
1910-1982“, Juli bis November 2008

37

Berlins Kulturstaatssekretär André
Schmitz (l.) bei der Eröffnung des
Info-Centers; rechts der Berliner
CDU-Vorsitzende Frank Henkel;
Mitte: der stellvertretende Vorsitzende der Vereinigung der Opfer
des Stalinismus Hugo Diederich,
März 2007

Veranstaltungen
Entsprechend ihrem gesetzlichen Auftrag
hat die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen zahlreiche Veranstaltungen durchgeführt, um zur Auseinandersetzung mit
den Formen und Folgen politischer Unterdrückung in der kommunistischen Diktatur anzuregen. Insgesamt fanden in den
Jahren 2007/2008 24 Veranstaltungen
statt, also durchschnittlich eine pro Monat. Das Spektrum reichte von Ausstellungseröffnungen über Buchvorstellungen bis hin zu eher kulturell orientierten
Veranstaltungen mit Beiträgen aus Theater, Film oder Literatur. Große Bedeutung
hatte auch das Opfergedenken, namentlich an historischen Jahrestagen wie dem
17. Juni (Volksaufstand in der DDR), dem
13. August (Bau der Berliner Mauer) oder
dem 9. November (Mauerfall). Am 24.
Oktober fand wie in den Vorjahren regelmäßig eine Gedenkfeier für die Opfer
des sowjetischen Speziallagers in Hohenschönhausen statt. Darüber hinaus wirkten Mitarbeiter der Stiftung, zum Teil außerdienstlich, an ca. 50 Veranstaltungen
anderer Institutionen als Referenten mit.

Wegen der ungünstigen geografischen
Lage der Gedenkstätte und ihrer schlechten Verkehrsanbindung wurde ein Teil der
Veranstaltungen nicht in Hohenschönhausen, sondern in der Berliner Innenstadt
durchgeführt. Insbesondere die Vertretung des Freistaats Thüringen beim Bund
war ein zuverlässiger Kooperationspartner
und stellte kostenlos ihre Räumlichkeiten
und Logistik zur Verfügung. Auch bei Veranstaltungen auf dem Gelände der Gedenkstätte wurde meist mit anderen Partnern kooperiert. Dadurch konnten nicht
nur Finanzmittel gespart und die Lasten
der Vorbereitungsarbeit geteilt, sondern
zugleich neue Zielgruppen angesprochen
werden.
Auf die Veranstaltungen wurde in der Regel mit speziell gestalteten Einladungen
aufmerksam gemacht. Je nach Bedeutung und anvisierter Zielgruppe wurden
zwischen 500 und 2000 gedruckt. Bei klei
neren Veranstaltungen lag der Kreis der
postalischen Empfänger zwischen 300
und 600, bei größeren zwischen 1000 und

38

Veranstaltungen
1500 Personen. Zusätzlich wurde in elektronischer Form eingeladen. Da die Kooperationspartner auch ihre eigenen Verteiler bedienten, erreichten die Einladungen meist mehrere tausend Personen.
Der Adressverteiler der Gedenkstätte
wuchs im Berichtszeitraum um etwa ein
Drittel auf über 7600 Adressen. Im Vorfeld aller Veranstaltungen versandte die
Gedenkstätte außerdem Presseinformationen und bestückte ihre Website mit
Vor- und Nachberichten. Entsprechende
Kurzinformationen sind dort seit dem Jahr
2003 nachlesbar.

Verleihung des Bundesverdienstordens an die ehemalige DDR-Bürgerrechtlerin und HohenschönhausenGefangene Vera Lengsfeld,
März 2008

Die Durchführung der Veranstaltungen
war zum Teil mit erheblichem logistischen
Aufwand verbunden (Veranstaltungsmöblierung, Catering, Ton-, Bild- und Fotodokumentation etc.). Oft schloss sich auch
eine Führung durch das ehemalige Gefängnis an. Ohne den Einsatz von Hilfskräften und das überdurchschnittliche Engagement der ständigen Mitarbeiter wäre
es nicht möglich gewesen, Events wie die
„Lange Nacht der Museen“ oder den „Tag
des offenen Denkmals“ erfolgreich zu organisieren.
Die Veranstaltungen, an denen insgesamt
etwa viertausend Menschen teilnahmen,
stießen durchweg auf eine gute bis sehr
gute Resonanz. Die Teilnehmerzahlen
schwankten je nach Anlass zwischen 30
und 800 Besuchern. Auch die Medien ha-

Besucher bei der Eröffnung des Info-Centers mit der Ausstellung „Inhaftiert in
Hohenschönhausen, März 2007

ben vielfach vorher oder im Anschluss darüber berichtet.
Ausstellungseröffnungen
Im Berichtszeitraum fanden in der Gedenkstätte mehrere repräsentative Ausstellungseröffnungen statt. Dabei waren
neben prominenten Gästen und hochrangigen Politikern meist auch Betroffene politischer Verfolgung anwesend.
Am 28. März 2007 wurde in der Gedenkstätte das neue Info-Center mit der
Ausstellung „Inhaftiert in Hohenschönhausen. Zeugnisse politischer Verfolgung
1945-1989“ eröffnet. Bei der gut besuchten Veranstaltung sprach u.a. der Stiftungsratsvorsitzende der Gedenkstätte,
der Berliner Staatssekretär für Kulturelle
Angelegenheiten André Schmitz (SPD).
Im Anschluss fand ein Gespräch mit den
ehemaligen Häftlingen Olaf Spließgard
und Mike Fröhnel statt, die wertvolle Exponate zur Ausstellung beigesteuert hatten.
Am 18. April 2008 wurden 13 neue Informationsstelen in der Umgebung der Gedenkstätte der Öffentlichkeit vorgestellt.
Sie markieren wichtige Gebäude und
Örtlichkeiten im ehemaligen Sperrgebiet
des MfS in Berlin-Hohenschönhausen. An
der Veranstaltung wirkten unter anderem
der Berliner Staatssekretär für Kulturelle
Angelegenheiten André Schmitz, die Lichtenberger Kulturstadträtin Katrin Framke
und der Liedermacher und ehemalige
Hohenschönhausen-Häftling Stefan Krawczyk mit. Am Rande der Veranstaltung
kam es zu Protesten ehemals Verfolgter,
weil der Bezirk Lichtenberg einem die
SED-Diktatur verklärenden Verein gestattet hatte, in einer öffentlichen Bibliothek
Rentenberatungen anzubieten.
Am 30. April 2008 fand aus Anlass der
Eröffnung der Ausstellung „Gegen den
Strom“ eine Podiumsdiskussion über das
Jahr 1968 in der DDR statt. Teilnehmer waren unter anderem die Berliner Historiker
Jochen Staadt und Stefan Wolle sowie der
ehemalige Häftling Bernd Eisenfeld, der

Veranstaltungen
wegen eines Flugblatts gegen die Niederschlagung des Prager Frühlings 1968 in
der DDR verhaftet worden war und später in der Forschungsabteilung der StasiUnterlagen-Behörde arbeitete. Im Vorfeld
der Diskussion fand die Berliner Uraufführung des Films „In jenem beharrlichen
Sommer“ statt, der vom Kurator der Ausstellung, Ralph Grüneberger, produziert
worden war.

Uraufführung des Films „In jenem beharrlichen
Sommer“ mit dem Schriftsteller Siegmar Faust (l.),
April 2008

In Kooperation mit dem Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg wurde
am 3. Juni 2008 die Ausstellung „Bilder
einer Seele“ mit Fotografien des ehemaligen
Hohenschönhausen-Häftlings
Matthias Melster eröffnet. Bei der Veranstaltung in dem Gerichtsgebäude
sprachen unter anderem die Berliner
Justizsenatorin Gisela von der Aue und
Gerichtspräsident Jürgen Kipp.

39

Sonderveranstaltungen
Wie in den vergangenen Jahren hat die
Gedenkstätte im Berichtszeitraum eine
Reihe größerer Sonderveranstaltungen
durchgeführt, die teilweise von mehreren Hundert Menschen besucht wurden.
Von Bedeutung war dabei insbesondere
die zweimal im Jahr stattfindende „Lange
der Nacht der Museen“. Leider wurde die
Gedenkstätte im Rahmen des Bus-Shuttles jedoch nicht mehr direkt vom Alexanderplatz angefahren. Die Besucherzahlen
fielen dadurch 2007 von vorher 1500 auf
unter 500 Gäste drastisch ab. Wegen der
relativ hohen Kosten verzichtete die Stiftung deshalb 2008 auf eine Teilnahme.
Bei der 21. Langen Nacht der Museen
am 25. August 2007 präsentierte die Gedenkstätte den preisgekrönten Film „Der
schwarze Kasten“, der den Missbrauch
der Psychologie durch das MfS behandelt.
Der Publizist Udo Scheer las aus seinem
neuen Buch „Jürgen Fuchs. Ein literarischer Weg in die Opposition“. Das von der
Gedenkstätte initiierte und mitfinanzierte
Werk ist die erste Biographie des prominenten Schriftstellers, der 1976 verhaftet
und nach neunmonatiger Haft aus der
DDR ausgewiesen wurde. Die Besucher
konnten sich auch verschiedene Ausstellungen ansehen, darunter das neu eröffnete Info-Center. Der Förderverein und
die Pädagogische Arbeitsstelle der Gedenkstätte nutzten die Lange Nacht, um
sich und ihre Arbeit vorzustellen. Vor allem

SED-Verfolgte protestieren bei der
Übergabe von Informationsstelen
gegen das Bezirksamt Berlin-Lichtenberg, April 2008

40

Veranstaltungen
aber ließen sich Hunderte Besucher durch
das ehemalige Stasi-Gefängnis führen.
An der 22. Langen Nacht im Januar 2008
verzichtete die Gedenkstätte aus den
oben genannten Gründen auf eine Teilnahme. Auch an der 23. Langen Nacht im
August nahm sie nicht teil, hielt aber ihre
Tore ausnahmsweise bis 22 Uhr geöffnet.
An diesem Abend wurde ein Programm
aus Filmen, Führungen und Sonderrundgängen durch normalerweise unzugängliche Bereiche geboten.
Die Gedenkstätte beteiligte sich im Berichtszeitraum auch am „Tag des offenen
Denkmals“. Am Wochenende des 8. und
9. September 2007 kamen dazu Hunderte Besucher in die Gedenkstätte. In einem
Vortrag informierte der Historiker Peter
Erler über das frühere Sperrgebiet des
MfS in Berlin-Hohenschönhausen. Darüber hinaus standen regelmäßige Rundgänge durch die frühere Haftanstalt auf
dem Programm. Außerdem wurde der
Film „Stalins Verbrechen an deutschen
Jugendlichen – Verfolgung und Widerstand 1945-1961“ sowie die ständigen
Ausstellungen der Gedenkstätte gezeigt.
Im Folgejahr stand am 13./14. September
2008 das ehemalige Haftkrankenhaus des
MfS im Mittelpunkt. Nach langer Zeit des
Leerstands und der Sanierung wurde es
erstmals für Besucher geöffnet. Sonderführungen durch die frühere Gefängnisküche und die Sauna des MfS komplettierten das Programm.

Besucher bei der 21. Langen Nacht
der Museen, August 2007

Einen besonderen Akzent setzte die Stiftung 2008 mit einem neuen Veranstaltungsformat: dem nunmehr regelmäßig
durchgeführten Hohenschönhausen-Forum. In Anlehnung an das jährliche Bautzen-Forum der Friedrich-Ebert-Stiftung
dient die Veranstaltung dazu, aktuelle Themen der Aufarbeitung mit hochkarätigen
Referenten im internationalen Kontext zu
diskutieren. Als ständiger Kooperationspartner konnte dafür die Konrad-Adenauer-Stiftung gewonnen werden.
Beim 1. Hohenschönhausen-Forum am
1./2. Oktober 2008 ging es um das Thema „Nach dem Ende des Kommunismus
– Die Weitergabe von Diktaturerfahrungen an die junge Generation“. Auftakt der
Konferenz bildete eine Podiumsdiskussion unter dem Motto „Die Weitergabe
von Diktaturerfahrungen – Erinnern für
die Zukunft”, die in Zusammenarbeit mit
dem rbb-Inforadio durchgeführt wurde
(Ausstrahlung am 3. Oktober 2008). Am
zweiten Tag folgten Diskussionen zu den
Themen „Was Schüler über den Kommunismus wissen – eine Bilanz” und „Was
Schüler über den Kommunismus lernen –
Einblicke in die schulische Praxis”. Ein drittes Panel beschäftigte sich mit der Frage
„Wo über den Kommunismus aufgeklärt
wird – außerschulische Lernorte und innovative Projekte“. Alle Podien waren dabei
so zusammengesetzt, dass nicht nur die
Situation in Deutschland, sondern auch in
den anderen post-kommunistischen Staaten thematisiert wurde. Höhepunkt des

Veranstaltungen

41

gers Platon Lebedew, Jelena Lipster, und
der Russlandbeauftragte von amnesty
international, Peter Franck. Die Veranstaltung wurde vom Journalisten Dietrich
Möller moderiert und im Deutschlandfunk
ausgestrahlt.

Thomas de Maizière, Chef des Bundeskanzleramts,
beim 1. Hohenschönhausen-Forum, Oktober 2008

Forums bildete die 1. Hohenschönhauser
Rede von Thomas de Maizière, damals
Chef des Bundeskanzleramts, der über
„Erinnerungskultur und Zukunftsoptimismus” sprach. Zu den Referenten des Forums zählten u.a. die lettische Bildungsministerin Tatjana Koke, der Leiter des
Okkupationsmuseums in Riga/Lettland,
Valters Nollendorfs, die Direktorin des
Haus des Terrors in Budapest/Ungarn,
Mária Schmidt, der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Günter
Nooke, der Direktor des Instituts des Nationalen Gedenkens in Stettin/Polen, Kazimierz Woycicki, und der Leiter des Zentrums für Antisemitismusforschung an der
Technischen Universität Berlin, Wolfgang
Benz. Am 1. Hohenschönhausen-Forum
nahmen etwa 200 Interessierte teil.
Gut besucht war auch die Veranstaltung
„Rußland vor der Wahl. Menschenrechte und politische Gefangene unter Putin“.
Sie fand am 27. Februar 2008 unmittelbar
vor den Präsidentschaftswahlen in Russland (2. März 2008) in der Gedenkstätte
statt. Teilnehmer waren der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung,
Günther Nooke, die Bundestagsabgeordnete Marieluise Beck (Grüne), die Moskauer Anwältin des früheren Jukos-Mana-

Während der Fußball-Europameisterschaft
im Juni 2008 erinnerte die Gedenkstätte
an die Rolle des Staatssicherheitsdienstes im DDR-Sport. In der Vertretung des
Freistaats Thüringen beim Bund diskutierten am 11. Juni 2008 Sportler, Historiker
und Journalisten über das Thema „Mielke
und das runde Leder. Fußball in der DDR“.
Unter der Moderation des stellvertretenden Direktors der Gedenkstätte, Siegfried
Reiprich, nahmen der WDR-Redakteur
Heribert Schwan sowie die Wissenschaftler Jutta Braun und Hanns Leske daran
teil. Sie unterstrichen, dass der Leistungssport in der DDR in erheblichem Maße
Sache der Geheimpolizei war, die für dessen Kontrolle sogar eine eigene Abteilung
unterhielt.
Am 2. April 2008 fand die Preisverleihung
des Schülerwettbewerbs „Zeugen des Unrechts – Politische Gefangene nach 1945“
statt. Die Gedenkstätte und die Berliner
Schulverwaltung hatten im Herbst 2007
Schüler unterschiedlicher Schulstufen
dazu aufgerufen, politisch Verfolgte aus
der Zeit der kommunistischen Diktatur
in Ostdeutschland ausfindig zu machen
und zu porträtieren. Die vom Förderverein
der Gedenkstätte gestifteten Preise wurden vom Vorsitzenden des Vereins, Jörg
Kürschner, dem Direktor der Gedenkstätte, Hubertus Knabe, und dem Berliner
Staatssekretär für Bildung, Jugend und
Familie, Eckart Schlemm, gemeinsam
an die von einer Jury ausgezeichneten
Schüler übergeben. Der Liedermacher
Salli Sallmann, der selber in Hohenschönhausen in Haft gewesen war, gestaltete
das musikalische Rahmenprogramm, der
frühere Häftling Horst Jänichen sprach als
einer der porträtierten Zeitzeugen.
In Kooperation mit der Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft
und Forschung veranstaltete die Gedenkstätte am 27. September 2008 auch eine

Panel beim 1. HohenschönhausenForum, Oktober 2008

Diskussion zum Sport in der DDR
mit dem WDR-Journalisten Heribert
Schwan (l.) und dem stellvertretenden Direktor der Gedenkstätte,
Siegfried Reiprich (2.v.l.), Juni 2008

42

Schülerzeitungsredakteure im
Haftkrankenhaus mit dem WeltRedakteur Uwe Müller (r.),
September 2008

Der Kinderarzt Anatol Rosenbaum
(l.) über seine Erfahrungen als Jude
in Stasi-Haft, März 2007

Veranstaltungen
Schüler-Pressekonferenz, die das Motto „Freiheit wird volljährig” trug. Hintergrund der Veranstaltung, die unter der
Schirmherrschaft von Bundestagspräsident Norbert Lammert stand, bildete die
Schließung des Untersuchungsgefängnisses 18 Jahre zuvor, am 3. Oktober 1990.
40 Schülerzeitungsredakteure aus ganz
Deutschland kamen aus diesem Anlass in
die Gedenkstätte und recherchierten zu
unterschiedlichen Themen. Neben Führungen und Zeitzeugeninterviews gab es
einen Presseworkshop mit dem Welt-Redakteur Uwe Müller und eine Pressekonferenz mit Berlins Bildungssenator Jürgen
Zöllner.
Einen eher internen Charakter hatte das
Treffen der Arbeitsgemeinschaft der Gedenkstättenbibliotheken (AGGB), das vom
28. bis 30. März 2007 stattfand. Es wurde
von der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen in Kooperation mit der Stiftung
Topographie des Terrors organisiert. Nach
einer Führung durch die Gedenkstätte diskutierten die rund 50 Teilnehmer u.a. über
das Thema Untergrundliteratur in der Zeit
der kommunistischen Diktatur sowie über
Kooperationsmöglichkeiten zwischen Gedenkstätten beispielsweise durch einen
gemeinsamen Bibliothekskatalog. Das
Treffen endete mit einer Führung durch
die Gedenkstätte Berliner Mauer und
dem Besuch der Ausstellung „Berlin, 13.
August 1961“.

„Die DDR feiert Geburtstag, und ich werde Kartoffelschäler“ von Anatol Rosenbaum vorgestellt. Der jüdische Kinderarzt, Sohn hoher DDR-Kulturfunktionäre,
wurde 1968 wegen eines Fluchtversuchs
vom Staatssicherheitsdienst verhaftet.
Auf dem Höhepunkt der anti-israelischen
Propaganda in der DDR durchlief er diverse Haftanstalten der DDR. Sein Buch ist
nicht nur ein eindringliches Porträt des Unterdrückungsapparates der SED, sondern
zeigt auch den versteckten Antisemitismus in der DDR. Nach einer Lesung mit
Judith Kessler, Redakteurin der Zeitschrift
Jüdisches Berlin, diskutierte der Autor mit
dem Direktor der Gedenkstätte, Hubertus
Knabe.

Berlins Polizeipräsident Dieter Glietsch (M.) bei
einer Buchvorstellung der Gedenkstätte, März 2007

Im Rahmen ihres Veranstaltungsprogramms führte die Gedenkstätte auch
eine Reihe von Vorträgen und Buchvorstellungen durch. Meist fanden die Veranstaltungen in Kooperation mit anderen
Institutionen statt. Vor allem für Verlage
und Autoren ist die Stiftung eine attraktive Adresse, um Neuerscheinungen
vorzustellen. Allerdings übertraf die Zahl
entsprechender Anfragen bei weitem die
organisatorischen Möglichkeiten der Gedenkstätte.

Am 22. März 2007 stellte die Gedenkstätte das Buch „Polizeimajor Karl Heinrich. NS-Gegner und Antikommunist“ von
Peter Erler vor. Heinrich, 1945 Kommandant der Berliner Schutzpolizei, war überzeugter Sozialdemokrat und prominentes
Todesopfer im sowjetischen Gefangenenlager Berlin-Hohenschönhausen. Das
Buch, das mit Hilfe vieler bislang unbekannter Unterlagen seine Verfolgung im
Nationalsozialismus und in der sowjetischen Besatzungszone rekonstruiert, ist
in der Schriftenreihe der Gedenkstätte
„Inhaftiert in Berlin-Hohenschönhausen“
erschienen. Die Veranstaltung fand in
Kooperation mit dem Berliner Polizeipräsidenten Dieter Glietsch in der Polizeihistorischen Sammlung in Berlin-Tempelhof
statt.

Am 7. März 2007 wurde im Gebäude der
Jüdischen Gemeinde zu Berlin das Buch

Am 24. März 2007 wurde im Museum
„Runde Ecke“ in Leipzig das Buch des

Vorträge und Buchvorstellungen

Veranstaltungen
früheren
Hohenschönhausen-Häftlings
Matthias Bath „Gefangen und freigetauscht“ präsentiert. Der heutige Berliner
Staatsanwalt und stellvertretende Vorsitzende des Fördervereins der Gedenkstätte wurde 1976 am Grenzübergang Marienborn festgenommen, weil er versucht
hatte, drei DDR-Flüchtlingen im Kofferraum eines PKW zur Flucht zu verhelfen.
Das Bezirksgericht Frankfurt (Oder) verurteilte ihn zu fünf Jahren Freiheitsstrafe,
die er größtenteils im Gefängnis BerlinRummelsburg absitzen musste. Nach 40
Monaten Haft wurde er im Zuge eines
Häftlingsaustauschs freigelassen und
durfte zurück nach West-Berlin. Unmittelbar danach schrieb er seine Erlebnisse
auf. In seinem Buch, das von der Gedenkstätte in ihrer Schriftenreihe „Inhaftiert in
Hohenschönhausen“ wiederveröffentlicht
wurde, beschreibt er die Umstände seiner
Haft und das Verhalten von Vernehmern,
Gefängniswärtern und Mitgefangenen.
Die Buchvorstellung, die in Zusammenarbeit mit dem Jaron Verlag durchgeführt
wurde, fand im Rahmenprogramm der
Leipziger Buchmesse „Leipzig liest“ statt.
Am 18. April 2007 stellte die Historikerin
Leonore Ansorg in der Gedenkstätte ihr
Buch „Zuchthaus Brandenburg. Politische
Häftlinge im Strafvollzug der DDR“ vor.
Das Zuchthaus war eine der gefürchtetsten Haftanstalten der DDR, in der zahlreiche politische Gefangene lange Haftstrafen verbüßen mussten. Zusammen
mit kriminellen Mitgefangenen mussten
sie unter miserablen Arbeitsbedingungen
oft jahrelang Zwangsarbeit leisten. Misshandlungen, zum Beispiel bei Arbeitsverweigerung, waren an der Tagesordnung,
weshalb in den neunziger Jahren fast
eintausend Ermittlungsverfahren gegen
Gefängnisbedienstete eingeleitet wurden. Die Veranstaltung war auch als Fortbildungsveranstaltung für die Referenten
der Gedenkstätte konzipiert, da viele Hohenschönhausen-Häftlinge ihre Strafe in
Brandenburg absitzen mussten.
Am 31. Mai 2007 fand in der Vertretung
des Freistaats Thüringen beim Bund die
Vorstellung des Buches „Gefangen in Hohenschönhausen. Stasi-Häftlinge berich-

43

ten“ statt. In dem von Gedenkstättendirektor Hubertus Knabe herausgegebenen
Werk beschreiben prominente ehemalige
Häftlinge die Haftbedingungen in Hohenschönhausen zwischen 1945 und 1988.
Während der Veranstaltung lasen Vera
Lengsfeld und Klaus Kordon aus ihren Beiträgen, der Schauspieler Udo Schenk trug
Passagen bereits verstorbener Häftlinge
vor. Die Witwe des Schriftstellers Jürgen
Fuchs las aus dessen Gefängnisbeschreibungen. Den Abschluss bildete eine Diskussion mit einigen der Autoren.
Am 27. August 2007 fand in der Vertretung des Freistaats Thüringen eine weitere Buchvorstellung statt. Der Publizist
Udo Scheer stellte seine Biographie des
1999 verstorbenen Schriftstellers Jürgen
Fuchs vor („Jürgen Fuchs. Ein literarischer
Weg in die Opposition“). Das von der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen in
Auftrag gegebene Werk ist die erste Biographie des ehemaligen Hohenschönhausen-Häftlings, der eng mit den DDR-Oppositionellen Wolf Biermann und Robert
Havemann befreundet war. Die Veranstaltung, an der auch seine Witwe Lilo Fuchs
teilnahm, fand 30 Jahre nach der Ausbürgerung des Schriftstellers aus der DDR
statt. Für die musikalische Umrahmung
des Abends sorgte der Musiker Christian
Kunert, der 1976 ebenfalls verhaftet und
neun Monate später mit Fuchs in die Bundesrepublik abgeschoben worden war.
Am 5. Dezember 2007 präsentierte der
Journalist Roman Grafe sein Buch „Deutsche Gerechtigkeit“. Er beschreibt darin
die wichtigsten Prozesse gegen SEDFunktionäre nach dem Ende der DDR und
kritisiert die Versäumnisse bei der strafrechtlichen Aufarbeitung der SED-Diktatur. Anschließend diskutierten der Autor
und der ehemalige Chefankläger im SEDPolitbüro-Prozess Bernhard Jahntz über
das Thema „Täter ohne Reue? Die SEDDiktatur vor Gericht“.
Am 8. Mai 2008 – dem Jahrestag der
deutschen Kapitulation – hielt der Historiker Günter Fippel in der Gedenkstätte
einen Vortrag zum Thema „Antifaschisten
in ‚antifaschistischer’ Gewalt“. Er präsen-

Cover des Buches von Matthias
Bath über seine Haftzeit in der DDR

Der Musiker Christian Kunert bei
der Vorstellung des Buches „Jürgen
Fuchs. Ein literarischer Weg in die
Opposition“, August 2007

Buchautor Roman Grafe (r.) und der
Staatsanwalt Bernhard Jahntz bei
einer Diskussion über die strafrechtliche Aufarbeitung der SEDDiktatur, Dezember 2007

44

Veranstaltungen
tierte dabei Ergebnisse seiner Forschungen über mehr als 2200 verfolgte Gegner
des Nationalsozialismus, die auch in der
kommunistischen Diktatur in Haft saßen.
Sein gleichnamiges Buch erschien bereits
2003. Bei der Veranstaltung informierte
der Autor auch über sein neues Buch „Das
sowjetische Speziallager Sachsenhausen.
Teil des Stalinschen Lagerimperiums“.

Am 30. April 2008 wurde in der Gedenkstätte, wie erwähnt, der Dokumentarfilm
„In jenem beharrlichen Sommer“ von
Ralph Grüneberger gezeigt. Der Film schildert eine ungenehmigte Lyriklesung in
Leipzig im Jahr 1968 und wurde zur Eröffnung der Ausstellung „Gegen den Strom“
präsentiert (siehe Wechselausstellungen).

Literatur, Film und Theater

Günter Fippel, Historiker aus
Leipzig, über den Mythos des DDRAntifaschismus, Mai 2008

Einladungskarte zur Vorstellung
des Romans „drei sieben fünf“, der
teilweise in der Gedenkstätte spielt,
Februar 2008

Die Gedenkstätte hat auch durch verschiedene kulturelle Angebote zur Auseinandersetzung mit der kommunistischen
Diktatur in Ostdeutschland angeregt. Sie
bildeten eine wichtige Ergänzung zu den
eher faktenorientierten Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen. Ziel war es, die
für Nicht-Betroffene nur schwer nachvollziehbare Erfahrung politischer Verfolgung
möglichst anschaulich zu machen und zugleich neue Zielgruppen anzusprechen. Zu
diesem Zweck fanden Lesungen, Filmvorführungen und Theateraufführungen statt.
Am 6. Februar 2008 stellte der Schriftsteller Marc Buhl seinen neuen Roman „drei
sieben fünf“ vor. Es ist das erste literarische Werk, in dem die Arbeit der Gedenkstätte eine Rolle spielt. Der Autor schildert
darin die Geschichte eines Mannes, der
nach einem missglückten Selbstmordversuch aus dem Koma erwacht und weder
seine Ehefrau noch seine Kinder erkennt.
Er denkt, er sei in der Untersuchungshaftanstalt Berlin-Hohenschönhausen, und ist
nur mit Mühe davon zu überzeugen, dass
es den Staat, der ihn festgenommen hat,
nicht mehr gibt. In einem schmerzhaften
Erinnerungsprozess rekonstruiert er mit
Hilfe eines Neuropsychologen seine verloren gegangene Lebensgeschichte. Er
erinnert sich, dass er 1989 in der DDR verhaftet wurde, später nach Westdeutschland zog und dort ein neues Leben begann. Schließlich fährt er nach Berlin und
beginnt, in der Gedenkstätte Führungen
zu machen – bis er zufällig seinen Sohn
wiedersieht, der mit seiner Schulklasse
das ehemalige Stasi-Gefängnis besichtigt.
Die Buchpremiere fand in Kooperation mit
dem Eichborn Verlag statt.

Szene aus dem Theaterstück „Akte R“ mit Sven
Brormann (r.) und Johannes Helmig

Vom 10. bis 12. Dezember 2008 wurde
in der Gedenkstätte das Theaterstück
„Akte R” aufgeführt. Es erzählt die Geschichte des 17-jährigen Marko aus der
DDR, der sich 1985 in Budapest in einen
West-Berliner Politiker verliebt. Als ihn
der Staatssicherheitsdienst zwingen will,
seinen Freund zu bespitzeln, beschließt
er zu fliehen, wird aber an der Grenze zu
Jugoslawien gefasst. Er kommt in das
Untersuchungsgefängnis Berlin-Hohenschönhausen, wo er wochenlang verhört
wird. Nach seiner Freilassung stellt er
einen Ausreiseantrag und darf die DDR
einige Monate später verlassen. Im wiedervereinigten Deutschland trifft er 1999
seinen früheren Vernehmer wieder. Das
Stück basiert auf den Erlebnissen des
ehemaligen DDR-Häftlings Mario Röllig,
der heute Besuchergruppen durch die Gedenkstätte führt. Seine Geschichte wird
vom Autor, Regisseur und Schauspieler
Mirko Böttcher in eindringlichen Bildern
und Dialogen unter Verwendung von
Original-Requisiten erzählt. Im Anschluss
an die Aufführungen stand Mario Röllig
auch zum Gespräch zur Verfügung. Mit
mehr als 370 Besuchern waren die Vorstellungen in der Gedenkstätte, die vor
allem von Schulklassen besucht wurden,
nahezu ausverkauft. Das Berliner Theater

Veranstaltungen
Strahl führte das Stück auch wiederholt
auf seiner Probebühne auf.
Die Gedenkstätte war zudem an dem Theaterstück „Staats-Sicherheiten“ beteiligt,
das am 18. Oktober 2008 im Potsdamer
Hans-Otto-Theater Premiere hatte. 15
ehemalige Stasi-Häftlinge berichten darin
über ihre Hafterfahrungen, die meisten
von ihnen sind Besucherreferenten der
Gedenkstätte. Mit Unterstützung der Stiftung hatten die Journalistin Lea Rosh und
die Psychologin Renate Kreibich-Fischer
das Stück initiiert und konzipiert, Regie
führte der Theaterregisseur Clemens
Bechtel. Der Abend war ein großer Erfolg,
so dass auch alle weiteren Aufführungen
binnen kürzester Zeit ausverkauft waren.
Opfergedenken
Die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen ist nicht nur ein Ort der Information,
sondern auch des Gedenkens und der
Trauer. Wiederholt fanden dort deshalb
Gedenkveranstaltungen statt. Im früheren
Gefängnishof wurde nach der Schließung
des Gefängnisses ein Gedenkstein für
die Opfer der kommunistischen Gewaltherrschaft errichtet, an dem regelmäßig
Kränze niedergelegt werden. So organisierten dort frühere Stasi-Häftlinge und
der CDU-Kreisverband Berlin-Tempelhof/
Schöneberg am 17. Juni 2007 eine feierliche Kranzniederlegung.
Auf einem nahe gelegenen Friedhof
an der Berliner Gärtnerstraße befindet
sich seit 1998 zudem ein so genannter
DenkOrt. Er erinnert an die Toten des
sowjetischen Speziallagers in Berlin-Hohenschönhausen. Am 24. Oktober 2007
– dem Jahrestag der Umbettung der ersten aufgefundenen Gebeine – wurde dort
mit einer Veranstaltung der mindestens
800 Menschen gedacht, die in dem Lager
1945/46 ums Leben gekommen waren.
Ihre Leichen waren seinerzeit von den
sowjetischen Verantwortlichen in Massengräbern in der Umgebung verscharrt
worden. Erst 1995 und 1999 konnten die
sterblichen Überreste von 259 Inhaftierten geborgen und auf dem Friedhof Gärt-

45

nerstraße bestattet werden. An der vom
Stadtbezirk Lichtenberg in Zusammenarbeit mit der Gedenkstätte organisierten
Gedenkveranstaltung nahm neben Angehörigen, Vertretern des Bezirksamtes,
der Bezirksverordnetenversammlung und
Opferverbänden auch die Vizepräsidentin
des Berliner Abgeordnetenhauses Karin
Seidel-Kalmutzki (SPD) teil. Zu den Rednern gehörten der stellvertretende Direktor der Gedenkstätte Siegfried Reiprich
sowie der Zeitzeuge Horst Jänichen, der
1946 als 15-jähriger in dem Lager in Haft
saß.
Auch im darauf folgenden Jahr, am 24.
Oktober 2008, wurde der Opfer des Lagers gedacht. Diesmal sprachen die Bezirksbürgermeisterin von Berlin-Lichtenberg Christina Emmrich (Die Linke) sowie
Hans-Eberhard Zahn, Beiratsmitglied der
Gedenkstätte und ehemaliger Häftling im
Arbeitslager X in Berlin-Hohenschönhausen. Vertreter einschlägiger Institutionen
– von der Bundesstiftung Aufarbeitung bis
zum Berliner Landesbeauftragten für die
Stasi-Unterlagen – waren mit Kränzen vertreten. Die seit über zehn Jahren durchgeführte Veranstaltung hat maßgeblich dazu
beigetragen, die Erinnerung an die Toten
des Lagers wach zu halten.

Kranzniederlegung des CDUKreisverbands Berlin-Tempelhof/
Schöneberg; rechts der ehemalige
Hohenschönhausen-Häftling
Herbert Pfaff, Juni 2007

Beiratsmitglied Hans-Eberhard
Zahn, ehemaliger Häftling im Arbeitslager X, auf der Gedenkveranstaltung für die Toten des sowjetischen Speziallagers, Oktober 2008

46

Dateneingabe im Zeitzeugenbüro

Forschung
Die Gedenkstätte hat den gesetzlichen
Auftrag, die Geschichte der Haftanstalt
Hohenschönhausen zu erforschen. Dafür
steht ihr jedoch nur wenig qualifiziertes
Personal zur Verfügung. Die einzige feste
Wissenschaftlerstelle ist im so genannten
Zeitzeugenbüro angesiedelt, das den Kontakt zu den ehemaligen Inhaftierten hält.
Darüber hinaus existiert eine halbe Stelle
für eine Fachkraft, die mit 30 Wochenstunden durch wissenschaftliche Recherchen
die pädagogische Arbeit unterstützt. Die
Stiftung hat sich vor diesem Hintergrund
im Berichtszeitraum darauf konzentrieren
müssen, historische Quellen ausfindig zu
machen, zu sichern und zu erschließen
und so die Voraussetzungen für künftige
Forschungen zu verbessern. Zugleich hat
sie sich bemüht, externe Untersuchungen
zu fördern und fremdfinanzierte Projekte
zu initiieren.
Eine zentrale Rolle bei der Erschließung
historischer Quellen über den Haftort Hohenschönhausen spielt die Sicherung der
Häftlingserinnerungen. Dafür ist das Zeitzeugenbüro der Gedenkstätte zuständig.

Für ehemalige Häftlinge oder deren Angehörige, die sich mit Fragen, Hinweisen oder Wünschen an die Gedenkstätte
wenden, fungiert das Büro als wichtige
Anlaufstelle. Jedes Jahr melden sich über
100 Personen als Zeitzeugen. So nahm
2008 ein 99-jähriger Lagerhäftling Kontakt zur Gedenkstätte auf, weil er das
Schicksal seines im Lager Sachsenhausen verstorbenen Zwillingsbruders klären
wollte. Eine Mitangeklagte aus einem
Prozess gegen die Kampfgruppe gegen
Unmenschlichkeit (KgU), die 12 Jahre im
Gefängnis war, berichtete zum ersten
Mal über ihre schwere Haftzeit. Das Büro
nimmt aber auch von sich aus Kontakt zu
ehemals Inhaftierten auf. Entsprechenden
Hinweisen in Veröffentlichungen, bei Veranstaltungen oder von Besuchern wird
jeweils sorgfältig nachgegangen.
Insgesamt konnte die Gedenkstätte bislang 1056 Zeitzeugen ausfindig machen,
von denen 806 direkt dem Haftort BerlinHohenschönhausen zuzuordnen sind. Der
größte Teil von ihnen – 571 – saß in der
zentralen Untersuchungshaftanstalt des

47

Forschung
MfS, 72 waren im sowjetischen Speziallager, 45 in der zentralen sowjetischen
Untersuchungshaftanstalt, weitere 29 im
Haftkrankenhaus des MfS gefangen. Bei
56 handelt es sich um Angehörige von
Inhaftierten, meist Familienmitglieder verstorbener oder hingerichteter Häftlinge.
Sämtliche Zeitzeugen werden in der Regel
gebeten, einen Fragebogen mit grundlegenden Angaben zu ihrer Haft auszufüllen.
Später werden mit ihnen nach Möglichkeit
mehrstündige leitfadengestützte VideoInterviews geführt. Dazu verfügt das
Zeitzeugenbüro über eine entsprechende
technische Ausrüstung (Kamera, Beleuchtung, Mikrofon etc.). Da auch außerhalb
der Gedenkstätte Interviews durchgeführt
wurden, wurde 2007 zusätzlich bei der
Bundesstiftung Aufarbeitung eine Kameraausrüstung ausgeliehen. Die Interviews
werden transkribiert und im Zeitzeugenarchiv archiviert, wo sie als Quelle für Forschungen sowie als Material für Ausstellungen und Publikationen zur Verfügung
stehen (siehe Sammlungen).
Darüber hinaus bemüht sich die Gedenkstätte um amtliche Unterlagen, persönliche Berichte, Veröffentlichungen, Fotos
und Gegenstände, die die jeweilige Haftgeschichte dokumentieren. Die Namen
und Unterlagen der Häftlinge werden in
der so genannten Personendatenbank der
Stiftung erfasst.
Im Berichtszeitraum hat sich die Qualität
der Arbeit des Zeitzeugenbüros deutlich
verbessert. Führte das Büro in den Jahren 2005/2006 insgesamt 14 Befragungen durch, waren es 28 im Jahr 2007 und
49 im Jahr 2008. Weitere 41 Interviews
führte – vor allem außerhalb Berlins –
der Dokumentarfilmer Dirk Jungnickel
durch, so dass im Berichtszeitraum insgesamt 90 neue Interviews entstanden.
Damit erhöht sich der Bestand auf 218
Video- und 110 Audiointerviews. Auch
die Zahl der Transkriptionen stieg stark
an. Externe Schreibbüros fertigten 2007
von 32 Interviews Abschriften an, 2008
von 164. Die Zahl der in der Gedenkstätte vorliegenden Zeitzeugeninterviews
erhöhte sich damit im Berichtszeitraum

von 220 auf 310, die der Transkriptionen
von rund 100 auf fast 300.
Die Stiftung hat sich auch darum bemüht,
die Aussagen der ehemaligen Häftlinge
auszuwerten. Im Rahmen eines Werkvertrages untersuchte eine wissenschaftliche Hilfskraft 2007 alle transkribierten
Interviews, die über die Zustände in der
Untersuchungshaftanstalt zwischen 1951
und 1960 Auskunft geben. Um fundierte
Informationen über die damaligen Haftbedingungen zu erlangen, wurde ein Raster
entwickelt, mit dem die Interviews analysiert wurden. Dabei wurden alle Aussagen zur Einlieferung, zum Haftalltag oder
zu den Vernehmungsmethoden zusammengetragen und systematisch erfasst.
Auf diese Weise sind hochinteressante
Details zum Vorschein gekommen wie
zum Beispiel die von mehreren Häftlingen
beschriebene Praxis, dass sie in der Zelle auf und ab gehen mussten, wenn sie
nachts die vorgeschriebene Schlafhaltung
nicht eingehalten hatten.
2008 wurden diese Untersuchungen auf
alle Jahrzehnte ausgedehnt. Mit Unterstützung der EU wurde im Oktober 2008
im Rahmen des Programms „Aktive europäische Erinnerung“ das Projekt „Das
zentrale Untersuchungsgefängnis des
kommunistischen Staatssicherheitsdienstes in Deutschland im Spiegel von Opferberichten“ begonnen. Es verfolgte unter
anderem den Zweck, die transkribierten
Häftlingsinterviews in eine Datenbank
einzubinden und zu verschlagworten. Mit
einer Suchmaske ist es nunmehr möglich,
zu einzelnen Aspekten wie Ernährung,
Sexualität oder Hygiene alle Häftlingsaussagen dazu per Knopfdruck herauszufiltern. In einem zweiten Schritt sollen die
Aussagen inhaltlich analysiert werden, um
die Haftbedingungen in den unterschiedlichen Zeiten genauer zu beschreiben.
Die Gedenkstätte hat sich auch darum
bemüht, Zugang zu den MfS-Akten der
interviewten Zeitzeugen sowie prominenter anderer Häftlinge zu bekommen.
Rechtlich ist dies nur bei Vorlage einer Einwilligungserklärung oder bei Personen der
Zeitgeschichte möglich. Bei der Bundes-

Blick ins Zeitzeugenarchiv der
Gedenkstätte

Gefangenenakten als Quellen für
die Erforschung des Haftortes
Berlin-Hohenschönhausen

Zeitzeugeninterview mit Thomas
Raufeisen, inhaftierter Sohn eines
DDR-Spions in der Bundesrepublik,
Februar 2008

48

Forschung
verfügt. Konkret ging es um die Auswertung der Ein- und Abgangslisten des Untersuchungsgefängnisses Berlin-Hohenschönhausen, auf denen alle an diesem
Ort inhaftierten Personen zwischen 1951
und 1989 verzeichnet sind. Ziel des Vorhabens ist es, die Namen aller früheren
MfS-Häftlinge herauszufinden, um erstmals einen fundierten Überblick über ihre
Zusammensetzung zu gewinnen und um
gezielte Recherchen zu einzelnen Personen und Perioden zu ermöglichen.

Internet-Seite des EU-Programms „Aktive europäische Erinnerung“

beauftragten für die Stasi-Unterlagen
(BStU), die die MfS-Dokumente verwaltet, wurden von 1996 bis 2008 zu 433
Personen Akteneinsichtsanträge gestellt.

Interview mit dem Schriftsteller und
ehemaligen HohenschönhausenHäftling Klaus Kordon, Februar 2008

Das Tempo der Bearbeitung war – auch
wegen der komplizierten Anonymisierungsvorschriften im Stasi-UnterlagenGesetz (StUG) – wenig befriedigend. So
erhielt die Gedenkstätte bis Ende 2007
lediglich zu 27 Inhaftierten Unterlagen
(12 340 Blatt Fotokopien). Zu 164 Personen kam es trotz Vorliegens einer Einwilligungserklärung zu keiner Aktenherausgabe. Da die Gedenkstätte allein 2007 57
neue Einwilligungen erhielt, war absehbar, dass die Bearbeitung des Antrages
noch Jahre dauern würde. Ende 2007
wurde deshalb mit der BStU ein beschleunigtes Verfahren vereinbart. Es sieht vor,
zu allen beantragten Fällen zunächst nur
die wichtigsten Dokumente (Haftbefehl,
Anklageschrift, Urteil etc.) aus den Untersuchungsakten herauszuziehen und der
Gedenkstätte in Kopie zu übergeben. Auf
diese Weise erhielt die Stiftung bis Ende
2008 MfS-Unterlagen zu 127 Gefangenen
(23 250 Blatt Fotokopien).
Nach einer Novellierung des StUG hat die
Gedenkstätte Anfang 2007 bei der BStU
darüber hinaus den Antrag gestellt, nach
§ 32, Abs. 1, Nr. 7 Einsicht in Betroffenenunterlagen zu erhalten, bei denen
sie über keine Einwilligungserklärungen

Im Rahmen eines Pilotprojektes konnte
ab Ende 2007 damit begonnen werden,
den für die Aufarbeitung der Gefängnisgeschichte zentralen Aktenbestand auszuwerten. Da aufgrund einer Bestimmung
des StUG keine Kopien gezogen werden
durften, mussten allerdings sämtliche Namen per Hand erfasst werden. Bis Ende
2008 konnten auf diese Weise etwa 8000
Gefangene namentlich ermittelt werden.
Die Inhaftierten des sowjetischen Speziallagers Nr. 3 wurden, soweit möglich,
bereits 2007 in der so genannten Personendatenbank der Gedenkstätte erfasst.
Durch Auswertung der Transportlisten
des Volkskommissariats für innere Angelegenheiten (NKWD) wurden darin rund
24 000 Häftlinge namentlich verzeichnet (Mehrfachnennungen möglich). Aus
den Unterlagen geht auch hervor, wohin
die Häftlinge aus dem Durchgangslager
in Berlin-Hohenschönhausen transportiert wurden. Die Gedenkstätte verfügt
damit erstmals über eine durch Quellen
belegte Dokumentation der Häftlingsbewegungen zwischen dem Speziallager
bzw. dem kleineren Haftarbeitslager in
Hohenschönhausen und den sonstigen
Lagern in der sowjetischen Besatzungszone. Durch Recherchen in anderen Unterlagen der Abteilung Speziallager soll
später auch das weitere Schicksal dieser
Häftlinge (Weitertransport, Deportation nach Sibirien, Tod in anderen Lagern
oder Entlassung) rekonstruiert werden.
Zum großen Teil unbekannt sind dagegen
die Häftlinge aus der Zeit der zentralen
sowjetischen Untersuchungshaftanstalt
in Berlin-Hohenschönhausen, da die entsprechenden Unterlagen beim russischen

Forschung
Geheimdienst in Moskau unter Verschluss
sind.

Karteikarte eines verstorbenen Häftlings aus dem
sowjetischen Speziallager Nr. 3

Die Gedenkstätte hat auch nach Unterlagen über die in Hohenschönhausen beschäftigten Gefängnismitarbeiter recherchiert. Ihre Akten werden, soweit sie für
das MfS tätig waren, ebenfalls von der
BStU verwaltet. Aufgrund einer Anfang
der 1990er Jahre veröffentlichten Liste
aller hauptamtlichen MfS-Mitarbeiter sind
ihre Namen zumindest für das Jahr 1989
bekannt. Zu ihnen wurden bei der BStU vor
allem Kaderakten und Diplom- bzw. Doktorarbeiten angefordert.
Ein hochinteressanter Aktenbestand über
einen Teil der Gefängnismitarbeiter befindet sich bei der Staatsanwaltschaft Berlin.
Anfang der 1990er Jahre führte diese eine
Reihe von Ermittlungsverfahren vor allem
gegen frühere Vernehmer, die der Aussageerpressung oder Körperverletzung
beschuldigt wurden. Die Akten enthalten
unter anderem Protokolle der Vernehmungen, in denen sie teilweise ausführlich über ihre frühere Tätigkeit beim MfS
berichten. Auch Zeugenaussagen zu
Übergriffen auf Gefangene sind darin dokumentiert. Aus dem Bestand „Zentrale
Ermittlungsgruppe für Regierungs- und
Vereinigungskriminalität“ beim Oberlandesgericht Berlin wurden 2007 rund 3000
Kopien der Gedenkstätte übergeben.
Neben den personenbezogenen Unterlagen hat sich die Gedenkstätte auch umSachakten zum Haftort Hohenschönhausen bemüht. Dabei handelt es sich vor
allem um MfS-Unterlagen, die von der
BStU verwaltet werden, wie zum Bei-

49

spiel Richtlinien zum Untersuchungshaftvollzug, Berichte über außerordentliche
Vorkommnisse oder Diplomarbeiten der
in Hohenschönhausen beschäftigten MfSMitarbeiter. Nach längerer Unterbrechung
erhielt die Gedenkstätte 2007 erstmals
wieder entsprechende Unterlagen aus
der Stasi-Unterlagen-Behörde. Sie werden im so genannten Dokumentenarchiv der Gedenkstätte gesammelt (siehe
Sammlungen).
Zur Erforschung des Haftortes Hohenschönhausen hat die Gedenkstätte auch
versucht, externe Ressourcen zu mobilisieren. Neben dem erwähnten EU-Projekt
war vor allem das von der Bundesstiftung
Aufarbeitung unterstützte Projekt „Erstellung eines Totenbuches zum Speziallager
Nr. 3 in Berlin-Hohenschönhausen“ ein
wichtiges Vorhaben. Dabei geht es darum, alle im sowjetischen Lager 1945/46
Verstorbenen namentlich zu identifizieren,
was angesichts der schlechten Quellenlage eine außerordentlich schwierige Aufgabe ist.

Liste mit den Namen abtransportierter Häftlinge aus dem sowjetischen Speziallager Nr. 3

Ausgangspunkt der Recherchen sind
überwiegend russischsprachige Quellen
zu 706 Personen, die nach bisherigen
Erkenntnissen zwischen 1945 und 1947
in Berlin-Hohenschönhausen verstorben sind. Da die Mitarbeiter des NKWD
die deutschen Namen der Inhaftierten
nach Gehör in kyrillischen Buchstaben
notiert haben, müssen diese mühsam
rückübersetzt werden. Eine zweifelsfreie
Identifizierung der Personen ist auf dieser Grundlage jedoch nicht möglich, weil
die NKWD-Mitarbeiter die Namen bei der
Übertragung oft stark verändert haben, so
dass die Angaben mit Hilfe deutschsprachiger Quellen verifiziert und ergänzt werden müssen.
Im März 2008 wurde dazu mit dem Suchdienst des Deutschen Roten Kreuzes
(DRK) ein Vertrag abgeschlossen, in dem
unter anderem ein manueller und elektronischer Abgleich mit der Zentralen Namenskartei des Suchdienstes vereinbart
wurde. Diese Aufgabe realisierte von Mai
bis Juli 2008 eine externe Mitarbeiterin
auf Basis eines Werkvertrages. Diejeni-

Hausordnung des Staatssicherheitsdienstes für Inhaftierte in
Berlin-Hohenschönhausen

50

Häftlingseingravierung in Zelle 326
des Gefängnisneubaus: Strichliste
für die in Haft verbrachten Tage

Spurensicherung in einer Gummizelle des Gefängnisneubaus

Jörg-Michael Klös, leitender Kriminaldirektor des LKA Berlin (r.), bei
der Übergabe der Dokumentation
zur Inschriftenauswertung,
August 2008

Forschung
gen Personen, die nach Materiallage vor
der Verhaftung ihren Wohnsitz in Berlin
hatten, wurden anschließend im Adressbuch der Reichshauptstadt von 1943 über
prüft. Dadurch war es möglich, die Identität und Adresse weiterer Verstorbener
zu ermitteln. Weiterhin konnten Angaben
zum Beruf oder zur Tätigkeit der gesuchten Personen gewonnen werden. Ab November wurde im Bundesarchiv im ehemaligen Bestand Document Center auch
nach einer eventuellen NSDAP-Mitgliedschaft der Verstorbenen recherchiert.
Auf Bitten der Gedenkstätte untersuchte
das Berliner Landeskriminalamt (LKA) im
Berichtszeitraum Gravuren an den Wänden im Neubau der Haftanstalt. Schriftsachverständige, Serologen, Physiker
und Chemiker der Abteilung Naturwissenschaftliche Kriminaltechnik versuchten
seit Ende 2006, die Inschriften mit den
Mitteln professioneller Spurensicherung
zu entschlüsseln. Die Fotostelle des LKA
fotografierte sie mit erkennungsdienstlichen Methoden, die Abteilung Schriften
und Urkunden bemühte sich, sie lesbar zu
machen, Kriminaltechniker und Chemiker
der Werkstofftechnik untersuchten das
Wandmaterial der Gummizellen.
Im August 2008 übergab das LKA der Gedenkstätte die Ergebnisse. Die Untersuchungen brachten vor allem kleine Strichlisten in den Zellen zum Vorschein, mit
denen die Gefangenen die Tage ihrer Haft
zählten. Vereinzelt finden sich aber auch
Namen, Initialen oder Zahlen. Die relativ
tiefen Druckrillen und die eher winklige
Form der Schriftzeichen deuten daraufhin,
dass sie mit Hilfsmitteln wie Streichhölzern, Kämmen oder Gabeln eingekratzt
wurden. Auf den Gängen wurden dagegen deutlich dünnere Eingravierungen in
Schreibschrift gefunden, die vermutlich
auf das Ausfüllen von Formularen durch
das Wachpersonal zurückgehen. Einige
der Häftlingsinschriften sollen später auch
den Besuchern gezeigt werden.
Um externe Wissenschaftler zu motivieren, sich mit der Geschichte des Haftortes zu befassen, hat die Gedenkstätte auf
ihrer Website einen Aufruf veröffentlicht,

in dem sie für einschlägige Forschungsvorhaben ihre Unterstützung anbietet.
Aus diesem Grunde wenden sich immer
wieder junge Wissenschaftler an die Stiftung und bitten um Hilfe. Im Berichtszeitraum wurden insgesamt vier Diplomarbeiten – zur MfS-Vernehmungspraxis, zum
Haftkrankenhaus, zur Strafvollzugsanstalt
Rummelsburg und zu Menschenrechtsverletzungen in Berlin-Hohenschönhausen – betreut. Darüber hinaus wurde eine
Doktorarbeit am Zentrum für Zeithistorische Forschung (ZZF) in Potsdam über
die Geschichte der Untersuchungshaftanstalt Berlin-Hohenschönhausen und
ein Publikationsprojekt beim Forschungsverbund SED-Staat an der FU Berlin zur
Strafvollzugsanstalt Cottbus unterstützt.
Im Rahmen einer Doktorarbeit sollte auch
ein von der Stiftung entwickeltes Forschungsprojekt zum Thema „Flucht, Ausreise und Inhaftierung in Deutschland. Die
Verfolgung von Grenzdelikten in der DDR
am Beispiel der Untersuchungshaftanstalt
Berlin-Hohenschönhausen“ realisiert werden. Der Antrag auf ein Dissertationsstipendium wurde von der Bundesstiftung
Aufarbeitung jedoch abgelehnt, so dass
es nicht umgesetzt werden konnte.
Die Gedenkstätte hat auch den Bezirk
Lichtenberg bei der stadträumlichen Markierung des ehemaligen MfS-Sperrgebiets in Berlin-Hohenschönhausen wissenschaftlich beraten. Dabei ging es um
Fotos und Texte für insgesamt fünfzehn
Informationsstelen, die in der Umgebung
der ehemaligen Haftanstalt aufgestellt
werden sollten. Im April 2008 wurden
sie der Öffentlichkeit übergeben (siehe
Veranstaltungen). Darüber hinaus hat die
Stiftung immer wieder fachliche Anfragen
aus dem Bereich der Medien beantwortet
(siehe Öffentlichkeitsarbeit). Der Direktor
der Gedenkstätte, Hubertus Knabe, gehörte auch dem Beirat des von den Ländern Berlin und Brandenburg finanzierten
Projektverbunds Zeitgeschichte an.

51

Blick ins 2008 fertiggestellte Zentraldepot der Gedenkstätte

Sammlungen
Die Gedenkstätte unterhält eine Reihe
von Sammlungen und Archiven mit Materialien zur Geschichte des Haftortes
Berlin-Hohenschönhausen und zum System der politischen Justiz in der DDR. In
der Objektsammlung werden dreidimensionale Gegenstände aus der ehemaligen
Untersuchungshaftanstalt und angrenzenden Themenbereichen aufbewahrt.
Daneben verfügt die Gedenkstätte über
ein Fotoarchiv, ein Zeitzeugenarchiv und
ein Dokumentenarchiv. Schließlich gehören eine Bibliothek und eine Mediathek
zur Ausstattung. Sämtliche Sammlungen
sind über Datenbanken erschlossen. Im
Berichtszeitraum wurden sie teilweise
erheblich ausgebaut und für unterschiedlichste Zwecke genutzt.
Objektsammlung
Die Gedenkstätte verfügt über die bundesweit vermutlich größte Sammlung
von Exponaten zum Haftregime in Ost-

deutschland. Ein großer Teil des Bestandes stammt aus der Untersuchungshaftanstalt Berlin-Hohenschönhausen und
wurde nach der Schließung des Gefängnisses zurückgelassen. Dazu gehören
insbesondere Häftlingskleidung, Geschirr,
Küchengeräte, Möbel und technische Apparaturen (Telefone, Überwachungskameras etc.). Ein erheblicher Teil davon wurde
2001 aufgrund von Bauarbeiten ausgelagert.
Die Gedenkstätte hat sich im Berichtszeitraum darum bemüht, die Sammlung nach
Maßgabe ihrer finanziellen Möglichkeiten
auszubauen. So übergaben ihr verschiedene ehemals Inhaftierte Erinnerungsstücke, die mit ihrer Haft in Beziehung stehen. Dabei handelte es sich vor allem um
Fotos und Dokumente, aber auch um eine
Lederjacke, die ein politisch Verfolgter bei
seiner Verhaftung getragen hatte.
Die Stiftung hat zudem eine Reihe von
historischen Exponaten angekauft oder

52

Sammlungen
anderweitig beschafft. Aus dem lettischen
Staatsarchiv in Riga erhielt sie zum Beispiel einen Original-Aktenschuber des
sowjetischen Ministeriums für Staatssicherheit. Aus dem ehemaligen Untersuchungsgefängnis des sowjetischen
Innenministeriums in Talinn wurden
verschiedene Einrichtungsgegenstände
übernommen, aus dem DDR-Gefängnis
Bautzen I eine Zellentür.

Jacke von Heinrich George, die der
Schauspieler als Häftling im sowjetischen Speziallager trug

Darüber hinaus erwarb die Gedenkstätte Propagandaplakate, Tarnschriften und
historische Bücher aus der Zeit des Kalten Krieges sowie eine Original-MfSUniform, die in dem Film „Sonnenallee“
getragen wurde. Zum Jahrestag des
Mauerbaus 2008 kaufte sie zudem vier
Mauersegmente an, die die Brutalität
des SED-Regimes und seiner Grenzanlagen versinnbildlichen. Die genannten
Objekte geben auf anschauliche Weise
über das kommunistische Haftregime
Auskunft und sind vor allem für die zentrale Dauerausstellung und für künftige
Wechselausstellungen von Bedeutung.
Mit dem weiteren Verschwinden der dinglichen Hinterlassenschaften der DDR aus
dem gesellschaftlichen Leben nimmt der
Wert der Sammlung beständig zu.
Zur Lagerung der Objekte wurde im Keller des Vernehmertrakts 2008 ein etwa
500 Quadratmeter großes Depot fertiggestellt. Um die unterschiedlichen Materialgruppen wie technisches Gerät oder
Papier fachgerecht aufzubewahren, wurde es mit professioneller Lagertechnik
ausgestattet. In den Fluren wurden Hängevorrichtungen für Bilder angebracht, für
die umfangreiche Sammlung an Zellentüren eine technische Lagermöglichkeit entwickelt. Die Kosten für die Erstausstattung konnten aus Baumitteln finanziert
werden. Die Fertigstellung des Depots
bildete die Voraussetzung, um den 2001
ausgelagerten Teil der Sammlung zurückführen zu können. Die Objekte können
nunmehr sachgerecht gelagert und auch
der Leihverkehr kann professionell abgewickelt werden.

Zentraldepot der Gedenkstätte mit
Überwachungsgeräten des DDRStaatssicherheitsdienstes

Die Sammlung wird über eine so genannte
Objektdatenbank erschlossen. Sämtliche

Anlieferung von vier originalen Mauerteilen im
November 2008

Gegenstände werden darin mit Angaben
zur Herkunft, zum historischen Kontext,
zur Größe, zum Material, zu den Vorbesitzern und zur früheren Nutzung versehen.
Bei vielen Objekten sind dazu umfangreiche Recherchen erforderlich. Zu jedem
Exponat wird außerdem ein digitales Foto
eingestellt. Um zielgenaue Recherchen zu
erleichtern, werden die Objekte auch einzelnen Objekt- und Sammlungsbereichen
zugeordnet sowie verschlagwortet.
Im Berichtszeitraum wurden vorrangig Orden, Uniformen und Uniformeneffekten
sowie Gegenstände aus der zahnärztlichen Gefangenenambulanz im Neubau
inventarisiert. Darüber hinaus wurden
sämtliche Neuerwerbungen erfasst. Auch
im ehemaligen Haftkrankenhaus wurden
zahlreiche Exponate registriert. Wegen
der dort einsetzenden Baumaßnahmen
musste die laufende Erfassung 2007 jedoch vorübergehend unterbrochen werden. Die historischen Objekte wurden in
beschriftete Kartons verpackt und umgelagert, Einrichtungsgegenstände und medizinische Großgeräte mit Folien abgedeckt.
Die Zahl der Datensätze in der Objektdatenbank hat sich im Berichtszeitraum um
1700 oder 37 Prozent von 4600 auf über
6300 erhöht. Da bei gleichen Objekten
(z.B. Reagenzgläsern) jeweils nur ein Datensatz angelegt wird, dürfte die Zahl der
erfassten Exponate inzwischen bei 10 000
bis 15 000 liegen. Da die Gedenkstätte
aus der Zeit der Untersuchungshaftanstalt
zahlreiche weitere Gegenstände übernommen hat, wird die Verzeichnung noch
längere Zeit in Anspruch nehmen.

Sammlungen
Die Datenbank ist vor allem für die Vorbereitung der zentralen Dauerausstellung
unverzichtbar. Auch bei der Ausstattung
des 2007 eröffneten Info-Centers konnten damit systematisch passende Objekte ermittelt werden. Nicht zuletzt bei
Leihanfragen erleichtert die Datenbank
die Suche nach Objekten und die Registrierung der Ausleihe. Diese sind zwar für
die Gedenkstätte mit einigem Aufwand
verbunden, bieten aber auch die Möglichkeit, auf die Arbeit der Stiftung aufmerksam zu machen. Leihnehmer waren unter
anderem die Landesbeauftragte für StasiUnterlagen in Schwerin, die Gedenkstätte
Bautzen, das Preußen-Museum in Wesel
und das Menschenrechtszentrum Cottbus e.V. Zudem wurden dem Hans-OttoTheater in Potsdam für das Theaterstück
„Staats-Sicherheiten“ Objekte zur Verfügung gestellt.
Das größte Objekt sind die Gebäude der
ehemaligen
Untersuchungshaftanstalt
selbst, die von der Gedenkstätte bewahrt
und gepflegt werden müssen. Vor allem
die historischen Oberflächen wie der typische PVC-Fußboden, der Anstrich der Zellen und Zellenflure sowie die Tapeten in
den Vernehmerbüros und Fluren unterliegen durch Alterung, Witterungseinflüssen
und Besucherbetrieb hoher Abnutzung.
Um den ursprünglichen Zustand zu erhalten, waren im Berichtszeitraum hohe Aus-

gaben für die laufende Reinigung erforderlich. Mit der Senatsbauverwaltung
und der Denkmalpflege wurde zudem
wiederholt erörtert, wie Wände und Böden dauerhaft geschützt bzw. restauriert
werden können. Da auch das Inventar zuweilen durch Besucher in Mitleidenschaft
gezogen wurde, musste der Rundgang
ständig auf Beschädigungen kontrolliert
werden. Kleinere Schäden wurden durch
die Haustechnik beseitigt, größere durch
externe Firmen. Zum Schutz der historischen Räumlichkeiten wurden zudem
die Lehrer von Schulklassen gebeten, am
Ende der Gruppe zu gehen und das Verhalten der Schüler zu kontrollieren. In den
besucherstarken Monaten nahm zusätzlich ein externer Wachmann Kontrollgänge
vor. Für eine umfassende Überwachung
der ausgedehnten Anlage fehlten der Gedenkstätte die finanziellen Mittel.

53

Lagerbesteck des früheren Fraktionschefs der Liberalen im Thüringer
Landtag, Hermann Becker

Fotoarchiv
Im Fotoarchiv, das aus einem physischen
und einem elektronischen Archiv besteht,
werden Fotografien unterschiedlicher Provenienz gesammelt. Es enthält vor allem
historische Aufnahmen sowie Bilder, die
die Tätigkeit der Gedenkstätte dokumentieren. Ein großer Bestand an Fotografien
existiert zudem über Objekte, die von der
Gedenkstätte gesammelt und inventarisiert wurden (siehe Objektsammlung).

Filzschleife mit Stoffherzen der
Inhaftierten Edith Schulz aus dem
sowjetischen Arbeitslager Workuta

Medizinische Badewannen im ehemaligen Haftkrankenhaus des MfS

54

Vernehmerraum mit Porträt des
Staats- und Parteichefs der DDR,
Erich Honecker

Sammlungen
Das Fotoarchiv wurde im Berichtszeitraum
weiter ausgebaut. Allein durch die regelmäßige Bilddokumentation bei Veranstaltungen, VIP-Besuchen und Ausstellungen
sind Hunderte digitale Fotografien hinzugekommen. Mitarbeiter der Gedenkstätte
fertigten zudem Fotodokumentationen
des ehemaligen zentralen DDR-Haftkrankenhauses Klein Meusdorf, der früheren
Strafvollzugsanstalt I in Berlin-Rummelsburg sowie wichtiger Grabstätten auf dem
Friedhof in Berlin-Friedrichsfelde (MfSMitarbeiter, Parteifunktionäre, Personen,
die während ihrer Emigration in der Sowjetunion inhaftiert waren) an. Bei der Erteilung von Fotografiergenehmigungen hat
es die Gedenkstätte außerdem zur Auflage gemacht, dass sie von den Aufnahmen
Belegexemplare erhält und diese kostenlos für Bildungszwecke nutzen darf.
Der Bestand des physischen Archivs vergrößerte sich im Berichtszeitraum um 40
Prozent – von 1000 auf 1400 Fotografien;
hinzu kamen etwa 500 Diapositive. Zu den
Fotoabzügen gehören seltene historische
Innen- und Außenaufnahmen des Haftortes, mit diversen Ansichten und Details.
Die meisten dieser Fotografien stammen
allerdings aus der Zeit unmittelbar nach
Schließung der Haftanstalt, während aus
dem eigentlichen Gefängnisbetrieb so gut
wie keine Bilder vorliegen.
Das elektronische Archiv vergrößerte
sich im Berichtszeitraum von 7100 auf
9100 Bildmedien, das ist ein Zuwachs
von 28 Prozent. Bei den Neuzugängen

360-Grad-Panoramafoto eines
Vernehmerzimmers im Gefängnisneubau

handelte es sich vor allem um Fotografien
von Veranstaltungen, Ausstellungen und
prominenten Besuchern. Auch das Bildmaterial, das im Zeitzeugenarchiv bei den
Unterlagen ehemaliger Häftlinge gelagert
ist, wurde digital erfasst. Technische Probleme und fehlende personelle Kapazitäten
führten dazu, dass die geplante Erschließung mit einer Fotoarchivierungssoftware
noch nicht abgeschlossen werden konnte.
Das Fotoarchiv wurde wiederholt auch
von Außenstehenden genutzt. Bilddateien wurden häufig in den gängigen Formaten zur weiteren Bearbeitung elektronisch
versandt. Insbesondere bei Recherchen
für Presseveröffentlichungen, Bildvorträge, Publikationen und Forschungsvorhaben leistete das Fotoarchiv hilfreiche
Dienste.
Zeitzeugenarchiv
Im Zeitzeugenarchiv werden die personenbezogenen Unterlagen zu allen ehemaligen Häftlingen gesammelt, die der
Gedenkstätte bekannt geworden sind. Zu
jedem Zeitzeugen wird eine Akte geführt,
in der neben historischen Unterlagen
auch der Kontakt zur Gedenkstätte sowie
eventuelle Veröffentlichungen dokumentiert werden. Sofern vorliegend, werden
insbesondere der ausgefüllte Fragebogen
mit den Grunddaten zur Haft, das Zeitzeugeninterview, vorhandene amtliche Akten
(insbesondere des MfS), Rehabilitierungsunterlagen, Erinnerungsberichte, Briefe,

Sammlungen
Fotos und andere relevante Dokumente
archiviert. Bei den Akten handelt es sich
meist um Kopien, bei den übrigen Unterlagen teilweise um Originale. Die Materialien dienen als Grundlage für Recherchen,
Publikationen und Ausstellungen. Unter
Berücksichtigung des Datenschutzes wurden sie aber auch externen Wissenschaftlern, Journalisten oder anderen Interessierten zur Verfügung gestellt.
Im Rahmen einer Kooperation mit der
Archivhochschule in Potsdam wurde der
gesamte Bestand des Zeitzeugenarchivs
ab Juni 2008 gesichtet und einheitlich
verzeichnet. Richtschnur bildeten dabei
die Ergebnisse einer Evaluation durch die
Fernuniversität Hagen. Auf eine inhaltliche
Erschließung musste wegen begrenzter
Ressourcen allerdings verzichtet werden,
so dass eine Verschlagwortung und Wiedergabe des Akteninhalts weiterhin aussteht.
Außer in ihrem physischen Archiv hat die
Gedenkstätte die ihr bekannten ehemaligen Häftlinge auch in einer Datenbank
(„Personendatenbank“) erfasst. Auf diese
Weise kann die Gedenkstätte von jedem
Intranet-Arbeitsplatz schnell nach einzelnen Gefangenen recherchieren – zum
Beispiel zur Beantwortung von Anfragen
durch Medien, Versorgungsämter, Betroffene oder deren Angehörige. Wenn vorhanden, sind dort auch die Haftzeiten und
-orte, der Tatvorwurf, weitere Angaben
aus dem Fragebogen, das transkribierte
Zeitzeugeninterview sowie Hinweise auf
andere Materialien und Quellen gespeichert. Im Berichtszeitraum erhöhte sich
die Zahl der eingestellten Interviews um
mehr als die Hälfte von 100 auf gut 150.
Im Rahmen der erwähnten Überarbeitung
des Zeitzeugenarchivs wurden die Angaben in der Datenbank mit den physischen
Unterlagen abgeglichen und gegebenenfalls berichtigt, ergänzt oder aktualisiert.
Die Zahl der in der Personendatenbank
erfassten Datensätze hat sich nach einer
Neuordnung der Verantwortung über das
Zeitzeugenbüro stark erhöht. So wurden
mit Unterstützung von Hilfskräften sämtliche Namen von Häftlingen des Spezial-

lagers Nr. 3 in Berlin-Hohenschönhausen
eingegeben, die auf sowjetischen Transportlisten verzeichnet sind; die kyrillisch
aufgeschriebenen Namen mussten dabei jeweils ins Deutsche „rückübersetzt“
werden. Erfasst wurden auch die Namen
der Lagerhäftlinge, über deren Tod die Gedenkstätte Unterlagen vom Suchdienst
des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) erhielt. Ferner wurde damit begonnen, die
auf den Ein- und Abgangslisten des MfS
verzeichneten Häftlinge aus der Zeit von
1951 bis 1989 einzugeben (siehe Forschung). Nach Möglichkeit sollen eines
Tages alle in Hohenschönhausen Inhaftierten namentlich erfasst sein.
Die Gedenkstätte hat in der Datenbank
noch weitere relevante Personen erfasst.
So wurde im Berichtszeitraum eine Reihe
zeitgeschichtlich bedeutsamer Häftlinge
aufgenommen, die an anderen Orten inhaftiert waren. Darüber hinaus wurden
alle der Stiftung bekannt gewordenen
Gefängnismitarbeiter registriert. Bis Ende
2008 waren dies mehr als eintausend
MfS-Mitarbeiter. Die Zahl der Datensätze wuchs auf diese Weise im Berichtszeitraum um etwa 85 Prozent von gut
20 000 Einträgen Ende 2006 auf rund
37 000 Datensätze Ende 2008 an. Bei
dieser Zahl ist zu berücksichtigen, dass
insbesondere bei den Speziallager-Häftlingen Mehrfachnennungen vorkommen
können.
Systematisch hat die Gedenkstätte auch
nach Richtern und Staatsanwälten recherchiert, die an politischen Strafverfahren
beteiligt waren. Sie werden in einer gesonderten Datenbank („Prozessdatenbank“) erfasst. Diese enthält Angaben
zu über 3300 politischen Prozessen zwischen Oktober 1949 und Oktober 1989. In
der Datenbank kann nach Gerichtsterminen, Gerichtsstandorten, Gerichtsarten,
Angeklagten, Richtern, Anklägern und
Verteidigern recherchiert werden. Auch
Anklagepunkte, Verurteilungsparagraphen
und Strafhöhen können als Suchkriterium
eingegeben werden. Registriert sind ferner Hinweise auf den Haftort, Einflussnahmen oberster SED-Gremien sowie
Veröffentlichungen. Die Datenbank ist

55

Ordner des physischen Fotoarchivs

Historisches Foto von Georg Dertinger, erster Außenminister der DDR
und später Häftling in Hohenschönhausen

Fragebogen zur Erfassung ehemaliger Hohenschönhausen-Häftlinge

56

Sammlungen
mit der Personendatenbank so verknüpft,
dass die Bestände des Zeitzeugenarchivs
mit abgefragt werden können.

MfS-Dokument aus dem Dokumentenarchiv der Gedenkstätte

Nach heutigem Kenntnisstand sind in
der Datenbank sämtliche Prozesse mit
prominenten Angeklagten, nahezu alle
erstinstanzlichen Verfahren vor dem
Obersten Gericht sowie jeder Prozess,
der mit einem Todesurteil endete, verzeichnet. Weitere Schwerpunkte bilden
Prozesse gegen Teilnehmer des Volksaufstandes 1953, Mitglieder der CDU, Studenten, Zeugen Jehovas, vermeintliche
und tatsächliche Spione, Bürgerrechtler,
Fluchtwillige, kriminalisierte Ausreisewillige sowie Mitarbeiter des Ostbüros der
SPD, der Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit (KgU) und des Untersuchungsausschusses freiheitlicher Juristen (UfJ).
Auch Prozesse gegen NS-Täter, die ab
etwa 1965 nur noch in Hohenschönhausen einsaßen, sind in der Datenbank verzeichnet.
Dokumentenarchiv
Neben den personenbezogenen Unterlagen hat sich die Gedenkstätte auch
um Sachakten über den Haftort Hohenschönhausen bemüht. Diese werden im
so genannten Dokumentenarchiv der Gedenkstätte gesammelt. Der Bestand setzt
sich überwiegend aus Kopien von Akten
des Ministeriums für Staatssicherheit zusammen. Hier findet man zum Beispiel
Richtlinien zum Untersuchungshaftvollzug, Berichte über außerordentliche Vorkommnisse oder Diplomarbeiten der in
Hohenschönhausen beschäftigten MfSMitarbeiter. In geringerem Umfang sind
auch Kopien aus anderen Archiven abgelegt, etwa aus dem Bundesarchiv, dem
Berliner Landesarchiv, dem Archiv für soziale Demokratie oder dem Bauarchiv des
Bezirks Lichtenberg. Der Aktenbestand
ist im Berichtszeitraum auf etwa vierzehn
laufende Regalmeter angewachsen.
Das Dokumentenarchiv ist ebenfalls über
eine Datenbank („MfS-Datenbank“) erschlossen. Darin wurden 2007 insgesamt
320 Neueinträge vorgenommen. Bis Ende

2008 erhöhte sich die Zahl der Datensätze erneut um knapp 50 Prozent von 875
auf über 1300. Die MfS-Datenbank ist von
jedem Intranet-Arbeitsplatz einsehbar und
wurde auch von externen Wissenschaftlern und Journalisten für Recherchen genutzt.

Plan des Sperrgebiets Berlin-Hohenschönhausen

Bibliothek
Entsprechend ihrer Satzung unterhält die
Gedenkstätte eine eigene Fachbibliothek.
Hauptschwerpunkte bilden Darstellungen zum Haftort Hohenschönhausen, zur
Geschichte der politischen Justiz in der
DDR, zu Opposition und Widerstand sowie zum Ministerium für Staatssicherheit.
Ein besonderer Stellenwert kommt biografischen oder autobiografischen Schriften über ehemalige Häftlinge zu. Darüber
hinaus zählen Darstellungen zur DDRGeschichte, zur Nachkriegsentwicklung in
Deutschland sowie zu den Ost-West-Beziehungen zum Bestand. Schließlich sammelt die Bibliothek grundlegende Werke
über das Phänomen politischer Verfolgung
in anderen Diktaturen, insbesondere in
der Sowjetunion, in Osteuropa und im
Nationalsozialismus. Fachliteratur zur Gedenkstättenarbeit, allgemeine Nachschlagewerke und Bibliographien zu den oben
genannten Themen vervollständigen das
Angebot.
Nach Maßgabe ihrer finanziellen Möglichkeiten hat die Stiftung die Bibliothek kontinuierlich um einschlägige Publikationen
erweitert. Im Berichtszeitraum wurden
für mehr als 15 000 Euro Bücher und Zeit-

Sammlungen
schriften angeschafft. Dabei wurden nicht
nur Neuerscheinungen, sondern auch ältere, nur noch antiquarisch verfügbare Bücher erworben. Zudem konnten kostenlose Dubletten aus anderen Bibliotheken
übernommen werden. Weitere Schenkungen erfolgten durch Privatpersonen, meist
durch ehemalige politische Häftlinge.
Obwohl die geringe Tragfähigkeit der Decken im Hauptgebäude eine Aufstellung
der Bücher nur an den Zimmerwänden erlaubt, wurde ein umfangreicher Bestand
an älteren Veröffentlichungen sowie überwiegend propagandistischen Titeln aus
der DDR in den öffentlich zugänglichen
Bibliotheksbestand eingearbeitet. Insgesamt wurden in den Jahren 2007/08 über
1000 Titel neu verzeichnet. 2007 wurde
der gesamte Buchbestand mit Signaturen
versehen, die auf dem Buchrücken foliert
wurden. Dadurch sind die Bücher erheblich besser auffindbar und Fehlbestände
können schneller festgestellt werden.
Mangels entsprechenden Personals arbeitet die Bibliothek nicht als Leih-, sondern
als Präsenzbibliothek. Sie dient vor allem
der Arbeit und der Qualifizierung der festen und freien Mitarbeiter, kann aber auch
von Studenten, Doktoranden und ande-

ren Interessierten sowie bei Seminaren
und Projekttagen genutzt werden. Die
Bibliothek steht den Nutzern von Montag bis Freitag zwischen 9 und 17 Uhr
zur Verfügung. Neuerscheinungen und
aktuelle Zeitschriften werden an herausgehobener Stelle präsentiert. Ein Computerarbeitsplatz und ein Besprechungstisch
erlauben weitergehende Nutzungen, zum
Beispiel für die Arbeit in Kleingruppen. Interessierte können dort nicht nur in der Bibliotheks- und Mediatheksdatenbank der
Gedenkstätte suchen, sondern auch im
Internet recherchieren oder Film- und Tondokumente abspielen.

57

Neben Gedenkstättenmitarbeitern
nutzen vor allem Studenten und
Doktoranden die Bibliothek zur
Recherche

Der gesamte Buchbestand ist in einer
elektronischen Datenbank erfasst („Bibliotheksdatenbank“). Die Bücher werden
dort nicht nur mit Autor und Titel verzeichnet, sondern auch verschlagwortet; zudem wird hier die Ausleihe vermerkt. Mit
einer Eingabemaske können die Nutzer in
der Bibliothek den Buchbestand durchsuchen. Die Datenbank ist an allen vernetzten Arbeitsplätzen in der Gedenkstätte
nutzbar, was bei Recherchen eine erhebliche Zeitersparnis bedeutet. Im Berichtszeitraum stieg die Zahl der Datensätze
von 5059 auf 6079, was einem Zuwachs
von mehr als 20 Prozent entspricht.

Anschaffungen der Gedenkstättenbibliothek

58

Sammlungen
Mediathek

DVD-Cover des Einführungsfilms
„Zentrale des Terrors“, eine Gemeinschaftsproduktion vom MDR und
der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen

Entsprechend ihrer Satzung unterhält die
Gedenkstätte auch eine eigene Mediathek. Zum Bestand gehören unter anderem TV-Dokumentationen über wichtige
historische Ereignisse, Zeitzeugenporträts, themenbezogene Spielfilme und
Diskussionsrunden sowie Fernsehberichte über das MfS und die SED-Diktatur.
Im Berichtszeitraum wurden mehr als
410 Medieneinheiten neu aufgenommen,
was einer Steigerung von 68 Prozent entspricht. Der Gesamtbestand umfasste
Ende 2008 gut 1000 Ton- und Bildträger
zum Themenkreis DDR-Geschichte und
politische Verfolgung in der kommunistischen Diktatur.
Ein erheblicher Teil der Neuzugänge basierte auf der Ablieferungspflicht von
Fernsehsendern und Produktionsfirmen,
die in der ehemaligen Untersuchungshaftanstalt Dreharbeiten durchgeführt hatten.
Zudem wurden durch eigene Medienbeobachtung einschlägige Filme im Fernsehen aufgezeichnet. Darüber hinaus hat die
Gedenkstätte Mitschnitte ihrer Veranstaltungen auf DVD gebrannt. Die ehemaligen Hohenschönhausen-Häftlinge Dieter
von Wichmann und Hans-Eberhard Zahn
überließen der Stiftung außerdem 80 ältere Videokassetten zum Thema DDR.

Cover von in der Gedenkstätte
entstandenen Filmen

Die in der Mediathek aufbewahrten Fernseh-, Film- und Hörfunkproduktionen belegen nicht nur die vielfältige Arbeit der
Stiftung, sondern stellen auch für die
Zukunft wichtige Zeitzeugnisse dar. Häufig berichten darin Verfolgte über ihre
Hafterfahrungen in Hohenschönhausen.
Zugleich dokumentieren sie den Prozess
der öffentlichen Aufarbeitung nach dem
Ende der SED-Diktatur. Sie stehen aber
auch für Seminare, Veranstaltungen und
Recherchen nach Bild- und Tonmaterial,
beispielsweise für Ausstellungszwecke,
zur Verfügung.
Die Ton- und Bildträger bestehen aus den
gängigen Formaten DVD, CD-ROM, VHS
und Audio-Kassetten. Um die Aufnahmen
vor dem Verfall zu schützen, wurden im
Berichtszeitraum zahlreiche VHS-Videos
auf DVD kopiert. Sämtliche Medien sind
in einer elektronischen Datenbank („Mediatheksdatenbank“) erfasst, so dass Recherchen von allen Intranet-Arbeitsplätzen
der Gedenkstätte aus möglich sind. In der
Mediathek steht auch die erforderliche
Technik zur Verfügung, damit Mitarbeiter
und Außenstehende die Beiträge auswerten oder Veranstaltungen und Seminare
vorbereiten können. Interessierte können
die Mediathek nach vorheriger Terminabsprache von Montag bis Freitag zwischen
10 und 16 Uhr nutzen.

59

Bundestagspräsident Norbert
Lammert (M.) lässt sich von
Gedenkstättendirektor Hubertus
Knabe (2.v.l.) durch das „U-Boot“
führen; links der ehemalige Häftling
Reinhard Fuhrmann, August 2008

Öffentlichkeitsarbeit
Bei der Erfüllung des gesetzlichen Auftrags der Gedenkstätte, zur Auseinandersetzung mit den Formen und Folgen politischer Verfolgung in der kommunistischen
Diktatur anzuregen, spielt die Öffentlichkeitsarbeit eine wichtige Rolle. Ein Beitrag
in einem populären Fernsehprogramm
oder ein Artikel in einer führenden Tageszeitung erreicht oft mehr Menschen, als
das ehemalige Stasi-Gefängnis in einem
ganzen Jahr besuchen.
Im Berichtszeitraum war die Stiftung Gegenstand eines außerordentlich großen
Medieninteresses. Durch intensive Öffentlichkeitsarbeit hat die Gedenkstätte
auch selbst immer wieder Journalisten zur
Berichterstattung angeregt. Das ehemalige Untersuchungsgefängnis ist heute der
wahrscheinlich bekannteste Erinnerungsort zum SED-Unrecht in Deutschland.
Zwischen Januar 2007 und Dezember
2008 erschienen fast 1700 Medienberichte, in denen die ehemalige Untersuchungshaftanstalt, die Gedenkstätte oder
ihre Mitarbeiter Erwähnung fanden. Gegenüber den Jahren 2005/2006 (gut 1300

Berichte) bedeutet dies einen Zuwachs
von rund 30 Prozent. Im Durchschnitt wurde die Stiftung damit mehr als zweimal
täglich in den Medien erwähnt. Neben 97
Fernseh- und 84 Radiobeiträgen waren es
vor allem zahlreiche Artikel in Printmedien
und Online-Portalen, die die Gedenkstätte
durch eigene Medienbeobachtung (Pressespiegel) erfasst hat. Im Internet war sie
auf etwa 80 Websites mit Informationen
und Programmkalender vertreten. In diesen Zahlen sind die Veranstaltungs- und
Programmhinweise in den Berliner Tagesund Wochenzeitungen, den Wochenendbeilagen oder den Stadtillustrierten „Tip“
und „Zitty“ ebenso wenig enthalten wie
die in der Gedenkstätte entstandenen Dokumentarfilme oder Fotoserien.
Das Spektrum der Berichterstattung reichte von Artikeln über Veranstaltungen oder
Ausstellungseröffnungen über längere
themenbezogene Beiträge bis hin zu aktuellen Interviews und Stellungnahmen
von Mitarbeitern der Gedenkstätte. Immer wieder wurden auch einzelne in Hohenschönhausen Inhaftierte porträtiert,
darunter eine Reihe von Besucherrefe-

60

Der finnische Sender TV Nelonen interviewt den ehemaligen
Hohenschönhausen-Häftling Charly
Rau, Februar 2007

Vorbereitung für Aufnahmen des
arabischen Fernsehsenders AlJazeera, Juli 2007

BBC-Hörfunkinterview mit der
ehemaligen Gefangenen Gisela
Quasdorf (l.), Oktober 2007

Öffentlichkeitsarbeit
renten. Größere Aufmerksamkeit fanden
im Berichtszeitraum zum Beispiel die
Mitteilungen der Stiftung zum Anstieg
der Besucherzahlen und zum geplanten
Umbau der ehemaligen Haftanstalt. Auch
die Errichtung von Informationsstelen im
ehemaligen MfS-Sperrbezirk, die Öffnung
des früheren Haftkrankenhauses für Besichtigungen oder das erste Hohenschönhausen-Forum waren Gegenstand der
Berichterstattung. Bei öffentlichen Debatten zur DDR-Vergangenheit – etwa über
die Fortschreibung des Gedenkstättenkonzeptes des Bundes oder über einen
Schießbefehl für MfS-Einsatzkräfte an der
DDR-Grenze – war die Meinung der Gedenkstätte und ihres Direktors ebenfalls
häufig gefragt. Weitere Themen, die die
Medien besonders interessierten, waren
die Opferrente für SED-Verfolgte oder das
geringe Wissen von Schülern über die
SED-Diktatur.
Für viele Journalisten ist die Gedenkstätte ein zentraler Ansprechpartner, wenn
es um die Geschichte der DDR oder den
Staatssicherheitsdienst geht. Neben den
großen Berliner Medien (u.a. rbb, TV-Berlin, Berliner Morgenpost, Tagesspiegel,
Berliner Zeitung, Bild, B.Z.) berichteten
auch viele überregionale Fernsehsender
(u.a. ARD, ZDF, MDR, WDR, DW-TV, Sat.1,
N-TV, N24), Printmedien (u.a. Spiegel, Focus, Die Zeit, Die Welt, FAZ, FAS, Bild) und
große Online-Portale (u.a. Spiegel-Online,
Focus-Online, Welt-Online, tagesschau.
de, heute.de).
Auch international stieß die Gedenkstätte auf großes Interesse der Medien, vor
allem im Bereich von TV-Produktionen.
So drehten unter anderem die spanische
Produktion „Lavinia“ und der spanische
Sender „TV3“ für ihre Dokumentation
„A Topography of Memory“ in Hohenschönhausen. Jeden Monat besuchten
durchschnittlich drei ausländische Journalisten die Gedenkstätte (unter anderem
aus Großbritannien, Frankreich, Finnland,
Serbien, Japan, Brasilien, Chile, Ungarn,
Russland und den USA) und veröffentlichten vielfach Reportagen über die ehemalige Untersuchungshaftanstalt oder früher
Inhaftierte.

Medienbetreuung
Zu einer professionellen Öffentlichkeitsarbeit gehört es, Anfragen von Journalisten
zeitnah und qualifiziert zu beantworten.
Vor allem bei tagesaktueller Berichterstattung werden Informationen oftmals binnen weniger Stunden benötigt. Schnelle
Hilfe bei der Recherche, die Vermittlung
kompetenter Gesprächspartner und sachkundige Einschätzungen zu historischen
Sachverhalten waren ein wesentliches
Element der Medienbetreuung durch die
Gedenkstätte. Ihre starke Präsenz in der
Öffentlichkeit resultierte auch daraus,
dass viele Journalisten wissen, dass sie
in Hohenschönhausen zuverlässige und
informierte Ansprechpartner finden.
Ein wichtiger Anlaufpunkt ist die Gedenkstätte insbesondere, wenn es um
die Vermittlung von Zeitzeugen geht. Auf
der Homepage der Stiftung können Journalisten in einer „Zeitzeugenbörse“ nach
interessanten Gesprächspartnern suchen.
Nach Rücksprache mit den Betroffenen
wird der Kontakt zu ihnen vermittelt. Die
Stiftung erhielt zudem zahlreiche Anfragen, bei denen der historische Ort im
Mittelpunkt stand. Im Berichtszeitraum
wurden dazu fast 200 Film-, Hörfunk- und
Fotoanfragen gezählt. In vielen Fällen baten Journalisten auch um eine Bewertung
aktueller Vorgänge, bei denen es um die
Folgen des SED-Unrechts ging. Neben einer fachlichen Einschätzung bestimmter
Sachverhalte – zum Beispiel von StasiVerstrickungen einzelner Personen oder
Defiziten im Geschichtsunterricht – ging
es ihnen dabei oftmals auch um ein Urteil
aus der Perspektive der einst Verfolgten.
Alles in allem erreichten die Stiftung im
Berichtszeitraum über eintausend fernmündliche oder elektronische Anfragen
verschiedenster Medien.
Einen wichtigen Bereich der Medienbetreuung bildete auch die Bearbeitung von
Dreh- oder Fotoanfragen. Die über 100 im
Berichtszeitraum eingegangenen Anträge
mussten jeweils genau geprüft werden,
um einen Missbrauch der ehemaligen Untersuchungshaftanstalt, etwa für Krimis
oder Musikvideos, auszuschließen. An-

Öffentlichkeitsarbeit
fragen, die keinen Bezug zur politischen
Verfolgung in der DDR erkennen ließen
oder die die Gefühle ehemaliger Häftlinge
verletzen könnten, wurden abgelehnt. Die
Kriterien, nach denen eine Drehgenehmigung erteilt wird, können auf der Homepage in Deutsch und Englisch nachgelesen werden.
Im Berichtszeitraum wurden mehr als 90
Drehgenehmigungen erteilt. Während der
Dreharbeiten stellte die Gedenkstätte den
Filmteams in der Regel einen Mitarbeiter
als Betreuer zur Seite. In den meisten Fällen vereinbarte sie mit den Produzenten
zudem die Zahlung einer Spende oder
einer Motivmiete sowie die Erstattung
der Personalkosten. Auf diese Weise
konnte die Gedenkstätte in den Jahren
2007/2008 rund 30 000 Euro zusätzlich
einnehmen. Die Stiftung erhielt auch Kopien der gedrehten Filme, die in der Mediathek archiviert wurden.
Bei den Filmvorhaben handelte es sich
teilweise um höchst anspruchsvolle Projekte. So produzierte der SWR einen Beitrag zum europäischen Filmprojekt „Orte
des Erinnerns“, das anhand verschiedener
nationaler historischer Schauplätze ein
europäisches Geschichtsbild zeichnen
wollte. Die vierte Staffel des Vorhabens
beschäftigte sich mit politischer Konspiration oder Opposition an „geheimen
Orten“. Auch die hochgelobte zweiteilige
Fernsehdokumentation „Grenzenlose Liebe“, die im Auftrag von WDR, MDR, ARD
und Arte entstand, wurde teilweise in der
ehemaligen
Untersuchungshaftanstalt
Hohenschönhausen gedreht. Darüber hinaus unterstützte die Gedenkstätte die
Arte-Dokumentation „Allein gegen die
Stasi oder das teuerste Flugblatt der
Welt“ sowie den zweiteiligen Fernsehfilm
„Wir sind das Volk“. Dass populäres Fernsehen und ernsthafte Information sich
nicht ausschließen, zeigte das ARD-Morgenmagazin, das in der Reihe „Geheime
Orte“ im Oktober 2008 live aus der Gedenkstätte sendete und dabei rund fünf
Millionen Zuschauer erreichte.
Zur Medienbetreuung gehörte auch, dass
die Vertreter von Presse, Hörfunk oder

Fernsehen bei Besuchen in der Regel eine
Pressemappe mit thematisch abgestimmtem Informationsmaterial erhielten. Bei
Bedarf vermittelte ihnen die Stiftung auch
Interviewpartner oder stellte Dokumente
und Fotos bereit. Auf diese Weise wurde
immer wieder auf das Schicksal früher in
Hohenschönhausen Inhaftierter hingewiesen. So erschienen im Berichtszeitraum
mehr als 80 Beiträge, in denen ehemalige Häftlinge interviewt oder porträtiert
wurden. Auch bei Besuchen prominenter
Gäste sorgte die Gedenkstätte für eine
professionelle Medienbetreuung (siehe
Besucherbetreuung).
Die Stiftung regte die Medien auch selbst
zur Berichterstattung an. So machte sie
durch Presseeinladungen und -informationen regelmäßig auf Ereignisse, Veranstaltungen oder VIP-Besuche aufmerksam.
Pressemitteilungen informierten beispielsweise über die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an die ehemalige
DDR-Bürgerrechtlerin und Hohenschönhausen-Gefangene Vera Lengsfeld. Eine
andere berichtete von der Entscheidung
eines unabhängigen Preisgerichtes, das
renommierte Architekturbüro hg merz für
seinen Entwurf zum Umbau der Gedenkstätte mit einem Sonderpreis auszuzeichnen. Weitere Mitteilungen betrafen den
Erwerb von vier Original-Mauersegmenten oder die Theateraufführungen „Akte
R“ und „Staats-Sicherheiten“. Insgesamt
wurden im Berichtszeitraum etwa 70
Pressemitteilungen überwiegend elektronisch verschickt. Der Email-Verteiler
erreichte über 400 ausgewählte Medienadressaten, darunter 40 Vertreter ausländischer Medien. Die Presseinformationen
wurden in der Regel von allen großen
Nachrichtenagenturen (dpa, ddp, AP) weiterverbreitet und stießen auf eine gute bis
sehr gute Resonanz.
Bei Möglichkeiten zu Bildaufnahmen, zum
Beispiel bei der Öffnung des ehemaligen
Haftkrankenhauses für Besucher, wurden
die Medien auch gezielt in die Gedenkstätte eingeladen. Dasselbe galt für Ausstellungseröffnungen und Veranstaltungen, wo es teilweise schon im Vorfeld zu
Anfragen oder Vorberichten kam. Im Rah-

61

Aufnahmen für ein Feature über
den Schriftsteller und ehemaligen
Hohenschönhausen-Häftling Klaus
Kordon (2.v.r.), Januar 2008

Drehpause bei den Aufnahmen
für den zweiteiligen Fernsehfilm
„Wir sind das Volk“ mit Anja Kling,
August 2007

Live-Übertragung des ARD-Morgenmagazins, Oktober 2008

62

Öffentlichkeitsarbeit
men einer Pressekonferenz stellten der
Stiftungsratsvorsitzende André Schmitz
und der Direktor der Gedenkstätte Hubertus Knabe im November 2007 den 3.
Tätigkeitsbericht der Stiftung vor. Speziell
auf junge Leute zielte eine Schülerpressekonferenz im September 2008, an der
mehr als zwei Dutzend Schülerzeitungsredakteure aus ganz Deutschland teilnahmen (siehe Veranstaltungen). Immer wieder unterstützte die Gedenkstätte auch
Schülergruppen, Studenten, Institutionen
oder halb-professionelle Publikationen mit
Informationsmaterial, Kontakten zu Zeitzeugen oder fachlichem Rat.

Cover des Buches über den ehemaligen Berliner Polizeikommandanten
Karl Heinrich

Das „Buch zum Ort“ - Gedenkstättenpublikation über das Sperrgebiet
Berlin-Hohenschönhausen

Publikationen
Der Bereich der Eigenpublikationen wurde im Berichtszeitraum deutlich ausgebaut. So wurde 2007 im Berliner Jaron
Verlag unter dem Signet „Inhaftiert in Hohenschönhausen“ eine neue Buchreihe
ins Leben gerufen, in der biografische und
autobiografische Texte zu einzelnen Hohenschönhausen-Gefangenen veröffentlicht werden können. Den Anfang machte
im Frühjahr der autobiografische Bericht
des Berliner Staatsanwalts Matthias Bath
„Gefangen und freigetauscht. 1197 Tage
als Fluchthelfer in der DDR-Haft“. Wenig
später veröffentlichte der Historiker und
Gedenkstättenmitarbeiter Peter Erler
eine biografische Skizze über den 1945
in Hohenschönhausen ums Leben gekommenen Sozialdemokraten und Kommandanten der Berliner Schutzpolizei Karl
Heinrich („Polizeimajor Karl Heinrich. NSGegner und Antikommunist“). Im August
erschien dann eine von der Gedenkstätte
in Auftrag gegebene Biografie über den
Schriftsteller und HohenschönhausenHäftling Jürgen Fuchs, die sein früherer
Weggefährte, der Publizist Udo Scheer,
verfasst hatte; das Buch wurde von zahlreichen Medien positiv besprochen.
Als besonders erfolgreich erwies sich ein
Sammelband mit Haftberichten aus der
Zeit von 1945 bis 1988, den der Direktor
der Gedenkstätte, Hubertus Knabe, im
Sommer 2007 im List-Verlag herausgab
(„Gefangen in Hohenschönhausen. Stasi-

Häftlinge berichten“). Von dem Taschenbuch wurden bis Ende 2008 deutschlandweit rund 17 000 Exemplare verkauft.
Die Bundeszentrale für politische Bildung
und mehrere Landeszentralen bereiteten
zudem für 2009 einen Sonderdruck von
über 10 000 Exemplaren vor. Viel gefragt
war auch weiterhin das „Buch zum Ort“,
das Hubertus Knabe und der Historiker
Peter Erler 2005 im Jaron Verlag veröffentlichten („Der verbotene Stadtteil.
Stasi-Sperrgebiet Berlin-Hohenschönhausen“). Im Berichtszeitraum wurden davon
über 12 000 Exemplare verkauft, mehrere
Tausend allein durch den Buchladen der
Gedenkstätte. 2008 erschien zur besseren Information ausländischer Gäste auch
eine englische Ausgabe des Buches („The
prohibited district“), von der bis Jahresende über 3000 Stück verkauft wurden.
Darüber hinaus veröffentlichte die Gedenkstätte verschiedene Schriften im Eigendruck. Im November erschien der 3.
Tätigkeitsbericht der Stiftung in einer Auflage von 1900 Exemplaren, der an etwa
500 Institutionen und interessierte Einzelpersonen verschickt wurde. Aus Kostengründen wurde er von der Gedenkstätte
selbst gestaltet. Dies galt auch für die
Einladungskarten, die die Stiftung zu verschiedenen Veranstaltungen drucken ließ.
Für die Besucher stellte die Gedenkstätte
kostenlos einen Flyer mit Grundinformationen zur Geschichte des Haftortes zur Verfügung. Allein 2008 wurden davon knapp
150 000 Exemplare verteilt. Um der wachsenden Zahl ausländischer Gäste Rechnung zu tragen, wurde er auch auf Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch
sowie erstmals auf Dänisch gedruckt.
Auf der Internetseite der Gedenkstätte
wurden, neben einer tschechischen, zum
ersten Mal auch eine russische, eine lettische und eine holländische Ausgabe im
PDF-Format eingestellt. Außerdem druckte die Gedenkstätte ein Faltblatt mit den
Angeboten zur politischen Bildung. Es
wurde an Lehrer und andere Interessierte
abgegeben und an mehr als 1000 Schulen
und Bildungseinrichtungen verschickt. Zur
Feststellung der Medienresonanz erstellte die Stiftung einen internen monatlichen
Pressespiegel.

Öffentlichkeitsarbeit
Ein wichtiges – und verhältnismäßig kostengünstiges – Medium stellt der zweisprachige Internet-Auftritt der Gedenkstätte (deutsch und englisch) dar. Die
Website www.stiftung-hsh.de enthält alle
wesentlichen Informationen zum historischen Ort, zum Aufbau der Stiftung und
zur Arbeit der Gedenkstätte. Ein ContentManagement-System ermöglicht die
schnelle Eingabe von Texten und Bildern
durch die Mitarbeiter. An hervorgehobener Stelle wird auf laufende Ausstellungen, aktuelle Veranstaltungen und prominente Gäste aufmerksam gemacht. Auch
die erwähnte Zeitzeugenbörse ist dort
einsehbar. Außerdem findet man Pressemitteilungen, Veranstaltungsberichte, Fotos aus der Gedenkstättenarbeit und alle
notwendigen praktischen Informationen
für einen Besuch des ehemaligen Haftortes. Für Lehrer und Journalisten hat die
Stiftung jeweils eigene Nutzerbereiche
eingerichtet, die sich an den spezifischen
Interessen dieser Zielgruppen orientieren.
Die Homepage wurde im Berichtszeitraum laufend mit aktuellen Informationen,
neuen Häftlingsbiografien und anderen
Texten bestückt, die in der Regel auch ins
Englische übersetzt wurden.
Zahlreiche Besucher, Journalisten, Schüler und andere Interessierte nutzten die
Homepage, um sich zu informieren oder
mit der Gedenkstätte in Kontakt zu treten.
Die virtuellen Besucher kamen nicht nur
aus Deutschland, sondern auch aus vielen anderen europäischen Ländern sowie
aus Staaten in anderen Kontinenten wie
den USA, Israel, Japan oder Thailand. Aufgrund von Problemen mit dem Provider
konnte die Zahl der Besuche und Zugriffe
leider erst ab März 2007 festgestellt werden. Bis zum Jahresende registrierte die
Stiftung rund drei Millionen Zugriffe und
124 000 Besucher. 2008 steigerte sich
die Zahl auf 4,8 Millionen Zugriffe und
161 000 Besucher. Noch stärker stieg
die Zahl der Downloads: So betrug das
Transfervolumen 2008 insgesamt 148
Gigabyte, was einer Steigerung von 156
Prozent gegenüber 2007 (58 Gigabyte)
entspricht. Besonders frequentiert waren die Unterrichtsmaterialien, Zeitzeugenbiographien, praktische Besucher-

63

informationen sowie die Darstellungen
zur Geschichte des Haftortes.
Werbung
Aus Kostengründen hat die Stiftung auf
den Einsatz kommerzieller Werbemittel
weitgehend verzichtet. Angesichts der
ständig steigenden Besucherzahlen und
des stark gewachsenen Bekanntheitsgrades der Gedenkstätte erschien diese
Zurückhaltung verantwortbar. Zudem ist
die ehemalige Haftanstalt inzwischen in
vielen deutschen und englischsprachigen
Reiseführern kostenfrei vermerkt. Vor
allem aber ist die Mund-zu-Mund-Propaganda die effektivste Werbung für die Gedenkstätte.
Die Stiftung hat vorrangig kostenlose
Möglichkeiten genutzt, um auf die Arbeit
der Gedenkstätte hinzuweisen. Neben
der inhaltlichen Öffentlichkeitsarbeit hat
sie Terminzeitschriften und tagesaktuelle Medien frühzeitig über Veranstaltungen, Ausstellungen und Sonderführungen informiert. Bei themenverwandten
Institutionen wurden Flyer, Plakate und
Veranstaltungshinweise ausgelegt oder
angebracht. Bei ausgewählten Veranstaltungen wurden zudem Informationsblätter der Gedenkstätte verteilt, in den
(besucherschwachen) Sommermonaten
auch Berliner Hotels damit bestückt. Mit
einem Informationsstand beteiligte sich
die Gedenkstätte erstmals am „Tag der
offenen Tür der Bundesministerien“, der
am 23. und 24. August 2008 stattfand. Im
Bundespresseamt konnten sich die Besucher dabei nicht nur über die Geschichte
der Untersuchungshaftanstalt, sondern
auch über die aktuelle Arbeit der Gedenkstätte informieren. An den Außenmauern
wiesen zwei wetterbeständige Banner auf
aktuelle Ausstellungen und die Öffnungszeiten hin. Weitere Werbemittel waren
transportable Aufsteller (Kunden-Stopper)
mit Kurzinformationen, die bei Veranstaltungen oder zur Besucherbetreuung zum
Einsatz kamen. Ein dreiteiliger roll-upStänder zeigte bei allen Veranstaltungen
im Hintergrund das Logo der Gedenkstätte.

Außenwerbung am Eingang der
Gedenkstätte

64

Erneuerung einer Rigole zur Sammlung von Regenwasser,
Oktober 2008

Bautätigkeit
Zur Wahrnehmung ihrer Aufgaben hat
das Land Berlin der Stiftung Gedenkstätte
Berlin-Hohenschönhausen die Grundstücke und Gebäude der ehemaligen Untersuchungshaftanstalt in der Genslerstrasse
66 unentgeltlich zur Nutzung überlassen.
Für die Gedenkstätte ergibt sich daraus die
Verpflichtung, die denkmalgeschützte Gefängnisanlage zu erhalten und behutsam
an die Erfordernisse eines Museums anzupassen. Verantwortlich für die Planung,
Durchführung und Finanzierung aller dafür
erforderlichen Baumaßnahmen ist die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Da
die Stiftung über keinen eigenen Bauetat
verfügt, fungiert sie gegenüber den Baufirmen nicht als Auftraggeber, sondern nur
als Nutzer.
Aufgrund des langen Leerstands der 1990
geschlossenen Haftanstalt befanden sich
die Gebäude bei ihrer Übernahme durch
die Gedenkstätte vielfach in einem maroden Zustand. Wasser- und Abwasserleitungen waren meist nicht mehr funktionsfähig, Heizkörper zerplatzt, Dächer
und Fenster dringend reparaturbedürftig.

Hinzu kamen gravierende Mängel bei der
Bauausführung. Es gab weder Fluchtwege für den Gefahrenfall, noch existierten ausreichende Vorkehrungen für den
Brandschutz. Auch die gesamte Elektrik
des Gefängnisses musste abgeklemmt
werden, weil sie nicht den Vorschriften
der Bundesrepublik entsprach. Aus der
neuen Funktion als Gedenkstätte resultierte schließlich ein völlig anderer Raumbedarf. Statt Zellen und Vernehmerräume
waren Besuchertoiletten, Seminarräume
oder Räumlichkeiten für Buchhandlung
und Caféteria erforderlich.
Zum Erhalt der Gebäude haben das Land
Berlin und die Bundesregierung seit 1995
mehr als fünfzehn Millionen Euro investiert.
Damit wurden vor allem Baumaßnahmen
zur Sanierung der Außenhülle des Altbaus
und des Neubaus finanziert (Reparatur der
Dächer, Fenster, Fundamente etc.). Zudem wurden Büros für den Gedenkstättenbetrieb geschaffen. In die Sanierungsmaßnahmen wurde im Berichtszeitraum
auch das Haftkrankenhaus einbezogen
(siehe Unterhaltsmaßnahmen). Zudem

Bautätigkeit
wurde ein zentrales Depot für die Sammlung geschaffen und ein Wettbewerb für
den Umbau der Gedenkstätte ausgelobt
(siehe Investive Maßnahmen).
Investive Maßnahmen
Für die weitere Arbeit der Gedenkstätte ist
eine Reihe größerer Umbauten geplant.
Nachdem Ende der 1990er Jahre bereits
mehrere Verwaltungs- und Seminarräume
sowie eine moderne Toilettenanlage für
die Besucher eingerichtet wurden, sollen
nunmehr Räumlichkeiten für Ausstellungen, Veranstaltungen, Bibliothek und Archive sowie ein Foyer, eine Caféteria und
ein Museumsshop geschaffen werden.
Auf der Basis eines 2004 verabschiedeten
Raumprogramms wurde dazu 2005 eine
Kostenschätzung vorgelegt und von der
Senatsverwaltung für Stadtentwicklung
geprüft und genehmigt. Danach sind für
den Umbau des Altbaus Investitionen in
Höhe von 13,1 Millionen Euro erforderlich.
Für die Erarbeitung der geplanten Dauerausstellung sind weitere 3,1 Millionen
Euro vorgesehen. Ab dem Jahr 2008 wurden diese Mittel bei Bund und Land in den
öffentlichen Haushalten etatisiert, so dass
die Bauplanungen beginnen konnten.
Bereits im Dezember 2007 veröffentlichte
die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung eine Ausschreibung, die interessierte Architekten dazu aufrief, sich für die
Teilnahme an einem begrenzt offenen
Realisierungswettbewerb zum Umbau
der Gedenkstätte zu bewerben. Im Juni

Mauerarbeiten im ehemaligen Kellergefängnis,
Februar 2007

2008 entschied ein unabhängiges Preisgericht, das renommierte Architekturbüro
hg merz mit einem Sonderpreis auszuzeichnen und für den Umbau des ehemaligen Stasi-Gefängnisses zu empfehlen.
Der Entwurf sieht vor, die historische Gebäudesubstanz weitgehend unangetastet
zu lassen und die neuen Funktionsräume
größtenteils in einem ehemaligen Garagentrakt unterzubringen. Die Dauerausstellung soll in einem früheren Materiallager im Innern des Altbaus Platz
finden. Da Ausführungsplanung und Umbau einen längeren Zeitraum in Anspruch
nehmen, ist nach dem gegenwärtigen
Zeitplan mit der Eröffnung der Dauerausstellung erst Ende 2012 zu rechnen.

65

Bauarbeiten in der ehemaligen
Fahrzeugschleuse, Januar 2008

Bereits im November 2006 wurde damit
begonnen, im Keller des ehemaligen Vernehmertraktes ein zentrales Depot für die
Objektsammlung der Gedenkstätte zu errichten. Die Bauarbeiten umfassten den
Einzug einer Horizontalsperre, die Sanierung der Heizungsanlagen, Malerarbeiten
sowie Maßnahmen zum Lichtschutz. Erst
Ende 2008 konnte das Vorhaben abgeschlossen werden. Der Stiftung stehen
damit ca. 500 Quadratmeter Fläche zur
Lagerung von Exponaten mit entsprechender Lagertechnik sowie einer Brandund Einbruchmeldeanlage zur Verfügung
(siehe Sammlungen).
Unterhaltsmaßnahmen
Zum Erhalt der ehemaligen Haftanstalt
wurde im Berichtszeitraum auch eine Reihe von Sanierungsmaßnahmen im Rahmen des Bauunterhalts durchgeführt. In
Zusammenarbeit mit dem beauftragten
Architekten, der unteren Denkmalschutzbehörde und der Senatsverwaltung für
Stadtentwicklung wurden die Arbeiten
von der Gedenkstätte vorgeplant, betreut
und in den laufenden Besucherbetrieb
eingepasst. Neben der Sanierung der
Fenster im Langbau des Hauptgebäudes
wurde auf dem Areal ein neues Blitzschutzsystem installiert. Darüber hinaus
wurden die so genannten Regenwasserrigolen in Betrieb genommen, in denen das
Niederschlagswasser gesammelt wird.

Sanierungsbedürftige Belüftungsanlage der ehemaligen Großküche im
Hauptgebäude

66

Bautätigkeit
Heizkörper, vorzugsweise in den sichtbaren Bereichen, in ihrer originalen Form
wieder angebracht. 2008 wurden auch die
historischen Hofgangzellen des Haftkrankenhauses instandgesetzt. Außerdem
wurde mit der Generalüberholung des
Daches begonnen.

Instandsetzung der Heizkörper des Haftkrankenhauses, April 2007

Vor allem aber wurde das ehemalige Haftkrankenhaus nach jahrelangem Leerstand
und Verfall schrittweise instandgesetzt.
Im Frühjahr 2007 wurden zunächst die
Räume in den Dachgauben asbestsaniert,
undichte Stellen im Dach abgedichtet
sowie schadhafte Fenster erneuert. Anschließend wurde die Heizung instandgesetzt. Diese war mehr als 15 Jahre außer
Betrieb, so dass im Winter aufgeplatzte
Heizkörper bereits erhebliche Schäden
verursacht hatten. Zum Erhalt des ursprünglichen Erscheinungsbildes wurden
die defekten Heizkörper nicht einfach
durch neue ersetzt, sondern einzeln demontiert, gespült und wieder zusammengesetzt. Sodann wurden die historischen

Ungelöst blieb im Berichtszeitraum der Erhalt der historischen Innenflächen im Neubau. Wegen der schlechten klimatischen
Bedingungen im Innern des Gebäudes
(große Temperaturschwankungen, Feuchtigkeitseintrag von draußen und durch die
Besucher) lösen sich dort die Tapeten und
Wandanstriche. Eine Sanierung dieser
Flächen macht aber erst dann Sinn, wenn
die Heizung wieder vollständig instandgesetzt wurde, was für 2010 vorgesehen ist.

Abdichtung der Fundamente des Altbaus,
Januar 2007

67

Spendenbox der Gedenkstätte:
Mehr als 200 000 Euro konnte die
Stiftung 2007 und 2008 sammeln

Haushalt
Die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen ist eine selbstständige Stiftung
öffentlichen Rechts des Landes Berlin
und gehört zum Kreis der so genannten
institutionellen Zuwendungsempfänger.
Das bedeutet, dass sie zur Erfüllung ihrer
gesetzlichen Aufgaben eine regelmäßige
staatliche Unterstützung aus dem Berliner
Landeshaushalt erhält, an deren Finanzierung sich die Bundesregierung mit bis
zu 50 Prozent beteiligt. Auf Landesseite
ressortiert die Stiftung beim für kulturelle Angelegenheiten zuständigen Mitglied
des Berliner Senats (im Berichtszeitraum
der Regierende Bürgermeister, vertreten
durch den Staatssekretär für Kultur André
Schmitz), auf Bundesseite beim Beauftragten der Bundesregierung für Kultur
und Medien (Staatsminister Bernd Neumann).
Der Haushalt der Stiftung muss jährlich
nach den haushaltsrechtlichen Bestimmungen der Zuwendungsgeber aufgestellt werden. Das bedeutet, dass die
Gedenkstätte wie eine öffentliche Einrichtung nach kameralistischen Grundsätzen wirtschaftet. Der Haushalt muss

ausgeglichen sein, überplanmäßige und
außerplanmäßige Ausgaben bedürfen
der Einwilligung der Zuwendungsgeber.
Überschüsse müssen, soweit sie nicht
übertragen werden können, zurückgegeben werden. Temporäre Haushaltssperren
führen zum vorübergehenden Stopp aller
nicht gesetzlich vorgeschriebenen Ausgaben. Gemäß Stiftungsgesetz wird die
Rechnungslegung der Stiftung jährlich von
einem Wirtschaftsprüfer geprüft. Darüber
hinaus haben Landes- und Bundesrechnungshof ein Prüfungsrecht. Die erheblichen Kosten für die Baumaßnahmen sind
nicht bei der Stiftung etatisiert, sondern
bei der Berliner Senatsverwaltung für
Stadtentwicklung, weshalb sie in diesem
Bericht keine Berücksichtigung finden.
Seit Gründung der Stiftung im Jahr 2000
betrugen die jährlichen Zuwendungen gut
eine Million Euro. Im Gegensatz dazu sind
die Ausgaben – wie bereits in den vorangegangenen Jahren – im Berichtszeitraum
stark gestiegen. Der größte Teil entfiel auf
die Personalkosten, die von rund 940 000
Euro (2006) auf über 1,19 Millionen Euro
(2008) stiegen. Hauptursache war die

68

Haushalt
gestiegene Zahl an Besuchern, die zu einem starken Anstieg der Kosten für den
Besucherdienst und für die Honorare der
Besucherreferenten führte (in Anlehnung
an die Honorarordnung des Landes Berlin
wurden die Referenten mit einem Stundensatz von rund 26 Euro honoriert). So
erhöhten sich allein die Führungshonorare
im Berichtszeitraum um fast 150 000 Euro
oder 45 Prozent – von 329 000 Euro im Jahr
2006 auf 478 000 Euro im Jahr 2008 (siehe
Abbildung 8). Auch die Bewirtschaftungskosten für das ausgedehnte Gelände
stiegen um 87 000 Euro oder 46 Prozent
– von knapp 190 000 Euro (2006) auf
277 000 Euro (2008) (siehe Abbildung 9).
Insgesamt erhöhten sich die Ausgaben
der Stiftung von 1,39 (2006) auf fast 1,7
Millionen Euro (2008). Den Kostenanstieg hat die Gedenkstätte durch eigene
Anstrengungen und Ausgabenkürzungen
in anderen Bereichen ganz allein bewältigt. Für 2009 und 2010 haben die Zuwendungsgeber jedoch erfreulicherweise
eine Aufstockung der Mittel vereinbart.
2007 geriet die Gedenkstätte, nach einer Phase der wirtschaftlichen Konsolidierung, durch den Kostenanstieg in
eine große finanzielle Schieflage. Allein
binnen eines Jahres waren die Honorare der Besucherreferenten um fast 100
000 Euro gestiegen – von knapp 330
000 Euro (2006) auf über 420 000 Euro
(2007). Schon Mitte 2007 zeichnete sich
deshalb ein Finanzdefizit von ca. 30 000
Euro ab. Ohne den Einsatz eines Einführungsfilms anstelle des früher üb-

Abb. 8: Die Honorarkosten für
Führungen stiegen zwischen 2006
und 2008 um 45 Prozent

lichen Einführungsvortrags wären die
Mehrausgaben noch viel höher gewesen.
Die Mehrkosten konnten auch durch
Mehreinnahmen – insbesondere aus
Spenden und dem Besucherentgelt von
drei Euro pro Erwachsenen (ermäßigt:
1,50 Euro) – zunächst nicht aufgefangen
werden. So stiegen die Spendeneinnahmen von 48 000 Euro (2006) auf über
85 000 Euro (2007). Auch die Einnahmen aus dem Besucherentgelt erhöhten
sich von 193 000 Euro (2006) auf fast
223 000 Euro (2007). Doch am Jahresende
blieb immer noch ein Negativbetrag von
112 000 Euro, für den vor allem die kostenlosen Führungen für die mehr als
80 000 Schüler verantwortlich waren.
Die Gedenkstätte musste deshalb in der
zweiten Jahreshälfte 2007 alle nicht unbedingt notwendigen Ausgabevorhaben
stoppen. Zur Behebung der Finanznot
beschloss der Stiftungsrat im September,
das Besucherentgelt von drei auf vier Euro
pro Erwachsenen (ermäßigt zwei Euro) zu
erhöhen. Nur so gelang es, doch noch einen ausgeglichenen Haushalt und sogar
einen leichten Überschuss zu erzielen.
Insgesamt wurden im Haushaltsjahr 2007,
einschließlich des kassenmäßigen Überschusses des Vorjahres, Einnahmen von
1 478 039 Euro erzielt. 1 092 250 Euro
waren davon Zuwendungen des Bundes
und des Landes Berlin. Der Bund beteiligte sich mit 570 000 Euro an den Kosten,
zuzüglich einer Sonderzahlung von 2250

Haushalt

69

Abb. 9: Die Bewirtschaftungskosten
nahmen zwischen 2006 und 2008
um 46 Prozent zu

Euro. Das Land zahlte 520 000 Euro und
ordnete zwei Lehrer zu jeweils 50 Prozent
ihrer Arbeitszeit an die Gedenkstätte ab.
Dadurch steuerten beide Zuwendungsgeber in etwa denselben Betrag bei.
Die Gedenkstätte erwirtschaftete 385 788
Euro durch Besucherentgelte, Spenden,
Mieteinnahmen, Erlöse aus Veröffentlichungen und Drehgenehmigungsgebühren. Das bedeutet, dass 2007 mehr als
ein Viertel der Haushaltseinnahmen – 26
Prozent – durch die Gedenkstätte selbst
beigebracht wurde.
Unberücksichtigt in den Haushaltszahlen
sind materielle Unterstützungsleistungen, die nicht zu Geldzahlungen an die
Gedenkstätte führten, insbesondere die
zwei erwähnten Berliner Lehrer, mehrere
kostenlose MAE-Kräfte sowie verschiedene unbezahlte Praktikanten. Der Förderverein „Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen“ unterstützte zudem auf direktem
Wege mehrere Schülerseminare und ein
Buch über den Schriftsteller Jürgen Fuchs
(siehe Publikationen) durch ein Honorar an
den Autor, so dass diese Zahlungen nicht
in den Büchern der Gedenkstätte Niederschlag fanden.
Den Einnahmen standen 2007 Ausgaben
von 1 458 877,35 Euro gegenüber. Den
größten Posten bildeten mit gut einer Million Euro die Personalausgaben. An zweiter Stelle standen mit rund 220 000 Euro
die Bewirtschaftungskosten für Grundstück und Gebäude. Die sächlichen Ver-

waltungsausgaben betrugen 115 000
Euro, die Zweckausgaben gut 60 000
Euro. 10 000 Euro wurden im Zusammenhang mit Spenden und zweckgebundenen
Zuschüssen
verausgabt (siehe Abbildung 10). Insgesamt
ergab sich somit zum Jahresende ein
kassenmäßiges Gesamtergebnis von plus
19 161,55 Euro. Der Überschuss konnte
in das Folgejahr übertragen werden, da er
aus nicht ausgegebenen zweckgebundenen Spenden resultierte.
Im Haushaltsjahr 2008 setzte sich der
Kostenanstieg im Bereich der Führungen
weiter fort. So erhöhten sich die Ausgaben für die Honorare der Besucherreferenten von 423 000 Euro (2007) auf
478 000 Euro (2008), was einem weiteren Anstieg von über 50 000 Euro oder
13 Prozent entsprach. Noch stärker erhöhten sich in diesem Jahr die Bewirtschaftungskosten, was vor allem eine Folge
der Inbetriebnahme der Heizung im Haftkrankenhaus sowie der stark gestiegenen
Energiepreise war. Die Bewirtschaftungskosten nahmen um fast 60 000 Euro oder
26 Prozent von 219 000 Euro (2007) auf
277 000 Euro (2008) zu (siehe Abbildung
11). Die Gesamtausgaben der Stiftung in
2008 lagen deshalb am Ende bei knapp
1,7 Millionen Euro.
Zum Glück stiegen durch die 2007 beschlossene Anhebung des Unkostenbeitrages für die Führungen – und den
Anstieg der Besucherzahlen – auch die

70

Haushalt
Einnahmen aus den Führungsentgelten.
Sie erhöhten sich um mehr als 100 000
Euro von gut 222 000 Euro (2007) auf
über 327 000 Euro (2008). Dadurch konnte die Kostenexplosion durch den Erfolg
der Gedenkstätte wenigstens teilweise
aufgefangen werden. Aufgrund des erhöhten Besucherentgeltes sanken die
Nettokosten für die Führungen (Referentenhonorare abzüglich Eintrittsgeld) von
200 000 Euro im Jahr 2007 auf 150 000
Euro im Jahr 2008. Die wachsende Zahl
kostenlos geführter Schüler belastete jedoch – trotz Quersubventionierung durch
die erwachsenen Besucher – weiterhin
massiv den Stiftungshaushalt.
Die Mehrausgaben in 2008 wurden von
der Gedenkstätte vollständig allein finanziert. Sie steigerte ihre Eigeneinnahmen um mehr als 197 000 Euro – von
385 788 Euro (2007) auf 583 000 Euro
(2008). 327 000 Euro entfielen auf das Besucherentgelt, 114 000 Euro auf Spenden,
141 000 Euro aus sonstigen Einnahmen,
insbesondere aus Buchverkäufen, Drehgebühren, Vermietungen und Projekten.
Die Gedenkstätte erwirtschaftete damit
2008 ein Drittel ihrer Haushaltsmittel
(1,87 Millionen Euro) selbst. Aus dem
Haushalt der Bundesrepublik Deutschland
erhielt die Stiftung unverändert 570 000
Euro, aus dem Berliner Landeshaushalt
520 000 Euro, zuzüglich der erwähnten
Abordnung zweier Lehrer im Wert von ca.
50 000 Euro (nicht bei der Gedenkstätte
etatisiert).
2008 flossen in den Haushalt der Stiftung
erstmals auch die von Bund und Land zur
Verfügung gestellten Projektmittel für die
Dauerausstellung. Nach Zahlung der ersten Rate erhöhten sich dadurch die Zuwendungen des Landes Berlin in 2008 um
200 000 Euro. Die Gesamteinnahmen der
Stiftung betrugen deshalb gut 1 873 000
Euro. Da die Projektgruppe für die Dauerausstellung erst im Januar 2009 komplett
war, wurden die Projektmittel aber teilweise nicht verausgabt, sondern auf das
Folgejahr übertragen. Die zahlenmäßige
Entwicklung des Haushalts im Berichtszeitraum zeigen die folgenden Tabellen.

Haushaltsjahr 2007
Einnahmen
Zuwendung Bund
Zuwendung Land
Besuchergruppenerlöse
Spenden
Sonstige
Summe

Euro
572.250,00
520.000,00
222.810,44
85.673,59
77.304,87
1.478.038,90

Ausgaben
1.053.848,33
Personalausgaben
423.532,60)
(dav. Führungshonorare
Sächliche
115.518,45
Verwaltungsausgaben
60.387,40
Zweckausgaben
Sonst. Bewirtschaftungskosten für Grundstück
219.084,73
und Gebäude
Ausgaben im Zusammenhang mit Spenden und
zweckgeb. Zuwendungen
bzw. zu Rücklagen
10.038,44
1.458.877,35
Summe
übertragbarer Haushaltsrest

19.161,55

Abb. 10:	 Verteilung der Ausgaben 2007

Haushalt
Haushaltsjahr 2008
Einnahmen
Zuwendung Bund
Zuwendung Land
Besuchergruppenerlöse
Spenden
Sonstige
Summe

Euro
570.000,00
720.000,00
327.584,50
114.532,57
141.347,59
1.873.464,66

Ausgaben
1.191.617,09
Personalausgaben
478.498,10)
(dav. Führungshonorare
Sächliche
179.161,43
Verwaltungsausgaben
29.647,95
Zweckausgaben
Sonst. Bewirtschaftungskosten für Grundstück
277.492,04
und Gebäude
Ausgaben im Zusammenhang mit Spenden und
zweckgeb. Zuwendungen
bzw. zu Rücklagen
11.928,02
1.689.846,53
Summe
übertragbarer Haushaltsrest

183.618,13

Abb. 11:	 Verteilung der Ausgaben 2008

71

72

Personal
Die Personalsituation der Gedenkstätte
gestaltete sich im Berichtszeitraum zunehmend angespannt. Der große Besucherandrang sowie eine wachsende Zahl
von Anfragen führten zu einer erheblichen
Mehrbelastung der Mitarbeiter. Obwohl
sich die Zahl der Besucher seit Gründung der Stiftung im Jahr 2000 beinahe
vervierfacht hat, hat sich der Stellenplan
seitdem nicht verändert. Die Gedenkstätte verfügt danach über einen Personalbestand von zwölf Planstellen. Neben dem
Direktor gehören dazu eine wissenschaftliche Mitarbeiterin, ein Referent für politische Bildung, ein Verwaltungsleiter, eine
wissenschaftliche Assistentin und sieben
niedriger eingruppierte Beschäftigte. Diese kommen vor allem in der Besucherbetreuung und in der (Gebäude-)Verwaltung
zum Einsatz.
Der Stellenplan der Gedenkstätte gestaltete sich wie folgt:
Stellenanzahl Funktion
1
1
1
1
1
1
1
1
1
3
12

Wissenschaftlicher Direktor
Verwaltungsleiter
wissenschaftliche Mitarbeiterin
Referent für politische Bildungsarbeit
Fremdsprachensekretärin
Personal- und Haushaltssachbearbeiterin
wissenschaftliche Assistentin
Mitarbeiter für Bibliothek/Archiv/Öffentlichkeitsarbeit
Hausmeister/Handwerker
Mitarbeiter im Besucherdienst
Gesamt

Die zwölf fest angestellten Mitarbeiter der
Stiftung konnten im Berichtszeitraum nur
die Grundfunktionen der Gedenkstättenarbeit wie Besucherdienst, Verwaltung,
Hausorganisation, politische Bildung, Zeitzeugenbüro, Öffentlichkeitsarbeit, Ausstellungsbetreuung und Sammlungen abdecken. Wichtige Arbeitsbereiche – zum
Beispiel die Beziehungen zu vergleichba-

ren Gedenkstätten in Europa, die Erarbeitung eigener Wechselausstellungen
oder die systematische Erforschung des
Haftortes Hohenschönhausen – konnten
leider nicht mit der gebotenen Intensität
entwickelt werden. Durch die begrenzte
Personaldecke wurden die Mitarbeiter
im Berichtszeitraum zudem oftmals über
Gebühr belastet. Bei der Stelle „Mitarbeiter für Bibliothek/Archiv/Öffentlichkeitsarbeit“ gab es 2008 einen Personalwechsel.
Im Oktober 2007 wurde an der Gedenkstätte auch ein Personalrat gebildet
Zur Unterstützung der pädagogischen Arbeit ordnete das Land Berlin 2007/2008
erfreulicherweise erneut zwei Lehrer mit
50 Prozent ihrer Arbeitskraft an die Gedenkstätte ab. Diese führten vor allem Seminare und Projektage für Schüler durch
(siehe Gedenkstättenpädagogik). Darüber
hinaus erhielt die Stiftung Mittel für eine
halbe Stelle, die mit einem Historiker besetzt wurde. Mit Projektmitteln der EU
konnte ab Oktober 2008 zudem eine Mitarbeiterin für ein Jahr befristet eingestellt
werden, um Zeitzeugeninterviews auszuwerten (siehe Forschung).
Um ihre personellen Ressourcen zu vergrößern, hat die Stiftung im Berichtszeitraum eine Reihe von Hilfsmaßnahmen
ergriffen. So hat sie aus zwei Vollzeitstellen drei Teilzeitstellen gemacht, wodurch
eine zusätzliche Mitarbeiterin im Ausstellungsbereich beschäftigt werden konnte;
ab April 2008 wechselte diese in die neu
geschaffene Arbeitsgruppe Dauerausstellung. Die Stiftung bemühte sich zudem
bei Berliner Beschäftigungsgesellschaften
um Mitarbeiter auf der Basis so genannter Ein-Euro-Jobs. Im Berichtszeitraum
konnten dadurch zeitweise zwei zusätzliche Kräfte für Hilfsarbeiten eingesetzt
werden. Darüber hinaus war eine Reihe
von Praktikanten, teilweise für einen längeren Zeitraum, in der Regel kostenlos
für die Gedenkstätte tätig. Eine wichtige Unterstützung bei technischen Arbeiten stellte die vor einigen Jahren geschaffene Zivildienststelle dar, die für die

Personal
Gedenkstätte allerdings auch mit Kosten
verbunden ist.
Um den Arbeitsanfall bewältigen zu können, waren noch zahlreiche weitere Kräfte
erforderlich. Allein im Bereich der Führungen beschäftigte die Gedenkstätte ungefähr 45 Besucherreferenten auf Honorarbasis. Im Besucherdienst waren zudem
über zehn studentische Hilfskräfte eingesetzt, um an sieben Tagen in der Woche
von 9 bis 18 Uhr für einen reibungslosen
Besucherbetrieb zu sorgen. In der Haustechnik waren mehrere Aushilfskräfte auf
der Basis einer geringfügigen Beschäftigung (400-Euro-Job) tätig. Alle diese
Mitarbeiter mussten inhaltlich und verwaltungstechnisch von der Gedenkstätte
betreut werden.
Ein Teil der anfallenden Arbeiten musste
auch an Fremdfirmen vergeben werden.
So liegen der Großteil der Gartenarbeiten
und der Schneebeseitigung sowie sämtliche Reinigungsarbeiten in der ehemaligen
Gefängnisanlage in den Händen externer
Firmen. In den besucherstarken Monaten
wurde außerdem eine Sicherheitsfirma
beauftragt, einen Wachmann bereit zu
stellen, um der Gefahr des Vandalismus
entgegenzuwirken. Auch die nächtliche
Bewachung des Geländes übernahm
eine Firma. Ein Teil der Aufgaben des
Besucherdienstes konnte zudem an ein
Fremdunternehmen ehemaliger Studenten ausgelagert werden. Ein Teil der
Zeitzeugeninterviews wurde von einem
freien Mitarbeiter durchgeführt (siehe
Forschung).
Für die Erarbeitung der Dauerausstel
lung wurde 2008 mit dem Aufbau einer
Projektgruppe begonnen. Das ehrgeizige
Projekt ist für die Gedenkstätte mit erheblichem zusätzlichen Arbeitsaufwand
verbunden. Für die Objektrecherche wurde im April 2008 eine Museologin befristet eingestellt. Für die inhaltliche Planung
nahm im Oktober eine ausstellungserfahrene Historikerin ihre Arbeit auf. Ein weiterer Ausstellungsmacher stieß im Januar
2009 zu dem Team. Als Berater fungierte der ehemalige Präsident der Stiftung
Haus der Geschichte, Hermann Schäfer

(siehe Ausstellungen). Die Finanzierung
dieses Personals und weiterer erforderlicher Werkverträge erfolgte über die von
Bund und Land zur Verfügung gestellten
Projektmittel (siehe Haushalt).

73

74

Stiftungsorgane
Gesetzliche Organe der Stiftung sind der
Stiftungsrat, der Vorstand und der Beirat.

Ingeborg Berggreen-Merkel, Ministerialdirektorin beim Bundesbeauftragten für Kultur und Medien

Hasso Lieber, Staatssekretär in
der Berliner Senatsverwaltung für
Justiz

Der Stiftungsrat beschließt alle Angelegenheiten von grundsätzlicher oder besonderer Bedeutung und den Haushaltsplan. Vorsitzender ist laut Gesetz das für
kulturelle Angelegenheiten zuständige
Mitglied des Berliner Senats. Im Berichtszeitraum war dies der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, der
diese Funktion an den Staatssekretär für
Kultur, André Schmitz, übertrug. Darüber
hinaus gehören dem Stiftungsrat an: ein
Vertreter der Berliner Senatsverwaltung
für Justiz, ein Vertreter des für Angelegenheiten der Kultur zuständigen Mitglieds
des Bundesregierung sowie der Vorsitzende und ein weiteres Mitglied des Beirats der Stiftung. Durch die Konstituierung
eines neuen Berliner Senats nach den
Abgeordnetenhauswahlen 2006, die Berufung eines neuen Beirats im März 2007
sowie personelle Veränderungen beim
Beauftragten der Bundesregierung für
Kultur und Medien und bei der Senatsverwaltung für Justiz änderte sich die Zusammensetzung des Gremiums gegenüber
dem 3. Tätigkeitsbericht vollständig. Kulturstaatsminister Bernd Neumann wurde
durch Ministerialdirektorin Ingeborg Berggreen-Merkel vertreten, die Berliner Justizverwaltung durch Justizstaatssekretär
Hasso Lieber. Ferner gehörten dem Stiftungsrat der MDR-Redakteur Jörg Kürschner (Beiratsvorsitzender) und die Leiterin
der Gedenkstätte Bautzen, Silke Klewin,
an (siehe Anhang: Gremienmitglieder).
Der Vorstand ist der Direktor der Gedenkstätte und wird vom Stiftungsrat bestellt.
Er führt die laufenden Geschäfte der Stiftung und ist dabei an die Beschlüsse und
Weisungen des Stiftungsrats gebunden.
Seit Dezember 2000 ist das der Historiker
Hubertus Knabe.

Silke Klewin, Leiterin der Gedenkstätte Bautzen

Der Beirat berät den Stiftungsrat sowie den
Vorstand in allen inhaltlichen und gestalterischen Fragen. Ihm gehören Vertreter von
Gedenkstätten, Einrichtungen, Gruppen

und Initiativen, Wissenschaftler sowie
sonstige qualifizierte Persönlichkeiten an,
die mit dem Stiftungszweck befasst sind.
Die Mitglieder werden vom Vorsitzenden
des Stiftungsrats im Einvernehmen mit
dem für Angelegenheiten der Kultur zuständigen Mitglied der Bundesregierung
für die Dauer von jeweils drei Jahren berufen. Im März 2007 wurde ein neuer Beirat
nominiert (siehe Anhang: Gremienmitglieder).

Förderverein
Zur Unterstützung der Stiftung gründeten
Ende 2003 Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens den „Förderverein Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen“. Zu den
19 Gründungsmitgliedern zählte unter anderem Bundeskanzler a. D. Helmut Kohl
(CDU), der frühere Bundeswirtschaftminister Michael Glos (CSU), der langjährige SPD-Bundestagsabgeordnete Stephan
Hilsberg, Bundestagsvizepräsident Hermann Otto Solms (FDP) sowie der Bundestagsabgeordnete Wolfgang Wieland
(Bündnis 90/Die Grünen). Vorsitzender des
als gemeinnützig anerkannten Vereins ist
der MDR-Parlamentskorrespondent Jörg
Kürschner, der selbst in Hohenschönhausen inhaftiert war.
Der Verein hat im Berichtszeitraum zahlreiche Projekte der Stiftung finanziell unterstützt. Dazu gehörte etwa die Förderung von mehreren Schülerwettbewerben
und Schülerseminaren, die von der Pädagogischen Arbeitsstelle der Gedenkstätte durchgeführt wurden. Er unterstützte
auch die Inszenierung des Theaterstücks
„Akte R“, das exemplarisch den Lebensweg eines früheren HohenschönhausenHäftlings nachzeichnete und sich besonders an Jugendliche wandte (siehe
Veranstaltungen). Gefördert wurde auch
die Herausgabe einer Biographie über den
Schriftsteller und einstigen Hohenschönhausen-Häftling Jürgen Fuchs (siehe Publikationen).

75

Förderverein
Höhepunkt der Vereinsaktivitäten war
2008 die erstmalige Verleihung des „Hohenschönhausen-Preises“. Die Auszeichnung ging an den Schriftsteller Joachim
Walther, der sich durch seine jahrelangen
Forschungen über die Einflussnahme des
Staatssicherheitsdienstes auf den DDRLiteraturbetrieb in besonderer Weise um
die Aufarbeitung der SED-Diktatur verdient gemacht hat. Durch das von ihm
und der Publizistin Ines Geipel initiierte
„Archiv der unterdrückten Literatur in der
DDR“ hat er maßgeblich dafür gesorgt,
dass zahlreiche literarische Texte, die
in der DDR nicht veröffentlicht werden
durften, erstmals für die Öffentlichkeit
zugänglich wurden. Sein Engagement
erfolgte dabei ohne jeden institutionellen
Hintergrund. Die Preisverleihung fand in
Anwesenheit zahlreicher Politiker in der
Berliner Landesvertretung des Saarlands
statt, Festredner war Bundesminister a.D.
Klaus von Dohnanyi.
Der ehrenamtlich tätige Förderverein hat
sich auch dafür engagiert, das Anliegen
der Gedenkstätte weiter bekannt zu machen. Über seine Arbeit informiert er mit
einer eigenen Website (www.foerderverein-hsh.de). Mehrfach beteiligte er sich
auch mit Informationsständen an Veranstaltungen wie der „Langen Nacht der
Museen“ oder dem „Tag der offenen Tür“
der Bundesregierung. Darüber hinaus präsentierte er die Gedenkstätte und seine
Arbeit in Wahlkreisen von Bundestagsabgeordneten, die dem Verein angehören.
Vereinsmitglieder nahmen auch an der
jährlichen Gedenkfeier für die Toten des
sowjetischen Speziallagers Nr. 3 in Hohenschönhausen teil.
In besonderer Weise trug der politisch
gut vernetzte Verein dazu bei, Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens auf die
Arbeit der Gedenkstätte aufmerksam zu
machen. Immer wieder motivierte insbesondere sein Vorsitzender Jörg Kürschner
führende Politiker, das ehemalige MfSGefängnis zu besuchen. Bei Besuchen
von Bundesministern und Abgeordneten
des Deutschen Bundestages und verschiedener Landtage beteiligte er sich
oft selbst an der Führung. Viele Entschei-

Joachim Walther (M.), Preisträger des „Hohenschönhausen-Preises“ mit dem Vorsitzenden
von Förderverein und Beirat, Jörg Kürschner (r.), und Gedenkstättendirektor
Hubertus Knabe, November 2008

dungsträger traten daraufhin dem Verein
bei oder unterstützten seine Arbeit durch
eine Spende. Inzwischen gehören dem
Verein 138 Mitglieder an.
Aufgrund seiner gewachsenen Bedeutung
und der steigenden Zahl seiner Mitglieder gibt der Förderverein seit Ende 2005
vierteljährlich ein eigenes „Nachrichteninfo“ heraus. Es informiert Mitglieder und
Freunde des Vereins über die Arbeit der
Gedenkstätte und des Vereinsvorstands.
Das Heft mit einem Umfang von bis zu
28 Seiten erscheint in einer Druckauflage
von 500 Exemplaren; elektronisch wird es
zusätzlich an 700 Einzelpersonen und Institutionen verschickt. Das „Nachrichteninfo“ liegt auch in der Buchhandlung der
Gedenkstätte aus und ist dort gegen eine
Spende zu erhalten. Zur Herstellung der
Hefte arbeitet der Vorstand mit einer Grafikerin und einer Grafikdesignerin zusammen, die auch die Website des Vereins betreuen. Einmal im Jahr lädt der Vorstand
Mitglieder und Freunde des Vereins zu einem informellen Treffen ein, um in ungezwungener Atmosphäre aktuelle Themen
der Arbeit zu besprechen.

Logo des Fördervereins „Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen“

Spendenkonto:
Berliner Sparkasse
BLZ 100 500 00
Kto.-Nr. 730 014 193

76

Anhang
Chronologie
7. März 2007
Die DDR feiert Geburtstag und ich werde Kartoffelschäler
Lesung und Diskussion mit Dr. Anatol Rosenbaum
22. März 2007
Polizeimajor Karl Heinrich. NS-Gegner
und Anti-Kommunist
Buchvorstellung in der Polizeihistorischen
Sammlung mit dem Berliner Polizeipräsidenten Dieter Glietsch
24. März 2007
Gefangen und freigetauscht. 1197 Tage
als Fluchthelfer in der DDR-Haft
Buchvorstellung in der Runden Ecke Leipzig mit Dr. Matthias Bath im Rahmen von
„Leipzig liest“
28. März 2007
Inhaftiert in Hohenschönhausen. Zeugnisse politischer Verfolgung 1945-1989
Eröffnung des Info-Centers in der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen
18. April 2007
Zuchthaus Brandenburg. Politische
Häftlinge im Strafvollzug der DDR
Vortrag und Diskussion mit Dr. Leonore
Ansorg
31. Mai 2007
Gefangen in Hohenschönhausen. Stasi-Häftlinge berichten
Buchvorstellung und Diskussion in der
Landesvertretung des Freistaats Thüringen beim Bund
25. August 2007
21. Lange Nacht der Museen
Lesungen, Sonderführungen und Filmvorführungen

27. August 2007
Jürgen Fuchs. Ein literarischer Weg in
die Opposition
Buchvorstellung und Lesung in der Landesvertretung des Freistaats Thüringen
beim Bund mit Udo Scheer
8. und 9. September 2007
Tag des offenen Denkmals
Sonderführungen und Vortrag
24. Oktober 2007
Gedenkfeier für die Toten des sowjetischen Speziallagers
Kranzniederlegung am DenkOrt auf dem
Friedhof Gärtnerstraße (in Kooperation
mit dem Bezirk Lichtenberg)
30. November 2007
Ganz normale Helden. Einzelschicksale
inhaftierter Oppositioneller in der DDR
und der Volksrepublik Polen zu Zeiten
des Kalten Krieges
Ausstellungseröffnung
5. Dezember 2007
Täter ohne Reue? Die SED-Diktatur vor
Gericht
Lesung und Diskussion mit Roman Grafe
und Staatsanwalt Dr. Bernhard Jahntz
6. Februar 2008
Drei Sieben Fünf
Buchpremiere und Lesung mit Marc Buhl
(in Kooperation mit dem Eichborn Verlag)
21. Februar 2008
Russland vor der Wahl. Menschenrechte und politische Gefangene unter Putin
Diskussion mit Marieluise Beck, Peter
Franck, Jelena Liptser und Günter Nooke
(in Kooperation mit dem Deutschlandfunk)
30. April 2008
Gegen den Strom – Das Jahr 1968 in
der DDR
Filmvorführung und Podiumsgespräch

Anhang
8. Mai 2008
Antifaschisten in „antifaschistischer“
Gewalt
Vortrag und Diskussion mit Dr. Günter Fippel
3. Juni 2008
Bilder einer Seele. Fotografien von
Matthias Melster
Ausstellungseröffnung im Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg mit Justizsenatorin Gisela von der Aue
11. Juni 2008
Mielke und das runde Leder. Fußball in
der DDR
Podiumsdiskussion in der Vertretung des
Freistaats Thüringen beim Bund anlässlich
der Fußball-Europameisterschaft
28. August 2008
23. Lange Nacht der Museen
Filme und Sonderführungen
13. und 14. September 2008
Tag des offenen Denkmals
Sonderführungen durch das Haftkrankenhaus
17. September 2008
Die Fluchttunnel von Berlin
Buchvorstellung mit Dietmar Arnold und
Sven Felix Kellerhoff in der Vertretung des
Freistaats Thüringen beim Bund (in Kooperation mit dem Propyläen Verlag)
27. September 2008
Freiheit wird volljährig
Schülerpressekonferenz
1. und 2. Oktober 2008
1. Hohenschönhausen-Forum: Nach
dem Ende des Kommunismus. Die Weitergabe von Diktaturerfahrungen an
die junge Generation
Internationale Tagung (in Kooperation mit
der Konrad-Adenauer-Stiftung und dem
rbb-Inforadio)

18. Oktober 2008
Staats-Sicherheiten – 15 Schicksale
aus dem Gefängnis
Premiere des Theaterstücks von Lea Rosh
und Renate Kreibich-Fischer am Potsdamer Hans-Otto-Theater
24. Oktober 2008
Gedenkfeier für die Opfer des sowjetischen Speziallagers
Kranzniederlegung am DenkOrt auf dem
Friedhof Gärtnerstraße (in Kooperation
mit dem Bezirk Lichtenberg)
10.,11. und 12. Dezember 2008
Akte R – ein deutsch-deutscher Krimi
Theaterstück von Mirko Böttcher nach
dem Leben von Mario Röllig (in Kooperation mit dem Theater Strahl)

77

78

Anhang
Stiftungsgesetz
Gesetz
über
die
Errichtung
der
Stiftung „Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen“ vom 21. Juni 2000
§ 1 Errichtung
Unter dem Namen „Gedenkstätte BerlinHohenschönhausen“ wird eine rechtsfähige Stiftung des öffentlichen Rechts mit
Sitz in Berlin errichtet. Die Stiftung entsteht mit dem Inkrafttreten dieses Gesetzes.
§ 2 Aufgaben und Zweck der Stiftung
(1) Zweck der Stiftung ist es, in der Gedenkstätte, die zugleich die Funktion
eines Dokumentations- und Begegnungszentrums hat, die Geschichte der
Haftanstalt Hohenschönhausen in den
Jahren 1945 bis 1989 zu erforschen, über
Ausstellungen, Veranstaltungen und Publikationen zu informieren und zur Auseinandersetzung mit den Formen und Folgen
politischer Verfolgung und Unterdrückung
in der kommunistischen Diktatur anzuregen. Am Beispiel dieses Gefängnisses ist
zugleich über das System der politischen
Justiz in der Deutschen Demokratischen
Republik zu informieren. Die Stiftung soll
das Land Berlin in allen einschlägigen Angelegenheiten beraten und unterstützen.
(2) Die Stiftung verfolgt ausschließlich und
unmittelbar gemeinnützige Zwecke im
Sinne des Abschnitts „Steuerbegünstigte
Zwecke“ der Abgabenordnung.
(3) Näheres regelt die Satzung.
§ 3 Stiftungsvermögen
(1) Die vom Land Berlin für die Stiftung
„Gedenkstätte
Berlin-Hohenschönhausen“ erworbenen beweglichen und unbeweglichen Vermögensgegenstände werden auf die Stiftung übertragen.
(2) Der Stiftung werden zur Wahrnehmung des in § 2 genannten Zwecks die
Grundstücke und Gebäude in der ehemaligen Untersuchungshaftanstalt Hohenschönhausen, Genslerstraße 66 einschließlich ihres Inventars zur Nutzung
überlassen, und zwar unentgeltlich bis
zur Einführung einer generellen Vergütungsregelung für die Nutzung landeseigener Flächen. Die Stiftung ist verpflich-

tet, die Nutzung dieser Gebäude und
Grundstücke aufzugeben, wenn sie diese
für ihre Aufgaben nicht mehr benötigt.
(3) Zur Erfüllung des Stiftungszwecks erhält die Stiftung einen jährlichen Zuschuss
des Bundes und des Landes Berlin nach
Maßgabe des jeweiligen Bundes- und
Landeshaushalts.
(4) Die Mittel der Stiftung sind nur im Sinne des Stiftungszwecks zu verwenden.
Die Stiftung ist selbstlos tätig; sie verfolgt
nicht in erster Linie eigenwirtschaftliche
Zwecke. Es darf keine Person durch Ausgaben, die dem Zweck der Stiftung fremd
sind, oder durch unverhältnismäßig hohe
Vergütungen begünstigt werden.
(5) Die Stiftung ist berechtigt, Zuwendungen von dritter Seite anzunehmen. Diese
Leistungen sind unter Berücksichtigung
etwaiger vom Zuwendungsgeber getroffener Zweckbestimmungen zur Erfüllung
des Stiftungszwecks zu verwenden.
(6) Bei ersatzloser Aufhebung oder bei
Wegfall des bisherigen Zwecks der durch
dieses Gesetz errichteten Stiftung fällt
deren Vermögen dem Land Berlin zu,
das es unmittelbar und ausschließlich für
gemeinnützige Zwecke im Sinne des Abschnitts „Steuerbegünstigte Zwecke“ der
Abgabenordnung und in einer dem Stiftungszweck möglichst nahe kommenden
Weise zu verwenden hat.
§ 4 Organe der Stiftung
(1) Die Organe der Stiftung sind
1. der Stiftungsrat,
2. der Vorstand und
3. der Beirat.
(2) Die ehrenamtlich tätigen Mitglieder
des Stiftungsrats und des Beirats haben
einen Anspruch auf die Erstattung von
Reisekosten und sonstigen Auslagen
nach den für die Berliner Verwaltung geltenden Bestimmungen.
§ 5 Stiftungsrat
(1) Der Stiftungsrat besteht aus fünf Mitgliedern. Ihm gehören an:
1. das für kulturelle Angelegenheiten zuständige Mitglied des Senats,
2. eine Vertreterin oder ein Vertreter der
Senatsverwaltung für Justiz,
3. eine Vertreterin oder ein Vertreter des
für Angelegenheiten der Kultur zustän-

Anhang
digen Mitglieds der Bundesregierung,
4. die oder der Vorsitzende des Beirats,
5. ein weiteres Mitglied des Beirats.
(2) Für jedes Mitglied ist für den Fall der
Verhinderung ein stellvertretendes Mitglied zu benennen. Das für kulturelle Angelegenheiten zuständige Mitglied des
Senats wird durch die Staatssekretärin
oder den Staatssekretär vertreten.
(3) Die entsendungsberechtigten Stellen
können jedes von ihnen entsandte Mitglied abberufen, sofern die Mitgliedschaft
nicht an eine bestimmte Funktion gebunden ist. Scheidet ein Mitglied oder ein
stellvertretendes Mitglied aus, so ist ein
neues Mitglied oder ein neues stellvertretendes Mitglied zu entsenden.
(4) Den Vorsitz führt das für kulturelle Angelegenheiten zuständige Mitglied des
Senats. Jedes Mitglied hat eine Stimme
im Stiftungsrat. Im Falle der Verhinderung
kann die Stimmausübung einem anderen Mitglied des Stiftungsrats übertragen
werden. Der Stiftungsrat ist beschlussfähig, wenn mehr als die Hälfte seiner
Mitglieder anwesend ist. Er fasst seine
Beschlüsse mit einfacher Mehrheit. Die
Stimme der oder des Vorsitzenden gibt
bei Stimmengleichheit den Ausschlag.
(5) Der Stiftungsrat beschließt alle Angelegenheiten von grundsätzlicher oder besonderer Bedeutung sowie den Haushaltsplan.
(6) Die oder der Vorsitzende des Stiftungsrats hat das Recht, die Prozessführung
in Rechtsstreitigkeiten an sich zu ziehen. Der Stiftungsrat ist über anhängige
Rechtsstreitigkeiten unverzüglich zu unterrichten.
(7) Der Stiftungsrat ist Personalstelle und
Personalwirtschaftsstelle. Er kann diese
Befugnisse auf die Vorsitzende oder den
Vorsitzenden des Stiftungsrats übertragen. Personalstelle für den Vorstand ist
die oder der Vorsitzende des Stiftungsrats.
(8) Näheres regelt die Satzung.
§ 6 Vorstand
(1) Der Vorstand führt die laufenden Geschäfte der Stiftung. Er ist dabei an die
Beschlüsse und Weisungen des Stiftungsrats gebunden.
(2) Der Vorstand vertritt die Stiftung gerichtlich und außergerichtlich.
(3) Der Vorstand ist die Direktorin oder der

Direktor der Gedenkstätte. Sie oder er wird
vom Stiftungsrat bestellt und kann nicht
dessen Mitglied sein. Der Stiftungsrat bestimmt auch die Vertretung des Vorstands.
(4) Näheres regelt die Satzung.
§ 7 Beirat
(1) Der Beirat berät den Stiftungsrat sowie
den Vorstand in allen inhaltlichen und gestalterischen Fragen.
(2) Der Beirat besteht aus mindestens
zehn und höchstens 15 sachverständigen
Mitgliedern; die gleichberechtigte Teilhabe
von Frauen und Männern soll dabei sichergestellt werden. Ihm gehören an:
1. Vertreterinnen und Vertreter von Gedenkstätten,
2. Vertreterinnen und Vertreter von Einrichtungen, Gruppen und Initiativen, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlersowie
sonstige qualifizierte Persönlichkeiten, die
mit dem Stiftungszweck befasst sind.
(3) Die Mitglieder des Beirats werden von
der oder dem Vorsitzenden des Stiftungsrats im Einvernehmen mit dem für Angelegenheiten der Kultur zuständigen Mitglied der Bundesregierung für die Dauer
von drei Jahren berufen. Die Wiederberufung ist zulässig.
(4) Der Beirat wählt aus seiner Mitte eine
Vorsitzende oder einen Vorsitzenden sowie eine stellvertretende Vorsitzende
oder einen stellvertretenden Vorsitzenden. Er benennt das weitere Mitglied des
Stiftungsrats (§ 5 Abs. 1 Satz 2 Nr. 5).
(5) Näheres regelt die Satzung.
§ 8 Personal
Für die Stiftung ist die Anwendung des
Tarifrechts des öffentlichen Dienstes ausgeschlossen.
§ 9 Satzung
(1) Die Stiftung gibt sich eine Satzung, die
vom Stiftungsrat mit der einfachen Mehrheit seiner Mitglieder beschlossen wird.
Das Gleiche gilt für Änderungen der Satzung.
(2) Die Satzung trifft nähere Bestimmungen über Organisation und Verwaltung
der Stiftung.
§ 10 Berichterstattung
Der Vorstand legt alle zwei Jahre ei-

79

80

Anhang
nen öffentlich zugänglichen Bericht über
die Tätigkeit der Stiftung vor.

Gremienmitglieder
(Stand: 31. Dezember 2008)

§ 11 Aufsicht, Rechnungsprüfung
(1) Die Staatsaufsicht über die Stiftung
führt die für kulturelle Angelegenheiten
zuständige Senatsverwaltung.
(2) Für das Haushalts-, Kassen- und Rechnungswesen sowie für die Rechnungslegung der Stiftung gelten die für die unmittelbare Landesverwaltung maßgeblichen
Bestimmungen. Der Vorstand veranlasst
die Prüfung der Rechnungslegung durch
eine Wirtschaftsprüferin oder einen Wirtschaftsprüfer, die oder der im Einvernehmen mit der Aufsichtsbehörde und
dem Rechnungshof von Berlin bestellt
wird. Das Prüfungsrecht des Rechnungshofs von Berlin bleibt hiervon unberührt.
(3) Näheres regelt die Satzung.
§ 12 Übergang von Rechten und Pflichten
(1) Sämtliche Rechte und Pflichten, die
das Land Berlin für die „Gedenkstätte
Berlin-Hohenschönhausen“ übernommen
hat, werden auf die Stiftung übergeleitet.
(2) Bis zur Bestellung des ersten Vorstands wird die bisherige kommissarische
Direktorin der Gedenkstätte von der oder
dem Vorsitzenden des Stiftungsrats mit
der Wahrnehmung der in § 6 genannten
Aufgaben beauftragt.
§ 13 Inkrafttreten
Dieses Gesetz tritt am 1. Juli 2000 in Kraft.

Stiftungsrat
Vorsitzender
Dr. André Schmitz
Staatssekretär für Kultur in der Senatskanzlei Berlin
Mitglieder
Dr. Ingeborg Bergreen-Merkel
Ministerialdirektorin beim Beauftragten
der Bundesregierung für Kultur und
Medien
Hasso Lieber
Staatssekretär der Senatsverwaltung
für Justiz des Landes Berlin
Dr. Jörg Kürschner
Beiratsvorsitzender
Silke Klewin
Beiratsmitglied
Vertreter
Volker Heller
Abteilungsleiter in der Senatskanzlei
Berlin, Kulturelle Angelegenheiten
Dr. Michael Roik
Gruppenleiter beim Beauftragten der
Bundesregierung für Kultur und Medien
Dr. Gero Meinen
Abteilungsleiter in der Senatsverwaltung für Justiz des Landes Berlin
Martin Gutzeit
Stellvertretender Beiratsvorsitzender
Hans-Eberhard Zahn
Beiratsmitglied

Anhang
Beirat

Mitarbeiter

Vorsitzender
Dr. Jörg Kürschner
Journalist

(Stand: 31. Dezember 2008)

Stellvertretender Vorsitzender
Martin Gutzeit
Berliner Landesbeauftragter für die
Stasi-Unterlagen
Mitglieder
Marianne Birthler
Bundesbeauftragte für die Unterlagen
des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR

Leitung
Dr. Hubertus Knabe
Direktor
Siegfried Reiprich
Stellvertretender Direktor
Referent für politische Bildung
Mitarbeiter
Peter Erler
Historiker

Dr. Gabriele Camphausen
Fachbereichsleiterin Bildung und Forschung der Stasi-Unterlagen-Behörde

Mechthild Günther
Wissenschaftliche Mitarbeiterin

Jörg Drieselmann
Leiter Forschungs- und Gedenkstätte
Normannenstraße

Karsten Harfst
Pädagogische Arbeitsstelle

Prof. Dr. Rainer Eckert
Direktor Zeitgeschichtliches Forum in
Leipzig

Wolfgang Hoffmann
Hausorganisation

Prof. Dr. Klaus-Dietmar Henke
Technische Universität Dresden

Enrico Jähn
Besucherdienst

Dr. Anna Kaminsky
Geschäftsführerin Bundesstiftung zur
Aufarbeitung der SED-Diktatur

André Kockisch
Assistent für Öffentlichkeitsarbeit
Bibliothek/Archiv

Silke Klewin
Leiterin Gedenkstätte Bautzen
Prof. Dr. Günter Morsch
Direktor Stiftung Brandenburgische
Gedenkstätten
Ulrike Poppe
Studienleiterin Evangelische Akademie
Berlin-Brandenburg
Horst Schüler
Ehrenvorsitzender Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft
PD Dr. Hermann Wentker
Leiter Institut für Zeitgeschichte, Abteilung Berlin
Prof. Dr. Manfred Wilke
Soziologe und Zeithistoriker
Hans-Eberhard Zahn
Diplom-Psychologe

Michaele Lampe
Chefsekretärin/Direktionsassistenz
Daniela Martinowa
Projektmitarbeiterin
Andrea Moll-Sawatzki
Wissenschaftliche Mitarbeiterin
Steffen Noack
Pädagogische Arbeitsstelle
Julia Spohr
EU-Projekt
Hartwig Sprotte
Hausorganisation/Besucherdienst
Hardburg Stolle
Besucherdienst

81

82

Anhang
Christiane String
Wissenschaftliche Assistentin

Besucherreferenten
(Stand: 31. Dezember 2008)

Rainer Waldow-Buchmeier
Verwaltungsleiter
Heidi Wedhorn
Sachbearbeiterin für Haushalt und Personal

Wolfgang Arndt
Reinhard Bernauer		
Michael Bradler
Hans-Jürgen Breitbarth
Sandra Czech
Rainer Dellmuth
Hansjürg Deschner	
Arno Drefke
Dieter Drewitz	
Gerhard Ehlert	
Siegmar Faust
Robert Fissenewert		
Mike Fröhnel
Reinhard Fuhrmann		
Gilbert Furian
Hans-Joachim Helwig-Wilson
Horst Jänichen
Cliewe Juritza
Eberhard Kaduk
Kristin Kallweit
Norbert Krebs
Dr. Jörg Kürschner
Christina Lazai
Vera Lengsfeld
Matthias Melster
Alesch Mühlbauer
Sigrid Paul
Herbert Pfaff
Gisela Quasdorf
Gerhard «Charly» Rau
Thomas Raufeisen
Bärbel Richter
Hartmut Richter
Karl-Heinz Richter
Mario Röllig
Werner Rösler
Wolfgang Rüddenklau
Peter Rüegg
Hartmut Rührdanz
Edda Schönherz
Harry Santos
Jessica Steckel
Edgar Voß
Dieter Walter
Dieter von Wichmann
Peter Wulkau
Hans-Eberhard Zahn
Rot: Im Berichtszeitraum neu hinzugekommen

Anhang
Besucherstimmen
Schüler und junge Leute
Abschlussfahrt Eschhofschule Remscheid
sagt: „Danke“ für die beeindruckende
Führung! Wir fahren mit einer anderen
Wahrnehmung des DDR-Regimes nach
Hause!
Gästebucheintrag vom 16. April 2007
Eine wirklich sehr informative und erfahrensreiche Führung. Vielen Dank für den
Einblick und den Mut, sich einzumischen.
Romana Z., Klasse 10a
Realschule Tiengen
Gästebucheintrag vom 17. Mai 2007
Niemals vergessen, was war... “Die Gedanken sind frei, wer kann sie erraten?“
Klasse Führung, Vielen Dank.
Gästebucheintrag vom 25. Juni 2007
Vielen Dank an Matthias Melster für die
klasse Führung. Es war sehr beeindruckend, auch durch die persönlichen Aspekte. Danke, dass Sie mit uns Ihre Erfahrungen teilen!!!
Klasse 10a Leibniz Schule Kreuzberg
Gästebucheintrag vom 2. Juli 2007
Vielen, lieben Dank für die Erinnerung, in
Freiheit leben zu können und Mensch zu
sein!
Caro und Dana, Städtisches Gymnasium
Bad Segeberg, Klasse 11b
Gästebucheintrag vom 10. Juli 2007
Dieser Ort ist Warnung an Alle, was Unfreiheit bedeuten kann.
Gästebucheintrag vom 12. Juli 2007
Wichtig ist, dass über Unrecht nicht geschwiegen wird. Danke auch, dass wir an
der Lebensgeschichte der Opfer teilnehmen durften.
Klasse 11c + 11e Wirtschaftsgymnasium
Göppingen
Gästebucheintrag vom 16. Juli 2007

In Korea, Kuba und China finden solch
furchtbare Dinge noch statt. Seid politisch
aktiv! Es leiden Menschen.
Kepler-Gymnasium Freiburg
Gästebucheintrag vom 17. Juli 2007
Einen solchen Zugang zur Geschichte
habe ich noch nie bekommen. Die Arbeit
dieser Zeitzeugen ist für mich wertvoller
als jedes Geschichtsbuch.
Gästebucheintrag vom 18. Juli 2007
Und wieder ein Grund sich zu schämen,
Mensch zu sein, es bleibt nur die Hoffnung auf Besserung.
Gästebucheintrag vom 31. Juli 2007
Ein dunkles Stück deutscher Geschichte
ist uns mit viel Humor, aber auch dem nötigen Ernst nähergebracht worden.
Fachhochschule Bund Berlin
Gästebucheintrag vom 15. August 2007
War irre interessant und erschreckend!
Gästebucheintrag vom 31. August 2007
Es ist unbegreiflich, dass sich Menschen
die Mauer zurück wünschen.
Gästebucheintrag vom 4. Oktober 2007
Vielen Dank an Herrn Jürgen Breitbarth
für eine Führung, die uns unter die Haut
ging und noch nachwirken wird!
Heinrich-von-Gagern-Schule
Gästebucheintrag vom 8. November 2007
Das war ein Blick in eine andere Welt, die
einem die Augen öffnet.
Gästebucheintrag vom 24. März 2008
Wir trauern mit den Opfern, auch wenn dies
das Ausmaß der Leiden nicht lindern kann!
Oberstufenzentrum Anna Freud
Gästebucheintrag vom 2. Juni 2008
Man muss einmal hier gewesen sein, damit man weiß, wie das damals zugegangen ist!
Klasse 10b Landschulheim Marquartstein
Gästebucheintrag vom 16. Juni 2008

83

84

Anhang
Es ist erschreckend, mit welcher Systematik hier gegen die Menschen vorgegangen worden ist und unter welch unmenschlichen Bedingungen Menschen
hier gelitten haben.
Holstenschule Neumünster
Gästebucheintrag vom 14. Juli 2008
Bewegend, emotional, traurig...
Gästebucheintrag vom 16. September 2008
Ich bin eine Schülerin aus der 10. Klasse,
die letzte Woche auf Klassenfahrt in Berlin
war. Am letzten Tag haben wir auch an einer Führung der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen teilgenommen. Diese
hat mir so gut gefallen, dass ich einfach
nochmal Danke sagen möchte!
Kim Kristin S., St. Peter-Ording
Email vom 30. September 2008
Tolle Führung! Endlich mal interessant
und lebhaft. Auf jeden Fall beeindruckend,
beängstigend und stimmt einen nachdenklich.
Schüler, Gymnasium Lindenberg
Gästebucheintrag vom 30. September 2008
Erwachsene
Heute habe ich diese Gedenkstätte besucht. Es ist erschütternd, was ich gesehen habe.
Gästebucheintrag vom 11. Februar 2007
Mit welcher Akribie und in menschenverachtender Weise dieser Unrechtstaat mit
seinen kritischen Bürgern umgegangen
ist, war uns selbst bisher in diesem Ausmaß nicht bekannt.
Dr. Peter und Uta D., Hannover
Brief vom 2. März 2007
Der Arbeit in der Gedenkstätte Hohenschönhausen wünsche ich von Herzen
Erfolg für die Zukunft. Sie ist bedeutsam
zum Schutz der Würde jedes einzelnen
Menschen und der Demokratie!
Gästebucheintrag vom 12. März 2007
Ein interessantes Kapitel deutscher Geschichte, das uns „Wessis“ bislang nicht
so bekannt war. Nahtlos ging es von einer
Diktatur in die andere - nur mit anderen

politischen Vorzeichen! Schlimm für die
Menschen! Es ist eine wichtige Arbeit,
die Sie hier betreiben! Danke!
B. S.-R.
Gästebucheintrag vom 6. April 2007
Ich bin Ihnen dankbar, auf ganz unprätentiöse Weise Einblick in die Funktionsweise der DDR-Diktatur erhalten zu haben.
Es war mir insbesondere möglich, historische Zusammenhänge zu begreifen sowie Einblicke in das Denken zu erhalten,
das den Instrumenten und Mechanismen
zugrunde lag, welche das System der
ehemaligen DDR möglich machten und
aufrechterhielten.
Barbara W.
Brief vom 8. April 2007
Wir haben durch Herrn Walter tiefe Einblicke in ein Stück deutsche Geschichte
bekommen, wie es uns aus Büchern niemals möglich gewesen wäre.
Johannes G.
Gästebucheintrag vom 12. April 2007
Es ist eine sehr gute Sache, dass ehemalige Häftlinge hier die Führungen durchführen und man so der Vergangenheit noch
mehr „hautnah“ ist.
Sven + Katja
Gästebucheintrag vom 16. April 2007
Diese Gedenkstätte zeigt, wie intelligent
das Böse sein kann. Eindrucksvolle Führung.
Gerhsra Y. H.
Gästebucheintrag vom 1. Mai 2007
Das beste Mittel gegen ungerechtfertige
Ostalgie!
Carsten R.-St.
Gästebucheintrag vom 1. Mai 2007
Unfaßbar, wie hier mit wehrlosen Menschen umgegangen wurde.
Monika S.
Gästebucheintrag vom 24. Mai 2007
Sehr beeindruckende Führung, die einem,
wie ich finde, gut nahebringen konnte,
wie der „Alltag“ der Häftlinge hier früher
aussah!
Gästebucheintrag vom 17. Juli 2007

Anhang
Wie ungerecht, dass die Folterknechte
auch noch Rente für ihre Untaten bekommen!
Gästebucheintrag vom 2. August 2007

Gute Führung, müssten noch viel mehr
Menschen sehen.
Ehemaliger DDR-Bürger und Ausgereister
Gästebucheintrag vom 21. Juni 2008

Vielen Dank für die gute Führung, obwohl
wir zuerst unterschiedlicher Meinung waren. Zum Schluss konnte ich mich aber
doch mit Ihnen identifizieren.
Georg Murra-Regener
Leiter der Gedenkstätte „Synagoge Dornum“
Gästebucheintrag vom 6. Oktober 2007

Vielen Dank, dass ihr darum kämpft, die Opfer nie in Vergessenheit geraten zu lassen.
Sabine H.
Gästebucheintrag vom 6. Juli 2008

Die Gedenkstätte zeigt die DDR von ihrer
totalitären/menschenverachtenden Seite.
Das ist ein wichtiger Ausgleich zu den
(n)ostalgischen Darstellungen im Fernsehen.
G. S.
Gästebucheintrag vom 12. Oktober 2007

Ich habe zwar in der DDR gelebt, hatte
aber nie gewusst, dass es so was Schlimmes hier gab.
S. H.
Gästebucheintrag vom 16. Juli 2007

Es ist beängstigend, dass die damaligen
Stasileute noch unter uns leben.
Familie K.
Gästebucheintrag vom 14. Oktober 2007
Vielen herzlichen Dank für die engagierte
und persönliche Führung! Ich nehme ganz
viel mit nach Hause!
Karin H.
Gästebucheintrag vom 15. Oktober 2007
Gerade vor dem Hintergrund heutiger Diskussionen über Bürger-/Menschenrechte
muss diese Gedenkstätte als erfolgreiches Konzept auch in Zukunft unbedingt
erhalten bleiben, um aus der Geschichte
zu lernen!! Es ist eine Bereicherung und
Belehrung, Mahnung und Erinnerung zugleich!
Junge Union, Kreisverband Euskirchen
Gästebucheintrag vom 21. Oktober 2007
Meine Tochter war sehr beeindruckt und
ich musste ihr gleich mehr über die DDR
erzählen. Es weckte vieles aus der eigenen Vergangenheit wieder auf.
Cornelia T.
Gästebucheintrag vom 21. Oktober 2007
Nicht zu fassen, wozu die kommunistischen SED-Verbrecher fähig waren.
Horst F.
Brief vom 24. Januar 2008

Vielen Dank für die Einblicke in das Innere
eines menschenunwürdigen Systems.
Gästebucheintrag vom 12. Juli 2008

Wir bedanken uns sehr herzlich, dass Sie
es unseren SchülerInnen ermöglichen zu
verstehen, wie Unrechtsregime funktionieren und dass man Widerstand leisten
kann.
Gästebucheintrag vom 20. Juli 2008
Tief beeindruckt und erschüttert. Wider
das Vergessen und gegen jede Form des
Totalitarismus.
Gästebucheintrag vom 8. August 2008
Keiner von uns hätte es für möglich gehalten, dass solche Haftbedingungen mit
diesen Repressalien in einem „zivilisierten“ mitteleuropäischen Land in den 80er
Jahren noch vorkommen konnten.
Volkmar G., Sophie-Hedwig-Gymnasium
Diez
Brief vom 19. August 2008
Wenn man Parteien wie die „Die Linke“
oder die NPD wählt, sollte man sich auch
mal solche Gedenkstätten ansehen.
Gästebucheintrag vom 30. August 2008
Ein absolutes Muss für die junge Generation!
Gästebucheintrag vom 18. September 2008
Mir war es vergönnt, in einem freien Land
aufzuwachsen. Es ist bedrückend, wie
dieser Terrorstaat sein Volk schikanierte. Ich kann nur an alle appellieren, sich

85

86

Anhang
dieser deutschen Geschichte nach 1945
wie der deutschen Geschichte vor 1945
immer bewußt zu werden, wenn Sie zur
Wahlurne schreiten. Weder „rechts“ noch
„links“ ist eine Lösung, wie es dieser Ort
oder Buchenwald zeigen.
Gästebucheintrag vom 12. Oktober 2008
Danke für die Aufklärung.
Nicole F.
Gästebucheintrag vom 29. Oktober 2008
	
Zeitzeugen und Angehörige
In Gedenken an meine Eltern, hier inhaftiert 1963 wegen versuchter Republikflucht, 2 1/2 Jahre Gefängnis, 1 Jahr hier
im Haus.
Astrid
Gästebucheintrag vom 2. Januar 2007
Nach 31 Jahren bin ich wieder hier an diesen Ort gekommen, um noch einmal zu
sehen und zu fühlen, wie es mir damals
8 Monate lang ergangen ist. Ich bin froh,
dass aus diesem Ort eine Gedenkstätte
geworden ist, sie immer zur Erinnerung
an kommende Generationen erhalten
bleiben sollte, gegen das Vergessen!
Carola S.
Gästebucheintrag vom 3. Januar 2007
Ich war hier vor 27 Jahren.
Dugag R.
Gästebucheintrag vom 21. April 2007
Herzlichen Dank für die informative Führung. Ich als ehemals selbst Betroffene
habe nunmehr nach 27 Jahren zurück an
den Ort des Grauens gefunden. Es darf
niemals in Vergessenheit geraten wie
Menschen mit modernster Psychologie
geknechtet und gebrochen wurden.
Gästebucheintrag vom 6. Juli 2007
Diese Führung hat mich sehr nachdenklich
gemacht, da mein Opa auch in so einem
„Gefängnis“ eingesessen hat.
Gästebucheintrag vom 24. August 2007

Die Ausstellung ist sehr interessant. War
selbst 1984 in Pankow bei der Stasi eingesessen und danach in Hoheneck.
L. H.
Gästebucheintrag vom 25. August 2007
In Erinnerung an Jürgen Fuchs, der im
Jahr 1979 zu Gast bei uns in Dänemark
war.
Nanna T.
Gästebucheintrag vom 20. April 2008
Auch meine Eltern lernten das Stasi-Gefängnis kennen, zwar nicht hier, aber in
Cottbus, und waren 1 1/2 Jahre dort, bis
sie 1974 in den Westen ausreisen durften.
Das hier war heute auch für mich ein Stück
meiner Kindheit, die ich verloren hatte.
Gästebucheintrag vom 12. Mai 2008
Nach 29 Jahren war ich das erste Mal wieder hier. Ich war mit meiner Familie da, in
der Hoffnung, es irgendwann verarbeitenzu können. Vielen Dank, dass Ihr darum
kämpft, die Opfer nie in Vergessenheit geraten zu lassen.
Sabine H.
Gästebucheintrag vom 6. Juli 2008
Lieber Papi, es ist mir so schwer nachzuvollziehen, was Du hier alles durchgemacht hast. In Liebe deine Tochter.
Gästebucheintrag vom 6. September
2008
Vielen Dank für die wichtige Dokumentation!
Ehemaliger Häftling in Pankow, Rummelsburg, Karl-Marx-Stadt, 1968-1969.
Gästebucheintrag vom 10. Oktober 2008
Ausländische Besucher
Es wäre doch so wichtig, solche Anstalten
auch in anderen, postkommunistischen
Ländern als Gedenkstätte zugänglich zu
machen. Aus Ungarn kommend empfinde
ich da noch einen großen Nachholbedarf.
Keve K.
Gästebucheintrag vom 26. Mai 2007

Anhang
A fascinating insight to the workings of
the Stasi and very thought-provoking in
terms of state control + surveillance.
Gästebucheintrag vom 28. Juli 2007
So good to see the oppressiveness of the
DDR‘s regime.
Robert, London UK
Gästebucheintrag vom 2. August 2007
Please put the guards back into the prison
– for a long time!
Gästebucheintrag vom 17. September 2007
Une leçon très importante pour le monde
d‘aujourd‘hui!
Simon
Gästebucheintrag vom 2. Oktober 2007
Very interesting and thought provoking
place! Should be on every student‘s itinerary.
Allen L., Großbritannien
Gästebucheintrag vom 9. November 2007
The prison reminds me how important it
is to cherish our freedom and our liberties. Thank you for preserving this prison
and giving others a chance to see/imagine
how others suffered/how lucky we are.
Gästebucheintrag vom 30. Dezember 2007
We found your museum very inciteful,
interesting and an experience that we‘ll
never forget. Thank you for giving us your
time.
St. George Catholic College, England
Gästebucheintrag vom 8. Februar 2008
Thank you for keeping this as a teaching
and education tool. It‘s necessary to keep
people aware so it doesn‘t occur again.
Meredith
Gästebucheintrag vom 1. Mai 2008
I was here 17/8-2008 and this place scared me! I really like to look at history –
have seen almost of Berlins museum/exhibitions – but this one was the best!
Thank you / Vielen Dank
Gästebucheintrag vom 17. August 2008

Excellent tour! Very educational.
Gästebucheintrag vom 25. August 2008
An excellent guide made an imposant part
of history very interesting.
Thank you so much.
Gästebucheintrag vom 12. September 2008
Tak for en god rundvising [Danke für eine
tolle Führung].
Social og Sundhedsskolen, Dänemark
Gästebucheintrag vom 1. Oktober 2008
Grazie per il suo racconto e le sue memorie (Vielen Dank für Ihren Bericht und Ihre
Erinnerungen).
Gästebucheintrag vom 4. Oktober 2008
Amazing, you are doing an important job
by telling the story so that history won‘t
repeat itself.
Gästebucheintrag vom 10. Oktober 2008
An interesting insight to times gone by,
thank you for showing. It should remind
us forever to be better people.
Kathy R.
Gästebucheintrag vom 20. Dezember 2008

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Anhang
Prominente

Dr. Norbert Lammert, Präsident des
Deutschen Bundestages

Dirk Niebel, Generalsekretär der
FDP

Reinhold Robbe, Wehrbeauftragter
des Deutschen Bundestags

Die Gedenkstätte ist ein wichtiger authentischer Ort, um 20 Jahre nach der Friedlichen Revolution die Herrschaft und die
Methoden der Stasi zu dokumentieren.
Wer heute das ehemalige Stasi-Gefängnis besucht, wird nicht in Versuchung geraten, die SED-Diktatur zu verharmlosen.
Darum wünsche ich allen nach 1990 geborenen Menschen einen Besuch dieser
abschreckenden Einrichtung.
Rainer Eppelmann
Vorsitzender der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur
März 2008
Der Besuch in der Gedenkstätte BerlinHohenschönhausen hat auf mich einen
tiefen und nachhaltigen Eindruck gemacht.
Die Überwindung des Unrechtsstaats
DDR und seines verbrecherischen Unterdrückungsapparates durch eine friedliche
Revolution 1989/90 gehört zu den größten
Errungenschaften des deutschen Volkes.
Gerade deshalb bedarf es Erinnerungsstätten, die dabei helfen, Geschichte auch
für kommende Generationen lebendig zu
halten, damit solche unrechtsmäßigen
Zustände in Deutschland nie wieder Platz
greifen können. Dazu leistet die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen einen
wichtigen Beitrag.
Dr. Franz Josef Jung, MdB
Bundesminister der Verteidigung
März 2008
Mit Respekt und Dank für einen wichtigen, unverzichtbaren Beitrag zum nationalen Gedächtnis!
Dr. Norbert Lammert
Präsident des Deutschen Bundestages
August 2008
Es ist immer wieder beeindruckend, hier
zu sein. Es zeigt einem jedes Mal wieder,
wie notwendig es ist, diese Einrichtung zu
erhalten und politisch zu unterstützen.
Dirk Niebel
Generalsekretär der FDP
August 2007

Prof. Dr. Dagmar Schipanski, Präsidentin des Thüringer Landtags

Bei meinem letzten Besuch der Gedenkstätte im Oktober 2008 war ich sehr beeindruckt von der hervorragenden Führung durch einen ehemaligen Häftling,
der das Schicksal der dort Inhaftierten
äußerst sachkundig und dabei emotional
eindringlich schilderte. Gerade angesichts
einer zunehmenden Verharmlosung der
SED-Diktatur und der erschreckenden historischen und politischen Unkenntnis von
Jugendlichen brauchen wir authentische
Erinnerungsorte wie die Gedenkstätte
Hohenschönhausen, an denen die Repression und die zermürbende Willkür, die
das Leben in der SED-Diktatur prägten,
direkt nachvollziehbar werden.
Bernd Neumann, MdB
Staatsminister im Bundeskanzleramt und
Beauftragter der Bundesregierung für Kultur und Medien
Oktober 2008
Knapp 20 Jahre nach dem Mauerfall erfahren viele erst durch den Besuch der
Gedenkstätte, was das Unrechtsregime
für viele Häftlinge konkret bedeutete. Auf
bessere Weise kann man die Bedeutung
von Freiheit, Recht und Demokratie nicht
verdeutlichen. ‚Hohenschönhausen‘ ist
heute so etwas wie ein geflügeltes Wort,
das für eine beispielhafte Erinnerungskultur in Deutschland steht.
Reinhold Robbe
Wehrbeauftragter des Deutschen Bundestags
November 2007
Geschichte lässt sich nicht abstreifen; sie
verwäscht sich auch durch den Lauf der
Zeit nicht. Gedenkstätten bleiben daher
notwendig und unverzichtbar. Der Gedenkstätte
Berlin-Hohenschönhausen
wünsche ich noch viel mehr Besucher,
damit dem weit verbreiteten Bedürfnis,
Geschichte ruhen zu lassen, entschieden
entgegengewirkt werden kann.
Prof. Dr.-Ing. habil. Dagmar Schipanski
Präsidentin des Thüringer Landtags
Mai 2007

89

Anhang
Vielen Dank für die beeindruckende Führung und die interessanten Schilderungen
aus der bedrückenden Geschichte dieser
Gebäude.
Ralf Stegner
Vorsitzender der SPD-Landtagsfraktion in
Schleswig-Holstein
Juli 2009
Es ist deprimierend, mit welcher administrativen, psychologischen und technischen Perfektion hier Menschen verfolgt
worden sind. Dieser Ort eines deutschen
Totalitarismus muß gegen jede Legendenbildung, Verharmlosung und Rationalisierung gefördert werden. Die Zeitzeugen
sind dafür unverzichtbar.
Peer Steinbrück, MdB
Bundesminister der Finanzen
April 2009
Die bedrückenden Erfahrungen der politischen Häftlinge verweisen darauf, dass
unsere demokratische Gesellschaftsform
nichts Selbstverständliches ist, dass sie
wichtig ist, um die Grundrechte des Einzelnen zu schützen und staatliches Unrecht zu verhindern. So soll kein Schüler
unseres Landes die Schule verlassen,
ohne jemals etwas über politisches Unrecht und die Diktaturfolgen in der Sowjetischen Besatzungszone und der DDR
erfahren zu haben. Dazu fühlen wir uns
den Betroffenen politischer Verfolgung
und auch den kommenden Generationen
verpflichtet.
Henry Tesch
Minister für Bildung, Wissenschaft und Kultur des Landes Mecklenburg-Vorpommern
April 2007
Wer je die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen besucht hat, wird diese Eindrücke nicht vergessen. Das liegt an den
Berichten der ehemaligen Häftlinge, die
die Besucher durch das damalige StasiGefängnis führen. Mich hat dieses Konzept sehr beeindruckt. Denn nur so wird
aus einem Gebäude eine immer währende Anklage, dass solches Unrecht möglich
war.
Anne Will, Journalistin
Oktober 2008

Viele Menschen haben heute den Terror,
welcher durch das Regime ausgeübt wurde, vergessen oder verdrängt. Durch eine
immer mehr um sich greifende Nostalgiewelle wird die DDR häufig verharmlost.
Das dort geschehene Unrecht darf jedoch
nicht in Vergessenheit geraten. Ich halte es
für äußerst wichtig, dass zahlreiche Menschen den Weg in das ehemalige Stasi-Gefängnis finden, um sich umfassend über
die SED-Diktatur zu informieren.
Christian Wulff
Niedersächsischer Ministerpräsident
März 2007
Ich war hier. Es hat lange gedauert, bis
ich das konnte. Obwohl nicht selbst von
der Staatssicherheit betroffen. Aber meine Freunde, befreundete Familien und
Bekannte. Ich kenne ihre Ängste, ihre Tränen und ihre Wut und es wurden meine
Ängste, meine Tränen und meine Wut. Ich
bewundere die Menschen, die trotz ihrer
schlimmen Wunden heute in der Lage
sind, hierher zu kommen und sich immer
und immer wieder mit ihren Gefühlen
von damals zu konfrontieren. Ich schätze
ihre engagierte Haltung und ihre Überzeugung, andere, vor allem die jungen Menschen aufklären zu müssen. Und ich hoffe, dass die Täter nicht ihre Verantwortung
einfach durch Zeitablauf verlieren.
Dagmar Ziegler, MdB
Ministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Familie des Landes Brandenburg
August 2008
Die Gedenkstätte Hohenschönhausen
zeigt in beeindruckender Weise, welches
Unrecht und welche Unmenschlichkeit
hinter den Gefängnismauern der DDR
herrschten. Ich bin dankbar für das große
Engagement, mit dem die Erinnerung daran wach gehalten wird. Dies ist eine wichtige Genugtuung für all jene, die hier und
an ähnlichen Orten gelitten haben.
Brigitte Zypries, MdB
Bundesministerin der Justiz
Mai 2008

Peer Steinbrück, Bundesminister
der Finanzen

Anne Will, Journalistin

Christian Wulff, Niedersächsischer
Ministerpräsident

Brigitte Zypries, Bundesministerin
der Justiz

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Anhang

Bildnachweise
Beauftragter der Bundesregierung für Kultur und Medien:
Seiten 8, 74 1.v.o.
Berliner Landesbeauftragter für die StasiUnterlagen:
Seite 36 1.v.o.
Berliner Senatsverwaltung für Justiz:
Seite 74 2.v.o.
Bundesbeauftragte für die Unterlagen des
Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen
DDR (BStU):
Seite 55 2.v.o.

Gedenkstätte Bautzen:
Seite 74 3.v.o.
Landeskriminalamt Berlin:
Seite 50 1.v.o.
Mari, Francesco:
Seite 53 3.v.o.
Melster, Matthias:
Seite 32 3.v.o.
Metzner, Joerg/Theater Strahl:
Seite 44 rechts

Bundesministerium der Justiz:
Seite 89 4.v.o.

Niedersächsische Staatskanzlei:
Seite 89 3.v.o.

Dahmen, Ludolf:
Seite 54 1.v.o.

Regierender Bürgermeister von Berlin, Senatskanzlei:
Seite 7

Deutscher Bundestag, Büro des Bundestagspräsidenten:
Seite 88 1.v.o.

Robert-Havemann-Gesellschaft e.V.:
Seite 36 2.v.o.

Deutscher Bundestag, Büro Peer Steinbrück:
Seite 89 1.v.o.

Rotermundt, Dirk:
Seiten 26, 27 1. und 3.v.o., 28 2.v.o. und
rechts, 54 2.v.o.

Deutscher Bundestag, Büro Dirk Niebel:
Seite 88 2.v.o.

Thierlein, Harald:
Seiten 27 2.v.o., 28 1.v.o.

Fischer, Katja-Julia:
Seite 75

Thüringer Landtag, Büro Prof. Dr. Dagmar
Schipanski:
Seite 88 4.v.o.

Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen:
Seiten 9, 12, 13, 14, 15, 16, 17, 18, 19,
25, 28 3.v.o., 29, 30, 31, 32 1.u.2.v.o.,
33, 35, 37, 38, 39, 40, 41, 42, 43, 44
links, 45, 46, 47, 48, 49, 50 2.u.3.v.o.,
51, 52, 53 1.u.2.v.o., 55 1.v.o., 57, 58, 59,
60, 61, 64, 65, 66, 67, Titelbild

Wehrbeauftragter des Deutschen Bundestags:
Seite 88 3.v.o.
Will Media GmbH:
Seite 89 2.v.o.

Anhang

Impressum
Herausgeber
Stiftung Gedenkstätte
Berlin-Hohenschönhausen
Genslerstraße 66
13055 Berlin
Telefon	 +49 (0)30 - 98 60 82 401
Telefax	 +49 (0)30 - 98 60 82 464
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www.stiftung-hsh.de
Herstellung und Redaktion
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Druck
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© Stiftung Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen

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