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Full text: Tätigkeitsbericht Issue 3.2005/2006

Kolumnentitel

3. Tätigkeitsbericht (2005-2006)

Stiftung Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen

1

Kolumnentitel

Stiftung Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen

3. Tätigkeitsbericht (2005-2006)

3

5

Inhalt
Vorab

7

Zum Geleitwort

7

Vorwort

8

Ausstellungen
Musealer Rundgang
Dauerausstellung
Wechselausstellungen

11
11
16
18

Veranstaltungen
Ausstellungseröffnungen
Sonderveranstaltungen
Historische Jahrestage
Vorträge und Buchvorstellungen
Literatur und Film
Opfergedenken

22
23
23
26
27
28
29

Forschung

30

Sammlungen
Objektsammlung
Fotoarchiv
Zeitzeugenarchiv
Dokumentenarchiv
Bibliothek
Mediathek

35
35
37
38
39
40
41

Öffentlichkeitsarbeit
Medienbetreuung
Publikationen
Werbung

42
43
44
45

Besucherbetreuung
Besucherdienst
Prominente Besucher
Gedenkstättenpädagogik
Buchhandlung
Besucherreaktionen
Angriffe von MfS-Mitarbeitern
Besucherforschung

46
47
49
50
53
53
54
55

Bautätigkeit
Investive Maßnahmen
Unterhaltsmaßnahmen
Denkmalschutz

61
62
62
63

Haushalt

64

Personal

67

Stiftungsorgane

69

Förderverein

70

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Inhalt

Anhang
Chronologie
Stiftungsgesetz
Gremienmitglieder
Mitarbeiter
Besucherreferenten
Besucherstimmen
Bildnachweis
Impressum

71
71
73
75
76
76
77
86
87

7

Der Regierende Bürgermeister von
Berlin, Klaus Wowereit, bei seinem
Besuch in Hohenschönhausen mit dem
Zeitzeugen Hans-Eberhard Zahn, 2004

Vorab
Zum Geleit
Der Tätigkeitsbericht der Gedenkstätte BerlinHohenschönhausen weist aus, dass mehr als
50 Prozent der erfreulich zunehmenden Besuche Deutscher solche von Schülerinnen und
Schülern sowie von Studierenden sind. Während es bei den Älteren um eine Selbstvergewisserung und Erinnerung an selbst erlebte
Zeitgeschichte geht, gilt es, den nachwachsenden Generationen eine Idee davon zu vermitteln, was die Abwesenheit der heute als
selbstverständlich empfundenen Freiheitsrechte eines demokratischen Staates bedeutet und wie sich dies konkret für die Menschen in der DDR zeigte. Insofern hat die
Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen eine
doppelte Aufgabe: die zurückweisende des
Gedenkens an die Opfer kommunistischer
Gewaltherrschaft, die hier gelitten haben, und
eine zukunftsweisende des exemplarischen
demokratischen Lernortes.
Der amerikanische Bildungsforscher Sam
Wineburg hat vor ein paar Jahren kritisch
angemerkt: "Die ganze Welt hat sich in den
letzten 80 Jahren verändert, nur eines ist
gleich geblieben: Schüler haben keine Ahnung

von Geschichte." Immer wieder kann man in
den Zeitungen von Umfragen lesen, die von
geradezu erschreckendem Unwissen bei
Jugendlichen über die jüngste Vergangenheit
berichten.
Das ergab auch eine Studie der Stiftung Aufarbeitung der SED Diktatur unter 5616 Gymnasiasten aus allen Bundesländern. Laut dieser
Studie haben 31 Prozent der Schülerinnen und
Schüler das Thema "DDR" nicht in der entsprechenden Klassenstufe im Unterricht behandelt, 68 Prozent haben ihre Meinungen aufgrund von Filmen und Fernsehbeiträgen gebildet. Wichtig dafür waren aber vor allem
Gespräche mit Eltern und Freunden. Gerade
hier setzt die Arbeit der Berliner Kultur- und
Bildungsverwaltung und der Gedenkstätte an.
Mit zwei Lehrern, die jeweils halbtags die Verbindung zur Berliner Schule herstellen und
spezielle Programme mit der Gedenkstätte
Hohenschönhausen entwickeln, mit der Verankerung der Gedenkstättenbesuche in den Rahmenplänen, mit den von der Gedenkstätte
unterstützten Projekttagen und den mehr als
300 Mal pro Monat aus der Homepage der

Vorab

8

Gedenkstätte heruntergeladenen Unterrichtsmodellen für Lehrkräfte soll die Gedenkstätte
Hohenschönhausen
als
außerschulischer
Lernort attraktiv gemacht und seine Inhalte in
das Bewusstsein der Schülerinnen und Schüler gehoben werden. Die steigende Nachfrage, über die im Tätigkeitsbericht Auskunft
gegeben wird, zeigt, dass wir hier auf dem
richtigen Weg sind.
Der Regierende Bürgermeister von
Berlin, Klaus Wowereit, bei seinem
Besuch in Hohenschönhausen mit dem
Direktor der Gedenkstätte, Hubertus
Knabe (2004)

Schule kann vieles leisten, aber sowohl die
schon zitierte Studie der Stiftung Aufarbeitung
wie auch eine Untersuchung des Institutes für
Geschichte der Carl von Ossietzky Universität
Oldenburg zeigen, dass Familiengeschichten
vom Krieg, von Fluchten und Schikanen bei
den DDR-Kontrollen an der Grenze von ganz
herausragender Bedeutung für die Vermittlung
von gelebter Zeitgeschichte sind. Wer z.B.
sieht, wie Eltern und Großeltern mit Kindern
und Enkeln bei der open air-Ausstellung am
Checkpoint Charlie vor den großen Bildern
stehen und miteinander im Gespräch über den
eigenen Familienbezug zu den Geschehnissen
vertieft sind, sieht, wie ein öffentliches Angebot am richtigen Ort auch vom Publikum angenommen wird und funktioniert. In diesem
Sinne gilt es auch die Angebote der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen wissenschaftlich fundiert und zugleich publikumsnah
weiter auszubauen. Die Gedenkstätte ist ein
lebendiges dreidimensionales Geschichtsbuch
und es bedeutet für sie ein großes Kapital,
dass mit den lebenden Zeitzeugen am historischen Ort gesprochen werden kann.
Die steigenden Besucherzahlen wie auch das
Leugnen ehemaliger Funktionsträger der SEDDiktatur sind uns Ansporn und Auftrag, die
Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen weiter zu entwickeln und nach den umfangreichen Instandsetzungsarbeiten der letzten
Jahre in einer großen Anstrengung gemeinsam mit dem Bund in den kommenden Jahren
auszubauen. Bund und Land Berlin haben
erhebliche Investitionsmittel in die kommenden Haushalte eingestellt, um für die Besucherinnen und Besucher die Gedenkstätte
noch attraktiver und noch informativer zu gestalten. Insbesondere soll eine große Ausstellung im Hauptgebäude den Unterdrückungsapparat der Stasi und der DDR-Justiz darstellen und Aufbau sowie Wirkungsweise anhand
der Strukturen und Abläufe, aber auch anhand
der Biografien ausgewählter Persönlichkeiten,
die sich dem System widersetzten, anschaulich machen. Damit werden die jetzt schon eindrucksvollen Führungen durch den authenti-

schen Ort durch eine zusammenfassende
Übersicht ergänzt, so dass die Gedenkstätte
dann auch eigenständig vom Besucher erkundet werden kann.
Sowohl auf den Feldern des Gedenkens und
Erinnern wie auch dem des demokratischen
Lernens für die Zukunft hat die Gedenkstätte
im Berichtszeitraum deutliche Fortschritte
gemacht, neue Angebote entwickelt und viel
geleistet. Dafür ist allen Mitarbeiterinnen und
Mitarbeitern Dank und Anerkennung auszusprechen, vor allem denen, die hier einst
selbst gelitten haben und nun den Besuchern
ihre Erfahrungen und Kenntnisse vor Ort
weitergeben.

Klaus Wowereit,
Regierender Bürgermeister von Berlin

Vorwort
Nach mehr als sechsjähriger Tätigkeit kann die
Stiftung Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen ihren dritten Tätigkeitsbericht vorlegen. Er
gibt Rechenschaft über die Entwicklung der
Gedenkstätte im ehemaligen zentralen Untersuchungsgefängnis des DDR-Staatssicherheitsdienstes in den Jahren 2005 und 2006.
Für die Arbeit der Stiftung waren es die bislang
erfolgreichsten Jahre. Die Besucherzahlen sind
in diesem Zeitraum in bis dahin unerwartete
Höhen geschnellt. Kamen im Jahr 2005 noch
etwa 128 000 Menschen, waren es zwei Jahre
später über 172 000 -- ein Zuwachs von mehr
als 44 000 Besuchern. In manchen Monaten,
wenn über 20 000 Interessierte die Gedenkstätte besuchten, drängten sich so viele Gruppen in dem ehemaligen Gefängnisbau, dass
bereits die Kapazitätsgrenzen erreicht wurden.
Noch nie wurde zudem so oft über die Arbeit
der Stiftung berichtet. Zwischen Januar 2005
und Dezember 2006 erschienen weit über eintausend Berichte, in denen die ehemalige
Untersuchungshaftanstalt oder die Gedenkstätte Erwähnung fanden. Hunderttausende
Fernsehzuschauer, Rundfunkhörer und Zei-

Vorab

tungsleser wurden so zur kritischen Auseinandersetzung mit der kommunistischen Diktatur angeregt.
Dieser Erfolg hat sich nicht von allein eingestellt. Die persönliche Betreuung der Besucher
macht die Besichtigung der Gedenkstätte für
viele zu einem besonderen Erlebnis. Jeder
Besucher zieht in einer Art Schneeballeffekt
neue Interessierte nach. Hinzu kommt die
intensive Öffentlichkeitsarbeit der Gedenkstätte, die den Haftort Hohenschönhausen
nicht nur bundesweit, sondern auch international immer mehr bekannt gemacht hat. Hohenschönhausen ist zum Symbol für das politische
Unrecht in der ehemaligen DDR geworden, von
dem sich viele irgendwann einen persönlichen
Eindruck verschaffen wollen.
Tatsächlich steht das Gelände der Gedenkstätte wie kaum ein anderer Ort in Deutschland für
die 44-jährige Geschichte politischer Verfolgung
in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) und
der DDR. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges richtete hier die sowjetische Geheimpolizei ein Sonderlager ein, in dem bis zu
20 000 Menschen inhaftiert waren. Als das
Lager 1946 geschlossen wurde, mussten Häftlinge im Keller des Gebäudes einen unterirdischen Zellentrakt errichten, der der Besatzungsmacht als zentrales Untersuchungsgefängnis für Ostdeutschland diente. Anfang der
fünfziger Jahre übernahm das Ministerium für
Staatssicherheit (MfS) den Bau, erweiterte ihn
um einen neu angelegten Zellen- und Vernehmertrakt und nutzte diesen bis Anfang 1990 als
zentrale Untersuchungshaftanstalt. Tausende
Unschuldige, darunter fast alle prominenten
politischen Gefangenen, saßen hier unter
menschenunwürdigen Bedingungen in Haft.
Zugleich wurden von hier aus die 16 anderen
Untersuchungshaftanstalten des DDR-Staatssicherheitsdienstes angeleitet und kontrolliert.
Nach dem Ende der SED-Herrschaft wurde das
Gefängnis auf Initiative ehemaliger Häftlinge
unter Denkmalschutz gestellt und für Besucher
zugänglich gemacht. Im Dezember 1995 nahm
die Gedenkstätte -- anfangs als Provisorium -ihre Arbeit auf. Im Juni 2000 beschloss das
Abgeordnetenhaus von Berlin die Errichtung
der selbständigen Stiftung "Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen". Ihre Aufgabe ist es,
"die Geschichte der Haftanstalt Hohenschönhausen in den Jahren 1945 bis 1989 zu erforschen, über Ausstellungen, Veranstaltungen
und Publikationen zu informieren und zur Auseinandersetzung mit den Formen und Folgen

9

politischer Verfolgung und Unterdrückung in
der kommunistischen Diktatur anzuregen. Am
Beispiel dieses Gefängnisses ist zugleich über
das System der politischen Justiz in der Deutschen Demokratischen Republik zu informieren" (§ 2 Stiftungserrichtungsgesetz).
Die Gedenkstätte hat in den vergangenen beiden Jahren viel getan, um diesen Auftrag mit
Leben zu füllen. Die qualifizierte Betreuung der
zahlreichen Besucher, die das Gefängnis
besichtigen wollten, gehörte ebenso dazu wie
die Organisation von Ausstellungen und Veranstaltungen. Historische Forschungen, die
Befragung von Zeitzeugen, der Ausbau der
Sammlungen und Archive und eine professionelle Öffentlichkeitsarbeit bildeten weitere
Arbeitsbereiche, über die in diesem Bericht
informiert wird. Im Anhang findet sich eine
Zusammenstellung von Besucherreaktionen,
die eindringlicher als alles andere deutlich
machen, wie sehr der Besuch der Gedenkstätte viele Menschen zum Nachdenken angeregt
hat.
Neben der bedrückenden Architektur des fast
unverändert überlieferten Gefängnisbaus liegt
dies vor allem am besonderen Konzept der
Besucherbetreuung. Ähnlich wie auf der ehemaligen Gefangeneninsel in Südafrika Roben
Island oder auf dem Gelände des zerstörten
World Trade Centers in New York führen
zumeist persönlich Betroffene die Besucher
durch das Gelände. Sie informieren dabei nicht
nur über die Geschichte der Haftanstalt und das
System der politischen Justiz in der DDR, sondern berichten auch aus eigener Anschauung,
wie sie von Wärtern und Vernehmern des
Staatssicherheitsdienstes behandelt wurden.
Dieser Einsatz von Zeitzeugen, die ein hohes
Maß an historischer und didaktischer Qualifikation besitzen, hat sich als besonders wirksame
Vermittlungsform erwiesen. Das direkte
Gespräch mit einem ehemaligen Häftling ist für
viele das Wichtigste, wenn sie an den Besuch
der Gedenkstätte zurückdenken.
Der Einsatz von Zeitzeugen und die große Zahl
von Besuchern hat allerdings auch zu Reaktionen geführt, die 15 Jahre nach der Wiedervereinigung kaum einer mehr erwartet hätte: Einstige Offiziere des DDR-Staatssicherheitsdienstes, darunter der langjährige Leiter der Haftanstalt, sind in den vergangenen beiden Jahren
massiv gegen die Gedenkstätte zu Felde gezogen. In diversen Veröffentlichungen haben sie
ihre einstige Unterdrückertätigkeit auf zynische
Weise verharmlost und gerechtfertigt. Eine

Wachturm an der Lichtenauer Straße

Vorab

10

eigens erstellte Broschüre, in der die Gedenkstätte als "Gruselkabinett" bezeichnet wird,
wurde sogar an alle Bildungsminister in
Deutschland sowie an mehrere Schulen verschickt, um potentielle Besucher von einer
Besichtigung abzuhalten.

Der Direktor der Gedenkstätte, Dr.
Hubertus Knabe

Die Verhöhnung der Opfer und die Rechtfertigung der menschenverachtenden Methoden
des DDR-Staatssicherheitsdienstes sind zum
Glück nicht unwidersprochen geblieben. Nach
dem Bekanntwerden der Vorgänge erlebte die
Stiftung eine ungeheure Welle der Solidarität.
Aus allen Teilen der Bundesrepublik trafen Briefe und emails ein, in denen sich die Verfasser
hinter die Opfer und ihre Gedenkstätte stellten.
Der Präsident des Berliner Abgeordnetenhauses, Walter Momper, lud im April 2006 demonstrativ in den Plenarsaal des Landesparlamentes ein, wo ehemalige Häftlinge und Schauspieler aus Haftberichten lasen. Unter großer
Beteiligung der Medien stattete Bundespräsident Horst Köhler der Gedenkstätte im November einen Besuch ab, um der Geschichtsklitterung entgegenzutreten.
Für die Gedenkstätte ist beides -- die Angriffe
ehemaliger MfS-Mitarbeiter und die Solidarität
aus Politik und Gesellschaft -- Ansporn, die Aufklärung über das SED-Unrecht erst Recht engagiert fortzusetzen. So lange die Verantwortlichen für die kommunistische Diktatur in Ostdeutschland leben, wird dies wohl nicht konfliktfrei gehen -- gegen Unbelehrbarkeit ist
offenbar kein Kraut gewachsen. Doch auch
unbelastete Zeitgenossen haben die bedrükkende Realität der DDR vergessen und einen
zunehmend milden Blick auf die Vergangenheit
entwickelt. Zudem ist eine ganze Generation
herangewachsen, die die DDR nur noch vom
Hörensagen kennt und so gut wie keine Kenntnisse mehr über das SED-Regime besitzt. Die
Verantwortung der Gedenkstätte, über das
System der politischen Unterdrückung in der
DDR zu informieren, wird in dieser Situation
eher größer als kleiner.
Die Arbeit der vergangenen beiden Jahre wäre
nicht möglich gewesen ohne die große Unterstützung, die der Gedenkstätte von vielen Seiten zuteil wurde. Genannt seien besonders das
Land Berlin und die Bundesregierung, die den
Großteil der finanziellen Zuwendungen von
rund einer Million Euro pro Jahr geleistet
haben; die Bundeszentrale für politische Bildung und die Stiftung zur Aufarbeitung der
SED-Diktatur, die Teilbereiche der Arbeit gefördert haben; die große Zahl von Besuchern, die

die Gedenkstätte mit einer Spende unterstützt
haben; der Beirat der Stiftung, der die Aktivitäten mit seinem fachlichen Rat begleitet hat; der
Förderverein, der sich ehrenamtlich für die
Gedenkstätte eingesetzt hat; die Landesvertretungen Thüringens und des Saarlandes, die
Konrad-Adenauer-Stiftung, die Friedrich-EbertStiftung und weitere Institutionen, mit denen
die Stiftung kooperieren konnte; die Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen und die
Gedenkstätte Deutsche Teilung in Marienborn,
die Wechselausstellungen zur Verfügung
gestellt haben; die vielen Journalisten, die mitgeholfen haben, die Erinnerung an das SEDUnrecht wachzuhalten. Stellvertretend für alle
sei an dieser Stelle dem Vorsitzenden des Fördervereins, Dr. Jörg Kürschner, dem langjährigen Beiratsvorsitzenden, Dr. Karl Wilhelm
Fricke, und seinem Stellvertreter Hans-Eberhardt Zahn für ihren Einsatz und die vertrauensvolle Zusammenarbeit im Berichtszeitraum
gedankt. Durch den Tod von Harald Strunz hat
die Gedenkstätte leider ein engagiertes Beiratsmitglied verloren, das die Stiftung immer in
besonderer Weise unterstützt hat. Herzlich
danken möchte ich schließlich allen festen und
freien Mitarbeitern der Gedenkstätte, ohne die
die Erfolge der vergangenen beiden Jahre nicht
möglich gewesen wären.
Berlin, den 29. Juni 2007

Dr. Hubertus Knabe
Direktor

11

Besucher bei der Eröffnung der
Ausstellung “Erschossen in Moskau”,
März 2006

Ausstellungen
Entsprechend ihrem gesetzlichen Auftrag hat
die Stiftung Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen in den vergangenen beiden Jahren
immer wieder durch Ausstellungen zur Auseinandersetzung mit den Formen und Folgen
politischer Verfolgung in der kommunistischen
Diktatur angeregt. Das größte und wichtigste
Ausstellungsobjekt bildete dabei die ehemalige Untersuchungshaftanstalt selbst, die im
Rahmen eines ausgedehnten musealen
Rundgangs zu besichtigen war. Darüber hinaus
wurde das Angebot an ständigen Ausstellungen ausgebaut. Zusätzlich informierte die
Gedenkstätte mit mehreren Wechselausstellungen über unterschiedliche Aspekte der SEDDiktatur. Lediglich die Realisierung der
geplanten großen Dauerausstellung kam nicht
voran, weil die notwendigen Haushaltsmittel
nicht in die öffentlichen Haushalte eingestellt
wurden.
Musealer Rundgang
Die meisten Besucher kommen in die
Gedenkstätte, um das ehemalige Gefängnis
des Staatssicherheitsdienstes zu besichtigen.
Da sie die Gebäude nicht allein betreten dürfen

-- der Bau entspricht in keiner Weise den Vorgaben der Versammlungsstättenordnung --,
bietet ihnen die Stiftung einen musealen
Rundgang an, bei dem sie im Rahmen einer
Führung die wichtigsten Örtlichkeiten in Augenschein nehmen können. Sie erhalten dabei
umfangreiche
Erläuterungen
über
die
Geschichte der Haftanstalt, den Umgang mit
den Gefangenen und den historischen Kontext
der hier praktizierten politischen Verfolgung.
Gruppenbesucher können bei der Anmeldung
wählen, ob sie von einem Zeitzeugen oder
einem Historiker geführt werden wollen. Da
sich die überwiegende Mehrheit für einen
Zeitzeugen entscheidet, ist die Führung über
die reine Faktenvermittlung hinaus für die
meisten Besucher auch ein starkes emotionales Erlebnis.
Die Führungen durch das ehemalige Untersuchungsgefängnis folgen einem unter historischen und didaktischen Gesichtspunkten
entwickelten Konzept. Die Grundzüge wurden
bereits 1995 von einem wissenschaftlichen
Arbeitsausschuss festgelegt. In der Folgezeit
wurde es von der Gedenkstätte unter Berücksichtigung der praktischen Erfahrungen kon-

Ausstellungen

12

tinuierlich weiterentwickelt. In Zusammenarbeit mit den Besucherreferenten entstand das
Modell einer so genannten Standardführung,
die in etwa 90 Minuten alle wichtigen Stationen
und Sachverhalte berücksichtigt. In den vom
Beirat der Gedenkstätte beschlossenen Leitlinien über Form und Inhalt geführter Rundgänge
ist festgelegt, welche Inhalte an welcher Stelle
in welcher Form zu vermitteln sind.
Eingangstor der ehemaligen Untersuchungshaftanstalt

Der museale Rundgang folgt einer doppelten
Dramaturgie. Zum einen beschreibt er die historischen Schichten des Haftortes Hohenschönhausen, die in der Anlage auch baulich
sichtbar werden: vom sowjetischen Speziallager 1945/46 über die zentrale Untersuchungshaftanstalt des sowjetischen Ministeriums für
Staatssicherheit (MGB) und deren Übernahme
durch den DDR-Staatssicherheitsdienst bis hin
zur Schließung der Haftanstalt im Oktober
1990. Zum anderen vermittelt er den Besuchern die typischen Stationen eines Gefangenen
nach seiner Festnahme: vom erstmaligen
Durchfahren des Eingangstores im fensterlosen Wagen über die erkennungsdienstliche
Behandlung bis zum Abtransport nach der
Verurteilung.
Im einzelnen umfasste der Rundgang im
Berichtszeitraum folgende Stationen:

Cover des Einführungsfilms für die
Besucher der Gedenkstätte

Zellentrakt im “U-Boot”

A. Eingangstor
Beim Durchschreiten des Eingangstores erlebt
der Besucher zum ersten Mal bewusst, dass er
sich in ein Gefängnis begibt. Das schwere
Eisentor, die Gitterstäbe, der einschüchternde
funktionale Baukörper vermitteln einen ersten
Eindruck von der Situation der Gefangenschaft.
Der Besucherdienst nimmt die Besucher an
dieser Stelle in Empfang und leitet sie zur nächsten Station weiter.
B. Einführung
Das Vorwissen der Besucher über das System
der politischen Justiz in der DDR ist gewöhnlich sehr gering. Jugendlichen sind häufig selbst Grundbegriffe wie SED, Stasi oder DDR nicht
mehr bekannt. Deshalb ist es erforderlich, vor
dem Rundgang wichtige historische Grundinformationen über die DDR, den Staatssicherheitsdienst und den Haftort Hohenschönhausen zu geben. Dies geschieht im Regelfall
durch einen Einführungsfilm, in Ausnahmefällen auch durch einen Vortrag. Die Einführung

findet teilweise in ehemaligen Versammlungsräumen des Gefängnispersonals statt.
C. Großküche
Der anschließende Rundgang führt im Regelfall
über den einstigen Gefängnishof am Gebäude
der ehemaligen Großküche vorbei. Hier befand
sich 1945/46 das sowjetische Speziallager Nr.
3. Die Größenverhältnisse des Gebäudes sind
aufgrund der alten Backsteinfassade von
außen noch gut zu erkennen. Der Innenbereich
wurde vom Staatssicherheitsdienst später
komplett umgebaut. Seit einigen Jahren
befindet er sich im Umbau, so dass er nicht in
den Rundgang einbezogen werden kann.
D. Kellergefängnis ("U-Boot")
Die Besucher werden über eine Außentreppe
in das ehemalige Kellergefängnis hinuntergeleitet. Im Eingangsbereich des so genannten
"U-Bootes" erschließt sich die bedrückende
Dimension dieser unterirdischen Zellenanlage,
die der sowjetische Staatssicherheitsdienst in
den Kühlräumen der ehemaligen Großküche
errichten ließ. Insbesondere der Blick in den
ersten Zellengang mit der langen Reihe verschlossener Eisentüren macht die Situation der
hier gefangen gehaltenen Menschen sinnlich
erfahrbar. Im Anschluss daran werden verschiedene Zellen gezeigt, die teilweise mit
Pritschen, Kübeln und rekonstruierten Anlagen
zur Geständniserzwingung ausgestattet sind.
Referenten der Gedenkstätte erläutern den
Besuchern das Haftregime in der sowjetischen
Phase und nach der Übernahme des Gefängnisses durch den DDR-Staatssicherheitsdienst
(März 1951). Dabei werden insbesondere die
Kälte und Feuchtigkeit in den Zellen bewusst
gemacht, die Fensterlosigkeit der Räume (kein
Tageslicht, kein Zeitgefühl), das anfängliche
Fehlen jedweder Heizung und Belüftung, das
Anlehn-, Liege- und Schlafverbot am Tage, die
ständige Überwachung der Gefangenen durch
den Türspion, die strikten Meldevorschriften
("Gesicht zur Wand"), die quälende Zellenbeleuchtung, die strengen Schlafvorschriften
("Hände auf die Decke"), die unzureichende
Ernährung, die mangelhafte Hygiene (Kübel,
Waschschüssel), die Praxis der brutalen
Nachtverhöre, der Einsatz von Steh- und
Wasserzellen, das von vielen empfundene
Gefühl, lebendig begraben zu sein.

Ausstellungen

E. Schleuse (Neubau)
Aus dem Kellergefängnis im Altbau werden die
Besucher in den benachbarten Neubau geführt,
den Häftlinge des unweit gelegenen Arbeitslagers seit Ende der 1950er Jahre errichten
mussten. Bis 1990 diente das Gebäude dem
Staatssicherheitsdienst als zentrales Untersuchungsgefängnis. Im Eingangsbereich zum
so genannten Rosenhof können die Besucher
die Dimensionen dieser Haftanlage erfassen.
Zugleich sehen sie in der Mitte den Gedenkstein für die Opfer der kommunistischen
Gewaltherrschaft. Anschließend betreten sie
die einstige Schleuse des Gefängnisses, in der
die Inhaftierten früher ausgeladen wurden. Der
darin aufgestellte Original-Gefangenentransporter des Staatssicherheitsdienstes, dessen
Ankauf der Förderverein der Gedenkstätte
finanziert hat, macht die Situation der Häftlinge
bei der Einlieferung authentisch nachvollziehbar. Der Eindruck wird noch verstärkt durch
die im Berichtszeitraum wieder instand gesetzte Neon-Beleuchtung.

13

Betreten der Zelle.
H. Entkleidungsraum
Die nächste Station des musealen Rundgangs
ist der vergitterte Entkleidungsraum. Er befindet sich vor dem eigentlichen Zellentrakt.
Gegenüber ist die Kleiderausgabe zu sehen,
wo die Effekten eingezogen wurden. Hier wird
demonstriert, wie aus der Zivilperson ein
Untersuchungshäftling wurde: Vollständige
Entkleidung, Kontrolle aller Körperöffnungen,
Ausgabe der Anstaltskleidung, Abgabe der privaten Gegenstände, Ersetzung des persönlichen Namens durch die Nummer der Zelle
und ggf. der Pritsche.

F. Gummizellen
Über einen schmalen Treppenabgang haben die
Besucher die Möglichkeit, die ehemaligen
Gummizellen im Keller des Neubaus zu
besichtigen. Die im Original erhaltene mittlere
Zelle, die bis heute den dumpfen Geruch der
schwarzen Gummi-Ummantelung ausströmt
und nur mit einer schwachen Glühbirne ausgestattet ist, gehört zu den beeindruckendsten
Stationen des Rundgangs. Die Besucher
erfahren hier von der Funktion der Sonderzellen, die zur verschärften Isolationshaft
und zur "Ruhigstellung" von Gefangenen eingesetzt wurden. Zum Schutz der Zelle vor
Beschädigungen wurde diese im Berichtszeitraum mit einer Absperrung versehen.

I. Zellentrakt Erdgeschoss
Der Rundgang führt sodann an der langen
Reihe von Zellen vorbei. Bei einigen von ihnen
sind erste Blicke durch den Türspion oder durch
die Türklappe möglich. In andere können die
Besucher hineingehen und sich in die Situation
eines ehemaligen Häftlings hineinversetzen.
Die Zellen sind mit Hocker, Tisch, Wandschrank,
Pritschen, Decken und Bettzeug ausgestattet.
In einigen ist die frühere Anstaltskleidung
(Trainingsanzug, Filzpantoffeln) zu sehen. Auf
dem Flur sind noch die technischen Vorkehrungen zur strikten Isolierung der Häftlinge zu
erkennen (Ampelanlage, Balkenmarkierung am
Fußboden). Im Fotoraum wird die erkennungsdienstliche Behandlung als weiteres Element
der Einlieferungsprozedur und der damit verbundenen Erniedrigung gezeigt (Fingerabdruck, "Verbrecherfoto"). Im Haftrichterraum
kann die Vorführung beim Haftrichter und
dessen Rolle im Repressionssystem der DDR
nachvollzogen werden. In der Zelle 117 wird auf
das Schicksal des Schriftstellers Jürgen Fuchs
verwiesen, der hier inhaftiert war.

G. Wachzentrale
Nach dem Wiederaufstieg nach oben führt der
Rundgang an der ehemaligen Wachzentrale
des Gefängnisses vorbei. Durch ein Fenster
können die Besucher einen Blick auf die dort
aufgestellten Kontrollmonitore werfen, mit
denen die Haftanstalt überwacht wurde. Auf
dem Flur ist die primitive Alarmanlage aus Klingeldraht zu sehen. Die Besucher nehmen nun
denselben Weg, den auch die Untersuchungsgefangenen bei ihrer Einlieferung früher durchliefen: Entkleidung, Durchsuchung, erkennungsdienstliche Behandlung und erstmaliges

J. Vernehmertrakt Obergeschoss
Vom Zellentrakt führt der Rundgang über den
vergitterten Treppenaufgang in den Vernehmertrakt im Obergeschoss. Gleich zu Anfang sind
die winzigen Schreibzimmer zu sehen, die vermutlich zum Abfassen von Spitzelberichten
dienten, wenn so genannte Zelleninformatoren
zum Einsatz kamen. Am Ende des Flures stößt
der Besucher dann auf die endlos lange Flucht
der Vernehmerräume. Die etwa 40 Türen
versinnbildlichen in besonderer Weise die
frühere Funktion des Gebäudes als Ort "industriemäßiger
Geständnisproduktion".
Die

Zellentrakt im “U-Boot”

Wachzentrale mit Kontrollmonitoren

Zellentrakt im Neubau

Ausstellungen

14

Vernehmertrakt im Neubau

Vernehmerräume sind alle mit dem OriginalMobiliar
ausgestattet:
Schreibtisch,
Vernehmersessel, Beistelltisch, Büroschrank,
Aktenpanzerschrank, Telefon, Stores, Gardinen
etc. Einige Räume können auch betreten werden. Die Erläuterung der Vernehmungsmethoden des Staatssicherheitsdienstes erfolgt in
der Regel in einem Verhörraum, in dem noch
ein Original-Vernehmungshocker steht sowie
Reste der früheren Abhöranlage zu erkennen
sind.
K. Hofgangzellen
Am Ende des musealen Rundgangs stehen die
Hofgangzellen des Haftkrankenhauses. Die
unverändert erhalten gebliebenen "Tigerkäfige"
veranschaulichen die Methoden, mit denen der
Staatsicherheitsdienst die Häftlinge zermürbte:
Selbst der Himmel ist mit Maschendraht vergittert, das Sprechen oder Singen war verboten, das bewaffnete Wachpersonal auf der
Beobachtungsbrücke demonstrierte die Übermacht des Staates. Die unwirtliche Situation
zwischen den grauen, engen Mauern gehört zu
den eindrücklichsten Stationen des Rundgangs
und bildet den Schlusspunkt des Rundgangs
durch die frühere Haftanstalt.

Kaltbecken der Sauna für das Anstaltspersonal im Keller des Altbaus

Hofgangzelle

L. Gefangenenwaggon
Beim Rückweg zum Eingangstor sehen die
Besucher das letzte Exemplar des so genannten "Grotewohl-Express", ein 1982 hergestellter
Gefangensammeltransportwaggon
(GSTW), mit dem das Innenministerium der
DDR jeweils bis zu 70 Häftlinge in die verschiedenen
Strafvollzugsanstalten
transportierte. Für die Besucher wird erkennbar,
dass die Untersuchungshaftanstalt in BerlinHohenschönhausen keine "Endstation" war,
sondern dass die Gefangenen nach ihrer
Verurteilung in das ausgedehnte System des
DDR-Strafvollzugs verbracht wurden. Da ein
großer Teil der Referenten selber mit einem
solchen
Eisenbahnwaggon
transportiert
wurde, können sie aus eigenem Erleben über
das menschenunwürdige Gefangenentransportsystem der DDR berichten. Aus Sicherheitsgründen und wegen der begrenzten Zeit
der meisten Gruppen ist eine Besichtigung des
Wageninneren nur im Rahmen von Sonderführungen möglich, die zur Zeit einmal in der
Woche angeboten werden.

M. Haftkrankenhaus
Auf dem Rückweg führt der Rundgang am so
genannten Haftkrankenhaus vorbei, in dem der
Staatssicherheitsdienst erkrankte Häftlinge
gefangen hielt. Am Ende der Führung erfahren
die Besucher, dass hier Anfang 1990 unter
anderem der ehemalige Minister für
Staatssicherheit Erich Mielke inhaftiert war. Mit
diesem Hinweis schließt sich der Bogen zur
friedlichen Revolution im Herbst 1989, zum
Sturz der SED-Diktatur und zur endgültigen
Schließung der Haftanstalt im Zuge der
Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990.
N. Sauna
Als optionaler Zusatz zum musealen Rundgang
kann auch die ehemalige Sauna des
Staatssicherheitsdienstes besichtigt werden.
Die Räume, in denen das MfS-Personal bis
1989 regelmäßig Schwitz- und Kaltbäder nahm,
verfügen jedoch über keine Fluchtwege und
können deshalb nur im Rahmen von Sonderführungen gezeigt werden. Die Sauna, die
Wand an Wand mit dem "U-Boot" liegt, macht
exemplarisch die "Banalität des Bösen" sichtbar, die sich auch am Haftort Hohenschönhausen manifestiert.

Der museale Rundgang wird seit einigen
Jahren schrittweise um eine zweite Informationsebene erweitert: Texttafeln sollen den
Besuchern zusätzliche Hinweise geben und die
Führung ergänzen. In einer ersten Phase wurden entsprechende Tafeln im Außenbereich
installiert. An den einzelnen Gebäuden wurden
dazu im Frühjahr 2003 große Textfahnen angebracht, die zweisprachig (Deutsch und
Englisch) über die frühere Funktion der Häuser
Auskunft geben. Unmittelbar neben dem
Gefangensammeltransportwaggon
wurde
eine ausführlichere Erläuterungstafel mit Dokumenten, Fotos und Ansichten des Wageninneren errichtet.
Im August 2005 wurde die Gedenkstätte beim
Bezirk Lichtenberg vorstellig, um auch in der
Umgebung des früheren Gefängnisses Informationstafeln aufzustellen. An zwei Punkten
des ehemaligen Sperrgebietes des MfS sollte
auf den Verlauf der einstigen Außenmauer
hingewiesen werden. An zwei weiteren sollte
über das Arbeitslager informiert werden sowie
über die Werkstätten des operativ-technischen

Ausstellungen

Sektors (OTS), in denen das MfS früher seine
Überwachungstechnik herstellte. Nachdem
sich die Bezirksverordnetenversammlung im
April 2006 für die Aufstellung der Tafeln ausgesprochen hatte, wurden sie im Juli der
Öffentlichkeit übergeben.
Im Frühjahr 2006 hat die Gedenkstätte auch für
den Innenbereich der ehemaligen Haftanstalt
ein zusätzliches Informationssystem konzipiert. An den einzelnen Stationen des musealen
Rundgangs sollen die wesentlichen Fakten
noch einmal zusammengefasst werden. So
genannte Biografie-Stelen sollen die Besucher
auf herausgehobene oder exemplarische
Häftlingsschicksale hinweisen. Textmenge und
Gestaltung sollen dabei so beschaffen sein,
dass der authentische Charakter des Gebäudes
nicht überformt und die Führung nicht beeinträchtigt wird. Um Eingriffe in die Bausubstanz
zu vermeiden, wurde zudem ein technisches
System entwickelt, bei dem die Tafeln mit Stangen aus Edelstahl zwischen Decke und Boden
verspannt und jederzeit wieder herausgenommen werden können. Entsprechend den
finanziellen und personellen Möglichkeiten der
Gedenkstätte soll das Konzept schrittweise
umgesetzt werden.
Aufgrund des hohen Besucheraufkommens ist
die Gedenkstätte in wachsendem Maße mit
Abnutzungserscheinungen und Beschädigungen konfrontiert gewesen. Zu den Aufgaben
der Mitarbeiter gehörte es deshalb, den musealen Rundgang beständig auf Schäden zu kontrollieren und diese nach Möglichkeit umgehend zu beseitigen. Wiederholt wurden dabei
auch Erscheinungen von Vandalismus festgestellt, der durch die Besucherreferenten, die
die Gruppen durch das Gefängnis führen, nicht
immer verhindert werden kann. Dem Charakter der Schäden nach zu urteilen (aufgeschlitzte
Polsterungen an den Türen, Schmierereien an
den Wänden, zerbrochene Möbelstücke), handelt es sich nicht um politische motivierte Zerstörungen, sondern um Sachbeschädigungen,
die vermutlich von Jugendlichen verursacht
wurden. Der Gedenkstätte fehlen jedoch die
finanziellen Mittel, um für eine intensivere
Überwachung der ausgedehnten Anlage Sorge
tragen zu können.
Zum besseren Schutz der historischen Räumlichkeiten und Objekte werden die Lehrer der

Schulklassen zu Beginn der Führung darauf
hingewiesen, am Ende der Gruppe zu gehen
und das Verhalten der Schüler von hinten zu
kontrollieren. In den besucherstarken Monaten
des Jahres 2006 wurde zudem erstmals ein
externer Wachmann mit Kontrollgängen beauftragt. Seit mehreren Jahren wird darüber hinaus mit verschiedenen Absperrsystemen
experimentiert, die die Besucher am Betreten
der Zellen und Vernehmerräume hindern sollen
und dennoch den Zugang nicht völlig verbauen.
Nachdem sich zwei früher eingesetzte Systeme nicht als ausreichend praxistauglich
erwiesen hatten, wurden seit Herbst 2005 in
der besonders empfindlichen Gummizelle und
in verschiedenen Vernehmerzimmern dreiflügelige Metallkanzeln montiert. Sie erlauben
es, etwa einen Schritt in den jeweiligen Raum
hineinzugehen, und sind so stark beschwert,
dass sie nicht einfach beiseite geschoben werden können. Die Absperrungen aus Edelstahl
heben sich klar vom MfS-Interieur ab, beschädigen nicht die originale Bausubstanz und können zugleich als Informationsträger für Texte,
Fotos und Dokumente genutzt werden. Die
zusätzlichen Sicherungsmaßnahmen sind
allerdings mit erheblichen Kosten verbunden.
Die Gedenkstätte hat sich auch bemüht, das
ehemalige Haftkrankenhaus für Besucher zu
erschließen. War vor einigen Jahren noch die
Rede davon, das Gebäude aus Kostengründen
dem Verfall preiszugeben, hat sich inzwischen
die Einsicht durchgesetzt, dass das Gebäude
von erheblicher historischer Bedeutung ist. Wie
kaum ein anderer Ort in Deutschland illustriert
es die Situation von Häftlingen in der DDR, die
sich in einer Situation doppelter Ohnmacht
befanden -- als Gefangene und als Kranke. Das
behandelnde Personal, einschließlich Pfleger,
Ärzte und Schwestern, gehörte sämtlich zum
MfS und brach regelmäßig die ärztliche
Schweigepflicht. Es beteiligte sich auch an der
erniedrigenden und menschenunwürdigen
Behandlung
der
Inhaftierten
durch
Zwangsernährung von Häftlingen bei Hungerstreiks, durch Verabreichung von Psychopharmaka an "renitente" Gefangene, durch das
Anlegen einer Zwangsjacke und das
anschließende Wegsperren in die Gummizelle,
durch Mitteilungen über Verhaltensweisen und
Äußerungen an die Vernehmer. Zudem saß in
dem Haftkrankenhaus eine bislang kaum
beachtete Gruppe von Gefangenen ein:

15

Dreiflügelige Metallkanzel in einem
Vernehmerzimmer

Informationstafel Genslerstraße

Ehemaliges Haftkrankenhaus

Ausstellungen

16

Flüchtlinge, die beim Versuch, die DDR-Grenze
zu überwinden, schwer verletzt und dennoch
verhaftet wurden.

Medizinische Einrichtungen im Haftkrankenhaus

Mitarbeiter der Gedenkstätte bei der
Gestaltung des Info-Centers

Nachdem das Anfang der 1990er Jahre durch
Vandalismus verwüstete Haftkrankenhaus
beräumt und gesäubert wurde, fanden am Tag
des offenen Denkmal erste Sonderführungen
durch das Gebäude statt. In Kooperation mit
der Berliner Fachhochschule für Wissenschaft
und Technik (FHTW), Fachbereich Museologie,
wurde 2006 ein Konzept zur Erschließung
entwickelt. Den Planungen zufolge soll ein
eigener musealer Rundgang an den Krankenzellen in der ersten Etage vorbeiführen, den
ehemaligen Operationssaal passieren und eine
Besichtigung der Behandlungsräume im
Erdgeschoss erlauben. Aus baurechtlichen
Gründen kann auch dieser Rundgang nur in
Begleitung eines Gedenkstättenmitarbeiters
erfolgen, da ansonsten den strengen Vorgaben
der Versammlungsstättenordnung Rechnung
getragen werden müsste. Dazu wären massive bauliche Eingriffe, insbesondere eine Verstärkung der Deckentragfähigkeit, erforderlich,
die das äußere Erscheinungsbild vollständig
verändern würden. Parallel dazu hat die
Gedenkstätte in Zusammenarbeit mit der
Berliner Senatsbauverwaltung und dem
zuständigen Architekten Baumaßnahmen
(Reparatur der Heizung und des Daches) vorbereitet, die im Rahmen eines Dringlichkeitsprogramms zum Erhalt des Haftkrankenhauses
Anfang 2007 angelaufen sind.

beauftragt werden.
Um das Vorhaben umzusetzen, bedarf es erheblicher baulicher Veränderungen im Innern
des Altbaus. Die vom Staatssicherheitsdienst
zu Lagerräumen umgebaute Großküche soll
entkernt werden. Die nachträglich eingesetzte
obere Etage, deren Tragfähigkeit völlig unzureichend ist, soll eventuell teilweise entfernt
werden. Die künftige Ausstellungshalle soll
zudem mit einem größeren Eingangsbereich
(Foyer) verbunden werden.
Zur Realisierung dieses Bauvorhabens ist ein
komplizierter planungs- und haushaltsrechtlicher Prozess zu durchlaufen, auf den die
Gedenkstätte keinen Einfluss hat (vgl. Bautätigkeit). Er ist in den vergangenen beiden Jahren
kaum vorangekommen, da die notwendigen
Finanzmittel nicht in die Haushalte des Bundes
und des Landes Berlin eingestellt wurden.
Auch wenn die Mittel, wie jetzt geplant, ab dem
Jahr 2008 sukzessive bereitgestellt werden, ist
mit der Realisierung der Dauerausstellung
nicht vor dem Jahr 2011 zu rechnen. Aus
diesem Grunde konnte bislang auch keine
Kooperationsvereinbarung mit dem Haus der
Geschichte geschlossen werden. Die Gedenkstätte musste sich vor diesem Hintergrund im
wesentlichen darauf beschränken, die Sammlung musealer Objekte auszubauen und die
Forschungen zum Haftort fortzuführen (vgl.
Sammlungen und Forschung). Diese Vorarbeiten werden erst dann Früchte tragen, wenn die
finanziellen und baulichen Voraussetzungen für
die Dauerausstellung geschaffen worden sind.

Dauerausstellungen

Ausstellungsstücke im Info-Center

Als Ergänzung zum musealen Rundgang ist
seit Gründung der Stiftung die Einrichtung einer
Dauerausstellung geplant. Auf Vorschlag der
Bundesregierung soll dazu in der ehemaligen
Großküche eine 700 Quadratmeter große
Ausstellungshalle
entstehen.
Die
Gedenkstätte erarbeitete dazu 2001 ein ausführliches Ausstellungs- und Präsentationskonzept. Dieses sieht vor, den Besucher durch
alle wichtigen Stationen des Gefängnisses zu
leiten und ihn anschließend in eine zentrale
Ausstellung zu führen. Auf Basis dieser
konzeptionellen Überlegungen soll das Bonner
Haus der Geschichte gemäß einem Beschluss
des Stiftungsrates vom April 2005 federführend mit der Realisierung der Ausstellung

Um den Besuchern in der Zwischenzeit ein
ortsbezogene Angebot zu machen, hat die
Gedenkstätte im Berichtszeitraum die Planungen für ein temporäres Info-Center vorangetrieben. Zu diesem Zweck wurde der Raum 41
im Eingangsbereich des Altbaus im Frühjahr
2005 umfassend renoviert. Anschließend
wurde der Raum mit Vitrinen, Objekten, Texttafeln und einem Modell der Untersuchungshaftanstalt ausgestattet. Aus der Objektsammlung der Gedenkstätte wurden über hundert
Gegenstände ausgewählt, die, versehen mit
entsprechenden Erläuterungen, über unterschiedliche Aspekte des Haft-alltags Auskunft
geben. Zu den besonders seltenen Objekten
zählt zum Beispiel ein selbstgefertigtes Besteck, das der ehemalige Hohenschönhausen-

Ausstellungen

Häftling Hermann Becker -- bis 1948 Fraktionsvorsitzender der Liberalen in Thüringen -während seiner Lagerhaft im sowjetischen
Workuta benutzte. Auch Gegenstände des
Staatssicherheitsdienstes wie Handtücher,
Waschlappen oder Plastikgeschirr, die die
Häftlinge in die Zellen bekamen, sowie
Bewachungsapparaturen und Instrumente zur
erkennungsdienstlichen Behandlung werden
präsentiert. Auf großformatigen Text-Bild-Tafeln
werden außerdem die Geschichte des
Haftortes Hohenschönhausen und der
Umgang mit den Inhaftierten geschildert sowie
ausgewählte Häftlingsbiografien vorgestellt.
Darüber hinaus gehört ein Medienraum dazu,
in dem die Homepage der Gedenkstätte und
weiteres audio-visuelles Material offline abrufbar sind. Aufgrund der knappen personellen
Ressourcen der Gedenkstätte konnten die
Arbeiten an der Ausstellung bis Ende 2006
noch nicht vollständig abgeschlossen werden.
Parallel zu den Arbeiten am Info-Center hat die
Gedenkstätte einen weiteren Raum im
Erdgeschoss des Altbaus zu Ausstellungszwecken hergerichtet. Vorrangiger Zweck
der Renovierung war es, die Fotografien des
ehemaligen
Hohenschönhausen-Häftlings
Matthias Melster in einem angemessenen
Rahmen zu präsentieren. In den Räumlichkeiten, die vom Staatssicherheitsdienst vermutlich
für Vorführungszwecke genutzt wurden, können aber auch kleinere Wechselausstellungen
gezeigt werden.
Als zusätzliches Angebot wurden in den Räumen, in denen die Besucher die Einführung zur
Führung erhalten, 2005 drei Vitrinen
aufgestellt. Die Vitrine in Raum C zeigt Objekte
zum Thema "Haftalltag". Im Raum D werden
Originalausgaben der Satirezeitschrift "Die
Tarantel" und historische Flugblätter gezeigt; an
einem Tisch können die Besucher zusätzlich in
laminierten Leseexemplaren lesen. Im Raum
37/38 wurde ein Eckschrank zur Vitrine umgebaut, in der ein Kalfaktorenkasten und weitere
Objekte zum Thema "Hygiene im Strafvollzug"
zu sehen sind.
Darüber hinaus hat die Gedenkstätte das Angebot an Dauerausstellungen ausgebaut. Im
Berichtszeitraum standen den Besuchern folgende ständige Ausstellungen zur Verfügung:

17

»Zeit meines Lebens«
Ausstellung der Gedenkst tte Berlin-Hohensch nhausen (seit November 2000)
Die Ausstellung zeigt Porträts ehemaliger
Häftlinge aus Berlin-Hohenschönhausen, die in
der Gedenkstätte Besuchergruppen führen.
Der Berliner Fotograf Andrè Kaiser, der selbst
als Achtzehnjähriger in dem Gefängnis
inhaftiert war, hat die Serie im Herbst 2000
angefertigt. Die Porträts wurden in der
Gedenkstätte jeweils an Orten aufgenommen,
die die ehemaligen Häftlinge sich selbst ausgesucht hatten, und mit einer ebenfalls selbst
gewählten Aussage unterstrichen. Auf diese
Weise sind ausdrucksstarke Aufnahmen entstanden, die weit mehr darstellen als eine
Galerie mit Fotografien von Gedenkstättenmitarbeitern. Für die Besucher, die in der Regel
einen der hier Gezeigten in der Führung auch
persönlich erlebt haben, bieten sie die Möglichkeit zur individuellen Begegnung mit unterschiedlichen Haftschicksalen und Persönlichkeiten.

Ausstellungsvitrine

»Die Kinder von Hoheneck«
Ausstellung des Frauenkreises der
ehemaligen Hoheneckerinnen (seit
März 2003)
Die kleine, im Eingangsbereich der Gedenkstätte gezeigte Ausstellung ist einem der traurigsten Kapitel politischer Verfolgung in der
kommunistischen Diktatur gewidmet. Anhand
von vier Einzelschicksalen erinnert sie an die
Geschichte der Kinder und Mütter aus dem
ehemaligen Frauenzuchthaus Hoheneck. Nach
Auflösung der sowjetischen Speziallager in
Deutschland wurde ein Teil der dort inhaftierten
Frauen 1950 an die DDR-Behörden übergeben.
Zum Zweck der weiteren Strafverbüßung
mussten sie in die Strafvollzugsanstalt Hoheneck. Einige Frauen brachten in den Lagern oder
im Zuchthaus Hoheneck Kinder zur Welt, die
ihnen nach kurzer Zeit weggenommen wurden. Als namenlose "Kinder der Landesregierung" kamen sie in Kinderheime und
sahen ihre Mütter meist erst Jahre später
wieder. Die Ausstellung informiert über diese
Praxis der Kindesenteignungen, die für die
Betroffenen nachhaltige seelische Folgen
hatte.

Dauerausstellung “Zeit meines Lebens”
im Verwaltungsgebäude

Dauerausstellung “Die Kinder von
Hoheneck” im Garagentrakt

Ausstellungen

18

»Bilder einer Seele«
Ausstellung
der
Gedenkstätte
Berlin-Hohenschönhausen
(seit
August 2005)

Ausstellung “Bilder einer Seele” von
Matthias Melster

Schüler vor einer Tafel der Ausstellung
“Mut und Zivilcourage”, 2005

Besucher vor dem Gefangenentransportwagen “W 50”, August 2006

Die Ausstellung im neu hergerichteten Raum
37/38 zeigt Fotografien des ehemaligen Gefangenen Matthias Melster, auf denen er sich mit
der Haftanstalt Berlin-Hohenschönhausen
auseinandersetzt. Die Bilder bieten eine ungewohnte Sichtweise auf das schon oft dokumentierte zentrale Untersuchungsgefängnis
des MfS. Sie spielen mit Kontrasten, Schärfe
und Unschärfe, Schwarz-Weiß-Motiven und
ausgesuchter Farbigkeit. Sie lenken den Blick
des Besuchers auf die Objekte persönlicher
Demütigung, existentieller Ausgeliefertheit
und strikter Isolation. Die Ausstellung ist auch
eine Referenz an Matthias Melster, der seit
Jahren
Besuchergruppen
durch
die
Gedenkstätte führt.
Die Stiftung hat sich darum bemüht, auch
außerhalb eines Gedenkstättenbesuchs über
den
Haftort
Hohenschönhausen
zu
informieren. Zu diesem Zweck wurde das
Konzept einer Wanderausstellung entwickelt
und im Beirat diskutiert. Als Kurator konnte der
Fernsehjournalist
Helmuth
Frauendorfer
gewonnen werden, der bereits den Einführungsfilm der Gedenkstätte erstellt hat. Das
Konzept sieht vor, in zwei "schwarzen Modulen"
(eine Zelle und ein Vernehmerraum) die Situation des Häftlings sinnlich nachvollziehbar zu
machen. In einem "Gang der Information"
sollen anschließend notwendige Hintergrundinformationen
geliefert
werden.
Nach
Möglichkeit soll, zumindest bei der Eröffnung,
auch der Gefangenentransportwagen "W 50"
gezeigt werden. Das "rollende Gefängnis" mit
seinen sieben spindähnlichen Zellen ist nicht
nur ein beeindruckendes mobiles Großobjekt,
sondern macht die Situation der Häftlinge auch
unmittelbar anschaulich. Um die Herstellungskosten für die Wanderausstellung auf
mehrere Jahre zu verteilen, wurde 2006
zunächst das bauliche Grundgerüst in Auftrag
gegeben. Der Förderverein beschloss, die
Gedenkstätte bei der Realisierung der Ausstellung finanziell zu unterstützen.
Auf Bitten des Bezirks Lichtenberg hat die
Gedenkstätte das Konzept einer weiteren Wanderausstellung erstellt, die in örtlichen Schulen
gezeigt werden soll. Auf insgesamt fünf groß-

formatigen Bild-Text-Tafeln sollen die Themen:
Haftort Hohenschönhausen, Verhaftung, Haftalltag, Verurteilung sowie ausgewählte
Häftlingsbiografien vorgestellt werden. Weitere Tafeln, die die allgemeine Überwachung
durch den Staatssicherheitsdienst und das System der kommunistischen Diktatur behandeln,
soll die Forschungs- und Gedenkstätte Normannenstraße in der ehemaligen Stasi-Zentrale erarbeiten. Zur Abschätzung des
Finanzbedarfs hat die Gedenkstätte auf Bitten
des Bezirks auch ein Kostenangebot eingeholt.
Da der Bezirk trotz eines einschlägigen
Beschlusses der Bezirksverordnetenversammlung die notwendigen Finanzmittel nicht bereitgestellt hat, konnte die Wanderausstellung bislang nicht produziert werden.

Wechselausstellungen
Zusätzlich zum musealen Rundgang und den
Dauerausstellungen hat die Gedenkstätte in
den vergangenen beiden Jahren zehn Wechselausstellungen gezeigt. Aus personellen und
finanziellen Gründen musste die Stiftung dabei
zumeist auf Fremdausstellungen zurückgreifen, die in der Regel kostenfrei ausgeliehen
werden konnten. Aus denselben Gründen
wurde teilweise auf eine repräsentative Eröffnungsveranstaltung verzichtet (vgl. Veranstaltungen). Die Resonanz auf die Ausstellungen
war unterschiedlich. Vor allem die Medien
zeigten sich interessiert; für die Besucher stand
hingegen der museale Rundgang durch das
Gefängnis im Vordergrund. Wie die Dauerausstellungen wurden auch die Wechselausstellungen meistens von Besuchern frequentiert, die auf den Beginn einer Führung
warteten. Nur vereinzelt kamen Besucher
eigens in die Gedenkstätte, um sich eine der
Ausstellungen anzusehen.
Da das ehemalige Gefängnis über keine
größeren zusammenhängenden Flächen verfügt, konnten die Wechselausstellungen nur in
den ehemaligen Fluren und Versammlungsräumen des Staatssicherheitsdienstes gezeigt
werden. Um wenigstens eine kleinere Fläche
für temporäre Ausstellungen zu schaffen,
wurde im Frühjahr 2006 eine dreitürige Garage
umgebaut. Auf Bitten der Gedenkstätte sorgte
die Berliner Senatsbauverwaltung für die Überarbeitung der Fußböden und Wände sowie für

Ausstellungen

den Einbau von gläsernen Innentüren. Der
Raum, der am Ende des Rundgangs liegt und
vom Hof aus zu erreichen ist, bietet zusätzliche
85 Quadratmeter für die Präsentation von
kleineren Wechselausstellungen.
In den vergangenen beiden Jahren hat die
Gedenkstätte folgende Wechselausstellungen
gezeigt:

Graben für den Frieden? Die Bausoldaten in der DDR
Eine Ausstellung des Archivs der
Bürgerbewegung Leipzig e.V.
(15. November 2004 bis 13. Januar
2005)
In der DDR gab es für Wehrpflichtige kein verfassungsmäßiges Recht auf Wehrdienstverweigerung. Eine Alternative für Kriegsdienstverweigerer aus Glaubens- und Gewissensgründen war der Dienst in den waffenlosen
Baueinheiten der Nationalen Volksarmee
(NVA). Seit September 1964 konnten junge
Männer aus religiösen oder ähnlichen Gründen
den Dienst mit der Waffe ablehnen. Auf den
Schulterstücken der so genannten Bausoldaten befand sich zunächst ein goldener, später
grauer Spaten, der den Verweigerern in der
DDR ihren Namen gab. Im Unterschied zum
Zivildienst der Bundesrepublik waren sie allerdings trotzdem Teil der Armee. Doch allein die
Weigerung, mit der Waffe in der Hand für den
Sozialismus zu kämpfen, führte zu zahlreichen
Diskriminierungen. Die Ausstellung zeichnet
die Geschichte der Bausoldaten nach, die ein
wesentliches Element der DDR-Opposition
bildeten. Im Begleitprogramm zur Ausstellung
wurden Seminare für Zivildienstleistende
durchgeführt.

Stasi im Ostseeraum
Ausstellung der Bundesbeauftragten
für die Stasi-Unterlagen
(12. Januar bis 27. Februar 2005)
Die Präsentation bietet Einblicke in die Arbeit
des DDR-Staatssicherheitsdienstes in Rostock. Anhand von Materialien aus der ehemaligen MfS-Bezirksverwaltung in der Hansestadt
dokumentiert sie insbesondere die lückenlose
Überwachung der ostdeutschen Bevölkerung.

19

Darüber hinaus schildert sie die gewaltsamen
Enteignungen, Zwangsaussiedlungen und die
Zwangskollektivierung auf dem Lande. Anhand
von Einzelschicksalen werden auch die Repressionen gegen Jugendliche in den 1960er
Jahren beschrieben. Beispielhaft werden
zudem der Prozess der Zwangsvereinigung
von SPD und KPD und die Gleichschaltung von
CDU und LDP dargestellt. Weitere Teile der
Ausstellung beschäftigten sich mit Fluchtversuchen über die Ostsee und mit der Auflösung
des Staatssicherheitsdienstes im Herbst 1989.
Die Ausstellung wurde von der Außenstelle
Rostock der Stasi-Akten-Behörde erstellt.

Mut und Zivilcourage in Deutschland
1933-1989
Ausstellung der Bundesbeauftragten
für
die
Stasi-Unterlagen,
der
Friedrich-Ebert-Stiftung und weiterer Institutionen
(22. März bis 30. Juni 2005)
Die Ausstellung präsentiert auf 24 Tafeln Menschen verschiedener sozialer, politischer und
religiöser Herkunft, die den Mut aufbrachten,
den beiden totalitären Diktaturen in Deutschland die Stirn zu bieten. Im ersten Teil geht es
um die Zeit von 1933 bis 1945. Arbeiter, die aufmunternde Worte an Flüchtlinge richteten oder
den Hitlergruß verweigerten, Studenten wie
Sophie Scholl und ihre Freunde von der Weißen
Rose, couragierte Bürger aus Politik und Kirche
stehen stellvertretend für viele, die sich
auflehnten. Im zweiten Teil geht es um die Zeit
von 1945 bis 1989. Hier werden unter anderem
streikende ostdeutsche Bauarbeiter während
des Volksaufstands im Juni 1953 vorgestellt,
Jugendliche in Ost-Berlin und Prag, die gegen
den Einmarsch in die Tschechoslowakei im
August 1968 protestierten, sowie demonstrierende Bürger während der friedlichen Revolution im Herbst 1989. Im Begleitprogramm der
Ausstellung wurde ein Seminar für Jugendliche
zum Thema "Mut und Zivilcourage" angeboten,
das einen Ausstellungsrundgang, eine Zeitzeugendiskussion und eine Führung durch die Haftanstalt einschloss. Eine Gruppierung namens
Antifa Hohenschönhausen nahm die Ausstellung zum Anlass, um mit wild geklebten Plakaten und einer Demonstration vor der
Gedenkstätte gegen die angebliche Gleichsetzung von Nationalsozialismus und Kommunis-

Tafel der Ausstellung “Graben für den
Frieden? Bausoldaten in der DDR”,
2004/2005

Ausstellung “Mut und zivilcourage in
Deutschland 1933-1989”, 2005

Ausstellungen

20

mus zu protestieren.

Die Botschaftsflüchtlinge auf ihrer
Fahrt von Prag nach Hof
Ausstellung der Bundesbeauftragten
für die Stasi-Unterlagen
(12. August bis 30. September 2005)
Ausstellungsfoto “Die Botschaftsflüchtlinge auf ihrer Fahrt von Prag nach Hof”,
2005

Einladungskarte zur Eröffnung der

Hunderte DDR-Bürger besetzen im September
1989 die bundesdeutschen Vertretungen in
Warschau, Prag und Ost-Berlin, um ihre Ausreise in den Westen zu erreichen. Nach langwierigen Verhandlungen der Bundesregierung
mit der Führung der DDR ließ SED-Chef Erich
Honecker die Prager Botschaftsflüchtlinge
schließlich ziehen, verlangte aber, dass sie mit
dem Zug über das Territorium der DDR ausreisten. Unter dem Jubel der Flüchtlinge
verkündete der damalige Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher dieses Ergebnis
vom Balkon der bundesdeutschen Botschaft in
Prag. In der Nacht vom 30. September zum
1. Oktober 1989 rollten dann die ersten Züge
von Prag über Dresden, Karl-Marx-Stadt (heute
Chemnitz), Reichenbach und Plauen in das
bayrische Hof. Dabei kam es in Dresden zu
schweren Auseinandersetzungen mit der
Polizei, als DDR-Bürger versuchten, auf die
Züge aufzuspringen. Die Ausstellung zeichnet
die geheimen Aktivitäten des MfS nach, das für
die Ausweisung der Botschaftsflüchtlinge und
die Streckensicherung verantwortlich war.

Ausstellung “Zwangsaussiedlung aus

Tafeln der Ausstellung “Bereits Gras
2005

Nach der Abriegelung der innerdeutschen
Grenze durch die DDR im Mai 1952 wurden
innerhalb von zwei Wochen über 8000 Ostdeutsche aus dem neu geschaffenen Sperrgebiet gewaltsam ins Landesinnere umgesiedelt.
Alle Bewohner, die als politisch unsicher galten,
wurden kurzerhand deportiert. Ausgangspunkt
waren häufig Spitzelberichte über unliebsame
politische Äußerungen, Kritik an der Polizei
oder das Hören westlicher Rundfunksendungen, aber auch Vermutungen des Staatssicherheitsdienstes über illegale Grenzübertritte.
Unmittelbar nach den Zwangsaussiedlungen
begann der systematische Ausbau der Grenzanlagen. Nach dem Mauerbau am 13. August
1961 beschloss das Politbüro der SED weitere
Zwangsaussiedlungen und den "pioniertechnischen Ausbau" der Grenzanlagen. Am 3.
Oktober 1961 wurden deshalb erneut über
3000 Menschen zwangausgesiedelt. Die
Ausstellung
informiert
anhand
von
Einzelschicksalen und aussagekräftigen Objekten über dieses wenig bekannte Kapitel der
deutschen Teilung.

Bereits Gras über der deutschdeutschen Grenze? Spurensuche entlang des ehemaligen Grenzstreifens
Fotoausstellung der Stiftung zur
Aufarbeitung der SED-Diktatur
(5. Oktober bis 5. Dezember 2005)

Erschossen
in
Moskau...
Die
deutschen Opfer des Stalinismus auf
dem Moskauer Friedhof Donskoje 1950
- 1953
Ausstellung von Facts & Files und
der
Menschenrechtsorganisation
Memorial
(31. März bis 2. Mai 2006)

Die Ausstellung zeigt auf 25 Tafeln Spuren der
ehemaligen innerdeutschen Grenzbefestigungen. Bis zum Herbst 1989 zogen sie sich als
kaum überwindbares Band durch Deutschland.
Der Ausstellung liegt eine Fotodokumentation
zugrunde, die während einer Wanderung entlang der ehemaligen Grenze angefertigt wurden. Die Fotografen haben im Sommer 2005
insgesamt 1378 Kilometer von Prex nach Priwall zurückgelegt. Die Realisierung der Ausstellung wurde von der Stiftung zur Aufarbeitung
der SED-Diktatur gefördert.

Zwischen 1950 und 1953 wurden annähernd
Tausend Deutsche von sowjetischen Militärtribunalen zum Tode verurteilt und anschließend
in Moskau hingerichtet. Zu den Opfern zählten
unter anderem der liberale Rostocker Studentenführer Arno Esch, der Berliner Rechtsanwalt
Walter Linse sowie der Potsdamer Bürgermeister Erwin Köhler. Ihre Leichen verbrannte
man im Krematorium des Moskauer Friedhofs
Donskoje, die Asche wurde in einem anonymen Massengrab beigesetzt. Anhand zahlreicher Einzelschicksale beschreibt die Ausstel-

dem Grenzgebiet der DDR”, 2005/2006

über der deutsch-deutschen Grenze”,

Zwangsaussiedlung aus dem Grenzgebiet der DDR an der innerdeutschen
Grenze 1952 - 1989
Ausstellung
der
Gedenkstätte
Deutsche Teilung Marienborn
(7. November 2005 bis 31. März 2006)

Ausstellungen

lung, wie die Betroffenen verhaftet, verurteilt
und nach Moskau verschleppt wurden. Dort
wurden sie im berüchtigten Butyrka-Gefängnis
erschossen. Ein Begleitband enthält Kurzbiographien aller bislang bekannt gewordenen
deutschen Opfer. Die Forscher konnten dafür in
Russland zahlreiche unbekannte Akten einsehen.

Studentischer Widerstand in Mitteldeutschland
Ausstellung mitteldeutscher Universitäten und Hochschulen
(17. Juli bis 31. Oktober 2006)
Die Ausstellung widmet sich dem Widerstand
von Studenten gegen die erneute politische
Gleichschaltung der Universitäten durch die
SED nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs.
Nach der Wiedereröffnung der Hochschulen
bildeten die Studentenräte, die als Form studentischer Selbstverwaltung gedacht waren,
die Kulisse für heftige politische Auseinandersetzungen mit den von der Besatzungsmacht
protegierten Kommunisten. Vor allem jüngere
Studenten, die 1945 oder später ihr Abitur
abgelegt hatten, engagierten sich hier für ihre
demokratischen Ideale. Viele von ihnen wurden
daraufhin von der sowjetischen Geheimpolizei
verhaftet. Für ihre politischen Überzeugungen
und ihren Widerstand gegen die Errichtung
einer neuen Diktatur bezahlten sie oft mit dem
Leben oder mit der Deportation in sowjetische
Zwangsarbeitslager. Unter dem Druck der massiven politischen Verfolgung waren die Universitäten bald fest in der Hand der SED. Die
Ausstellung porträtiert Studenten, die sich
dieser Entwicklung entgegenstemmten.

ai und die DDR
Ausstellung von amnesty international
(12. Oktober 2006 bis 31. Januar
2007)
Die Ausstellung widmet sich der Arbeit der
Gefangenenhilfsorganisation amnesty international (ai) für die Respektierung der Menschenrechte in der DDR. Von 1961 bis 1989 "adoptierten" ai-Gruppen aus 30 Ländern mehr als
2000 politische Gefangene in der DDR. Mit
Briefen, Kampagnen und Appellen aus dem

Ausland sowie mit Lobbyarbeit bei den Vereinten Nationen und der Konferenz für Sicherheit
und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) setzten
sie sich für deren Freilassung ein. Für den
Staatssicherheitsdienst und das Politbüro der
SED war amnesty international deshalb eine
"Feindorganisation", die sich in die "inneren
Angelegenheiten der DDR" einmischte.
Vertretern und Mitarbeitern von ai wurde die
Einreise in die DDR verweigert, ihre Tätigkeit im
westlichen Ausland vom MfS beobachtet. Die
Ausstellung zeigt Möglichkeiten und Grenzen
der Menschenrechtsorganisation, die SEDFührung zur Einhaltung jener Prinzipien zu
bewegen, zu denen sie sich in internationalen
Verträgen selber verpflichtet hatte.

21

Eröffnungsveranstaltung mit Schülern
aus Berlin und Brandenburg zurAusstellung “Erschossen in Moskau”, April 2006

Geschichts-codes: grenzenlos!
Plakate des 4. Plakatwettbewerbs
der Stiftung Aufarbeitung
(11. Dezember 2006 bis 2. März 2007)
Am 13. August 1961 errichtete die SEDFührung eine Mauer aus Stein und Stacheldraht zwischen West- und Ost-Berlin, um den
Bewohnern der DDR den letzten freien
Fluchtweg in den Westen abzuschneiden. Die
Mauer wurde alsbald zum Symbol der Teilung
Berlins, Deutschlands und der Welt in zwei verfeindete Blöcke. Die Ausstellung zeigt die
prämierten Arbeiten des 4. Plakatwettbewerbs
der Stiftung Aufarbeitung. Die Teilnehmer
waren aufgefordert, sich mit dem Mauerbau,
dem Aus- und Aufbau der innerdeutschen
Grenze und den Folgen der deutschen Teilung
zu beschäftigen. Die präsentierten Arbeiten
zeigen mit unterschiedlichen Mitteln die
Auseinandersetzung mit den materiellen Überresten der innerdeutschen Grenze und der
Berliner Mauer. Der Wettbewerb stand unter
der Schirmherrschaft von Bundespräsident
Horst Köhler.

Informationsblatt zur Ausstellung “ai und
die DDR”, 2006/2007

22

Protestveranstaltung gegen Geschichtsklitterung im Abgeordnetenhaus zu Berlin am 4. April 2006

Veranstaltungen
Entsprechend ihrem gesetzlichen Auftrag hat
die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen
zahlreiche Veranstaltungen durchgeführt, um
zur Auseinandersetzung mit den Formen und
Folgen politischer Unterdrückung in der kommunistischen Diktatur anzuregen. Mit 28 Veranstaltungen fand in den Jahren 2005/2006
durchschnittlich etwa alle vier Wochen eine
Zusammenkunft statt. Das Spektrum reichte
von aufwändig geplanten Ausstellungseröffnungen und Sonderveranstaltungen über
Vorträge und Buchvorstellungen bis hin zu eher
kulturell orientierten Veranstaltungen mit
Beiträgen aus Musik, Literatur oder Film.
Große Bedeutung hatte auch das Opfergedenken, namentlich an historischen Jahrestagen wie dem 17. Juni (Volksaufstand in der
DDR), dem 13. August (Bau der Berliner Mauer)
oder dem 9. November (Mauerfall). Vielfach
waren die Veranstaltungen mit einer Führung
durch das ehemalige Gefängnis verbunden.
Wegen der ungünstigen geografischen Lage
der Gedenkstätte und der schlechten
Verkehrsanbindung fand ein Teil der Veranstaltungen nicht in Hohenschönhausen, sondern in

der Berliner Innenstadt statt. Insbesondere die
Vertretung des Freistaates Thüringen beim
Bund war häufig Kooperationspartner und
stellte kostenlos ihre Räumlichkeiten zur Verfügung. Auch bei Veranstaltungen auf dem
Gelände der Gedenkstätte wurde meist mit
verschiedenen Partnern kooperiert. Dadurch
konnten nicht nur Finanzmittel gespart und die
Lasten der Vorbereitungsarbeit geteilt, sondern
auch neue Zielgruppen angesprochen werden.
Die Veranstaltungen stießen durchweg auf eine
gute bis sehr gute Resonanz. Insgesamt nahmen etwa zehntausend Menschen daran teil.
Auch die Medien wurden regelmäßig zur
Berichterstattung angeregt.
Die Veranstaltungen wurden jeweils professionell beworben. Im Vorfeld wurden in der
Regel eigens gestaltete Einladungen verschickt, deren Auflagenhöhe sich, je nach
Bedeutung und anvisierter Zielgruppe, zwischen 500 und 2000 bewegte. Aus Kostengründen beschränkte sich der Versand bei
kleineren Veranstaltungen auf einen Adressatenkreis zwischen 300 und 600 Personen.
Bei größeren wurden in der Regel zwischen

Veranstaltungen

1000 und 1500 Einladungen verschickt. Zu allen
Veranstaltungen wurde außerdem noch in elektronischer Form eingeladen. Der gesamte
Adressverteiler der Gedenkstätte wuchs im
Berichtszeitraum um etwa ein Viertel auf über
5500 Adressen. Da die Kooperationspartner
zusätzlich ihre eigenen Verteiler bedienten,
erreichten die Einladungen meist mehrere
tausend Personen. Zudem versandte die
Gedenkstätte entsprechende Presseinformationen und bestückte die Website mit Vor- oder
Nachberichten.
Die Durchführung der Veranstaltungen war
zum Teil mit einem erheblichen logistischen
Aufwand verbunden (AV-Technik, Veranstaltungsmöblierung, Catering, Besucherbetreuung, Fotodokumentation etc.). Ohne den Einsatz von Hilfskräften und das große Engagement der ständigen Mitarbeiter wäre es nicht
möglich gewesen, Großveranstaltungen wie
die Lange Nacht der Museen oder den Tag des
offenen Denkmals so reibungslos zu organisieren wie geschehen. Aus Kostengründen
wurde in vielen Fällen auf den anderswo oft
üblichen anschließenden Empfang verzichtet.

Ausstellungseröffnungen
In den vergangenen beiden Jahren fand in der
Gedenkstätte eine Reihe repräsentativer
Ausstellungseröffnungen statt. Aufgrund der
begrenzten Haushalts- und Personalmittel
wurde diese Veranstaltungsform jedoch auf
besonders aufwändig gestaltete Wechselausstellungen beschränkt. Um dem Charakter
des Ortes Rechnung zu tragen, wurden dabei
neben prominenten Gästen oder hochrangigen
Politikern in der Regel auch Betroffene politischer Verfolgung an exponierter Stelle beteiligt. Als Alternative zu dieser Form von Eröffnung fanden wiederholt zielgruppenorientierte
Seminare statt, die sich dem jeweiligen Ausstellungsthema widmeten.
Im zeitlichen Umfeld zum 44.Jahrestag des
Mauerbaus, am 11. August 2005, eröffnete die
Gedenkstätte die Ausstellung "Die Botschaftsflüchtlinge auf ihrer Fahrt von Prag nach Hof".
Bei der gut besuchten Veranstaltung sprachen
u.a. die Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen Marianne Birthler und der ostpolitische
Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion

23

Arnold Vaatz, der 1989 persönlich den dramatischen Ereignissen rund um den Dresdner
Hauptbahnhof beiwohnte. Erstmals wurden
auch Fernsehbilder von den Polizeiübergriffen
in Dresden gezeigt, die in Kooperation mit dem
MDR und dem Deutschen Rundfunkarchiv
recherchiert worden waren.
Am 25. August 2005 wurde die Ausstellung
"Bilder einer Seele" mit Fotografien des
früheren
Hohenschönhausen-Häftlings
Matthias Melster feierlich eröffnet. Bei der Veranstaltung sprachen der Direktor der
Gedenkstätte, Hubertus Knabe, und der Leiter
der Fotogalerie imago-fotokunst, Oliver
Scholten. Am 7. November 2005 fand die Eröffnung der Ausstellung "Zwangsaussiedlung aus
dem Grenzgebiet der DDR an der
innerdeutschen Grenze 1952 - 1989" statt. An
der Veranstaltung wirkten der damalige Bundestagsabgeordnete Günter Nooke, der Leiter
der Gedenkstätte Deutsche Teilung, Joachim
Scherrieble, und der Zeitzeuge Hans Georg
Niemietz mit.
Zum Auftakt der Ausstellung "Mut und Zivilcourage in Deutschland 1933-1989" fand am
21. März 2005 ein Seminar für jugendliche
Besucher statt. An einen Ausstellungsrundgang schlossen sich eine Zeitzeugendiskussion und eine Führung durch die Haftanstalt an. Am Ende präsentierten die
Jugendlichen eigene Arbeitsergebnisse zum
Thema "Mut und Zivilcourage".

Eröffnungsveranstaltung “Bilder einer
Seele. Fotografien von Matthias Melster” am 25. August 2005 mit Matthias
Melster (li.) und Hubertus Knabe

Eröffnung der Ausstellung “Die Botschaftsflüchtlinge auf ihrer Fahrt von
Prag nach Hof” am 11. August 2005 mit
der Bundesbeauftragten für die StasiUnterlagen, Marianne Birthler (Mitte)

Sonderveranstaltungen
Die Gedenkstätte hat in den vergangenen beiden Jahren durch verschiedene Sonderveranstaltungen öffentlichkeitswirksam zur Auseinandersetzung mit der kommunistischen
Diktatur angeregt. Dabei handelte es sich um
aufwändig geplante Großveranstaltungen, zu
denen teilweise über tausend Besucher
kamen.
Zu den regelmäßig durchgeführten Sonderveranstaltungen zählte die "Lange der Nacht der
Museen", an der sich die Gedenkstätte zweimal
im Jahr beteiligte. Durch die intensive Bewerbung und ein spezielles Programmheft bietet
die Veranstaltung die Chance, ein besonders
breites Publikum anzusprechen. Leider war die

Eröffnung der Ausstellung “Zwangsaussiedlung aus dem Grenzgebiet der DDR”
am 7. November 2005 mit Günter Nooke
(4.v.li.)

Veranstaltungen

24

Wolfgang Welsch, ehemaliger Fluchthelfer und Autor des Buches “Ich war
Staatsfeind Nr.1”, während der 17.
Langen Nacht der Museen am 29.
Januar 2005

Lesung mit dem Schriftsteller Erich
Loest bei der 18. Langen Nacht der
Museen am 27. August 2005

Der ehemalige Häftling und Schriftsteller
Xing-Hu Kuo (li.) und der iranische
Publizist Hossein Yazdi bei einer Lesung
anlässlich der 19. Langen Nacht der
Museen am 28. Januar 2006

Gedenkstätte jedoch nicht jede Mal an das BusShuttle-System angeschlossen. Trotz der
ungünstigen geografischen Lage, die vor allem
in der dunklen Jahreszeit ein Problem darstellt,
fanden teilweise über 1000 Besucher den Weg
in die Gedenkstätte. Von 18 Uhr bis zwei Uhr
früh fanden laufend Führungen durch das ehemalige Gefängnis statt. Darüber hinaus wurde
ein spezielles Kultur- und Informationsprogramm geboten, das sich am jeweiligen Thema
der Langen Nacht orientierte.
Im Mittelpunkt der 17. Langen Nacht der
Museen am 29. Januar 2005 stand der spektakuläre Fall des ehemaligen Fluchthelfers
Wolfgang Welsch. Der Staatssicherheitsdienst
verübte auf ihn mehrere Mordanschläge, die er
nur knapp überlebte. Ein Inoffizieller Mitarbeiter, der ihn mit vergifteten Buletten umbringen
wollte, wurde später zu einer Gefängnisstrafe
verurteilt; der zuständige MfS-Offizier verübte
nach seiner Verhaftung Selbstmord. Welsch
stellte in der Langen Nacht den Film "Der Stich
des Skorpions" vor, der sein Buch "Ich war
Staatsfeind Nr. 1" zur Grundlage hat. Er las aus
dem Buch, in dem er über seine lebensgefährliche Zeit als Fluchthelfer berichtet.
Anschließend fand eine rege Diskussion im
vollbesetzten Vortragssaal statt. Trotz des plötzlichen Wintereinbruchs kamen in dieser Nacht
mehr als tausend Besucher in das ehemalige
Stasi-Gefängnis.
In der 18. Langen Nacht am 27. August 2005 las
der Schriftsteller Erich Loest aus seinem
Roman: "Durch die Erde ein Riß". In dem autobiografischen Werk schildert er unter anderem
die Nachkriegszeit in Ostdeutschland. Loest,
der in der DDR zu siebeneinhalb Jahren
Zuchthaus verurteilt worden war, betrat zum
ersten Mal wieder ein ehemaliges DDRGefängnis. Nach seiner Haftentlassung hatte er
es abgelehnt, jemals wieder die Stadt Bautzen
oder das dortige Gefängnis aufzusuchen. Die
Veranstaltung fand unerwartet große Resonanz in den Medien, weil ein freier Mitarbeiter
der Gedenkstätte dem Schriftsteller das Original-Schloss zur Kirchentür im Zuchthaus
Bautzen schenkte. Im Rahmen des Programms
wurde auch die kurz zuvor fertiggestellte Dokumentation "Schicksal Fünfeichen" vorgestellt.
Der Film behandelt das sowjetische Speziallager bei Neubrandenburg, in dem fast 5000
Menschen starben. Zudem stellte sich erst-

mals der Förderverein Gedenkstätte BerlinHohenschönhausen dem Publikum vor. Auch in
dieser Nacht nahmen Hunderte Besucher an
einem Rundgang durch das ehemalige Gefängnis teil.
An der 19. Langen Nacht am 28. Januar 2006
beteiligte sich die Gedenkstätte mit einem Programm, das den Erfahrungen ausländischer
Häftlinge in der DDR gewidmet war. Anlass war
das Motto der Museumsnacht "Kulturelle
Vielfalt". Der chinesische Journalist Xing-Hu
Kuo las aus seinem Buch "Ein Chinese in
Bautzen", in dem er auch über Diskriminierungen wegen seiner nicht-deutschen Herkunft
berichtet. Der iranische Journalist Hossein
Yazdi stellte den Dokumentarfilm "Der verbotene Händedruck" über seine Zeit in DDRGefängnissen vor. Die Künstlerin Katharina Bek
sorgte mit einer "singenden Säge" für die
musikalische Umrahmung des Abends. Das
ungewöhnliche Instrument sollte darauf
anspielen, dass sich ein Häftling nichts so sehr
wünschte wie eine Säge. Darüber hinaus
wurde der Film "Sonnenbrand im Bruderland"
gezeigt, der die Überwachung von DDR-Bürgern beim Urlaub in Bulgarien thematisiert.
Zusätzlich fanden Sonderführungen durch das
ehemalige Haftkrankenhaus und die Bediensteten-Sauna statt, die normalerweise für
Besucher nicht zugänglich sind.
In der 20. Langen Nacht am 26. August 2006
stellten die Autoren Ines Geipel und Joachim
Walther unbekannte Texte inhaftierter DDRSchriftsteller vor. Schauspielstudenten lasen
die eindrücklichen Texte, die aus dem neu
gegründeten Archiv unterdrückter Literatur in
der DDR stammen. Nach der Lesung fand eine
rege Diskussion im vollbesetzten Saal statt.
Unter dem Motto "Die Beobachtung der
Anderen" zeigte die Gedenkstätte außerdem
Schulungsfilme
des
Ministeriums
für
Staatssicherheit. Einblicke in die Objektsammlung der Gedenkstätte und Führungen durch
ausgewählte Depots ergänzten das Programm.
Die Gedenkstätte beteiligte sich auch am "Tag
des offenen Denkmals", der jedes Jahr im September stattfindet. Die gut beworbene Veranstaltung führt immer wieder Hunderte
Besucher in das ehemalige Stasi-Gefängnis.
2005 bot die Stiftung -- entsprechend dem
diesjährigen Motto "Krieg und Frieden" -- Son-

Veranstaltungen

derführungen an, bei denen das sowjetische
Speziallager im Mittelpunkt stand. Ein Vortrag
des Historikers Peter Erler über das Lager
sowie Führungen durch das Gefängnis und den
so genannten Grotewohl-Express komplettierten das Programm. Auch im Folgejahr wurden Sonderführungen angeboten. Dabei konnten Bereiche, die sonst nicht zugänglich sind,
besichtigt werden. Insbesondere die einstige
Gefängnisküche, aber auch das frühere
Haftkrankenhaus und die Objektsammlungen
der Gedenkstätte zogen das Interesse der
Besucher auf sich. Darüber hinaus wurden
Führungen in das frühere Sperrgebiet rund um
das Gefängnis angeboten.
Gelegenheit
zu
einem
übergreifenden
Erfahrungsaustausch bot das internationale
Symposium "Urbane Erinnerungskulturen:
Berlin und Buenos Aires" vom 21. bis 23. Juni
2005. Die Veranstaltung stand unter der
Schirmherrschaft des Regierenden Bürgermeisters von Berlin, Klaus Wowereit, und des
Regierungschefs der Stadt Buenos Aires,
Aníbal Ibarra. Die Gedenkstätte beteiligte sich
daran mit einem Vortrag über die Geschichte
des Haftortes Hohenschönhausen. Bei der
Organisation der Konferenz kooperierte die
Stiftung mit dem Ibero-Amerikanischen Institut, der Europäischen Akademie, der HeinrichBöll-Stiftung, der Landeszentrale für politische
Bildung, der Stiftung zur Aufarbeitung der SEDDiktatur, dem Haus der Wannsee-Konferenz
und der Bundesbeauftragten für die Unterlagen
des Staatssicherheitsdienstes.
Mit einem eigenen Symposium erinnerte die
Gedenkstätte am 3. November 2005 an den
ersten
Nachkriegskommandanten
der
Berliner Schutzpolizei, Karl Heinrich. Der
Sozial-demokrat, der wegen seines Widerstands gegen den Nationalsozialismus jahrelang in Haft gesessen hatte, war nach dem
Ende des Krieges von der sowjetischen
Besatzungsmacht in die Berliner Polizeispitze
berufen worden. Weil er sich ihren politischen
Vorgaben widersetzte, wurde er im August
1945 erneut verhaftet. Noch vor seiner
Verurteilung starb er -- vor genau 60 Jahren -im November 1945 im Krankenrevier des
Lagers Berlin-Hohenschönhausen. Im Rahmen
der Veranstaltung fanden mehrere Vorträge, ein
Zeitzeugengespräch und eine Kranzniederlegung mit dem Berliner Polizeipräsidenten

25

Dieter Glietsch im Rosenhof der Gedenkstätte
statt. Die Veranstaltung wurde in Kooperation
mit der Berliner Polizei, der Friedrich-EbertStiftung, dem Tagesspiegel und dem SPDArbeitskreis ehemaliger politischer Häftlinge
der SBZ/DDR durchgeführt. Der Fraktions- und
Landesvorsitzende der Berliner SPD Michael
Müller sprach ein Grußwort.
Auf Anregung der Gedenkstätte fand am 4.
April 2006 im Berliner Abgeordnetenhaus eine
viel beachtete Lesung mit ehemaligen Häftlingen des DDR-Staatssicherheitsdienstes statt.
Der Präsident des Abgeordnetenhauses von
Berlin, Walter Momper, hatte dazu unter dem
Motto "Zeichen setzen -- Schauspieler und ehemalige Häftlinge des MfS lesen Zeitzeugenberichte" in den Plenarsaal eingeladen. Das Parlament reagierte damit auf eine Diskussionsveranstaltung des Bezirksamts Lichtenberg
und der Berliner Kulturverwaltung am 14. März,
auf der frühere Stasi-Mitarbeiter die politische
Verfolgung in der DDR gerechtfertigt und die
Opfer verhöhnt hatten. Die Haftberichte wurden teils von Betroffenen, teils von dem 1985
aus der DDR geflüchteten Schauspieler Udo
Schenk gelesen. Sie straften die Äußerungen
der Offiziere über die angeblich so guten
Haftbedingungen in Hohenschönhausen anschaulich Lügen. Auch die frühere Bürgerrechtlerin Vera Lengsfeld und der Musiker Christian
Kunert von der in der DDR verbotenen Klaus
Renft Combo beteiligten sich an der Veranstaltung, an der mehr als 500 Menschen teilnahmen, darunter viele Landespolitiker. Der Plenarsaal und die Tribüne waren bis auf den letzten Platz besetzt.
Vom 17. bis 18. November 2006 lud die
Gedenkstätte zu einem internationalen Workshop mit Vertretern europäischer Gedenkstätten und Kommunismus-Museen statt. Unter
dem Motto "Wenn das Unrecht verblasst. Die
kommunistische Diktatur in den Museen
Europas" trafen sich Praktiker der musealen
Vermittlungsarbeit aus Russland, Polen,
Ungarn und dem Baltikum erstmals in Berlin zu
einem Erfahrungsaustausch. Zur Eröffnung
sprachen der frühere litauische Präsident
Vytautas Landsbergis und der ehemalige sowjetische Dissident Wladimir Bukowsky. An der
abschließenden Podiumsdiskussion, die auch
vom Deutschlandfunk ausgestrahlt wurde,
nahmen die Direktorin des Hauses des Terrors

Anzeigentafel im Abgeordnetenhaus zu
Berlin während der Protestveranstaltung
gegen Geschichtsklitterung am 4. April
2006

Der ehemalige litauische Präsident
Vytautas Landsbergis beim internationalen Workshop “Wenn das Unrecht
verblasst. Die Kommunistische Diktatur
in den Museen Europas”, 17. November
2006

Kranzniederlegung mit dem Berliner
Polizeipräsidenten Dieter Glietsch und
Innensenator Ehrhart Körting (Mitte)
nach der Gedenkveranstaltung zu Ehren
Karl Heinrich am 3. November 2005

Veranstaltungen

26

in Budapest, Mária Schmidt, der Direktor des
Zeitgeschichtlichen Forums in Leipzig, Rainer
Eckert, Professor Karol Sauerland von den Universitäten Warschau und Thorn sowie der Leiter der Gedenkstätte, Hubertus Knabe, teil. Die
Veranstaltung wurde unterstützt von der Konrad-Adenauer-Stiftung, der Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, dem Deutschlandfunk und dem Osteuropazentrum Berlin.
Theaterstück “Krokodil im Nacken” nach
dem gleichnamigen Roman des Schriftstellers und HohenschönhausenHäftlings Klaus Kordon, 12. August 2006

Historische Jahrestage
An wichtige historische Jahrestage hat die
Stiftung in der Regel mit einem speziellen Programm erinnert. Aufgrund der erhöhten
öffentlichen Aufmerksamkeit im zeitlichen
Umfeld bestimmter Jubiläen hat es sich
bewährt, an solche Daten anzuknüpfen. Am 13.
August (Mauerbau) und am 9. November
(Mauerfall) fanden jeweils Kranzniederlegungen, Filmvorführungen und Sonderführungen
statt.

Szenische Lesung “Das Verhör” im “U-

Mit Unterstützung der Gedenkstätte führte der
Förderverein zum Jahrestag des Mauerbaus
am 13. August 2005 eine öffentlichkeitswirksame Aktion am Potsdamer Platz durch. Dabei
konnte auch der Gefangenentransportwagen
W 50 besichtigt werden. Viele Passanten wurden auf diese Weise erstmals darauf aufmerksam gemacht, dass im Zusammenhang mit
dem DDR-Grenzregime rund 72 000 Menschen ins Gefängnis kamen.

Boot” zum 100. Geburtstag des Schriftstellers Arthur Koestler, 3. September
2005

Justizsenatorin Karin Schubert (re.) und
die Bürgerrechtlerin Vera Lengsfeld bei
der Gedenkveranstaltung “Stasi-Raus -15 Jahre Schließung der Haftanstalt
Hohenschönhausen”, 15. Januar 2005

Mit einer Veranstaltungsserie erinnerte die
Gedenkstätte im Jahr darauf an den Bau der
Berliner Mauer vor 45 Jahren. Im ehemaligen
Konferenzsaal des Gefängnispersonals wurde
am 12. August 2006 ein Theaterstück nach dem
Roman von Klaus Kordon "Krokodil im Nacken"
uraufgeführt. In dem autobiografischen Roman
setzt sich der vielfach ausgezeichnete Kinderund Jugendbuchautor mit seiner Haftzeit in der
DDR auseinander. Nach einem gescheiterten
Fluchtversuch war Kordon ein Jahr im StasiUntersuchungsgefängnis Berlin-Hohenschönhausen. Die Aufführung stand unter der
Schirmherrschaft des Berliner Schulsenators
Klaus Böger. Die Inszenierung der "drehbühne
berlin" entstand in Zusammenarbeit mit der
Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und
der Bundeszentrale für politische Bildung.
Weitere Aufführungen fanden am 13. August

und vom 1. bis 3. September statt; sie waren
alle ausverkauft.
Mit einer ähnlichen Veranstaltung wurde am 3.
September 2005 an den 100. Geburtstag des
ungarisch-jüdischen
Schriftstellers Arthur
Koestler erinnert, der zu den weitsichtigsten
Kritikern totalitärer Herrschaft gehörte. Der
Autor und Filmemacher Helmuth Frauendorfer
erstellte eine Bühnenfassung nach Koestlers
Roman "Sonnenfinsternis", der die perfiden Vorbereitungen für einen Schauprozess gegen
einen einst führenden Kommunisten in der
Sowjetunion schildert. Unter dem Titel "Das
Verhör" wurden die gespenstischen Dialoge
zwischen dem Häftling und dem Vernehmer in
einer szenischen Lesung nachgespielt. Die
Lesung mit kargem Bühnenbild fand quasi am
Ort des Geschehens statt: im ehemaligen Kellergefängnis der zentralen sowjetischen Untersuchungshaftanstalt für Ostdeutschland, wo
man Anfang der fünfziger Jahre ähnliche
Schauprozesse vorbereitet hatte. Der Text
wurde von den Schauspielern Udo Schenk,
Max Volkert Martens und Sven Riemann vorgetragen, die durch Auftritte im Fernsehen und
Engagements an Berliner Bühnen bekannt
geworden sind. Die Veranstaltung war bis auf
den letzten Platz ausverkauft und mit einer
intensiven Vor- und Nachberichterstattung der
Medien verbunden.
Wenig später, am 5. Oktober 2005, fand unter
dem Motto "Stasi raus" eine Veranstaltung
statt, die an die Schließung der Untersuchungshaftanstalt in Hohenschönhausen vor 15
Jahren erinnerte. Die Berliner Bürgermeisterin
und Justizsenatorin Karin Schubert, die Anfang
der 1990er Jahre maßgeblich zum Aufbau
rechtsstaatlicher Strukturen in Ostdeutschland
beigetragen hatte, sprach über das Ende der
Haftanstalt vor 15 Jahren. Die ehemalige Bürgerrechtlerin Vera Lengsfeld, die 1988 in Hohenschönhausen inhaftiert war und sich zwei Jahre
später als demokratisch gewählte Volkskammerabgeordnete für die Belange der Häftlinge
in der DDR engagierte, las anschließend aus
ihrer Autobiografie "Mein Weg zur Freiheit". Auf
einfühlsame Weise schildert sie darin ihre
Haftzeit beim Staatssicherheitsdienst. Für das
musikalische Rahmenprogramm sorgte der
Musiker Stephan Krawczyk, der ebenfalls in
Hohenschönhausen einsaß.

Veranstaltungen

Auch an den 15. Jahrestag der Erstürmung der
Stasi-Zentrale in der Berliner Normannenstraße erinnerte die Gedenkstätte mit einem
eigenen Programm. Am 14. Januar 2005, dem
Vortag des Jubiläums, fand eine Sonderführung durch das frühere Sperrgebiet BerlinHohenschönhausen statt, in dem früher viele
wichtige Stasi-Abteilungen befanden. Anders
als die Zentrale des Staatssicherheitsdienstes
wurde der Geheimkomplex 1990 nicht von
Bürgerrechtlern besetzt, so dass viele Spuren
verwischt werden konnten. In einer Veranstaltung stellten der Direktor der Gedenkstätte
Hubertus Knabe und der Historiker Peter Erler
ein neues Buch über den "verbotenen Stadtteil"
vor. Der ehemalige HohenschönhausenHäftling Mike Fröhnel, der den Mauerfall hinter
Gittern erlebt hatte, berichtete, wie sich der
Sturz der SED-Diktatur auf die DDR-Gefängnisse auswirkte.
Zum 60. Jahrestag des Kriegsendes veranstaltete die Gedenkstätte vom 29. April bis zum
3. Mai 2005 ein internationales Seminar mit
Schülern aus Ungarn, Polen, Tschechien und
Berlin. Im Rahmen der hochkarätig besetzten
Veranstaltung diskutierten unter anderem die
Schriftsteller Peter Schneider und Inge
Deutschkron mit den angereisten Schülern.
Der ehemalige Häftling Horst Jänichen, der
nach dem Ende des Krieges als 15-jähriger vom
sowjetischen Geheimdienst verhaftet und nach
Hohenschönhausen verbracht worden war,
berichtete über seine Erfahrungen. Zum Programm gehörten auch ein Besuch des ehemaligen Konzentrationslagers Sachsenhausen
und eine Führung durch die Gedenkstätte
Berlin-Hohenschönhausen.
Ein ähnliches Seminar, allerdings nur für Berliner Schüler, veranstaltete die Gedenkstätte
am 17. Juni 2005, um an den Volksaufstand in
der DDR vor 52 Jahren zu erinnern. Zwei Teilnehmer des Aufstandes, Gerhard Kucharzewski und Horst Hertel, berichteten von ihren
damaligen Erlebnissen. Kucharzewski arbeitete im Juni 1953 als Schlosser für das bestreikte Reichsbahnausbesserungswerk in BerlinFriedrichshain und wurde dort nach einer
Denunziation verhaftet. Hertel war als
Jugendlicher dabei, wie Demonstranten in
Berlin ein Regierungsauto umstürzten, und
wurde deshalb zu acht Jahren Zuchthaus
verurteilt. Im Anschluss an die Veranstaltung

27

wurden die Schüler durch das ehemalige
Gefängnis in Berlin-Hohenschönhausen geführt, in das damals zahlreiche Streikführer und
Demonstranten eingeliefert worden waren.
Der SPD-Arbeitskreis ehemaliger politischer
Häftlinge der SBZ/DDR, die Frauen-Union
Berlin-Tempelhof und ein Zusammenschluss
ehemals im Zuchthaus Hoheneck inhaftierter
Frauen legten im Rosenhof Kränze nieder.
Buchvorstellung “Orte des Terrors -GPU-Keller in Berlin” mit Zeitzeugen, 6

Vorträge und Buchvorstellungen

März 2006

In einer lockeren Reihe führte die Gedenkstätte
auch eine Reihe von Vortragsveranstaltungen
und Buchvorstellungen durch. Die Stiftung
bemühte sich dabei, über den Kreis der ohnehin am Thema Interessierten hinaus auch Menschen anzusprechen, die sich bislang nicht oder
nur am Rande damit beschäftigten. Aus diesem
Grunde fanden die Veranstaltungen meist in
Kooperation mit anderen Institutionen statt.
Die Abendveranstaltungen boten den Besuchern die Gelegenheit, mit Experten, Buchautoren und Zeitzeugen ins Gespräch zu kommen.
Am 8. März 2006 fand im Berliner MagnusHaus eine gut besuchte Buchvorstellung mit
anschließendem Zeitzeugengespräch statt.
Unter dem Titel: "Orte des Terrors -- GPU-Keller
in Berlin" stellte der Historiker Peter Erler eine
Broschüre vor, die erstmals beschreibt, in
welchen Berliner Gebäuden sich nach dem
Krieg sowjetische Kellergefängnisse befanden
-- nicht nur in Ost-, sondern bis Juli 1945 auch
in West-Berlin. Nach dem Ende des Zweiten
Weltkrieges hatte die sowjetische Besatzungsmacht über 200 000 deutsche Zivilisten in Haft
genommen. Auch in Berlin verschwanden
Tausende in den Gefängnissen und Lagern der
sowjetischen Geheimpolizei. Der Veranstaltungsort, an dem heute u.a. Alt-Bundespräsident Richard von Weizsäcker sein Büro hat, war
nicht zufällig gewählt, denn auch das MagnusHaus war früher ein solches Kellergefängnis.
Mehrere Zeitzeugen, die in verschiedenen
Berliner Häusern inhaftiert waren, berichteten
auf der Veranstaltung von ihren Erlebnissen.
Im Anschluss an einen ganztägigen workshop
über sowjetische Haftorte in Berlin und Brandenburg wurde am 30. Mai 2006 in einer Vortragsveranstaltung das in der Öffentlichkeit

Abschlussdiskussion mit Prof. Dr. Rainer
Eckert, Prof. Dr. Maria Schmidt, Dr.
Henning von Löwis, Prof. Dr. Karol
Sauerland, Dr. Hubertus Knabe (v.l.n.r.)
beim internationalen Workshop “Wenn
das Unrecht verblasst” am 17./18.
November 2006

Veranstaltung “Justizmorde in der
frühen DDR -- Berliner Opfer des
Stalinismus”, 30. Mai 2006

Veranstaltungen

28

Filmvorführung “Das kurze Leben des
Robert Bialek” mit der Regisseurin und
DDR-Bürgerrechtlerin Freya Klier,
8. Dezember 2005

5. Internationales Literaturfestival Berlin
2005 -- ("Putins Russland" ) mit dem
Schriftsteller Richard Wagner,
7. September 2005

wenig beachtete Thema der politisch
motivierten Justizmorde in der frühen DDR
behandelt. Die Veranstaltung erinnerte insbesondere an Menschen aus Berlin und Brandenburg, die damals hingerichtet wurden.
Sowjetische Militärtribunale (SMT) und ostdeutsche Gerichte verurteilten insgesamt mehr
als 1000 Menschen zum Tode. Eine zentrale
Rolle spielten dabei auch die Mitarbeiter des
Staatssicherheitsdienstes, die die Betroffenen
häufig ans Messer lieferten. Der Moskauer Historiker Nikita Petrov und die Berliner Wissenschaftler Frank Drauschke und Falco
Werkentin stellten ihre Forschungsergebnisse
zum Thema vor. Der Zeitzeuge Peer Lange, der
von einem Militärtribunal zum Tode verurteilt
und später begnadigt worden war, berichtete
anschließend von seinen Erfahrungen. Die Veranstaltung fand in Kooperation mit der Koordinationsstelle des Projektverbunds Zeitgeschichte Berlin-Brandenburg statt.
Mitarbeiter der Stiftung wurden darüber hinaus
häufig als Referenten zu Vorträgen und Veranstaltungen außerhalb der Gedenkstätte eingeladen. Das Spektrum reichte dabei von wissenschaftlichen Fachvorträgen über Seminare
der politischen Bildung und bis hin zur Teilnahme an Podiumsdiskussionen und Anhörungen. Eine Reihe ehemaliger Häftlinge, die für
die Gedenkstätte als Besucherreferenten tätig
sind, wurde von Schulen oder anderen Einrichtungen zu Zeitzeugengesprächen eingeladen.
Der Direktor der Gedenkstätte, Dr. Hubertus
Knabe, referierte aus Anlass des 50.
Jahrestages der Kapitulation im Frühjahr 2005
mehrfach über den Verlauf des Kriegsendes in
Ostdeutschland. Feste und freie Mitarbeiter
der Gedenkstätte bestritten in den vergangenen beiden Jahren im Bundesgebiet mehr
als dreißig derartige Veranstaltungen, die häufig von der lokalen Presse aufgegriffen wurden.

Literatur und Film

Veranstaltung “Tod eines Fussballers”
aus Anlass der Fußball-Weltmeisterschaft mit Dr. Hanns Leske, Dr. Heribert
Schwan, Robert Ide, Mario Weinkauf
(v.l.n.r.), 28. Juni 2006

Die Gedenkstätte hat auch durch verschiedene
kulturelle Angebote zur Auseinandersetzung
mit der kommunistischen Diktatur in Ostdeutschland angeregt. Lesungen und Filmvorführungen bildeten eine wichtige Ergänzung zu
den eher faktenorientierten Vortrags- und
Diskussionsveranstaltungen. Oftmals waren
kulturelle Beiträge auch Bestandteil von Son-

derveranstaltungen oder Ausstellungseröffnungen. Auf diese Weise war es möglich, die
für Nicht-Betroffene nur schwer nachvollziehbare Erfahrung politischer Verfolgung
anschaulich zu machen und neue Zielgruppen
anzusprechen.
Im Sommer 2005 beteiligte sich die
Gedenkstätte erstmals am Internationalen Literaturfestival Berlin. Im Rahmen des Festivals
fand am 7. September eine Lesung mit dem
aus Rumänien stammenden Schriftsteller
Richard Wagner statt. Im kommunistischen
Ceausescu-Regimes war er jahrelang von der
Geheimpolizei drangsaliert worden. Nach
einem Arbeits- und Publikationsverbot reiste er
- zusammen mit Herta Müller und weiteren
Autoren - 1987 in die Bundesrepublik aus. Seitdem lebt er als freier Schriftsteller in Berlin und
erhielt zahlreiche Preise und Literaturstipendien. In seinem Roman "Habseligkeiten"
beschreibt er die Geschichte einer Familie im
rumänischen Banat. Die Eingliederung
Rumäniens in den sowjetischen Machtbereich
bedeutete für die Banater Schwaben eine
schroffe Zäsur, in deren Folge die jahrhundertealte deutschsprachige Kultur fast vollständig ausstarb.
Unter dem Titel "Das kurze Leben des Robert
Bialek" fand am 8. Dezember 2005 eine
Filmvorführung mit der Regisseurin Freya Klier
statt. Der Tod des ehemaligen Spitzenfunktionärs des kommunistischen Jugendverbandes FDJ ist bis heute nicht aufgeklärt. Der aus
einer sozialdemokratischen Familie stammende Bialek wurde 1935 wegen Widerstands
gegen den Nationalsozialismus zu fünf Jahren
Zuchthaus verurteilt. Nach dem Krieg machte
er in der SED Karriere, überwarf sich jedoch mit
den Machthabern und flüchtete nach WestBerlin. Von dort entführte ihn der Staatssicherheitsdienst, danach verliert sich seine Spur. Die
frühere DDR-Bürgerrechtlerin Freya Klier, die
1988 in Hohenschönhausen inhaftiert war, hat
das kurze Leben des Robert Bialek in einem
ergreifenden Dokumentarfilm nachgezeichnet.
Rund 120 Besucher folgten der Einladung der
Gedenkstätte und der Vertretung des Freistaates Thüringen beim Bund, mit der Autorin
über ein nahezu unbekanntes Stück deutscher
Zeitgeschichte zu diskutieren.
Aus Anlass der Fußball-Weltmeisterschaft erin-

Veranstaltungen

nerte die Gedenkstätte am 28. Juni 2006 an
den ehemaligen Spieler der DDR-Nationalelf
Lutz Eigendorf. Unter dem Titel "Tod eines Fußballers. Warum die Stasi den ‚Beckenbauer der
DDR' liquidieren wollte" fand im vollbesetzten
Saal der Vertretung des Freistaats Thüringen
beim Bund eine Filmvorführung mit anschließender Podiumsdiskussion statt. Eigendorf hatte sich 1979 bei einem Freundschaftsspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern in
die Bundesrepublik abgesetzt. Der Minister für
Staatssicherheit befahl daraufhin die Verfolgung des "Verräters". Am 7. März 1983 starb der
Fußballer an den Folgen eines schweren
Verkehrsunfalls, der vermutlich vom Staatssicherheitsdienst inszeniert worden war. Im
Anschluss an einen Dokumentarfilm von
Heribert Schwan über den Fall Eigendorf diskutierte der Autor mit dem Präsidenten des BFC
Dynamo, Mario Weinkauf, und dem Politikwissenschaftler Hanns Leske, Verfasser des Buches "Erich Mielke, die Stasi und das runde
Leder". Die Veranstaltung fand in Kooperation
mit der Vertretung des Freistaats Thüringen
beim Bund und dem Tagesspiegel statt.

Opfergedenken
Die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen
ist nicht nur ein Ort der Information, sondern
auch des Gedenkens und der Trauer.
Regelmäßig fanden deshalb Gedenkveranstaltungen für die Opfer der kommunistischen
Gewaltherrschaft statt. Sie waren in der Regel
mit einer Kranzniederlegung am Gedenkstein
verbunden, der nach der Schließung des
Gefängnisses im so genannten Rosenhof
errichtet wurde. Auf dem nahegelegenen Friedhof an der Gärtnerstraße befindet sich seit
1998 zudem ein sogenannter DenkOrt, der an
die Toten des sowjetischen Speziallagers in
Hohenschönhausen erinnert. 1995 und 1999
wurden hier die sterblichen Überreste von 259
Inhaftierten, die in der Nähe des Lager verscharrt worden waren, nachbestattet.
Jeweils am 24. Oktober -- dem Tag der Umbettung der ersten aufgefunden Gebeine -- fanden
auf dem Friedhof Gärtnerstraße feierliche
Kranzniederlegungen statt; im Anschluss daran
wurde zu einem Empfang eingeladen. Die Veranstaltung wurde vom Stadtbezirk Lichtenberg
in Zusammenarbeit mit der Gedenkstätte

organisiert. Neben Vertretern des Bezirksamtes und der Bezirksverordnetenversammlung nahmen daran in erster Linie ehemalige
Häftlinge und ihre Angehörige sowie Vertreter
der Verfolgtenverbände teil. Abgesandte einschlägiger Institutionen -- von der Stiftung
Aufarbeitung über das Cold War Museum in
den USA bis zum Haus am Checkpoint Charlie
-- waren mit Kränzen vertreten. Die seit zehn
Jahren durchgeführte Veranstaltung hat
maßgeblich dazu beigetragen, die Erinnerung
an die über 800 Toten des Lagers wach zu halten. Im Rahmen des Gedenkens sprachen u.a.
der Direktor der Gedenkstätte Hubertus Knabe,
der ehemalige Lager-Häftling und Gedenkstättenführer Horst Jänichen sowie die Bezirksbürgermeisterin Christina Emmrich.
Auch der 17. Juni 2005 war, wie erwähnt,
Anlass für mehrere Kranzniederlegungen in der
Gedenkstätte, um an die Opfer des Volksaufstandes zu erinnern. Am 9. November 2005,
dem Jahrestag des Mauerfalls, legte der
Bevollmächtigte des Saarlands beim Bund, Jürgen Lennartz, einen Kranz am Gedenkstein
nieder. Zu den Jahrestagen fanden in beiden
Jahren zusätzlich Schülerseminare und Sonderführungen mit Zeitzeugen statt. Im November 2006 legte auch Bundespräsident Horst
Köhler einen Kranz nieder. Wegen Bauarbeiten
im Rosenhof musste der Kranz vor einer Zelle
im ehemaligen Kellergefängnis aufgestellt werden.

29

Kranzniederlegung anlässlich des
Volksaufstandes in der DDR am 17. Juni
in der Gedenkstätte Hohenschönhausen,17. Juni 2006

Kranzniederlegung im Rosenhof durch
den Bevollmächtigten des Saarlandes
beim Bund, Jürgen Lennartz,
11. September 2005

Gedenkfeier für die Opfer des sowjetischen Speziallagers auf dem Friedhof
Gärtnerstraße in Hohenschönhausen,
24. Oktober 2006

30

Forschung
Es versteht sich von selbst, dass die der
Gedenkstätte aufgetragene Vermittlungsarbeit
ein wissenschaftlich gesichertes Grundwissens voraussetzt. Trotz umfangreicher Bemühungen um die Aufarbeitung der politischen
Justiz in der Sowjetischen Besatzungszone
und der DDR ist die Geschichte des Haftortes
Berlin-Hohenschönhausen jedoch immer noch
unzureichend erforscht. Gesicherte Angaben
über Geschlecht, Alter und sozialer Herkunft
der Gefangenen, über Repressionswellen,
Haftgründe und Haftzeiten liegen bis heute
nicht vor. Die Entwicklung des Haftregimes und
der Vernehmungsmethoden wurden bislang
ebenso wenig systematisch für alle Perioden
untersucht wie sich eine ortsbezogene Täterforschung entwickelt hätte. Selbst Fragen nach
baulichen Veränderungen an den Gebäuden
können vielfach nicht präzise beantwortet werden.
Die Gedenkstätte hat an dieser Situation nur
wenig ändern können. Sie hat zwar den gesetzlichen Auftrag, die Geschichte der Haftanstalt
Hohenschönhausen in den Jahren 1945 bis
1989 zu erforschen, doch für eine systematische Forschung fehlt ihr das Personal. Die

einzige feste Wissenschaftlerstelle ist im so
genannten Zeitzeugenbüro angesiedelt, das
den Kontakt zu den einst Inhaftierten halten
soll. Drei weitere ursprünglich geplante Stellen
wurden bei Gründung der Stiftung aus
finanziellen Gründen gestrichen. Eine gewisse
Verbesserung der Situation ist nur dem
Umstand zu verdanken, dass der Bund im
Berichtszeitraum eine halbe Stelle für eine
zusätzliche Fachkraft finanziert hat, die mit dem
Historiker Peter Erler besetzt wurde. Seit dem
1. März 2005 ist er mit 30 Wochenstunden in
der Stiftung beschäftigt und unterstützt die
pädagogische Arbeit durch wissenschaftliche
Recherchen.
Mangels
eigener
Forschungskapazitäten
musste sich die Gedenkstätte im wesentlichen
darauf beschränken, Quellen zu recherchieren,
zu erschließen und für die Zukunft zu sichern.
Darüber hinaus hat sie über Werkverträge und
Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen eine Reihe
kleinerer Forschungsvorhaben gefördert sowie
verschiedene externe Projekte unterstützt.
Forschungsprojekte
im
Umfeld
der
Gedenkstätte wurden, wann immer möglich,
ideell begleitet und zum Teil durch die Vermitt-

Forschung

lung
von
befördert.

Finanzierungsmöglichkeiten

Im Zuge der Quellenrecherchen wurde im
Berichtszeitraum u.a. im Archiv der Berliner
Außenstelle des DRK-Suchdienstes, im Landesarchiv Berlin und in den Berliner Heimatmuseen Mitte und Spandau nach Unterlagen
aus der Zeit der sowjetischen Verwaltung des
Haftortes (1945 bis 1951) geforscht. Im Landesarchiv wurden zum Beispiel umfangreiche
Materialbestände der ostdeutschen Polizei, die
bei Verhaftungen durch die sowjetische Geheimpolizei oft als Hilfsorgan fungierte, ausgewertet. Für die Erstellung eines "Totenbuches" mit den Namen der verstorbenen
Lagerhäftlinge wurde im Sommer 2005 beim
DRK-Suchdienst in München mit Hilfe einer
studentischen Hilfskraft in dort lagernden personenbezogenen Unterlagen (u.a. Karteikarten
des russischen Geheimdienstes FSB und
Anfragen beim Suchdienst) recherchiert. In
einer speziellen Datenbank wurden die Daten
von 573 Verstorbenen erfasst. Sukzessive
übersandte Quellenbelege des Suchdienstes
wurden gesammelt und mit den bereits
vorhandenen Verlegungslisten nach Sachsenhausen abgeglichen.
Über die Zeit zwischen 1951 und 1990, als das
Sperrgebiet Hohenschönhausen unter MfSVerwaltung stand, wurden im Archiv der Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen
(BStU)
Sachakten
eingesehen
und
anschließend Kopien bestellt. Hauptsächlich
handelte es sich dabei um Unterlagen der zentralen Ermittlungs- und Gefängnisabteilung
(Hauptabteilung IX und Abteilung XIV) sowie
um Abschlussarbeiten, die an der MfSHochschule in Potsdam geschrieben wurden.
Leider hat sich die unbefriedigende Situation
bei der Bereitstellung personenbezogenen
Unterlagen im Berichtszeitraum nicht geändert,
sondern sogar weiter verschlechtert. Im Oktober 2005 wurde der Gedenkstätte mitgeteilt,
dass wegen des bevorstehenden Ausscheidens des bislang zuständigen Mitarbeiters bis
auf weiteres keine personenbezogenen
Recherchen mehr durchgeführt werden könnten. Trotz sofortiger Intervention bei der
Behördenleitung kam die Aktenherausgabe
erst Ende 2006 wieder in Gang. Kopien von Verfolgungsakten ehemaliger Häftlinge wurden so
gut wie überhaupt nicht mehr herausgegeben,

31

obwohl seit mehreren Jahren Anträge zu über
250 Personen gestellt und auch die notwendigen Einwilligungserklärungen vorgelegt wurden.
Unbefriedigend blieb auch der Zugang zu den
bisher unausgewerteten Beständen des
Untersuchungsausschusses
freiheitlicher
Juristen (UfJ) und seiner Nachfolgeorganisationen (Bestand Gesamtdeutsches Institut - Bundesanstalt für gesamtdeutsche Aufgaben) im
Bundesarchiv Berlin. Die umfangreichen
Bestände enthalten u. a. die Häftlingskartei des
UfJ, Häftlingsberichte von über zehn laufenden
Metern, Zeugenaussagen über Gefangene,
Angaben über einzelne Haftanstalten und die
Häftlingsaustauschaktionen seit 1964. Für die
Erforschung des Haftortes Berlin-Hohenschönhausen sind diese Quellen von großer Bedeutung. Auf den Antrag der Gedenkstätte auf
Akteneinsicht teilte das Bundesarchiv jedoch
mit, dass eine systematische Auswertung
wegen der Datenschutzbestimmungen nur mit
einer Vollmacht der (meistens unbekannten
oder verstorbenen) Betroffenen möglich sei.

Ehemaliger Hohenschönhausen-Häftling
Polizeimajor Karl Heinrich

2005 erfolgte eine intensive Quellenrecherche
zum Lebensweg des Berliner Polizeimajors Karl
Heinrich, der, wie erwähnt, am 3. November
1945 im Speziallager in Berlin-Hohenschönhausen starb. Neben den o.g. Archiven wurden
dafür auch die Polizeihistorische Sammlung
und die Gedenkstätte Deutscher Widerstand
konsultiert. Wesentliche Teile der sowjetischen
Untersuchungsakte konnten erstmals ausgewertet werden. Die Materialien dienten zur Vorbereitung der Gedenkveranstaltung zu seinem
60. Todestag. 2006 entstand daraus ein
umfassendes Manuskript für eine Biographie
des
prominenten
HohenschönhausenHäftlings.
Eine wichtige Rolle bei der Sicherung historischer Quellen über den Haftort Hohenschönhausen spielt die Erschließung von
Häftlingserinnerungen. Dafür ist das Zeitzeugenbüro der Gedenkstätte zuständig. Für ehemalige Häftlinge oder deren Angehörige, die
sich mit Fragen, Hinweisen oder Wünschen an
die Gedenkstätte wenden, fungiert es als erste
Anlaufstelle. Zeitzeugen, die sich melden, werden gebeten, einen Fragebogen über ihr
Schicksal auszufüllen. Das Büro hat die Aufgabe, seinerseits Kontakte zu ehemals

Mitarbeiterin des Landeskriminalamtes
Berlin bei der Spurensuche in der
Gummizelle, 2006

Forschung

32

Inhaftierten aufzunehmen, zu pflegen und ihre
persönliche Haftgeschichte zu dokumentieren.
Dazu sammelt es amtliche Unterlagen, persönliche Haftberichte, Veröffentlichungen,
Fotos und illustrierende Objekte.

Aufnahme der Haftanstalt Hohenschönhausen, Oktober 1990

Forschungsaufruf auf der Homepage der
Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen
www.stiftung-hsh.de

Einritzungen in der Gummizelle: 14 Tage

Das Zeitzeugenbüro führt außerdem Interviews, die anfangs als Audio-Ton, inzwischen
meist als digitales Video dokumentiert werden.
In den vergangenen beiden Jahren wurden
mehr als 30 mehrstündige Video-Interviews
mit ehemaligen Gefangenen durchgeführt. 16
davon fertigte der Dokumentarfilmer Dirk Jungnickel im Auftrag der Gedenkstätte an. Die
Interviews sollen nach und nach verschriftet
werden. Ingesamt liegen zur Zeit rund 220
Interviews vor, von denen etwa 100 transkribiert wurden. Sie stehen im Zeitzeugenarchiv
als Quelle für historische Forschungen sowie
als Ausgangsmaterial für Ausstellungen und
Publikationen zur Verfügung (vgl. Sammlungen).
Im April 2006 gab die Senatskulturverwaltung
eine Evaluation der Arbeit des Zeitzeugenbüros
durch die Fernuniversität Hagen in Auftrag.
Dabei wurde eine Reihe von fachlichen Problemen sichtbar. Als unbefriedigend wurde auch
herausgestellt, dass nicht der Direktor der
Gedenkstätte, sondern der Stiftungsratsvorsitzende Dienstvorgesetzter der Leiterin des
Zeitzeugenbüros ist. Zusätzlich erschwerte es
die Situation, dass das Zeitzeugenbüro
krankheitsbedingt seit März 2006 nicht mehr
besetzt war. Nur durch die Abordnung eines
anderen Mitarbeiters konnte der Betrieb in
dieser Zeit aufrechterhalten werden.
Durch die Mobilisierung externer Ressourcen
hat die Stiftung versucht, eine Verbesserung
der Forschungssituation herbeizuführen. So
wurden bei restauratorischen Untersuchungen
der Wände in den Zellen und Fluren des
Neubaus Einritzungen im Kalkanstrich entdeckt. Die Gedenkstätte veranlasste daraufhin
die Kartierung der Inschriften. Auf Vermittlung
des Berliner Polizeipräsidenten erklärte sich die
Abteilung Wissenschaftliche Kriminaltechnik
beim Landeskriminalamt bereit, die Inschriften
mit den Mitteln professioneller Spurensicherung zu dokumentieren und nach
Möglichkeit zu entschlüsseln. Schriftsachverständige, Serologen, Physiker und Chemiker
beteiligten sich seit Ende 2006 an der Unter-

suchung.
Für die Erstellung des erwähnten Totenbuches
reichte die Gedenkstätte einen Förderantrag
bei der Stiftung zur Aufarbeitung der SED ein,
der im Dezember 2006 bewilligt wurde. Wegen
der schwierigen Quellenlage überschreitet das
Vorhaben die personellen Möglichkeiten der
Gedenkstätte. Mit den eingeworbenen Mitteln
soll eine qualifizierte Hilfskraft die Recherchen
vor Ort im Archiv des DRK-Suchdienst in
München durchführen.
Die Entwicklung entsprechender Förderanträge ist mit erheblichem Aufwand verbunden, der neben der laufenden Arbeit geleistet
werden muss. Ob er sich lohnt und der Antrag
bewilligt wird, ist unsicher und hängt oftmals
von Zufällen ab. So fördert die Deutsche
Forschungsgemeinschaft (DFG) ein Forschungsprojekt am Zentrum für Zeithistorische
Forschung (ZZF) in Potsdam "MfS-Untersuchungshaft -- Aufbau und Wandel eines DDRRepressionsinstrumentes am Beispiel der
Untersuchungshaftanstalt Berlin-Hohenschönhausen". Dem Bearbeiter wurde Zugang zu
allen notwendigen Unterlagen gewährt. Die
Förderung eines ähnlichen Vorhabens beim
Forschungsverbund SED-Staat der Freien Universität Berlin, an dessen Konzipierung die
Stiftung mitgewirkt hatte, lehnte die DFG indes
ab.
Die Gedenkstätte hat sich deshalb bemüht,
Studenten und junge Wissenschaftler zu
motivieren, sich selbständig mit dem Haftort
Hohenschönhausen und den hier Inhaftierten
zu beschäftigen. Zu diesem Zweck findet sich
auf der Homepage ein entsprechender Aufruf
mit konkreten Themenvorschlägen. Den
Interessierten wird dort auch eine Unterstützung durch die Gedenkstätte angeboten.
Aus diesem Angebot hat sich eine regelmäßige
Beratungstätigkeit entwickelt, die die Stiftung
teilweise bereits an ihre personellen Grenzen
brachte (Hilfe bei der Themenfindung, Fachkonsultationen, Nutzung der Archivalien und der
Bibliothek, Vermittlung von Zeitzeugen etc.).
Intensiver wurden im Berichtszeitraum jeweils
ein Dissertationsvorhaben am Zentrum für Zeithistorische Forschung (ZZF) Potsdam, an der
Westfälischen Wilhelms-Universität Münster,
an der Technischen Universität Berlin sowie
eine Magisterarbeit an der Freien Universität

Forschung

Berlin betreut.
Darüber hinaus unterstützte die Gedenkstätte
Medienvertreter, Institutionen und Einzelpersonen, die sich mit Anfragen an die Stiftung
wenden. So wurde dem Hygienemuseum in
Dresden im Zusammenhang mit einer Sonderausstellung zum Thema "Schlaf" Material über
Schlafentzug als Foltermethode aus dem
Zeitzeugenarchiv zur Verfügung gestellt. Für die
vom Bezirk Lichtenberg und der Berliner Kulturverwaltung geplante Markierung des ehemaligen MfS-Sperrgebietes in Hohenschönhausen mit zusätzlichen Informationstafeln
schlug die Gedenkstätte 14 Standorte vor, entwarf Erläuterungstexte und begleitete den
Gestaltungswettbewerb für die Tafeln.
Im Rahmen ihrer Möglichkeiten hat die
Gedenkstätte auch den von Berlin und Brandenburg finanzierten Projektverbund Zeitgeschichte unterstützt; ihr Direktor ist Mitglied
des wissenschaftlichen Beirates. Für die Arbeit
der Stiftung ergaben sich aus dem Verbund, der
zur besseren Vernetzung von Gedenkstätten
und Forschung gegründet worden war, bislang
keine Vorteile. So hat die Gedenkstätte im
August 2005 in Abstimmung mit dem Verbund
einen umfangreichen Förderantrag ("Flucht,
Ausreise und Inhaftierung in Deutschland. Die
Verfolgung von Grenzdelikten in der DDR am
Beispiel der Untersuchungshaftanstalt BerlinHohenschönhausen") vorgelegt und bei der
Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur eingereicht; der Antrag wurde jedoch abgelehnt.
Zwar konnte eine junge Wissenschaftlerin
dafür gewonnen werden, das Thema zum
Gegenstand ihrer Dissertation zu machen,
doch ihr Antrag auf ein Promotionsstipendium
wurde von der Stiftung Aufarbeitung inzwischen ebenfalls abgelehnt.
Die
Möglichkeiten
zu
eigenständiger
Forschung sind angesichts der gegebenen
Voraussetzungen gering. In Zusammenarbeit
mit Nikita Petrov von der Moskauer Menschenrechtsorganisation Memorial setzte die
Gedenkstätte die Erfassung und Erforschung
der sowjetischen Arrestlokale und Untersuchungsgefängnisse in Berlin fort. Mittlerweile konnte die Existenz von über 80 so
genannten GPU-Kellern eruiert werden. Von 30
Gebäuden wurden Fotos aufgenommen. Es ist
vorgesehen, gemeinsam mit dem Bund

33

Stalinistisch Verfolgter (BSV) eine illustrierte
Publikation zu diesem Thema herauszugeben.
Einzelne Arbeitsergebnisse wurden im
Deutschland Archiv und in der Zeitschrift des
Forschungsverbundes SED-Staates publiziert.
Die Homepage der Gedenkstätte wurde um 17
Kurzbiographien ehemaliger Häftlinge erweitert.
Darüber hinaus wurde damit begonnen, die
Unterlagen des Zeitzeugenbüros für die Arbeit
der Gedenkstätte auszuwerten, um Material
für die Qualifizierung der Führungen und für
zukünftige Ausstellungen zu erarbeiten. Aus
den Texten sollen die oft widersprüchlichen
Angaben zu einzelnen Sachverhalten (Verhaftungsgrund, Einlieferung, Haftbedingungen,
Vernehmungspraxis etc.) herausgefiltert, quellenkritisch bewertet und in Überblicksdarstellungen zu einzelnen Phasen zusammengefasst
werden. Bisher wurden Berichte von rund 40
Gefangenen gesichtet, die im Zeitraum von
1951 bis 1960 im "U-Boot" inhaftiert waren.
Ein weiteres Dokumentationsprojekt betraf die
statistische Erfassung aller Untersuchungshäftlinge des MfS in Berlin-Hohenschönhausen
von 1951 bis Ende Anfang 1990. Dieses
Vorhaben ist von besonderer Dringlichkeit, da
bis heute nicht genau bekannt ist, wie viele
Häftlinge hier inhaftiert waren. Als Quellengrundlage dienen Kopien der offiziellen Einlieferungs- und Abgangslisten. Aufgrund der
forschungsfeindlichen Bestimmungen des
Stasi-Unterlagen-Gesetzes (StUG) wurden die
Listen durch die BStU alle anonymisiert.
Wegen der Schwärzung der Namen ist lediglich
eine zahlenmäßige Erfassung möglich,
während genauere biographische Angaben
(Alter, Geschlecht, Nationalität) nicht festgestellt werden können. Bei einer Anhörung
zur Novellierung des StUG im Oktober 2006 hat
sich der Direktor der Gedenkstätte, Hubertus
Knabe, deshalb für eine Lockerung der gesetzlichen Vorschriften eingesetzt. Nachdem der
Bundestag diesem Vorschlag gefolgt ist, kann
die
Gedenkstätte
in
Zukunft
auch
ungeschwärzte Listen auswerten, erhält allerdings keine Kopien davon.
Zur Beförderung des wissenschaftlichen Austausches veranstalteten die Gedenkstätte
Berlin-Hohenschönhausen, das Zentrum für
Zeithistorische Forschung Potsdam und die

Broschüre über sowjetische Kellergefängnisse in Berlin

Karteikarte des sowjetischen Geheimdienstes (MGB) über einen in BerlinHohenschönhausen verstorbenen
Internierungslagerhäftlings, 1950

Dr. Gunther Dilling (re.), ehemaliger
Häftling (Streikführer 1953) bei er
Erläuterung des Sperrgebietes, 2005

Forschung

34

Koordinationsstelle des Projektverbundes Zeitgeschichte Berlin-Brandenburg am 30. Mai
2006 einen internationalen Workshop zum
Thema "Haftorte in der sowjetischen
Besatzungszeit". Auf der eintägigen Konferenz
diskutierten russische und deutsche Historiker,
Mitarbeiter von Gedenkstätten und Vertreter
von Aufarbeitungsinitiativen den aktuellen
Forschungsstand, wiesen auf vorhandene
Desiderate hin und berieten über Schwerpunkte der künftigen Arbeit.

Russisches Verhörprotokoll des ehemaligen Hohenschönhausenhäftlings Klaus
Skillas

35

Fachgerechte Aufbewahrung von
Sammlungsobjekten

Sammlungen
Zur Erfüllung des Stiftungszwecks unterhält die
Gedenkstätte eine Reihe von Sammlungen und
Archiven. Darin werden unterschiedliche Materialien gesammelt, die über die Geschichte des
Haftortes Berlin-Hohenschönhausen und das
System der politischen Justiz in der DDR
Auskunft geben. Die Materialien werden nach
Maßgabe der personellen und finanziellen
Möglichkeiten der Gedenkstätte erschlossen
und für verschiedene Nutzungen zugänglich
gemacht.
Der größte Bestand ist die Objektsammlung, in
der zahlreiche Gegenstände aus dem Bereich
der Untersuchungshaft und angrenzenden Themen aufbewahrt werden. Darüber hinaus verfügt die Gedenkstätte über ein Fotoarchiv, ein
Zeitzeugenarchiv und ein Dokumentenarchiv.
Schließlich gehören eine Bibliothek und eine
Mediathek zur Ausstattung. Die verschiedenen
Sammlungen wurden im Berichtszeitraum
weiter ausgebaut und über moderne Datenbanken erschlossen.

Objektsammlung
Neben den Gebäuden der einstigen Untersuchungshaftanstalt bekam die Stiftung bei

ihrer Gründung auch zahlreiche auf dem
Gelände befindliche Gegenstände überlassen.
Dazu gehörten insbesondere Kleidung,
Geschirr, Küchengeräte, Möbel und diverse
technische
Apparaturen
(Telefone,
Überwachungskameras etc.) aus dem Gefängnisbetrieb. Ein erheblicher Teil musste 2001
aufgrund von Bauarbeiten ausgelagert werden.
Ein anderer Teil, der nach der Übernahme des
Gefängnisses durch die Senatsverwaltung für
Justiz in die Justizvollzugsanstalt Plötzensee
verbracht worden war, kehrte im Frühjahr 2003
zurück.
Darüber
hinaus
wurden
der
Gedenkstätte
immer
wieder
Erinnerungsstücke von ehemals Inhaftierten
übergeben. Schließlich hat die Stiftung selber
in bescheidenem Maße historische Gegenstände angekauft oder anderweitig beschafft.
All diese Objekte geben auf anschauliche
Weise Auskunft über das kommunistische
Haftregime und sind insbesondere für künftige
Ausstellungen von hohem Wert.
Im Berichtszeitraum ist die Sammlung musealer Objekte entsprechend weiter angewachsen. Die Sammlung von Zellentüren wurde
ausgebaut, so dass die Stiftung mittlerweile
über Exponate aus nahezu allen größeren
DDR-Gefängnissen verfügt. Neuzugänge gab

Sammlungen

36

Schmuckgegenstände aus Metall,
angefertigt in sowjetischer Gefangenschaft

Ankunft des restaurierten Orginal-DDR-,
Gefangenentransporter Barkas 1000,
Dezember 2006

Errichtung des Schutzdaches für den
Gefangenensammeltransportwaggon
(GSTW), 2006

es vor allem durch ehemalige Häftlinge oder
deren Angehörige, die der Stiftung mit der
Haftzeit verbundene Gegenstände zur Verfügung stellten. So übergab der Sohn eines Lagerhäftlings der Gedenkstätte kleine Schmuckgegenstände aus Metall, die der Vater heimlich
im sowjetischen Arbeitslager angefertigt hatte.
Ein anderer Angehöriger schenkte der
Gedenkstätte den Nachlass seines Vaters, der
in den 1950er Jahren im Zuchthaus Bautzen
und im Lager X in Berlin-Hohenschönhausen
inhaftiert war. Dazu gehört u.a. ein Photoalbum, ein während der Haftzeit benutzter
Stoffbeutel sowie eine Korrespondenz aus 96
Briefen, die während des Strafvollzugs zwischen dem Häftling und seiner Frau entstanden
war. Der SED-kritische Liedermacher Salli Sallmann stellte der Stiftung einen Original-DDRJugendmodeanzug zur Verfügung, den er 1977
aus den Effekten der Haftanstalt erhalten hatte.
Da man ihn während seiner Armeezeit verhaftet hatte, aber nicht in Uniform in die Bundesrepublik ausreisen lassen wollte, war er bei
seiner Entlassung damit eingekleidet worden.
Der Ost-Berliner Rechtsanwalt Wolfgang Vogel
übergab als Dauerleihgabe das Schild seiner
Anwaltskanzlei und eine Tasche, in der er
während der von ihm betreuten Freikaufaktionen die Akten der Häftlinge transportiert hatte.
In besonderer Weise machte sich der frühere
Hohenschönhausen-Häftling Mike Fröhnel bei
der Beschaffung von Gegenständen aus dem
DDR-Haftalltag verdient. Zahlreiche Objekte im
Bestand der Sammlung sind ihm zu verdanken.
Im Frühjahr 2006 machte er nach langem
Suchen auch einen Original-Gefangenentransportwagens vom Typ Barkas 1000 ausfindig.
Das stark heruntergekommene Fahrzeug, das
die Gedenkstätte mit Hilfe des Fördervereins
erwerben konnte, wurde im Berichtszeitraum
fachgerecht restauriert und anschließend in der
einstigen Schleuse aufgestellt. 2005 hatte die
Gedenkstätte bereits ein ähnliches Fahrzeug
rekonstruieren lassen, damit die Besucher
einen möglichst authentischen Eindruck von
der Häftlingseinlieferung bekommen. Dieser
zweite Wagen steht nun für Straßenaktionen,
Filmaufnahmen oder pädagogische Projekte
zur Verfügung.
Die Gedenkstätte verfügt damit über die bundesweit vermutlich größte Sammlung von
Exponaten zum Haftregime in Ostdeutschland.

Bei einem Gang durch die provisorischen Depots wird spürbar, dass vielen Gegenständen
eine besondere Aura anhaftet. Mit dem allmählichen Verschwinden von dreidimensionalen
Objekten, die anderswo an das System der
politischen Justiz in der DDR erinnern, wird der
Wert der Sammlung in den nächsten Jahren
weiter zunehmen.
Die Pflege der Sammlung, einschließlich der
fachgerechten Lagerung, Restaurierung sowie
Inventarisierung der Objekte, ist mit einem
erheblichen Aufwand verbunden. So musste
die Gedenkstätte in den Erhalt einzelner Objekte zum Teil umfangreiche Mittel investieren.
Allein die Restaurierung des GefangenenBarkas kostete mehr als 10 000 Euro. Noch
teurer war die Errichtung eines Schutzdaches
über dem Gefangenensammeltransportwaggon (GSTW). Dieses war erforderlich, um den
Waggon vor stehender Nässe und direkter
Sonneneinstrahlung zu schützen. Nach der
Überführung und Restaurierung des Fahrzeugs
war der im Mai 2006 erfolgte Dachbau der
letzte Schritt für den Erhalt dieses einmaligen
Großobjektes. Um die zahlreichen Objekte
lagern zu können, hat die Gedenkstätte in
Gesprächen mit der Senatsverwaltung für
Stadtentwicklung erreicht, dass diese 2007 im
Keller des Vernehmertraktes entsprechende
Depots fertiggestellt.
Alle Objekte werden über eine spezielle Datenbank erschlossen. Die Verzeichnung ist eine
unverzichtbare Vorarbeit für alle künftigen
Nutzungen. Jeder einzelne Gegenstand muss
dafür mit einer Inventarnummer versehen werden, wodurch er als Eigentum der
Gedenkstätte ausgewiesen ist und jederzeit
identifiziert werden kann. In der Datenbank
werden die Exponate dann unter Nennung des
Standorts und unter Einbindung einer digitalen
Fotografie verzeichnet. Da ein Objekt ohne
Informationen über seinen Ursprung und
seinen Verwendungszweck weitgehend wertlos ist, müssen zusätzliche Angaben zur
Herkunft und Bedeutung mit aufgenommen
werden. Bei vielen Objekten sind dazu
aufwändige
Recherchen
erforderlich.
Schließlich werden die Objekte bestimmten
Objekt- und Sammlungsbereichen zugeordnet
und verschlagwortet. Auf diese Weise ist es
möglich, zielgenaue Recherchen durchzuführen und ohne großen Aufwand geeignete

Sammlungen

37

Exponate aus dem Bestand herauszufiltern.
Wie alle Datenbanken der Stiftung ist die
Objektdatenbank von allen wichtigen Arbeitsplätzen einsehbar, was bei Recherchen eine
erhebliche Zeitersparnis bedeutet.
Aufgrund der geringen Personalausstattung
mussten für die Erfassung der Objekte studentische Hilfskräfte eingesetzt werden. Vor
allem im Haftkrankenhaus und in den beiden
Gefängnisküchen, die sich teilweise in einem
chaotischem Zustand befanden, wurde der
Bestand geordnet, gesichert und inventarisiert.
Die exakte Bestimmung der Laborausrüstungen und medizintechnischen Geräte war oftmals nicht einfach. Auch Fundstücke, die
während der laufenden Bauarbeiten gefunden
wurden, hat die Gedenkstätte erfasst. Dasselbe gilt für Objekte ehemaliger Häftlinge, die
diese der Stiftung überließen. Im Berichtszeitraum erhöhte sich die Zahl der Datensätze
dadurch von 3500 auf 4600 -- ein Zuwachs von
mehr als 30 Prozent. Die Zahl der erfassten
Objekte liegt aber noch höher, da bei gleichen
Objekten (z.B. Pipetten) jeweils nur ein Datensatz angelegt wird. Wegen des Umfangs der
Sammlung werden die Inventarisierungsarbeiten noch geraume Zeit in Anspruch nehmen.
In der praktischen Arbeit hat die Datenbank
bereits vielfach Früchte getragen. Bei der
Ausstattung des erwähnten Info-Centers und
der geplanten Wanderausstellung konnten auf
diese Weise systematisch passende Objekte
ermittelt werden. Auch für die beiden Theaterprojekte "Das Verhör" und "Krokodil im Nacken"
erwies sich die digitale Suche nach historischen
Ausstattungsgegenständen
als
außerordentlich hilfreich. Da die Gedenkstätte
zudem immer wieder Leihanfragen von außen
erhielt, konnte die Suche nach Objekten und
die Registrierung ihrer Ausleihe mit der Datenbank erheblich vereinfacht werden. Die
Abwicklung des Leihverkehrs ist zwar mit
einigem Aufwand verbunden, doch die Ausleihe stellt eine gute Möglichkeit dar, auch anderswo auf die Arbeit der Gedenkstätte aufmerksam zu machen.
Solange die geplante Dauerausstellung in der
Gedenkstätte nicht realisiert wird, kann den
Besuchern allerdings nur ein kleiner Teil der
Objektsammlung gezeigt werden. In drei Räumen wurden, wie erwähnt (vgl. Ausstellun-

37

gen), Vitrinen mit ausgewählten Exponaten
aufgestellt. Zudem kamen die Objekte bei der
Ausstattung des musealen Rundgangs zum
Einsatz. Im künftigen Info-Center ist dann ein
größerer Ausschnitt aus der Sammlung zu
sehen.

Fotoarchiv
Selbstgefertigtes Messer und Löffel des

Die Gedenkstätte verfügt über ein umfangreiches Fotoarchiv, das in den letzten Jahren
erheblich ausgebaut wurde. Es setzt sich aus
einem physischen und einem elektronischen
Archiv zusammen. Ein großer Bestand an
Fotografien existiert zudem über die von der
Gedenkstätte gesammelten Objekte (vgl.
Objektsammlung).
Das physische Archiv umfasst über 1000
Fotografien. Dabei handelt es sich unter
anderem um historisch wertvolle Innen- und
Außenaufnahmen des Haftortes, die diverse
Ansichten und Details zum Inhalt haben. Die
meisten dieser Fotografien stammen aus der
Zeit unmittelbar nach Schließung der Haftanstalt. Aufgrund der strengen Abschirmung
liegen dagegen so gut wie keine Bilder vor, die
über den Haftalltag der Gefangenen Auskunft
geben. Trotz entsprechender Recherchen konnten im Berichtszeitraum kaum neue Aufnahmen vom früheren Zustand des Haftortes ausfindig gemacht werden. Die vorhandenen
Fotografien wurden digitalisiert und im elektronischen Fotoarchiv abgespeichert.
Das elektronische Archiv umfasst mittlerweile
über 7100 Bildmedien. Dazu gehören auch
zahlreiche Fotografien, die die Arbeit der Gedenkstätte dokumentieren. So wurden von
nahezu allen Veranstaltungen, Ausstellungen
und prominenten Besuchern digitale Aufnahmen angefertigt. Bis Ende 2006 nahm der Bestand um über 5000 Einheiten zu. Technische
Probleme und fehlende personelle Kapazitäten
führten dazu, dass die geplante Erschließung
mit einer speziellen Archivierungssoftware
noch nicht vollständig abgeschlossen werden
konnte. Auch das Bildmaterial, das im Zeitzeugenarchiv bei den Unterlagen ehemaliger
Häftlinge archiviert ist, muss noch erfasst werden.

Hohenschönhausen-Häftlings Hermann
Becker aus einem sowjetischen Arbeitslager

Schulungsfoto des Staatssicherheitsdienstes

Umstrukturierung und Einordnung der
physischen Fotos in die neuen Aufbe-

Eine

Reihe

von

Fotografen

bat

die

wahrungskartoons, 2005

Sammlungen

38

Gedenkstätte um Genehmigung, umfangreichere Fotoserien anzufertigen. Im Regelfall
wurde diesen Anträgen nach einer Einzelfallprüfung zugestimmt; sachfremde Anträge,
zum Beispiel zur Anfertigung von Modefotografien, wurden hingegen abgelehnt. Die
Gedenkstätte hat sich in der Regel ausbedungen, dass sie Belegexemplare erhält und die
angefertigten Fotografien für Bildungszwecke
kostenlos nutzen darf.

Jugendmodeanzug des ehemaligen
Häftlings Salli Sallmann

Das Fotoarchiv kann nach vorheriger Terminvereinbarung auch von Außenstehenden
genutzt werden. Bilddateien können nach
Klärung der Rechte und gegebenenfalls
entsprechenden Honorarabsprachen in den
gängigen Formaten zur weiteren Bearbeitung
auch elektronisch versandt werden. Insbesondere bei Recherchen für Presseveröffentlichungen,
Bildvorträge,
Publikationen
und
Forschungsvorhaben leistete das Fotoarchiv
hilfreiche Dienste.

Zeitzeugenarchiv

Börse vom Workuta-Häftling Edith Schulz
mit aufgestickter Inschrift außen und
Nachricht auf dem Innenfutter,
"Spatz te quter o ganz unsagbar!"

Selbstangefertigte Brosche mit Bildern
des Kindes (li.) und der Ehefrau (re.)

Für die Archivierung und Erschließung personenbezogener Unterlagen ist das Zeitzeugenarchiv zuständig; es ist dem Zeitzeugenbüro der Gedenkstätte angeschlossen. Die
Sammlung umfasst Fragebögen, Interviews,
Aktenauszüge, Erinnerungsberichte, Briefe,
Fotos, Rehabilitierungsunterlagen, Veröffentlichungen und weitere Dokumente zu etwa
1500 Personen. Neben den transkribierten
Interviews mit ehemaligen Gefangenen sind
insbesondere die Auszüge aus den Untersuchungsvorgängen des Staatssicherheitsdienstes von Bedeutung, die der Gedenkstätte
von den Betroffenen überlassen wurden.
Durch den Kontakt zu ehemaligen Gefangenen
oder deren Angehörigen hat die Stiftung aus
Privatbesitz zahlreiche Archivalien, zumeist in
Kopie, erhalten. Mitunter wurden der Stiftung
auch Originaldokumente, Gegenstände und
Nachlässe aus dem Familienbesitz übereignet.
Der Sohn eines Lagerhäftlings übergab zum
Beispiel Kopien russischsprachiger Verhörprotokolle, Fotos und sieben Kassiber, die sein
Vater im Juni 1945 aus dem Kellergefängnis der
sowjetischen Geheimpolizei in der Große
Seestraße/Ecke Lemgoer Straße in BerlinWeißensee schmuggeln konnte. Zu jedem
Zeitzeugen wird eine Akte geführt, in der

neben historischen Unterlagen auch der Kontakt zur Gedenkstätte sowie eventuelle Veröffentlichungen dokumentiert werden.
Im Berichtszeitraum wurde die Sammlung personenbezogener Unterlagen auf das in Hohenschönhausen beschäftigte Dienstpersonal ausgeweitet. Zu diesem Zweck beantragte die
Gedenkstätte bei der Stasi-Akten-Behörde die
Herausgabe der Kaderakten der Mitarbeiter
der MfS-Vernehmerabteilung. Auch die Doktorund Diplomarbeiten mit Bezug zum Haftort
Hohenschönhausen wurden angefordert. Bislang wurde der Gedenkstätte jedoch nur ein
kleiner Teil der beantragten Unterlagen herausgegeben.
Da der Gedenkstätte dafür das Personal fehlt,
konnten die personenbezogenen Bestände bislang nicht professionell erschlossen werden.
Insbesondere auf eine Verschlagwortung und
die Wiedergabe des Akteninhalts musste
verzichtet werden. Die Ablage der Unterlagen
erfolgte überwiegend durch Praktikanten oder
andere Hilfskräfte. Die Bestände sind allerdings in einer Datenbank erfasst, die die
wichtigsten Angaben zu den erfassten Personen enthält. Dadurch sind personenbezogene
Recherchen vergleichsweise schnell und einfach durchzuführen. Über die Datenbank können auch mehr als 100 transkribierte Interviews von jedem Intranet-Arbeitsplatz aus
abgerufen werden.
Entsprechend der Ausweitung des Sammlungsgegenstandes wurde die so genannte
Zeitzeugendatenbank im Juli 2005 erweitert
und in Personendatenbank umbenannt. Sie
umfasst nun auch ehemalige MfS-Mitarbeiter,
Häftlinge anderer Haftanstalten, Angehörige
von Inhaftierten und ähnliche Personengruppen. Zugleich wurde die Eingabetätigkeit erheblich verstärkt. Die Zahl der Datensätze
wuchs im Berichtszeitraum von gut 1000 auf
mehr als 25 000 an. Alle Angaben von ehemaligen Häftlingen und deren Angehörigen, die
das Zeitzeugenbüro der Gedenkstätte kontaktiert haben, wurden darin erfasst -- gegenwärtig gut 1000 Datensätze. Darüber hinaus wurde
damit begonnen, die Angaben in der Datenbank mit den Unterlagen des Zeitzeugenbüros
abzugleichen. Fehlerhafte oder unvollständige
Einträge wurden ergänzt, berichtigt, aktualisiert und gegebenenfalls neu vorgenommen.

Sammlungen

Zudem wurden zahlreiche Personen neu registriert, die in veröffentlichten und unveröffentlichten Quellen als Gefangene (über 1300)
oder MfS-Mitarbeiter (965) am Haftstandort
Berlin-Hohenschönhausen ausgewiesen sind.
Ein erheblicher Fortschritt konnte bei der
namentlichen Registrierung der Insassen des
sowjetischen Speziallagers und des benachbarten kleinen Haftarbeitslagers erreicht werden. Durch Auswertung der handschriftlich und
in kyrillischer Schrift abgefassten Transportlisten von und nach Hohenschönhausen konnten
über 20 000 neue Datensätze in die Personendatenbank eingegeben werden. Die Gedenktätte kann dadurch vergleichsweise einfach
Anfragen von Angehörigen nach dem Verbleib
einzelner Personen beantworten. Großzügig
unterstützt wurde die Datenerhebung von der
Berliner Außenstelle des DRK-Suchdienstes,
die ihr Archiv für Recherchen zur Verfügung
stellte und die Anfertigung von Kopien
ermöglichte; bislang wurden dort 152
Aktenordner gesichtet. Nach Abschluss der
laufenden Arbeiten verfügt die Gedenkstätte
über eine komplette Dokumentation aller
Häftlingsbewegungen zwischen den beiden
Lagern in Hohenschönhausen und den anderen
Speziallagern in der SBZ von 1945 bis 1949.
Neben der Personendatenbank wurde im
Herbst 2005 noch eine so genannte Prozessdatenbank eingerichtet. Sie enthält Angaben zu
ca. 3300 politischen Prozessen, die in der DDR
zwischen Oktober 1949 und Oktober 1989
stattfanden. Die Angaben beruhen auf Veröffentlichungen, Angaben des Zeitzeugenbüros
und weiteren zugänglichen Quellen. Nach
heutigem Erkenntnisstand sind in der Datenbank sämtliche Prozesse mit prominenten
Angeklagten, nahezu alle erstinstanzlichen Verfahren vor dem Obersten Gericht sowie jeder
Prozess, der mit einem Todesurteil endete,
verzeichnet. Weitere Schwerpunkte bilden
Prozesse gegen Teilnehmer des Volksaufstandes im Juni 1953, Mitglieder der CDU, Studenten, Zeugen Jehovas, Mitarbeiter des Ostbüros der SPD, der Kampfgruppe gegen
Unmenschlichkeit (KgU) und des Untersuchungsausschusses freiheitlicher Juristen
(UfJ), vermeintliche und tatsächliche Spione,
Bürgerrechtler, Fluchtwillige und kriminalisierte
Ausreisewillige. Auch Prozesse gegen NSTäter, die ab etwa 1965 nur noch in Hohenschönhausen eingesessen haben, sind in der

39

Datenbank verzeichnet.
In der Prozessdatenbank kann nach Gerichtsterminen, Gerichtsstandorten, Gerichtsarten,
Angeklagten, Richtern, Anklägern und Verteidigern recherchiert werden. Auch Anklagepunkte, Verurteilungsparagraphen und Strafhöhen
können als Suchkriterium eingegeben werden.
Registriert sind ferner Hinweise auf den jeweiligen Haftort in Hohenschönhausen (Untersuchungsgefängnis, Lager X oder Haftkrankenhaus), auf Einflussnahmen oberster SEDGremien, auf Veröffentlichungen in den Medien
(Zeitungsberichte, DDR-Dokumentarfilme, Veröffentlichungen des Obersten Gerichts) sowie
auf Darstellungen in anderen Publikationen.
Die Prozessdatenbank ist mit der Personendatenbank verknüpft, so dass auch die
Bestände des Zeitzeugenarchivs mit abgefragt
werden können.
Die Materialien des Zeitzeugenarchivs dienen
der Gedenkstätte vor allem als Grundlage für
künftige Forschungen, Publikationen und
Ausstellungen. Sie kamen aber auch bei der
Beantwortung von Anfragen verschiedener
Landesämter bei der Klärung von Rentenansprüchen und Wiedergutmachungsforderungen zum Einsatz. Unter Berücksichtigung des
Datenschutzes wurden sie auch externen Wissenschaftlern, Journalisten, Pädagogen und
anderen Interessierten zur Verfügung gestellt,
die sich mit dem System der politischen Justiz
in der DDR befassten.

Früheres Praxisschild des Rechtsanwaltes und DDR-Chefunterhändler Wolfgang
Vogel

Abhöranlage der Staatssicherheit zur
Bespitzelung der Gefangenen in MfSGefängnissen

Dokumentenarchiv
Neben dem Zeitzeugenarchiv führt die
Gedenkstätte noch ein Dokumentenarchiv, in
dem Sachakten über den Haftort Hohenschönhausen gesammelt und erschlossen werden.
Das Spektrum der hier archivierten Dokumente
reicht von der so genannten Haftraumordnung
mit genauen Verhaltensregeln für Inhaftierte
über Schulungsmaterial für Gefängnisbedienstete bis hin zu Unterlagen über Baumaßnahmen in der Haftanstalt. Der Bestand setzt sich
überwiegend aus Kopien von Akten des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) zusammen,
die die Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen (BStU) zur Verfügung gestellt hat. In
geringerem Umfang sind auch Kopien aus
anderen Archiven abgelegt, etwa aus dem Bun-

Postkarte von der Zeitzeugin Irmgard
Nitz aus russischer Gefangenschaft, 16.
September 1954

Sammlungen

40

desarchiv, dem Berliner Landesarchiv, dem
Archiv für soziale Demokratie und dem
Bauarchiv des Bezirks Lichtenberg.

Kennzeichung der Bibliotheksbestände
der Gedenkstätte durch Folierung

Das Dokumentenarchiv konnte im Berichtszeitraum trotz der erwähnten Schwierigkeiten
bei der Aktenherausgabe durch die BStU um
mehrere Hundert Blatt Kopien aus Akten des
Staatssicherheitsdienstes erweitert werden.
Neu hinzu kamen insbesondere Dissertationen
und Diplomarbeiten ehemals in Hohenschönhausen beschäftigter MfS-Mitarbeiter. Der
Aktenbestand ist dadurch auf etwa zehn
laufende Regalmeter angewachsen. Die Unterlagen wurden von Hilfskräften nach Personen,
Sachverhalten und Institutionen verschlagwortet und in einer eigenen Datenbank erfasst.
Die Zahl der Datensätze erhöhte sich dadurch
im Berichtszeitraum von 650 auf 875 Einträge.
Die Dokumentendatenbank ist von jedem
wichtigen Arbeitsplatz abrufbar und wurde
auch von externen Wissenschaftlern für
Recherchen genutzt.

Bibliothek

Neuerscheinung aus dem Bestand der
Bibliothek

Bibliothek der Gedenkstätte

In der zweiten Etage des Hauptgebäudes verfügt die Gedenkstätte über eine gut ausgestattete Fachbibliothek. Schwerpunkte des Bestandes bilden Darstellungen und Untersuchungen zum Haftort Hohenschönhausen,
zur Geschichte der politischen Justiz in der
DDR, zu Opposition und Widerstand sowie zur
Tätigkeit des Ministeriums für Staatssicherheit.
Ein besonderer Stellenwert kommt biografischen und autobiografischen Schriften über
ehemals in Hohenschönhausen Inhaftierte zu.
Zunehmend zählen Darstellungen zur DDRGeschichte, zur Nachkriegsentwicklung in
Deutschland sowie zu den Ost-West-Beziehungen zum Bestand. Darüber hinaus sammelt die
Bibliothek aber auch grundlegende Werke über
das Phänomen politischer Verfolgung in
anderen Diktaturen, insbesondere in der
Sowjetunion, in Osteuropa und im Nationalsozialismus. Fachliteratur zur Gedenkstättenarbeit und allgemeine Nachschlagewerke vervollständigen die Bibliothek.
Seit Gründung der Stiftung wurde die Bibliothek laufend um einschlägige Publikationen
erweitert. Erworben wurden nicht nur Neuerscheinungen, sondern auch ältere, nur noch

antiquarisch verfügbare Bücher. Wie in den
Jahren zuvor konnten zudem wieder Dubletten
aus der Bibliothek der Stiftung Aufarbeitung
und anderen Einrichtungen kostenlos übernommen werden. Weitere Schenkungen erfolgten durch ehemalige politische Häftlinge, insbesondere durch den Journalisten Dieter
Rieke. Er überließ der Stiftung eine Sammlung
mit mehr als 300 Titeln. Insgesamt wurden im
Berichtszeitraum für mehr als 7000 Euro Bücher oder Zeitschriften angeschafft und über 1000
Titel neu verzeichnet. Zugleich wurde zweimal
eine umfassende Inventur vorgenommen.
Aufgrund fehlenden Personals, der abgelegenen Lage der Gedenkstätte und der Existenz
ähnlich ausgerichteter Bibliotheken im Zentrum
Berlins arbeitet die Bibliothek nicht als Leih-,
sondern als Präsenzbibliothek. Sie dient vor
allem der Arbeit und der Qualifizierung der festen und freien Mitarbeiter, kann aber auch von
anderen Interessierten und bei Seminaren oder
Projekttagen genutzt werden. Der Buchbestand ist in einer elektronischen Datenbank
erfasst. Die Nutzer können sich vor Ort über
alle Titel durch eine übersichtliche Eingabemaske informieren. Die Datenbank ist von allen
vernetzten Arbeitsplätzen in der Gedenkstätte
aus nutzbar, was bei Recherchen eine erhebliche Zeitersparnis bedeutet. Die Zahl der Einträge stieg im Berichtszeitraum von 4300 auf
über 5400. Mehr als zwei Drittel der Bücher
wurden elektronisch verschlagwortet. Ungelöst ist nach wie vor das Problem der geringen Tragfähigkeit der Decken im Hauptgebäude, die eine Aufstellung der Bücher nur an
den Zimmerwänden erlaubt. Ein umfangreicher Bestand aus älteren Veröffentlichungen
sowie überwiegend propagandistischen Titeln
aus der DDR muss deshalb in Nebenräumen
aufbewahrt werden.
Die Bibliothek steht den Nutzern von Montag
bis Freitag zwischen 10 und 16 Uhr zur Verfügung. Neuerscheinungen und aktuelle Zeitschriften werden an herausgehobener Stelle
präsentiert. Ein Computer-Arbeitsplatz und ein
Besprechungstisch erlauben weitergehende
Nutzungen, zum Beispiel für die Arbeit in Kleingruppen. Nutzer und Interessierte können dort
nicht nur in den Bibliotheks- und Media-theksDatenbanken der Gedenkstätte suchen, sondern auch im Internet recherchieren oder Filmund Tondokumente abspielen.

Sammlungen

41

Mediathek
Die Gedenkstätte verfügt über eine eigene
Mediathek mit über 700 Ton- und Bildträgern
zum Themenkreis DDR-Geschichte und politische Verfolgung in der kommunistischen Diktatur. In den vergangenen beiden Jahren
kamen mehr als 200 Medieneinheiten neu
hinzu. Zum Bestand gehören u.a. Dokumentationen über einschlägige geschichtliche
Ereignisse, Zeitzeugenberichte, themenbezogene Spielfilme und Diskussionsrunden sowie
Fernsehberichte über das MfS und die SEDDiktatur. Ein erheblicher Teil der Neuzugänge
basierte auf der Ablieferungspflicht von
Fernsehsendern und Produktionsfirmen, die in
der Gedenkstätte eine Drehgenehmigung
beantragt hatten. Darüber hinaus wurden durch
eigene Medienbeobachtung einschlägige
Filme im Fernsehen aufgezeichnet. Zudem
wurden die Mitschnitte von Veranstaltungen
der Gedenkstätte (Ausstellungseröffnungen,
Lesungen, Gedenkveranstaltungen, Lange
Nacht der Museen etc.) auf DVD gebrannt. Die
ehemaligen
Hohenschönhausen-Häftlinge
Dieter Rieke und Dieter von Wichmann überließen der Gedenkstätte etwa 130 Videokassetten, die nach und nach auf DVD überspielt
werden.
Zu den herausragenden neuen Titeln gehört
zum Beispiel der Dokumentarfilm "Der irrationale Rest" von Thorsten Trimpop, der 2005
auf der Berlinale uraufgeführt wurde. Er stellt
das Schicksal des ehemaligen Hohenschönhausen-Häftlings Matthias Melster dar. Eine
andere Dokumentation mit Zeitzeugen und
Mitarbeitern der Gedenkstätte war die
Fernsehproduktion "Diplomatie im Mauerschatten - Bonns Filiale in Ostberlin". Der
Fernsehfilm behandelt die "Ständige Vertretung" der Bundesrepublik in der DDR. Auch ein
Mitschnitt des skandalösen Auftritts ehemaliger MfS-Mitarbeiter im März 2006 wurde in
den Bestand aufgenommen.
Die in der Mediathek aufbewahrten Fernseh-,
Film- und Hörfunkproduktionen belegen nicht
nur die in den letzten Jahren geleistete Arbeit
der Stiftung. Sie stellen auch für die Zukunft
wichtige Zeitzeugnisse dar, insbesondere
wenn darin Verfolgte, die nur noch eine
begrenz-te Zeit befragt werden können, über
ihre Hafterfahrungen berichten. Zugleich doku-

41

mentieren sie den Prozess der öffentlichen
Aufarbeitung nach dem Ende der SED-Diktatur.
Vor allem aber stehen sie für Seminare, Veranstaltungen und Recherchen nach Bild- und
Tonmaterial, beispielsweise für Ausstellungszwecke, zur Verfügung.
Die Ton- und Bildträger bestehen aus den
gängigen Formaten DVD, CD-Rom, VHS und
Audio-Kassetten. Aufgrund der besseren Haltbarkeit werden die VHS- und Audiokassetten
sukzessive auf CD und DVD überspielt.
Sämtliche Medien sind in einer elektronischen
Datenbank erfasst, so dass Recherchen von
allen Intranet-Arbeitsplätzen der Gedenkstätte
aus möglich sind. In der Mediathek steht auch
die notwendige Technik zur Verfügung, damit
Mitarbeiter und Referenten die Beiträge
auswerten oder Veranstaltungen und Seminare
vorbereiten können. Interessierte Besucher,
Lehrer und Schüler können die Mediathek nach
vorheriger Terminabsprache von Montag bis
Freitag zwischen 10 und 16 Uhr nutzen.

Blick in die Mediethek der Gedenkstätte

Filmbeitrag mit dem ehemaligen
Hohenschönhausenhäftling Matthias
Melster auf den 55. Internationalen
Filmfestspielen Berlin, 2006

“Zersetzung der Seele” -- ein Film über
die psychologische Zersetzungmaßnahmen der Staatssicherheit

42

Drehaufnahmen zu dem Dokumentarfilm
“What Really Happened: Berlin Wall”,
2006

Öffentlichkeitsarbeit
Die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen
war in den vergangenen beiden Jahren Gegenstand eines enormen Medieninteresses.
Zugleich hat sie selbst eine rege Öffentlichkeitsarbeit betrieben. Das ehemalige Untersuchungsgefängnis ist dadurch zum vermutlich
bekanntesten Ort in Deutschland geworden,
an dem an das Unrecht der vierzigjährigen SEDDiktatur erinnert wird.
Zwischen Januar 2005 und Dezember 2006
erschienen mehr als 1300 Berichte, in denen
die ehemalige Untersuchungshaftanstalt oder
die Gedenkstätte Erwähnung fanden. Allein
durch eigene Medienbeobachtung wurden
mehr als 1100 Artikel und 131 Fernseh- und
Radiobeiträge registriert. Im Durchschnitt berichteten die Medien damit fast zweimal pro
Tag. Dabei sind die zahlreichen Veranstaltungsund Programmhinweise in den Berliner Tagesund Wochenzeitungen und den Stadtillustrierten "Tip" und "Zitty" sowie die in der Gedenkstätte entstandenen Dokumentarfilme
oder Fotoserien noch nicht mitgerechnet. Das
Spektrum reichte von Berichten über Veranstaltungen oder Ausstellungseröffnungen
über längere themenbezogene Beiträge bis hin
zu Interviews und Veröffentlichungen von

Mitarbeitern der Gedenkstätte. Bei einigen Veranstaltungen wurde mit ausgewählten Medien
(Deutschlandfunk, Tagesspiegel) auch eine
feste Medienpartnerschaft eingegangen.
Vor allem der mehrfach preisgekrönte Film
"Das Leben der Anderen" sowie die öffentlichen
Auftritte ehemaliger Stasi-Mitarbeiter im Frühjahr 2006 rückten die Gedenkstätte in den
Fokus der Öffentlichkeit. Zeitweise wurde sie
mit ihrem kleinen Stamm an Mitarbeitern der
Fülle der Anfragen kaum noch Herr. Zu den
Schwerpunkten der Berichterstattung gehörten die Diskussionen über das Maueropfergedenken in Berlin, über die Vorschläge
zur Schaffung eines DDR-Geschichtsverbundes, über die wachsenden Wissensdefizite zur
SED-Diktatur in der jungen Generation, über
die Aufstellung von Informationstafeln im
früheren MfS-Sperrgebiet und über die Novellierung des Stasi-Unterlagen-Gesetzes im
Herbst 2006. Immer wieder wurden auch
einzelne in Hohenschönhausen Inhaftierte
porträtiert, darunter eine Reihe von Besucherreferenten der Gedenk-stätte. Ein weiterer
Höhepunkt des Medieninteresses war der
Besuch von Bundespräsident Horst Köhler im
November 2006, über den deutschlandweit in

Öffentlichkeitsarbeit

allen großen Nachrichtensendungen berichtet
wurde.
Die Gedenkstätte ist für viele Medienvertreter
inzwischen zu einem der wichtigsten
Ansprechpartner geworden, wenn es um DDRGeschichte und den Staatssicherheitsdienst
geht. Sie wird nicht nur bundesweit, sondern
zunehmend auch international um Informationen und Einschätzungen gebeten. Neben den
Berliner Medien (u.a. Tagesspiegel, Berliner
Zeitung, Berliner Morgenpost, RBB-Abendschau, TV-Berlin) beteiligten sich zahlreiche
überregionale Fernsehsender (u.a. ARD, ZDF,
MDR, WDR, N-TV, N24) und Printmedien (u.a.
Spiegel, Focus, Die Zeit, Die Welt, Süddeutsche Zeitung, FAZ, FAS, Bild) an der
Berichterstattung. Ausländische Medien (u.a.
BBC, The Guardian, ABC Australia) produzierten Reportagen über das frühere StasiGefängnis, und Journalisten aus Großbritannien, Japan, Polen, Finnland, Norwegen,
Italien, Frankreich und Spanien porträtierten
ehemalige
Inhaftierte.
Darüber
hinaus
erschienen im Internet (u.a. Spiegel-Online,
Focus-Online, Welt-Online, tagesschau.de,
heute.de) zahl-reiche Berichte.

Medienbetreuung
Die Gedenkstätte verfolgt den Anspruch, Anfragen von Journalisten qualifiziert und zeitnah zu
beantworten. Das serviceorientierte Auftreten
der Stiftung hat dazu beigetragen, dass sich die
Zahl der Medienanfragen ständig erhöht hat.
Viele Journalisten wissen inzwischen, dass sie
in Hohenschönhausen "gut bedient" werden.
Ein wichtiger Ansprechpartner ist die
Gedenkstätte vor allem, wenn es um die Vermittlung von Zeitzeugen geht. Vielfach frequentiert wurde in diesem Zusammenhang die
Zeitzeugenbörse auf der Homepage der
Stiftung, wo Journalisten die Biografien von
ehemals Inhaftierten finden und selber nach
passenden Gesprächspartnern recherchieren
können. Nach Rücksprache mit den Betroffenen vermittelt die Gedenkstätte den Kontakt zu
ihnen. Allein in den Jahren 2005/06 erschienen
mit Hilfe der Stiftung mehr als 60 Beiträge, in
denen frühere Hohenschönhausen-Häftlinge
interviewt oder porträtiert wurden. Oftmals bitten die Medien auch um eine Bewertung

43

aktueller Vorgänge im Kontext des SEDUnrechts. Neben einem fachlichen Urteil geht
es ihnen dabei auch um ein Urteil aus der Perspektive der Verfolgten.
Darüber hinaus erhielt die Gedenkstätte zahlreiche Anfragen, bei denen der historische Ort
im Mittelpunkt stand. Im Berichtszeitraum wurden dazu mehr als 100 Film-, Radio- und
Fotoanfragen gezählt. Um einen Missbrauch
der Gedenkstätte als reine Filmkulisse, etwa
für Krimis oder Komödien, zu vermeiden,
mussten die Anträge jeweils genau geprüft
werden. Anfragen, die keinen Bezug zur politischen Verfolgung in der DDR erkennen ließen
oder die die Gefühle ehemaliger Häftlinge verletzen könnten, wurden abgelehnt. Die Kriterien, nach denen eine Drehgenehmigung erteilt
wird, können im Internet auf Deutsch und
Englisch nachgelesen werden.
In den vergangenen beiden Jahren wurden
mehr als 70 Drehgenehmigungen erteilt.
Während der Dreharbeiten stellte die
Gedenkstätte den Filmteams in der Regel
einen Mitarbeiter als Ansprechpartner und
Betreuer an die Seite. In den meisten Fällen
vereinbarte sie mit den Produzenten die
Zahlung einer Spende oder einer Motivmiete
sowie die Erstattung der Personalkosten. Kopien der Beiträge wurden in der Mediathek
archiviert.
Die Stiftung regte ihrerseits die Medien zur
Berichterstattung an. Durch Einladungen und
Presseinformationen machte sie regelmäßig
auf Veranstaltungen, Jahrestage oder aktuelle
Ereignisse aufmerksam. Pressemitteilungen
informierten beispielsweise über die Freischaltung der englischen Website, die Aufstellung
von Informationstafeln im früheren Sperrgebiet oder das 10-jährige Bestehen der Gedenkstätte im Dezember 2005. Insgesamt wurden im Berichtszeitraum etwa 70 Pressemitteilungen überwiegend elektronisch verschickt. Der entsprechende email-Verteiler umfasst über 350 Adressaten, von denen etwa
zehn Prozent ausländische Medien vertreten.
Im April 2005 wurde der 2. Tätigkeitsbericht der
Stiftung im Rahmen einer eigenen Pressekonferenz vorgestellt.

Präsentation der Gedenkstätte bei einer
Schulaufführung des Films “Das Leben
der Anderen” im Kion Delphi mit dem
Bildungssenator Klaus Böger (2.v.re.),
3. April 2006

Medienbericht der Zeitschrift “aktuell”
über den Besuch des Bundespräsidenten Horst Köhler, 20. November 2006

Pressekonferenz zur Vorstellung des 2.
Tätigkeitsberichtes der Gedenkstätte mit

Die Presseinformationen der Gedenkstätte fanden zumeist eine gute bis sehr gute Resonanz.

dem Kultursenator Thomas Flierl
(Bildmitte), 27. April 2005

Öffentlichkeitsarbeit

44

Aufstellung der Informationstafeln im
früheren Sperrgebiet Hohenschönhausen mit der Geschäftsführerin der
Stiftung Aufarbeitung Anna Kaminsky,
21. Juli 2006

In der Regel wurden sie von allen großen
Nachrichtenagenturen weiter verbreitet, was
ein wichtiger Indikator für ihre Wahrnehmung
ist. Bei vielen Ausstellungseröffnungen und
Veranstaltungen kam es bereits im Vorfeld zu
Anfragen oder Vorberichten. Meist waren
Vertreter von Presse, Rundfunk oder Fernsehen vor Ort und berichteten anschließend
darüber. In der Regel erhielten sie dabei
Pressemappen mit thematisch abgestimmtem
Informationsmaterial. Bei Bedarf wurden sie
zusätzlich durch die Vermittlung von Interviewpartnern oder die Bereitstellung von Dokumenten oder Fotos unterstützt. Auch wenn
prominente
Besucher
das
Gefängnis
besichtigten, sorgte die Gedenkstätte für eine
professionelle Medienbetreuung. Veranstaltungen wie die szenische Lesung zum 100.
Geburtstag von Arthur Koestler, die Würdigung
der Gefängnisschließung vor 15 Jahren, das
Symposium zum 60. Todestag von Karl Heinrich
oder die Uraufführung des Theaterstücks
"Krokodil im Nacken" sowie der Besuch von
Bundespräsident Horst Köhler fanden auf
diese Weise eine breite Würdigung.

Publikationen
Interview mit Hubertus Knabe für das
ZDF-Magazin “Frontal”, 5. Mai 2006

Broschüre “Der verbotene Stadtteil.
Stasi-Sperrgebiet Berlin-Hohenschönhausen”

Aufgrund der knappen personellen und
finanziellen
Ressourcen
konnte
die
Gedenkstätte in den vergangenen beiden
Jahren nur wenige eigene Publikationen herausgeben. Der größte Teil des veröffentlichten
Materials bestand aus kleineren, vielfach
anlassbezogenen Falt- und Informationsblättern. Je nach Verwendungszweck und Kostensituation wurden diese unterschiedlich
aufwändig gestaltet und hergestellt. Bei allen
Veröffentlichungen wurde ein einheitliches,
von einem Gestalter entwickeltes Grundlayout
gemäß der Corporate Identity zugrunde gelegt.
Das Gedenkstätten-Faltblatt, von dem jährlich
mehrere Zehntausend Exemplare verteilt wurden, wurde auch auf Französisch, Spanisch und
Italienisch gedruckt, um der wachsenden Zahl
ausländischer Besucher Rechnung zu tragen.
Auch eine tschechische Übersetzung wurde
angefertigt. Außerdem wurde ein Faltblatt mit
den Angeboten zur Politischen Bildung
gedruckt, das -- zum Teil mit Hilfe der Berliner
Schulverwaltung -- an mehr als 1000 Schulen
und Bildungseinrichtungen geschickt wurde.
Für den internen Gebrauch erstellte die

Gedenkstätte
espiegel.

einen

monatlichen

Press-

Im Januar 2005 erschien im Jaron-Verlag das
mit zahlreichen Illustrationen versehene "Buch
zum Ort", das sich vorrangig an die Besucher
der Gedenkstätte wendet (Peter Erler/Hubertus Knabe: Der verbotene Stadtteil. Stasi-Sperrgebiet Berlin-Hohenschönhausen). Nicht
zuletzt aufgrund des erschwinglichen Preises
(9,95 Euro) war die Auflage von 5000 Exemplaren bereits nach neun Monaten so gut wie
ausverkauft, so dass im September weitere
9000 Exemplare gedruckt wurden. Das Buch
wurde nicht nur über den Buchladen der
Gedenkstätte, sondern auch über den Berliner
Buchhandel, insbesondere im touristischen
Bereich, vertrieben. Im April 2005 kam der
aufwändig gestaltete 2. Tätigkeitsbericht der
Stiftung in einer Auflage von 2000 Exemplaren
heraus. Er wurde aus Kostengründen erstmals
in der Gedenkstätte layoutet und an etwa 500
Institutionen und interessierte Einzelpersonen
verschickt.
Ein immer wichtiger werdendes und verhältnismäßig kostengünstiges Medium stellt der
Internet-Auftritt der Gedenkstätte dar. Die Website enthält alle wesentlichen Informationen
zum historischen Ort, zum Aufbau der Stiftung
und zur Arbeit der Gedenkstätte. Sie werden
laufend erweitert und aktualisiert. Durch ein
neues Redaktionssystem können Texte und
Bilder über eine einfach zu bedienende
Eingabemaske von den Mitarbeitern direkt
online gestellt oder bearbeitet werden. Zu den
meisten Ausstellungen und Veranstaltungen
findet man Vorankündigungen, Nachberichte
und Fotos. Auch praktische Informationen für
den Besuch der Gedenkstätte sowie die
erwähnte Zeitzeugenbörse sind dort einsehbar. Seit 2006 ist die gesamte Homepage auch
auf Englisch abrufbar.
Viele Journalisten, Besucher, Schüler und
andere Interessierte nutzen die Website, um
sich selbständig zu informieren. Eine wachsende Zahl von Internet-Nutzern verwendet die
Seite auch zur persönlichen Kontaktaufnahme
oder zur Anmeldung von Besuchergruppen.
Die virtuellen Besucher kamen nicht nur aus
Deutschland, sondern auch aus vielen
europäischen Ländern und zunehmend aus
anderen Kontinenten wie USA, Israel, Japan

Öffentlichkeitsarbeit

45

oder Thailand. Aufgrund eines Fehlers des
Providers konnte im Berichtszeitraum leider
nur ein Teil der Zugriffe statistisch erfasst werden. Allein von April bis Oktober 2005 wurden
jedoch mehr als 29 000 Besucher registriert,
was einen Anstieg von etwa zehn Prozent
gegenüber 2004 bedeutet. Von Mai bis Oktober kamen über die Homepage fast 3200 Anfragen, und das von der Gedenkstätte entwickelte
Unterrichtsmaterial wurde über 4600mal
heruntergeladen (2004: ca. 1000 downloads) .

Werbung
Aus Kostengründen hat die Gedenkstätte auf
den Einsatz kommerzieller Werbemittel fast
gänzlich verzichtet. Auch die zahlreichen Anfragen kommerzieller Anbieter von Tourismussuchmaschinen und Reisezieladressen wurden
abschlägig beschieden. Angesichts der ohnehin beständig wachsenden Besuchernachfrage
und des erheblich gestiegenen Bekanntheitsgrades der Gedenkstätte erschien diese
Zurückhaltung verantwortbar. Zudem ist die
Gedenkstätte inzwischen in diversen deutschen und englischsprachigen Reiseführern
kostenfrei vermerkt. Einzig das GedenkstättenFaltblatt wurde in den besucherschwachen
Monaten gegen Gebühr an drei Berliner Tourismus-Büros ausgelegt.
Statt dessen wurden vor allem kostenlose
Möglichkeiten der Werbung genutzt. Die
Berliner Terminzeitschriften und die Tagespresse wurden frühzeitig über alle Veranstaltungen, Ausstellungen und Sonderführungen
informiert. In der Regel kündigten sie diese
entsprechend an. Darüber hinaus wurden bei
anderen Gedenkstätten, Verwaltungseinrichtungen und Kooperationspartnern Informationsblätter, Plakate und Veranstaltungshinweise ausgelegt oder angebracht. Bei einigen
Veranstaltungen wurden auch Flyer der
Gedenkstätte verteilt.
An den Außenmauern der Gedenkstätte
wiesen zwei wetterbeständige Banner auf
aktuelle Ausstellungen und die Öffnungszeiten
hin. Weitere Werbemittel waren transportable
Aufsteller mit Kurzinformationen, die bei Veranstaltungen oder zur Besucherbetreuung zum
Einsatz kamen. Ein dreiteiliger roll-up-Ständer
zeigt bei Veranstaltungen im Hintergrund das

45

Logo der Gedenkstätte, was insbesondere im
Fall von Fernsehaufzeichnungen von Bedeutung ist.
Im Oktober 2005 hat die Gedenkstätte erstmals mit einer öffentlichen Werbekampagne
auf sich aufmerksam gemacht. Zum 15. Jahrestag der Gefängnisschließung erinnerten in
Berlin 500 Großplakate daran, dass mit dem
Beitritt der DDR zur Bundesrepublik auch in
Ostdeutschland der Rechtsstaat Einzug hielt.
Das Plakat, das am 4. Oktober am Brandenburger Tor den Medien vorgestellt wurde,
zeigte den ehemaligen Zellentrakt des Gefängnisses mit geöffneten Zellentüren und der
Textzeile "Seit 15 Jahren geöffnet". Die Kampagne, deren Medialeistung einen Wert von
75 000 Euro hatte, wurde durch die Unterstützung mehrerer Firmen möglich, die sich als
Sponsoren betätigten. So stellte die Firma
Ströer durch die Vermittlung von Wiesbaden
nicht nur die Werbeflächen kostenlos zur Verfügung, sondern übernahm auch die
Plakatierungs- und Präsentationskosten. Eine
weitere Firma sponserte den Druck.

Von der Firma Ströer gesponsertes
Großplakat “Seit 15 Jahren geöffnet”,
Vorstellung auf dem Pariser Platz,
4. Oktober 2005

Von der Firma Wall AG gesponsertes
Plakat “Hier wurden Sekunden zu

Im Februar 2006 kam es zu einer ähnlichen
Kampagne in Zusammenarbeit mit der Firma
Wall AG. Eine Woche lang erinnerten in Berlin
500 so genannte City-Light-Plakate an die
menschenunwürdigen Zustände in dem einstigen Stasi-Gefängnis. Auf den Plakaten war
eine Zelle des U-Bootes zu sehen, über der der
Satz zu lesen war: "Hier wurden Sekunden zu
Stunden". Zugleich wurde auf die Gedenkstätte
und deren Internet-Adresse hingewiesen. Die
Wall AG stellte nicht nur die Werbeflächen
kostenlos zur Verfügung, sondern übernahm
auch die Plakatierungs- und Präsentationskosten. Die gesponserte Medialeistung hatte
einen Wert von über 100 000 Euro.

Stunden”, Janaur 2006

Französischer Flyer der Gedenkstätte

46

Schulklasse mit dem Zeitzeugen Dieter
Drewitz

Besucherbetreuung
Die Gedenkstätte hat den gesetzlichen Auftrag,
am Beispiel der ehemaligen Untersuchungshaftanstalt über das System der politischen
Justiz in der DDR zu informieren. Im Mittelpunkt der Arbeit steht daher die qualifizierte
Betreuung der Besucher, die das Gefängnis
besichtigen wollen.
Mit einer gleich bleibenden Zahl fest angestellter Mitarbeiter hat die Gedenkstätte in den letzten Jahren einen ständig wachsenden Besucherstrom zu bewältigen gehabt. Seit Gründung
der Stiftung im Juli 2000 haben sich die
jährlichen Besucherzahlen mehr als verdreifacht. Allein zwischen 2004 und 2006 sind sie
um ein gutes Drittel gewachsen -- von 130 000
auf 172 000 Personen. Mit mehr als 23 000
Besuchern verzeichnete die Gedenkstätte im
Oktober 2006 ein neues Allzeithoch. Ein Ende
des Wachstums oder ein abflauendes Interesse ist derzeit nicht abzusehen.
Seit Beginn der Zählungen im Jahr 1994 haben
fast eine Million Menschen das ehemalige
Untersuchungsgefängnis des DDR-Staatssicherheitsdienstes besucht. Sie haben dabei

nicht nur das Gelände kurz in Augenschein
genommen, sondern durchweg an einem mindestens zweistündigen Programm aus Einführung und gesprächsorientierter Führung
teilgenommen. Dass die gestiegenen Besucherzahlen ohne Qualitätsverlust und ohne
größere Zwischenfälle bewältigt werden konnten, ist eine besonders hervorhebenswerte
Leistung der Stiftung.
Die Besichtigung der weitläufigen Gefängnisanlage ist nur im Rahmen eines geführten
Rundgangs möglich (vgl. Musealer Rundgang).
Wegen der Auflagen der Versammlungsstättenverordnung wäre eine freie Begehbarkeit
nur nach massiven baulichen Eingriffen
statthaft. Im so genannten Neubau müsste
zum Beispiel die Statik der Decken verstärkt
werden, was umfangreiche Veränderungen
notwendig machen würde. In allen Gebäuden
wären zudem Fluchtwege, Brandschutzmaßnahmen, Ausschilderungen und Videoüberwachung erforderlich, wodurch das Gesicht der
Anlage massiv verändert werden würde. Die
Gedenkstätte bräuchte auch erheblich mehr
Personal, um das etwa 18 000 Quadratmeter

Besucherbetreuung

47

große denkmalgeschützte Areal mit vielen
empfindlichen
historischen
Details
zu
bewachen.
Im Mittelpunkt der Besucherbetreuung stehen
die Interessen der Gäste. Die Gedenkstätte ist
darum bemüht, ihren Wünschen soweit wie
möglich Rechnung zu tragen. Aus diesem
Grund hat die Stiftung im Berichtszeitraum ihre
Besucherangebote weiter diversifiziert. Neben
der Standardführung von 90 Minuten, zuzüglich
30 Minuten Einführungsfilm, werden auch
Kurzführungen (60 Minuten), thematische Sonderführungen, Seminare und Projekttage angeboten. Jeden Donnerstag ist im Rahmen des
öffentlichen Rundganges um 13 Uhr der Gefangenensammeltransportwaggon (GSTW) zu
besichtigen. Darüber hinaus werden zu besonderen Anlässen (historische Jahrestage, Tag
des offenen Denkmals) auch Bereiche gezeigt,
die die Besucher sonst nicht besichtigen können (Sauna, Gefängnisküchen, Haftkrankenhaus). Probleme mit der Tonqualität des Einführungsfilmes, die gelegentlich zu Klagen der
Besucher geführt hatten, wurden vom Mitteldeutschen Rundfunk durch eine neue
Abmischung beseitigt.
Zugleich wurde die Zahl der Angebote zur individuellen Nutzung vergrößert. Im Berichtszeitraum erhöhte sich die Zahl der ständigen
Ausstellungen von zwei auf drei; außerdem
war immer mindestens eine Wechselausstellung zu sehen. Durch die Eröffnung eines
neuen Ausstellungsraumes in den Garagen
wuchsen zudem die Möglichkeiten, kleinere
Teile der Anlage selbständig zu betreten.
Darüber hinaus wurde das Angebot an Informationstafeln im Freigelände vergrößert (vgl.
Ausstellungen). Schließlich stand den Besuchern während der Öffnungszeiten der Gedenkstätte eine gut ausgestattete Buchhandlung mit dazugehörigem Café zur Verfügung.
Auf diese Weise hat die Stiftung vor allem für
Spontanbesucher das Angebot bis zur nächsten Führung optimiert.
Die meisten Besucher kamen im Rahmen einer
angemeldeten Gruppenführung (vgl. Besucherforschung). Die Führungen begannen täglich
zwischen 9 und 16 Uhr zu jeder vollen oder halben Stunde, in Spitzenzeiten auch im Viertelstundentakt. Die Gedenkstätte war jeden Tag
von 9 bis 18 Uhr, bei Abendveranstaltungen

47

oder gegen Unkostenerstattung der Personalkosten auch länger geöffnet. Die Größe der
Gruppen schwankte, lag sie im Durchschnitt bei
etwa 20 Teilnehmern. Größere Gruppen wurden vom Besucherdienst geteilt.
Ein wachsender Teil der Besucher kam ohne
Voranmeldung. Der Anteil der Einzelbesucher
am Besucheraufkommen stieg von 12 (2005)
auf 16,9 Prozent (2006). Wegen der Zunahme
der Besucherzahlen fiel der Ausschlag in
absoluten Zahlen noch deutlicher aus: von
16 900 (2005) auf 29 200 (2006). Da ein großer
Teil der Spontanbesucher am Wochenende
kam, wurden am Samstag und Sonntag zu
jeder vollen Stunde Führungen angeboten. An
Werktagen wurde in den besucherstarken
Monaten zusätzlich zu den Führungen um 11
und 13 Uhr ein weiterer Rundgang um 15 Uhr
angeboten. Einzelbesucher oder Kleingruppen,
die außerhalb dieser Zeiten erschienen, wurden nach Möglichkeit organisierten Gruppenführungen zugeteilt. Insgesamt fanden im
Berichtszeitraum rund 11 500 Führungen statt.
Die wachsende Besucherzahl führte zu einem
weiteren Anstieg der Kosten für die Führungen
(vgl. Haushalt). Das von der Gedenkstätte ausgezahlte Honorar für eine 90-minütige Führung
beträgt 39 Euro, die Gesamtausgaben für die
Honorare beliefen sich im Berichtszeitraum auf
597 000 Euro. Die Gedenkstätte hat deshalb
von den Besuchern einen Kostenbeitrag für die
Führung in Höhe von drei Euro (ermäßigt 1,50
Euro) erhoben. Schüler und Auszubildende
wurden kostenlos geführt. Zudem gab es einmal in der Woche einen eintrittsfreien Tag für
Einzelbesucher, um auch sozial Schwachen die
Möglichkeit zur Besichtigung zu geben. Die
Mehrkosten für die kostenlosen Führungen
aufgrund der stark gestiegenen Schülerzahlen
mussten durch Mittel aus anderen Bereichen
aufgefangen werden. Letztlich subventionierten die kostenpflichtigen Besucher die
Schüler-Führungen mit. Der eintrittsfreie Tag für
Einzelbesucher wurde 2006 von Mittwoch auf
Montag verlegt, da die Besuchernachfrage an
diesem Tag am schwächsten ist.

Hinweisschilder an der Autobahn

Besuchergruppe mit dem Zeitzeugen
Charlie Rau (Bildmitte), 2005

Besucherdienst
Zuständig für die Betreuung der Besucher ist
der Besucherdienst. Er empfängt nicht nur die

Zeitzeugin Edda Schönherz mit Besuchern

Besucherbetreuung

48

Gäste am Eingang, sondern nimmt auch telefonische oder schriftlichen Anmeldungen entgegen, teilt die Referenten für die Führungen
ein und koordiniert die Terminplanung. Er
bestätigt schriftlich die vereinbarten Besuchstermine und sorgt für die Rechnungslegung bei
kostenpflichtigen Besuchen.

Studenten bei der Arbeit im Besucherdienst

Audioguide für Besucherführungen

Der Besucherdienst steht den Besuchern auch
als Ansprechpartner für spezielle Wünsche
oder Fragen zur Verfügung. Spontanbesucher
erhalten Auskunft, wann und wo die nächste
Führung stattfindet oder werden auf die verschiedenen Ausstellungen hingewiesen. Gruppen oder Einzelbesucher, die den Einführungsfilm sehen möchten, werden in die
entsprechenden
Räume
geleitet.
Für
unvorhergesehen große Gruppen oder Menschen, die nicht gut hören können, steht ein
Audiosystem zur Verfügung. Die Besucher
bekommen dann einen Funkempfänger mit
Kopfhörer ausgehändigt, so dass sie den
Gedenkstättenführer, der in Zimmerlautstärke
spricht, gut hören können. Dieses System hat
sich besonders in besucherstarken Zeiten
bewährt, um gegenseitige akustische Störungen der Gruppen zu vermeiden. Der Besucherdienst betreut außerdem Journalisten und
Filmteams, die sich auf dem Gelände bewegen. In Zusammenarbeit mit der Haustechnik
achtet er schließlich darauf, dass sich die
Anlage in einem sauberen, ordentlichen Zustand befindet.
Zum Besucherdienst gehören zwei fest angestellte Mitarbeiter sowie mehrere Honorarkräfte, bei denen es sich überwiegend um studentische Hilfskräfte handelt. Er hat seinen Sitz
im Eingangsbereich der Gedenkstätte, von wo
aus er den Besucherstrom kontrolliert und das
Gelände überwacht. Bei der Verwaltung und
Koordination der zahlreichen Besucheranfragen, Termine und Referenteneinsätze sowie
zur Pflege der Kontakte zu ständigen Kooperationspartnern stützt er sich auf ein Datenbanksystem, das im Berichtszeitraum weiter
ausgebaut wurde.

Zeitzeuge Mario Röllig (li.) mit Besuchern
im U-Boot, 4. Juli 2006

Die Führungen wurden von bis zu vierzig Honorarreferenten durchgeführt. Sie haben sich
intensiv mit der Geschichte der Haftanstalt
beschäftigt und wurden von der Gedenkstätte
kontinuierlich weitergebildet. Meist handelt es
sich bei ihnen um ehemalige politische

Häftlinge, die aus eigenem Erleben über das
System der politischen Verfolgung im SEDStaat berichten können. Die überwiegende
Mehrheit war selbst in Hohenschönhausen
inhaftiert. Zum Stamm der Besucherreferenten
gehören aber auch Historiker, die nicht persönlich betroffen sind. Hinzu kommen gelegentlich
festangestellte Mitarbeiter des Hauses und, in
seltenen Fällen, externe Partner, etwa aus der
Forschungs- und Gedenkstätte Normannenstrasse, mit der eine langjährige Kooperation
besteht.
Zu den Besucherreferenten zählen Vertreter
aller Häftlingsgenerationen. Sie repräsentieren
unterschiedliche Verfolgungsperioden und
Haftgründe, so dass sie über die verschiedenen
Formen und Ursachen der politischen Repression in der DDR kompetent Auskunft geben
können. Noch sind alle zeitlichen Perioden des
Haftortes von 1945 bis 1989 im Kreis der Referenten vertreten. Vom Besucherdienst können die Gedenkstättenführer deshalb speziell
auf die Bedürfnisse der Gruppen hin ausgesucht werden. Schülergruppen werden beispielsweise meist von jüngeren Mitarbeitern
geführt, Erwachsene hingegen eher von
älteren. Zu einer grünen Jugendgruppe "passt"
am besten ein Aktivist der DDR-Umweltbewegung. Dieses Prinzip kann aber auch
umgekehrt angewandt werden - mit manchmal
verblüffenden Ergebnissen.
Die Besucherreferenten leisten durchschnittlich etwa 17 Führungen pro Monat, wobei die
Zahl im Jahresverlauf erheblich schwankt. Auch
zwischen den einzelnen Referenten gibt es
beträchtliche Unterschiede, da manche nur
gelegentlich, andere häufiger Besuchergruppen führen. Einige ältere Zeitzeugen haben im
Berichtszeitraum ihre Tätigkeit stark reduziert
oder standen aus gesundheitlichen Gründen
gar nicht mehr zur Verfügung. Um der gestiegenen Besuchernachfrage Rechnung zu tragen,
hat die Gedenkstätte acht neue Besucherreferenten gewonnen, unter denen sich auch die
ehemalige Bürgerrechtlerin Vera Lengsfeld
befindet. Aufgrund der zunehmenden Zahl ausländischer Besucher wurden in das Team drei
junge Historiker für fremdsprachige Führungen
aufgenommen.
Zur Weiterbildung der Besucherreferenten fanden regelmäßig Fortbildungsveranstaltungen

Besucherbetreuung

49

statt. Sie dienten auch der Auswertung der
Fragebögen, die die Gedenkstätte an die
Besucher verteilte, sowie der Verbesserung der
rhetorisch-didaktischen Arbeit. Darüber hinaus
erhielten die Referenten Artikel mit aktuellen
Erkenntnissen zur Verfügung gestellt. Neue
Besucherreferenten durchliefen eine intensive
Schulung mit Hospitationen und Probe-Führungen.
Die Besucherreferenten kamen etwa jedes
Vierteljahr zu einer Art Dienstversammlung
zusammen. Diese Besucherreferententreffen
dienten dem Erfahrungsaustausch und der
Lösung aktueller Probleme. Auch der Arbeitskreis, in dem sich ein Teil der Besucherreferenten zusammengeschlossen hat, tagte
mehrfach. Einer der beiden Referentensprecher hat im Berichtszeitraum sein Amt niedergelegt, eine jüngere Kollegin wurde zur stellvertretenden Referentensprecherin gewählt.
Die Sprecher arbeiten eng mit dem Referenten
für politische Bildung als Fachaufsicht des
Besucherdienst zusammen.
Für die meisten Besucherreferenten ist die
Gedenkstätte nicht nur eine Arbeitsstelle, sondern eine Institution, in der sie aus Überzeugung mitarbeiten. Einige gründeten deshalb
einen Arbeitskreis "Spurensuche", der Kontakt
zu Schulen und Lehrern aufnahm. Andere
organisierten Vorträge an Schulen oder in
öffentlichen Einrichtungen. Wieder andere
arbeiteten ehrenamtlich in der Opferberatung.
Nicht selten zog die Führung einer Gruppe auch
eine Einladung zum Vortrag in deren Heimatstadt nach sich. Viele Besucherreferenten setzten sich zudem bei Veranstaltungen, in Briefen,
in Gesprächen mit Politikern oder in den Opferverbänden aktiv für die Belange der kommunistisch Verfolgten ein.
Die Qualität der Führungen wurde durch eine
Vielzahl von Stichproben und Hospitationen
überprüft. Die meisten Referenten verstehen
es ausgesprochen gut, den Besuchern Formen
und Folgen politischer Verfolgung in der DDR
am Beispiel der Untersuchungshaftanstalt
nahe zu bringen. Als vorteilhaft hat sich dabei
erwiesen, die eigenen Hafterfahrungen eher
zurückhaltend einzubringen und das Gewicht
vor allem auf die objektiven Fakten zu legen.
Die Anstieg der Besucherzahlen um mehr als
30 000 Menschen führte zu einer erheblichen

Mehrbelastung des Besucherdienstes. Da aus
Haushaltsgründen die Ausgaben für Aushilfskräfte weitgehend eingefroren werden
mussten, konnte die Stiftung den Mehraufwand nur durch strenge Rationalisierungsauflagen auffangen. Auch für die fest angestellten
Mitarbeiter erhöhte sich der Arbeitsaufwand
entsprechend. In manchen Zeiten konnte die
Gedenkstätte der Fülle der Aufgaben kaum
mehr Herr werden.

49

Bundespräsident Horst Köhler mit seiner
Frau Eva Köhler und dem Leiter der
Gedenkststätte Hubertus Knabe (v.r.n.l.),

Prominente Besucher
Zu den Besuchern der Gedenkstätte zählten
zahlreiche Persönlichkeiten des öffentlichen
Lebens. Höhepunkt war zweifellos der Besuch
von Bundespräsident Horst Köhler am 14.
November 2006. Während eines Rundgangs
mit dem Direktor, Hubertus Knabe, und dem
ehemaligen
Hohenschönhausen-Häftling
Dieter von Wichmann, legte das deutsche
Staatsoberhaupt im Kellergefängnis des
Staatssicherheitsdienstes ("U-Boot") einen
Kranz für die Opfer nieder. Im Anschluss an die
Führung fand ein etwa einstündiges Gespräch
mit ehemaligen Verfolgten und Mitarbeitern
der Gedenkstätte statt. Gegenüber den zahlreichen anwesenden Medienvertretern erklärte der Bundespräsident, der bei dem Besuch
von seiner Frau begleitet wurde, in Anspielung
auf die öffentlichen Auftritte ehemaliger StasiMitarbeiter: "Wir haben einer Sache nicht die
nötige Aufmerksamkeit geschenkt: Die Erinnerungen an das SED-Regime dürfen nicht
verblassen." Die Opfer dürften nicht in die
Defensive geraten und sich fragen müssen,
wer sie eigentlich vor dem Geschichtsrevisionismus der MfS-Offiziere schütze.
Im Berichtszeitraum besuchten auch zahlreiche
andere Politiker und Repräsentanten die
Gedenkstätte. Am 1. Mai 2005 ließ sich Bundestagsvizepräsident Hermann Otto Solms
(FDP) das ehemalige Stasi-Gefängnis zeigen.
John Cloud, Stellvertretender US-Botschafter
in Berlin, war im Juli zu Gast, am 2. November
informierte sich der hessische Justizminister
Christean Wagner (CDU) auf einem Rundgang
über die Haftbedingungen. Eine Delegation des
ANC aus Südafrika besichtigte am 19. Januar
2006 die ehemalige Untersuchungshaftanstalt.
Am 9. Februar besuchte Hessens Innenminister Volker Bouffier das Gelände, am 27. März

14. November 2006

Bundestagsvizepräsident Hermann Otto
Solms (Bildmitte), 1. Mai 2005

Delegation des ANC aus Südafrika mit
dem Zeitzeugen Hans-Eberhard Zahn,
19. Januar 2006

Besucherbetreuung

50

Der Spitzenkandidat der CDU für die
Berliner Abgeordnetenhauswahl,
Friedbert Pflüger, bei einem Besuch der
Gedenkstätte, 24. März 2006

Der Landtagspräsident von Niedersachsen Jürgen Gansauer, der Zeitzeuge
Thomas Raufeisen, der Niedersächsische Kultusminister Bernd Busemann
und der politische Referent der Gedenkstätte Siegfried Reiprich (v.r.n.l.),
1. Dezember 2006

Der Generalsekretär der SPD, Hubertus
Heil, im Gespräch mit dem Zeitzeugen
Horst Jänichen, 5. September 2006

Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus,
am 6. April der Thüringer Justizminister Harald
Schliemann (CDU). Der Spitzenkandidat der
CDU für die Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus, Friedbert Pflüger, stattete der
Gedenkstätte am 24. März einen Besuch ab.
Der Gesandte der Botschaft des Staates Israel
in Berlin, Ilan Mor, informierte sich am 11. April
über den ehemaligen Haftort. Der Generalsekretär der SPD, Hubertus Heil, legte am 9.
Mai gemeinsam mit Vertretern der Lichtenberger SPD einen Kranz nieder. Am 12. Mai
besuchte die damalige Fraktionsvorsitzende
von Bündnis 90/Die Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus Sibyll Klotz, zusammen mit der
Spitzenkandidatin für die bevorstehende Abgeordnetenhauswahl Franziska Eichstädt-Bohlig
und
weiteren
Grünen-Politikern
die
Gedenkstätte. Als Reaktion auf die öffentlichen
Auftritte ehemaliger MfS-Mitarbeiter kam am
12. Juni 2006 der Landesvorstand der CDUBrandenburg in der Gedenkstätte zu einer
Sitzung zusammen, an der auch der stellvertretende brandenburgische Ministerpräsident Jörg Schönbohm und die brandenburgische Kulturministerin Johanna Wanka teilnahmen. Von Bundesebene war insbesondere der
Besuch der CDU-Fraktionsvorsitzenden Volker
Kauder und seines Stellvertreters Arnold Vaatz
von Bedeutung. Im Oktober ließ sich der neue
US-Botschafter William Timken mit seiner Frau
und Freunden der Familie durch die ehemalige
Haftanstalt führen. Landtagspräsident Jürgen
Gansäuer (CDU) und Kultusminister Bernd
Busemann (CDU) aus Niedersachsen besichtigten am 1. Dezember das Gelände.
Im Rahmen von Veranstaltungen konnte die
Stiftung ebenfalls zahlreiche Prominente
begrüßen. Im Oktober 2005 hielt die damalige
Berliner Bürgermeisterin und Justizsenatorin
Karin Schubert (SPD) in der Gedenkstätte eine
Ansprache. Im November sprach der Fraktionsund Parteivorsitzende der Berliner SPD,
Michael Müller bei einer Gedenkveranstaltung.
Weitere Redner waren u.a. die Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen Marianne Birthler, der ostpolitische Sprecher der CDU/CSUBundestagsfraktion Arnold Vaatz und der
heutige Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung Günter Nooke (CDU). Auch die
Autoren Inge Deutschkron, Peter Schneider,
Erich Loest, Richard Wagner, Ines Geipel und
Joachim Walther nahmen an Veranstaltungen

der Gedenkstätte teil. Von herausgehobener
Bedeutung war nicht zuletzt der Besuch des
früheren litauischen Präsidenten Vytautas
Landsbergis und des ehemaligen sowjetischen
Dissidenten Wladimir Bukowsky im November
2006.

Gedenkstättenpädagogik
Etwa die Hälfte der Besucher sind Schüler.
Allein im Rahmen angemeldeter Gruppenbesucher kamen im Berichtszeitraum mehr als
163 000 junge Leute. Während 2004 etwa
55 000 Schüler und Studenten die Gedenkstätte besuchten, waren es 2005 bereits
69 000 und 2006 über 88 000. Da viele Schüler
nur über ein geringes oder gar kein Vorwissen
verfügen, bedarf es besonderer pädagogischer
Anstrengungen, das System politischer Verfolgung in der kommunistischen Diktatur verständlich zu machen.
Die Betreuung der Schüler erfolgt nach einem
abgestimmten didaktischen Konzept. Je nachdem wie viel Zeit die Gruppen mitbringen, können sie zwischen Führungen, Seminaren oder
Projekttagen wählen. Da die Schülergruppen in
der Regel über ein verhältnismäßig geringes
Zeitkontingent verfügen, entscheiden sich die
meisten für die so genannte Standardführung.
Dabei lernen sie sowohl die verschiedenen
Haftepochen seit 1945 als auch die wichtigsten
Stationen eines politischen Gefangenen in der
DDR kennen (vgl. Musealer Rundgang). In der
Regel werden sie von einem ehemaligen
Häftling durch das Gefängnis geführt, wodurch
der Rundgang besonders anschaulich und
nachvollziehbar wird. Davon zeugen nicht zuletzt die vielen Briefe und Emails, die Schüler
nach ihrem Besuch an die Gedenkstätte gerichtet haben (vgl. Anhang: Besucherstimmen).
Neben der Standardführung werden auch thematische Sonderführungen angeboten.
Außer den Führungen hat die Gedenkstätte verschiedene Seminartypen entwickelt, die
Schülern eine weitergehende Beschäftigung
mit dem Thema erlauben. In der Regel gehört
dazu ein ausführliches Gespräch mit einem
Zeitzeugen, der über seine Erfahrungen in der
DDR, die Gründe seiner Verhaftung und seinen
weiteren Lebensweg berichtet. Darüber hinaus
werden Kontextinformationen vermittelt und,

Besucherbetreuung

51

je nach Aufbau des Seminars, auch Texte und
Medien eingesetzt. Auf besonderes Interesse
stieß das Seminar "Politische Verfolgung in der
DDR". Neben einer Einführung und dem
Rundgang durch das Gefängnis beinhaltet es
ein ausführliches Seminargespräch mit einem
Zeitzeugen oder Historiker, bei dem das
Erfahrene vertieft wird. Das Seminar "Politische
Justiz im Staat der SED" soll vornehmlich
jugendliche Besucher aus den alten und neuen
Bundesländern zu einem Ost-West-Erfahrungsaustausch über den Umgang mit der
SED-Diktatur anregen. Durch Auswahl entsprechender Zeitzeugen knüpften die Seminare teilweise an Jahrestage wie dem 8. Mai
1945, den 17. Juni 1953 oder den 9. November
1989 an.
Im Mai 2005 und 2006 organisierte die
Gedenkstätte zwei internationale Schülerseminare. 60 Jahre nach dem Ende des Zweiten
Weltkriegs beschäftigten sich etwa 20 Schüler
aus Berlin und Osteuropa mehrere Tage lang
mit dem Übergang von der nationalsozialistischen zur kommunistischen Diktatur. Das mit
hochrangigen Referenten besetzte Seminar
(u.a. wirkten die jüdische Autorin Inge
Deutschkron und der Schriftsteller Peter
Schneider mit) trug den Titel "Von Hitler zu Stalin - das Kriegsende in Mittelosteuropa". Im
darauffolgenden Jahr ging es um die 50 Jahre
zurückliegenden Aufstände gegen das kommunistische Regime in Posen und Ungarn. Das
Seminar 2006 trug den Titel "1956: Die ‚Welt
von Jalta' nach Stalins Tod - ‚Tauwetter' und
Befreiungsversuche". Bei diesem Seminar
wurde erstmals ein Theaterpädagoge eingesetzt, der mit den Schülern Szenen einstudierte. Die Durchführung wurde von der
deutschen UNESCO-Kommission, der Bundeszentrale für politische Bildung und vom
Förderverein der Gedenkstätte unterstützt.
Im Januar 2005 fand ein Seminar "Schüler
unterrichten Schüler" statt, bei dem drei
Schüler des Berliner Max-Reinhardt-Gymnasiums nach entsprechender Vorbereitung und
Befragung eines Zeitzeugen selber eine
Führung durch die Gedenkstätte durchführten.
Anschließend präsentierten sie ihre Erkenntnisse über die Behandlung politischer Häftlinge
im ehemaligen Gefängnis Berlin-Hohenschönhausen. Ungewöhnlich war auch ein Projekt,
das Schüler eines Grundkurses Musik des

51

Berliner Carl-von-Ossietzky-Gymnasiums im
Frühjahr 2005 realisierten. Die Schüler setzten
nach einer Führung und einem Zeitzeugengespräch ihre Eindrücke musikalisch um und produzierten daraus eine eigene CD.
Zum
pädagogischen
Angebot
der
Gedenkstätte gehört darüber hinaus die Durchführung von Projekttagen. Der Projekttag
"Gelebte Geschichte. Politische Verfolgung in
unterschiedlichen
Perioden
der
DDRGeschichte" richtet sich an alle Altersgruppen.
Ein anderer - "Haftbedingungen in der Untersuchungshaftanstalt
Berlin-Hohenschönhausen" - wurde speziell für Schüler konzipiert.
Die Schüler durchlaufen dabei einen Lernzirkel,
bei dem sie sich das Wissen im Wege eines
forschenden Lernens weitgehend selbst erarbeiten können. Am Ende des Projekttages
steht in der Regel eine selbstständige Präsentation des Gelernten. Ausländische Schülergruppen werden nach Möglichkeit in ihrer
Heimatsprache oder in Englisch betreut. Die
Seminare und Projekttage wurden -- außer bei
der telefonischen Anmeldung -- über die Website der Stiftung und einem 2005 erstellten
Flyer mit den Pädagogischen Angeboten der
Gedenkstätte beworben. Der Flyer wurde über
die Schulverwaltung und durch die Gedenkstätte an alle Berliner Oberschulen und alle
Hauptseminare verteilt. Zudem schreiben die
neuen Berliner Rahmenlehrpläne für das Fach
Geschichte seit 2005 vor, Gedenk- und Erinnerungsstätten als außerschulische Lernorte
verstärkt in den Unterricht einzubeziehen. Viele
Schulklassen nutzten auch ihren Wandertag
oder ihre Klassenfahrt nach Berlin, um das ehemalige Stasi-Gefängnis zu besichtigen.
Im Berichtszeitraum nahm die Zahl der Seminare und Projekttage ab, da die dafür gezahlten
Zuschüsse der Bundeszentrale für politische
Bildung gekürzt wurden. Aus formalen Gründen -- Zuständigkeit der Länder für den Bildungsbereich -- konnten für Schülergruppen in
der Regel schon vorher keine Zuschüsse in
Anspruch genommen werden. Insgesamt fanden in den vergangenen beiden Jahren 466
Seminare und 17 Projekttage statt. Im Jahresdurchschnitt wurde damit alle ein bis zwei Tage
ein Projekttag oder ein Seminar durchgeführt.
Seit August 2004 hat der Berliner Senator für
Bildung, Jugend und Sport, wie erwähnt, zwei
Gymnasiallehrer mit jeweils 50 ihrer Arbeitszeit

US-Botschafter S.E. William Timken
(Bildmitte), 24. Oktober 2006

Flyer der Gedenkstätte mit den pädagogischen Angeboten

Internationales Schülerseminar “Die
Welt nach Jalta 1945 -- Tauwetter und
Befreiungsversuche”, Mai 2006

Besucherbetreuung

52

Zeitzeuge Horst Jähnchen (re.) im

an die Gedenkstätte abgeordnet. Unter Anleitung der Stiftung betreuen sie eine Pädagogische Arbeitsstelle, die Besuche, Seminare
und Projekttage vorbereitet und begleitet.
Darüber hinaus unterstützen sie die kritische
Auseinandersetzung mit der kommunistischen
Diktatur durch Unterrichtsmaterial, Fachliteratur und multimediale Angebote. Schließlich
werden Fortbildungsseminare für Lehrer und
Lehramtsanwärter organisiert.
Da die Behandlung des Themas DDR in den
Berliner Schulen 2005 von der zehnten in die
neunte Klasse vorverlegt wurde, nahm der
Anteil jüngerer Schüler an den Besuchern deutlich zu. Probeweise nahmen sogar erstmals
zwei Grundschulklassen an einer Führung teil.
Weil sich in der Praxis gezeigt hat, dass jüngere
Schüler teilweise nicht die für das Thema
notwendige Aufmerksamkeit aufbringen, hatte
die Gedenkstätte lange Zeit eine Altersgrenze
von 16 Jahren für Besucher festgesetzt. Im Berichtszeitraum wurde diese jedoch gelockert,
um zu vermeiden, dass Schulklassen, die das
ehemalige Stasi-Gefängnis besuchen wollten,
abgewiesen werden mussten. Ein weiteres
Argument für die Lockerung war, dass man
Jugendliche -- ähnlich wie beim Thema Rechtsradikalismus -- möglichst bereits dann mit der
Realität der kommunistischen Diktatur konfrontieren sollte, bevor sich politische Einstellungen verfestigt haben. Die Gedenkstätte hat
deshalb in der Regel mit den Lehrern jüngerer
Schulklassen schon vor dem Besuch Kontakt
aufgenommen und auf eine angemessene Vorbereitung hingewirkt. Seminare und Projekttage wurden altersgerecht gestaltet.

Auf Initiative der Gedenkstätte machten verschiedene Handreichungen für Lehrer auf die
pädagogischen Angebote aufmerksam. So
wurde im Fachbrief für Geschichte und Politikwissenschaft, den alle Berliner Fachlehrer
erhalten, ausführlich über die Arbeitsstelle und
ihre Aktivitäten informiert wird. Zudem konnten nicht nur Geschichtslehrer, sondern auch
Lehrer der Fächer Kunst, Musik und Psychologie für gemeinsame Projekte in Hohenschönhausen interessiert werden. Ein Lehrer aus
Kempten absolvierte in der Gedenkstätte ein
mehrwöchiges Praktikum. Die von der
Gedenkstätte und dem Berliner Landesinstitut
für Schule und Medien (LISUM) entwickelten
Unterrichtseinheiten zur Geschichte des
Haftortes, die von der Homepage der Stiftung
heruntergeladen werden können, verzeichneten monatlich etwa 300 Nutzer. Das Material wurde durch eine einführende Unterrichtseinheit zur Geschichte von SBZ und DDR
ergänzt. Auf Bitten des Berliner Schulsenators
erstellte die Stiftung schließlich eine Liste mit
ehemaligen politischen Häftlingen, die bei
Bedarf auch in die Schulen eingeladen werden
können. Die Liste wurde 2006 allen Schulen
zugeschickt, ohne allerdings zu einer sichtbaren Resonanz zu führen.

Eine wichtige Rolle spielte auch die Zusammenarbeit mit Lehrern, die durch Unterrichtsmaterial, Fortbildungsseminare und gezielte
Beratung unterstützt wurden. In Zusammenarbeit mit der Rahmenlehrplan-Kommission für
die Fächer Geschichte und Politische Wissenschaft erarbeitete die Pädagogische
Arbeitsstelle Vorschläge für die neu in die
Abiturordnung aufgenommene 5. Prüfungskomponente. Ferner führte sie drei Fortbildungsveranstaltungen für Berliner Lehrer
durch mit Informationen zu den neuen Prüfungsformen im Abitur und beim mittleren
Schulabschluss am Ende der 10. Klasse. Zehnmal wurden Gruppen von Lehramtsanwärtern
und Studienreferendaren in der Gedenkstätte

Die Pädagogische Arbeitsstelle machte auch
Schülern das Angebot, sie bei ihren Prüfungen
zu unterstützen. Für die am Ende der 10. Klasse
und im Abitur geforderte Präsentationsprüfung
stand sie 2006 einer größeren Anzahl von
Schülern beratend zur Seite und stellte ihnen
Arbeitsmöglichkeiten zur Verfügung. Als
Abdeckung der neuen fünften Prüfungskomponente im Abitur führte die Gedenkstätte im
Schuljahr 2005/06 zudem einen Seminarkurs
mit dem Schwerpunkt DDR-Geschichte durch.
Schüler aus drei Berliner Schulen arbeiteten in
Hohenschönhausen und anderen Gedenkstätten. Der Kurs, bei dem sich die Schüler an
jedem zweiten Sonnabend mit der SED-Diktatur beschäftigten, umfasste insgesamt 66

Gespräch mit Schülern

Gedenkstättenlehrer Karsten Harfst (re.)
mit Schülern

Initiative “Zeitzeugen im Unterricht” der
Gedenkstätte in Zusammenarbeit mit
dem Berliner Schulsenator

über die pädagogischen Angebote informiert;
einzelne Teilnehmer wurden auch bei der
Abfassung ihrer Abschlussarbeit zum Staatsexamen unterstützt. Zudem präsentierte sich
die Arbeitsstelle auf mehreren Lehrer-Fachkonferenzen und verschickte wiederholt Rundmails an über 400 Schulen und Bildungseinrichtungen in Berlin und Brandenburg.

Besucherbetreuung

Semesterstunden; die Ergebnisse der Abschlussarbeiten werden in das Abitur einbezogen.
Die Pädagogische Arbeitsstelle hat darüber
hinaus mit verschiedenen Partnern Kooperationen entwickelt. Eine enge Zusammenarbeit
fand u.a. mit den Berliner UNESCO-Projektschulen statt. Ehemalige politische Häftlinge
berichteten zum Beispiel im Dezember 2006
beim jährlichen UNESCO-Seminar "Menschenrechte im 21. Jahrhundert" im Berliner
Jagdschloss Glienicke; Teilnehmer des Seminars besuchten auch die Gedenkstätte. Mit der
Landeszentrale für politische Bildung in Bayern
und der Villa Ten Hompel, einer Bildungseinrichtung in Münster/Westfalen, wurde eine
regelmäßige Zusammenarbeit bei der Betreuung von Schülergruppen verabredet. Im
Dezember 2006 richteten die Menschenrechtsorganisationen Amnesty International und
Human Rights Watch in der Gedenkstätte
einen Ausstellungsraum ein, in dem über Menschenrechtsverletzungen in kommunistischen
und post-kommunistischen Staaten informiert
wird. In einem angeschlossenen Seminarraum
finden sich weitere Materialien der Organisationen zu diesem Thema.

Buchhandlung
Ein wichtiger Anlaufpunkt für die Besucher ist
die Buchhandlung der Gedenkstätte. Dem
Laden ist ein Café angegliedert, das nach dem
Faschismus- und Kommunismuskritiker Arthur
Koestler benannt ist. Das wirtschaftlich selbständige Unternehmen, dessen Name "Buchhandlung '89" an die friedliche Revolution von
1989 erinnert, bietet ein umfangreiches Sortiment an Veröffentlichungen zur DDRGeschichte und verwandten Fragestellungen.
Das Angebot reicht von biographischer Literatur über populärwissenschaftliche Darstellungen zum Staatssicherheitsdienst oder zur SED
bis hin zu Fachbüchern mit speziellen Fragestellungen. Auch die Publikationen der Stiftung
sind hier erhältlich.

53

ders Einzelbesucher sind an weiterführender
Literatur interessiert, während Gruppenbesucher wegen ihres engen Terminplans
weniger Zeit für einen Besuch im Laden haben.
Schülergruppen wollen nach der Führung häufig noch Riegelware oder Erfrischungsgetränke
kaufen. Der Laden, der praktisch die Funktion
eines Museumsshops und eines Museumscafés wahrnimmt, wird nicht nur von zahlreichen Besuchern aufgesucht. Auch die meisten
Besucherreferenten nutzen ihn als Warte- und
Aufenthaltsraum.
Im Berichtszeitraum hat der Buchladen in den
besucherstarken Zeiten pro Monat über 1500
Bücher verkauft. Etwa ein Drittel des Umsatzes
wurde mit Veröffentlichungen von oder über
Zeitzeugen gemacht. Besonders gefragt war
mit mehr als 3500 verkauften Exemplaren das
Buch von Peter Erler und Hubertus Knabe "Der
verbotene Stadtteil. Stasi-Sperrbezirk BerlinHohenschönhausen". Weitere Spitzentitel
waren u.a. "Die Schleife an Stalins Bart" von
Erika Riemann, "Stasiland" von Anna Funder
und der im Stasi-Gefängnis Hohenschönhausen spielende Roman "Krokodil im Nacken"
von Klaus Kordon.
Im Gegensatz zu anderen Gedenkstätten, die
den Buchverkauf in Eigenregie durchführen, ist
die Stiftung durch die Zusammenarbeit mit
dem Unternehmen nicht selbst mit dem personalintensiven Verkauf von Informationsmaterial belastet. Der Laden wickelt auch den Eintrittskartenverkauf für Einzelbesucher ab. 2006
hat er zusätzlich die Ausgabe von AudioguideGeräten an die Besucher übernommen.
Darüber hinaus stellte er für die meisten Veranstaltungen der Gedenkstätte themenbezogene Büchertische zusammen. Durch den
angeschlossenen Kaffeeausschank erfüllt der
Buchladen nicht zuletzt eine wichtige kommunikative Funktion. Allerdings sind die Räumlichkeiten, die sich in einer umgebauten Garage
im ehemaligen Werkstatthof befinden, sehr
beengt und viel zu klein.

Seminarbericht ein Internationales
Schülerseminar, 2006

Buchhandlung `89 im Werkstatthof der
Gedenkstätte

Besucherreaktionen
Das Angebot der Buchhandlung stößt bei den
Besuchern auf reges Interesse. Viele haben
das Bedürfnis, sich nach dem Rundgang
genauer zu informieren oder bestimmte
Sachverhalte zu Hause nachzulesen. Beson-

Die meisten Besucher ließ die Besichtigung
des ehemaligen Stasi-Gefängnisses nicht
unberührt. Fast immer endete der Rundgang
damit, dass die Besucher am Schluss Beifall

Gästebucheintrag des Bundespräsidenten Horst Köhler vom 14. November
2006

54

Besucherbetreuung

Marie Borkowski-Foedrowitz (re.),
1971/72 in Hohenschönhausen
inhaftierte, bei ihrem Besuch in der
Gedenkstätte, 2006

klatschten. Tausende bedankten sich persönlich bei dem Gedenkstättenführer und entwickelten oft noch ein starkes Gesprächsbedürfnis.
Zugleich verzeichnete die Gedenkstätte zahlreiche Spenden, die die Besucher zusätzlich zum
Führungsentgelt aufbrachten. So erhöhte sich
das Spendenaufkommen 2005 von 25 000 auf
35 000 Euro -- ein Anstieg von beinahe fünfzig
Prozent. 2006 stieg es erneut an auf nunmehr
48 000 Euro. Da die Spendenbox mit dem Hinweis versehen ist, dass die Gelder direkt der
Gedenkstätte zukommen, kann die Spendenbereitschaft auch als indirekter Indikator für die
Wertschätzung ihrer Arbeit betrachtet werden.
Die Gedenkstätte registrierte zudem eine
ungewöhnlich hohe Anzahl schriftlicher Reaktionen. Viele Besucher trugen sich nicht nur am
Ende der Führung in das am Ausgang liegende
Gästebuch ein, sondern schrieben auch von zu
Hause noch Emails oder Briefe. Im Berichtszeitraum wurden über 2500 Gästebucheintragungen und Anschreiben vermerkt. Sie wurden
alle in einer Datenbank erfasst, die mittlerweile
4600 Datensätze umfasst. In 99 Prozent der
Fälle brachten die Besucher schriftlich zum Ausdruck, wie sehr sie der Besuch der Gedenkstätte berührt hätte. Nur sehr vereinzelt wurden ablehnende Äußerungen registriert, meist
wegen technisch-organisatorischer Probleme
oder wegen einer anderen politischen Meinung
über die DDR-Vergangenheit.

Besucherfragebogen zur Evaluierung der
Führungen

Anlass für einen Großteil der schriftlichen
Äußerungen war, dass sich die Besucher bei
"ihrem" Besucherreferenten noch einmal für die
Führung bedanken wollten. Offenbar wirkte bei
vielen die Besichtigung noch lange nach. So
berichteten viele, dass sie oft noch tagelang in
der Familie oder mit Freunden über den Besuch
in der Gedenkstätte gesprochen hätten. Meist
lobten die Besucher die sachliche Zurückhaltung des Referenten, die angesichts seiner persönlichen Verfolgungsgeschichte besonders
bewundernswert sei. Ost- wie Westdeutsche
betonten zudem häufig, dass ihnen durch den
Besuch in Hohenschönhausen der Wert der
Freiheit wieder bewusst geworden sei. Viele
Alt-Bundesbürger zeigten sich erleichtert, dass
sie in einer Demokratie aufwachsen durften,
während ehemalige DDR-Bürger bekannten,
dass ihnen die in der Gedenkstätte
geschilderten Sachverhalte nur unzureichend
oder gar nicht bekannt gewesen seien.

Mitunter erinnerten auch Zeitzeugen oder
deren Angehörige an vergangenes Unrecht
und Leid. "Nie wieder" war ein immer
wiederkehrendes Motiv zahlreiche Äußerungen. Eine Reihe von Besuchern berichtete
auch, dass sie zum wiederholten Male eine
Führung absolviert und dabei immer wieder
Neues gelernt hätten. Viele versicherten
zudem, die Besichtigung der Gedenkstätte
anderen weiter empfehlen zu wollen -möglicherweise eine Ursache für den anhaltenden Anstieg der Besucherzahlen. Die
öffentlichen Auftritte ehemaliger MfS-Offiziere
im Frühjahr 2006 führten schließlich zu einer
regelrechten Welle von Reaktionen: Zahlreiche
Briefschreiber erklärten sich solidarisch mit der
Gedenkstätte, empörten sich über die
Dreistigkeit der alten Funktionäre und
forderten deren Bestrafung. Viele kritisierten
auch die Rolle der PDS, das Verhalten des
Berliner Kultursenators Thomas Flierl und die
Politik der Bundesregierungen, die die Opfer
der SED-Diktatur stiefmütterlich behandelt und
die Verantwortlichen für das Unrecht privilegiert hätten (vgl. Anhang: Besucherstimmen).
Zu den Besuchern gehörte auch eine Reihe
ehemaliger politischer Häftlinge. Manchmal
kamen sie nach Jahren oder Jahrzehnten zum
ersten Mal an den Ort ihrer Haft zurück oder
wollten ihren Angehörigen zeigen, was ihnen
hier widerfahren war. Vielfach kamen auch
Menschen, die auf andere Weise vom
Staatssicherheitsdienst geschädigt wurden.
Zudem nahmen viele früher Verfolgte
regelmäßig an den Veranstaltungen der
Gedenkstätte teil, die für sie offenbar ein
wichtiger Anlaufpunkt ist. Zahlreiche Betroffene wandten sich auch schriftlich an die
Gedenkstätte und baten diese um Rat. Es versteht sich von selbst, dass die Opfer der SEDDiktatur von den Mitarbeitern der Stiftung mit
besonderem Respekt behandelt und nach
Möglichkeit individuell geführt und betreut
werden. Darüber hinaus werden sie auf das
Zeitzeugenbüro aufmerksam gemacht und zur
Kontaktaufnahme
ermutigt.
Eine
psychosoziale Betreuung oder eine Beratung in
Rehabilitierungs- und Entschädigungsfragen
kann die Gedenkstätte mangels entsprechendem Personal jedoch ebenso wenig leisten wie
die Aufklärung der vielfältigen Verfolgungsmaßnahmen des Staatssicherheitsdienstes.

Besucherbetreuung

Angriffe von MfS-Mitarbeitern
Im Berichtszeitraum kam es, wie erwähnt,
erstmals zu massiven öffentlichen Angriffen
ehemaliger
MfS-Mitarbeiter
auf
die
Gedenkstätte. Mehrfach schlichen sich
führende Ex-Offiziere in Führungen ein, um
nach Fehlern zu suchen. Im Sommer 2005
gaben sich mehrere von ihnen -- darunter die
früheren stellvertretenden Minister für
Staatssicherheit Wolfgang Schwanitz und Gerhard Neiber -- sogar als sächsische Historiker
aus und ließen heimlich ein Tonbandgerät mitlaufen. In verschiedenen Publikationen wurde
später Hohn und Spott über die Gedenkstättenführer ausgeschüttet, deren Leidensgeschichten zu Phantasieprodukten erklärt
wurden. Manchmal provozierten einschlägig
vorbelastete Besucher auch schon während
der Führung und forderten von den ehemaligen
Häftlingen "Beweise" für deren Beschreibungen. Damit man ihre Spuren nicht zurückverfolgen kann, beschwerte sich jemand sogar beim
Berliner Datenschutzbeauftragten, dass die
Gedenkstätte bei Gruppenführungen einen
Ansprechpartner notiert.
Die Agitation fand ihren vorläufigen Höhepunkt
in einer Broschüre, die im Sommer 2005 unter
dem Titel "Das Gruselkabinett des Dr. Hubertus
Knabe(lari)" erschien. Ein ehemaliger Dozent
der Pädagogischen Hochschule in Dresden ließ
sich in der 128 Seiten starken Kampfschrift in
abfälliger Weise über die Gedenkstätte und die
Aufarbeitung des SED-Unrechts aus. Unter
anderem kritisierte er, dass "zeitgeistgemäß"
als Zeitzeugen "ausschließlich sogenannte
Opfer" gelten würden, "selbst wenn sie als
kriminelle Verbrecher gegen geltendes Recht
der DDR oder Völkerrecht verstoßen haben".
Den Bericht eines früheren Häftlings, der 1947
mehrere später rekonstruierte Folterzellen einbauen musste, erklärte er für "offenkundige
Geschichtsfälschung".
Die Broschüre wurde im Oktober 2005 unweit
der Gedenkstätte auf einer Veranstaltung der
Gesellschaft zur rechtlichen und humanitären
Unterstützung (GRH) vorgestellt, ein Verein,
der vor allem aus ehemaligen MfS-Mitarbeitern, Grenztruppenoffizieren und Angehörigen
der DDR-Justiz besteht. Anschließend organisierte man weitere Buchvorstellungen und
schickte die Veröffentlichung an verschiedene

Schulen und Bildungsminister in Deutschland.
In einem Begleitbrief behauptete die GRH über
die Gedenkstätte: "Was hier vor allem jungen
Menschen an lügnerischen Behauptungen
über unmenschliche Behandlungen, Folter und
Tod vermittelt wird, spottet jeder Beschreibung". In einer Rezension warf die Zeitung der
Linkspartei.PDS im Berliner Bezirk MarzahnHellersdorf der Landesregierung im Dezember
2005 sogar vor, in den Umbau der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen in eine
"'Geschichtsfälscherwerkstatt' zum Zwecke
der Volksverhetzung rund 19 Mio. Euro"
investiert zu haben, um anschließend zu fragen, warum die Staatsanwaltschaft gegen
deren Leiter "noch kein Verfahren gemäß
Grundgesetz wegen Volksverhetzung eingeleitet" habe.
Am 14. März 2006 kam es bei einer Bürgerversammlung über die Aufstellung der erwähnten Informationstafeln in Hohenschönhausen
zu neuerlichen Ausfällen gegen die Gedenkstätte. Ein Referatsleiter der ehemaligen
Ermittlungsabteilung fragte, warum "Nazi- und
Kriegsverbrecher" zu Opfern der kommunistischen Diktatur gemacht würden, und der
langjährige Gefängnischef beklagte sich über
die Gedenkstättenführer, "die immer wieder,
immer wieder, und das ist leider so, immer
wieder sich als Opfer darstellen und wir als
ehemalige Mitarbeiter des Ministeriums für
Staatssicherheit als Täter deklariert werden."
Ein weiterer MfS-Offizier und Sprecher eines
so genannten Insiderkomitees erklärte, Hohenschönhausen sei "eine gute Adresse" gewesen
und Häftlinge aus der ganzen DDR hätten sich
darum beworben, "wegen der guten Haftbedingungen hierher zu kommen". Für die ehemaligen Häftlinge waren diese Ereignisse sehr
schmerzhaft, weil sie sich dadurch von den Verantwortlichen zum zweiten Mal ins Unrecht
gesetzt sahen.

55

Wolfgang Schwanitz (re.), Generalleutnant des MfS, mit anderen ehemaligen
MfS-Offizieren bei einem Besuch der
Gedenkstätte, links Zeitzeuge Mario Röllig, Juni 2005

Kampfschrift gegen die Gedenkstätte

Besucherforschung
Die Gedenkstätte erhebt seit mehreren Jahren
umfangreiche soziodemografische Daten über
die Zusammensetzung der Besuchergruppen.
In einer zentralen Datenbank werden u.a.
Angaben über die Größe der Gruppen, das
Alter der Teilnehmer, ihre regionale Herkunft
und den Anmelder der Gruppe gespeichert. Bei

Der ehemalige Gefängnischef von
Hohenschönhausen Siegfried Rataizick
bei einer Bürgerversammlung im März
2006

56

Besucherbetreuung

den Rundgängen für Einzelbesucher kann nur
die Anzahl der Teilnehmer erfasst werden, da
diese nicht näher befragt werden.
Die Zahl der Besucher ist im Berichtszeitraum
weiter gewachsen. Waren es im Jahre 2004
noch 128 000 Interessierte, kamen 2005 rund
141 000 -- eine Steigerung von 9,9 Prozent.
2006 stieg die Zahl auf nahezu 173 000 Besucher, was einen sprunghaften Anstieg von etwa
23 Prozent bedeutet (Abb. 1). Vermutungen,
dass sich die zweistelligen Zuwachsraten
früherer Jahre allmählich abflachen würden,
haben sich demnach nicht bestätigt. Zum überdurchschnittlichen Wachstum der Besucherzahlen trug wahrscheinlich auch die 2006
wieder aufgeflammte Stasi-Debatte mit bei.
Die Hetze ehemaliger MfS-Mitarbeiter gegen
die Gedenkstätte hat eher das Gegenteil des
Beabsichtigten bewirkt, nämlich noch mehr
Besucher in die Gedenkstätte geführt. Seit
Beginn der Führungen im Jahr 1994 hatten
damit bis Ende 2006 mehr als 940 000 Menschen das ehemalige Stasi-Gefängnis besichtigt -- der größte Teil (84 Prozent) seit Gründung der Stiftung im Juli 2000.

Abb. 1: Anstieg der jährlichen Besucherzahlen

Mit dem Anstieg der Besucherzahlen hat sich
naturgemäß auch die Zahl der Führungen
erhöht. Meldeten sich 2004 noch 5200 Gruppen an, so waren es 2005 bereits mehr als
5400. 2006 lag die Zahl sogar bei fast 6100. Da
größere Gruppen geteilt werden, stieg die Zahl
der organisierten Führungen von 7100 im Jahr
2005 auf 8300 im Jahr 2006. Die Zahl der Teilnehmer pro Führung lag im Durchschnitt zwischen 20 und 21 (Abb. 2). Der überwiegende
Teil der Gruppen wurde durch ehemalige
Häftlinge geführt (2005: 86 Prozent; 2006: 83
Prozent). Der Anteil der Führungen mit Historikern betrug zwölf (2005) bzw. 15 Prozent

(2006). Gelegentlich führten auch Hausmitarbeiter. Die meisten Besucher nahmen an einer
so genannten Standardführung (90 Minuten
Führung plus 30 Minuten Einführungsfilm) teil.
Dass 2006 weniger als drei Prozent der
Besucher an Seminaren und Projekttagen teilnahmen (2005: vier Prozent) zeigt nicht nur,
dass die meisten Besucher eine ein- bis
zweistündige Besichtigung des Gefängnisbaus
bevorzugten, sondern war auch eine Folge der
erwähnten Mittelkürzungen durch die Bundeszentrale für politische Bildung.

Abb. 2: Durchschnittliche Stärke der angemeldeten und der
in Führungen aufgeteilten Gruppen

Die Besucherzahlen unterlagen weiterhin
starken saisonalen Schwankungen. Die meisten Besucher kamen im Frühling oder im
Herbst, während die Sommer- und Wintermonate deutlich geringere Besucherzahlen
verzeichneten (Abb. 3). Mit dem absoluten
Anstieg der Besucherzahlen prägten sich auch
die jahreszeitlichen Ausschläge weiter aus.
Diese Entwicklung korrespondiert mit den
Besucherzahlen anderer Einrichtungen und
liegt vor allem an der bevorzugten Reisezeit
organisierter Berlin-Besucher. Aber auch
Einzelbesucher kommen eher im Frühling und
Herbst als im Hochsommer oder im Dezember
und Januar. Versuche der Gedenkstätte,
diesem Trend entgegenzuwirken, blieben weitgehend erfolglos, weil die Gruppen bei der
Anmeldung der Führungen ihre Reisezeit in der
Regel bereits fest geplant haben.
Das Jahr 2006 wich bezüglich der saisonalen
Schwankungen von den Vorjahren erheblich ab.
Anders
als
sonst
verzeichnete
die
Gedenkstätte von März bis Mai ein steiles
Anwachsen der Besucherzahlen. Wahrscheinlich war dies eine direkte Folge der Auftritte
ehemaliger Stasi-Mitarbeiter im März und April

Besucherbetreuung

sowie des Kinostarts von "Das Leben der
Anderen" im April. Im Juni fielen die Zahlen
dann ungewöhnlich stark ab, was vermutlich
mit der Fußballweltmeisterschaft zusammenhing. Im Juli erholte sich das Besucherinteresse jedoch wieder und die Zahlen stiegen -zum ersten Mal in der Geschichte der
Gedenkstätte -- zum Sommer wieder an. Mit
mehr als 16 000 erreichten sie ein Niveau, das
in früheren Berichtszeiträumen einem Rekordmonat entsprochen hätte. Auch im August
kamen, trotz "Sommerloch", ungewöhnlich
viele Besucher: fast 60 Prozent mehr als im Vorjahr. Im September stieg die Besucherzahl wie
erwartet deutlich an, aber das Herbstmaximum
trat erst im Oktober ein. Mit mehr als 23 000
Interessierten übertraf er alle bisherigen
Monatszahlen (plus 59 Prozent gegenüber
2005). Auch die Novemberzahl war erstmals
deutlich zweistellig, und erst im Dezember normalisierte sich die Nachfrage wieder.

Abb. 4: Verteilung der Besucher auf Wochentage 2006
(Einzelbesucher und Gesamtzahl)

mensetzung der Gruppen oft nicht homogen
ist, wird die Einteilung lediglich nach den Intervallen bis 25 Jahre, 26 bis 60 Jahre sowie über
60 Jahre vorgenommen. Nur etwa ein Prozent
der Gruppenbesucher war über 60 Jahre alt. 41
Prozent waren zwischen 26 und 60 Jahren. Die
Mehrzahl der Besucher -- 55 Prozent -- war
jedoch 25 Jahre und jünger. Dieser Befund
deckt sich mit der Verteilung der Besucher auf
verschiedene, von der Gedenkstätte erfasste
gesellschaftliche Gruppen (Abb. 5). 2006 stellten danach Schüler und Studenten mit knapp
51 Prozent die Mehrzahl aller aus Deutschland
kommenden
angemeldeten
Besucher.
Gegenüber dem letzten Bericht bedeutete dies
ein Anstieg um fast acht Prozent (2004: 43
Prozent; 2005: 49,7 Prozent).

Abb. 3: Jahresgang der Besucherzahlen 2004 bis 2006

Die Gedenkstätte hat die Besucherzahlen auch
in höherer zeitlicher Auflösung (wöchentlich
oder
täglich)
analysiert,
um
den
Ressourceneinsatz weiter zu optimieren. So
zeigt die Verteilung der Besucher auf die einzelnen Wochentage (Abb. 4), dass die Nachfrage
in der Wochenmitte am stärksten war, so dass
entsprechend viele Führungen angeboten werden mussten. Betrachtet man die Zusammensetzung des Besucheraufkommens für die
einzelnen Tage zeigt sich, dass am Wochenende fast doppelt so viele Einzelinteressierte
kamen wie an Werktagen. Aus diesem Grund
bietet die Gedenkstätte, wie oben berichtet,
am Samstag und Sonntag zu jeder vollen
Stunde einen öffentlichen Rundgang an.
Die Gedenkstätte versucht, auch das Alter der
Besucher festzustellen. Da die Alterszusam-

Abb. 5: Besucherverteilung nach gesellschaftlichen Gruppen 2006

An vielen Tagen besuchte mehr als ein Dutzend
Schulklassen das ehemalige Stasi-Gefängnis.
Hinzu kommen noch junge Einzelbesucher und
jugendliche Teilnehmer ausländischer Gruppen,
insbesondere aus Skandinavien, so dass 2006
mehr als 90 000 junge Leute das ehemalige
Gefängnis besucht haben dürften. Die
Gedenkstätte hat sich damit zur vermutlich
bedeutendsten
Bildungseinrichtung
in

57

58

Besucherbetreuung

Deutschland entwickelt, in der junge Menschen über den Unrechtscharakter des SEDStaates aufgeklärt werden.
In die Gedenkstätte kamen auch zahlreiche
Besucher, die von Abgeordneten des
Deutschen Bundestages eingeladen wurden.
Viele Parlamentarier betrachten es mittlerweile
geradezu als "Ehrensache", Besuchergruppen
aus ihren Wahlkreisen nach Hohenschönhausen zu schicken. Nach einer Auswertung
von Ende 2005 hatten von den etwa 600 Mitgliedern des 15. Deutschen Bundestages mehr
als 400 Besuchergruppen nach Hohenschönhausen entsandt. Manche Abgeordnete ließen
es sich auch nicht nehmen, persönlich an dem
Besuch teilzunehmen. Diese Besuchergruppen
werden von der Gedenkstätte in der Kategorie
"Parteien, Kirche und Politik" erfasst, an der sie
den größten Anteil stellen. Während die Zahl
dieser Besucher in etwa konstant blieb, sank
ihr Anteil am gesamten Besucheraufkommen
von 23 (2004) auf 17,4 Prozent (2006) -- eine
Folge des starken Anstiegs der anderen Bereiche. Auch der Anteil der Gruppen aus dem
Bereich "Militär, Polizei, Feuerwehr und Justiz"
ist aus diesem Grund von sechs (2003/2004)
auf fünf Prozent (2005/2006) zurückgegangen.
In absoluten Zahlen ist aber auch die Zahl
dieser Besucher mit rund 7500 Personen pro
Jahr leicht gewachsen. Dasselbe gilt für
Besucher aus Gewerkschaften, freien Bildungsträgern, Reise- und Privatgruppen, deren
Anteil mit ein bis vier Prozent ungefähr gleich
blieb.
Die Gedenkstätte hat, wie in den Vorjahren,
auch die regionale Herkunft der Besuchergruppen registriert (ohne Einzelbesucher). Eine
Auswertung der letzten beiden Jahre ergab,
dass der starke Anstieg der Besucherzahlen im
Berichtszeitraum im wesentlichen durch westdeutsche und internationale Gruppen bewirkt
wurde. Die Zahl der aus Berlin und Ostdeutschland kommenden Gruppenbesucher
blieb dagegen konstant. Der Anteil der ostdeutschen Besucher am gesamten Besucheraufkommen war sogar rückläufig. Er sank von
elf Prozent im Jahr 2004 auf nur noch neun
Prozent im Jahr 2006 (Abb. 6). Auch der Anteil
der Gruppenbesucher aus Berlin -- wegen der
zunehmenden Vermischung wird bei ihnen
nicht mehr zwischen Ost und West unterschieden -- ging leicht zurück (von 14 Prozent im

Jahr 2004 auf zwölf Prozent im Jahr 2006).

Abb. 6: Ost-West-Verteilung der Besucher 2006

Die Zahl der ausländischen Gruppenbesucher
hat sich im Berichtszeitraum mehr als verdoppelt. Kamen 2004 mehr als 8500 Gäste aus
anderen Staaten, waren es 2005 fast 11 000
und 2006 sogar über 19 000. Die meisten von
ihnen kamen aus Norwegen und Dänemark
(Abb. 7). Eine wesentliche Rolle dürften dafür
die dänischen und norwegischen Führungen
des ehemaligen Hohenschönhausen-Häftlings
Mike Fröhnel gespielt haben. Er war nach
seiner Haftentlassung Ende 1989 für ein Jahr
nach Dänemark gegangen, wo er Dänisch
lernte und sich später auch Norwegisch
aneignete. Seine Führungen lösten einen regelrechten Schneeballeffekt aus, den die Gedenkstätte nur mit Hilfe Englisch sprechender Historiker bewältigen konnte. Auf Platz drei der
Länder-Rangliste lagen die Niederlande (einige
Referenten sprechen etwas Holländisch),
gefolgt von Großbritannien, der Schweiz,
Frankreich, den USA, Schweden und Belgien.
Obwohl die Gedenkstätte auch Führungen in
französischer und spanischer Sprache anbietet,
haben sich nach Frankreich und Spanien bislang
keine vergleichbaren Beziehungen wie nach
Skandinavien entwickelt. Allerdings hat sich -den fremdsprachigen Einträgen im Gästebuch
zufolge -- auch bei den Rundgängen für
Einzelbesucher der Anteil ausländischer Gäste
erhöht; statistisch können sie jedoch nicht
erfasst werden.
2006 hat die Gedenkstätte erstmals eine
umfangreiche Besucherbefragung durchgeführt. Die Besucher wurden gebeten, einen
Fragebogen auszufüllen, auf dem man Lob und
Kritik "loswerden" konnte. Die Gedenkstätte
entwickelte dazu einen Fragenkatalog, der
schnell und leicht zu beantworten war. Er ori-

Besucherbetreuung

entierte sich an einem Fragebogen, der vom
Museumspädagogischen Dienst in Berlin seit
Jahren erfolgreich eingesetzt wird. Der Fragebogen enthielt acht Fragen. Nach der Eingangsfrage (Was hat Ihnen besonders gefallen?) fordern die nächsten vier Fragen Kritik heraus (Was hat Ihnen nicht gefallen? Was war
uninteressant? Was hat gefehlt? Was war überflüssig?). Antworten standen nicht zur
Auswahl, sondern die Fragen sollten in freier
Assoziation
beantwortet
werden.
Anschließend wird um eine Gesamtnote der
Führung (von 1 bis 6) gebeten. Schließlich werden einige statistische Angaben erfragt (Bundesland, ggf. Berliner Stadtbezirk, Alter etc.).
Am Ende können die Besucher eigene
Bemerkungen und Vorschläge zu Papier bringen (Frage Nr. 7). Durch die Befragung sollten
auch zurückhaltendere Besucher zu einer Meinungsäußerung ermutigt werden. Auch diejenigen, die unter dem Eindruck des Besuchs keine
Kritik äußern mochten, sollten animiert werden, ein Urteil abzugeben. Ziel war es, ein
möglichst objektives Bild von den Eindrücken
der Besucher zu bekommen.

Abb. 7: Ausländische Besucher 2006 nach Ländern (links:
Norwegen, Dänemark, Niederlande, Großbritannien)

Von März bis November 2006 wurden die
Bögen im Eingangsbereich der Gedenkstätte
ausgelegt. Die Besucher wurden ermuntert,
ihn anonym auszufüllen und anschließend in
eine Plexiglasbox zu werfen. Insgesamt wurden bis Ende Oktober 1183 Fragebögen zurückgegeben oder per Post an die Gedenkstätte
geschickt. Die Antworten auf den Fragebögen
wurden in eine Datenbank eingegeben, statistisch ausgewertet und die Ergebnisse grafisch
aufbereitet. Entgegen den Erwartungen zeigte
sich bei der Auswertung kein signifikant
anderes Bild als bei den spontanen Äußerungen der Besucher: 92 Prozent vergaben für die

Führung die Noten "sehr gut" oder "gut", zwei
Drittel (60,4 %) urteilten sogar ausschließlich
mit "sehr gut". Lediglich fünf Prozent fanden
den Gedenkstättenbesuch dagegen "befriedigend" bis "mangelhaft", und nur zwei der
befragten Besucher vergaben ein "ungenügend" (Abb. 8). Der Rest (drei Prozent) machte
keine Angaben. Insgesamt benoteten die
Besucher die Führung mit einer Durchschnittsnote von 1,4, also mit "sehr gut".

Abb. 8: Benotung der Führungen

Zur ersten Frage (Was hat Ihnen besonders
gefallen?) machten 96 Prozent konkrete
Angaben. Vierzig Prozent äußerten sich positiv
darüber, dass sie von Zeitzeugen geführt worden waren. 29 Prozent gefiel die Führung im Allgemeinen, acht Prozent lobten die Kompetenz
des Besucherreferenten und sechs Prozent das
Gedenkstättenkonzept. Zwölf Prozent nannten
weitere Aspekte, die sich schwer kategorisieren lassen.
Auf die zweite Frage (Was hat Ihnen nicht
gefallen?) schrieben fast 800 Besucher, ihnen
habe alles gefallen. 62 Prozent strichen das
Feld demonstrativ durch, und 14 Prozent
erklärten, es gäbe nichts, was ihnen nicht
gefallen hätte. Mit kritischen Hinweisen
reagierten 388 Befragte (33 Prozent). 13 Prozent von ihnen beklagten die Akustik und zwölf
Prozent die Länge des Einführungsfilmes.
Diese Kritik nahm aber zum Ende des Befragungszeitraums deutlich ab, da der Film, wie
erwähnt, vom MDR neu abgemischt wurde.
Neun Prozent der kritischen Hinweise bezogen
sich auf die Länge des Rundganges, acht Prozent auf die Didaktik des Referenten. Weitere
acht Prozent fanden, dass zu viele Führungen
parallel liefen, weil die Gedenkstätte auch in
den stark frequentierten Monaten keine
Besucher abgewiesen hat. Die Hälfte der 388

59

60

Besucherbetreuung

Äußerungen zur zweiten Frage wurde bei der
Auswertung nicht in Kategorien zusammengefasst. Einige klagten über zu wenig Zeit, Fotos
zu machen, andere vermissten eine Raucherpause, Witzbolde monierten, dass das Wetter
hätte besser sein können.
Zur dritten Frage (Was war uninteressant?)
erklärte die überwältigende Mehrheit der
Befragten, dass nichts uninteressant gewesen
sei (1077 von 1183). 21 Prozent ließen das Feld
einfach unausgefüllt, 59 Prozent strichen es
demonstrativ durch, 20 Prozent schrieben ausdrücklich, nichts sei uninteressant bzw. alles sei
interessant gewesen. Nur neun Prozent erklärten einige Aspekte der Führung für uninteressant, wobei mehr als die Hälfte davon auf die
Kritik des Einführungsfilmes entfiel (58 von
1183 Befragten; fünf Prozent aller Fragebögen).
Ähnlich war die Reaktion auf die vierte Frage
(Was hat gefehlt?). 874 Befragte schrieben,
dass nichts gefehlt habe. 58 Prozent hatten das
Feld kurzerhand durchgestrichen, während 17
Prozent explizit schrieben, dass alles erwähnt
worden sei und nichts gefehlt habe. 309 Personen (26 Prozent) nannten Dinge, die sie vermisst hätten. Sie schrieben zum Beispiel, sie
hätten gern noch mehr Teile des weiträumigen
Geländes gesehen, mehr Zeit für die Besichtigung gehabt oder sich eine noch ausführlichere
Führung gewünscht. Manche vermissten
Sitzgelegenheiten, eine Ausstellung zum Ort
oder eine stärkere historische Kontextualisierung (Abb. 9). 44 Besucher meinten, ihnen
habe der Film gefehlt, der aus Zeitgründen (z.B.
bei Verspätungen) in wenigen Fällen nicht
gezeigt werden konnte. Auf die Frage Nr. 5
(Was war überflüssig?) antworteten dagegen
etwa gleich viele Besucher (54), der Film sei
überflüssig gewesen. Insgesamt machten
lediglich 105 Personen (weniger als neun
Prozent) zu diesem Punkt Angaben, die sich mit
den bereits erwähnten Kritikpunkten deckten.
Die überwältigende Mehrheit der Besucher
(1078 Befragte oder 84 Prozent) betonte, dass
nichts überflüssig gewesen sei.
Die Ergebnisse der Befragung wurden in zwei
Weiterbildungsveranstaltungen
mit
den
Besucherreferenten
ausgewertet,
um
Schlussfolgerungen
für
eine
weitere
Verbesserung der Arbeit zu ziehen. So hatten
sich einige Besucher über zuviel Sarkasmus

oder gelegentlich als polemisch empfundene
Äußerungen beklagt. Manche Äußerungen
ließen jedoch auch aus bestimmten DDRBiographien resultierende Befindlichkeiten
erkennen, etwa wenn gefordert wurde, die
DDR nicht schlecht zu machen oder wenn der
"Kalte Krieg" für die Menschenrechtsverletzungen durch den Staatssicherheitsdienst verantwortlich gemacht wurde. Der von einigen
Besuchern geäußerte Wunsch, den Rundgang
mit Informationstafeln auszustatten, deckt sich
mit entsprechenden Plänen der Gedenkstätte
(vgl. Ausstellungen).

Abb. 9: Veränderungswünsche von Besuchern

Mit Hilfe des Frageabschnitts Nr. 7 wurden
sozio-demographische Daten erhoben. 96
Prozent der Befragten kamen danach aus
Deutschland. Ausländer hatten sich -- vermutlich aufgrund von Sprachproblemen -- nur selten (vier Prozent) an der Befragung beteiligt. 64
Prozent der Befragten waren unter 25 Jahre alt.
Diese leichte statistische Verzerrung gegenüber dem Besucheraufkommen lag wahrscheinlich daran, dass Lehrer die Fragebögen
gern mitnahmen und zur Nachbereitung des
Gedenkstättenbesuches benutzten. Rund 19
Prozent waren 25 bis 50 Jahre alt und 13
Prozent über 50. Was die regionale Zusammensetzung anbetrifft, so kamen am meisten
Besucher (268 Personen) aus Bayern, gefolgt
von Nordrhein-Westfalen (180), Berlin (148),
Baden-Württemberg (135) und Hessen (106).
Die Länder Sachsen (29), Thüringen (13) und
Sachsen-Anhalt (7) waren nur schwach
vertreten. Berücksichtigt man freilich die unterschiedliche Bevölkerungsstärke der Länder,
dann haben sich aus Berlin am meisten
Besucher an der Befragung beteiligt. Diese
Verteilung entspricht ungefähr der auch sonst
gemessenen regionalen Zusammensetzung
der Besucher.

61

Aushebung des Erdreiches am Altbau,
November 2006

Bautätigkeit
Das Land Berlin hat der Stiftung Gedenkstätte
Berlin-Hohenschönhausen zur Wahrnehmung
ihrer Aufgaben die Grundstücke und Gebäude
in der ehemaligen Untersuchungshaftanstalt in
der Genslerstrasse 66 unentgeltlich zur
Nutzung überlassen. Für die Stiftung ergibt sich
daraus die Verpflichtung, die denkmalgeschützte Anlage zu erhalten, zu pflegen und
für die Sicherheit von Besuchern und Mitarbeitern Sorge zu tragen. Verantwortlich für Planung, Durchführung und Finanzierung der
notwendigen Baumaßnahmen ist die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Die Gedenkstätte ist zwar Nutzer der Gebäude, aber
nicht Herr des Verfahrens.

vorschriften der Bundesrepublik entsprach: Es
gab -- was kaum verwundert -- weder
Fluchtwege für den Gefahrenfall, noch
existierten ausreichende Vorkehrungen für den
Brandschutz. Die gesamte Elektrik des
Gefängnisses musste abgeklemmt werden,
weil sie nicht den VDE-Normen entsprach.
Selbst die Statik der Wände und Decken widerspricht größtenteils bundesdeutschen Sicherheitsvorschriften. Aus der Umwidmung zur
Gedenkstätte resultierte schließlich ein völlig
neuer Raumbedarf: Statt Zellen und
Vernehmerräumen sind Besuchertoiletten,
Seminarräume oder Räumlichkeiten für Buchhandlung und Caféteria erforderlich.

Die Gebäude der Untersuchungshaftanstalt
befanden sich bei ihrer Übernahme durch die
Gedenkstätte in einem maroden Zustand. Nach
mehrjährigem Leerstand in unbeheiztem Zustand war die Bausubstanz teilweise stark in
Mitleidenschaft gezogen. Wasser- und Abwasserleitungen waren meist nicht mehr funktionsfähig, Dächer und Fenster dringend
reparaturbedürftig, Heizkörper zerplatzt. Hinzu
kam, dass die Anlage in keiner Weise den Bau-

Zur Lösung der drängendsten Bauprobleme
wurden zwischen 1995 und 2004 rund 18 Millionen DM oder 9 Millionen Euro investiert. Die
Bundesregierung beteiligte sich an den Kosten
mit etwa 2,5 Millionen Euro. Nach einem im
Sommer 2002 verhängten Baustopp kamen
die Bauarbeiten weitgehend zum Erliegen.
Während die Arbeiten bis dahin als Bauunterhalt betrachtet wurden, musste nunmehr zwischen Maßnahmen der Bauunterhaltung und

Bautätigkeit

62

Freigelegtes Fundament des Altbaus

Fundamentisolierung am Altbau

investiven Baumaßnahmen unterschieden
werden. Zugleich wechselten bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung die Zuständigkeiten, und ein neuer Architekt wurde
beauftragt. Der dadurch ins Stocken geratene
Umbauprozess ist im Berichtszeitraum glücklicherweise wieder in Gang gekommen. Die
Planung des Umbaus (investive Maßnahmen)
und die Sanierung der maroden Bausubstanz
(Unterhaltsmaßnahmen) konnten weitgehend
abgeschlossen werden.

2007 zu beginnen und diesen bis Juni 2009
abzuschließen, ist deshalb nicht mehr einzuhalten. Bund und Land haben vor, die Mittel ab
dem Jahr 2008 in den öffentlichen Haushalten
einzuplanen, so dass mit der Eröffnung der
Dauerausstellung frühestens 2011 gerechnet
werden kann. Nachdem die jeweiligen
Regierungen ihre entsprechenden Haushaltsentwürfe beschlossen haben, steht noch die
Zustimmung der Parlamente aus. Insgesamt
sind 16,23 Millionen Euro eingeplant, verteilt
auf die Jahre 2008-2011.

Investive Maßnahmen

Als vorgezogene investive Baumaßnahme
begann im November 2006 die Errichtung von
Depoträumen im Keller des Vernehmertraktes.
Die Stiftung entwickelte dazu eine Konzeption,
die die Schaffung von ca. 500 qm Lagerfläche
zur zentralen Lagerung der Objektsammlung
der Gedenkstätte vorsieht. Im Rahmen der
Bauarbeiten müssen in dem Keller des Vernehmertrakts eine horizontale Wassersperre
eingezogen, die Heizungs- und Elektroanlagen
erneuert, Tischler- und Malerarbeiten ausgeführt, für Lichtschutz gesorgt sowie Brand- und
Einbruchmeldeanlagen eingebaut werden.
Nach Abschluss der Arbeiten sowie Einbau der
notwendigen Lagertechnik stehen ca. 1,8
Regalkilometer Lagerfläche zur Verfügung.

Für die Arbeit der Gedenkstätte ist eine Reihe
größerer Umbauten erforderlich: Nachdem in
früheren Jahren bereits mehrere Seminarräume und eine moderne Toilettenanlage
geschaffen wurden, geht es jetzt vor allem
darum, Flächen für die geplante Dauerausstellung zu schaffen. Zu diesem Zweck soll die
frühere Halle der Großküche, die der DDRStaatssicherheitsdienst
zu
Lagerräumen
umfunktioniert hatte, zu einer Ausstellungshalle umgebaut werden. Ferner sind neue
Räumlichkeiten für Bibliothek, Archive und Veranstaltungen sowie ein Foyer, eine Caféteria,
ein Museumsshop und ein Erste-Hilfe-Raum
vorgesehen. Das renommierte Bonner Haus
der Geschichte (HdG) hat dazu einen
entsprechenden Vorschlag entwickelt.
Auf der Basis des im September 2003 verabschiedeten Raumprogramms wurde 2005 eine
Kostenschätzung vorgelegt und von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung geprüft.
Danach sind Investitionen in Höhe von 13,1 Millionen Euro für die Herrichtung des Hauptgebäudes erforderlich. Für die Erstausstattung
und die Ausstellungsarchitektur wurden 2,7
Millionen Euro veranschlagt, für den Auszug
der Gedenkstättenverwaltung während der
Bauzeit 420 000 Euro. Alles in allen werden die
Kosten auf 16,23 Millionen Euro veranschlagt.

Bauarbeiten im Hof der Gedenkstätte vor
dem Eingang zum “U-Boot” (re.) und der
Fahrzeugschleuse (links oben)

Im Berichtszeitraum wurden die Mittel in den
Haushalten des Landes Berlin und des Bundes
nicht etatisiert. Dadurch gerieten alle darauf
basierenden Maßnahmen wie die Ausschreibung eines Wettbewerbs, Vertragsabschlüsse
für die Planungen und die Aufstellung von Planungsunterlagen ins Stocken. Der ursprüngliche Zeitplan, mit dem Bau im September

Unterhaltsmaßnahmen
Wie in der Vergangenheit wurde im Berichtszeitraum eine Reihe von Baumaßnahmen zum
Erhalt des Gebäudes durchgeführt. So konnte
die Sanierung der maroden Elektrik im sogenannten U-Boot 2006 zum Abschluss gebracht
werden. Ferner wurde der Keller des Altbaus
vor dem Eindringen von Feuchtigkeit
geschützt. Dazu mussten die Fundamente rundum freigelegt und isoliert werden. Die Maßnahmen zum Erhalt des ehemaligen
Haftkrankenhauses, vor allem die Sanierung
der Heizung in den historischen Innenräumen
sowie die Instandsetzung der Hofgangzellen,
wurden vorbereitet, ferner die Installierung
eines Blitzschutzsystems und die Nutzung der
sogenannten Regenwasserrigolen, in denen
das Niederschlagswasser gesammelt wird. Die
Arbeiten wurden von der Gedenkstätte in
Zusammenarbeit mit dem Architekten, der
unteren Denkmalschutzbehörde und der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung vorge-

Bautätigkeit

plant, betreut und in den laufenden Besucherbetrieb eingepasst.
Im Rahmen des Bauunterhalts hat die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung im
Berichtszeitraum auch verschiedene Renovierungsmaßnahmen durchgeführt. So wurde
der ehemalige Vorführraum der Staatssicherheit (Raum 38/39) zu einer Ausstellungsfläche
hergerichtet; er kann zugleich als Seminarraum
für Besuchergruppen genutzt werden. Drei
ehemalige Garagen wurden, wie erwähnt, so
umgebaut, dass eine 85 Quadratmeter große
Fläche für Wechselausstellungen entstand. Die
marode Eingangstür zum Gefängnis wurde
originalgetreu erneuert. Im Wege von
Schadensmeldungen wurden zudem Reparaturen an der KfZ-Schleuse und an den Gittertoren im Eingangsbereich vorgenommen
sowie für Beleuchtung in der KfZ-Schleuse und
in ausgewählten Zellen gesorgt.

Denkmalschutz
Die Gebäude der ehemaligen Untersuchungshaftanstalt des DDR-Staatssicherheitsdienstes
wurde 1992 komplett unter Denkmalschutz
gestellt. Nachdem die äußeren Schutzmaßnahmen durch Sanierung der Fenster im Neubau
sowie der Dächer und die Isolierung der Fundamente weitgehend abgeschlossen wurden,
bereitete der Stiftung im Berichtszeitraum vor
allem der Erhalt der historischen Innenflächen,
insbesondere im so genannten Neubau, Sorgen.
Das Gebäude zeichnet sich durch eine typische
MfS-Atmosphäre aus, die von den Fußbodenbelägen aus PVC, dem schlichtem Anstrich der
Zellen und Zellenflure und den grün-beige
gemusterten Tapeten in den Vernehmerbüros
geprägt wird. Diese historischen Oberflächen
stehen unter Denkmalschutz, weisen jedoch,
insbesondere in den durch den musealen
Rundgang erschlossenen Bereichen, durch
Alterung, Witterungseinflüsse, Atemluft und
den Besucherabrieb bereits erhebliche Schäden auf.
Im Frühjahr 2005 wurde eine erste Bestandsaufnahme vorgenommen. Auf Anregung der
Gedenkstätte gab die Senatsbauverwaltung
ein Fachgutachten in Auftrag, das die Ursachen

der Beschädigungen analysieren und Empfehlungen für den Erhalt des denkmalgeschützten Interieurs geben sollte. An ausgewählten Stellen wurde getestet, wie die
Tapeten gesäubert, dauerhaft befestigt und
restauriert werden könnten. Zentrales Ergebnis des im Frühjahr 2006 fertiggestellten
Gutachtens war, dass zuallererst die enormen
Temperaturschwankungen in dem Gebäude
eingedämmt werden müssen, die die Tapeten
stark in Mitleidenschaft ziehen. Dazu müsste
jedoch die Heizungsanlage erneuert werden,
was wiederum erhebliche bauliche Eingriffe zur
Folge hätte. Eine zufriedenstellende Lösung für
das Problem wurde bislang nicht gefunden. Die
Restaurierung der bereits geschädigten
Flächen ist dem Gutachten zufolge mit erheblichen Kosten verbunden. Deshalb wird
geprüft, ob die Tapeten in den betroffenen
Bereichen möglicherweise vollständig ersetzt
oder maschinell entsäuert werden können,
ohne den optischen Gesamteindruck des
Gebäudes zu verändern. Grundsätzlich soll
jedoch möglichst viel des originalen Materials
erhalten werden.
Damit die ehemalige Haftanstalt auch von
außen möglichst authentisch erscheint, hat
sich die Gedenkstätte im Berichtszeitraum
gegen eine vom Bezirk Lichtenberg beabsichtigte Asphaltierung der Pflasterstraße vor
dem ehemaligen Gefängnistor gewandt. Unter
Berufung auf den so genannten Umgebungsschutz nach dem Berliner Denkmalschutzgesetz
konnte erreicht werden, dass zumindest entlang
der
alten
Gefängnismauer
der
ursprüngliche Zustand der Straße erhalten
blieb. Der Vorschlag der Gedenkstätte, die
Asphaltdecke an der früheren Außengrenze
des MfS-Sperrgebietes enden zu lassen,
wurde jedoch nicht berücksichtigt.

63

Vorbereitende Aushubmaßnahmen zur
Erneuerung der Versorgungsleitungen,
2005

Umbau von Garagen zu Ausstellungsflächen, Mai 2006

Aufriss des Werkstatthofs, Frühjahr 2005

64

Zählung der Besuchereinnahmen

Haushalt
Die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen
ist eine selbständige Stiftung öffentlichen
Rechts des Landes Berlin. Sie gehört zum Kreis
der so genannten institutionellen Zuwendungsempfänger. Zur Erfüllung ihrer gesetzlichen Aufgaben erhält sie eine regelmäßige
staatliche Unterstützung aus dem Berliner Landeshaushalt, an deren Finanzierung sich die
Bundesrepublik Deutschland zur Hälfte
beteiligt. Auf Landesseite ressortiert sie beim
für kulturelle Angelegenheiten zuständigem
Mitglied des Berliner Senats (bis Dezember
2006: der Senator für Wissenschaft, Forschung
und Kultur Dr. Thomas Flierl); auf Bundesseite
beim Beauftragten der Bundesregierung für
Kultur und Medien (bis November 2005:
Staatsministerin Christina Weiss, dann
Staatsminister Bernd Neumann).
Seit Gründung der Stiftung im Jahr 2000 betrugen die jährlichen Zuwendungen in etwa
gleichbleibend gut eine Million Euro. Hinzu
kamen Eigeneinnahmen und Drittmittel in
Höhe von rund 300 000 Euro. So unterstützte
der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur

und Medien die Überdachung des Gefangenenwaggons auf dem Gelände der Gedenkstätte mit einer projektgebundenen Zuwendung von 13 000 Euro; die übrigen Kosten in
Höhe von 30 000 Euro wurden aus Spenden
der Besucher aufgebracht. Die Stiftung zur
Aufarbeitung der SED-Diktatur finanzierte
Kosten in Höhe von 7500 Euro für die Aufstellung der erwähnten Informationstafeln im ehemaligen MfS-Sperrgebiet Berlin-Hohenschönhausen. Die Bundeszentrale für politische Bildung beteiligte sich im Berichtszeitraum mit
26 000 Euro an der Durchführung von Seminaren und Projekttagen. Erhebliche Einnahmen
flossen nicht zuletzt durch private Spenden
(83 300 Euro) und durch die Erhebung einer
Motivmiete für Filmaufnahmen (3600 Euro).
Hinzu kamen materielle Zuwendungen im
Wege des Sponsorings zweier Werbekampagnen, die einer Medialeistung von über 175 000
Euro entsprachen.
Die Ausgaben der Stiftung gliederten sich in
Personalausgaben, sächliche Verwaltungsausgaben sowie Zweckausgaben und sonstige

Haushalt

65

Bewirtschaftungskosten für Grundstück und
Gebäude. Der größte Teil der Ausgaben -- mehr
als 900 000 Euro pro Jahr -- entfiel auf das Personal, also auf die Gehälter der fest angestellten Mitarbeiter sowie auf die Löhne der Honorarkräfte, Zeitarbeitskräfte und Aushilfen.
Knapp 400 000 Euro flossen in die unterschiedlichsten Sachkosten, von der Reinigung
des Gebäudes bis zu den Telefongebühren. Die
Ausgaben erhöhten sich von 1,27 Millionen
Euro im Jahr 2004 auf 1,39 Millionen Euro im
Jahr 2006. Die teilweise erheblichen Kosten für
die Baumaßnahmen in der Gedenkstätte sind
nicht bei der Stiftung, sondern bei der Berliner
Senatsverwaltung
für
Stadtentwicklung
etatisiert, so dass sie in diesem Bericht keine
Berücksichtigung finden.
Der Haushalt der Stiftung muss jährlich nach
den haushaltsrechtlichen Bestimmungen der
Zuwendungsgeber aufgestellt werden. Das
bedeutet, dass die Gedenkstätte wie eine
öffentliche Einrichtung nach kameralistischen
Grundsätzen wirtschaftet. Der Haushalt darf
nicht überzogen werden, und Überschüsse
müssen, soweit sie nicht übertragen werden
können, zurückgegeben werden. Temporäre
Haushaltssperren führen zum vorübergehenden Stopp aller nicht gesetzlich vorgeschriebenen Ausgaben. Gemäß Stiftungsgesetz wird
die Rechnungslegung der Stiftung jährlich von
einem Wirtschaftsprüfer geprüft. Darüber hinaus haben Landes- und Bundesrechnungshof
ein Prüfungsrecht.
Die Bewirtschaftungskosten für das ausgedehnte Gelände der ehemaligen Haftanstalt
sind im Berichtszeitraum um fast 20 Prozent
angestiegen. Lagen sie 2004 bei rund 160 000
Euro betrugen sie 2006 annähernd 190 000
Euro. Aufgrund der stark gestiegenen
Besucherzahlen nahmen in den letzten Jahren
auch die Kosten für die Führungen weiter zu (in
Anlehnung an die Honorarordnung des Landes
Berlin wurden die Referenten mit einem Stundensatz von rund 26 Euro honoriert).
Gegenüber 2004 (238 000 Euro) erhöhten sie
sich im Berichtszeitraum um mehr als 91 000
Euro oder 38 Prozent (2005: 299 000 Euro;
2006: 329 000 Euro). Im Unterschied zu
anderen Gedenkstätten war die Gedenkstätte
deshalb gezwungen, für die Teilnahme an einer
Führung eine Kostenbeteiligung zu erheben.
Im Februar 2004 wurde der Kostenbeitrag auf

Beschluss des Stiftungsrates angehoben. Seitdem muss jeder erwachsene Besucher drei
statt früher zwei Euro zahlen (ermäßigt 1,50
Euro, Schüler frei). Gleichwohl konnte der Kostenanstieg für die Führungshonorare nur teilweise aufgefangen werden. Nach der
Erhöhung des Besucherentgeltes stiegen die
Einnahmen daraus von 93 000 Euro im Jahr
2003 auf 166 000 Euro in 2004. Im Berichtszeitraum erhöhten sie sich leicht von 170 000
im Jahr 2005 auf 194 000 Euro im Jahr 2006.
Der Zuwachs von 28 000 Euro ging vor allem
auf die größere Zahl von Einzelbesuchern zurück, die an einem öffentlichen Rundgang teilnahmen. Insbesondere die wachsende Zahl
von Schülern führte jedoch dazu, dass sich die
Nettokosten für die Führungen gegenüber
2004 fast verdoppelten. Sie stiegen im Berichtszeitraum um rund 63 000 Euro (2004:
72 000 Euro; 2005: 129 000 Euro; 2006:
135 000 Euro).
Im Haushaltsjahr 2005 wurde die Gedenkstätte
von den Zuwendungsgebern mit insgesamt
1 065 000 Euro unterstützt. Das Land Berlin
brachte davon 520 000 Euro auf. Darüber hinaus ordnete es zwei Lehrer zu jeweils 50
Prozent ihrer Arbeitszeit an die Gedenkstätte
ab, um die Betreuung von Schülern und
Lehrern zu unterstützen. Der hälftige Zuschuss
des Bundes betrug demgemäß 545 000 Euro.
Hinzu kamen mehr als 260 000 Euro Eigeneinnahmen, die vor allem aus dem Besucherentgelt für die Führungen sowie aus Spenden
resultierten. Die Gesamteinnahmen im Jahr
2005 betrugen damit 1 347 000 Euro. Die Ausgaben beliefen sich im selben Jahr auf
1 321 000 Euro. Mit 908 000 Euro stellten die
Personalausgaben dabei den größten Posten
(im Unterschied zu den Vorjahren wurden die
Führungshonorare seit 2005 nicht mehr als Veranstaltungskosten, sondern als Personalausgaben gebucht). Über 180 000 Euro machten
allein die Bewirtschaftungskosten für Grundstück und Gebäude aus.
Haushaltsjahr 2005
Einnahmen
Zuwendung (Bund + Land) 1.065.000,00 Euro
Besuchergruppenerlöse
169.848,30 Euro
Spenden
35.212,39 Euro
Sonstige
77.322,04 Euro
Summe
1.347.382,73 Euro

65

66

Haushalt

Ausgaben
Personalausgaben
609.105,38 Euro
Sächliche
Verwaltungsausgaben
144.187,27 Euro
Honorare Führungen
298.651,30 Euro
Zweckausgaben
59.390,15 Euro
Sonst. Bewirtschaftungskosten
für Grundstück und Gebäude 181.134,43 Euro
Ausgaben im Zusammenhangmit Spenden und zweckgebunden Zuwendungen
28.162,38 Euro
nicht verausgabte Mittel
0,00 Euro
Summe
1.320.630,91 Euro
übertragbarer Haushaltsrest 26.751,82 Euro

Spenden
Sonstige
Summe

48.113,77 Euro
88.585,30 Euro
1.417.989,43 Euro

Ausgaben
Personalausgaben
611.428,83 Euro
Sächliche
Verwaltungsausgaben
158.448,37 Euro
Honorare Führungen
329.267,30 Euro
Zweckausgaben
53.218,80 Euro
Sonst. Bewirtschaftungskosten
für Grundstück und Gebäude 189.866,25 Euro
Ausgaben im Zusammenhangmit Spenden und zweckgebunden Zuwendungen
48.114,78 Euro
nicht verausgabte Mittel
0,00 Euro
Summe
1.390.344,33 Euro
übertragbarer Haushaltsrest
27.645,10 Euro

Erlöse und Aufwendungen nach Monat 2005

Erlöse und Aufwendungen nach Monat 2006

Prozentuale Verwendung der Zuwendungen 2005

Im Haushaltsjahr 2006 stiegen die Gesamteinnahmen der Stiftung auf 1 417 989 Euro. Der
Bund erhöhte seine Zuwendung auf 570 000
Euro, während der Zuschuss des Landes Berlin
in etwa gleich blieb. Die Einnahmen aus dem
Führungsentgelt der Besucher wuchsen um
mehr als 23 000 Euro gegenüber 2005, die aus
Spenden um über 12 000 Euro.

Haushaltsjahr 2006
Einnahmen
Zuwendung (Bund + Land) 1.087.750,00 Euro
Besuchergruppenerlöse
193.540,36 Euro

Prozentuale Verwendung der Zuwendungen 2006

67

67

Die Mitarbeiter der Gedenkstätte im
Rosenhof

Personal
Die Stiftung verfügt laut Stellenplan über einen
Personalbestand von zwölf Planstellen. Neben
dem Direktor gehören dazu eine wissenschaftliche Mitarbeiterin, ein Referent für
politische Bildung, ein Verwaltungsleiter, eine
wissenschaftliche Assistentin und sieben
niedriger eingruppierte Beschäftigte. Letztere
kommen vor allem in der Besucherbetreuung
und in der Verwaltung der ehemaligen Gefängnisanlage zum Einsatz. Obwohl sich die Zahl
der Besucher seit Gründung der Stiftung im Juli
2000 mehr als verdreifachte, hat sich der Stellenplan nicht verändert:
Der Stellenplan der Stiftung gliedert sich wie
folgt:
Stellen
anzahl
1
1
1
1
1
1
1

Funktion
Wissenschaftlicher Direktor
Verwaltungsleiter
wissenschaftliche Mitarbeiterin
Referent für politische
Bildungsarbeit
Fremdsprachensekretärin
Personal- und Haushaltssachbearbeiterin
wissenschaftliche Assistentin

1
1
3
12

Mitarbeiter für Bibliothek /
Archiv / Öffentlichkeitsarbeit
Hausmeister / Handwerker
Mitarbeiter im Besucherdienst
Gesamt

Die zwölf festangestellten Mitarbeiter der
Stiftung konnten im Berichtszeitraum nur die
wichtigsten Grundfunktionen der Gedenkstättenarbeit wie Besucherdienst, Verwaltung,
Hausorganisation, politische Bildung, Zeitzeugenbüro, Öffentlichkeitsarbeit sowie Ausstellungsbetreuung und Sammlungen abdecken.
Wichtige Arbeitsbereiche -- zum Beispiel die
Beziehungen zu vergleichbaren Gedenkstätten
in Osteuropa oder die systematische
Erforschung des Haftortes Hohenschönhausen
-- konnten nicht mit der gebotenen Intensität
entwickelt werden. Durch die knappe Personaldecke wurden die Mitarbeiter im Berichtszeitraum oft über Gebühr belastet. Viele Aufgaben mussten zudem durch Teilzeit-, Honorarund Hilfskräfte erledigt werden, die ebenfalls
der Einweisung und der Betreuung bedurften.
Für die Arbeit mit Schülern stellte der Senator
für Bildung, Jugend und Sport, wie erwähnt,
seit August 2004 zwei Lehrer zur Verfügung,
die mit jeweils 50 Prozent ihrer Arbeitszeit an
die Gedenkstätte abgeordnet wurden. Der

68

Personal

Bund finanzierte im Gegenzug eine dritte halbe
Stelle, die mit einem Historiker besetzt wurde.
Um den Stamm des festangestellten Personals zu erweitern, wurde im Rahmen des geltenden Stellenplanes seit Frühjahr 2005 eine
zusätzliche Mitarbeiterin für den Ausstellungsbereich eingestellt. Dies wurde dadurch
möglich, dass der Verwaltungsleiter auf eigenen Wunsch seine Vollzeitstelle auf 28,5
Std./Woche reduzierte und eine Vollzeitstelle
im Besucherdienst im Rahmen einer Neubesetzung auf 25 Std./Woche verringert wurde.
Durch beide Maßnahmen wurden zusätzliche
Stellenanteile von 23,5 Wochenstunden für
eine Teilzeitkraft frei, mit deren Hilfe zeitaufwändige Projekte wie das neue Info-Center
oder ein Besucherleitsystems realisiert werden
konnten.
Außer dem im Stellenplan ausgewiesenen Personal beschäftigte die Gedenkstätte im
Berichtszeitraum zeitweise
- 9 Zeitzeugen und Historiker als
Besucherreferenten für die Führungen
durch die Gedenkstätte,
- rund zehn studentische Aushilfskräfte
vor allem im Besucherdienst,
- jährlich mehrere Praktikanten in den
verschiedenen Arbeitsgebieten,
- zwei Mitarbeiter auf Werkvertragsbasis,
- einen Zivildienstleistenden,
- zwei Gymnasiallehrer und einen
Historiker in der "Pädagogischen
Arbeitsstelle",
- eine Museologin als Teilzeitkraft im
Ausstellungsbereich,
- mehrere Mitarbeiter in sog. MAEMaßnahmen (1-Euro-Jobs).
Im Jahr 2006 wurde die Personalsituation der
Gedenkstätte durch krankheitsbedingte Ausfälle mehrerer Mitarbeiter zusätzlich belastet.
Das Zeitzeugen-Büro war ein dreiviertel Jahr
lang nicht besetzt. Auch in anderen Bereichen
kam es zu wochen- bzw. monatelangen Ausfällen, so dass im November 2006 zeitweise
nur noch 60 Prozent des Stammpersonals
anwesend waren. Da die Gedenkstätte durch
ihre wachsende Bekanntheit auch immer mehr
mit externen Anfragen, Wünschen und Problemen konfrontiert wurde, konnte sie die Fülle
der Aufgaben zeitweise kaum mehr bewältigen.

Stiftungsorgane

Stiftungsorgane
Gesetzliche Organe der Stiftung sind der
Stiftungsrat, der Vorstand und der Beirat.
Der Stiftungsrat beschließt alle Angelegenheiten von grundsätzlicher oder besonderer Bedeutung und den Haushaltsplan. Vorsitzender ist
laut Gesetz das für kulturelle Angelegenheit
zuständige Mitglied des Berliner Senats.
Darüber hinaus gehören ihm ein Vertreter der
Senatsverwaltung für Justiz, ein Vertreter des
für Angelegenheiten der Kultur zuständigen
Mitglied des Bundesregierung sowie der Vorsitzende und ein weiteres Mitglied des Beirats
der Stiftung an. Im Zusammenhang mit den
Bundestagswahlen 2005 und den Wahlen zum
Berliner Abgeordnetenhaus 2006 kam es zu
mehreren Neubesetzungen (vgl. Anhang:
Gremienmitglieder).
Der Vorstand ist der Direktor der Gedenkstätte
und wird vom Stiftungsrat bestellt. Er führt die
laufenden Geschäfte der Stiftung und ist dabei
an die Beschlüsse und Weisungen des
Stiftungsrats gebunden. Es ist seit Dezember
2000 der Historiker Hubertus Knabe.
Der Beirat berät den Stiftungsrat sowie den Vorstand in allen inhaltlichen und gestalterischen
Fragen. Ihm gehören Vertreter von Gedenkstätten, Einrichtungen, Gruppen und Initiativen,
Wissenschaftler sowie sonstige qualifizierte
Persönlichkeiten
an,
die
mit
dem
Stiftungszweck befasst sind. Die Mitglieder
werden vom Vorsitzenden des Stiftungsrates
im Einvernehmen mit dem für Angelegenheiten der Kultur zuständigen Mitglied der Bundesregierung für die Dauer von drei Jahren
berufen. Aufgrund des plötzlichen Todes des
langjährigen Beiratsmitgliedes Harald Strunz
wurde 2006 der Vorsitzende der Union der
Opferverbände kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG), Horst Schüler, nachberufen.

69

Förderverein

70

Förderverein

Das vierteljährlich erscheinene
“Nachrichteninfo” des Fördervereins

Mitglieder des Förderverein erinnern am
Potsdamer Platz dem Mauerbau vor 44
Jahren, 13. August 2005

Fördervereinsvorsitzender Dr. Jörg
Kürschner mit Besuchern der
Gedenkstätte

Zur Unterstützung der Stiftung haben Ende
2003 Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens
den "Förderverein Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen" gegründet. Zu den 19 Gründungsmitgliedern zählen unter anderem Bundeskanzler a.D. Dr. Helmut Kohl (CDU), Bundeswirtschaftminister Michael Glos (CSU), der
ehemalige Staatssekretär Stephan Hilsberg
(SPD), Bundestagsvizepräsident Hermann
Otto Solms und der Fraktionsgeschäftsführer
von Bündnis 90/Die Grünen, Lukas Beckmann.
Vorsitzender des als gemeinnützig anerkannten Vereins ist der MDR-Redakteur Dr. Jörg
Kürschner, der selbst in Hohenschönhausen
inhaftiert war.

Auf Beschluss des Vorstands hat der
Förderverein im Berichtszeitraum insbesondere zwei Projekte der Gedenkstätte finanziell
unterstützt. So wurden die Kosten für die
Anschaffung eines Original-Gefängnistransporters "Barkas B 1000" übernommen (vgl.
Objektsammlung). Darüber hinaus finanzierte
der Verein einen Theaterpädagogen, der in der
Gedenkstätte ein internationales Schülerseminar gestaltete. Maßgeblich unterstützt hat der
Förderverein auch die Fotoausstellung
"Inhaftiert. In der Untersuchungshaftanstalt für
Staatssicherheit" der Fotografin Franziska Vu,
zu der auch ein zweisprachiges Begleitbuch
erschien.

Der Verein hat im Berichtszeitraum insbesondere zwei Ziele verfolgt: Es galt, die Außenwirkung des verhältnismäßig jungen Vereins zu
erhöhen und zugleich die Binnenkommunikation unter den Mitgliedern zu verbessern. Mit
Unterstützung der Gedenkstätte hat der
Förderverein deshalb am 13. August 2005 am
Potsdamer Platz an den Bau der Berliner Mauer
vor 44 Jahren erinnert. Die Passanten konnten
dort u.a. den Gefangenentransporter W 50
besichtigen. Der Förderverein wollte mit der
Aktion darauf aufmerksam machen, dass mehr
als 72 000 Menschen wegen des DDR-Grenzregimes in Haft kamen, darunter viele in das
frühere zentrale Untersuchungsgefängnis des
Ministeriums für Staatssicherheit in BerlinHohenschönhausen. Außerdem beteiligte sich
der Förderverein regelmäßig an der "Langen
Nacht der Museen", um die Besucher über die
Ziele des Fördervereins zu informieren.

Dem Förderverein gehörten Ende 2006 55 Mitglieder an. Aufgrund seiner gewachsenen
Bedeutung und der steigenden Zahl seiner Mitglieder erscheint seit Ende 2005 vierteljährlich
ein "Nachrichteninfo". Es informiert Mitglieder
und Freunde des Fördervereins über die Arbeit
des Vorstands. Die Resonanz war so groß, dass
das Heft inzwischen auch in der Buchhandlung
der Gedenkstätte gegen eine Spende erhältlich
ist. Die Auflage der Zeitschrift liegt derzeit bei
400 Exemplaren. Zur Herstellung arbeitet der
Vorstand mit einer Grafikerin und einer
Grafikdesignerin zusammen, die auch die
Website des Vereins (www.foerdervereinhsh.de) betreuen. Anfang 2005 hat der Vorstand einstimmig die Stiftung eines Preises zur
Förderung der kritischen Auseinandersetzung
mit der kommnistischen Diktatur beschlossen.

Vereinsmitglieder haben verschiedene Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens durch die
Gedenkstätte geführt. Dadurch ist es gelungen, eine Reihe von Bundes- und Landespolitikern für eine Mitgliedschaft im Förderverein
zu gewinnen. Auf diese Kontakte ist zurückzuführen, dass der Förderverein von Fraktionen
des Deutschen Bundestages zu Anhörungen
geladen wurde, bei denen es um die Aufarbeitung des SED-Unrechts ging. Auch bei der
Bezirksverordnetenversammlung in BerlinLichtenberg im April 2006, bei der es um die
Aufstellung von Informationstafeln in der
Umgebung der Gedenkstätte ging, erhielten
zwei Mitglieder des Fördervereins Rederecht.

Der Verein hat folgendes Spendenkonto:
Commerzbank Berlin,
Konto-Nr. 622 622 900,
BLZ 120 400 00.

71

71

Anhang
Chronologie

14. Januar 2005
Der verbotene Stadtteil. Stasi-Sperrbezirk
Hohenschönhausen
Buchpräsentation mit Dr. Hubertus Knabe und
Peter Erler

3.September 2005
Das Verhör
Szenische Lesung zum 100. Geburtstag von
Arthur Koestler. Mit Udo Schenk, Sven Riemann und Max Volkert Martens

29. Januar 2005
17. Lange Nacht der Museen
Buchpräsentation mit dem ehemaligen StasiHäftling Wolfgang Welsch; Ausstellungen, Führungen und Einblicke in die Objektsammlung
der Gedenkstätte

5. September 2005
Stasi raus
Veranstaltung zur Schließung des zentralen
Stasi-Gefängnisses vor 15 Jahren

29. April bis 2.Mai 2005
Von Hitler zu Stalin - Das Kriegsende in
Mittel-Osteuropa
Internationales Schülerseminar mit Zeitzeugen
9. Mai 2005
Besuch des SPD-Generalsekretärs Hubertus Heil
Kranzniederlegung im Rosenhof
17. Juni 2005
Schüler fragen, Zeitzeugen antworten
Schülerseminar mit Zeitzeugen und Kranzniederlegung
21. bis 23. Juni 2005
Urbane Erinnerungskulturen: Berlin und
Buenos Aires
Internationales Symposium im Berliner Rathaus und in der Europäischen Akademie Berlin
11. August 2005
Die Botschaftsflüchtlinge auf ihrer Fahrt
von Prag nach Hof
Ausstellungseröffnung
13. August 2005
44. Jahrestag des Mauerbaus
Schwerpunktführungen zum Thema Republikflucht
25. August 2005
Bilder einer Seele
Ausstellungseröffnung
27. August 2005
18. Lange Nacht der Museen
Lesung mit Erich Loest; Führungen, Ausstellungen und Filmdokumentationen

7. September 2005
5. Internationales Literaturfestival Berlin
2005
Lesung und Gespräch mit dem Berliner
Schriftsteller Richard Wagner
10. bis 11. September 2005
Tag des Offenen Denkmals: Krieg und Frieden
Schwerpunktführungen zum sowjetischen
Speziallager und Vorträge
24. Oktober 2005
Gedenkfeier für die Toten des sowjetischen
Speziallagers
Kranzniederlegung am DENKORT auf dem
Friedhof Gärtnerstraße
7. November 2005
Zwangsaussiedlungen aus dem Grenzgebiet der DDR an der innerdeutschen Grenze
1952-1989
Ausstellungseröffnung
9. November 2005
16. Jahrestag des Mauerfalls
Schwerpunktführungen zum Thema Flucht
und Inhaftierung; Filmvorführung und Kranzniederlegung
28. Januar 2006
19. Lange Nacht der Museen
Führungen, Vorträge und Podiumsdiskussion;
musikalisches Rahmenprogramm
8. März 2006
Orte des Terrors - GPU-Keller in Berlin
Buchvorstellung und Zeitzeugengespräch im
Berliner Magnus-Haus

72

Anhang

4. April 2006
Zeichen setzen. Schauspieler und ehemalige Häftlinge des MfS lesen Zeitzeugenberichte
Lesung im Plenarsaal des Berliner Abgeordnetenhauses unter der Schirmherrschaft von
Walter Momper

Schwerpunkt- und Sonderführungen

4. bis 9. Mai 2006
Die "Welt von Jalta" nach Stalin - "Tauwetter" und Befreiungsversuche
Internationales Schülerseminar

9. November 2006
17. Jahrestag des Mauerfalls
Schwerpunktführungen zum Thema Flucht
und Inhaftierung, Filmvorführung, Ausstellungen

30. Mai 2006
Justizmorde in der frühen DDR - Berliner
Opfer des Stalinismus
Vortragsveranstaltung und Zeitzeugengespräch
16. Juni 2006
53. Jahrestag des DDR-Volksaufstandes
"Schüler fragen, Zeitzeugen antworten"
Seminar mit Zeitzeugen
17. Juni 2006
53. Jahrestag des DDR-Volksaufstandes
Kranzniederlegung und Führungen
28. Juni 2006
Tod eines Fußballers. Warum die Stasi den
"Beckenbauer der DDR" liquidieren wollte
Filmvorführung und Podiumsdiskussion in der
Vertretung des Freistaats Thüringen beim
Bund
12. und 13. August
Krokodil im Nacken
Aufführungen eines Theaterstücks nach dem
gleichnamigen Roman von Klaus Kordon
13. August 2006
45. Jahrestag des Mauerbaus
Schwerpunktführungen zum Thema Republikflucht
1. bis 3.September 2006
Krokodil im Nacken
Aufführungen eines Theaterstücks nach dem
gleichnamigen Roman von Klaus Kordon
26. August 2006
20. Lange Nacht der Museen
Lesung und Diskussion mit Ines Geipel und
Joachim Walther; Führungen, Einblick in die
Objektsammlung, Filmangebot
9. bis 10. September 2006
Tag des offenen Denkmals

24. Oktober 2006
Gedenkfeier für die Toten des sowjetischen
Speziallagers
Kranzniederlegung am DENKORT auf dem
Friedhof Gärtnerstraße

14. November 2006
Besuch von Bundespräsident Horst Köhler
17. bis 18. November 2006
Wenn das Unrecht verblasst - Die kommunistische Diktatur in den Museen Europas
Internationaler Workshop mit Gedenkstätten
und Kommunismusmuseen aus Mittel- und
Osteuropa

Anhang

Stiftungsgesetz

73

74

Anhang

Stiftungsgesetz

Anhang

75

Gremienmitglieder
(Stand: 30. Oktober 2006)

Stiftungsrat

Beirat

Vorsitzender
Dr. Thomas Flierl
Senator für Wissenschaft, Forschung
und Kultur des Landes Berlin

Vorsitzender
Dr. Karl Wilhelm Fricke

Stellvertretende Vorsitzende
Barbara Kisseler
Staatssekretärin der Senatsverwaltung für
Wissenschaft, Forschung und Kultur des
Landes Berlin, Bereich Kultur
Mitglieder
Christoph Flügge
Staatssekretär der Senatsverwaltung für
Justiz des Landes Berlin
Prof. Hermann Schäfer
Ministerialdirektor beim Beauftragten
der Bundesregierung für Kultur und Medien
Dr. Karl Wilhelm Fricke
Beiratsvorsitzender
Privatdozent Dr. Rainer Eckert
Beiratsmitglied
Vertreter
Wolf-Dieter Krebs
Abteilungsleiter in der Senatsverwaltung
für Justiz des Landes Berlin
Dr. Michael Roik
Ministerialrat beim Beauftragten der
Bundesregierung für Kultur und Medien
Hans-Eberhard Zahn
Stellvertretender Beiratsvorsitzender
Ulrike Poppe
Beiratsmitglied

Stellvertretender Vorsitzender
Dipl.-Psych. Hans-Eberhard Zahn
Mitglieder
Marianne Birthler
Dr. Gabriele Camphausen
PD Dr. Rainer Eckert
Gerhard Finn
Martin Gutzeit
Prof. Dr. Klaus-Dietmar Henke
Dr. Anna Kaminsky
Silke Klewin
Prof. Dr. Volkhard Knigge
Prof. Dr. Günter Morsch
Harald Strunz (am 4. April 2006 verstorben)
Prof. Dr. Manfred Wilke

75

76

Anhang

Mitarbeiter

Besucherreferenten

(Stand: 31. Dezember 2006)

(Stand: 31. Dezember 2006)

Dr. Hubertus Knabe
Direktor

Reinhard Bernauer
Michael Bradler
Hans-Jürgen Breitbarth
Rainer Dellmuth
Hans Jürg Deschner
Arno Drefke
Dieter Drewitz
Gerhard Ehlert
Robert Fissenewert
Mike Fröhnel
Reinhard Fuhrmann
Gilbert Furian
Hans-Joachim Helwig-Wilson
Horst Jänichen
Eberhard Kaduk
Norbert Krebs
Dr. Jörg Kürschner
Vera Lengsfeld
Matthias Melster
Alesch Mühlbauer
Sigrid Paul
Herbert Pfaff
Gerhard "Charly" Rau
Thomas Raufeisen
Bärbel Richter
Hartmut Richter
Mario Röllig
Werner Rösler
Wolfgang Rüddenklau
Peter Rüegg
Hartmut Rührdanz
Edda Schönherz
Harry Santos
Maxi Siegmund
Jessica Steckel
Dieter Walter
Dieter von Wichmann
Peter Wulkau
Hans-Eberhard Zahn

Mechthild Günther
Stellvertretende Direktorin
Wissenschaftliche Mitarbeiterin
Silke Bauer
Assistentin für Öffentlichkeitsarbeit
Bibliothek/Archiv
Peter Erler
Historiker
Wolfgang Hoffmann
Hausorganisation
Enrico Jähn
Besucherdienst
Michaele Lampe
Chefsekretärin/Direktionsassistenz
Daniela Martinowa
Wissenschaftliche Assistentin
Gernot Mittag
Besucherdienst
Siegfried Reiprich
Referent für politische Bildung
Hartwig Sprotte
Hausorganisation/Besucherdienst
Christiane String
Wissenschaftliche Assistentin
Rainer Waldow-Buchmeier
Verwaltungsleiter
Heidi Wedhorn
Sachbearbeiterin für Haushalt und Personal

(Rot: im Berichtszeitraum neu hinzugekommen)

Anhang

77

Besucherstimmen
Ausländische Besucher

Thank you, Herr Röllig, for a marvelous tour ...
An American Admirer,
Christoph
Gästebucheintrag vom 2. Januar 2005
Thank you for this magnetic day.
Emanuel S., Albania (Tirana)
Gästebucheintrag vom 9. Februar 2005
It was the best tour ever! Thank you very
much.
Gevin K.
Gästebucheintrag vom 8. März 2005
Als Südamerikanerin, die schon seit 1969 in
Deutschland lebt, und sehr oft in der Ex-DDR
ist, hoffe ich, dass diese Institution noch lange
erhalten bleibt. Der Referent war sehr gut.
Gästebucheintrag vom 30. März 2005
Wir hoffen, dass Sie diese Aktivitäten noch
lange fortsetzen können. Eine kleine Spende
dazu von unserer Schule.
CSG de Goudse Waarden, Gouda NL
Brief vom 21. Mai 2005
Thank you for such an informative, eye-opening insight into such a dark period in German
history.
Angela R.
Gästebucheintrag vom 12. Juni 2005
Vielen Dank für die beste Führung unseres
Lebens.
Deutsche Schule Valencia
Gästebucheintrag vom 17. Juni 2005
Dieser Ort ist einer der Highlights all meiner
Berlin-Aufenthalte. Jedesmal ist meine Begeisterung groß, mit welcher Offenheit Berlin mit
der Geschichte des 20. Jahrhunderts umgeht.
In Wien endet die Vergangenheitsbewältigung
leider mit dem Ende der Kaiserzeit, für das,
was danach war, gibt es nur großes Vergessen.
Maria Kohen, Wien/Österreich
email vom 30. Juli 2005
Vom 23. bis 29. Juli 2005 nahmen 13 spanische Nachwuchspolitiker an einem Besuchsund Informationsprogramm der Konrad-Adenauer-Stiftung in Berlin teil. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben uns nach ihrer

Rückkehr ihre Begeisterung über das gelungene Programm zum Ausdruck gebracht.
Konrad-Adenauer-Stiftung Madrid, Brief vom
25. August 2005
Gestern das Holocaust-Denkmal, heute diese
Stätte menschlicher Grausamkeit. Ich danke
Gott für Zeitpunkt + Ort meiner Geburt und
dafür, dass mir solche Geschehnisse erspart
blieben, und hoffe, dass sie auch meinen Töchtern erspart bleiben. Die Führung war sehr
gut.
N.N., Caracas, Venezuela
Gästebucheintrag vom 19. September 2005
It was very impressive!
I admire the guides, who where leading us...
Elvira T., Holland
Gästebucheintrag vom 13. Oktober 2005
Ich möchte mich für die Deutlichkeit, Eindringlichkeit bedanken, mit der Sie uns und vor
allem meinen Schülern, die fern von jeglicher
Vorstellung der Freiheitsberaubung sind, vor
Augen geführt haben, was das System der
DDR bedeutet haben mag. Lange nach unserem Besuch bei Ihnen und auch jetzt noch in
der Schule haben die Schüler von ihren Eindrücken erzählt, sie wirklich weiter verbreitet
und in ihrer Auswertung gerade diesen Programmpunkt als den interessantesten, wichtigsten und eindrucksvollsten beschrieben.
Ihre Schilderungen zu übersetzen, war emotional schwierig, der Besuch sehr notwendig und
das Ergebnis die Überzeugung, diesen Programmpunkt in weiteren Reisen zu wiederholen, die Gedenkstätte finanziell zu unterstützen und im Geschichts- und Deutschunterricht
weiter aufzuklären auch hier oder gerade in
Schweden, denn Freiheit ist ein hohes Gut.
Christina P., Sigtunaskolan Humanistiska Läroverket, Sigtuna/Schweden
email vom 14. Dezember 2005
Im Namen der PAUCI-Stiftung und Freedom
House Serbien danke ich Ihnen und Ihren Kollegen ganz herzlich für die Unterstützung bei
den Vorbereitungen der Studienfahrt für die
serbisch-ukrainische Delegation und vor allem
für die Veranstaltung am 13. Dezember 2005,
die in den Räumen der Gedenkstätte Hohenschönhausen stattfinden konnte.
Wir glauben, dass die Informationen, die die
serbischen und ukrainischen Experten während der einwöchigen Studienfahrt sammeln
konnten, dazu beitragen, dass in Serbien und
in der Ukraine die kritische Auseinandersetzung mit den kommunistischen Regimes ver-

77

78

Anhang

tieft und die Kräfte gestärkt werden, die an
einer Offenlegung der Sicherheitsakten interessiert sind.
Tim B., Warsaw 00-382
email vom 13. Dezember 2005

Dass die Täter heute noch einfach so in der
Gesellschaft leben und nichts bereuen, ist für
uns unglaublich.
Paul-Gerhardt-Schule, Dassel
Gästebucheintrag vom 18. März 2005

Ich war hier schon in 2003, aber bin wieder
beeindruckt. Nächste Viertelstunde will ich nur
auf einem Bank sitzen und nichts.
Tim Kires, Amsterdam
Gästebucheintrag vom 6. Januar 2006

Dass es sich gelohnt hat, bewies auch unsere
klasseninterne Umfrage, bei der die Besichtigung von Hohenschönhausen mit großem
Abstand am besten abgeschnitten hat.
Klasse 12b, Fichte-Gymnasium Karlsruhe
Brief vom 1. Mai 2005

A very interesting place. A very enthusiastic
guide and very helpful staff. I wish I could
speak german! Thank you so much.
Timothy de G., Sydney, Australia
Gästebucheintrag vom 8. Januar 2006
Sicherheitskräfte bedürfen einer strengen
rechtlichen und demokratischen Kontrolle. Sie
müssen über ihr Handeln immerzu Rechenschaft ablegen.
Dominic S., Zürich
Gästebucheintrag vom 30. Januar 2006
It was enlightening to all who want a peaceful
world.
Bob & Wilma F., Maryland, USA
Gästebucheintrag vom 30. März 2006
Tak for en frenragende rundvisning, Mike!
(Danke für eine hervorragende Führung,
Mike!)
Hilsener fra, 8b, Greve Privatskole, Danmark
Gästebucheintrag vom 30. März 2006
Das war ein gutes Erlebnis für Schüler und
Lehrer -- alle Schüler waren froh, dass dänisch
gesprochen wurde.
Birthe J., Tjørnelyskolen in Greve, Dänemark
email vom 26. April 2006
Me pareció muy interessante. El guia fue muy
tolerante y amable. [Es war für mich sehr
interessant. Der Referent war sehr offen und
liebenswürdig.]
Juan D., Pena B., Quito (Ecuador)
Gästebucheintrag im Juli 2006

Schüler und junge Leute

Sie haben meine Bewunderung Herr Breitbarth. Egal was Sie selbst sagen, Sie sind ein
Held.
André
Gästebucheintrag vom 2. März 2005

Ich muss sagen, sie [die Führung] läßt mich
nicht mehr los! Ich habe auch schon die
Gedenkstätte Bautzen besucht. Jedoch ist
diese nicht so "lebendig", da man dort das
Gebäude allein durchlaufen muß. Es erschlägt
den Besucher, wenn man die Gedenktafeln
ließt. Man fühlt sich allein. Ich bin heute 26
Jahre alt und habe die DDR als Kind erlebt. Es
ist für meine Generation schwer, an Informationen zu kommen. So ein Ort des Gedenken
hilft sehr dabei. Von meiner Seite werde ich
einen Besuch all meinen Bekannten, Arbeitskollegen und Freunden weiterempfehlen.
Doch selbst nach einer so langen Zeit stößt
man noch immer auf Mauern, die das Ganze
nicht wahr haben wollen.
Mandy W., 03058 Kiekebusch
Brief an M. Melster vom 21. Juni 2005
Für mich war diese Besichtigung das Wichtigste auf der Berlin-Reise und ich hätte nicht im
Geringsten damit gerechnet.
Carolin
Gästebucheintrag vom 11. Juli 2005
"Wir haben es im Verlauf langjähriger Berufserfahrung noch nicht erlebt, dass Schülern eine
"historische Führung" durch ein "historisches
Museum" dermaßen unter die Haut geht .
Schülerreaktionen:
- Zuerst konnte ich mir nicht so recht vorstellen, was mich erwarten würde. Je mehr ich
jedoch von Herrn Röllig über dieses ehemalige
Stasi-Gefängnis erfuhr, desto interessierter
wurde ich.
- Da ich mir zuerst nicht viel unter dem Begriff
"ehemaliges Stasi-Gefängnis" vorstellen konnte, war ich sehr gespannt. Alle Vorstellungen,
die ich mir gemacht habe, sind bei weitem
übertroffen worden! Ich hätte nicht gedacht,
wie bewegend und beeindruckend eine Führung in einem "Museum" sein kann.
- In manchen Situationen standen mir Tränen
in den Augen und ich musste mich beherrschen, nicht wegzulaufen.

Anhang

79

- Vor dem Besuch war mir weder der Name
noch die Verwendung des Ortes bekannt. Mir
war zwar bewusst, dass die DDR nur dem
Namen nach eine "Demokratie" war, dass dort
jedoch solche Zustände herrschten, hätte ich
mir nie vorzustellen vermocht.
- Was mich in HSH am meisten schockiert hat
war, dass damalige SED/Stasi-Funktionäre und
-mitarbeiter nicht für ihre Machenschaften
bestraft wurden und teilweise auch heute viel
Einfluss haben.
Scheffel-Gymnasium, Lahr
Brief vom 28. Juli 2005
Nach den "Erlebnisberichten" meines Großvaters, der, wie er heute berichtet, nicht zufrieden war mit seiner Arbeit, kenne ich nun auch
endlich einen Teil dessen, was mein Großvater
mir verschwiegen hat. Darüber bin ich sehr
dankbar!
Anonym
Gästebucheintrag vom 4. September 2005
Ihre Führung durch das Stasi-Gefängnis hat
uns allen gut gefallen. Ich denke, es hat uns
allen tiefe Einblicke in die schrecklich gut organisierte Stasi gewährt.
Marvin, Klasse 9b, Georg-Büchner-Oberschule
email vom 26. Oktober 2005
Brief zweier Schülerinnen an einen Reiseführer-Verlag:
Wir sind zwei Schülerinnen aus Kornwestheim
(nahe Stuttgart), 17 und 19 Jahre alt, und
waren dieses Jahr über Silvester in Berlin. Wir
orientierten uns an Ihrem Reiseführer und fanden uns so in unserer Hauptstadt gut zurecht
und besuchten viele Sehenswürdigkeiten. Von
Lenas Bruder hatten wir den Tipp bekommen,
die Gedenkstätte Hohenschönhausen, etwas
außerhalb der "gewöhnlichen" Sehenswürdigkeiten, zu besichtigen. Leider fanden wir diese
Attraktion nicht in Ihrem Reiseführer, dass wir
sehr bedauerten. Selbst die Menschen in dem
Stadtteil Hohenschönhausen konnten oder
wollten uns keine nähere Auskunft geben, wie
wir zu dieser Gedenkstätte gelangen können.
Nach über einer Stunde hatten wir sie endlich
gefunden und machten eine der Führungen
mit und waren sehr beeindruckt, fasziniert und
gleichzeitig aber auch geschockt: Ehemalige
Häftlinge dieses Stasigefängnisses führen
Besucher durch die Anlage und erzählen von
ihrer Gefängniszeit und ihrer Zeit danach.
Es ist Zeit, dass man sich, und vor allem die
jüngere Generation, mit dem Thema auseinander setzt. Denn auch das ist ein Teil unserer
deutschen Geschichte.

Vor allem die ältere Generation verleugnet
immer noch die Existenz einer solchen Einrichtung. Wir finden es wichtig, dass noch viele
die Chance haben, solch eine Führung mitzumachen, solange man noch die Möglichkeit
hat die Geschehnisse von Zeitzeugen zu erfahren. Man darf sich die Führung auch nicht wie
eine "normale", für Jugendliche eher langweilige Museumsführung vorstellen, sondern als
eine emotionale Führung durch das Leben
eines Zeitzeugen.
Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie sich
mit der Gedenkstätte Hohenschönhausen in
Verbindung setzen und in der neuen Auflage
Ihres Reiseführers diese aufnehmen.
Vielen Dank und viele Grüße
Franziska und Lena", Kornwestheim
email vom 3. November 2005
Schockierend wie heutzutage einfach weitergelebt wird, als wäre nichts passiert! Tolle Führung!
Julia, Jessica, Leonie, Katharina, Nicole 1,
Bastian, Kristina, Tobias, Nicole 2, Annika,
Jens, M. Franke, R. Eickmeier, Jan.
Klasse 10a, Blomberg
Gästebucheintrag vom 28. März 2006
Die beiden 11. Klassen der Isarnho-Schule Gettorf und die begleitenden Lehrkräfte möchten
sich auf diesem Wege noch einmal herzlich
bedanken für die hervorragenden Führungen.
Damit auch künftig Schülerinnen und Schüler
die Gelegenheit zur Besichtigung dieses speziellen Erinnerungsortes erhalten können,
haben wir unter allen Beteiligten sowie den
Eltern gesammelt und überweisen Ihnen
parallel zu diesem Schreiben eine Spende für
Ihre Arbeit.
36 Unterschriften
Silke S., Kiel
Gästebucheintrag vom 19. Mai 2006
Die Gespräche werden uns in Erinnerung bleiben. Auch aus diesem Grund hat der Klassenrat nun beschlossen, den Erlös von 100 Euro
eines Standes unserer Klasse beim Schulfest
der Gedenkstätte zu spenden.
Andrea F. (Klassenlehrerin) i. A. der Klasse 9aR
der Waldschule Mannheim
email vom 14. Juni 2006.
Danke für zwei Stunden eindringlichen
Geschichtsunterricht,
der
uns
deutlich
gemacht hat, dass Freiheit keine Selbstverständlichkeit ist und wir wachsam bleiben
müssen.
Rhein-Wied-Gymnasium, Neuwied

79

80

Anhang

Gästebucheintrag vom 14. Juni 2006
Der Mauerfall wurde im Geschichtsunterricht
behandelt, nie aber die damit einhergehenden
persönlichen Schicksale. Gerade in einer Zeit
wie der heutigen ist meines Erachtens eine
Einrichtung wie die Ihre wichtig. Wenn man
nun vom sog. Insiderkomitee und ähnlichem
erfährt, wird einem Angst und Bange, dass
soviel geistige Starrheit auch noch heute vorhanden ist.
Michael D.
Brief vom 6. November 2006
Bei der Nachbesprechung der Klassenfahrt
erklärten die Schüler einstimmig, diese Führung sei das wichtigste Erlebnis der gesamten
Klassenfahrt gewesen. Besonders beeindruckt waren wir alle von der Persönlichkeit
unseres Führers und seiner Art, die für uns
unvorstellbaren Verhältnisse und Zustände
greifbar und durch die Berichte über seine
eigenen Erfahrungen nachfühlbar zu machen.
Nicoletta R., Hans-Böckler-Berufskolleg, Marl
email vom 12. November 2006

Erwachsene Besucher

Wie haben das die "Läufer", also die Wärter,
die Vernehmer und anderen Bediensteten so
lange mitmachen können?
Thomas L.
Gästebucheintrag vom 7. Januar 2005
Nie wieder Gewalt, nie wieder Stasi.
Lot
Gästebucheintrag vom 8. Januar 2005
Es ist erschreckend, dass wir beim Fragen
nach dem Weg hierher von 4 Personen total in
die Irre geführt worden sind.
Wolfgang O., Halle
Gästebucheintrag vom 19. Februar 2005
Was ich nicht nur traurig, sondern beschämend finde, ist, dass das wiedervereinigte
Deutschland es bis heute nicht schafft, die
Geschichte der Diktatur DDR offen und
beherzt anzugehen und den Opfern in umfassender und würdiger Weise zu gedenken wie
das bei den Opfern des 3. Reiches ja weitestgehend geschieht.
Peter W., Freising
Gästebucheintrag vom 12. März 2005
Ich habe hier Dinge erfahren, die ich zwar

bereits wusste, derer ich jedoch mir nie richtig
bewusst war. Die PDS ist die Nachfolgepartei
der SED und innerhalb von 15 Jahren kommt
hier auch keine neue Generation nach. Denken Sie daran, in Deutschland darf nie wieder
eine extreme (weder rechts noch links) Partei
eine Chance erhalten! Wählen Sie die SPD.
Christian K.
Gästebucheintrag vom 8. Juli 2005
Nach 40 Jahren habe ich den Ort besucht, wo
ich 3 Jahre verbracht habe. Hoffentlich vergessen wir dies nie.
Anonym, Jena
Gästebucheintrag vom 21. August 2005
Meine Männer und ich haben beschlossen,
dass die Sonderzuwendungen für unsere Politische Bildung in Berlin (ca. 500€) an die
Gedenkstätte Hohenschönhausen als Spende
überwiesen wird.
Joachim H., Oberleutnant und Stabszugführer
Führungsunterstützungsbereich der Luftwaffe,
Köln
email vom 27. August 2005
Allen aufrechten Bürgern, die dem Druck einer
Diktatur widerstanden haben, gilt unsere
Bewunderung. Das soll/muss ein Anreiz für
die Jugend sein, dem nachzueifern.
Heidi und Eberhard R., Worms
Gästebucheintrag vom 12. September 2005
Wir dürfen die Kapitel von Hass und Terror in
der Deutschen Geschichte niemals vergessen.
Besonders aber müssen wir denen mutig und
entschlossen entgegen treten, die unser Land
wieder in diese Richtung drücken möchten egal wie sie sich auch immer nennen mögen!
Tobias M.
Gästebucheintrag vom 24. September 2005
Liebe Mitbürger, seht euch das hier genau an!
Auch Sachsenhausen... Und wenn Ihr das
nächste Mal die Verführung von REP, DVU
oder PDS (WASG) verspürt, könnt Ihr ruhig ein
paar weitere Gedanken über deren Befürwortung "verschwenden"...
Maximilian L.
Gästebucheintrag vom 2. November 2005
Mit zunehmendem zeitlichen Abstand wird es
immer wichtiger, die Erinnerung an Diktatur
und Teilung wach zu halten. Unseren Anwärtern, die diese Zeit gar nicht mehr bewusst
erlebt haben, wird durch die praktische
Anschauung, die gerade auch in Ihrer Gedenkstätte vermittelt wird, eindrucksvoll vor Augen

Anhang

81

geführt, wie wichtig es ist, konsequent für die
in unserer Verfassung niedergelegten Grundwerte einzustehen.
Michael C., Auswärtiges Amt, Berlin
Brief vom 17. Januar 2006
Aufgrund des umfangreichen Gebäudekomplexes, welches nur zum Zweck der Verhöre
genutzt worden ist, verstehe ich heute auch,
das es eine "Vollbeschäftigung" gab. Denn
viele Mitarbeiter des MfS waren ja nur damit
beschäftigt, ihre Landsleute zu verhören bzw.
sich gegenseitig zu bespitzeln.
Helga R., Göttingen
Brief vom 12. Februar 2006
Unsere Eltern wurden beide in GPU-Gefängnissen verhört und gequält. Im Sept. 49 ist
dann unsere Mutter nach Freilassung sofort
mit den 3 Kindern in den Westen geflohen.
Der Vater wurde hier in Hohenschönhausen 8
Monate verhört und gequält anschließend als
politisch Verurteilter zu 25 Jahren Zwangsarbeit nach Bautzen (gelbes Elend) gebracht. Die
herrschende Clique der "DDR" ebenso wie
Herr Modrow, Krenz und andere vergessen zu
gerne, dass sie Teil des Unterdrückungsapparates der Sowjet-Union waren. Niemals zuvor
wurden 17 Millionen Bürger in einem Land
eingesperrt und festgehalten zur Zwangsarbeit für die siegreiche Sowjet-Union.
Frank u. Ingrid C.
Gästebucheintrag vom 8 März 2006
Der Auftritt der MfS-Schergen hat mich absolut schockiert. Was ein Senator dieser Partei
dabei leisten kann, ließ sich eindrucksvoll
beobachten. Er ist untragbar!
Manfred M., Erfurt
email vom 28. März 2006
Ich möchte Ihnen hiermit in Kenntnisnahme
des Artikels über die Störung Ihrer Räumlichkeiten durch Ex-Stasi-Leute meine volle Unterstützung zusagen. Ich habe bereits im April
2003 Ihr Gelände besucht und es danach vielen weiterempfohlen, mal eine Führung zu
machen. Am 1.4. bin ich wieder bei einer Ihrer
Führungen, diesmal mit dem Bundestagsabgeordneten Christian Carstensen. Machen Sie
weiter so und lassen Sie sich nicht von so ein
paar Alt-Stasi-Menschen stören. Ihre Aufgabe
ist für die Bewältigung der deutschen
Geschichte Gold wert.
Sascha Schultz, Jusos, Hamburg
email vom März 2006
Am vergangenen Samstag habe ich an einer

Ihrer Führungen mit meiner grünen Reisegruppe (MdB Höhn) teilgenommen und war sehr
bewegt von den Erläuterungen der Referentin.
Die Gräueltaten der SED-Diktatur sind den
meisten West-Deutschen (wie mir) wahrscheinlich in diesem Ausmaß gar nicht
bewusst - um so wichtiger ist Ihre Arbeit, die
ich soeben mit einer Spende unterstützt habe.
Ihre Arbeit schätze ich umso mehr, nachdem
ich nach meiner Rückkehr die unsäglichen
Anfeindungen und Dreistigkeiten der ehemaligen Stasi-Offiziere und ihrer PDS-Handlanger
im Internet verfolgt habe.
Bernd L., Gladbeck
email vom 9. Mai 2006
Das Konzept "Zeitzeugen statt Schaukästen
und Infotafeln" überzeugt. Macht weiter so.
Thomas S., Ulm
email vom 15. Juni 2006
Vielen Dank für die gute Gestaltung und für
die eindrucksvolle Führung durch das Gelände.
Uwe R., Göttingen (Mitarbeiter KZ-Gedenkstätte Moringen / Landkreis Northeim)
Gästebucheintrag vom 19. Juni 2006
Vielen Dank für all das Engagement, das die
ehemaligen Häftlinge aufbringen. Für mich
war es die beeindruckendste und erschütternste Führung seit derjenigen im KZ Auschwitz
im April 1989.
Lars S., Hamburg
Gästebucheintrag vom Juni 2006
Unglaublich, dass die ehemaligen
Anhänger ungestraft davon kommen!
Katja P.
Gästebucheintrag vom 7. Juli 2006

Stasi-

Seit gestern haben meine Frau und ich nur ein
Gesprächsthema: Die Führung durch die
Gedenkstätte Hohenschönhausen. Mario (ich
bitte zu entschuldigen, dass mir der Nachname nicht mehr geläufig ist) hat uns an seinen
Erfahrungen und Erlebnissen in einer äußerst
authentischen Art und Weise teilnehmen lassen.
Steffen S.
email vom 6. August 2006
Ich werde dafür kämpfen, dass das so viele
Menschen wie möglich erfahren und werde
wählen, damit das nie wieder passiert! Es ist
eine Schande, was diese Verbrecher nun noch
in Politik zu sagen haben!
Michaela S.

81

82

Anhang

Gästebucheintrag vom 31. August 2006

Politiker

Der Besuch der Gedenkstätte Hohenschönhausen ist weiterhin eine gute Gelegenheit,
die Bürgerinnen und Bürger aus Hamburg
über die Methoden der SED Diktatur aufzuklären und ihnen somit die jüngste deutsche Vergangenheit näher zu bringen. Ich stimme
Ihnen zu, dass durch Ihre sehr wertvolle Arbeit
zusammen mit Betroffenen die zum Teil
erschreckende Unkenntnis über die jüngste
Vergangenheit abgebaut werden kann.
Johannes Kahrs, MdB, Berlin
Brief vom 26.Oktober 2005
Gemeinsam mit Ihnen und vielen anderen
kämpfe ich gegen das Vergessen der StasiVergangenheit.
Otto Bernhardt, MdB, Berlin
Brief vom 27. Oktober 2005
Ihre Führungen gehören für mich zum festen
Bestandteil unserer Besucher-Reisen.
Bernd Scheelen, MdB, Berlin
Brief vom 27. Oktober 2005
Ich kann nur bestätigen, dass die Besucher
jedes Mal tief beeindruckt sind von der Brutalität des "real existierenden Sozialismus".
Wolfgang Götzer, MdB, Berlin
Brief vom 27. Oktober 2005
Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihrer wichtigen Arbeit.
Volker Beck, MdB, Berlin
Brief vom 28. Oktober 2005
Schon mehrfach habe ich von Bürgern aus
meinem Wahlkreis, die Ihre Gedenkstätte
besuchten, gehört, wie angetan diese von
Ihrer Arbeit gewesen sind. Ihre Mitarbeiter
und Sie leisten einen höchst wichtigen Beitrag
zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und gegen
das Vergessen des von ihr so vielfältig begangenen Unrechts.
Michael Luther, MdB, Berlin
Brief vom 2. November 2005
Als Mitglied des Ausschusses für Kultur und
Medien ist mir die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen ein Anliegen. Ich biete vielen
Selbstzahler-Gruppen aus meinem Wahlkreis
eine Führung in der Gedenkstätte an. Sie zahlen den Eintritt gerne, da sie sehr beeindruckt

von den Ausführungen über die Geschichte
des Hauses sind.
Renate Blank, MdB, Berlin
Brief vom 9. November 2005
Die Nachdenklichkeit der Besucher zeigt jedes
Mal, wie wichtig das Erinnern und Informieren
ist. Dabei werden von den Besuchern insbesondere die ehrlichen und bewegenden Führungen durch die ehemaligen Häftlinge gelobt.
Maria Eichhorn, MdB, Berlin
Brief vom 11. November 2005
Die Reaktion der Teilnehmer an Führungen
durch die Anlage des ehemaligen Untersuchungsgefängnisses haben mir gezeigt, dass
der Besuch einen ganz tiefen Nachhall findet
und das Erlebte der dort Inhaftierten begreifbar macht. Deshalb werde ich auch in der
neuen Legislaturperiode gerne Ihr hervorragendes Informationsangebot für meine Besuchergruppen nutzen.
Monika Brüning, MdB, Berlin
Brief vom 11. November 2005
Freiheit und Demokratie bieten uns die Chance der Aufarbeitung dieser Diktaturvergangenheit und wir müssen an die junge Generation
dieses Wissen vermitteln. Den Opfern gilt
mein besonderer Respekt.
Dieter Althaus, Ministerpräsident des Freistaates Thüringen
Gästebucheintrag vom 7. März 2006
Der dreiste Versuch ehemaliger Stasi-Mitarbeiter, unter einem Vereins-Tarnnamen Schulen
schriftlich aufzufordern, keine DDR-Gedenkstätten mehr zu besuchen, darf nicht hingenommen werden! Noch gut im Gedächtnis ist
die jüngste Veranstaltung dort zur geplanten
Dokumentation des ehemaligen Sperrgebiets,
als ca. 200 Ex-Stasi-Beschäftigte offen in
Erscheinung traten; ehemalige Häftlinge wurden von ihren damaligen Peinigern verbal eingeschüchtert - der anwesende Berliner PDSKultursenator schwieg. Die Vorfälle beweisen:
die "grauen Herren" treten immer selbstbewusster und ohne eine Spur von Unrechtsbewusstsein auf und bezeichnen Schilderungen
über den Stasi-Knast ungeniert als Lügen.
Abgesehen von politischen Konsequenzen,
muss dieser Skandal dazu führen, dass die
Gedenkstätte noch bekannter, die Aufarbeitung noch mehr vorangetrieben wird. Ich
appelliere daher an alle Bundestagskollegen
sowie alle Vereine, Verbände, Kirchengemeinden und insbesondere Schulen aus der
Region, sich nicht einschüchtern zu lassen und

Anhang

83

den Besuch in Hohenschönhausen in die
Besuchsprogramme bei Berlin-Fahrten einzuplanen! Wir dürfen 16 Jahre nach der Deutschen Einheit den Geschichtsfälschern, die
sich im Zuge einer "Ostalgie-Welle" vermeintlich im Aufwind wähnen, nicht das Feld überlassen. Die Verbrechen der Stasi dürfen nicht
unter den Teppich gekehrt werden!
Renate Blank, MdB
Pressemitteilung vom 5. April 2006 "Kampf
der Stasi-Geschichtsfälschung!"
Wie wichtig mir der Kampf gegen Diktaturen
und den Extremismus von Rechts und Links
ist, wird auch dadurch deutlich, dass meine
Besuchergruppen aus Hamburg sowohl das
Holocaustmahnmal als auch die Gedenkstätte
Hohenschönhausen besuchen. Nach dem
schrecklichen rassistischen Überfall von Potsdam habe ich stets betont, dass auch Linksextremismus und politischer Islamismus
bekämpft werden muss.
Niels Annen, MdB, Berlin
Brief vom 9. Mai 2006
Obwohl die jährlich mehr als 200 Mitreisenden aus den beiden mittelsächsischen
Bundestagswahlkreisen entweder schon in
der DDR groß geworden sind oder wenigstens etwas von diesem Staat gehört haben,
ist der Eindruck, den die Gedenkstätte hinterlässt, regelmäßig tiefgehend und löst stets
eine Reihe von Diskussionen aus. Das liegt
auch an den ausgesprochen guten Führungen
und an den hervorragenden Referenten.
Dieter-Peter Jahr, MdB
email vom 15. November 2006

Zeitzeugen

Ich war hier, als Sohn von ehemaligen HA-MfS
[hauptamtlichen MfS-Mitarbeitern], die hier
gearbeitet haben. War 1979-1980 in .... [im
Gefängnis], weil ich nicht an ihre "Welt" glaubte. Musste kommen, um ihre Arbeit zu sehen.
Ralf
Gästebucheintrag vom 10. Februar 2005
Viele Wunden sind wieder aufgerissen!
Sigrid K.
Gästebucheintrag vom 18. März 2005
Ich, als ehemaliger Häftling des MfS (Chemnitz), sage Danke für die überaus bewegende
Führung.
Andrej F.
Gästebucheintrag vom 11. Juni 2005

In Gedenken an Alfred Schwedersky geb. 23.
Sept. 1888. Hier gestorben am 24. Sept. 1945.
Enkelsohn Dietmar S.
Dietmar S.
Gästebucheintrag vom 29. Juni 2005
Ich hoffe, dass es auch für mich, als Tochter
eines 1987 an der Berliner Mauer erschossenen Flüchtlings, irgendwann die Möglichkeit
gibt, Aufklärungsarbeit und Vergangenheitsbewältigung in der Öffentlichkeit zu betreiben.
Viktoria S., Dresden
email vom 14. November 2005
Nach dem 2. Weltkrieg ist mein Opa aus seiner Wohnung geholt worden, von der sogenannten Polizei damals 1945! Er war Finanzbeamter und wurde denunziert. Ob er auch hier
war? In Sachsenhausen war er und kam von
dort aus nach Buchenwald. Am 14.7.1947 ist er
dort gestorben.
Ich sage nur: "Nie wieder"!
Klaus-D., Berlin
Gästebucheintrag vom 2. Februar 2006
Es ist alles genauso geschehen, nichts dazu
"gedichtet". Man sollte solch eine Führung zur
Pflicht machen für alle ehemaligen DDR-Bürger, welche bewusst die DDR noch erlebt
haben, damit endlich Schluss ist mit dieser
erbärmlichen "Ostalgie".
Christa T., 1980/81 in Haft in Hohenschönhausen, München
Brief vom 15. März 2006
Nach der Verabschiedung der Kids stand ich
mit dem Besucher vor dem Haupttor. Dort
brach er in einen Weinkrampf aus. Ich fragte
ihn, was los ist. Er sagte: "Du wirst mich jetzt
sicher hassen. Ich war hauptamtlicher Mitarbeiter. Ich wollte mich davon befreien und die
haben mich eingesperrt." Er konnte kaum
noch reden und weinte nur. Er bestätigte mir
auch, das alles richtig war, was ich den Schülern erzählte. Auch über den Film. Ich habe ihn
einfach in den Arm genommen und er hat sich
an mir festgehalten.
Jürgen Breitbarth, Besucherreferent
Brief vom 30. März 2006
Es ist für mich sehr bewegend, diese Zellen zu
betreten, in denen ich 1976 sechs Monate
meines Lebens verbracht habe, und die Riegel
selbst von außen zu schließen! Ich danke allen
Mitarbeitern und Förderern, die sich für die
Erhaltung der Gedenkstätte einsetzen.
Jutta Sacher-W.

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Anhang

Gästebucheintrag vom 10. April 2006
Es hat mich sehr bewegt, da ich selber von
August 1986 bis Dezember hier eingesessen
habe. Und anschließend nach Bautzen II
gebracht wurde.
Roswitha H., Düsseldorf
Gästebucheintrag vom 17. Juli 2006

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Bildnachweis

Bildnachweis

Impressum

Herausgeber
Stiftung Gedenkstätte
Berlin-Hohenschönhausen
Genslerstraße 66
13055 Berlin
Telefon +49 30 - 98 60 82 401
Telefax +49 30 - 98 60 82 464
info@stiftung-hsh.de
www.stiftung-hsh.de
Herstellung und Redaktion
Silke Bauer, Andreas Borsch
Druck

© Stiftung Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen

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