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Full text: Jahresbericht Berlin braucht dich! Issue 2015

Jahresbericht 2015
Neue Zugänge in die Ausbildung erproben

Jahresbericht 2015

Der vorliegende Jahresbericht für 2015 wurde am
26.05.2016 im Koordinierungsgremium des Konsortiums Berlin braucht dich! diskutiert und verabschiedet. Zum Koordinierungsgremium gehören:
INancy
I
Boy-Seifert, Der Polizeipräsident in Berlin;
ISabine
I
Dopke, Berliner Verkehrsbetriebe;
ISabine
I
Drochner, Zuckmayer-Schule;
IReinald
I
Fischer, Liebig Schule;
ISabine
I
Funk, Theodor-Heuss-Gemeinschaftsschule;
ISünne
I
Espert, Berliner Wasserbetriebe;
ICharlotte
I
Kruhøffer, Vivantes;
IElke
I
Lube, Vivantes;
IAndrea
I
Orhan, Bezirksamt von Neukölln in Berlin;
IVirginia
I
Scharkowsky, Berliner Stadtreinigung;
IFulya
I
Sonnenschein, Vivantes;
IKarl
I
Heinz Wanninger, Senatsverwaltung für Inneres
und Sport
Gegenstand des Berichts
Der Bericht stellt zunächst das Vorhaben Berlin
braucht dich! sowie seine Weiterentwicklung im Jahr
2015 dar und skizziert die Perspektiven für 2016.
Er ist wie folgt gegliedert:

2

Berlin braucht dich!

Vorbemerkung: Ziel und Auftrag von Berlin braucht
dich!?
1.	 Von Phase I zur Phase II von Berlin braucht dich!
(2005-2015)
2. BQN Berlin e.V. und das Team von Berlin braucht
dich!
3.	Sechs zentrale Handlungsbedarfe im Jahr 2015
3.1. Ausbau des „Systems von Betriebsbegegnun-		
gen“ im Rahmen des Berlin braucht dich! Konsortiums
•	 Die Entwicklung der Angebote für Schüler/innen
•	 Neue Angebote an Betriebsbegegnungen sowie
Akquise neuer Betriebe
•	 Matchingtool
•	 Sicherung und Erweiterung von Berlin braucht
dich! in der Metall- und Elektroindustrie (M&E)
3.2. Betriebs- und Schulbegleitung und -beratung zur
interkulturellen Öffnung der Berufsorientierung und
der dualen Ausbildung
•	 Entwicklungen in den Berlin braucht dich!
Betrieben
•	 Entwicklungen in den Berlin braucht dich! Schulen
•	 Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit
3.3. Optimierung der 4. Stufe für einen erfolgreichen
Übergang in Ausbildung
3.4. Ausarbeitung und Veröffentlichung der entwickelten Instrumente von Berlin braucht dich! für den
Transfer in der Phase III

3.5. Konsolidierung und Weiterentwicklung des
Berlin braucht dich! Konsortiums
3.6. Die Berlin braucht dich! Statistik: Berliner
Entwicklung der neueingestellten Auszubildenden
bzw. Studierenden mit Migrationshintergrund
4.	Fazit und Ausblick
Vorbemerkung: Ziel und Auftrag von Berlin
braucht dich!
Im Auftrag des Berliner Integrationsbeauftragten
verfolgt BQN Berlin gemeinsam mit Schulen und Betrieben im Rahmen von Berlin braucht dich! das Ziel,
qualitativ hochwertige Ausbildung stärker für Jugendliche aus Familien mit Einwanderungsgeschichte bzw. mit direkter (Flucht-)Migrationserfahrung zu
öffnen. An dualer Ausbildung interessierte Schüler/
innen mit Migrationshintergrund sollen befähigt
werden, den für sie „richtigen“ Ausbildungsberuf zu
finden und den Bewerbungsprozess erfolgreich zu
durchlaufen. Die Einmündung in die Ausbildung ist
der „Prüfstein“ der schrittweisen Heranführung an
die Arbeitswelt. Berlin braucht dich! steuert unter
Mitwirkung der Beteiligten den Prozess des Aufbaus
von auf Dauer angelegten Strukturen, die es Schüler/
innen mit Migrationshintergrund ermöglichen, erfolgreich in Ausbildung anzukommen.
1. Von Phase I zur Phase II von Berlin braucht
dich! (2005-2015)
Die Erfahrungen der Phase I (2006-2010), die
als Kampagne des Öffentliches Dienstes startete,
führten zu einer zentralen Erkenntnis, die für einen
Wandel in der Phase II sorgte: Die Kampagne setzte
„nur“ jenen Teil der Jugendlichen in Bewegung, die
schon „in den Startlöchern“ standen. D.h. jene, die
schulisch gut waren und in das Bild passten, das
Betriebe von Auszubildenden erwarteten. Für die
Ausrichtung der Phase II war es integrationspolitisch
von zentraler Bedeutung, alle Jugendlichen zu
erreichen und die Hindernisse abzuschwächen
oder aus dem Weg zu räumen, die einen Zugang
zur dualen Ausbildung verhinderten. Dies ist kein
Automatismus, sondern hierfür müssen Zugänge zu
qualifizierten Betrieben und zur Ausbildung systematisch und bedarfsgerecht gestaltet werden.

Jahresbericht 2015

Ins Zentrum rückten die Bedeutung von Betriebsbegegnungen, also das Lernen, Ausprobieren und sich
Erproben im Betrieb, und ihre zielgruppengerechte
Qualität im Rahmen einer systematischen Berufsorientierung. Dadurch werden Schulen und Betriebe
zu Türöffnern in die Ausbildung, wobei die Betriebe
immer mehr als Bereitsteller von Betriebsbegegnungen gefragt sind. In jedem Schuljahr ab Klasse 7
bis Klasse 10 wird in den Partnerschulen von Berlin
braucht dich! der Lern- und Erfahrungsort Betrieb
zugänglich gemacht und zwar: interkulturell sensibel, in guter Qualität, und nicht zufällig, sondern
gezielt und regelmäßig.

Mit umfangreichem fachlichen Input von BQN
ist ein praktikabler Werkzeugkasten entstanden
und so weit erprobt worden, dass er seit Ende
des Jahres 2015 insgesamt für Berufsorientierung in Berlin zur Verfügung stehen kann: u.a.
gehören dazu Matching-Tool, Handlungshilfen
für interkulturell sensible Betriebsbegegnungen,
über 30 Berufsorientierungsfilme mit hohen
Klickzahlen, Begleitbögen zur Bewertung von
Praktika, Methoden der direkten Arbeit mit
Schülerinnen und Schülern und nicht zuletzt
erfolgreiche Regeln und Arbeitsweisen für die
Zusammenarbeit zwischen Betrieben und
Schulen (Konsortialarbeit).

Dieses Lernen im Betrieb in unterschiedlichen Formaten – je nach Alter der Schüler/innen bzw. nach
Jahrgangsstufe – nennen wir Qualifizierte Vierstufigkeit1, die in das Landeskonzept der Berliner Berufs- und Studienorientierung eingebracht werden
konnte.
Zu Beginn der Phase II (2011-2015) wurde das
Berlin braucht dich! Konsortium als Netzwerk
gegründet. Es besteht heute im Jahr 2015 aus 25
Schulen und über 60 Unternehmen, die gemeinsam
an einer besseren – auch interkulturellen – Gestaltung des Übergangs von der Schule in die Arbeitswelt arbeiten. Beim Konsortium handelt es sich
keineswegs nur um eine „Matching-Maschine“ für
Betriebsbegegnungen, sondern vor allem um einen
Raum der Annäherung zwischen zwei einander bis
dato sehr fremden Welten: der Welt der Schule und
der Welt der Betriebe. Hierin liegt – von heute aus
betrachtet – der größte Mehrwert der Konsortialbildung. Dieser Konsortialansatz ist es auch, der später
die Metall- und Elektroindustrie veranlasste, dem
Vorhaben Berlin braucht dich! beizutreten. Gewerkschaften wie Arbeitgeber erwarteten und erwarten
sich hiervon wichtige Impulse für die notwendige
Nachwuchsgewinnung.
Zwischen den beteiligten Schulen und Betrieben
wurde ein System von Betriebsbegegnungen im
Rahmen der Berufsorientierung ab Klasse 7 aufgebaut, das immer stärker zur Qualifizierten Vierstufigkeit weiter entwickelt abgerundet wird. 2014
gab es schon über 2.000 pädagogisch gestaltete
Betriebsbegegnungen, die von den Betrieben angeboten wurden. Im Jahr 2015 waren es bereits über
3.000 Betriebsbegegnungen.
1 Die Qualifizierte Vierstufigkeit ist ein „System von Betriebsbegegnungen“ in den Klassenstufen 7-10, das von den
Betrieben angeboten wird und in seiner Vorbereitung und
Nachbereitung in den schulischen Alltag der Berufsorientierung verankert ist. Das System beruht auf dem Konzept des
schrittweisen Aufbaus der Berufswahlkompetenz der Schüler/
innen bis hin zur selbstbestimmten Entscheidungsfähigkeit
hinsichtlich der eigenen beruflichen Interessen und Kompetenzen.

Berlin braucht dich!

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Die angebotenen Diversity-Trainings für
Betriebe und Betriebsvertreter/innen sowie
die Diversity orientierten KompetenzaufbauWorkshops für Lehrkräfte und Akteure/innen
der Berufsorientierung ermöglichen eine praktische Form des Lernens und Verinnerlichens
des Diversity-Ansatzes in Verbindung mit den
Zielen und Ansätzen von Berlin braucht dich!
Ein weiterer Effekt ist die größere Identifikation
von Partnern mit dem Konsortium. Mit diesen
Formaten wird somit die Gesamtstrategie in
Berlin braucht dich! an der Schnittstelle zur
interkulturell sensiblen Berufsorientierung und
der Interkulturellen Öffnung unterstützt.

Jahresbericht 2015

Im Jahr 2015 rückte folgende Erkenntnis immer
stärker in den Vordergrund: Gerade für die Schüler/
innen aus Schulen, die in Berlin braucht dich! mitarbeiten, ist es trotz großer Schritte, die sie im Rahmen der Betriebsbegegnungen auf die Ausbildung
zu machen, besonders schwierig, tatsächlich einen
Ausbildungsplatz zu erhalten. Angesichts der Risikolagen, die sich in diesen Schulen addieren und kumulieren, ist dies zunächst nicht verwunderlich. Hierzu
gehört der sozial-strukturelle Hintergrund, der neben
anderen Faktoren dazu führt dass auch an solchen
Schulen, die mittlerweile über ein ausgebautes System
von Betriebsbegegnungen verfügen, die Eintritte in
ungeförderte Ausbildung noch niedrig sind. Dies zu
ändern wird eine wesentliche Herausforderung der
Phase III sein.

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Erste Erfolge zeigen sich bereits an Schulen, an denen
durch die mit den Betrieben abgestimmten Aktivitäten Jahr für Jahr mehr Schulabgänger/innen eine
Ausbildung beginnen. Während Jugendliche aus
Familien mit Einwanderungsgeschichte mit guten
Schulabschlüssen immer mehr in Ausbildung gelangen und dies noch optimiert werden kann, bleiben
andere zurück. Erforderlich ist also eine verstärkte
Konzentration darauf, für Jugendliche in kumulierten
Risikolagen, die häufig in Zusammenhang mit der
Einwanderungsgeschichte ihrer Familien stehen, Wege
in Berufsausbildung und selbständige Lebensführung
zu bahnen.
Einige Schlüsselunternehmen des Konsortiums haben
sich ab der zweiten Hälfte 2015 regelmäßig getroffen, um gemeinsam Maßnahmen zu entwickeln und
umzusetzen, die die Zahl der Jugendlichen aus Berlin
braucht dich! Schulen, die in der dualen Ausbildung
ankommen, eindeutig zu erhöhen. Gesellschaftliche
Teilhabe und Chancen zur individuellen Persönlichkeitsentwicklung stehen hier im Zentrum.

Die enge und stabile Zusammenarbeit im Konsortium von Schulen und Betrieben, moderiert von BQN
Berlin, und die Nutzung des erprobten „Werkzeugkastens“ sind gute Voraussetzungen, damit sich auch für
viele dieser Jugendlichen bald aussichtsreiche berufliche Perspektiven eröffnen.

2. BQN Berlin e.V. und das Team von Berlin
braucht dich!
BQN Berlin hat die Aufgabe der konzeptionellen
Entwicklung und Moderation der Umsetzungsprozesse und der Flankierung der Zusammenarbeit im
Konsortium. Zur Umsetzung des Auftrages kam 2015
ein Team aus 14 Mitarbeitern/innen zum Einsatz.
Neben dem zweiköpfigen Verwaltungsteam ist zur
inhaltlichen und fachlichen Umsetzung des Projekts
über mehrere Jahre ein wissenschaftliches Team mit
vielfältigen Ausbildungen und Expertisen in folgenden Bereichen aufgebaut worden: Berufspädagogik,
Betriebssoziologie, Psychologie, Politikwissenschaften,
Berufsorientierung, Integrations- und Migrationsforschung und Diversity. Beim Aufbau des Teams standen
die Kompetenzen und die Interdisziplinarität im
Vordergrund, die für die großen Herausforderungen
der Handlungsfelder erforderlich sind. Der bosnische,
marokkanische, persische und türkische Migrationshintergrund von 50% der Teammitglieder bereichert
das Team durch ihre Vielfalt. Das Geschlechterverhältnis w/m ist 9:5 (64,2%:35,8%). Das Team wurde
von zwei Praktikantinnen unterstützt und durch den
Experten Dr. Wilfried Kruse wissenschaftlich begleitet
und beraten.

3. Sechs zentrale Handlungsbedarfe im Jahr
2015

3.1. Ausbau des „Systems von Betriebsbegegnungen“ im Rahmen des Berlin braucht
dich! Konsortiums
Im Rahmen des Berlin braucht dich! Konsortiums
wirken Anfang 2015 25 Schulen und 60 Unternehmen
aktiv mit und übernehmen gemeinsam Verantwortung
für eine bessere Gestaltung des Übergangs von der
Schule in die Arbeitswelt. Weiterhin bedarf es auf der
qualitativen Ebene der Konsolidierung eines abgestimmten und systematischen Vorgehens von Schulen
und Betrieben, um ein „System“ von attraktiven und
altersgerechten Betriebsbegegnungen für die Schüler/
innen der Jahrgangsstufen 7 bis 10 zu verankern.

Berlin braucht dich!

Jahresbericht Berlin braucht dich! 2015

Es geht darum, eine Berufswahlkompetenz bei
Schülern/innen schrittweise und übergangssichernd
von Klasse 7 bis 10 über das Lernen im Betrieb
aufzubauen. Dies verfolgt Berlin braucht dich! über
die Verankerung von Betriebsbegegnungen und
unterstützenden Maßnahmen (u.a. betriebliche
Direktansprache und Einsatz eines VME-Infomobils)
sowie eine enge Schul- und Betriebsbegleitung.
Auf der qualitativen Ebene verfolgt Berlin braucht
dich! bei allen beteiligten Betrieben der drei Sektoren (Öffentlicher Dienst, Betriebe mit Landesbeteiligung und die Metall- und Elektroindustrie) eine
Erhöhung des Angebots an Betriebsbegegnungen
zur Konsolidierung und Absicherung der Qualifizierten Vierstufigkeit sowie den Transfer auf neu akquirierte Betriebe. Qualifizierte Vierstufigkeit bedeutet
kurzgefasst ein abgestimmtes und systematisches
Vorgehen von Schulen und Betrieben im schrittweisen Ausbau von attraktiven und altersgerechten
Betriebsbegegnungen von der Jahrgangsstufe
7 bis 10.

Darüber hinaus arbeitet Berlin braucht dich! an
der Aufnahme ausgewählter neuer Integrierter
Sekundarschulen, die sich durch sehr geringe
Übergänge in berufliche Ausbildung auszeichnen. Die niedrige Quote an Schulabgängern/
innen, die sich nach der 10. Klasse für eine
berufliche Ausbildung entscheiden bzw. bei der
Suche nach einem Ausbildungsplatz erfolgreich
waren, findet sich gerade in den Integrierten
Sekundarschulen Berlins, die sich durch einen
hohen Anteil an Schüler/innen aus Familien mit
Einwanderungsgeschichte auszeichnen (in den
Schulen wird dies über das Kriterium nichtdeutsche Herkunftssprache gezählt). Insgesamt
wurden fünf weitere Integrierte Sekundarschulen identifiziert, die die Kombination aus
geringen Übergängen und einem hohen Anteil
der Schülerschaft mit Migrationshintergrund
aufweisen und für das neue Schuljahr 2015/16
in das Berlin braucht dich! Konsortium aufgenommen werden sollen.
Diese sind: Ernst-Reuter-Oberschule, ErnstSchering-Schule und Willy-Brandt-Oberschule
in Mitte, sowie Lina Morgenstern-Oberschule
und Hector Petersen Schule in FriedrichshainKreuzberg.

Berlin braucht dich!

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Jahresbericht 2015

Der aktive Kreis der Berlin braucht dich! Schulen
konnte um eine weitere Schule (1. Gemeinschaftsschule Schöneberg) erweitert werden; nachdem
die Grundlagen an der Schule (Einrichtung einer
BO(Berufsorientierungs)-Runde, Eintrag im Matchingtool, eine feste Kontaktperson pro Jahrgang), arbeitet
die Schule ab Beginn des neuen Schuljahres 2015/16
aktiv im Netzwerk mit.
Grundlage des Ausbaus des „Systems von Betriebsbegegnungen“ im Sinne der Qualifizierten Vierstufigkeit
ist das Angebot und die Durchführung von Betriebsbegegnungen. Diese wurden im Öffentlichen Dienst, bei
den Betrieben mit Landesbeteiligung und Betrieben
der Metall- und Elektroindustrie in allen vier Betriebsbegegnungsarten – Betrieblicher Erstkontakt, Schnupperpraktikum, Betriebspraktikum und Bewerbertage
– durchgeführt.
Die Entwicklung der Angebote für
Schüler/innen
Im Berichtszeitraum vom 01.Januar bis zum 31. Dezember 2015 nahmen 3.086 Berliner Schülerinnen und
Schüler an den angebotenen Betriebsbegegnungen
teil. Auf die verschiedenen Angebote verteilen sich die
Plätze wie folgt:

Betriebliche Direktansprache: Zur Vorbereitung und
Unterstützung der Betriebsbegegnungen fanden im
Berichtszeitraum sieben betriebliche Direktansprachen
in Partner-Schulen statt. Drei davon waren schulübergreifend und umfassten jeweils Schüler/innen aus drei
Schulen. Insgesamt wurden 1.336 Jugendliche aus den
Jahrgangsstufen 8, 9, 10 und 12 erreicht mit einem
Angebot an Workshops aus allen vier Berufsfeldgruppen.
VME-Infomobil: Eine weitere Maßnahme zur Unterstützung der Betriebsbegegnungen ist der Einsatz des
VME-Infomobils im Rahmen der Kooperation mit dem
Verband der Metall- und Elektroindustrie BerlinBrandenburg (VME): Von den Angeboten profitierten
im Gesamtzeitraum insgesamt 373 Schüler/innen.
Neue Angebote an Betriebsbegegnungen sowie
Akquise neuer Betriebe
Hinsichtlich der quantitativen Ausweitung des Angebotes hat BQN Berlin e.V. seit Anfang Januar 2015 in
allen drei Sektoren, bei der Metall- und Elektroindustrie in Abstimmung mit VME und der IG Metall,
die Akquise neuer Betriebe gestartet. Kooperationsgespräche mit fünf neuen M&E Betrieben wurden
erfolgreich abgeschlossen:

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Tabelle: Übersicht über die Betriebsbegegnungen und weitere Angebote im Jahr 2015

Berlin braucht dich!

Jahresbericht! 2015

•	
•	
•	
•	
•	

G-Elit Präzisionswerkzeug GmbH,
Heidenhain-Microprint GmbH,
Menzel Elektromotoren GmbH
Profine GmbH
Hach Lange

Auch neue Betriebe des Öffentlichen Sektors
konnten für die Aufnahme von Betriebsbegegnungen interessiert werden, wurden methodisch vorbereitet und haben begonnen Betriebsbegegnungen
durchzuführen: Visit Berlin und das Nachbarschaftsheim Schöneberg wurden intensiv unterstützt,
die qualifizierte Vierstufigkeit im Berichtszeitraum
umzusetzen und erfolgreich zu erproben. Dadurch
konnte das vielseitige Spektrum an Berufsfeldgruppen über soziale Berufe und Berufe der Tourismusund Medienbranche erweitert werden.

Matchingtool
Im Jahr 2015 konnte durch die Implementierung des Matchingtools die direkte Kommunikation und die Abstimmungsprozesse zwischen
Schulen und Betrieben verbessert werden und
die Verbindlichkeit und Termintreue gesteigert
werden.
Für Betriebe stellt das Tool schon im ersten
Durchlauf eine deutliche Erleichterung dar.
Insgesamt ist auch die Resonanz seitens der
Schulen positiv, denn das Matchingtool erhöht
die Transparenz und erleichtert schulische Abstimmungs- und Planungsprozesse.
Für das Schuljahr 2015/16 wurden im Matchingtool insgesamt 4.640 Plätze für Betriebsbegegnungen für die Jahrgangsstufen 7 bis 10
nachgefragt, denen 1.153 angebotene Plätze
gegenüberstehen. Weiterhin wurden viele Angebote an Betriebsbegegnungen außerhalb des
Matchingstools vermittelt.

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Mit dem Matchingtools konnte im Jahr 2015 die direkte
Kommunikation und die Abstimmungsprozesse zwischen
Schulen und Betrieben nachhaltig verbessert werden.

Berlin braucht dich!

Jahresbericht 2015

Sicherung und Erweiterung von Berlin braucht
dich! in der Metall- und Elektroindustrie (M&E)
Die Ausbildung in der Metall- und Elektroindustrie soll
im Rahmen von Berlin braucht dich! noch stärker für
Jugendliche mit Migrationshintergrund geöffnet werden. Darauf einigten sich bei einem Spitzengespräch
Ende November 2015 der Integrationsbeauftragte des
Senats von Berlin, Andreas Germershausen, die Zweite
Bevollmächtigte der IG Metall Berlin, Regina Katerndahl und der Geschäftsführer der (Vereinigung) der
Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg,
Alexander Schirp. Die Partner waren sich über folgende Punkte einig:

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•	 Die Betriebe müssen verstärkt nach kreativen Möglichkeiten zu suchen, um Jugendlichen einen authentischen Einblick in betriebliche Realitäten zu ermöglichen.
•	 Alle beteiligten Betriebe sollten ihre Haltung
ändern: Zu warten, bis die besten, gut vorbereiteten und geeigneten Kandidaten kämen, sei nicht der
richtige Weg. Vielmehr sollten die Schüler/innen da
abgeholt werden, wo sie ständen.
•	 Die Quantität der Angebote bedürfe einer Steigerung, um das direkte Lernen im Betrieb einer breiteren
Masse von jungen Menschen zugänglich gemacht wird.
•	 Trotz aller Bemühungen blieben die Übergänge in
Ausbildung an den Schulen mit hoher Konzentration
von Jugendlichen in Risikolagen unbefriedigend.
von Statements bzw. Zitaten aus dem Konsortium
dienten.

3.2. Betriebs- und Schulbegleitung und -beratung zur interkulturellen Öffnung der Berufsorientierung und der dualen Ausbildung
Entwicklungen in den Berlin braucht dich! Betrieben
Über eine intensive Begleitung und Beratung der
Betriebe im Konsortium werden folgende Fortschritte
abgesichert:
•	 Die Anzahl der Plätze an Betriebsbegegnungen wird
erhöht und bestehende Lücken in der Vierstufigkeit
werden geschlossen. Dies geschieht zum einen über
die schrittweise Übernahme des Konzepts im Betrieb
sowie über betriebsübergreifende Modelle, wie die
Schnuppertournee oder den betriebsübergreifenden
Bewerbertag.

Berlin braucht dich!

•	 Die inhaltliche und methodische Umsetzung der
Betriebsbegegnungen wird optimiert.
•	 Die Begleitung der Betriebe stellt die Abläufe und
die interkulturell ausgerichteten Qualitätsstandards
des Kerngeschäfts Betriebsbegegnungen sicher und
arbeitet gemeinsam mit den einzelnen Betrieben an
Konzepten zur Bindung der geeigneten Schüler/innen
an den Betrieb sowie an dem erfolgreichen Eintritt in
Ausbildung.
Die fortlaufende Konsolidierung und Vernetzung von
Berlin braucht dich! innerhalb des jeweiligen Betriebs
wurde insbesondere durch den verstärkten Kooperationsaufbau mit betrieblichen Schlüsselpersonen sowie
regelmäßigen Auswertungsgesprächen zwischen BQN
Berlin und dem Betrieb erreicht.
Als zentrales Ergebnis der Betriebsgespräche und –
beratung kann festgehalten werden, dass die inhaltliche und methodische Umsetzung der Betriebsbegegnungen weiter optimiert werden konnte und zielorientiert über die Öffnung der dualen Ausbildung für
die Zielgruppe diskutiert wurde. Auf Leitungs- bzw.
Geschäftsführungsebene waren die Gespräche u.a.
mit den Geschäftsführer/innen der Berliner Wasserbetriebe, der Howoge, der Vizepräsidentin der Polizei,
der Leitung der Charité und Vivantes, der BSR und
der BVG für den Ausbildungsbereich zentral, um
ihre Vorreiterrolle in der Öffnung der dualen Ausbildung für Jugendlichen mit Migrationshintergrund im
Konsortium zu stärken. Vivantes entschied sich als
erster Betrieb des Konsortiums zu Beginn des neuen
Schuljahres 2015/16 dafür, eine festgelegte Anzahl an
Ausbildungsplätzen für Jugendliche aus Berlin braucht
dich! Schulen zu schaffen. Dabei wurde als zentrales
Auswahlkriterium ein erfolgreich abgeschlossenes
Betriebspraktikum festgelegt.
Ausgehend von Vivantes, als Vorreiterbetrieb innerhalb des Konsortiums, wurde ein intensiver Dialog angeregt und der Berlin braucht dich! Pilot „Neue Wege
in die Ausbildung“ ins Leben gerufen.
Entwicklungen in den Berlin braucht dich!
Schulen
Der Ansatz der Qualifizierten Vierstufigkeit von Berlin
braucht dich! wurde weiter an den aktiven Berlin
braucht dich! Schulen verankert. Zentral dafür ist die
enge Verzahnung mit allen an einer Schule wirkenden
Akteuren im BO-Bereich, d.h. insbesondere mit den
Trägern der BVBO und den Berufsberatern/innen und
Berufseinstiegsberatern/innen der Agentur für Arbeit.
Hierbei wird an den entwickelten Modellschul-Ansatz
angeknüpft und die Erfahrungen können transferiert
werden.

Jahresbericht 2015

Ziel dabei war es, einerseits Berlin braucht dich!
besser in der Schule zu verankern und andererseits
das betriebliche Lernen in Zusammenarbeit mit
Berlin braucht dich! und den BO-Trägern an der
Schule zu intensivieren. Neben der kontinuierlichen
Abstimmung der Berlin braucht dich! Aktivitäten
fokussiert sich das BQN-Schulteam verstärkt auf die
Verankerung der Berufsorientierung ab der 7. Klasse
im Sinne eines Lernen im Betrieb, auf die Gestaltung von Übergängen sowie der Weiterentwicklung
der akteursübergreifenden Kooperationen.
An den beiden Modellschulen wurde zusätzlich ein
Fortbildungsangebot für Lehrkräfte erprobt, das der
interkulturellen Sensibilisierung diente.
Kooperation mit der Bundesagentur für
Arbeit
Über die gemeinsame konzeptionelle Entwicklung
der schulübergreifenden Direktansprache als Pilot
in Berlin Mitte mit insgesamt sechs Schulen konnte
die Kooperation von Berufsberatung, der BVBO
und BQN Berlin initiiert werden: Im April fanden im
Bezirk Mitte zwei schulübergreifende Direktansprachen statt, an denen fünf Schulen des Bezirks beteiligt waren. Insgesamt konnten rund 330 Schüler/
innen erreicht werden.

3.3. Optimierung der 4. Stufe für einen
erfolgreichen Übergang in Ausbildung
Verstärkte Aufmerksamkeit erfährt seit Beginn
2015 die „Vierte Stufe“, die innerhalb des
Konsortiums neu konzipiert bzw. zielgerichteter umgesetzt wird: Ziel ist es, die 4. Stufe als
tatsächliche Brücke in Ausbildung auszubauen.
Es geht dabei zentral um den Übergang von
der 10. Klasse in die Ausbildung: Dabei steht
erstens die individuelle Begleitung der ausbildungsinteressierten Schüler/innen von der
Schule in die Ausbildung, zweitens die Schaffung von erleichterten Zugängen in Ausbildung
über das Angebot von Ausbildungsplätze für
die Berlin braucht dich! Zielgruppe und drittens
die Analyse und Optimierung bisheriger Auswahlverfahren und Instrumente im Vordergrund
der konzeptionellen Entwicklung innerhalb des
Berlin braucht dich! Konsortiums.

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Berlin braucht dich!

Jahresbericht 2015

Neben den regelmäßigen Gesprächen im Rahmen der
Betriebsbegleitung zur Optimierung der Betriebsbegegnungen fanden im Berichtszeitraum vier Treffen
der AG Optimierung von Organisationsabläufen statt,
die sich mit der 4. Stufe bzw. mit dem Bewerbertag,
als Übergang in die Ausbildung, beschäftigte. Auch in
einem der Workshops im Rahmen der 6. Konsortialtagung „Die vierte Stufe als Brücke zur Ausbildung“
stand dieses Thema im Zentrum.
Drei Ergebnisse konnten für den Bewerbertag herausgearbeitet werden:
1. Klärung des Ziels des Bewerbertages als ein Teil der
Vierten Stufe: Ausschließlich Schüler/innen, die an
einer dualen Ausbildung interessiert sind, sollen am
Bewerbertag teilnehmen. Diese ausgewählten Schüler/
innen sollen durch Schule und Betriebe bestmöglich
auf das Bewerbungsverfahren vorbereitet werden.

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2. Ein Bewerbertag, der sich ausschließlich an duale
Ausbildung interessierte Schüler/innen richtet, ist nur
sinnvoll, wenn dieser kurz vor Bewerbungsfristen /Einstellungstests stattfindet, z.B. November oder Dezember. Die von den Schülern/innen gemachten Erfahrungen und Empfehlungen der Betriebe dienen als direkte
Vorbereitung für die Echtbewerbung. Wichtig für die
Schüler/innen ist die Authentizität und Sinnhaftigkeit
des Ortes, d.h. der Durchführungsort solle am besten
dort sein, wo auch die Ausbildung stattfindet.

Mit umfangreichem fachlichen Input ist ein praktikabler Werkzeugkasten entstanden und so weit erprobt
worden, dass er seit Ende des Jahres 2015 insgesamt
für Berufsorientierung in Berlin zur Verfügung stehen
kann: u.a. gehören dazu Matching-Tool, DiversityTrainings für Ausbilder/innen, Ausbildende und Auszubildende, Handlungshilfen für interkulturell sensible
Betriebsbegegnungen, über 30 Berufsorientierungsfilme, Begleitbögen zur Bewertung von Praktika,
Methoden der direkten Arbeit mit Schülerinnen und
Schülern und nicht zuletzt erfolgreiche Regeln und
Arbeitsweisen für die Zusammenarbeit zwischen
Betrieben und Schulen (Konsortialarbeit).

3.5. Konsolidierung und Weiterentwicklung des
Berlin braucht dich! Konsortiums
Ein gut funktionierendes Netzwerk braucht Gremien,
AGs und weitere Veranstaltungen, um einen aktiven
Austausch und eine langfristige Zusammenarbeit
und Prozessentwicklung zu gewährleisten. Das Berlin
braucht dich! Konsortium hat dafür folgende Instrumente entwickelt:
Das Koordinierungsgremium (KooG) ist das Steuerungsgremium des Berlin braucht dich! Konsortiums
mit Fokus auf den öffentlichen Sektor, sein Pendant
ist der Steuerungskreis für die M&E Betriebe. Beide
Gremien sichern die Handlungs- und Entscheidungsfähigkeit von Berlin braucht dich! ab.

3. Die vierte Stufe wird von Schule und Betrieben
als die Periode angesehen, wo gemeinsam zielorientiert daran gearbeitet wird, dass die Schüler/innen
so realistische Chancen wie möglich erhalten, einen
Ausbildungsvertrag zu unterschreiben. Dafür werden
in Kooperation unterschiedliche Maßnahmen angeboten: Wie Informationsveranstaltung zu Direktansprache und Bewerbertag, betriebliche Direktansprachen
in der Schule, individuelle abgestimmte Vorbereitung
ausgewählter Schüler/innen und Bewerbertage, die
als passgenaue Unterstützung für die Echtbewerbung
durchgeführt werden.

3.4. Ausarbeitung und Veröffentlichung der
entwickelten Instrumente von Berlin braucht
dich! für den Transfer in der Phase III
Das neue Berlin braucht dich! Magazin erschien im
Dezember 2015 unter dem Titel „Gut Ankommen in
der Ausbildung“. Die Beiträge, Interviews und BestPractice Beispiele spiegeln die Erfahrungen des integrationspolitischen Leitprojekts Berlins aus den letzten
10 Jahren wider. Ansätze werden beschrieben, mit denen das Ankommen in der Ausbildung besser gelingt
und mehr gleichberechtigte Teilhabe am Erwerbsleben
für Jugendliche aus Familien mit Einwanderungsgeschichte möglich wird.

Berlin braucht dich!

Siehe: http://www.berlin-braucht-dich.de/ueber-bbd/
publikationen/

Jahresbericht 2015

Auf den zweimal jährlich tagenden Transferforen
sowie auf der jährlichen Konsortialtagung, auf denen
alle Partner der operativen Ebene zusammenkommen, werden Entwicklungen und Entscheidungsprozesse dargestellt und richtungsweisende Beschlüsse
diskutiert. Zu zentralen Themen und strategischen
Fragen der Neuausrichtung werden spezifisch ausgerichtete Arbeitsgruppen eingesetzt. Schwerpunkte
der Treffen im Jahr 2015 waren die Gründung einer
Strategie AG zur integrationspolitischen Ausrichtung
des Konsortiums, die Planung der Konsortialtagung
und die Weiterentwicklung der Optimierungs-AG.
Seit Beginn 2015 wird verstärkt über die Vierte Stufe
als Brücke in Ausbildung diskutiert. Zentral dabei ist
die Erkenntnis, dass die Konsolidierung des Systems
an Betriebsbegegnungen im Sinne der Qualifizierten
Vierstufigkeit nicht automatisch ein Schlüssel zur
Ausbildung für die Schüler/innen darstellt. Ansätze
über eine assistierte Begleitung der an Ausbildung
interessierten Jugendlichen (u.a. Mentorenprogramm), über Einstellungstest in Betrieben und ihre
Transformation sowie über Beratungseinheiten zur
interkulturellen Öffnung von Schulen und Betrieben
wurden in den Blick genommen.
Der erste Strategie-Workshop 2015 mit dem Titel
„Tun wir das Richtige?“ fand im April 2015 statt.
Vertreter/innen aus dem Koordinierungsgremium diskutierten über eine zukünftige strategische
Ausrichtung von Berlin braucht dich!. Die Frage nach
Ausbildungskorridoren und der Begleitung beim
Übergang Schule –Beruf wurde prioritär diskutiert.
Der Wert und die Chancen, die eine duale Ausbildung beinhalten kann, zu bewerben und qualifizierte
Facharbeit wieder mehr in den Fokus der Schüler/
innen zu setzen, war dabei übereinstimmendes Ziel.
Mentorenprogramme, erweiterte Direktansprache
und Betriebs- und Schulvernetzung sollen in der
gegründeten AG „Gut ankommen in Ausbildung“
weiter entwickelt werden.
Im September 2015 fand eine weitere Strategieklausur zur Beratung und Abstimmung über inhaltliche
und konzeptionelle Meilensteinplanung zu folgenden Kernthemen statt:
•	 Ziele und Instrumente des Piloten „Gut ankommen in der Ausbildung“
•	 Das Konsortium und sein Beitrag zur Integration
von Geflüchteten

Berlin braucht dich!

•	 Die Bündelung, Zusammenfassung und
Koordination der Angebote von Berlin braucht
dich! Betrieben, zu einem systematischen
Ansatz im Rahmen beruflicher Orientierung von
Geflüchteten
Die AG Pilot „Gut ankommen in der Ausbildung“ tagte im Jahr 2015 viermal, um weiterführend über neue Instrumente für gelungene
Übergänge von der Schule in die Ausbildung
zu diskutieren. Verschiedene Ansatzpunkte,
um mehr Jugendlichen mit Einwanderungsgeschichte den Weg in die Ausbildung zu ermöglichen wurden erörtert, wobei bei den Auswahlverfahren angesetzt werden müsse.
Eine zweite AG zur „Optimierung von Organisationsabläufen“ beschäftigte sich intensiv mit
der 4. Stufe und dem Bewerbertag, als Übergang in die Ausbildung.
Konsortialtagung 2015: „Gut ankommen
in der Ausbildung“
Im Juni traf sich das Berlin braucht dich! Konsortium zum 6. Mal zur alljährlichen Konsortialtagung. Mit dem Motto „Gut ankommen in der
Ausbildung“ steht Berlin braucht dich! nun vor
einer wesentlichen Herausforderung: Nämlich
den Zugang für qualifizierte Facharbeit für
Jugendliche mit Migrationshintergrund tatsächlich zu öffnen.
Wie zukunftsträchtige Wege für mehr Vielfalt in
der dualen Ausbildung aussehen könnten und
welche Hindernisse bewältig werden müssen, diskutierten u. a. die Podiumsgäste Boris
Velter (Staatssekretär in der Senatsverwaltung
für Arbeit, Integration und Frauen), Angelika
Schöttler (Bezirksbürgermeisterin TempelhofSchöneberg von Berlin), Kerstin Oster (Personalvorständin der Berliner Wasserbetriebe) und
Gerd Woweries (stellv. Geschäftsführer ABB).
Als Ergebnis konnte festgehalten werden, dass
Berlin braucht dich! als integrationspolitische,
berufsorientierende und arbeitsmarktpolitische
strukturelle Maßnahme zur Fachkräftesicherung
sinnvoll ineinandergreift. Für eine weiterführende Verankerung und interkulturelle Öffnung
müssen Schulen, Betriebe und die Politik gezielt
und noch enger als bisher zusammenarbeiten,
denn: „Die Chancen der Jugendlichen dürfen
nicht von ihrer sozialen Herkunft abhängen
und schon gar nicht davon, welche Schule sie
besuchen.“ (Staatssekretär Velter).

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Jahresbericht 2015

3.6. Die Berlin braucht dich! Statistik:
Berliner Entwicklung der neueingestellten
Auszubildenden bzw. Studierenden mit Migrationshintergrund
Die Ergebnisse der Befragung der Ausbildungsbehörden und –betriebe zur Entwicklung der neueingestellten Auszubildenden bzw. Studierenden mit
Migrationshintergrund ist auch 2015 durch Berlin
braucht dich! fortgesetzt worden. Die Ergebnisse
wurden in separaten Tabellen für den Öffentlichen
Dienst (ÖD) und für die Betriebe mit Landesbeteiligung (BL) dargestellt. Insgesamt wurden 2.279
Personen erfasst, davon 867 in den BL und 1.412
im ÖD.
Sowohl in den Betrieben mit Landesbeteiligung
als auch im Öffentlichen Dienst zeigt sich 2015
wieder ein Anstieg des Anteils der Auszubildenden
mit Migrationshintergrund an allen Auszubildenden. Bei den BL stieg der Anteil von 21,9 % auf
24,1 %, im ÖD von 17,6 % auf 19,5 %.

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Der Anteil der Studierenden mit Migrationshintergrund stieg im ÖD von 15,0 % auf 17,3 %. Bei den
BL sank er von 10,5 % auf 8,0 %. Für den Senat
und für die Presse werden auf der Basis der
Ergebnisse ausführliche Kommentare verfasst.
4. Fazit und Ausblick
Berlin braucht dich! trägt erheblich dazu bei, dass
im Land Berlin eine solide Basis vorhanden ist, um
sich den aktuellen und zukünftigen Herausforderungen in diesem Feld zu stellen, sowohl hinsichtlich der in Berlin geborenen Jugendlichen als auch
der jungen Geflüchteten.
Allerdings besteht eine weitaus größere Herausforderung als ursprünglich angenommen: Die meisten
Schulen, mit denen Berlin braucht dich! zusammenarbeitet, werden zu über 75% von Schüler/innen nichtdeutscher Herkunftssprache besucht, die
überwiegend aus Familien mit Lehrmittelbefreiung
stammen.

Berlin braucht dich!

Integrationspolitisch von zentraler Bedeutung ist
es, Schüler/innen dieser Schulen bei der Suche
nach tragenden Berufsperspektiven zu unterstützen, da es angesichts ihrer sozialen Risikolagen
trotz großer Schritte in Richtung Ausbildung
besonders schwierig ist, einen Ausbildungsplatz
zu erhalten. Die Schulabgänger/innen aus diesen
Schulen münden nur zu ca. 10 % in Berufsausbildung.
Die schwierige Aufgabe von Schulen besteht
darin, die Betriebsferne ihrer Schüler/innen zu
kompensieren - eine Herausforderung, die nur
mit starker Unterstützung durch die Betriebe und
weiteren Öffnung ihrer Ausbildung zu leisten ist.
Die Verantwortung der Betriebe besteht darin,
eine proaktivere Rolle als bisher für Chancengleichheit in der Arbeitswelt einzunehmen. Nur so
werden ihre Aktivitäten in der Berufsorientierung
in erfassbare, positive Effekte in ihrer interkulturell
orientierten Personalentwicklung münden. Dazu
gehört auch die selbstkritische Auseinandersetzung und Überprüfung der Einstellungsvoraussetzungen und Einstellungsverfahren im Hinblick auf
Chancengleichheit und Vielfalt. BQN Berlin steht
mit seiner Expertise im Bereich von Diversity sensiblen Einstellungsverfahren den Partnerbetrieben
beratend zur Seite.
Vom Regierenden Bürgermeister Müller wurde auf
dem BQN Dialog am 27.04.2016 unterstrichen,
dass gelingende Übergänge von der Schule in die
Arbeitswelt entscheidend seien, damit die Vielfalt in der Bevölkerung auch in der Arbeitswelt
ankomme und niemand verloren gehe (Dokumentation: siehe http://www.berlin-braucht-dich.de/
ueber-bbd/veranstaltungen/bqn-dialog-mit-michael-mueller/). Die Gründung von Berlin braucht
dich! als Senatsinitiative sei daher wichtig gewesen, mit bemerkenswerten Erfolgen, die in Zukunft
noch auszubauen seien, angesichts von 43 % von
Jugendlichen mit Migrationshintergrund unter 21
Jahren in Berlin.

Jahresbericht 2015

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II Herausgeber
BQN Berlin e.V.
Alte Jakobstr. 85-86
10179 Berlin
Telefon 030/275 90 87 0
Fax 030/275 90 87 22
E-Mail: info@bqn-berlin.de
Internet: www.bqn-berlin.de
www.berlin-braucht-dich.de
II Redaktion
Klaus Kohlmeyer
Dr. Anne von Oswald
II Fotografien
Judith Affolter
II Layout
Robert Westermann
Copyright BQN Berlin 2016

Das Projekt „Berufliche Qualifizierung junger Migrantinnen und Migranten - Berlin braucht dich!“ wird gefördert aus Mitteln der
Europäischen Union (Europäischer Sozialfonds) und der Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen.
        
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