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Full text: Renaturierung von aufgelassenen Kleingärten und Kleingartenanlagen

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Management
Renaturierung von aufgelassenen Kleingärten
und Kleingartenanlagen

bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 227	

1

Impressum

Schriftenreihe des Bundesverbandes
Deutscher Gartenfreunde e. V., Berlin (BDG)
Heft 1/2013 – 35. Jahrgang

Seminar:	
	

Management
vom 24. bis 26. Mai 2013 in Brandenburg

Herausgeber: 	Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e.V.,
Platanenallee 37, 14050 Berlin
Telefon (030) 30 20 71-40/-41, Telefax (030) 30 20 71-39
Präsident: 	

Dr. Norbert Franke

Seminarleiter: 	 Dieter Steffens
	
Präsidiumsmitglied für Seminare
Redaktion: 	

Uta Hartleb

Nachdruck und Vervielfältigung – auch auszugsweise –
nur mit schriftlicher Genehmigung des
Bundesverbandes Deutscher Gartenfreunde (BDG)

ISSN 0936-6083

Dieses Projekt wurde finanziell vom Bundesministerium für
Verkehr, Bau und Stadtentwicklung gefördert.
Der Förderer übernimmt keine Gewähr für die Richtigkeit und
Vollständigkeit der Angaben sowie für die Beachtung privater
Rechte Dritter. Die geäußerten Ansichten und Meinungen
müssen nicht mit denen des Förderers übereinstimmen.

Seminar Renaturierung von aufgelassenen Kleingärten und Kleingartenanlagen
vom 24. bis 26. Mai 2013 in Brandenburg

Management

Renaturierung von aufgelassenen Kleingärten
und Kleingartenanlagen
Seminarleiter
Dieter Steffens (Präsidiumsmitglied für Seminare, Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e.V.)

Schriftenreihe des Bundesverbandes
Deutscher Gartenfreunde e.V., Berlin (BDG)
Heft Nr. 2/2013 – 35. Jahrgang

Seminar Management
Renaturierung von aufgelassenen Kleingärten und Kleingartenanlage

INHALTSVERZEICHNIS
Vorwort
Dieter Steffens (Präsidiumsmitglied des Bundesverbandes Deutscher Gartenfreunde e. V.)	

7

Hat das Kleingartenwesen eine Zukunft?
Prof. Dr. rer. hort. Klaus Neumann (Professor für Landschaftsarchitektur
und Umweltplanung der TFH Berlin)	

9

Ist das Kleingartenwesen reformbedürftig?
Bernd Düsterdiek (Referatsleiter des Deutschen Städte- und Gemeindebundes (DStGB))	

27

Ergebnisse und Erfahrungen beim Rückbau von Kleingärten
Peggy Heyneck (Stadt Wittenberge, Bauamt, SG Umwelt)	
Andreas Madauß (Landesgartenfachberater im Landesverband Brandenburg der Gartenfreunde e.V.)	

30

Erfahrungen des Landesverbandes der Gartenfreunde Sachsen-Anhalt e.V. bei der
bedarfsgerechten Anpassung der Kleingartenflächen an die Bevölkerungsentwicklung
Dr. Walter Strauß (Präsidiumsmitglied des Landesverbandes Sachsen-Anhalt e.V.)	

38

Die Zukunft des Kleingartenwesens – „Kleingartenparks“
Alfred Lüthin (Präsidiumsmitglied des Bundesverbandes Deutscher Gartenfreunde)	

44

Umwidmung aufgelassener Flächen am Beispiel des Projektes der Stadt Altenburg
Michael Wolf (Oberbürgermeister der Stadt Altenburg)
Dr. B. G. Wolfgang Preuß (Vorsitzender des Regionalverbandes „Altenburger Land der Kleingärtner“ e.V.)	

50

ARBEITSGRUPPE
Standpunkte und Schlussfolgerungen des BDG aus der Studie des Bundesministeriums
für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung
Arbeitsgruppe
Dr. Norbert Franke (Präsident des Bundesverbandes Deutscher Gartenfreunde)	
61
	
Anhang
Impressionen	
65

bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 227	

5

6	

bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 227

Vorwort
Das BDG-Seminar Management fand vom 24.05.
bis 26.05.2013 in Brandenburg statt und stand unter dem Motto „Renaturierung von aufgelassenen
Kleingärten und Kleingartenanlagen“.
Ein Mitte 2011 vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) beauftragtes Forschungsvorhaben untersuchte die
Leerstandssituation bei Kleingärten in strukturschwachen Regionen quantitativ und qualitativ.
Die dazu durchgeführten Befragungen bei ausgewählten Kommunen und regionalen Kleingärtnerverbänden und -vereinen haben gezeigt, dass
Kleingärten vor allem dort leer stehen, wo sich
rückläufige Bevölkerungszahlen sowie umfangreiche Schrumpfungsprozesse mit einem im Verhältnis zur Bevölkerungszahl großen Bestand an Kleingärten überlagern.
Ziel des Seminars war es, im Rahmen dieser Studie die Frage zu beantworten,
wie die durch den demografischen Wandel verursachten gesellschaftlichen Veränderungen zu managen sind und welche Strategien zur Bewältigung der aus
dem Wandel folgenden Leerstandsproblematik in Kleingartenanlagen erarbeitet
werden können. Dabei sollen die Inwertsetzung* und Weiterentwicklung des
Kleingartenwesens den Schwerpunkt bilden.
Referent Bernd Düsterdiek setzte den Schwerpunkt seiner Ausführungen auf die
Stadtentwicklungspolitik vor allem unter dem Gesichtspunkt der Stärkung der
Innenentwicklung. Er wies besonders darauf hin, die Möglichkeiten von Bundesförderungsmaßnahmen und Städtebauförderung für kleingartenpolitische Zwecke verstärkt zu nutzen.
Referent Frank Schröder stellte in einer eindrucksvollen Präsentation das Projekt
Bundesgartenschau 2015 Havelregion eindrucksvoll dar. Die Bundesgartenschau
2015 wird erstmals als Regionenschau konzipiert und sich über 90 km Länge
entlang der Havel erstrecken.
Prof. Dr. Klaus Neumann plädierte in seinen Ausführungen dafür, dass aufgelassene Kleingartenflächen nicht renaturiert, sondern der Inwertsetzung und
Weiterentwicklung zugeführt werden sollten. In der Diskussion um urbane Zukunftsstrategien muss der Blick auf Kleingärten als weiche Standortfaktoren und
ein Teil der Stadtkultur fokussiert werden.
Die Referenten Peggy Heyneck und Andreas Madauß stellten in ihrem Vortrag
Ergebnisse und Erfahrungen beim Rückbau von Kleingärten aus Sicht der Stadtverwaltung Wittenberge dar.
Dr. Walter Strauß sprach anschließend über die Erfahrungen des Landesverbandes der Gartenfreunde Sachsen-Anhalt bei der bedarfsgerechten Anpassung der
Kleingartenflächen an die regionale Bevölkerungsentwicklung.
Referent Alfred Lüthin stellte in seiner Präsentation die Realisierung von Kleingartenparks als mögliche Zukunftsstrategie für Kleingartenentwicklung vor. Er
zeigte anhand von Beispielen aus dem Verband der Kleingärtner Baden-Württemberg eindrucksvoll, dass eine projektorientierte Kooperation mit örtlichen Kommunalverwaltungen sehr dabei hilft, finanzielle Hürden bei der Weiterentwicklung von Kleingartenanlagen zu überwinden kann.
Michael Wolf und Dr. Wolfgang Preuß berichteten anschließend über ihre gemeinsamen Erfahrungen bei der Umwidmung nicht mehr benötigter Kleingartenflächen am Beispiel des Projektes der Stadt Altenburg (Thüringen). Michael

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Wolf, Oberbürgermeister der Stadt Altenburg plädierte dafür, Kleingartenanlagen
noch mehr zu öffnen und sie zu innerstädtischen Begegnungsstätten für alle Bürger zu machen.
Frank Schenk stellte danach den Landesverband Brandenburg der Gartenfreunde
vor und berichtete auch über aktuelle Probleme bei der Bewältigung der Leerstandsproblematik.
Dr. Norbert Franke stellte abschließend Standpunkte und Schlussfolgerungen des
Bundesverbandes Deutscher Gartenfreunde zur und aus der „Leerstands-Studie“
des Bundesbauministeriums vor. Der BDG-Präsident bemerkte, dass die Bewältigung der Leerstandsproblematik nicht nur Aufgabe der Kommunen, Verbände
und Vereine des Kleingartenwesens sei. Die Mittel der Bundesregierung für den
Stadtumbau Ost sowie West oder Quartiersmanagement-Programme müssten
auch für den Rück- und Umbau nicht mehr benötigter Kleingartenflächen bereitgestellt werden.
Zur Gesamtproblematik existiert bisher kein Grundsatzdokument der Dachorganisation. Jedoch fand auf der Grundlage eines von Dr. Franke formulierten,
umfangreichen Fragekomplexes eine intensive und konstruktive Diskussion zum
Abschluss des Seminars statt.
* Wirtschaftliche Nutzbarmachung eines bisher nicht oder kaum genutzten Raumes

Dieter Steffens,
Präsidiumsmitglied für Seminare

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Hat das Kleingartenwesen eine
Zukunft?
	
Prof. Dr. rer. hort.
Klaus Neumann
(Professor für Land-

schaftsarchitektur
und Umweltplanung der
TFH Berlin)

Kleingärten als unabdingbarer Teil der
Gesellschaft und als Faktor für die
Lebensqualität der Menschen
Grundkonsenz: Kleingärtner, Kleingärten und Kleingartenanlagen sind:
•	 T
 eil der Stadt/des Stadtgebietes – und kein urbanes
exterritoriales Gebiet
•	 T
 eil der Stadtgesellschaft – und nicht Enklave für
„Sonderbürger“
•	 T
 eil der kommunalen Haushaltsoptionen – und frei
von fiskalischen Sonderrechten
•	 T
 eil des urbanen Grün- und Freiraums – mit allen
Rechten und Pflichten urbanen Grüns
•	 T
 eil des öffentlichen Wandlungsprozesses – und
nicht traditionell unantastbar

Vorbemerkung:
1.	Bei dem vorliegenden Beitrag handelt es sich nicht
um die wissenschaftliche Abhandlung (Text- bzw. Publikationsmanuskript) des Verfassers, sondern um
den visualisierten Präsentationsmodus des Vortrages
vom 24. Mai 2013 ohne umfängliches Literaturverzeichnis. Dieses kann bei Bedarf beim Verfasser angefordert werden.
2.	Im Hinblick auf die Seminarveranstaltung mit workshop-charakter werden keine Lösungen dargelegtsondern vorrangig Lösungswege aufgezeigt und Anregung zum Vor- und Nachdenken gegeben.

Themenblöcke

•	 T
 eil der urbanen weichen Standortfaktoren – und
wertvoll /-los wie andere weiche Faktoren
•	 T
 eil des allgemeinen, öffentlichen und gesellschaftlichen Diskurses zur Stadt- und Landschaftsentwicklung

Deshalb stellen sich bei der Frage:
Hat das Kleingartenwesen eine Zukunft?
zunächst die Fragen:
Haben Stadt & Stadtgesellschaft eine Zukunft?
haben: Land & Landgesellschaft eine Zukunft?
Wenn ja: Welche Veränderungen prägen Stadt & Land
& Gesellschaft?

I.		Kleingärten als unabdingbarer Teil der Gesellschaft
und als Faktor für die Lebensqualität der Menschen
II.		Gründe für das Auflassen von Parzellen
III.		Alternativen für die Umgestaltung bzw. Umnutzung
von Parzellen
IV.		Möglichkeiten der Unterstützung der Kleingärtner
im Rahmen der Umgestaltung aufgelassener Flächen
V.		Welche Möglichkeiten eröffnen Politik und Verwaltung im Prozess der Umwidmung von Flächen ?
VI.		Welche rechtlichen Änderungen würden eine größere Unterstützung der Kleingärtner ermöglichen?

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Hat das Kleingartenwesen eine Zukunft?
Einige Perspektiven und Antworten zum
Strukturwandel beim Grün der Zukunft

Renaturierung von aufgelassenen
Kleingärten und Kleingartenanlagen
– Image & Selbstdarstellung –
Antwort : Ja.
Eine große und immer bedeutender
werdende Zukunft.
Aber: …

10	

„Renaturierung“ ist ähnlich wie der Begriff „Rekultivierung“ zwar gut,

!

 geht aber von einem negativen Kasus aus – ist
demzufolge ursächlich zunächst negativ besetzt.

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
geht davon aus, dass vorher etwas Negatives da
war, was eben zu renaturieren (wiederherzustellen) gilt. Motto: „Wer beichten geht und Buße tut
hat vorher gesündigt“.

?

 Frage: Was ist, was war beim Kleingarten negativ
(„die Sünde“), die es zu beheben/renaturieren
gilt? (Düngemittel, Pestizideinsatz, keine Zugänglichkeit „closed shop“?)
 Frage: Was, muss warum, wegen welcher „Sünde“ renaturiert werden?



 Postulat: nicht Renaturierung, nicht Rekultivierung
 Ziel: Anpassung, Weiterentwicklung zahlreicher
urbaner Kleinode, die aufgrund demografischer
und soziodemografischer Veränderungen in Zukunft neu / anders inwert gesetzt werden müssen

• Wenn die Äußerungen eines Politikers zur einer Journalistin „…“Sie können ein Dirndl auch ausfüllen“ (mit
Recht) bundesweite, hoch emotionale und längst überfällige Debatten über Stil und Etikette im Umgang mit
anderen Menschen auslösen,
• wenn der Direktor eines Zoologischen Garten politische und mediale Vorwürfe bekommt, wenn er im
m i t   Zi f f e r n
wissenschaftlich korrekten Sinne
bezeichnet,
• dann ist es ähnlich beleidigend und stillos die Vernichtung von urbanen Erholungs-flächen („Kleingartenkolonien“) despektierlich als „Angriff auf Gartenzwerge“
zu titulieren,
• oder Kleingartenanlagen, in denen unzählige Menschen aller Alters- und Sozialgruppen ihre Freizeit
verbringen, als „Favelas der Mittelschicht mit einer verblüffenden Scheußlichkeit“ zu klassifizieren und diese
zum Abriss zu empfehlen.

Also: Inwertsetzung + Weiterentwicklung

Folgen von eigener Negativformulierungen:
– Image- und Akzeptanzprobleme –

Eine „Wertedebatte über Kleingarten & Kleingärtner“
scheint mancherorts ebenfalls überfällig

Kleingärten als unabdingbarer Teil der Gesellschaft und als Faktor für die Lebensqualität
– Erfordernisse –
Entwicklung, Initiierung eines (externen!) neuen
Problembewusstseins & Wertepositionierung hinsichtlich
• Wahrnehmung
(Medien, Politik, Mitglieder, Gesellschaft)
• Image
• Akzeptanz
• eigener Identität
• Zukunftsstrategien

Motto:
Schrebers Zeiten sind vorbei –
und fangen doch wieder an
„Es ist ein seltsames Phänomen, dass es gerade in den
Großstädten riesige „Grünflächen“ gibt, die aus dem
Blickfeld der Öffentlichkeit nahezu verschwunden

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scheinen, dass heißt kaum noch als öffentlicher Raum
wahrgenommen werden… Aber Klein- oder Schrebergartenanlagen haben sich oft zu einer eigenen Welt entwickelt, die sich einerseits durch Hecken und Zäune andererseits durch mangelnde Aufgeschlossenheit ihrer
Nutzer von der umgebenden Stadt räumlich wie geistig
abzugrenzen weiß …“ (Zitat: Tjards Wendebourg)

BDG Seminar vom 24.Mai 2013 / Meinung K. Neumann:
„Schrebers Zeiten sind vorbei – // Der BDG will sich der
gesellschaftlichen Wirklichkeit stellen“
Sie nicht zu mögen, das ist nicht schwer. Zu weit haben
sich viele Kleingärtner und zuvorderst einige von Ihren
Altvorderen, aber manche von ihren „Alt-Mitgliedern“
in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten von der
Lebenswirklichkeit der Menschen in den Städten, von
den neuen Anforderungen an das Grün, von der neuen
Gesellschaftsschicht und den damit verbundenen Lebensperspektiven entfernt.
Auch heute noch ist er für Manche die tief begründete
Lebensauffassung des Laubenpiepers, mit seiner von
individuellen und subjektiven Ansprüchen geprägten
Scholle, in der idyllischen Abgeschiedenheit von Stadt
und Umwelt, aber dennoch bestmöglich an die öffentliche Infrastruktur angebunden, mit einem politischen
administrativ bedingten Schutzrecht verbrieft und zudem mit allerlei kommunalen und finanziellen Alimentationen unterstützt, die wahre Zukunft des Kleingartenwesens. Ein sehnsüchtig zu bewahrendes Dogma
mit Tradition. Oft geht dieses an der Lebenswirklichkeit
vorbei.

Die Macht globaler Konzerne und Finanzmärkte, die
Öffnung des Arbeitsmarktes für Billiglöhne und nicht
zuletzt die Frage „was aus Europa, was aus Deutschland
werden soll werden soll“, verlangen andere, moderne
Antworten.
Andere moderne Antworten verlangen auch die urbane und ländliche der Zukunftsentwicklung, verlangen
veränderte und neue Gewohnheiten an Freizeit und
Erholung, verlangen Bedürfnisse nach Wohnen im
immer größer werdenden urbanen Verdichtungsfeld,
verlangen neue Wertschöpfungen und fiskalpolitische
Betrachtungen der Kommunalpolitik.
Und zwar solche, die sich nicht an bereits überzeugte
Gartenfreunde und Familien mit der Suche nach Grün
richten. So konnte man vielleicht noch vor einigen Jahren mit dem Schutzgut Kleingarten und dem damit verbundenem Wählerstimmen Erfolge erreichen und sich
vor Anfeindungen von außen schützen. Doch auch für
viele Gartenfreunde ist der Wind von außen rauer geworden, denken sie nur an diesen unseligen Beitrag in
der WELT von Ulf Porschat zum Thema „Favelas“.
Wer das nicht erkennt und daraus Schlussfolgerung
zieht, wird bei jeder kommunalen und stadtplanerischen Entscheidung wieder um Berücksichtigung seiner Interessen zittern und erwarten und beten müssen,
von einzelnen Interessevertretern und Lobbyisten über
ein absehbares Veto und damit eine Vernichtung von
Kleingärten gehoben zu werden.
Mit eigenständigem Bewusstsein, einer Bewegung für
Grün oder mit der tiefgreifenden Erkenntnis „ein Teil
der (grünen)Stadtkultur zu sein,“ hat es allerdings nichts
zu tun.
Fakten zur Gesellschaft + Stadt der Zukunft

Die Weisheit „Tradition bedeutet nicht Bewahrung der
Asche – sondern die Weitergabe des Feuers“ – scheint zumindest in der Replik von weiten Teilen der Öffentlichkeit und der Medien die (nicht vorhandene) Wertschätzung gegenüber den Gartenfreunden noch nicht zu
prägen.
Doch die Welt ist heute eine andere als zu den Hochzeiten der Kleingartenurväter Schreber oder Naulin oder
des politischen Kleingartendenkers Harry Ristock.

12	

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Erkenntnisse. Auswertung, fachliche Konsequenzen

Keine spezifisch Berliner oder Brandenburger
Besonderheit: Bundesweite Entwicklung

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Wie sehen die Entwicklungen für Stadt und
Gesellschaft von Morgen aus?
10 fundamentale Tendenzen & Ursachen für
die Bedeutung des Kleingartenwesens

Der Umbau der Gesellschaft und der
Kommunen kostet Geld
Kosten für Umbau Grün?

1.	Die Bevölkerung Deutschlands wird sukzessive weniger. Sie wird von jetzt 82 Mio. auf ca. 60 Mio. Einwohner schrumpfen.
2.	Das Leben, d.h. der Umgang mit dem „Grün“ wird
bescheidener, weil die angespannte öffentliche Haushaltslage in den kommunalen Kassen anhalten wird.
3.	Im Zuge des demografischen Wandels wird es immer mehr ältere Menschen geben.
4.	Wir werden klüger, d.h. das Wissen der Menschen
nimmt zu infolge neuer Informationsquellen, Google, Internet, World Wide Web, usw.
5.	Deutschland entwickelt sich zu einer bunten Migrationsgesellschaft, in der unsere eigenen Werte zwar
„weniger“ aber durch das „Mehr“ aus anderen Kulturen bereichert werden.
6.	Deutschland wird teilweise leerer durch abnehmende
Einwohnerzahlen in den Städten, und durch Entleerung ländlicher Bereiche (Brbg, M-V, Eifel), teilweise
voller durch urbanen Zuzug in die Metropolen.
7.	Die Artenvielfalt wird monotoner durch Monokulturen und pflegeleichteres Grün in den Städten und
durch Monostrukturen, Energiepflanzen im ländlichen Raum.
8.	Die Menschen immer mobiler durch neue Mobilität,
preiswerte Reisen, billige Flüge.
9.	Die Menschen leben gesünder (bewusster), immer
mehr achten auf Fitness, gesunde und gute Ernährung, Schönheit und Gesundheit.
10.	Die Verhaltensweise der Menschen in der Gesellschaft, in Garten, Park und Schule wird immer wertfreier und selbstsüchtiger.
Konsequenzen für die Stadt der Zukunft und das
Kleingartenwesen

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bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 227

Perspektive I: Stadt ./. Land
Große Entleerung ländlicher Regionen
 zu viele Kleingärten
zu wenig Menschen
Dramatischer Zuzug in urbane Verdichtungsräume
 zu wenig Kleingärten
zu viele Menschen

Perspektive II: Ost ./. West
Nord ./. Süd

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Perspektive III:
Wertigkeit urbaner Grünflächen
Beispiele aus demoskopischen
Untersuchungen und Forschungen

16	

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Beispiele: zunehmend mehr und neue
Beachtung in den Medien

bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 227	

17

Einige Probleme/Veränderungen der
zukünftigen Stadt- und Regionalentwicklung:
Die Bedeutung/Chancen/Optionen für
Kleingärten:

Thema Kinderspiel

! Bedeutung/Wertigkeit Kleingärten zum Thema Kinderspiel !

18	

bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 227

Thema Klimawandel

Thema Bildung und Erziehung

Forderungen
•	 besser viele kleinere Grünflächen als wenige große
Parkanlagen
•	 in der Begrünung von privaten Flächen „schlummert
noch ein großes Potenzial“
•	 zur deutlichen Temperaturabsenkung ist eine Mischung Rasen-, Wiesen-, Strauch-, Gehölz- und freiwachsendem Baubestand notwendig
•	 große Baumartenvielfalt von Bedeutung
•	 großer Anteil offener, unversiegelter Flächen von Bedeutung
•	 Planung von Frischluftschneisen – keine massive
Randeingrünungen
! Bedeutung/Wertigkeit Kleingärten zum Thema frühzei•	 Einige
Erhöhung des
pflanzenverfügbaren
Wassers
im
BoBildung
!
Probleme / Veränderungentige
der
zukünftigen
Stadt- und Regionalentw
den durch gute Bodenbearbeitung und entsprechendie Bedeutung / Chancen / Optionen für Kleingärten: Thema Klimawan
de Substrate

Thema gesunde Ernährung

Einige Probleme / Veränderungen der zukünftigen Stadt- und Regionalentwicklung:
die Bedeutung / Chancen / Optionen für Kleingärten: Thema gesunde Ernährung

Forderungen

 besser viele kleinere Grünflächen als w
Parkanlagen

 in der Begrünung von privaten Flächen
„schlummert noch ein großes Potenzia

 zur deutlichen Temperaturabsenkung is
Mischung Rasen-, Wiesen-, Strauch-, G
freiwachsendem Baubestand notwendig

 große Baumartenvielfalt von Bedeutung

! Bedeutung / Wertigkeit Kleingärten zum Thema gesunde Ernährung !

! Bedeutung/Wertigkeit Kleingärten zum Thema gesunde Ernährung !  großer Anteil offener, unversiegelter Flä

Seminar „Management“ des BDG, 24. Mai 2013, Brandenburg a. d. Havel ■ Vortrag Prof. Dr. K. Neumann : „Hat das Kleingartenwesen eine Zukunft ?“ ■

31

Bedeutung

 Planung von Fischluftschneisen-keine m
Randeingrünungen

 Erhöhung des pflanzenverfügbaren Was
Boden durch gute Bodenbearbeitung u
entsprechende Substrate
! Bedeutung/Wertigkeit Kleingärten zum Thema Klimawandel !

! Bedeutung / Wertigkeit Kleingärten zum Thema Klimawandel !

Seminar „Management“ des BDG, 24. Mai 2013, Brandenburg a. d. Havel ■ Vortrag Prof. Dr. K. Neumann : „Hat das Kleingartenwesen eine Zu

bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 227	

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e Probleme
derund
zukünftigen
Stadt- und Regionalentwicklung:
derungen
der/ Veränderungen
zukünftigen StadtRegionalentwicklung:
Bedeutung
/
Chancen
/
Optionen
für
Kleingärten:
Thema Natur- Artenvielfalt
cen / Optionen für Kleingärten: Thema Natur- Artenvielfalt
Thema Natur – Artenvielfalt
• 	 Über den Kleingarten und den Kleingärtner zu reden
heißt also nicht, über irgendwelche alten, renitenten, und grünverquerten Exoten („Gartenzwerge“) zu
sprechen, die zudem noch in „verblüffender Scheußlichkeit“ leben.

Scinexx, Das Wissensmagazin, Mai 2013
15.03.2011

15.03.2011

•	 M
 an spricht über einen Großteil unserer Gesellschaft, nicht über Staatsbürger in Uniform mit
Waffenkenntnissen für den Frieden. Sondern sagen
Scinexx, Das
Wissensmagazin,
Mai 2013
wir,
über Staatsbürger
im Gartenkittel mit Wachstumskenntnissen von der Natur.
•	 G
 ärten werden in dieser neuen Gesellschaft immer
wichtiger, als Ort des menschlichen Miteinander
über alle sozialen, über alle Altersgrenzen, über alle
Religionen und Konfessionen sowie über bestehende
Grenzen und Vorurteile hinweg.

•	 S
 ie werden zunehmend Orte des Lernens für den
Umgang mit der Natur und für den Umgang mit den
Menschen. Gleich welcher Konfession und Nationalität, gleich welchen Alters oder welcher Sozialisation,
rtigkeit Kleingärten für Biodiversität und Artenvielfalt
! Bedeutung / Wertigkeit Kleingärten für Biodiversität und Artenvielfalt
gleich ob alt oder jung, ob arm oder reich, ob politisch
32
ai 2013, Brandenburg a. d. Havel ■ Vortrag Prof. Dr. K. Neumann : „Hat das Kleingartenwesen eine Zukunft ?“ ■
minar „Management“ des
BDG, 24. Mai 2013, Brandenburg a. d. Havel
■ Vortrag Prof.
Dr. K.
Neumann : „Hat das Kleingartenwesen
eine Zukunft
?“ ■ rechts,32ob homo, hetero oder bi. Sie alle
! Bedeutung/Wertigkeit
Kleingärten
für
Biodiversität
und
links
oder
Artenvielfalt
gehören in diese Stadt, sollen sich wohl fühlen, eine
Heimat haben. Wo?

2. 		Stadtökologie, Stadtklima, Artenvielfalt

Bedeutung und Wert der Kleingärten als
unabdingbarer Teil der Gesellschaft
1. 		Gesellschaftlich, individuelle, humane
Bedeutung
•	 S
 chrebergärtner sind nie nur Schrebergärtner. Sie
sind Wohnungsmieter und Hausbesitzer, Grundschullehrer und arbeitslose Ex- Industriearbeiter,
Vorsitzende im Naturschutzverein und Freizeitfußballer, Ballermann und Schwedenurlauber, rüstige
Rentner und allein erziehende FrauenPolitiker (…)
Künstler, Schauspieler, Musiker usw.
• 	 Deutschlands Bevölkerungsquerschnitt, abzüglich
Topmanager und Gartenhasser, versammelt sich in
der Kleingartenanlage, die unter diesem Blickwinkel
wie ein Modell unseres Landes erscheint.

20	

Für den Zeitraum 2021 bis 2050 werden bis zu 26 zusätzlichen Sommertagen erwartet. Bis zu 72 Tage mit
Höchsttemperaturn über 25 Grad werden vorhergesagt.
Die Zahl der heißen Tage mit über 30 Grad und die der
Tropennächte, in denen die Temperatur nicht unter 20
Grad absinkt, werden deutlich zunehmen.
•	 I n Zukunft muss aktiv für ein erträgliches Stadtklima
geplant werden, mit mehr Grün und mehr Schatten
in der bebauten Stadt. Ziel muss sein, dass niemand
mehr als 15 Minuten bis zur nächsten baumbestandenen Grünanlage gehen muss, damit sich auch 2030
oder 2050 ältere Leute oder Eltern mit Kinderwagen
im Sommer noch aus dem Haus wagen können.
•	 D
 ies erfordert eine Stärkung der zielorientierten
Kleingärten als wichtigen Klimafaktor. Das, was für
das (Klein)Klima der Stadt wichtig ist, ist bei den
Kleingärten vorhanden. Unbefestigte Flächen zur
Bodendurchlässigkeit, Pflanzen zur Assimilation,
Luftreinigung und Luftfeuchteproduktion, Wasser
zum Klimatausch und zur Kühlung, Laubdächer als
Schatten spendende Oasen.

bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 227

•	 S
 o, wie es im Naturschutz von großen Naturparks
über das NSG bis hin zum kleinen Trittsteinbiotop
eine gute rechtlich abgesicherte Flächensicherung
für die Natur gibt, so sollte es auch für den Kleingarten vom großen Kleingartenpark bis hin zur kleinsten (Trittstein)Parzelle ein umfassendes rechtliches
und dauerhaftes Sicherheitsprocedere geben. Aber:
das bedeutet neues, anderes gesamtstädtisches Kleingartenkonzept.
•	 D
 ie Bedeutung der Kleingärten für den Natur- und
Artenschutz, für die Artenvielfalt und die Bio- diversität, für Brut – und Nistareale, für den Überlebensraum vom Aussterben bedrohter Tier– und Pflanzenarten wird wesentlich zunehmen. Deshalb müssen
Kleingärten auch in die Regelungsmechanismen der
naturschutzrechtlichen Eingriffsregelung und der
FFH- Richtlinie mit Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen, mit Kompensation und festgesetzten Finanzierungsmaßnahmen eingebunden werden.

3. 		Freizeit, Erholungswert, ökonomische
Bedeutung für Kommunen
Nicht nur die Kleingärtner selbst profitieren von den
Kleingartenanlagen, sondern alle Einwohner einer
Kommune haben etwas davon. 84% allerAnlagen sind
öffentlich zugänglich. Sie laden zum Flanieren und Verweilen ein. Und das bei Sicherheit und hoher Qualität.
Denn Kleingärten bieten Grün für alle. 82% der Kleingärtnerhaushalte sind Mieterhaushalte, die zumeist in
mehr-geschossigen Wohnblocks leben. Die eigene Parzelle bietet wohnungsnahen Ausgleich für das fehlende
Grün. 84% aller Gärten liegen maximal fünf Kilometer
von der Wohnung entfernt. 96% aller Kleingärtner brauchen maximal eine halbe Stunde bis zu ihrem Garten.
60% brauchen sogar weniger als eine Viertelstunde.
• 	 Trotz, oder gerade wegen manch öffentlicher und
individueller Armut bieten Kleingärten „öffentliches
Grün vom Feinsten“, weitgehend ohne aufwendige
Pflege- und Unterhaltungskosten zu Lasten oftmals
leerer kommunaler Haushalte. Was kann der Leere
der öffentlichen Haushalte beim Umgang mit dem
Grün, und der Natur in der Stadt besser zu pass kommen, als naturnah vorgehaltene Freizeit-, Sport und
Spielanlagen, welche die Kommune nichts kosten,
sondern vielleicht sogar als Einnahmefaktor von Bedeutung sind (Pachtzins).

von Kleingärten rütteln, wissen, dass sie damit auch
gleichzeitig an der Existenz eines friedlichen Miteinanders und an den „weichen“ Standortfaktoren einer
Stadt rütteln.

4. 		Kultureller Wert
Nicht zuletzt die Kleingärtner und die Kleingärten haben in den Jahren politischer Repression und geistiger
Unfreiheit zum Überleben und zur Wiedergeburt einer
neuen demokratischen Gesellschaft beigetragen. Sie
sind damit ein Stück deutscher Geschichte, ein Stück
deutscher Kultur.
•	 W
 as ein Wilhelm Furtwängler oder ein Herbert von
Karajan für die Musikkultur der Metropole Berlin
Stadt gewesen sind, was ein Ernst Reuter für das
Selbstwertgefühl der Menschen in dieser Stadt bedeutet hat, was ein Willy Brandt für den Frieden zwischen Ost und West auf den Weg gebracht hat, was
ein Walter Gropius für die Siedlungen der Berliner
Moderne und die Baukultur bedeutet hat, das waren
z.B. ein Daniel Gottlieb Schreber, ein Martin Wagner,
ein Wilhelm Naulin oder ein Harry Ristock für die
(Klein)Gärten in Stadt und Land.
•	 S
 ie alle haben unermessliches für die Menschen in
Stadt und Land bewirkt. Ob für die Politik, die Kultur oder das Grün. Sie sind und bleiben ein Stück
deutscher, ein Stück Berliner Geschichte und Kultur:
Baukultur + Naturkultur + gesellschaftlicher Kultur +
Freizeitkultur
• 	 Es ist nicht bedeutsam, ob mehr Menschen pro Jahr
in der Philharmonie, der Staatsoper oder in der Nationalgalerie und im Bode-Museum Entspannung finden. Zahlenmäßig ist es auch nicht wichtig.
• 	 Kultur wird eben nicht bloß nach fiskalischen oder
nummerischen Fakten gewertet.
Kleingarten/Kleingartenwesen: Teil der Baukultur +
Naturkultur + gesellschaftlicher Kultur + Freizeitkultur

•	 A
 us Kosten- und Qualitätsgründen für Stadt und
Gesellschaft sollten diejenigen, die an der Existenz

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4.	 K
 ultureller Wert – ein kleiner Exkurs
Musikkultur
In einer Zeit schwersten wirtschaftlichen Ringens hat
die Stadt in ihren Freiflächen ein Kapital investiert, das
seinen Zins bringen wird. Diese Investition in der Rezession wird wahren Lohn bringen“. (Stadtbaurat Martin Wagner, Januar 1930)

Bedeutung und Wert der Kleingärten a
4. kultur
- ein kleiner Exk
4.		Kultureller Wert – ein kleiner Exkurs
Baukultur
1928 / 30

1.02.2009
„…Entscheidend ist aber der immaterielle Wert dieser
Kultur in Bedeutung
unserer Hauptstadt.
Kulturder
ist Ausdruck
von als unabdingbarer Teil der Gesellschaft
und Wert
Kleingärten
Humanität, sie beschreibt das Wesen unserer Gesell4. kultureller Wert
schaft und unser Selbstverständnis. Deshalb ist es so
- ein kleiner Exkurs (Musikkultur) wichtig, dieses Potenzial pfleglich zu behandeln. Das
um 1912/13
kulturelle Erbe gilt es zu bewahren, die künstlerische
Avantgarde sich so frei wie möglich zu entfalten lassendenn sie geht der gesellschaftlichen und wirtschaftli0
chen und Wirklichkeit voraus. Die Kultureinrichtungen
1928 / 30
„ In einer Zeit schwersten wirtschaftlichen Ringens
sind wie
ein Netz geistiger Tankstellen in der Stadt.
hat die Stadt in ihren Freiflächen ein Kapital
Wenn einmal
eine dicht
gemacht
wird
sie nie wieinvestiert,
das seinen
Zinswird,
bringen
wird.
„…Entscheidend ist aber der immaterielle Wert dieser
Diese Investition
in der
Rezession
wird wahren keine
der entstehen.
Kultur ist
eben
keine Dekoration,
Kultur in unserer Hauptstadt. Kultur ist Ausdruck von
Lohn bringen“.
Ausstattung, die eine Nation sich leistet. Kultur ist viel- Humanität, sie beschreibt das Wesen unserer
mehr eine Vor-Leistung,
die allen
zugute
kommt“.
(Stadtbaurat Martin
Wagner,
Januar
1930 )
Gesellschaft und unser Selbstverständnis.
(Zitat: Prof. Monika Grütters, 1.2.2009)
Deshalb ist es so wichtig, dieses Potenzial pfleglich
behandeln. Das kulturelle Erbe gilt es zu
umzu
1914
1.02.2009
bewahren, die künstlerische Avantgarde sich so frei
wie möglich zu entfalten lassen- denn sie geht der
Bedeutung und Wert der Kleingärten als unabdingbarer
Teil wirtschaftlichen
der Gesellschaft
gesellschaftlichen
und
Bau-u. Gartendenkmal,und
Stiftung Denkmalschutz Berlin
12/13
4. kultureller Wert
Wirklichkeit voraus .
Die Kultureinrichtungen
sind wie ein Netz geistiger
um 1912/13
- ein kleiner Exkurs (Baukultur)
Tankstellen in der Stadt. Wenn einmal eine dicht
gemacht wird, wird sie nie wieder entstehen.
Kleingärten
1928 / 30 als unabdingbarer Teil der Gesellschaft Kultur ist eben keine Dekoration, keine Ausstattung,
eine Nation sichBaum
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ist vielmehr eine
Die die
Kleingartenanlage
inKultur
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4. kultureller Wert
Vor-Leistung, die allen zugute kommt“.

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4. kultureller Wert Bedeutung und Wert der Kleingärten a
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n kleiner Exkurs (Musikkultur) -

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Kapital
wird.
d wahren

(Zitat: Prof. Monika Grütters, 1.2.2009)

Seminar „Management“ des BDG, 24. Mai 2013, Brandenburg a. d. Havel ■

Bedeutung und Wert der Kleingärten als unabdingbarer Teil der Gesellschaft
37
Seminar „Management“ des BDG, 24. Mai 2013, Brandenburg
d. Havel ■ Vortrag Prof.Wert
Dr. K. Neumann : „Hat das Kleingartenwesen eine Zukunft ?“ ■
4.a. kultureller
- ein kleiner Exkurs (Musikkultur) - ?
um 1914
Schutzwürdiges

„…Entscheidend ist aber der immaterielle Wert dieser
Stiftung Denkmalschutz Berlin
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(UNESCO)
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Gesellschaft und unser Selbstverständnis.
Deshalb
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„ In einer Zeit
schwersten
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Ringenspfleglich
hat die Stadt in
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Freiflächen
ein gilt
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zu behandeln.
Das
kulturelle
Erbe
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investiert,
das
seinen Zins bringen
wird. sich so frei
bewahren,
die
künstlerische
Avantgarde
„…Entscheidend ist aber der immaterielle Wert dieser
age Baum in Eisenberg
Diese Investition in der Rezession wird wahren
wie
möglich zu entfalten lassen- denn sie geht der Kultur in unserer Hauptstadt. Kultur ist Ausdruck von
Lohn bringen“.
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24. Mai 2013, Brandenburg
d. Havel ■ Vortrag und
Prof.Die
Dr. K.
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Kleingartenanlage
Baum
in Eisenberg
Humanität,
sie
beschreibt
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Wirklichkeit
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. Wagner, Januar 1930 )
(Stadtbaurat
Martin
Gesellschaft und unser Selbstverständnis.
Seminar „Management“ des BDG, 24. Mai 2013, Brandenburg a. d. Havel ■
Die Kultureinrichtungen sind wie ein Netz geistiger
Deshalb ist es so wichtig, dieses Potenzial pfleglich
Tankstellen in der Stadt. Wenn einmal eine dicht
1914
zu behandeln. Das kulturelle
Erbe gilt es zu
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gemacht wird, wird sie nie wieder entstehen.
1.02.2009
bewahren,
die
künstlerische
Avantgarde
sich so frei
Kultur ist eben keine Dekoration, keine Ausstattung,
Schutzwürdiges
wie
möglich
zu
entfalten
lassendenn
sie
geht der
die eine Nation sich leistet. Kultur ist vielmehr eine
(UNESCO)
Kulturgut
gesellschaftlichen und wirtschaftlichen und
Vor-Leistung, die allen zugute kommt“.
(Zitat: Prof. Monika Grütters, 1.2.2009)
Wirklichkeit
voraus
. ?e. v. – grüne schriftenreihe 227
22	
bundesverband
deutscher
gartenfreunde
Die Kultureinrichtungen sind wie ein Netz geistiger
Tankstellen in der Stadt. Wenn einmal eine dicht

ungen in anderen Bereichen: Beispiel Friedhofswesen

um 1914

?
Schutzwürdiges
(UNESCO) Kulturgut
?

Nachnutzungen in anderen Bereichen: Beispiel Friedh
Die Kleingartenanlage Baum in Eisenberg
Seminar „Management“ des BDG, 24. Mai 2013, Brandenburg a. d. Havel ■ Vortrag Prof. Dr. K. Neumann : „Hat das Kleingartenwesen eine Zukunft ?“ ■

Schutzwürdiges (UNESCO)
Kulturgut?
II. Gründe für das Auflassen von Parzellen
III. Alternativen für die Umgestaltung bzw. Umnutzung
von Parzellen
IV. Möglichkeiten der Unterstützung der Kleingärtner im
Rahmen der Umgestaltung
Große Entleerung ländlicher Regionen

Seminar „Management“ des BDG, 24. Mai 2013, Brandenburg a. d. Havel ■ Vortrag Prof. Dr. K. Neumann : „Hat das Kl

zu viele Kleingärten zu wenig Menschen

Dramatischer Zuzug in urbane Verdichtungsräume

zu wenig Kleingärten zu viele Menschen

Nachnutzung in anderen Bereichen:
Beispiel Städtebau – Stadtplanung,
Nachnutzungen
anderen Bereichen: Beispiel Städtebau – Stadtplanu
Beispiel
Stadt inGuben

- Beispiel Stadt Guben Nachnutzungen in anderen Bereichen: Beispiel Städtebau – Stadtplanu
Wohnkomplex 2004 „Vom
Markt nehmen“
- Beispiel
Stadt Guben -

BDG, 24. Mai 2013, Brandenburg a. d. Havel ■ Vortrag Prof. Dr. K. Neumann : „Hat das Kleingartenwesen eine Zukunft ?“ ■

Wohnkom
2004

40

Wohnkom
„Vom Ma
2004
nehmen

•	  Problem identisch mit anderen Strukturen der
Stadt- und Regionalentwicklung
• 	 welche Lösungsstrategien?

„Vom Ma
nehmen

Nachnutzungen in anderen Bereichen: Beispiel Friedhofswesen

Nachnutzung in anderen Bereichen:
Beispiel Friedhofswesen

Wohnkomplex 2006 „Vom Markt genommen“

Wohnkomp

„Vom M
Wohnkomp
genomm

„Vom M
Quartier
genomm
Böhmisch

Quartier
Böhmisch

Park / Grün = Keine Lö

Seminar „Management“ des BDG, 24. Mai 2013, Brandenburg a. d. Havel ■ Vortrag Prof. Dr. K. Neumann
: „Hat das
Kleingartenwesen
eine Zuk
Park
/ Grün
= Keine
Lö
Quartier-Park
Böhmischer Ring
Park/Grün
=Keine
Lösung
mehr
Seminar „Management“ des BDG, 24. Mai 2013, Brandenburg a. d. Havel ■ Vortrag Prof. Dr. K. Neumann : „Hat das Kleingartenwesen eine Zuk

bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 227	

23

Nachnutzung
in anderen Bereichen:
Zielstrategie
Nachnutzungen
in anderen Immobiliengesellschaft:
Bereichen: Beispiel
Wohnungsbau
Beispiel Wohnungsbau/Immobilien- neuer
– neuer strategischer Lösungsansatz –

/ Imm

strategischer
Entwicklung einesLösungsansatz
individuellen

Immobiliengesellschaft Zielstrategie:
Grünflächen-Portefeuille
Entwicklung eines individuellen Grünflächen- Portefeuille

Problem > Leerstand > Wohnraumüberangebot > Marktbereinigung

Problem > Leerstand > Wohnraumüberangebot/
> Wertvernichtung > Bilanzverlust
Immobilien > Marktbereinigung
> Wertvernichtung > Bilanzverlust
> 4 ha mehr Freifläche > Kosten (umlagefähige Mietkosten)
> 4 ha mehr Freifläche > Kosten
(umlagefähige
> Freiraum
= MietUnraum ?
oder:
Freiraum = Wertraum ?
kosten)
Kostenlose Verwahrlosung oder
Kostenträchtige Inwertsetzu
> Freiraum = Unraum? oder: Freiraum = Wertraum?
Kostenlose Verwahrlosung oder Kostenträchtige Inwertsetzung

chen: Beispiel Wohnungsbau / Immobilien
ischer Lösungsansatz -

Seminar „Management“ des BDG, 24. Mai 2013, Brandenburg a. d. Havel ■ Vortrag Prof. Dr. K. Neumann : „Hat das Kleingartenwesen eine Zukunft ?“ ■

überangebot > Marktbereinigung
nzverlust
Kosten (umlagefähige Mietkosten)
oder:
Freiraum = Wertraum ?
g oder
Kostenträchtige Inwertsetzung

44

Zielstrategie zur Inwertsetzung ehemaliger
Kleingartenparzellen
Entwicklung eines individuellen NutzungZielstrategie zur Inwertsetzung ehemaliger Kleingartenparzellen
Portefeuille
– ein struktureller Ansatz –
Entwicklung eines individuellen Nutzung- Portefeuille - ein struktureller Ansatz Gegenwart
Phase 0

Gegenwart
Phase 1

Maßnahmen- Portefeuille
Phase 1

 alte Nutzer auf leeren Parzellen
Beginn
Parzellen neue Nutzer auf leeren Parzellen
Kleingarten
100 %
Nutzung

leerstand

- Parzelle

 neue Nutzung auf leeren Parzellen

- Verein

6.10.2012
Kleingarten

Durch Zusammenlegung
größere Parzellen z.B.für
Interessierte , PflegePatenschaften, GartenWG
Durch Generierung neuer
„Klienten“+ „Partner“
neue Gartenformen
(Apotheke, Schule, Sport)
Durch neue Nutzung
Flächensicherung (z.B.
GartenKunst, GartenKultur,
Grünes Stadtmarketing

Kleingarten

- Parzellen
Seminar „Management“ des BDG, 24. Mai 2013, Brandenburg a. d. Havel
■ Vortrag Prof. Dr. K.- Parzellen
Neumann : „Hat das Kleingartenwesen e
- Verein

- Verein

Zielstrategie
Seminar „Management“
des BDG, 24. Maizur
2013, Inwertsetzung
Brandenburg a. d. Havel ■ ehemaliger
Vortrag Prof. Dr. K. Kleingartenparzellen
Neumann : „Hat das Kleingartenwesen eine Zukunft ?“ ■

45

Entwicklung eines individuellen Nutzung- Portefeuille - ein struktureller Ansatz Gestern

Gegenwart
Phase 1

Nahe Zukunft
Phase 2

ferne Zukunft
Phase 3

Beginn
Neue
Nutzung
?

- ParzellenKleingarten

leerstand

Zunahme

- Parzelle
Parzellenleerstand

- Verein

6.10.2012

Kleingarten

Havel ■ Vortrag Prof. Dr. K. Neumann : „Hat das Kleingartenwesen eine Zukunft ?“ ■

Neue
Betreiber
?

?
Grün = Natur
Grau = Gewerbe
Rot = Bebauung
Gelb = Sportkommerz

Neue
Bedarfe
?

42
- Parzellen
- Verein

Neues
Recht
?
Kleingarten
- Parzellen

Existenz
Verein

- Verein
Seminar „Management“ des BDG, 24. Mai 2013, Brandenburg a. d. Havel ■ Vortrag Prof. Dr. K. Neumann : „Hat das Kleingartenwesen eine Zukunft ?“ ■

24	

46

bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 227

Zielstrategie zur Inwertsetzung ehemaliger
Kleingartenparzellen

•	 S
 ie haben großen Zuspruch bei parlamentarischen
Abenden und Gesprächsrunden,

Entwicklung eines individuellen NutzungPortefeuille: „Garten-Portefeuille“ – ein
struktureller Ansatz –

• 	 haben ein eigenes und weit verbreitetes gutes Presseorgan,
• 	 haben sogar eine eigene Ausstellungspräsenz bei der
Welt größten Agrarmesse und

Zielstrategie zur Inwertsetzung ehemaliger Kleingartenparzellen:
Entwicklung eines individuellen Nutzung: „Garten-Portefeuille“ - ein struktureller Ansatz 2. Beginnender teilweiser Leerstand

3. Überwiegender Leerstand

• 	 bei allen regionalen, nationalen und internationalen
Gartenschauen,
• 	 haben ein eigenes Gesetz auf Bundes- und Landesebene, von dem alle sagen bzw. warnen „es ist so gut
und daher bloß nicht anfassen/ändern“.
4. Zunehmender Leerstand mit
Fremdnutzungen

5. neue „grüne“ Nutzungen (z.B.
urbane gardening-Formen

6. neue Fremdnutzungen

Was will man mehr an (externer) Unterstützung?
Man muss sie (die Kleingärtner) nicht mögen, aber man
möchte sie nicht zum Feind haben
Seminar „Management“ des BDG, 24. Mai 2013, Brandenburg a. d. Havel ■ Vortrag Prof. Dr. K. Neumann : „Hat das Kleingartenwesen eine Zukunft ?“ ■

47

Welche rechtlichen Änderungen
würden eine größere Unterstützung
ermöglichen?
Thema Unterstützung

•	 U
 nterstützung und damit mediale und gesellschaftliche Akzeptanz fördern, durch interne einfache, dem
Zeit und Gesellschaft angepasste Regularien
	 –		 Satzungen
	 –		 vereinsinterne Regelungen
	 –		 individuelle Freiheiten und Nutzungsoptionen
	 –		 Öffnung für lokale Quartiersnutzungen,
	Erlebbarkeiten
	 – 		lokale, regionale Pressearbeit
(Hintergrundgespräche) vor Ort

•	 Von wem, welche größere Unterstützung
•	 E
 xtern: Recht ? Verwaltung ? Medien?
Intern: Bund – Land – Bezirk – Verein

Eigentlich ist jegliche (externe) Unterstützung in jedem
Umfang und jeder Art vorhanden:
Da viele Mitglieder + gutes Produkt (Natur, Garten),
kann und will es sich niemand in Politik und Verwaltung leisten, sie (offiziell) nicht zu unterstützen (Wählerstimmen).
Kleingärtner und Kleingartenverbände bekommen nahezu:
•	 jeden Politiker, ob Minister, Staatssekretär, Ministerpräsident, Senator, Bürgermeister oder Stadtrat zu
Ihren Veranstaltungen,
• 	 jeden gewünschten Gesprächstermin auf politischer
und administrativer Ebene bei Abgeordneten in
Bund, Land, Kommune oder Bezirk.

bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 227	

Ein oftmals „merkwürdiges“ Image und die zweifelhafte
Darstellung in den Medien zum Kleingarten/Kleingärtner
resultiert nicht auf unzureichenden Bundes- oder landespolitische Aktionen, – sondern auf nicht immer kluger
und überzeugender Arbeit und Darstellung Vor-Ort
Rechtliche Grundlagen
Die Regelungen für das Kleingartenwesen basieren auf
dem Bundeskleingartengesetz und der gültigen Gartenordnung, die gemeinsam mit dem Gartenamt der Stadt
… nach dem Muster des Landesverbandes … erstellt
wurde. Es gelten somit in allen … Kleingartenanlagen
einheitliche Regelungen. Bei Übernahme eines Kleingartens wird dem neuen Unterpächter mit dem Pachtvertrag auch die Gartenordnung ausgehändigt, an deren Regelungen er sich zu halten hat.
Viele Probleme im täglichen Miteinander der Gartenfreunde und damit Ursachen, für eine nicht überzeugen-

25

de Aussendarstellung in der Stadt, können nicht über die
Paragrafen des Unterpachtvertrages oder der Gartenordnung geregelt werden; sie gehören in den Bereich des
menschlichen Miteinanders.
Wir empfehlen, bevor man sich wegen eines Konfliktes
beim Vorstand oder bei Fachamt oder gar in der Öffentlichkeit beschwert, erst einmal mit dem Anderen zu reden und eine friedliche Lösung des Problems zu suchen
– ganz im Sinne des bayerischen Mottos: Leben und leben lassen. (Zitat: Anonym, April 2013)

Rechtlich-administrative Änderungen/
Verbesserungen/ Ergänzungen
„Ein 15 Punkte Programm“
1.		Kleingärten (wie bei Kultur) nicht mehr als Zwischensondern grundsätzlich als Dauernutzung etablieren
(oder gibt es temporäre Oper, Museum?)
2.		
Vergleichbar städtischem „Kulturetat“ Etablierung
eines Finanzbudgets zur kulturellen, sozialen und
ökologischen Weiterentwicklung/Sicherung von
Kleingartenparks
3.		Einbindung von Kleingartenanlagen in die Systematik der naturschutzrechtlichen Eingriff-AusgleichKompesantionsregelungen (auch Fiskalersatz)
4		Initiierung von anerkannten und mit parlamentarischem Mandat versehenen Beiräten, z. B. Bundes-,
Landeskleingartenbeirat mit Beteiligungs-Obligo in
gesetzlichen Verfahren
5.		Einbindung als Sachverständigengremium auch in
EU Gesetzgebungsverfahren (z.B. einheitliche Saatgut-EU-Verordnung)
6.		
Einbindung Kleingartenwesen in das Aktionsfeld
der Bundesagentur für Arbeit
7.		
Entwicklung eines Schutzwürdigkeitsstatus auch
unter kulturellen und baukulturellen Aspekten
8.			Einbindung in urbane kommunale Sozialprogramme (z.B. Berlin „Soziale Stadt“, „Stadtumbau“)
9.		 	Einbindung/Beteiligung in ländliche Programme
(BMVBS Wettbewerb „Menschen und Erfolge“)
10.			Certifizierung Umweltmanagement für Verband
und Anlage gem. EMAS, DIN EN ISO 14001 mit Benennung eines Umweltbeauftragten ernennen (vgl.
BUND)
11.			Kleingartenanlagen als „neue Location“ für Kunst &
Kultur & Kulinarik & Sport & Gesundheit positionieren
12.			Kleingartenanlagen als Teil eines gesamtstädtischen
Stadtmarketing neu Inwert setzen (Beispiel: Baumblütenfest Werder)

26	

13.		Nicht mehr genutzte Anlagen und Parzellen in den
Stadt- und regionalpolitischen Gesamtdiskurs zur
Raum- und Gesellschaftsentwicklung einbringen
(„Runder Tisch“)
14.			Kleingärten als Lehr- und Lernorte in der Gesellschaft entwickeln (Baumschnitt, Rosenschnitt bei
Obi oder im Kleingarten lernen? Salat im Geschäft
oder im Garten sehen?)
15.		Strukturell und inhaltlich grundlegend neuen, anderen gesamtstädtische/räumlichen Kleingartenentwicklungsplan konzipieren (Qualität statt Quantität)

Kleingarten – Orte in Stadt & Land & Gesellschaft & Kultur der Zukunft
•	 G
 ärten als friedvolle Orte individueller und gemeinschaftlicher Zufriedenheit
•	 G
 ärten sind ein Produkt für alle Generationen und
Nationen.
•	 Ort der finanziellen Entlastung für die Kommunen
•	 Gärten

werden zum unverzichtbaren Bestand eines
erträglichen Stadtklimas
•	 Z
 entrale Orte zum Erlenen und zum Verständnis von
Umweltbewusstseins
•	 Orte des interkulturellen Miteinander
•	 Gärten

als Arche Noah und Überlebensraum für
bedrohte Tier- u. Pflanzenarten
•	 Basisorte kreativer und gesunder Ernährung
•	 Orte

für neue und kluge Architektur und Energieinnovationen
•	 Neue Zufluchtsorte für junge Städter
•	 O
 rte als neuen Bildungsmedium im Umgang mit
Natur-Kultur
•	 Orte sozialen Kitts
Die Zukunft gehört denen, die sich die Natur zurück ins
Leben holen

bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 227

Kommunale Bedeutung der Kleingärten

Ist das Kleingartenwesen
reformbedürftig?
	
Bernd Düsterdiek
(Referatsleiter des
Deutschen Städte- und
Gemeindebundes
(DStGB))

Die Kleingärten und insbesondere deren Pächterinnen
und Pächter leisten in Deutschland einen wichtigen
städtebaulichen, ökologischen und auch sozialen Beitrag zur Gestaltung der Städte und Gemeinden.

Kleingärten sind in Deutschland sehr beliebt
Wenn man sich in Brandenburg oder auch in anderen
Bundesländern umschaut, kann man grundsätzlich
feststellen:
Die Kleingartenbewegung erfreut sich nach wie vor
wachsender Beliebtheit. Allein in Berlin gibt es derzeit
über 925 Kleingartenanlagen mit mehr als 73 000 Parzellen. In Nordrhein-Westfalen kommen wir auf etwa
1 600 Kleingartenanlagen mit mehr als 120 000 Parzellen auf über 5 000 Hektar Fläche. Dies zeigt die nach
wie vor herausragende Bedeutung des Kleingartenwesens in Deutschland. Kleingärten sind ein fester und
wichtiger Bestandteil der deutschen Städte und Gemeinden.
Mehr als fünf Millionen Menschen sind in ihrer Freizeit Kleingärtner. Organisiert in über 15 000 Vereinen
pflegen tagtäglich 2 über eine Million Menschen in
Deutschland ihre Kleingärten. Dies ist bemerkenswert!

bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 227	

Unstreitig sind aus kommunaler Sicht die Kleingärten
in vielerlei Hinsicht von Bedeutung:
Sie sind eine ökologisch wertvolle Grünzone. Kleingärten bieten Rückzugsräume für Flora und Fauna. Wie der
Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e. V. (BDG)
mitgeteilt hat, gibt es nicht umsonst eine verblüffende
Artenvielfalt in den Kleingärten. Über 2 000 Pflanzenarten sind in den deutschen Kleingärten zu finden. Das
sind immerhin 22 Prozent der auf deutschem Boden
insgesamt anzutreffenden Arten.
Mindestens so wichtig ist die gesellschaftliche Funktion der Kleingärten. Als öffentlicher Raum der Begegnung und gemeinsame Aktivitäten der Menschen regen
sie insbesondere die Kommunikation und Integration
an. Über 80 Prozent der Kleingartenanlagen sind in
Deutschland öffentlich zugänglich. Der Wert der Kleingartenanlagen ist somit gerade für die Mehrheit städtischer Familien mit Kindern augenscheinlich, da sie
zumeist in einer Mietwohnung ohne eigenen Garten
leben. So verwundert es auch nicht, dass die Neuverpachtungen von Gärten an Familien mit Kindern in den
vergangenen Jahren bei deutlich über 40 Prozent lagen,
in den Großstädten ist der Anteil sogar noch größer.
Besonders hervorzuheben ist das Potenzial der Kleingärten zur Integration von Menschen. Vor allem die
dicht besiedelten Gebiete – voran die Städte und Gemeinden in den Ballungsräumen – können von dieser
gesellschaftspolitischen Herausforderung berichten.
Menschen unterschiedlicher sozialer und ethnischer
Herkunft finden in Kleingartenvereinen seit vielen Jahren ein Zuhause und praktizieren ein beispielhaftes
„Miteinander über den eigenen Gartenzaun hinweg“.

Stadtentwicklungspolitik –
Städtebauförderung
Die genannten Aspekte tragen dazu bei, dass die Kleingärten die Wohn- und Lebensbedingungen der Menschen in Stadtteilen oder Quartieren deutlich verbessern und stabilisieren. Das Kleingartenwesen gehört
daher nach Auffassung des DStGB zum festen Bestandteil einer integrierten Stadtentwicklungspolitik und sollte daher auch in Zukunft eine entsprechende finanzielle
Förderung im Rahmen der Bundesstädtebauförderung
erfahren. Angesichts der aktuellen Gespräche zu einer
Neuausrichtung der Städtebauförderung des Bundes
und der Länder wird der DStGB daher diesen Aspekt
aufgreifen.

27

Herausforderungen und Probleme
Wie auch die Städte und Gemeinden muss sich das
Kleingartenwesen in Deutschland aber dem demografischen Wandel und dem damit verbundenen Generationswechsel, aber auch immer komplexeren rechtlichen
Rahmenbedingungen und den sonstigen Entwicklungen im Freizeitverhalten stellen. Es fragt sich daher,
welche Antworten das Kleingartenwesen auf diese gesellschaftspolitischen Herausforderungen geben kann.
Mit der Gesamtthematik haben sich bereits verschiedene Untersuchungen und Studien beschäftigt. Beispielhaft sei die in Nordrhein-Westfalen veröffentlichte
Studie „Zukunft des Kleingartenwesens in NRW“ aus
dem Jahr 2009 erwähnt. Aktuell ist zudem die BMVBSStudie „Bewältigung der Leerstandsproblematik in
Kleingartenanlagen in strukturschwachen Regionen“
veröffentlicht worden. Das Fazit der Studie lautet:
„Das Kleingartenwesen wird auch in Zukunft nicht an Bedeutung einbüßen, aber es wird sich verändern.“
Hierbei erweist sich – auch aus Sicht des DStGB – der
Leerstand von Kleingärten vor allem für Klein- und Mittelstädte, besonders im ländlichen Raum, als Problem.
Die Zukunft des Kleingartenwesens wird mithin nicht
vom Neubau von Kleingartenanlagen geprägt sein, sondern von der Wiederverpachtung und der Umnutzung
leerstehender Gartenparzellen, um die Qualität der Anlagen zu erhalten. Es ist zudem sinnvoll, Maßnahmen
zur besseren Eingliederung in das gesamtstädtische
System und auch zur stärkeren Verflechtung mit dem
regionalen Umland im Auge zu behalten.
Insoweit ist die Schlussfolgerung richtig, mittel- und
langfristige Strategien zur Sicherung und Anpassung
des Kleingartenwesens auf den unterschiedlichen Organisationsebenen des BDG und vor Ort gemeinsam
mit den kommunalen Verwaltungen zu entwickeln und
schrittweise umzusetzen. Kommunale Gartenoder
Kleingartenentwicklungskonzepte können wirksame
Instrumente auch für die Leerstandsbewältigung sein.
Immerhin hatten bereits über 40 Prozent der befragten Kommunen entsprechende Konzepte, weitere 15
Prozent der Kommunen, überwiegend mit Leerstand,
planen derartige Konzepte. Dieses sind Schritte in die
richtige Richtung.
Da es sich in Sachen „Finanzierung“ um unterschiedliche Aufgaben und Maßnahmen handelt und die kommunalen Haushalte im Grunde nicht mehr belastbar
sind, wird es dafür keine Lösung „von der Stange“ geben können. Gefragt sind individuelle Lösungsansätze
„vor Ort“, die neben der Generierung von Fördermitteln
des Bundes und der Länder (zum Beispiel Stadtumbau,

28	

Renaturierung) auch kommunale Aktivitäten umfassen
können. Beispielhaft sind Pachterlasse für leerstehende
Gärten oder auch Pachtrückflüsse der Kommunen als
Eigentümer an die Kleingärtnerorganisationen zu benennen, die in der Praxis auch befristet und zweckgebunden für den Rückbau von Parzellen gewährt werden
können.

DST-Leitlinien zum Kleingartenwesen 2011
Die vorgenannten Punkte sind auch Gegenstand der
im Jahr 2011 veröffentlichten „Leitlinien des Deutschen
Städtetages zur nachhaltigen Entwicklung des Kleingartenwesens“. Diese vom Arbeitskreis Kleingartenwesen
beim DST und der Gartenamtsleiterkonferenz (GALK)
erarbeiteten Leitlinien wurden auch vom DStGB zustimmend zur Kenntnis genommen und verdienen in
ihren Aussagen breite Unterstützung.
Die Leitlinien heben richtigerweise hervor, dass insbesondere die Bestandssicherung der vorhandenen Kleingartenanlagen sowie die bedarfsgerechte Sicherung von
Ersatzland auch in der kommunalen Praxis im Fokus
stehen sollten. Entsprechend der Notwendigkeit und in
Abhängigkeit von personellen sowie finanziellen Möglichkeiten kann auch die Aufstellung von Bebauungsplänen zur Sicherung des Bestandes als „Dauerkleingarten“ in Betracht kommen.
Mit Blick auf Organisation und Finanzierung muss
schließlich festgehalten werden, dass sich das „Stufenpachtvertragssystem“ mit einer Gliederung nach Generalpachtvertrag, Zwischenpacht und Einzelpacht in der
Praxis durchaus bewährt hat. Insoweit sollte auch in Zukunft an diesem System festgehalten werden. Weitergehende Regelungen können von den Vereinen oder Kommunen in den jeweiligen Kleingartenordnungen „vor
Ort“ getroffen werden. Hier sollte der Leitsatz gelten:
„So viel wie nötig, so wenig wie möglich“ an Regulierung.

Brauchen wir eine Novellierung des Bundeskleingartengesetzes?
Neben den Aspekten einer Attraktivierung des Kleingartenwesens werden die kommunalen Spitzenverbände
immer wieder gefragt, ob das Kleingartenwesen reformbedürftig ist und insbesondere das Bundeskleingartengesetz mit seinen ordnungspolitischen Normen wie
Pachtzinsbegrenzung und Kündigungsschutz noch in
die politische Landschaft passt. Die Antwort lautet:

bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 227

Das Bundeskleingartengesetz in seiner jetzigen Form
sollte inhaltlich nicht in Frage gestellt werden. Maßstab
für zukünftiges Handeln muss die zeitgemäße Erhaltung des Kleingartenwesens in seiner aktuellen städtebaulichen, sozialen und ökologischen Funktion sein.
Hier hat sich das Bundeskleingartengesetz durchaus
bewährt. Als Sondergesetz bietet es einen verlässlichen
Rahmen für die kleingärtnerische Nutzung und auch
die baulichen Voraussetzungen. Nach Auffassung des
Deutschen Städte- und Gemeindebundes bedarf es daher keiner Reform.
Vielmehr sollte der vorhandene rechtliche Rahmen in
seinen Gestaltungsmöglichkeiten genutzt und durch
lokale Aktivitäten gestützt und ergänzt werden. Im
Rahmen der Erarbeitung von Kleingartenentwicklungskonzepten sollte auf eine frühzeitige Beteiligung der
Vertreter aus Politik, Verwaltung und natürlich dem
Kleingartenwesen geachtet werden, um ein von allen
Beteiligten getragenes Konzept entwickeln zu können.
Durch die Aufstellung von Bebauungsplänen sichern
darüber hinaus viele Kommunen bereits heute den Bestand von Dauerkleingärten.
Schließlich bleibt darauf hinzuweisen, dass die gesetzlich bestimmte Nutzungsmöglichkeit des Kleingartens
die Bewertung von Kleingartenland als landwirtschaftliches Vermögen sicherstellt – mit der Folge einer erheblich geringeren grundsteuerlichen Belastung der Kleingärtner. Diese ist Voraussetzung für die städtebauliche
Einordnung von Kleingartenanlagen als Grünflächen.
Dies belegt meines, dass das Bundeskleingartengesetz
für die Kleingärtner im besten Wortsinn als „Schutzgesetz“ verstanden werden kann.

Fazit
Kleingärten sind für eine „lebenswerte Stadt von morgen“ unbedingt zu erhalten und können in vielfältiger
Form Beiträge zur biologischen Vielfalt, für ein attraktiv
gestaltetes Wohnumfeld und auch als „weicher Standortfaktor“ für das Image einer Stadt einen wertvollen
Beitrag leisten. Um dies zu erreichen, ist eine zielorientierte Zusammenarbeit aller Entscheidungsträger sowie der Bürgerinnen und Bürger im Kleingartenwesen
notwendig.

bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 227	

29

Die Zukunft des Kleingartenwesens –
„Kleingartenparks“
	
Peggy Heyneck
(Stadt Wittenberge,
Bauamt, SG Umwelt)

Ergebnisse und Erfahrungen beim
Rückbau von Kleingärten

Peggy Heyneck

Wittenberge – Elbestadt im Wandel
–	 Stadt bis 1990 eine Industriestadt
–	 deutlicher Bevölkerungsrückgang von ca. 27.850 Einwohnern 1990
–	 für das Jahr 2020 ca. 15.270 Einwohner prognostiziert
–	 Wohnungsleerstand durch Rückbau reduzieren
–	 Neustrukturierung von Siedlungsgebieten
–	 Frage der Nachnutzung von Brach- und Freiflächen

Landschafts- und Freiraumkonzept 2030
Andreas Madauß
(Landesgartenfachberater
im Landesverband
Brandenburg der Gartenfreunde e.V.)

–	
–	
–	
–	

Analyse der Freiraumsituation
Bedarfe und Entwicklungstendenzen
Maßnahmeplan 2010-2030
Entwicklung eines Zielplans

hafts- und
mkonzept 2030

und Erfahrungen beim
er Freiraumsituation
n Kleingärten
d Entwicklungstendenzen
eplan 2010-2030
g eines Zielplans

ge
mwelt

30	

bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 227

ünflächenversorgung
Stand der Frei- und Grünflächenversorgung

Kleingartenanlagen im Stadtgebiet von
Wittenberge
–	 2
 9 Kleingartenvereine bewirtschaften rund 73,4 ha
Kleingartenflächen
–	 Kleingartenanalagen konzentrieren sich in den Randgebieten der Stadt
–	 Rückgang der Nachfrage nach Kleingärten auf Grund
der Altersstruktur
–	 bis 2030 Auflassung von etwa 80 % der Kleingärten

Nachnutzung von aufgegebenen Kleingärten
Gestaltung eines „Flickenteppichs“ bis zur vollständigen
Aufgabe der Gartenanlage
Kurzfristige kleinteilige Maßnahmen:
–	 Projekt „Schulgarten“
–	 Nutzung als Tafelgärten
–	 Anlegen von Streuobstwiesen
Langfristige großflächige Maßnahmen
–	 Umnutzung der Kleingartenanlage
–	 Gestaltung von Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen

Stand der Frei- und Grünflächenversorgung
Kleinteilige Maßnahmen als Zwischenlösung
Projekt „Schulgarten“
–	 Gärten nicht in der Nähe der Schulstandorte
–	 Integration in den Unterricht
–	 Fachkundige Begleitung
–	 Pflege und Betreuung außerhalb des Unterrichts und
in den Ferien
Projekt „Tafelgärten“
–	 Fachkundige Begleitung
–	 Gewährleistung einer dauerhaften Pflege

Dauerhafte Umnutzung der Kleingärten
–	 s tädtebauliches Entwicklungsziel muss vorhanden
sein
–	 Zusammenhängende Fläche muss zur Verfügung
stehen
–	 Gartenanlage muss beräumt sein
–	 Frage der Entschädigung für Pächter, die gekündigt
werden

bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 227	

31

Maßnahme KGA „Kahl-Horst-Weg“ und
„Wiesengrund“
–	 V
 orgezogene Ausgleichsmaßnahme für den Bau der
A 14
–	 Anlage von Kleingewässern
–	 Pflanzung von Bäumen und Feldgehölzen

Konflikte beim Rückbau der
Kleingartenanlagen
–	 Problem der zusammenhängenden Flächen
–	 Entwicklung des Standortes der Kleingartenanlagen
–	 Umgang mit verwahrlosten Gärten und aufgegeben
Nachbargärten
–	 bei Kündigung der Pachtverträge Zahlung der Entschädigung

Die Entwicklung des Kleingartenwesens bis
2030
Folgende Fragen stellen sich:
–	 Wie viele Kleingärten werden gebraucht?
–	 Wo befinden sich zukünftig unsere Kleingärten in
der Stadt?
–	 Wie können die Kleingartenanlagen umverlagert
bzw. zusammengelegt werden?
–	 Wie können die Entschädigungskosten gezahlt werden?
–	 Wie wird die Renaturierung finanziert?
Herausforderung für die Zusammenarbeit der Stadt
Wittenberge mit dem Kreisverband der Gartenfreunde
e.V.

Erfahrungen des Kreisverbandes
Gartenfreunde e.V. Prignitz bei der
Renaturierung von Kleingärten
(Rückbau)		
	
Andreas Madauß

Die gravierenden Veränderungen im wirtschaftlichen
Gefüge des Kreises nach der politischen Wende haben
auch mittelfristig erhebliche Auswirkungen auf die Entwicklung des Kleingartenwesens im Landkreis Prignitz
und auf die Lebensqualität unserer Mitglieder, sowohl
im privaten, als auch im Vereinsbereich.
Die Abwanderung von vor allem jungen Familien bringt
die Tatsache mit sich, dass die natürlichen Abgänge
durch Alter und die Ortsveränderung durch fehlende
Arbeit nicht mehr ausgeglichen werden können. Das
beeinträchtigt sowohl das Verhalten der Menschen, als
auch die Lebensqualität der noch verbleibenden Gartenfreunde.
Dieser Umstand hat seit Langem im Vorstand des
Kreisverbandes Gartenfreunde e.V. Prignitz eine Rolle
gespielt und bereits 1999 wurde in kleinen Schritten
versucht, diese wichtige Angelegenheit im Auge zu behalten. Es geht darum, die Lebensqualität im Bereich
des Kleingartens zu erhalten und wenn möglich, zu verbessern. Das sind wir unseren Mitgliedern schuldig.
Die gegenwärtige Lage führt zum völligen Zerfall der
Entschädigung für die abgebenden Pächter. Bei uns
werden die Entschädigungen für die Bebauung und den
Bewuchs zu 90 % in einen Euro gehandelt. Es kommt
auch vor, dass die Pächter verschwunden sind und es
für die Vereine größerer Aufwendungen bedarf, um
erst einmal heraus zu bekommen, wo er geblieben ist
(Kosten bei den Behörden). Meistens handelt es sich
um Menschen, die Harz IV-Empfänger sind und bei ihnen bleibt der Verein auf den Kosten sitzen. Dort wo
wir mittels Rechtsprechung die Angelegenheit klären
wollten, sind uns zusätzlich nur Anwaltskosten entstanden ohne etwas substanzielles zu erreichen. Bevor also
Rechtsmittel eingeleitet werden, muss geklärt werden,
ob der Betroffene überhaupt zahlungsfähig ist. Zwecks
solcher Fälle haben wir einen Renaturierungsfonds gebildet, aus dem die Vereine eine finanzielle Unterstützung bekommen können.
Die Renaturierung in den Kleingartenanlagen erweist
sich aus unseren bisherigen Erfahrungen als sehr kompliziert, obwohl erste positive Ergebnisse vorliegen.
Leider stellt sich heraus, dass nur wenige Pächter bereit
bzw. in der Lage sind, ihr bewegliches Eigentum mitzunehmen, und die mit dem Boden fest verbundenen
Baulichkeiten, zurückbauen. Gründe dafür sind in der

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bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 227

Regel die Einkommensverhältnisse und das immer
mehr um sich greifende „Mietnomadentum“.
Diese Situation ist von den Vereinen bzw. vom Zwischenpächter kaum zu beherrschen. Gründe liegen dafür:
•	 I n dem hohen organisatorischen Aufwand, aktuelle
Adressen der Betroffenen zu beschaffen
•	 Die Zeit- und Finanzaufwendungen bei juristischer
Verfolgung sind von den Zwischenpächtern kaum
bzw. nicht mehr zu leisten.
Da die kommunalen Bodeneigentümer nur dann Flächen zurücknehmen, wenn sie für sie wirtschaftlich verwertbar sind (große beräumte Flächen) spitzt sich die
Situation weiter zu.
Bei der zurzeit praktizierten Arbeit (der Pächter kündigt
aus Altersgründen oder weil er körperlich nicht mehr
in der Lage ist die Flächen zu bewirtschaften, besonders
alleinstehende Frauen) entstehen relativ kleine freie
Flächen, die den Verein finanziell belasten und die Verpflichtung die Flächen zu pflegen, bringt zusätzliche
Arbeit. Auch das können schon manche Vereine nicht
mehr leisten, weil die älteren Pächter für derartige Arbeiten nicht mehr körperlich in der Lage sind und die
jüngeren, die in Arbeit stehen keine Zeit haben.
Es entstehen in den Anlagen mehr oder weniger große
„Flickenteppiche", die den Vereinen nicht weiter helfen.
Ein großflächiger und damit schneller Rückbau wäre
nur möglich, wenn man den noch länger verbleibenden
Pächter kündigt. Das würde nochmals hohe Kosten für
eine Entschädigung notwendig machen, die finanziellen Mittel sind dafür auch nicht vorhanden.
Die in Potsdam mit dem Ministerium für Infrastruktur
und Landwirtschaft besprochene eventuelle Möglichkeit
der Förderung durch die EU ist somit aufgrund der notwendigen Großflächigkeit nicht realisierbar.
Es geht also nur über eine kleinteilige Förderung, die
über den Bund und die Länder zu realisieren wäre.
Hinzu kommt noch, dass beispielsweise etwa 45 % der
angepachteten Flächen im Privateigentum stehen, die
bei der Renaturierung nicht förderfähig sind.
Statistische Angaben zur grundsätzlichen Entwicklung
im Kreis:
Der Kreisverband Prignitz hat 9 Standorte

Dallmin	

36	

18	

– 50,0 %	

0,5 ha	

Vehlow	

28	

10	

– 61,5 %	

0,4 ha	

1020 m²

5155	

3136	

– 39,17 %	

162,7 ha	

161844 m²

Kreis gesamt	

107,0 ha sind kommunales Eigentum und 57,3 ha teilen sich auf 27 private
Verpächter auf

Es wird sichtbar, dass die einzelnen Standorte sehr unterschiedlich betroffen sind. Besonders im ländlichen
Raum, wo früher neben dem Kleingärtnern auch die
Haltung von Kleintieren eine bedeutende Rolle spielte,
wird dies deutlich.
Obwohl die Pachtpreise in unserer Region sehr moderat
sind, aber die kommunalen Abgaben eine immer größere Belastung darstellen, entwickeln sich in den Vereinen
finanzielle Probleme.
Die rechtliche Situation bestimmt, dass der Verein für
die gesamte Fläche die Pacht und die öffentlichen Abgaben zu entrichten hat, unabhängig davon, wie groß die
Belegung ist. Das bedeutet, dass der Anteil der Pacht für
so genannte Gemeinschaftsflächen immer größer wird.
Beispiel:
Pacht für Gemeinschaftsflächen   2003      2,50 € /pro Parzelle                       
                                                         2012      8,25 € /pro Parzelle
ein Anstieg um

311,2 %

Öffentliche Lasten werden zur Belastung
Die Situation bei den öffentlich-rechtlichen Lasten haben wir vorausschauend bereits im Jahr 1993 versucht
in den Griff zu bekommen, in dem wir Fonds gebildet
haben. Rechtsfonds, danach den Umweltfonds und den
Straßenausbaufonds. Damit konnten wir den Dingen
ruhig entgegen sehen und damals war das Solidaritätsgefühl noch besser ausgeprägt als heute.

Im Jahr 2010 sind folgende Kosten angefallen:
Grundsteuern	

9.426,79 €		Umlagen W+B Verband	

Straßenreinigung	 1.501,10 €		
Standort	 Mitgl.1989	 Mitgl. 2010	

Verluste	

Fläche	

davon renaturiert

2311 	

1491	

– 35,5 %	

73,4 ha	

39.336 m²

1298	

601	

– 54,0 %	

34,8 ha	

50510 m²

Pritzwalk	815	

590	

– 27,6 %	

26,2 ha	

38175 m²

Karstädt	

411	

234	

– 43,1 %	

15,7 ha	

25503 m²

Lenzen	

100	

95	

– 5,0 %	

5,5 ha	

–

Glöwen	

96	

63	

– 34,8 %	

4,1 ha	

–

Bad Wilsnack	

60	

34	

–43,3 %	

2,1 ha	

–

Wittenberge	
Perleberg	

bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 227	

7300 m²

Winterdienst	

860,46 €
2550,26 €

Gesamtsumme:	 14.338,71 €

Die Kosten konnten wir deswegen bisher so niedrig halten, weil wir sowohl mit den Kommunen und den politischen Gremien regelmäßigen Kontakt pflegen. z.B.
Berichterstattungen vor den jeweiligen Ausschüssen
der Volksvertretungen der Schwerpunktstandorte und
des Kreises. Nutzung des Einflusses von Gartenfreunden, die in die Parlamente gewählt wurden.

33

Welche Überlegungen gab es:
1.	Es werden zuerst die Anlagen freigezogen, die nicht
durch die Bauleitplanung gesichert sind. Empfiehlt
sich nicht, weil sie auf Grund der guten Erreichbarkeit am besten belegt sind (unmittelbare Stadtnähe).
2.	Außerdem werden keine größeren Flächen auf einmal frei. Es entstehen in den Gartenanlagen einzelne
freie Flächen.
3.	Es werden zuerst die privaten Flächen freigezogen
um manchen Ärger aus dem Wege zu gehen. Auch
hier gibt es die Probleme des punktuellen Freiwerdens.
4.	Die Vereine benötigen, ausgehend von der Altersstruktur eine mittelfristige Planung, um daraus festzulegen, welche Flächen freigezogen werden sollen.

Welche Probleme treten bei einer derartigen
Planung auf?
1.	Die älteren Gartenfreunde haben nicht die Gärten nebeneinander und geben auch nicht zusammen auf.
2.	Was wird, wenn der abgebende Pächter einen Nachfolger hat?
3.	Wer bezahlt die Entschädigung an den Gartenfreund,
wenn laut Plan nicht mehr belegt werden soll?
4.	Wer bezahlt die Abrisskosten, wenn der Abgebende
nicht mehr in der Lage ist, beräumen zu lassen?
5.	Wer bezahlt die Abrisskosten, wenn der Pächter verstirbt und die Erben soweit überhaupt bekannt, das
Erbe nicht annehmen?
6.	Was wird dann, wenn die Parzelle durch Baumaschinen nicht erreichbar ist?
7.	Wie werden sich die Kommunen verhalten, nehmen
sie Teilflächen zurück?
8.	Wie werden sich die privaten Verpächter verhalten,
nehmen sie Teilflächen zurück?
Die Stadt Wittenberge verzichtet insofern auf die Pacht,
wenn die Parzellen von jeglicher Bebauung frei gemacht
sind. Die öffentlichen Lasten bleiben und die Vereine
müssen die Flächen pflegen. In einem Fall konnte erreicht werden, dass eine Erbengemeinschaft freie Flächen heraus nimmt, aber nur, weil sie dort bauen lassen
möchte.

Wie wurde bisher die Renaturierung vorgenommen
Sofern die Pächter verschwunden waren, wurde der
Abriss durch die Vereine vorgenommen. Das heißt, im
Rahmen der freiwilligen unbezahlten Arbeitsstunden.

34	

Es ist uns in einem Falle gelungen, eine MAE-Maßnahme zu installieren. Hier konnten wir sogar 3 arbeitssuchende Gartenfreunde einbinden. Dennoch werden die
Entsorgungskosten für einige Vereine zu einer nicht
tragbaren Kostenbelastung. In den Jahren 2005 bis
2012 wurden in unserem Kreis 48.464,29 € vom Kreisverband und den Vereinen für die Renaturierung aufgewendet.
Davon 45.488,94 € aus dem Renaturierungsfonds und
der Rest aus den Fonds der Vereine. Nicht enthalten
sind die Sachkosten der MAE, die für die Entsorgung
ausgegeben wurden.
Renaturierte Flächen 2005 – 2012
Wittenberge	
Perleberg	
Pritzwalk	
Karstädt	
Lenzen	
Glöwen	
Bad Wilsnack	
Dallmin	
Vehlow	
Kreis gesamt	

39.336 m²
50.510 m²
38.175 m²
25.503 m²
–
–
–
7.300 m²
1.020 m²
161.844 m²

Das sind bei einer durchschnittlichen
Parzellengröße von 430 m² = 376 Parzellen

Materieller und finanzieller Aufwand
Es wurden 260 Container Sperrmüll, Beton und Rotbruchabfälle gleich 936 t entsorgt. Weiterhin waren ca.
180 t asbesthaltige Stoffe und 15 t Dachpappe zu entsorgen. 21.600 freiwillige Arbeitsstunden sind dabei angefallen.
Der finanzielle Aufwand betrug aus dem Renaturierungsfonds 45.488,94 €, die Vereine bezahlten aus den
Vereinskassen 8.224,65 €; hinzu kommen die Kosten,
die im Rahmen der MAE angefallen sind (ca. 14400 €
Sachkosten). Insgesamt 68.113,59 Euro. Das sind durchschnittlich 181,15 € pro Parzelle.
Das war nur möglich, weil wir zum einen spontane Hilfe von den Kommunen erhielten und zum anderen eine
langfristige Zusammenarbeit mit freien Trägern entwickelt wurden. Die Zusammenarbeit der freien Träger
mit der territorialen Arge hat hier ebenfalls für uns gut
zu Buche geschlagen.

bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 227

Dazu der Vergleich
Wenn diese Arbeiten durch eine Fachfirma ausgeführt
worden wären, müssten nach entsprechenden Kostenvoranschlägen pro Parzelle 2.300 € gleich 864.800,00 €
aufgebracht werden. Neben den Kosten für die Renaturierung, gibt es bei der Pflege der Flächen zunehmend
große Probleme. Der KGV Paul Klink e.V. in Wittenberge muss zur Zeit  12.000 m² Grünfläche pflegen. Dafür
hat der Verein einen Mähtraktor, zwei große Rasenmäher und eine Motorsense angeschafft. Bei 129 Mitgliedern, (Tendenz fallend)einem Altersdurchschnitt von 63
Jahren (Tendenz steigend) und einem hohen Frauenanteil, wird die Pflege zu einem Problem. Zur Zeit gibt es
noch Gartenfreunde, die die nicht geleisteten Stunden
bezahlen und dadurch die Kleingärtner, die mehr Stunden leisten, einen kleinen Obolus bekommen. Bleibt
hier die ernste Frage, wird das auf ALG II angerechnet?

Flächen ist It. Bundeskleingartengesetz nicht möglich.
Hier ist unbedingt Hilfe/Unterstützung durch den
BDG erforderlich.

Bemerkung
Das sind nur erste, wenige Gedanken zur Problematik
„Renaturierung“.
Durch den BDG (Präsidium und Gesamtvorstand, sowie die Fachberatung und die Öffentlichkeitsarbeit) ist
zu sichern, dass die „Renaturierung“ ein Schwerpunktthema der Leitungstätigkeit sein muss.
Im Zusammenhang mit der Überarbeitung der Satzung
des BDG für den Verbandstag des BDG ist die „Renaturierung" als ein Schwerpunkt der inhaltlichen Arbeit
aufzunehmen.

Schlussfolgerungen
Was wäre zu tun?
Unter Federführung bzw. in Verbindung mit den Kommunen sind Freiflächen-oder Kleingartenkonzeptionen
zu erarbeiten, um erst einmal mittel und langfristig festzulegen, welche Kleingartenanlagen auf Dauer Bestand
haben.
Die Finanzierung der Renaturierung allein durch die
Vereine und Verbände unseres Landesverbandes ist
nicht tragbar. Erfolgt keine grundsätzliche Einordnung
in die Förderprogramme des Bauministeriums sowie
für den Rückbau von leerstehenden Wohnungen, ist
mittelfristig mit der Insolvenz der Zwischenpächter zu
rechnen. Daraus folgt, dass die Zwischenpachtverträge
den Landeigentümern (Verpächtern) zu fallen. Damit
wäre der soziale Gedanke des Kleingartenwesens am
Ende.
Die Schulden der Kommunen im Land Brandenburg betrugen im Jahr 2011 ca. 2,3 Milliarden Euro. Besonders
Städte und Gemeinden, die aufgrund ihrer finanziellen
Situation ein Haushaltssicherungskonzept verfolgen,
haben es schwer. Die Kommunen sparen besonders bei
den sogenannten freiwilligen Leistungen hierzu werden
auch finanzielle Mittel für das Kleingartenwesen gezählt. Deshalb wird es sehr kompliziert werden, Kleingartenentwicklungskonzeptionen zu erarbeiten bzw.
Schlussfolgerungen daraus z. B. zur Renaturierung von
Kleingartenanlagen zu beschließen.
Für private Verpächter gibt es zurzeit überhaupt keinen
Anlass Flächen, die zurückgebaut werden sollen zu akzeptieren. Eine teilweise Rückgabe von renaturierten

bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 227	

35

36	

bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 227

bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 227	

37

Bedarfsgerechte Anpassung
der Kleingartenflächen an die
Bevölkerungsentwicklung
Erfahrungen des Landesverbandes der Gartenfreunde Sachsen-Anhalt e.V.
	
Dr. Walter Strauß
(Präsidiumsmitglied des
Landesverbandes SachsenAnhalt e.V.)

Das Kleingartenwesen in Deutschland war, ist und
bleibt ein Spiegelbild der jeweiligen ökonomischen Situation in Deutschland.
So ist z. B. insbesondere bei den Neupächtern die Quote
der einkommensärmeren Schichten gestiegen.
Nach bundesweiter Untersuchung hat sich die Gruppe
der Arbeitslosen zu einer relevanten Nachfragegruppe
– etwa 10–20 % der Bevölkerung – entwickelt, ganz zu
schweigen von der zunehmenden Altersarmut (zitiert
nach Prof. Dr. W. Tessin, Institut für Freiraumentwicklung Hannover, 2009).
Daraus resultiert u. a., dass in Sachsen-Anhalt das Bundesland mit der höchsten Arbeitslosigkeit in Deutschland, in den Kleingärtnervereinen eine immer dünner
werdende finanzielle Decke vorhanden ist.
Sie kann nicht durch Pachtzinserhöhungen und Umlagen für freie Parzellen verbessert werden.

Land Sachsen-Anhalt –
Schwächen auf einen Blick
1.	Analyse der derzeitigen und zukünftigen Situation
im Kleingartenwesen des Landesverbandes der Gartenfreunde Sachsen-Anhalt e. V.
2.	 Aktivitäten des Landesverbandes zur Verringerung
des Parzellenleerstandes im Zeitraum seit 2005
3.	Einschätzung der Wirksamkeit der Aktivitäten des
Landesverbandes auf Bundes-, Landes-, kommunaler
und Ebene der Mitgliedsverbände
4.	Vorschläge und Forderungen an den Bundesverband
der Gartenfreunde und an die Bundes-, Landes- und
kommunale Politik

•	 hohe Arbeitslosigkeit
•	 unterdurchschnittliches Pro-Kopf-Einkommen
•	 Bruttoinlandsprodukt unter dem Durchschnitt von
Bund und EU
•	 starke Bevölkerungsrückgänge
•	 Zunahme des Anteils älterer Menschen
•	 30 % Single
•	 hohes Pendleraufkommen
•	 unterdurchschnittliche Eigenkapitalausstattung
•	 23 % der Landesfläche sind benachteiligte Gebiete
mit geringer Bodenauslastung
•	 hoher Pachtflächenanteil
•	 niedrige und teils rückläufige Tierbestände
•	 unzureichende regionale Vermarktungswege
•	 geringer Waldvorrat, dabei hoher Anteil junger
Nadelwaldbestände, 57 % Waldschäden
•	 Belastung von Grund- und Oberflächenwasser
•	 Rückgang der Fruchtartendiversität
•	 geringe Infrastrukturausstattung insbesondere im
Bereich Verkehr
•	 31 % der Sachsen-Anhalter werden 2025 zur Rentnergeneration gehören. Derzeit sind es knapp 25 %.
1991 waren es nur 14 Prozent.

 nteil der Landesverbände im BDG an der Gesamtzahl
A
der genutzten Parzellen

38	

bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 227

Die neuen Länder haben bei einem Bevölkerungsanteil
von rund 19,6 % (einschl. Berlin) rund 59,3 % aller
genutzten Parzellen unter Vertrag.

1.3.	Die Gesamtzahl der vertraglich gebundenen Parzellen beträgt 121.587, davon sind 17.415 Parzellen,
das sind 14,3 %, nicht genutzt.

Auf 1000 Einwohner bezogen ergeben sich daraus folgende Anteile (Stand vom 03. 09. 2011):

1.4.	Seit 2012 hat die Zahl der ungenutzten Parzellen
um 2.719 zugenommen, d. h., um 2,2 %.

Auswahl:	

1.5.	
Die Gesamtfläche der gepachteten Parzellen
beträgt 5.214,30 ha, davon sind 796,49 ha oder
15,3 % ungenutzt.

Deutschland	
Alte Bundesländer	
Neue Bundesländer	

12,1 	 Kleingärten
5,9 	 Kleingärten (ohne Berlin)
36,3 	 Kleingärten

Sachsen	

50,9 	 Kleingärten

Mecklenburg und Vorpommern	

48,8 	 Kleingärten

Sachsen-Anhalt	

46,8 	 Kleingärten

Thüringen	

1.6.	Leerstand in Kleingartenanlagen in
Sachsen-Anhalt

31,0 	 Kleingärten

Brandenburg	

28,0 	 Kleingärten

Berlin		

21,2 	 Kleingärten

u. a. Niedersachsen	

8,4 	 Kleingärten

NRW		

5,5 	 Kleingärten

Bayern		

3,9 	 Kleingärten

Baden-Württemberg	

3,7 	 Kleingärten

In Magdeburg haben 14 % der Privathaushalte einen
Kleingarten, in München, Würzburg, Stuttgart oder Koblenz weniger als 2 %, in Köln, Nürnberg, Essen und
Hamburg zwischen 2–4 %.
Daraus folgt, dass die in den neuen Ländern vorhandenen nicht genutzten Kleingartenflächen bei weiterer
negativen demografischen Bevölkerungsentwicklung,
geringer Geburtenzuwachs, Abwanderung in andere
Bundesländer, Überalterung auch in Zukunft nicht beherrschbar ist und zunimmt.
Selbst bei theoretischem Rückgang von 50 % der Kleingartenflächen würden in den neuen Ländern noch
4-mal so viel Pächter wie in den alten Ländern vorhanden sein.

Quelle: Landesverband der Gartenfreunde Sachsen-Anhalt e. V., Stand 02/2013

1.7.	

Rückgang bewirtschafteter Parzellen seit 1990

1.	Analyse der derzeitigen Situation im
Landesverband Sachsen-Anhalt
1.1.		Im Landesverband sind in 29 Regionalverbänden
insgesamt 1.860 Mitgliedsvereine organisiert.
1.2.	Der Landesverband hat 2013 einen Anteil von
rund 10,9 % (104.434 genutzte Parzellen) an der
Gesamtzahl der genutzten Parzellen im Bundesverband der Gartenfreunde.

bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 227	

39

1.8.	 Demografische Entwicklung in Sachsen-Anhalt

2.4.	Durchführung eines Landeskleingärtnerkongresses am 19. 11. 2009 mit Einbeziehung des MLU
Sachsen-Anhalt, Referenten u. a.: Prof. Tessin,
Hannover zur Stadtplanung, Prof. Endlicher, Berlin, zum Stadtklima und Einfluss der Kleingärten,
Ing. Wolf, Stadt Hoyerswerda, zum Stadtumbau
und Rückgang der Kleingartenflächen auf 50 %.
2.5.	Wahrnehmung eines durch die FDP-Fraktion im
Landtag Sachsen-Anhalt organisierten Termins
und Vortrag einer Analyse des Landesverbandes
zum Stand und zukunftsfähiger Entwicklung des
Kleingartenwesens in Sachsen-Anhalt im Ernährungs- und Agrarausschuss des Deutschen Bundestages im Dezember 2010.
2.6.	
Beratungstermin im Präsidium des Landesverbandes und des Regionalverbandes Staßfurt mit
dem Vorsitzenden des Agrarausschusses des
Deutschen Bundestages, Herrn Goldmann, zum
o. g. Thema.

In 20 Jahren wird den Prognosen zufolge die Bevölkerung in Sachsen-Anhalt die älteste in ganz Europa sein.
Wir leben zwar länger, werden aber trotzdem weniger.

2.	Aktivitäten des Landesverbandes
Sachsen-Anhalt zur Verringerung des
Leerstandes von Gartenparzellen im
Zeitraum seit 2005
2.1.	Bildung einer Arbeitsgruppe des Präsidiums des
Landesverbandes im Jahr 2005 – „Bedarfsgerechte Anpassung der Kleingartenflächen an die
Bevölkerungsentwicklung“ unter Leitung eines
Präsidiumsmitgliedes (Mitglieder: Vorsitzende
Stadtverbände Halle, Magdeburg und Dessau sowie aus Mitgliedsverbänden aus der Altmark und
Verbänden mit den größten Anteilen an Parzellenleerstand).
2.2.	Erarbeitung einer Analyse zum Istzustand durch
Dr. Strauß.
2.3.	Bildung und Arbeit einer interministeriellen Arbeitsgruppe unter Federführung des Ministerium
für Landwirtschaft und Umwelt, weitere Mitglieder: Landesverband Sachsen-Anhalt, Ministerium
für Landesentwicklung und Verkehr und Städteund Gemeindebund im Jahr 2008.

40	

2.7.	Zwei Anhörungen des Landesverbandes vor dem
Landtagsausschuss für Landwirtschaft in Sachsen-Anhalt, veranlasst durch die Fraktion der Partei Die Linken.
2.8.	Vorortberatung mit der Fraktionsvorsitzenden der
SPD 2012 im Landtag und Durchführung eines
Workshops der SPD zu Problemen unter Teilnahme und Vortrag des OB der Stadt Altenburg,
Herrn Michael Wolf.
2.9.	Vortrag des OB der Stadt Altenburg, Herrn M.
Wolf, vor den Vorsitzenden der RV des Landesverbandes zur Entwicklung des Kleingartenwesens
in der Stadt Altenburg.
2.10.	Vortrag unserer Probleme vor dem Ministerpräsidenten des Landes Sachsen-Anhalt, Herrn Dr.
Rainer Haseloff, am 04. Juli 2012 und in der
Staatskanzlei und im RV Zeitz am 16. 08. 2012
mit der Zusicherung aktiver Unterstützung.
2.11.	
Anträge durch die SPD-Landtagsfraktion zur
„Änderung des Vermessungs- und Geoinformationsgesetzes Sachsen-Anhalt“ 2012 zugunsten der
Kleingartenpächter und der Partei Die Linke zur
Aufforderung an die Landesregierung zur Erstellung einer „Analyse über die aktuelle Entwicklung
des Kleingartenwesens in Sachsen-Anhalt“ im
Jahr 2012.

bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 227

2.12.	Ausgehend vom Vortrag des Präsidiums des Landesverbandes vor dem Ernährungsausschuss des
Deutschen Bundestages hat die Partei Die Linke
eine kleine Anfrage an den Deutschen Bundestag (Drucksache 17/6279) gerichtet, die am 12. 07.
2011 beantwortet wurde. Inhalt der Anfrage war
u. a., welche Möglichkeiten die Bundesregierung
zur finanziellen Unterstützung des Rückbaus ungenutzter Kleingärten in ihrem Programm hat
(Einzelheiten dazu im Punkt 3 dieses Vortrages).
2.13.	Aktive Mitarbeit des Präsidiums des Landesverbandes bei der Studie des Bundesministeriums
für Verkehr „Bewältigung der Leerstandsproblematik in Kleingartenanlagen in strukturschwachen Regionen“ durch WEEBER & PARTNER
(Institut für Stadtplanung und Sozialforschung
Berlin/Stuttgart).
2.14.	Aktive Arbeit im 2011 gebildeten Demografie-Beirates des Landes Sachsen-Anhalt als eines von 69
Mitgliedern im demografischen Kontext, der unter Leitung des Landesministeriums für Landesentwicklung und Verkehr steht.
2.15.	Die Stadt- und Regionalverbände in Magdeburg
und Halle, Dessau und Zeitz haben eine aktive
und konstruktive Mitarbeit bei der Erarbeitung
von Kleingartenentwicklungsplänen geleistet, um
ein von allen Beteiligten gefragtes Konzept und
Verwaltungen zu entwickeln. Sie sind weiter bei
der Präzisierung und Aktualisierung der Konzepte tätig.
2.16.	
Jährliche Teilnahme des Landesverbandes der
Gartenfreunde Sachsen-Anhalt mit eigenen Beiträgen an den Sachsen-Anhalt-Tagen und bei den
Landeserntedankfesten.

3.	Einschätzung der Wirksamkeit der
Aktivitäten des Landesverbandes auf
Bundes-, Landes-, kommunaler- und
Ebene der Mitgliedsverbände
3.1.	Die vom Präsidium und den Mitgliedsvereinen
und -verbänden des Landesverbandes der Gartenfreunde Sachsen-Anhalt vorgebrachten und
belegten Hinweise und Forderungen werden mit
viel Zustimmung auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene aufgenommen und die sozialen,
ökologischen, integrierten und positiven Einflüsse auf Flora und Fauna betont. Eine wirksame und

bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 227	

finanzielle Hilfe für den nachhaltigen Umbau
(Renaturierung) nicht genutzter Kleingartenflächen fehlt jedoch nach wie vor in Sachsen-Anhalt.
3.2.	Bezugnehmend auf Punkt 2.12. dieses Vortrages
(kleine Anfrage der Partei Die Linke an den Deutschen Bundestag – Drucksache 17/6279) wurde
wie folgt geantwortet (Drucksache 17/6579) –
wörtliches Zitat:
		
„Spezielle Förderprogramme für den Rückbau
ungenutzter Kleingärten stellt die Bundesregierung nicht zur Verfügung. Soweit es um den
Rückbau von Kleingartenanlagen incl. des Abbaus
von Gartenlauben geht, kann dieses ggf. zur Aufwertung von Stadtquartieren beitragen und damit
dem Programmteil Aufwertung des Programms
„Stadtumbau Ost“ unterfallen. Ob eine Förderung
im Einzelfall erfolgen soll, entscheidet das jeweilige Land auf Antrag der Kommune. Der Bund
selbst ist verantwortlich für ein Sektorprogramm
Verkehrsinfrastruktur in den neuen Bundesländern und für ein Bundesprogramm des Europäischen Sozialfonds.
		Beide Bundesprogramme kommen als Grundlage
für die Förderung von Baumaßnahmen in Kleingartenanlagen nicht in Betracht.
		
Grundsätzlich müssen Fördermaßnahmen der
operationellen Programme einen strukturpolitischen Bezug aufweisen sowie die Wettbewerbsfähigkeit der Region stärken und der Erfüllung der
jeweiligen Programmziele dienen. Dies dürfte bei
Rückbaumaßnahmen von Kleingartenanlagen
fraglich sein.“
3.3.	In der interministeriellen Arbeitsgruppe im Land
Sachsen-Anhalt wurden unsere Anfragen und
Hinweise zum schrittweisen nachhaltigen Umbau/Rückbau von nicht genutzten Kleingartenflächen mit dem Argument beantwortet, dass das
Land, ausgehend von der unter Punkt 3.2. dieses
Vortrages genannten Rechtslage, nur Empfehlungen an den Städte- und Gemeindebund geben
kann. Die Finanzierung liegt in der Hand der
Kommune, die jedoch einen Eigenanteil von 30 %
finanzieren müssen, um in den Genuss von Fördermitteln „Aufbau Ost“ zu kommen.
3.4.	Abgesehen davon, dass kein Verband und noch
weniger ein Verein in der Lage wäre, diesen finanziellen Anteil von 30 % zu erbringen, lassen
		
		 a)	
die staatlichen Förderrichtlinien eine Beteiligung von gemeinnützigen Verbänden und
Vereinen nicht zu und

41

		 b)	
schließt die steuerliche Gemeinnützigkeit
eine Vermischung von staatlichen und vereinseigenen Finanzen aus.
3.5.	
Die in den Zwischenpachtverträgen mit den
Grundeigentümern – in Sachsen-Anhalt etwa
50 % Privateigentum – vereinbarten Grundsätze,
z. B. bei der Rückgabe im Zustand ordnungsgemäßer Bewirtschaftung, Umwandlung z. B. in
Ackerland übersteigt die finanziellen Möglichkeiten der Vereine. Der Rückbau einer Parzelle ist
mit erheblichen Kosten zwischen 3000 bis 5000
Euro verbunden. Es müssen z. B. Gebäude, Versorgungsleitungen, Bäume, Hecken, Sträucher,
Zäune, Gehwege usw. beseitigt werden. Ergebnis
wäre die Insolvenz dieser Vereine. Eine durchgehende Nutzung von größeren Parzellenflächen
wird durch einen Fleckenteppich freiwerdender
Flächen meistens verhindert.
3.6.	Im Zuge einer vertraulichen und kameradschaftlichen Zusammenarbeit von Mitgliedsverbänden
bzw. Kleingärtnervereinen mit den Ortsbürgermeistern werden in wenigen Fällen im Landesverband durch die Kommunen für ungenutzte und
leer stehende Parzellen keine Pachtzinsen gefordert. Diese Möglichkeiten sind jedoch im Vollzug
der Gemeindegebietsreformen zukünftig durch
die Einheitsgemeinden bzw. Verwaltungsgemeinschaften nicht mehr zu erwarten, da sich über 90
% in der finanziellen Konsolidierung befinden.
3.7.	
In einigen Mitgliedsverbänden und -vereinen
wurden durch Mitgliederbeschluss über eine jährliche Beitragsumlage bzw. Pachtzinserhöhung
(Ausschöpfung des Höchstpachtzinses) geringe
Rücklagen gebildet, von denen maximal 2–3 Parzellen zurückgebaut werden können.
3.8.	In zwei Verbänden des Landesverbandes wurden
drei kleine Vereine aufgelöst und den jeweiligen
Bodeneigentümern bzw. der Kommune z. B. als
innerstädtische Grünfläche nach Räumung zurück gegeben. Die Stadt Zeitz hat dafür die notwendigen finanziellen Mittel bereit gestellt.
3.9.	In einem seit 3 Jahren massiv zurückgehenden
Einsatz von 1-Euro-Kräften (2010 noch 500, 2013
etwa 180) werden Tafelgärten zum Anbau von
Gemüse auf leeren Parzellen genutzt. Ihr Anteil
betrug rund 5 % an den ungenutzten Parzellen –
2013 ist er auf weniger als 1 % zurück gegangen.

42	

4.	Vorschläge und Forderungen an die
Bundes-, Landes- und Kommunalpolitik
4.1.	Der Schutz des Kleingartenwesens und seine zukunftsorientierte Entwicklung wird nur durch die
weitere Beibehaltung und kreative Nutzung des
Bundeskleingartengesetzes gewährleistet – es ist
unverzichtbar für das organisierte Kleingartenwesen – es ist unverzichtbar für uns. Gleichzeitig
sollten jedoch in den über 15.000 Mitgliedsvereinen die durch die Mitglieder bestimmten Kleingartenordnungen auf die sich ergebenden unterschiedlichen Anforderungen in den Vereinen
kreativ gestaltet und formuliert werden.
4.2.	
Treuebekenntnisse der Politiker aller Parteien
zum Kleingartenwesen, die Studien des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, die die Situation im Kleingartenwesen in
Deutschland mit ihren Empfehlungen und die
konkreten Analysen und unterstützenden Hinweise des Städte- und Gemeindebundes und des
Deutschen Städtetage und auch die Grundsatzpapiere des BDG haben bisher leider nicht dazu
geführt, dass gesetzlich gesicherte Förderprogramme für die Kleingärtnerverbände und -vereine Mittel zur nachhaltigen Umnutzung freier
Gartenflächen aufgelegt wurden (siehe Punkt 3.2.
des Vortrages). Es ist auch nicht zu erwarten.
4.3.	Sowohl die Leitlinien des Deutschen Städtetages
vom 12.03.2011 als auch das Positionspapier, Teil III
des wissenschaftlichen Beirates des BDG vom April
2011 und die Beschlüsse der Bundesverbandstage
des BDG – zuletzt vom 03. 08. 2011 – Heidelberg,
formulieren die für die Sicherung und Weiterentwicklung des Kleingartenwesens notwendigen
Schritte – bisher jedoch ohne das Ergebnis konkreter Einbindung in die Haushaltspläne von Bundesund Landesregierungen – außer in NRW.
4.4.	Ausgehend von der durch Infrastrukturmaßnahmen in Deutschland verursachten Flächenabnahme von täglich 70 Hektar sollte durch das Präsidium des BDG mit Hilfe der Landesverbände eine
stichtagsbezogene Übersicht über den Umfang
der nichtgenutzten Kleingartenflächen erarbeitet
werden (in Sachsen-Anhalt zur Zeit 796 ha). Sie
liegt unseres Wissens bisher nicht vor. Auf dieser
Grundlage könnte dann dem Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung eine
konkrete auf die Landesverbände bezogene Leerstandsanalyse als Hilfe für staatliche Entscheidungen in die Hand gegeben werden.

bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 227

Zusammengefasst können die Dramatik und die Zukunftsaufgaben des organisierten Kleingartenwesens
in Deutschland mit einem Zitat des ehemaligen USPräsidenten Dwight D. Eisenhower deutlicher gemacht
werden:
Zitat:	„Kein weiser oder tapferer Mann legt sich auf die
Schienen der Geschichte und wartet, dass der Zug der Zukunft ihn überfährt.“
und ein Zitat von Peter Sellers – britischer Schauspieler
„Zukunftsforschung ist die Kunst, sich zu kratzen, bevor es
einen juckt.“

bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 227	

43

Die Zukunft des Kleingartenwesens –
„Kleingartenparks“
	
Alfred Lüthin
(Präsidiumsmitglied des
Bundesverbandes Deutscher
Gartenfreunde)

der Bereitstellung und Pflege der öffentlichen Grünanteile der Kleingartenanlage führt zu einer hohen öffentlichen Akzeptanz. Gleichzeitig wird der Nutzen für die
Gesamtbevölkerung, die Umwelt und die belebte Natur
deutlich.
Hieraus ergibt sich folgendes Fazit:
Die Entwicklung von Kleingartenparks in den Städten,
ist eine Möglichkeit, die strukturellen Probleme zu lösen und auch eine Stadt mit rückläufigen Bevölkerungszahlen langfristig attraktiv zu gestalten.
Trends sowie Wandel der Rahmenbedingungen sind zu
erkennen und dazu Ziele sowie Strategien rechtzeitig
anzupassen.

Grundgedanken für die Entwicklung eines
Kleingartenparkkonzept:

Was ist ein Kleingartenpark?
Ein Kleingartenpark ist eine Fläche, die aus verschiedenen privat genutzten (Kleingärten, Wochenendgrundstücken usw.) und öffentlichen (Spielplatz, Grillwiese
usw.) zugänglichen Grundstücken besteht.
Ein Kleingartenpark unterscheidet sich von einer herkömmlichen Kleingartenanlage dadurch, dass er durch
den höheren Anteil an öffentlich nutzbaren Flächen
einen ausgeprägten Erholungscharakter für die Bevölkerung besitzt. Kinder können räumlich getrennt
vom Straßenverkehr unbesorgt spielen und die Natur
erfahren. Schulen und Kindergärten können die Anlagen als Lernorte, Senioren zur sinnvoller Freizeitgestaltung oder als Treff- und Kommunikationspunkt nutzen.
Durch den Kleingartenpark wird das Stadtbild durch
eine große Vielfalt an Gehölzen und Grünflächen bereichert und er bietet unterschiedliche Möglichkeiten der
Naherholung im Grünen.
Der darin integrierte Kleingartenbereich dient weiterhin der Selbstversorgung mit vorwiegend biologisch angebautem Obst und Gemüse oder anderer Gartenbauerzeugnisse.
Somit ist die Entwicklung von Kleingartenparks in modernen Städten hauptsächlich dadurch begründet, mehr
Lebensqualität und Freizeitflächen zu schaffen und bestehende Kleingärten zu erhalten oder neue zu schaffen. Ein Gartenpark verbindet gelungen das Private der
Einzelparzelle mit der Wohlfahrtswirkung des öffentlichen Grüns. Die Bündelung der privaten Interessen in
Verbindung mit dem ehrenamtlichen Engagement und

44	

–	 K
 leingärten sind wichtige traditionelle Bestandteile
jeder Kommune, sie bedeuten Lebensqualität für alle
Bevölkerungsschichten, sie dienen der Integration
und Gesundheit und sind deshalb in ihrem Fortbestand dauerhaft zu sichern. Sie sind kostenfreie bzw.
kostengünstige Grünflächen für die Kommunen.
	Die ursprüngliche Bedeutung der Kleingärten für die
Selbstversorgung der Bevölkerung mit Obst und Gemüse wird durch den Trend in der Bevölkerung sich gesund zu ernähren wieder verstärkt in den Focus rücken.
	Zusätzlich treten neben den traditionellen Aspekten
des Gemüse- und Obstanbaus neue und veränderte Freizeitverhalten aufgrund der gesellschaftlichen
Entwicklung immer mehr in den Blickpunkt.
–	 D
 ie in einigen Bundesländern hohe Leerstandsquote zieht weitere, für Kleingartenvereine sehr schwere
Probleme nach sich, u.a. steigende Kosten für Pacht
und Umlagen, erhöhter Arbeitsaufwand zur Pflege
der Anlage.
–	 D
 ie draus resultierende mögliche Auflösung einer
Kleingartenanlage verursacht vergleichsweise sehr
hohe Kosten und Arbeitsaufwand. Die Umstrukturierung in einen Kleingartenpark steht daher von Kostenseite in etwa mit der Auflösung oder Beseitigung
gleich.

Kleingartenpark als mögliche langfristige und
verträgliche Übergangslösung
Charakteristik des Kleingartenparks:
In Hinblick auf ein langfristiges Entwicklungskonzepts
in den Kommunen werden bestehende oder neu zu pla-

bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 227

nende Kleingartenanlagen und angrenzende Grundstücke in eine zusammenhängende, öffentlich zugängliche
Naherholungsfläche mit vielfältigen gemeinschaftlich
aber auch privat genutzten Teilflächen umgewandelt.
Folgende künftig gemeinsame Nutzung wären denkbar:
–	 Kleingartenpachtland entsprechend BKleingG als
umzäunte Parzellen,
–	 öffentlich zugängliche Streuobstwiesen, alternativ
auch Wald- oder Parkflächenflächen,
–	 öffentlich zugängliche Erholungsflächen, evtl. auch
Sportanlagen,
–	 verpachtete Nutzflächen, z.B. Feld, Weide oder Wiese,
–	 Biotope oder andere Gestaltungselemente,
–	 u.U. auch Erholungsgrundstücke (Grillplätze, Liegewiesen usw. ) oder geeignetes Bauland.
Mögliche Vorteile:
Die Umbaumaßnahmen werden schrittweise und langfristig vor einer möglichen Auflösung des Kleingartenvereins durchgeführt.Dadurch kann größtenteils unentgeltliche ehrenamtliche Arbeit eingesetzt werden, wobei
eine breite finanzielle und technische Unterstützung organisiert werden kann.Kommune und Grundstückseigentümer können die Nutzungsänderungen langfristig
planen und finanzielle Mittel rechtzeitig einstellen. Das
langfristige Konzept des Kleingartenparks ist für alle Beteiligten kalkulierbar.

Varianten extensiver Parzellennutzung im
Kleingartenpark
Umwidmung bisher kleingärtnerisch genutzter Parzellen für öffentliche Erholung
•	 A
 nlage von Erholungsgärten mit geringerer gärtnerischer Nutzung bis zu Biostrukturen, die sich für die
Vergabe für kürzere Zeiträume eignen (Reaktion auf
gesamtgesellschaftliche Tendenz zu mehr Mobilität
und verstärkten Migrationsbewegungen).
•	 Extensivierung von aufgegebenen Parzellen, Ruderal- und Sukzessionsflächen als integrierte Elemente
für den Arten- und Biotopschutz bzw. zur Naturbeobachtung oder Patenschaften durch Umweltverbände,
Schulen, Kindergärten oder Firmen.

Spezielle gärtnerische Nutzung
•	 Anlage von Obstgärten auf Gemeinschaftsflächen
oder aufgegeben Parzellen entsprechender Größe,
entweder Verpachtung der Obstwiese oder nur Ernte
(Tafeln, Schulen, Kindergärten)

bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 227	

•	 L
 ehr- oder Mustergärten zu verschiedenen Themen
(z.B. Naturgarten, naturnahes Gärtnern im Kleingarten, Obstlehrgarten, Experimentier- oder Probiergarten, Kultivierung historischer Gemüsesorten und
Zierpflanzen)

Bereitstellen von Gärten für verschiedenen Bevölkerungsgruppen,
die bisher keine Möglichkeit bekamen, an der Kleingartenkultur teilzunehmen
•	 S
 piel- und Nutzgärten für Kindergärten, Schulen und
Schulhorte, die über ungenügende Freiflächen verfügen.
•	 Modelle für betreute Spielplätze in Kleingartenparks
„betreutes Gärtnern“
•	 Modell Erholungsgärten für Personal benachbarter
Firmen
•	 Modellgärten für bestimmte Bevölkerungsgruppen
wie Behinderte, Senioren, junge Familien (Guerilla
Gardening) etc.

Bisheriges Planungskonzept für Kleingartenparks in Karlsruhe
Nutzungen:
•	 grundsätzlich sollen bei der Planung Dauerkleingärten mit eingeplant werden
•	 Vereinsheime als Kommunikationszentren
•	 Spielflächen mit Spielplatz und Bolzwiese
•	 Erholungsflächen (Lesewiese, Grillplatz usw.)
Gestaltung:
Die Anlagen sollen sich im Gesamten durch eine geeignete bauliche und landschaftsgärtnerische Maßnahme
städtebaulich und landschaftlich in ihre Umgebung einfügen.
Maßnahmen der Grünordnung:
Ziel der Grünordnung ist zum einen die Gliederung
der Kleingartenanlagen in überschaubare Einzelflächen
und zum anderen die landschaftsgestalterische Einbindung der Gesamtanlage in den Landschaftsraum.
im Einzelnen:
•	 Schaffung von zentralen Grünzonen, Grünverbindungen
•	 Gliederung und landschaftliche Einbindung durch
Pflanzen von groß- und mittelkronigen Bäumen im
öffentlichen Grün

45

Option:
•	 offener Park für alle Bürger mit kleineren Parzellen in Teilbereichen des
Parks, Bürgerbeteiligungsverfahren
•	 Einrichten zentraler Spielwiesen und
Bolzplatz und eines zentralen, modernen Anforderungen genügenden,
Spielplatzes
•	 Schaffung von Erholungs- und Aufenthaltsbereichen für die Bevölkerung
•	 Schaffung von Lärmschutzeinrichtungen

Kleingärten

Spielplatz

Grillplatz
Landwirtschaftliche Fläche

Schule

Kleingartenpark Steinäcker
Lageplan

Grillplatz

46	

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Landwirtschaft
lich genutzte
Fläche
Grillplatz

bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 227	

47

Integrierte
Schulfläche
Parzival-Schule

Integrierte
Schulfläche
Parzival-Schule

Die auf den nachfolgenden Folien gezeigten Pläne wurde
freundlicherweise durch
Die auf den nachfolgenden Folien gezeigten Pläne wurde
freundlicherweise durch

zur Verfügung gestellt
zur Verfügung gestellt

48	

bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 227

bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 227	

49

StadtEntwicklung

Umwidmung aufgelassener Flächen
am Beispiel des Projektes der Stadt
Altenburg
	
Michael Wolf
(Oberbürgermeister der
Stadt Altenburg)

Kleingarten
Entwicklung

Bedarf angepasste
Kleingartenentwicklung
 • 
Bedarf
angepasste
• 
d
er
Darstellung
von
Potenzialen und Konflikten
Kleingartenentwicklung

der

einzelnen Anlagen

Aufzeigen
von Entwicklungsmöglichkeiten
 •der
Darstellung
von Potenzialen und
Konflikten der einzelnen Anlagen

 Aufzeigen von Entwicklungsmöglichkeiten
Stadtentwicklungskonzept
Anlass:
Sanierungsbedarf der Altstadt
gravierende Leerstände in der Wohnbebauung
Dr. B. G. Wolfgang Preuß
(Vorsitzender des Regionalverbandes „Altenburger
Land der Kleingärtner“ e.V.)

Kleingartenentwicklungskonzept
Altenburg als Teil des Stadtumbaus
Diplomarbeit Ivonne Bach erstellt 2005,
aktualisiert 2013

Maßnahmen:
1.	Einteilung des Stadtgebietes in
Stadtumbaukategorien
2.	Formulieren von Planungszielen für die einzelnen
Gebiete
•	 Sanierung der Innenstadt mit Stärkung der Wohnfunktion
•	 Rückbau von „Altenburg-Nord“ um 2/3
•	 Auflockerung des Baubestandes in „Süd-Ost“
•	 Anteil an kleinmaßstäblichen Wohnformen erhöhen

Kleingärten und Stadtentwicklung

Kleingärten und Stadtentwicklung
Stärkung der
Innenstadt

Stadtentwicklung

Kleingärten in

soziologische

Altenburg

Altenburg

Veränderungen

Entwicklung
Grünzug

Naturraum

Analyse und
Bewertung der
einzelnen KGA

Empfehlungen zur
Kleingartenentwicklung

3

50	

Stärkung der
Naherholungsfun
ktion von KGA

Rückbau in
„AltenburgNord“ und „SüdOst“

Rückgang der
Pächterzahlen

Grünvernetzung
StadtAltenburg-Nord

Kleingartenanlagen
als Bindeglied

Schaffung von
Eigentumswohn
ungen

KGA als „grüner
Wohnraum“ in
der Stadt

6

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4

Entwicklung der Erwerbstätigkeit

Kleingärten in Zahlen
Entwicklung
desFreizeitverhaltens
Freizeitverhaltens
Entwicklung des
Allgemeines:
•	 71 Kleingartenanlagen mit ca. 4.080 Parzellen
•	 ca. 136 ha Kleingartenfläche (36 % des Altenburger
Stadtgrüns)
•	 von den 3.540 erfassten Parzellen stehen 86 leer, d.h.
2  % Leerstand (2013 etwa 3,5%)

Bevölkerungsentwicklung

Bevölkerungsentwicklung

9

•	 von 1990 bis 2012 Rückgang der Bevölkerung um
 von
1990
ca.  35
 %bis 2012 Rückgang der Bevölkerung um ca. 35 %

Ausstattung:
•	 Mehrheit der KGA verfügt über Gemeinschaftsflächen (Kleingärtner pflegen ca. 114.000 m² Gemeinschaftsfläche  Kostenersparnis der Stadt)
Zugänglichkeit:
•	 alle Anlagen öffentlich zugänglich
Kleingärten in Zahlen
•	 Anbindung an Rad- und Wandernetz 
Verbund Erholungsnetz

•	 Abwanderung
Abwanderung
nimmt

nimmt
zu zu
•	 Rückgang Geburtenrate

 Rückgang Geburtenrate
10000

8000



6000

Nutzerstruktur Altersstruktur der Pächter

4000

(eigene Zusammenstellung nach Auswertung der Fragebögen)

2000
2010
2020 2000

35

2030

Angaben in %

30

0

25

Bevölkerungsentwicklung
0 bis 15 bis 20 bis 30 bis 40 bis 55 bis 65 bis 70 bis
15

20

30

40

55

65

70

>75

75

20
15
10

Hauptanteil der
Pächter ist 2012
zwischen
60 und 70 Jahren

5
0
< 40 Jahre

40 bis 50

50 bis 59

60 bis 69

> 70

 68,8 % Ehepaare

unterschiedliche
Bevölkerungsentwicklung in den
statistischen Bezirken

 14,0 % Familien mit Kindern
 16,0 % Alleinstehende
 1,2 % Migranten /
Migrationshintergrund

Soziologische Veränderungen Soziologische
Veränderungen Einfluss Kleingartenwesen
Einfluss Kleingartenwesen

Soziologische Veränderungen – Einfluss

Abwanderung und
sinkende
Geburtenzahlen

Aufgabe der Gärten
in 10 bis 15 Jahren

10

KGA in
Rückbaugebieten
werden zukünftig
weniger ausgelastet
potenzielle Pächter
gehen verloren

8

untersucht
wurden:
Kleingartenwesen
untersucht wurden:
untersucht wurden:

Bevölkerungsentwicklung in
Bevölkerungsentwicklung
Altenburg
Bevölkerungsentwicklung in in
Altenburg
Altenburg

In den nächsten 10 bis 15 Jahren ist aufgrund der

In den nächsten 10 bis 15 Jahren ist aufgrund der BevölBevölkerungsentwicklung mit zunehmenden
kerungsentwicklung
mit zunehmenden
Leerstand zu
Leerstand
zu rechnen!
rechnen!
11

Erwerbstätigkeit
Entwicklung der Erwerbstätigkeit
Entwicklung der Erwerbstätigkeit
Entwicklung der Erwerbstätigkeit

•	 fehlende wirtschaftliche Perspektive
•	 steigende Arbeitslosigkeit (April 2005: Arbeitslosenquote: 22,8 %)

Entwicklung des Freizeitverhaltens
Entwicklung des Freizeitverhaltens
bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 227	

51

 fehlende wirtschaftliche Perspektive
 steigende Arbeitslosigkeit (April 2005:
Arbeitslosenquote: 22,8 %)

Naherholung/Tageserholung

Stellung der Pächter auf dem Arbeitsmarkt
(eigene Zusammenstellung nach Auswertung der Fragebögen)

Pächter eines KG 	
•	 Zeit für Familie und Freunde
•	 Geselligkeit unter Pächtern
•	 Gestaltung des Gartens als Selbstbestätigung
•	 Erzeugung von unbelasteten Obst und Gemüse
•	 Urlaubsort/ Entwicklung von Nachbarschaften

nicht erwerbstätig
arbeitsunfähig
Rentner
arbeitslos
erwerbstätig
0 Erwerbstätigkeit
5
10
15
20
25

30

35

40

45

50

Angaben in %

Flexibilität im Beruf
fordert Bereitschaft
zum Umzug

Aufgabe des KG
zugunsten des Jobs

12

Analyse

KG entwickelt sich
in Richtung seiner
ursprünglichen
Funktion

Erhöhung
Arbeitslosigkeit und
Geringverdiener

Besucher der KGA
•	 Erkundungstour
•	 Ideenfindung für den eigenen Garten
•	 Beobachtung der Natur
•	 Ruhe und Entspannung

Altenburg und seine Gärten
ca. 4.080 Parzellen bzw. ca. 136 ha KG-Fläche bei
38.968 EW  34 m²KG/EW
(vgl. Dt. Städtetag: 17 m²KG/EW)

Unproblematischer
Rückgabe der KG an den Verein bei
Unproblematischer Rückgabe der KG an den Verein
notwendigem
Umzug
lassen lassen
Bindungsangst
sinken!
bei notwendigem Umzug
Bindungsangst
sinken!

Gewinnen von neuen Pächtern in der Gruppe der Geringverdiener
undneuen
Arbeitslosen
ÜberGewinnen von
Pächterndurch
in der günstige
Gruppe der
nahmekosten!
Geringverdiener und Arbeitslosen durch günstige
Übernahmekosten!

Wohnungsbestand 2002: 25.072 GW  1 KG/ 6
GW (vgl. Dt. Städtetag: 1 KG/ 8 bis 12 GW)
Altenburg
Analyseist überdurchschnittlich mit Kleingärten
versorgt!
Richtwert von 34 m²KG/EW ist zukünftig nicht

Freizeitverhalten
Parzellenanzahl
13

 Freizeit = Selbstverwirklichung und
Freizeitverhalten
Kreativität

Rentner

viel
Freizeit

Arbeitslose

 Freizeitaktivitäten mit
geringer finanzieller
Belastung liegen im
Trend
 zur Erholung
geeignete Freiflächen
sind gefragt

Teilzeitbeschäftigte

Erwerbstätige

2015:
32.843
EW

17
m²KG/
EW

3.545

2.636

1.788

3.363

2.485

1.697

3.242

2.394

1.636

4.080

2010: Angleich an 25 m²KG/EW  Rückgang um 1.444 Parzellen

wenig
Freizeit

Freizeit = Selbstverwirklichung und Kreativität

52	

2010:
34.680
EW

25
m²KG/
EW

2020:
31.551
EW

Schüler

Selbstständige

•	

2004
38.968
EW

34
m²KG/
EW

14

mehr zu halten
2010: Angleich an 25 m²KG/EW  Rückgang um 1.444
2020: Angleich an 17 m²KG/EW  Rückgang um 2.444 Parzellen
Parzellen
2020: Angleich an 17 m²KG/EW  Rückgang um
2.444 Parzellen

17

bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 227

Bewertung

Beurteilung über Entwicklung anhand Faktoren:

Konfliktpotenzial entlang des
Deutschen Baches

soziale Strukturen:
•	 Altersstruktur
•	 Auslastung
städtebaulich-naturräumliche Struktur:
•	 Erreichbarkeit
•	 Konfliktpotenzial

Bewertung

„Am Deutschen
Bach“ e.V.
„Am
Lerchengrund“
e.V.

„Goldene
Abendsonne“ e.V.
„Im Dreschaer Tal“
e.V.

Bewertung 1 Punkt
von negativer Entwicklung kaum beeinträchtigt
•	KGA „Glück auf“ e.V.
•	KGA „Günthers Gärten“ e.V.
•	KGA „Heinrich-Heine“ e.V.
•	KGA „Nordblick“ e.V.
•	KGA „Schöne Aussicht“ e.V.
•	KGA „T4“ e.V.
•	KGA „Waldblick“ e.V.
ca. 477 Parzellen

Bewertung

22

Konfliktpotenzial entlang der
Blauen Flut
„An der Hellwiese“
e.V.

„Blaue Flut“
e.V.

Bewertung 2 Punkte
•	60 KGA „Beobachtungsgebiet“ Kleingarten
•	35 KGA  > 40% Anteil an Pächtern über 60 Jahre
•	KGA „Bauhof I“ e.V.
•	KGA „Bauhof II“ e.V.
•	KGA „Bergmannsfreud“ e.V.
•	KGA „Grüne Laube“ e.V.
•	KGA „Morgensonne“ e.V.
•	KGA „Paditzer Fußweg“ e.V.
•	KGA „Tagessonne“ e.V.
•	KGA „Waldesruh“ e.V.

KGA sind z.Zt. voll ausgelastet und liegen zentrumsnah!
Bestandsgefährdung durch Überalterung!

„Heiterer Blick“
e.V.

„Fortschritt“
e.V.

Bewertung 3 Punkte

23

auf Dauer kein Bestand
•	KGA „Blaue Flut Kürbitz“ e.V.
•	KGA „Union Liebermannstr.“ e.V.
•	KGA „Zschechwitz II“ e.V.

Entwicklungspotenzial/Konfliktpotenzial
•	hoher Anteil an Pächter < 40 Jahre
und
• fast 100 %ige Auslastung
im Bereich der
• stadtnahe Lage
Gewässerauen der
Pleiße, Blaue Flut,
ca. 1.508 Parzellen
Deutscher Bach

bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 227	

53

Kleingärten am Wald

Leitbild

Kleingärten am Wald

Leitbild
•	 Kernzone
•	 Konsolidierte Zone
•	 Transformationszone
Ländliche Zone
•	 Kernzone
•	 Gewerbezone
 Konsolidierte
Zone

kleingärtnerische
Nutzung
Trennung
WohnenGewerbe

Verbindung

 Transformationszone

•	
•	
•	
•	

Erholung /
Freizeitaktivitäten

größere Gartenfläche
Mustergärten
 größere Gartenfläche
ökologische Gärten
Naturspielplätze
 Mustergärten

 Ländliche Zone

 ökologische Gärten

 Gewerbezone

Kleingartenpark
Übergang
StadtUmland

 Naturspielplätze
KGA „Bergmannsfreud“
e.V.
KGA „Glück auf“ e.V.
KGA „Heinrich-Heine“ e.V.
KGA „Morgensonne“ e.V.
KGA „Altenburg Ost“ e.V.

Erholung

25

Empfehlungen zur Entwicklung
Entwicklung der KGA ist v.a. abhängig von:
•	 Bevölkerungsentwicklung
•	 Wirtschaftlichen Entwicklung
•	 Interesse am Kleingarten

Kleingärten der Zukunft
KGA „Bauhof I und II“ e.V.
KGA „Poschwitzer Höhe“ e.V.
KGA „Weißer Berg“ e.V.
KGA „Tagessonne“ e. V.

Kleingärten am Wasser

Kleingärten am Wasser
Naturerfahrungs
-räume am
Wasser

•	 Trennungs- und klimatische Ausgleichsfunktion
•	 Integration moderner Gärten als Anziehungspunkt
für junge Leute
•	 Zusammenwirken von Natur und Technik im „Solargarten“
•	 Architektur im Kleingarten durch die „etwas andere
Laube“

vollständiger
Rückbau
teilweiser
Rückbau

28

Langfristige Entwicklung, welche eine gute Zusammenarbeit von Stadt und Kleingartenverband voraussetzt!

Es können anhand der untersuchten Faktoren
Entwicklungstendenzen angezeigt werden!

Auebereiche
Überschwemmungs
gebiet

Vervollständigung Waldgürtel durch Entwicklung
Kleingartenpark
•	 Aufforstung leerstehender Parzellen
•	 Entwicklung Streuobstwiese aus alten Obstbaumbestand
•	 offene Wiesenflächen zum Picknicken, Spielen, ...

Spielen am
Wasser
Natur
entdecken

Kleingärten in der Stadt

Eingliederung
GLB
Feuchtwiese /
Grünland

KGA „Bauhof I“ e.V.
KGA „Bauhof II“ e.V.

27

54	

bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 227

KGA „Günthers Gärten“ e.V.
KGA „Paditzer Fußweg“ e.V.
KGA „Tagessonne“ e.V.
Ältere Bevölkerung
•	 barrierefreie KGA
•	 Gemeinschaftsgärten

Stadtentwicklung:
• nach Zielvorgabe des Stadtentwicklungskonzeptes
zum Wohnen in der Stadt  KGA in unmittelbarer
Stadtnähe fördern
• KGA in Konfliktbereichen zugunsten naturräumlicher
Entwicklung umnutzen

Familien
•	 Lage im direkten Wohnumfeld
•	 „Kindergärten“

Beobachten und aktualisieren der ermittelten Werte, um
Entwicklung langfristig zu planen!

Weitere Umnutzungsempfehlungen

Geschaffene Voraussetzungen zur Zukunftsentwicklung der Kleingartenanlagen

KGA „Abendruh“ e.V.
•	 50 % Leerstand
•	 Entfernung zur Stadt
KGA „Donatgrund“ e.V.
•	 Altersstruktur
•	 Lärm durch OU Altenburg
KGA „Zschechwitz II“ e.V.
•	 hoher Leerstand
•	 Auebereich der Pleiße
KGA „Modelwitz“ e.V.
•	 Altersstruktur
•	 Entfernung Stadt
KGA „Sonnenhang“ e.V.
•	 Altersstruktur
•	 Entfernung Stadt
KGA „Abendruh“ e. V.
Ehrenberg
•	 über 50 % Leerstand

Fazit
Bevölkerungsentwicklung:
•	 sinkender Bedarf an Kleingartenparzellen durch negative Bevölkerungsentwicklung
•	 steigender Leerstand durch Überalterung der Pächter
in den nächsten 10 bis 15 Jahren
KGA mit Bestandspotenzial: 1.985
Bedarf 2010: 2.636 Parzellen bei 25 m²KG/EW
 Unterversorgung
Bedarf 2020: 1.636 Parzellen bei 17 m²KG/EW
 Überversorgung

bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 227	

•	 Generalpachtvertrag mit der Stadt Altenburg
•	 Erstellung eines „Insek“ innerstädtisches
Entwicklungskonzept Kleingartenwesen
•	 Erarbeitung von Förderkriterien für
Kleingartenanlagen
•	 Erarbeitung einer Förderrichtlinie
•	 Zustimmung aller Kleingartenanlagen
•	 Zustimmung des Stadtrates der Stadt Altenburg
(einstimmig „ja“ durch alle Fraktionen)

Anlagenbewertung und Wirksamkeit der
Richtlinie
Bewertung der Anlagen – Aussagen zur Wirksamkeit der
Richtlinie
	
B
ewertung der Anlagen erfolgt anhand eines Punktesystems
	
K
riterien der Punktevergabe
•	
•	
•	
•	
•	
•	
•	
•	
•	
•	

Anzahl der Parzellen
Bewirtschaftung nach Bundeskleingartengesetz
Vereinshaus vorhanden
Erschließung der Parzellen
Gestaltung von Projekten
Parkplätze
Leerstand
Pächterstruktur (Pächter unter 70 Jahren)
Lage im Überschwemmungsgebiet
Lage an einer stark frequentierten Straße

	
E
ine 2013 wiederholte Bewertung der KGA soll Aussagen zur Wirksamkeit des Förderinstrumentariums
aufzeigen.

55

Ausgereichte Fördermittel
Ausgereichte Zuwendungen entsprechend der
Förderrichtlinie
2007/2008 	
100.904,63 Euro
2009 	
57.554,03 Euro
2010 	
56.823,17 Euro
2011 	
55.156,09 Euro
2012 	
53.551,46 Euro
Gesamt 	
323.989,38 Euro

Instandsetzung/-haltung von Gemeinschaftseinrichtungen (ohne Vereinsheim)
•	 Beräumung KGA Beräumung ganzer Anlagen bei
Aufgabe/Nichtnutzung
•	 Baumpflege/-entnahme Pflegeschnitte oder Fällung
von Bäumen

Bewertung der Anlagen – Aussagen zur Wirksamkeit
der Richtlinie
Anlagennummer 	

Erstbewertung* 	

Nachbewertung**	

Differenz

Anträge
Jahr	
Anträge	 förderwürdig	 geförd. Maßn.	 geförd. KGA
2007/8 	 29	
22	
22	
19
2009	15	
8	
7	
6
2010	
19	
7	
7	
7
2011	
11	
11 	
11	
11
2012 	
13	
11	
11	
11

Fördermittel – Verwendung
Projekte	

Anzahl (gefördert)	 Fördersumme

Platz- und Wegebau/-instandsetzung	
17	 107.157,12 Euro
Erneuerung Außenzaun/Palisaden 	
9 	 36.517,37 Euro
Instandhaltung/-setzung Vereinsheim 	
9	 39.178,29 Euro
Schaffung Gemeinschaftseinrichtung	
11	 53.698,83 Euro
Schaffung barrierefreier Einrichtungen	
1	 35.047,24 Euro
Instandhaltung/-setzung Gem.-Einrichtungen	 3	
7.498,81 Euro
Umgestaltung von Gärten/Gem.-Einrichtungen	 6	
33.335,63 Euro
Beräumung KGA	
1	
8.449,00 Euro
Baumpflege/-entnahme	
2	
3.107,09 Euro
Gesamt:	
59	 323.989,38 Euro

Erläuterung zu einzelnen Zuwendungsgruppen:
•	 P
 latz- und Wegebau/-instandsetzung Neuanlage oder
Instandsetzung von Wege- und Platzflächen (einschl.
Parkplätze), Umgestaltung
•	 Außenzaun/Palisaden Instandsetzung oder (Ersatz-)
Neubau von Außeneinfriedungen und/oder Palisaden
•	 Instandhaltung/-setzung Vereinsheim Maßnahmen
zur Erhaltung des Vereinsheims einschl. energetischer Sanierung
•	 Schaffung Gemeinschaftseinrichtung nur Neuanlage/Erweiterungen
•	 Schaffung barrierefreier Einrichtungen nur Neuanlage barrierefreier Einrichtungen (z.B. Toilette)
•	 Instandhaltung/-setzung Gem.-Einrichtungen  

56	

1	
8	
5	
-3
2	
ohne Bewertung, da nicht gemeinnützig
3	
11 	
12 	
+1
4	
11 	
10	
-1
5	
ohne 	
11 	
+ 11
6	
11 	
10	
-1
7 	ohne Bewertung, da nicht gemeinnützig und
keine gesicherte Erschließung
8	
10	
9	
-1
9	
10 	
12 	
+2
10 	
12 	
12 	
+/- 0
11 	ohne Bewertung, da nicht gemeinnützig und
keine gesicherte Erschließung
12 	
ohne 	
12 	
+ 12
13 	
9	
11 	
+2
14 	
7	
9	
+2
15 	
11 	
9	
-2
16 	
10 	
9	
-1
17	
10	
9	
-1
18 	
ohne 	
9	
+9
19 	
6 		
-1
20 	
ohne 	
7	
+7
21 	ohne Bewertung, da keine gesichert
Erschließung
22	
10 	
10 	
+/- 0
23 	
10 	
12 	
+2
24 	
11 	
8	
-3
25 	
ohne 	
14 	
+ 14
26 	
13 	
12 	
-1
27 	
12 	
13 	
+1
28 	
7	
7	
+/-0
29 	
ohne Bewertung, da nicht gemeinnützig
30 	
12 	
9	
-3
31 	
13 	
11	
-2
32 	
ohne Bewertung, da nicht gemeinnützig
33 	
ohne 	
7	
+7
34 	
10	
8	
-2
35 	
13 	
14 	
+1
36 	
ohne 	
14 	
+ 14
37 	
4	
4	
+/- 0

bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 227

Bewertung der Anlagen – Aussagen zur Wirksamkeit
der Richtlinie
Anlagennummer	 Erstbewertung*	 Nachbewertung**	Differenz
38 	
11 	
9	
-2
39 	
10 	
9	
-1
40 	
6	
5	
-1
41 	
12 	
11 	
-1
42 	
11 	
11 	
+/- 0
43 	
13 	
10 	
-3
44 	
13 	
12 	
-1
45 	
4	
5	
+1
46 	ohne Bewertung, da nicht gemeinnützig und
keine gesicherte Erschließung
47 	
ohne Bewertung, da nicht gemeinnützig
48 	
10 	
10 	
+/- 0
49 	
ohne 	
8	
+8
50 	
ohne Bewertung, da nicht gemeinnützig
51 	ohne Bewertung, da keine gesicherte
Erschließung
52 	
12 	
8	
-4
53 	
14 	
11 	
-3
54 	
8	
7	
-1
55 	
5	
2	
-3
56 	
9	
7	
-2
57 	
8	
7	
-1
58	
12	
12	
59	
10	
8	
60a	
4	
4	
60b	
5	
5	
61	
10	
12	
62	
11	
11	
63	
11	
10	
64	
13	
11	
65	
8	
5	
66	
5	
2	
67	
7 	ohne, da Anlage
aufgegeben
		
68 	
12 	
11	
69 	
13 	
12	
70	
12	
11	

+/- 0
-2
+/- 0
+/- 0
+2
+/- 0
-1
-2
-3
-3

Zukunftsstrategien
•	 S
 trategie der Bewertung von Anlagen und Gewichtung bei der Fördermittel-vergabe war und ist richtig
•	 die bisherige Strategie muss weitergeführt und um
weitere Bewertungskriterien ergänzt werden
•	 neue Aspekte sind aufzunehmen, die für Bewertung
relevant sind:
Attraktivität der Kleingartenanlagen für junge Leute und
Familien mit Kindern – Entwicklung des WIR-GEFÜHLS
Leerparzellenmanagement auf Basis des Marketingkonzeptes/Entwicklungskonzeptionen der Kleingartenanlagen
Zusammenarbeit/Kooperation (gemeinsame öffentliche Erschließung; Kleingartenparks), Kooperation mit
anderen
Entwicklung bevölkerungswirksamer Projekte (öffentliche Begegnungsstätten, Entwicklung neuer Nachbarschaften…)

Zukunftsstrategien Neues Förderkriterium 1
Attraktive Kleingartenanlagen für junge Erwachsene,
Studenten, Bürgern mit Migrationshintergrund und Familien mit Kinder sind, unerlässlich und steigern das
WIR-Gefühl.
Toleranz und Akzeptanz sind Grundvoraussetzungen
für gemeinsames „Kleingärtnern“.
Die Nachwuchsgewinnung im Kleingartenwesen ist
wichtiger
denn je.
Zukunftsstrategien

Neues Förderkriterium 2
-1
-1
-1

Zukunftsstrategien Neues Förderkriterium 2
Leerparzellenmanagement

Ergebnisse im Vergleich 01.10.2007 zu 15.03.2013:
Bewertung unverändert: 9
Bewertung aufsteigend: 9
Bewertung absteigend: 34

Einflussnahme

des Vorstandes
Gärten werden
willkürlich frei

Gezielte
Freilenkung von
Parzellen und
Umsiedlung von
Gartenfreunden

Vorteil: Zusammenhängende Flächen können
deutlich besser vermarktet und einer anderen Nutzung
zugeführt werden (z. B. als neue Wohnbauflächen im
erschlossenen städtischen Raum).
bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 227	

57

46

Beispiel: KGA „Abendruh“ in Ehrenberg Variante I
Vorteil: Zusammenhängende Flächen können deutlich
besser vermarktet und einer anderen Nutzung zugeführt werden (z. B. als neue Wohnbauflächen im erschlossenen städtischen Raum).

Beispiel: KGA „Abendruh“ in Ehrenberg – Variante I

Zukunftsstrategien
Neues Förderkriterium 3
Zukunftsstrategien Neues Förderkriterium 3
Zusammenarbeit / Kooperation

Zusammenarbeit
Kleingart
enanlage 1

Kleingart
enanlage 2

Kleingartenpark

der Vorstände
Keine
öffentliche
Erschließung

Öffentliche
Anbindung
vorhanden

Beispiel: KGA „Abendruh“ in Ehrenberg Variante II

Gemeinsame
öffentliche
Erschließung

Beispiel: KGA „Abendruh“ in Ehrenberg – Variante II
49

Bedingungen:

Vorteile:

Gemeinsame,
perspektivische
Vorstandsarbeit und
Toleranz

Einheitliche Vermarktung
Bessere
Fördermöglichkeiten
Kosteneinsparung

47

Zukunftsstrategien – Neues Förderkriterium 4
Öffentlichkeitswirksame Projekte
Die Entwicklung von öffentlichkeitswirksamen
Projekten
a)	 für Besucher
b)	für Vorschulkinder und Schulklassen
c)	 für Jugendliche
d)	für Bewohner von Seniorenheimen
e)	 Junges Wohnen mit Garten für Familien mit Kindern
f)	 Kleingartenstadt Altenburg – WG mit Garten, als Alternative für Studenten in der Großstadt Leipzig

Beispiel: KGA „Abendruh“ in Ehrenberg Variante III
Beispiel: KGA „Abendruh“ in Ehrenberg – Variante III
50

Eine weitere Projektidee ist die Schaffung öffentlicher
Begegnungsstätten im Grünen zur Entwicklung neuer
Nachbarschaften und Integration ausländischer Mitmenschen sowie Menschen mit Migrationshintergrund.

51

58	

bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 227

Beispiel: KGA „Abendruh“ in Ehrenberg Variante VI
Beispiel: KGA „Abendruh“ in Ehrenberg Variante IV
Beispiel: KGA „Abendruh“ in Ehrenberg – Variante IV

Variante 6 – Lösung
Beispiel: KGA „Abendruh“ in Ehrenberg – Variante VI

Lösung
Erschließung über
Zur Fasanerie
(nur Deckenschluss)
KGV:
0€
Private:
0€
Stadt:
- 40.000 €
Ergebnis: 105.512 €

Beispiel:
„Abendruh“
in Ehrenberg
Beispiel:
KGAKGA
„Abendruh“
in Ehrenberg
– Variante -V
Variante V

Variante 6 – Lösung
Lösung Erschließung über Zur Fasanerie
(nur Deckenschluss)

52

55

Variante 5a Erschließung über Zur Fasanerie
(nur Deckenschluss)

Variante 5a
Erschließung über
Zur Fasanerie
(nur Deckenschluss)
KGV:
0€
Private:
0€
Stadt:
40.000 €
Ergebnis: 37.094 €

Beispiel: Umwidmung aufgelassener
Flächen - Variante I

Beispiel:
Umwidmung aufgelassener Flächen – Variante I

Beispiel: KGA „Abendruh“ in Ehrenberg Variante V
Variante 5b Erschließung über Zur Fasanerie
(grundhafter Ausbau)

53

Variante 5b
Erschließung über
Zur Fasanerie
(grundhafter Ausbau)
KGV:
0€
Private:
22.977 €
Stadt:
104.023 €
Ergebnis: - 26.929 €

56

54

bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 227	

59

Beispiel: Umwidmung aufgelassener
Beispiel: – Variante II
Flächen

Ausblick – Kleingartenwesen hat Zukunft

Umwidmung aufgelassener Flächen – Variante II
•	 Fördermittel allein beseitigen keinen Leerstand!
•	 I nnerhalb des Marketingkonzeptes Kleingartenwesen ist ein spezielles „Leerstandsmarketing“ zu entwickeln!
•	 E
 ine enge Zusammenarbeit mit der Kommune ist
unabdingbar (politische Verantwortung)!
•	 K
 leingartenwesen wird in der Stadtverwaltung sowie
im Stadtrat aktiv kommuniziert!
•	 V
 orstände der KGA werden als Entscheidungsträger
aktiv einbezogen!
•	 Z
 ukunft KGW ist ein Langzeitprozess, der zeitnah
begleitet wird!

Beispiel: Umwidmung aufgelassener
Flächen
– Variante IV
Beispiel:

57

•	 J ede KGA wird als Unikat behandelt, aber in den Gesamtprozess als Teil des Ganzen einbezogen!

Umwidmung aufgelassener Flächen – Variante IV

58

60	

bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 227

Förderungen des Kleingartenwesens
weiterhin notwendig

Arbeitsgruppe
	

Standpunkte und Schlussfolgerungen des BDG
aus der Studie des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung
Dr. Norbert Franke
Präsident des Bundesverbandes Deutscher Gartenfreunde e. V.

Die „Leerstandsstudie“ des
Bundesministeriums

Bürgerliches Engagement kann nicht alles
bewältigen!

»	 Die Studie 2008 – und was wurde daraus?
»	 Die Studie 2013 – ein Sachstandsbericht
»	 5 Jahre Studie – und welche Festlegungen wurden
wirksam?

26. April 2013

Angesichts der Bedeutung des Kleingartenwesens für
die Städte und Gemeinden insgesamt, aber auch wegen
der umfangreichen fachlichen und sozialen Arbeit, die
in den Kleingärtnerverbänden und -vereinen geleistet
wird, ist deren finanzielle Unterstützung auch künftig
unverzichtbar.
Es wird jedoch weiterhin eine Aufgabe vor allem der
Verbände bleiben, alternative Finanzierungen zu erschließen und gemeinsam mit den Vereinen adäquate
Projekte zu entwickeln und umzusetzen.

3

»	Eine ganz normale Kleingartenanlage in Brandenburg namens „Paul Klink“
»	 Wer beräumt die aufgelassenen Parzellen – Ein-Euro-Jobber wären eine gute Hilfe?
»	Nicht jede Arbeitsleistung kann das Ehrenamt realisieren – auch ein Fördertopf ist erforderlich.
»	 Die Abfälle müssen beseitigt werden – daraus werden keine Aufträge an Firmen erwachsen. (Wer soll
die Kosten tragen? – Die Kleingärtner?)

4

26. April 2013

Generationenwechsel steht an
Der Altersdurchschnitt der Kleingärtnerinnen und
Kleingärtner hat sich in den letzten zehn Jahren um weitere vier Jahre erhöht und liegt jetzt bei ca. 60 Jahren.
Die demografischen Daten unterstreichen, dass der Generationenwechsel im Kleingartenwesen ansteht bzw.
sich beschleunigen wird. Die Zukunft des Kleingartenwesens wird wesentlich davon abhängen, inwieweit es
gelingt, neue Zielgruppen, vor allem jüngere Haushalte,
Familien mit Kindern und Migranten, zu interessieren.
In vielen Großstädten scheint das derzeit eher möglich,
in Städten mit ohnehin rückläufigen Bevölkerungszahlen ist das deutlich schwieriger. Hier muss mittelfristig
sicher mit ausbleibender Nachfrage und einem Rückgang im Kleingartenbestand gerechnet werden.
26. April 2013

So ist es…
BDG-Seminar Management, Dr. Norbert Franke, Präsident

8

So könnte es sein…
BDG-Seminar Management, Dr. Norbert Franke, Präsident

bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 227	

26. April 2013

26. April 2013

9

61

Leerstand im Kleingartenwesen – der demografische Faktor kann nicht der einzige Grund
sein
»	Auch hohe Lärmbelästigung an Bundesstraßen und
Autobahnen spielen eine Rolle.
»	Schadstoffbelastungen wie Feinstaub und NOx an Industrieanlagen sind ein Problem.
»	
Die Vernässung des Bodens begrenzt die für das
Kleingartenwesen nutzbaren Flächen.

zwei Jahre brach. In den Gartensparten ländlicher Gebiete fehlt es an Laubenpieper-Nachwuchs. (05/2013)
LV Sachsen, Freie Presse:
»	Im Freistaat stehen derzeit 10.300 Kleingärten leer,
Gartenfreunde kämpfen gegen Leerstand von Parzellen – In Städten ist das oft einfacher als in ländlichen
Regionen. (04/2013)
LV Thüringen, Thüringer Allgemeine:
»	Während in Großstädten immer mehr Menschen die
Lust am Pflanzen entdecken, ist in Thüringen die
Zahl der Kleingärten seit 1990 um 15.000 zurückgegangen. (04/2013)
LV Sachsen-Anhalt, Mitteldeutsche Zeitung:
»	In Sachsen-Anhalt werden 2020 rund 30000 Kleingärten nicht mehr gebraucht, das Aufgeben von
Kleingärten in Sachsen-Anhalt ist unausweichlich –
aber auch für eine Chance. (05/2013)
LV Sachsen-Anhalt, Mitteldeutsche Zeitung:
»	In Sachsen-Anhalt werden bald fast ein Drittel aller
Parzelle leer stehen. Drama vor allem auf dem Land.
(05/2013)

Zeitz: Immer mehr Kleingartenanlagen in Zeitz haben große Probleme
bei der Bewirtschaftung der Gärten. Foto: J. Isachsen
BDG-Seminar Management, Dr. Norbert Franke, Präsident

26. April 2013

11

Und so sieht es in einigen Ländern gegenwärtig aus:
LV Sachsen, Freie Presse:
»	Aue: Zehn Prozent Kleingärten liegen brach.
	 (03/2013)
	
LV Mecklenburg und Vorpommern, Schweriner Volkszeitung:
»	Immer mehr Gärten im Landkreis verwaisen. Höchster Gartenleerstand mit 56 Prozent in Ludwigslust.
(03/2013)

LV Schleswig-Holstein, Eckernförder Zeitung:
»	Wie steht es um die Kleingärten?
	
In vielen Städten Deutschlands sind Schrebergärten Mangelware. Anders in Eckernförde: Hier liegen
Kleingärten brach, jugendlicher Nachwuchs ist eher
	 selten anzutreffen. (05/2013)

LV Mecklenburg und Vorpommern, Schweriner Volkszeitung:
»	Kreisverband Güstrow: 18 Prozent Leerstand. Werbetrommel für jungen Nachwuchs muss gerührt werden. (03/2013)
BDG-Seminar Management, Dr. Norbert Franke, Präsident

14

26. April 2013

LV Sachsen-Anhalt, Volksstimme:
»	Die Last der leeren Lauben: mehr als die Hälfte der
Gärten in Staßfurt steht leer. (03/2013)
LV Thüringen, Thüringische Landeszeitung:
»	Landesweit stehen derzeit durchschnittlich etwa fünf
Prozent der Gärten leer. Im Extremfall liegen sie schon
BDG-Seminar Management, Dr. Norbert Franke, Präsident

62	

26. April 2013

bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 227

16

im Quartier“ sollten auch für Kleingartenflächen anwendbar sein.
»	Investitionsprogramme des Bundes und der Länder
sollten auch den Bereich Kleingartenwesen enthalten.

Kleingärtner sollten direkt in Entscheidungen
integriert werden.
BDG-Seminar Management, Dr. Norbert Franke, Präsident

26. April 2013

Aber es gibt auch Hoffnung!
»	Eine Lösung brachliegender Gärten wird seit langem
diskutiert. In Kronskamp ist es vor Jahren gelungen,
die Anlage deutlich zu reduzieren. Ein EU-Programm
zur Beseitigung von Schandflecken hat dabei geholfen. Der Rückbau kostete etwa 60 000 Euro.
»	In der Aufgabe ganzer Anlagen sieht der Kreisverband einen Lösungsansatz. Doch der Verband allein
kann einen solchen Rückbau nicht finanzieren. Verhandlungen mit einem privaten Grundeigentümer
waren gescheitert. Der Kreisverband würde in dem
Fall gern die Anlage halbieren. Der Grundeigentümer aber will keine halben Sachen.
»	In Güstrow vergleicht man die Kleingartenanlagen
mit den Plattenbausiedlungen. Beides resultiert aus
den Gegebenheiten zu DDR-Zeiten. Für den Abriss
von Wohnblöcken gibt es Fördergelder. Dies fordern
die Güstrower auch für das Renaturieren von Kleingartenanlagen. Wie auf dem Wohnungsmarkt müsste auch der Kleingartenmarkt aktuellen Entwicklungen in der Gesellschaft angepasst werden.

Regulierungsmöglichkeiten im Bereich von
Förderprogrammen
»	
Vorhandende bundesweite Förderprogramme wie
Stadtumbau Ost und Stadtumbau West sollten für
das Kleingartenwesen angepasst werden.
»	Der Erweiterung und Neustrukturierung bestehender Förderprogramme (z. B. Fördermaßnahmen für
Rückbauflächen) sind erforderlich.

»	Aufnahme des Kleingartenwesens in den Maßnah15
menkatalog der Bundesagentur für Arbeit zur Beschäftigung von Hartz-IV-Empfängern oder anderen
gestützten Arbeitsmaßnahmen
»	Mitarbeit des Kleingartenwesens in Arbeitsagenturen
und Jobcenter
»	
Integration des Kleingartenwesens in ARGE-Programme (z. B. Tafelgärten)
»	Bestätigung des Kleingartenwesen (z. B. von Zwischenpächtern) als eigenständige Beschäftigungsgesellschaften (Trägergesellschaften)

Das Kleingartenwesen steht nicht allein,
sondern ist Teil der Gesellschaft
»	Einbindung in größere Projekte, wie z. B. in Renaturierungsmaßnahmen
»	Bereitstellen von Mitteln aus dem Konto „Grünpflege
der Städte und Gemeinden“
»	
Einbindung von Kleingartenflächen in bestehende
Grünanlagen in Form von Kleingartenparks
»	Bereitstellung von Mitteln für die Errichtung von Gemeinschaftsanlagen (z. B. Parkplätze für die Bevölkerung und die Kleingärtner insgesamt) BDG-

Anwendung von Kann-Bestimmungen im
Finanzbereich
»	Verzicht auf Gelder aus der Pacht und den öffentlichrechtlichen Lasten für frei gezogene bzw. ungenutzte
Flächen
»	
Entscheidungen zum Umfang des so genannten
Pacht-Einbehalts sowie zu seiner Verwendung (Einsatz für Rückbau- und Renaturierungsmaßnahmen
»	
Einbeziehung von Umwidmungsmaßnahmen im
Kleingartenwesens in den Bereich Ausgleichsmaßnahmen von Investoren

»	Die Regierungs-Programme „Soziale Stadt“ und „Aktive Stadt- und Ortsteilzentren“ sowie „Investitionen

bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 227	

63

Was ist für die Zukunft erforderlich?

Laubenpieper
Die geheime Abschuss-Liste des Senats

»	Erarbeitung von Kleingartenentwicklungskonzepten
für Städte und Gemeinden
»	Rücknahme aufgelassener Flächen (auch Teilflächen)
durch die Bodeneigentümer
»	
Integration notwendiger Renaturierungsmaßnahmen in politische Entscheidungen
»	
Gewährleistung der Entschädigung scheidender
Pächter in einer Größenordnung, die einem normalen Pächterwechsel entsprechen würde und ohne das
der Pächter die Beräumung der Flächen selbst tragen
muss.

Von MIKE WILLMS
Die Laubenpieper der Hauptstadt leben in Angst. Sie
wollen nicht, dass der Senat ihre Garten-Kolonien für
den Wohnungsneubau plattmacht. Aber Fakt ist: Derzeit stehen 19 Anlagen in fünf Bezirken auf der Abschussliste. Sieben oder acht davon könnte es am Ende
treffen. Der Verband der Gartenfreunde will Einblick in
die geheimen Senatspläne.
Nicht nur Leerstand führt zur Aufgabe von Parzellen,
sondern auch Maßnahmen der Politik gegen die „Grünen Oasen“.
– Deshalb muss die Organisation rechtzeitig reagieren –
Keine freien Plätze: Kleingärten in Rheinland-Pfalz sind
voll besetzt
Um die Kleingärtner in Rheinland-Pfalz ist es gut bestellt. Statt Leerstand gibt es landesweit Wartelisten,
wie eine Umfrage ergab. Gerade junge Familien fänden
mehr und mehr zurück zum Garten, sagt der Vorsitzende des Landesverbandes Rheinland-Pfalz der Kleingärtner, Rüdiger Frank.
Es geht auch anders – und nicht nur in Rheinland-Pfalz
Das nicht alle Flächen erhalten bleiben können, sieht
auch das Kleingartenwesen. Notwendige Änderungen
kann aber das Kleingartenwesen mit seinem bürgerlichen Engagement nicht allein tragen – es bedarf grundlegender Entscheidungen der Politik.
– Wie eigentlich schon im Resümee 2008 steht –

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bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 227

IMPRESSIONEN

bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 227	

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66	

bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 227

Leitthemen der Schriftenreihe seit 1997

Heft	Jahr	

Ort	

Seminar

122	 1997 	

Schwerin	Haftungsrecht und Versicherungen im Kleingartenwesen

123	 1997 	

St. Martin	Pflanzenschutz und die naturnahe Bewirtschaftung im
Kleingarten

124	 1997 	

Berlin	

125	 1997 	

Gelsenkirchen	Möglichkeiten und Grenzen des Naturschutzes im Kleingarten

126	 1997 	

Freising	Maßnahmen zur naturgerechten Bewirtschaftung und umweltgerechte
Gestaltung der Kleingärten als eine Freizeiteinrichtung der Zukunft

127	 1997	

Lübeck-Travemünde	Der Schutz unserer natürlichen Lebensgrundlagen

128	 1997 	

Karlsruhe	

Aktuelle Probleme des Kleingartenrechts

129	 1998 	

Chemnitz	

Aktuelle kleingartenrechtliche Fragen

130	 1998 	

Potsdam	Die Agenda 21 und die Möglichkeiten der Umsetzung der lokalen Agenden zur Erhaltung der biologischen Vielfalt im Kleingartenbereich

131	 1998 	

Dresden	

132	 1998 	

Regensburg	Bodenschutz zum Erhalt der Bodenfruchtbarkeit im Kleingarten
Gesetz und Maßnahmen

Lernort Kleingarten

Gesundes Obst im Kleingarten

Fulda	
133	 1998 	
			

 er Kleingarten – ein Erfahrungsraum für Kinder und
D
Jugendliche

134	 1998 	

Wiesbaden	

Aktuelle kleingartenrechtliche Fragen

135	 1998 	

Stuttgart	

Kleingärten in der/einer künftigen Freizeitgesellschaft

136	 1998 	

Hameln	Umsetzung der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der EU von 1992 im
Bundesnaturschutzgesetz und die Möglichkeiten ihrer Umsetzung im
Kleingartenbereich

137	 1999	

Dresden	

(Kleine) Rechtskunde für Kleingärtner

138	 1999	

Rostock	

Gute fachliche Praxis im Kleingarten

139	 1999	

Würzburg	

Kind und Natur (Klein)Gärten für Kinder

140	 1999	

Braunschweig	Zukunft Kleingarten mit naturnaher und ökologischer
Bewirtschaftung

bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 227	

67

Heft	Jahr	

Ort	

Seminar

141	 1999	

Hildesheim	

Biotope im Kleingartenbereich – ein nachhaltiger Beitrag zur Agenda 21

142	 1999	

Freiburg	

Zukunft Kleingarten

143	 2000	

Mönchengladbach	Recht und Steuern im Kleingärtnerverein

144	 2000	

Oldenburg	Pflanzenzüchtung und Kultur für den Kleingarten
von einjährigen Kulturen bis zum immergrünen Gehölz

145	 2000	

Dresden	

Die Agenda 21 im Blickfeld des BDG

146	 2000	

Erfurt	

Pflanzenschutz im Kleingarten unter ökologischen Bedingungen

147	 2000	

Halle	

Aktuelle kleingarten- und vereinsrechtliche Probleme

148	 2000	

Kaiserslautern	Familiengerechte Kleingärten und Kleingartenanlagen

149	 2000	

Erfurt	

Natur- und Bodenschutz im Kleingartenbereich

150	2001	

Rüsselsheim	

Vereinsrecht

151	 2001	

Berlin	

Kleingartenanlagen als umweltpolitisches Element

152	 2001	

Mönchengladbach	Natur- und Pflanzenschutz im Kleingarten

153	 2001	

St. Martin	

Das Element Wasser im Kleingarten

154	 2001	

Gelsenkirchen	

Frauen im Ehrenamt – Spagat zwischen Familie, Beruf und
Freizeit

155	2001	

Erfurt	

Verbandsmanagement

156	 2001 	

Leipzig	

Zwischenverpachtungen von Kleingartenanlagen –
Gesetzliche Privilegien und Verpflichtungen

157	 2002	

Bad Mergentheim	

Kleingartenpachtverhältnisse

158	 2002	

Oldenburg	

Stadtökologie und Kleingärten – verbesserte Chancen für die
Umwelt

159	 2002	

Wismar	

Miteinander reden in Familie und Öffentlichkeit –
was ich wie sagen kann

160	 2002	

Halle	

Boden – Bodenschutz und Bodenleben im Kleingarten

161	 2002 	

Wismar	

Naturnaher Garten als Bewirtschaftsform im Kleingarten

162	 2002	Berlin	

68	

Inhalt und Ausgestaltung des Kleingartenpachtvertrages

bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 227

Heft	Jahr	

Ort	

Seminar

163	2003	

Dessau	

Finanzen

164	 2003	

Rostock	

 rtenvielfalt im Kleingarten – ein ökologischer Beitrag des
A
Kleingartenwesens

165	 2003	

Hamburg	Rosen in Züchtung und Nutzung im Kleingarten

166	 2003	

Rostock	

Wettbewerbe – Formen, Auftrag und Durchführung

167	 2003	

Limburgerhof	

Die Wertermittlung

168	 2003	

Bad Mergentheim	Soziologische Veränderungen in der BRD und mögliche
Auswirkungen auf das Kleingartenwesen

169	 2004	

Braunschweig	Kleingärtnerische Nutzung (Rechtsseminar)

170	2004	

Kassel	

Öffentlichkeitsarbeit

171	 2004	

Fulda	

Kleingärtnerische Nutzung durch Gemüsebau

172	 2004	

Braunschweig	

Mein grünes Haus

173	 2004	

Dresden	Kleingärtnerische Nutzung durch Gemüsebau

174	 2004	

Magdeburg	

175	 2004	

Würzburg	Der Kleingarten als Gesundbrunnen für Jung und Alt

176	 2004	
Münster	
			

Recht aktuell

 om Aussiedler zum Fachberater – Integration im
V
Schrebergarten (I)

177	2005	

Kassel	

Haftungsrecht

178	 2005	

München	

Ehrenamt – Gender-Mainstreaming im Kleingarten

179	 2005	

Mannheim	

Mit Erfolg Gemüseanbau im Kleingarten praktizieren

180	 2005	

München	

Naturgerechter Anbau von Obst

181	 2005	

Erfurt	

Naturschutzgesetzgebung und Kleingartenanlagen

182	2005	

Dresden	

Kommunalabgaben

183	 2005	
Bonn	
			

 om Aussiedler zum Fachberater – Integration im
V
Schrebergarten (II)

184	 2006	

Düngung, Pflanzenschutz und Ökologie im Kleingarten –
unvereinbar mit der Notwendigkeit der Fruchtziehung?

Dessau	

bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 227	

69

Heft	Jahr	

Ort	

Seminar

185	 2006	

Jena	

Finanzmanagement im Verein

186	 2006	

Braunschweig	

Stauden und Kräuter

187	 2006	

Stuttgart	

Grundseminar Boden und Düngung

188	 2006	

Hamburg	

Fragen aus der Vereinstätigkeit

189	 2007	

Potsdam	

Deutschland altert – was nun?

190	 2007	

Jena	

Grundseminar Pflanzenschutz

191	2007	

Jena	

Insekten

192	 2007	

Celle	

Grundseminar Gestaltung und Laube

193	 2007	
	
	

Bielefeld	Rechtsprobleme im Kleingarten mit Verbänden lösen
	
	 (Netzwerkarbeit) Streit vermeiden – Probleme lösen

194	 2008	

Potsdam	

Pachtrecht I

195	 2008	

Neu-Ulm	

Pflanzenverwendung I – vom Solitärgehölz bis zur Staude

196	 2008	

Magdeburg	

 oziale Verantwortung des Kleingartenwesens – nach innen und nach
S
außen

197	 2008	

Grünberg	

Pflanzenverwendung II – vom Solitärgehölz bis zur Staude

198	2008	

Gotha	

Finanzen

199	 2008	

Leipzig	

 leingärtner sind Klimabewahrer – durch den Schutz der
K
Naturressourcen Wasser, Luft und Boden

200	 2009	

Potsdam	

Wie ticken die Medien?

201	2009	

Erfurt	

Vereinsrecht

202	 2009	

Bremen	

Vielfalt durch gärtnerische Nutzung

203	 2009	

Schwerin	

Gesundheitsquell – Kleingarten

204	 2009	

Heilbronn	

Biotope im Kleingarten

205	 2009	

Potsdam	

Wie manage ich einen Verein?

206	 2010	
Lüneburg	Kleingärten brauchen Öffentlichkeit und Unterstützung auch
			
von außen (1)
207	 2010	

70	

Magdeburg	

Zwischenpachtvertrag – Privileg und Verpflichtung

bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 227

Heft	Jahr	

Ort	

Seminar

208	 2010	

Bremen	

Umwelt plus Bildung gleich Umweltbildung

209	 2010	

Kassel	

Der Fachberater – Aufgabe und Position im Verband

210	 2010	

Mönchengladbach	

Biologischer Pflanzenschutz

211	 2010 	

Dresden	Umweltorganisationen ziehen an einem Strang (grüne Oasen als
Schutzwälle gegen das Artensterben)

212	 2010	

Hannover	

Der Kleingärtnerverein

213	 2011	
Lüneburg	Kleingärten brauchen Öffentlichkeit und Unterstützung
			
auch von außen (2)
214	 2011	

Naumburg	

Steuerliche Gemeinnützigkeit und ihre Folgen

215	 2011	

Hamburg	

Blick in das Kaleidoskop – soziale Projekte des Kleingartenwesens

216	 2011	

Halle	

Pflanzenvermehrung selbst gemacht

217	 2011	

Rostock	

Ressource Wasser im Kleingarten – „ohne Wasser, merkt euch das …“

218	 2011	

Berlin	

Satzungsgemäße Aufgaben des Vereins

219	 2012	

Goslar	

Ausgewählte Projekte des Kleingartenwesens

220	 2012	

Wittenberg	

Naturnaher Garten und seine Vorzüge

221	 2012	

Dortmund	

Rechtsfindungen im Kleingartenwesen – Urteile zu speziellen Inhalten

222	2012	

Karlsruhe	

Bienen

223	 2012	

Suhl	

Objekte des Natur- und Umweltschutzes

224	2012	
Frankfurt	
			

Neue Medien und Urheberrecht,
Wichtige Bausteine der Öffentlichkeitsarbeit

225	2012	

Nürnberg	

Der Vereinsvorstand – Haftung nach innen und außen

226	2013	

Berlin	

Integration – Kleingärten als Schmelztiegel der Gesellschaft

227	2013	

Brandenburg	

Renaturierung von aufgelassenen Kleingärten und Kleingartenanlagen

bundesverband deutscher gartenfreunde e. v. – grüne schriftenreihe 227	

71

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