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Volume Nr. 2, 27. Februar 1936

Full text: Stenographische Verhandlungsberichte über die Beratungen mit den Ratsherren der Reichshauptstadt Berlin (Public Domain) Issue3.1936 (Public Domain)

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Sitzung am 27. Februar 1936. 
So glaube ich abschließend sagen zu können, in 
einigen Wochen, vielleicht einigen Monaten, Ihnen 
eine Vorlage über die neu zu errichtende Schwestern 
schaft zu machen, von der ich schon jetzt überzeugt bin, 
daß sie Ihre vollständige Billigung finden wird. 
Bürgermeister Dr. Riarehky: Meine Herren! Ich 
werde die Aussprache zum Anlaß nehmen, die Frage 
der Errichtung der Schwesternschaft, von der Herr 
Stadtmedizinalrat gesprochen hat, mit beschleunigtem 
Tempo zu betreiben. 
Stadtmedizinalrat Prof. Dr. Klein: Herr Bürger 
meister! Ich habe etwas vergessen. 
Bezüglich der Ausführungen des Herrn Staatsrat 
Görlitzer wegen Staatsrat Conti habe ich zu sagen: 
Das, was ich in der damaligen Sitzung gesagt habe 
und was protokollarisch niedergelegt worden ist, kann 
ich leider nicht zurücknehmen, weil es den Tatsachen 
entspricht. Herr Staatsrat Conti hat einen Brief ge 
schrieben und mir am Schluß nur geschrieben, er er 
warte, daß ich das unverzüglich richtigstelle. Von einer 
Antwort, die er persönlich haben wollte, hat er über 
haupt nichts verlautbart. Ich habe das getan und eine 
Antwort auf den Brief, den Herr Staatsrat Conti ge 
schrieben hat, vor einiger Zeit dem Herrn Staats 
kommissar übermittelt. 
lRatsherr Görlitzer: Staatsrat Conti hat nach 
drei Wochen keine Antwort erhallen!) 
Ich weiß nicht mehr, wann es gewesen ist. 
Aber immerhin, Herr Staatsrat Görlitzer, denken 
Sie doch daran, daß wir in unserem Amte wirklich 
überlastet sind, daß es nicht irgendwie eine Böswillig 
keit ist, wenn das vielleicht einmal acht Tage länger 
liegen bleibt als erwartet und gewünscht wird. Es 
hängt einfach mit der Überlastung im Amte zusammen, 
die nicht allein mich trifft, sondern auch alle anderen 
Beteiligten. Es liegt uns vollkommen fern, irgendwie 
zu provozieren oder bestehende Mißhelligkeiten und 
Schwierigkeiten durch irgendwelche Dinge, die mir als 
Bosheit ausgelegt werden könnten, zu verschärfen, 
sondern im Gegenteil: ich persönlich habe den aller 
größten Wunsch, daß alle Mißhelligkeiten auf schnell 
stem Wege beseitigt werden und gebe mich immer noch 
der Hoffnung hin, daß das eines Tages kommen wird. 
(Ratsherr Treff: Also ist die Organisation im 
Hauptgesundheitsamt, wie ich neulich gesagt habe, 
falsch!) 
Bürgermeister Dr. Marehky: Herr Ratsherr 
Scheller. 
Ratsherr Scheller: Ich darf zur Vorlage selbst 
jedenfalls feststellen — ich glaube, hier im Namen 
aller Ratsherren zu sprechen —, daß wir gegen die 
Vorlage in der vorliegenden Form allerschärfste Be 
denken haben. Wir erwarten, daß die Gefolgschaft 
des Krankenhauses in Reinickendorf auf keinen Fall 
auseinandergerissen wird. 
Bürgermeister Dr. INarehky: Die Debatte ist ge 
schlossen. 
Wir kommen zu Nr. 17: 
Erlaß einer Forderung gemäß § 52 des SemFinG. 
— Drucks. 46 —. 
18: 
Errichtung von rund 420 Volkswohnungen in Berlin 
— Drucks. 51 —. 
Herr Ratsherr Scheller. 
Ratsherr Scheller: Wir haben über diese Vor 
lage bereits in der Sitzung der Beiräte für das 
Finanzwesen eingehend gesprochen. Der Herr Stadt 
kämmerer hat bei dieser Gelegenheit darauf hinge 
wiesen, daß diese 420 Wohnungen jetzt gebaut werden 
sollten, weil es das Reichsarbeitsministerium unter 
allen Umständen wünscht. 
Ich möchte heute noch einmal darauf hinweisen, 
daß ich die Errichtung von Wohnungen, wenigstens 
für kinderreiche Familien, mit diesen minimalen Mit 
teln und in diesem geringen Ausmaße für außer 
ordentlich bedenklich halte. Wenn wir für Berlin ein 
Projekt von 25 000 Wohnungen vorhaben, dann 
machen diese 420 Wohnungen noch nicht 2% des ge 
samten Projektes aus. Ich sehe nicht ein, weshalb mit 
unseren Mitteln Häuser hingestellt werden sollen, die 
in wenigen Jahrzehnten bereits abgebrochen werden, 
da die Ausführung, die vorgesehen ist, selbst wenn 
Sie sich die allergrößte Mühe geben, woran nicht zu 
zweifeln ist, nicht so ausfallen kann, daß es sich um 
dauerhafte und wertvolle Anlagen handeln könnte. 
In anderen Städten, die inzwischen Erfahrungen 
haben, versucht man grundsätzlich andere Wege zu 
gehen. Ich höre von Nordhausen, daß dort Woh 
nungen für kinderreiche Familien mit 70 qm und 
zusätzlicher Dachkammer von 13 qm gebaut sind und 
dort für 33 RM vermietet werden. Selbst zugegeben, 
daß die Verhältnisse in Nordhausen billiger als bei 
uns in Berlin sind, so hat man dort von Stadtseite 
her neue Wege zu beschreiten versucht, indem man 
bei Berechnung der Anliegerbeiträge, bei der Zurver 
fügungstellung von Kapitalien eben alle möglichen 
Erleichterungen im Interesse der Förderung gerade 
kinderreicher Familien getroffen hat. die eben hier 
ein Ergebnis gezeitigt haben, das in jedem Falle als 
angemessen betrachtet werden kann. 
Es geht nach meinem Empfinden auch nicht an, 
darauf hinzuweisen, daß die kinderreichen Familien 
bei Zurverfügungstellung von größeren Wohnungen 
davon keinen Gebrauch machen würden, sondern ein 
Zimmer als Luxuszimmer stehen lassen würden. Wir 
dürfen nach meinem Empfinden niemals von asozialen 
Familien oder von Sonderfällen ausgehen, in denen 
dies zutage tritt. Im großen und ganzen können wir 
schon feststellen, daß die gesunde Familie ein gewisses 
Bedürfnis hat, hier in vernünftigen Räumen zu woh 
nen, und daß wir hier doch nach Mitteln und Wegen 
suchen müßten, um gerade diesen kinderreichen Fami 
lien, von denen der Bestand des Reiches und Volkes 
abhängt, ein Wohnen zu ermöglichen, das in jeder Be 
ziehung unseren Anforderungen entspricht. 
Ich möchte deshalb doch noch darum bitten, daß 
diese Vorlage überprüft und versucht wird, ob die 
Stadt nicht ohne ein Provisorium, das zu schaffen sie 
im Begriffe steht, durch Aufwendung zusätzlicher 
Mittel oder dadurch, daß sie versucht, irgendwelche an 
deren Möglichkeiten in Erwägung zu ziehen, bald 
eine Lösung schafft, die wirklich für die Dauer in jeder 
Beziehung geeignet ist und eine wirkliche Lösung 
dieser Frage darstellt. 
Ich darf dazu noch erwähnen, daß der Reichs 
bund der Kinderreichen für die Besetzung der Woh 
nungen, die für kinderreiche Familien bestimmt sind, 
in jeder Beziehung zur Verfügung steht und bereit 
ist, die Familien nachzuweisen, die hereingesetzt wer 
den können und die auch ihren Verpflichtungen in 
jeder Beziehung gerecht werden. 
Bürgermeister Dr. Marehky: Herr Stadtrat Pfeil.
	        
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