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Volume Nr. 5, 30. April 1935

Full text: Stenographische Verhandlungsberichte über die Beratungen mit den Ratsherren der Reichshauptstadt Berlin (Public Domain) Issue2.1935 (Public Domain)

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Sitzung am 30. April 1935. 
den wir selbst in unmittelbarer Nähe mit dem Arbeits 
dienst getätigt haben. Dort haben wir 16,50 Mark 
erzielt, also säst denselben Preis, den wir jetzt zahlen. 
Also jedenfalls ist man nicht, wie angenommen 
wird, von einem Taxwert von 20 Mark ausgegangen. 
Oberbürgermeister Dr. Lahm: Wird sonst noch 
das Wort gewünscht? — Das ist nicht der Fall. Die 
Beratung ist geschlossen. 
Punkt 19: 
Verkauf des der Stadt gehörigen, im Ortsteil Berlin- 
Oberfchöneweide, Mlhelminenhofstraße 89a, ge 
legenen Grundstücks — Drucks. 134 —. 
Wird dazu das Wort gewünscht? — Das ist nicht der 
Fall. Die Beratung ist geschlossen. 
Punkt 20: 
Ilächenaustausch in Berlin-Weihensee. hinter der 
holzkircher und der Gustav-Adolf-Strahe — 
Drucks. 135 —. 
Das Wort wird nicht gewünscht. Die Beratung ist 
geschlossen. 
Punkt 21: 
Mtbietung in der Zwangsversteigerung über das 
Grundstück Enckestrahe 11. Verwaltungsbezirk 
Kreuzberg (vertraulich!) — Drucks. 136 —. 
Das Wort wird nicht gewünscht. Die Beratung ist 
geschlossen. 
Außerhalb der Tagesordnung stelle ich zur Be 
ratung die Vorlage über die 
Umgestaltung der Schulfarm Insel Scharfenberg in 
eine nationalsozialistische Erziehungsanstalt. 
Werden dagegen Bedenken erhoben, daß diese Vor 
lage in der heutigen Sitzung beraten wird? — Das ist 
nicht der Fall. 
Ich bitte dann Herrn Stadtschulrat Dr. Meins- 
hausen, noch einige Ausführungen über die Bedeutung 
dieser Schulsarm zu machen. 
Stadtschulrat Dr. Weinshausen: Meine Herren! 
Sie haben bereits im November eine Entschließung des 
Herrn Oberbürgermeisters gutgeheißen über die Be 
reitstellung von 228 000 Mark für Scharfenberg. 
Ferner haben Sie heute eine Vorlage über 15 000 Mark 
angenommen. Es ist also nicht das erstemal, daß wir 
uns hier mit der Insel Scharfenberg beschäftigen. Ich 
möchte Sie nun aber bitten, auch Ihr Interesse dieser 
Vorlage außerhalb der Tagesordnung zuzuwenden, die 
eine Mehrforderung von 32 740 Mark über das bereits 
im Etat für die höheren Schulen normalerweise hinaus 
Bewilligte bringt. 
Es handelt sich dabei um die Umgestaltung der 
Schulfarm Insel Scharfenberg in die nationalsozia 
listische Erziehungsanstalt Scharfenberg. Die Schul 
sarm Insel Scharfenberg war eines der Objekte, die 
wir bei der Machtergreifung besonders scharf ins Auge 
faßten. Es war eine Einrichtung, die sich bei den 
Marxisten großer Beliebtheit erfreut hatte und die wir 
deshalb mit entsprechendem Mißtrauen betrachteten. 
Prominente Marxisten hatten dort ihre Kinder zum 
Unterricht hingegeben. Allein dies wäre für uns Grund 
genug gewesen, hier einmal die Dinge recht gründlich 
zu beleuchten. 
Der Gedanke der Schulfarm Insel Scharfenberg ist 
aber nicht ein an sich marxistischer, sondern er erweist 
sich als einer derjenigen Gedanken, die nur durch den 
Marxismus verseucht und entstellt worden sind. Der 
Grundgedanke, der hier vorlag, ist sogar ein absolut 
nationalsozialistischer, nämlich die Verbindung des 
Großstadtschülers mit der Natur, mit dem Boden. Das 
ist der Grund dafür, daß wir nun unsere ganze Sorg 
falt darauf verwandten, diesen an sich gesunden Ge 
danken zur Entfaltung zu bringen und die marxistischen 
Schlacken in Scharfenberg zu beseitigen. 
Die Schulfarm Scharfenberg machte auf den Be 
sucher, der das erstemal dorthin kam, gerade keinen 
sehr erfreulichen Eindruck. Die Schüler dort wiesen 
manches Merkmal des Marxismus bzw. des Kommu 
nismus auf. Die ungepflegten Wollenköpfe fielen einem 
sofort in die Augen, wie auch das ostentativ vernach 
lässigte Äußere überhaupt, worin wohl mancher da 
mals ein Merkmal der Volksverbundenheit erblickte. 
(Heiterkeit.) 
was ja allerdings nur bei dieser marxistischen Ver 
zerrung aller Begriffe möglich war. Dieses Natur 
burschentum, das sich dort breit machte, konnten wir 
natürlich als Ordnung und Sauberkeit anstrebende 
Nationalsozialisten nicht belassen, ebenso den über 
steigerten Individualismus, der nur sich selber kannte 
und der möglichst in gar keiner Verbindung mit der 
Umwelt stehen wollte. Die Insel mit ihrer Ab 
geschlossenheit von der übrigen Welt hatte die Mög 
lichkeit dazu gegeben, daß hier ein Wandervogelnest 
— nicht im guten Sinne des Wortes — entstanden 
war. So gingen wir zunächst daran, die Schülerschaft 
zu sieben. Alle unzuverlässigen Elemente wurden von 
der Insel entfernt. Das war nicht so sehr schwer, weil ein 
großer Teil dieser Schülerschaft aus seiner Feindschaft 
gegen den Nationalsozialismus gar keinen Hehl machte. 
Es setzte die mühevolle Arbeit ein, nun die Gleich 
gültigen an den Nationalsozialismus heranzuziehen. 
Auch das ist dem Leiter der Schulfarm Scharfenberg, 
den wir dort hineingesetzt hatten, allmählich in Zu 
sammenarbeit mit der Hitler-Jugend gelungen, so daß 
die Schülerschaft anfing, schon mehr dem national 
sozialistischen Ideal zu entsprechen. 
Aber nicht nur die Schülerschaft mußte überholt 
werden, sondern vor allen Dingen auch die Insel selber 
mit ihren ganzen baulichen Anlagen. Auch da war bis 
her Wandervogelart primitivster Prägung Trumpf 
gewesen. Es waren wirklich bessere Höhlenmenschen, 
die dort gewohnt hatten. Von militärischer Ordnung 
und Sauberkeit auch nicht die Spur. Der Zustand der 
Gebäude kam dieser unerwünschten Verbindung mit 
der Natur — Natur gleich Dreck! — in weitestem Maße 
entgegen. So mußten wir dann an Sie herantreten, 
um eben die Insel auch baulich auf die Höhe bringen 
zu können. Sie haben in erfreulichster Weise Ihr Ver 
ständnis für diese Angelegenheiten bewiesen und es dem 
Herrn Oberbürgermeister ermöglicht, da das Nötige 
nun allmählich zu verwirklichen. 
Damit ist aber noch nicht alles getan, sondern nun 
kommt es darauf an, diese Anstalt wirklich in etwas 
positiv Neues umzuwandeln, während das Bisherige 
nur gewissermaßen Abstellung vorhandener Übelstände 
war. Deshalb hier diese Nachforderung von 
32 740 Mark, die sich als eine äußerst bescheidene For 
derung darstellt, wenn man etwa diese angeforderten 
Mittel mit dem vergleicht, was die nationalpolitischen 
Erziehungsanstalten des Reiches zur Verfügung haben 
(mit denen können wir leider in keiner Weife kon 
kurrieren). Immerhin aber wird es mit diesen Mitteln 
möglich sein, die Schule in vieler Hinsicht doch schon 
auf die Höhe zu bringen. Es handelt sich da vor allen 
Dingen darum, die Lehrmittel zu ergänzen, ferner auch 
die Lehrerbücherei, die Schülerbücherei und dergleichen 
Dinge mehr. Sie wollen dabei berücksichtigen, daß die 
Schule bisher mit der Humboldt-Schule in Tegel ver 
bunden war und jetzt selbständig geworden ist, so daß 
also auf diesem Gebiet so gut wie "noch gar nichts vor 
handen war. Deshalb finden Sie bei allen diesen 
Posten auch laufende und einmalige Ausgaben: die 
einmaligen, die eben dazu dienen sollen, erst den 
Grundstock zu schaffen.
	        
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