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Volume Sitzung 16, 19. Dezember 1933

Full text: Stenographische Berichte über die Sitzungen des Stadtgemeindeausschusses und der ständigen, endgültig beschließenden Ausschüsse der Stadt Berlin (Public Domain) Issue1.1933 (Public Domain)

Sitzung am 19. Dezember 1933. 
111 
Dann steht hier: „später zu erneuern". Ich 
glaube, daß das nicht so aufzufassen ist, wie Sie, 
meine Herren, es auffassen. Das kann auch gar nicht 
so aufgefaßt werden. Es mußte aber etwas dort 
stehen, weil wir ja verpflichtet sind, nach dieser 
Karenzzeit von 90 bzw. 60 Jahren an die Erneuerung 
des Bauwerks zu denken. Wir bekommen ja auch 
für diese Jahreszahl die Ablösungsquote. Es ist im 
allgemeinen so, daß moderne Bauwerke eine erheblich 
längere Lebensdauer haben. Es waren vor wenigen 
Jahren noch 120 bzw. 90 Jahre. Das ist auch die 
Lebensdauer der jetzigen Bauwerke. Von der Reichs 
bahn jedoch stammen diese neuen Sätze. Sie haben 
ihren Grund in einer sehr üblen Erfahrung, die sie 
mit ihren schweren Maschinen gemacht hat. Also 
gerade auf Grund von Erfahrungen — auch auf der 
Straße mit den schweren Fuhrwerken — ist sie dazu 
übergegangen, diese Ziffern herunterzusetzen und sie 
so einzusetzen, wie sie dort stehen. Das soll bedeuten: 
Wenn diese Jahre abgelaufen sind und man kommt 
zum Ergebnis, daß das Bauwerk erneuert werden 
muß, dann find wir auch verpflichtet, es zu erneuern. 
So soll es ausgelegt werden. 
Vorsitzender: Wenn dies auch durch die Aus- 
sprache geklärt ist, meine Herren, können wir den 
Punkt auch als erledigt betrachten. 
Wird das Wort nochmals gewünscht? — Das 
ist nicht der Fall. Ich darf dann also annehmen, daß 
Punkt 2 der Vorlage entsprechend angenommen ist. 
Wir dürfen zu Punkt 3 übergehen: 
Vorlage, bekr. Umgestaltung des Arnswalder Platzes 
und die Aufstellung des Slierbrunnens von 
Prof. Dr. Lederer. 
(Stadtv. Grevemeyer: Da wollte der Herr 
Oberbürgermeister zugegen sein!) 
Der Herr Oberbürgermeister ist abberufen worden. 
Er wird wiederkommen, wenn man ihn nötig braucht, 
also wenn wir in die Debatte eintreten wollen. Ich 
möchte bitten, gleich vorzugehen, um nachher eventuell, 
wenn es nötig ist, es ihm zu sagen. Der Herr 
Oberbürgermeister hat sein Erscheinen in Aussicht ge 
stellt, sobald der Wunsch geäußert wird. 
Herr Regierungsbaumeister Stephan wird Ihnen 
die Einzelheiten der Sache einmal vorführen. Ich 
weiß nicht, ob Ihnen schon die Pläne vorgelegen 
haben. 
(Zuruf: Nein!) 
Da die Vorlage ja nachträglich gekommen ist, 
würde ich Sie bitten, sich hier um die Pläne zu 
scharen. Wir haben uns reichlich Mühe gegeben, 
dieses Torso von ganz kolossaler Arbeitsbeschaffung 
herauszuziehen, hatten aber Schwierigkeiten mit 
Professor Lederer, selbst mit seinem Sohn wegen des 
Platzes. Ich persönlich habe mich sehr stark hinter 
das gewählte Material geklemmt, weil ich anfänglich 
nicht ganz sicher war, ob dieser Stein, Rochlitzer 
Porphyr, sich in Berlin so einwandfrei eignet. Ich 
bin bis zu einem gewissen Grade beruhigt worden 
und kann auch Sie beruhigen. Der Sohn des Herrn 
Professor Lederer hat vor ganz kurzer Zeit einen 
Antrag an den Herrn Oberbürgermeister und an mich 
eingereicht, daß der Arnswalder Platz nicht der 
richtige Platz sei. Er sagt, es geht besser auf dem und 
dem Platz. Er kommt auf den Baltenplatz zurück. 
Ich konnte ihm aber auch wieder schreiben, die Sache 
ist jetzt so weit durchgearbeitet, daß wir die Über 
zeugung haben, daß dieser Platz eine hochanständige 
Anlage wird. Der Baltenplatz kommt nicht in Frage 
wegen der Verkehrshindernisse, die es sonst geben 
würde, Umlegung der elektrischen Leitungen, der Ober 
leitungen, der Schienen der Elektrischen, die den Platz 
zerstören. Hier dagegen haben wir einen Platz, der 
vollkommen frei ist, auch sogar vom Verkehr. Der 
Verkehr geht in der Elbinger Straße nördlich davon 
vorbei. Norden ist ungefähr hier, meine Herren, 
Sie werden ja den Arnswalder Platz kennen. Er ist 
von Wohnhäusern nicht gerade hochgezüchteten Genres 
umgeben. Die einzige Straße von bedeutendem Ver 
kehr ist die Elbinger Straße. Da geht auch die 
Elektrische hindurch. So ist auch der Brunnen ent 
worfen, daß ein gewisser Ausblick nach dieser Seite 
stattfindet. Diese beiden Straßen sind ganz be 
scheidene Wohnstraßen. Sie münden hier ein. Einen 
Verkehr über den Platz gibt es gar nicht. Daher 
kann der Brunnen und daher können die Grünflächen 
dieses Platzes ganz besonders der Bevölkerung dienen. 
Wir könnten Ihnen nichts Besseres vorschlagen als 
diesen höchsten Punkt, der ungefähr hier ist. Wir 
machen eine kleine Anschüttung, um den Brunnen 
mit dem Wasserspiel aufzustellen. Wir erhalten den 
alten Baumbestand vollkommen. Nur wenige Grün 
anlagen müssen hier weggenommen werden. Wir 
machen hier eine breite Rasenfläche, die den Blick 
nach der Elbinger Straße frei macht. Wir stellen 
Bänke auf, um älteren Leuten hier Ruhe zu gestatten. 
Wir machen Spielplätze für Kinder und Sandkästen, 
um die Kinder in den Grünanlagen zu beschäftigen. 
Die ganze Anlage ist immerhin ein Bauwerk von 
160 000 RM, so daß da eine ganz nette Arbeits 
beschaffung herauskommt, wenn allerdings auch ein 
Teil der Kosten bereits bezahlt ist. Vielleicht sind 
Sie, Herr Kollege Stephan, so liebenswürdig, noch 
einige weitere Erklärungen über die Sache zu geben. 
Baumeister Stephan: Das Projekt geht zurück 
auf das Jahr 1927, als man Professor Lederer das 
Modell in Auftrag gab. Den Entwurf kaufte die 
Stadt 1928 an. Das Honorar wurde damals mit 
120 000 RM vereinbart. Davon find im Laufe der 
Jahre 90 000 RM gezahlt worden, so daß noch eine 
Restforderung von 30 000 RM bestehen würde. Herr 
Professor Lederer hat sich auf Vorhalten der neuen 
Auffassung über die berechtigte Höhe der Privat 
einkommen damit einverstanden erklärt, daß diese 
Restforderung auf 3000 RM herabgesetzt wird, womit 
seine Arbeiten, Reisekosten usw. gedeckt sein sollen. 
Die Ausführung des Werkes selbst ist in Roch 
litzer Porphyr erfolgt. Sie ist den Rochlitzer Porphyr 
werken damals, 1928, übertragen worden. Die 
Situation ist zur Zeit die, daß der Brunnen aus 
gehauen in den Werken in großen Stücken liegt und 
hierher transportiert werden muß. 
Aus normalen Kämmereimitteln wäre die Auf 
stellung des Brunnens nicht möglich gewesen. Die 
Stadt wäre in eine unangenehme Lage gekommen, 
da nur bis April 1934 die Verpflichtung bestand, 
kostenlos zu lagern. Eine weitere Lagerung in 
Nochlitz hätte erhebliche Lagerkosten verursacht. Auch 
eine Lagerung in Berlin auf einem städtischen Grund 
stück wäre mit großen Kosten verbunden, weil hier 
eigens ein Lagerschuppen hätte errichtet werden 
müssen und auch doppelte Transportkosten entstanden 
wären. 
Nunmehr ist die Möglichkeit der Finanzierung 
mit Arbeitsbeschaffungsmitteln zu Hilfe gekommen. 
Die „Oeffa" hat sich bereit erklärt, einen Anteil von 
130 000 RM zu zahlen, womit der größte Teil der 
Bauarbeiten und der restlichen Verpflichtungen ge 
deckt sind. Die baulichen Kosten stellen sich, wie Herr 
Präsident Kühn schon gesagt hat, auf 160 000 RM 
für die Aufstellung, die Wasserkünste und die not 
wendige Umgestaltung des Platzes, um den Platz 
hygienisch und sozial einwandfrei zu machen. Augen 
blicklich ist das absolut nicht der Fall. Es befindet 
sich zwar eine kleine Freifläche in der Mitte, die aber 
von allen Seiten von Wegen durchkreuzt wird. Die
	        
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