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Periodical volume

Full text: Mieterschutz Issue 2012,4

RUBRIK

Heft 4/2012
ORGAN DES
MIETERSCHUTZBUNDES
BERLIN E.V

Wenn die
Wohnung zur
Baustelle
wird
Vorstellung der neuen
Mieterschutzbund-Homepage

S3

Neue Urteile zum Mietrecht

S6

Mietrechtsreform 2012: Contracting und Räumung von Wohnraum

S 18

Ausflugstipp: Rheinsberg

S 22

Mängel in der Mietwohnung
S 10

4 / 2012

1

RUBRIK
INHALT

	 2	 	Editorial
	 3	 	Serviceseite

Neue Homepag

e

	 4	 	Miete und Mietrecht
			

Die Ruh‘ ist hin

	5	 	Von wegen 100 Quadratmeter

			

Parkplatz-Gerangel

	 6	 	Aktuelle Rechtsprechung
Neues von den Roten Roben

		
	 Titelthema –
			 Mängel in der Mietwohnung
	10	 	Kommt in den besten
Häusern vor
	14	 	Abwarten und Tee trinken hilft
nicht weiter …
16	 	 Urteil und Kommentar
des Mieterschutzbundes
18		 	Mietrechtsreform 2012

Contracting und Räumung von Wohnraum

20		 	Leserbriefe

Betriebskostenabrechnung

Liebe Leserin,
lieber Leser,
das Neueste gleich vorweg: Der Mieterschutzbund hat eine neue Homepage! Wie bereits
auf der letzten Mitgliederversammlung angekündigt, steht Ihnen ab 16. Juli unser neues
Angebot online zur Verfügung. Vereinsmitglieder profitieren noch mehr als alle anderen
Nutzer. Schauen Sie doch einfach mal rein!
Näheres dazu lesen Sie auf der gegenüberliegenden Seite.
Hatten Sie nicht auch schon mal einen Mangel in Ihrer Mietwohnung? Als ob man nicht
schon zur Genüge gestraft wäre, folgt dem
Mangel meist eine Auseinandersetzung mit
dem Vermieter. Wie man sich richtig verhält,
was einem Mieter zusteht und in welcher Reihenfolge man vorgehen muss, erläutern wir in
den beiden Artikeln zum Titelthema Mängel
in der Mietwohnung.
Lärmbelästigung ist zum Beispiel ein solcher
Mangel – doch nicht jede Lärmquelle berechtigt zur Mietminderung. Was man hinnehmen muss als Mieter und was nicht, wird
zumindest an einigen Beispielen auf der Seite
Miete & Mietrecht geschildert.
Sollten Sie unsere Kurznachrichten vermissen, finden Sie diese aus aktuellem Anlass auf
Seite 21. Dort geht es unter anderem um den
Rückkauf der Berliner Wasserbetriebe durch
das Land Berlin.
Diesmal führt Sie unser Ausflugstipp in den
Norden Brandenburgs, nach Rheinsberg, auf
den Spuren berühmter Persönlichkeiten.
Ein interessantes Lesen wünscht Ihnen

21		 	Aktuelle Kurznachrichten
Meldungen im Überblick

Stefan Brenner
Redaktion Mieterschutz

22		 	Ausflugstipp
Rheinsberg

	23	 	Impressum

2

4 / 2012

SERVICESEITE

Neue Mieterschutzbund-Homepage
Vielfältiges Angebot für Mieter
Ab 16. Juli steht Ihnen unsere neue Homepage zur Verfügung. Manches ist neu hinzugekommen, anderes werden Sie vielleicht
schon kennen, allerdings im neuen Gewand
und mit vielen neuen Funktionen. Nicht nur
für Mieter, die bereits Mitglied im Mieterschutzbund sind, stellt die neue Homepage
eine Erweiterung unseres Angebotes dar.
Unter
www.mieterschutzbund-berlin.de
finden auch Nichtmitglieder umfangreiche
Informationen zum Mietrecht und zum Mieterschutzbund.
Auf der Startseite finden Sie ganz aktuelle BGH-Entscheidungen sowie Nachrichten
rund ums Thema Miete und Mietrecht. Darüber hinaus sind umfangreiche Informationen
zu den Top-Mieterthemen Betriebskosten,
Mieterhöhung, Schönheitsreparaturen und
Mietmängel dort eingestellt.
Mietspiegel
Sie interessieren sich für den aktuellen Berliner Mietspiegel oder wollen nachschauen,
in welches Mietspiegelfeld Ihre Wohnung
eingeordnet wird? Kein Problem! Der Berli-

ner Mietspiegel steht auch auf unserer neuen
Homepage für Sie bereit, sowohl das Herzstück, die Mietspiegeltabelle mit Abfrageservice, als auch der komplette Mietspiegel zum
Durchblättern.
Exklusiver Mitgliederbereich
In einem geschützten Bereich, der ausschließlich Mitgliedern vorbehalten ist, können Sie
die aktuelle Ausgabe des Mieterschutz online lesen. Darüber hinaus stehen dort den
Mitgliedern unsere 50 Infoblätter zu allen
mietrechtlich relevanten Themen zur freien
Verfügung, welche für den ersten schnellen
Überblick gelesen, downgeloadet oder ausgedruckt werden können.
Vereinszeitschrift Mieterschutz
Ferner kann jeder Besucher unserer neuen
Homepage auch die Vereinszeitschriften ab
dem Jahrgang 2010 durchblättern – außer
der jeweils aktuellen Ausgabe, die den Vereinsmitgliedern vorbehalten bleibt.
Mitgliedschaft und Mietrechtsschutz
Wer sich über den Mieterschutzbund infor-

. Juli unsere neue
Besuchen Sie ab 16
Homepage unter:
und-berlin.de
ww w.mieterschutzb
mieren möchte und plant, eine Mitgliedschaft
abzuschließen, der wird ebenfalls fündig.
Künftig kann die Mitgliedschaft auch online
abgeschlossen werden. Satzung, Beitragsordnung und Beitrittserklärung findet man in der
Navigation ebenso leicht wie sämtliche Formulare für die Mietrechtsschutzversicherung.
Zweigstellen
Sollten Sie unsere Beratungsstellen noch
nicht kennen, stehen auch hierzu sämtliche
Informationen nebst Fotos abrufbereit. Damit
Sie nicht lange im Stadtplan suchen müssen,
ist bei jeder Beratungsstelle ein Lageplan mit
unmittelbarer Umgebung online eingestellt.

Ihre kostenlose Kleinanzeige können Sie bei der Redaktion Mieterschutz aufgeben.

Kostenlose

Kleinanzeigen

Kleine Wohnung gesucht!
Ruhiger Mieter sucht 1-Zimmer-Wohnung, ca. 30 m², gerne oberste Etage, im Raum
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Hier beantworten wir mietrechtliche Fragen, die häufig in der Beratung gestellt werden.
Ist der Vermieter immer für die Beseitigung
von Schnee und Eis verantwortlich?
Grundsätzlich sind Eigentümer bzw. Vermieter
verpflichtet, Schnee und Eis von den Gehwegen zu beseitigen bzw. Eisglätte zu bestreuen.
Allerdings kann diese Pflicht mittels vertraglicher Vereinbarung oder durch die Hausordnung auf die Mieter, den Hauswart oder auf
eine Winterdienstfirma abgewälzt werden. In
letzteren Fällen haben die Mieter die anfallenden Kosten als Betriebskosten zu tragen.

Müssen bei einer Wohngemeinschaft alle
Mitbewohner im Mietvertrag stehen?
Zumindest ein Mieter muss den Mietvertrag
unterzeichnen und somit Mietvertragspartei
werden. Alle übrigen Personen müssen nur
dann den Mietvertrag unterzeichnen, wenn
der Vermieter die Begründung des Mietverhältnisses davon abhängig macht. Neue
Mitbewohner müssen ebenfalls nicht in den
Mietvertrag aufgenommen werden, es bedarf
lediglich der Zustimmung des Vermieters.

Ist immer ein Einkommensnachweis bei der
Wohnungssuche vorzulegen?
Das hängt davon ab, was der Vermieter vor
Vertragsunterzeichnung vom künftigen Mieter verlangt. Es ist auch durchaus nachvollziehbar, dass ein Vermieter sich über die
finanziellen Verhältnisse des potenziellen
Mieters informieren möchte. In Ermangelung eines anderen Nachweises belegt der
Einkommensnachweis die „Bonität“ des
Mieters.

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3

MIETE & MIETRECHT

© Tomicek/ LBS

Die Ruh‘ ist hin

Wenn vor Gericht um Lärmbelästigung gestritten wird
Zu den häufigsten Ärgernissen unter
Nachbarn gehört die Ruhestörung.
Aktenzeichen 6 K 2346/09
Mieter empfinden es regelmäßig als
Quelle: LBS Infodienst Recht & Steuern
schier unerträglich, wenn sie innerhalb ihrer eigenen vier Wände mit
2) Verwaltungsgericht Köln, Lärm von außerhalb belästigt werAktenzeichen 1 L 492/11
den. Sie schöpfen dann alle RechtsQuelle: LBS Infodienst Recht & Steuern
mittel aus, bis hin zur Revision
beim Bundesgerichtshof und bis zur
3) Oberlandesgericht
Verfassungsbeschwerde. Mit wechKarlsruhe,
selndem Erfolg.
1) Verwaltungsgericht
Aachen,

Aktenzeichen 14 Wx 9/10
Quelle: LBS Infodienst Recht & Steuern

4) Oberverwaltungsgericht
Nordrhein-Westfalen,
Aktenzeichen 7 B 1316/08
Quelle: LBS Infodienst Recht & Steuern

5) Verwaltungsgericht
Arnsberg,
Aktenzeichen 7 K 2561/06
Quelle: LBS Infodienst Recht & Steuern

© Tomicek/ LBS

1) Wer schon einmal in der Nähe eines Altglascontainers gewohnt hat,
der weiß: Das Klirren der eingeworfenen Flaschen kann sehr störend sein.
So empfanden es auch zwei Familien,
deren Häuser in sieben und sechzehn
Metern Entfernung von einem Container lagen. Sie forderten dessen
Umsetzung in eine weniger bewohnte
Gegend. Mit diesem Wunsch stießen
sie aber vor dem Verwaltungsgericht
Aachen auf taube Ohren. Der Behälter durfte bleiben. Die zuständige
Gemeinde habe bei der Auswahl des
Standorts durchaus Vernunft walten
lassen, denn ein Altglascontainer
müsse gut erreichbar sein und sich
in einem Bereich sozialer Kontrolle
befinden. In einer entlegenen Gegend
drohe eine wilde Müllkippe rund um
den Container.
2) Ein innerstädtischer Platz hatte
sich während der Nachtzeit zu einem
beliebten Treffpunkt junger Men-

4

4 / 2012

schen entwickelt. In warmen Nächten
versammelten sich dort oft mehrere
hundert Personen, was von den Anwohnern als unzumutbar empfunden
wurde. Die Ordnungsbehörde entschied sich auf deren Beschwerden
hin, den Betrieb einer auf dem Platz
befindlichen Trinkhalle stark einzuschränken. An Sonn- und Feiertagen
sollte noch bis Mitternacht geöffnet
sein. Das Verwaltungsgericht Köln
hielt dies für völlig unangemessen.
Die ständigen Bezugsmöglichkeiten an Alkohol und Nikotin durch die
Trinkhalle hätten dazu beigetragen,
den nächtlichen Rummel auf dem
Platz aufrecht zu erhalten. Im Urteil
hieß es: „ Es ist davon auszugehen,
dass durch die Sperrzeitenverlängerung sich (…) nach Mitternacht weniger Personen aufhalten werden, da
es ihnen an ‚Nachschub‘ an Getränken
und Zigaretten fehlen wird“.
3) Was macht man eigentlich, wenn
eine Lärmquelle aus einer Wohnung
partout nicht auszuschalten ist? Ein
Hobbybastler aus Baden-Württemberg ließ die ganze Nacht hindurch
den Motor einer elektrischen Laubsäge laufen. Auf Beschwerden hin
teilte er der Polizei mit, er denke gar
nicht daran, das Gerät auszuschalten.
Darauf hin entschied ein Amtsrichter,
dass die Wohnung zu durchsuchen
und die Störquelle zu beschlagnahmen sei. Das sei angemessen gewe-

sen, entschied das Oberlandesgericht
Karlsruhe. Denn hier werde in einem
unzulässigen Ausmaß die Gesundheit
anderer geschädigt.
4) Ebenfalls um eine nicht hinnehmbare Belästigung handelte es sich nach
Meinung der Anwohner, als in einem
innerstädtischen Ladengeschäft ständig nachts Ware angeliefert wurde.
Dabei ging es hauptsächlich um Elektroartikel – also Gegenstände, die im
Gegensatz zu frischen Lebensmitteln
nicht zwingend zu ungewöhnlicher
Stunde transportiert werden müssen.
Zudem hatte die Firma nur eine genehmigte Betriebszeit zwischen 6 und
22 Uhr. Das Oberverwaltungsgericht
Nordrhein-Westfalen untersagte deswegen die nächtlichen Aktionen. Der
Geschäftsinhaber müsse auf seine
Lieferanten Einfluss nehmen, dass sie
in Zukunft nicht mehr ganz so ungewöhnliche Zeiten wählen.
5) Ganz selten haben Nachbarn eine
Chance vor dem Kadi, wenn sie gegen
das Läuten von Kirchenglocken klagen. In der Regel weisen Richter die
Betroffenen darauf hin, dass die Gotteshäuser lange vor ihrem Einzug an
dieser Stelle standen und dass liturgisches Läuten als durchaus sozialadäquat hinzunehmen sei. In einem
konkreten Fall war die Ausgangslage
etwas anders: Die Kirchengemeinde
hatte ein neues, lauteres Geläut ein-

MIETE & MIETRECHT

gebaut. Deswegen hofften die Anwohner, ihre Klage könnte erfolgreich
sein. Doch auch hier ließ das Verwaltungsgericht Arnsberg nicht mit sich
reden. Die große Glocke überschreite
zwar die Werte der Lärmschutzverordnung, komme jedoch nur zu zwei
Gottesdiensten in der Woche und an
wenigen Festtagen zum Einsatz. Das
müsse man aushalten.

6) Nicht für jeden Lärm kann jemand
verantwortlich gemacht werden. Das
mussten Mieter erfahren, die gegenüber einem Wohnungseigentümer
eine Mietminderung geltend machen
wollten. Sie fühlten sich durch Besucher eines Restaurantschiffs und
einer Veranstaltungshalle gestört,
die sich nachts auf dem Heimweg
manchmal ziemlich laut verhielten.

Das Amtsgericht Köpenick sah aber
keine Veranlassung, dies dem Wohnungseigentümer zuzuschreiben. Im
Urteil hieß es: „Die Rücksichtslosigkeit im Umgang miteinander in einer Stadt wie Berlin mag man
beklagen, sie ist aber in
der Innenstadt Berlins
eine ortsübliche Belästigung (…)“.

6) Amtsgericht Köpenick,
Aktenzeichen 12 C 44/06
Quelle: LBS Infodienst Recht & Steuern

Von wegen 100 Quadratmeter

Langwieriger Prozess um eine „circa“-Angabe im Mietvertrag
Die Größenangaben in Mietverträgen für Wohnungen und Häuser liefern immer wieder Anlass zu einem
Rechtsstreit. Wenn sich das Objekt
beim gründlichen Nachmessen deutlich kleiner als versprochen herausstellt, dann fordern viele Mieter
Geld zurück.
Manche Eigentümer glauben sich auf
der sicheren Seite, wenn sie vor der
Größenangabe das Wörtchen „ca.“
hinzugefügt haben. Doch diese Methode ist kein Patentrezept für die
Vermieter. Laut höchstrichterlicher
Entscheidung entsteht dadurch nicht

automatisch eine größere Toleranzschwelle. Ein Mieter bemerkte, nachdem er eine Wohnung fünf Jahre lang
genutzt hatte, dass von den vermeintlich „ca.“ 100 Quadratmetern keine
Rede sein konnte. Ein Gutachter stellte fest, es handle sich lediglich um
83 Quadratmeter. Es ging also um
eine spürbare Abweichung. Deswegen
stand fest: Der Eigentümer würde einen Ausgleich bezahlen müssen. Die
Frage war nur, was die Berechnungsgrundlage sein sollte. Das zuständige
Landgericht entschied, wegen des
„ca.“ müsse man zu Gunsten des Eigentümers von 95 Quadratmetern

ausgehen. Der Zusatz habe ja dem
Mieter ausdrücklich verdeutlichen sollen, dass es sich um einen ungefähren
Wert handle. Die Gegenseite wollte
diese Großzügigkeit allerdings nicht
akzeptieren und beharrte auf ihrer
Forderung in voller Höhe. Auch
die Richter des Bundesgerichtshofs akzeptierten die Rechengröße
95 Quadratmeter nicht. Sowohl bei der
Beurteilung der Abweichung als auch
bei der Berechnung der eigentlichen
Mietminderung müsse der im Vertrag
genannte Ausgangswert gewählt werden. Konkret müsse man also hier von
100 Quadratmetern ausgehen.

Bundesgerichtshof,
Aktenzeichen VIII
ZR 144/09
Quelle: LBS Infodienst Recht & Steuern

© Tomicek/ LBS

Parkplatz-Gerangel

Mieter wollte den Eigentümer zur Herausgabe zwingen
In Großstädten ist Parkraum ein
knappes, kostbares Gut. Selbst
wenn es innerhalb von Wohnanlagen Stellplätze gibt, so reichen diese nicht immer aus. Grundsätzlich
gilt: Ein Eigentümer genießt bei der
Vergabe der Parkfläche große Freiheiten, wenn es mehrere Bewerber gibt. Das haben Deutschlands
oberste Richter festgestellt.
Ein Mieter verfügte über einen gültigen Wohnraum-Mietvertrag und
dachte, mit Hilfe dieses Dokuments

könne er den Eigentümer dazu zwingen, ihm einen frei gewordenen Parkplatz in der betreffenden Wohnanlage
zu überlassen. Selbstverständlich
war er bereit, dafür zu bezahlen. Doch
der Betroffene wollte sich nicht unter
Druck setzen lassen. Er verwies darauf, dass es eine Reihe von Interessenten gebe und er nach eigenem Ermessen entscheiden könne. Es kam in
der Frage zu einem Zivilprozess durch
zwei Instanzen. Der Bundesgerichtshof schloss sich der Rechtsauffassung des Stellplatz-Eigentümers an.

Die Richter entschieden,
dass ein Wohnraum-Mietvertrag „keine (Neben-)
Pflicht des Vermieters“
begründe,
„seinem
Mieter zusätzlich zu
der Gebrauchsüberlassung
der angemieteten Räume auch einen Garagenstellplatz zur Verfügung
zu stellen“. Es sei „nicht willkürlich“,
wenn der Eigentümer seine Auswahl
nach freiem Ermessen treffe. Das
entspreche dem Grundsatz der Vertragsfreiheit.

4 / 2012

© Tomicek/ LBS

Bundesgerichtshof, Aktenzeichen VIII ZR 268/09
Quelle: LBS Infodienst Recht & Steuern

5

RUBRIK
AKTUELLE RECHTSPRECHUNG

Betriebskostenvorauszahlung; Anpassung
Leitsatz:
Die Anpassung von Vorauszahlungen setzt eine formell
und inhaltlich korrekte Abrechnung voraus (Änderung der
bisherigen Senatsrechtsprechung,
zuletzt Senatsurteil vom 16. Juni
2010 - VIII ZR 258/09).
BGH, Urteil vom 15. Mai 2012 – VIII
ZR 246/11

weil ein Teil der Gesamtkosten als
„Festbetrag“ in Rechnung gestellt
worden sei, ohne einen Umlageschlüssel zu benennen. Hausmeisterkosten seien nicht umlagefähig,
weil die Mieter die Reinigung von
Treppenhaus und Hof sowie die
Pflege der Parkflächen entsprechend der mietvertraglichen
Regelung selbst vornähmen und
nicht ersichtlich sei, dass der
Anmerkungen: Der Beklagte ist
Hausmeister überhaupt umlagefäseit 1993 Mieter einer Wohnung.
hige Arbeiten ausführe. Die HausNeben der Grundmiete haben die
verwaltung des Klägers kündigte
Parteien Vorauszahlungen auf
das Mietverhältnis wegen eines
Betriebskosten vereinbart, die bis behaupteten Zahlungsrückstands
Juli 2005 40 Euro monatlich betru- in Höhe 2.881,72 Euro fristlos,
gen. Jeweils im Anschluss an die
hilfsweise fristgemäß. Beide VorinAbrechnung von Betriebskosten
stanzen haben die Räumungsklage
erhöhte der Kläger die Vorauszah- abgewiesen.
lungen ab August 2005 auf
Die Revision des Klägers beim
70 Euro, ab Januar 2008 auf
BGH blieb erfolglos. Dem Kläger
80 Euro sowie ab Juni 2008 auf
steht ein Anspruch auf Räumung
90 Euro; mit der Abrechnung für
der vom Beklagten gemieteten
2008 passte er sie ab 1. Januar
Wohnung nicht zu, weil die Kündi2010 auf wiederum 70 Euro mogungen mangels Pflichtverletzung
natlich an. Der Beklagte entrichtete des Beklagten das Mietverhältnis
durchgehend nur die ursprünglider Parteien nicht beendet haben.
chen Vorauszahlungen von moDer Beklagte war nicht verpflichtet,
natlich 40 Euro und erhob jeweils
die vom Kläger verlangten erhöhkonkrete Einwendungen gegen
ten Betriebskostenvorauszahlundie Abrechnungen. Bezüglich der
gen zu entrichten. Die vom Kläger
nach Wohnfläche abzurechnenden vorgenommenen Erhöhungen
Kosten für Wasser und Abwasser
sind von vornherein unwirksam,
fehle es schon an einer formell
soweit sie auf Positionen (Frischordnungsgemäßen Abrechnung,
und Abwasser) gestützt sind, die

Neues von den
Roten Roben
In dieser Rubrik berichten wir über aktuelle Urteile
des Bundesgerichtshofs in Karlsruhe.
Die Ampeln symbolisieren, ob sie sich positiv oder
negativ auf die Mieterinteressen auswirken.

6

4 / 2012

schon wegen formeller Mängel
nicht ordnungsgemäß abgerechnet
worden sind.
Gemäß § 560 Abs. 4 BGB kann
jede Partei nach einer Abrechnung
der Betriebskosten durch Erklärung in Textform eine Anpassung
der Vorauszahlungen auf eine
angemessene Höhe vornehmen.
Hierfür genügte nach der (bisherigen) Rechtsprechung des
Senats allerdings eine formell
ordnungsgemäße Abrechnung;
auf die inhaltliche Richtigkeit kam
es nicht an. Hieran hält der Senat
nicht fest.
Durch die Anpassung soll eine
möglichst realistische Bemessung
der Vorauszahlungen erreicht
werden, so dass bei der späteren
Abrechnung weder ein großes Guthaben des Mieters noch eine hohe
Nachforderung des Vermieters
entstehen. Aus diesem Grund dürfen nach der Rechtsprechung des
Senats bereits absehbare Kostensteigerungen bei der Anpassung
berücksichtigt werden, während
ein abstrakter Sicherheitszuschlag
nicht zulässig ist. Blieben inhaltliche Fehler, die das Abrechnungsergebnis zu Lasten des Mieters
verändern, bei der Anpassung unberücksichtigt, hätte das zur Folge,
dass die Vorauszahlungen nicht
mehr wie geboten ausschließlich
anhand des voraussichtlichen
Abrechnungsergebnisses für die
nächste Abrechnungsperiode
bemessen würden. Vielmehr
eröffnete eine solche Verfahrensweise dem Vermieter die Möglichkeit, aufgrund einer fehlerhaften

Abrechnung Vorauszahlungen in
einer Höhe zu erheben, die ihm
bei korrekter Abrechnung nicht
zustünden. Hinzu kommt, dass der
Vermieter zur Erstellung einer korrekten Abrechnung verpflichtet ist
und es nicht hingenommen werden
kann, dass eine Vertragspartei aus
der Verletzung eigener Vertragspflichten Vorteile zieht. Dies wäre
aber der Fall, wenn der Vermieter
die Anpassung jeweils auf der
Basis der letzten Abrechnung auch
dann vornehmen dürfte, wenn
inhaltliche Fehler das Abrechnungsergebnis zum Nachteil des
Mieters verschieben. Besonders
gravierende Konsequenzen für
den Mieter könnten sich ergeben,
wenn sich aus den Erhöhungen der
Vorauszahlungen ein kündigungsrelevanter Mietrückstand aufbaut.
In letzter Konsequenz könnte dies
bedeuten, dass der Vermieter das
Mietverhältnis wegen Mietrückständen beenden könnte, zu denen
es überhaupt nur kommen konnte,
weil er selbst eine fehlerhafte
Abrechnung erstellt hatte, die
den Mieter unberechtigt mit zu
hohen Betriebskosten belastete.
Ein solches Ergebnis wäre mit
dem durch Artikel 14 Abs. 1 Satz
1 GG geschützten Besitzrecht des
Mieters an der von ihm gemieteten
Wohnung als dem Mittelpunkt
seiner privaten Existenz nicht
vereinbar. Eine Anpassung der
Vorauszahlungen gemäß § 560
Abs. 4 BGB ist daher nur insoweit
wirksam, als sie auf einer auch
inhaltlich korrekten Abrechnung
beruht.

AKTUELLE RECHTSPRECHUNG

Mieterhöhungsverlangen;
Vergleichswohnungen

Heizkostenabrechnung;
formelle Wirksamkeit

Leitsatz:
Wenn der Vermieter in
seinem Erhöhungsverlangen
– über die in § 558a Abs. 2 Nr. 4
BGB geforderten drei Vergleichswohnungen hinaus – weitere
Wohnungen benennt, die nicht
die Voraussetzungen des § 558a
Abs. 2 Nr. 4 BGB erfüllen, so ist
das Erhöhungsverlangen weder
insgesamt noch teilweise unwirksam. Ob der Umstand, dass die
Miete einer der benannten Wohnungen unterhalb der verlangten
Miete liegt, an der Ortsüblichkeit
der verlangten Miete zweifeln
lässt, ist eine Frage der materiellen Begründetheit, nicht der
Wirksamkeit des Erhöhungsverlangens.
BGH, Urteil vom 29. März 2012 –
VIII ZR 79/11

Leitsatz:
Zur formellen Wirksamkeit
einer Heizkostenabrechnung
im Wohnraummietverhältnis.
BGH, Urteil vom 26. Oktober 2011
– VIII ZR 268/10

„entsprechenden Entgelten“ zu
benennen. Eine Erhöhung der Miete auf die verlangte Miete ist nur
dann ordnungsgemäß begründet,
wenn der Vermieter mindestens
drei Vergleichswohnungen angibt,
deren Miete mindestens so hoch
ist wie die verlangte Miete. Diese
formelle Voraussetzung ist hier
erfüllt. Die Klägerin hat nicht nur
drei, sondern sechs Vergleichswohnungen benannt, in denen die
Miete höher ist als die verlangte
Miete. Der Umstand, dass die
Klägerin eine weitere – siebente –
Wohnung benannt hat, bei der die
Miete nicht der verlangten Miete
entspricht, sondern zwischen der
bisherigen und der erhöhten Miete
liegt, rechtfertigt keine andere
Beurteilung und macht das Erhöhungsverlangen weder insgesamt
noch teilweise unwirksam. Erfolgt
Anmerkungen: Die Beklagte ist
die Begründung – wie hier –
Mieterin einer Wohnung, im Noanhand von konkret bezeichneten
vember 2008 forderten die Kläger
Vergleichswohnungen, so ist dem
die Beklagte unter Benennung von formellen Begründungserfordernis
sieben vergleichbaren Wohnungen nach dem Wortlaut des Gesetzes
auf, einer Erhöhung der Miete ab
Genüge getan, wenn die Mieten
dem 1. März 2009 zuzustimmen.
von (mindestens) drei VergleichsDie Mieten von sechs der von den
wohnungen der verlangten Miete
Klägern benannten Wohnungen
entsprechen. Das ist hier der Fall.
liegen über diesem Betrag, bei eiDamit hat die Beklagte eine
ner der Vergleichswohnungen liegt hinreichende Grundlage für ihre
die Miete mit 490 Euro dagegen
Entscheidung, ob sie das Mieterhözwischen der bisherigen und der
hungsverlangen für gerechtfertigt
erhöhten Miete. Das Amtsgericht
hält. Es ist deshalb – soweit es um
hat die Beklagte verurteilt, einer Er- die Wirksamkeit des Erhöhungshöhung der Miete nur auf 490 Euro verlangens geht – unschädlich,
zuzustimmen, das Landgericht
dass im vorliegenden Fall die
hat der Klage in vollem Umfang
Miete einer der von den Klägern
stattgegeben.
benannten sieben Wohnungen
Die Revision der Beklagten beim
unterhalb der geforderten Miete
BGH bleibt erfolglos. Gemäß
liegt. Ob dieser Umstand an der
§ 558a Abs. 2 Nr. 4 BGB hat der
Ortsüblichkeit der von den Klägern
Vermieter, der sein Mieterhöhungs- verlangten Miete zweifeln lässt, ist
verlangen unter Bezugnahme auf
eine Frage der materiellen BegrünVergleichswohnungen begründet,
detheit, nicht der Wirksamkeit des
drei vergleichbare Wohnungen mit Erhöhungsverlangens.

Anmerkungen: Die Beklagte ist
Mieterin einer Wohnung der Klägerin. Diese macht Nachforderungen
aus den Betriebskostenabrechnungen für die Jahre 2003/2004 bis
2006/2007 geltend. Die Beklagte hält die Abrechnungen der
Klägerin aus formellen Gründen
für unwirksam, da Kosten für
Kaltwasser und Entwässerung
zusammen mit den Kosten für
Heizung und Warmwasser abgerechnet wurden und nicht mit den
(üblichen) kalten Betriebskosten.
Ferner seien die Verteilerschlüssel
bei der Ermittlung des Energieanteils für die Warmwasserkosten
nicht ausreichend erläutert und die
Berechnung der Warmwasserkosten deshalb nicht nachvollziehbar
und unwirksam. Das Amtsgericht
hat der Klage unter Abweisung
im Übrigen in Höhe von 140,14
Euro nebst Zinsen stattgegeben,
das Landgericht hat die Berufung
beider Parteien zurückgewiesen.
Die Revision der Klägerin beim
BGH hat Erfolg, die Revision der
Beklagten ist unbegründet. Zu
Recht hat das Berufungsgericht
angenommen, dass die Beklagte
der Klägerin den aus der Abrechnung 2006/2007 ersichtlichen
Nachzahlungsbetrag schuldet.
Entgegen der Auffassung der
Revision der Beklagten ist die
Abrechnung nicht aus formellen
Gründen – etwa wegen einer unzulässigen „einseitigen Abänderung
einer vertraglich vereinbarten Ab-

rechnungsstruktur“ – unwirksam.
Die Frage, ob die einzeln ausgewiesenen Kosten für Kaltwasser
und Entwässerung zusammen mit
den Heizkosten oder zusammen
mit den übrigen Betriebskosten
abgerechnet werden, läuft auf
ein “Nullsummenspiel“ heraus,
weil sich die Summe der von den
Beklagten zu tragenden Betriebskosten dadurch nicht ändert. Auch
auf die Nachvollziehbarkeit der Abrechnung dieser Kosten hat es keinen Einfluss, ob sie in dem einen
oder anderen „Abrechnungskreis“
eingestellt sind. Die Abrechnungen
der Klägerin enthalten sämtliche
Einzeldaten, die erforderlich sind,
um anhand der Vorschriften der
Heizkostenverordnung die Wärmekosten korrekt in Heizkosten und
Warmwasserkosten aufzuteilen.
Nach der Rechtsprechung des
Senats genügt es für eine formell
wirksame Abrechnung im Bereich
der Heizkostenverordnung, wenn
ein mit den einschlägigen Rechtsvorschriften vertrauter Mieter
anhand der mitgeteilten Faktoren
die vorgenommene Abrechnung
nachprüfen kann. Dies gilt generell
für die Heizkostenverordnung,
deshalb ist es unschädlich, dass
die Klägerin in ihrer Abrechnung
nicht erläutert hat, dass sie die
nur auf die Warmwasserkosten
entfallenden Kosten der Warmwasserzähler zunächst von den
Gesamtkosten abgesetzt, den
verbleibenden Gesamtbetrag nach
dem ermittelten Prozentsatz auf
Kosten für Heizung und für Warmwasser aufgeteilt und anschließend die Kosten für die Warmwasserzähler den so ermittelten
Kosten für Warmwasser wieder
hinzugesetzt hat.

4 / 2012

7

AKTUELLE RECHTSPRECHUNG

Mieterleistungen;
Baukostenzuschuss

Kündigung durch
Vermieter;
Fremdinteressen

Leitsatz:
Zur Berücksichtigungsfähigkeit von Mieterleistungen
als abwohnbarer Baukostenzuschuss.
BGH, Urteil vom 15. Februar 2012
– VIII ZR 166/10

Leitsatz (Auszug):
b) § 573 Abs. 1 Satz 1 BGB
verwehrt es dem Vermieter
nicht, auch Umstände aus dem
Interessenbereich dritter Personen insoweit zu berücksichtigen,
als sich aus ihnen aufgrund eines
familiären, wirtschaftlichen oder
rechtlichen Zusammenhangs
auch ein eigenes Interesse des
Vermieters an der Beendigung
des Mietverhältnisses ergibt.
c) Auch bei juristischen Personen
des öffentlichen Rechts kann ein
dem Kündigungsgrund des § 573
Abs. 2 Nr. 2 BGB „artverwandtes“ Interesse vorhanden sein.
BGH, Urteil vom 9. Mai 2012 – VIII
ZR 238/11

Grundstückswertes führen, muss
sich ein Grundpfandgläubiger
beziehungsweise ein für ihn tätiger
Zwangsverwalter als Mietvorauszahlungen entgegenhalten lassen.
Die Vorzugsstellung derartiger
abwohnbarer Baukostenvorschüsse liegt darin begründet, dass der
Anmerkungen: Die Beklagte hatte
Mieter durch tatsächliche Leisein mit Vorder- und Hinterhaus
tungen, die an sich vom früheren
bebautes Grundstück angemietet, Eigentümer und Vollstreckungsdas Vorderhaus war noch nicht
schuldner hätten aufgebracht
saniert. Bei Vertragsabschluss
werden müssen, einen Sachwert
haben die Parteien vereinbart,
schafft, der dem Grundpfandgläudass der Mieter gemäß einer Liste biger in Form einer Wertsteigerung
Bauarbeiten durchführt und im
des Grundstückes zugutekommt.
Gegenzug diese Kosten in der Zeit Denn es ist mit Treu und Glauben
vom 1.1.2004 bis zum 31.12.2023
(§ 242 BGB) nicht zu vereinbaren,
abwohnt. Nachdem die Beklagte
wenn der Grundpfandgläubiger
unter Bezugnahme auf diese
sich gleichwohl auf eine durch
Vereinbarung die Mietzahlung
§ 1124 Abs. 2 BGB begrenzte
verweigerte, kündigte der Kläger – Berücksichtigungsfähigkeit einer
ein inzwischen eingesetzter
in solchen Leistungen liegenden
Zwangsverwalter – und reichte
Mietvorauszahlung berufen kann.
Räumungsklage ein, welche in den Voraussetzung für die BerücksichVorinstanzen erfolgreich war. Der
tigungsfähigkeit eines abwohnRevision der Beklagten beim BGH
baren Baukostenzuschusses als
wurde stattgegeben. Nach § 1124
Mietvorauszahlung ist zum einen,
Abs. 2 BGB, der gemäß § 146
dass er mit der Abrede geleisAbs. 1, § 148 Abs. 1 Satz 1, § 20
tet wird, nach welcher die als
ZVG auch in der ZwangsverwalVorauszahlung zu erbringenden
tung eines Grundstückes gegenLeistungen vom Mieter in dieser
über dem eingesetzten ZwangsEigenschaft, nämlich mit Rückverwalter Anwendung findet, ist
sicht auf das Mietverhältnis, aufgeeine (Voraus-)Verfügung über
bracht und zum Auf- bzw. Ausbau
Mietforderungen dem Grundpfand- des Mietgrundstückes verwendet
gläubiger gegenüber grundsätzlich werden sollen. Zum anderen
unwirksam und kann ihm deshalb müssen – unter Zugrundelegung
nicht als Erfüllung entgegen gehal- einer wirtschaftlichen Betrachten werden, soweit die sich auf die tungsweise – die erbrachten
Miete für eine spätere Zeit als den Leistungen tatsächlich, wenn auch
zur Zeit der Beschlagnahme laufen- nur mittelbar, zur Schaffung oder
den Kalendermonat bezieht. Eine
Instandsetzung des Mietobjekts
Ausnahme von dieser Regel bilden verwandt worden sein, und zwar
Baukostenzuschüsse. Diese Leis– bei der auch insoweit gebotenen
tungen, die zum Auf- oder Ausbau wirtschaftlichen Betrachtungsweides Mietgrundstücks bestimmt
se – aus dem eigenen Vermögen
sind und zu einer Erhöhung des
des Mieters.

8

4 / 2012

§ 546 Abs. 1 BGB Anspruch auf
Räumung der vom Beklagten
angemieteten Wohnung, denn das
zwischen den Parteien bestehende Mietverhältnis ist durch die
Kündigung beendet worden. Es
ist seit langem anerkannt, dass
ein berechtigtes Interesse an der
Beendigung eines Mietverhältnisses vorliegen kann, wenn eine
öffentlich-rechtliche Körperschaft
(vor allem eine Gemeinde) die von
ihr vermietete Wohnung zur Umsetzung von Aufgaben benötigt, an
deren Erfüllung ein berechtigtes
Interesse besteht. Für die Frage, ob
ein Interesse als berechtigt nach
§573 Abs. 1 Satz 1 BGB anzusehen
ist, kommt es allein darauf an, ob
es ebenso schwer wiegt wie die
Anmerkungen: Der Beklagte hatte in § 573 Abs. 2 BGB beispielhaft
vom Kläger, einem als Körperangeführten Kündigungsgründe.
schaft des öffentlichen Rechts
Die ausgesprochene Kündigung
organisierten evangelischen
des Mietverhältnisses dient nicht
Kirchenkreis, in einem Mehrfamili- nur der Verwirklichung fremder Inenhaus eine Wohnung angemietet. teressen, sondern auch der DurchDer Kläger kündigte das Mietsetzung eigener Interessen des
verhältnis ordentlich und machte
Klägers. Entscheidend ist, dass
geltend, das gesamte Anwesen
sowohl der Kläger als auch die Beeinschließlich der vom Beklagten
treiberin der Beratungsstelle, die
genutzten Wohnung für die UnDiakonie, zum Gesamtkomplex der
terbringung der von der Diakonie
evangelischen Kirche gehören und
betriebenen Beratungsstelle für
im gleichen örtlichen WirkungsErziehungs-, Ehe- und Lebensfra- kreis kirchliche Aufgaben wahrgen zu benötigen. Der Beklagte
nehmen. Die Diakonie führt für
hat das Vorliegen eines berechdie Kirchengemeinden Aufgaben
tigten Interesses im Sinne des §
– darunter auch die Unterhaltung
573 Abs. 1 BGB bestritten und ist von Beratungsstellen – durch. Es
der Ansicht, dass der Kläger sich
handelt sich damit bei ihr um eine
nicht auf den Nutzungsbedarf der juristische Person, die dem Kläger
Diakonie berufen könne, da diese
„nahesteht“. Diese Zusammenim Verhältnis zum Kläger eine
hänge begründen nicht nur ein
rechtlich selbständige juristische
Drittinteresse an der Erlangung
Person sei. Amtsgericht und
geeigneter Räumlichkeiten für eine
Landgericht haben der Räumungs- Beratungsstelle, sondern vielmehr
klage stattgegeben.
ein eigenes berechtigtes Interesse
Die Revision beim BGH war
des Klägers an der Beendigung
erfolglos. Der Kläger hat nach
des Mietverhältnisses.

AKTUELLE RECHTSPRECHUNG

Betriebskosten;
Umlegung
Leitsatz:
Zur Wirksamkeit der Abrede
in einem Mietvertrag über
Wohnraum, der Mieter habe einen Betriebskostenvorschuss in
bestimmter Höhe zu zahlen, als
Vereinbarung über die Umlegung
von Betriebskosten.
BGH, Urteil vom 2. Mai 2012 – XII
ZR 88/10

gemäß § 27 der II. Berechnungsverordnung vereinbart worden.
Diese könnten daher abgerechnet
und umgelegt werden. Die Beklagte leistete die geforderte Nachzahlung nicht. Das Amtsgericht hat
die auf Zahlung gerichtete Klage
abgewiesen, die Berufungsinstanz
ebenso.
Die Revision der Klägerin beim
BGH hatte keinen Erfolg. Nach
Anmerkungen: Die Parteien
§ 535 Abs. 1 Satz 2 BGB hat der
streiten um die BetriebskostenVermieter die Mietsache dem Mieabrechnung für das Jahr 2007.
ter in einem zum vertragsgemäßen
Die Klägerin ist Vermieterin, die
Gebrauch geeigneten Zustand zu
Beklagte Mieterin einer Wohnung. überlassen und sie während der
Im Mietvertrag heißt es unter
Mietzeit in diesem Zustand zu
anderem:
erhalten. Der Vermieter hat die auf
„3.1 Die Miete beträgt monatlich
der Mietsache ruhenden Lasten zu
DM 580,77 (…) 3.2 Heizkosten
tragen (§ 535 Abs. 1 Satz 3 BGB).
zur Zeit DM ./. (…) BetriebsDazu gehören auch die Betriebskostenvorschuss zur Zeit DM
kosten. Abweichungen hiervon
232,50 (…) 3.3 Außerdem hat der bedürfen der mietvertraglichen
Mieter nachfolgende Nebenkosten, Vereinbarung. Demgemäß sieht
soweit nicht bereits in 3.1 und 3.2 § 556 Abs. 1 Satz 1 BGB nF vor,
enthalten, in der zulässigen Höhe
dass die Vertragsparteien regeln
anteilig im Verhältnis der Wohnflä- können, der Mieter solle Betriebsche zu tragen…“
kosten tragen.
Eine Einfügung findet sich in der
Eine Vereinbarung dieses Inhalts
Bestimmung nicht. Nach Ziffer
muss dem Mietvertrag allerdings
4.1 sind Miete und Betriebskosten klar und eindeutig zu entnehmen
monatlich im Voraus zu zahlen.
sein. Es bedarf deshalb einer ausZiffer 4.2 lautet:
drücklichen, inhaltlich bestimmten
„Die Nebenkosten für Betriebskos- Regelung, aus der sich ergibt,
ten werden in Form monatlicher
dass der Mieter neben der GrundAbschlagszahlungen erhoben.“
miete ganz oder anteilig BetriebsDie Betriebskostenabrechnung
kosten zu tragen hat. Letztere
für das Jahr 2007 schließt mit
müssen der Art nach konkretisiert
einer Nachforderung in Höhe von
werden. Nur dann ist es dem
1.006,50 Euro, die Klägerin ist
Mieter möglich, sich zumindest
der Ansicht, im Mietvertrag seien ein grobes Bild davon zu machen,
Vorschüsse auf Betriebskosten
welche zusätzlichen Kosten auf

ihn zukommen können.
Diese Voraussetzungen sind
selbst bei einer formularmäßigen
Vereinbarung in einem Wohnraummietvertrag erfüllt, wenn
der Vertrag zur Umlegung der
Betriebskosten eine Verweisung
auf die Anlage 3 zu § 27 Abs. 1 II.
Berechnungsverordnung enthält,
sofern es sich nicht um „sonstige
Betriebskosten“ im Sinne von Nr.
17 der Anlage 3 zu § 27 Abs. 1 II.
BV handelt. Denn der allgemeine
Verweis auf die Anlage 3 gibt dem
Mieter hinsichtlich der Nr. 1 – 16
hinreichende Klarheit darüber, mit
welchen Nebenkosten er jedenfalls
dem Grunde nach zu rechnen
hat, weil diese dort im Einzelnen
aufgeführt sind.
Im vorliegenden Fall enthält der
Mietvertrag weder eine Aufzählung der umzulegenden Betriebskosten noch eine Verweisung auf
die – seinerzeit noch geltende –
Anlage 3 zu § 27 Abs. 1 II. BV. Genannt wird unter der Überschrift
„Nebenkosten“ vielmehr nur das
Wort „Betriebskostenvorschuss“;
außerdem findet sich die Abrede,
Nebenkosten für Betriebskosten
würden in Form monatlicher Abschlagszahlungen erhoben.
Ob eine derart gestaltete Vereinbarung grundsätzlich als hinreichend
bestimmte Regelung über die
Übernahme von Betriebskosten im
Sinne der Anlage 3 zu § 27 Abs. 1
II. BV durch den Mieter angesehen
werden könne, bedarf im vorliegenden Fall keiner Entscheidung.
Auch wenn die Verwendung des
Begriffs „Betriebskosten“ hierfür
teilweise als ausreichend angesehen wird, kann dies hier jedenfalls
nicht gelten.

Wie sich aus Ziffer 3.2. des
Mietvertrages ergibt, waren für
Heizkosten keine Vorauszahlungen
vorgesehen. Dass diese Position nicht in den im Mietvertrag
genannten Betrag von 232,50 DM
einbezogen ist, wird durch die
Betriebskostenabrechnung für das
Jahr 2007 bestätigt, in der insofern keine Kosten aufgeführt sind.
Daraus folgt, dass die Vertragsparteien den Begriff der Betriebskosten nicht im Sinne der Anlage
3 zu § 27 Abs. 1 II. BV verstanden
haben, in der Heizkosten unter
Ziffer 4 genannt sind. Welchen anderen Inhalt die Vertragsparteien
dem Begriff beigelegt haben, lässt
sich auch durch eine Auslegung
des Mietvertrages nicht erkennen.
Die Vereinbarung einer Vorauszahlung deutet allerdings darauf hin,
dass jedenfalls einzelne Betriebskosten umgelegt werden sollten.
Insofern kann die Höhe der
Vorauszahlungen ein Indiz für den
Umfang der Betriebskostenumlegung sein. Im vorliegenden Fall
belaufen sich die Vorauszahlungen
auf rund 40 Prozent der Miete,
obwohl Heizkosten, die in der Regel einen beträchtlichen Anteil der
Betriebskosten ausmachen, gerade nicht in dem Betrag enthalten
sind. Angesichts dieser Höhe der
Vorauszahlungen kann aber nicht
ausgeschlossen werden, dass mit
„Betriebskosten“ bzw. „Nebenkosten“ auch Positionen gemeint sein
sollen, die in der Anlage 3 zu § 27
Abs. 1 II. BV nicht enthalten sind.
Infolge der insofern bestehenden Unklarheit ist eine inhaltlich
bestimmte Vereinbarung über die
Umlage von Betriebskosten nicht
zustande gekommen.

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9

TITELTHEMA

Kommt in den
besten Häusern vor
Häufig auftretende Mängel und
Minderungsquoten

Man kennt das ja: Bei Abschluss des
neuen Mietvertrages ist alles Friede, Freude, Eierkuchen, doch mit der
Zeit tut sich eine Katastrophe nach
der anderen auf. Erst sind es nur die
zugigen Fenster, dann der Lärm aus
der Nachbarwohnung, dann klopfen
die Heizungsrohre derart, dass an
Nachtschlaf nicht zu denken ist. Die
Heizung funktioniert nicht richtig,
im feuchtkalten Klima bildet sich
Schimmel, den man aber wegen des
Gerüstes vorm Haus nicht wirklich
erkennen kann ...
Zugegeben, ob ein Mieter mit solch
vielfältigen Mängeln in der Wohnung
tatsächlich jemals in der Mieterberatung war, ist eher unwahrscheinlich.
Ebenso unwahrscheinlich ist es andererseits, dass ein langjähriger Mieter
sich noch nie mit dem Thema Mangel
der Mietsache konfrontiert sah. Im
Folgenden sind die in Mietwohnungen
am häufigsten auftretenden Mängel
sowie exemplarische Minderungsquoten erläutert. Ein Mangel muss eine
erhebliche
Gebrauchsbeeinträchtigung der Mietsache nach sich ziehen,
sodass eine Minderung gerechtfertigt
ist. Zum Beispiel wird beim Ausfall
eines Aufzuges die Minderungsquote
bei einem Erdgeschossmieter geringer ausfallen als bei einem Mieter im

10

4 / 2012

siebten
Stockwerk.
Ein breites Feld
in der Beratungspraxis des Mieterschutzbundes stellt
der Themenkomplex
Wasserschaden, Feuchtigkeit und Schimmel dar.
Gerade beim Auftreten von
Schimmel stellt sich in erster Linie
immer wieder die Frage nach dem
Verursacher. Nachdem der Mieter den
Mangel gemeldet hat, kann der Vermieter diesen als in seinem Verantwortungsbereich liegend anerkennen
und ihn beheben oder er muss zuerst
beweisen, dass er den Mangel nicht zu
vertreten hat. Erst dann ist der Mieter
in der Pflicht, nachzuweisen, dass er
für den Mangel nicht verantwortlich
ist. Steht schließlich fest, dass die
Ursache des Schimmelbefalls in den
Verantwortungsbereich des Vermieters fällt, kann der Mieter, sofern er
Schaden an seinem Eigentum genommen hat, auch Schadenersatz
verlangen (mehr zu Schadenersatz im
folgenden Artikel).
Häufig kommen Mängel – zumindest
saisonal bedingt – an der Heizung vor.
Schaltet der Vermieter die Heizungsanlage zu Beginn der Heizperiode
verspätet ein, können einzelne Räume
der Mietwohnung aufgrund defekter
Heizkörper nicht beheizt werden und
wird eine Mindesttemperatur von ca.
18 – 20 °C nicht erreicht, handelt es
sich um einen Minderungsgrund, sofern die Wärmeversorgung zu den
mietvertraglichen Pflichten des Vermieters zählt. Minderungsquoten können zwischen null Prozent (Geräusche
der Heizungsanlage) und 100 Prozent
(Heizungsausfall im Winter, Sept. –
Feb.) liegen, um zwei extreme Beispie-

le zu nennen. Keine Gebrauchsbeeinträchtigung und damit einhergehend
kein Recht auf Mietminderung liegt
vor, wenn die Heizung ausfällt und
trotzdem Zimmertemperaturen erreicht werden.
Auch der Ausfall oder eine Minderleistung der Warmwasserversorgung
stellt einen Mangel dar, wenn der Vermieter für die Versorgung zuständig
ist – beim Vorhandensein einer mietereigenen Gasetagenheizung wäre
dies z. B. nicht der Fall. Wird eine
Wassertemperatur von 40° C nicht
erreicht oder dauert der Vorlauf bis
zum Erreichen von 40° C über Gebühr
lange, stellt dies einen Mangel dar.
Eine beispielhafte Minderungsquote
liegt bei zehn Prozent bei teilweisem
Ausfall der Warmwasserversorgung.
Nicht allen Mietern ist bekannt, dass
auch die Einrüstung des Hauses mit
einem Gerüst nebst Planen und daraus
resultierender Minderbelichtung der
Wohnung im Zuge von Baumaßnahmen
einen Mangel darstellt – abgesehen
vom Baulärm, der seinerseits zu bewerten ist. Hier kann die Minderungsquote
durchaus bei 15 Prozent liegen.
Lärm ist eine weitere Mangelursache,
insbesondere während der gesetzlich geregelten Ruhezeiten (werktags
22 – 6 Uhr, sonn- und feiertags auch
6 – 22 Uhr). Auch wenn der Vermieter
die Lärmursache nicht zu vertreten
hat, kann der Mieter zur Minderung
aufgrund dieses Mangels berechtigt
sein, z. B. bei einer Baustelle in der
Nachbarschaft. Lärm aus der Nachbarwohnung fällt ebenfalls in den
Zuständigkeitsbereich des Vermieters, der sich um die Einhaltung der
Hausordnung kümmern muss. Minderungsquoten bei Lärm liegen zwischen
fünf Prozent (Lärm durch Ladetätigkeit eines Lebensmittelgeschäfts im

MIETMÄNGEL

Hofbereich) und 100 Prozent (Lautes
Trockengerät in der Wohnung aufgrund von Feuchtigkeitsschäden).
Undichte Fenster und Türen führen
einerseits zu Zuglufterscheinungen,
andererseits kann Feuchtigkeit in die
Mietwohnung eindringen und weitere
Mängel zur Folge haben. Aufgrund
von Zuglufterscheinungen kann die
Rechtsprechung Minderungsquoten
von bis zu zehn Prozent gewähren.
Besonders unangenehm ist Ungeziefer in der Wohnung. Die Spanne der
Minderungsquoten reicht von hier
null Prozent (Silberfischchen in den
Feuchträumen) bis zu 100 Prozent
(Mäuseplage).
Ein Mangel liegt nicht nur dann vor,
wenn sich – wie in den bisherigen Beispielen – der Zustand der Mietsache
verschlechtert, sondern auch, wenn
eine vertraglich vereinbarte Eigenschaft der Mietsache entfällt oder von
Beginn an nicht vorhanden ist. Weist
der Mietvertrag einen zur Mietsache
gehörenden Kellerraum oder einen
PKW-Stellplatz oder einen Balkon aus
und ist dieser tatsächlich nicht vorhanden oder nicht nutzbar, liegt ein
Mangel vor. Wird ein Balkon während
der Mietzeit demontiert, führt dies
ebenfalls zum Wegfall vertraglich vereinbarter Eigenschaften der Mietwohnung und berechtigt zur Minderung.
Im Regelfall liegt die Mietminderungsquote bei einem unbenutzbaren Keller
bei fünf bis zehn Prozent.
Mieter, die im ersten Stockwerk oder
höher wohnen, können ein Lied davon
singen, wenn der Fahrstuhl defekt ist.
Gerade Eltern von Kleinkindern stehen
dann vor einem massiven Problem;
der ganz normale Wocheneinkauf
kann schon zur Strapaze werden.
Ganz zu schweigen von Mietern, die
in ihrer Mobilität beeinträchtigt und
auf den Fahrstuhl angewiesen sind.
Der Ausfall der Fahrstuhlanlage für 16
Tage führte im gleichen Wohnhaus zu
15 Prozent Minderung bei einer Wohnung im sechsten OG, zu 20 Prozent
bei einer Wohnung im zehnten OG.
Defekte an Klingel, Gegensprechanlage oder Türöffner zählen – obwohl

diese sich zum Teil außerhalb der
Mietwohnung befinden – ebenfalls
zu den Mängeln. Je nach Umfang der
Beeinträchtigung gewährt die Rechtsprechung zwischen fünf und zehn
Prozent Minderung.
In Mietshäusern leben viele unterschiedliche Menschen auf engem
Raum zusammen, sodass sich neben
Geräuschen auch Gerüche entwickeln
können, welche zu Mängeln führen
können. Bei gelegentlichen Kochgerüchen oder Tabakrauch vom Nachbarbalkon wurde keine Minderung
gewährt, bei Gerüchen durch den Belüftungsschacht aus der benachbarten Pizzabäckerei wurden 15 Prozent
als angemessen angesehen.
Häufig ärgern sich Mieter über den
allgemeinen Sauberkeitszustand
von Haus und Grünanlage – Verschmutzungen können zu einem
Mangel führen und zur Minderung
berechtigen, schließlich zahlen Mieter Betriebskosten für Hausreinigung
und Gartenpflege. Der ungepflegte
Zustand einer Hochhausanlage berechtigte zu fünf Prozent Minderung,
eine Beeinträchtigung durch Modernisierungsmaßnahmen im Mietshaus
mit Verlegungen von Leitungen führte
zu 20 Prozent Minderung.
Beim Abschluss eines Mietvertrages
ist die Wohnfläche ein nicht zu unterschätzender Faktor – die Errechnung
der Miete richtet sich danach, manche
Positionen aus der Betriebskostenabrechnung können über die Fläche
abgerechnet werden, Mieterhöhungen gemäß Mietspiegel errechnen
sich anhand der Wohnfläche. Was im
Mietvertrag als Wohnfläche angegeben wurde, hat eine wichtige Bedeutung; umso mehr, wenn die Angaben
über die Wohnfläche falsch sind. Seit
der BGH im Jahr 2004 eine richtungweisende Entscheidung fällte, handelt
es sich um einen Mangel, der zur Minderung berechtigt, wenn die tatsächliche Wohnfläche von der im Mietvertrag angegebenen um mehr als zehn
Prozent abweicht:
„Weist eine gemietete Wohnung eine
Wohnfläche auf, die mehr als 10 %

unter der im Mietvertrag angegebenen Fläche liegt, stellt dieser Umstand
grundsätzlich einen Mangel der Mietsache im Sinne des § 536 Abs. 1 Satz
1 BGB dar, der den Mieter zur Minderung der Miete berechtigt.“ (BGH VIII
ZR 295/03). Im gleichen Jahr hat der
BGH festgestellt, dass auch bei einer Circa-Angabe der Wohnfläche im
Mietvertrag die Abweichung um mehr
als 10 Prozent den Umstand eines zur
Minderung berechtigenden Mangels
der Mietsache begründet (BGH VIII
ZR 133/03). Beträgt die Abweichung
weniger als zehn Prozent von der Angabe im Mietvertrag, bedeutet dies
nicht, dass kein Minderungsrecht gegeben ist; es muss jedoch vom Mieter
nachgewiesen werden, dass eine relevante Gebrauchsbeeinträchtigung
der Mietsache vorliegt. Die reine
Angabe der nachgemessenen
Wohnfläche reicht hierzu nicht aus.
Jeder Mangel einer Mietsache ist individuell was Intensität, zeitliche und
räumliche Ausdehnung, Beeinträchtigung des Gebrauchs der Mietsache
und Jahreszeit angeht. Und genauso
verhält es sich auch mit den Minderungsquoten: Wasserschaden ist
nicht gleich Wasserschaden! Der gleiche Mangel kann unter verschiedenen
Umständen zu völlig abweichenden
Minderungsquoten führen. Sämtliche
hier als Beispiele angegebenen Minderungsquoten fußen auf Einzelfallentscheidungen von Amtsgerichten oder
Landgerichten. Selbst bei zwei den
Umständen nach gleich gelagerten
Fällen können verschiedene Gerichte zu unterschiedlichen Urteilen und
Minderungsquoten kommen. Auf keinen Fall sollte ein Mieter eigenmächtig und ohne vorher sachkundigen
Rat eingeholt zu haben, die Miete
mindern. Ist die Quote zu niedrig
angesetzt, schadet sich der Mieter selbst; fällt sie zu hoch aus, ist
die Auseinandersetzung mit dem
Vermieter bereits vorprogrammiert.
Welche Minderungsquote im Einzelfall gerechtfertigt ist, erfährt
man in der Rechtsberatung des
Mieterschutzbundes.

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11

TITELTHEMA

Abwarten und Tee trinken hilft nicht weiter …
Instandsetzung, Mietminderung, Zurückbehaltung –
Rechte des Mieters bei Mängeln
Auch wenn ein Mangel in der Mietwohnung immer ungelegen kommt,
liegt es zunächst am Mieter, aktiv
zu werden und den Mangel beim
Vermieter bzw. der Hausverwaltung
zu melden. Des Weiteren kann das
Recht auf Mietminderung geltend
gemacht werden, ebenso ein Zurückbehaltungsrecht, um Druck zur
Mangelbeseitigung auszuüben. Im
gegebenen Fall kann auch Schadenersatz geltend gemacht oder gar die
fristlose Kündigung ausgesprochen
werden.
Doch der Reihe nach. Erst einmal stellt
der Mieter einen Mangel der Mietsache fest. Wann handelt es sich um
einen Mangel der Mietsache? Gemäß
§ 536 Abs. 1 BGB liegt ein Mangel vor,
wenn die Tauglichkeit zum vertragsgemäßen Gebrauch der Mietsache entweder aufgehoben oder gemindert ist.
Aufgehoben heißt, die Wohnung ist für
den Zweck, bewohnt zu werden, nicht
mehr geeignet (z. B. bei extremem
Schimmelbefall/Gesundheitsgefährdung). Eine Minderung der Tauglichkeit zum vertragsgemäßen Gebrauch
liegt vor, wenn die Wohnung mit
Einschränkung(en) bewohnbar ist
(z. B. das Warmwasser wird nur noch
lauwarm). Des Weiteren liegt ein
Mangel vor, wenn eine vertraglich zu-

12

4 / 2012

gesicherte Eigenschaft der Mietsache
nicht vorhanden ist oder im Verlauf
des Mietverhältnisses entfällt.
Anzeigepflicht des
Mieters
Erst einmal muss der Mieter aktiv werden und den Vermieter
bzw. die Hausverwaltung über den
Mangel in Kenntnis zu setzen. Ist ein
Mangel vermieterseits bereits bekannt, kann eine Mangelanzeige durch
den Mieter entbehrlich sein. Geregelt
ist die Anzeigepflicht des Mieters in
§ 536c Abs. 1 BGB: „Zeigt sich im
Laufe der Mietzeit ein Mangel der
Mietsache oder wird eine Maßnahme
zum Schutz der Mietsache gegen eine
nicht vorhergesehene Gefahr erforderlich, so hat der Mieter dies dem
Vermieter unverzüglich anzuzeigen.“
Nur wenn ein Mangel der Vermieterseite bekannt ist, kann er auch behoben werden. Zeigt der Mieter einen
Mangel nicht an, darf er im Umkehrschluss nicht mit der Behebung des
Mangels rechnen. Darüber hinaus
verliert er nicht nur die Ansprüche
auf Mietminderung, Schadenersatz
oder fristlose Kündigung. Vielmehr
kann auch die Verpflichtung auf Schadenersatz gegenüber dem Vermieter
in Kraft treten, sofern der Mieter bei
der Abwendung von Schaden an der

Mietsache nicht aktiv mitgewirkt hat:
„Unterlässt der Mieter die Anzeige,
so ist er dem Vermieter zum Ersatz
des daraus entstehenden Schadens
verpflichtet.“ (§ 536 Abs. 2 BGB). Je
nach Tragweite des Mangels und des
durch die Nichtanzeige desselben entstandenen Schadens ist der Vermieter
sogar zur fristlosen Kündigung berechtigt. Nicht nur auf die Mietsache
an sich bezieht sich die Anzeigepflicht
des Mieters, sondern auch auf Einrichtungen und Gebäudeteile, die zum
vertragsgemäßen Gebrauch der Mietsache gehören (z. B. Waschküche,
Müllstandfläche, Treppenhaus etc.).
Mangelanzeige
Nun ist ein Mangel aufgetreten, der Mieter hat
ihn erkannt und möchte seiner
Anzeigepflicht nachkommen. Wie tut
er das am besten? Eine Mangelanzeige sollte eine möglichst detaillierte
Schilderung des Mangels beinhalten,
darüber hinaus die Beseitigungsaufforderung mit Fristsetzung, die Ankündigung des Minderungsrechtes,
gegebenenfalls des Schadenersatzes,
des Zurückbehaltungsrechtes sowie
der Ersatzvornahme und der Mietzahlung unter Vorbehalt. Für die Anzeige
eines Mangels ist keine besondere
Form vorgeschrieben – man kann

MIETMÄNGEL

die Hausverwaltung anrufen und den
Mangel telefonisch bekannt geben,
dies kann auch per E-Mail oder per
Fax erfolgen; auch wäre es denkbar,
einen Mitarbeiter der Hausverwaltung, der eventuell gerade vor Ort ist,
über den Mangel mündlich in Kenntnis zu setzen. Doch diesen Wegen der
Kommunikation mangelt es an einem
entscheidenden Punkt: Der Mieter
kann nicht beweisen, dass er eine
Mangelanzeige getätigt hat und damit
seiner Anzeigepflicht nachgekommen
ist. Bestreitet der Vermieter das Vorliegen einer Mangelanzeige, fällt der
Beweis des Gegenteils schwer.
Daher ist zumindest die Schriftform
bei der Mangelanzeige ratsam, besser noch und beweisfähiger ist das
Einwurf-Einschreiben oder Einschreiben/Rückschein. Im Fall einer späteren gerichtlichen Auseinandersetzung
kann auch ein Zeuge bestätigen, dass
die Mangelanzeige korrekt vonstattenging. Grundvoraussetzung für die
Geltendmachung aller weitergehenden Rechte bei Mietmängeln (Beseitigung, Minderung, Schadenersatz
etc.) ist die Mangelanzeige und deren
Nachweis, wofür der Mieter darlegens- und beweisbelastet ist.
Reparaturanspruch/
Instandsetzung
Wenn der Mieter den Vermieter von einem Mangel in Kenntnis
gesetzt hat, tritt dessen Pflicht zur
Instandsetzung der Mietsache gemäß
§ 535 Abs. 1 Satz 2 BGB in Kraft: „Der
Vermieter hat die Mietsache dem Mieter in einem zum vertragsgemäßen
Gebrauch geeigneten Zustand zu überlassen und sie während der Mietzeit in
diesem Zustand zu erhalten.“
Nun ist der Vermieter in der Pflicht,
den vertraglich geschuldeten Zustand
der Mietsache wieder herzustellen,
sodass deren uneingeschränkter Gebrauch möglich ist. Selbst durch eine
Vereinbarung im Mietvertrag kann
sich ein Vermieter dieser Instandsetzungspflicht im Wohnraummietrecht
nicht entziehen; eine entsprechende
Klausel bleibt ungültig.

Spezialfall
Kleinreparaturklausel
Zulässig ist eine sogenannte Kleinreparaturklausel im
Vertrag, die besagt, dass kleinere
Schäden an der Mietsache vom Mieter selbst zu tragen sind. Von solchen
Bagatellschäden spricht man, wenn
es sich tatsächlich um Kleinigkeiten
handelt und der Schaden an einem
vom Mieter häufig benutzten Teil der
Mietsache auftritt (z.B. Lichtschalter). Allgemein ist in der Rechtsprechung eine Obergrenze von 100,- Euro
für eine Einzelreparatur anerkannt,
des Weiteren muss im Vertrag eine
Höchstgrenze für den Einzelfall sowie
für einen bestimmten Zeitraum festgelegt sein, i.d.R. für ein Jahr (sechs
bis acht Prozent der Jahresnettomiete). Im Falle einer Kleinreparatur wird
auch zunächst der Vermieter vom
Mangel in Kenntnis gesetzt, sodass
dieser behoben werden kann. Liegen
die dafür aufgewendeten Kosten im
Rahmen der Kleinreparaturklausel,
kann der Vermieter sie auf den Mieter umlegen – allerdings nur bis zum
vereinbarten Betrag innerhalb eines
bestimmten Zeitraumes. Übersteigen
die Kosten der Mangelbeseitigung
den in der Kleinreparaturklausel vereinbarten Grenzwert, so ist der Mieter nicht anteilig daran zu beteiligen,
sondern die Kosten gehen zu 100 Prozent zu Lasten des Vermieters.
Mietminderung
Tritt während der
Mietzeit ein Mangel in
der Mietwohnung auf, der eine erhebliche Gebrauchsbeeinträchtigung
nach sich zieht, ist der Mieter dazu
berechtigt, die Miete angemessen zu
kürzen. Mehr noch: Laut § 536 BGB
ist die Miete per Gesetz gemindert! Ist
die „Tauglichkeit zum vertragsgemäßen Gebrauch“ wegen eines Mangels
aufgehoben, ist der Mieter von der
„Entrichtung der Miete befreit“. Ist die
„Tauglichkeit gemindert (…), hat er
nur eine angemessen herabgesetzte
Miete zu entrichten.“ (§ 536 Abs. 1
BGB). Liegt ein Mangel der Mietsache

unzweifelhaft vor, ist der Mieter nicht
in der Pflicht, eine Minderung zu begründen, sondern sie steht ihm zu.
Jedoch gibt es Ausnahmen, die einer Mietminderung entgegenstehen:
Wenn der Mangel dem Mieter bereits
bei Abschluss des Mietvertrages bekannt war, entfällt der Anspruch auf
Mietminderung. Hat der Mieter einen
während der Mietzeit auftretenden
Mangel dem Vermieter verschwiegen,
indem er eine Mangelanzeige unterlassen hat (s.o.) und konnte der Vermieter folglich den Mangel nicht beheben,
ist eine Mietminderung nicht durchsetzbar. Das Minderungsrecht entfällt,
wenn er bei Abschluss des Mietvertrages einen Mangel, der offensichtlich
ist, nicht erkannt hat oder ihn nicht
zur Anzeige gebracht hat und der
Vermieter den Mangel nicht versucht
zu verbergen. Schließlich steht dem
Mieter keine Mietminderung zu, wenn
es sich um einen Mangel mit lediglich
unerheblicher Gebrauchsbeeinträchtigung handelt. Zur Erläuterung einige
Beispiele für „unerhebliche Minderung
der Tauglichkeit“ (§ 536 Abs. 1 Satz
3 BGB): Zeitweise feuchter Keller im
Altbau, Putzschaden an der Außenfassade oder fehlende Hofbeleuchtung.
Mietminderung entfällt auch, wenn
der Mieter selbst den Mangel zu verantworten hat, z. B. bei einem Wasserschaden, der aufgrund eines defekten
Ablaufschlauches der mietereigenen
Waschmaschine entstanden ist.
Solange die Gebrauchsbeeinträchtigung besteht, ist die Miete gemindert;
erst mit der vollständigen Behebung
der Beeinträchtigung ist auch die
Mietminderung aufgehoben. Obwohl
die Miete nach § 536 BGB gemindert
ist, sollte man dem Vermieter diese
Minderung mitteilen; auch hier gilt
die Schriftform als ratsamer Weg der
Übermittlung. Es spricht auch nichts
dagegen, die Mietminderung gemeinsam mit der Mangelanzeige bekanntzugeben. Größere Hausverwaltungen
fordert man neben der Behebung
des Mangels dazu auf, deren Buchhaltung über die Mietminderung in
Kenntnis zu setzen, sodass es nicht zu

4 / 2012

13

TITELTHEMA

Mahnschreiben wegen Mietrückständen kommt. Auf dem sicheren Weg ist
ein Mieter, wenn er unverzüglich nach
Auftreten eines Mangels die Hausverwaltung bzw. den Vermieter davon in
Kenntnis setzt, zur Instandsetzung
auffordert und mitteilt, dass er von
seinem Recht auf angemessene Mietminderung Gebrauch macht. Sobald
der Mieter sich in der Beratung des
Mieterschutzbundes über die Minderungsquote informiert hat, kann er
diese nachträglich mitteilen.
Erfolgt die Mietzahlung per Überweisung, wird der Minderungsbetrag von
der Mietzahlung in Abzug gebracht; hat
der Mieter einen Dauerauftrag bei der
Bank eingerichtet, so muss er diesen
bis zum Abstellen des Mangels entsprechend abändern. Schwieriger ist
die Frage, wenn der Vermieter über eine
Einzugsermächtigung verfügt und die
Miete vom Konto abbucht. In diesem
Fall wird die Mietminderung wie gehabt
geltend gemacht – auf schriftlichem
Wege, wie oben beschrieben – und
gleichzeitig der Vermieter dazu aufgefordert, den Minderungsbetrag bei
seiner nächstfälligen Abbuchung der
Mietzahlung zu berücksichtigen und
den Minderungsbetrag von der Miete
in Abzug zu bringen. Kommt der Vermieter dieser Aufforderung nicht nach
und wird die Miete wie gewohnt in voller Höhe abgebucht, bleibt dem Mieter
der Weg zur Bank nicht erspart; dort
wird der abgebuchte Betrag wieder auf
das Konto des Mieters zurückgebucht
und die Miete sodann unter Berücksichtigung des Minderungsbetrages in
gerechtfertigter Höhe an den Vermieter
überwiesen. Dieses Prozedere muss
gegebenenfalls solange wiederholt
werden, bis der Vermieter beim Einzug
der Miete die Mietminderung berücksichtigt oder der Mangel behoben ist.

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4 / 2012

Nach der Rechtsprechung des BGH
ist die Bemessungsgrundlage einer
Mietminderung die Bruttomiete, also
Mietzins einschließlich aller Nebenkosten (BGH XII ZR 225/03). Ob die
Bruttomiete eine Nebenkostenpauschale oder Vorauszahlungen enthält,
spielt dabei keine Rolle.
Minderungsquoten berechnen sich
nach verschiedenen Gesichtspunkten.
Zunächst fallen die Art und der Umfang der Beeinträchtigung ins Gewicht
sowie die zeitliche Ausdehnung der
Gebrauchsbeeinträchtigung. Je nach
Art des Mangels spielt die Jahreszeit
eine wichtige Rolle – ein Heizungsausfall im Mai rechtfertigt nicht dieselbe
Minderungsquote wie im Januar. Auch
findet die räumliche Ausdehnung des
Mangels Berücksichtigung: Ist nur ein
Raum davon betroffen oder die ganze
Wohnung? Schließlich stellt sich noch
die Frage, ob es sich lediglich um einen optischen oder um einen baulichen Mangel handelt.
Wie hoch eine Mietminderung letztendlich ausfällt, hängt zum einen von
den vorstehenden Faktoren ab, zum
anderen füllt die Literatur über Minderung und Minderungstabellen ganze
Regale. Daher ist die Höhe der Mietminderung von Fall zu Fall verschieden, immer eine Einzelfallentscheidung und sollte auf jeden Fall in der
Rechtsberatung des Mieterschutzbundes besprochen werden. Einige
Beispiele für Minderungsquoten finden Sie im vorhergehenden Artikel –
nur zur groben Orientierung.
Zurückbehaltungsrecht
Neben der Minderung
steht dem Mieter die Möglichkeit offen, im Falle eines
Mangels von seinem Zurückbehaltungsrecht Gebrauch zu machen. Insbesondere, wenn die Mietminderung
sich als nicht wirksames Mittel zur

Mangelbehebung herausstellen sollte. Entgegen der Mietminderung ist es
beim Zurückbehaltungsrecht so, dass
die Miete zu einem bestimmten Teil
oder ganz zurückbehalten wird, und
zwar so lange, bis der Mangel behoben ist. Danach wird der zurückbehaltene Betrag an den Vermieter zurückbezahlt – was bei der Mietminderung
nicht der Fall ist.
Zur Berechnung des zurückzuhaltenden Betrages gibt es unterschiedliche
Auffassungen in der Rechtsprechung.
So wird einerseits die Minderungsquote als Grundlage genommen und
eine Zurückbehaltung in Höhe vom
Drei- bis Fünffachen der Höhe der
Minderung anerkannt. Mindert der
Mieter die Miete um zehn Prozent,
kann er zusätzlich 30 bis 50 Prozent
der Miete zurückbehalten. Anderer
Rechtsprechung zufolge kann sich
die Zurückbehaltung an den Herstellungskosten (des Mangels) orientieren und das Dreifache dieser Kosten
betragen. Da der zurückbehaltene
Betrag nach Beseitigung des Mangels
vollständig an den Vermieter zu entrichten ist, empfiehlt es sich, diesen
auf einem Spar- oder einem sonstigen dafür geeigneten Bankkonto einzuzahlen. Wenn erkennbar ist, dass
der Zweck der Zurückbehaltung nicht
erreicht wird, nämlich Druck auf den
Vermieter auszuüben, muss diese gemäß aktueller Rechtsprechung aufgegeben werden.
Schadenersatz
Dient die Mietminderung
dazu, den Mieter für einen
geminderten Gebrauch der
Mietsache auszugleichen, so ist
es Zweck des Schadenersatzes, einen
darüber hinaus entstandenen Schaden
zu regulieren. Entsteht beispielsweise
Schimmel in der Wohnung, dessen
Ursache der Mieter nicht zu verant-

MIETMÄNGEL

worten hat, und nimmt das Eigentum
des Mieters oder von Dritten dadurch
Schaden (Teppiche, Polstermöbel
etc.), dann kann er Schadenersatz
vom Vermieter verlangen.
Liegt ein Mangel, der zu einem späteren Schaden führt, bereits bei Einzug
vor, tritt die sogenannte Garantiehaftung des Vermieters ein. Garantiehaftung heißt, der Vermieter garantiert
bei Vertragsschluss eine mangelfreie
Mietsache; auch wenn der Mangel
dem Vermieter unbekannt ist oder
er keine Schuld am Mangel hat oder
der Mangel bei Vertragsschluss noch
nicht erkennbar war, gilt die Garantiehaftung. Voraussetzung ist allerdings
immer, dass der Mieter den Mangel
und den daraus resultierenden Schaden nicht selbst zu verantworten hat.
Entsteht ein Mangel erst während der
Mietzeit und hat der Vermieter diesen
zu vertreten, so haftet er auch dafür
und ist zum Schadenersatz verpflichtet. Schadenersatz tritt auch dann ein,
wenn die Mietsache aufgrund eines
erheblichen Mangels unbewohnbar ist
und der Mieter bis zur Behebung in ein
Hotel ziehen muss. Die ihm dadurch
entstandenen Kosten kann er im Wege
der Schadenersatzforderung vom Vermieter zurückverlangen. Hat der Mieter einen Mangel korrekt gemeldet und
den Vermieter zur Beseitigung aufgefordert, kommt dieser seinen Pflichten
nicht nach und dem Mieter entsteht
durch diese schuldhafte Verzögerung
ein Schaden, ist der Vermieter ebenfalls zum Schadenersatz verpflichtet.
Ersatzvornahme
Kommt der Vermieter seiner Mangelbeseitigungspflicht trotz einer Anzeige des
Mangels durch den Mieter und dessen
Aufforderung zur Beseitigung nicht
nach, befindet sich der Vermieter in
Verzug. Jetzt kann der Mieter eine
so genannte Ersatzvornahme durchführen, d. h. er lässt ihn fachgerecht
beseitigen und stellt die anfallenden
Kosten dem Vermieter in Rechnung.
Wichtig bei der Ersatzvornahme ist,
dass sich der Vermieter mit der Man-

gelbeseitigung in Verzug befindet,
was er in aller Regel dann ist, wenn
der Mieter die Mangelbeseitigung
schriftlich angemahnt und eine angemessene Frist gesetzt hat.
Entstandene Kosten für die Ersatzvornahme können mit der Miete verrechnet werden oder vom Vermieter wird
ein Vorschuss auf die zu zahlenden
Handwerkerkosten verlangt. Beseitigt
der Mieter einen Mangel selbst, muss
der Vermieter auch die Kosten für eine
fachgerechte Instandsetzung erstatten.
Tritt eine Notsituation ein, wie etwa
Strom- oder Wasserversorgungsausfall am Wochenende, und ist der Vermieter bzw. die Hausverwaltung nicht
zu erreichen, darf der Mieter nach Entscheidungslage der Rechtsprechung
einen Notdienst beauftragen. Manche
Hausverwaltungen teilen ihren Mietern bestimmte Notdienstnummern
durch Aushänge etc. mit und bitten
darum, sich im Notfall an die jeweiligen Dienste zu wenden.
Fristlose Kündigung
Im äußersten Fall, dass die
Mängel in der Mietwohnung
derart gravierend sind, dass man sie
nicht oder zumindest nicht mittelfristig beheben kann oder beseitigt der
Vermieter diese gravierenden Mängel
nicht, kann unter Umständen eine
fristlose Kündigung gerechtfertigt
sein. Eine erhebliche Gesundheitsgefährdung, verursacht beispielsweise durch Schimmelpilzsporen oder
Formaldehyd, kann eine solche außerordentliche fristlose Kündigung aus
wichtigem Grund gemäß § 569 Abs. 1
Satz 1 BGB begründen: „Ein wichtiger
Grund im Sinne des § 543 Abs. 1 liegt
für den Mieter auch dann vor, wenn
der gemietete Wohnraum so beschaffen ist, dass seine Benutzung mit einer
erheblichen Gefährdung der Gesundheit verbunden ist.“ Voraussetzung
ist auch hier eine Mängelanzeige und
Fristsetzung. Ist die fristlose Kündigung gerechtfertigt, kann der Vermieter auch für Folgekosten (Umzug, evtl.
Neuanschaffung, Maklerkosten etc.)
in die Pflicht genommen werden.

Kenntnis des Mangels
Sobald ein Mangel dem
Mieter bereits bei Vertragsabschluss bekannt war oder ihm infolge grober Fahrlässigkeit unbekannt
blieb und er dennoch die Mietsache
unbeanstandet annimmt, sind Mietminderung sowie Schadenersatzforderung aufgrund dieses Mangels
ausgeschlossen. Als Beispiele sollen hier Lärm durch Verkehr (Straße
und Bahn), Kneipe im Haus oder ein
großes Bauprojekt in der Umgebung
der Mietwohnung dienen. Gerade
bei bekannten Großbauprojekten wie
Einkaufzentrum, Bankzentrale oder
S-Bahnhof hat der Mieter keine Chance, glaubwürdig zu machen, dass
gerade er von diesem Projekt nichts
wusste. Daher ist es auf jeden Fall
ratsam, eine Wohnungsbesichtigung
gründlich durchzuführen und sich
auch das ganze Haus sowie die Umgebung genau anzuschauen. Mängel
in der Wohnung hält man bei der Besichtigung vor Vertragsabschluss am
besten in einem Wohnungsübergabeprotokoll fest und lässt sich deren
Vorhandensein sowie Beseitigung
vom Vermieter schriftlich bestätigen.
Gewerbemieter
Im Gewerbemietvertrag
können im Vergleich zum
Wohnraummietvertrag die
Rechte auf Mietminderung und
Schadenersatz eingeschränkt bzw.
in einem bestimmten Maße ausgeschlossen werden. Auch kann die
Instandhaltungspflicht des Vermieters begrenzt werden, eine gänzliche
Befreiung des Vermieters davon ist
allerdings unwirksam.
Andererseits kann im Gewerbemietverhältnis ein Mangel
dadurch entstehen, dass der
Nutzungszweck eingeschränkt
oder gänzlich aufgehoben ist: Aufgrund von Bauarbeiten können der
Zugang zu den Gewerberäumlichkeiten behindert oder das Arbeiten in einer Yogaschule durch die
Lärmentwicklung gänzlich eingeschränkt sein.

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TITELTHEMA

URTEIL UND KOMMENTAR DES MIETERSCHUTZBUNDES

Urteil des Bundesgerichtshofs zur Darlegung
eines Mangels
BGH-Urteil vom 29. Februar 2012 – VIII ZR 155/11

Leitsatz:
Zur Darlegung wiederkehrender
Beeinträchtigungen des Mietgebrauchs genügt eine Beschreibung,
aus der sich ergibt, um welche Art
von Beeinträchtigungen (Partygeräusche, Musik, Lärm durch Putzkolonnen auf dem Flur o.ä.) es geht, zu
welchen Tageszeiten, über welche
Zeitdauer und in welcher Frequenz
diese ungefähr auftreten; der Vorlage eines „Protokolls“ bedarf es
nicht.
Aus dem Tatbestand:
Die Beklagten sind Mieter einer Wohnung in einem Mehrfamilienhaus
der Klägerin in Berlin. Einen Teil der
Wohnungen vermietet die Klägerin als
Ferienwohnungen an Touristen. Die
Beklagten zeigten an, dass es durch
die Vermietung an überwiegend junge Touristen zu erheblichen Beeinträchtigungen des Mietgebrauchs
komme, insbesondere in Form von
Lärm und Schmutz. Sie minderten
die Miete zunächst um 15 Prozent,
sodann um 20 Prozent der Bruttomiete unter Hinweis auf die geltend
gemachten Mängel. Die Klägerin kündigte das Mietverhältnis fristlos und
erhob Räumungsklage, auf welche
die Beklagten mit einer Widerklage
reagierten. Das Amtsgericht hielt die
Mietminderung der Beklagten für angemessen und wies die Räumungsklage ab, das Landgericht hat der
Räumung stattgegeben und vorhandene Mängel nicht anerkannt.
Aus den Entscheidungsgründen:
Die dagegen gerichtete Revision der
Beklagten beim BGH war erfolgreich.
Die Annahme des Berufungsgerichts,

16

4 / 2012

die Beklagten hätten konkrete Beeinträchtigungen des Mietgebrauchs
nicht vorgetragen, verletzt die Beklagten in ihrem Anspruch auf rechtliches
Gehör (Art. 103 Abs. 1 Grundgesetz).
Zutreffend hat das Berufungsgericht
angenommen, dass eine Beeinträchtigung des Mietgebrauchs nicht schon
darin liegt, dass Wohnungen in der
Anlage an Feriengäste und Touristen
vermietet werden. Dies führt nicht
zwangsläufig zu Störungen, die über
das Maß hinausgehen, wie sie in einer Wohnanlage mit vielen Parteien
typischerweise zu erwarten sind. Die
Beklagten haben im Einzelnen dargelegt, dass es insbesondere zu den
üblichen Ruhezeiten (nach 22 Uhr)
zu Beeinträchtigungen durch Lärm
kommt, dass häufig nachts bei ihnen Touristen klingeln, ferner eine
ständige gravierende Verschmutzung
des Treppenhauses und der Müllplätze vorliegt, der Fahrstuhl häufig
blockiert ist sowie die Putzkolonnen
sonntags arbeiten. In den Protokollen
der Beklagten sind diese Beeinträchtigungen dokumentiert.
Der Grundsatz rechtlichen Gehörs
verpflichtet das Gericht, den entscheidungserheblichen Sachvortrag
der Partei in der nach Art. 103 GG
gebotenen Weise zur Kenntnis zu
nehmen und die angebotenen Beweise zu erheben. Das Berufungsgericht
überspannt die Substantiierungsanforderungen in unvertretbarer
Weise, indem es über die von den
Beklagten bereits – minutiös – gemachten Angaben hinaus eine weitere
Konkretisierung der Vorfälle und der
Beeinträchtigung der Wohnung der
Beklagten verlangt.

Ein Sachvortrag zur Begründung eines Anspruchs ist dann schlüssig und
erheblich, wenn die Partei Tatsachen
vorträgt, die in Verbindung mit einem
Rechtssatz geeignet und erforderlich
sind, das geltend gemachte Recht als
in der Person der Partei entstanden
erscheinen zu lassen. Die Angabe näherer Einzelheiten ist nicht erforderlich, soweit diese für die Rechtsfolgen
nicht von Bedeutung sind.
Da die Minderung nach § 536 Abs. 1
BGB kraft Gesetzes eintritt, genügt
der Mieter seiner Darlegungspflicht
schon mit der Darlegung eines konkreten Sachmangels, der die Tauglichkeit der Mietsache zum vertragsgemäßen Gebrauch beeinträchtigt;
das Maß der Gebrauchsbeeinträchtigung (oder einen bestimmten Minderungsbetrag) braucht er hingegen
nicht vorzutragen. Bei wiederkehrenden Beeinträchtigungen durch Lärm
oder Schmutz ist deshalb die Vorlage
eines „Protokolls“ nicht erforderlich.
Vielmehr genügt grundsätzlich eine
Beschreibung, aus der sich ergibt, um
welche Art von Beeinträchtigungen
(Partygeräusche, Musik, Lärm durch
Putzkolonnen auf dem Flur o.ä.) es
geht, zu welchen Tageszeiten, über
welche Zeitdauer und in welcher Frequenz diese ungefähr auftreten. Dies
gilt erst recht, wenn die Umstände
– hier insbesondere die Ausrichtung
der Touristenwohnungen auf ein junges Publikum, Fehlen einer ständig
besetzten Rezeption, Angebot von
„Aufbettungen“ – das Auftreten derartiger Beeinträchtigungen ohnehin
nahelegen.

MIETMÄNGEL

Kommentar zum Urteil

Ein Mieter hat sich für einen von
drei bestehenden Wegen zur
Durchsetzung eines Mängelbeseitigungsanspruchs zu entscheiden:
Ersatzvornahme, Klageerhebung
auf Mängelbeseitigung oder
Einschaltung des zuständigen
Wohnungsaufsichtsamtes.
Gemäß § 536 BGB ist der Mietzins
kraft Gesetzes in dem Umfang
gemindert, in dem die Gebrauchstauglichkeit der Mietsache durch
bestehende Mängel beeinträchtigt ist.
Übt der Mieter das Minderungsrecht
ohne Zustimmung des Vermieters
aus, folgt im Regelfall ein Rechtsstreit, weil entweder der Mieter
nach vorangegangener schriftlicher
Mängelanzeige die lfd. Mietzahlungen unter Vorbehalt gestellt hat und
seine im Umfang des aus seiner Sicht
begründeten Mietminderungsanspruchs rechtsgrundlos geleisteten
Zahlungen einklagt. Oder der Mieter
hat von vornherein nur den geminderten Mietzins entrichtet und der
Vermieter klagt den aus seiner Sicht
bestehenden Mietrückstand ein.
Oder der Vermieter kündigt – wie im
nebenstehenden BGH-Urteil – bei
Bestehen eines Rückstands von
zwei Monatsmieten das Mietverhältnis und erhebt Räumungsklage.
Der Mieter ist für das Bestehen
der Mängel, die für ihn Anlass zur
Minderung der Miete waren, uneingeschränkt darlegungs- und beweispflichtig. Das vorliegende Urteil des
Bundesgerichtshofs führt in diesem
Punkt zu einer erheblichen Verbesserung der Prozesssituation des
Mieters, weil es die Anforderungen an
den Darlegungsumfang des Mieters,
seine sogenannte Substantiierungs-

pflicht gegenüber der häufigen Praxis
der Instanzgerichte, lockert. Der BGH
bescheinigt nunmehr, dass mit dem
gewählten Maßstab überspannte
Substantiierungsanforderungen an
den Vortrag des Mieters gestellt
werden. Die Entscheidung hat Einfluss auf die Darlegung nahezu aller
denkbaren minderungsrelevanten
Beeinträchtigungen, seien es nun
Lärmstörungen aller Art, Heizungsmängel, Schimmelbefall und vieles
mehr. Ohne ein sorgfältig geführtes
Mängelprotokoll (z.B. Lärmprotokoll
oder Temperaturprotokoll) konnte
der Mieter im Minderungsprozess
bislang vor Gericht nicht bestehen.
Der BGH stellt hierzu eindeutig fest,
dass ein solches Protokoll nicht
zwingende Voraussetzung für die
Durchsetzung eines Minderungsanspruchs ist. Natürlich bleibt auch
in Zukunft die Definition des Bundesgerichtshofs dessen, was der
Mieter vortragen muss, zu beachten.
Die Entscheidung des Bundesgerichtshofs darf nicht dahingehend
missverstanden werden, dass sich
der Mieter im Prozess mit einer
summarischen Mängelbeschreibung
begnügen darf. Unvermeidbar wird es
hierbei sein, dass es auch in Zukunft
unterschiedliche Auffassungen der
Parteien darüber geben wird, ob der
jeweilige Prozessvortrag im Einzelfall
den vom BGH jetzt definierten Substantiierungsanforderungen genügt.
Immerhin konkretisiert der BGH
hierzu, dass die Angabe näherer Einzelheiten nicht erforderlich ist, soweit
diese für die Rechtsfolgen nicht von
Bedeutung sind. Wenn der BGH hier
ausführt, das Gericht muss nur in die
Lage versetzt werden, aufgrund des

Bernhard Zuther ist Rechtsanwalt mit Schwerpunkt Mietrecht
sowie Zivilrecht und Zivilprozessrecht. Für den Mieterschutzbund ist er seit 1978 als Berater tätig, seit 1980 gehört er dem
Vereinsvorstand an.

tatsächlichen Vorbringens der Partei
zu entscheiden, ob die gesetzlichen
Voraussetzungen für das Bestehen
des geltend gemachten Rechts
vorliegen, betrifft das im Falle eines
Minderungsprozesses wohl die Frage,
ob der Minderungsanspruch dem
Grunde nach gegeben ist. Soweit der
BGH ausführt, dass dann, wenn diese
Anforderungen erfüllt sind, es Sache
des Tatrichters ist, in die Beweisaufnahme einzutreten und dabei ggf. die
benannten Zeugen oder zu vernehmende Partei nach weiteren Einzelheiten zu befragen, oder einem Sachverständigen die beweiserheblichen
Streitfragen zu unterbreiten, dürfte
das die Grenzen zu einem unzulässigen Angebot eines sogenannten
Ausforschungsbeweises gegenüber
der bisherigen Praxis verschieben.

4 / 2012

Bernhard Zuther

17

MIETRECHTSREFORM 2012

Geplante Gesetzesänderungen im Jahr 2012
Contracting (Teil 2) und Räumung von Wohnraum
Die geplanten Gesetzesänderungen
sollen in erster Linie der Verringerung des CO2-Ausstoßes durch
energetische Gebäudesanierungen
dienen. Darüber haben wir in Teil
1 und 2 berichtet und führen den
Abschnitt zum Thema Contracting
hier zu Ende. Mit dem Thema Bekämpfung des Mietnomadentums
durch die vereinfachte Räumung von
Wohnraum endet die Reihe zur Mietrechtsreform 2012.
Contracting
Zur Herstellung von Transparenz bei
Preisveränderungen bei der gewerblichen Wärmelieferung sollen gemäß
§ 4 MietWohn-Wärmelieferverordnung die Preise nur entsprechend den
tatsächlichen Kostenanteilen erhöht
werden. Das heißt, nur wenn sich
Energie-, Lohn- oder Materialkosten
tatsächlich und nicht etwa nur erwartungsgemäß ändern, können diese Änderungen auch umgelegt werden. Das
gilt auch bei Kostensenkungen, die
ebenfalls weiterzugeben sind. Gleichzeitig ist bei Preisänderungen eine
Bezugnahme auf anerkannte Preisindizes zum Nachweis von Kostenänderungen zulässig, allerdings muss
die Berechnung einer Preisanpassung
nachvollziehbar erläutert sein.
Dass die MietWohn-WärmeLV eine
Vorrangstellung gegenüber der FernwärmeVerordnung hat, wird unter
§ 5 geregelt. Nur wenn keine der MietWohn-WärmeLV entgegenstehenden
Regelungen enthalten sind, bleibt die
FernwärmeVO unberührt. Hintergrund
ist, dass die FernwärmeVO als veraltet und nicht interessengerecht angesehen wird und eine Vorrangstellung

18

4 / 2012

der MietWohn-WärmeLV geschaffen
werden soll.
Gemäß dem neu zu schaffenden
§ 556c BGB hat der Mieter bei einer
Umstellung von Eigenversorgung auf
gewerbliche Wärmelieferung „die Kosten der Wärmelieferung als Betriebskosten zu tragen, wenn die Kosten der
Wärmelieferung die Betriebskosten
für die bisherige Eigenversorgung
mit Wärme nicht übersteigen.“ (siehe Mieterschutz 3/2012). Wie dieser
Kostenvergleich im Einzelnen vonstatten gehen soll, ist unter § 6 der MietWohn-WärmeLV ausgeführt: Gegenüberzustellen sind „die Betriebskosten
der bisherigen Versorgung mit Wärme
und Warmwasser und die Kosten der
Wärmelieferung für die Wärmemenge,
die den bisherigen Betriebskosten zugrunde liegt.“ Die Ermittlung der Kosten für die bisherige Eigenversorgung
beruht auf dem Energieverbrauch
oder den eingesetzten Brennstoffmengen der vorangegangenen drei
Abrechnungszeiträume – in der Regel werden dies die vergangenen drei
Jahre sein, sofern dafür Heiz- und Betriebskostenabrechnungen vorliegen.
Dabei sind die jährlichen Energieverbräuche um Witterungseinflüsse zu
bereinigen und der durchschnittliche
Energieverbrauch in einem Abrechnungszeitraum, die Betriebskosten
auf Grundlage der durchschnittlichen
Preise des letzten Abrechnungszeitraums zu bestimmen.
Problematisch hierbei gestaltet sich
weniger die Berechnung der Betriebskosten der bisherigen Versorgung,
sondern vielmehr die Ermittlung der
zu erwartenden Kosten der Wärmelieferung. Dabei kann es sich nur um

eine fiktive Ermittlung handeln, da
es für die zu erwartenden Kosten der
Wärmelieferung noch keinerlei Anhaltspunkte gibt.
Sodann sollen aus dem durchschnittlichen Energieverbrauch anhand des
Jahresnutzungsgrades der bisherigen
Heizungs- und Warmwasseranlage die
Kosten für die Wärmelieferung ermittelt werden. „Der Jahresnutzungsgrad
kann durch eine Messung oder anhand
anerkannter Pauschalwerte bestimmt
werden. Für die so ermittelte Wärmemenge sind die Wärmelieferkosten zu
ermitteln, indem der Angebotspreis
des Wärmelieferanten mit der von ihm
verwendeten Preisanpassungsklausel
auf den letzten Abrechnungszeitraum
(…) indexiert wird.“ (§ 6 MietWohnWärmeLV).
Die Ankündigung einer Umstellung
auf Wärmelieferung ist unter § 7 der
Mietwohn-WärmeLV geregelt. Die
Umstellungsankündigung muss spätestens drei Monate vor der Umstellung in Textform erfolgen und muss
Angaben über die Art der zukünftigen
Wärmelieferung enthalten. Darüber
hinaus Angaben zu den energetischen
Auswirkungen der Umstellung, den
Kostenvergleich nach § 6 MietWohnWärmeLV (siehe oben), den Zeitpunkt
der geplanten Umstellung sowie die
im Wärmeliefervertrag vereinbarten
Preise und die Regelungen für die
Preisanpassung.
Zwei Zwecke werden durch § 7 erfüllt, für die Vertragsparteien besteht
Rechtssicherheit und die Präzisierung
der Angaben soll dem Schutz des Mieters dienen. Kündigt der Vermieter die
Umstellung nicht gemäß § 7 an, steht
dem Mieter das Recht zu, den auf ihn

MIETRECHTSREFORM 2012

entfallenden Anteil der Versorgung
mit Wärme und Warmwasser oder
der Wärmelieferkosten ab dem Zeitpunkt, zu dem die Ankündigung hätte
erfolgen müssen, um 15 Prozent zu
kürzen. Dies allerdings nur solange,
bis der Vermieter eine den Anforderungen entsprechende Ankündigung
nachholt.
Dem Vermieter wird hier eine Fehlerheilung eingeräumt. Wenn dieser
unmittelbar auf die dem Mieter zustehende Kürzung reagiert und eine korrekte Ankündigung übermittelt, kann
der Mieter seine Kürzung nicht weiter
aufrecht halten. Eine erneute Drei-Monats-Frist ist hier nicht vorgesehen.
Nach § 8 der MietWohn-WärmeLV ist
eine zum Nachteil des Mieters von den
Vorschriften abweichende Vereinbarung unwirksam.
Räumung von Wohnraum
Nach der letzten Bundestagswahl
im Jahr 2009 wurde im Koalitionsvertrag unter anderem als Ziel die
Bekämpfung des Mietnomadentums
festgehalten (siehe Mieterschutz, Heft
1/2010). Dies soll insbesondere dadurch erreicht werden, dass die Räumung von Wohnraum erleichtert wird.
„Berliner Modell“
Was in der Rechtsprechung des
Bundesgerichtshofs schon seit Jahren für angemessen erachtet wird,
nämlich das so genannte „Berliner
Modell“ bei der Räumung von Mietwohnraum, soll Eingang ins BGB
finden. Im Räumungsverfahren wird
eine Kostenersparnis dadurch erzielt,
dass der Gläubiger (Eigentümer) an
allen Gegenständen in der Wohnung
des Schuldners sein Vermieterpfandrecht geltend macht. Daraufhin setzt
ein Gerichtsvollzieher den Schuldner
aus dem Besitz der Wohnung und der
Gläubiger kann danach im Wege der
Pfandverwertung die Wohnung leeren.
Der Gerichtsvollzieher dokumentiert
anhand von Fotos den Zustand der
Wohnung und der vorgefundenen Gegenstände und übergibt die Wohnung
anschließend an den Vermieter. Eine

Räumung der Wohnung und eine Zwischenlagerung der Gegenstände des
Mieters durch den Gerichtsvollzieher
entfällt, was eine nicht unerhebliche
Kostenersparnis seitens des Vermieters bedeutet. Dem steht es sodann
frei, diese Gegenstände einzulagern,
um so die Wohnung neu zu vermieten
und weiter verwerten zu können; auch
kann er sie in der Wohnung belassen,
wenn z. B. eine Insolvenz des Mieters zu befürchten ist; bei fehlendem
Interesse des Mieter an seiner Habe
ist auch eine Entsorgung durch den
Vermieter möglich, wenn eine weitere
Verwertung durch Verkauf oder Versteigerung nicht mehr angemessen
erscheint; lediglich persönliche Dokumente wie Urkunden, Zeugnisse etc.
sind davon auszunehmen.
Fristlose Kündigung wegen
Kautionsverzugs
Befindet sich der Mieter von Wohnraum mit der Zahlung der Kaution in
Verzug, soll künftig dem Vermieter ein
Recht auf fristlose Kündigung zustehen; dazu soll § 569 Abs. 2 BGB um
einen neuen Abs. 2a ergänzt werden. Voraussetzung für eine fristlose
vermieterseitige Kündigung soll ein
Kautionsverzug in Höhe von zwei
Monatsmieten sein; eine vorherige
Abmahnung ist nicht erforderlich.
Andererseits wird diese fristlose Kündigung wegen Zahlungsrückstandes
unwirksam, wenn der Betrag spätestens zwei Monate nach Inkrafttreten
des Räumungsanspruchs gezahlt
wird oder eine öffentliche Stelle sich
zur Zahlung verpflichtet.
Problematisch bei der fristlosen Kündigung wegen Kautionsverzugs ist,
dass bereits ein geringfügiges Unterschreiten der Höhe von zwei Monatsmieten beim Kautionsverzug das neue
Kündigungsrecht untergräbt – was
sich in bestimmten Kreisen schnell
herumsprechen kann.
Sicherungsanordnung
Hat eine Klage z. B. aufgrund rückständiger Mietzahlungen eine hohe
Aussicht auf Erfolg, so kann zukünf-

tig vom Gericht angeordnet werden,
dass der Mieter eine Sicherheitsleistung wegen fälliger Forderungen (wie
etwa die laufende Miete) zu erbringen
hat, wenn die Anordnung gerechtfertigt ist. Der Mieter kann innerhalb
einer Frist von zwei Wochen nach
Erhalt der Entscheidung Beschwerde
einlegen. Das Gericht bestimmt die
Höhe und den Zeitpunkt, zu dem die
Sicherheitsleistung getätigt werden
muss. Wird diese nicht geleistet, kann
ein Ordnungsgeld oder Ordnungshaft
angeordnet werden.
Räumungsverfügung bei Wohnraum
Bei Nichtbefolgung der vom Gericht
verfügten
Sicherheitsanordnung
steht es dem Vermieter künftig zu,
mittels einer einstweiligen Verfügung
die Wohnung räumen zu lassen.
Problematisch bei Räumungen ist,
dass gegen sämtliche volljährigen
Wohnungsmitbesitzer ein so genannter „Titel“ erforderlich ist, also
gegen den Ehegatten, nichtehelichen
Lebensgefährten, Untermieter, in
die Wohnung aufgenommene Dritte,
volljährige Kinder und jeden, der Mitbesitz an der Wohnung oder Teilen
davon begründet hat. Der Vermieter
muss sich also vor der Erwirkung eines Titels erkundigen, wer neben dem
Mieter noch Mitbesitz an der Wohnung hat. Trifft er bei der Räumung
Personen an, die er nicht verklagt
hat, die aber dennoch einen Besitz der
Wohnung haben – z. B. durch dem
Vermieter unbekannten Untermietvertrag mit dem Hauptmieter – steht
dies einer Räumung im Wege.
Dem soll entgegengewirkt werden, indem zukünftig auch eine Räumung gegen Personen, die dem Vermieter bislang unbekannt waren und Besitz
an der Wohnung haben, mittels
einstweiliger Verfügung angeordnet werden kann, sofern ein vollstreckbarer Titel gegen den Mieter
vorliegt. Aufgrund der einstweiligen
Verfügung, die in der Regel binnen
zwölf Stunden zu erhalten ist, hat
der Vermieter die Möglichkeit, vergleichsweise schnell zu reagieren.

4 / 2012

19

RUBRIK
LESERBRIEFE

Sie fragen –
wir antworten
Uns interessiert, was Sie bewegt!

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>> Antwort der Redaktion:
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Entscheidend für die Übermittlung
der Betriebskostenabrechnung ist
der Abrechnungszeitraum. Gemäß
§ 556 Abs. 3 Satz 2 BGB ist dem Mieter die Abrechnung spätestens zwölf
Haben auch Sie eine Frage,
Monate nach Ende des Abrechnungsbei der Sie denken, dass sie
zeitraumes mitzuteilen. In der Regel
auch andere interessieren
werden Betriebskosten für den Zeitkönnte? Schreiben Sie uns!
raum eines Kalenderjahres, also vom
1. Januar bis zum 31. Dezember abUnsere Postanschrift:
gerechnet. Andere AbrechnungszeitRedaktion Mieterschutz
räume sind jedoch auch denkbar, z. B.
Mieterschutzbund Berlin e. V. 1. Juli bis 30. Juni etc. Nach Ablauf
Müllerstraße 53,  13349 Berlin dieses Zeitraumes kann der Vermieter
Fax: 030/45 29 09 35
sich ein Jahr Zeit lassen, um die Aboder per E-Mail an:
rechnung zu erstellen und diese dem
brenner@mieterschutzbund- Mieter zu übermitteln. Viele Mieter,
berlin.de
bei denen der Abrechnungszeitraum
genau ein Kalenderjahr beträgt, erhalWir behalten uns Auswahl,
ten daher die Abrechnung meist erst
anonyme Veröffentlichung,
am Jahresende. Auch nach Ablauf der
Kürzung von Leserzuschriften Zwölf-Monats-Frist kann der Vermiesowie deren Beantwortung
ter noch eine Abrechnung erstellen,
vor. Ein Recht auf Veröffenter ist dann allerdings in der Regel mit
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4 / 2012

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Mieter ausgeschlossen, d. h.
der Mieter muss dann nicht
mehr nachzahlen.
Nun ist die Frage, über welchen
Zeitraum Ihr Vermieter abrechnet: Da
Sie bereits sehr lange Mieterin in der
gleichen Wohnung sind, ist davon
auszugehen, dass über das Kalenderjahr abgerechnet wird. Folglich
hat der Vermieter bis zum Ende des
darauffolgenden Kalenderjahres Zeit
mit der Betriebskostenabrechnung.
Hat er diese in den Vorjahren bereits
deutlich früher erstellt, so lag dies
einzig in seinem Ermessen; ein Gewohnheitsrecht entsteht für Sie daraus nicht. Achten Sie bei Erhalt Ihrer
Abrechnung auf den Abrechnungszeitraum und die Zwölf-Monats-Frist.
Wird diese überschritten, kann in der
Regel keine Nachforderung von Ihnen
verlangt werden.
Betriebskosten II:
Es ist richtig, dass gemäß § 560 Abs.
4 BGB nach einer Abrechnung jede
Vertragspartei eine Anpassung auf
eine angemessene Höhe vornehmen
kann. Voraussetzung ist, dass Betriebskostenvorauszahlungen vereinbart worden sind und diese Anpassung in Textform erklärt wird. Was

heißt das? Sowohl Vermieter als auch
Mieter können die Vorauszahlungen
nach einer Abrechnung verändern.
Mieter tun dies, wenn die Abrechnung
mit einem Guthaben zu ihren Gunsten
schließt und sie dem Vermieter für
die nächste Abrechnung keinen unnötigen Kredit geben wollen. Vermieter passen in der Regel nicht nur bei
Nachzahlungen, sondern meist auch
bei Guthaben zugunsten der Mieter
– wie in Ihrem Fall – die Vorauszahlungen entsprechend nach oben oder
unten an. Geschieht dies bei einem
Guthaben zugunsten des Mieters
nicht, kann der Mieter selbst die Vorauszahlungen angemessen kürzen
und dies dem Vermieter in Textform
(es genügt auch per Fax oder E-Mail)
mitteilen. In Ihrem konkreten Fall erscheint dies – auch wenn Ihnen das
Recht darauf zusteht – wegen der
geringen Höhe des Guthabens nicht
unbedingt als angemessen. Teilt man
das Guthaben durch zwölf, erhält man
den Betrag, um den die Vorauszahlung monatlich gekürzt werden könnte, bei 7,23 Euro Guthaben wären das
60 Cent. Angesichts zu erwartender
Preisveränderungen bei den einzelnen Betriebskostenpositionen rechtfertigt dies eine Anpassung nicht.

RUBRIK
AKTUELLE KURZNACHRICHTEN

Berliner Wasser I

Bundeskartellamt

Nicht nur mit dem Anteilseigner RWE
steht der Berliner Senat in Verhandlung über den Rückkauf von dessen
Anteilen an den Berliner Wasserbetrieben, sondern auch mit dem französischen Konzern Veolia. Wie RWE
hält Veolia 24,95 Prozent der Wasserbetriebe und ist nun zum Verkauf
bereit. Gelingt der Deal mit beiden
Anteilseignern, befindet sich das
Berliner Wasser wieder komplett in
Landeseigentum, bislang besitzt Berlin 50,1 Prozent. Rund 1,3 Milliarden
Euro müsste das Land Berlin für den
Rückkauf aufbringen.

Bereits Anfang Juni hat das Bundeskartellamt verfügt, dass die Wasserpreise in Berlin sinken müssen. Noch
von diesem Jahr an sollen die Tarife um
17 Prozent verringert werden. Grund
für die Verfügung ist eine missbräuchliche Preiserhöhung. Die Wasserbetriebe vertreten die Auffassung, dass das
Kartellamt für sie nicht zuständig sei
und planen eine Klage dagegen. Setzt
sich die Behörde durch, bedeutet dies
eine Nettoentlastung beim Wasserpreis
von 15,5 Prozent.

Hartz-IV Miete
Seit Mai gelten die neuen Regelungen
für die Übernahme von Wohnkosten bei
Hartz-IV Haushalten – der Mieterschutz
berichtete. Doch die Neuerungen geben
Anlass zur Kritik von allen Seiten. Nicht
nur die Grenzwerte für Mietkosten sind
umstritten, sondern auch die Berechnungsgrundlage. Jetzt fließen Heizkosten, Kaltmiete sowie Wohnungsgröße
gesondert in die Berechnung mit ein,
was einen zusätzlichen Verwaltungsaufwand bei den Jobcentern und somit
längere Bearbeitungszeiten bedeutet.
Zu befürchten ist außerdem, dass die
Klagen vor dem Sozialgericht zunehmen werden.

Berliner Wasser II
Die Rückführung der Berliner Wasserbetriebe in öffentliches Eigentum des Landes
Berlin ist an Bedingungen geknüpft. So haben die Oppositionsparteien im Abgeordnetenhaus gefordert, die Wasserpreise sollten
durch den Rückkauf der privaten Anteile
dauerhaft sinken. Auch die Regierungsparteien verschließen sich einer solchen Bedingung nicht. Die Initiative „Wassertisch“ hingegen hält den Kaufpreis von 1,3 Milliarden
Euro für zu hoch und fordert, die Verträge
aus dem Jahr 1999 anzufechten.

Jobcenter kann Guthaben nicht
zurückfordern
Schließt die Betriebskostenabrechnung eines Hartz-IV-Empfängers mit einem Guthaben ab und verrechnet der Vermieter dieses
mit aufgelaufenen Mietschulden, kann das
Jobcenter das Guthaben nicht vom Mieter
zurückverlangen. So urteilte das Bundessozialgericht (Az.: B 4 AS 132/11 R) in einem
Fall, in dem Mieter 1006 Euro Guthaben an
die Behörde zurückzahlen sollte und diese
ihm die Leistungen für die Unterkunft kürzte.

Verfall in Lichtenberg
Ein Schweizer Investor hatte einen Wohngebäudekomplex an der
Frankfurter Allee von der landeseigenen Howoge gekauft, begann
zum Teil mit der Sanierung, doch
jetzt wurde das Geld knapp. Selbst
Instandhaltungen wurden inzwischen nicht mehr durchgeführt,
Vorauszahlungen der Mieter nicht
weitergeleitet. In der Konsequenz
kündigten die Versorger an, Fernwärme und Wasser abzustellen
und der Komplex wurde vom
Bau- und Wohnungsaufsichtsamt
für unbewohnbar erklärt. Die betroffenen Mieter müssen umziehen, das Gebäude soll versteigert
werden.

Ferienwohnungen begrenzen

Lockere Sprüche

Der Berliner Senat hat sich entschlossen, gegen die Nutzung von Wohnraum für Ferienwohnungen vorzugehen. Gemäß eines Gesetzentwurfes
soll Wohnraum in Stadtbezirken mit besonderer Wohnraumverknappung
künftig nur noch mit vorheriger Genehmigung der Bezirksämter als Ferienwohnungen genutzt werden. Die neue Regelung gilt bei Inkrafttreten nicht
für bereits vorhandene Ferienwohnungen.

Wird ein Vermieter vom Mieter aufs Übelste beleidigt, kann dies zu einer Zerrüttung des Mietverhältnisses und einer außerordentlichen Kündigung durch
den Vermieter führen. Das Amtsgericht Tempelhof
hat einer Kündigung stattgegeben, deren Ursache
Beleidigungen durch die Kinder des Mieters gegenüber dem Vermieter waren (AZ: 13 C 142/09). Auch
in diesem Fall müssen die Eltern die Konsequenzen
aus dem Handeln der Kinder tragen.

4 / 2012

21

AUSFLUGSTIPP

Lieblingsschloss von Kronprinz Friedrich
Rheinsberg und Umgebung
Nicht nur Friedrich der Große erkannte die Schönheit des im Ruppiner Land gelegenen Kleinods
und ließ Schloss Rheinsberg nach
seinen Vorstellungen gestalten. In
der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts erlebte auch der Schriftsteller Kurt Tucholsky (1890 – 1935)
die angenehme Atmosphäre von
Rheinsberg und verewigte diese
Erfahrung in seiner gleichnamigen
Erzählung.
Jedem, der sich ein wenig für Ausflugsziele in Brandenburg interessiert, ist der Blick vom Schlosspark
über den See auf das Schloss Rheinsberg bekannt. Die der Wasserseite
zugewandten Türme sind ein
Markenzeichen der Anlage
und fehlen auf keiner Aufnahme.
Laut seines eigenen
Bekenntnisses will
er die vier glücklichsten Jahre
seines Lebens in
Rheinsberg verbracht haben,
Friedrich der
Große, dessen 300.
Geburtstag

22

4 / 2012

unübersehbar in diesem Jahr gefeiert
wird. Kein Grund, nicht nach Rheinsberg zu fahren, vielmehr ist die idyllische Lage des Schlosses direkt am
Grienericksee noch mehr Anreiz für
einen Besuch.
Schloss und Schlosstheater
Nachdem die Hohenzollern Rheinsberg im Jahr 1734 erwarben, ließ der
damals erst 22 Jahre alte Kronprinz
Friedrich II. das vorhandene Renaissanceschloss im Stil des Rokoko
umbauen. Sowohl er selbst als auch
sein Freund und späterer Baumeister Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff waren an der Planung beteiligt.
Schließlich schenkte Friedrich der
Große das Schloss 1744 seinem Bruder, dem Prinzen Heinrich, der es ab
1753 bis zu seinem Tod im Jahr 1802
bewohnte. Während dieser Zeit ließ
er im See-Flügel des Kavalierhauses
ein Theater einrichten, das heute von
der Musikakademie Rheinsberg als
Schlosstheater betrieben wird. Verpflichtet fühlt man sich dort vorwiegend jungen Künstlern, die sowohl
zeitgenössische Stücke als auch
solche aus der Zeit Friedrichs II. zur
Aufführung bringen. Für acht Wochen
im Sommer stehen Schloss und Theater ganz im Zeichen der Kammeroper

Rheinsberg, die dann ein Festival ausrichtet. Im Sinne Friedrichs II. ist dieses Tun allemal, war er doch auch für
seine Künste im Flötenspiel bekannt
und machte er bereits zu seiner Zeit
Rheinsberg zu einem künstlerischen
Treffpunkt. Noch bis zum September finden an allen Wochenenden
anlässlich des Geburtstages Friedrich II. Veranstaltungen aller Art im
Schlosstheater und unter freiem Himmel statt.
Ein Teil des so genannten Musenhofs
von Schloss Rheinsberg, dessen Erschaffung ebenfalls in die Zeit von
Prinz Heinrich fällt, ist das Heckentheater. Auf der Freilichtbühne, die
knapp 1.000 Personen Platz bietet,
werden Theaterstücke, Opern und
Konzerte aufgeführt. Namensgebend
ist übrigens die Umrahmung mit
kunstvoll geschnittenen Hecken.
Stationen auf dem Rundgang durch
das Schloss sind Spiegelsaal mit seinen herrlichen Deckengemälden, Rittersaal, Muschel- oder Marmorsaal
mit vergoldetem Stuck an Decke und
Wänden sowie das Studierzimmer des
Kronprinzen im Turmkabinett. Hier
beschäftigte sich der spätere Regent
mit Philosophie, Sprachen und nicht
zuletzt mit der Musik. Zeitsprung ins
frühe 20. Jahrhundert: Im Erdge-

AUSFLUGSTIPP

v.l.n.r.: Pavillon im Schlosspark, Rheinsberger Schloss und Schlosstheater, Hafendorf; u.: Keramikfigur eines preußischen Liebespaares

schoss befindet sich eine Ausstellung
zu Kurt Tucholsky, der Rheinsberg im
Jahr 1912 besuchte.

Stadt Rheinsberg
Das schmucke Städtchen Rheinsberg zählt nur knapp 9.000 Einwohner. Nach einem Brand im Jahr 1740
Schlosspark
war es wiederum von Knobelsdorff,
Dem am südlichen Seeufer gele- nach dessen Plänen die Stadt im regenen Schlosspark sieht man seine gelmäßigen Muster wieder aufgebaut
ursprüngliche spätbarocke Form wurde. Noch heute sind ganze Stranoch deutlich an. Gerade die Mi- ßenzüge aus dieser Zeit der friderizischung aus Gartenanischen Bauordnung
kunst in Abwechslung
erhalten. Schräg dem
„Ich bin nur
mit launigen Bauwerin Rheinsberg Schloss gegenüber
ken macht den am Ende
befindet sich die frühglücklich
des 18. Jahrhunderts
gotische Feldsteinkirerweiterten und umgeche. In unmittelbarer
geworden“
wandelten englischen
Umgebung des SchlosFriedrich der Große
Landschaftspark seses, am Markt, in der
henswert. Auf dem
Seestraße und in der
Weg zum dem Schloss gegenüber- Schlossstraße befindet sich Gasliegenden Obelisken passiert man die tronomie für jeden Geschmack und
Grabpyramide, in der Prinz Heinrich Geldbeutel. Gehobene Landhausküseine letzte Ruhestätte gefunden che und ein angenehmes Ambiente
hat, die Orangerie sowie die Feld- bietet der Seehof in der Seestraße: An
steingrotte und die Egeriagrotte. Der wärmeren Tagen lädt der gepflasterte
Obelisk wurde 1791 errichtet und er- Innenhof des 250 Jahre alten Ackerinnert an die Gefallenen des Sieben- bürgerhauses zum launigen Verweijährigen Krieges.
len in mediterranem Flair ein.

IMPRESSUM

Die Zeitschrift Mieterschutz erscheint
zweimonatlich.

Mieterschutz
Organ des Mieterschutzbundes Berlin e.V.

Redaktion: Stefan Brenner
brenner@mieterschutzbund-berlin.de
Redaktionelle Mitarbeit:
Kati Selle, Dr. Christian Koch und
Bernhard Zuther

Herausgeber:
Mieterschutzbund Berlin e.V.
Konstanzer Straße 61
10707 Berlin
Tel.: (030) 8 82 30 85
zentrale@mieterschutzbund-berlin.de
www.mieterschutzbund-berlin.de

Karikaturen: © Dieko
Müller), © Tomicek/LBS

(Rechtsanwalt

V.i.S.d.P.: A. von Hohenegg-Quittek
vonhohenegg@mieterschutz-berlin.de

Keramikmuseum Rheinsberg
In der Nähe der Kirche befindet sich
das Keramikmuseum, das die seit
Mitte des 18. Jahrhunderts währende
Geschichte der Keramik in Rheinsberg
veranschaulicht. Ein Werkverkauf
ermöglicht den Erwerb modernen
Porzellans aus eigener Herstellung.
Keramikkurse zum Testen eigener Fähigkeiten auf diesem Gebiet werden
ebenfalls angeboten.

Verkehrsverbindungen:
Mit der Bahn:
Ab Berlin-Spandau
stündlich mit RE/RB nach
Rheinsberg, Fahrzeit
ca. 2 h.
Mit dem Auto:
Ab Berlin B 96 über
Oranienburg bis Gransee,
dann links nach Rheinsberg abbiegen, Fahrzeit
ca. 1,5 h.

Zechlinerhütte
Wer noch Zeit übrig hat und sich für
Meteorologie und Geographie interessiert, dem sei ein Abstecher ins
sieben Kilometer nördlich gelegene
Zechlinerhütte empfohlen. Dort befindet sich die Erinnerungsstätte für
Alfred Wegener (1880 – 1930), den
Pionier der Polarforschung und Begründer der Plattentektonik. Viele
Originalexponate von seinen Reisen
in unerforschte Gebiete veranschaulichen das Leben des Forschers, der
als Kind viel Zeit in Zechlinerhütte
verbracht hatte.

Weitere Informationen
unter:
www.schlosstheaterrheinsberg.de;
www.museumrheinsberg.de;
www.zechlinerhuette.com

Titelgestaltung, Satz und Layout:
eilmes & staub Design und Visionen GmbH
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Druck:
O/D – Druck. Logistik. Datenservice.
Ottweiler Druckerei und Verlag GmbH

Bildnachweis:
© fotolia – Titel (Collage): Luckas
Kommunikation, K.-U. Häßler, S. 3: Peppi18,
S. 6 – 9: cygnusX S. 10: K.-U. Häßler,
S. 
10 
– 
15: Aaron Amat, S.13: YariK.,
S. 
15: Jimmy K., S. 
18: froxx, Ingo
Bartussek, S. 
22/23: Henry Czauderna,
inamai, petra b., Frank © istockphotos –
Rückseite: stphillips, S. 20: V. Melmikov
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Der Bezugspreis ist im Mitgliedsbeitrag
enthalten.
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Redaktionsschluss: 26.06.2012
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