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Full text: Die Lügen der Agrarindustrie und die Fakten

Die Lügen der Agrarindustrie
und die Fakten

www.bund.net

Bauernhöfe statt Agrarindustrie
Der BUND engagiert sich für eine Politik, die bäuerliche Agrarstrukturen fördert, den
agrarindustriellen Sektor zurückdrängt und Bauernhöfen, dem Ökolandbau, Tieren und
Verbrauchern nutzt. Noch immer ist der Einsatz von Antibiotika in der Massentierhaltung
viel zu hoch, sind irreführende Kennzeichnungen erlaubt und mit Gentech-Futter erzeugte
Produkte wie Milch, Fleisch und Eier nicht gekennzeichnet. Noch immer wird Steuergeld
für die Gentechnik verschwendet und mit Exportförderungen die Existenz von Kleinbauern in armen Ländern zerstört. Risiken und Nebenwirkungen der agrarindustriellen Produktion werden unter den Teppich gekehrt und Verbraucher zu reinen Konsumenten
degradiert – das haben wir satt!
EU-Agrarsubventionen in Höhe von jährlich über 50 Milliarden Euro sind bislang nicht an
ausreichende Tier- und Umweltschutzstandards gekoppelt. Brüssel will zwar für eine grünere Agrarpolitik sorgen und einen Teil der Gelder an Umweltprogramme binden. Doch
die Bundesregierung blockiert weiterhin eine tier- und naturschutzgerechte Neuverteilung
der Subventionen – das haben wir satt!
Der BUND fordert eine tiefgreifende Agrarreform. Es geht
um die Beendigung der Überproduktion, faire Marktregeln
für umwelt- und tiergerecht wirtschaftende Bauernhöfe und
die Umverteilung der Agrarsubventionen zum Schutz von
Boden, Klima, Tieren, Wasser, Natur und Artenvielfalt.

Die Fleischindustrie in Deutschland behauptet:

»Moderne, intensive Landwirtschaft bietet sichere Lebensmittel«
Das ist falsch. Zutreffend ist:
In industriellen Mastanlagen fristen Schweine, Hüh-

• In Deutschland sterben nach Einschätzung von

ner, Puten und andere Nutztiere ein qualvolles Dasein.

Ärzteorganisationen etwa 30.000 Menschen pro Jahr,

Die Tiere ertragen ihr vom Stress geprägtes Leben nur

weil Antibiotika bei ihnen nicht mehr wirken.

durch den massiven Einsatz von Antibiotika. Ein paar
Fakten:

Der BUND fordert die gesetzlichen Vorschriften zur Hal-

• 1.619 Tonnen Antibiotika wurden 2012 in Deutsch-

tung, Zucht und Fütterung von Tieren so zu verbessern,

land in der Tierhaltung eingesetzt, mehr als doppelt

dass nur noch Einzeltiere im Krankheitsfall mit Antibio-

so viel wie beim Menschen.

tika behandelt werden. Wir fordern als ersten Schritt

• In 82 Prozent der Masthuhnbetriebe, 77 Prozent der

die Halbierung des Antibiotika-Einsatzes bis 2017. Für

Mastschweinbetriebe und 100 Prozent der Mastkalb-

die Humanmedizin wichtige Antibiotika dürfen in der

betriebe (Beispiel Niedersachsen) werden Antibiotika eingesetzt.
• Der BUND fand bei Untersuchungen in

Massentierhaltung nicht mehr eingesetzt werden.
Die Bevorzugung des Baus von Massenställen
in Außenbereichen von Ortschaften gehört

mehr als der Hälfte der Geflügelfleisch-

ebenfalls abgeschafft.

proben multiresistente Keime (MRSA,

Der Bund empfiehlt Verbraucherinnen und

ESBL).
• Verbraucher können sich beim Zubereiten des

Verbrauchern, Fleisch von Öko-Bauernhöfen
und von Neuland zu kaufen, weil auf diesen Hö-

Fleisches mit antibiotikaresistenten Keimen

fen Antibiotikagaben die Ausnahme und nicht die

kontaminieren.

Regel sind.
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Die Agrarindustrie will uns glauben machen:

»Von der Verteilung der Subventionen profitieren die Bauern«
Mehr Infos
zum Thema:
bund.net/
landwirtschaft

Das ist falsch. Zutreffend ist:
• Die Fleischindustrie in Deutschland profitiert von über

• Rund 44 Prozent der Bauernhöfe bekommen weni-

einer Milliarde Euro Agrarsubventionen pro Jahr aus

ger als 5.000 Euro pro Jahr, das sind zusammen

Brüssel, Berlin und den Ländern.

lediglich 5 Prozent aller Direktzahlungen.

• In Deutschland erhielten im Jahr 2012 insgesamt

• Die Bundesregierung verteidigt die ungerechte Ver-

332.410 Betriebe Subventionen aus den EU-Agrar-

teilung von Subventionen, die zudem oft an Millio-

fonds. Hierzu zählen allerdings nicht nur landwirt-

näre gehen. Und sie wehrt sich gegen eine Obergren-

schaftliche Betriebe, sondern auch Rüstungsfirmen

ze für Subventionen und eine soziale Bindung an den

wie die Rheinmetall AG (knapp 40.000 Euro).

Arbeitsbedarf auf den Höfen.

• Gleichzeitig bekommt eine kleine Gruppe von

Der BUND fordert eine tiefgreifende Agrar-

ca. 6.700 Subventionsempfängern (2 %) je Betrieb

reform! Wir brauchen die staatlichen Agrargel-

mehr als 100.000 Euro pro Jahr, zusammen satte

der für eine Umstellung unserer gesamten Land-

30 Prozent aller Direktzahlungen.

wirtschaft auf umwelt- und tiergerechte Wirtschaft
zum Schutz von Boden, Klima, Tieren, Wasser,
Natur und Artenvielfalt.

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Die Fleischindustrie behauptet:

»Der Einsatz von Hormonen ist ein wesentliches Instrument

© istockphoto/Razvan

zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit«

Fakt ist:

• Die Tiere leiden unter dem Hormoneinsatz: Die künst-

• Beim Menschen wird seit einigen Jahren ein Anstieg

liche Steigerung der Anzahl der Ferkel je Sau und Jahr

hormonabhängiger Krebsarten festgestellt. Auch

stellt eine starke Belastung für die Sauen dar.

Fruchtbarkeitsprobleme bei Männern und Frauen so-

Lahmheit, Gliedmaßenschäden, plötzliche Todesfäl-

wie eine immer früher einsetzende Pubertät werden

le, Fruchtbarkeitsprobleme, Abmagerung und erhöh-

beobachtet.

te Krankheitsanfälligkeit sind die Folge.
• Bereits in sehr geringen Dosen können Hormone, wie
• Durch die enorme Steigerung der Ferkelzahl je Wurf

sie auch in der Schweinemast eingesetzt werden, zu

kommen auch immer mehr Ferkel tot zur Welt oder

Unfruchtbarkeit, zu Fehlbildungen der Geschlechts-

sterben direkt nach der Geburt.

organe und zur Umwandlung von männlich zu weiblich führen. Dies wurde bei Tierversuchen im Labor

• Durch die nicht artgerechte Haltung verzögert sich

wie auch bei Wildtieren in der Natur beobachtet.

häufig die Geschlechtsreife der Tiere. Solche haltungsbedingten Probleme sollen durch den systema-

Der BUND fordert ein Verbot des Hormoneinsatzes zur

tischen Einsatz von Hormonen überdeckt werden.

Leistungssteigerung und zur Gleichschaltung der Tiere.
Turbozucht mit Hormonen ist nicht vereinbar mit dem

• Die Hormone gelangen mit der Gülle in die Umwelt

Tierschutz und belastet die Umwelt!

und belasten Gewässer. Eine Gefährdung des Menschen durch diese Substanzen wird in der Regel stark
unterschätzt.
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Die Pestizidhersteller behaupten:

»Moderne Pflanzenschutzmittel sind staatlich zugelassen
und damit sicher für Mensch, Tier und Umwelt«
Immer auf
dem Laufenden –
mit dem Newsletter
»Natur und
Landwirtschaft«:
bund.net/
newsletter

Das ist falsch. Zutreffend ist:

Der Staat organisiert zwar ein aufwendiges Zulassungs-

• Pestizide schädigen auch streng geschützte Tiergrup-

verfahren. Dieses weist aber zahlreiche Mängel auf:

pen wie Amphibien und Fledermäuse. Dieser gravierende Umstand spielt im Zulassungsverfahren aber

• Es werden fast ausschließlich Studien berücksich-

keine Rolle.

tigt, die von den Pestizidherstellern in Auftrag gegeben sind. Diese bleiben unter Berufung auf »vertrauliche Geschäftsgeheimnisse« so gut wie immer
unpubliziert. Eine Überprüfung durch unabhängige
Wissenschaftler ist so nicht möglich.
• Kombinationswirkungen beim Einsatz mehrerer
© shutterstock/Rudy Umans; Fotolia/peter_waters

Pestizide werden im Zulassungsverfahren kaum bis
gar nicht berücksichtigt.

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Die Gentech-Lobby behauptet:

»Agro-Gentechnik bekämpft den Welthunger. Gentech-Pflanzen
sind widerstandsfähiger und sorgen für höhere Erträge«
Mehr Infos
zum Thema:
bund.net/
gentechnik

Das ist falsch. Zutreffend ist:

• Gegen Hitze, Trockenheit oder Kälte gefeite Pflan-

• Alle Gentech-Multis entwickeln herbizidtolerante und

zen gibt es nicht. Das sind Kopfgeburten der Gen-

insektenresistente Pflanzen. Aus deren Sicht ist das

technik-Konzerne.

konsequent, sind sie doch Wirtschaftsunternehmen
und keine Wohlfahrtsverbände. Sie wollen vor allem

• Keine einzige Gentech-Pflanze, die auf dem Markt
ist, hilft gegen den Hunger in der Welt.
• Gentechnisch veränderte Pflanzen sind nicht für die

den Absatz ihrer – Mensch und Natur vergiftenden –
Pestizide sichern und die Märkte besetzen.
• Hungerkrisen haben vor allem gesellschaftliche

Teller der Armen bestimmt, sie gelangen als Tierfut-

und politische Ursachen und können nicht mit Gen-

ter in die Tröge oder als »Bio-Sprit« in die Tanks von

tech-Pflanzen vermieden werden.

Autos.
Der BUND unterstützt die Empfehlungen des Weltagrar-

• 80 Prozent der im Tierfutter eingesetzten Protein-

rats zur Hungerbekämpfung wie: Förderung der bäu-

pflanzen importiert die EU. Dafür nimmt sie rund 20

erlichen Landwirtschaft, Produktion regional angepass-

Millionen Hektar Land in Ländern des globalen Sü-

ter Pflanzensorten für heimische Märkte mit gerechten

dens in Anspruch. Pro Jahr werden in der EU über

Preisen und die Ausbildung vor allem von Frauen, die

30 Millionen Tonnen Sojaschrot verfüttert (etwa 5

in den meisten Fällen die Ernährung der Familien sichern.

Millionen davon in Deutschland) – der Anteil gen-

Die Gentechnik nennt der Weltagrarrat ausdrücklich

technisch veränderten Sojas ist dabei sehr hoch.

nicht.

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Die Agrosprit-Industrie in Deutschland behauptet:

»Biosprit ist umweltfreundlich«

© Friends of the Earth England, Wales and Northern Ireland (FoE EWNI)

Das ist falsch. Zutreffend ist:
• Die Klimabilanz vieler sogenannter »Biotreibstoffe«

• Weltweit gehen bereits 15 Prozent der Maisernte (zu-

ist ebenso schlecht und teilweise noch schlechter als

meist gentechnisch veränderter Mais) in die Herstel-

die konventioneller Kraftstoffe. Agrosprit schädigt

lung von Ethanol und etwa 16 Prozent der aus Raps,

die Artenvielfalt, Rohstoffe werden mit hohem

Soja (ebenfalls gentechnisch verändert), Sonnenblu-

Einsatz von Pestiziden und Kunstdünger als Mono-

men und Palmöl erzeugten Rohstoffe in die Herstel-

kulturen angebaut. Erforderlich sind außerdem

lung von Agrodiesel. Die steigende Nachfrage und

große Mengen Wasser. In Ländern mit Wasserknapp-

die Verknappung von Anbauflächen verschärfen Ar-

heit verschärft Agrosprit dieses Problem.

mut und Hunger.

• Durch Agrosprit für Autos werden in ärmeren Län-

Der BUND fordert die Abschaffung der EU-Zielvorga-

dern oft wertvolle Flächen belegt. Dies verdrängt zum

ben zu Agrokraftstoffen. Zudem müssen bei ihrer Klima-

Teil den Anbau von Nahrungsmitteln und Futter, der

bilanz wichtige Faktoren berücksichtigt werden (wie die

dann auf bisher ungenutzte Flächen oder frühere

Änderung der Landnutzung). Kraftstoffe, die umwelt-

Waldgebiete ausweicht (»indirekte Landnutzungs-

schädlich sind und Hunger schüren, dürfen nicht geför-

änderung«).

dert werden. Sparsamere Autos, weniger Verkehr und
Tempolimits könnten den Kraftstoffverbrauch halbieren.

• Das in deutschen Autos eingesetzte Ethanol (z. B. in

Die EU und die Bundesregierung sollten diese Ziele zur

»E10«) wird bereits zur Hälfte importiert. Auch beim

Priorität machen, anstatt weiter inakzeptable »Er-

Biodiesel ist Deutschland auf Palmöl-Importe ange-

satz«-Kraftstoffe zu fördern.

wiesen.

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Agrarpolitik, die schmeckt: bio und regional

Machen Sie jeden Tag selbst ein wenig Agrarpolitik:
beim Einkaufen. Wählen Sie, wann immer möglich,
regionale und ökologisch erzeugte Ware. Als Kunde
tragen Sie Verantwortung, denn Ihre Nachfrage beeinflusst das Angebot. Mit der Wahl von Ökoprodukten unterstützen Sie eine Landwirtschaft ohne Gentechnik, Kunstdünger und Pestizide. Und mit weniger Fleischkonsum tragen Sie ebenfalls zum Tier- und
Umweltschutz bei.
Biobauern schaffen im Vergleich zu konventionellen
Anbietern mehr Arbeitsplätze, sie halbieren den
Energieverbrauch und den Ausstoß von Treibhausgasen. Sie schonen natürliche Ressourcen, bewahren
naturnahe Landschaften und legen offen, wie sie Lebensmittel erzeugen.
Im BUND-Ratgeber »Zu Bio wechseln« finden Sie eine
Bewertung verschiedener Umweltsiegel:

www.bund.net/besser-leben

Der BUND engagiert sich für eine echte Agrarreform

Auch in Zukunft bleibt der BUND aktiv gegen Gentechnik, Tierfabriken und Dumpingexporte. Wir in-

Machen Sie mit!

formieren, stärken und vernetzen Bürgerinitiativen,

Die besten Argumente für eine neue Landwirt-

die vor Ort für gentechnikfreie Regionen und gegen

schaftspolitik sind nur so stark wie die Bewegung,

Massentierhaltungen aktiv sind.

die dahinter steht. Daher benötigen wir Ihre Unterstützung als Mitglieder oder Förderer, um mit

Der BUND trägt mit Gutachten und Recherchen dazu

Ihrer Hilfe entscheidenden Gegendruck zur Lob-

bei, Fakten an die Öffentlichkeit zu bringen, die von

by der Lebensmittelindustrie, der Agrogentechnik

der Agrarindustrie und der Politik unter den Tisch ge-

und der Fleischkonzerne aufzubauen:

kehrt werden.

www.bund.net/mitgliedwerden

Mit unserem internationalen Netzwerk »Friends of
the Earth« werden wir auch weiterhin direkt aus
Entwicklungs- und Schwellenländern Berichte und

Auf www.bund.net finden Sie Tipps für eigene Ak-

Reportagen über Landraub und Menschenrechts-

tivitäten. Zum Beispiel die BUND-Leitfäden zur Grün-

verstöße durch die Agrarindustrie veröffentlichen.

dung gentechnikfreier Regionen und gegen Massentierhaltungsanlagen, die BUND-Agrarbroschüre mit

Zugleich trägt der BUND die Argumente der Umwelt-

Hintergründen zu Fleischproduktion und Klimaschutz

bewegung direkt an die PolitikerInnen in Berlin und

sowie Service-Infos zu ökologischen und gentech-

Brüssel heran.

nikfreien Lebensmitteln.

TIERFABRIKEN?

NEIN

DANKE

Werden Sie Mitglied
beim BUND und Teil einer
großen Gemeinschaft für
ökologische und tiergerechte
Landwirtschaft!
www.bund.net/mitgliedwerden

Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V.
Friends of the Earth Germany
Am Köllnischen Park 1 · 10179 Berlin
Tel. (0 30) 27 5864-0 · Fax -40
info@bund.net · www.bund.net

Text: R. Benning, K. Birkel, H. Moldenhauer, R. Rosenthal,
Leon Zens, Tomas Brückmann · Redaktion: Dr. N. Franck
(ViSdP) · Fotos: J. Oberguggenberger/pixelio.de (S. 3), Bauckhof (S.10), · Jörg Farys (alle anderen) · Gestaltung: Natur &
Umwelt GmbH · Druck: Z.B.!, Köln · © BUND, 12/2013

Spendenkonto:
BUND e.V.,
Konto 232,
Sparkasse
KölnBonn,
BLZ 370 501 98
        
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