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Full text: Keine Entwicklung ohne Umweltschutz

WBGU

WISSENSCHAFTLICHER BEIRAT DER BUNDESREGIERUNG
GLOBALE UMWELTVERÄNDERUNGEN

politikpapier

4

Keine Entwicklung
ohne Umweltschutz:
Empfehlungen zum
Millennium+5-Gipfel

2

Millennium+5-Gipfel

INHALT
3
4

Zusammenfassung für Entscheidungsträger
1 Von Rio nach New York
Der Millennium+5-Gipfel
Defizite der Sachs- und Annan-Berichte
MDGs und die Rio-Vision

6

2 Ein neuer entwicklungspolitischer Konsens
Unmittelbare Armutsbekämpfung und Wirtschaftswachstum
Investitionen in die Entwicklungszusammenarbeit
Gute Regierungsführung
Strategische Partnerschaften mit Fast-track-Ländern

8

3 Umwelt und Entwicklung sind untrennbar
Globale Umweltveränderungen verschärfen absolute Armut
Menschen in absoluter Armut besonders verwundbar
Ohne Entwicklungspolitik kann die globale Umwelt nicht geschützt werden

10

4 Armutsbekämpfung mit Umweltpolitik verknüpfen
Umwelt im internationalen Zielkatalog stärken
Anfälligkeit gegenüber Umweltkatastrophen besser berücksichtigen
Empfehlungen des Sachs-Berichts mit Umweltschutz verbinden

13
14

5 Strategische Partnerschaften mit Ankerländern eingehen
6 Architektur der Entwicklungs- und Umweltpolitik reformieren
Legitimation im multilateralen System stärken
Fragmentierung der internationalen Entwicklungspolitik überwinden
Umwelt-Governance in den Vereinten Nationen stärken
ECOSOC durch Rat für Globale Entwicklung und Umwelt ersetzen

17

7 Globale Armutsbekämpfung und Umweltpolitik sind finanzierbar
Tatenlosigkeit ist teurer
Armutsbekämpfung und Umweltschutz gemeinsam finanzieren

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politikpapier 4

ZUSAMMENFASSUNG FÜR ENTSCHEIDUNGSTRÄGER

Auf dem Millennium+5-Gipfel stehen die Erreichung der MillenniumsEntwicklungsziele (MDGs) und die Handlungsfähigkeit der Vereinten
Nationen auf dem Prüfstand. Der Gipfel bietet die Chance, die internationale Armutsbekämpfung neu auszurichten und eine Reform der UN
anzustoßen. Scheitern die MDGs, droht der internationalen Zusammenarbeit eine Krise. In der aktuellen Debatte zur Armutsbekämpfung werden Umweltprobleme vernachlässigt, die aber in vielen Entwicklungsländern die Armut verschärfen. Daher sollte sich die Staatengemeinschaft auf die Botschaft der Konferenz von Rio de Janeiro 1992 besinnen: Umwelt und Entwicklung gehören untrennbar zusammen. Die
Kernempfehlungen des WBGU:
• Armutsbekämpfung und Umweltpolitik verknüpfen: Ohne Umweltschutz sind die MDGs nicht erreichbar. Umweltpolitik ist daher Voraussetzung für Entwicklung und muss zentrales Element jeder langfristigen Strategie der Armutsbekämpfung werden. Umgekehrt kann
ohne Entwicklungspolitik die globale Umwelt nicht geschützt werden.
• Strategische Partnerschaften mit Ankerländern eingehen: Entwicklungsländer wie China, Brasilien oder Indien spielen aufgrund ihrer Größe
und ökonomischen Dynamik eine Schlüsselrolle sowohl für globale
Umweltveränderungen als auch für die Bekämpfung der Armut.
Daran sollte die Zusammenarbeit mit dieser Ländergruppe strategisch ausgerichtet werden.
• Architektur der Entwicklungs- und Umweltpolitik reformieren: Die
Arbeitsteilung in der internationalen Entwicklungspolitik sollte verbessert und die Fragmentierung der multilateralen Entwicklungs- und
Umweltinstitutionen überwunden werden. Mittelfristig sollte ein
neuer Rat für Globale Entwicklung und Umwelt an die Stelle des Wirtschafts- und Sozialrats (ECOSOC) treten.
• Anstrengungen zur Finanzierung verstärken: Die Staatengemeinschaft
sollte stärker in Armutsbekämpfung und Umweltschutz investieren:
Die Kosten des Nicht-Handelns wären erheblich höher. Neben der
Steigerung der Mittel für die Entwicklungszusammenarbeit sollten
neue Finanzierungsinstrumente eingeführt werden, z. B. Nutzungsentgelte für globale Gemeinschaftsgüter.

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Millennium+5-Gipfel

1

Von Rio nach New York

Armutsbekämpfung und Umweltschutz zählen zu

passungsprogramme der 1980er und 1990er Jahre,

den größten Herausforderungen der Weltgemein-

die zwar in einigen Entwicklungsländern zu einer

schaft. Ein herausragendes Ziel muss sein, die gewal-

Stärkung der Marktkräfte und dem Abbau entwick-

tigen Disparitäten bei der Befriedigung von Grund-

lungsblockierender staatlicher Strukturen beitrugen,

bedürfnissen und der Verteilung von Wohlstand und

die Armut aber meist nicht nachhaltig reduzieren

damit die unhaltbare Schieflage im sozialen Weltge-

konnten. Zu Recht stehen nun jene Wirtschafts- und

füge zu verringern. Mit den Millenniums-Entwick-

Entwicklungspolitiken im Zentrum, die nicht nur

lungszielen (MDGs) stellt sich die internationale

Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit, sondern auch

Gemeinschaft dieser Herkulesaufgabe. Im Zentrum

eine deutliche Armutsminderung anstreben (Pro-

stehen das Versprechen und die Herausforderung,

poor-growth-Strategien). Das UN-Millennium-Pro-

die absolute Armut bis zum Jahr 2015 zu halbieren.

jekt, geleitet von Jeffrey Sachs, hat im Februar 2005

Wie würde die Welt im Jahr 2015 aussehen, wenn

den Bericht „Investing in Development. A Practical

alle MDGs tatsächlich erreicht würden? Mehr als 500

Plan to Achieve the Millennium Development Goals“

Mio. Menschen hätten das Stadium der extremen

vorgelegt, in dem wichtige Anregungen in diese

Armut überwunden, das durch Hunger, unwürdige

Richtung formuliert werden. Dieser Bericht wird das

Lebensbedingungen, eine Lebenserwartung von oft

entwicklungspolitische Grundsatzdokument des Mil-

unter 50 Jahren und Perspektivlosigkeit gekennzeich-

lennium+5-Gipfels darstellen.

net ist. Jährlich würden 30 Mio. Kinder davor

Ein weiteres Grundlagendokument für den Gipfel

bewahrt, vor ihrem fünften Lebensjahr an Krankhei-

legte die „Hochrangige Gruppe für Bedrohungen,

ten und Unterernährung zu sterben. 350 Mio. Men-

Herausforderungen und Wandel“ im Dezember 2004

schen wären erstmals mit sauberem Trinkwasser und

vor, welche „eine neue Vision für die kollektive

650 Mio. Menschen mit Basisgesundheits- und Sani-

Sicherheit“ vorschlägt. Die Mitglieder des Panels,

täreinrichtungen versorgt.

ehemalige Staatschefs, Außenminister sowie Sicher-

Die Ausrichtung der internationalen Entwicklungs-

heits-, Militär- und Entwicklungsexperten, sehen

politik an den MDGs erfordert außerordentliche

grenzüberschreitende Risiken wie Armut, Terro-

Anstrengungen zur Verbesserung menschlicher Ent-

rismus, Massenvernichtungswaffen und Umweltzer-

wicklung und Sicherheit in den ärmsten Ländern der

störungen als gleichrangig und miteinander verwo-

Welt.

ben an. Krisenprävention, insbesondere durch
Armutsbekämpfung und Entwicklung, wird als Vor-

Der Millennium+5-Gipfel

aussetzung für die kollektive Sicherheit hervorgeho-

Im September 2005 werden Staats- und Regierungs-

ben.

chefs zu Beginn der 60. UN-Generalversammlung in

Der Bericht des UN-Generalsekretärs Kofi Annan

New York überprüfen, ob und in welchen Ländern

„In größerer Freiheit: Auf dem Weg zu Entwicklung,

und Regionen der Welt die MDGs erreicht werden.

Sicherheit und Menschenrechten für alle“ bildet die

Zur Diskussion steht auch, ob die Entwicklungsländer

Verhandlungsgrundlage für den Gipfel. Er greift auf

wie auch die Geberländer geeignete Strategien zur

die zwei in seinem Auftrag erstellten Berichte zurück

Umsetzung der MDGs verfolgen. Der Gipfel kann zu

und verknüpft Vorschläge zur Bewältigung der drän-

einem Ausgangspunkt werden, um die internationa-

genden Weltprobleme mit einem umfangreichen

len Anstrengungen zur Armutsbekämpfung zu ver-

Reformprogramm für die UN. Neben der Reform des

stärken und eine grundlegende Reform der UN ein-

Weltsicherheitsrats und der Weiterentwicklung der

zuleiten. Gelingt dies nicht, droht nicht nur eine Fort-

Menschenrechtskommission geht es ihm auch

setzung der Armutskrise, sondern auch ein schwerer

darum, Politiken kohärenter zu gestalten und die

Rückschlag für die internationale Zusammenarbeit.

Effektivität der Vereinten Nationen zu verbessern.

Die Neuausrichtung der internationalen Entwick-

Annan empfiehlt kurzfristig eine bessere Koordina-

lungspolitik an den MDGs ist ein bemerkenswerter

tion der humanitären Hilfe sowie der entwicklungs-

Fortschritt gegenüber der Dominanz der Strukturan-

und umweltpolitischen Aktivitäten der Vereinten

WBGU

politikpapier 4

Nationen. Der Bericht betont aber zugleich, dass die

Deshalb gilt es, sich im Rahmen des Millennium+5-

Vereinten Nationen in diesem Bereich „mittel- und

Gipfels auf die Einsicht des Erdgipfels von Rio de

langfristig viel radikalere Reformen ins Auge fassen

Janeiro (Konferenz der Vereinten Nationen über

müssen“.

Umwelt und Entwicklung – UNCED, 1992) zu besinnen: Umwelt- und Entwicklungspolitik gehören

Defizite der Sachs- und Annan-Berichte

untrennbar zusammen (Rio-Vision). Besonders gilt

Der WBGU teilt viele Empfehlungen der Vorberei-

dies im Kontext jeder langfristig erfolgversprechen-

tungsdokumente für den Gipfel, weist aber auf zwei

den Strategie zur weltweiten Bekämpfung der Armut

entscheidende Defizite hin.

und zum Abbau der Sprengkraft des Nord-Süd-Gefäl-

Erstens werden insbesondere in der Sachs-Strategie zur Erreichung der MDGs die Wechselwirkungen
zwischen Armutsbekämpfung und Umweltveränderungen zu wenig berücksichtigt. Ausgehend vom
„Primat der Armutsbekämpfung“ wird Umweltpolitik
zu einem sektoralen Problemfeld an der Peripherie
der MDG-Strategie. Zwar betont der UN-Generalsekretär, dass die Menschheit zur Sicherung ihrer Existenz auf die natürliche Umwelt angewiesen sei und
dass Umwelt- und Entwicklungspolitik daher verknüpft werden müssten. Doch auch der AnnanBericht lässt die deutliche Botschaft vermissen, dass
größere Freiheit nur dann realisiert werden kann,
wenn Sicherheit, Entwicklung und Menschenrechte
mit dem Schutz und der nachhaltigen Nutzung der
natürlichen Lebensgrundlagen gleichrangig verbunden werden. Zweitens werden im Annan-Bericht die
Probleme der fragmentierten und schwachen GlobalGovernance-Architektur im Umwelt- und Entwicklungsbereich zwar offen benannt. Ihre Lösung wird
aber nicht auf die aktuelle, für September 2005 relevante Reformagenda gesetzt.

MDGs und die Rio-Vision
Der WBGU betont dagegen, dass globale Umweltpolitik kein Randthema der MDG-Strategie sein darf,
sondern in deren Zentrum gehört. Die angesehenen
wissenschaftlichen Umweltberatungsgremien der UN
– der Intergovernmental Panel on Climate Change
(IPCC) und das Millennium Ecosystem Assessment
(MA) – haben in ihren Berichten eindrucksvoll belegt,
dass globale Umweltveränderungen ohne Gegensteuerung in Zukunft in noch größerem Umfang existenzbedrohende Auswirkungen haben werden. Während die Verursacher globaler und grenzüberschreitender Umweltprobleme, wie beispielsweise des Klimawandels, vor allem in den Industrieländern zu
finden sind, leben die Betroffenen überwiegend in
den Entwicklungsländern. Dabei sind Arme gegenüber Umweltveränderungen besonders verwundbar.
Bereits heute ist Umweltdegradation ein signifikantes
Hindernis für das Erreichen der MDGs.

les. Die Millenniums-Entwicklungsziele und die RioVision müssen daher aufeinander bezogen werden.

5

6

Millennium+5-Gipfel

2

Ein neuer entwicklungspolitischer
Konsens

Entwicklungspolitik galt lange als eine Nischenpoli-

schichten verbessern und so die Grundlagen für

tik, fernab der für wichtiger gehaltenen Außen- und

zukünftige Entwicklung schaffen. Weitgehende

Sicherheitspolitik. Der WBGU stimmt mit den Berich-

Übereinstimmung besteht darin, dass es dabei

ten von Sachs und Annan überein, dass in einer Epo-

zentrale Hebel gibt, um die sozialen Bedingun-

che gegenseitiger Abhängigkeiten die Entwicklungs-

gen der Ärmsten in den am wenigsten ent-

zusammenarbeit in das Zentrum der Suche nach

wickelten Ländern (LDCs) strukturell zu verbes-

Lösungen für eine stabile und faire Globalisierung

sern: die Gewährleistung eines universellen

gehört. Weil weltweite Armut, Staaten- und Gesell-

Zugangs zu Grundbildung und erhebliche Inves-

schaftszerfall sowie politische und religiöse Funda-

titionen zur Modernisierung bzw. zum Auf- und

mentalismen sich wechselseitig bedingen, sind Aus-

Ausbau des Bildungssystems, die Sicherung eines

gaben für die Entwicklungspolitik und zur Erreichung

für alle zugänglichen Basisgesundheitssystems

der Millenniums-Entwicklungsziele keine Almosen,

sowie die Förderung der Gleichstellung und Aus-

sondern Voraussetzungen für die globale Zukunftssicherung.

bildung von Mädchen und Frauen.
2. Sie muss die produktiven Potenziale der armen

Vor dem Hintergrund der Berichte von Sachs und

Bevölkerungsgruppen steigern helfen. Im Zen-

Annan zeichnet sich für den Millennium+5-Gipfel ein

trum stehen hier Investitionen zur Verbesserung

internationaler Konsens über vier entwicklungspoliti-

der Ernährungssicherheit und zur Stabilisierung

sche Strategien zur Erreichung der MDGs ab:

der Subsistenzproduktion. In den Städten geht es

unmittelbare Armutsbekämpfung und Wirtschafts-

um die Sanierung von Slums und um Strategien

wachstum, steigende Investitionen in die Entwick-

zur Verbesserung der Produktivität im informel-

lungszusammenarbeit, gute Regierungsführung und

len Sektor, um so den Brückenschlag zu leis-

Partnerschaften mit Fast-track-Ländern (arme Länder

tungsfähigen formalen Wirtschaftssektoren zu

mit entwicklungsorientierten Eliten und guter Regie-

verbessern.

rungsführung). Der WBGU unterstützt diese Ansätze,

3. Sie muss dazu beitragen, die Sektoren der Wirt-

betont aber, dass diese nur im Zusammenhang mit

schaft mit großem Wachstumspotenzial zu stär-

einer starken Umweltpolitik erfolgreich sein können.

ken, deren Wettbewerbsfähigkeit auszubauen
und ihre Vernetzung mit der „Ökonomie der

Unmittelbare Armutsbekämpfung und
Wirtschaftswachstum

Armen” voranzutreiben. Investitionen in Human-

Sowohl im Sachs- als auch im Annan-Bericht werden

fer, der Aufbau einer leistungsfähigen, auch

wesentliche Elemente einer Entwicklungsstrategie für

grenzüberschreitenden Infrastruktur (z. B. Ener-

die ärmsten Länder skizziert, die darauf abzielen,

gieversorgung und Verkehrswege) sind notwen-

sowohl wirtschaftliche Dynamik zu erzeugen, als

dig, um die ärmsten Entwicklungsländer an die

auch unmittelbar zur Verbesserung der Lebensbedin-

Weltwirtschaft heranzuführen und an globalen

gungen der Ärmsten beizutragen. Diese Sichtweise

Wohlstandssteigerungen teilhaben zu lassen.

kapital sowie Innovation und Technologietrans-

ist innovativ, weil sie den lähmenden Dogmenstreit
Seite und einseitig wachstumsorientierten Ansätzen

Investitionen in die
Entwicklungszusammenarbeit

auf der anderen Seite überwinden hilft. Danach muss

Einigkeit besteht unter den Entwicklungsexperten

eine MDG-orientierte Entwicklungspolitik gleichzei-

darin, dass die Entwicklungsausgaben der Industrie-

tig auf drei Ziele ausgerichtet sein:

länder (ODA, Official Development Assistance) dau-

1. Sie muss Beiträge zur unmittelbaren Armutsbe-

erhaft erhöht werden müssen. Viele der ärmsten Ent-

kämpfung leisten, die soziale Situation und die

wicklungsländer sind aus eigener Kraft nicht in der

Lebensperspektiven der ärmsten Bevölkerungs-

Lage, die notwendigen Ausgaben zu tätigen, um die

zwischen Grundbedürfnisstrategien auf der einen

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politikpapier 4

MDGs erreichen zu können. 2002 wurden rund 16

tengemeinschaft aber aus humanitären und sicher-

Mrd. US-$ der insgesamt 65 Mrd. US-$ ODA-Mittel

heitspolitischen Gründen nicht vertretbar, diese Län-

(ca. 0,23% des BNE der Industrieländer) aufgewen-

der als hoffnungslose Fälle abzuschreiben. Für diese

det, um die MDGs zu erreichen. Die Berichte von

Ländergruppe müssen längerfristige Strategien ent-

Sachs und Annan fordern eine Erhöhung der ODA-

wickelt werden, um überhaupt erst die institutionel-

Ausgaben auf jährlich 135 Mrd. US-$ bis zum Jahr

len und politischen Voraussetzungen für erfolgreiche

2006 (ca. 0,44% des BNE der Industrieländer) und

MDG-Reformen zu schaffen. Oft geht es hier

eine Steigerung auf 195 Mrd. US-$ bis zum Jahr

zunächst um Ansätze zur Reduzierung von Krisen-

2015 (ca. 0,54% des BNE der Industrieländer). Der

und Konfliktursachen wie z. B. eskalierende Vertei-

WBGU hält eine Steigerung der ODA auf mindestens

lungskonflikte. Die Moderation zwischen Konfliktpar-

0,7% des BNE der Industrieländer für notwendig. Die

teien, humanitäre Hilfe, die Entwaffnung von Kom-

Steigerung sollte stufenweise erfolgen, um die

battanten und deren Wiedereingliederung in die

Umsetzungskapazitäten der Entwicklungsländer

Gesellschaft sowie der Aufbau grundlegender sozia-

nicht zu überfordern und die Gefahr ineffizienter

ler und politischer Infrastrukturen sind erste Schritte

Mittelverwendung zu reduzieren. Gelingt es den

auf dem Weg der Stabilisierung fragiler Staaten.

Industrieländer nicht, ihre ODA-Etats kräftig aufzustocken, müssten die MDGs ehrlicherweise ad acta
gelegt werden.

Strategische Partnerschaften mit
Fast-track-Ländern
Verschiedene Indizes (z. B. von Weltbank und Trans-

Gute Regierungsführung

parency International) zeigen, dass etwa 15–20 der

Entwicklungsstrategien und der Einsatz von Ressour-

ärmsten Länder (least developed countries) durchaus

cen können nur erfolgreich sein, wenn sich die Eliten

von entwicklungsorientierten Eliten regiert werden

in den armen Ländern tatsächlich auf einen MDG-

und über das erforderliche Maß an guter Regie-

orientierten Entwicklungsprozess einlassen und Prin-

rungsführung verfügen. Dies gilt z. B. für Länder wie

zipien guter Regierungsführung gelten. Die Geber-

Mali, Malawi, Senegal oder Ghana. Die Geber sollten

institutionen und -länder können die Reform-

die Reformanstrengungen dieser Ländergruppe rasch

agenden der Partnerländer unterstützen sowie öko-

mit den versprochenen Handels- und Schuldenkon-

nomische und politische Anreize für die Richtung des

zessionen sowie mit deutlich steigenden ODA-Zah-

Wandels setzen, die Entwicklungsländer aber nicht

lungen unterstützen. Damit wird auch schlecht

aus ihrer Verantwortung entlassen. Vor allem konse-

regierten Ländern signalisiert, dass gute Regierungs-

quente Korruptionsbekämpfung, die Stärkung der

führung von der internationalen Gemeinschaft

Leistungsfähigkeit der öffentlichen Verwaltungen, die

belohnt wird. Der WBGU unterstützt das Fast-track-

Durchsetzung von Rechtsstaatlichkeit, die Förderung

Konzept, verweist jedoch darauf, dass diese Vor-

von Rechenschaftspflichtigkeit und Transparenz in

gehensweise nur sinnvoll ist, wenn sich Industrie-

Politik und Wirtschaft sowie ein wirksamer Schutz der

und Entwicklungsländer auf eine Arbeitsteilung ein-

Menschenrechte sind entscheidende Bausteine einer

lassen. Die sich positiv entwickelnden Länder sollten

erfolgreichen MDG-Strategie. Die Entwicklungspoli-

auf der Grundlage eines integrierten Konzepts mit

tik mischt sich mit der Orientierung auf gute Regie-

zwei oder drei Gebern besonders eng zusammenar-

rungsführung in die „inneren politischen Verhält-

beiten, anstatt wie heute mit einer großen Zahl bi-

nisse” der Entwicklungsländer ein. Dies erfordert eine

und multilateraler Organisationen. Dies würde in den

konsequente Politik der Geberländer. Denn solange

ärmsten Ländern die Koordination erheblich verein-

die Industrieländer einerseits gute Regierungsfüh-

fachen, den Verwaltungsaufwand reduzieren und

rung propagieren, andererseits aber mit fragwürdi-

sowohl die Eigenverantwortlichkeit als auch die

gen Regimes kooperieren, um Märkte zu erschließen,

Regierungsstrukturen in den betroffenen Ländern

den Terrorismus zu bekämpfen und Ressourcen zu

stärken.

sichern, bleibt die internationale Zusammenarbeit
unglaubwürdig und unwirksam.
Eine rasche Erhöhung von ODA-Ausgaben in Entwicklungsländern, die durch schlechte Regierungsführung charakterisiert sind, macht wenig Sinn. Wie
auch im Fall „versagender Staaten” ist es für die Staa-

7

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Millennium+5-Gipfel

3

Umwelt und Entwicklung sind
untrennbar

Die skizzierten entwicklungspolitischen Strategien

heit herrscht. Ausreichender Zugang zu Wasser ist

sind eine wichtige und notwendige Akzentverschie-

eine Grundvoraussetzung zur Sicherung der Lebens-

bung in der internationalen Armutsbekämpfung, ver-

grundlagen. Wassermangel kann für Subsistenz-

nachlässigen aber die Bedeutung globaler Umwelt-

bauern drastische Ernteeinbußen bedeuten, was ihre

veränderungen für die weltweite Armut. Um langfris-

Einkommens- und Ernährungsgrundlagen gefährdet.

tig tragfähig zu sein, müssen die Strategien in die

Zudem ist verunreinigtes Trinkwasser in armen Län-

Rio-Vision eingebettet werden.

dern eine Hauptursache für Krankheiten und Todesfälle.

Globale Umweltveränderungen
verschärfen absolute Armut

Bodendegradation

Globale anthropogene Umweltveränderungen kön-

Die Degradation von Böden bedroht in Entwick-

nen den Charakter des Systems Erde erheblich und

lungsländern unmittelbar die Nahrungsproduktion.

zum Teil irreversibel verändern. Sie beeinflussen die

Die verfügbaren Kulturflächen schrumpfen, Mangel-

natürlichen Lebensgrundlagen eines Großteils der

und Fehlernährung und damit auch Erkrankungsrisi-

Menschheit und verschärfen weltweite Armut. Von

ken nehmen zu. Besonders Trockengebiete sind

den Folgen dieses Umweltwandels sind Entwick-

betroffen. Über 250 Mio. Menschen haben heute

lungsländer bereits heute und in Zukunft besonders

schon direkt unter der Desertifikation zu leiden und

betroffen.

zusätzlich gelten etwa 1 Mrd. Menschen in über 100
Ländern als gefährdet. Durch das Bevölkerungs-

Klimawandel

wachstum wird sich die Lage weiter verschärfen, weil

Die Landwirtschaft, die große wirtschaftliche Bedeu-

die verfügbare Pro-Kopf-Agrarfläche abnimmt.

tung für Entwicklungsländer hat, ist gegenüber klispielen vor allem die Änderungen der Temperatur,

Verlust biologischer Vielfalt und
Ressourcen

die Verfügbarkeit von Wasser, die Ausbreitung von

Für ländliche Lebensgemeinschaften in Entwicklungs-

Krankheiten der Pflanzen und Tiere, aber auch der

ländern sind Ökosysteme Supermarkt, Baumarkt,

Düngeeffekt durch die erhöhte CO2-Konzentration

Drogerie und Apotheke in einem. Zum Beispiel sind

sowie eine wahrscheinliche Zunahme der Wetterex-

dort 80% der Bevölkerung auf traditionelle pflanz-

treme eine Rolle. Durch den Klimawandel werden die

liche Arzneimittel angewiesen. Die menschlichen Ein-

Erträge in Entwicklungsländern früher abnehmen als

griffe in die Biosphäre führen zu einem Rückgang der

in Industrieländern, was zu einer erhöhten Gefähr-

biologischen Vielfalt. Durch Aufgabe traditioneller

dung der Ernährungssicherheit und größerer Abhän-

Wirtschaftsweisen und Intensivierung der Landwirt-

gigkeit von Nahrungsmittelimporten führt. Auch die

schaft gehen zudem viele traditionelle Nutzpflanzen

Ausbreitung bestimmter Infektionskrankheiten kann

verloren, was die genetische Basis für die Weiter-

vom Klimawandel begünstigt werden. Von der Ver-

züchtung von Pflanzensorten schmälert und somit

breitung der Malaria etwa sind vor allem Entwick-

mittelbare Risiken für die Ernährungssicherheit birgt.

lungsländer betroffen, deren Infrastruktur und Insti-

Zudem führt dieser Wandel häufig zur Übernutzung

tutionen wenig anpassungsfähig sind.

biologischer Ressourcen, was wiederum Armut ver-

matischen Änderungen besonders anfällig. Dabei

stärken und weitere Umweltzerstörung auslösen

Wassermangel und -verschmutzung
Schon heute steht mehr als 1 Mrd. Menschen, meist
in Entwicklungsländern, nicht genügend Trinkwasser
zur Verfügung. Bis 2050 wird bereits jeder vierte in
einem Land leben, in dem chronische Wasserknapp-

kann.

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politikpapier 4

Menschen in absoluter Armut
besonders verwundbar

vor allem in den Tropen schneller als in Mitteleuropa

Menschen in absoluter Armut sind in ihrem täglichen

Viele der noch verbliebenen intakten Primärökosys-

Überlebenskampf unmittelbar auf natürliche Ressour-

teme befinden sich in Entwicklungsländern, und ein

cen und funktionierende Ökosysteme angewiesen.

Teil dieser Entwicklungsländer durchlebt eine dyna-

Arme

zur irreversiblen Zerstörung der natürlichen Umwelt.

Umweltveränderungen

mische Wachstumsphase verbunden mit einer star-

besonders verwundbar, weil sie existenziellen Risiken

ken Zunahme des Ressourcenverbrauchs. Dies erhöht

stärker ausgesetzt sind, häufig von der Landwirt-

nicht nur den Druck auf die letzten Urwälder und die

schaft leben und kaum über ausreichende Bewälti-

biologische Vielfalt, sondern bedeutet u. a. auch eine

gungs- und Anpassungsfähigkeiten verfügen. Abso-

starke Zunahme von Treibhausgasemissionen.

sind

gegenüber

lute Armut bedeutet nicht nur Einkommens- und Ver-

Um unter diesen Bedingungen globale Umwelt-

mögensarmut, sondern kann beispielsweise auch in

ziele erreichen zu können, sind die Industrieländer in

Form von Anfälligkeit für Krankheit oder mangelnder

eigenem Interesse auf eine enge Kooperation mit

Ernährungssicherheit auftreten. Diese verschiedenen

den Entwicklungsländern angewiesen. Diese kämp-

Dimensionen von Armut sind eng mit dem Zustand

fen mit großen ökonomischen und sozialen Proble-

der Umwelt verbunden. Wer zur Deckung seines

men und können nur als Partner im globalen

Energiebedarfs auf traditionelle Biomassenutzung

Umweltschutz gewonnen werden, wenn dies durch

angewiesen ist, leidet besonders unter der zuneh-

die Entwicklungspolitik unterstützt wird. Beispiels-

menden Entwaldung. Dadurch erhöht sich u. a. der

weise kann bei der Energieversorgung die Förderung

Zeitaufwand für das Sammeln von Brennholz, und

von Alternativen zur traditionellen Biomassenutzung

die fehlende abendliche Beleuchtung mindert die Bil-

eine Übernutzung von Wäldern vermeiden helfen.

dungschancen. Starkniederschläge, Starkwinde oder

Mit der Schaffung von Einkommensalternativen zur

Dürren können nicht nur die Ernte zerstören, son-

Landwirtschaft kann der Nutzungsdruck auf Böden

dern auch zu Obdachlosigkeit oder Tod führen. Men-

und Wasserressourcen gemindert werden. Entwick-

schen in Entwicklungsländern sind besonders gegen-

lungspolitik kann zudem wesentlich dazu beitragen,

über zunehmenden Wetterextremen verwundbar.

dass umweltdegradierende technologische Entwick-

Beispielsweise kamen 1998 in Mittelamerika durch

lungsstufen übersprungen werden (leapfrogging), um

den Hurrikan „Mitch“ mehr als 9.000 Menschen ums

so die Fehler des Entwicklungsmodells der Industrie-

Leben, während 1992 in den USA der Hurrikan

länder zu vermeiden. Entwicklungspolitik darf aus

„Andrew“ bei vergleichbarer Stärke 62 Todesopfer

diesen Gründen Umweltaspekte nicht ausblenden.

forderte.

Aufgrund der wechselseitigen Beziehung zwischen

Ohne aktive Umweltpolitik sind also die Erreichung

Umwelt und Entwicklung können positive Synergie-

der MDGs und eine nachhaltige Entwicklung nicht

effekte erschlossen werden. Beispielsweise kann der

möglich. Auch die erste weltweite Analyse der Öko-

Einsatz moderner Energieträger anstelle traditioneller

systeme durch das Millennium Ecosystem Assess-

Biomassenutzung einerseits 1,6 Mio. Menschen jähr-

ment belegt dies sehr eindrucksvoll. 60% der Öko-

lich das Leben retten, die durch Luftverschmutzung

systemleistungen (z. B. Ernährung, Wasserreinigung,

in Innenräumen sterben. Andererseits kann Entwal-

Klimaregulierung) werden derzeit geschädigt oder

dung vermieden werden.

nicht nachhaltig genutzt, was vor allem die Armen
belastet und Entwicklung behindert.

Der WBGU empfiehlt in den folgenden Kapiteln
der Bundesregierung, sich auf dem Millennium+5Gipfel dafür zu einzusetzen, Armutsbekämpfung sys-

Ohne Entwicklungspolitik kann die
globale Umwelt nicht geschützt werden

tematisch mit Umweltschutz zu verknüpfen, strategi-

Umgekehrt kommt ohne wirtschaftliche und soziale

hen, die Architektur der internationalen Entwick-

Entwicklung der Entwicklungsländer auch der

lungs- und Umweltpolitik zu reformieren und ver-

Umweltschutz zu kurz. Die Mehrheit der Armen in

stärkte Anstrengungen zur Finanzierung einer kohä-

den Entwicklungsländern lebt häufig direkt von der

renten Umwelt- und Armutsbekämpfungspolitik zu

natürlichen Umwelt (z. B. Subsistenzwirtschaft durch

unternehmen.

Ackerbau und Viehzucht) und ist für die Sicherung
des Überlebens in vielen Fällen zur Übernutzung
natürlicher Ressourcen gezwungen. Raubbau führt

sche Partnerschaften mit „Ankerländern“ einzuge-

9

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Millennium+5-Gipfel

4

Armutsbekämpfung mit
Umweltpolitik verknüpfen

Umwelt im internationalen
Zielkatalog stärken

Ziele des WSSD können nur erste, wichtige Meilen-

Auch wenn in der Millenniumserklärung die Achtung

Nachhaltigkeitsstrategie muss weit über das Jahr

der Natur ausdrücklich anerkannt wird, greifen die

2015 hinausreichen. Der internationale Zielkatalog

Millenniums-Entwicklungsziele in ökologischer Hin-

sollte auf Weltkonferenzen in regelmäßigen Abstän-

sicht zu kurz. Ihre starke Fokussierung auf sozialpoli-

den überprüft und nachgebessert werden. Die wei-

tische Defizite leistet der Illusion Vorschub, die

tere konzeptionelle Arbeit am internationalen Ziel-

Armutsminderung könnte losgelöst vom Zustand der

katalog

natürlichen Lebensgrundlagen realisiert werden. Das

beschlossen und in den folgenden Jahren – gemein-

Ziel der ökologischen Nachhaltigkeit ist vielmehr

sam mit UNEP und UNDP – vorangetrieben werden.

eine entscheidende Voraussetzung für die Erreichung

Die UN Kommission für Nachhaltige Entwicklung

der anderen Ziele. Anders als die anderen Millenni-

(CSD), die maßgeblich die Entwicklung von Nach-

ums-Entwicklungsziele wurde dieses Ziel aber teil-

haltigkeitsindikatoren vorangetrieben hat, sollte

weise nicht mit messbaren inhaltlichen und zeit-

dabei eine wichtige Rolle spielen.

steine darstellen. Die Verwirklichung einer globalen

sollte

auf

dem

Millennium+5-Gipfel

lichen Vorgaben versehen und ist – auch nach
tig. Eine Ausdifferenzierung der umweltpolitischen

Anfälligkeit gegenüber Umweltkatastrophen besser berücksichtigen

Zieldimension der Nachhaltigkeit unter Berücksichti-

Umweltkatastrophen und durch sie verursachte

gung der systemischen Wechselwirkungen zwischen

Schäden haben in den vergangenen Jahrzehnten

Armutsbekämpfung und Wahrung des globalen öko-

stark zugenommen. Allein durch Überflutungen sind

logischen Gleichgewichts ist eine vordringliche Auf-

jährlich 140 Mio. Menschen betroffen. Ansiedlung in

gabe.

gefährdeten Gebieten, Kanalisierung von Flüssen

Ansicht von UNEP und UNDP – wenig aussagekräf-

Der WBGU empfiehlt daher, die umweltpolitische

und Abholzen von schützenden Wäldern haben zur

Dimension der Millenniums-Entwicklungsziele zu

Zunahme der Flutschäden beigetragen. Materielle

stärken und mit aussagekräftigen Indikatoren zu ver-

Schäden in Entwicklungsländern können häufig

sehen. Die Festlegung quantitativ und zeitlich fest-

erhebliche Anteile am BIP erreichen und daher die

gelegten Ziele ermöglicht die Bewertung und

Entwicklung eines armen Landes erheblich beein-

erleichtert so die Weiterentwicklung von Politikpro-

trächtigen. Fast alle Todesopfer durch Umweltkatas-

zessen. Unter anderem könnten die im Umsetzungs-

trophen sind in Entwicklungsländern zu beklagen.

plan des Weltgipfels für Nachhaltige Entwicklung

Das Politikfeld Armutsbekämpfung muss also mit

(WSSD) und die in anderen multilateralen Umwelt-

Blick auf die zu erwartenden regionalen Wirkungen

abkommen fixierten Umweltziele aufgenommen

globaler Umweltveränderungen angepasst werden:

werden. Dabei gibt es insbesondere im Klimabereich

•

Die Risiken von Umweltkatastrophen sollten bei

Nachholbedarf. Die im Kioto-Protokoll enthaltenen

der Formulierung von Armutsbekämpfungs-

Ziele sind ein wichtiger erster Schritt, werden aber

strategien (insbesondere den Poverty Reduction

einen gefährlichen Klimawandel nicht aufhalten kön-

Strategy Papers) angemessen berücksichtigt wer-

nen. Es müssen daher sehr viel ehrgeizigere Emis-

den. Dasselbe gilt auch für laufende Planungs-

sionsreduktionsziele vereinbart werden.

prozesse (z. B. bei nationalen Aktionsprogram-

Darüber hinaus sollte eine sektorübergreifende

men zur Desertifikationsbekämpfung, nationalen

integrierte Betrachtungsweise verstärkt werden, um

Umweltaktionsprogrammen und der Umsetzung

Zielkonflikten zwischen Armuts- und Umweltdimen-

der Millenniums-Entwicklungsziele).

sionen vorzubeugen und die Kohärenz zu verbes-

•

Ressourcenschutz (z. B. von Hangwäldern, Fluss-

sern. Der Zeithorizont der Ziele sollte erweitert wer-

auen oder Mangroven) hilft bei der Erhaltung

den: Die Millenniums-Entwicklungsziele wie auch die

wertvoller Ökosystemleistungen, mindert u. a.

WBGU

politikpapier 4

Überflutungsschäden und sollte daher als ein

sein, wenn bei der Planung mögliche lokale Kli-

wichtiger Baustein der Entwicklungszusammen-

maänderungen berücksichtigt werden. Diese

arbeit gestärkt werden.

können durch den globalen Klimawandel, aber
auch durch lokal großflächige Landnutzungsän-

Empfehlungen des Sachs-Berichts mit
Umweltschutz verbinden

derungen oder Aerosolbelastungen verursacht

Der Sachs-Bericht empfiehlt die Verknüpfung von

durch die Wahl der Anbausysteme und Pflan-

unmittelbarer Armutsbekämpfung mit der Förde-

zensorten anpassen. Auch der Zugang zu aktuel-

rung wirtschaftlich schwacher Sektoren und der

len Umweltinformationen wie beispielsweise El-

Modernisierung der dynamischen Wirtschaftsberei-

Niño-Vorhersagen ist zu fördern. Subsistenzbau-

che der Entwicklungsländer. Der WBGU teilt diese

ern sollten dabei unterstützt werden, Ernteaus-

integrative Sicht, mahnt jedoch zur Vernetzung die-

fallrisiken besser abfedern zu können, indem sie

ser sozial- und wirtschaftspolitischen Überlegungen

z. B. Nahrungsmittel für den Krisenfall bevorra-

mit umweltpolitischen Imperativen. Armutsbekämp-

ten oder die Einkommensquellen diversifizieren.

werden. Die Landwirtschaft muss sich hier z. B.

fung muss den Erfordernissen der Umweltpolitik

Bei der Intensivierung der Landwirtschaft muss

gerecht werden, und Umweltschutz soll entwick-

gleichzeitig der Umweltschutz beachtet werden.

lungspolitischen Zielen nicht widersprechen. Ziel

Ein Ausbau der Bewässerung sollte sorgfältig

muss es sein, Synergien umfassend zu nutzen, aber

gegenüber dem fast zwangsläufigen daraus

auch Zielkonflikte frühzeitig zu erkennen und zu

resultierenden Umweltproblem der Versalzung

bewältigen. Im Folgenden wird anhand der drei stra-

abgewogen werden. Ein Düngemittel- und

tegischen Handlungsfelder der Entwicklungspolitik

Pestizideinsatz sollte immer auch aus umwelt-

beispielhaft skizziert, wie eine Integration von

politischer Sicht bewertet werden: Eine Ver-

Umweltpolitik konkretisiert werden kann.

schmutzung des Grundwassers kann z. B. zu dau-

•

Unmittelbare Armutsbekämpfung: Der Sachs-

erhaften

Bericht nennt als strategische Ansatzpunkte

Umweltgerechte Alternativen, wie etwa die Agro-

Grundbildung, Basisgesundheitssysteme und

forstwirtschaft und die Diversifizierung der Land-

Gleichstellung von Mädchen. Offensichtliche

nutzung im Rahmen bioregionalen Manage-

Verknüpfungen mit umweltpolitischen Maßnah-

ments sollten verstärkt gefördert werden. Auch in

men ergeben sich z. B. über die Trinkwasser- und

Städten besteht ein großes Potenzial für Syner-

Energieversorgung. Ein integriertes Management

gien zwischen Umwelt- und Entwicklungspolitik.

von Wasserressourcen kann natürliche Ökosys-

Die notwendige Sanierung von Slums, insbeson-

teme und Menschen gleichermaßen mit saube-

dere die Schaffung von Infrastruktur zur Abwas-

rem Wasser versorgen. Der Zugang zu modernen

ser- und Abfallentsorgung entlastet auch die

Energieformen kann sowohl den Nutzungsdruck

Böden und Gewässer. Moderne Energieversor-

auf Ökosysteme als auch Gesundheitsgefährdun-

gung kann Luftverschmutzung reduzieren. Im

gen durch Luftverschmutzung erheblich reduzie-

informellen städtischen Sektor bestehen große

ren. Zudem würde die zeit- und kräfteraubende

Potenziale zur Minderung umweltbedingter

Beschaffung von Feuerholz bzw. Trinkwasser

Erkrankungsrisiken und umweltverschmutzender

überflüssig, so dass vor allem Mädchen und

Produktionsweisen,

Frauen freie Zeit für Bildung und produktive Akti-

erschlossen werden können.

vitäten gewinnen könnten. Damit Bildung

•

•

Gesundheitsgefährdungen

die

oft

führen.

kostengünstig

Förderung dynamischer Sektoren der Wirtschaft:

umfassend zu einer nachhaltigen Entwicklung

Wichtig sind Investitionen in Humankapital,

beiträgt, muss sie auch Umweltkenntnisse, Ver-

Innovation und Technologietransfer sowie Infra-

antwortungsbewusstsein und ein Verständnis der

struktur. Diese können aber umweltpolitische

Wechselwirkungen zwischen menschlichem Han-

Ziele und damit letztlich auch die Armutsbe-

deln und Umwelteinflüssen vermitteln.

kämpfung konterkarieren: Straßenbau kann zur

Stärkung produktiver Potenziale armer Bevölke-

Zerstörung von Primärwäldern, der Ausbau von

rungsgruppen: Der Sachs-Bericht empfiehlt Inves-

Energie- und Transportsystemen zu einer starken

titionen in die Landwirtschaft, die Ernährungssi-

Zunahme an Treibhausgasemissionen sowie loka-

cherheit und die Subsistenzproduktion. Solche

ler Luftverschmutzung führen. Letzteres ist insbe-

Maßnahmen können langfristig nur erfolgreich

sondere der Fall, wenn veraltete Technologien

11

12

Millennium+5-Gipfel

aus den Industrieländern genutzt werden, bei-

Verkehrswegeausbau und Waldschutz ist dage-

spielsweise in Form gebrauchter Anlagen oder

gen schwieriger zu überwinden. Die Erschlie-

Fahrzeuge. Eine integrative Berücksichtigung

ßung von Transportwegen ist ein wichtiger Bau-

umweltpolitischer Ziele bedeutet, frühzeitig

stein der sozioökonomischen Entwicklung, wäh-

einen nachhaltigen Entwicklungspfad einzuschla-

rend Straßenbau andererseits ein entscheidender

gen. Es sollten moderne, emissionsarme Techno-

Faktor für – teils illegale – Rodung und Besied-

logien und regenerative Energien eingesetzt und

lung unberührter Primärwaldflächen ist. Daher

die Notwendigkeit der Erschließung neuer Ver-

sollte die Entwicklungszusammenarbeit die Pla-

kehrswege sorgfältig mit den Erfordernissen des

nung umweltschonender Transportoptionen ver-

Natur- und Ressourcenschutzes abgewogen wer-

stärkt fördern.

den. Da ein globales Interesse an der Erhaltung

Weil die verschiedenen Dimensionen der Armut eng

von Primärwäldern und der Vermeidung von

mit Umweltveränderungen zusammenhängen, rei-

Emissionssteigerungen besteht, steht die Staaten-

chen die in der internationalen Entwicklungspolitik

gemeinschaft in der Pflicht, hierfür Ausgleichsleis-

oft isolierten Einzelmaßnahmen und Programme

tungen zu erbringen.

nicht aus, um die Millenniums-Entwicklungsziele zu

Im Technologie- und Energiebereich sind die

erreichen. Die skizzierten Beispiele zeigen Möglich-

Voraussetzungen für einen integrativen Ansatz

keiten auf, um MDG-Strategien systematisch mit der

günstig. Einerseits ist der Einsatz moderner Tech-

Rio-Vision zu verknüpfen. Werden solche Verknüp-

nologien nicht notwendigerweise mit zusätz-

fungen zu einer Gesamtstrategie verbunden, lassen

lichen Kosten verbunden (insbesondere der Ein-

sich positive Rückkopplungseffekte zwischen ver-

satz regenerativer Energien kann mittel- bis lang-

schiedenen Maßnahmen der Umwelt- und Entwick-

fristig sogar günstiger sein), andererseits besteht

lungspolitik nutzen. Insbesondere sollten bei der

mit dem CDM (Clean Development Mechanism)

Erstellung von Armutsbekämpfungsstrategien eine

innerhalb des Kioto-Protokolls schon ein Prototyp

konsistente Umweltstrategie verbindlich vorausge-

für die Organisation von Transferleistungen aus

setzt und mögliche Zielkonflikte zwischen wirtschaft-

den Industrieländern. Der Zielkonflikt zwischen

licher

Entwicklung,

Armutsbekämpfung

und

Umweltschutz explizit thematisiert werden. Im Rahmen des Millennium+5-Gipfels sollten zwischen den
Industrie- und Entwicklungsländern konkrete Schritte
in diese Richtung verabredet werden.

EMPFEHLUNGEN
Umweltpolitische Dimensionen der Millenniums-Entwicklungsziele stärken und weiter differenzieren
Risiken von Umweltkatastrophen bei der
Formulierung von Armutsbekämpfungsstrategien, bei Planungsprozessen sowie
bei MDG-Strategien angemessen berücksichtigen
Erhaltung wertvoller Ökosystemleistungen
stärker in die Entwicklungszusammenarbeit
integrieren
Bei der Erstellung von Strategiepapieren
zur Armutsminderung konsistente Umweltstrategie verbindlich voraussetzen

WBGU

5

politikpapier 4

Strategische Partnerschaften mit
Ankerländern eingehen

Im Zentrum der Anstrengungen zur Erreichung der

bale nachhaltige Entwicklung von ebenso zentra-

MDGs stehen zu Recht die am wenigsten entwickelten Länder, insbesondere in Afrika südlich der Sahara.

ler Bedeutung sein werden wie etwa die USA.
•

Globale Umweltveränderungen, die von den

Dabei gibt es aber Forderungen, die Entwicklungszu-

Industrie- aber eben auch den Ankerländern her-

sammenarbeit mit schnell wachsenden Ökonomien

vorgerufen und beschleunigt werden, verschär-

wie China, Brasilien oder Indien einzuschränken.

fen die Armut sowie die Verwundbarkeit benach-

Diese Perspektive greift nach Ansicht des WBGU zu

teiligter Bevölkerungsgruppen in den ärmsten

kurz: Diese „Ankerländer” spielen für die Entwicklung

Entwicklungsländern. Die Bundesregierung wie

in ihrer Weltregion eine ökonomische und politische

auch die EU sollten daher möglichst kohärente

Schlüsselrolle, sind aber auf Grund ihrer Größe auch

entwicklungs-, umwelt-, wirtschafts- und außen-

für die Lösung globaler Probleme und als Akteure für

politische Strategien entwickeln, die darauf

Global Governance von herausragender Bedeutung.

abzielen, umweltpolitische Anstrengungen in

Wenn es um Strategien zur Durchsetzung globaler
nachhaltiger Entwicklung und weltweiter Armutsbe-

den Ankerländern anzustoßen und zu verstärken.
•

Viele Ankerländer greifen zunehmend selbstbe-

kämpfung geht, ist eine enge Zusammenarbeit mit

wusst in das internationale wirtschaftliche und

den Ankerländern unverzichtbar:

politische Geschehen ein. Ihnen kommt für die

•

Ob das Ziel einer deutlichen Armutsminderung

Weiterentwicklung globaler Governance-Struktu-

im globalen Maßstab erreicht werden kann, ent-

ren eine wichtige Rolle zu. Sie gehen neue strate-

scheidet sich maßgeblich in einer kleinen Zahl

gische Bündnisse ein und erlangen damit großen

von Ankerländern. 63% aller Menschen, die welt-

Einfluss. Beispielhaft ist hier die Kooperation zwi-

weit mit weniger als 1 US-$ am Tag auskommen

schen Indien, Südafrika und Brasilien, die sich als

müssen, leben in Indien (ca. 360 Mio.), China

eine demokratische „G3 des Südens“ verstehen.

(ca. 207 Mio.) und Nigeria (ca. 83 Mio.). Die

Ankerländer können und sollen sich an den Kosten

Industrieländer sollten in diesen Ländern jedoch

von Armutsbekämpfung und Umweltschutz im eige-

keine klassischen Projekte zur Armutsreduzierung

nen Land beteiligen. Doch Anreize und Koopera-

mehr

tionsangebote von außen bleiben wichtig, um durch

•

durchführen,

sondern

Formen

der

Zusammenarbeit entwickeln, um die sozialen

strategische

Dimensionen der Marktwirtschaft zu stärken.

umwelt- und entwicklungspolitisches Handeln in den

Partnerschaften

verantwortliches

Beim Ziel einer ökologisch nachhaltigen Entwick-

Ankerländern zu unterstützen. Nur so können die

lung spielen die Ankerländer ebenfalls eine

Weichen gestellt werden, um die globale Verantwor-

Schlüsselrolle: So liegt der Beitrag Chinas, Indiens

tung dieser Länder zu stärken und sie schrittweise in

und Brasiliens an den weltweiten Treibhausgas-

Global-Governance-Prozesse einzubinden.

emissionen schon heute bei rund 23%, Tendenz
stark steigend. Die Einbindung dieser Länder in
den Post-Kioto-Prozess ist daher für eine wirk-

EMPFEHLUNGEN

same Klimapolitik überaus wichtig. Auch das Problem der weltweiten Entwaldung bleibt ohne

Ankerländer verstärkt in die internationale

Länder wie Brasilien, Indonesien oder Russland

Umweltpolitik, vor allem in den Post-Kioto-

unlösbar. Vor allem das hohe Wirtschaftswachs-

Prozess, einbinden

tum der Ankerländer, insbesondere bevölkerungsreicher Staaten wie China, Indien oder Bra-

Ankerländer unterstützen, soziale Siche-

silien, ist für ihren wachsenden Anteil an globalen

rungssysteme und wirksame Umweltpolitik

Umweltproblemen entscheidend. Diese Entwick-

zu entwickeln, statt klassische Projekte zur

lung impliziert, dass die Ankerländer für eine glo-

Armutsreduzierung zu fördern

13

14

Millennium+5-Gipfel

6

Architektur der Entwicklungsund Umweltpolitik reformieren

Die großen Herausforderungen von Armutsbekämp-

begrüßen, wenn der Sicherheitsrat neben weiteren

fung und Umweltschutz können nur mit Hilfe globa-

Industrieländern auch um einflussreiche und reprä-

ler Regelwerke und handlungsfähiger internationaler

sentative Vertreter der Entwicklungsländer erweitert

Organisationen, d. h. Global Governance, bewältigt

würde. Darüber hinaus wird es darum gehen, zivil-

werden. Daher muss die UN ihre politische Steue-

gesellschaftliche Akteure (Unternehmen, Interessens-

rungsfähigkeit verbessern und zum institutionellen

verbände und Nichtregierungsorganisationen) sinn-

Rückgrat einer globalen Partnerschaft zwischen

voll in Entscheidungsfindungsprozesse der Vereinten

Industrie- und Entwicklungsländern werden. Der

Nationen einzubinden. Dabei sollte auf die von Kofi

WBGU teilt die Auffassung des UN-Generalsekretärs,

Annan im September 2004 unterbreiteten Vor-

dass eine tiefgreifende Reform des internationalen

schläge zur Partizipation zurückgegriffen werden.

Institutionensystems notwendig ist und unterstützt
zwischenstaatliche Institution zu stärken, um kollekti-

Fragmentierung der internationalen
Entwicklungspolitik überwinden

ves Handeln zu mobilisieren und zu koordinieren.

Das fragmentierte Institutionensystem der interna-

Dies bedeutet keine Schwächung der internationalen

tionalen Entwicklungspolitik ist oft nicht Teil der

Finanzinstitutionen und der Welthandelsorganisation

Lösung von Entwicklungsproblemen, sondern selbst

(WTO), wohl aber deren konsequente Einbindung in

Teil des Problems. Eine Erhöhung der ODA-Mittel

eine kohärentere Global-Governance-Architektur. Die

macht daher nur Sinn, wenn zugleich die Architektur

Reformvorschläge des WBGU gehen dabei über die

der internationalen Entwicklungspolitik reformiert

Kurskorrekturen hinaus, die der Annan-Bericht dem

wird. Dazu müssen das Profil der UN-Institutionen

Millennium+5-Gipfel für die Entwicklungs- und

geschärft und ihre Kompetenzen klarer voneinander

Umweltpolitik der Vereinten Nationen vorschlägt.

abgegrenzt werden. Zu viele Organisationen, Pro-

die Bemühungen, die Vereinten Nationen als zentrale

gramme und Fonds sind derzeit mit überlappenden

Legitimation im multilateralen
System stärken

Mandaten ausgestattet, was zu Effizienzverlusten

Die zukünftige Gestaltungskraft des UN-Systems und

internationalen Öffentlichkeit und die Bereitschaft

die stärkere Berücksichtigung von Armutsbekämp-

der Staaten, multilaterale Institutionen zu stärken.

fung und Umweltschutz werden unter anderem

Der Annan-Bericht spricht diese Probleme mangeln-

davon abhängen, ob die Entwicklungsländer stärker

der Kohärenz im UN-System und im Zusammenspiel

an multilateralen Entscheidungsgremien, wie Inter-

der UN-Akteure mit IWF, Weltbank, WTO und Regio-

nationaler Währungsfonds (IWF), Weltbank und

nalbanken deutlich an – begnügt sich jedoch mit

regionale Entwicklungsbanken, beteiligt werden. Der

Vorschlägen für eine minimale Reform und verweist

WBGU begrüßt Initiativen, die auf eine Veränderung

auf radikale Reformschritte in der Zukunft. Der

der Stimmrechtsverhältnisse in den Entscheidungs-

WBGU empfiehlt, die im Annan-Bericht skizzierten

gremien von Weltbank und IWF abzielen. Die bereits

Reformen möglichst schon im Rahmen des Millen-

in der Globalen Umweltfazilität (GEF) und im Mon-

nium+5-Gipfels anzustoßen:

treal Protokoll zum Schutz der Ozonschicht prakti-

•

führt. Darunter leidet auch ihre Akzeptanz in der

Die vielen multilateralen Entwicklungsorganisa-

zierte Nord-Süd-Parität könnte mittelfristig ein Orien-

tionen sollten zukünftig an ihren jeweiligen kom-

tierungsmodell für eine stärker auf Gleichberechti-

parativen Stärken und Spezialisierungsvorteilen

gung beruhende partnerschaftliche Entscheidungs-

ausgerichtet und überlappende Aufgabenfelder

struktur in internationalen Organisationen sein. In

bereinigt werden. Klare Aufgabenprofile und

Übereinstimmung mit dem Bericht des UN-General-

Arbeitsteilung sind eine wesentliche Bedingung

sekretärs wäre es in diesem Zusammenhang zu

für Koordination, Kohärenz, Wirksamkeit und

WBGU

lungspolitik.

Umwelt-Governance in den
Vereinten Nationen stärken

Es ist zu prüfen, welche Organisationen, Pro-

Der WBGU unterstreicht die Notwendigkeit, einen

gramme und Fonds zusammengeführt werden

kohärenteren Ordnungsrahmen für die globale

sollten.

Umweltpolitik zu schaffen, der die Normsetzung, die

Schließlich sollte auch die Frage diskutiert wer-

wissenschaftliche Auseinandersetzung und die Über-

den, welche Organisationen sich überlebt haben

wachung der Verträge vorantreibt.

Kostensenkung in der internationalen Entwick•

•

politikpapier 4

und abgeschafft werden sollten.

Um Umweltpolitik im UN-System aufzuwerten und

Wie drängend eine solche tiefgreifende Reform wäre,

eine bessere Abstimmung im Umweltbereich zu errei-

wird deutlich, wenn man die 50 entwicklungspoliti-

chen, empfiehlt der WBGU, UNEP zu einer UN-

schen Akteure im UN-System betrachtet, die insge-

Sonderorganisation umzuwandeln. Nur eine über-

samt jährlich über Haushalte von rund 5 Mrd. US-$

greifende Organisation mit Leitungsfunktionen kann

(2002, 2003) verfügen. Diese Zersplitterung muss

den Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen stär-

überwunden werden, um die multilaterale Entwick-

ken und eine bessere Verknüpfung von Umweltthe-

lungspolitik zu stärken.

men mit zugrunde liegenden ökonomischen und

Ebenso wichtig ist die Neuorientierung der inter-

sozialen Fragestellungen auf allen Ebenen der

nationalen Entwicklungspolitik im Kontext der natio-

Umwelt-Governance gewährleisten. Die multilatera-

nalen Strategien zur Armutsminderung (PRSP), die

len Umweltabkommen, die in den letzten 30 Jahren

die klassischen und vor allem Geber gesteuerten

innovativ gewesen sind, sollten in eine zu gründende

Strukturanpassungsmaßnahmen der 1980er und

internationale Umweltorganisation integriert werden,

1990er Jahre in den ärmsten Entwicklungsländern

um Kohärenz und Fortschritt in der Umweltpolitik zu

(IDA-Länder) und den hoch verschuldeten armen

fördern. Eine neue UN-Umweltorganisation sollte

Entwicklungsländern (HIPC-Länder) abgelöst haben.

auch dafür sorgen, dass Armutsbekämpfung und

Auch wenn dieser Prozess noch längst nicht alle

wirtschaftliche Entwicklung in den armen Ländern in

selbst gesteckten Erwartungen erfüllt, stimmt doch

der globalen Umweltpolitik berücksichtigt werden

die Richtung. Die zentralen Aufgaben lauten hier:

und dass diese dem Kriterium einer global gerechten

•

Lastenverteilung genügt.

•

•

Einordnung der Geberaktivitäten in die Strategien der Entwicklungsländer, um deren Eigenver-

Es fehlt ein abgestimmter Beitrag der wissenschaft-

antwortung zu steigern und den Aufbau von

lichen Gemeinschaft zu den Problemen des Globalen

Parallelstrukturen in den Entwicklungsgesell-

Wandels. Für die Umweltbereiche biologische Vielfalt

schaften zu verhindern (alignment);

und Böden sind die Erkenntnisse über Zustand,

Multilateral abgestimmte Programme im Rah-

Degradationsdynamik und mögliche Folgewirkungen

men der PRSP statt des Nebeneinanders diverser

noch lückenhaft und werden kaum in die Politik

und oft konkurrierender Programme einzelner

transportiert. Angesichts der positiven Erfahrungen

Geber;

im Klimabereich (IPCC) empfiehlt der WBGU, für die

Harmonisierung der Abwicklungs- und Evaluie-

Beratung und Begleitung der internationalen Boden-

rungspraktiken der Geber, um die sehr hohen

und Biodiversitätspolitik vergleichbare wissenschaftli-

Transaktionskosten der Kooperation für die Ent-

che Gremien oder Panels einzurichten.

wicklungsländer zu reduzieren;
•

•

tierte Regierungen in Fast-track-Ländern, um die

ECOSOC durch Rat für Globale
Entwicklung und Umwelt ersetzen

Eigenverantwortung der Regierungen nachhaltig

Nach Auffassung des WBGU kann letztlich nur eine

zu verbessern;

übergeordnete Autorität im UN-System den viel

Koordination der Geberaktivitäten vor Ort, so

beklagten Mangel an Kohärenz im internationalen

dass künftig mehr Entscheidungen in den Ent-

Institutionensystem verringern und die Durchset-

wicklungsländern selbst gefällt werden.

zungsfähigkeit von Zielen einer nachhaltigen Ent-

Steigende Budgetfinanzierung für reformorien-

Gelänge es, diese Vereinbarungen in der internatio-

wicklung stärken. Der Wirtschafts- und Sozialrat

nalen Entwicklungspolitik durchzusetzen, käme dies

(ECOSOC) kann diese Funktion aufgrund seiner

einem Quantensprung gleich. Im Rahmen des Mil-

Beschränkung auf sozial- und wirtschaftspolitische

lennium+5-Gipfels sollten verbindliche Fahrpläne zur

Anliegen und aufgrund seiner Durchsetzungsschwä-

Umsetzung dieser Ziele formuliert werden.

che nicht erfüllen. Der WBGU empfiehlt daher, ihn

15

16

Millennium+5-Gipfel

durch einen Rat für Globale Entwicklung und Umwelt

gewinnen, wenn sie sich verstärkt für die internatio-

(Council on Global Development and Environment)

nale Umwelt- und Entwicklungspolitik engagiert und

zu ersetzen, der auf gleicher Hierarchieebene wie der

mit konzeptionellen Beiträgen zur Weiterentwicklung

Weltsicherheitsrat

des UN-Systems proaktiv in der internationalen Staa-

angesiedelt

werden

sollte.

Umwelt- und Entwicklungsfragen sind Zukunftsfragen der Menschheit. Sie sollten daher institutionell
ebenso hoch im UN-System verankert sein wie
Sicherheitsfragen. Das neue Gremium soll den strategisch-politischen Rahmen vorgeben und die Aktivitäten der multilateralen Organisationen im Umweltund Entwicklungsbereich, einschließlich Weltbank
und IWF, koordinieren und auf das Leitbild einer
nachhaltigen Entwicklung ausrichten. Dies kann allerdings nur dann gelingen, wenn die Entscheidungen
dieses Rats eine größere Verbindlichkeit als ECOSOCEntscheidungen erhielten. Das Gremium sollte sich
aus etwa einem Dutzend ständiger Mitglieder aus
den wichtigsten Industrie- und Entwicklungsländern
zusammensetzen sowie aus der gleichen Anzahl
anderer gewählter Vertreter der Weltregionen, die in
einem Rotationsverfahren ausgetauscht werden. Die
ständigen Mitglieder sollten nicht über ein Vetorecht
verfügen und Beschlüsse nicht nur die Mehrheit der
Gesamtstimmen, sondern zugleich Mehrheiten der
Industrie- und Entwicklungsländer erfordern (NordSüd-Parität). Ein solches mittelfristiges Reformprojekt
sollte auf dem Millennium+5-Gipfel angestoßen werden.
Die Anstrengungen der Bundesregierung für einen
Sitz im UN-Sicherheitsrat werden an Akzeptanz

EMPFEHLUNGEN
Teilhabe der Entwicklungsländer und der
Zivilgesellschaft in den UN-Gremien stärken
Geberaktivitäten stärker harmonisieren und
Kompetenzen multilateraler Entwicklungsinstitutionen klarer voneinander abgrenzen
UNEP zu einer UN-Sonderorganisation
umwandeln
Umweltpolitikberatung durch neue wissenschaftliche Ausschüsse stärken
ECOSOC durch einen „Rat für Globale Entwicklung und Umwelt“ ersetzen

tengemeinschaft hervortritt.

WBGU

7

politikpapier 4

Globale Armutsbekämpfung und
Umweltpolitik sind finanzierbar

Der WBGU schätzt den für eine globale Armutsbe-

globalen Umweltgütern (insbesondere für den inter-

kämpfungs- und Umweltpolitik notwendigen Nord-

nationalen Flugverkehr und die Seeschifffahrt). Wei-

Süd-Finanztransfer auf etwa 200–300 Mrd. US-$ pro

ter werden Kompensationen für den Verzicht auf die

Jahr. Dabei stützt sich der Beirat auf eine Vielzahl vor-

degradierende Nutzung von Umweltgütern empfoh-

liegender Schätzungen und geht von einer kohären-

len, die sich auf nationalem Hoheitsgebiet befinden,

ten Nachhaltigkeitsstrategie, positiven Synergieeffek-

deren Schutz aber eine gemeinsame Verantwortung

ten zwischen Umweltschutz- und Armutsbekämp-

der Menschheit darstellt (z. B. Primärwälder, biologi-

fungsmaßnahmen sowie einer effizienten Mittelver-

sche Vielfalt).

wendung aus. Außerdem wird unterstellt, dass auch

Die Finanztransfers können auch niedriger ausfal-

Entwicklungsländer bereit sind, eigene Ressourcen

len, wenn eine erfolgreiche internationale Umwelt-

für diese Zwecke zu mobilisieren. In diesem Betrag

politik langfristig dazu beiträgt, den Mittelbedarf für

von 200–300 Mrd. US-$ sind allerdings weder ange-

die Armutsbekämpfung zu reduzieren. Durch eine

messene Entschädigungszahlungen für die Folgen

sozial und ökologisch verträgliche Gestaltung der

des Klimawandels enthalten, noch werden interna-

weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen kann die-

tionale Leistungen für den globalen Erhalt biologi-

ser Mittelbedarf noch weiter verringert werden. Zu

scher Vielfalt berücksichtigt. Hierzu liegen nach Auf-

diesen zählen insbesondere der erleichterte Zugang

fassung des WBGU bislang keine aussagekräftigen

der Entwicklungsländer zu den Märkten der Indus-

Schätzungen vor. Der Beirat nimmt an, dass der not-

trieländer durch den Abbau von Handelsbarrieren

wendige jährliche Finanztransfer für die Bereiche bio-

und Agrarsubventionen sowie der Schuldenabbau in

logische Vielfalt und Klimaschutz in den nächsten

den Entwicklungsländern. Außerdem sollten Unter-

Jahrzehnten maximal 1% des globalen BIP betragen

nehmen für die von ihnen verursachten Umweltschä-

wird, oft aber deutlich darunter liegen dürfte. Ent-

den umfassender als bislang haftbar gemacht wer-

sprechend schließt sich der Beirat einerseits der Emp-

den. Dies würde zu nachhaltigerem Investitionsver-

fehlung des Sachs-Berichts an, die ODA stufenweise

halten führen, um solche Schäden gar nicht erst ent-

zu verdreifachen. Andererseits reichen aber diese

stehen zu lassen.

Transfers für eine erfolgreiche und umfassende glo-

Wenn der politische Wille vorhanden ist, können

bale Nachhaltigkeitspolitik nicht aus. Neben der klas-

die benötigten Mittel von der internationalen Staa-

sischen ODA sind also weitere Finanzierungsquellen

tengemeinschaft aufgebracht werden. Zum Ver-

dringend erforderlich.

gleich: Die jährlichen Agrarsubventionen der OECD-

Hier ist besonders an umweltpolitische Finanzie-

Länder betragen rund 350 Mrd. US-$ und die welt-

rungsmechanismen zu denken. Ein weiterentwickel-

weiten jährlichen Militärausgaben knapp 1.000 Mrd.

ter Clean Development Mechanism (CDM) kann

US-$.

einen gewissen Beitrag leisten – vorausgesetzt, es
werden Anreizstrukturen geschaffen, die Investitio-

Tatenlosigkeit ist teurer

nen im Rahmen des CDM auch in den am wenigsten

Auf den ersten Blick mag es in den Industrieländern

entwickelten Länden fördern. Langfristig wird es aber

erhebliche Widerstände gegen die Erhöhung der

ebenso notwendig sein, den Emissionshandel auszu-

ODA und die Einführung zusätzlicher Finanzierungs-

weiten und die Entwicklungsländer in ein globales

instrumente geben. Ebenso stehen Partikularinteres-

System von Emissionsbeschränkungen einzubinden

sen dem Abbau von Subventionen und der Öffnung

sowie leistungsstärkere Finanzierungsmechanismen

der Märkte für Produkte aus Entwicklungsländern

zu etablieren. Der WBGU empfiehlt u. a. ein interna-

entgegen. Die Kosten des Nicht-Handelns sind aller-

tionales System von verursachergerechten Zahlun-

dings so hoch, dass es gelingen sollte, die Wider-

gen zur Entschädigung von Klimafolgen. Darüber

stände zu überwinden und den dazu erforderlichen

hinaus plädiert der Beirat für Nutzungsentgelte bei

politischen Willen zu mobilisieren. Durch Investitio-

17

18

Millennium+5-Gipfel

nen in Armutsbekämpfung und Umweltschutz wer-

über innovative Finanzierungsmechanismen für eine

den Kosten vermieden, die durch eine Degradation

globale Umweltpolitik verknüpft werden. Neue

von Umweltressourcen oder eine Schwächung der

Finanzierungskonzepte, wie unter anderem die vom

menschlichen Fähigkeiten (beispielsweise durch

WBGU vorgeschlagenen Nutzungsentgelte auf glo-

mangelnde Ernährung, Gesundheit oder Bildung)

bale Umweltgüter, liegen vor. Im Rahmen des Mil-

entstehen. So wird allein der „monetäre Vorteil“ der

lennium+5-Gipfels sollten erste mutige Entscheidun-

Halbierung der Zahl unterernährter Menschen auf

gen getroffen werden, um eine solide Finanzierungs-

120 Mrd. US-$ jährlich geschätzt. Investitionen in das

grundlage für die künftige globale Umwelt- und Ent-

Gesundheitswesen der Entwicklungsländer könnten

wicklungspolitik zu schaffen.

ihr Sechsfaches an „wirtschaftlichem Ertrag“ einbringen. Auch der Nutzen von Natur- und Ressourcenschutz übersteigt deren Kosten um ein Vielfaches.
Dabei profitieren nicht nur Entwicklungsländer, sondern auch Industrieländer von internationaler
Armutsbekämpfung und Umweltschutz: Globaler
Umweltschutz verringert Umweltschäden auch in
Industrieländern, es werden neue Märkte geschaffen,
die Intensivierung des Handels mit Entwicklungsländern nützt Exporteuren wie Verbrauchern, die Zahl
der Armuts- und Umweltflüchtlinge sinkt und die
Basis für Terrorismus wird geschmälert. Insgesamt
geht der WBGU davon aus, dass die Erträge einer globalen Armutsbekämpfungs- und Umweltpolitik deutlich höher sind als der oben genannte Finanzbedarf.

Armutsbekämpfung und Umweltschutz
gemeinsam finanzieren
Die aktuelle Debatte über neue Finanzierungsinstrumente zur globalen Armutsbekämpfung muss mit
hoher Priorität fortgesetzt und mit der Diskussion

EMPFEHLUNGEN
ODA deutlich aufstocken und Fahrplan bis
zur Erhöhung auf mindestens 0,7% des
BNE festlegen
Verursachergerechte Finanzierung globaler
Umweltpolitik vorantreiben, etwa durch
Nutzungsentgelte für globale Gemeinschaftsgüter
System internationaler Entschädigungszahlungen für Folgen des Klimawandels einrichten
Internationale Kompensationszahlungen
für den Verzicht auf zerstörerische Nutzung
natürlicher Ökosysteme einführen

WBGU

politikpapier 4

LITERATUR
IPCC – Intergovernmental Panel on Climate Change (2001):
Climate Change 2001: Synthesis Report. Cambridge: Cambridge University Press.

Millennium Ecosystem Assessment (2005):
Millennium Ecosystem Assessment Synthesis Report. Pre-publication Final Draft Approved by MA Board on
March 23, 2005. Penang (Malaysia): Millennium Ecosystem Assessment.

WBGU – Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (2002):
Entgelte für die Nutzung globaler Gemeinschaftsgüter. Sondergutachten. Berlin: WBGU.

WBGU – Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (2003a):
Welt im Wandel: Energiewende zur Nachhaltigkeit. Berlin: Springer.

WBGU – Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (2003b):
Über Kioto hinaus denken – Klimaschutzstrategien für das 21. Jahrhundert. Sondergutachten. Berlin: WBGU.

WBGU – Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (2004):
Erneuerbare Energien für eine nachhaltige Entwicklung: Impulse für die renewables 2004. Politikpapier 3. Berlin: WBGU.

WBGU – Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (2005):
Welt im Wandel: Armutsbekämpfung durch Umweltpolitik. Berlin: Springer.

WISSENSCHAFTLICHER STAB
Die Erstellung dieses Politikpapiers wäre ohne die engagierte Arbeit des wissenschaftlichen Stabs des Beirats
nicht möglich gewesen:
Prof. Dr. Meinhard Schulz-Baldes (Generalsekretär), Dr. Carsten Loose (stellvertretender Generalsekretär), Dr.
Gregor Betz (Potsdam-Institut für Kimafolgenforschung), Dipl.-Umweltwiss. Tim Hasler (WBGU-Geschäftsstelle
Berlin), Dipl.-Volksw. Kristin Hoffmann (ETH Zürich), Dr. Sabina Keller (ETH Zürich), Dipl.-Pol. Lena Kempmann
(WBGU-Geschäftsstelle Berlin), Dr. Franziska Matthies (University of Copenhagen), Dr. Nina V. Michaelis
(WBGU-Geschäftsstelle Berlin), Dr. Benno Pilardeaux (WBGU-Geschäftsstelle Berlin), Dr. Astrid Schulz (WBGUGeschäftsstelle Berlin), Dr. Martin Scheyli (Universität Fribourg, Schweiz) und Dipl.-Pol. Joachim Schwerd
(Fachhochschule Mainz).

19

20

Millennium+5-Gipfel

MITGLIEDER
DES

WISSENSCHAFTLICHEN B EIRATS

DER

B UNDESREGIERUNG G LOBALE U MWELTVERÄNDERUNGEN

Prof. Dr. Renate Schubert (Vorsitzende), Ökonomin
Direktorin des Instituts für Wirtschaftsforschung der ETH Zürich, Schweiz

Prof. Dr. Hans Joachim Schellnhuber (stellv. Vorsitzender), Physiker
Direktor des Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und Forschungsdirektor des
Tyndall Centre for Climate Change Research in Norwich, Großbritannien

Prof. Dr. Nina Buchmann, Ökologin
Professorin für Graslandwissenschaften an der ETH Zürich, Schweiz

Prof. Dr. Astrid Epiney, Juristin
Direktorin am Institut für Europarecht der Universität Fribourg, Schweiz

Dr. Rainer Grießhammer, Chemiker
Mitglied der Geschäftsführung des Öko-Instituts e.V., Freiburg

Prof. Dr. Margareta E. Kulessa, Ökonomin
Professorin für Allgemeine Volkswirtschaftslehre und Internationale Wirtschaftsbeziehungen
an der Fachhochschule Mainz

Dr. Dirk Messner, Politikwissenschaftler
Direktor des Deutschen Instituts für Entwicklungspolitik, Bonn

Prof. Dr. Stefan Rahmstorf, Physiker
Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und
Professor für Physik der Ozeane an der Universität Potsdam

Prof. Dr. Jürgen Schmid, Ingenieur für Luft- und Raumfahrttechnik
Professor für Elektrotechnik/Informatik an der Universität Kassel und
Leiter des Instituts für Solare Energieversorgungstechnik, Kassel

Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen
Geschäftsstelle
Reichpietschufer 60–62, 8. OG.
10785 Berlin
Telefon
Fax
E-Mail
Internet

(030) 263948 0
(030) 263948 50
wbgu@wbgu.de
http://www.wbgu.de

Redaktionsschluss
25. April 2005
Dieses Politikpapier ist im Internet in deutscher und englischer Sprache abrufbar.

© 2005, WBGU

ISBN 3-936191-09-3
        
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