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Full text: Finanzierung der globalen Energiewende

Politikpapier

Finanzierung der
globalen Energiewende

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Politikpapier Nr. 7

Finanzierung

Juni 2012

Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung
Globale Umweltveränderungen

Inhalt

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Zusammenfassung	

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Globale	Transformation	der	Energiesysteme:		
Notwendigkeit	und	Chancen	

5

Chancen der Energiewende zur Nachhaltigkeit
Nachhaltige Energietechnologien

5
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Investitionstätigkeit,	Investitionsbedarf,	Akteure		
und	Verfügbarkeit	von	Kapital	

8

Status quo der Energieinvestitionen
Investitionsbedarf
Akteure und verfügbares Kapital

8
8
9

Barrieren	für	Investitionen	in	die	Energiewende	

13

Zielsetzungen und Preise
Barrieren auf den Kapital- und Energiemärkten
Spezifische Probleme in Entwicklungsländern

13
14
17

Empfehlungen	zur	Mobilisierung	von	Kapital	für		
die	Energiewende	

20

Transformative Ordnungspolitik aufbauen
Anreize für Sachinvestitionen in die Energiewende schaffen
Barrieren auf den Kapitalmärkten verringern
Energiewende in Entwicklungsländern fördern
Internationale Energie-, Klima- und Entwicklungspolitik verknüpfen

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Juni 2012

Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung
Globale Umweltveränderungen

Zusammenfassung
Die Welt steht vor der Herausforderung einer Transformation zu nachhaltigen Energiesystemen. Für verbesserte Energieeffizienz und die Umstellung auf erneuerbare Energien müssen hohe Anfangsinvestitionen getätigt werden. Diese Investitionen beinhalten zugleich große Chancen, da im Zuge der Transformation strategische Innovationen
ausgelöst werden und neue Märkte entstehen können. Die Investitionen in erneuerbare
Energietechnologien und Energieeffizienz können durch Einsparungen der Kosten
für fossile Brennstoffe bei konventionellen Technologien schon bis zum Jahr 2040
vollständig kompensiert sein. Das private Kapital für die Transformation ist vorhanden
und kann unter geeigneten politischen Rahmenbedingungen mobilisiert werden. Mit
einer entsprechenden Ordnungspolitik sollten Investitionen für Private attraktiver gemacht werden. Der WBGU sieht hier den gestaltenden Staat gefordert, der durch eine
integrierte Energie-, Umwelt- und Klimapolitik einen stabilen und langfristigen transformativen Ordnungsrahmen schafft und so bestehende Investitionsrisiken verringert.
Gleichzeitig sollte die Politik die Möglichkeiten zur Partizipation erweitern. Zurzeit ist
Deutschland Vorreiter dieser Transformation, sowohl bei den technologischen Innovationen als auch bei der Schaffung geeigneter Rahmenbedingungen. Unser Land kann
der Welt ein Beispiel dafür geben, wie die Energiewende nicht weniger, sondern mehr
Wohlstand generieren kann.
Für die Finanzierung der globalen Transformation
der Energiesysteme zur Nachhaltigkeit müssen sich
sowohl private Akteure als auch Akteure der öffentlichen Hand engagieren. Dies kann nur mit einem
Ordnungsrahmen gelingen, der Barrieren für klimaverträgliche Investitionen senkt sowie stabile und
langfristige Bedingungen für transformative Investitionen schafft. So können Anreize für Unternehmen und Haushalte gesetzt werden, entsprechende
private Investitionen zu finanzieren.
Bisher sind private Kapitalgeber jedoch kaum bereit, in die Transformation der Energiesysteme zu
investieren. Barrieren wie unzureichende politische
Zielsetzungen, Subventionen für fossile und nukleare Energien, ungünstige Rendite-Risiko-Verhältnisse,
stark regulierte Strom- und Kapitalmärkte, ungenügend entwickelte Märkte und Verwaltungsstrukturen
in vielen Entwicklungsländern sowie fragmentierte
internationale Finanzierungsmechanismen stehen
der Bereitschaft zu privaten Investitionen entgegen.

Ein großer Teil der Investitionen in die globale Energiewende zur Nachhaltigkeit muss in den Schwellenländern getätigt werden. Insbesondere China verfügt
über ausreichende öffentliche Finanzmittel und Devisenreserven, die als Anschubfinanzierung eingesetzt
werden könnten. Verglichen mit den hoch verschuldeten Industriestaaten haben diese Länder finanzielle
Startvorteile bei der Transformation der Energiesysteme. Dennoch sind auch hier die Investitionen in erneuerbare Energietechnologien häufig benachteiligt,
risikoreich oder kurzfristig noch nicht wettbewerbsfähig.
Um diese Benachteiligungen aufzuheben, empfiehlt
der WBGU unter anderem, einen transformativen
Ordnungsrahmen für Investitionen in die Energiewende zu schaffen sowie konkrete Maßnahmen auf
den Strom- und Kapitalmärkten zu ergreifen. Zudem
sollte die internationale Kooperation in der Energiepolitik verstärkt werden.

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Die Empfehlungen des WBGU lassen sich wie folgt
zusammenfassen:

Transformative Ordnungspolitik aufbauen
Der WBGU empfiehlt, die nationalen Energie-, Klimaund Umweltpolitiken zu integrieren und konsequent
auf eine Transformation der Energiesysteme auszurichten. Dies ist eine entscheidende Voraussetzung
dafür, Barrieren abzubauen und private Investitionen
in die Transformation attraktiver zu machen. Der gestaltende Staat ist in allen Ländern gefordert, einen
Ordnungsrahmen für die Ausrichtung der Energieund Kapitalmärkte auf eine Energiewende zu schaffen.
Gleichzeitig sollte er erweiterte Partizipationsmöglichkeiten für seine Bürger bieten, um sie einzubinden
und die Akzeptanz der Transformation zu verbessern.
Dazu gehört auch, vorübergehende Einkommensnachteile bei privaten Haushalten angemessen sozial
abzufedern. Ein wichtiger Baustein dieses nationalen
Ordnungsrahmens ist eine ambitionierte, verbindliche und langfristige nationale Energiestrategie mit
messbaren Zielsetzungen. Sie sollte sich daran ausrichten, die gesellschaftlichen Kosten fossiler und
nuklearer Energietechnologien zu internalisieren,
unter anderem über einen CO2-Preis, um die preisliche Wettbewerbsfähigkeit erneuerbarer Energien zu
verbessern. Zusätzlich ist es erforderlich, die in vielen
Ländern noch existierenden Subventionen für fossile
Energieträger schnellstmöglich abzubauen.
Anreize für Sachinvestitionen
in die Energiewende schaffen
Der WBGU hält die zeitlich befristete Förderung von
erneuerbaren Energien für unverzichtbar. Hierfür
empfiehlt der WBGU Einspeisevergütungen in Verbindung mit Einspeise- oder Abnahmegarantien für
eine Markteinführungsphase. Strommarktdesign und
Netzregulierung sollten in Deutschland und Europa
so gestaltet werden, dass Strom aus erneuerbaren
Energien problemlos integriert und direkt vermarktet
werden kann. Staatliche Förderung von Forschung
und Entwicklung im Bereich nachhaltiger Energietechnologien ist essenziell, insbesondere bei Stromübertragung und -speicherung. Die Energieeffizienz
sollte gemäß des Top-Runner-Ansatzes durch dynamische Effizienzstandards für Produktionsanlagen,
Gebäude, Fahrzeuge usw. verbessert werden.
Barrieren auf den Kapitalmärkten verringern
Für ein hinreichendes Angebot an Finanzmitteln
empfiehlt der WBGU die Aufstockung der Mittel
nationaler Förderbanken und deren verstärkte Ausrichtung als Green Investment Banks sowie eine stär-

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kere institutionelle Verankerung von Langfrist- und
Nachhaltigkeitskriterien in Finanzmarktregulierungen und internationalen Rechnungslegungsvorschriften. Private Haushalte sowie kleine und mittelständische Unternehmen können bei der Finanzierung
transformativer Energieinvestitionen durch die Förderung von Energiegenossenschaften und neuen
Geschäftsmodellen sowie durch besseren Zugang zu
Risikokapital unterstützt werden.

Energiewende in Entwicklungsländern fördern
In Entwicklungsländern sind zusätzliche Maßnahmen
zur Senkung von Transaktionskosten sinnvoll, z. B. der
Aufbau von Market Facilitation Organisations, strategische Energiepartnerschaften zwischen Industrieoder Schwellenländern und Entwicklungsländern, verbesserter Zugang zu nationalem und internationalem
Kapital sowie eine verstärkte Risikoabsicherung von
Investitionen. Auch in Entwicklungsländern können
neue Finanzierungs- und Geschäftsmodelle dazu beitragen, Liquiditätsbarrieren für Investitionen in Energieerzeugung und -effizienz abzubauen.
Internationale Energiepolitik ausbauen
Die internationale Kooperation in der Energiepolitik
sollte über die Stärkung von UN-Energy und IRENA
verbessert werden. Diese beiden Organisationen
sollten den globalen Ausbau der erneuerbaren Energien, die Verbreitung von Effizienztechnologien sowie
die Verringerung der Energiearmut koordinieren. Der
Energiecharta-Vertrag sollte erweitert und Transformationspartnerschaften zwischen OECD- und
Schwellenländern sollten ins Leben gerufen werden.
Internationale Klima- und Entwicklungspolitik
verknüpfen
Internationale Institutionen der Entwicklungs- und
Klimafinanzierung sollten Energie-, Klima- und Entwicklungspolitik inhaltlich und finanziell stärker
verknüpfen. Entsprechende Institutionen sollten gestärkt und mit ausreichenden Finanzmitteln ausgestattet werden.

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Globale	Transformation	der	
Energiesysteme:	Notwendigkeit		
und	Chancen
Die Welt steht vor der Herausforderung einer Transformation der Energiesysteme zur Nachhaltigkeit und
insbesondere auch zur Klimaverträglichkeit. In vielen
Ländern sind erhebliche Investitionen in die Energiesysteme erforderlich, einerseits zur Sicherung der Energieerzeugung aufgrund des fortgeschrittenen Alters der
bestehenden Kraftwerke und Infrastrukturen sowie
andererseits zu deren Ausbau angesichts einer steigenden Energienachfrage (IEA, 2011a). Die mit steigendem
Wohlstand zunehmende Nachfrage nach Energiedienstleistungen sollte umweltverträglich und wirtschaftlich gedeckt werden. Eine quantitative und qualitative
Wohlfahrtssicherung kann künftig nur mit nachhaltigen
Energiesystemen gewährleistet werden.
Mit der Notwendigkeit und den Möglichkeiten einer
Transformation zur Nachhaltigkeit und insbesondere
mit der weltweiten Energiewende zur Nachhaltigkeit
hat sich der WBGU in seinem Hauptgutachten „Gesellschaftsvertrag für eine Große Transformation“ (WBGU,
2011) beschäftigt. Das bedeutet, dass in der kommenden Dekade tiefgreifende Änderungen in Produktionsprozessen und Infrastrukturen angestoßen werden
müssen. Aufrechterhaltung und Ausbau der Energieversorgung bei gleichzeitiger Transformation in Richtung
Nachhaltigkeit erfordern hohe Investitionen, beinhalten
zugleich aber auch große Chancen.

Chancen der Energiewende zur Nachhaltigkeit
Zahlreiche Länder, darunter auch Schwellenländer wie
China, investieren bereits heute massiv in ihre Energiesysteme. Dieser Trend wird sich künftig weiter verstärken. Dies hat einerseits damit zu tun, dass vielfach die
bisherigen Energieerzeugungs- und Übertragungskapazitäten erneuert werden müssen und andererseits damit,
dass die Energienachfrage weltweit zunimmt. Hierfür
ausschlaggebend sind wachsende Bevölkerungszahlen,

die Änderung der Altersstruktur der Bevölkerung in
vielen Ländern sowie nicht zuletzt das wachsende ProKopf-Einkommen und die damit verbundenen zusätzlichen Konsumwünsche und -möglichkeiten. Es kommt
nun darauf an, den Um- und Ausbau der Energiesysteme
rasch einzuleiten bzw. zu beschleunigen und ihn nachhaltig zu gestalten. Eine solche Transformation der Energiesysteme ist kurz- und mittelfristig mit zusätzlichen
Investitionen verbunden, bietet jedoch – verglichen mit
einer Beibehaltung der bisherigen Struktur der Energiesysteme – volkswirtschaftlich erhebliche langfristige
Kosteneinsparungen und zusätzliche gesellschaftliche
Vorteile (IEA, 2010; GEA, 2012; WWF et al., 2011).
Die mit der Energiewende zur Nachhaltigkeit verbundenen Investitionen lösen zahlreiche neue Impulse
für die Wirtschaft aus und eröffnen gerade jetzt, in den
gegenwärtigen Wirtschaftskrisen, z. B. in der EU, den
USA und Japan, wichtige Chancen. Innovationen können gestärkt werden, so dass künftig Erfolg bringende
wirtschaftliche Betätigungsfelder neu erschlossen werden (OECD, 2011). Hier ist an Bereiche wie die Informations- und Kommunikationstechnologien ebenso zu
denken wie an Solartechnologien, Offshore-Windenergieanlagen oder auch an die Entwicklung von „intelligenten“ Autos oder Haushaltsgeräten. Die Entwicklung
neuer Sektoren erhöht die internationale Wettbewerbsfähigkeit einzelner Länder und Unternehmen und kann
auch neue Arbeitsplätze schaffen. Auch in Europa als
wichtigem Standort für Innovationen im Bereich der
erneuerbaren Energien, der Energiesysteme sowie der
Energieeffizienz (Bierenbaum et al., 2012) ergeben sich
dadurch bedeutende ökonomische Chancen.
Weitere Vorteile einer Transformation der Energiesysteme liegen darin, dass die Importabhängigkeit bei
fossilen Energieträgern reduziert und die Energieversorgungssicherheit für einzelne Länder oder Regionen
gestärkt werden kann. Je geringer die Anteile fossiler
und nuklearer Energien am Energiemix eines Landes

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sind, desto geringer werden die gesellschaftlichen Kosten korrespondierender Umwelt- und Gesundheitsprobleme sein (IEA, 2011a; GEA, 2012). Darüber hinaus ist
von einer Verringerung der Brennstoffkosten in nachhaltigen Energiesystemen auszugehen. Allein durch
Einsparungen bei den Brennstoffkosten könnte schon
bis zum Jahr 2040 eine vollständige Kompensation der
Zusatzinvestitionen in die Nachhaltigkeit der Energiesysteme möglich sein (IEA, 2010; WWF et al., 2011).
Eine Transformation der Energiesysteme zur Nachhaltigkeit stellt außerdem für viele Entwicklungs- und
manche Schwellenländer eine Chance dar, weil sie den
universellen Zugang zu moderner Energie für wachsende Bevölkerungen und einen Ausbau des Energieangebots ermöglicht, ohne die Ressourcenbasis künftiger
Generationen über Gebühr zu strapazieren. Die gegenwärtige, weltweit in erster Linie auf fossilen Energieträgern basierende Energieversorgungsstruktur bietet
annähernd 3 Mrd. Menschen keinen oder keinen angemessenen Zugang zu modernen Energiedienstleistungen
(Zerriffi, 2011; AGECC, 2010). Ein nachhaltiger Um- und
Ausbau der Energiesysteme kann die Lebenssituation
und die Entwicklungsperspektiven dieser Menschen
verbessern. Verbesserungen der Pro-Kopf-Einkommen
und bessere Chancen im Bildungs- und Gesundheitsbereich sind die wichtigsten positiven Effekte.
Will man die vielen Vorteile einer Transformation
der Energiesysteme nutzen, sind zusätzlich zu den
bereits geplanten Ersatz- und Ausbauinvestitionen im
Energiebereich erhebliche weitere Investitionen notwendig. Insgesamt ist weltweit von heute bis zum Jahr
2030 eine Verdopplung und bis 2050 eine Verdreifachung der Investitionen im Energiebereich erforderlich
(GEA, 2012). In absoluten Zahlen heißt dies, dass heute
pro Jahr zunächst etwa 1.100 Mrd. US-$ insgesamt in
den nachhaltigen Aus- und Umbau der Energiesysteme
zu investieren sind, und dass der insgesamt pro Jahr
notwendige Gesamtbetrag der Investitionen um das
Jahr 2050 herum auf bis zu 3.500 Mrd. US-$ ansteigen
wird. Die Investitionen in diesem Bereich müssten also
bis Mitte des Jahrhunderts deutlich gesteigert werden.
Für die konkrete Finanzierung der für die Energiewende erforderlichen Investitionen wird das Engagement privater Akteure und der öffentlichen Hand
benötigt. Es gilt, einen Ordnungsrahmen für klimaverträgliche Investitionen zu schaffen, um privates Kapital zu mobilisieren. Es wird vorrangig nicht zusätzliches
öffentliches Geld benötigt, sondern eine transformative
Ordnungspolitik.
Entscheidend wird sein, für Unternehmen und
Haushalte, die vielfach bereits Präferenzen für nachhaltige Energiesysteme haben (WBGU, 2011; IIGCC, 2010;
Initiative 2 °, 2010), durch einen klugen staatlichen Rahmen genügend starke Anreize zu setzen, so dass ent-

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sprechende Investitionen getätigt und finanziert werden. Verbesserungen des spezifischen Rendite-RisikoProfils dieser Investitionen sind dabei ein entscheidender Aspekt. Genügend Mitgestaltungsmöglichkeiten
für private Akteure sind ebenfalls wesentlich (WBGU,
2011). Neben Ordnungspolitik und Mitwirkung kommt
es auch darauf an, möglicherweise entstehende Verteilungskonflikte rasch und intelligent zu lösen. Werden
etwa fossile oder nukleare Energieformen nicht mehr
subventioniert oder bevorteilt und erneuerbare Energien und der Netzausbau aktiv gefördert, so bedeutet
dies für private Haushalte und Unternehmen in einer
Übergangsphase höhere Ausgaben für Strom. Dies kann
in einzelnen Haushalten in Entwicklungs-, Schwellenund Industrieländern zu Energiearmut führen und ist
sozial abzufedern. Langfristig werden die Energie- und
Umweltkosten in nachhaltig aus- und umgebauten
Energiesystemen aber deutlich sinken. Der „grüne Pfad“
für den Aus- und Umbau der globalen Energiesysteme
ist also langfristig vorteilhaft.

Nachhaltige Energietechnologien
Eine Transformation der Energiesysteme ist eng an die
Entwicklung und Markteinführung nachhaltiger Technologien geknüpft, insbesondere im Bereich der erneuerbaren Energien und der Effizienztechnologien. Die
künftige nachhaltige Ausgestaltung der Energiesysteme
hängt von vielen Rahmenbedingungen ab, neben der
Wahl der Technologien beispielsweise vom Wirtschaftsund Bevölkerungswachstum, von der Energienachfrage,
den Energieressourcen sowie den künftigen Kosten und
der Performance von Energiebereitstellungs- und Verbrauchstechnologien. Künftige nachhaltige technologische Handlungsoptionen und Gestaltungsspielräume
lassen sich anhand von Szenarien abschätzen, welche
die Transformation der Energiesysteme bei vorgegebenem Klimaschutz modellieren (WBGU, 2011; Krey und
Clarke, 2011). In den Szenarien zeichnet sich ab, dass
die Transformation im Elektrizitätssektor am schnellsten
durchführbar ist, gefolgt vom Wärme- und Transportsektor. Zudem ist eine Verlagerung der Endenergieanwendungen hin zu Strom absehbar, da dieser am einfachsten in großem Maßstab aus erneuerbaren Energien
bereitgestellt werden kann. Entsprechend beziehen sich
die weiteren Überlegungen in diesem Politikpapier vor
allem auf den Elektrizitätssektor sowie auf den Bereich
Energieeffizienz.

Bedeutung des Elektrizitätssektors
Das technologische Angebot an emissionsarmer Energiebereitstellung im Elektrizitätssektor ist breit gefächert (WBGU, 2011). Für einen hohen Anteil erneuer-

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barer Energien im Stromsystem eignet sich vor allem die
stärkere Nutzung von Solar- und Windenergie. Diese
Energiequellen sind global verfügbar, haben langfristig hohe Potenziale und eröffnen zudem Möglichkeiten
für die ländliche Elektrifizierung und die Minderung
der Energiearmut auch in Entwicklungsländern. Damit
entsprechende Technologien in großem Maßstab in die
Stromsysteme integriert werden können, werden zusätzliche Infrastrukturen wie etwa Speicher oder intelligente
Netze benötigt, die einen zeitlichen und räumlichen
Abgleich zwischen dem fluktuierenden Energieangebot
bei Sonne und Wind und der ebenfalls fluktuierenden
Energienachfrage ermöglichen (WBGU, 2011). Dies gilt
insbesondere dann, wenn im Zuge einer Transformation
der Energiesysteme die dezentrale Energieerzeugung
ausgebaut wird.
Im Stromsektor wären aus Klimaschutzsicht auch
der Einsatz von Kernenergie und von fossilen Energien
mit Kohlendioxidabscheidung und -speicherung (CCS)
technologische Optionen. Der WBGU rät jedoch wegen
hoher externer Kosten und insbesondere wegen des
Risikos schwerster Schadensfälle, der ungeklärten Endlagerungsproblematik und der Möglichkeit unkontrollierbarer Proliferation von der Kernenergienutzung ab.
CCS ist für jene Staaten von Bedeutung, die übergangsweise weiterhin fossile Energieträger nutzen. Der Einsatz von CCS sollte aber nach Einschätzung des WBGU
gering gehalten werden, da die Risiken dieser Technologie bisher nicht seriös abgeschätzt sind (WBGU, 2011).

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Zum Aufbau nachhaltiger Strukturen in den Bereichen Elektrizität und Energieeffizienz sind Investitionen
erforderlich, die über das Volumen hinausgehen, das für
die derzeit geplanten Ersatz- und Erweiterungsinvestitionen vorgesehen ist. Im Folgenden werden nun die
für einen Aus- und Umbau der Energiesysteme weltweit
erforderlichen Investitionen grob abgeschätzt und mit
den Status-quo-Investitionen verglichen.

Energieeffizienz und Energienachfrage
Es gibt eine Vielzahl an technologischen Möglichkeiten
für die Verbesserung der Energieeffizienz, sowohl im
Bereich der Umwandlung als auch im Bereich der Endnutzung. Oftmals handelt es sich um den Einsatz verbesserter Techniken und um Prozessoptimierungen. Zudem
lassen sich durch strukturelle Veränderungen effektive
Minderungen des Primärenergiebedarfs erzielen. Diese
umfassen unter anderem den Einsatz von Kraft-WärmeKopplung in der Energieerzeugung, die Einführung
der Elektromobilität oder eine Reduzierung des Energieverbrauchs von Gebäuden durch den Einsatz von
Wärmedämmung. Die Umsetzung von Energieeffizienzmaßnahmen wirkt grundsätzlich dämpfend auf den globalen Trend einer Zunahme des Energieverbrauchs und
eröffnet Handlungsspielräume bei der Wahl des Technologiemix (WBGU, 2011). Zu beachten ist dabei allerdings, dass die Rahmenbedingungen so gesetzt werden,
dass die Erfolge von Effizienzmaßnahmen nicht durch
Rebound-Effekte, d. h. durch zusätzlichen Energieverbrauch in Reaktion auf Verbrauchsminderungen bzw.
auf damit verbundene Kosteneinsparungen zunichte
gemacht werden (Sorrell, 2007).

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Investitionstätigkeit,	Investitionsbedarf,	Akteure	und	Verfügbarkeit	
von	Kapital
Status quo der Energieinvestitionen
Die derzeitigen Investitionen im Energiesektor werden
weltweit auf jährlich ca. 1.300 Mrd. US-$ geschätzt, was
etwa 2 % des globalen Bruttoinlandsprodukts entspricht
(GEA, 2012). Davon entfielen im Jahr 2010 etwa 960
Mrd. US-$ auf die Angebotsseite, d. h. auf Investitionen
in die Extraktion, Energieerzeugung und -umwandlung
sowie in die Übertragung und Verteilung. Die derzeitigen Investitionen auf der Nachfrageseite (Industrie,
Verkehrssektor, Gebäudebereich, Haushalte) können
nur grob quantifiziert werden. Wird lediglich die Energiekomponente dieser Investitionen berücksichtigt (z. B.
nur der Motor in einem energieeffizienten Fahrzeug),
werden sie auf etwa 300 Mrd. US-$ jährlich geschätzt
(GEA, 2012).
Der Anteil der Investitionen in erneuerbare Energien nahm in den letzten Jahren zu und belief sich
2010 auf 210 Mrd. US-$, wovon ca. 190 Mrd. US-$ in
den Aufbau von Erzeugungskapazitäten flossen. Der
Rest entfiel auf die Bereiche Technologieentwicklung
sowie Produktion von Anlagen und Zubehörteilen.
Die weltweiten Investitionen in erneuerbare Energien
waren damit im Jahr 2010 in etwa vergleichbar mit
den Investitionen in neue Kapazitäten für fossile Energieträger bzw. sogar etwas höher (BNEF und UNEP,
2011; GEA, 2012).
Für Forschung und Entwicklung (F&E) werden im
gesamten Energiesektor derzeit ca. 50 Mrd. US-$ pro
Jahr aufgewendet (staatliche und private F&E), wobei
davon etwa die Hälfte auf fossile Energien und Nuklearenergie entfällt (GEA, 2012). Die F&E-Ausgaben für
erneuerbare Energien erreichten gemäß BNEF und
UNEP (2011) in 2010 nur etwa 9 Mrd. US-$, was dennoch einer Steigerung von 40 % gegenüber dem Vorjahr
entspricht. Etwas weniger als 10 Mrd. US-$ wurden im
Bereich F&E für Endnutzungstechnologien und Energieeffizienz investiert (GEA, 2012). Für den universel-

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len Zugang zu modernen Energien werden gegenwärtig weltweit ca. 9 Mrd. US-$ jährlich investiert (IEA,
2011a).

Investitionsbedarf
Strebt man bis Mitte des Jahrhunderts eine weltweite
Vollversorgung mit Elektrizität aus erneuerbaren Energien unter Verzicht auf Nuklearenergie sowie unter der
Annahme einer deutlichen Steigerung der Energieeffizienz an, erfordert dies hohe Investitionen. Insgesamt
geht es um jährliche Investitionssummen zwischen etwa
1.100 Mrd. US-$ (heute), ca. 2.000 Mrd. US-$ im Jahr
2030 sowie ca. 3.500 Mrd. US-$ im Jahr 2050 (GEA,
2012; Kasten 1). Demnach müssten die derzeitigen
Investitionen im Energiebereich zunächst in Richtung
erneuerbare Energien und Energieeffizienz umgeleitet,
bis zum Jahr 2030 ungefähr verdoppelt und bis Mitte
des Jahrhunderts in etwa verdreifacht werden. Die
Investitionen in Erzeugungskapazitäten für erneuerbare
Energien müssten gemäß einem Szenario mit weltweiter
Vollversorgung mit Elektrizität aus erneuerbaren Energien im Vergleich zu heute bis zum Jahr 2030 um den
Faktor vier auf bis zu 600 Mrd. US-$ jährlich ansteigen. Insgesamt müssten im Zeitraum von heute bis 2050
gemäß diesem Szenario ca. 68.000 Mrd. US-$ investiert
werden (GEA, 2012).
Abbildung 1 stellt die aktuelle Struktur der Investitionen im Energiebereich (mit Ausnahme der F&E-Investitionen) dem Investitionsbedarf im Jahr 2050 gegenüber (bezogen auf ein illustratives Szenario mit stark
ausgeweiteter Nutzung erneuerbarer Energien, erhöhter
Energieeffizienz und ohne Nutzung von Nuklearenergie).

Abbildung	1
Weltweite Investitionen
im gesamten Energiesektor im Jahr 2010
(ohne Ausgaben für F&E;
bei den nachfrageseitigen Energieinvestitionen
werden ausschließlich
die Energiekomponenten berücksichtigt) im
Vergleich zum weltweiten Investitionsbedarf
im gesamten Energiesektor im Jahr 2050
(Szenarioannahmen:
keine Nuklearenergie,
universeller Zugang
zu modernen Energiedienstleistungen
bis 2030, verbesserte
Energiesicherheit, verringerte Luftverschmutzung und Einhaltung der
2 °C-Leitplanke).
Quelle: WBGU, basierend auf GEA, 2012;
BNEF und UNEP, 2011

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Globale Umweltveränderungen

4.000

3.500

Zugang zu modernen
Energiedienstleistungen

3.000

Energieinvestitionen [Mrd. US-$]

Politikpapier Nr. 7

Investitionen in
Effizienztechnologien
2.500

2.000
Nachfrageseitige 
Investitionen
1.500

Übertragung und 
Verteilung

1.000
Erzeugung erneuerbar 
Erzeugung 
konventionell (inkl. CCS)

500

0

2010

Akteure und verfügbares Kapital
Die Investitionen zur nachhaltigen Transformation der
Energiesysteme weltweit müssen von verschiedenen
Akteursgruppen getätigt werden. Bei Investitionen in
Erzeugungskapazitäten für erneuerbare Energien sind
dies größtenteils die Energieerzeuger oder Projektentwickler. Handelt es sich um dezentrale Erzeugungskapazitäten, sind auch Industrieunternehmen und Haushalte
als Investoren gefragt. Bei Investitionen in die Netzund Speicherinfrastruktur ist die Lage je nach Land
unterschiedlich. In den liberalisierten Strommärkten der
Industrieländer sind vor allem die privaten Netzbetreiber und die lokalen Versorger zuständig. In Schwellenund Entwicklungsländern stellen meist staatliche Unternehmen die Netzinfrastruktur bereit. Bei Maßnahmen
zur Erhöhung der Energieeffizienz sind private und
öffentliche Unternehmen, öffentliche Einrichtungen
und private Haushalte gefordert.
Die meisten dieser Akteursgruppen treten zur Finanzierung ihrer Investitionen als Nachfrager auf den Kapitalmärkten auf. Da viele Haushalte und Unternehmen
nicht über genügend Eigenkapital verfügen, sind sie auf
Fremdfinanzierung angewiesen. Anbieter von Kapital

2050

Extraktion (fossil) und 
Raffinerie

Jahr

sind die öffentliche Hand, Risiko- und Beteiligungskapitalgeber, institutionelle Investoren, wie Staatsfonds
(Sovereign Wealth Funds), Pensionskassen, Versicherungen oder Fondsgesellschaften, Stiftungen, Family
Offices (Verwaltungen privater Großvermögen) sowie
Produktionsunternehmen und kleinere Privatanleger.
Banken als Kreditgeber haben die Funktion von Intermediären auf den Kapitalmärkten.
Will man sicherstellen, dass die für die Transformation der Energiesysteme erforderlichen Investitionen
tatsächlich getätigt werden, ist einerseits zu gewährleisten, dass potenzielle Sachinvestoren genügend Anreize
haben, die Maßnahmen umzusetzen. Andererseits
müssen die Kapitalgeber diese Investitionen attraktiv
genug finden, so dass sie die erforderlichen Finanzmittel bereitstellen. Dabei haben verschiedene Akteure auf
den Finanzmärkten unterschiedliche Kapitalausstattungen, Risikobereitschaften oder Renditeerwartungen.

Privates Kapital
Private Kapitalgeber spielen im Zusammenhang mit der
Transformation der Energiesysteme eine zentrale Rolle.
Im Gegensatz zu vielen hoch verschuldeten Staaten
verfügen private Unternehmen und Haushalte vielfach

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Kasten 1

Regionale	und	sektorale	Verteilung	des	
Investitionsbedarfs
Etwa 60 % des geschätzten gesamten Investitionsbedarfs
bis 2030 verteilen sich auf China, Nordamerika und die EU.
Nordamerika und die EU müssen bis zum Jahr 2015 jeweils
etwa 22 %, um das Jahr 2030 jeweils ca. 17 % der weltweit
erforderlichen Investitionen schultern, während der prozentuale Anteil Chinas am globalen Investitionsbedarf zwischen
2015 und 2030 von ca. 18 % auf etwa 26 % ansteigt (IEA,
2010). Der Investitionsbedarf in den Entwicklungs- und
Schwellenländern liegt im Bereich von etwa 260–560 Mrd.
US-$ jährlich bis 2030 (World Bank, 2010b; Project Catalyst,
2010). Dies schließt teilweise Investitionen zur Erreichung
von universellem Zugang zu modernen Energien in den Entwicklungs- und Schwellenländern mit ein, wofür jährlich
bis 2030 etwa 36–48  Mrd.US-$ investiert werden müssen

über ein erhebliches Finanzvermögen, das prinzipiell
für Investitionen in die Transformation der Energiesysteme genutzt werden könnte. Das weltweite private
Finanzvermögen wurde zuletzt auf 179.400 Mrd. US-$
geschätzt (McKinsey, 2011).
Privates Kapital wird grundsätzlich in Form von
Eigenkapital oder Krediten zur Verfügung gestellt.
Eigenkapital kann entweder unternehmenseigenes
Eigenkapital oder Risiko- bzw. Beteiligungskapital sein.
Während neue Technologien in der Anfangsphase eher
auf Risikokapital angewiesen sind, können weiter entwickelte Technologien in der Phase der Diffusion und
Marktreife in der Regel über Beteiligungskapital oder
über Bankdarlehen finanziert werden.
Risikokapitalgeber haben üblicherweise einen eher
kurzen Investitionshorizont von 4–7 Jahren und Renditeerwartungen von mehr als 50 % jährlich. Anbieter von
Beteiligungskapital erwarten im Durchschnitt eine jährliche Rendite von mehr als 25 % bei einem Investitionshorizont von 3–5 Jahren. Meist sind diese Kapitalgeber
an größeren Projekten oder Projektportfolios mit einem
Volumen im dreistelligen Millionenbereich interessiert
(UNEP-SEFI, 2009a; Thumfart, 2011).
Institutionelle Investoren wie Versicherungen und
Pensionskassen sowie Infrastrukturfonds haben nicht
zuletzt aufgrund der Regulierung, der sie unterliegen,
einen eher langfristigen Investitionshorizont von meist
10–25 Jahren. Pensionskassen und Versicherungen
haben dabei vergleichsweise geringe Renditeerwartungen im Bereich von 7–15 %, bei Infrastrukturfonds
liegen sie im Bereich von 10–20 %. Die Investitionsvolumina von Infrastrukturfonds liegen üblicherweise im
zwei- bis dreistelligen Millionenbereich, während sie bei
Versicherern und Pensionskassen bei Größenordnungen von 10 Mio. US-$ beginnen (UNEP-SEFI, 2009a;

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(GEA, 2012; IEA, 2011a).
Nach Sektoren aufgeteilt entfällt etwa die Hälfte des gesamten Investitionsbedarfs auf den Gebäude- und Verkehrssektor (IEA, 2010, 2011a). Im Stromsektor müssen in einem
Szenario, das auf erneuerbare Energien setzt, auf der Angebotsseite weltweit zunächst etwa 500 Mrd. US-$ jährlich
investiert werden, bis zum Jahr 2030 etwa 700–800 Mrd.
US-$ pro Jahr und bis Mitte des Jahrhunderts etwa 1.000 Mrd.
US-$ jährlich (IEA, 2010; IPCC, 2011; GEA, 2012). Diese Investitionen umfassen sowohl die Erzeugungskapazitäten als
auch den Ausbau von Netzen und Speichern. Die Investitionen
für Netz- und Speichertechnologien bzw. -kapazitäten müssten, für sich genommen, bis Mitte des Jahrhunderts etwa 300–
500 Mrd. US-$ pro Jahr erreichen, also im Vergleich zum
Status quo (260 Mrd. US-$) verdoppelt werden. Die F&E-Ausgaben für erneuerbare Energien und Energieeffizienz müssten
einem Weltbank-Sonderbericht zufolge bis 2030 sogar verfünffacht werden (World Bank, 2011a).

Thumfart, 2011). Schließlich können Family Offices,
Stiftungen und gemeinnützige Einrichtungen oder auch
private Kleinanleger Mittel über geschlossene Fonds für
erneuerbare Energien, Bürgerfonds oder Energiegenossenschaften zur Verfügung stellen. Meist liegen hier die
Renditeerwartungen bei ca. 6–10 % (Thumfart, 2011;
FAZ, 2011).
Aufgrund ihres langfristigen Anlageprofils bieten insbesondere Versicherungen und Pensionskassen
sowie Stiftungen und Family Offices gute Voraussetzungen für Investitionen in erneuerbare Energien und Energieeffizienz. Pensionskassen verfügen weltweit über ein
Kapital von 28.300 Mrd. US-$ und Versicherungen über
23.000 Mrd. US-$ (McKinsey, 2011). Ein großer Teil des
privaten Geldvermögens wird also von institutionellen
Investoren verwaltet, weshalb entsprechende Anlageentscheidungen von Versicherungen und Pensionskassen für das Gelingen der Transformation der Energiesysteme besonders wichtig sind. Versicherungen legen
allerdings auch größere Teile ihres Vermögens kurz- bis
mittelfristig an, um Liquidität für (unvorhergesehene)
Leistungsfälle vorzuhalten (WEF, 2011).

Staatliches Kapital
Die öffentliche Hand tritt im Unterschied zu privaten Kapitalgebern oftmals mit deutlich langfristigerem
Investitionshorizont und mit geringeren Renditeerwartungen am Kapitalmarkt auf. Nach Schätzungen von
McKinsey (2011) verfügen Staaten derzeit weltweit
über ein Finanzvermögen von etwa 18.700 Mrd. US-$,
in Summe also über etwa ein Zehntel des geschätzten
privaten Kapitals. Eine Sonderkategorie staatlichen
Vermögens bilden die sogenannten Staatsfonds bzw.
Sovereign Wealth Funds, die sich meist durch Einnahmen aus der Förderung von Öl oder anderen Rohstoffen

Politikpapier Nr. 7

Finanzierung

Juni 2012

speisen. Staatsfonds gibt es beispielsweise in den Vereinigten Arabischen Emiraten, Singapur, Norwegen,
China, Saudi-Arabien und Russland. Sie verwalten
weltweit etwa 4.000 Mrd. US-$ (McKinsey, 2011; Preqin, 2011) und haben Interesse an langen Laufzeiten bei
gleichzeitig jedoch recht hohen Renditeerwartungen in
Höhe von etwa 15–25 % und Investitionsvolumina ab
100 Mio. US-$ aufwärts (Thumfart, 2011).
Staatliches Kapital kann direkt, z. B.durch die Investition in den Bau von Infrastruktur, oder indirekt, z. B.
durch die Subventionierung oder die Risikoabsicherung
privater Kapitalgeber, die Transformation der Energiesysteme unterstützen. Die Abwicklung solcher Finanzierungen erfolgt in der Regel durch staatliche Entwicklungs- oder Förderbanken. Nach einer Schätzung von
Bloomberg New Energy Finance (BNEF) stellten die
nationalen und regionalen Entwicklungs- und Förderbanken im Jahr 2010 weltweit ca. 13,5 Mrd. US-$ für
Projekte für erneuerbare Energien zur Verfügung (BNEF
und UNEP, 2011).
Neben rein staatlicher Finanzierung sind auch
Mischformen privater und staatlicher Finanzierung
relevant, z. B. in strukturierten Fonds wie dem Global
Climate Partnership Fund von KfW und BMU für Klimaschutzprojekte in Entwicklungsländern (Ausstattung:
500 Mio. US-$ über 5 Jahre). Die bisher auf diesem
Wege bereitgestellten Mittel sind aber eher gering.

Internationale Finanzierung
Auf internationaler Ebene sind Zahlungen zwischen
Staaten im Rahmen der internationalen Entwicklungsund Klimafinanzierung für die Finanzierung der Transformation der Energiesysteme relevant. Dabei dienen
meist multilaterale Finanzierungsorganisationen wie die
Weltbank oder die Global Environment Facility (GEF) als
Intermediäre für die Auszahlung der Gelder. Zudem gibt
es auf internationaler Ebene Finanzierungsmechanismen der regionalen Entwicklungsbanken (ADB, AfDB,
EBRD usw.) sowie bilaterale Fonds zur Finanzierung von
Klima- und Energieprojekten.
Im Rahmen der internationalen öffentlichen Entwicklungszusammenarbeit (Official Development Assistance, ODA) sind im Finanzjahr 2007–2008 im Durchschnitt 6,9 Mrd. US-$ in den Bereich Energie geflossen.
Das sind ungefähr 7 % der gesamten ODA in diesem Jahr
(OECD-DAC, 2010, 2011). Mit dem Anstieg der Ölpreise
seit 2005 und der Ratifizierung des Kioto-Protokolls im
Jahr 2005 ist die bilaterale ODA für Energie, insbesondere für erneuerbare Energien gestiegen (Michaelowa
und Michaelowa, 2010; OECD-DAC, 2010). Öffentliche
Mittel, die unter dem Dach der Klimarahmenkonvention
(UNFCCC) oder im Zusammenhang der klimarelevanten
Entwicklungszusammenarbeit (ODA, Exportkredite) für
Vermeidung von den Industrieländern an die Entwick-

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Globale Umweltveränderungen

lungsländer gezahlt werden, lagen im Jahr 2008 bei ca.
8–12 Mrd. US-$ jährlich (World Bank, 2010a,b; Buchner et al., 2011). Diese Mittel flossen jedoch in unterschiedliche Sektoren und nicht zwangsläufig in den
Energiesektor (Buchner et al., 2011).
Investitionen in erneuerbare Energien und Energieeffizienz in Entwicklungs- und Schwellenländern können
auch über den Clean Development Mechanism (CDM)
finanziert werden. Die 2.400 registrierten Projekte im
Rahmen des CDM im Bereich erneuerbarer Energien
und Energieeffizienz haben zwischen 2004 und 2011
zu einem Investitionsvolumen von ca. 101 Mrd. US-$
im Energiesektor in Entwicklungs- und Schwellenländern geführt, wobei der größte Teil in China investiert
wurde (Bazilian et al., 2011). In den letzten vier Jahren
(2008–2011) hat die Weltbankgruppe den Sektor Energie inklusive der Klimafinanzierung (Global Environment Facility, GEF; Clean Technology Fund, CTF) mit im
Durchschnitt jährlich 9,25 Mrd. US-$ finanziert (World
Bank, 2011b).
Die „grünen“ ausländischen Direktinvestitionen (Foreign Direct Investment, FDI) werden im Jahr
2008 auf 37 Mrd. US-$ geschätzt und die ausländischen Direktinvestitionen im Bereich „low-carbon“
(d. h. erneuerbare Energien, Recycling, Produktion von
Windturbinen und Solarpanels) im Jahr 2009 auf knapp
90 Mrd. US-$ (Buchner et al., 2011; UNCTAD, 2010).
Bei der UNFCCC-Vertragsstaatenkonferenz in Cancún im Jahr 2010 (Kasten 2) versprachen die Industriestaaten, für Finanztransfers im Zeitraum von 2010 bis
2012 Mittel in Höhe von 30 Mrd. US-$ bereitzustellen,
wobei von den bisherigen Zusagen nur grob die Hälfte
für den Bereich Vermeidung vorgesehen sind und davon
wiederum nur ein Teil für Energieinvestitionen (eigene
Schätzung auf Basis von WRI, 2011). Bislang sind die
Zusagen offenbar noch nicht vollständig erfüllt worden.
Vielfach handelt es sich gemäß BNEF (2011) außerdem nicht um neue und zusätzliche Mittel, sondern um
umdeklarierte, bereits zugesagte Mittel. Weiter wurde in
Cancún vereinbart, dass für Anpassung und Vermeidung
in Entwicklungsländern von den Industrieländern neue
und zusätzliche Mittel mobilisiert werden, die im Jahr
2020 die Höhe von 100 Mrd. US-$ jährlich erreichen
sollen. Ein Teil davon soll über den neu geschaffenen
Green Climate Fund fließen.
Die bisher geleisteten und zugesagten öffentlichen
internationalen Finanzierungsbeiträge bleiben weit
unter dem Investitionsbedarf für eine Transformation
der Energiesysteme in Entwicklungs- und Schwellenländern. Werden öffentliche Mittel allerdings über nationale und internationale öffentliche Finanzierungsmechanismen gezielt zur Unterstützung privater Investitionen eingesetzt, können sie eine beträchtliche Hebelwirkung (leverage ratio) auf privates Kapital entfalten.

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Politikpapier Nr. 7

Finanzierung

Juni 2012

Kasten 2

Öffentliche	Klima-	und	Entwicklungsfinanzierung	
und	die	Energiewende
Die Vereinbarungen der Klimakonferenz in Cancún im Jahr
2010 enthalten zwei wichtige Elemente, die Relevanz für die
Transformation der Energiesysteme haben: Erstens wurde
vereinbart, dass die Entwicklungsländer im Kontext nachhaltiger Entwicklung Minderungsmaßnahmen durchführen und
dabei von den Industrieländern durch Technologietransfer,
Finanzierung und Kapazitätsaufbau unterstützt werden sollen
(UNFCCC, 2011). Diese als NAMAs (Nationally Appropriate
Mitigation Actions) bezeichneten Maßnahmen sollen darauf
abzielen, die Emissionen der Entwicklungsländer bis 2020 unter den „Business-as-Usual“-Pfad (BAU) abzusenken. Bisher
liegt jedoch weder eine weitergehende Definition der NAMAs
vor, noch ein Konzept, wie sie von den Industrieländern unterstützt werden können (van Renssen, 2012). Zweitens wurden die Industrieländer aufgefordert, „neue und zusätzliche“
Mittel zur Unterstützung der Entwicklungsländer bei Vermeidung und Anpassung zur Verfügung zu stellen. Die in Cancún
vereinbarten Beschlüsse legen fest, dass diese Mittel bis 2020

Sie können so private Investitionen mobilisieren, die
die ursprünglich eingesetzten Mittel um ein Vielfaches
übersteigen. Eine extrem hohe Hebelwirkung von 15:1
konnte beispielsweise mit der IFC Partial Credit Guarantee für Energieeffizienz erzielt werden: pro einer Million staatlichen Kapitals konnten 15 Millionen privates
Kapital mobilisiert werden. Für den Clean Technology
Fund der Weltbank wurde eine Hebelwirkung von 8:1
beobachtet, für die Carbon Partnership Facility der
Weltbank eine Hebelwirkung von 4:1 (Norad, 2010;
World Bank, 2010a). Die Hebelwirkung steigt in dem
Maße an, in dem staatliche Mittel das Risiko für private
Investoren reduzieren (Neuhoff et al., 2010). Der Einsatz staatlichen und privaten Kapitals kann sich so auf
sinnvolle Weise ergänzen.
Insgesamt bleibt festzuhalten, dass die Investitionserfordernisse einer globalen Transformation der
Energiesysteme zur Nachhaltigkeit hoch sind und allein
durch staatliche Finanzmittel nicht gedeckt werden
können. Gleichzeitig scheint grundsätzlich genügend
privates Kapital zur Finanzierung der erforderlichen
Investitionen zur Verfügung zu stehen. Die jährlichen
Investitionserfordernisse für einen nachhaltigen Ausund Umbau der Energiesysteme liegen gegenwärtig
in der Größenordnung von unter 0,5 % des weltweiten privaten Kapitalvermögens. Da mit einem über die
Zeit hin ansteigenden Kapitalvermögen zu rechnen ist
(McKinsey, 2011), dürfte dieser Prozentsatz trotz höherer Investitionserfordernisse in 2050 auch im Laufe der
Zeit nicht nennenswert größer werden. Die Bereitschaft,
privates Kapital in ausreichendem Ausmaß in die Transformation der Energiesysteme zu investieren, scheint

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Globale Umweltveränderungen

die Höhe von 100 Mrd. US$ jährlich erreichen und zumindest im Bereich der Anpassung weitestgehend über den neu
geschaffenen Green Climate Fund fließen sollen. Ein Anliegen
der Entwicklungsländer ist es, dass diese Gelder tatsächlich zusätzlich zur Entwicklungsfinanzierung fließen und dass es sich
möglichst um öffentliche und nicht um private Gelder handelt.
Dabei bleibt zum einen offen, was als Baseline für die öffentliche Entwicklungszusammenarbeit gelten soll, um sagen zu
können, ob die öffentliche Klimafinanzierung darüber hinausgeht, also zusätzlich ist. Zum anderen gibt es bisher keine einheitliche, allgemein akzeptierte Methode, um die Finanzflüsse
zu erfassen (Buchner et al., 2011).
Eine Definition von öffentlicher Klimafinanzierung einschließlich einer klaren Abgrenzung zur öffentlichen Entwicklungsfinanzierung oder Entwicklungszusammenarbeit liegt
derzeit nicht vor. Mit Blick auf die notwendige Transformation
der Energiesysteme erscheint eine strikte Trennung der beiden
Finanzierungsbereiche auch nicht sachgerecht. Klimaschutz
muss letztlich integraler Bestandteil von Energie- und Entwicklungspolitiken werden, wenn eine Dekarbonisierung und
eine nachhaltige Transformation der Energiesysteme weltweit
gelingen soll.

jedoch eher gering zu sein. Die Gründe hierfür werden
im Folgenden aufgezeigt.

Politikpapier Nr. 7

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Globale Umweltveränderungen

Barrieren	für	Investitionen	in	die	
Energiewende
Die Hauptursachen für die bisher zu geringen (privaten)
Investitionen in den nachhaltigen Aus- und Umbau der
Energiesysteme liegen in folgenden Bereichen:
• unzureichende (energie-)politische Zielsetzungen, die
für ungenügende Transparenz und Planungssicherheit
bei Investoren sorgen,
• künstlich niedrig gehaltene Preise fossiler und nuklearer Energien, die die Kosten erneuerbarer Energien
hoch und die energetischen Einsparpotenziale unattraktiv erscheinen lassen,
• ungünstige Rendite-Risiko-Verhältnisse, bedingt
durch lange Kapitalbindungszeiten, den Einsatz neuartiger Technologien und weiteren Investitionsrisiken,
• ein stark reguliertes Marktumfeld (Strom- und Kapitalmärkte).
Diese Ursachen können in den Industrie-, Schwellen- und Entwicklungsländern identifiziert werden.
Zusätzlich behindern in vielen Entwicklungs- und einigen Schwellenländern nicht hinreichend ausgestaltete
Märkte und Verwaltungsstrukturen sowie fragmentierte
internationale Finanzierungsmechanismen die notwendigen Investitionen.

Zielsetzungen und Preise
Fehlende Energiestrategien
In vielen Ländern bieten die Klima- und Energiepolitik wenig Anreize und kaum langfristige Rechts- und
Planungssicherheit für Investitionen in erneuerbare
Energien, Energieinfrastruktur und Energieeffizienz.
Sachinvestoren erwarten nicht nur attraktive risikobereinigte Renditen, sondern benötigen Transparenz sowie
Planungs- und Rechtssicherheit, was in dem Kürzel
TLC (Transparency, Longevity, Certainty; Transparenz,
Langlebigkeit, Sicherheit) zusammengefasst werden
kann (DB Climate Change Advisors, 2009). TLC wird
vielfach sogar direkt durch staatliche Politik unterlaufen oder behindert. Dies zeigte sich etwa in Spanien, wo
Einspeisetarife rückwirkend gekürzt wurden, so dass
in der Folge die Investitionen im Solarbereich einbra-

chen (Gillmann, 2011). Ähnlich sorgte in den USA die
Unsicherheit über die Fortführung des Production Tax
Credits (Steuergutschrift pro erzeugter Einheit erneuerbarer Energie) für einen Rückgang der Investitionen in
Windenergie (Kalamova et al., 2011). In vielen Ländern
fehlen ambitionierte, langfristige und (rechtlich) verbindliche klima- und energiepolitische Zielsetzungen,
so dass vielerorts noch nicht das notwendige förderliche
Marktumfeld für Investitionen in die Transformation der
Energiesysteme geschaffen wurde. Viele Unternehmen
wären durchaus daran interessiert, nachhaltige Investitionen zu tätigen, warten aber darauf, dass die Politik
ambitionierte, langfristige und (rechtlich) verbindliche
Rahmensetzungen vornimmt (IIGCC, 2010; Initiative 2 °,
2010).

Verzerrte relative Preise
Bisher sind nur die „reiferen“ erneuerbaren Energien,
wie Energie aus Biomasse, Wasserkraft oder OnshoreWindenergie verglichen mit konventioneller Energieerzeugung wettbewerbsfähig (RREEF, 2009). Dies
liegt unter anderem daran, dass die gesellschaftlichen
Kosten fossiler und nuklearer Energieträger nicht oder
nur unvollständig internalisiert sind. Gesellschaftliche
Kosten entstehen bei fossilen Energien vor allem durch
CO2-Emissionen, Feinstaubbelastung sowie externe
Effekte bei der Extraktion der Energieträger. Im Fall
der Nuklearenergie entstehen der Gesellschaft Kosten
durch die weitgehende Sozialisierung der Haftung für
Schadensfälle sowie der Kosten für die Zwischen- und
Endlagerung der Brennstoffe. Derartige gesellschaftliche
Kosten werden nicht in den Preisen fossiler und nuklearer Energien widergespiegelt, so dass die relativen
Preise zugunsten fossiler und nuklearer Energieformen
verzerrt sind. Aus einzelwirtschaftlicher Sicht erscheinen dadurch Investitionen in erneuerbare Energien,
Energieinfrastruktur und Energieeffizienz häufig unrentabel (Beck und Martinot, 2004; UNEP-SEFI, 2009b).
Die Kosten der entsprechenden Technologien fallen
relativ zu hoch aus und Einsparungen der Brennstoffkosten durch höhere Effizienz fallen ökonomisch kaum

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Politikpapier Nr. 7

Finanzierung

Juni 2012

ins Gewicht. Selbst wenn es zu gewissen Einsparungen
kommt, werden diese bei niedrigen Preisen fossiler und
nuklearer Energien durch den Rebound-Effekt, d. h.
direkten Mehrverbrauch oder durch Verbrauchssteigerung in anderen Bereichen, (teilweise) wieder zunichte
gemacht (Sorrell, 2007).
Zusätzlich wird die Wettbewerbsfähigkeit erneuerbarer Energien durch Subventionen für fossile Energieträger reduziert (Beck und Martinot, 2004; UNEP-SEFI,
2009b). Die jährlichen Subventionen für fossile Energien wurden von der IEA für das Jahr 2010 weltweit auf
410 Mrd. US-$ auf der Nachfrageseite und 100 Mrd.
US-$ auf der Angebotsseite geschätzt (IEA, 2011a; GSI
und IISD, 2011). Im Vergleich dazu wurden erneuerbare
Energien im Jahr 2010 weltweit mit lediglich 66 Mrd.
US-$ subventioniert (IEA, 2011a).

Barrieren auf den Kapital- und Energiemärkten
Investitionen in Anlagen zur Erzeugung, Verteilung
und Speicherung von Strom aus erneuerbaren Energien
sowie in Maßnahmen im Bereich Energieeffizienz werden durch weitere Barrieren auf den Kapital- und Energiemärkten erschwert.

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Globale Umweltveränderungen

Sicht eines Produktionsunternehmens nach 3–5 Jahren amortisiert haben und Banken erwarten, dass im
gleichen Zeitraum ihre Kredite zurückbezahlt werden.
Lediglich etablierte Energieversorger und einige institutionelle Anleger verfügen über einen Investitionshorizont von mehr als 10 Jahren.
Die überwiegende Kurzfristorientierung vieler
Finanz- und Sachinvestoren ist teilweise auch Institutionen und Regulierungen im Kapitalmarkt geschuldet
(De Larosière et al., 2009; LTIC, 2010; WEF, 2011). Beispielsweise basiert die Entlohnung vieler Finanz- bzw.
Assetmanager auf einer Bewertung in sehr kurzen Zeitperioden, wodurch sie vor allem einen Anreiz haben,
die kurzfristige Rendite ihrer Investmentportfolios zu
optimieren. Außerdem sind nach den internationalen
Rechnungslegungsstandards (z. B. IFRS) langfristige
Investitionen häufig schlechter gestellt als kurzfristige,
da die Bewertung der Bilanzpositionen als Momentaufnahme und nicht über die gesamte Investitionsdauer
vorgenommen wird (De Larosière, 2010; WEF, 2011).
Auch Regulierungen auf den Kapitalmärkten haben das
Potenzial, Investitionen in die Transformation der Energiesysteme – wenn auch unbeabsichtigt – gegenüber
anderen Investitionen zu benachteiligen (Kasten 3).

Risiken und Renditen
Anfangskapitalbedarf und Amortisationszeiten
Der Bau von Erzeugungsanlagen sowie von Netz- und
Speicherinfrastruktur und die Umsetzung von Energieeffizienzmaßnahmen (z. B. energetische Gebäudesanierung) erfordern in der Regel hohe Anfangsinvestitionen.
Energieerzeuger, Projektentwickler oder auch private
Haushalte, die entsprechende Investitionen vornehmen
möchten, sind mangels Eigenkapital auf Fremdkapital
von Banken oder anderen Kapitalgebern angewiesen.
Da es sich bei Investitionen in die Energiewende häufig um Infrastrukturinvestitionen oder um langlebige
Konsumgüter handelt, ist das Kapital über Zeiträume
von 10–40 Jahren gebunden. Für die Kapitalanbieter
sind Investitionen, in denen relativ viel Kapital relativ
lange gebunden ist, vergleichsweise unattraktiv und
mit hohen Risiken behaftet. Deswegen fehlt für derartige Investitionen häufig die Finanzierung. Dieses Phänomen ist für den Umbau von Energiesystemen nicht
grundsätzlich neu. Es konnte etwa in den 1970er Jahren
des letzten Jahrhunderts in ähnlicher Form für Investitionen im Bereich nuklearer Energie beobachtet werden
(OECD-NEA, 2009).
Lange Amortisationszeiten von Investitionen sind
auch deswegen ein Problem, weil nur wenige Finanzund Sachinvestoren einen so langfristigen Investitionshorizont haben, wie er für Investitionen in die Transformation zu nachhaltigen Energiesystemen notwendig
wäre. Typischerweise muss sich eine Investition aus

14

Eine große Hürde sind die mit neuen Technologien und
neuen Märkten verbundenen Risiken. Gerade institutionelle Anleger stehen in der Regel in der treuhänderischen Pflicht, ihr Kapital sicher und ertragsorientiert
anzulegen. Investitionen in die Transformation der
Energiesysteme genügen diesen Ansprüchen unter den
derzeitigen Marktbedingungen häufig nicht.
Die Risiken von Investitionen in erneuerbare Energien und Effizienzsteigerungen liegen in vielen verschiedenen Bereichen. Es geht dabei um technische
Risiken (angesichts der teilweise noch wenig erprobten Technologien), Projektmanagementrisiken (Verzögerungen, Kostenüberschreitungen), Marktrisiken
(bezüglich Markt-, Preis- und Nachfrageentwicklung),
regulatorische Risiken (bezüglich Stabilität der vorherrschenden Regulierungen), Zins- und Währungsrisiken,
Ressourcenrisiken (z. B. bezüglich Windgeschwindigkeiten, Sonnenscheindauer) sowie politische Risiken bzw.
Länderrisiken (z. B. politische und ökonomische Stabilität, fehlende Rechtssicherheit) (Goldman et al., 2005;
UNEP-SEFI, 2009a; Inderst, 2009). Häufig werden insbesondere die technischen Risiken und Marktrisiken
von Projekten im Bereich erneuerbarer Energien aufgrund fehlender Erfahrung von den in der Regel risikoaversen Financiers überschätzt. Zudem liegen bei Projektprüfungen die notwendigen Daten und Erfahrungswerte (z. B. historische Daten zur Windgeschwindigkeit
bei Windparks oder zur Sonnenscheindauer bei Solar-

Politikpapier Nr. 7

Finanzierung

Juni 2012

Kasten 3

Auswirkungen	von	Basel	III	und	Solvency	II	auf	die	
Finanzierung	erneuerbarer	Energien
Einige neue Regulierungen auf den Kapitalmärkten, u.a. für
Banken (Basel III) sowie für europäische Versicherungen
(Solvency II), wirken sich indirekt auf die Finanzierung von
Projekten im Bereich erneuerbarer Energien und Energieeffizienz aus. Einerseits fordern sie von Banken künftig langfristige
Kredite mit einer längerfristigen Refinanzierung zu unterlegen,
welche seit der Finanzmarktkrise teurer geworden ist (Bundesverband Deutscher Banken, 2011). Andererseits erhöhen sie
die Opportunitätskosten für langfristige und riskante Investitionen seitens Banken und Versicherungen, da diese Investitionen künftig eine stärkere Eigenkapitalunterlegung erfordern
(Zähres, 2011). Dies benachteiligt künftig alle eher riskanten
und langfristigen Investitionen in neue, noch nicht erprobte
Technologien, so auch in erneuerbare Energien. Gleichzeitig

kraftwerken) zur Einschätzung der Risiken in vielen Fällen nicht vor (Sonntag-O’Brien und Usher, 2004). Dies
erschwert die Risikoeinschätzung seitens der Kapitalgeber und treibt die wahrgenommenen Risiken – mangels
besserer Information – häufig in die Höhe.
Für viele der Risiken von Anlagenherstellern und
-betreibern in der Errichtungs- und Betriebsphase gibt
es bereits passende Risikomanagementinstrumente.
So können Forderungsausfälle oder technische Risiken versichert werden, z. B. durch Transport-, Bauleistungs-, Betriebsunterbrechungs-, Haftpflicht-, Ertragsausfallversicherungen oder Performance-Garantien
für Solarpanels (UNEP und GEF, 2008; Danelutti und
Pazur, 2011; Münchener Rück, 2012). Weiter können
Zins- und Währungsrisiken durch Devisentermingeschäfte, Devisen-Swaps und Zins-Swaps abgesichert
werden (Goldman et al., 2005). Windderivate oder
Solar-performance-Garantien können prinzipiell zur
Absicherung von Wetterrisiken bei der Erzeugung von
Wind- und Solarenergie eingesetzt werden, wobei diese
Instrumente relativ neu sind und sich noch nicht breit am
Markt durchgesetzt haben (Danelutti und Pazur, 2011;
The Economist, 2012). Regulatorische Risiken und politische Risiken werden jedoch grundsätzlich nicht von
kommerziellen Versicherern übernommen (Danelutti
und Pazur, 2011). Zudem gelten auch einige technische
Risiken, insbesondere bei noch wenig erprobten Technologien im Bereich erneuerbarer Energien, mangels
Erfahrung als nicht versicherbar (Mitchell et al., 2011;
Sonntag-O’Brien und Usher, 2004; Münchener Rück,
2004). Da bei Investitionen in erneuerbare Energien
vielfach technische Risiken, Unsicherheit in der Marktund Technologieentwicklung sowie regulatorische Risiken im Vordergrund stehen, bleibt eine Versicherungslücke bestehen.

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Globale Umweltveränderungen

ergeben sich Vorteile für Investitionen in Technologien für
bereits bewährte erneuerbare Energien, wie beispielsweise
Onshore-Wind. Derartige Technologien werden bei der Risikoeinstufung in eine eher niedrige Risikokategorie eingeordnet
und müssen daher, verglichen mit den als riskanter eingestuften Aktienanlagen, künftig mit weniger Eigenkapital unterlegt
werden (Bloomberg, 2010).
Basel III wird im Jahr 2013 in Kraft treten und die EURahmenrichtlinie Solvency II im selben Jahr national umgesetzt
werden. Einerseits wird erwartet, dass Versicherungen mit der
Einführung von Solvency II ihr Portfolio tendenziell umschichten werden, weg von Aktien hin zu risikoärmeren Anleihen und
häufig auch zu Investitionen in bereits erprobte erneuerbare
Energien, wie z. B. Onshore-Windenergie oder Wasserkraft
(Bloomberg, 2010; Zähres, 2011). Andererseits ist eine noch
größere Zurückhaltung von Banken und Versicherungen gegenüber noch wenig erprobten und daher eher als riskant eingestuften Investitionen in die Transformation der Energiesysteme,
wie z. B. in Offshore-Windenergie, zu erwarten.

Risiken können auch durch administrative Barrieren
in Form von Auflagen und nachträglichen Anordnungen
entstehen, z. B. bei Windrädern hinsichtlich der Höhe,
Geräuschentwicklung, Sicherheit und Ästhetik der
Anlagen (De Jager et al., 2011). Fehlende Erfahrungen
der zuständigen Genehmigungsstellen können zu Verzögerungen oder Ablehnungen von Investitionsprojekten
führen, was für Sachinvestoren und Kapitalgeber ein
Risiko darstellt (Beck und Martinot, 2004).
Auch Akzeptanzprobleme sind bei Investitionen im
Bereich von erneuerbaren Energien, Energieinfrastrukturprojekten und Effizienzverbesserungen ein wichtiger
Risikofaktor. Obwohl große Teile der Bevölkerung den
Übergang zu nachhaltigen Energiesystemen grundsätzlich begrüßen, lehnen sie vielfach ab, dass neue Anlagen in ihrer direkten Nachbarschaft entstehen. Dieses
sogenannte NIMBY-Problem („not in my backyard“)
wird auch beim Ausbau von erneuerbaren Energien
und Energieinfrastruktur beobachtet und besteht trotz
der allgemeinen Akzeptanz gegenüber nachhaltigen
Energiesystemen (Devine-Wright, 2010). Kommt es zu
lokalem Widerstand in der Bevölkerung, können daraus
resultierende Widerspruchs- oder Klageverfahren zur
Verzögerung der Realisierung von Projekten führen.
Dadurch steigen die Managementkosten der Investitionen, was deren Finanzierung gefährdet (Ball, 2009).
Im Fall von Infrastrukturprojekten im Energiebereich
ist dies wegen der Existenz sogenannter Verzögerungskaskaden besonders schwerwiegend. Verzögert sich
ein Projektteil, müssen häufig nachfolgende Projekte
ebenfalls aufgeschoben werden, so dass die Verwirklichung eines größeren Infrastrukturvorhabens insgesamt
gefährdet ist.
In den Augen von Sachinvestoren und Kapitalgebern
könnten hohe Risiken durch hohe Renditen kompensiert

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Politikpapier Nr. 7

Finanzierung

Juni 2012

werden. Genau dies ist jedoch häufig im Energiesektor
nicht der Fall. Wegen der relativ niedrigen Energiepreise
fossiler und nuklearer Energieformen liegen die durchschnittlichen Renditen von Investitionen in erneuerbare
Energien oder Energieeffizienz unter denen im Bereich
konventioneller Infrastrukturinvestitionen und auch
unter den Renditeerwartungen von Sachinvestoren
und Kapitalgebern (Inderst, 2009; AGF, 2010). Daher
ziehen viele Kapitalgeber nach Abwägung von Rendite
und Risiko andere Anlageformen vor, so dass Investitionen in die Transformation der Energiesysteme vielfach
nicht finanziert werden. Je höher allerdings die erwarteten Inflationsraten sind und je größer die generellen
Unsicherheiten an den Aktienmärkten, desto attraktiver
werden Investitionen insbesondere in etablierte Technologien im Bereich erneuerbare Energien sein. Ein grundsätzlicher Vorteil von Investitionen in erneuerbare Energien liegt in der niedrigen Korrelation mit traditionellen
Asset-Klassen. Weil es aber etliche weitere Barrieren für
solche Investitionen gibt, ist dieser Effekt bisher nicht
dominant.

Informations- und Transaktionskosten
Bei Investitionen in erneuerbare Energien, Energieinfrastruktur und Energieeffizienz sind die Informations- und
Transaktionskosten häufig sehr hoch. Einerseits ist dies
der Fall, weil wenig Erfahrung und Expertise auf Seiten
der Kapitalgeber vorhanden ist und deshalb im Vorfeld
relativ viele Informationen zu Standorten, Potenzialen,
Bewilligungen, Planung, Finanzierung und Einspeisemöglichkeiten eingeholt werden müssen (Roland Berger,
2011). Andererseits fehlt aber oft auch das finanzwirtschaftliche Wissen auf Seiten derjenigen, die die Sachinvestitionen tätigen wollen. Dies trifft insbesondere bei
kleineren Investitionsprojekten zu. So entstehen hohe
Managementkosten (pre-investment costs), z. B. Kosten für juristische und technische Gutachten und sonstige Expertisen und Beratungsleistungen sowie Verwaltungsgebühren. Schließlich fehlt vielfach auch das
Wissen potenzieller Sachinvestoren über Möglichkeiten
sowie Vor- und Nachteile von Investitionen in erneuerbare Energien oder Energieeffizienz. Dies betrifft insbesondere Investitionen durch private Haushalte.
Projekte im Bereich erneuerbarer Energien und
Energieeffizienz sind häufig kleinskaliger als z. B. Projekte im Bereich konventioneller Energieerzeugung. Bei
kleinskaligen Projekten sind die Transaktionskosten oft
so hoch, dass sie für Kapitalgeber unattraktiv werden
(Goldman et al., 2005; Kalamova et al., 2011). Gerade
Projekte im Bereich erneuerbarer Energien und Energieeffizienz sind hiervon häufig betroffen (Beck und Martinot, 2004; UNEP-SEFI, 2009b; Kalamova et al., 2011).
Bei Energieeffizienzprojekten erweisen sich oft
auch Informationsasymmetrien als Investitionsbarriere.

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Globale Umweltveränderungen

Sachinvestoren verfügen meistens über mehr Wissen als
die potenziellen Kapitalgeber, welche häufig weder die
Einsparpotenziale der Maßnahmen kennen noch die tatsächlichen Einsparungen überprüfen können. Allgemein
akzeptierte Standards zur Messung und Verifizierung
der erzielten Einsparungen fehlen bisher bzw. den existierenden Methoden für die Messung und Verifizierung
wird aufgrund fehlender Transparenz und Standardisierung oft kein Vertrauen geschenkt. Außerdem fehlen
oft ausgebildete Fachkräfte, die die Messung und Verifizierung von Einsparungen durchführen könnten (IEA,
2011b).

Netze und Speicher
Die Stromnetze sind als natürliche Monopole unabhängig von der Eigentümerstruktur reguliert. Allerdings
bietet die derzeitige Regulierung in vielen Ländern
keine hinreichenden Anreize, in den Ausbau der Netze
zu investieren. Ohne derartige Investitionen kommt es
zunehmend zu Netzengpässen und die Transformation
des Gesamtsystems wird behindert (Schütz und Klusmann, 2011). Da Investitionen in Netze meist irreversibel sind und damit versunkene Kosten (sunk costs)
darstellen sowie aufgrund des Risikos willkürlicher
Anpassungen der Preisregulierungen durch den Staat
fehlen den privaten Netzbetreibern langfristig garantierte finanzielle Rückflüsse (Helm, 2010). Dies erklärt
die immer noch sehr geringe Bereitschaft der Netzbetreiber, die notwendigen Aus- und Umbauten der Netze
vorzunehmen und die dafür erforderliche Finanzierung
bereit zu stellen.
Weiter sind die Vergütungen der Netzbetreiber in
der Regel nationalen Zielen entsprechend festgelegt
und nicht auf grenzüberschreitende Stromnetze ausgerichtet. Regelungen für den grenzüberschreitenden
Netzausbau fehlen bislang, vor allem in der EU (Europäische Kommission, 2010). Dadurch werden Investitionen in diesem Bereich unsicher und wenig attraktiv.
Investitionen in Netzinfrastrukturen werden außerdem deswegen erschwert, weil sie sogenannte Netzwerkexternalitäten verursachen (Griffin und Puller, 2005). Je
mehr Teilnehmer in einem Netz sind, desto geringer sind
die Netzkosten für den einzelnen Nutzer. Gleichzeitig
steigen aber die Kosten wegen Überfüllungseffekten
bei gegebener physischer Netzinfrastruktur (Erber und
Hagemann, 2002). Bei der derzeitigen Anreizregulierung in vielen europäischen Ländern bestehen keine
hinreichenden Möglichkeiten, die entsprechenden
Kosten überzuwälzen, was die Investitionsbereitschaft
gering hält.
Auch sogenannte Lock-in-Effekte bremsen die Investitionstätigkeit. Bewährte Standardtechnologien werden häufig nicht durch neue Technologien ersetzt, weil
diese aufgrund von Forschungs- und Entwicklungsko-

Politikpapier Nr. 7

Finanzierung

Juni 2012

sten teurer sind. Außerdem erfordert der Wechsel eines
Technologiepfads, etwa bei der Einführung von Gleichstromübertragung oder beim Ausbau unterirdischer
Übertragungsnetze, zusätzliche Transaktionskosten,
denen in der Regel keine höheren Rückflüsse gegenüberstehen (Erber und Hagemann, 2002).
Schließlich bestehen für den Netzausbau Finanzierungsprobleme, weil – etwa in Europa – Netzbetreiber entweder staatlich sind oder einen öffentlichen
Hauptaktionär haben. Derartige Unternehmen haben
nicht immer das nötige Eigenkapital zur Finanzierung
des Netzausbaus. Gleichzeitig sind die Möglichkeiten,
Investitionen durch Kapitalgeber von außen, etwa
internationale Finanzinstitutionen (z. B. Europäische
Investitionsbank, Europäische Bank für Wiederaufbau
und Entwicklung), kommerzielle Banken oder Unternehmen finanzieren zu lassen, rechtlich eingeschränkt
(Roland Berger, 2011).
Das derzeitige Design der Strommärkte bietet kaum
Anreize in den Netzausbau, in Speichertechnologien
oder in Nachfragemanagement zu investieren. Angesichts der hohen Volatilität des Angebots wäre dies
bei verstärkter Integration erneuerbarer Energien in
den Markt essenziell für die Transformation der Energiesysteme. In den Ausbau von Speichern wird nicht
zuletzt auch deswegen sehr zurückhaltend investiert,
weil die technologischen Entwicklungen noch unbefriedigend sind bzw. noch keine Marktreife erlangt haben.
In die entsprechende Forschung wird von Privaten
wenig investiert, was unter anderem an den WissensSpillovers (positive externe Effekte) liegt. Aber auch die
staatlich finanzierte Forschung leistet hier bisher nur
kleinere Beiträge (Witte, 2009).

Energieeffizienz
Investitionen im Bereich Energieeffizienz sind im
Bereich von Firmen, aber auch von öffentlichen und
privaten Haushalten durchzuführen. Im Haushaltsbereich sind Investitionen in effiziente Elektrogeräte oder
auch Investitionen in die Energieeffizienz von Gebäuden
besonders wichtig. Investitionen in nachhaltige, effiziente Elektrogeräte unterbleiben oft, weil die privaten
Haushalte nicht genügend gut über die verschiedenen
technischen Optionen und ihre Vor- und Nachteile
informiert sind und weil die höheren Investitionskosten
energieeffizienter Geräte angesichts derzeit relativ niedriger Preise fossiler und nuklearer Energieformen kaum
amortisiert werden. Nicht-monetäre Anreize für Investitionen in Energieeffizienz fehlen oft.
Auch im Gebäudebereich machen sich ungünstige
Anreizstrukturen bemerkbar. Ein wichtiges Beispiel ist
die Mieter-Vermieter-Struktur: Vermieter tragen typischerweise die Kosten von Effizienzmaßnahmen an
Gebäuden, während die Einsparungen bei den Mietern

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Globale Umweltveränderungen

anfallen. Solche Strukturen reduzieren die Chancen auf
die Durchführung und Finanzierung der entsprechenden Effizienzinvestitionen.
Bei Gebäuden mit mehreren Eigentümern (z. B.
Eigentumswohnungen) können zudem Abstimmungsprobleme zwischen den Parteien als Investitionshemmnis wirken. Bei Unternehmen oder öffentlichen Einrichtungen werden Effizienzinvestitionen auch dadurch
erschwert, dass Einsparungen aus Effizienzmaßnahmen
häufig in anderen Budgetposten verbucht werden als
die hohen Anfangsinvestitionen. Die Rechtfertigung
entsprechender Investitionen wird dadurch erschwert
(Rezessy und Bartoldi, 2010).

Spezifische Probleme in Entwicklungsländern
Die beschriebenen Barrieren für Investitionen in den
nachhaltigen Aus- und Umbau von Energiesystemen
bestehen für Entwicklungs- und Schwellenländer in gleicher Weise wie für Industrieländer. Während Schwellenländer von ähnlichen Investitions- und Finanzierungsbarrieren betroffen sind wie Industrieländer, sind für die
Entwicklungsländer und einige aufstrebende Schwellenländer weitere spezifische Hemmnisse vorhanden.

Mangelnde Voraussetzungen für ausländische
Direktinvestitionen
Ein Teil der Investitionen zum Ausbau und zur Transformation der Energiesysteme in Entwicklungsländern
müsste in Form ausländischer Direktinvestitionen (foreign direct investment, FDI) erfolgen, da es nicht genügend Kapital und finanzstarke Unternehmen in diesen
Ländern gibt (UNCTAD, 2010; Buchner et al., 2011). Das
vorhandene Instrumentarium der Weltbank-Gruppe,
der regionalen Entwicklungsbanken und der nationalen
Exportversicherung in Industrieländern ist grundsätzlich geeignet, eine Finanzierung der Transformation der
Energiesysteme durch ausländische Direktinvestitionen
zu ermöglichen (Kerste et al., 2011). Das Instrumentarium ist so ausgestaltet, dass es die privaten Investitionen über die International Finance Cooperation (IFC)
und die Multilateral Investment Guarantee Agency
(MIGA) absichert. Allerdings setzen internationale
Investoren typischerweise politische Stabilität, Rechtssicherheit, einen Banken- und Finanzsektor, Sektorpolitiken und internationale Investitionsabkommen voraus.
Viele Entwicklungsländer, insbesondere die armen Entwicklungsländer, können dieses politische Umfeld nicht
bieten (Delina, 2011; UNCTAD, 2010). Daher kommen
die in diesen Ländern für die Transformation der Energiesysteme benötigten ausländischen Direktinvestitionen häufig nicht bzw. nicht in ausreichendem Maß
zustande.

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Politikpapier Nr. 7

Finanzierung

Juni 2012

Viele Entwicklungsländer sind durch eine geringe
Stabilität des politischen Systems, durch Währungsschwankungen und durch hohe Inflationsgefahr gekennzeichnet (Hamilton, 2010; DB Climate Change Advisors,
2010; Stadelmann et al., 2011). Wenn Investitionen nur
in heimischer Währung getätigt werden können, wirken
sich Währungsrisiken bei ausländischen Kapitalgebern
und potenziellen ausländischen Sachinvestoren negativ
auf Investitionsentscheidungen aus: Sie werden zum
Investitionshemmnis. Dies gilt insbesondere für Investitionsprojekte, die nicht in US-Dollar oder Euro abgewickelt werden, weil es dafür kaum Möglichkeiten der
Versicherung gibt (Kerste et al., 2011).
Zusätzlich sind, insbesondere im ländlichen Raum
der Entwicklungsländer, viele Investitionsprojekte in
erneuerbare Energien und Energieeffizienz noch kleinskaliger als in Industrieländern. Dadurch liegen die
Transaktionskosten vielfach prohibitiv hoch (Hamilton,
2010; Kerste et al., 2011; UNEP-FI, 2012). Will man
im Zuge der Transformation der Energiesysteme die
Energiearmut in Entwicklungsländern überwinden, so
kommt gerade der Elektrifizierung des ländlichen Raums
eine wichtige Rolle zu. Die meisten Dörfer in ärmeren
Entwicklungsländern sind bisher nicht an eine Netzinfrastruktur angeschlossen und die Anschlusskosten sind
überproportional hoch. Die Nutzung erneuerbarer Energien ermöglicht hier vergleichsweise günstige Off-gridoder Kleinnetz-Lösungen (Kerste et al., 2011). Diese
Energieprojekte weisen aber eher geringe Skalenerträge
auf, da die Bevölkerungsdichte im ländlichen Raum sehr
viel geringer ist als in Städten. Folglich sind die Investitions- und Wartungskosten auf wenige Nutzer zu verteilen und es fallen höhere spezifische Energiekosten an
(Zeriffi, 2011). Dies behindert entsprechende Investitionen.
Gleichzeitig begrenzt die Einkommensarmut der
ländlichen Haushalte ihre Zahlungsfähigkeit für Energie (IEA, 2011c). Folglich hätten Investoren in Erzeugungskapazitäten oder Netzinfrastruktur nur wenige
zahlungsfähige Kunden, was die entsprechenden Investitionen unattraktiv macht. Die Erschließung eines
Marktpotenzials bei reicheren Nachfragern, die bereits
fossile Energie konsumieren, ist mit hohen Transaktionskosten verbunden und setzt einen rechtlich abgesicherten Marktzugang voraus, der jedoch häufig fehlt.
Zudem sind bisher die Energieverbrauchsgewohnheiten
der privaten Haushalte oder Kleinstunternehmen auf
dem Land vielfach nicht kompatibel mit zentralisierten
Stromsystemen, die darauf ausgelegt sind, kontinuierlich Energie zu liefern (Kerste et al., 2011; Zeriffi, 2011;
UNEP-FI, 2012; IEA, 2011c). Dadurch werden viele
Kapitalgeber und potenzielle Investoren abgeschreckt.

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Globale Umweltveränderungen

Probleme des Clean Development Mechanism
Investitionen in erneuerbare Energien und Energieeffizienz in Entwicklungs- und Schwellenländern können
auch über den Mechanismus für umweltverträgliche
Entwicklung (Clean Development Mechanism, CDM)
finanziert werden. Dieser im Kioto-Protokoll verankerte
Mechanismus soll die Industrieländer dabei unterstützen, ihre zugesagten Emissionsminderungen zu erreichen und gleichzeitig zur nachhaltigen Entwicklung
der Entwicklungs- und Schwellenländer beitragen (Art.
12, KP; UNFCCC, 1997). Im Rahmen des CDM können
nachgewiesene CO2-Emissionsreduktionen verbrieft
und gehandelt werden. Von den Industrieländern können die CDM-Minderungszertifikate erworben und auf
ihre eigenen Minderungsverpflichtungen angerechnet
werden (offsetting). So entsteht ein monetärer Anreiz,
emissionsmindernde Investitionen in Entwicklungsund Schwellenländern durchzuführen. Voraussetzung
für die Verbriefung ist, dass die erzielten Emissionsreduktionen im Vergleich zu einer gedachten Basislinie
(baseline) zusätzlich sind.
Das Kriterium der „Zusätzlichkeit“ (additionality)
der Emissionsreduktionen wirft im Hinblick auf die
für den Klimaschutz unerlässliche Transformation der
Energiesysteme Probleme auf (WBGU, 2011). Einerseits scheuen viele Investoren die aufwändigen Zulassungs- und Zertifizierungsprozesse für CDM-Projekte.
Dies nicht zuletzt, weil unklar ist, wie sich der CDMMechanismus nach Ende der gegenwärtigen Verpflichtungsperiode des Kioto-Protokolls entwickeln wird
(IEA, 2011b,c; Hosier et al., 2010; Buchner et al., 2011;
UNCTAD, 2010). Dadurch stellt der CDM für potenzielle Investoren kein verlässliches Finanzierungsinstrument dar (Kerste et al., 2011; UNEP-FI, 2012). Darüber hinaus können unter der Maßgabe zusätzlicher
Emissionsreduktionen mit den Mitteln der Klimafinanzierung bislang keine Infrastrukturinvestitionen, z. B.
Netze oder Speicher, finanziert werden, weil dabei keine
direkten zusätzlichen CO2-Einsparungen generiert werden (Forum Umwelt und Entwicklung et al., 2010; IEA,
2011c; Hamilton, 2010). So gesehen würde man sich
eine „weichere“ Auslegung des Kriteriums Zusätzlichkeit wünschen. Allerdings ist eine strikte Auslegung der
Zusätzlichkeit beim CDM von hoher Bedeutung für den
Klimaschutz, da es sich um einen Offsetting-Mechanismus handelt, bei dem die Geldflüsse daran gekoppelt
sind, dass den im Kioto-Protokoll zu Emissionsminderungen verpflichteten Ländern höhere Emissionen
erlaubt werden. Aus den genannten strukturellen Gründen wird der CDM für Investitionen in die Transformation der Energiesysteme keine große Wirkung entfalten
können und hat das auch bisher nicht getan.

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Mangelnde Abstimmung von Entwicklungszusammenarbeit und Klimafinanzierung
Im Rahmen der öffentlichen internationalen Entwicklungszusammenarbeit und der öffentlichen Klimafinanzierung gibt es die Möglichkeit, Technologien für erneuerbare Energien oder Energieeffizienz direkt zu fördern
bzw. Hebelwirkungen in Kombination mit privatem
Kapital auszulösen. Allerdings ist der Anteil für Energie in der öffentlichen Entwicklungszusammenarbeit
in den letzten Jahren eher gering und schwankt stark
in Abhängigkeit vom Ölpreis (Michaelowa und Michaelowa, 2010). Auch die Instrumente der Klimafinanzierung wie die GEF, der Climate Technology Fund (CTF),
bilaterale und multilaterale Fonds oder CDM hatten an
der Finanzierung einer Transformation der Energiesysteme bisher einen geringen Anteil (IEA, 2011b,c; Hosier
et al., 2010; UNEP-FI, 2012). Dadurch standen insgesamt wenig öffentliche Mittel für den nachhaltigen Ausund Umbau der Energiesysteme in Entwicklungsländern
zur Verfügung.
Um die öffentliche Entwicklungszusammenarbeit
und die Klimafinanzierung besser für die Energiewende
nutzen zu können, müssten die Entwicklungsländer u. a.
über Verwaltungskapazitäten zur Beantragung und über
eigene finanzielle Ressourcen zur Kombination mit den
einzelnen Instrumenten der Weltbank verfügen. Dies ist
häufig nicht der Fall.
Seit der Paris Declaration (2005) und der Accra
Agenda for Action (2008) ist eine weitere Voraussetzung für die Inanspruchnahme von Mitteln der Entwicklungsfinanzierung, dass die einzelnen Länder
eigene Entwicklungsstrategien formulieren und energiesowie klimapolitische Ziele festlegen. Zur Beantragung
von Mitteln aus der öffentlichen Entwicklungszusammenarbeit sollen möglichst alle Projekte und Strategien
untereinander abgestimmt sein, zu großvolumigen Programmen zusammengefasst werden sowie integrativer
Bestandteil der jeweiligen Entwicklungsstrategie sein.
Energiebezogene Projekte oder Programme gerade aus
vielen armen Entwicklungsländern sind in der Regel
aber zu klein, als dass sie diese Voraussetzungen erfüllen könnten (Hosier et al., 2010; IEA, 2011b,c; Global
Climate Network, 2010). Infolge dessen werden energiebezogenen Projekten selten entsprechende Gelder
zugesprochen.
Die Evaluierung der Paris Declaration und Accra
Agenda for Action hat gezeigt, dass auch auf Seiten
der Geberländer Probleme liegen. Die Bereitschaft für
abgestimmte gemeinsame Aktionen der Geberländer ist
gering. Trotz stärkerer Eigenverantwortung der Partner
in den Entwicklungsländern sind dadurch die gesamten
Transaktionskosten von Projekten oder Programmen
vielfach gestiegen, was die Durchführung der entsprechenden Investitionen erschwert hat (Ashoff, 2011).

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Globale Umweltveränderungen

Weiter ist zu bedenken, dass verschiedene Finanzierungsinstrumente unterschiedlichen Vergaberegeln
unterliegen, wobei die Vergaberegeln für Instrumente
der Klimafinanzierung aufgrund des Zulassungs- und
Zertifizierungsprozesses der Treibhausgasminderung
strenger sind als die der Entwicklungszusammenarbeit
(Hosier et al., 2010; Ritchie und Usher, 2011). Da es zu
zeitlichen Verzögerungen kommen kann, weil die Prüfzeiträume der Anträge für die einzelnen Instrumente
nicht aufeinander abgestimmt sind, können Friktionen
entstehen (Hosier et al., 2010). Außerdem erfordert die
Fragmentierung verschiedener bestehender bilateraler
und multilateraler Fonds für Energie einen sehr hohen
Koordinationsaufwand bei den Nehmerländern (Hosier
et al., 2010; Forum Umwelt und Entwicklung et al.,
2010; IEA, 2011c).
Eine ungenügende Abstimmung von Entwicklungszusammenarbeit und der Klimafinanzierung erweist sich
somit als wichtiges Hemmnis für Investitionen in den
nachhaltigen Aus- und Umbau der Energiesysteme in
Entwicklungsländern.
Aus der Analyse der Hemmnisse folgt, dass neben
verlässlichen Energiestrategien auch „korrekte“ Energiepreise und ein genereller Abbau der Investitions- und
Finanzierungsbarrieren auf Kapital- und Energiemärkten notwendig sind. Insbesondere sollten die Investitionsbedingungen in Entwicklungsländern verbessert und
die internationale Entwicklungs- und Klimafinanzierung
gut koordiniert werden. Im folgenden Kapitel werden
konkrete Empfehlungen gegeben, wie weltweit Impulse
für die Finanzierung einer Transformation der Energiesysteme zur Nachhaltigkeit gesetzt werden können.

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Politikpapier Nr. 7

Finanzierung

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Globale Umweltveränderungen

Empfehlungen	zur	Mobilisierung	
von	Kapital	für	die	Energiewende
Die Investitions- und Finanzierungsbereitschaft für die
Transformation der Energiesysteme zur Nachhaltigkeit
bleibt trotz grundsätzlich verfügbarem privatem Kapital
deutlich hinter den Erfordernissen zurück. Der WBGU
empfiehlt, mit einer transformativen Ordnungspolitik
dieses private Kapital zu mobilisieren. Der gestaltende
Staat mit erweiterten Partizipationsmöglichkeiten
(WBGU, 2011) ist gefordert, die Rahmenbedingungen so zu verändern, dass private Investitionen in die
Transformation der Energiesysteme attraktiver werden.
Gleichzeitig sollte die Politik mehr Bürgerbeteiligung
ermöglichen, um auf Bedenken einzugehen, um Planungen gegebenenfalls anzupassen und so die Akzeptanz
für den Ausbau der Netze zu verbessern.

Transformative Ordnungspolitik aufbauen
Die Bereitschaft für Investitionen in erneuerbare Energien, Energieinfrastruktur und Effizienztechnologien
kann erhöht werden, wenn wesentliche Investitionsrisiken reduziert werden. Dazu sollten die nationalen
Energie-, Klima- und Umweltpolitiken der Staaten konsequent auf eine Transformation der Energiesysteme zur
Nachhaltigkeit ausgerichtet werden.

Nationale Energiestrategien entwickeln
Eine entscheidende Grundlage für eine Energiewende
zur Nachhaltigkeit sind langfristig stabile und verbindliche Ziele und Strategien in der Energiepolitik, die dem
Ausbau erneuerbarer Energien und der Erhöhung der
Energieeffizienz höchste Priorität einräumen. Nur bei
Vorliegen ambitionierter, langfristiger und (rechtlich)
verbindlicher Energiestrategien kann die erforderliche
Planungs- und Rechtssicherheit hergestellt und eine
Koordinierung der verschiedenen an der Transformation beteiligten Akteure ermöglicht werden. Da derzeit
ein neuer Investitionszyklus für Energieinfrastruktur
beginnt, benötigen die Sachinvestoren und Kapitalgeber
dringend verbindliche Aussagen dazu, welche Technologien langfristig von der Politik unterstützt werden.
In diesem Sinne haben bereits einige Länder, unter

20

anderem Deutschland, Dänemark, Schweden, Großbritannien, die Schweiz, Neuseeland und Litauen
sowie die Europäische Union Energiestrategien- bzw.
-fahrpläne bis zum Jahr 2050 vorgelegt, die den Ausbau erneuerbarer Energien und eine Verbesserung der
Energieeffizienz zum Ziel haben. Diese sollten nun – so
noch nicht geschehen – rasch in Gesetze und konkrete
Maßnahmen übersetzt werden, um für die notwendige
Verbindlichkeit zu sorgen. Rechtssicherheit, insbesondere Bestandsschutz bei Fördermaßnahmen und Vertrauensschutz, sind dabei wesentlich. Eine Strategie ist
aber nicht hinreichend, sondern es müssen auch ambitionierte und konkrete Zielsetzungen und Maßnahmen
zur Umsetzung folgen. Länder, in denen solche Energiestrategien noch fehlen, sind aufgerufen, sie möglichst
umgehend zu formulieren und umzusetzen. Geeignete
Maßnahmen werden in den folgenden Abschnitten vorgestellt.

Empfehlung 1
Für alle Länder: Ambitionierte, langfristige und (rechtlich) verbindliche nationale Energiestrategien mit messbaren Zielsetzungen zügig entwickeln und
durch geeignete Gesetze und konkrete
Maßnahmen umsetzen.

Gesellschaftliche Kosten fossiler und nuklearer
Energien internalisieren
Langfristige Klima- und Umweltpolitik erfordert, die
externen, gesellschaftlichen Kosten fossiler und nuklearer Energietechnologien zu internalisieren. Werden
dadurch konventionelle Energieformen teurer, bedeutet dies, dass die erneuerbaren Energieformen relativ

Politikpapier Nr. 7

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Juni 2012

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Globale Umweltveränderungen

EMPFEHLUNG „INTERNATIONALE INITIATIVE I“:
CO2-Bepreisung durch Emissionshandelssysteme ausweiten
Der WBGU empfiehlt Deutschland und der EU sich
dafür einzusetzen, dass Konzepte zur CO2-Bepreisung
eine zwingende Rahmenbedingung für alle klimaverträglichen Entwicklungsstrategien bilden. Insbesondere empfiehlt der WBGU den Aufbau von Emissionshandelssystemen in möglichst vielen Ländern. In
vielen Entwicklungs- und manchen Schwellenländern
ist dafür internationale Unterstützung in Form von
Beratung und Kapazitätsaufbau notwendig. Dafür
sollten internationale Finanztransfers vorgesehen
werden, die über den Green Climate Fund institutionell verankert werden könnten.
In einem nächsten Schritt sollten bestehende oder
sich entwickelnde Emissionshandelssysteme miteinander verknüpft werden, so dass der internationale Kohlenstoffmarkt vergrößert wird. Eine solche
Verknüpfung bis hin zur Definition einer gemeinsamen, staatenübergreifenden Emissionsobergrenze
kann dazu beitragen, Minderungsziele effizienter zu
erreichen und private Finanzflüsse, insbesondere in

Schwellenländern, auszulösen. In eine ähnliche Richtung zielen sektorale Ansätze im Emissionshandel,
z. B. bei der Stromerzeugung. So könnten Schwellenländer, die bisher keine nationalen Emissionsobergrenzen eingeführt haben, zunächst sektoral oder
abgestuft an einem verknüpften Emissionshandelssystem teilnehmen. Mittelfristig ist eine vollständige
Einbindung der Schwellenländer in einen internationalen Kohlenstoffmarkt anzustreben. Deutschland
sollte sich in der Europäischen Union dafür einsetzen,
dass Kooperationsmöglichkeiten im Sinne der Verknüpfung von Emissionshandelssystemen mit dem
europäischen Emissionshandel (EU ETS) engagiert gefördert werden.
Die Verknüpfung der Emissionshandelssysteme
wird allerdings nur dann signifikante Vorteile bringen,
wenn die einzelnen Systeme so ausgestaltet sind, dass
sie ausreichend hohe CO2-Preise erzeugen und hohe
Preisvolatilitäten vermeiden. Hier sollte das EU ETS
beispielhaft vorangehen.

billiger werden. Diese relativen Kostensenkungen verbessern die Wettbewerbsfähigkeit erneuerbarer Energien und lassen entsprechende Investitionen attraktiver
werden. Bei höheren Kosten für Energie werden auch
Investitionen in Energieeffizienz attraktiver, da private
Haushalte und Firmen signifikante Ersparnisse bei den
Energiekosten erzielen können.
Eine Internalisierung der externen Effekte fossiler
Energieformen bedeutet vor allem eine Bepreisung von
CO2-Emissionen. Dies kann grundsätzlich über die Einführung einer Steuer oder über eine Mengenbegrenzung mit
handelbaren Emissionszertifikaten vorgenommen werden
(Preis- versus Mengenlösung). Der WBGU (2009, 2010,
2011) empfiehlt in Anlehnung an das europäische Emissionshandelssystem eine Mengenlösung in Form eines Capand-trade-Systems, d. h. eine Begrenzung der zulässigen
Emissionen bei gleichzeitiger Handelbarkeit der Emissionszertifikate. So können ökologische Treffsicherheit und
ökonomische Effizienz miteinander kombiniert werden.
Dadurch werden bei allen Marktakteuren Anreize gesetzt,
in nachhaltige Technologien zu investieren. Gleichzeitig
werden auf diese Weise emissionsarme Technologien im
Vergleich zu konventionellen fossilen Technologien eher
wettbewerbsfähig. Kommt es zu einer (teilweisen) Versteigerung der Anfangsausstattung mit Zertifikaten für
CO2, kann der Staat zudem Einnahmen generieren, die
für die Förderung der Transformation der Energiesysteme
verwendet werden könnten.

Der WBGU empfiehlt, das europäische Emissionshandelssystem auf alle fossilen CO2-Emissionsquellen
auszuweiten. Zudem ist eine Nachsteuerung der Zertifikatsmenge bei der Auktionierung bzw. während der
Handelsperioden zu erwägen. In Ländern, in denen
die notwendigen institutionellen Voraussetzungen für
Mengenlösungen (noch) nicht gegeben sind, sollte nach
Ansicht des WBGU eine CO2-Besteuerung eingeführt
werden. Um für genügend große Kohlenstoffmärkte
zu sorgen, sollten Entwicklungs- und Schwellenländer
möglichst bald in Emissionshandelssysteme einbezogen
und die verschiedenen Systeme miteinander kompatibel gemacht werden. Dies sollte international, etwa im

Empfehlung 2
Planungssicherheit
für
Investoren
schaffen: Rechtssicherheit, insbesondere
Bestandsschutz und Vertrauensschutz,
für transformative Investitionen gewährleisten.

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Politikpapier Nr. 7

Finanzierung

Juni 2012

Rahmen der UNFCCC, abgestimmt werden. Deutschland
und die EU sollten hier eine Vorreiterrolle übernehmen
(siehe Empfehlung „Internationale Initiative I“).
Eine Internalisierung der gesellschaftlichen Kosten
nuklearer Energieformen könnte – wie in Deutschland –
durch eine Kernbrennstoffsteuer geschehen. Sie würde
neben der Preiserhöhung nuklearer Energieformen auch
für staatliche Einnahmen sorgen, die für die Transformation der Energiesysteme in Richtung Nachhaltigkeit
verwendet werden könnten. Auch Auflagen zur Durchführung risikominimierender Nachrüstung bestehender
Anlagen sowie eine erweiterte Haftpflicht für Betreiber
von neuen Anlagen würden zur Internalisierung der
gesellschaftlichen Kosten der Kernenergie beitragen.

Subventionen für fossile Energien abbauen
Eine Internalisierung der gesellschaftlichen Kosten fossiler Energieformen kann nur dann wirksam sein, wenn
die in vielen Ländern noch existierenden Subventionen
für fossile Energieträger schnellstmöglich abgebaut werden. Dadurch könnten allein in den Industrieländern der
G20 schätzungsweise 8–10 Mrd. US-$ jährlich gespart
werden. Deutliche Ersparnisse wären auch in Russland,
dem Iran, China, Saudi Arabien, Indien, Indonesien, der
Ukraine oder Ägypten zu erwarten, wo die Subventionszahlungen derzeit besonders hoch sind (UNEP, 2008;
IEA, 2011a). Diese Einsparungen könnten verwendet
werden, um die Transformation der Energiesysteme zu
fördern, insbesondere den Ausbau erneuerbarer Energien. Die im Jahr 2009 in Pittsburgh getroffene Vereinbarung der G20, Subventionen auf fossile Energieträger
schrittweise abzubauen, sollte baldmöglichst konkretisiert und umgesetzt werden.

Unerwünschte Verteilungswirkungen sozial
abfedern
Unweigerliche und auch gewünschte Folge der Internalisierung der gesellschaftlichen Kosten fossiler und nuklearer Energieformen, des Netzausbaus sowie der Förderung erneuerbarer Energien sind Preissteigerungen,
insbesondere für den Bezug von Strom. Es ist davon
auszugehen, dass die Gesamtausgaben für Energie bei
privaten Haushalten, Firmen und beim Staat mittel- bis
langfristig, d. h. bei Fortschritten in der Transformation
der Energiesysteme zur Nachhaltigkeit, wieder sinken
werden. In einer Übergangszeit ist aber mit steigenden
Energieausgaben zu rechnen. Während private Firmen
diese Ausgabensteigerungen häufig in Form höherer
Produktpreise weitergeben können, dürften viele Haushalte hiervon existenziell betroffen sein. Dies betrifft
insbesondere ärmere Haushalte und gilt nicht nur für
Entwicklungs- und Schwellenländer, sondern auch für
Industrieländer (Kopatz et al., 2010; IEA, 2011a). Laut
Schätzungen der Bundesnetzagentur könnte beispiels-

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Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung
Globale Umweltveränderungen

weise Haushaltsstrom in Deutschland in den nächsten
Jahren allein aufgrund des Netzausbaus um 7 % teurer
werden (Bünder, 2012).
Um die gesellschaftliche Akzeptanz einer Transformation der Energiesysteme nicht zu gefährden, sollten
die steigenden Energiekosten angemessen sozial abgefedert werden. Dies könnte beispielsweise durch direkte
Einkommenstransfers an einkommensschwache Haushalte oder durch Gutscheinsysteme geschehen, die den
kostenlosen Bezug einer begrenzten Menge an Strom
ermöglichen. Die jeweilige soziale Abfederung sollte
sich dabei sinnvoll in die entsprechenden nationalen
Systeme zur sozialen Sicherung einfügen.
Auch der Sozialverträglichkeit von Subventionen für
erneuerbare Energien ist ein besonderes Augenmerk zu
schenken. In Deutschland kommt die Förderung durch
das EEG auf Ebene privater Haushalte eher besserverdienenden Haushalten zugute, während Niedrigeinkommenshaushalte sich aufgrund der Umlage auf alle
Stromkonsumenten mit – gemessen an ihrem Einkommen – relativ höheren Belastung konfrontiert sehen.
Hier sind fiskalische oder andere Kompensationsmaßnahmen geeignet (Ekardt, 2010).

Empfehlung 3
Wettbewerbsfähigkeit erneuerbarer Energien herstellen: Künstliche Verbilligung
fossiler und nuklearer Energieformen,
etwa durch Subventionen oder fehlende
Berücksichtigung gesellschaftlicher Kosten, aufheben. Entsprechende Initiativen
in der G20 vorantreiben. Resultierende
Erhöhungen der Energiekosten angemessen sozial abfedern.

Anreize für Sachinvestitionen in die
Energiewende schaffen
Ambitionierte, langfristige und rechtlich verbindliche
nationale Energiestrategien sowie die Internalisierung
gesellschaftlicher Kosten fossiler und nuklearer Energieformen sind wesentliche Voraussetzungen dafür, dass
mehr in den Aus- und Umbau der Energiesysteme in
Richtung Nachhaltigkeit investiert wird. Darüber hin-

Politikpapier Nr. 7

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Juni 2012

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Globale Umweltveränderungen

EMPFEHLUNG „INTERNATIONALE INITIATIVE II“:
Globale Verbreitung von Einspeisevergütungen
Der WBGU empfiehlt, dass Deutschland als Vorreiter im Bereich der Einspeisevergütungen neben
einem verstärkten Wissenstransfer eine internationale Initiative zur globalen Verbreitung von Einspeisevergütungen anstoßen und einen Mechanismus
für die Finanzierung von Einspeisevergütungen in
Entwicklungsländern ins Leben rufen sollte. In einer
Absichtserklärung sollten sich die teilnehmenden
Staaten zur zeitlich befristeten Einführung von Einspeisevergütungen in ihren Ländern oder zur Verbesserung bestehender Vergütungssysteme bekennen.
Damit auch in Entwicklungsländern Einspeisesysteme
umgesetzt werden können, sind internationale Transfers notwendig. Während Einspeisevergütungen in
Industrieländern von den Endverbrauchern über die
Elektrizitätspreise getragen werden können, ist ein
Großteil der Konsumenten in Entwicklungsländern
dazu nicht in der Lage. Daher sollten staatliche oder
andere Zuschüsse für die Einspeisung erneuerbarer
Energien sichergestellt werden, ebenso wie Mittel für
den Kapazitätsaufbau (Wissenstransfer, Ausbildung).
Denkbar wäre hierfür die Einrichtung eines internationalen Finanzierungsmechanismus nach dem Konzept des GET FiT-Programms (Global Energy Transfer
Feed-in Tariffs) der Deutsche Bank Climate Change
Advisors (Fulton et al., 2011). GET FiT sieht eine internationale Public-Private-Partnership vor, bei der sich
Sponsoren als Kapitalgeber und Risikoabsicherer en-

aus erscheint es sinnvoll, Energieeffizienz sowie zeitlich
befristet die Entwicklung und den Einsatz von erneuerbaren Energien zu fördern. Schließlich müssten Regulierungen von Strommärkten und Netzen so verändert
werden, dass Investitionen begünstigt werden.

Fördersysteme für erneuerbare Energien
einführen
Der WBGU hält zeitlich befristete Fördersysteme für
den Einsatz erneuerbarer Energien für unverzichtbar,
um deren Diffusion weltweit rasch voranzubringen. Hier
kommen vor allem Einspeisevergütungen in Frage, oder
auch Quotensysteme, bei denen Energieerzeuger einen
bestimmten Anteil erneuerbarer Energien in ihrem
Portfolio vorweisen müssen, wobei sie diesen auch
durch Zukauf sogenannter „grüner Zertifikate“ decken
können. Der WBGU empfiehlt Einspeisevergütungen
(feed-in tariffs, FiT) in Verbindung mit Einspeise- oder
Abnahmegarantien für eine Markteinführungsphase,
da dieses System schneller greift als Quotenregelungen

gagieren und die Zahlung von Einspeisevergütungen
über den gesamten Investitionszeitraum garantieren.
Ein derartiger Rahmen könnte das Angebot an und die
Nachfrage nach Finanzierung beflügeln. Gerade auch
in Entwicklungsländern könnte so das vorhandene Finanzierungspotenzial mobilisiert werden, so dass sich
einzelne Akteure entsprechend ihrer Möglichkeiten
an der Finanzierung beteiligen. Auf ähnliche Weise
könnten auch unabhängige Mini-Grid-Lösungen gefördert werden (Moner-Girona, 2008).
Ein solcher Finanzierungsmechanismus könnte
einen integrativen Bestandteil der Zusagen im Rahmen der UNFCCC bilden, wonach ab dem Jahr 2020
jährlich 100 Mrd. US-$ für Anpassungs- und Vermeidungsmaßnahmen in Entwicklungsländern zur Verfügung stehen sollen. Der Ausbau der erforderlichen
Energieinfrastruktur (Netze, Speicher) sollte bei der
Finanzierung unbedingt berücksichtigt werden. Soweit möglich sollte die finanzielle Unterstützung
außerdem an marktwirtschaftliche Reformen der
Energiemärkte (Entflechtung von Energieerzeugern
und Netzbetreibergesellschaften sowie den Einsatz
unabhängiger Regulierungsbehörden) geknüpft sein,
um Wettbewerb und Markteffizienz anzuregen. Der
Abbau von Subventionen für fossile Energieträger
sollte eine Voraussetzung für die Unterstützung sein.
Schließlich sollten klare Regeln für ein mittelfristiges
Auslaufen der entsprechenden Fördermodelle sorgen.

(IEA, 2008; IPCC, 2011). Wichtig ist, dass die Förderung
über die Jahre hin einer Degression unterliegt und nach
Erreichen eines vorher bestimmten Schwellenwertes an
installierter Leistung und bei Marktparität vorhersehbar
ausläuft.
Deutschland sollte die mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz gewonnenen Erfahrungen verstärkt für den
internationalen Wissenstransfer zur optimalen Ausgestaltung von Systemen für Einspeisevergütungen nutzen. Als Forum bietet sich dafür die von Deutschland
zusammen mit Spanien und Slowenien im Jahr 2005
gegründete International Feed-in Cooperation (IFIC) an,
in deren Rahmen ein regelmäßiger Wissens- und Erfahrungsaustausch zwischen Ländern mit Einspeisevergütungen stattfindet. Dieser Erfahrungsaustausch könnte
auch um die Dimension des Capacity Building erweitert
werden. Perspektivisch sollte die Rolle der IFIC weiter
gestärkt werden, um u. a. bei der Koordinierung der
unterschiedlichen Fördersysteme der Mitgliedsländer im
Hinblick auf ein gemeinsames und ambitioniertes Ziel für

23

Politikpapier Nr. 7

Finanzierung

Juni 2012

erneuerbare Energien zu helfen. In diesem Zusammenhang empfiehlt der WBGU eine zweite, von Deutschland
angestoßene internationale Initiative (siehe Empfehlung
„Internationale Initiative II“).
Einspeisetarife können für Investitionssicherheit
sorgen und stellen so ein besonders effizientes Instrument dar, um Investitionen in erneuerbare Energien zu
fördern. Bei zunehmender Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen ist es sinnvoll, die Fördersysteme so
weiterzuentwickeln, dass erneuerbare Energien sukzessive in den herkömmlichen Strommarkt integriert werden. Dazu ist es notwendig die Vergütung zunehmend
marktbasiert zu gestalten, damit der Anreiz gegeben ist,
sich am Strompreis und damit am Bedarf zu orientieren.
Der WBGU empfiehlt daher, Anreize zur Direktvermarktung des aus erneuerbaren Energien erzeugten Stroms
zu erhöhen. Dafür eignen sich z. B. Marktprämienmodelle, bei denen Erzeuger erneuerbarer Energien bei
Direktvermarktung des Stroms die Differenz zwischen
der anlagenspezifischen Einspeisevergütung und dem
durchschnittlichen Börsenpreis für Strom erhalten. Eine
Direktvermarktung kommt jedoch erst dann in Frage,
wenn durch Einspeisetarife ein signifikanter Anteil von
Strom aus erneuerbaren Energien an der Gesamterzeugung erreicht wurde.

Empfehlung 4
Für alle Länder: Befristete Fördersysteme
für erneuerbare Energien einführen.

Strommarkt- und Netzregulierung umgestalten
Sachinvestitionen in die nachhaltige Transformation der
Energiesysteme sollten durch geeignete Strommarktregulierungen attraktiver gemacht werden. Beispielsweise
sollten private Unternehmen über Versorgungsverträge den Zugang zum Strommarkt und damit zu den
Endkunden erhalten. Die Endkunden sollten, wie in
anderen Produktmärkten, ihr Stromprodukt und ihren
Versorger frei wählen können. Gleichzeitig sollten für
Erzeuger und Stromanbieter der Netzzugang und eine
marktkonforme Preisbildung gewährleistet sein. Negative Verteilungswirkungen der Energiepreisentwicklung
sollten dabei nicht über Preisregulierungen aufgefangen
werden, sondern über sozialpolitische Instrumente.
Liberalisierte Strommärkte setzen insbesondere für

24

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Globale Umweltveränderungen

Netze, die ein natürliches Monopol darstellen, eine
unabhängige Regulierungsbehörde voraus. Die steigende Bedeutung der erneuerbaren Energien macht
eine Weiterentwicklung des bestehenden Strommarktdesigns auch hinsichtlich der Preisgestaltung notwendig. Die vermehrt volatile Einspeisung aus erneuerbaren
Energien führt zunehmend zu Netzengpässen, weil das
gegenwärtige Netzsystem auf weitestgehend steuerbare
Erzeugungskapazitäten ausgelegt ist. Erfahrungen in
den USA zeigen, dass ein marktbasiertes Engpassmanagement über regionale Preisdifferenzierung in Form
sogenannter Netzknotenpreise möglich ist (Neuhoff und
Boyd, 2011; Peter und Krampe, 2011). Mit Netzknotenpreisen (nodal pricing) kann hinreichende Transparenz
für ein Engpassmanagement der Netze und Systemstabilität erreicht werden, weil die Systemdienstleistung und
der Stromhandel kombiniert für eine Region betrachtet
werden. Allerdings muss in der Regel ein unabhängiger
Gesamtsystembetreiber bestellt werden, der alle relevanten Parameter des Erzeugungsangebotes zusammenführt. Der WBGU empfiehlt, die Anreizwirkungen
dieses Marktdesigns auch unter Wettbewerbsgesichtspunkten zu prüfen, da es Anreize für Investitionen in
Erzeugungskapazitäten, Speicher und Netzmanagement
setzen kann.
Die räumliche Verteilung von Erzeugung und Last ist
der wichtigste Einflussfaktor in Bezug auf die Auslegung
künftiger Stromnetze. Daher sind, wie bereits beschrieben, klare energiepolitische Rahmenbedingungen und
stabile Förderpolitiken auch für einen erfolgreichen
Netzausbau essentiell.
Der ökonomische Anreiz für den Netzausbau wird
durch Netzregulierung gesetzt. Da Netzregulierung
Angelegenheit der Nationalstaaten ist, herrscht in diesem Bereich eine große Heterogenität vor. Aus Sicht des
WBGU empfiehlt es sich jedoch, auch im Zusammenhang mit nationalen Netzregulierungen international
zusammenzuarbeiten. In Anbetracht der hohen erwarteten Summen, die künftig in den Netzausbau investiert
werden müssen, sollte ein hohes Maß an Transparenz
bei der Regulierung erreicht werden, um so auch für
externe Kapitalgeber attraktiv zu sein. Internationale
Kooperation zur Ermittlung von Best-practice-Richtlinien im Hinblick auf Netzregulierung und Veröffentlichungspflichten kann dazu beitragen.
Exemplarisch zu nennen sind hier die in vielen
europäischen Ländern bestehenden Anreizregulierungen, durch die Sachinvestitionen in die Transformation
der Energiesysteme mobilisiert werden, ohne dass die
Qualitätssicherung der Netze vernachlässigt würde. Bei
der Regulierung müssen sowohl die Qualität der Versorgung als auch das Vorhandensein von Innovationen
und die Umweltverträglichkeit der Stromversorgung
explizit berücksichtigt werden. Eine höhere kalkula-

Politikpapier Nr. 7

Finanzierung

Juni 2012

torische Verzinsung des Eigenkapitals oder auch wettbewerbliche Ausschreibungen von Netzbaumaßnahmen könnten kurzfristig Anreize für Netzinvestitionen
geben. In Großbritannien ist beispielsweise ein neuer
Regulierungsrahmen eingeführt worden, der Kosteneffizienz mit Innovationen und Qualität verbindet. In
Deutschland ermöglicht die neue Netzregulierung eine
Erhöhung der Erlöse von Netzbetreibern über die Möglichkeit zur Beantragung von Investitionsbudgets (Bundesnetzagentur, 2011; BMWI, 2011). Auch dies gibt
einen Anreiz in die gewünschte Richtung.
Der WBGU empfiehlt eine Europäisierung der Energiepolitik mit konsequenter Förderung der erneuerbaren Energien, dem koordinierten, raschen Ausbau der
Netzinfrastruktur inklusive Speicher und Netzzugang
sowie einer konsequenten Energieaußen- und Entwicklungspolitik der EU zur Einbindung Nordafrikas (WBGU,
2011). Ein wichtiger Schritt ist zunächst die Verwirklichung des einheitlichen europäischen Binnenmarktes
für Energie. Der freie Zugang zu den Netzen und die
Errichtung grenzüberschreitender Netze sind erforderlich, um erneuerbare Energien effizient in das bestehende Netz einzubeziehen und die Versorgungssicherheit zu garantieren. Der europäische Energiebinnenmarkt erfordert zudem eine kontinentweite Vernetzung
von Produktion, Verbrauch und Speicherung, was eine
gemeinsame Planung des Energieinfrastrukturausbaus
und die Sicherstellung der erforderlichen Investitionen voraussetzt. Der WBGU schlägt vor, dass sich die
deutsche Bundesregierung für die Verwirklichung eines
klimaverträglichen Energiebinnenmarktes durch die EU
einsetzt, denn diese kann auf der Grundlage ihrer vorhandenen Kompetenzen die Durchführung der im Energiebinnenmarktpaket vorgesehen Maßnahmen sicherstellen.

Empfehlung 5
In Deutschland und Europa: Strommarktdesign und Netzregulierung so gestalten,
dass Strom aus erneuerbaren Energien
zunehmend in den liberalisierten Energiemarkt integriert und letztlich direkt vermarktet wird.

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Globale Umweltveränderungen

Dynamische Effizienzstandards einführen
Anreize für Verbesserungen bei der Energieeffizienz
können durch dynamische, d. h. über die Zeit hin strenger werdende, Effizienzstandards für Produktionsanlagen, Gebäude, Fahrzeuge und andere langlebige
Konsumgüter gegeben werden. Diese sollten sich
gemäß Top-Runner-Ansatz an den energieeffizientesten
Produkten am Markt an einem bestimmten Stichtag orientieren. Entsprechende Standards wären insbesondere
auch für öffentliche Gebäude festzulegen. Hier könnte
Deutschland mit einer weiteren internationalen Initiative vorangehen (siehe Empfehlung „Internationale
Initiative III“).

Forschung und Entwicklung aufstocken
Für die Weiterentwicklung nachhaltiger Energietechnologien, insbesondere zur Übertragung und Speicherung
von Energie, sollten erhebliche zusätzliche Forschungsanstrengungen unternommen und die Forschungspolitik sollte entsprechend ausgestaltet werden. Der staatlichen Unterstützung kommt hier eine wichtige Rolle
zu, denn aufgrund bestehenden Wissens-Spillover
(positive externe Effekte) haben private Unternehmen
nicht genügend Anreize, in Grundlagenforschung und
in grundlegend neue Entwicklungen zu investieren.
Im Hinblick auf die Einspeisung von Strom aus erneuerbaren Quellen in die Stromnetze ist aber die rasche
Entwicklung von Speichertechnologien eine wichtige
Voraussetzung für eine erfolgreiche Transformation
der Energiesysteme. Staatliche Forschungsförderpolitik
sollte dabei vor allem mittels wettbewerblicher Projektförderung und mittels direkter Unterstützung von
Pilotprojekten stattfinden. Die Förderinitiative Energiespeicherung oder das 6. Energieforschungsprogramm
des BMWi in Deutschland könnten Vorbildcharakter für
andere Länder haben.
Erheblicher Forschungsbedarf besteht auch im Hinblick auf die Frage, von welchen Faktoren die Energienachfrage der Privaten und in Folge dessen ihr Energieeffizienzverhalten abhängt. Insbesondere die Bedeutung monetärer Faktoren sollte im Vergleich zu anderen,
vor allem sozialen Faktoren (soziale Netzwerke, soziale
Wettbewerbe, soziale Vergleiche) genauer erforscht
werden. Entsprechende sozialwissenschaftliche Forschungsprogramme sollten künftig in Deutschland, aber
auch in anderen Ländern einen wichtigen Teil der Energieforschung ausmachen.
Des Weiteren dürfte künftig dezentralen Lösungen
eine immer stärkere Bedeutung zukommen. Wie zentral
und dezentral erzeugte bzw. angebotene Energiedienstleistungen effizient miteinander kombiniert werden
können, wäre ebenfalls näher zu erforschen.

25

Politikpapier Nr. 7

Finanzierung

Juni 2012

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Globale Umweltveränderungen

EMPFEHLUNG „INTERNATIONALE INITIATIVE III“:
Internationales Abkommen zu Effizienzstandards in öffentlichen Gebäuden
Der WBGU empfiehlt eine weitere internationale Initiative im Rahmen der G20, die sich auf ein internationales Übereinkommen zu Effizienzstandards in öffentlichen Gebäuden bezieht. Darin läge ein starker Hebel
mit erheblichem Synergiepotenzial. Der Gebäudesektor ist für einen großen Teil des Endenergieverbrauchs
verantwortlich. Das Global Energy Assessment (GEA,
2012) schätzt, dass in industrialisierten Ländern mit
hohem Gebäudebestand durch eine Sanierung der
Gebäudehülle bis zu 90 % der Energiebedarfs eingespart werden können. Regierungen bzw. öffentliche
Einrichtungen müssen ein grundsätzliches Interesse
daran haben, die Betriebskosten von Gebäuden zu
senken. Da Gebäude in der Regel über sehr lange Zeit-

Empfehlung 6

räume genutzt werden, haben öffentliche Gebäudeeigner grundsätzlich einen langfristigen Investitionshorizont, innerhalb dessen sich Effizienzinvestitionen
finanziell rentieren.
Ein internationales Abkommen über Gebäudestandards würde zudem einen globalen Markt für
Effizienztechnologien im Gebäudebereich eröffnen
und damit erheblich zu Kostensenkungen und beschleunigter Marktdurchdringung bei diesen Technologien beitragen. Außerdem können Standards für
öffentliche Gebäude eine Vorbildfunktion für private
Gebäude entfalten und sich positiv auf das Marktangebot von Effizienztechnologien auswirken.

lokalen Bevölkerung, sich bereits in einem frühen Stadium an Investitionsprojekten zu beteiligen. Aus Sicht
von Investoren kann die Attraktivität von Netz- und
Speicherinfrastrukturprojekten zudem wesentlich
durch zeitlich gestraffte administrative Planungs- und
Zulassungsverfahren erhöht werden.

Innovations- und Forschungsanreize
schaffen: Anreize für Innovationen durch
dynamische Effizienzstandards setzen.
Die Forschungsförderung auf die nachhaltige Energietransformation fokussieren.

26

Planungs- und Zulassungsverfahren verbessern

Empfehlung 7

Sachinvestitionen in den nachhaltigen Aus- und Umbau
der Energiesysteme sind unter anderem dann realistisch,
wenn von einer hohen gesellschaftlichen Akzeptanz
der konkreten Maßnahmen ausgegangen werden kann
und wenn Planungs- sowie Zulassungsverfahren keine
wesentlichen Hürden darstellen. Insbesondere Investitionen in Infrastruktur (z. B.Stromleitungen, Kraftwerke)
müssen sich in der Regel gegen hohe Akzeptanz- und
Bürokratiebarrieren durchsetzen.
Es ist wichtig, Bürgerinnen und Bürger frühzeitig über angestrebte Maßnahmen zu informieren und
ebenso frühzeitig und kontinuierlich in Planungs- und
Zulassungsverfahren einzubeziehen. Eine klare und
verbindliche Gesetzgebung muss einen Rahmen für die
Partizipation und Integration der Bürger sowie für einen
Interessensausgleich vorgeben, z. B. in Form einer Entschädigung bei individuellen Nachteilen (Koch, 2011;
Uken, 2011; Pettersson und Söderholm, 2011). Bürgerfonds und Energiegenossenschaften ermöglichen der

Für verbesserte gesellschaftliche Akzeptanz: Planungs- und Zulassungsverfahren für Infrastrukturprojekte straff und
partizipativ konzipieren.

Barrieren auf den Kapitalmärkten verringern
Selbst wenn eine große Zahl der Sachinvestitionen in
den Aus- und Umbau nachhaltiger Energiesysteme
avisiert würde, ist nicht garantiert, dass sie tatsächlich
finanziert werden. Eine Aufstockung der Mittel nationaler Förderbanken und deren verstärkte Ausrichtung als
Green Investment Banks sowie eine stärkere institutionelle Verankerung von Langfrist- und Nachhaltigkeitskriterien könnten hier für Abhilfe sorgen.

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Finanzierung

Juni 2012

Green Investment Banks schaffen
Zur Umsetzung nachhaltiger Energiestrategien sollten
nationale Förderbanken, d. h. staatliche oder öffentliche Banken zur Unterstützung staatlicher Aufgaben,
geschaffen oder – wo bereits vorhanden – verstärkt
auf eine Transformation der Energiesysteme ausgerichtet werden. Ziel dabei wäre es, dass sie die Funktionen
einer Green Investment Bank nach dem Vorbild in Großbritannien (UK-BIS, 2011) übernehmen könnten. In
Deutschland besteht bereits eine solche Institution in
Form der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), deren
Leistungsangebot im Zuge der Energiewende aufgestockt werden sollte. Auf europäischer Ebene könnten
die Europäische Investitionsbank (EIB) und die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD)
entsprechende Funktionen verstärkt übernehmen.
In allen Ländern sollten nationale und überregionale
Förderbanken dauerhaft mit mehr Mitteln zur Förderung von Investitionen in eine Transformation der Energiesysteme ausgestattet werden, die zur Bereitstellung
zinsgünstiger Kredite und Kreditgarantien genutzt werden können. Die Mittelvergabe sollte innerhalb langfristiger Strategien und Programme erfolgen, die sich
an den Zielen einer Transformation der Energiesysteme
orientieren.
Nationale Förderbanken als Green Investment Banks
könnten Investitionen in die Transformation der Energiesysteme in drei für die Investitionstätigkeit zentralen
Bereichen entscheidend unterstützen:
1. Informationsbereitstellung und Kapazitätsaufbau:
Um Wissensdefizite von Sachinvestoren bzw. Kapitalgebern sowie Informationsasymmetrien zwischen
Kapitalgebern und Sachinvestoren zu verringern,
sollten Wissen und Erfahrungen mit konkreten
Technologien in nationalen Green Investment Banks
zusammengeführt werden. Diese Banken könnten ihr
Wissen potenziellen Finanzinvestoren und Kreditgebern direkt vermitteln oder ihnen Zugriff auf Informationsdatenbanken gewähren. Weiter könnten solche Institutionen konkrete Risikoprüfungen einzelner Sachinvestitionen als Serviceleistung anbieten.
2. Kapitalbereitstellung: Die zögerliche Kreditvergabe
von Banken für Sachinvestitionen in die Transformation von Energiesystemen kann durch staatliche
Bereitstellung von zinsgünstigem Kapital sowie durch
Kreditsicherungsinstrumente (etwa Kreditgarantien)
überwunden werden. Staatliche Mittel könnten
durch nationale Green Investment Banks im Rahmen
von Förderstrategien und Programmen an Investoren
vergeben werden. Zusätzlich zu staatlichen Mitteln
könnten sich Green Investment Banks auf den Kapitalmärkten private Mittel durch Ausgabe sogenannter Green Bonds, etwa nach dem Vorbild der Weltbank (World Bank, 2012), beschaffen. Da nationale

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Globale Umweltveränderungen

Förderbanken häufig eine hohe Bonität aufweisen,
wären Green Bonds nationaler Förderbanken auch
für eher risikoaverse Anleger wie Versicherungen und
Pensionskassen interessante Alternativen zu Anlagen
in Staats- und Unternehmensanleihen (Kerste et al.,
2011).
3. Risikoabsicherung: Green Investment Banks sollten
strukturierte Fonds auflegen, in denen staatliche
und private Mittel im Sinne einer Public-PrivatePartnership gebündelt werden, wobei der Staat einen
Teil der Ausfallrisiken im Zusammenhang mit der
Kreditvergabe übernimmt. Solche Partnerschaften
sind insbesondere auch im Bereich des Risikokapitals
wichtig. Beispiele sind der UK Carbon Trust Venture
Capital Fund oder der CalCEF Clean Energy Angel
Fund. Innerhalb solcher Fonds können die Mittel in
mehrere Tranchen unterteilt werden, von denen der
Staat jeweils die riskantesten Anteile übernimmt
und so das Risiko von Zahlungsausfällen für private
Geldgeber vermindert. Ergänzend zu Bankdienstleistungen könnten Green Investment Banks auch
zur Verringerung von Risiken beitragen, indem sie
Versicherungslösungen anbieten, falls diese nicht
oder nicht in ausreichendem Umfang bei privaten
Versicherern zustande kommen. Hierzu gehören
(Export-)Kreditversicherungen sowie Wetterderivate (z. B. Windderivate) oder Solar-PerformanceGarantien zur Absicherung von Wetterrisiken bei
der Erzeugung von Wind- und Solarstrom. Ein
weiteres Versicherungsprodukt wären sogenannte
Energy Savings Insurances, die bewirken könnten,
dass Energy Service Companies bessere Kreditkonditionen von Banken erhalten.

Empfehlung 8
Öffentliche Investitionsförderung stärken
und bündeln: Nationale Förderbanken
gründen bzw. stärken und als Green
Investment Banks ausrichten.

Finanzmarktregulierungen anpassen
Banken, Pensionskassen und Versicherungen spielen
eine wichtige Rolle bei der Finanzierung der Energiewende zur Nachhaltigkeit. Sie unterliegen verschiedenen Regulierungen, deren Ausgestaltung teilweise

27

Politikpapier Nr. 7

Finanzierung

Juni 2012

das Ziel der Nachhaltigkeit bei der Transformation der
Energiesysteme konterkariert. Bei der Ausarbeitung
weiterer Regulierungen im Finanzsektor sollten deshalb
auch außerhalb des Finanzressorts liegende politische
Zielsetzungen berücksichtigt werden. Dazu müssten
z. B. interministerielle Austausch- und Abstimmungsprozesse gestärkt werden. Der in Deutschland neu ins
Leben gerufene Staatssekretärssteuerungskreis zur
Umsetzung der Energiewende (BMU, 2012) könnte als
erster Schritt in diese Richtung gewertet werden.
Grundsätzlich geht es bei Finanzmarktregulierungen, die eine Transformation der Energiesysteme begünstigen, darum, langfristige gegenüber kurzfristigen
Investitionen hinsichtlich Rendite und Risiko attraktiver
zu machen oder zumindest nicht zu benachteiligen. Ein
langfristiger Investitionshorizont ist gerade für Projekte
der Transformation der Energiesysteme charakteristisch.
Ansatzpunkte für eine stärkere Förderung langfristiger
Investitionen bieten beispielsweise die Rechnungslegungs- und Publikationsvorschriften für Finanz- und
Industrieunternehmen sowie die bisher auf kurzfristige
Bewertungsperioden ausgerichteten Management- und
Vergütungssysteme (WEF und Wyman, 2011). Daneben
wären im Zusammenhang mit den Risikokapitalanforderungen für Banken und Versicherungen (Regulierungspakete Basel  III und Solvency II; Kasten 3) Sonderregelungen für Investitionen in die Transformation der
Energiesysteme sinnvoll.

Langfrist- und Nachhaltigkeitsorientierung
stärken
Die Prüfung von Nachhaltigkeitskriterien sollte explizit
in die Entscheidungsprozesse institutioneller Investoren
integriert werden. Viele institutionelle Investoren haben
sich bereits zu nachhaltigen Investments bzw. zu Nachhaltigkeitsberichterstattung bekannt oder Selbstverpflichtungen wie die UN Principles of Responsible Investment unterzeichnet. Staaten sollten derartige Initiativen
unterstützen, indem sie z. B.auf Ebene der EU sowie in
internationalen Foren wie der G20 dafür werben, dass
sich alle großen Finanzinvestoren, insbesondere Pensionskassen, Versicherungen, Stiftungen und Staatsfonds
mit langfristigem Investitionshorizont solchen Selbstverpflichtungen anschließen. Auch Organisationen wie das
Institute of International Finance, die International Association of Insurance Supervisors oder der Long-Term
Investors Club sollten Nachhaltigkeitsaspekte stärker in
den Blick nehmen bzw. für deren Berücksichtigung in
Investitionsentscheidungen werben. In diesem Sinn sollte
auch die Auslegung der treuhänderischen Pflicht von
Versicherungen und Pensionskassen um eine Komponente erweitert werden und neben ökonomischen auch
ökologische und soziale Nachhaltigkeitsaspekte abdecken. Entsprechende Konzepte hierfür wurden bereits

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Globale Umweltveränderungen

vorgelegt (UNEP-FI, 2009a; Berry, 2011) und sollten von
Regierungen unterstützt und rasch umgesetzt werden.
Insbesondere die G20 hätte hier eine wichtige Rolle zu
spielen.

Empfehlung 9
EU, G20, Long-Term Investors Club,
Institute of International Finance und
International Association of Insurance
Supervisors: Langfrist- und Nachhaltigkeitskriterien in Investitionsentscheidungen, Finanzmarktregulierungen und
internationalen Rechnungslegungsvorschriften stärken.

Energiegenossenschaften und neue
Geschäftsmodelle fördern
Da Technologien zur dezentralen Erzeugung von Strom
wichtige Elemente der Transformation der Energiesysteme sind, sollten Bürger an der Transformation der
Energiesysteme direkt beteiligt werden. Energiegenossenschaften sind ein vielversprechendes Modell für die
Finanzierung von Erzeugungskapazitäten für erneuerbare Energien, nicht zuletzt weil sie die Akzeptanz für
eine Transformation der Energiesysteme erhöhen können. In Energiegenossenschaften schließen sich Bürger,
lokale (Genossenschafts-)Banken und teilweise auch
lokale Energieversorger zusammen, um gemeinsam
eine Erzeugungsanlage zu betreiben. Die Finanzierung
erfolgt über Eigenkapital und Fremdkapital, zu dem eine
Genossenschaft eher Zugang hat als einzelne Privatpersonen (Holstenkamp und Ulbrich, 2010). Durch die
genossenschaftliche Organisation können sich Bürger
demokratisch an der Planung und Weiterentwicklung
von Projekten in ihrer Region beteiligen (Brinkmann
und Schulz, 2011). Energiegenossenschaften können
aus passiven Konsumenten Produzenten von Strom
und Wärme machen, und damit sogenannte Prosumer
(Toffler, 1980).
Obwohl Energiegenossenschaften bereits Anfang des
20. Jahrhunderts entstanden sind, erfreuen sie sich seit
den 1990er Jahren in Deutschland großer Beliebtheit.
Zwischen 2001 und 2011 stieg die Zahl der eingetragenen Energiegenossenschaften in Deutschland von etwas
über 50 auf über 400 an. Größtenteils befinden sie sich

Politikpapier Nr. 7

Finanzierung

Juni 2012

in Gemeinden mit einer Einwohnerzahl unter 25.000
(Holstenkamp und Ulbrich, 2010; Maron, 2012). Energiegenossenschaften sollten von den Kommunen durch
Informationspolitik oder unter Umständen auch durch
Eigenbeteiligung unterstützt werden.
Energy Contracting durch Energy Service Companies (ESCO) ist ein wichtiges Geschäftsmodell für die
Finanzierung von Effizienzmaßnahmen. ESCO setzen in
Unternehmen und Haushalten Energiesparmaßnahmen
um und reduzieren so deren Informations- und Transaktionskosten. Da die Anfangsinvestitionen von den ESCO
übernommen werden und Rückzahlungen seitens der
Vertragspartner meist aus den resultierenden Energieeinsparungen erfolgen können, tragen ESCO zu einer
besseren zeitlichen Verteilung der Finanzierungslasten
größerer Effizienzinvestitionen bei. Dies ist für Haushalte und Unternehmen mit eher geringer Liquidität
oder Kreditwürdigkeit ein großer Vorteil. Anbieter solcher Dienstleistungen haben außerdem Wissen über
sinnvolle Effizienzinvestitionen in Unternehmen und
Haushalten und können viele kleine Effizienzprojekte
bündeln. In gebündelter Form sind häufig auch Projekte
finanzierbar, die einzeln nicht finanziert würden. Eine
Förderung von ESCO, etwa durch staatliche Kreditgarantien oder durch staatliche Unterstützung von Energy
Saving Insurances, würde es also ermöglichen, auch verstreute und ungenutzte Effizienzpotenziale zu realisieren. Öffentlich-private Partnerschaften (PPP) zwischen
Financiers, Energieversorgern, lokalen Behörden und
ESCO bieten darüber hinaus vielversprechende Möglichkeiten für eine gute Koordinierung von Nachfrage
und Finanzierung von Energieeffizienzdienstleistungen.

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Globale Umweltveränderungen

Investitionen über Risikokapitalmärkte steigern
Risikokapitalmärkte sollten durch Anpassungen gesetzlicher Rahmenbedingungen so gefördert werden, dass
Anreize für die Bereitstellung von Risikokapital für
die Transformation der Energiesysteme entstehen. In
Deutschland wäre beispielsweise an eine Änderung
des steuerlichen Status von Risikokapitalgesellschaften zu denken. Von der EU-Kommission wurde zuletzt
eine Vereinheitlichung der Gesetzgebung zwischen den
EU-Mitgliedsstaaten vorgeschlagen, um die Bedingungen für den Zugang zu Risikokapital für kleinere und
mittelständische Unternehmen zu verbessern (Europäische Kommission, 2011). In Ländern, in denen sich ein
funktionierender Risikokapitalmarkt bisher noch nicht
etablieren konnte, wäre zudem ein staatliches Angebot von Risikokapital sinnvoll (siehe Empfehlungen zu
nationalen Green Investment Banks).

Energiewende in Entwicklungsländern fördern
Auch in Entwicklungs- und Schwellenländern können
durch die bisher empfohlenen Maßnahmen Impulse
zur Finanzierung eines Aus- und Umbaus der Energiesysteme in Richtung Nachhaltigkeit gegeben werden.
Rechtssicherheit, insbesondere Bestandsschutz und Vertrauensschutz, ist auch in diesen Ländern eine zentrale
Voraussetzung für Investitionen im Bereich erneuerbare
Energien und Energieeffizienz. Was Investitionen in
nachhaltige Energiesysteme angeht, sind Schwellenländer in Bezug auf ihre ökonomischen Möglichkeiten und
in Bezug auf ihre Governance den Industrieländern ähnlich. Demgegenüber gibt es für die Entwicklungsländer
einige weitere spezifische Ansatzpunkte.

Market Facilitation Organisations aufbauen

Empfehlung 10
Investitionsbarrieren für Haushalte und
mittelständische Unternehmen abbauen: Private Haushalte sowie kleine und
mittelständische Unternehmen bei der
Finanzierung transformativer Energieinvestitionen durch die Förderung von Energiegenossenschaften, neuen Geschäftsmodellen und durch besseren Zugang zu
Risikokapital unterstützen.

Für Entwicklungsländer wäre der Aufbau von Market
Facilitation Organisations (MFO) sinnvoll, durch die
die Transaktionskosten für die Marktentwicklung bei
neuen Technologien gesenkt werden können. Dies
kann beispielsweise dadurch geschehen, dass MFO
potenzielle Marktpartner sowie potenzielle Financiers finden, Marktanalysen und Beratung vor Ort für
erneuerbare Technologien durchführen oder Ideen für
neue Geschäftsmodelle entwickeln, die über den reinen Stromverkauf hinausgehen. Die öffentlich-private
Eigentumsstruktur von MFO ermöglicht es ihnen,
öffentliche Zielsetzungen, wie die Einführung erneuerbarer Energietechnologien, mit privaten Geschäftsinteressen, etwa möglichst kosteneffiziente Dienstleistungen
zu erbringen, zu kombinieren. Deutschland hat hier
bereits Erfahrungen mit Projektträgern und international tätigen Unternehmen im Bereich Standortmarketing
gesammelt. Basierend auf diesen Erfahrungen sollte das

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Politikpapier Nr. 7

Finanzierung

Juni 2012

Angebot der MFO ausgebaut werden, wobei Deutschland und andere OECD-Länder hier beratend tätig werden könnten.

Strategische Energiepartnerschaften eingehen
Strategische Energiepartnerschaften von Industrieländern bzw. großen Schwellenländern mit Entwicklungsländern können dazu beitragen, erneuerbare Energietechnologien den lokalen Gegebenheiten anzupassen
und den Aufbau nationaler Produktionskapazitäten zu
unterstützen. Dadurch können Lernkurven schneller
durchschritten und Kostensenkungen eher erreicht werden. Erfolgreiche Beispiele für Nord-Süd-Partnerschaften im Bereich Energie sind die Afrika-EU-Energiepartnerschaft (AEEP), die Euro-Mediterrane Partnerschaft
(EUROMED) oder die U.S.-China Clean Energy Cooperation (AEEP, 2011; US-DoE, 2011). Beispiele für SüdSüd-Partnerschaften sind die Kooperationen Brasiliens,
Chinas oder Indiens mit Ländern wie Nigeria, Senegal,
Indonesien oder Mosambik (Biopact, 2007a,b).

Zugang zu internationalem Kapital verbessern
Bilaterale und multilaterale Finanzierungsinstitutionen sollten genutzt werden, um staatliche Zuschüsse,
zinsgünstige Kredite oder auch staatliche Garantien an
regionale und lokale Banken in Entwicklungsländern zu
geben. Dadurch könnte für potenzielle Sachinvestoren
ein günstigeres Rendite-Risiko-Verhältnis geschaffen
werden. Gleichzeitig würde das Ausfallrisiko für lokale
Financiers gesenkt und somit die Liquidität des lokalen
Kapitalmarkts erweitert. Durch die Einbindung internationaler Fonds wie der International Finance Corporation (IFC), der Multilateral Insurance Guarantee Agency
(MIGA) oder des Currency Exchange Fund könnten Versicherungslösungen für Investitionen angeboten werden, die sonst kommerziell in vielen Entwicklungsländern nicht zur Verfügung stehen.
Weiter sollten mit Unterstützung internationaler Finanzierungsinstitutionen Finanzierungs- und
Geschäftsmodelle gefördert werden, die den Zugang
zu Kapital in Entwicklungsländern verbessern und den
spezifischen lokalen Anforderungen gerecht werden.
Hierzu gehört der Ausbau der Mikrofinanzierung in den
jeweiligen Ländern, mit Fokus auf der Finanzierung von
erneuerbaren Energietechnologien und Energieeffizienzinvestitionen. Außerdem sollten neuartige und erfolgreiche Geschäftsmodelle in diesen Ländern im Rahmen
der Entwicklungszusammenarbeit unterstützt werden.
Solche Geschäftsmodelle bestehen beispielsweise darin,
die Energieerzeugungstechnologie und Endgeräte im
Besitz des Anbieters zu lassen und private Haushalte
nur für Dienstleistungen wie Licht, Fernsehen, Radio
oder das Aufladen von Mobiltelefonen zahlen zu lassen
(UNEP-FI, 2012; IEA, 2011b). Auf diese Weise könnten

30

Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung
Globale Umweltveränderungen

Liquiditätsbarrieren für nachhaltige Energieinvestitionen überwunden werden.

Clean Development Mechanism neu ausrichten
Bei einer Weiterführung des Clean Development Mechanism (CDM) könnte auch dieses Instrument einen Beitrag
zur nachhaltigen Transformation der Energiesysteme in
Entwicklungsländern leisten. Der WBGU schlägt vor,
den CDM künftig in erster Linie in den am wenigsten
entwickelten Ländern einzusetzen und einen Fokus auf
sektorale Maßnahmen im Energiesektor, und zwar speziell bei erneuerbaren Energien und Energieeffizienz, zu
legen. Eine CDM-Reform sollte es vor allem erleichtern,
eine Vielzahl kleiner Projekte zu bündeln, so dass deren
(Mit-)Finanzierung durch ausländische Investoren einfacher und günstiger wird. Für eine solche Bündelung
kommen grundsätzlich die bereits existierenden Programmes of Activities (PoA) oder sektorale Ansätze in
Frage. Beide Ansätze sind jedoch mit hohen Transaktionskosten verbunden. Zur Senkung der Transaktionskosten sind die Entwicklung standardisierter Baselines
und Methodologien sowie vereinfachter Prozeduren für
die Projektabwicklung wesentlich. Letztlich müssten
diese Reformen des CDM den Boden für neue Marktmechanismen bereiten, wie sie derzeit im Rahmen der
UNFCCC diskutiert werden. Sofern sich die Industrieländer künftig bindende und deutlich anspruchsvollere
Emissionsobergrenzen setzen, kann es sinnvoll sein,
im Rahmen neuer Marktmechanismen auch Maßnahmen auf nationaler Ebene auf die Reduktionsziele von
Industrieländern anrechenbar zu machen. Die Baselines und Methodologien aus programmbasiertem CDM
oder sektoralen Ansätzen sollten deshalb einfach skalierbar sein, dabei aber in jedem Fall die Nachweisbarkeit von Emissionsreduktionen sicherstellen. Ohne
bindende und anspruchsvolle Emissionsobergrenzen
der Industrieländer hält der WBGU, insbesondere in

Empfehlung 11
Entwicklungsländer und internationale
Entwicklungsorganisationen: Zusätzliche
Maßnahmen zur Senkung von Transaktionskosten in Entwicklungsländern ergreifen, z. B. Market Facilitation Organisations
aufbauen, strategische Energiepartnerschaften eingehen und Zugang zu Kapital
verbessern.

Politikpapier Nr. 7

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Schwellenländern, die Förderung transformativer Investitionen durch Industrieländer über Unterstützung der
NAMAs für sinnvoller.

Internationale Energie-, Klima- und
Entwicklungspolitik verknüpfen
Für eine globale Transformation der Energiesysteme zur
Nachhaltigkeit sind zusätzliche internationale Anstrengungen notwendig. Es muss dabei vor allem um eine
stärkere Vernetzung verschiedener Politikbereiche auf
internationaler Ebene gehen.

UN-Energy weiterentwickeln
Die Internationale Energieagentur (IEA) und die Internationale Organisation für Erneuerbare Energien (IRENA)
sind wichtige institutionelle Akteure der internationalen Kooperation für die Energiewende. Die Aktivitäten
beider Organisationen sind jedoch kaum miteinander
koordiniert. Eine Weiterentwicklung von UN-Energy als
Plattform für eine zwischenstaatliche Zusammenarbeit
würde zu Synergien und zur Stärkung dieser Organisationen führen. UN-Energy sollte eine integrierte und
energiesystemische Ausrichtung der Aktivitäten internationaler Organisationen und auch eine Verbindung
von Energiepolitik und entwicklungspolitischen Zielen
sicherstellen. Der WBGU empfiehlt, sich für eine Stärkung von UN-Energy als koordinierende Plattform im
UN-System einzusetzen und die Organisation auf die
Ebene eines Programms zu heben.

IRENA stärken
Für den weltweiten Ausbau erneuerbarer Energien
ist ein international koordiniertes und beschleunigtes
Vorgehen sinnvoll. Die 2009 gegründete IRENA hat
die Aufgabe, Industrie- und Entwicklungsländer bei
der Einführung erneuerbarer Energien zu beraten und
zu unterstützen. IRENA soll praxisnahe und konkrete
Politikberatung anbieten, Kompetenzaufbau, Technologietransfer und Finanzierung erleichtern sowie den
Austausch von Wissen fördern. Es kommt jetzt darauf
an, die Gründungsphase abzuschließen und die inhaltliche Arbeit in vollem Umfang aufzunehmen. Der WBGU
empfiehlt der Bundesregierung, sich als Mitgliedsstaat
für eine dauerhafte Finanzierung der IRENA einzusetzen und auf eine konkrete Mittel- und Langfriststrategie
hinzuwirken.
Die weltweite Verbreitung zeitlich befristeter Einspeisevergütungen sollte eines der programmatischen
Ziele der Organisation sein. Die IRENA könnte dabei
als Sekretariat und Koordinationsplattform für die vom
WBGU empfohlene „Internationale Initiative II“ zur Verbreitung von Einspeisevergütungen fungieren. Damit

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IRENA als Koordinationsplattform für die Einführung
von Einspeisevergütungen dienen kann, sollte sich die
Bundesregierung dafür einsetzen, dass IRENA weltweit
hohe Aufmerksamkeit und Bedeutung in Energiefragen bekommt, um gleichberechtigt und gemeinsam mit
bestehenden Organisationen den Ausbau erneuerbarer
Energien voranzubringen.
Darüber hinaus könnte IRENA Datenbanken zu
Potenzialanalysen, Förderpolitiken und Finanzierung
erneuerbarer Energien erstellen, um den Kapazitätsaufbau in Entwicklungsländern in enger Zusammenarbeit
mit der International Feed-in Cooperation (IFIC) besser
zu ermöglichen. Weiter könnte sie Partnerschaften zwischen Ländern anbahnen, die sich – analog zur Energiepartnerschaft der EU mit Nordafrika – gemeinsame
Ausbauziele für erneuerbare Energien setzen und diese
durch gegenseitige Anrechnung neuer Kapazitäten und
mit gemeinsam finanzierten Projekten erfüllen wollen.

Energiecharta-Vertrag erweitern
Der Vertrag über die Energiecharta wurde 1994 zwischen der Europäischen Union, ihren Mitgliedsländern
und Ländern aus Mittel- und Osteuropa als völkerrechtlich verbindliches Investitionsschutz- und Handelsabkommen im Energiesektor geschlossen. Der Vertrag trat
1998 in Kraft. Ihm sind inzwischen viele zentral- und
ostasiatische Länder beigetreten. Zeitgleich ist auch das
Energiecharta-Protokoll zur Energieeffizienz und zu
damit verbundenen Umweltaspekten in Kraft getreten.
Der Energiecharta-Vertrag beinhaltet materielle und institutionelle Bestimmungen, die die Zusammenarbeit der
Mitgliedsländer im Energiesektor fördern und vor allem
Rechtssicherheit für Investitionen im Energiebereich
und für den Handel mit Energieprodukten schaffen sollen. Im Einklang mit dem GATT und der WTO beinhaltet
es ein Diskriminierungsverbot für alle Waren, Dienstleistungen und den Kapitalverkehr im Energiesektor.
Verstaatlichung und Enteignung sind nur bei entsprechender Entschädigung zulässig. Sowohl für Investoren
als auch für Vertragsstaaten ist ein Streitbeilegungsverfahren im Vertrag festgelegt. Das Energiecharta-Protokoll zur Energieeffizienz und zu damit verbundenen
Umweltaspekten unterstützt außerdem die Koordinierung von Energieeffizienzpolitiken der Vertragspartner.
Der WBGU empfiehlt der Bundesregierung, sich
auf Ebene der Europäischen Union dafür einzusetzen,
dass mehr Länder dem Energiecharta-Vertrag und dem
Energiecharta-Protokoll beitreten. Mit diesen Abkommen könnten internationale Kapitalflüsse im Energiesektor abgesichert und die internationale Kooperation
im Energiesektor gestärkt werden.

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Politikpapier Nr. 7

Finanzierung

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Kooperation von Industrie- und Schwellenländern
ausbauen

Weltbank, Entwicklungsbanken und Green
Climate Fund stärken

Mit der Schaffung eines geeigneten Ordnungsrahmens
können Barrieren für Investitionen in klimaverträgliche Technologien abgebaut und stabile, langfristige
Rahmenbedingungen für transformative Investitionen
geschaffen werden. Ein großer Teil der Investitionen
in die globale Energiewende zur Nachhaltigkeit wird
künftig in den Schwellenländern getätigt werden. Einige
Schwellenländer, insbesondere China, verfügen über
ausreichende finanzielle Mittel und erhebliche Devisenreserven, aus denen die notwendigen Anschubfinanzierungen getätigt werden könnten. Auch in den Schwellenländern muss jedoch ein geeigneter Ordnungsrahmen
entwickelt werden, um die Transformation anzustoßen
und zu beschleunigen.
Vor diesem Hintergrund kommt der energiepolitischen Kooperation zwischen Europa und den
Schwellenländern eine hohe Bedeutung zu. Neben
Technologiepartnerschaften und konzertierten Investitionen in die Ausbildung kommender Generationen von Ingenieuren sollten auch länderübergreifende
Forschungsprogramme zur Stärkung der Energieeffizienz angeregt werden. Es sollten zudem gemeinsame
energiepolitische Lernprozesse zur Entwicklung transformativer Ordnungspolitiken ermöglicht werden, um
die Finanzierung der Transformation der Energiesysteme sicher zu stellen. Die realen Kosten der Finanzierung hängen vor allem von langfristigen Politiken und
von der Art des Instrumentenmixes ab. Gemeinsame
Such- und Lernprozesse sind für OECD- und Schwellenländer sinnvoll. Hochrangige Politikdialoge (z. B. auf
Ebene der G20 und B20), länderübergreifende Zusammenarbeit zwischen den für den Umbau der Energiesysteme relevanten Ministerien oder auch der gemeinsame
Aufbau internationaler Masterprogramme, in denen die
energiepolitischen Voraussetzungen und Anreizsysteme
für eine klimaverträgliche Transformation der Energiesysteme im Zentrum stehen, wären denkbare Elemente
dieser Kooperation.

Mit einer organisatorischen Verzahnung energie- und
entwicklungspolitischer Institutionen wie Weltbank,
Entwicklungsbanken und Green Climate Fund bietet
sich die Chance, der eindimensionalen Sicht auf die
Vereinten Nationen als Dienstleister multilateraler Entwicklungszusammenarbeit eine breitere Perspektive
entgegenzusetzen und die transformationspolitischen
Hebelpotenziale multilateraler Organisationen zu betonen. Multilaterale Akteure der Entwicklungspolitik sollten ihre operativen Strategien kohärent an den Erfordernissen umwelt- und klimaverträglicher Entwicklung
ausrichten. Im Sektor Energie sollten sie ihre Ressourcen
vor allem für eine globale Transformation der Energiesysteme in Richtung Nachhaltigkeit bündeln. Die Förderung konventioneller Entwicklungsprogramme, die den
Status quo des vorhandenen Energiesystems konservieren, sollten zurückgefahren und sukzessive eingestellt
werden.
Der WBGU empfiehlt die Aufstockung der Budgets
von Weltbank, regionalen Entwicklungsbanken und der
bilateralen Entwicklungszusammenarbeit mit der klaren
Zielsetzung, nachhaltige Energiesysteme aufzubauen
bzw. bestehende nicht nachhaltige Energiesysteme zu
transformieren. Mit den zusätzlichen Mitteln sollten
vor allem die am wenigsten entwickelten Länder (Least
Developed Countries, LDC) in die Lage versetzt werden, Energiepolitiken partizipativ zu formulieren und
die vorhandenen Potenziale von erneuerbaren Energien
und Energieeffizienz zu erkennen und auszuschöpfen.
Die zur Weltbankgruppe gehörende Internationale
Entwicklungsorganisation, die bilaterale öffentliche
Entwicklungszusammenarbeit und nichtstaatliche Organisationen sollten ihre Mittel gezielt in den Aufbau von
Verwaltungs- und Politikkapazitäten in LDC einsetzen,
um diese Länder in die Lage zu versetzen, nationale
Entwicklungsstrategien inklusive eigener energie- und
klimapolitischer Zielsetzungen zu formulieren. So könnten die Voraussetzungen dafür geschaffen werden, dass
diese Länder künftig internationale Finanzierungsbeiträge als Kofinanzierung beantragen und gleichzeitig attraktiv für ausländische Direktinvestitionen
sind. Damit kann die nationale Absorptionskapazität
für internationale Finanzierungen erhöht werden. Die
nationalen Strategien zur Armutsbekämpfung (Poverty
Reduction Strategy Papers, PRSP) könnten dafür
genutzt werden, kurzfristig nationale Energiestrategien
in den 30 ärmsten Entwicklungsländern zu entwickeln.
Eine der Zielsetzungen müsste sein, den Zugang zu
moderner Energie in den LDC zu verbessern und so u. a.
zur Armutsbekämpfung beizutragen. So könnte auch die
Weltbank den Aufbau klimaverträglicher Energieinfrastrukturen in den LDC unterstützen.

Empfehlung 12
Internationale Energiepolitik ausbauen:
UN Energy und IRENA stärken, Transformationspartnerschaften zwischen OECDund Schwellenländern schaffen und den
Energiecharta-Vertrag erweitern.

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Globale Umweltveränderungen

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Juni 2012

Innerhalb des Green Climate Fund (GCF) ist eine
Fazilität für den privaten Sektor vorgesehen. Diese Fazilität ermöglicht den direkten oder indirekten Zugang zu
Kapital für private Investoren auf nationaler und internationaler Ebene. Der WBGU empfiehlt, dass der GCF
die für nationale Green Investment Banks empfohlenen
Förderinstrumente auf internationaler Ebene analog
anwendet. Wie erwähnt, geht es um Informationsbereitstellung und Kapazitätsaufbau, Kapitalbereitstellung
über zinsgünstige Kredite und Kreditgarantien sowie
um Risikoabsicherung durch die Übernahme von Garantien für Ausfallrisiken. Die Instrumente sollten sich an
der ökonomischen Leistungsfähigkeit des Ziellandes der
Investition orientieren, so dass dessen wirtschaftliche
Entwicklung optimal unterstützt werden kann. Nationale und lokale Akteure wären dabei einzubinden.

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Globale Umweltveränderungen

Transferzahlungen haben, da ansonsten die ohnehin
nicht ausreichend ambitionierten Minderungsziele der
Industrieländer noch weiter verwässert würden.

Empfehlung 13
Internationale Institutionen der Entwicklungs- und Klimafinanzierung: Energie-,
Klima- und Entwicklungspolitik inhaltlich
und finanziell stärker verknüpfen. Entsprechende Institutionen stärken und mit
ausreichenden Finanzmitteln ausstatten.

Konvergenz von Klima- und Entwicklungsfinanzierung fördern
Die öffentliche Klimafinanzierung und die öffentliche
Entwicklungsfinanzierung sollten im Hinblick auf eine
Finanzierung der globalen Energiewende zur Nachhaltigkeit deutlich stärker als bisher konvergieren. Eine
strikte Trennung der beiden Finanzierungsbereiche
erscheint nicht sachgerecht. Klimaschutz sollte integraler Bestandteil von Energie- und Entwicklungspolitik
werden. Die Herausforderung besteht dann darin, dennoch die Zusätzlichkeit der Mittel für den Klimaschutz
sicherzustellen.
Der WBGU empfiehlt, von der Entwicklungspolitik zu lernen und die Paris Declaration sowie die Accra
Agenda for Action für die internationale öffentliche
Klimafinanzierung zu übernehmen, um für die Geberund Nehmerländer einerseits mehr Verbindlichkeit und
andererseits mehr Vertrauen zu schaffen. Ferner sollte
das Berichtswesen der öffentlichen Entwicklungszusammenarbeit genutzt werden, um mehr Transparenz über
öffentliche Finanzflüsse auch im Zusammenhang mit der
Klimafinanzierung zu schaffen.
Weiter sollten Investitionen im Energiesektor auch
dann international gefördert werden, wenn ihr unmittelbarer Beitrag zur Emissionsminderung zwar klein ist,
sie aber einen Beitrag zur Transformation der Energiesysteme leisten (z. B. Netzausbau, Speicher). Zur Bestimmung eines solchen Beitrags sind entsprechende Indikatoren zu entwickeln.
Schließlich dürfte die im Rahmen der UNFCCC vereinbarte Förderung von NAMAs (Nationally Appropriate Mitigation Actions – angekündigte Klimaschutzmaßnahmen der Entwicklungs- und Schwellenländer)
durch die Industrieländer bei den gegebenen Minderungszielen der Industrieländer nicht vorrangig als
Beitrag zu ihren eigenen Klimaschutzzusagen gewertet
werden (offsetting), sondern sollte den Charakter von

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WBGU – Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (2010): Klimapolitik
nach Kopenhagen. Auf drei Ebenen zum Erfolg. Politikpapier 6. Berlin: WBGU.
WBGU – Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (2011): Welt im
Wandel: Gesellschaftsvertrag für eine Große Transformation. Hauptgutachten. Berlin: WBGU.
WEF – World Economic Forum (2011): Green Investing 2011 – Reducing the Cost of Financing. Genf: WEF.
WEF – World Economic Forum und Wyman, O. (2011): The Future of Long-Term Investing. A World Economic
Forum Report in Collaboration with Oliver Wyman. New York: WEF.
Witte, J. M. (2009): State and Trends of Public Energy and Electricity R&D. A Transatlantic Perspective. Energy
Policy Paper Series 4. Berlin: Global Public Policy Institute (GPPI).
World Bank (2010a): Making the Most of Public Finance for Climate Action. Issues Brief 2. Washington, DC:
World Bank.
World Bank (2010b): World Development Report 2010: Development and Climate Change. Washington, DC:
World Bank.
World Bank (2011a): The Greening of Development. Special Report. Washington, DC: World Bank.
World Bank (2011b): Energy-Data. Worldbank Group Energy Portfolio by Financing Source. FY2007–FY2011.
Internet: http://web.worldbank.org (gelesen am 21. Mai 2012). Washington, DC: World Bank.
World Bank (2012): Green Bonds Fact Sheet. January 5 Update. Internet: http://treasury.worldbank.org/cmd/
pdf/WorldBankGreenBondFactSheet.pdf (gelesen am 24. April 2012). Washington, DC: World Bank.

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Politikpapier Nr. 7

Finanzierung

Juni 2012

Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung
Globale Umweltveränderungen

WRI – World Resources Institute (2011): Summary of Developed Country Fast-Start Climate Finance Pledges.
Internet: http://www.wri.org/publication/summary-of-developed-country-fast-start-climate-financepledges (gelesen am 10. Februar 2012). Washington, DC: WRI.
WWF – World Wide Fund for Nature, Ecofys und IMO – International Maritime Organization (2011): The
Energy Report 2011. Berlin, Köln, London: WWF, Ecofys, IMO.
Zähres, M. (2011): Solvency II and Basel III. Reciprocal Effects Should not be Ignored. Frankfurt/M.: Deutsche
Bank Research.
Zerriffi, H. (2011): Innovative business models for the scale-up of energy access efforts for the poorest.
Current Opinion in Environmental Sustainability 3, 272–278.

Danksagung
Danken möchte der Beirat jenen Personen, die durch Gespräche, Kommentare und Beratung
wertvolle Anregungen und Hinweise zum Politikpapier gegeben haben:
Felix Holz, Deutsche Bank, Vice President Expertenteam Greentech, Global Banking
Silvia Kreibiehl, Vice President Asset Finance and Leasing, Deutsche Bank; Lead Analyst GET FiT Program der
Deutschen Bank; Investment Manager für den European Energy Efficiency Fund
Prof. Dr. Ulf Moslener, Professor für Finanzierung nachhaltiger Energiesysteme, Frankfurt School of Finance
and Management; Wissenschaftlicher Leiter UNEP Centre for Climate & Sustainable Energy Finance (SEFI)
Dr. Armin Sandhövel, Chief Executive Officer, Allianz Climate Solutions GmbH
Heiko von Tschischwitz, Turina Holding GmbH & Co. KG/Lichtblick AG

Wissenschaftlicher	Stab
Die Erstellung dieses Politikpapiers wäre ohne die engagierte Arbeit
des wissenschaftlichen Stabs des Beirats nicht möglich gewesen:
Dr. Inge Paulini (Generalsekretärin), Dr. Carsten Loose (stellvertretender Generalsekretär), Dipl.-Volksw. Julia
Elisabeth Blasch (ETH Zürich), Dr. Karin Boschert (Geschäftsstelle WBGU, Berlin), Dipl.-Kfm. Sebastian Busch
(TU Wien), Rüdiger Haum, PhD (Geschäftsstelle WBGU, Berlin), Hannes Hotz, M. Sc. (DIE Bonn), Daniel Klingenfeld, MPP, M. Sc. (PIK Potsdam), Dipl.-Soz. Silvia Kodeih (PIK Potsdam), Dr. Carsten Pape (IWES Kassel),
Dr. Benno Pilardeaux (Geschäftsstelle WBGU, Berlin), Verena Seemann, L.L.M. (Universität Bremen),
Alexander Schülke, M. Sc., MPP (Humboldt-Universität Berlin, bis 29.02.2012), Dr. Astrid Schulz (Geschäftsstelle WBGU, Berlin), Olivia Serdeczny, M. A. (PIK Potsdam), Dr. Birgit Soete (Geschäftsstelle WBGU, Berlin),
Dr. Bernd Sommer (KWI Essen). Für wertvolle Zuarbeit dankt der Beirat Johannes Manser, ETH Zürich,
Institute for Environmental Decisions (IED).

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Mitglieder	des	WBGU
Prof.	Dr.	Dr.	h.	c.	Hans	Joachim	Schellnhuber	CBE	(Vorsitzender)
Direktor des Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, External Professor am Santa Fe Institute und
Vorsitzender im Governing Board des Climate-KIC des European Institute of Innovation and Technology

Prof.	Dr.	Dirk	Messner	(stellv.	Vorsitzender)
Direktor des Deutschen Instituts für Entwicklungspolitik gGmbH, Bonn

Prof.	Dr.	Dr.	h.	c.	Claus	Leggewie
Direktor des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen, Forschungskolleg der Universitätsallianz
Metropole Ruhr

Prof.	Dr.	Reinhold	Leinfelder
Geologe und Paläontologe mit dem Schwerpunkt Geobiologie, Integrative Biodiversitätsforschung und
Wissenskommunikation; Professor an der Freien Universität Berlin, Institut für Geologische Wissenschaften, AG Geobiologie und Anthropozänforschung

Prof.	Dr.	Nebojsa	Nakicenovic
Systemanalytiker und Energiewirtschaftler, Professor für Energiewirtschaft, Technische Universität
Wien (TU Wien) und Deputy Director, International Institute for Applied Systems Analysis (IIASA),
Laxenburg, Österreich

Prof.	Stefan	Rahmstorf
Professor für Physik der Ozeane, Universität Potsdam, und Leiter der Abteilung Klimasystem am
Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung

Prof.	Dr.	Sabine	Schlacke
Professorin für Öffentliches Recht mit dem Schwerpunkt deutsches, europäisches und internationales
Umweltrecht, Verwaltungsrecht, Universität Bremen

Prof.	Dr.	Jürgen	Schmid
Leiter des Fraunhofer Instituts für Windenergie und Energiesystemtechnik, IWES

Prof.	Dr.	Renate	Schubert
Professorin für Nationalökonomie und Direktorin des Instituts für Umweltentscheidungen,
Eidgenössische Technische Hochschule, Zürich

Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung
Globale Umweltveränderungen
Telefon:
Fax:
E-Mail:
Internet:

(030) 26 39 48-0
(030) 26 39 48-50
wbgu @ wbgu.de
http:// www.wbgu.de

Redaktionsschluss: 01.06.2012
Dieses Politikpapier ist im Internet in deutscher und englischer Sprache abrufbar.
2012, WBGU
ISBN 978-3-936191-60-8
Dies ist eine gegenüber der Druckversion korrigierte elektronische Fassung.

Design: WERNERWERKE GbR, Berlin

Geschäftsstelle
Luisenstraße 4 6
101 1 7 Berlin
        
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